Skip to main content

Full text of "Des gottseeligen hocherleuchteten Jacob Böhmens teutonici Philosophi Alle theosophische Wercken : darinnen alle tieffe Geheimnüsse Gottes der ewigen und zeitlichen Natur und Creatur : samt dem wahren Grunde christlicher Religion und der Gottseeligkeit, nach dem apostolischen Gezeugnüss offenbahrer werden : theils aus des Authoris eigenen Originalen, theils aus den ersten und nachgesehenen besten Copyen auffs fleissigste corrigiret : und in Beyfügung etlicher Clavium so vorhin noch nie gedruckt, nebenst einem zweyfachen Register : den Liebhabern göttlicher und natürlicher Weissheit zum besten an Tag gegeben"

See other formats




3 


—9 
iR 














NEISSE 
/ 


// AN 


E/ 
/} 
HINIRDEESSIE 
If, WER / 
If} ⸗ 


/ 


ar 


DDR 


— 


Wu 


un * N \\ 
N 2 N 4 \ \RLLILLINN 
s Q\ A, \ —0 N! 
N & — N) N m N 
| > N N \ 


EN WANN N 
x MN 


$ 




















HEN 
z<tu.n 


— —— 
III 





ALHSTIENTEELEE en 


Le} 


HLLFFE ; 


A KAFFEE, 








T PLZ Er 7 


— 












_ ws ey 


Andentung der Titul Figur über 
MYSTERIUM MAGNUM. 


icrocofmus ofes X yferiun 
und M und finddas 
acrocofmus cfüas agnum 


und groſſe Geheimnuͤß / wie Feuer und Sicht / Geſetz und Genadel 
Bild und Weſen / welche ungleiche Dinge find/und müffen dennoch 
beyſammen feyn „und einander lieben / denn ſie find ausder £in= ,. 
beit gebohren/die Fein Leben noch Freude hat/als aus diefen zwey⸗ wis 

en / und doch der Beyder Leben ift. © 

Mo aber GOttes Licht und Geiſt ſich in ſich verbirgt / und 
nicht aus ſich flieſt / da iſt kein wahres Leben / Licht / Freude / 
Friede noch Ruͤhe / wie im Macrocoſmo zu ſehen. Denn ob ſchon 
Das Sennenslicht ſchoͤn leuchtet und alles erfreuet / und die Ster⸗ 
ne lieblich ſchimmern / ſo iſt es doch nur eine nachge bildete Kraft 
im Streit des Lichts und der Finſternuͤß des Waſſers und Zeus 
ers / Die einander verfolgen / darumb ſtehet das schen des Gei⸗ 
ſtes Majoris Mundi in Angft und Unruhe / dager ſtaͤts walget 
und umbdrehet / und fan Fein Genügen finden in feinem eigenen 
Lichte. Und wie er iſt / ſo ſind auch feine Creaturen/ die ein ſtrei⸗ 
tiges Leben gegeneinander fuͤhren / denn ſie erben ſeinen treiben⸗ 
den Feuer⸗Geiſt / den Er in tunckeln Wolcken / Nebel / Dampff/ 
Donner / Plitzen und Ungeſtuͤmen Winden als ſeinen Poſaunen 
fehen laͤſſet / daß ſich alles fuͤrchtet / und vor feinem ſchrecklichen I A 
Geſicht flichet / big Das fanffte Waſſer gebohren wird undter AD. 9: 
Sonnen-fchein durchbricht- und treibt fo fort durch beſchloſſene 1) ö 
Zeiten und Sahren bißans Gerichte / da alles durchs Feuer ſoll 
gehen / das Gute vom Böfen geſchieden werden und zu Ruthze 


— 


or 
EN 


kommen. * 

Alſo iſt Adam vie Bildnuͤß GOttes die in Ihm durch Imagi- 2 
nation verſchlungen und thicrifch worden / auch mit feinem i 
Geiſt / Natur und Eigenfchafft beladen ; treibet feine Wunder \ 
‚in Haß Neid / Zorn / Moͤrderey / eigener Herrſchafft / Gewalt / 


Tyranney / auch eitelerguft und Freuden in Kuͤnſten / Pfeifen, . 

Geigen / als auch ſchwerer Mühe mit Adern / Bauen / Pflanz 
gen und Viehzucht / biß dic Figur crfüllet wird mit Pharao und 

| Egypten / dag der Menfch die kindliche Freyheit und fein Para⸗ 

diſiſches Batterland verlohren / und unter einen dummen und 

vichiſchen Zwang und Gewalt gerathen /da Er dem Zode tode 

| Dinge muß formen/ und todte Steine auß der Erden machen, 
| Dars 











—* * Pe N Br Ai 7 
ERNEST FR — 
ER RENTE 


Darumb erweckt Gott eine Figurder Erlöfungim Eyfer der 
‚Gerechtigkeit mie Moſe / welcher in Nachbildung gleiches pro- 
cefles der Schöpffung des Geiſtes dieſer Welt aus Schrad und 
Todes-furcht für Pharao nach feiner Gebuhrt ins Waſſer ges 
worffen / und im Fewer (als der Wurtzel der ſtarcken Sebeng» 
Macht) beruffen wird / und gibt ihm das Ambt eines Hertzogen 
und gewaltigen Heylandes nach dem Regiment des Geiſtes dies 
fer Welt / dag Er mit Wunderen und Thaten als cin kleiner 
GH und Schöpffer über Pharao und Egypten herifchet. Der 
treibt und führet Hernach das Myfterium Microcofmi,als die gers 
trenneten und abgefüllenen Eigenfchafften des Menfchlichen Le⸗ 
bens (tie die Sterne am Himmel) in der Figur der Kinder 
Iſrael: Und zwinget fie auch mit Gewalt zum Gchorfam Gottes 
durchs Geſetz nit Schrecken und entſetzlichem Geſicht der tunce 
keln Wolcken / Dampff / Donner / Blitzen / und Poſaunen⸗ 
ſchall / und gehet im Ambte ſeines Eyfer⸗geiſtes zu vertilgen das 
Geheimnuͤß der Urſachen zu Sünden und Grewelauſſer ſich in 
Der Welt mit Krieg) Schwerdt / Würgen und Außrotten der 
Heyden und frembven Bolder : als auch zu verfühnen die eige⸗ 
ne wuͤrckliche Suͤnden mit Schlachten und Feweropffer des Dies 
hes /durch die Zeit Jofux , ver Richter/ Könige / und Prophes 
ten / biß an die Zeit Mefliz, da die fanffte Waſſertauffe anfüns 
get / amd die Sonne des Sehens in Chrifto auffgehet. 

Da höretdas Vorbild auff/und mug der Feuer Eyfer des Ges 
ſetzes ſterben und ruhen / denn Er kan das Menfchliche Myfle- 
rium durch den Zorn Gottes nicht führen / darumb ruffet @r 
zum andern mahl Jofuam als Iefum ins Myfterium aufden Berg 
Thabor / und übergibt Ihm das Myfterium Macrocoſmi und 
Mierocofmi, day Er die eingeführte Boßheit des Teufels in der 
Welt mit Fewer und Schwerdt des Gerichts vertilge; den 
Menfchen aber im Geift feiner Liebe Durchs Opffer feines eigenen 
Goͤttlichen Sleifches und Bluts durch den Zorn Gottes führe) und 
Bas Sand des Paradeifes zur ewigen Ruhe außtheile / welches 
noch in diefer Welt iſt / aber mit dem Fluch der Eitelkeit bedeckt? 
wie Mofis verklärtes Angeficht mitder Decke / Chriſtiis mis 
der falſchen heuͤcheley des Anti⸗chriſts / und die Schrift mit ge⸗ 
heimen Vorbildern und Figuren/dic doch letzo mit Eröffnung des 
ren Siegels durch den Engelder 7den Pofaune auffgeſchloſſen / 
entdeckt / gezeiget und außgewickelt werden. 


Wie folches erleuchtete Augen fehen in diefem Bu⸗ 
che uud in den übrigen allen, 


Die 


’ NV Brad, ee het. 
R Re we — 
— a2 ——— em 
Die Druckfehler in dieſem Buchedes Mylterii Magri DER 
find Diefe: 





Folio.28. Linea1rg.delegerne hören. 


F. 6. L, 17. fürfühleteliefe füllete, 3 

F. 73.L. 32. füreingegeben liefe geben. 

F. ııg.L. 5. für Liebes liefe Leibes. 

F. 136. L. z4.für fuͤhlet lieſe fuͤllet. 

F. ı6.L. 6. für martet liefe martert. 

F. 168. L. 3 . fuͤr wider lieſe weder. 

Be 7. für fügete Tiefe fegete, 

F. 264. L. ı2.fürı4.liefe go. 

F. 342. L. 32. nad Gottes / adde welches. 

F. 420. L, 27. nach Menſch /adde bey einander wohnen / 
und wie der Natuͤrliche Menſch &c. 

F. 480. L. 1x. nach Regiment / adde fein s Geſetzes Le 
ben / und auch in denen / die im Regi⸗ 

ment &c. 
F. 600. L. 29.für Jeruſalem lieſe Babel, 
F. 690. L. 7. fuͤr ſtehet lieſe ſtehet. 
F. 728, L, 18. dele die. 


— ae 
Pure, — 
fu — * 
nf — ———— KEITEN — 

— 
A % endtall ihalliyz | BR N 
y —— Re” Be 5 i 

ir PR at 
A er, visaktind re er 

Su ron und 

— SEC 


ar 7° 
. Pa — 
— 


a 
— Ba h 





Kurtzer Begriff 
dieſes 
Buchs. 


— RCOheund tieffe Gruͤn⸗ 


FR 3 de vor Dem Dresfas 
f NZ y) ben Leben des Men⸗ 












WISH I Elirlich angezeiget 
a G) wird / beydes Das 
— — Ewigeund auch das 
Tödliche: Vnd warum GOTT (Das 
hoͤchſte Gut) alleshervor an das Liecht 
gebracht habe: Werumb such immer 
eirtes wider Das ander lauffe uno ſelbi⸗ 
es verderbe: Vnd dan / was wahr 
oder falfch fey / und wie fich Das eine 
von dem andern ſcheide: Worinne vor⸗ 
nemblich die drey Principia gegruͤndet 
ſeynd / welche dan der einige Vrſprung 
oder Ouelle ſeynd / aus welcher die Din⸗ 
ge ausflieſſen und erbohren werden. 
Woraus zumaln auch klaͤhrlich zu er⸗ 
kennen die mancherley Glaubens Mey⸗ 
nungen / warumb und aus was Vrſach 
ſo vielerley Meynungen unter den Men⸗ 

| 3 ſchen 





— 


ſchen Rindent vom Weſen oder VOllen 
GÖttes entſtehen / was auch dem 
Menſchen nörbig und nüzlich zu thun 
ſey Damit er deß Hoͤchſten oder Ewi⸗ 
gen Gutes moͤge theilhafftig werden: 
Vnd dan auch zugleich von dem Aus⸗ 
gang und Ende aller Dingen / warumb 
alle Ding in einer ſolchen Eigenſchafft 
oder Weſen erſchienen find : zu troſt 
der Armen / verwundeten und krancken 
Menſchlichen Seele des Menſchen / und 
zu Wieder⸗auff bawung der wahren 
Chriſtlichen Religion, worin der Wie⸗ 
derchriſt gantz bloß und offenbar ſtehet. 
GSeſtellet vor uns ſelbſten zum Inge⸗ 
denck und Auffrichtung in dieſer ver⸗ 
wirreten / elenden und truͤbſeligen Zeit. 


Das 


Das ı. Eapittel, 


Vom Urkund des sehens: Item don der ewigen 
Gebuhrt des Göttlichen Weſens. 


I» 


X wir uns entfinnen umfers 

MLebens Anfang / und wollen 
das halten gegen dem ewigen 
schen] weldheswirinder Vers 
yeiffung haben: fo können wir 
\ Nicht fagen oder finden / dag 
wir in dieſem enfferlichen Le— 
N ben daheime find / denn wir 
[chen deß eufferlichen Lebens 
Anfang ımd Ende / dazu die 
ganze Zerbrehung und endli— 
che Verweſung unſerer Leiber? 
Mehr ſehen und wiſſen wir von 
feiner Wiederkunfft in dieſes Sehen / haben deſſen auch keine 
Verheiſſung vom höchften undewigen Gute. 

2, So dean nun ein Leben in uns iſt / welches ewig ungers 
brechlich iſt / mit welchem wir trachten nach dem hoͤchſten Guts 
und auch ein Leben von dieſer Welt / welches endlich und zer⸗ 
brechlich iſt; und auch ein Leben darinn die Quall und Uhrſache 
des Lebens ſtehet / in welchem die hoͤchſte Faͤhrlichkeit des ewigen 
Berderbens / Jammers und Elendes ſtehet; So iſt uns noht 
zu entſinnen des Lebens Anfang / woron ſolches alles herruͤre 
und ſich alſo urkunde. 

3. Und ſo wir uns denn nun des Lebens entſinnen / was das 
ſey / fo finden wir/ dag es ein brennend Feuer ſey / daß da 
zehret / und fodas nicht mehr zu schrenhat / erlifcht es/ wie das 
anallen Feuren zufchen ift. Denn das geben hat feine Zehrung 
vom Leibe / und der Leib von der Speife / deunfo der Leib nicht 
mehr Speife hat / fo verzehret ihn das Schenssfiuer / dag cr 
verwelcket und verdirbet/ alseine Wieſen⸗Blume / fodienicht 
Waſſer hat / umbfaͤllet. 

4. So aber noch ein Leben im Menſchen iſt / das da ewig und 
unzerbrechlich iſt / als die Seele / welche auch ein Feuer iſt / 
und mug eben fo wohl Zehrung haben / als das Elementifche 
toͤdtliche Leben / fo ift uns feine Quall und Speife zu entfinnen/ 

43 was 





Mi 


% Vom dreyfachen Leben Cap. 1; 


was da ſey / daß ihme immer Speiſe gebe] daß es in Ewigkeit 
nicht erlefche. | 

5. Und dann zum dritten / fo befinden wir in unſerm See— 
len⸗leben / daß noch ein gröfferer Hunger darinnen fen / nach 
einem andern hoͤhern und beffern Leben / als nach dem höchften 
Gut / welches das Göttliche Leben genandt wird/ daß fich die 
Seele nicht laſt an ihrer eigenen Speiſe begnügen / ſondern be⸗ 
gehret mit groſſem Saͤhnen und verlangen das hoͤchſte ud beſte 
Gut / nicht alleine zu einer Wonne / ſondern im Hunger zu 
einer Speiſe. 

6. So iſt uns nun in groſſem Wiſſen und wahrer Erkaͤnt— 
nuͤß / daß ein jedes Leben begehret feiner Mutter / Daraus daß 
Leben erbohren wird / zu einer Speiſe; alß das Holtz iſt des 
Feuers Mutter / deſſen begehretdas Feuer / und fo es vonfei= 
ner Mutter getrennetwird/ fo erlifchet dass So iſt die Erde 
‚aller Baͤume und Kräuter Mutter) und die begehren ihr/ und 
das Waſſer init den andern Elementen ift der Erden Mutter/ 
ſonſt ſtuͤnden fie im Tode / und wüchfe darinnen und Daraus we⸗ 
ver Metallnoch Baͤume / auch Fein Kraut und Graf. 

7. Bir fehen vornemblich / dag das Elementiſche Leben in. 
einem Sude ſtehet / daß es ein Sieden ift / und fo es nicht mehr 
feidt / erliſchets; Auch fo willen wir / daß das Geſtirne die 
Elementen anzuͤndet / und find die Sternen der Elementen 
Feuer / un» die Sonne zündet die Sternen an / daß alfo ein 
Quallen und fieden ineinander iſt / aber das Elementiſche Leben 
iſt endlich und zerbrechlich / und das Seelen⸗leben iſt ewig. 

8. So es denn nun ewig iſt / ſo muß es auch von dem ewigen 
ſeyn / wie denn der theure Moſes gar recht davon ſchreibet. GOtt 
habe den Menſchen den lebendigen Athem eingeblaſen / ſo ſey der 
Menſch eine lebendige Seele worden. 

9: Wir fönnenabernicht fagen / dieweil der Menfch in ei⸗ 

* dreyfachen Leben ſtehet / daß jedes Leben beſonders ſtehe / 
mit einer ſonderlichen Geſtalt: Sondern wir befinden das es 
in einander iſt / und hat doch jedes Leben ſeine Wuͤrckung in ſei⸗ 
nem Regiment / als in feiner Mutter. Dann gleich wie GOTT 
der Batteriftalles/ daun es urftänderfich alles von ihime/ und 
iſt aller Orten gegenwaͤrtig / und iſt die Füllealler Dinge / und 
das Ding begreifft Ihn doch nicht / und iſt auch das Ding nicht 
GOTT weder feines Geiftes / noch des rechten Göttlichen 
Weſens / daß mangar aus von feinem begreifflichen Dinge fagen. 
kan: Das if GOtt / oder allyie ift GOtt vor andern. Derterie 
und 


Cap. r. des Menſchen. a 
undift doch warhafftig gegenwärtig/ er halt das Ding / und 
das Ding ihn nicht / er begreift das Ding/ und das Ding ihn 
nicht / denn er wohnet nicht in dem Dinge / ſondern in fich felber 7 
in einem andern Principio, 

10. Alſo auch iſt die Seele des Menſchen von GOTT einge⸗ 
blaſen / die wohnet in dem Leibe / die iſt mit den Sternen und 
Elementen-Geift umbfangen / nicht allein wie ein Kleid’der 
Leib bedecket / fondern ift mit dem Sternen und Elementifchen 
Geift inficiret / gleich wie die Peſtilentz oder eine andere Kranke 
heit den Elementifchen Geift inficiret / daß er feinen Leib ver» 
gifftet / hinfaͤlt und ftirber / da fich dann auch Die Sternen⸗quall 
von der. Seelen bricht / und felber verzehret / dieweil die Ele= 
mentifche Mutter zerbricht / fo hat der Sternen⸗geiſt auch Feine 
Speife mehr ; verzehret fich derowegen felbjt / die Seele aber 
bleibet rohe / dieweil fie von einer andern Speife lebet. 

11. Alfo verftehet uns in dem Wege / obgleich die Seele alſo 
Mt mit dem Sternen und Elementifchen Geift gefangen / daß 
Diefelbe Auall in der Scelen wohnet. So hat doch die Seele 
‚eine andere Speife/ und lebet in einem ander Principio, ift 

auch eines andern Weſens / danıı ihre Eflentien find nicht 
aus dem Geftirne/ fondern haben ihren Afang und Corpor⸗ 
lihe Bereinigung aus dem ewigen Bande / aus der ewigen 
Natur / welches ift GOttes des Vatters vor dem Liecht feiner 
Siebe / im deme erin fich felber eingehet/ und machet ihme fel= 
ber das zweyte Principium in feiner Liebe / Daraus er fein ewiges 
Wort und Herk von Ewigkeit in Ewigkeit immer gebichret / 
da fich denn der heiligen Nahme GOttest immer uhrkundet 7 
und behält feine Göttlihe Natur / als ein Geift im andern 
Principio in fich felber 7 / und wohnet im Nichts / als nur blog 
in ſich felber. 

12. Dann ob gleich das Bandder ewigen Natur in ihm iſt / 
ſo iſt doch der Goͤttliche Geiſt dem Bande nicht unterworffen / 
dann der Geiſt zuͤndet das Band der Natur an / daß es mit des 
Liechtes Krafft in der Liebe und im Leben des Worts des Hertzens 
GOttes erleuchtet und quaͤllende wird / daß es ſey eine heilige 
Wonne und Paradeis des Geiſtes / ſo GOTT genandt iſt. 

13. Alſo auch die Seele des Menſchen iſt aus Dem Bande des 
ewigen Urkundes / darinnen ewig ſtehend / und begehret in ſich 
ſelber ins ander Principium zu GOTT einzudringen / und ſich 
zu erſaͤttigen an GOttes Krafft. 

14. Dieweil ſie aber alſo mit gantzem Weſen / mit ihrer ei⸗ 

14 genen 


3 Domvreyfachen eben Cap.x 
genen Eſſentien, nicht kan ins Liecht und Kraft GOttes eins 
gehen / fo wenig als die ewige Ratur kan ins Sieht GOttes ein⸗ 
Rringen/ daß fie das Liecht eigenthuͤmblich in eigener Gewalt 
Hätte/ ſondern das Liecht ſcheinet aus der Liebe in feinem Prin- 
cipio in der ewigen Ratur: Day alfo Das Liecht ein Herr Der 
emigen Natur bleiber / Dieweiles die ewige Natur nicht ergreife 
fet/ fondern erfrevect fich im dem Liecht / und bringet hervor 
feine Wunder in des Liechtes Kraft und Verſtandt / da ſie dan 
vffenbahr werden. 

x5. Alſo auch fan die Seele des Menſchen nicht mit ihren 
Efientien ins Liecht BDftes eindringen Daffelbe zu bewältis 
gen: Sondern mug in fichfelber / alsin cin ander Principium 
zu GOZZT eindringen infeine Siebe: Denn du muſt allhie eine- 
anderencwe Gebuhrt in der Seelen verftehen; Dann fie mug 
sicht alleine atıs den Sternen und Elementifchen. Leben auss 
Dringen / fondern auch aus ihrer eigenen Lebens-Quell / und 
ihren Willen fchöpffen im geben GOttes / darinnen zu ſeyn: 
Und derſelbe geſchoͤpffte Wille/ wird von GOTT angenoms 
men / und GOTT wohnet indeinfelben Willen. Alfo komt das 
Goͤttliche Leben und Liecht in die Seele / und iſt Gottes Kindt: 
Dann ſie ſtehet in ihrer Quell und Leben als GOTT ſelber in 
der Quell der ewigen Natur. 

z6. Allhier verſtehen wir mun / daß auſſer dem Liechte GOt⸗ 
tes des 2. Principii in der ewigen Natur eine aͤngſtliche Quell 
fin: Denn des Lebens Band ſtehet im Fewer: Wann aber dafs 
ſelbige Feuer von der heiligen Goͤttlichen Liebe inficiret und ge⸗ 
fingen wird / fo gehet das Leben in ſich ſelber aus in ein andere 
Quall / dann ihme wird ein ander Principium auffgeſchloſſen / 
allda innen lebetes / und iſt das Leben in GOTT / gleich wie 
GOTT in ſich ſelber wohnet / und iſt doch warhafftig felber ala 
les / es iſt alles von ſeiner Natur herkommen. Du muſt aber 
verſtehen nicht alles aus der ewigen Natur / alleine die Seele 
und die Engliſche Geiſter / ſondern von ſeinem geſchoͤpfften 
Willen / welcher einen Anfang hat / als vom euſſern: Dar⸗ 
amb ſind auch alle Weſen dieſer Welt vergaͤnglich. 

17. Und befinden wir hierinnen unſerer Seelen erſchroͤckli⸗ 
chen groſſen Fall unſerer erſten Eltern / daß ſie iſt in Geiſt 
dieſer Welt eingegangen in eine frembde Herberge: Und 
hat verlaſſen das Goͤttliche Liecht / darinnen ſie ein Engel 
und Kindt GOttes war. Darumb muß fie wieder ausgchenf 
aus dem Geiſte der Sternen und Elementen in eine newe Ge⸗ 
buhrt ins Leben GOttes. 18. Weil 


Cap.r. des Menfchen. 9 


18. Weil aber daſſelbe der Seelen nicht möglich war / fo 
kam das Sehen GOttes aus Siebe und Griaden zu uns ing 
Fleiſch / und nam unfere menfchliche Seele wieder in fich / in 
das Göttliche Leben / in des Liechtes Krafft / dag wir allhier 
ray in demfelben chen zu GOTT ineinenewe Gebuhrteine 

ringen. 

19. Dann gleich wie wir mit Adams Seele find alle aus dene 

Leben GOttes ausgegangen / und die falfche Sucht vonder See⸗ 
fen unferer Eltern als aus einem Brunne- alle erzeuget und 
geerbet haben : alfo hat uns das geben GOttes in Chrifto wieder 
new⸗gebohren / das wir im Leben Chriſti koͤnnen wieder ins Le⸗ 
ben GOttes eingehen. * 
20. Und ſo es nun iſt / daß unſer Seele ini Bande des ewi⸗ 
gen Urkundes ſtehet / mit dem Geiſte dieſer Welt inficiret / und 
vom Grimme des Urkundes im Leben des ewigen Feuers / als in 
der ewigen Natur gefangen. So muͤſſen wir mit unſeren See⸗ 
len / ein jeder vor ſich ſelber / ing Leben Chriſti zu GOTT ein⸗ 
dringen in die newe Wieder-Gebuhrt / ins Leben und Geiſt 
Chriſti / und hilfft allhie eine Heucheley / Scheinheiligkeit oder 
eigene Wercke der Verdienſte / denn anders kan der armen See⸗ 
len nicht gerathen werden / ſie gehe dan in ſich ſelber / als in einen 
newen geſchoͤpfften Willen mit groſſem beſtaͤndigem Ernſt ins 
geben Chriſti ein: Da wird fie mit gar groſſen Ehren von GOtt 
und feinen Kindern im andern Principio enipfangen/ und wird 
ihr gegeben der edle theure Schatz / als das Kecht des ewigen Le⸗ 
bens / welches die Quall der Selen Feuer imerften Principioy 
darinnen ſie mit ihren Effentien weſentlich ewig ſtehet / exleuch⸗ 
tet / und aus Angſt Liebe machet / aus Auffſteigen und brennen 
als des Feuers eigen Recht / ein demuͤtig lieblich Sachen in ſanff⸗ 
ter Wonne. 

21. Und iſt die Seele alſo in einer Wonne im Goͤttlichen Le⸗ 
ben / wie ich es etwa vergleichen möchte / einem angezuͤndeten 
Kechte / da der Stock der Kertzen brennet / und giebt einen won⸗ 
neſamen Schein von ſich / da in dem Schein kein Quall iſt / ſon⸗ 
dern ein liechte Wonne / und bleibet doch die brennende Blut: 
Jedoch muſtu eg verſtehen / als wann in der Glut feine Wehe 
empfunden wuͤrde / ſondern nur alſo eine Urſache des Lebens⸗ 
ſcheins ſey / wie man dan kein Feuer kan mit dem Goͤttlichen 
vergleichen / dann die Goͤttliche Natur / daraus das Goͤttliche 
Lebens⸗Feuer brennet / iſt mit der Liebe GOttes inficiret] dag 
das Liecht GOttes ehr andy Principium in ſich ſelber · machet 7 

Br 5: Bars 


to Vom dreyfachen Leben  Kap.r. 
— keine Natur empfunden wird / dann es iſt der Natur 
nde. 

22. Darumb kan die Seele in ihren eigenen Eflentien das. 
Sicht GOttes nicht fahen zu bewältigen / denn. fie ift ein Feuer 
in der ewigen Natur / umd erreichet nicht der Natur Ende: 
Dan fie bleibet inder Natur als in eine geſchaffene Ereatur 
aus der ewigen Natur: und da doch Feine Begreifflichkeit ift / 
ſondern ein Geiſt in fiebenderley Geftalt: Und da doch im Ur⸗ 
kund nicht fieben / fondern nur vier erfandt werden / welche das 
ewige Band halten / und find die Quallin der Angft / darinnen 
ſtehet das ewige / und daraus werden die andere Geftalten alle 
trbohren darinnen GOTT und Himmelreich ftehet: Und in 
Ben vier Geftaltendie Angft und das Wehe / fo die blog und al⸗ 
fein ftchen / fo verftehen wir darinnen das höllifche Feuer / und 
den ewigen Zorn GOttes. 

23. Und ob wirnicht wiſſen des Göttlichen Wefens Urkund/ 
dann es hat keinen / ſo wiſſen wir doch Die ewige Gebuhrf / die 
nie keinen Anfang gehabt hat. So fie dan keinen Anfang ge> 
Habt / fo ift ſte noch heute / als fie von Ewigkeit je gewefen iſt- 
Darumbdörffen wir wolldas angreiffen/ daß wir heute ſehen: 
und im Sicchte GOttes erkennen : und folluns darumb niemand 
vor unwiffend achten] daß ıms GOtt zu erkennen giebt fein ei⸗ 
gen Weſen / welches wir nicht können und follen verleugnen/ 
bey Derlierung des Göttlichen Liechts und unfers ewigen. 
Heyls: Sintemahl es auch feinem Menfchen möglich ift zu 
nehmen / es werde ihme dan aus GOttes Gnaden in feiner Jiche 
gegeben. Und ſo es ihme dan wird gegeben / fo ftchet die Seele 
in der Erkaͤntnuͤß in den Wundern GOttes / die redet nicht von 
fernen oder frembden Dingen / ſondern von denen Dingen darinn 
He ſtehet / und von ſich ſelber; denn ſte wird in Gottes Liecht ſe⸗ 
hend / daß ſie ſich kan ſelber kennen. 

24. Daß nun ſolches kan ſeyn / fo dencket daß der Seelen⸗ 
Eſſentien ſtehen im Urkunde im erſten Principio, und daß das 
Goͤttliche Kiecht ſcheinet in ſich ſelber und macht das ander: 
Principium; alſo ſind derer zwey / und ſihet die Seele in der ho⸗ 
ben Erkaͤndtnuͤß vom Liechte des andern Principii, welches im 
the ſcheinet; Warumb ſoll ſte dan nicht von ihrem Vatterlande 
reden / darinnen ſte lebet? Und du tolle Welt im dritten Prin- 
eipio, im Geiſte der Sternen und Elementen wilſt ihr das ver⸗ 
bieten / die du doch an GOTT blind / und im ewigen Zorne und: 
a Quall des Urkundes geſangen ligeſt. 

25. So 


- 


Cap.t. des Menſchen. tr 

25. So dan dene alfo ift / fo wollen wir den Grund des ewi⸗ 
gen Bandes fegen zu einem Spiegel/ deme der da begehret zu 
ſehen / wie wol es iſt / daß er es von ums nichtmagerlernen/ er 
trete dan felber indie newe Gebuhrt / ins leben Jeſu Chrifti/ daß 
das Goͤttliche Liecht ſelber in ihme ſcheine / ſonſt find wir ihme 
Hiſtoriſch / und nicht verſtanden. 

26. So wir aber reden vom Quall des Fewers und ſeiner An⸗ 
zuͤndung / welche wir vom Fewer des Lebens verſtehen / ſo wiſſen 
wir gewißz / daß daſſelbe im Urkunde vor der Anzuͤndung des 
Fewers / nur in zweyen Geſtalten ſtehet / und hat nur eine eini⸗ 
ge Mutter die iſt herbe / und zeucht an fich / und da fie doch auch 
in ſich ſelber nichts iſt / als ein Wille des ewigen Vatters / in der 
ewigen Natur / welchen er geſetzet hat in ſich ſelber / ſich zu offen⸗ 
bahren / und ſeine Wunder zu zeigen. 

27. Nun iſt derſelbe Wille ewig / und herruͤhret aus nichts / 

als nur aus ſich ſelber / und ſo der nicht waͤre / ſo waͤre alles ein 
Nichts / weder Finſternuͤß noch Liecht / und ſo dan Etwas iſt 
ſo iſt es der ewige Wille / der iſt herbe und begehrende / als nemb⸗ 
lich die Wunder der Schoͤpffung. So denn nun ein Begehren 
iſt / ſo zeucht das Begehren in ſich / und das angezogene ins Be⸗ 
gehren machet den Willen voll / daß das Begehren voll wird / denn 
der Wille iſt duͤnne als ein Nichts / und das angezogene im Wil⸗ 
len machet den Willen dick / uͤnd iſt ſeine Finſternuͤß / alſo ſte⸗ 
het das ewige Begehren in der Finſternuͤß. 
28. So nun der Willeim Begehren an ſich zeucht / ſo iſt das 
Anziehen ein Stachel der Ruͤgung / denn der Wille iſt dünne als 
ein Nichts / und iſt ſtille als ein Nichts. So denn nun der Wilb 
le ein ewiges Begehren iſt / fo zeucht er auch ewig in ſich / und da 
er doch nichts hat anzuziehen / ſondern er zeucht ſich ſelber / und 
ſchwaͤngert ſich / daß aus dem Nichts eine Finſternuͤß wird / und 
das Anziehen machet den Stachel der erſten Eſſentien, daß alſo 
eine Ruͤgung ſey / und ein Uhrkundt der Beweglichkeit. 

29. Nun aber fan auch der Wille das Anziehen mit der 
Schwaͤngerung nicht leiden / denn er wil frey ſeyn / und mag 

Doch nicht / denn er ift begehrende / und fo er dan nicht mag frey 
werden. gehet er mitdem Anziehen in fich / und faſſet in Sich einen 
andern Willen aus der Finſternuͤß aus zu gehen in ſich felber / 
und derfelbe andere gefaffete Wille ift das ewige Gemuͤhte / und 
gehetin fich felber als ein fchneller Blitz /undzerfprengetdie Fin⸗ 
ſternuͤß / und gehet in-fich felber aus / und wohnet in ſich ſel⸗ 
ber / und machet ihme alſo ein we“ are anderer Quall F 
i me: zenn⸗ 


12 Vom dreyfachen geben Kap. 


denn der Stachel der Ruͤgung bleibet in der Finſternuͤß. 

30. So muͤſſen wir nun von den Geſtalten in der herben fin⸗ 
ſtern Natur reden: Dann auff ſolche Eigenſchafft und Ahrt ur⸗ 
rundet ſich die Natur. Denn wir verſtehen daß ſich die Finſter⸗ 
nuͤß ſaͤhnet nach dem Liechte / welches ewig gegen ihr ſtehet / aber 
in einem andern Prineipio. 

32. Dan die zwey Geſtalten / als Herbe und Bitter ſtachlicht/ 
ſind der Urkund alles Weſens / und der ewige Wille iſt die Mut⸗ 
ter in der ſie ſich gebaͤhren: Und iſt uns zu verſtehen / daß die Her⸗ 
bigkeit mit dem Faſſen des Willens immer an ſich zeucht / und das 
Anziehen iſt der Stachel, ver Ruͤgung / welches die Herbigkeit 
nicht mag erdulden. Denn die Herbigkeit begehret das herbe 
ſtrenge einſchlieſſen im Tode / und die ſtachlichte Bitterkeit iſt 
der Auffſchlieſſer: Und da es doch in ſich nichts wäre ohne dei 
Willen. — 

32. So nun die Herbigkeit alſo ſtrenge anzeucht / ſo kan es 
der Stachel / als des Herben eigen Anziehen / nicht dulden / fone 
dern ruͤget ſich viel ſeyrer und die Herbigkeit kan das ruͤgen 
auch nicht dulden / denn fie begehret den ftillen Todt. Alfoift das 
eine Kette und Bandit dag ſich immer felber machet / und hatkeie 
nen Macher. 

33. So nun diefes alſo gefchwinde. in einander gehet als ein 
ſchneller Gedancke / fo begehret der Stachel. aus der Herbig 
keit) und kan doc, arıch nicht / denndie Herbigkeit gebieret / und 
Halt ion auch: Uno foerdannichtüber fich kan / fo wirder dräs 
hend als ein Radt / und zerfprenget alfo die angezogene Herbig⸗ 
keit / und maͤchet eine ſtaͤte Verwirrung und Vermiſchung / im 
welchem das Brechen oder Wehe ſtehet / wiewoll allhie keine 
Fuͤhlung iſt / ſondern nur Geſtaͤlte der Natur. Und verſtehen 
wir hierinnen die Fuͤhlung / und da es doch nicht iſt / denn es iſt 
feine Materia, ſondern des Geiſtes / oder der ewigen Natur 
Uhrkundligkeit in dem ewigen Willene denn das herbe Begehe 
zen zeucht und macht gerade / fo zerfprengets die Bitterkeit im 
draͤhenden Rade / day alfo die Bislfültigung der Effentien ent⸗ 
ſtehen / und iſt gleich einer Unſinnigkeit / oder wie ich fagen moͤch⸗ 
te im Gleichnuͤz/ ine Verwirrung derewigen Beweglichkeit 
eine Urſache der Bſſentien. 

34. Solches muß der ewige Wille in ſich leiden / darumb faſ⸗ 
fet er ihme einen andern Willen aus dieſem Rade zu entfliehen / 
und mag dech auch nicht: dann es iſt ſein eigen Weſen: Und fo 
tx nicht mag / und Doc) auch in ewig Begehren und he 

nicht 


Cap.r. des Menſchen. 17 
nicht mag laffen / fo halt und zeucht er doch an ſich / daß alſo die 
Eflentien immer gebohren werden / und doch auffer dem Begeh⸗ 
zen ein Nichts find > Und ſtehet alfo die gantze Geſtalt im Schaf 
le / und heiſſet Mar: und fo der Willedan nicht mag frey ſeyn / 
geraͤth erin groffe Angſt (nach Menſchlichen Berftande alfo zu 
reden / auff daß der zefer den Sinnergreiffe / und die Tieffe ) 
dann der Wille ift die Faſſung / und das gefaſſete im Willen ift 
feine Finſternuͤß und das Begehren ift die Eſſentia: Und der 
Wider-wille ift das Radt der Vielfaͤltigung der Eflentien , als 
fo dag alda innen keine Zahl funden wirdt / fondern alles nach 
der Beweglichkeit iſt die Menge: 

35. Diefe zwey Geſtalten ſind dit ewige Effentien, und das 
ewige Bandt / das ſich ſelber machet / und kan anders nicht thun: 
denn die groſſe Weite ohne Ende / begehret der Enge und eine 
Einfasligeeit/ darinnen ſie ſich mag offenbahren: Dann in der 
Weite und Stille waͤre keine Offenbdahrung; fo muß ein Ans 
ziehen und ein Einſchlieſſen ſeyn / darauß die Offenbahrung er⸗ 
ſcheine. 
ſe 36. Auch ſo muß ein Wiederwille ſeyn: dann ein heller und 
ſtiller Wille iſt wie ein Nichts / und gebieret nichts. Soll aber 
ein Wille gebaͤhren / ſo muß er in Etwas ſeyn / darinnen er for 
me / und in dem Ding gebaͤhre. Dann Nichts iſt nichts / ſondern 
eine ewige Stille ohne Ruͤgung / da weder Finſternuͤß noch Liecht 
iſt / auch wider Leben noch Todt. 

37. So wir aber denn clar ſehen / daß Liecht und Sinfternug 
iſt / dazu eine ewige Veweglichteit und Formirung / dag nicht 
alleine im Loco dieſer Welt ſeyn mag / als weit unſere Sinnen 
reichen / ſondeen ohne Ende und Zahl / da denn die Engliſche 
Woelt reine erſcheinet / und Doch nicht in der Einſchlieſſung der 
Finſternuͤß. So iſt unſer Sinn zu ergeben nach der Engliſchen 
Welt / und welche doch auch nicht auſſer dieſem Loco iſt / ſondern 
in einer andern Quall / und im ewigen Liechte / und da doc) Fein 
Liecht ſeyn moͤchte / es ſey dan eine Gebaͤhrerin. 

38. Soll es numaus der Gebaͤhrerin erſcheinen / ſo muß es 
aus der Gebaͤhrerin außgehen: Dann die Gebaͤhrerin iſt eine 
Finſternuͤß / und da ſie doch auch nichts wäre / ſo nicht das ewige 
Wort ſtunde / welches den ewigen Willen ſchoͤpffet / und in dem 
Schoͤpffen iſt die Bebupre des ewigen Weſens. Davon fügt 
8. Johannes : Im Anfang war das Wort / und das Wort 
war bey GOTT] u GOTT war das Wort] daſſel⸗ 
Bige war im Anfang bey GOTT :- Alle Dingfind durch 

%r7 daſſelbe 


m u ” HET 


— 2 N . DER By. 
14 Vom dreyfachen eben Cap.r. 
daſſelbe gemacht / und ohne daſſelbe iſt nichts gemacht 
was gemacht iſt. 
39 Alhier mein liches Gemuͤhte / bedencke woher Liecht und 
Sinjternüß komme / dazu Frewde und Leidt / Liebe und Feindt⸗ 
ſchafft / darzu Hinmel⸗ und Hoͤllen⸗reich / Gut und Boͤſes / Le⸗ 
ben und einſchlieſſen des Todes. 

40. Du ſprichſt: GOTT hat ſolches geſchaffen. Ja recht/ 
warumb biſtu aber blind / und erkenneſt das nicht / ſo du doch 
GoOttes Gleichheit biſt? Warumb redeſtu von GOTT mehr 
als du weiſt / oder dir geoffenbahretift ? ? Warumb machſtu Ge⸗ 
ſetze von GOttes Willen / davon du nichts weiſſeſt / ſintemahl 
du ihn nicht kenneſt? Oder warumb ſchleuſſeſtu dein Leben in 
Todt / ſo du doch wohl leben / und GOTT erkennen magſt / wel⸗ 
cher in dir wohnet? denn Du hoͤreſt auch das vom 8. Johanne, 
daß alle Ding ſind durchs Wort gemacht. 

41. So aber GOTT das Wort iſt / daß alle Ding hat ge⸗ 
macht / fo muger in allen Dingen ſeyn gewefen / dann cin Geiſt 
iſt nicht ein gemacht Weſen / fondern ein gebohren Weſen in ſich 
felber / welches das Centrum der Gebuhrtin fich felber hat / fonft- 
wäre er serbrechlich. 

42. So muß nun das Centrum in dem ewigen Macher ftehen/ 
ſonſt wäre es verganglich. Und da von Ewigkeit nichts geweſen 
ift als alleine das Wort / unddas Wort ff GOTT gewefen/ 
fo muß 'esija fein eigener felbft ewiger Macher ſeyn / und muß 
fich als ein Wort aus ſich ſelber / als aus. feinem Macher felbft 
außſprechen: Dann wo cin Abort ift/ da iſt auch ein Sprecher/ 
ver es fpricht. So nun das fein Vatter iſt / der es ſpricht / und 
Das Wort fein Sohn / welches aus dem Centro des Vatters ge⸗ 
fprochen wird / und der Vatter in feinem Gentro fich ein verzeh⸗ 
zend Fewer nennet; der Sohn / als das Wort aber / ein Liecht 
der Liebe / Demuht / Sanfftmuht / Reinigkeit / Heiligkeit / und 
der Vatter des Worts in der gantzen Schrifft auch alſo erkandt⸗ 
und genant wird: So iſt uns ja zu betrachten des Fewers Quall 
im Centro des Vatters / ſintemahl der Vatter und das Wort eins 
iſt / und nur in zweyen Geſtaͤlten: Und auch der Grimm undzorn/ 
mit ſambt der Hoͤllen⸗Abgrundt im Centro des Vatters fichet: 
Dann 5: Johannes faget: Bon und durch Ihn find alle 
Ding / und ohne Ihn iſt nichts gemacht. 

43. Dann da das Wort wolte machen / und der Vatter durchs 
Wort / fo war alda keine Materia, darauß er machte: dann es 
war 


„‘ 


Sırr. Des Menfihen. 13 
war alles ein nichts: weder Böfes noch Gutes / weder Sieht noch 
Finſternuͤß / fondern das Centrum ftund alda / und das war der 
ewige Wille / und der Vatter ift das Centrum , und der Wille 
iſt fein Hertze / Sohn und Wort: dasift alleinedas ewige We⸗ 
ſen / und das Band daß ſich ſelber machte: Und da man doch die 
Gottheit nicht alfo ergreiffen mag / ſtntemahl das Weſen einen 
Unterſcheidt giebet / und in zweyen Principien erſcheinet / alſo wol⸗ 
len wir euch den Grundt fuͤrlegen / als wir dan ſolches gewißlich 
erkennen. 

44. Und gelanget unſer Schreiben und Fuͤrnehmen zu dem 
Ende / daß ihr ſehet / wie ihr alſo blind ohne Erkaͤntnuͤß handelt / 
wann ihr ſolche groſſe Außlegung der Schrifften der Heiligen 
machet / von GOttes Weſen und Willen / und erkennet ihn 
doch nicht. 

45. Ihr verfolget einander / ſchmaͤhet und ſchendet einander / 
richtet Krieg und Empoͤrung an / verwuͤſtet Land und Leute umb 
der wahren Erfüntnüß GOttes und feines Willens / und ſeyd 
doch ſo blind an GOTT / als ein Stein. Ihr kennet euch ſelber 
nicht / noch ſeyd ihr fo raſend / und ftreittetumb GOTT / der ein 

Maͤcher / Erhalter / und Traͤger aller Dinge iſt / der in allen das 
Centrum ift: fo ſtreittet ihr umb fein Liecht / das doch im Zorn 
und in der Boßheit in Ewigkeit nicht erfcheinet / fondern in der 
fanfften Siebe und Demuht gehet fein Centrum auff: Und ihr 
ſeyd alfo rafend und toll / und vermeinet/ ihr habts alfo auff ewe⸗ 
ter Zungen im Streiteder Boßheit. Ihr habts nicht / fondern nur 
die Hiftoriam der Heiligen / welche das $iccht haben aus ihrem 
Centro fiheinend gehabt ; darumb haben fie aus dem H. Geifter 
welcher aus dein Liechte außgehet / geredet: Ihr aber nehmer ihre 
Worte / und ewers Hergens Centrum ift fäfte zu / lauffet und 
zennetinden vier Geftalten der Bopheit. 

* 46. As wil ich euch anzeigen den. Grund der zwey ewigen 
Principien aus einem Centro, daß ihr doch fehend werdet / wie 
ihr im Reiche des Teuffels lauffet / ob ihr vielleicht euch wolt be> 
kehren / und von ewrer Hoffahrt ablaflen / und in euch ſelbſt eine 
gehen /und alfo erlangen das hoͤchſte und ewige Gut. 

47. So wil ich euch zeigen waß wir in Leib und Seele ſind/ 
auch was GOTT / Himmelumd Höllefey / das nehmet euch vor 
keinen Tandt: Denn es bewehret ſich an allen Dingen / und iſt 
nichts zu klein / es ſtehet darinnen offenbahr / und nur verblen⸗ 
det euch nicht mit der leydigen Hoffahrt in ewrem Duͤnckel: For⸗ 
ſchet nach dem Grunde der Natur / ſo erfahret ihr alle Ding / * 

gehe 


re Vom dreyfachen Leben Cap.r. 


gehet nicht alſo toll auff den bloſſen Buchſtaben der Hiſtorien / 
und machet nicht alſo blinde Geſetze nach ewrem Duͤnckel / da⸗ 
9* ihr einander verfolget / ihr ſeyd hierinnen blinder als die 

eyden. ji | 1.13 

48. Forſchet nach der Schrift Hertzen und Geiſte / daß er in 
euch gebohren werde / und euch das Centrum der Goͤttlichen Liebe 
auffgeſchloſſen werde / ſo moͤget ihr GOTTerkennen / und recht 
von ihme reden / dann aus der Hiſtorien ſoll ſich keiner einen 
Meiſter / Ertenner und Wiſſer des Goͤttlichen Weſens nennen / 
ſondern aus dem H. Geiſte / welcher in einem andern Principio 
erſcheinet im Centro des Menſchen Lebens / und dem rechten 
ernſtlichen Sucher erſcheinet: Wie uns dan Chriſtus bey ſeinem 
Daiter/ als imentro des Lebens / mit rechter ernſter begehrender 
Demuht heiſſet anklopffen und ſuchen / fo werden wir finden. 

49. Dann niemand kan GOTT feinen Herren erkennen / 
recht fischen md finden ohneden H. Geiſt / weicher aus dem des 
mühtigen ſuchenden Hergen außgehet/und das Gemuͤhte erleuch» 
ret / daß die Sinnenerleuchtet / unddie Begierde su GOTT ge⸗ 
werdet wird : Der findet alleine die thewre Jungfraw der Weiß 
heit GOttes / welche ihne leitet auff rechter Straffe / und führer 
ihn zum friſchen Waſſer des ewigen Lebens / und erquicket feine 
Seele; und alſd waͤchſet der newe Leib der Seelen in Chriſto / da⸗ 
von wir hernach hochthewer ſetzen wollen. 

so. Wir erinnern den Gottliebenden und ſuchenden Leſer / 
dleſes von GOTT zu erkennen / daß er nicht fen Gemuͤhte und 
Sinnen zuſammen raffe / und die pure Gottheit allein hoch über 
den Sternen ſuche / in einem Himmel alleine wohnende / welcher 
alſo nur mit feinem Geiſte und Krafft in dieſer Welt regiere / 
gleich wie die Sonne in der hohen Tieffe ſtehet / und mit ihren 
Stralen allenthalben in der gantzen Welt wuͤrckete Rein, 

52. Die pure Gottheit iſt uͤberall gantz gegenwertig aller Or⸗ 
gen und Enden. Es iſt uͤberall die Geburt der H. Dreyzahl in ci» 
nem Weſen / und die Engliſche Welt reichet an allen Enden / wo 
du hin ſinneſt / auch mitten in der Erden / Stein und Felſen: 
Alſo auch die Hölle / oder das Reich des Zornes GOttes iſt auch 
vᷣberall⸗ 

52. Dan das Grimmen⸗reich im Zorn der Finſternuͤß iſt im 
Centro , und behält feine Quall und Regiment in der Finſter⸗ 
nuͤß / und die Gottheit gehet im Centro in ſich ſelber aus / und mas 
chet ihme die Wonne in ſich ſelber / der Finfternüg unerforſchlich 
vder unbegreifflich / dan fir ſchleuſſet anffein ander Principium, 

PER RE 


Sap.r Des Menfehen 17 


53. Dann das ewige Wort iſt der ewige Wille / und eine Ur⸗ 
ſache der ewigen Natur / und die ewige Natur iſt der ewige Vat⸗ 
ter / in deme alle Dinge durchs Wort ſind geſchaffen / (verſtehe 
in der ewigen Natur) und ſo der ewige Wille nicht einen andern 
Willen in ſich ſelber ſchoͤpffte / in ſich ſelber außzugehen / (als ein 
ſcheinend Liecht aus einer Kertzen brennet / und vonder Kertzen 
nicht weichet) fo waͤre der Vatter einig / und ein ſtrenge Finſter⸗ 
nuͤß / auch ſo haͤtte dieſe Welt / als das dritte Principium nicht 
moͤgen erſchaffen werden. 

54. So aber der Batter die ewige Natur in ſeinem Weſen it 
ſich haft / und iſt der ewige Wille ſelber / und gebiehret aus ſich 
ſelber einen anderen Willen / welcher auffſchleuſſet in den erſten 
ewigen Willen / (welcher iſt ver Vatter) das Pricipium des 
Liechtes / darinnen der Vatter mit den ewigen Eflentien tn ſei⸗ 
uem ewigen uhrkuͤndlichen Willen lieblich / freundlich / milder, 
rein und ſanfft wird: So iſt der Batfer nicht in der Quall der 
Finſternuͤß / dann der wiedergefaſſete Wille der aus dem Ceniro 
außgehet / und zerſprenget die Finſternuͤß / der iſt fein Hertz / und 
wohnet in ſich ſelber / und erleuchtet den Vatter / und derſelbe 
Wille iſt des ewigen Vatters Wort / daß aus den ewigen Eſſen- 
tien erbohren wird / und iſt billig eine andere Perſohn / denn er 
wohnet in ſich ſelder in des Vatters Eſſentien, und iſt des Bat⸗ 
ters Liecht. rs dieſes Wortoder Wille hat alle Dinge geſchaf⸗ 
fen / verfiche aus des Vafters Eſſentien, denn es iſt die ewige 
Allmaͤcht / ſintemahl es mit den ewigen Eſſentien nicht mag er— 
griffen werden / denn es zerſprenget die ewigen Eſſentien, und 
wohnet in ſich ſelber / und ſcheinet aus den Eſſentien, und ſo es 
doch iſt / daß es von den Elſentien nicht kan weichen / ſo wenig der 
Glantz vom Fewer weichet. 


Das 2. Capittel. 


Vom Grunde der ewigen Gebährerin. 


E O wir euch daneinen folhen Grund gezeiget; ſo 
wollen wir euch ferner den Grund der Gebahres 
rin zeigen: Dann wir fehen das Flar an diefer 
Welt im Regiment der Elementen’ und noch viel 
mehr in uns felber Jin unſerm Gemuͤhte / daran 

die Sinnen entſtehen / dadurch deg Menſchen Lauffen / Wandel / 

und alle fein Thun verrichtet wird / daß eine Gebaͤhrerin iſt / Kr 


18 Vom dreyfachen Leben Cana, 


das giebt. Soll nun ein Gebährerin feyn / fo muß ein Centzum 
oder Lebens⸗Circkel feyn / darinnen die Gebährerin ihr Regi⸗ 
ment nimt: Dann Nichts beweget ſich nicht / da aber eine Bea 
wegung iſt / die alles geben beweget / fo muß das nicht ſrembde 
feyn / fintemahl es in.allen Dingen fein Geift und Leben iſt / 
inden wachfenden ud Stummen fo wolalsinden Lebendigen. 

2. Nicht lag dich bethören die Gleißner / die nur Hiſtorien⸗ 
Gelehrte find/ und prangen einher mit frembden Sprachen / 
und wollen damit geehret ſeyn / welche fie doch nicht in dem wenig⸗ 
fen verſtehen; fie verfteyen nicht ihre Mutter Sprache / (inder 
Mutter Sprache erkennet man die Natur) verftünden fiedie 
recht / und die Geifter der Buchftaben / fo erkenneten ſie darin⸗ 
sen die Natur. | 

3. Es ift eine Hoffart die dir das ficchen verbeut / auff daß du 
nicht findeft / und fie (die Hoffart dagegen in ihrem gefröneten 
Hüttlein) möge als eine folge Sram überden Wundern GOt— 
tes schweben / denn alſo wiles der Teuffel haben / dag er nichters 
kant werde / fie find blinder als die einfältigen Leyen. 

4. Wilftu ſuchen / fo Elopffe an / dag dir Die rechte Thür auff⸗ 
gethan werde / und fische in der Furcht und Liebe GOttes / du 
wirft wol finden/ lag dich die Safterung der Hoffärtigen nicht 
irren: Dannfo dir die rechte Thür auffgethan wirdt / fo ſieheſtu 
wie fie alfo blind find/ ihre Hoffahrthat die Welt geblendet/vag 

‚jederman nur auff die Kunſt der Wolredenheit in frembden 
Sprachen fiehet / und meinen ſie verſtehens: Alfo regieren fie 
über die Seelen der Menfchen / und da doch ihr Wiſſen in eitel 
Zweiffelftchet / wie dasan ihrem Gezaͤncke zu ſehen iſt. 

5. So fageich noch / esfolleiner feine Seelenicht Menfchenr 
der Gleißnerey vertramen/ dann die Seele ftehet nicht in diefer 
Welt / fondern im Urkunde des Weſens aller Weſen / und iſt im 
Centro des ewigen Bandes / darinnen GOTT / Himmel: und 
Höllenzreich ſtehet / und mag / fo fie GOttes Liebe im Liechte er⸗ 
reichet / (welches. in ihrem Centro wohnet) wohldieewige Na= 

tur / darzu GOTT / Himmel- und Höllensreich ſchawen / fie 
laſſe ſich nur nicht blenden / es iſt nicht ſchwer / es iſt nur umb die 
Wiedergebuhrt aus der Finſternuͤß ins Liecht zu thun / ohne wel⸗ 
ehr du die Tieffe iin Centro nicht magſterreichen. 

6. Sp wir nun wollen vom Centro oder Lebens-Circkel reden / 
fo betrachten wir die Gebährerin / dieift das Centrum, undift 
Das Wefenaller Wefen. Aus dem ewigen Centro find alle Ding 
erbohren / und aus dem Gebohrnen find gefchaffen alle Ding 2 


Cap. Des Menfchen. Fi 9 


im Weſen find. Und wie wir euch haben den Grund vor geleget/ 
das im Anfangals im Centro fey gewefen dasewige Wort / und 
das Wort ift GOTT / umd der ewige Wille ift daſſelbe Wort: 
Dann der ewige GOTT hatvdenfelben Willen in ftch / und iſt fein 
Hertze / und nach dvemfelben wiedergefaffeten Willen in dem ewi⸗ 
gen Batteraller Dingehatdie Gottheit ihren Nahmen / GOTT. 
7. Dann wir Finnen nicht fagen / daß GOTT einen Macher 
habe / fo hat der Wille auch Einen Mader / denn er machet ſich 
von Ewigkeit immer felber / und da es doch Fein machen ift / ſon⸗ 
dern eine ewige Gebuhrt / das Wort im Vatter / und der Geift/ 
fo in der Krafft außgehet / ift das Leben der Gottheit. 
8. Run fehen wir aber/ das der Zweck im Centro ftehet: 
. Dann GOTT ift auch ein gorniger eifferiger GOTT / undein 
verzehrend Fewer : und inderfelben Quall ſtehet der Höllen Ab⸗ 
grundt / und der Zorn und Boßheit aller Teuffel / ſo wol die Gifft 
aller Creaturen: Und befindet ſich / daß ohne Gifft und Grimm 
kein Leben iſt / und daher uhrkundet ſich die Wiederwertigkeit 
aller Streite / und befindet ſich / daß das ſtrengeſte und grimmeſte 
das nuͤtzlichſte iſt / denn es machet alle Dinge / und iſt die einige 
Urſache der Beweglichkeit und des Lebens. 

9. Dann wie forne gemeldet / ſo iſt das ewige Wort / als der 
ewige Wille des Vaͤtters der Schoͤpffer aller Dinge: und der 
ewige Vatter iſt das Weſen des Willens / darauß das Wort hat 
alles geſchaffen. Nun ſind die Eſſentien das Weſen / welche den 
Willen urſachen: Dann hie verſtehe. Es ſind zween Willen in 
einem Weſen / und verurſachen zwey Principia: Eines iſt die 
Siebe / Das ander der Zorn / oder die Quall der Grimmigkeit. 

10. Der erfte Wille heiffer nicht GOTT / fondern Natura ; 
Der andere Wille heiffet A undO, Anfang und Ende/ von Ewig⸗ 
keit in Ewigkeit. Und in dem erften Willen wäre die Nafurnicht 
offenbahr / der ander machet fie offenbahr / danner ift die Krafft 
inder Staͤrcke / und ware einer ohneden ander nichts, 

ıı. Weil aber des Vatters Wille ir Ewigkeit der erjteifts 
fo ift er auch dieerfte Perfohnin der Dreyzahl / als das Centrum 
felber. So ift num dig der Wille oder Centrum , alsnemblich 
begehren das Wort oder das: Herze zu gebähren: Dan es iſt 
fonft nichts / mag auch nichts ehers genandt werden / als das Bes 
gehren im Willen. 

12. So gründen wir im fieffen Sinn im Gemuͤhte / und be> 

finden daß das Begehren herbe und anzichendift: dann es iſt die 
ſtrenge Macht / als nemblich nicht an einem Ende/ fondern — 
a 


25 Vom dreyfachen Leben Cap.ꝛ. 


all / die Weite in Enge / und ſich zu offenbahren / dann in der gan⸗ 
tzen ih wäre fonft nichts / und erſchien nichts / fondern wäre 
ewig ſtille. 

13. So zeucht das Begehrenan ſich / und da es doch nichts hat 
als ſich ſelber / und das angezogene ift de Begehrens Schwaͤn⸗ 
gerung/ und machet das Begehren voll / und Das doch nichts iſt 
als eine Finſternuͤß / denn das angezogene iſt dicker als der Wil⸗ 
le / darumb iſt des duͤnnen Willens Finſternuͤß / Dann der Wil⸗ 
le iſt duͤnne als ein Nichts / und gantz ſtille / aber das Begehren 
machet ihn vol, Und daß anziehen im Begehren find die Eflentien 
als ein Stachel der Empfindlichkeit / welches wider die Ein⸗ 
ſchlieſſung ftreitet/ welches dan das Begehren auch nicht inag dul⸗ 
ven /und zeucht viel heftiger an lich / alfo wird der Stachel groͤſ⸗ 
fer / und wuͤttet wider das Anziehen / und mag doch auch nicht 
darauß kommen / dann das Begehren gebahret ihn / und mag ihn 
doch auch nicht] dann es ift eine Feindfchafft/ gleich wie Hitze 
und Kalte, 

24. So dann das Begehren welchesisfihein Sahnen iſt / 
Buch fein Saͤhnen einen ſolchen Wuͤtter erwecket / weicher in 
dem ſtillen Willen alfo fticht / fo wird das Saͤhnen alfo herbe und 
ſtrenge anziehend den Stachel zu halten von welchem er / alsein 
Leben der Ruͤgung / Beweglichkeit giebt: In welchen Das Saͤh⸗ 
nen den erſten Schrack des Zittern bekomt / Davon eine wider⸗ 
wertige Angſt entſtehet / dann in der Angſt des Saͤhnens im har⸗ 
ten Anziehen / urſachet ſich die ſtrenge Kälte / und das Ziehen iſt 
ihr herber bitter Stachel / alſo daß es eine erſchroͤckliche ſtrenge 
Macht giebt / welches der Stachel nicht mag dulden / und wil 
uͤber auß reiſſen / und kan doch auch nicht / dann er wird von ſei⸗ 
ner eigenen Mutter / die ihn gebaͤhret / gehalten: und ſo er dan 
nicht kan uͤber ſich außreiſſen / ſo wird er draͤhend als ein Radt / 
und zerſprenget die Herbigkeit / davon die Eſſentien der Viel⸗ 
heit entſtehen. 

15. Und das iſt das rechte Centrum: Dann in dem Rade ent⸗ 
ſtehet die Natur der Beweglichteit und der Eſſentien, und iſt ein 
Bandt des Geiſtes / wiewol ohne Fuͤhlung oder Verſtand / ſon⸗ 
dern heiſſet in dieſer Geſtalt nur bloß das Ceottum, dann es iſt 
des Lebens⸗Circkel / was das Begehren aus der ſtillen Weite in 
eine Enge geſchloſſen hat / und wiewol es nicht umbfaßlig iſt / ſon⸗ 
dern uͤberall alſo nur Geiſt und Geſtalte der Natur. 

16. So dann nun der Wuͤtter alſo ein ſtachlichtes bitters Rad 
is der herben Kälte machet / fo iſt das Centrum alſo | 

gleich 


Zap.2. des Menfchen. ts 
gleich einer großen Angſt / da immer das geben zerbrochen / und 
durch die Eflenrien auch auffolche Arth erbawet wird / und gleis 
‚het lich dem Leben und Tode. 

17. Die Philofophi und hohen Natur-Fündiger ſchreiben / wie 
daß die Natur in dreyen Dingen beftehe / algin Sulphure, Mer- 
eurio und Sale. Es iftgar recht / aber der Einfältige wird da⸗ 
rinnen nichts verftehen/ und wiewohl es den Weiſen ift offen ges 
ſtanden in der Begreifflichkeit / ſo verſtehet doch itzt der wenigſte 
Theil das Centrum, ſondern habens in der Hiſtorien / gleich 
wie auch die Theologiam von der Apoſtel Munde / welche alſo 
itzund auch nur als eine Hiſtoria gehet ohne Krafft und leben⸗ 
digen Geiſt / welcher bey ven Apoſteln geweſen iſt / wie es ihr 
Zanck⸗ buchſtabe und Mund⸗geſchrey eröffnet / und fie uͤber⸗ 
zeuget. 

18. So wir dann aus Goͤttlicher Gnaden das Liecht errei⸗ 
chen / und das Centrum moͤgen erkennen / welches unſers Le⸗ 
bens Gebuhrt iſt / ſo haben wir Macht das anzuzeigen / was in 
den dreyen Worten Sulphur, Mercurius und Sal begriffen uud 
verſtanden wird: Nicht dag wir der Unwiſſenden Blindheit das 
nit fpotten / fondern als ein Chrift ihnen das Liecht gerne goͤn⸗ 
sen und zeigen wollen. Und ob unſere Rede zwar gar einfäls 
tig erſcheinet / fo ift doch unfer Erkaͤntnuͤß Sinn und Br> 
griff gartieff/ darff fich derhalben Eeiner an der Einfältigen 
Dede ärgern / als haͤtten wir nicht den tieffen Begriff / er leſe 
ces aur mit rechtem Ernſte / und dencke ihme in GOttesfurcht 
ernſtlich nach / er wird wohl finden weß Geiſtes Kind wir ge⸗ 
weſen ſind in unſerm auffſchreiben / wir wollen ihn trewlich vor 
den Spoͤttern und Gleißnern gewarnet haben. 

19. Wie bemeldet vom Sulphure, ſo heißet das Centrum bil⸗ 
Tig Phur,foaber das Liecht erbohren wird / ſo heiſſet das ſcheinende 
Liecht aus dem Phur, Sul ‚denn es iſt feine Seele / als wie ich von 
dem finſtern Centro, darinnen das Goͤttliche Liecht erbohren 
wird / rede / alſo auch von der Natur / wiewohl es eines iſt / muͤſ⸗ 
fen aber alſo reden / ob wir dem Leſer möchten in Sinu bringen/ 
daß er ſein Gemuͤth zum Liechte aneigene / und es alſo empfahe. 

20. Dann dieſe zwo Geſtalten / als herbe / kalt und bitter 
Stachlicht / welche ſich in dem ewigen Willen durch das Saͤh⸗ 
nen gebaͤhren / halten das Centrum , und machen das Rad der 

Effentien, darinnen die Sinnen / und auch Die Fuͤhlung der 
Beweglichkeit immer und Ewig entſtehet. 

a2, Run ſtehen dieſe beyde Geſtaͤlte in ſehr großer er a 

icher 


23 Bom dreyfachen Leben Capre 


licher Angſt in ſich ſelber / außer den andern Geſtaͤlten / welche 
aus ihnen erbohren werden. Dan die Herbigkeit gleichet ſich den 


harten Steinen / und der Stachel des Anziehens iſt der Her— 


bigkeit Zerbrecher / alfo gehets als cin Rad / und heißet billich 


Phur, wie das die Natur-Sprache inder Sylbe gibt. 
22. So dan die zwo Geftälte alfo erſchroͤcklich in fich genen 
in dem Willen / und den Willen in der Finſternuͤß halten/ fo 


mag er nicht gefangen ſeyn / dann fein eigen Hecht ift / ſanfft 
und ſtille ſeyn; und daſſelbe mag er auch inden zweyen Geſtaͤl⸗ 


ten nicht verliehren / dan er iſt unfaßlich / und da er doch in den 
zweyen Geſtalien ſeyn muß / und wohnet indem Stachel / und 
iſt fein Blitz; denn die zwo Geſtaͤlte find in ſich ſelber Finſter / 
und der Wille nicht / dan er iſt in ſich ſelber Frey; aber die zwo 
Geftalten nehmen ihn in ihre Eigenſchafft / dann er iſt ihr Vat⸗ 
ter / und ſchaͤrffet ſich in ihren Eigenſchafften / daß er in ſich 
ſelber als ein Blitz erſcheinet. 

23. Dan Herbe machet finſter / und der bittere Stachel im 
Rade zerſprenget die Finſternuͤß. Alſo erſcheinet des ſtillen 
Willens Freyheit in dem Rade in der Wirrung als ein Feuer⸗ 
Blitz: Dann von der Herbigkeit ſchaͤrffet er ſich alſo / daß er 
alſo ſtreng wird / denn es iſt gleich / als wuͤrden Stein und 
Stahl in einander gerieben / daß es Fewer gaͤbe. 


24. Dan zwey Dinge werden mit dem Feuer verſtanden / alß 


die Freyheit außer der Natur / und die Strengigkeit der Natur / 
als ihr ein Exempelaneinem Steine habet / Daraus man Feuer 
ſchlaͤget; Dann ſo man auff des Steines Schaͤrffe ſchlaͤget / ſo 
ſchaͤrffet ſich der bitter Stachel der Natur / und wird auffs hoͤch⸗ 
ſte ergrinmmet / dan die Natur wird in der Schaͤrſſe zerſpren⸗ 
get/ daß die Freyheit erfcheinet alß ein Blitz: Und das fehet 
ihr an dem daß es wahr ſey: Dan fo bald als Die Freyheit er= 
ſcheinet / fo verzehret ftedie Finſternuͤß / und daher iſt GOttes 
Des Vatters Schaͤrffe ein verzehrend Feuer. Dan fo bald. der 
Blitz in der Schärffe etwas ergreiffet / daß da wefentlich iſt / 
— verzehret ers augenblicklich / daß alſo keine Natur mehr da 
bleibet. 

25. Und daß der Blitz alſo geſchwinde verliſchet / entſtehet 
Daher / daß ihn die Schaͤrffe nicht halten kan / dan er iſt von 
der Natur frey / und wird nur in der Zerſprengung erſehen. 

26. Und geben euch dieſes zu verſtehen / daß dieſe Freyheit 


auſſer der Natur ſey GOTT der Vatter / und die Natur wird. 


alſo in ihme erbohren / daß er alſo iſt ein Allmächtiger der Na⸗ 
tur? 


J 


3 


Sup. 2. des Menſchen. 23 


tur / gleich wie deß Menſchen Gemuͤhte uͤber die Sinnen: 


Dann es hat alles einen Urkundt / wie wir euch hernach zeigen 


wollen. 

27. Ferner vonder Gebuhrt der Natur / geben wir euch dies 
ſes zu verfichen / aber alß n Bleihnüß: So der Blig in der 
herben Angft fo erſcheinet / fo iſt es ein fehr groſſer Schrack/ 
welchen die Herbigkeit faͤnget / und viel ſehrer erfchrechets denn 
ihr finſter Recht im herben Todte wird augenblicklich ertoͤdtet / 
dag ſie ihr ſtreng recht verleuret / und zuruͤck ſincket und kan 
nicht mehr alſo ſtrenge anziehen: Auch ſo gehet der Blitz gerade 
durch den Stachel der Wuͤtterey des draͤhenden Rades / da denn 
der Stachel muß zu beiden Seiten ſich außgeben / und der Blitz 
faͤhret mitten durch: Alſo wird aus dem Rade ein Creutz / und kan 
ſich nicht mehr draͤhen / ſondern ſtehet zitternd in der ſcharffen 
Macht des Willens der ewigen Freyheit / welcher iſt GOTT 
der Vatter. 

28. So nun die ſtrenge Herbigkeit den Blitz der Freyheit hat 
gefangen / daß ſie ihr Recht verleuret / ſo iſt die vierdte Geſtalt 
gebehren / als der Saltz-Geiſt / denn die grimme Hartigkeit 
wird vom Feuer und Schrad weich / und behält doch feine 
Schaͤrffe: Alfo ift diefe Geftalt gleich als ein fcharffer Waſſer⸗ 


Geiſt / und der Blitz als der Schrack iſt die dritte Geftalt / ver 
macht in ſich ſelber in der herben ertoͤdteten Angſt einen Schwe⸗ 


fel-Geift. 


29. Denn fo die ftrenge Herbigkeitihr erft duͤrres Recht vtt⸗ 


leuret / ſo ſoll ſte ſanfft ſeyn / und kan doch nicht / dann fie ift 


ſchrecklich ſcharff / und alhie iſt das Ziehl des ewigen Todes: denn 


das Begehren aus dem freyen Willen mag nicht mehr alſo zie⸗ 
hen / denn es ſtehet in der Angſt deß Schracks / und behaͤlt doch 
ſein Recht im ziehen: 

30. Dann eine jede Angſt hat Willen auß der Quaal auszu⸗ 
gehen. Und das iſt der Angft natürlich Recht / aus ſich auss 
treiben / und da espohnichtfan/ fondern die Auall wird nur 


dardurch ausdehnend und gröffer / wie man das an einem wuͤt⸗ 
genden ängftlichen Schaden verftchet / da das Glied in den El- 


fentien arbeitet / die Quallvonfich zu thun/ und wird in der⸗ 

ſelben Arbeitder Effentien nur gröffer / amd blaͤhet fih die Qual 

im Schwefel-Geifte nur auf/ je mehr fich die Eflentien wehren? 

# geöfler wird das Nadt der Angſt / gebe ich den Sinnen zu bes 
enden. * 


31. Alſo gebe ich euch zu bedencken die Natur / welches / ſo 


ihr 


v4 Vom dreyfachen Leben Kap. $) 


ihr euch befinnet / nicht koͤnnet wiederreden s dann das iſt in 
allen Dingen / und hatfein Gebuhrtsrecht alfo / und ficher die 
Natur alfo im Centro in vier Geftalten. 

32. Als erftlich im herben ſtrengen Anziehen / das heiſſet 
Herbe/ und machet in fich felber fErenge Kalte. 

33. Und dann zum andern/ fo ift das zichen fein Stachel) 
der wuͤttet in der Herbigkeit/ und zerbricht in der Härtigkeit / 
und machet das Radt der unzahlbaren Eſſentien, darinnen die 
Runder erbohren werden. 

34. Aber der Blitz der Freyheit des ewigen Willens / wel: 
cher ſich in der Herbigkeit ſchaͤrffet / und ein verzehrend Feuer 
wird / bricht ihme fein Radt / in deme er als ein Blitz augen⸗ 
blicklich durchdringet / und erſchrecket ſeine Mutter als die Her⸗ 
bigkeit / welche ihr hartes Recht verleuret / und in eine Schaͤrffe 
gleich Dem Saltze genaturet wird: und in dieſer Schaͤrffe vers 
leuret der Stachel auch ſein eigen Recht / und wird bitter / dann 
er hat zwey Geſtalten in ſich / als Wuͤtten / und auch den Feuer⸗ 
Blitz: Die vergleichen ſich dem Schwefel / und iſt die Macht 
des Feuers Anzuͤndunge / dann des Fewers Quaal ſtehet dar⸗ 
innen. 

35. So verfichet uns nun recht: der Feuer-Blitz aus der 
Schärffe macht die dritte Geftalt in ver Natur: Dann er ma⸗ 
chet in der Herbigkeit und aus den Wütter den bittern Stachel 
in der Herben Angft einen Schwefel-Geift / indem der Blitz ſte⸗ 
het / und ift die Seele oder das ewige Leben der 4. Geftalten. 
Dann bie Angft macht wieder in fich felber ein Begehren ausder 
Angſt zuflichen/ und da doch nichtsift dag fliehen mag: ſon⸗ 
dern alfo iſts im Centro , und heiffet alhier nicht muchr das Cen- 
ttum. 

36. Die vierdte Geftalt ift Die Berwandlung der harten 
Herbigfeit/ als ver Schrad des Blitzes die finftere Herbig⸗ 
keit erſchrecket / da fie weich und wie Todt überwunden wird/ da 
fie zu Sal wird / und behält doc das Necht desherben Anzichens, 

37. Alfoheiffen die 4. Geſtalten der Natur jet nicht mehr 
das Centrum , ob fic gleich das Centrum in ftch in ihrem Urkun⸗ 
we haben / fondern Sulphur, Mercurius und Sah: Denn der 
Schwefel⸗Geiſt iſt die Seeleder 4. Geftalten/ denn er hat das 
Feuet in ſich / und die Angſt machet einen andern Willen in 
ech} alſo daß die 4. Geftalten einen eigen Willen in fich felber 
haben/ der ihr eigen iſt. Dann derfelbe Wille ift aus den vier 
Geſtalten über quszufliehen über die Natur / und Div Matur im 

Feuer 


1, 
— 


Andeutung der Titul⸗ Sig fiber das 
Dreyfache Leben. 


ed" jedes Werck gibt an feiner Beftalt / Weſen / und Eigen⸗ 
ſchafft den Verſtand und die Tugend ſeines Machers zu er⸗ 
kennen wann man nun das groſſe Wunder⸗ gebaͤn des ſichtbaren 
Himmels und der Erden anſchauet / Ahre Bewegungen betrachtet? 
die wancherley Wurckligkeiten ihrer Kräfften for ſchet / und die Un⸗ 
terſchiedligkeit der Creaturen Coͤrper erweget / wie fie hart / weich / 
grob und ſubtil / finſter und glaͤntzend / dick und klar / ſchwer und 
leicht find; So findet man die zweyfache Mutter der Offenbah⸗ 
rung GOttes / die Finfternůß und das Licht / welche ſich aus allen 
ihren Kraͤfften und verſtegelten Wundern außgehaucht / und mit 
dem Firmament / Sternen / Llementen / und allen ſichtbaren 
Begreifflichen Creaturen zugleich gebildet / da Le iR und Todf 
Gutes und Boͤſes in jedem Dinge beyſammen iſt. Das iſt das 
dritte der zweyer verborgenen Leben; und heifft 5 Zeit im Streit 
der Eitelkeit. 

Hier klidt die Weiß heit / in welcher der Heil. Geiſt die Goͤtt⸗ 
fiche Kräfte und Bilorüffen ver Engel und Menfisen eröffnet / 
allenthalben / durch Sonn / Mond / und Sternen / durch Geld) Sile 
ber/ Ertz / Edelgeſteine / durch ſchoͤne Farben und Geruch / ja durch 


alles gute Theil in allen Creaturen; ſonderlich den Menſchen im 


Verſtande / Liebe / Gerechtigkeit / Wohlthat / Sanfftmuth / Keuſch⸗ 


heit) Erkaͤntnuͤß GOttes / Zucht / Kunſt und Tugend. 


Sier offenbahret ſich zugleich der Hoͤllen Eigenſchafft und Fin⸗ 
fernüg durch Kaͤlte / HärtelErde] Steine] Schwaͤrtze / Gift und 
Stand in allen Creaturen; am Menfchen in Bogheit/ Haß / 
— Zorn / Unzucht / Gottloſigkeit / Frevel / Dummheit und 

aſter. 

Alſo ſtehet dieſe Welt im vermengten Leben der Zeit zwiſchen 
Licht und Finernuͤß / als ein wuͤrcklicher Spiegel der beyden } 
darinn die Wunder der EwigfeitinGeftalt ver Zeit durchs Wort 
offenbahr werden wie Johannes meldet. Alle Dinge ſind durch 
daſſelbe gemacht / und ohne daſſelbe iſt nichts gemacht was 
gemacht tft. 


Wie deſſen tieffe Erklaͤrung im Goͤttlichen Licht 
| zu fehen 
In die ſem Buch vom Dreyfachen Leben. 


Eap. x. v. x6. c. 3. v. 2. 3. 40. cap. 4. v. 40. 43. 44. c. 5 v. 15.18. 
39. 30 40. 41. 42. 44. 45.49: 50, 56. biß 60. 80. bif, 84. 92. 


iP-) e 


94.99.09. 100.103. 204. 205. 16. 110, 113. 114. 115. 123. 
8.6.0. 54. 56, 59.615 62. 6.7.0. 20.23. 24. 43. 44:45. 40:47. 
48. 0.8. 0.2.23. c.9. 2.6. 40. biß an zıı. zum Ende. c. x 
v. 29. 31. 32. 33. 34.0. 11. v. 2.bifxı.13.15. 


Und folgends 


In den Drey Principien alle Loca die deffen Tituldafelbft 
expliciren/Fönnen hier auch angezogen werden. 


Weiter 


x. Theil der Menfchwerdung ChHrifti. Cap. x. v. 6.10. 11. 
22,6: 2392.3:5.0.8 (43:0, 17, 72. 274 

2. Theil der Menſchwerdung Chriffi. Eap. 8.0. 13. 

3. Theil der Menſchwerdung Chrifti. Cap. 5. v. 8.9.0.7. dır. 

Teftament Chrifti von der Tauffe. Cap. 3. v. 14. 


Die Druckfehler in diefem Buche des Drenfachen 





gchens find diefe : 


Foliozr. Linea 28. für wie vor / lieſe wir führen. 


F. 098 L. 
#,- 'zor, L. 
F. zo. L. 
F, 204. L. 
©. 205. L. 


— L1. 


36. für leiblich / lieſe bleiblich. 

23. fuͤr wir ihme / lieſe wir in ihme. 
3. fuͤr ſagen / lieſe ſie ſagen. ꝛc. 

1. dele das. 

zr. nachdem Feuer⸗leben / adde( :) 
12. nach dem Wort gußgehet adde (/) 





I) 


HM: 
MN) 





Hohe und tieffe Gruͤnde 


Von dem 


Dyxeyfachen Oeben 


des Menfchen / nach dem Ges 
heimnüß der dreyen Principien 
Goͤttlicher Offenbahrung. 


Geſchrieben nach Göttlicher Erleuchtung 


durch 


jacos BöuMmen, ſonſten Teutonicus 
genandt / im Jahr 1620. 





Zu Amſterdam 
Gedruckt im Jahr Chriſti — J— 


2 


— 





WABH AND PRINTED 
IM HOLKAND 


MYSTERIUM MAGNUM, 
Oder 


Erklaͤrung über das Erfte Buch Mofist 


Von der Offenbahrung Göttlichen Worts 


durch die drey Principia Goͤttliches Weſens 
auch vom Urſprung der Welt und der 
Schoͤpffung. 


Darinnen 
Das Reich der Natur! un 
Das Meich der Gnaden ertlaͤret wird. 


Zu mehrerm Derflande 


des Alten und Neuen Zeftaments / was Adam 


und Chriftus fey : und wie ſich der Menſch im Liecht 
der Natur felber erkennen und betrachten foll/ waser 
fey/ und worinnen fein Zeitlihes und Ewiges 
geben / auch feine Seeligkeit und Berdam⸗ 
nuͤß ſtehe. 


Eine Erklaͤrung des Weſens aller Weſen: dem Lieb⸗ 


haber in Goͤttlicher Babe weiter nach zuſinnen. 
Beſchrieben durch 
Jatcose"BömMe, 
fonft genant 
Teutenicus Philofophus. 


2 
an 
su — * 


KB LES" 


au Anfterdam | 


Gedruckt im Jahr Chriſti 2682, 


— 















REEL WILL ORT TIER —9*— 

—— Drang RR ol 
$ ee —F — J 
AR: ? Er Re RR 7} Bu “ur 5 
Vena — 
wre 

na Hr Hi 








p 2 } D RN —8 —* ai * XL. — vr fr 13,3 er; £ % 
— 4 
— Rd ix Re Ruh ua EHE 4 —— | 


* * io} 8 NR 98 Heel Arte in 4, 9 al Al De 
J Br 07: ; a Arne TER J * * 
RER RE 
—— Mn ag RE PA 8* J van: F * 


> * 9 — 1 FEN EI RP Wi 2 


* ri * ia), , 24} 
FRUST n „alri:t Ri, — — 


— iA 





F 4. 
R = 
N as 
227 AN — ⸗ 
— — — — 






PD 
2 £nınmwir beirschten die ſichtbare 
11 Delt mit ihrem Weſen / und be: 
ſtrachten Das Leben. Der, Creatu⸗ 

Fren »forfinpen: wir darinuen das 
GSleiccuüß der unſichtbaren geiſt⸗ 

a lichen Welt / welche in der ſicht⸗ 
baren Welt verborgen iſt / wie 
die Seeleam Leibe/ und ſehen 

daran / daſtder verborgene GOtt 

allem nahe und durch alles iſt / 

N id dem ſichtbaren Weſen doch 
gautz verborgen. 

2. Ein Exenpel haben: mtr an des Menſchen Gemuͤhte / 
welches ein unſichtbahres Feuer iſt / das zu Lecht und Fin⸗ 
ſternuͤß / als zu Freude und Leid geneiget iſt / and iſt an ſich 
ſelber doch derſelben keines: Sondern iſt nur eine Urſach 
darzu Ken unſicht bahr ungreifliches: Quaͤl⸗ fewer / und doch 

nach ſeinem eigenen Weſen in nichts geſchloſſen / als unur 

allein in den Willen des Lebens. 

3. Der Leib kan das Gemuͤht nicht begreiffen / aber das 
Gemuͤht begreifft den Leib / und führer ihn zu Lieb und. Leyd: 
alſo auch von GOttes Wort und Krafft zu verſtehen iſt / 
welches den ſichtbaren empfindlichen Slementen verborgen 
iſt / und doch Durch und in den. Elementen wohnet / und 
durch das empfindliche Leben und Weſen wuͤrcket / wie das 
Gemuͤhte im Leibe. 

4. Damn die ſicht baren empfindlichen Dinge ſind ein We⸗ 

ſen des unſichtbaren von dem unſichtichen anbegreiffiihen 
iſt kommen das ſichtbare begreifliche : von dem Außſprechen 
oder Außhauchen der unſichtbaren Krafft iſt worden das 
ſichtbare Weſen: das unfüchtbaregeiftliche Wort der Soͤttli⸗ 
chen Krafft wuͤrcket mit und durch das ſichtbare Weſen / wie 
die Seele mit und durch den Leib. 
5. Der innere geiſtliche Seelen⸗Menſch iſt Durch das £in- 
ſprechen oder £inblafin yon unſtchtbaren Worte der 
{ 


2 GSoͤtt⸗ 


U BIONREDE m: 
Böttlichen Rräfftein dns ſicht bare Bilde eingefprochen wor» 
den / Dem gefihaffenen Bilde zum Verſtande / darmen Des 

- Menfchen Wiflenfchafft und Erkaͤndtnuͤß des unſichtbaren 
amd ſichtbaren Weſens ſtehet. 
6. Alſo hat nun der Menſch den Gewalt von dem unſicht⸗ 
baren Worte GOttes empfangen zum wiederaußſprechen / 
Daß er das verborgene Wort der Goͤttlichen Scieng wieder in 
Formungen und Schiedligkeit ausfpricht / auff Art der zeit⸗ 
lichen Creaturen / und daſſelbe geiſtliche Dorf bilver nach 
ven lebhaften und wachfenden Dingen / Dadurch Die unficht- 
bare Weißheit GOttes mit dieſer Bildung in ſchiedliche For⸗ 
nungen gemodelt wird / wie folches vor Augen iſt / DaB der 
menſchliche Verſtand alle Aräffte in ihrer Eigenſchafft aus» 
ſpricht / und allen Dingen Namen giebet / nach jedes Din⸗ 
ges Eigenſchafft / durch welches die verborgene Weißheit in 
ihrer Krafft erkant und verſtanden wird / und der verborge⸗ 
ne BOTT mir den ſichtbaren Dingen offenbar wird / Sum 
Spiel der Böttlichen Krafft/ daß das Umichtbare mit dem 
Sichtbaren fpiele/ und fich Darinnen in Empfindligkeit und 
Findligkeit feiner felber einführe. 
7. Öleich wie fich das Gemuͤhte mit dem Leib und durch 

ven Seibin Sinnen und Gedancken einführer / Dadurch es 
wuͤrcket und fich empfindlich macht: Ayo auch die unjicht- 
bare Welt / Durch die fichtbare und mir der fichtbaren / und 
iſt uns nicht einfolches zu dencken / als Eönte man die vers 
borgene Göttliche Welt nicht ergründen / was fie ſey / und 
was ihr Wuͤrcken und Wegen ſey Dan an dem fichebaren We⸗ 
fen der Creation fehen wir eine Figur der Innern geiſtlichen 
Wuͤrckung der Rrafft-welt. 

8. Und follen von BD TT anders nicht dencken / als Daß 
er der inwendigſte Brumd aller Weſen fey/ und Doch alſo / daß 
er von keinem Dinge mag ergriffen werden / auß des Dinges 
eigener Gewalt: fondern rote ſich De Sonne mit ihrem Liechte 
und Krafft in die empfindlichen lebhafften Dinge einführet/ 
und mit aͤllen Dingenwuͤrcket / und ſich darinnen mit in ein 
Weſen einfuhret: alfoauchvom Goͤttlichen Worte zu ver⸗ 
ſtehen iſt / mit dem Leben der Creaturen. 

9. Weil dann dieſe ſichtbare Welt das ausgeſprochene ge⸗ 
formbte Wort nach GOttes Liebe und Zorn / als nach den 
Myſterio Magno der ewigen geiſtlichen Natur iſt / welche geiſt⸗ 
liche Welt in der ſichtbaren verborgen iſt / und aber die 

mind 


BOoRREDE — 


menſchliche Seele ein Funcke sus dem ewig⸗ſprechenden 
Worte der GöstlichenScieng und Krafft iſt / und der Keib ein 
Ens der Sternen und Elementen / jo wohl nach dem inner: 
Srunde / ein Eusdes Himmels als der verborgenen Welt / fo 
has er Macht von dem Myſterio Magno zu reden / Daraus alle 
Weſen ind entſtanden. 

10. So uns dan die groſſe Mylteria, aller Dingen Anfang 
und Urſtand durch Goͤttliche Gnade entgegnen:: daß wir 
dieſelben in wahrer Srkaͤntnuͤß mit Dem eingeſprochenen 
Worte der Goͤttlichen Scieng / als Durch. den Grund der Sees 
len verstehen mögen/ fo wollen wir deſſen Brund / ſo vielals 
uns äugelaflen iſt / in dieſem Buche ausfchreiben / uns ſelber 
zu einem Memorial / und dem Leſer dieſes zur Ubung Goͤtt⸗ 
licher Erkaͤntnuͤß. 

ır. Und wollen andeuten x. was das Centrum und Grund 
aller Weſen ſey / 2. was die Goͤttliche Offenbahrung durchs 
Sprechen des Worts GOttes ſey / 3. wie Boͤſes und Gutes 
aus einem einigen Grunde urſtaͤnde / als Liecht und Finſter⸗ 
nuͤß / Leben und Tod / Freude und Leyd / und wie das in ſei⸗ 
nen Grunde ſey / auch wozu jedes Weſen und Ousalnuse 
und unvermeydlich ſey / 4. und wie alle Dinge ihren Grund 
vom Mylßer:o Magno, als vom Aushauchen des ewigen Si⸗ 
nenhaben/ 5. wie jid) das ewige Eine in Empfindligkeie/ 
Findligkelt / Schiedligkeit zu ferner ſelbeſt Scieng / und zum 
Spiel der. ewigen Krafft einführe/ 6. wie man 3u wahrer 
Erkaͤntnuß Gottes / und zum Lrkaͤntnuͤß der ewigen und zeit⸗ 
lichen Natur kommen moͤge / 7. Item / wie man in wahre 
Beſchauligkeit des Weſens aller Weſen kommen moͤge: 8. 
Item / von der Schoͤpfung der Welt und aller Creaturen / 9. 
und dan von des Menſchen Urſtand / Fall und Wiederbrin⸗ 
gung / was er mach dem erſten Adamiſchen Menſchen Im 
Reiche der Natur ſey / und was er in Der neuen Wiedergebuhrt 
im Reiche der Gnaden ſey / und wie die neue Wiedergebuhrt 
geſchehe: 10. Auch was das alte und neue Teſtament ein je⸗ 
des in einem Verſtand ſey. 

12. Und wollen ſolche Erklärung durch alle Capittel des 
erſten Buchs Moyſts ausfuͤhren und andeuten / wie das alte 
Teſtament eine Figur des Neuen ſey. Was bey den Geſchich⸗ 
ten der H. Ertzvatter zu verſtehen ſey / warumb ſie der Geiſt 
GoOttes in Moſe auffſchreiben laſſen / worauff die Figuren. 
dieſer auffgeſchriebenen Hiſtorien ſehen / und wie der Geiſt 

—— GOttes 


2 3 


ÜVIRTWEDE 
Bottesinjäinen Rindern vor Chriſti Zeiten in der Figur 
vom Reiche Chriſtamit ihnen geſpielet habe / da ihme dans 
allezeit hat GO TEdiefen Gnaden⸗ Thron Chriſtum / durch 
weichen er wolte ſeinen Zorn tilgen / und Die Gnade offeuba⸗ 
ren / fuͤrgeſtellet 

13. Und wie die gande Zeit dieſer Welt/ als wie in einem 
Uhrwercke ſey fuͤrgebildet worden) wie es hernach in der Zeit 
ergehen werde / und was die inner geiſtliche Welt / und danm 
die aͤuſſer materialiſche Welt ſey / jo wohl der mner geiſtliche 
Menſch/ und demn Der aͤuſſere von dieſer Welt⸗weſen / wie: 
Zeit und Swigkeit in einander rd / Und wie man das alles 
verſtehen koͤnne. 

24. Ob ſichs nun zutruͤge / daß dieſe un ere Schrifften ge⸗ 
leſen wuͤrden / und von dem Leſer dieſes nicht moͤchte balde 
ergriffen und verſtunden werden; Weil ſolcher Grund (wel⸗ 
cher doch Durch das Liecht der Natur / ſo wohl mit der Schrift 
gantz einſtimmet und gegruͤndet it) bißher ein lange Zeit 
faſt duntkel geweſen iſt / und aber durch Goͤtthehe Gnade: 
der Albern Linfaltigogeben wird: So wolle der Leſer ſolches 
meht nach der boͤſen delt Brauch verwerffen / ſondern auff 
den Grund der Prattica, fo darinnen angedrutet / ſehen/ und 
ſich darzu begeben / und GOTR umb Liecht und Verſtand 
birten. So wird er endlich unſern Grund wohl vergehen? 
und ihme ſehr lieb und angenehm ſeyn undwerden. 

15. Aber den Stoltzen und vorhin Klugen / und doch 
nichts wiſſenden / welcher Bauch ihr Gott iſt / welche al⸗ 
lein am Thiere der Babyloniſchen Huren hangen / und ſich 
von ihrem Gift traͤncken / und muhtwillig in Blindheit und 
indes’ Teuffels Fiſchhamen ſeyn wollen / haben wir nichts 
geſchrieben: ſondern haben ein feſtes Schloß für den Ver⸗ 
ſtand der Thoͤrheit mit dem Geiſte unſerer Erkaͤndtnuͤß da⸗ 
für geleget / unſern Stun nicht a1 ergreiffen / dan ſie deß 
auch nicht wehrt find / weil fie muhtwillig dent: Sathan 
dienen wollen / und nicht GOttes Kinder ſind 

16. Und wollen aber den Kindern Gottes klar und gruͤnd⸗ 
lich verſtanden ſeyn / und hertzlich gern unſere uns von 
GOTT. gegebette Srkaͤntnuͤß mitte theilen: weil die Zeit 
ſolcher Offenbahrung gebohren iſt. So mag ein jeder ſehen 
was er richtet / es wird ein jeder einen Lohn davon haben: 
und empfehlen ihn in die Gnade der ſanfften Liebe IEſu 
CEGriſtic Amen 

Anno 1623. den 11. Septemb; D® 





— 
N, * 
— 


Cap. r ER, ; 


DE 
MYSTERIO MAGNO, 
Das iſt: 


Bon der Offenbarung &öttlichen. " ar » 


Workts / durch die drey Principia 
Goͤttliches Weſens. | 


Das ı. Capittel. 


Was der geofenbahrte GOtt ſey ——— 
der Dreyheit. 


Eñ wir wollen die neue Gebuhrt 
N ae N was ſie iſt / und wie 
ſie geſchehe: So muͤſſen win 
Erſtlich wiſſen / was der Menſch 
AR) if! und wie er GOttes Bilde 
7E iſt Aund wie die Göttliche In⸗ 
Nwohne ſey; Auch was der ges 
offenbahrte GOtt ſey / deſſen der 
Menſch ein Bilde iſt. 
9% N 2. Wennidybetrachte: was 
ZN GoOtt iſt / ſo ſage ich: ER > 
III Eine gegen der, Ereafur / ala | g Ka 3 
ein ewig? — hat weder 2%, 
Grund / Anfang nochStaͤtte; un beſitzet nichts / als nur ſich Dee 8 ir 
See EN 









Er iſt der Wille des Ungrundes / Er ift in fich felbernur Eines« 
Er kedarff keinen Raum noch Ort: Ergebähretvon Ewigkeit ir 
Ewigkeit fich felber in ſich: Er iſt feinem Dinge gleich oder Sons} 
licch / und hat feinen —— Ort da Er wohne: Die ewige 

Weisheit oder Verſtand iſt feine Bohne : Er ift der Willeder 
Weißheit /die Weißheit iſt ſeine Offenbahrung. 

3. In dieſer ewigen Gebaͤhrung ſind uns drey Dinge zur ver⸗ 
ſtehen: Als 1. Ein ewiger Wille. 2. Ein ewig Gemüthe des 
Willens. 3. Der Außgang vom Willen und Gemuͤthe / welcher 
ein Geiſt des Willens und Gemuͤthes ift, 

A 4 4.20 


3 Wander geoffenbahrte Hottfenise. Cap. 1. 


4. Der Wille ift Batter: Das Gemuͤthe ift Das gefaffete des 
Willens / alsdes Willens Sitz oder Wohnung / oder das Ceh- 
rum zum Etwas/und iſt des Willens Here : Und der Außgang 
vom Willen und Gemüthe ift die Kraft und der Geift. 
af — 5. Dieſer dreyfache Geiſt iſt ein einig Weſen / und da Er doch 
— Fein Weſen iſt / ſondern der ewige Verſtand: Ein Urſtand des 
weh Ichts/umdift doch die ewige Verdorgenheit / gleih wieder Bere, 
und Fand des Meuſchen nicht faplich oder in Zeit und Stätte iſt / 

ſondern iſt felber feine Faͤßligkeit und Sit / und das Außgehen 
des Geiftes ift die ewige urſtaͤndliche Befchauligkeit /als eine 
Zuſt des Geiftes. 

6. Das Außgegangene heift die Luſt der Gottheit/ oder die: 
ewige Weißheit / welche ift der ewige Urſtand aller Kräffte/ Far- 
Ben und Tugenden / durch welche der dreyfache Geiſt in dieſer Luſt 
begehrende wird / als nemlich der Krafft / Farben und Zugenden / 
und fein Begehren iſt ein impreſſen / ein ſich ſelber faſſen: Der- 
Wille faſſet die Weißheit ins Gemuͤthe / und das Gefaſſete im 
Verſtaͤnde iſt das ewige Wort aller Farben / Kraͤffte und Zus, 
genden: welches der ewige Wille aus dem Verſtande des Ge— 
muͤths durch den Geiſt außſpricht. 

7. Und daſſelbe Sprechen iſt das Bewegen eder Leben der 
Gottheit: Ein Auge des ewigen Sehens / da eine Krafft / Farbe / 
and Tugend die andere / im Unterſcheid / exkennet / und ſtehen aber 
alle in gleicher Eigenſchafft ohne Gewicht / Ziel / oder Maaß / 






| auch voneinander ungetrennet. Alle Kraͤffte Farben und Tits 
/ genden / liegen in einer / und iſt eine unterſchiedliche in einander 
wohl⸗geſtimmete gebaͤhrende Harmoney: Oder wie ichs ſetzen 
N moͤchte ein fprechendes Wort / da indem Hort oder Sprechen} 
Bar, alle Spraden / Kraͤffte Farben und Tugenden inne liegen / und 


mit dem Hallen.oder Sprechen ſich außwickeln / und in ein Ge⸗ 
ſicht oder Sehen einfuͤhren. 
8. Das iſt nun das Auge des Ungrundes | das ewige Chaos, 
da alles innen lieget was Ewigkeit und Zeit iſt / und heiſſet Rath / 
Kraft / Wunder und Tugend: Deſſen eigendlicher Name 
heiſſet GOtt / oder Jehova, oder Jehovah, der iſt auſſer aller, 
Natur / auſſer allen Anfaͤngen einiges Weſens / ein in ſich ſelber 
wuͤrcken / ſich ſelber gebaͤhren und finden / oder empfinden / ohn 
einigerley Quaal von etwas oder durch ẽetwas: Hat weder An⸗ 
fang noch Ende / iſt ungemeſſen / Fan, mit keiner Zahl in feiner 
Weite und Bröffe außgefprochen werden / dann Er ift tieffer 
als lich ein Gedancke fhwingen kan = Er iſt nirgend weit von 
etwas / 


Fap.2. Vom Wort oder Herke Gottes; 


etwas / oder nahe ben etwas / Er ift durch Alles und in en - 
Sein Gebuhrt iſt uͤberall / und ohn ihn iſt ſonſt nichts: Er iſt 
Zeitund Ewigkeit / Grund und Ungrund / und begreiffet ihn doch 
nichts als der wahre Verſtand / der iſt GOtt ſelber. 


Das 2. Capittel. 


Dom Wort oder Hertze GOttes. 
I, Jeſes ift sun was S. Johannes faget am x. Capitä - 
tel: Im Anfang war das Wort /unddas WWerf£- 
war bey GOtt / und GOtt war das Wort / daffela: 
be war im Anfang bey GOtt. Das Wort Sn ) 
iſt der Wille des Ungrundes.: (Anfang ) iR Das. 
Faſſen des Willens /da er fich felber faſſet / und in einen Das Fe 
Anfang einfünret. Das ( Wort )ift nundas Gefaſſete das im? 
Willen ein Nichts iſt und mit dem Faſſen eine Gebaͤhrung — 
das war im Anfang beym Willen und im Willen : Aber mit” 
es Willens Luſt nimts feinen Anfang in des Willens Faßung/ 
darumb heiſſets Her& als ein Centrum oder Lebens⸗Circkel/ 
darinnen der Urftand des ewigen Lebens iſt. * 

2. Und Johannes faget weiter : Durch daffelbe ſeynd alle: 
Ding gemacht / und ohne daffelbe ift nichts gemacht/ was gemacht 
ift. In Ihme war das Sehen / und das geben war das Lecht der 
Menfhen. Albier Menfh nim nun daffelbe Schens-Liecht/ das: 
im Wort war / und ewig iſt / und befchaue Das Wefen aller We⸗ 
ſen / und fonderlich dich ſelber / dieweil du des ungründlichen GOt⸗ 
ies Bilde / Leben und We fen biſt / und cin Gleichnuͤß nach Ihme. 
Hie bedencke Zeit und Ewigkeit / Himmel / Hoͤlle und Welt / 
Sicht und Finſternuͤß / Pein und Quaal] $cden und Sterben // 
Ichts und Nichts: Alhie prüfe dic / ob du das schen und Sicht: - 
des Worts in dir haſt / daß du alles ſcehen und verſtehen magſft. 
Daun dein Leben iſt im Worte geweſen / und iſt im Bilde (das: 

Gott ſchuff) offenbahr worden : Es tft ihme vom Geiſt des 
Worts eingeblaſen worden: Nun erheb deinen Verſtand ing: 
Sicchte deines Lebens / und beſchaue das geformefe Worf : Bes - 
trachte feine innerliche Gebaͤhrung / dann ins Lebens Liecht ſtehet 
alles offenbahr. 

3. Sprichſtu ich kan nicht / ich bin verderbet: Hoͤre / ſo biſtu J— 
auch noch nicht wieder aus Gtt gebohren : Sonſten fa du ER. 

daſſelbe Liecht wieder haͤtteſt / ſo Eönteftu. Nu wohlan / wir man⸗ 
geln wohl alle des Ruhms / den — GOtt haben ISRER 
$: 2 








306 Bom Wort oder Hertze Gottes Eap.z. 
ich wil dir etwas weiſen: Hab nur acht / und faß es / biß nicht 
ein Spoͤtter / wie die verwirrte Babel iſt. Siehe / wenn wir wol⸗ 
ſen von dem Weſen aller Weſen reden / fo ſagen wir / von Gott 
und durch GOtt iſt alles. Denn 8 Johamesfagetauch: Ohn 
Ihn iſt nichts gemacht was gemacht iſt. 

4. Nun ſaget die Bernunfft / woraus / oder wichat GOTT 
Gutes und Boͤſes gemacht / Pein und Quaal / Lebenund Tod: Iſt 
dañ in GOtt ein ſoſcher Wille der Boͤſes macht ? Alhier hebet die 
Vernunfft an zu ſpeculiren / und wil es faſſen / gehet aber nur 
under Circkel von auſſen umb / und kan nicht darein / dann ſie 
iſt hauſſen / und nicht im Worte des Sehens Circkel. 

So ſiehe dich nur ſelber an was du biſt / und fichedie aͤuſſe⸗ 
re Welt an mit ihrem Regiment / was die iſt: fo wirftu finden/ 
daß du mit deinem aͤuſſeren Geiſte und Weſen die aͤuſſere Welt 

biſt: Du biſt eine kleine Welt aus der groſſen / dein aͤuſſers Liecht 
iſt ein Chaos der Sonnen und des Geſtirnes / ſonſt koͤnte ſtu nicht 
vom Sonnen⸗Liecht ſehen. Die Sternen geben Eſſentz der Un⸗ 
terſchiedligkeit im verftändlichen fehen: : Dein Leib iſt Feuer / 

460. Lufft / Waͤſſer / Erde: Darinnen liegt auch die metalliſche Eis 
genſchafft / denn weſſen die Sonne mit dem Geſtirne ein Geiſt 
iſt / deſſen iſt die Erde mit den andern Elementen ein Weſen / ein 
coagulirte Krafft: Was das Obere iſt / das iſt auch das Untere/ 
und alle Creaturen dieſer Welt ſind daſſelbe. 

6. Wann ich einen Stein oder Erden-Klumpffen auffhebe 
und anſehe / ſo ſehe ich das Obere und das Untere / ja die gantze 
Welt darinnen / nur daß an einem jeden Dinge etwan eine Ei⸗ 
genſchafft die groͤſte iſt / darnach es auch genennet wird. Die au⸗ 
dere Eigenſchafften liegen alle miteinander auch darinnen / allein 
in unterſchiedlichen Graden und Centris, und ſind doch alle Grad 
und Centra nur cin einiges Centrum ; es iſt nur ein einige Wur⸗ 

2, Beldaraus alles herkomt / es fcheidet ſich nur in der compadtion , 
da es coaguliret wird / fein Urſtand iſt als wie ein Rauch oder 
Brodem vom groffen Myfterio des auggefprochenen Wortes? 
das an allen Orten iin wieder-angfprechen ftehet/ das iſt iur wie⸗ 
der⸗ außhauchen / ein Gleichnuͤß nach ſich / ein Weſen nach dem 
Geiſte. 
7. Nun koͤnnen wir aber nicht ſagen: daß die aͤuſſere Welt 
BSH Ey / oder das ſprechende Wort / welches im ſich ohne ſolch 
art Weſe ũ iſt / fo wohl alich der auffere Menfch nicht / ſondern es iſt 
alles nur das außgeſprochtne Wort / das ſich in feinem wieder⸗ 
ſaffen (zum ſelber ſprechen) alſo cooguliret hat / und noch immer⸗ 


au lan USDE, — dar 





| 


Te 
{ 


= 


Capz. Bom Wortoder Herhe Gotter. zn 


Dar mit den 4. Elementen durch, den Geiſt der Begierde / (ala. 
des Geſtirnes) coagnliret/umd in ein ſolch Weben und Leben 
einfuͤhret / nach Art und Weiſe wie das ewige ſprechende Wort 
ein Myſterium ( welches geiſtlich if ) in ſich macht / welches My- 
fterium ich das Centrum der ewigen Natur heiſſe / da ſich das 
ewig⸗ ſprechende Wort ir eine Gebaͤhrung einführet/. und auch 
eine ſolche geiſtliche Welt in ſich macht / wie wir im außgeſproche⸗ 
nen Worte cine materialiſche find. 

8. Denn ich ſage / die Innere Welt ift der Hummel darinnen 
GOtt wohnet / und die aͤuſſere Welt iſt aus: der innern außge⸗ 
ſprochen / und hat nur einen andern Anfang als die innere / aber 
doch aus der innern. Sie iſt aus der innern / (durch Bewegung, 
des ewig⸗ſprechenden Wortes) außgeſprochen / und in einen 
Anfang und Ende geſetzet. * 

g. Und die innere Welt ſtehet in dem ewigen ſprechenden Wort: 
Das ewige Wort bat ſie als ein groß Mylterium von Ewigkeit 
aus feiner Krafft / Farben un Tugend/(duch- die Weißheit) in ein 
Weſen geſprochen:: Welches Weſen auch. nur. als cin. Auß⸗ 
hauchen vom Wort in der Weißheit iſt / das ſeine Wiederfaßung 
zur Gebahrung) in ſich hat / und ſich mit Der Fagung auch co- 
aguliret/ und in Formungen einfuͤhret / nach Art der Gebaͤhrung 
des ewigen Worts. Wie ſich die Kraͤffte / Farben und Tugenden/ 
im Wort (durch die Weißhtit) gebaͤhren; oder. wie ich, ſagen 
moͤcht / aus der Weißheit im Worte. 

20: Darumb iſt nichts vor GOtt Nahe oder weit / eine Welt 


iſt in der andern / und find alle nur die einige: Aber eine iſt geiſt 


lich / die ander iſt leiblich / gleich wie Leib und Seel in einander iſt/ 
und auch Zeit und Ewigkeit nur cin Ding iſt / aber in. unter⸗ 
ſchiedlichen Anfaͤngen. Die geiſtliche Welt in Innern hat einen 
ewigen Anfang / und die aͤuſſere einen zeitlichen / eine jede hat ihre 
Gebuhrt in ſich / aber das ewig⸗ ſprechende Wort hereſchet durch 
alles / und mag doch weder von der geiſtlichen noch aͤuſſern Welt 
ergriffen oder gefaſſet werden / daß es ſtille ſtuͤnde / ſondern es 
wuͤrcket von Ewigkeit in Ewigkeit / und fein Gewuͤrcke wird ge⸗ 
ſaſſet. Denn es iſt Das geformte Wort / und das wuͤrckende iſt 
inLeben/ und unfaßlich / denn es iſt auſſer allem Woeſen / nur 
bloß / als ein Verſtand oder eine Krafft die ſich rn Weſen ein⸗ 
fuͤhret. 

22. In der innorn geiſtlichen Welt faſſet ſich das Wort ine 
ein geiſtlich Weſen / als ein einiges Element da ihr 4. darinnen 
wrborgen lze gen. Als aher GOtt / als das Wort / hat daſſelbige 

16 cinige 


AR 
— 


J 


& 


N ur . 
2 MWieausdenewigen Guten Cap.z-. 


A V 


einige Element beweget/ fo haben fich die verborgene Eigen: 
ſchafften offenbahret/ als da find 4. Elementa. 


Das 3. Eapittel. 


Wie ausdem ewigen Guten ein Böfes ift worden, wel⸗ 
ches im Guten Feinen Anfang zum Böfen hat ; und 
von demlirfprung der finftern Welt oder 
Hoͤlle / inwelcher die Teuffel 

wohnen. 

= Odann in deräuffern Welt wird Sicht und Fin⸗ 
ſternuͤß geſehen / darzu Pein und Quaal/und aber 
alles aus dem ewigen Myſterio, als aus der in=- 
⸗ nern geiſtlichen Welt herruͤhret / und die innere 
RX geiſtliche Welt herruͤhret aus dem ewig⸗gebaͤh⸗ 
Senden und ſprechenden Worte; ſo iſt uns zu betrachten: Wie⸗ 
aus dem ewigen Guten ein Boͤſes werde / das in dem Guten doch 
Beinen Anfang hat zum Boͤſen: Woher Finſternuͤß / Pein umd- 
Quaal entſtehe: Und dann woher in der Finfternüß ein Glantz / 

oder Liecht entſtehe. 

a. Daͤnn wir koͤnnen nicht fagenz daß das ewige Liecht oder 
Die ewige Finſternuͤß geſchaffen ſey / ſonſten wären fie in einer 
Zeit / und in einem gefaſſeten Anfange / welches nicht iſt. Denn 
ſie ſind mit in der Gebaͤhrung / aber nicht in der Weißheit oder 
Gebaͤhrung des Worts der Gottheit: Sondern fie nehmen ih— 
zen Urftand in der Begierde des fprechenden Worts. 

3. Denn in den ewig⸗ ſprechenden Worte / welches auffer aller- 
Natur / oder Anfang / nur der Göttliche Verftand oder Hallift/ 
Da iſt weder Finfternüß noch Siecht / weder Dickes noch Duͤnnes / 
weder Freude noch Leyd / auch keine Empfindligkeit noch Find» 
ligkeit / fondern es ift bloß eine Krafft des Berfiandes in einer- 
Quaal / Willen und Regiment / es tft ihme weder Freund noch- 
Feind / denn esift das ewige Gut/ und nichts mehr. 

4. So dañ daſſelbige ewige Gut nicht mag ein unempfindlich 
Weſen ſeyn / (denn es wäre ihme nichtalſo ſelber offenbahr/) fo 
fuͤhret ſichs in ſich ſelber in eine Luſt ein / zu feinem ſelbſt⸗ ſchauen 
oder ſehen / was es ſey / in welcher Luſt die Weißheit ſtehet; und 
fo ſich dann die Luſt alſo ſtehet / was ſie iſt / fo fuͤhret ſte ſich in eine 
Beglerde ein zu empfinden / was ſie ſey / als zu einer Fuͤhlung des 
Geruches / des Geſchmacks / der Farben / Kraͤffte u = 

mocte- 








? .& D —24 ET 
Eap.z. ein dofesiftiworden/isc u 
moͤchte doch auch Feine Fuͤhlung in der freyen geiftlichen Luſt ent⸗ —* 
ſtehen / wann ſie ſich nicht ſelber in eine Begierde (gleich einem 

— 

. Denn das Nichts hungert nach dem Etwas / und der Hun⸗ 
est if die Begierde / als das erſte Verbum Fiat, oder machen 
Dann die Begierde hat nichts / das fie Eönte machen / nder- 

faffen. Sie faffet fich nur ſelber / und impreſſet fich / das iſt / 
ſie coaguliret ſich / fie zeucht ſich in ſich / und faſſet ſich / und fuͤhret 
ſich vom Ungrunde in Grund / und beſchattet ſich ſelber mit dem 
magnetiſchen Ziehen / daß das Nichts voll wird / und bleibet doch 
als ein Nichts / es iſt nur eine Eigenſchafft / als eine Finſternuüß; 
das iſt der ewige Urſtand der Finſternuͤß: Denn wo eine Ei⸗ 
genſchafft iſt / da iſt ſchon etwas / und das Etwas ift nicht als das 
Nichts: Es giebet Tunckelheit / es ſey dann dag es mit etwas 
anders / (als mit einem Glaſt /) erfuͤllet werde / fo iſts Lechte / und 
bleibet doch eine Tunckelheit in der Eigenſchafft. 

‘6. In dieſer Coagulation oder Impreſſion, oder Begierde /; 
doder Hunger/ wie ichs efwan zum Berftande geben möchte /ift 
uns nun mitder Compadtion, oder Zuſammenfaßung / zweyer⸗ 
ley zu verfichen. 1. Als die freye Luſt / welche sft die Weißheit / 
Kraft und Zugendder Farben; und zum II. die Begierde der 
freyen Luſt in fich felber. Denn die freye Suft/ als die Weißheit/ 
ift keine Eigenfchafft / fondern iſt von aller Anneigligkeit frey / 
und iſt mit GOtt eins: Aberdie Begierde ift eine Eigenſchafft. 
NRun entſtehet aber die Begierde aus ver Luſt / darumb fo faſſet 
auch die Begierde e die freye Luſt wit inderCompa&ion im Faffen/ 
und fuͤhret ſie mit in die Empfindligkeit und Findligkeit ein. 

7. Und follet uns aber ja wohl an dieſem Ort recht verftehen = 
Die Begierde entſtehet aus dem Willen zur freyen Luſt / und 
fuͤhret ſich durch die freye Luſt aus / und in eine Begierde ein / denn 
die Begierde iſt des Vatters Eigenſchafft / und die freye Luſt / als 
Die Weißheit / des Sohns Eigenſchafft: Wiewohl GOtt / als 
der ein Geiſt iſt / alhier an dieſem Ort nicht Vatter oder Sohn 
genannt wird / biß zur Offenbahrung durchs Feuer im Liechte/ 
allda wird er Vatter und Sohn genañnt. Aber zum gruͤndlichen 
Verſtande ſetze ichs wegen der Gebuhrt der Natur / dag man. 
verſtehe / welcher Perſon in der Gottheit die Natur / und welcher 
Be Kraffe i in der Natur zugefohrisben werde, 


U 7 Das: | 


x 
A 
—* 


14 Wie aus dem ewigen Guten Gap. 3. 


Ding Centrum der ewigen Natur: Wie ſich der Will 
des Ungrundes / in Natur und Geſtaͤltnuͤß 
einführe. 

8. Fr Begierde aus: den ewigen Willen des Ungrundes iſt 

die erste Geſtalt / und iſt das Fiat oder Schuff. Und die 
Krafft der freyen Luſt iſt GOtt / der das Schuff fuͤhret / und heiſt 
es beydes zuſammen Verbum fiat, das iſt / das ewige Wort / das 
daſchaffet da nichts: iſt / und der Urſtand der Natur und aller 
Weſen. 

B. 9. Die ete Eigenſchafft der Begierde iſt herbe / ſtrenge/ 
imprefiende/ ſich faſſende / ſich beſchattende / und machet erx ſtlich 
die groſſe Finfternügdes Abgrundes: Zum andern macht ſie ſich 
weſentlich / nach geiſtlicher Art / gantz rauh / hart und derb / und 
iſt eine Urſache Der Kälte und aller Schärffe/ auch. alles: deſſen 
was Werfen heiſſet / und iſt der Anfang: der Findligteit / da fich 
die freye Luſt ſelber inne findet / und in Beſchauligkeit einfuͤhret: 
Abor die Begierde / in ſich ſelber / fuͤhret ſich damit in Pein und 
Quaal ein / die freye Luſt aber nuũt nur alſo die Findligkeit an. 

J. ro, Die zte Geſtalt oder Eigeuſchafft iſt das Einziehen 
der Begiorde / das iſt cin Stachel / Ruͤgen oder Bewegen. Deun 
eine jede Begierde iſt einziehende / und iſt der Aufang des Be⸗ 
wegens / Nägens und Lobens / und der wahre Urſtand des mer- 
curialiſchen gebens der peinlichen Quaal. Dann alhier urſtaͤn⸗ 
der die erſte Feindſchafft zwiſchen der Herbigkeit / oder Haͤrtig⸗ 
Feit / und dem Stachel oder Ruͤgung / dann die Begierde mache 
hart / derb / und ſchleuſſet ein / gleich wie die Kälte das Waſſer eins 
ſchleuſt. Alſo iſt herbe ein eitel Kaͤlte / und der Stachel / als das 
Ziehen / wird doch mit dem Einpreſſen gebohren. 

11. Es iſt alhie wie Vatter und Sohn / der Vatter wil ſtille 
und hart ſeyn / und der Stachel als fein Sohn zeucht un Vatter/ 
und macht Unruhe; das kan der Vatter / als die Herbigkeit nicht 
erdulden / und zeucht viel hefftiger in der Begierde an ſich den ums 
gehorſamen Sohn zu halten / und einzuſchlieſſen / Dadurch der 
Sohn nur ſtaͤrcker im Stachel wird / und das iſt der wahre 
rund und Urfach der Empfinpligfeit / weldyes in der freyen 
Luſt der ewige Anfang des Bewegens der Kräffte/ Farben / und 
Tugenden / und der Goͤttlichen Freuden-Neich iſt: und in der fin⸗ 
ſtern Begierde iſt der Urſtand der Feindſchafft / Pein und Quaal / 
und der ewige Urſtand GOttes Zornes / und aller Unruhe und 


Widerwertigkeit. d ı2, 








Cap. ʒ. ein Boͤſes iſt worden / w. vs 

J. 12. Die zte Eigenfchafft iſt die Angſt oder Quaal / oder 
das Maͤllen / welche die zwo erfte Eigenſchafften machen / wenn 
ſich der Stachel / als: das Rügen: in der Haͤptigkeit / alein dev 
Imprefion; mit dem Müttern beweget / und die H aͤrtigkeit zer⸗ 
bricht / fo entſtehet / in dem Zerbrechen der Härte / die erſte Fuͤh⸗ 
ligkeit / und iſt der Anfang der Eflentien : Denn x. cs iſt die 
Scheidlichkeit/ dadurch in der freyen Luſt im Worte der Kraͤffte 
jede Krafft in ſich ſelber fuͤhlende / und unterſchiedlich wird. Es 
iſt der Urſtand der Unterſchiedligkeit. = Duf die Kraͤffte ein 
jede in ſich ſelber offenbahr werde / auch der Urſtand der Sinnen 
und des Genuͤthes 

13. Dann das ewige Gemuͤthe iſt die allweſende Krafft der 
GSottheit / aber die Sinnen entſtehen durch Vie Natur mit der Be⸗ 
wegung in der Unterſcheidung der Kraͤffte / da eine jede Krafft 
fich ſelder inempfindet / und fuͤhlet. Es iſt auch der Urſtand des 
Schmacks und Ruchs. Weñ die Empfin dligkeit der Kraͤffte / in der 
Unter ſchiedligkeit / je eine in die andero eingehet / ſo fuͤhle n / ſchme k⸗ 
ken / riechen hörenundfi ehen ſie einander / und hieriũen entſtehet 
des Lebens Froude / welches in der Stille derKrafft GOttes inder 
Freyheit / nicht ſeyn moͤchte. Darumb fuͤhret ſich der Göttliche 
Verſtaud in geiſtliche Eigenſchafften ein dag er ihme ſelber 
offenbahr und ein wuͤrckendes Leben ſey. 

14. Nuniſt uns abor die Angſt in ihrer Gebaͤhrung und ſelbſt⸗ 
Eigenſchafft zu betrachten: Denn gleich wie in der Freyheit im 
Worte ver Kraft GOttes ein Gemuthe iſt / als ein Verſtand/ 
alſo auch imgleichen führer Yich der erfte Wille zur Begierde / in 
der Begierde der Finfternüg in ein Gemuͤthe ein / welches Ge⸗ 
muͤthe die Augſt⸗Quaal iſt / als ein Schwefel ⸗ Quaal / und da als 
hier Doc nur Geiſt verſtanden wird. 

15. Die Angſt⸗Quaal wird alſo serfianden : Dieherbe Be⸗ 
gierde die faffer ich / und zeucht ſich in ſtch / und macht Nich voll? 
hart und rauhe /fo ift das Ziehen ein Feind der Hirte. Die 
Härte iſt haltend / und das Ziehen ift fliehend; Eins wil in ſich / 
nnd das Ander wil aus fi : So es aber nicht voneinander 
weichen oder ſich trennen Ban ſo wirds ineinander / gleich einem 
draͤhenden Rade: Eins wil uͤber ſich / das anderunterfich, 

6. Denn die Härte gibt AWefen und Gewichte / und der 
Stachel gibt Seiſt und das ftiegende Leben:: Diß drauͤhet ſich 
mit einander in ſich und aus ſich / und kan doch nirgends hin. 
bee: die Begierde / alsder Magnet / hart macht / das zerbricht 

s Ziehen wieder / and iſt die groͤſte Unruhe in ſich ſelber / gleich, 
euer 


oe Er: Bi nu DR TER, 
n RN 


16 Wie aus dem ewigen Guten Cap. 2; 
einer wuͤttenden Unſinnigkeit / und iſt in ſich eine erſchreckliche 
Angſt / und wird. alhier doch noch Fein recht Fühlen verſtanden 
biß zum Feuer / und beſcheide den rechtverſtaͤndigen Naturkuͤn⸗ 
diger alhier / was das ſey oder bedeute; Er mag ſich beſinnen / 

in feinem natürlichen Wiſſen wird ers finden. 

17. Die Angſt macht den Schwefel-⸗Geiſt / und der Stachel 
nacht den Mercurium, alsden Werdmeifter der Natur: Er iſt 
der Natur Leben / und die herbe Begierde macht den fiharffen 
Saltz⸗Geiſt / und find alle drey nur einerztheilen fich aber in dren 
Geftalte / die heiſfen Sulphur, Mezcurius , Sal: Diefe 3. Eigen— 
fchafften impreffen in ſich Die freye Luſt / daß fle auch eine materias 
liſche Weſenheit gibt / das iſt ein Oel / dieſer drey Geſtalten Le⸗ 
ben und Freude / welches ihre Grimmigkeit leſchet und fünfftia 
get / und das kan kein Vernuͤnfftiger leugnen. Es iſt in allen 
Dingen ein Saltz / Schwefel und Oele / und der Mercurius, als 
das Gifft⸗Leben / machet die Eſſentz in allen Dingen/und alſo fuͤh⸗ 
ret ſich der Ungrund in Grund und Ratur ein. 

© 18. Die ste Geſtalt der Natur iſt desFeuers Anzuͤndung/ 
da erſt das fuͤhlende und verſtaͤndige Leben auffgehet / und ſich der 
verborgene GOtt offenbahret : Denn auſſer der Natur iſt er 
allen Creaturen verborgen / aber in der ewigen und zeitlichen 
Matur iſt er empfindlich undoffenbahr. 

19. Und dieſe Offenbahrung geſchicht erfilich Durch Die Er— 
weckung der Kräffte/ als durch die ebermelten 3. Eigenfchafften? 
Sulphur, Mercuriam und Sal , darinnen das Oel / in welchem das 
Leben brennet / und fcheint. Inder 4tenGeſtalt / als im Feuer und 
Liecht / wird erſt das wahre geben offenbabr; Im Feuer das na⸗ 
tuͤrliche / und im Liechte das oͤhliſche / geiftliche/ und in der Krafft 
des Liechtes das Goͤttliche verſtaͤndliche. 

20. Leſer merck es recht: Ich verſtehe alhier mit Beſchrei⸗ 
bung der Natur die ewige / nicht die zeitliche. Ich weiſe dir nun, 
die zeitliche darunter / denn fie ift aus der ewigen außgeſprochen / 
darumb fege mir nicht Kaͤlber / Kühe/oder Ochſen Darein z wie Die 
Unvernunfft zu Babel pfleget zu thun. 

21. Erftlich wiffer diefes > Daß fich der Göttliche Berftand- 
darumb ins Feuer einführet/ dag feine ewige Luſt mayeftatifch, 
und ein Liecht werde : Denn der Göttliche Verſtand nimt Feine , 
Quaal in fich/ er darff auch Feiner zu ſeinemeignen Weſen / den. 
Das Alles Darff des Ichtes nicht / das Ichts ift nur fein Spiel) 
damit das Alles fpielet/und damit ihme das Gange als. das Ailes- 
felber offenbahr werde / fo fuͤhrets feinen Willen In Eigenfauff* 


—* J - — ER Y — 
4 F 


Cap. 3. ein Boͤſes iſt worden ꝛc. 17 


ten ein. So wollen wir als eine Creatur von den Eigenſchaften 


ſchreiben / als von dem geoffenbahrten GOTT : wie ſich das 
Alles/als der ungründliche ereige Verftand/offehbare. 

22. Zumandern führer fich Ber ungründliche und Göttliche 
Verſtand darumb in einen aͤngſtlichen Feuermillen und Leben 
ein / auf daß ſeine groſſe Liebe und Freude / welche GOTT heiſſet / 
offenbar werde: Dan wenn alles nur Eines waͤre / ſo waͤre ihm 
das Eines nicht ſelber offenbahr: Aber durch die Offenbahrung 
wird Das ewige Gut erfant/und giebet eine Sreudenreih: Son⸗ 
ften fo Feine Angſt waͤre / ſo ware ihr die Freude felber nicht offene. 
bar/ und wäre nur ein einiger Wille/ der thate nurimmer ein 
Ding: Sp er fih aber in Widerwertigfeit einführet/fo wird in. 
dem Streit die Luſt der Freuden zu einer Begierde / und zu ſei— 
nem Kebe⸗ſpiel / das ſie zu würden und zu thun hat / Menſchlich 
geredet. 

23. Des Ewigen Geiſt-und Natur-feuers Urſtand / geſchicht 
Durch eine ewige Conjunction oder Zuſammenfuͤgung / keines 
ſonderlich / ſondern beydes zugleich / als das Göttliche Feuer / wel⸗ 
ches ein Liebe-brennen iſt: Und zum 2. das Natur-feuer/ welches 
ein Wehe und verzehrliche Quaal iſt / dieſes iſt alſo: 

24. Das eine Theil / als der Wille des Vatters / oder des Un⸗ 
grundes / fuͤhret ſtch in die groͤſte Schaͤrffe der Herbigkeit ein / 
allda er ein kalt Feuer iſt / eine kalte peinliche Qual / und ſchaͤrffet 
ſich durch Die herbe ſtachlichte Angſt / und in derſelben Angſt wird 

r begehrend der Freyheit / als der freyen Luſt oder Sanfftmuht: 
Und das ander Theil iſt die freye Luſt / welche begehret offenbahr 
zu ſeyn / die ſaͤhnet ſich nach des Vatters Willen / der fie auſſer der 
Natur gebohren hat / und zu feinem Spiel brauchet: Dieſe bes 
gehret allhier des Willens wieder/amd der Wille hat ſich atlhier- 
wieder gefaſſet ans der Angſt wieder in die Freyheit / als in die 
Luſt zu gehen. 

25, Verſtehet / das iſt der wiedergefaſte Wille / der begehrend 
iſt der freyen Luſt GOttes. Nun hat er aber in ſich die grauſa⸗ 
me / herbe / harte / ſtachlichte / aͤngſtliche Schaͤrffe angenommen / 
und Die freye Luſt iſt eine groſſe Sanfftmut gegen der grunmen 
Natur / als ein Nichts / und da ſie doch iſt / dieſe beyde gehen nun 
gegen. einander / und in einander. Der ſcharffe Wille iſt jest, 
mächtig begehrend der freyen Luſt / und die Luſt iſt begehrend des 
ſtrengeir Willens / und in deme ſie in einander gehen / und einan⸗ 
der fühlen? fo geſchichet ein groſſer Schrack / als ein Blitz / auff 
Art wie ſich am Firmament das Fewer oder Blitz anzuͤndet. 

20. 


38 Von den zwey Prineipien Cap.a. 
26. Und in dieſem Schrack geſchiehet des Fewers Anzuͤndung⸗ 
Denn die herbe ſtrenge Finſternuͤtz / welche eine Kaͤlte iſt / erſchri⸗ 
cket vorm Liechte und vor der groſſen Sanfftmuht der freyen 
Luft/ und wird in ſich ein Schrack des Todes / da die Grimmigkeit 
und kalte Eigenſchaft zuruͤckin ſich gehet / und ſich als Todt ver⸗ 
ſchleuſt. Denn im Schrack wird das finſtere Gemuͤth weſentlich / 
es raffet ſich in ſich als ein Eignes / als eine groſſe Furcht für.dem: 
Liechte / oder eine Feindſchaft des Liechtes: Und das iſt der wahre 
Urſtand der finſtern Welt / als des Abgrundes / in welchen die 
Teuffel ſind ver ſtoſſen worden: welchen wir Hölle nennen; 


Das IV. Capittel. 
Von den zwey Principien , als von GOttes Siehe und 
Zorn: Von Finſternuͤß und Liecht / dem Leſer ſehr 
noͤhtig zu betrachten. 
Ndieſem Schracke oder Fewers⸗Anzuͤndunge ſchei⸗ 
4 den ſich 2. Reiche / und ſind doch nur eines: Aber fie: 
Itheilen ſich in der Eſſentz / Quaal und Willen / werden 
Dauch einander un ſichtlich / Feines begreiffet Das au⸗ 
AREA Oper infriner eignen Quaal / und find Doch aus einem 
Urſtande / hangen auch ameinander / und waͤre Eines ohne dag 
Ander ein Richts / und nehmen doch alle beyde ihre Quaal von Ei⸗ 
nem Urſtande. Dieſes verſtehet alſo: 
2. Wenn der Blitz oder Schrack aufgehet / ſo iſts ein Punct / 
und machet im Blicke einen Dreyangel A oder ein O Creutz/ 


und dieſes iſt die rechte Deutung des Charakters. SIſt erſtlich 
die Schaͤrffe aller Dinge / und der geoffenbahrte GOTT In Drey⸗ 
faltigkeit. Der Dreyangel deutet an den verborgenen GOTT / 
als das Wort oder Goͤttlichen Verſtand / welcher in ſeiner ewi⸗ 
gen unanfaͤnglichen Geburth Dreyfaltig iſt / und doch nur Einig 
im feiner Offenbahrung. In der Fewer-oder Liecht-welt offen⸗ 
bahret ſich dieſe Dreyheit in der Geburht / nicht daß etwan ein 
Ort waͤre / da eine ſolche Figur ſtuͤnde: Nein / ſondern die gantze 
Geburht iſt alſo: Wo ſich das Goͤttliche Fewer in etwas offen⸗ 
bahret / ſo macht es in ſeiner Anzuͤndung einen Dreyangel / M 


wolches den Menſchen⸗ Kindern wohl zu mercken iſt / wie ſich das 


sehen alſo auch in einem Dreyangel anzuͤnde / bedeutet —— 
rep⸗ 








—— as * 
* * en. y ER J 
* a * 


Cap 4. als von Gottes Liebe und Zornꝛc · 19° 


Dreyfaltigkeit. Und weilen des Lebens Liecht iſt in dem Worte 

der GOttheit geweſen / welches dem Menſchen eingerlaſen ward 

(wie Johan. amır. Cap: ſagt /) und aber im Paradeisan GOTT 

verblichen: ſo hats muͤſſen am T wieder gebohren werde: 
Erklaͤrung des obigen Charackers. 

3. Das obere Creutz bedeutet das ungeformete Wort in 
Dreyfaltigkeit auſſer aller Natur / und ſtehet der Churadter 
alſo A und dieſer Charadter bedeutet Das geformete Wort / & 
als die Engliſche Welt. 

+ Daß aber der Dreyangel mit den drey geraden Spitzenun 
ein ſolch T- Jich hat verwandelt / da der Todt daran erwuͤrget 
ward / deutet uns an die groſſe Rebe GOttes / aus dem Dreyan⸗ 
gel / die ſich in unſere Menſchheit wicder hat verſenckt / als wir 
vom Dreyangel ins Lebens⸗Aecht waren abgewichen. 

5. Darumb fuͤhret ſich ver groſſe Angel unter ſich / deutet an 
die groſſe Demuht / und auch dag wir den feuriſchen Angel derin 
die Hoͤhe gehet / verlohren yaben / in deme wir GOttes Bild und: 
Gleichnuͤß waren. Darumb hat ſich der obere Angelin der Wie⸗ 
dergebuhrt MT unter ſich gedraͤhet / und fuͤhret keine Spitze 
mehr in die Höhe. Deutet uns eizt die wahre Gelaiſenhtit un⸗ 
term Tan: Da wir werden wieder imn Geiſte Chriſti durch die 
groſſe Demuht GOttes im Liechtnew gebohren. 

6. Nun theilet ih der Wille im Fewer⸗Schrack in 2. Reichert 
da ein jedes im ſtch ſelber wohnet: Als der Schrack in der Fin⸗ 
ſternuͤß iſt GOttes Zorn: Und der Schrackinder Wiederfaſ 
fung gegen: der freyen Luſt wird im der: freyen Luſt die Hoch⸗ 
triumphirende Goͤttliche Freudenreich. Denn alſo wird die freye 
Luſt erhebende / und in ein ringendes Liebeſpiel eingefuͤhret und: 
alſo wird te quaͤllend und wuͤrckende. 

7. Richt iſts zu verſtehen / daß GOTT einen Anfang alſo 
nehme: Sondern es iſt der Ewige Anfang des geoffenbahrten 
Gottes: Wie ſich der Goͤttliche Verſtand mitder Kraft in Un— 
terſchiedligkeit offenbahre / und in Reiche einfuͤhre: welches eine 
ewige Gebaͤhrung iſt. Wir reden allhier nur / wie ſich der un⸗ 
ſichtbare unempfindliche GOTTin Empfindligkeit einfuhre und 
offenbahre. 

8. Nimm ift ung aber: mit der Fewers⸗Anzuͤndung zweyerley 
Fewer / zweyerley Geiſt / und: zweyerley Weſen zu vorſtehen: 
Als ein Siebesfewer im der freyen Luſt / welche mit der Impreſ⸗ 
Kon: oder Begierde weſentlich wird / und im Fewer — | 

f eis 


5 
FEN vr, y * 


[DE 277 


* 


20 Von den zwey Principien/ Cap.4. 


— 


Geiſt und Weſen / und ſind doch ineinander wie Geiſt und Leib 
eins iſt; Und wie num ver Beiftifbr alſo iſt auch daſſelbe We— 
fen. Und wie in der Impreflion der fteyen Liſt ein heiliges ſuͤſſes 
Weſen iſt / und ein heilig ſuͤſſer Geiſt: Alſo iſt in der finſtern 
Imprefhon ein herbes / ſtrenges / raues und bitter Weſen und 
Geiſt: Wie das Weſen iſt / alſo iſt auch das Gemuͤhte des Ver⸗ 
ſtandes und Willens im Weſen. 

9. Wiewohl das Ewige gegen der Zeit als Geiſtlich iſt: ſe 
iſt aber doch der wahre Geiſt viel ſubtiler als das jenige / das er 
in der Faſſung zu einer Sabſtantz macht: Dann ausder Sub- 
Kant geheterft der wahre verftändige Geiſt aus / welcher vor der 


Subftang nur ein Wille iſt / und ihme felber nicht offenbahr/denn: 


der Wille führet ſich darumb in Subltang und Weſen ein /dager 
ihme felber offenbahr ſey. 


10. Nun ift uns die Scheidligfeit im Fewer zu betrachten; 


wenn ſich das. Fewer anzuͤndet / fo ift der Fewer-blitz oder 


Schrack Salnitrifch / da fich alle Kräffte auseinander geben/ und 
im die Theilung gehen, da ſich die ewige / einige Krafft GOttes 


offenbahret / und in Unterfihiedligkeitin Eigenſchafften theilet / 


keides Geiſtlich und Wefentlich / wie es an diefer Welt zu ſehen 


iſt / da dan die mancherley Sulge urftänden: Welche mitder 


Schoͤpffung find in ſolche Marerien:eingangen / welhes in der 


Ewigkeit nur ein Geiſtliches Weſen iſt geweſen / aber mit An⸗ 
fang der Zeit grob und harte worden. 


11. Auch urſtaͤnden aus dieſer ewigen Wurtzel die mancher⸗ 


ley Geiſter / gut und boͤſe / ſo wohl das mancherley Geſtirne 
ſamt den 4. pre A und alles was lebet wird weber. Die 
Theilung aber in fich felber ift uns alfo zu verſtehen: Wenn der 
Blitz aufgehet / ſo gehet aus dem: Fewer die Scheidung / der 


Fewer-Schrack iſt verzehrlich / der greifftdas geſaſſete Weſen 


an / beides das in der freyen Luſt / und das in der Rauhigkeit / und 
verzehrts Augenblicklich / denn allhie in dem Fewer wird der 
ewige Wille / der kein Grund iſt / offenbahr / vor deine mag 
kein Weſen beſtehen / er verſchlingt alles in ſein Nichts. 

12. Und allhier iſt der Urſtand des ewigen Todes oder der 
Berschrligkeit/ und in dieſem Verzehren iſt das hoͤchſte Arca- 
num oder Heimligkeit: Dan es gehet der wahre weſentliche le— 
bendige Geiſt und Verſtand aus dieſer Verzehrligkeit aus / und 
macht einen andern Anfang: Denn der erſte Anfang iſt GOt— 


tes / der ſich vom Ungrunde in Grund einfuͤhret zu feiner Be— 
ſchauligkeit. Dieſer Anfang aber der aus dem verzehren wieder. 


auß⸗ 








Caps. als von Gottes Liebe und Zornꝛc. zur 
ausgehet / iſt ein Geiſtlicher Anfang / und gibt z. Welten: Als * 
erſtlich die finſter Fewer-⸗Welt in His und Kaͤlte / eine gantze 
Rauhigkeit ohne Weſen / 2. Die andere Welt iſt die Geiſtliche 

Liechte oder Engliſche Welt / 3. Und die dritte hat ihren Anfang 

mit der Zeit Anfang genommen. Als GOTT die beyde Innere 

Welten hat beweget / fo hat er dieſe aͤuſſere ſichtbahre Welt dara 

aus in eine Form einer Zeit erbohren und geſchaffen. 

123. Nun iſt aber Die Theilung im Fewer der Verzehrligkeit 
alſo zu verſtehen: Die Kraͤfte / welche Die erſte Impreflion hat⸗ 
ten Weſentlich gemacht / die werden im Fewer in Geiſtligkeit 
eingefuͤhret: Als J. aus der freyen Luſt gehet aus ein geiſtlich 
Myſterium, das iſt / nach der Gottheit / als nach dem ewigen 
Verſtande Geiſtlich / und iſt das Engliſche Leben und Liecht / fo 
wohl das wahre Menſchliche / und alles deſſen was ſich denen 
gleicht/ denn es find die Kräfte GOttes: Darumbtragen die 
Engel den groffen Namen GOttes in fich / fo wohl auch die 
rechte Menfchen / welche die Göttliche Krafft haben. 

14. Ii. Gehet aus dem Weſen der freyen Luſt himmliſche 
$eibligkeit / in dein Fewer aus als eine öhlifche Krafft / welche 
Des Verftandes Leib iſt oder Weſen darinnen das Fewer bren= 
net / und daraus der Schein oder Glanz entficher, III. Gehet 
aus den Urſtande und Geiſtlichem Oehle eine webende Su ſt gleich 
einem Element / und iſt auch das Goͤttliche Element. 

15. IV. Gehet aus dem Element eine waͤßeriche Eigenſchafft / 
und iſt doch allhier nur Geiſtlich zu verſtehen? dieſes Waſſer 
iſts / davon Cyhriſtus ſaget / er wolle uns das zu trincken geben / 
und wer das würde trincken / deme wuͤrde cs in einen Quellbrunn 
des ewigen Lebens quellen. Es iſt das Waſſer uͤber der Veſten / 
davon Moles ſaget / daß es SOTT habe geſchieden von den aͤuf⸗ 
fern Waſſern unter der Veſten. Dieſe wageriche und elementi= 
ſche Eigenſchafft gehet aus der freyen Luſt Weſen / welche im 
Fewer verzehret wird/ fo ſpricht das Wort des Verſtandes / 
welches ſich jetzt im Fewer hat offenbahret / dieſe Kraͤffte aus ſich / 
als ein jetzt lebende und webende Weſen / und wird die Engliſche 
Welt hierinnen derſtanden. 

16. In der Scheidung aus der finſtern Eigeuſchafft gehet 
durchs ſprechende Wort in der Scheidung aus dem Fewer aus / 
als ein ander Principium eder Anfang anderer Eigenſchafft 
1. Aus der herben ſtrengen Impreſſion ein hoͤlliſcher (davon die 
Holle ihren Namen hat) durſtiger grimmiger Quahl / gantz 


rau / auf art der Kälte oder der harten Steine / ein Gemuͤhte / 


das 


/ 


22 Von den zwey Prineipien/ac. apa. 


das iſt fihrecklich wieder Fewer-Blis. II. Gehet auch aus die⸗ 
gen ſeuriſchen Geiſte aus der Finſternuͤg aus ein Oehle / das iſt 
ein Giftes⸗Eigenſchafft / denn es iſt der boͤſe Mercurius vom 
Stachel in der aͤngſtlichen Herbigkeit. 

17. 111. Machet die Angſt auch ein webendes Gemuͤhte / 

gleich dem Element / aber alles in hochgrimmiger durchdringen⸗ 
per‘ Eigenſchafft; In welcher Die groſſe Fewers-Macht und 
Willen im Zorne GOttes oder der Grimm GOttesurſtaͤndet. 
Welches Lucifer begehrte zu ſeyn / und darinn zu herrſchen / und 
“ward darumb ein Teuffel / als ein ausgeſpeyter aus dem Liebe⸗ 
fewer in das finſtere Fewer. IV. Gehet auch eine waßeriſche Ei⸗ 
genſchafft aus der grimmigen Eigenſchafft durchs verzehren im 
Fewer aus / als aus der erſten finſtern Impreſſion: iſt aber viel⸗ 
mehr ein Giftquaal / in hen das finftere Leben brennet · 

18. Daß ich aber vom Oehle und Waſſer alhie ſchreibe / das 
verſtehet alſo: In der, Anzuͤndung des Fewers in Schraite / 
beydes in Schracke der Frewden in der freyen Liſt-⸗Weſen / und 
im Schracke der Grimmigkeit in der Impreih on des finftern 
Geiſt-⸗Weſens / wird das Weſen / welches die erfte Begierde 
hat coaguliret oder gefaſſet / im Fewer⸗ Schracke ver zehret / das 
iſt / als ſtuͤrbe es ſeiner Selbſtheit / und wird gefaſſet in den Ei— 
nigen Geiſt / der ſich alhier im Feuer der Grimmigkeit und in 
Liecht⸗fewer der Freudenreich hat offenbahret / der ſpricht es nun 
wieder als zwey Geiſtliche Welten aus ſich aus. 

19. Alſo verſtehets recht: Aus der feuriſchen Eigenſchafft ge⸗ 
Yet jet ini Aushauchen aus derLebens⸗quaal nach der freyen Luft 
Heilig und Freudenreich / und nach der Finſternuͤß peinlich uud 
grimmig. Die Grimmigkeit und peinliche Quaal iſt die Wur— 
tzel der Freudenreich / und die Freudenreich iſt die Wurtzel der 
Feindſchafft der finſtern Grinmigkeit: Daß alſo ein Contra- 
rium — / dadurch das Gute offenbahr und erkandt werde / was 
Gut iſt. 

20. Und das geſtorbene Weſen im Feuer / welches die erſte 
Begierde in der freyen Luſt hat coaguliret und finſter gemacht / 
gehet durchs Feuer⸗ſterben als ein Geiſtliches Oel aus / welches 
des Feuers und Liechts Eigenfchafft iſt / und aus der Ertoͤdtung 
ein Waſſer als ein erſtorbenes unfühlendes Weſen / als ein 
Gehaͤuſe des Oels / darinnen der Feuerquaal oder Geiſt fein Le⸗ 
bens⸗Regiment fuͤhret / welches des Feuer⸗quaals Speiſe iſt 
die er wieder in ſich zeucht und verſchlingt / und den Feuerquaal 
dadurch leſchet und in dir groͤſte Sanfftmuht tiaſe in 

welchem 


Caps. Bondenz.SenlibusoderGinnen. 23 


welchem das Leben der groſſen Siebe entſtehet / als der gute Ge⸗ 
ſchmack; Daß der Feue requaal im Ochle durch die Ertoͤdtung als 
am Waßer⸗quaal eine Demuth vder Sanftmuht witd. 

21. Denn kein Feuergeiſt mag ohne Ertoͤdtung ſeines eignen 
Rechts oder eigenen Eſſentz ſanfft ſeyn: Aber das Waſſer / wel⸗ 
ches zuvor ein gefaſſetes Weſen aus der freyen Luft war / und 

aber im Feuer erſtotben / das kan dem Feuer ſeine Eſſentz in eint 
fanffte Begierde verwandeln. 


Das 3. Capittel. 


Bon den fünf Senfbus oder Simmern. 


Liebe⸗Feuer / Venus. 


Je fuͤnffte Geſtalt oder Eigenſchafft iſt die ie⸗ 
be⸗Begierde / als das heilige Leben oder das aus⸗ 
gewickelte Liechtfeuer / welches im grimmen ver⸗ 
zehrlichen Feuer ſeine Erweckung nimt oder 
Deupfaͤhet / das iſt / es wird aus dem Feuer ſchein⸗ 
lich / wie wir ein Gleichnuͤß an allen aͤuſſern Feuern haben / daß 
"Das Liecht im Feuer urſtaͤndet / hat aber gar viel ein andere Quahl 
als das Feuer; dann das Feuer iſt peinlich / und das Liecht iſt 
Fanft / lieblich / und gibt Weſen. 

2. Das Feuer gibt Liecht und Lufft / undaus Lufft wird Waſ⸗ 
ſer wegen der Sanftmuht des Liechts: Denn die Lufft zum Feuer 
iſt im Feuerblitz erſtorben: Alſo iſt daſſelbe Erſtorbene im 
Feuer cin ſanfft Weſen / doch nur als ein Geiſt. Wans aber 

vom Feuer im Liecht außgehet / ſo coazuliret es ſich / fo iſts ein 
Todt des Feuers / davon das Feuer erliſchet: So es aber in Gei⸗ 
ſtes Art iſt / ſo iſts des Feuers Speiſe und Erquickung: Wie 

man das für Augen fichet / daß ein jedes brennend Feuer eine 
Lafft aus ſich gibt / und aus der Lufft ein Waſſer / welche Lufft 

ſJanit dem Waſſer⸗geiſte das Feuer wieder in ſich zeucht / zu ſei⸗ 

nem Leben und Glantz: Sonſt ſo es das nicht erreichen kan / er⸗ 

lliſchet es / das iſt / es verſtickt; denn die Lufft iſt ſein geben / und 
es gebaͤhret ſie doch. 





3. Ingleichen iſt ung zu verſtehen vom Goͤttlichen Weſen - 


wie ſich der ewige Verſtand des Ungrundes in Grund und We⸗ 
ſen einfuͤhre / als in ein ewig Gebaͤhren und Verzehren / darin⸗ 
eun die Offenbahrung des Ungrundes ſtehet / und cin nn 

eſpiel / 


34 Von den s-Senfibus oder Sinnen. Cap-y.” 


beſpiel / daß ver Ungrund mit feinem gefaſten Grunde alſo mit 

ſich ſelber ringe und ſpiele. Er gibt ſich in Etwas / und nimt 
wieder das Etwas in ſich / und giebet ein anders daraus. Er 
fuͤhret ſich in Luſt und Begierde ein / darzu in Krafft / Staͤrcke 
und Tugend / und fuͤhret je einen Gradum aus dem andern und 
Durch den andern / daß es alſo in ſich ein ewig Spiel ſey. 

4. Wie uns denn in der fuͤnfften Geſtalt der Natur zu be⸗ 
trachten iſt: Wenn die Kraͤffte des ewigen Worts oder Ver⸗ 
ſtandes durchs ewige Geiſt⸗fewer / im ewigen Liechte der Made» 
ſtaͤt offenbahr werden / daß eine jede Krafft oder Eigenſchafft in 
ſich ſelber offenbahr / und in ein fuͤhlendes / ſchmeckendes / rie⸗ 
chendes / ſchallendes / ſehendes Weſen eingehet / welches durchs 
Feuer gefehichet / da alles Geiſtlich und Lebhaft wird / fo gehet 
alstan eine Eigenfchafft in bie andere ein / denn fe find alle aus 
einer / als aus der freyen Inft ausgegangen. Darumbiftauch 
dieſelbe Luft noch in Allen / und begchren allefamt wieder in die⸗ 
ſelbe freye Luft / alsindas Eine einzugehen: Allda jiedan ein» 
ander empfahen in ihrer heiligen, Conjun&ion ; wenn eine die 
ander ſchmeckt / riecht / fuͤhlet / hoͤret und in der Eſſentz ſihet / 
darinnen Dan Die wahre Göttliche Freudenreich ſtehet / fo wohl 
Das wächfende Leben dicfer Welt / wie an den ſteben Eigen— 
[haften / and der Sonnen Licht und Krafft in Gleichnuͤß zu⸗ 
— iſt. 

5. Die Goͤttliche Freudenreich im Himmel GOttes / als in 
dem geoffenbahrten GOtte in feinem ausgeſprochenen oder aus⸗ 
gehauchtem Weſen / wie Ichs etwan zum Verſtande geben 
moͤchte / ſtehet in der Liebe⸗Begierde / alsin ver Krafft / die ſich 
durchs Feuer im Liecht ofſenbahret / dann das Feuer gibt der ſanf⸗ 
ten freyen Luſt Eſſentz und Qual / daß ſie ſchiedlich und beweglich 
wird / daß es eine Freudenreich wird. 

6. Alſo iſt uns auch im gleichen vonder Finſternuͤß zu verſte⸗ 
hen / was im Liechte eine begehrende Liebe iſt / da ſich alles erfreuet / 
das iſt in der Finſternuͤß eine Feindſchafft; Denn Das Fewer 
iſt in der Finſternuͤß kalt und hitzig / darzu bitter / herbe und ſtach⸗ 
licht. Die Eigenſchaften ſind alle gantz rau und widerwertig: 

Sie ſuchen nicht das Eines / ſondern ihr Aufſteigen ihrer Macht. 
— je groͤſſer ihr erheben und entzuͤnden iſt / je groͤſſer iſt ihre 
Macht/rund je groͤſſer wird im Liechte die Freudenreich. 

7. Wasi im Liecht der Krafft gut und heilig iſt / das iſt in der 
Sinfternüf ängfilich und wiederwertia. Die Finſternuͤß iſt die 
* Feindſchaft des Liechts / und iſi doch die Urſach / dat Mt 

sit 






ap. 5. Von den 5. Senfibus oder Sinnen. z s 


Sichtoffenbahr werde. Denn fo kein Schwartzes waͤre / ſo moͤch⸗ 
teihme das Weiſſe nicht offenbahr ſeyn; und wenn Fein Leyd 
wäre/fo wäre ihr die Freude auch nicht offenbahr. 

3. Alfo erpebt jich die Freude in ſich / daß fie nicht iftals das 
Leyd / und das Leyd erhebt ſich in ſich / daß es eine Macht und 
Staͤrcke des Feuers und Liechts iſt / dannenhero die Hoffart und 
eigener Wille entſtehet / daß die finſtere Feuers-⸗Macht dem Liech⸗ 
te Eſſentz und bewegliche Quaal gibt / welches den König Lucifer 
bewegete / daß er ſich erhub in der Feuers⸗Wurtzel / uͤber Feuer 
und Liecht zu regieren / und deßhalben aus dem Liecht in die Fin⸗ 
ſternuͤs verſtoſſen ward / und das Liecht ſich ihme mit entzog. 

9. Darum verſtehet uns an diefen Ort wohl / was die Hoͤlle 
und fingtere Welt oder Zorn GOttes ſey / davon die Schrift füs 
get: Daß eine Hölle ſey / das ift eine Grufft der Verzweifflung 
des Guten; Nicht ifts zu verfichen von einem abtheilichen Orte 
fondernesiftdererfte Grund zur ewigen Natur / der Locus iff 
zwifhen GOttes und Diefer Welt Reich / und gibt ein eigen 
Principium in fie felber wohnend/und hat weder Ort noch Gtäte 

te / und ift allenthalben / aber nur fich felber beherrſchend / und gibt 
aber der Liecht⸗ und aͤuſſeren Welt Eſſentz / das iſt / ſte iſt die Ur— 
ſach zur Quaal als zum Feuer / und iſt das gantze Weſen aller 
Weſen GOttes. 

10. In der Finſternuͤß iſt Er ein zorniger eyferiger GOTTF 
und im Geiſt⸗feuer ein verzehrend Feuer / und im Liecht iſt Er ein 
Baͤrmhertziger liberGSOT / und in der Krafft des Liechts heiſſet 
Er für allen andern Eigenfchaften GOTT / und iſt doch nur der 
geoffenbahrte GOTT / der ſich durch die Ewige Natur in einge⸗ 
führten Eigenfihaffien offenbaͤhret: Sonſt fo ich ſage was 
GOTT fey in feiner Tiefſe / fo muß ich fagen : Er iſt auſſer aller 
Natur und Eigenfhaften / als ein Verſtand und Urſtand aller 
Weſen: Die Weſen ſind feine Offenbahrung / und davon haben 

wir allein Macht zu ſchreiben / und nicht von dem unoffenbahren 
GHTT | der ihme doch auch felber ohne feine Offenbahrung nicht 


erkant wärc. 
Des Lebens Urftand / Tupiter. % . 

- 22. Die 6te Geſtalt der Natur undaller Wefen entfichet auch 
aus den andern allen/ und wird im Feuer durchs Liecht in der 
tiebe- Begierde offenbahr / die ift ver Natur Berftand/ Schall 
Rede und alles was lautet) es fey in Schhaften oder Unlebhaften : 
Sein rechter Urftand ift von der herben Begierde oder Impreflion 
won der erſten / andern und dritten ae [ davon das Bewegen 
5 an» 


\ 


36 Bon den 5.Senfibusoder Siten. Cape 


und die Härte entftehet : Im Feuer wird das Weſen der Coagu- 
lation verzehret / und gehet aus der Verzehrung ein folcher Geift 
aus / beydes nach des Liechts / in der Liebe / Eigenfchafft/ und in der 
Sinfternüß nach der feindlichen Quaal und Angft Eigenfhafft/ 
undiftunsdiefesalfo zuverfichen: ° 
12. Einjeder Geift begehret Wefen nach feiner Gleichheit, 
Dun gehet aber aus dem Feuer nicht mehr als ein Geift aus (das 
ift ein Geiftlicher Verſtand / esift die Offenbahrung des Ber= 
ſtandes des Ungrumdes oder GOttes) der faffet ich in der Siebes 
Begierde wieder/ und formet fich in die Eigenfchafften der Kräffe 
te / und daffelbe ineinander eingehen / ineinanderinqualiren, 
iſt der holdfelige Schmack der Siebe. ; 
13. Das Gefaffete aber in der Liebe-Begierde / da die Begier⸗ 
de die Kräffte wieder coaguliren und in Formen einführen/als in 
einen ſubſtantialiſchen Geift/ da die Kräfften fich Eönnen lautbar 
bewegen / das iſt nun der natürliche und creatürliche Berfland 
welcher im Worte war. Wie Joh. r. faget: In ihme war das 
Leben / und das geben war das gicchtder Menfchen. 

14. Diefer Schalldes Hörens/ Schens/ Fühlens/ Schmefe 
tens und Riechens / ift das wahre verftandliche Leben / denn fo ei⸗ 
ne Krafftin die andere cingehet/ fo empfüher fie Die andere im 

. Schalle / we fie ineinander dringen / ſo erwecket eine Die andere / 
underkennt eine dieandere. In diefer Erkaͤntnuͤß ftchet der 
wahre Berftand/welcher ohne Zahl / Maaß und Grund ift / nach 
Art der ewigen Weißheit / als des Einen welches Alles ift. 

15. Darumb mag ein einiger Wille in diefem Quellbrunn 
ſchoͤpffen / fo er Göttlich Siecht in fich hat / und die Unendlichkeit 
u aus welchem Schauen diefe Feder gefihrieben 

ar. 

16. Zudem lautbaren Leben oder Schalleder Kräffte schöret 

Haͤrte und Weiche / Dicke und Dünne /undein Bewegen; denn 

ohne Bewegen ift alles ftille/ und mag doch auch Fein lauten ſeyn 
ohne Feuers Eſſentz. Denn das Feuer macht erft in,der Härte 

sind Weiche den Klang. 1 

17. Nun waͤre es auch kein Klang ohne eine Faßung / darumb 
gehören alle Beftalten zum Schalle : x. Die Begierde macht 
harte/ 2. Der Stachelbewegt/ 3. Die Angft faflets in Eſſentz 
zum Unterfcheid/ 4. Das Feuer verwandelt die Grobheit des 
erſten gefaffeten Wefens in feinem Berzehren / imeinen Geift 
oder Klang / 5. Welchen die Liebe-Begierde in ihrer Weiche 


und Sanfftmuth wieder faſſet und zu einem Hall 9 if. 
raff⸗ 


| 
| 
| 
| 





















ap. 5. Von den 5.Senkbussder Siñen. 2 7 
zräfften formiret /6. Und Das Gefaste-oder Geformirte iſt dee 
ebens⸗Schall oder Verftand aller Unterſchiedligkeit. 

18. Dieſes iſt nun das geoffenbahrte Wort / welches in ſich 
nir eine Krafft iſt / da alle Kraͤffte innen liegen: Offenbahret ſich 
ilſo durch die ewige und auch zeitliche Natur / und fuͤhret ſich alſo 
n Formen zum Außſprechen. Dann das außgeformte Wort 
at wieder eine ſolche Macht in fich die Gleichheit zu gebähren 7 
ils ein folch Wefen wie die Gebuhrt des Geiftes if. 

19. Im Kiechte GOttes / welchesdas Himmelreich heift / iſt 
er Schallalles gans fanffte/ lieblich und ſubtile gegen unferer 
zuſſerlichen Grobheit in unfern Schallen und Reden / auch 
Range und Sange / gleich wie eine Stille / da das Gemüthein 
ich nur etwan als ineiner Sreudenreich fpielete/ und auffinners 
iche Art einen folchen lieblichen ſuͤſſen Thon hörte/umd Aufferlich 
richt hörte oder verftünde / denn in Des Liechtes Eſſentz ift alles 

ubtilauffeine Art/gleich wie die Gedanden ineinander fpielen / 

und da doch wahrhafftig ein verftändfich unterfchiedlicher Thon 
und Jede im Reiche der Herrligfeit gebrauchet/ und von den 
Engeln gehöret wird/ aber nach ihrer Welt Eigenſchafft. 

20. Denn wo der Schall foll grob und hart-[autend ſeyn / da 
muß er in der finftern Impreflion mächtig feyn / daß ein hart⸗ 
brenmend Feuer fey. Gleich wie wir Menſchen nach dem Fall 
Adz das Feuer der finftern Welt in unfer $chens-Effeng era 
vecket / und alfo angezündet haben/davon unferer Lebens⸗Schall 
alſo grob und thierifch iſt nahend dem Abgrunde gleich / alfo iſt 
uns imgleichen vom Halle der Finſternuͤß zu verftchen / wie die 

ebährung des Works in feiner Offenbahrung im Liecht /in der 
heiligen Kraft ift/alfo auch inder Finfternüß: Aber alles gantz 
rauhe / grob und hart: Was im Liecht Elinget imd ein lieblicher 
Thon iſt / das iſt in der Finſternuͤß gantz rauhe / hart⸗ſchallend/ 
gleich einem Pochen ohne rechten Klang: Und ſolches aus der 

ſſentz der herben / harten / ſtachlichten Angſt⸗Gebaͤhrung / als aus 
Dem Urſtand der Kaͤlte oder Falten Feuers⸗Quaͤlle. 


Das 6. Capittel. 
Vom Weſen der Leibligkeit | die ſiebende Se: 
ſtalt der Natur. 
Das ſiebende Weſen. 
¶ Luna und h Saturnus . 
Aufang und Ende, 
Ba 2, Wis 


28 VomWeſen der Leibligkeit/ Cap.e. 


* AN Fr erkennen daß GOtt in feinem eigenen Weſen 
kein Weſen iſt / ſondern nur bloß die Krafft/ oder 
der Berftand zum Weſen / als ein ungründficher 
ewiger Wille / in deme alles lieget / und der felber 
Alles iſt / und doch nur Eines iſt / und ſich aber be⸗ 
gehret zu offenbahren / und in ein geiſtlich Weſen einzufuͤhren / 
welches durchs Feuer in der Liebe⸗Begierde / in Krafft des Liechts 
eſchicht. 
— So iſt doch aber das wahre Göttliche Weſen (verſtehet 
Weſen und nicht den Geift GOttes) anders nichts / als der ges 
offenbahrte Berftand / oder die Formirung der Kräffte/ und ſte⸗ 
het inder Begierde/ das iſt / in der Liebe-Begierde / da eine Krafft 
die andere im Schmacke / Ruche / Fuͤhlen / Sehen und Hoͤren / in 
der Eſſentz und Quaal der Eigenſchafft erkennet / davon das groſſe 
ſaͤhnliche Begehren entſtehet. In denen Eigenſchafften wird 
der geoffenbahrte GOtt verſtanden / als in einer feurigen Flam⸗ 
me der Liebe⸗Begierde / da ein eitel Wohlſchmecken / Wohlriechen / 
gerne Hoͤren / lieblich und freundlich ſehen / gen Höre und ſanfft 
Wolthun oderFuͤhlen innen iſt / und iſt doch nur ein geiſtlich We⸗ 
ſen / da nur die Kraͤffte / welche ſich durch Die Iwpreſſion haben in 
Eigenſchafft eingefuͤhret / und durchs Feuer im Liechte offenbahret / 
alſo in einemgiebe-Spiel in un mit einander ringen / gleich einem 
lieblichen Geſange / oder gebährenden Harmoni oder Freudenreich. 
Diefes iftalfo mur des geoffentahrten Gottes⸗Geiſts ABefen/wie 
fich das Eräfftige allwefende Wort/ in feinem eigenen feldft Ge⸗ 
bähren/aus fich offenbahret / darinnen das Spielder Göttlichen 
Reisheitverftanden wird. 

3. Wenn wir aber wollen von himmlifcher oder Göttlicher 
Weſenheit reden / darinnen fich die Göttlichen Kräffte wieder in 
eine Formirung / in einen aufferlichen Grad einführen/fo muͤſſen 
wir fagen / daß ſich die Kraͤffte des geformten und geoffenbahrten 
Worrs in ihrer Liebe⸗Begierde / wieder in ein aͤuſſerliches We⸗ 
ſen einfuͤhren / nach aller Kraͤffte Eigenſchafft / darinnen ſie ihr 
Liebe⸗Spiel als in einem Gehaͤuſe verbringen koͤnnen / daß ſie et⸗ 
was haben / damit und darinnen fie mit ihrem ringenden Liebe⸗ 
Spiel mit ſich fpielen / und daſſelbe wird nun alſo verſtanden. 

4. Gleich wie eine mineraliſche Krafft in der Erden lieget / 
und wird von der Sonnen angezündet / davon fte anheber zu 
auallen / und wird’ begehrende der Sonnen Kräffte / und zeucht 
diefelben in fich ; Faſſet ſich aber in folhem Begehren felber/und 
former ſich zu einein Corpus „ als eins Wurtzel oder beuglelihen! 

J au 


Caps. die 7te Geſtalt der Natur. 29 


aus welcher in derſelben Hunger-Begierde / ein ſolch Leib oder 
Kraut außwaͤchſet / wie die erſte Krafft war: Alſo auch iuiglei⸗ 
chen formiren ſich die geoffenbahrten Kraͤffte GOttes in einen 
auſſerlichen Grad / als in ein Weſen oder Leibligkeit / gegen dem 
Geiſt zu achten / da doch auch nur ein geiſtlich Weſen ſoll verſtan⸗ 
den ſeyn / aber doch gegen dem Geiſt der Kraͤffte leiblich oder we⸗ 
ſentlich / gleich wie das Waſſer ein dicker Weſen iſt als die Lufft. 
Denn die Lufft durchdringt das Waſſer / alſo auch imgleichen zu 
verſtehen von den Goͤttlichen Kraͤfften und Weſen. 

5. Die Kraͤffte ſtehen in einer oͤhliſchen Eigenfchafft offen⸗ 
bahr / aber die oͤhliſche ſtehet in einer waͤſſeriſchen Eigen⸗ 
ſchafft offenbahrrs Darumb ſtehet das Weſen der Goͤttli— 
chen Kraͤffte in einem geiſtlichen Waſſer / als im heiligen Ele— 
ment / aus welchem dieſe Welt mit 4. Elementen / als noch einen 
aͤuſſerlichern Grad / iſt erbohren / und in ein formlich Weſen er⸗ 
ſchaffen worden. 

6. Und verſtehen in demſelben heiligen Element oder geiſtli— 
chen Waſſer das heilige Paradiß / in welchem die geoffenbahrten 
Kraͤffte GOttes wuͤrcken: Welches heilige Element hat im An—⸗ 
fang dieſer aͤuſſern Welt durch Die 4. Elemenra durchgedrungen 
und gegruͤnet / in welcher Krafft auch ſolche Frucht wuchs / darinn 
die Eitelkeit des Grimmes nicht offenbahr war / welches der 
Menſch verfchergte / Dat; das Grünen des heiligen Elcments 
durch Die 4. Elementa und durch die Erde auffhörte / in deme der 
Fluch der Eitelkeit in dem Quallen und Grünen aus der Erden 
offenbahr ward. 


7. Alfo verftchen wir mit der fichenden Geftalt der ewigen 


Natur / das ewige Himmelreich / darinnen die Krafft GOttes 
weſentlich ift/iwelches Weſen vom Glang und Krafft des Feuers 
und des Liechtes tingiret wird / denn der Glan vom geiftlichen 
Feuer und Liechte iſt das wuͤrckende Leben in dem Geiſt-Waſſer / 
als im heiligen Element / denn id Waſſer als das gefafte Wefen 


der Göftlichen Kraͤffte ift webende 2 Aber doc) gegen den Goͤtt⸗ 


lichen Kräften / iſt es als cin Unverftand / denn cs iſt ein Grad 
Aufferlicher / wie danırein jeder Weſen oder Corpus unter den 
Geifteift : Das öhlifche Weſen ift der Geift des Waſſers / als 
des Waffer-Geiftes ; und die geoffenbahrteKräffte GOttes / ſind 
der Geiſt des Oehles oder öhlifchen Beiftes :und der ewige Ber- 
fand des Worts ift der Anfang der geoffenbahrten Kräffte/ und 
gehet jeein Gradus aus dem andern / und ift alles Wefenanderfk, 
nichts] als der geoffenbahrte GOtt. 
B 3 8. Wenn 


30 Vonm Weſen der Seibligkeitt Tap.e. 


3. Wenn wir betrachten / mas doch vor Zeiten diefer äuffern 
Welt im Loco diefer Welt fey vor ein Sehen / Weben und Regi⸗ 
ment gemefen : Was doch die Ewigkeit ſey: So finden wir / 
daß fie ein folch Leben / Weben und Regiment fey geweſen / und 
auch) in Ewigfeitfen/ wie oben gemeldet worden. 

9. Diefe auffere vier-Elementifche Welt mit dem Geſtirne ifk 
sine Figur der innerfichen Kräffte der geiftlichen Welt / und ift 
durch) Die Bewegung GSttes / als Er die innerliche geiftliche 
Welt hat beweget / aufgefprochen oder außgehaucht worden/ und: 
vonder Goͤttlichen Begierde der innern Kräffte gefaſſet / und in, 
ein Geſchoͤpffe aus der innern geiſtlichen finſtern / und aus der 
Heiligen Liecht-⸗Welt eingefuͤhret worden. 

x0. Dieſe aͤuſſere Welt iſt als ein Rauch oder Brodem vom 
Geiſt-Feuer und vom Geiſt-Waſſer / beydes aus der heiligent 
und dann auch aus der finſtern Welt außgehaucht worden /dara 
umb iſt ſie boͤß und gut / und ſtehet in Lieb und Zorn / und iſt nur 
als ein Rauch oder Nebel gegen und vor der geiſtlichen Welt { 
und hat ſich mit ihren Eigenfchafften wieder in Formen der 
Kräffte zueiner Gebäprerin eingefuͤhret / wie an Sternen] Ele= 
menten umd Ereaturen /fo wohl an wachfenden Bäumen und 
Kräutern zu ſehen iſt: Sie macht in fich mit ihrer Gebuhrt cin 
ander Principium oder Anfang / denn der Zeit Gebaͤhrerin ift ein 
Morellder ewigen Gebahrerin und ſtehet die Zeitin der Ewige 
keit / und ift anders nichts als day lich die Ewigkeit mit ihrer 
wunderlichen Gebuhrt in ihren Kraͤfften und Vermoͤgen alfo in 
einer Form oder Zeit ſchauet. 

1x. Und wie wirnunerfennen/ dag in der geiftlichen heiligen 
Welt ein Weſen ſey als ein faglich Weſen / welches ſtehet im 
geiftlichen Sulphure , Mercurio und Sale in einem öhlifchen und 
wäfferifchen Grunde / darinnen die Göttlichen Kräffte ſpielen 
und würden: Alfo auch imgleichenift in der finftern Welt eine 
ſolche Eigenfchafft / aber alles widerfinnig und widerwertig / 
feindig/neidig und bitter / ſtachlicht: Siehdt auch Wefen von 
ihrer Begierde/aber eine ganz rauhe wäfferifche Art/ ſcharff und 
frenge / gleich der Eigenfihafft der rauhen harten Steine oder 
Der wilden Erde) auff kalte und hitzige / finftere/ feurifche Eigen 
ſchafft / alles ein Contrarium wider die Siebe) auffdaß erfant wer⸗ 
de / was Sieb oder Leyd ſey. 

12. Auff daß ſich die ewige Freudenreich in ſich ſelber kenne / 
ſo muß die Schaͤrffe der Quaal eine Urſache der Freudenreich 
ſeyn / und die Finſternuͤß eine Ofenbahrung des Liechts / auf 

d 


Caps. die zte Geſtalt der Natur. 31 


das Liecht offenbahr fey / welches indem Einem nicht feyn koͤnte. 

13. Damit ich aber dem Leſer Diefes kurtz und rund der ſteben 
Eigenfchafften der ewigen Natur / welche drey Principia oder 
Welten machen / befcheide : So wil ich ihme aus Liebe / Umb 
der Einfalt willen /die Geftalten noch einmahl Eurg darjtellen / 
alscin A. B. ©. deme nach zu finnen. 

I. Geſtalt / Herbe / Begierde. 

14. Siehe die Begierde des ewigen Worts / welches GOTT 
iſt /ift der Anfang der ewigen Natur /undift die Faſſung des 
ewigen Nichts in Etwas : Gie ift die Urſach aller Weſen / auch 
der Kälte und Hige/ fo wohl des Waffers und Luffts / und die 
Formung der Kräffte / und eine Urſache des Geſchmacks / aller 

Saltze Mutter. 

. 1. Geſtalt / Bitter / Stachlicht. 
15. Die Bewegligkeitder Begierde / als das Anzichen ift die 
. andere Geftalt der Natur / eine Urſache alles Lebens undRaͤgens / 
ſo wohl der Sinnen und Unterſchiedligkeit. 

III. Geſtalt / Angſt / Befindligkeit. 

16. Iſt die Angſt als die Empſindligkeit eine Urſach des Ge— 
muͤths / darinnen die Sinnen raͤge werden. 

IV. Geſtalt / Feuer / Seiſt/ Vernunfft / Begierde. 

17. Das Feuer iſt eine Urſach des wahren Geiſt-Lebens / da 
die heiligen Kräffte der freyen Luft vonder herben Rauhigkeit 
erlöfet werden ; Denn das Feuer verfehlinget in feiner E’’ens 
das finftere Weſen der Impreflion , und führets in geiftliche 
Kraͤffte aus dem Liecht aus fich aus. 

V. Geſtalt / Liecht / Liebe. 

18. Die heilige geiſtliche Liebe-Begierde / da ſich der heilige 
Wille GOttes hat in der ſtrengen Impreſſion geſchaͤrffet / und 
durchs Feuer mit der Krafft der Allmacht offenbahret; der fuͤhret 
ſich nun durchs Feuer im Liecht aus / und hat ſich alſo in den 
Kraͤfften in Leben und Bewegnuͤß / in Begierde eingefuͤhret / dar⸗ 
innen die heilige Gebaͤhrung und Freudenreich der groffen Liebe 
GoOttes ſtehet und offenbahr ift. 

| VL Geſtalt / Schall) Hall / Wort. 

29. Iſt der Schall des Goͤttlichen Worts aus den Goͤttlichen 
Kraͤfften / welcher ſich in der Liebe-⸗Begierde formet / und in ein 
lautbar Wort aller Kraͤffte einfuͤhret / darinnen die Offenbah⸗ 
rung Goͤttlicher Freudenreich / in der freyen Luſt der Weißheit 


Gohttes ſtehet. 
| B4 VII.Ge⸗ 


32 Bom Weſen der Leibligkeitiie. Cap.s. 


vi Geſtalt / Weſen / Gehaͤuſe. 


20. Iſt das geformte Weſen der Kraͤffte als eine Offenbah⸗ 
rung der Kraͤffte: was die erſten ſechs Geſtalten im Geiſte find / 
Das iſt die ficbende im begreifflichen Weſen / als ein Gehaͤuſe 
ver andernallen/oder als eingeib des Beiftes/darinnen der Geiſt 
wuͤrcket / und mitihme felber fpielet ; auch ift er eine Speiſe des 
Feuers davon das Feuer Eſſentz zu feiner Zehrligfeit hofet/ dar⸗ 
innen es brennet / und iſt der fiebende / das Neich der Herzligkeit 
GoOttes / und heiffen die ſieben alfo: 

21. Die ſteben Geifter GHttes/oder Kräften der Natur / wie 
ſich diefelven in Liebe und Zorne / im himmlischen und hoͤlliſchen / 
fo wohl im Reiche der Welt ergeigen und offenbahren. 


I. Herbe / Begierde.“, YHart/Kalt// RKalte / Harte / Steĩ⸗ 
3 | Geis. ne / Beine / Saltz. 
2 


11 Ziche oder ſtachel Stachel / Gifft / Leben / Wach⸗ 
(2 der Empfindligkeit. &\ Neid / 
ir Angit oder Ge⸗ 


muͤthe. Boffart / 


Feindſchafft. 


ſen / Sinnen. 
Schwefel / Em⸗ 
| pfindligkeit / Dein, 


je 
-r 


t AV. Feuer oder Geiſt: Zorn. Geiſt / Vernunfft / 

ER Liebe⸗Feuer Begierde. 

JV . Liecht oder Liebe-RXSanftmuth Venus-Spiel / Le⸗ 

Begierde. bens ⸗Liecht. 

Fo VE Schall oder*ZGoͤttliche = Lauten / Schreyen / 

SVerſtand. zZ Freude. Unterſcheiden. 

VII.Leiboder We) Himmel, = Leib / Holtz / Steine / 
ſen. Erde / Metall / 
) Kraut. 


22. Günfliger Sefer verfiche den Sinn recht und wohl : Es 
hat nicht den Verftand als waren die 7. Eigenfcharften getheiler/ 
und ware eine neben deranderen/ oder cher als die anderen : Sie 
find alle 7. nur eine/ und ift Feine die erfte/ ander/ oder letzte / deñ 
Die legte ift wieder die erfte: Gleich wie fich die erfte in cin geiſt⸗ 
lich Wefen einführet / alſo die legte in ein leiblich Weſen / die 
feste ift der erften $eib. Man muß nur inStuͤckwerck alfo reden / 
daß mans fan fchreiben / umd den Sinnen entwerffen dem $efer 
nach zuſinnen / ſie find alleſambt nur die Offenbahrung GOttes / 
nach Lich undZorn / nach Ewigkeit und Zeit. 

23. Aber dieſes iſt wohl zu mercken / daß eine jede Eigenſchafft 
auch weſentlich ſey: Im Himmelreich iſt daſſelbe Weſen unter 
einander als sin Weſen / jnd iſt sin AAyletium, daraus —2 

ca 


"DRS. 


Cap.7. Von der H.Dreyfaltigkeitiie. 33 


Gewaͤchſe aus jeder Krafft Eigenfihafft außgwachſen. Gleich 
wie die Erde ein Myſterium aller Baͤume und Kräuter / fo wohl 
des Grafes und der Wuͤrme iſt / unddie 4. Elementa ein Myfte- 
rium aller lebhafften / und das Geftirne ein Myſterium aller 
Wuͤrckligkeit inden lebhafften und wachſenden. 

24. Eine jede Eigenfchafft ift für fich felber wefentlich / und 
hat in ihrem Wefen auch der andern 6. Geftälte Weſen / und 
macht der andern Geftälte Weſen / in ihrem eigenen Weſen / we⸗ 
ſentlich / wie wir diß an Erde und Steine ſehen / ſonderlich an 
Metallen / da offt in einer Compaction alle 7. Metallen inein⸗ 
ander innen liegen / und nur eine Eigenfchafft die Oberste iſt; 
welche die andere alle in fich coaguliret und gefangen halt/ und iſt 
je eine mehr offenbahr als die andere / nach deme eine jede Eigene 
ſchafft in einem Dinge ftarck ift / alfo auch in den wachſenden 
zuverfichen: da ift offte in einem Kraute oder Holge herbe oder 
ſauer / bitter/Angft oder ſchwefliſche Feuriſche / Suͤſſe und larfche/ 
oder waͤſſeriſch. 


Das 7. Capittel. 


Bon der Heiligen Dreyfaltigkeit und Goͤttli— 
chem Weſen. 


L. Je ewige und auch zeitliche Natur wird fürnent- 

lich mit der finftern und Feuer-welt verſtan— 

en: als in den erſten 4. Geſtalten / alsı.im 

der herben Begierde / zum 2. in bitter Stach⸗ 

licht 3. in Angft.oder Empfindligkeit/ 4. im 

Feuer’ da in der Anzuͤndung im Schradie die Scheidung aus— 

gehet: die Keäffte aber / beydes in der innern und auffern Welt / 

worden alle im Sicchte oder Liebe-Feuer / als in der Liebe-Be⸗ 
gierde verffanden. 

2. Denmihrerfter Grund ift das ewige Wort / alsdas Eine / 
da alles innen lieget: Der andere Grund ift die freye Luſt des 
Worts / als die Weißheit / da alle Farben der einigen Krafft im 
Wiilen der Gottheit offenbahr find:Der 3 te Grund ift die Liebe⸗ 
Degierde / da fich die freye Luſt mit ihren Farben und Tugenden 
der Kräffte hat durch die Natur gefcehärffet / und durchs Feuers 
Anzuͤndung in ein Geiftlic Negimenteingeführet/ welche fich 
im Liechte mit den Kräften ineiner ewigen Freudenreich aus⸗ 


führst, ® 
2 Ds 3. Der 


34 Von der H. Dreyfaltigkeit / Cap.7. 


3. Der 4te Grund iſt der oͤhliſche / in deme ſich die freye Luſt 
in der feuriſchen Liebe⸗Begierde in der Sanfftmuht / als in ihrer 
eigenen Geſtalt / faſſet / und des Feuers und Liechts Glaſt und 
Eſſentz mit faſſet / und in das erſte Weſen einfuͤhret; welche 
Krafft vom Feuer und Liecht in der Sanfftmuht der freyen Luſt 
in der oͤhliſchen Eigenſchafft die wahre und heilige Tinctur iſt. 

4. Der zte Grund iſt der waͤſſeriſche von der Ertoͤdtung im 
Feuer / da das erſte Geiſtliche Weſen in der herben ſtrengen fin= 
ſtern Begierde iſt im Feuer verzehrt worden. So gehet nun aus 
der Verzehrligkeit des Feuers aus ein geiſtlich Weſen / das iſt 
Ber oͤhliſche Grund / und ein waͤſſeriſch Weſen / aus der Toͤdtlig⸗ 
keit / das dem Feuer-⸗geiſte feinen Grim nim̃t / daß er ſich im 
oͤhliſchen Grunde nicht mag in ſeinen grimmen Eigenſchafften 
anzuͤnden / auff daß das Feuer muͤſſe durch den Todt brennen / 
und nur ein Liecht ſeyn / ſonſten wuͤrde der oͤhliſche Grund entzuͤn⸗ 
det: alſo muß das Feuer in ſeiner Verzehrligkeit das Waſſer 
als ſeinen Tod gebaͤhren / und muß es doch auch wieder zu ſeinem 
Leben haben / ſonſt moͤchte weder das Feuer noch das Liecht beſte⸗ 
hen / und alſo iſt es ein ewiges gebaͤhren / verzehren und wieder⸗ 
nehmen / und verzehren / und doch auch alſo ewig geben / und iſt 
kein Anfang noch Ende. 

5. Alſo verſtehen wir nun / was GOTT und fein Weſen ſey. 
Wir Chriſten ſagen: GOTT ſey Dreyfaltig / aber im Weſen: 
daß aber in gemein geſagt wird / GOTT ſey dreyfaltig in Pers 
ſonen / das wird von den Unverſtaͤndigen uͤbel verſtanden / auch 
wohl von theils Gelehrten: denn GOTT iſt keine Perſon als 
nur in Chriſto / ſondern Er iſt die ewig⸗gebaͤhrende Krafft / und 
Das Reich ſamt allen Weſen: Alles nimt feinen Urftand 
von ihme. 

6. Das aber geſaget wird von GOTT: Er ſey PVatter/ 
Sohn / heiliger Geiſt / das iſt gar recht geſagt; allein man muß 
es erklaͤren / ſonſten begreiffts das unerleuchte Gemuͤhte nicht 
Der Vaͤtter iſt erſtlich der Wille des Ungrundes / Er iſt auſſer 
aller Natur oder Anfaͤnge der Wille zum Ichts / der faffet ſich 
un eine Luſt zu ſeiner ſelbſt⸗Offenbahrung. 

7. Und die Luſt iſt des Willens oder Vatters geſaſte Krafft/ 
und iſt ſein Sohn / Hertze und Sitz / der erfte ewige Anfang im: 
Willen; und wirddarumbein Sohngenannt / daß Erim Wil⸗ 
len einen ewigen Anfang nimt / mit des Willens felbft-Faffung. 

8. So ſpricht ſich nun der Wille durch das Faſſen aus ſich 
aus / als cin Aushauchen oder Offenbahrung / und a irre 

142 


Cap.7. und Goͤttlichem Wefen. 35 


Ausgehen vom Willen im ſprechen oder hauchen / iſt der Geiſt 
der Goͤttheit / oder die dritte Perſon / wie es die Alten gege⸗ 
ben haben. 

9. Und das Ausgehauchte ift die Weißheit / als die Krafft 
der Farben und Tugend des Willens / welche er in ein Lebens 
Centrum oder Herge zu feiner Wohnung ewig faffet / und aus 
der Faſſung / als aus feiner ewigen Form ewig wieder auß⸗ 
A umd doch auch ewig wieder zu feines Herkens Centrum 
aſſet. 

10. Alſo iſt die Faſſung des Willens / als des Vatters von 
Ewigkeit in Ewigkeit / der faſſet ſein ſprechendes Wort von 
Ewigkeit in Ewigkeit / und ſprichts von Ewigkeit in Ewigkeit 
aus: Das Sprechen ift der Mund des Willens HOffenbah> 
rung / und das Ausgehen vom Sprechen oder Gebaͤhren iſt der 
Geift des geformten Worts/ und das Ausgefprochene ift die 
Krafft Farben umd Tugend der Gottheit / als die Weißheit. 

ır. Allhie kan man mit keinem Grunde fagen / daß GOTT 
drey Perfonen ſey / fondern Erift Dreyfaltig in feiner ewigen 
Gebährung: Ergebähret ſich in Dreyfaltigkeit / und iſt in dies 
fer ewigen Gebährung doch nur ein einig Welen und Gebaͤh⸗ 
tung zu verftchen / weder Batter/ Sohn noch Geift/ ſondern 
das einige ewige Leben oder Gut. 

12. Die Dreyheit wird erft recht in feiner ewigen Offenbah⸗ 
rung verftanden: als da Er fic durch Die ewige Natur durchs 
Feuer im Liechte offenbahret. 

23. Allda verfichermandrey Eigenfchafften in einem einigen 
Mefen: alsden Batter mitder Feuer⸗welt; und den Sohn mit 
der Siebe- Begierde im Liechte / als mit der Siecht-welt / oder mit 
der groffen Sänffte im Feuer ; undden heiligen Geift mit den 
webenden Leben / in der Tinkur „im öhlifchen und waͤſſeriſchen 
Leben und Regiment / der im Feuer und Liechte offenbahr wird/ 
als in einer groffen feueriſchen Liecht⸗ und Liebe⸗Flamme / nad) 
der freyen Luſt Eigenfchafft/ als nach der Göttlihen Eigen- 
fhafft. Und zum z. in einer grimmigen peinlichen Quaal⸗eigen⸗ 
ſchafft / nach der finftern Feuͤer⸗welt / und ift Doch nur der Eini⸗ 
ge: im Sicchteift Er dic liebes Feuer-flamme / und im anzuͤndli⸗ 
chen Feuer in der Natur ift Er ein verzehrend Feuer / nach wel⸗ 
chem fih GOTT ein verzchrend Feuer nennet / amd in der fin⸗ 
fern grimmigen Quaalift Er ein zorniger Eyferer / in welcher 
Eigenfchafft die Geifter der finftern Welt ſtehen. | 

34, Der Datter wird alleine ein hejliger HGHTT Inder 

h 36 Sehne 


36 Von der H. Dreyfaltigkeit / ꝛc. Cap.7. 


Sohne (das iſt in der Krafft des Kechts in der Goͤttlichen Freu— 
den⸗reich / als in der groſſen Sanfftmuth und Siebe) genannt / 
denn das iſt ſeine rechte Offenbahrung / darinnen Er GOTT 
heiſt. Im Feuer heiſſet er ein zorniger GOTT: aber im Liecht 
oder Liebe⸗feuer heiſt Er der heilige GOTT: und in der finſtern 
Natur heiſſet Er nicht GOTT. 

15. Man muß Unterſcheid halten / jede Welt hat fein Prin- 
cipium, auch Regiment. Es ift wohl alles von einem einigen 
Urftand / es fiheidet fich aber inzweyerley Quaal / wie wir def 
an Feuer und giechte eine Gleichnug fehen / Da das Feuer pein— 
lich und verzehrend iſt / und das Liecht fanffte und gebende: und 
Adarc doch eines ohne das ander nichts. 

16. Das Feuer nimt feinen Urfland in der Natur: Das Sicht 
aber feinen Urftand aus der freyen Luſt / alsausden Krüfften 
ver Gottheit; der Wille GOttes führet ſich nur darumb in ein 
Feuer ein / daß Erdas Liecht und die Kräffteoffenbahre / und in 
Weſen einführe. 

17. So ich aber allyie habe ron den Geftalten der Natur 
(verficherdie Ewige) geſchrieben / fo folls darumb nicht verſtan⸗ 

en ſeyn / als wenn die Gottheitin Zielund Maaß ſtuͤnde: ſei⸗ 
ne Weißheit und Krafft in Goͤttlicher Eigenſchafft iſt ohne Ziel 
und Maaß / unzehlich / unausſprechlich; ich ſchreibe nur von den 
Eigenſchafften / wie ſich GOTT hai durch die innere und aͤuſſe⸗ 
re Welt offenbahret / welches die vornembſten Geſtaͤlte ſeiner 
Offenbahrung ſind. 

18. Man findet in allen Dingen dieſe 7. Eigenſchafften / und 
hat der keinen Verſtand der es laͤugnet. Dieſe ſieben Eigen— 
ſchafften geben in der innern Welt das heilige Element / als das 
heilige natuͤrliche Leben und Weben / aber in dieſer aͤuſſern 
Welt ſcheidet ſich das einige Element in 4. offenbahre Eigen⸗ 
ſchafften / als in 4. Elemente / und da es doc) auch nur ein eini= 
ges iſt / theilet ſich aber indie 4. Quellbrunnen / alsin Feuer / 
Lufft / Waſſer und Erde. 

19. Aus dem Feuer urſtaͤndet die Lufft / und aus der Lufft das 
MWaffer / und aus dem Waſſer Erde oder ein Weſen das irr⸗ 
diſch iſt und find nur alſo ein Offenbabrung des Innern einigen 
Elements / und für dem innern als ein ensündeter Rauch oder 
Brodem: alfo ift auch das ganke Geftirne andersnichts/ als 
ausgehauchte Kräffte aus der innern feurifchen finftern und 
ticcht-welt/aus dem großen Gemuͤhte Göttliger Offenbahrung / 


und iſt nur sin geformer Modell / darinnen ſich Das groſſe F 
muͤhte 


Sap.s. Bon Erfehöpff: der Engelnfsc. 37 


mühte Göftlicher Offenbahrung in einer Zeit ſchauet / und mie 
ihme felber ſpielet. 


Das 8. Capittel. 


Bon Erfihöpffung der Engeln und ihrem 
Regiment. 


1. Je Erſchoͤpffung der Engel hat einen Anfang:aber 
die Kraͤffte daraus ſte find erſchaffen worden / ha⸗ 
ben keinen Anfang jemahl gehabt / ſondern ſind 
mitte in der Gebuhrt des ewigen Anfangs: 
Nicht daß ſte die heilige Dreyfaltigkeit / oder in 

derſelben find / ſondern fie find aus dem geoffenbahrten Worte / 

aus der ewigen finſtern feuriſchen und Liechts-Natur / von der 
Begierde Goͤttlicher Offenbahrung gefaſſet / und in Creatuͤrli⸗ 
che Bilder eingefuͤhret worden. 

2. GHIIT/ der ein Geiſt iſt / Hat ſich durch und aus feiner 

Offenbahrung in unterſchiedliche Geiſter eingefuͤhret / welche 

find die Stimmen feiner ewigen gebaͤhrenden Harmoney / in 

feinem geoffenbahrten Worte feiner groſſen Freudensreich/ fie 
ind GOttes Inſtrumente / in welchen der Grit GOttes in fei= 

ner Freuden reich fpielet / fie find Feuer und $icchtsflammen z. 

aber im einem febendigen verftändigen Regiment. 

3. Denn die Kräfte der Gottheit find in ihnen gleich / wie 
auch im Menfchen/ wie Joh.ı. faget: Das Leben der Mens 
fihen war im Worte: alfo ift auch das Leben der Engeln im 
Worte von Ewigkeit geweſen: denn Matth. 22. vers 30. ftehets 
In der Aufferfichung find fie gleich den Engeln GOttes / verſte⸗ 
het tie Menſchen. 

4. Und wie wirmit der Göttlihen Hffensahrumg durch die 
ewige Natur/ Haubtgeſtoͤlten verftehen: alfo find uns auch Für- 
flen-Engel mit vielen Legionen zu verfichen / fonderlich aber mit 
drepen Hierarchien, nach Eigenföhafft der heiligen Dreyfal⸗ 
u. / und nach den drey Principien , wie das alles unlaug: 
bar ift. 

5. As x. eine Hierarchta wird verflanden nach der finftern 
Welt mit dem Königreich Lucifers , welcher fich felber darein 
verteuffet hats und die andere wird verftanden mit der lichtfeus 
rifegen Liebe-welt; und die 3. mit dem Myfterio der aͤuſſern 

Welt / darmit ſich die innere haͤt offenbahret. 

Aa: vi. 6. Jede 


38 Von Erſchoͤpffung der Engeln! Cup-®. 


6. Jede Hierarchia hat ihr Fuͤrſtlich Regiment und Ordnung: 
Als die in der finſtern Welt in GOttes Grimme / und die in 
der heiligen Welt in GOttes Liebe; und die in der aͤuſſern Welt 
in GOttes groffen Wundern nach Liebe und Zorn. 

7. Die in der finftern Welt tragen den Namen (oder die 
Namen) des groſſen Zorns GOttes nach den Eigenfchafften 
der ewigen Natur im Grimme; und die im $iechte fragen die 
Namen des heiligen GOttes / als der Göttlihen Kräfften/ und 
Die in der Schöpffung der Wundern der äuffern Welt/ tragen 
die Namen der geoffenbarten Kräffte der auffern Welt / als der 
Dlaneten/ Sternen / umd 4. Elementen. * 

8. Die in der finſtern Welt herrſchen in der Natur des geof⸗ 
fenbarten Grimmes / als inden Eigenfchafften GOttes Zorns / 
und haben ihre Fürftliche Negimente darinnenz Und die in der 
heiligen Welt regieren in den Kräfften ver triumphirenden 
Welt / als inder groffen heiligen Freuden-reich / inden Wun⸗ 
dern der heiligen Weisheit; und die inder auffern Welt herr= 
fchen über die Kraffteder Sternen und 4. Elementen / und ha⸗ 
ben auch ihr Fürftlic Regiment über die Welt / und ihre Kö> 
nigreiche und Fuͤrſtenthuͤmer / zum Schuß des Berderbers im 

- Grimme. 

9. Jedes Sand hat feinen Fürftlihen Schug-Engel/ ſambt 
feinen Legionen : Auch fo find Engel über die 4. Elemente x 
übers Feuer und über die Lufft / auch übers Waſſer und die Er— 
den / und find allzumahl nur dienftbahre Geifter des groffen 
GOttes / ausgefandf zum Dienfte derer / welchedie Seeligkeit 
ererben follen7 wie gefihrieben ftehet: Der Engel des HErrn 
lägert fich umb die her / foihn fürchten / fte find GOttes Ambt⸗ 
leute und Diener in feinem Regiment / welche beweglich find. 

10. Denn GOTT bemeget fich nicht allemahl / als nur in fich 
ſelber: Weil aber feine Orfenbahrung der ewigen und aͤuſſern 
Natur im Streite ftehet / fo find auch der finftern Welt Geifter 
wider der heiligen Welt Geifter /fonderlich aber wider die Wette 
ſchen / welche in Böfe und Gut offenbahr ſtehen: So hat GOTT 
eins wider das ander gefeget / auff dag feine Herrligkeit offenbar 
erde / beydes in feiner Liebe und in feinem Zorn. 

-ız. Denn gleich wie wir Menfchen auff Erden Regimente 
haben: alfo haben auch die Obern unter dem Geftirne ihre Res 
simente / fo wohlauch die Ochlifchen in der Element-Lufft: Die 
ganse Tieffe zwifchen den Sternen und der Erden / iftvollund 
nichts leer, Ein jedes Regiment hat fein rigen Principium, ‚ah 

N hes 


SURTE — 
Cap.8. und ihrem Regiment. 39 
ches uns Mienfchen ein heil Lächerlich fuͤrkomt / dieweil wirs mit 
unfern Augen nicht fehen / und bedencken nicht darbey / daß un⸗ 
fere Augen nicht ihrer Efleng und Eigenfchafft find / daß wirs 
nicht fehen noch begreifen können: Denn wir leben nicht inihrem 
Principio , darumb fönnen wir die nicht fehen. 

ı2. Gleich wie in der Göttlihen Hffenbahrımg der Göttlie 
chen Kräffte je ein Gradus aus dem andern gehet/ biß zur allers 
Aufferfien Offenbahrung: Alfo ift uns auch mit den Engels 
oder Geiftern zu verfichen: Sie findnicht alle heilig / welche 
in den Elementen wohnen. Denn gleihwie ver Grimm der 
ewigen Natur in der finftern Welt offenbahr ift ; alfo auch in 
der auffern Welt / infeiner Eigenfchafft. 

13. Arsch findder Auffern Welt Geifter nicht alle mit ei> 
nem Ewigen / ſondern theils nur aus dem Anfange / welchenas 
tuͤrlich im Geiſte der auffern Welt ihren Urſtand nehmen / und 
auch durch die Natur vergehen / und bleibet nur ihr Schatten / 

gleich wie aller anderen Thiere auff Erden. 

14. Was nicht das heilige Element und die ewige Feuer⸗ 
welt erreichet / das iſt ohn ein ewig Leben / denn es wrftändet aus 
der Zeit; und was nun aus der Zeit iſt / das wird von der Zeit 
verzehret / es habe dan ein Ewiges in dem Zeitlichen / daß das 
Ewige das Zeitliche erhalte. 

15. Dann das Ewige wohnet nicht in der Zeit / und obs gleich 
der Zeit Weſen an ſich hat / ſo wohnet doch das Ewige im Ewi⸗ 
gen inſich ſelber / und das Zeitliche im Zeitlichen: Wie es denn 
ebner Geſtalt mit des Menſchen Seel und Leib zu verſtehen iſt / 
da die Seele aus dem Ewigen / und der aͤuſſere Leib aus der Zeit 
iſt / und da doch in dem Leibe der Zeit auch ein Ewiges iſt / und iſt 
aber in Adam des ewigen Liechts verblichen / welches durch Chri⸗ 
ſtum follwiedergebohren werden. 

16. Uns ift nicht alfo von den heiligen Engeln zu verftchens 
Das ſie allein überdem Geftirne / auffer diefer Welt wohnen? 
wie die Vernunfft tichtet die nichts von GOTT verfichet: 
Wohl wohnen fteauffer diefer Welt Regiment und Quaal / aber 
auch im Orte diefer Welt / wiereohl in der Ewigkeit kein Ort 
iſt der Ort diefer Welt / und dan der Ortauffer diefer Welt / 
iſt ihnen alles eines. 

17. Denn der Anfang der Quiaal / als der 4. Elemente mit 
dem Geſtirne / macht nur einen Ort / im innern iſt kein Ort / fon» 
dern alles gantz; was uͤber den Sternen auſſer dieſer Welt iſt / 
das iſt auch im Innern auſſer den 4. Elementen im Orte dieſer 

Welt / ſonſt waͤre GITT zertrennet. 18. Die 


| 45 Don Erfchöpffungder Engeln! Cap.s. 


18. Die Engliſche Welt iſt im Loco oder Ort dieſer Welt 
innerlich / und derſelben Quaal Abgrund iſt die groſſe Finſter⸗ 
nuͤß / da die Teuffel ihr Regiment haben / welcher auch in keinem 
Ort eingeſchloſſen iſt: Dann ihr Ort iſt auch die Ewigkeit da 
fein Grund iſt / allein iſt ihr Welt-weſen und Eigenfchafft der 
Grund ihrer Wohnung / gleich wie unferer aͤuſſerlichen Menſch⸗ 
heit Wohnung die 4. Elemente find: Alſo haben fie in der Fin⸗ 
ſternuͤß auch ein Element nach der finftern Welt Eigenfchafft : 
fonft wire GOTT in feinem Grimme auch gertrennet.. Denn 
wo ich Fan ſagen: Hie ifEBOTT in feiner Siebe / ebenda fan 
ich auch fagen: Allhie iſt SOTT in feinem Zorne/ alleine ein 
Principium ſcheidet das. 

19. Gleich wie wir Menfchen mit unfern Augen nicht die 
Engel und Teuffel ſehen / und da fie doch umb und bey uns feynde 
Urſach ift dieſes: dag fie nicht in unſerer Welt Quaal und Regi⸗ 
ment wohnen / haben auch nicht der aͤuſſern Welt Eigenſchafft 
an ſich: Sondern ein jeder Geiſt hat ſeiner Welt Eigenſchafft 
an ſich / darinnen er wohnet. 

20. Der Anfang jeder Welt Quaal iſt das Scheide-Ziel/ daß 
einer den andern nicht ſiehet / dan die Teuffel find in der himmli⸗ 
ſchen Quaal ein Nichts / dan fie haben nicht derſelben Quaal in 
fich ; und ob fiedie haben / ſo iſts ihnen als wie im Tode verfchlofe 
fen / gleich als wie ein Eifen glüend ift/ weil es glüet fo ifts 
Feuer / und fo das Feuer erlifchet / fo iſts ein finfter Eifen. Als 
fo iſt uns auch imgleichen von Geiſtern zu verftehen. 

21. Alfo ſeynd auch die Engeln inder Finſternuͤß ein Nichts) 
fie find zwar darinnen / aber fie ſehen die nicht / fühlen fie auch 
nicht: Was den Teuffeln eine Pein ift / das ift den Engeln in 
ihrer Quaal eine Freude: Alfo auch / wasden Teuffeln wohl> 
gefallt/ das wollen die Engel nicht. Es iſt eine groffe Kluft zwi= 
ſchen innen, die iſt eine gantze Gebuhrt. 

22. Denn was kan ſonſten das Liecht von der Finſternuͤß 
ſcheiden / als nur eine Gebuhrt des Sehens oder Scheins. Das 
Liecht wohnet in der Finſternuͤß / und die Finſternuͤß begreiffet 
es nicht / (Joh. x.) Gleichwie der aͤuſſern Sonnen Liecht in der 
Finſternuͤß dieſer Melt wohnet und ſcheinet / und die Finſter— 
nuͤß begreiffts nicht. So aber der Sonnen Liecht weichet / ſo iſt 
die Finſternuͤß offenbahr. Allhie iſt Feine andere Klufft zwiſchen 
ihnen / als nur eine Gebuhrt. 

23. Alſo iſt uns auch zu verſtehen vom ewigen Liechte GOt⸗ 
tes / und von der ewigen Finſternuͤß GOttes Zorns es iſt alles 

Nur 


Fans. und ihrem Negiment. - 47 


aur ein einiger Grund / der ift der geoffenbahrte GOTT: «6 
ſcheidet ſich aber in abtheifiche Principia und Eigenſchafften / denn 
die Schrift faget : Der heilige ift GOTT ein guter Geruch zum 
Leben / verſtehet zum heiligen Goͤttlichen Leben / als in der Krafft 
des Liechts; und der Gottloſe iſt GOTT cin guter Geruch) zum 
Tode / das iſt in feinem Grimme / alsinder finftern Welt EL 
ſentz Quaal und Regiment. 

24. Denn der heiligen Welt GOTT / und der finſtern Welt 

GOTT / ſeind nicht zween Goͤtter: Es iſt ein einiger GPZT: 
Er iſt ſelber alles Weſen / Er iſt Boͤß und Gutes / Himmel und 
Hoͤlle / Liecht und Finſternuͤß / Ewigkeit und Zeit] Anfang und 
Ende / wo feine Lebe in einem Weſen verborgen iſt / allda iſt 
fein Zorn offenbahr. In manchem Weſen iſt Liebe und Zorn in 
gleichen Maag und Gewichte / als uns denn von diefer auffern 
Welt Wellen alfo zu verſtehen iſt. 
25. Nun heiſſet er aber alleine nach feinen Liechte in feiner 
Siebe ein GOTT / und nicht nach der Finſternuͤß / auch nicht 
nach der augern Welt / ober wohlailes ſelber iſt fo mug man 
aber betrachten Die Gradus , wie die auseinander gehen: denn 
ich fan weder vom Himmel noch vonder Finſternüß / ſo wohl 
auch nicht von der auffern Welt ſagen / daß ſie GOTT waͤren: 
Es iſt keines GOTT | ſondern GOttes geformtes und ausge⸗ 
ſprochenes Weſen / cin Spiegel des Geiſtes / welcher GOTT 
heiſſet / damit ver Geiſt fich offenbahret / und in feiner Luſt vor 
ihm ſelber mit dieſer Offenbaͤhrung / als mit feinem gemachten 
Weſen / ſpielet / und iſt aber doch das Weſen nicht vom Geiſte 
GOttes abgetrandt / und begreiffet Doch auch das Weſen nicht 
die Gottheit. 

26. Gleich wie Leib und Seel eins ſeind / und doch auch keins 
das ander: oder wie das Feuer und das Waſſer / oder die Lufft 
und die Erde aus einem Urſtande ſeynd / und iſt doch keines das 
ander: find aber mit einander verbunden / und wäre eins ohne 
das ander nichts: Alfo ift uns auch von den Göftlichen Weſen / 
und denn von der Göftlihen Krafft zu verſtehen. 

27. Die Krafft im Liechte ift GOttes Liebe-feuer / und die 
Kraft in der Finſternuͤß ift GOttes Zorn⸗feuer / und itt doch 
nur ein einig Feuer / theilet fich aber in zwey Principia, auf 
dag eines im andern offenbahr werde: Denn die Flamme des 
Zornes iſt die Offenbahrung der groffen Liebe; in der Finſternuͤß 
wird das Siecht erkant / ſonſt waͤre es ihme nicht offenbahr. 

28. Alſo iſt uns zu verſtehen: daß die boͤſe und gute ge 

nahe 


a2 Von Erſchoͤpffe der Engelnnze. Cap-8, 


nahe bey einander wohnen und iſt doch die gröfte unermeßliche 
gerne. Denn ver Himmeliftinder Hölle/ und die Hölle ift im 
Himmel / und ift doch keines dem andern offenbahr: Und wenn 
der Zeuffel viel hundertmahl tauſend Meylen führe / und wolte 
in Himmel einfahren / daß Er denfelben fehen wolte / ſo waͤre 
er doch nur in der Höle/ und fahe ihn nicht. Alfe fehen auch die 
Engeldie Finſternuͤß nicht / denn ihr Sehen ift eitel Sicht Goͤtt⸗ 
licher Krafftsund der Zeuffel Sehen ift eitel Finfternuß GOttes 
Zorns / alfo ift es auch mit den Heiligen / und denn hinwieder 
mit den Gottlofen Menfhenimgleichen zu verfichen. Darumb 
da wir in Adam das Goͤttliche Sehen / da Adanı aus Göttlicher 
Krafft fahe/ verlohren hatten / fofprach Ehriflus: Ihr muͤſſet 
von neuen gebohren werden anderft koͤnt ihr das Reich GOttes 
nicht ſehen. 

29.Die Engliſche Schoͤpffung iſt uns vom Geiſt⸗feuer zu ver⸗ 
ſtehen / da ſich der Wille des Ungrundes in Grund einfuͤhret/ 
und mit der Feuer-Gebuhrt das ewige ſprechende Wort oder Le⸗ 
ben offenbahret/ als mit dem erſten Principio, da das Geiſtli— 
he Regiment durch die Feuer-gebuhrt offenbahr wird. In die⸗ 
ſem Geiſtlichen Feuer urſtaͤnden alle Engel / als aus den Ge⸗ 
ſtaͤlzen zum Feuer-⸗quall: Denn aus dem Feuer mag nichts ge> 
ſchaffen werden / denn es iſt kein Weſen: aber aus den Eigen 
ſchafften zum Feuer mag eine Creatur in der Begierde / als im 
Verbo Fiat ergriffen / und in eine creatuͤrliche Form und Eigens 
ſchafft eingefuͤhret werden. 

30. Darumb ſind der Engel viel und mancherley / auch in 
vielen unterſchiedenen Aembtern / und wie 3. Geſtaͤlte zum 
Feuer-quaal find / alfo find auch 3. Hierarchien, und darinnen 
ihre Fürftliche Regimente / und auch 3. Welte ineinander als 
eine / welche 3. Principia oder Anfüngemachen ; denn eine jede 
Eigenfchafft ver ewigen Natur hat ihregradus: Denn im Feuers 
blis gehen fie auseinander / und aus denfelben Gradibus ift der 
Unterſchied der Geifter erfchaffen worden. 

31. Und ift ung mitder Schöpffung der Engel und aller an⸗ 
derer Beifter anderft nicht zu verſtehen / als dag fich der ungruͤnd⸗ 
liche GOTT in feinen geoffenbahrten Eigenfhafften / hat aus 
den Eigenschaften in lebendige Ereaturen eingeführet/ mit 
welchen er die Gradus befeßet / undinden Eigenfihafften damit 
fpielet / fie find feine Seyten in dem allwefenden fprechenden 
Worte / und find alleſamt indie groffe Harmoney ftines ewig> 
ſerechenden Worts gerichtet. Alfo daß in allen — und 
igen⸗ 


Caps. Vom Fall Lucifers /ꝛc. 43 


Eigenſchafften die Stimme des unerforſchlichen GOttes offen⸗ 
bahr und erkandt werde / ſie ſind alle ins Lob GOttes erſchaffen. 

32. Denn alles was lebet / das lebet in dem ſprechenden Wor⸗ 
te: Die Engel in dem ewigen Sprechen / und der Zeit Geiſter 
in dem Wiederausſprechen aus der Zeit Formungen aus dem 
Halle der Zeit; und die Engel aus dem Halle der Ewigkeit /als 
ausder Stimme des gentfenbahrten Worte GOttes. 

33. Darumb fragen fie die Namen der unterfchiedlichen Gras 
duum in der geoffenbahrten Stimme GOttes / undift ein Gra- 
dus je peiliger in der Krafft als der andere: Darumb find auch die 
Engel in ipren Ehoren inder Kraͤfft der Göttlihen Macht un⸗ 
terſchieden / und hat einer viel ein heiliger Ambt zu verrichten 
als der ander: Wie wir deſſen cin Erempel anden Prieſtern 
des alten Teftaments haben in ihren Ordnungen / welches auff 
eine Englifche Art gerichtet ward. 

- 34. Ob wohl Irrdiſch: fo wardoc eben cin ſolch Engliſcher 
Berftand darunter verborgen / welchen ihme GOTT auffden 
zukünftigen Jeſum in menfchfiche Eigenfchafft fürftellte: und 
im Borbilde alfo mit Iſrael fpielete auff das zukuͤnfftige Ewige / 
welches der Jefus.aus Jchowa wicderbrachte / und in menfchliche 
Eigenfchafft einführte/ welches die irzdifche Vernunfft nicht be= 
griffen noch verffanden hat: aber nunmehr weil die Zeit 

ebohren iſt / und der Anfang das Ende wiederfunden 

at / offenbahr ſeyn follzu einem Zeugnüß aller Voͤlc⸗ 
fer / deutet der Geiſt der Wunder. 


Vom Fall tucifers mit feinen Legionen. 


ze. B ung die eigene Bernunfft alhier möchte ta⸗ 
deln wollen und ſagen: Wir find nicht darbey 
gewefen als dig gefihehen ſey: fo fagen wir als 
hier auf Magifhe Art nach Recht der Ewig- 
keit dag wir wahrhafftig ſind darbey gemefen/ 
und diß gefehen: Aber Ich / der Ich der Ich bin / habe es nicht 
gefehen. Denn ich war noch nicht eine Creatur: aber wir has 
bens in der Efleng der Seelen / welhe GOTT dem Adam eins 
bließ / gefehen. 
2. Sp nun GTT in derfelben Elſentz wohnet / und * 
F wigkei 


44 Vom Fall $ucifers Cap. 9. 


wigkeit gewohnet hat / und ſich in ſeinem Spiegel offenbahret und 
zu ruͤck ſiehet durch die ſeeliſche Ellentz in den Anfang aller We⸗ 
ſen / was hat mich deñ die Vernunfft su tadlen / umb dag ſie daran 
blind iſt? Ich ſoll die Vernunfft warnen / daß ſie doch wolte tin» 
mahl in Spiegel des Verſtandes ſehen / und betrachten was ſie 
ſey; und vom Bau der dollen Babelablaffen ; es wird Zeit feyır. 

3. Der Sail Lucifers ift nicht aus GOttes Fürfas oder Vers 
ordnung gefchehen ; in GOttes Grimme / als nach der finftern 
Welt Figenfchafft ifter wohl erfant worden /wicer gefchehen 
koͤnte oder wurde: Aber in GOttes Heiligkeit/als im Liecht / iſt 
Feine folche Begierde in ſolcher Eigenſchafft offenbahr : fonft 
muͤſte der heilige Gott in feiner Liebe eine Teuffels-oder hoͤlliſche⸗ 
grimmige Begierde baben/welches gar nicht iſt: Aber im Centro 
der ewigen Natur / alsinden Geftalten zum Feuer / ift in der 
finftern Impreflion wohl cine ſolche Eigenfchafft. 

4. Ein jeder guter Engel hat das Centrum in fich / und iſt 
je etwan in einem Grad im Centro in creafürlicher Eigenfehafft 
offenbahr/welche Eigenfchafft in der Creatur die gröfte ift / nach 
derfelben iſt auch fein Ambt und Regiment. 

5. Waren doch dir Engel / welche aus den Gradibus des Centri 
gefchaffen worden / allefambt in das Liecht gefchaffen / das $iccht 
mar in allen offenbahr / und hatten freyen Willen aus dem ges 
offenbahrten Willen des Willens GOttes. 

6. Lutifer wäre wohl ein Engel blieben / hätte ihn nicht ſein 
eigner Wille in die Feuers: Macht eingeführet /wollend in Fine 
ſternuͤß und giccht in ſtarcker Feuers: Macht / als ein eigener 
Gott / über und in allen herifchen : Ware er in der Harmoni 
GHttes / darein ihn GOtt hatte gefchaffen/verblichen. 

7. So ſpricht die Bernunfft : Er konte nicht. So ſage mir/ 
wer zwang ihn ? War er dochder fchönfte Fürft im Himmel: 
hatte er feinen Willen in GOttes Sanfftmuth) eingeführet/ fo 
hätte er gekoͤnt; fo er aber nicht wolte / fo konte er nicht : Denn 
feine eigne Begierde gieng ins Gentrum ‚er wolte felber GOtt 
ſeyn / er gieng mit dem Willen indie Selbheit / und inder Selb— 
heit iſt das Centrum der Natur / als die Eigenfihafften/darinnen 
wolte fein Wille Herr im Hauſe ſeyn. 

8. GOtt aber hat ibn in feine Harmoney geſchaffen: daß er 
wolte mit feinem Liebe⸗Geiſt in ihme / als auff feinem Seyten⸗ 
fpiele feines geöffenbahrten und geformten Wortes / fpielen/ und 
das wolte der eigene Wille nicht. 

9. Nun fpricht die Bernunfft: Wie kam das ? Wuſte er Pr 

nic 


Capo: mit ſeinen Legionen. 45 


nicht GOttes Gerichte und den Fall ? Ja er wuſte es: Aber er 
hatte den Fall nicht in der Empfindligkeit / ſondern nur als eine 
Wiſſenſchafft. Die feuriſche Luſt / welche in ihme ſtarck war / 
reitzete ihn / denn fie wolte gerne in der Eſſentz des Grimmes (als 
in der Feuer⸗Wurtzel) offenbahr ſeyn. Die Finſternuͤß wolte 
auch gern creatuͤrlich ſeyn / die zog ihren Spielmann / der groſſen 
Feuers-Krafft / den Lucifer / zwar nicht auſſer ihme / ſondern in 
ſeiner ſelbſt-feuriſchen und finſtern Eſſentz / Eigenſchafft und 
Willen. Der Fall entſtund in der Creatur / und nicht auffer der 
Creatur / gleich wie auch in Adam dergleichen. Der eigene Wille 
war der Anfang der Hoffart. 
ro. Sprichſtu / was verurſachete ihn in ihme ſelber ? Seine 
groſſe Schoͤne: Daß ſich der freye Wille im Feuer⸗Spiegel 
beſahe / was er waͤre / dieſer Glantz machte ihn beweglich / daß er 
ſich nach den Eigenſchafften des Centri bewegte / welche zuhand 
anfiengen zu qualikieiren. Denn die herbe ſtrenge Begierde / als 
Die erſte Geſtalt oder Eigenſchafft impreſſete fich/und erweckte den 
Stachel und die Angſt-Vegierde: Alſo uͤberſchattete dieſer ſchoͤ⸗ 
ne Stern ſein Liecht / und machte fein Weſen gantz herbe / rauhe 
und ſtrenge; und ward feine Sanfftmuth und recht Engliſche 
Eigenfchafft in ein gantz ſtrenge / rauhe / finſter Weſen verwan⸗ 
delt: Da war es geſchehen umb den ſchoͤnen Morgenſtern / und 
wie er thaͤte / alſo thaͤten auch ſeine Legionen / das iſt ſein Fall. 

1x. Er ſolte in der heiligen Krafft GOttes gelaſſen ſeyn / und 
hoͤren was der HErr durch ſeinen eigenen Geiſt in ihme redete 
und ſpielete / das wolte der eigene Wille nicht; So muß er nun 
im Finſtern fpielen ? er wil auch noch nicht / wiewohl er itzo nach 
dem Fall nicht kan wollen. Dann ſeine Sanfftmuth / daraus 
Das Liebe⸗Wollen entſtehet / iſt verſchloſſen / und in ein Nichts 
eingegangen / als wieder in ihren Urſtand. 

12. Run ſtehet nur noch die Creatur aus dem Centro, als 
aus der ewigen Natur / dar: Die freye Luſt aus GOttes Weiß⸗ 
heit iſt von ihme gewichen / das iſt / ſie hat ſich in ſich verborgen / 
und laͤſt den grimmigen Feuer⸗Willen ſtehen: Wie Adam auch 
geſchahe da er nach Boͤß und Gut imaginirte : So verblich in 
ſeiner Eſſentz auch die freye Luſt der heiligen Welt Weſen. 

13. Das war eben das Sterben / davon ihm GOtt ſagte: Er 
wuͤrde deſſelben Tages fterben/fo er vom Baume des Erkaͤntnuͤß 
Böfes und Gutes effe : Alfo auch im Sucifer + Erftarbander 

+ heiligen Böttlichen Welt / und wachte auf der grimmen Welt 
GoOttes Zornes. 
24. Sprichſtu 


\ u 
” 


a6 | Vom Fall Luciferss Cap.9. 


14. Sprichſtu / warumb hielt ihn GOtt nicht / und zog ihn 
von der boͤſen Reygligkeit abe ? Lieber ſage mir womit? Solte 
er diefem Feuer-Quaal mehr Siebe und Sanfftmuth einführen / 
fo wäre fein prächtiges Liecht in ihme noch mehr offenbahr wor« 
den; umd der Spiegeleigener Erfäntnüß je gröffer/ und der feu⸗ 
riſche eigene Wille ftärcker, 

15. War doch fein hohes Liecht und felbeigene Erfantnüß die 
Urfache feines Falls. Solte er ihn denn wollen mitder Straffe 
ziehen? QBar es doch vorhin fein Fürfag den magifhen Grund 
zuregieren als ein Künftler: Es war ihm umb die Kunft zu 
thun / daß er wolte mit dem Centro der Berwandlung der Eigen 
fchafften fpielen / und feyn / auch thun alles was er allein wolte. 
Hatte er diefes nicht erkant/fo ware er ein Engelinder Demuth 

blieben. 

16. Darumb find die Kinder der Finfternüß/ fo wohl auch die 
Kinder viefer Welt kluͤger / als die Kinder des Liechts / wie Die 
Schrifft ſaget. Sprichftu warumb ? Sie haben die magiſche 
Wurtzel des Urſtandes aller Weſen in ihnen offenbahr: Dieſes 
begehrete eben auch Adam: Wiewohl fie der Teuffel das beredete: 
Sie wuͤrden kluͤger werden: Ihre Augen wuͤrden auffgethan 
werden / und ſeyn als GOtt ſelber. 

17. Umb dieſer Narrerey willen hat ſich Koͤnig Lucifer erhaben: 
daß er wolte ein eigener Herr und Kuͤnſtler gleich dem Schoͤpffer 
ſeyn. Waſſer der Sanfftmuth wäre gut für ſeinen Feuer⸗Willen 
geweſen: Aber er wolte nicht. Darumb muͤſſen GOttes Kinder 
die allereinfaͤltigſten ſeyn / wie Eſaias von Chriſto weiſſagete: 
Wer iſt ſo einfaͤltig als mein Knecht der Gerechte / der viel zur 
Gerechtigkeit bekehret / als auff den Weeg der Demuth. 

18. Alle Engelleben in der Demuth / und ſind im Geiſt GOt⸗ 
tes gelaſſen / und find in dem ewig⸗ſprechenden GOttes Worte / 
als ein wohlgeſtimmet Inſtrument in der Harmoney des Him⸗ 
melreichs / welches Werckmeiſter und Regierer iſt der H. Geiſt. 

19. Der Teufel aber hat ihme ein Kiscl-Spiel / gleich den 
Narren zugerichtet / da er mitfeiner Derwandlung Fan Poffen 
treiben z und fich närrifch geberden / in felgame Figuren einfühe 
ren/ und des Bildes ver Englifchen Einfalt und Gehorfams 
ſpotten; umb das war es ihm auch eben zu thun / daß er aus der 
Harmoneyder Englifchen Chöre aufigieng. Denndie Schrift 
faget / er fey cin Mörder und Luͤgner von Anfang gewefen ; feine 
Poſſen ſeynd eitel frembde Figuren und Luͤgen / die GOtt nicht 
bat in ihme in Form eingefuͤhret: Er aber fuͤhret fie in ſich in 

For⸗ 


Cap.9. mit ſeinen Legionen. 47 
Formen ein/und weilmes wider feine Schöpffung laufft/fo finde 
Luͤgen und Greuel. 

zo, Er ift ein Engelgewefen / und hat feine Engels-Geftalt 
und Gehorſam verleugnet / und ift indie Poſſen⸗Greuel einge⸗ 
gangen. Er hat die feindliche Geftaltund Eigenfchafft der fin⸗ 

teen Welt im Centro in ihme erwecket / darausder Grimm und 
die Bogheitquellet : er fag in himmliſcher Pompa und Herrlig⸗ 
keit / und führete feine feindliche Begierde ins Weſen /als in 
Wafferquall/ und fpreuete Feindfchafft aus ſich aus. 

21. Seine Eigenfchafften waren Schlangen-Stiche / welche 
erausfich außfuͤhrete. Als ſich GOttes Liebe ihme entzoch / fo 
Agurirte er fein Bildnüg nach der grimmen Geftalt Eigenes 
ſchafft; als da find böfe Thiere und Würme auch in Schlangen 
Geftalt 5 und inkeirte oder erweckte im außgchauchtem Weſen 
in der Gebährung der ewigen Natur den Salnitter vom Cen- 
tro der Natur / darvon der Streit entflund : Daß der Groß= 
fürft Michael mit ihme ftritte / und ihn nicht mehr in Himmel 
unterder Gemeinfchafft der Heiligen Engel dulden wolte, 

22. Um melches willen ſich der Wille des Ungrundes / als des 
ewigen Batters/ bewegte / und ihn als einen Meineydigem ing 
Grimindie ewige Finfternüg verfehlang / als ineinander Prin- 
cipium: Der Himmel fpeyete ihn aus ſich aus/ erfichlindie 
Sinfternüß als ein Blig / und verlohr die Stätte GOttes im 
Himmelreich / inder heiligen Krafft / und alle feine Diener mit 
ihme: Alldahaterdie Mutter zu feiner Gauckeley / da mag er 
ihnen Poflen fpielen. 

23. Mehrersift ung gu wiffen: daß er im Loco dieſer Welt 
hat feinen Königlichen Sitz gehabt. Darum nennet ihn Chriſtus 
einen Fürften diefer Welt/ alsim Keicheder Finſternuͤß / im 
Grimme/im Orte diefer Welt. 

24. Sein Königliher Stuhl ift ihıne genommen morden 
und fit ihm anjeko / in der himliſchen Welt-eigenſchafft im 
Locodiefer Welt / einanderer darauf: Er wird ihn nicht mehr 
wieder befommen. 

25. Auch ift ihme in demfelben Orte in den Elementen ein an⸗ 
derer König eingefeßt worden) alsbald in Erſchoͤpffung der Ster⸗ 
nen und 4. Elementen/welcher/ ob man ihn wohl Fönte andeuten/ 
doch jetzo noch billig ſtumm bleibet : umb der falfchen Magiz,auch 
anderer Abgötterey willen/ wollen wir dig allhie geſchweigen / 
und Doch den unfern genug verftändig ſeyn. 


Das . 


48 Don Erſchaffung des Hinels Cap.ıor 


Das 10. Capittel. 


Von Erſchaffung des Himmels und der 
aͤuſſern Welt. 


— komts der Vernunfft vor / wenn ſich dieſelbe 
beſchauet / wie GOTT habe Sternen und 4. Elementen 
geſchaffen: Sonderlich wenn fiedie Erde mit den harten Stei— 
nen / und gang rauhen ſtrengen Weſen betrachtet: und licher wie 
groffe Felſen und Steine gefchaffen ſeynd / welche ein Theil zu 
nichts moͤgen gebraucht werden/und dem Gebrauche der Creaturen 
dieſer Welt nur hinderlich ſeynd: So dencket ſte worauß mag eine 
ſolche Compaction entſtanden ſeyn inlſo vielerley Formen und 
Eigenſchafften? Denn es find macherley Steine / mancherley 
Metalle / und mancherley Erde / darauß auch mancherley Baͤume 
und Kraͤuter wachſen. 

2. So fie ſich nun alſo beſiehet / fo findet ſie nichts / als daß fie 
erkennet / es muͤſſe eine verborgene Krafft und Macht ſeyn / 
weiche unergruͤndlich und unerforſchlich ſey / welche alle Dinge 
habe alfo erſchaffen; darbey laͤſt ſie es bleiben / und lauffet alfo in 
dein Gefchöpffe hin und her/ als wie ein Vogel im der Lufft flieget/ 
und fichetsanalsdie Kuhe eine neue Stalltyür ; und betrachtet - 
ſich niemahls / was fie felber ſey; und komt ſelten alfo weit / daz 
fie erkennete / dag der Menſch ein Bilde aus alle dieſem Weſen 
ſey. Sie lauffet dahin alsdas Viche das Feinen Verſtand hat/das 
nur begehret fich zu füllen und gu gebährens und wenns am hoͤch⸗ 
ſten mit ihr konit dag fie wil etwas forfchen / fo forfchet Ste in dem 
Auffern Spielwercke der Sternen / oder fonften um ein Schnitz⸗ 
werck der Auffern Natur / ſie wil ſchlechtumb ihren Schoͤpffer nicht 
fernen kennen; und ob es geſchiehet dag ein Menſch dahin kom—⸗ 
mit / daß er ihn lernet kennen / fo heiſſet ſie ihn naͤrriſch; und ver⸗ 
beut ihme den edlen Berftand an GOTT / und rechnets ihm noch 
wohl für Suͤnde zu/und verfpoftet ihn darinnen. 

3. Solche Wiche-Menfihen find wir nach dem Fall Adams 
worden: Daß wir nicht eins betrachten/ dag wir find in GOttes 
Bilde gefihaffen worden; und uit dem rechten natürlichen Ber= 
ſtande bendes nach der ewigen und zeitlichen Natur begabet wor⸗ 
dein: daß wir gedächten das Verlohrne durch groffen Ernft wies 
der zuͤerlangen; und da wir doch noch eben diefelbe erfte Seele 
haben /darinnen der wahre Verkandlieget: Go wir nur dahin 
möchten arbeiten / dag taffelbe verlohrne Licht Pr .. 

eine 


Cap.ro. und der aͤuſſern Welt. 49 


fiheine/. welches uns doch aus Genaden angebotten wird. 

4 Darum wird keine Entfcehuldigung feyn auffdem groſſen 
Tage des.Herin/da GOTT Das Verborgene der Menſchen richten 
wird; dieweil wir ihn nicht haben wollen lernen erkennen / und 
feiner Stimme / welche täglich bey und in uns angeklopfet / nicht 
gchorchen und uns ihme nicht ergeben: daß unſer Verſtand auff⸗ 
getahn würde ; und wird ein ſtrenges Gericht über dehn ergehen 
welcher fich läßt Meifter und Herr nennen / und doch ven Weeg 
GOttes nicht kennet noch wandelt / und auch noch darzu denen 
verbeut fo ihn kennen undgehen wollen. 

5. Die Schöpffung der auffern Welt iſt eine Offenbahrung 
des innern Geiftlichen Myfterii, als des Centri der ewigen Na⸗ 
tur mit dem heiligen Elemente : Und ift durch die Bewegung deg 
Innern als ein Aushauchen / erbohren worden durch das ewig⸗ 
ſprechende Wort / welches aus der innern Geiſtlichen Welt das 
Weſen hat ausgeſprochen; und da es im Sprechen doch kein ſolch 
Weſen geweſen iſt / ſondern als ein Brodem oder Rauch vor dem 

Juñern / beydes aus der finſtern Welt und Liecht⸗welt Eigenſchafft / 

darum iſt das aͤuſſere Weſen der Welt boͤß und gut. 
6. Und iſt ums dieſelbe Bewegung des ewigen Myſterii der 
geiſtlichen Welt gar wohl und gantz inniglich zu betrachten. 
1. Wie das ſey zugangen / daß cin ſolch grimmig raue gang 
ſtachlicht Weſen und Regiment ſey erbohren / und offenbahr wor⸗ 
den / wie wir an den aͤuſſern Geſtalten der Natur an dem weben⸗ 
den Weſen / ſo wohl an Stein und Erden ſehen. 2. Wovon ein 
ſolcher Grimm entſtanden ſey / welcher die Kraͤffte der Eigenſchaff⸗ 
ten alſo in ſolche wilde Art compactiret und eingefuͤhret hat / wie 
wir an der Erden und Steinen ſehen. 
7. Denn uns iſt gar nicht zu dencken / daß im Himmel / als in 
der Geiſtlichen Welt vergleichen ſey; Es find nur die Eigen— 
ſchafften der Mögligkeit inder Geiftlihen Welt: Seynd aber 
in folder wilden Eigenfchafft nicht offenbahr/ fondern als wie 
verſchlungen / gleich wie das Liecht die Finfternüg verſchlinget; 
und da doch die Finfternüg warhafftig invSicchte wohnet: aber es 
nichtergreiffes; 

8. So iſt uns dehme nach zu forſchen: Wie doch die finftere 
Begierde fey in der Krafft des Sicchts offenbahr worden daß ſie 
beyde find miteinander in die Compadion oder Coagulatiom 
eingangen. Und noch visleingröffer Nachdenden giebt uns das / 
Daß da der Menfch nicht beftehen Eonte im Geiftlichen Myferio 
der Paradiſiſchen Eigenfhafft / * GOTT dieſelbe Compa- 


ction, 


so Bon Erfchaffutigdes Himmels Cap.ıe 


&ion, alsdie Erde/verfluchte/ und einernft Gerichte anftellete 3 
Das Sutei inder Compadtion der Erden vom Böfen wieder zu 
ſcheiden / dagdas Gute foll alfoim Fluche als im Tode ftehen > 
wer allhier nichts fichet/ der ift ja blind. Warum wolle GOTT 
fein gutes Weſen verfluchen / fo nicht etwas wäre darein Eoma 
men/ dasdem Guten zumiderfey ? oderift GOTT mit ihme 
uneins worden ? würdedie Vernunfft fagen ; Denn beym Mofe 
fichet: Und GOTT fahe an alles was er gemacht hattes und 
fiche es war fehr gut- 

9. Nunhatte dochder Menfch (um welches willen die Erde 
verjluchet ward‘) nichtsindie Erde gebracht / davon ſte dißmahl 
waͤre alſo boͤß worden: daß ſte GOTT haͤtte moͤgen verfluchen / 
als nur feine falſche und unrechte Imagination der Begierde vom 
Boͤſen und Guten zu eſſen; die Eitelteit / als das Centrum der 
Natur inihme zu erwecken / und Böfes und Gutes zu wiſſen: 
Aus welcher Begierdeder Hunger indie Erde einging/ daraus 
der auffere Leib / als eine Maſſa war aufgezogen worden / der 
führte feinen Hunger der Begierde wieder in feine Mutter eins 
und erweckte aus der finftern Impreſſton des Centri der Natur/ 
die Wurgelder Eitelkeit / / daraus ihme der Verſuch-baum / als 
Boͤß und Gut offenbar wuchs; und als er davon aß / ward die 
Erde um ſeinent willen verflucht. 

10. Iſt nun dieſes beym Menſchen geſchehen / daß er mit ſei⸗ 
ner kraͤfftigen Begierde hat den Grim in der Erden erwecket; 
was mag wohl beymLucifer / welcher ebenſowohl ein Thron⸗fuͤrſt / 
und darzu mit vielen Legionen war / geſchehen ſeyn? Er der Luci⸗ 
fer hatte ebenſowohl den Willen der ſtarcken Macht und Krafft 
des Centri aller Weſen in ſich als Adam. Adam war nur ein ei⸗ 
nige Creatur: Luciſer aber war ein König und hatte ein Koͤnig⸗ 
reich als eine Hierarchiam in der Geiſtlichen Welt / als im hits 
liſchen Salniter, in der Gebaͤhrunge des geoffenbahrten Worts 
im Beſitz: Er war ein Trohn⸗fuͤrſt in der geoffenbahrten Kraft 
Gottes: Darum nennet ihn auch Chriſtus einen Fuͤrſten dieſer 
Welt; denn er ſaß im Weſen / verſtehet im Geiſtlichen Weſen/ 
daraus dieſe Welt als ein Aushauchen / iſt ausgehaucht worden. 

ır. Er iſts / der im Innern durch feine falſche Begierde / welche 
er ins Weſen einfuͤhrie / hat den Grimm erraͤget / gleich wie Adam 
den Fluch erraͤgete: Er hat das Ceotrum der Natur in den grim⸗ 
men Eigenſchafften mit ſeiner finſtern grimmen Eigenſchafft in 
der Gleichheit erraͤget. Denn er hatte in ſich ſelber erſtlich den 
Srim Gottes erraͤget. Darnach ging derfelbe ——— in 

sine 


Cap.ıo. und der Auffern Welt. 51 


ſeine Mutter ein / daraus Lucifer war zu einer Creatur geſchaf⸗ 
fen worden / als in die Magiſche Gebaͤrung; davon die Gebah— 
rung erhebende ward wider der Ewigkeit Recht. 

12. So ſaß er auch in ſeiner gehabten Engels-Geſtalte / int 
heiligen guten Weſen / nach der Gebaͤhrung Goͤttlicher Sanfft⸗ 
muht; und erhub ſich in derſelben im Willen feines Grimmes 
über die Sanfftmuht zu herrſchen / als ein eigener GOTT wider 
ver Ewigkeit Acht. - 

13. Als fich aber feiner Boßheit halben das fprechende ewige 
Wort in Lieb und Zorn inden Eigenfhafften/ alsim Weſen 
darinnen Lucifer ſaß / hat beweget / diefen böfen Gaſt aus feiner 
Wohnungauszuftoffen in die ewige Finſternuͤß / fo iſtdas We⸗ 
fen compactiret worden: Dan GOTT wolte ihme diefe geofa 
fenbahrte Kräfte darinnen er ein Fürft war/ nicht mehr gönnen 
noch laffen: Sondern fchuff fie ineine Coagulation , und ſpeye⸗ 
te ihn daraus aus. 

- 14. Und in diefer Impreffton oder Zuſammenfaſſung find die 
Kräffte/ als die wäflerifche und dieöplifihe Eigenfchafften com⸗ 
pactiret worden ; nichthat fie Lucifer gerompactiret oder geſchaf⸗ 
fen/fondern das fprechende Wort GOttes / das in den geoffenbara 
ten Kraften und Eigenfchafften wohnete: Daffelbe nahm alſo 
dem ungehorſamen Kindefein Vaͤtterlich Erbe/und ſtieß ihn als 
einen Meineydigen aus dem kindlichen Hauſe / in ein ewig Ge⸗ 
faͤngnuͤß / in das Haus der Finkernüg und des Zorns / darinnen er 
wolte ein Herr über das Weſen der Liebe GOttes ſeyn / und 
gauckeliſcher weife darinnen regieren; und das Heilige mit dem 
— vermiſchen / ſein Gauckelſpiel und Hoffart darmit 
zu treiben. 

15. Und ſehen diß gantz klar mit hellen Augen daß dehme alſo 
ſey. Denn es iſt kein Ding in dieſer Welt ſo boͤß / es hat ein 
Gutes in ſich; das Gute iſt in ſeinem Urſtande aus dem Guten 
oder himliſchen herkommen / und das Boͤß aus der finſtern Welt 
Eigenſchafft: Denn die zwo Welten / als Liecht und Finſternuß 
ſind in einander als eine. 

16. Darum ſind fie auch zugleich in die Compa&tion vderCoa- 
gulation eingetretten; und ſolches aus den Gradibus der ewigen 
Natur/alsausden Eigenfchafften zum Feuer⸗ leben; und aus den 
en im öhlifihen und Geiftlichen waͤſſeriſchen echts⸗ 

efen. 


17. Denndie Metalle find in firh anders nichts als ein Waſ⸗ 
fer und Oehle / die werden von den grimmen Eigenſchaften / als von 
C 2 der 


52 Von Erſchaffung des Himmels Eap.ro; 


der herben / ſtrengen Begierde / als von einer Saturnaliſchen⸗ 
Maͤrtialiſchen / feuriſchen Eigenſchafft in der Compaction des 
Sulphuris und Mercurii gehalten / daß es ein Corpus iſt. So ich 
aber dieſes Corpus gantz zerſtoͤre / und zertheile ein jedes in ſei⸗ 
ne Eigenſchafft / ſo finde Ich die erſte Schoͤpffung klar dar⸗ 
innen. 

I. Saturnus: Sal. 


18. Als erftlich nach der herben Begierde des Fiats , als der 
erften Geftalt zur Natur / nach der finftern Welt Eigenfchafft/ 
finde Ich erftlich eine Härte und Kälte; und ferner nach diefer 
herben Eigenschaft / ein tödlich ſtinckicht Waſſer von ver herbei 
Impreſſion; Und zum dritten in diefem ſtinckichten Waſſer eis 
neertödfete Erde; Und zum vierdten eine Schärffe/ gleich dent 
Saͤltze von der Herbigkeit Necht. Diefesift der erften Geſtalt 
der Natur nach der finftern Welt ihr coaguliret Weſen / und 
iſt das ſteinichte Weſen / verfichet die Grobheit des Steines 
und aller Metallen / fowohl der Erden / darinnen das Tödliche 
(oder der Tod des Einfchlieffens) verftanden wird. 


II. Mercurius. 


19. Zum 2 fen nach der andern Geſtalt und Eigenfchafft der 
finſtern Natur und Welt⸗weſen / finde ich inder Compadtion 
der Metalle und Steine einbitter / ftachlicht / wuͤttend Weſen / 
als eine Gifft/ welche in der Erden und dem flindichten Waſ⸗ 
fer einen ftrengen feindlichen Schmack gibt/und des wachfenslirs 
fach ift/ als das raͤgende geben : feine Eigenfihafft Heiffer Mercu- 
zius ‚und der herben in der erfien Geftalt heiffet Sal. 

III. Sulphur. 


20. Zum 3 tem finde ich die dritte Eigenfihafft / als die Angſt / 
welcher itt der Schwefelsquaal/ in welcher die Theilung der Eis 
genfchafften / als der Eſſentz / ſtehet. 

I V. Salniter. 


21. Zum 4tem finde ich das Feuer oder die Hitze / welche den 
Salniter indem Schwefel-quaalermecket / derdie Compadtion 
ſcheidet / als den Feuer⸗ſchrack: der ift der Urftand des Salnitri 
ausder Schwerlifchen Wäßrifchen und Irrdiſchen Eigenfchafft: 
Denn er ift der Auffwecker des Tods / alsinder tödlichen Ei— 
genſchafft; und der erſte Urſtand des Lebens im Feuer / und biß 
allhieher ans Feuer greiſſt ein der finſtern Welt Eigenſchafft / 
weiter kan ſie nicht. 


22. Zum 


Eap.ıo. und der aͤuſſern Welt. 53 


V. Oele. 

22. Zum sten finden wir in der Cowpaction der Metalle und 
Steine cin Dele/ das ift fürfer als kein Zucker ſeyn mag / ſofern 
es von den andern Eigenfchafften mag gefchicden werden; Das 
ift das erfte himmliſche heilige Weſen / welches von der ſfreyen 
Luſt feinen Urftand genommen hat: Esift ſchoͤne und durchleuch⸗ 
tende / ſo aber der F Feuer⸗ -quaal von ihme entſchieden werden mag / 
wiewohl es nicht moͤglich iſt gantz zu ſcheiden: denn das Band 
der groſſen Freuden⸗reich ſtehet darinnen:) fo iſt es weiſſer 
als kein Ding in der Natur ſeyn mag: Aber wegen des Feuers 
bleibet es Roſinroht / welches das Liecht in gelbe / nach roht und 
weiß verwandelt / wegen der irrdiſchen Eigenſchafft und der 
Sonnen Gewalt. 

23. So aber der Kuͤnſtler es aufloͤſen mag / und vom Feuer 
des Grimmes und den andern Eigenſchafften frey machen / fo 
It er das Perlein der gantzen Welt / verſtehet die Tinetur: 
denn Frau Venus hat ihren Schatz-kaſten allda liegen: Es iſt 
die Jungfrau mit ihrem ſchoͤnen Kraͤntzlein. 

24. O duirrdiſcher Menſch haͤtteſtu das noch! allhie hats Lu⸗ 
tifer und Adam verſchertzt. O Menſch wuͤſteſtu / was allhie laͤ⸗ 
ge / wie ſolteſtu darnach trachten: Aber es gehoͤret nur d n jeni⸗ 
gen / ſo SYLT darzu erkohren hat. Dedle Perle / wie fü biſtu 
in der neuen Wicdergebuhrt / wie ſchoͤn iſt dein Glantz! 


VI. Der lebendige Mercurius, der Thon. 

25. Zum Sten finden wir indiefer oͤhliſchen Eigenfchafft eine 
Herrliche Kraft vom Urſtande des geoffenbahrten kraͤfftigen 
Goͤttlichen Worts / das in der himmliſchen Eigenſchafft woh- 
net; in welcher Krafft der Schall oder Klang in Metallen un⸗ 
terſchiedlich wird / darinnen ihr wachſen ſtehet: Denn es iſt all⸗ 
hier der heilige Mercutius, der in der andern Geftaltder Natur 
in der Finfternüß kasficht feindig / und ein Gifftift ; der ift 
allyier nachdehme das Feuer im Salnitriſchen Schracte / Lie⸗ 
be und Zorn getheilet hat in der freyen Luſt Eigenfchafft ein 
froͤlicher Mercurius, darinnen die Freuden⸗reich Der Crea- 
tur ſtehet. 

26. Und allhier / ihr Philofophi , lieget die Krafft und 
Wuͤrckung euers edlen Steines / allhier heiffet er Tinctur. 
Diefe Würcung fan fingiren das verblichene Waffer in Luna: 
Dennallbier ift Iupiter ein Fürft / und Solein König / und Frau 
Venus des Königs ſuͤſſeſte Gemahlin. Aber Mars fol den Sce⸗ 

3 pter 


54 Von Erſchaffung des Himmels Cap.ıo, 


pter vonehe niederlegen / ſo muß auch von ehe der Teuffel in die 
Hölle fahren ; denn Chriſtus muß ihn binden / und die einfältige 
Lunam, welche er beſudelt hat / mit feinem Dehle des himmliſchen 
Bluts tingiren/ auff dag der Zorn in der Freude verwandelt 
werde, Alfo ift der Artiften Kunft gebohren / den Kindern der 
Geheimnuͤß allhier verſtanden. 

27. Zum 7ten finden wir in der Scheidung der Compadtion 
der Metallen ein weiſſes Eryftallinifches Waſſer / das ift 
himmliſches Waffer / alß das Waſſer über der Vefte des Him⸗ 
mels / welches vom Dehle gefchieden wird/als ein geib des Dehles. 
In den Metallen undSteinen gibf es einen weiſſen Cryſtalliſchẽ 
Glaſt; und Venus mit feiner Eigenfchafft machts gang weiß / 
und ift ein Silberne Art/ und Venus in Soleine Güldene/ und 
Mars in Venus eine Rupferne / und hinwider Venusin Mars eine 
Eyſerne / Jupiter in Venus eine Zinnerne; Saturnus in Venus 
eine Bleyerne: Mercurius in Venus Quedfilber ; und ohne Ve- 
aus ift Fein Metall / weder der fixen noch der Mineralien. 

28. Alfo verftchet mit der Venus himmliſche Weſenheit / wels 
she in einem Oehle und Eriftallinifchen Waſſer ſtehet / die gibt 
allen Metallen Leib / verftehet den geiftlichen fchönen Leib / ihre 
felefE eigen Weſen / ohne der andern Einflüffe/ ift die groffe 
Sanfftmuht und Süffigkeit. Ihr rechteigen Weſen iſt ein ſuͤſ⸗ 
ſes klares Waſſer: aber die Krafft des geoffenbahrten Worts 
ſcheidet das Heiligſte durchs Feuer in ein Oehle / dan in dem 
Oehle gibt das Feuer einen Glantz oder Schein; wenn das Feuer 
das Waſſer in fich Foftet / fo gibts aus dem Geſchmack ein Dehle/ 
alſo ift das Oehle geiftlich und das Waſſer leiblich: Das Dehle iſt 
ein Corpus der Krafft / und das Waſſer ein Corpus der Eigena 
fchafften / welche im Oehle lebendig find / und das Waſſer zur eis 
nem Gehaufe machen oder brauchen. Im Waſſer ſtehet das 
eleinentifche geben und im Oehle das geiftliche geben ; und in der 
Krafft des Oehles das Göttliche Leben / als des ausgefprochenen 
Worts geben / als eine Offenbahrungder Gottheit. 

29. Jetzt fehen wir nun / wie in der Compadtion des Verbi 
Fiats , ift das Heilige mit dem Unheiligen in eine Coagularion 
eingegangen. Dem in allen Dingen ift ein tödlich und auch ein 
febendig Waſſer; und auch ein tödfich Gifts Krafft / und auch 
eine lebendige gute Krafft; ein Grob und ein Subtil; eine 
boͤß die ander gut/ das ift nun nach Art GOttes Liebe und 
Zorns. 

3% Die Grobheit der Steine / Metalle und Erden komt er 

127 


Cap.ro. und der Auffern Belt. ss 
der Eigenfchafft der finftern Welt dieſelbe find alle in einem 
tödlichen. (verfteherdas Weſen und nicht den Geift.) Der Geift 
der Grobheit ift im Gifft⸗leben / in welchem Lucifer ein Fuͤrſt 
dieſer Weltift. 

312. Aber das. himmliſche halt die Grobheitund Gifft-auaak 
gefüngen / alfo dag der Teuffel in diefer Welt Mefen die aller 
aͤrmſte Ereatur ift / und nichts in dieſer Welt zum Eigenthumb 
hat / ohne was er kan von den Lebendigen betriegen / welche im 
Ewigen ftehen / dag fie mit der Begierde im Grimm des Ewis 
gen /als in feine Gauckeley / eingeben. 

32. Wenn wir wollen die Schöpfung recht betrachten / ſo 
bedürffen wir nichts mehr darzu / als ein Goͤttlich Liecht und ein 
Anſchawen. Sie ift gar wohl zuerforfihen / dem erleuchteten 
Gemuͤhte gar leichte: Manbetrachtenurdie Gradus der Natur / 
man fichetsander Sonnen / Sternen und Elementen klar ; Die 
Sternen findanders nichts als ein Cryſtalliniſcher Waffer-geift/ 
da fie doch nicht Materialifch Waſſer find / fonvdern Kräfte des 
Sulnitrifhen Schrades im Feuer. 

33. Denn ihr Becir da fie ftchen ift feurifch / das iſt ein 
Salnitrifch Feuer / eine Eigenfhafft der Materien der Erden/ 
Metalle] Bäume / Kräuter undder 3. Elemente / Feuer / $ufft 
und Wafler: Was das Untere ift/ dasift auch das Obere; und 
was ich in der Erdeninder Compaction finde / das iſt auch das 
Geffirne / und gehoͤret zuſammen wie geib und Seel. 

34. Das Geflirne bedeutetden Geiſt / und die Erde den $eihe 

Es iſt vor der Schoͤpffung in der ewigen Gebährung alles unters 
einander gewefen / aber in Feiner Coagulation oder Gefchöpffe/ 
fondern als ein Eräfftiges ringendes Siebesfpiel / ohn ſolch Mate⸗ 
rialiſch Weſen. 
35. Aber in der Bewegung des Worts / als des Verbi Fiats 
ls entzuͤndet worden / da hat ſichs mit der Anzuͤndung im Sal⸗ 
nitrifhen Feuer⸗ſchracke getheilet / einejede Eigenfchafft in ſich 
felber / und ift durch Die erweckte herbe Impreſſton (als die erfte 
Geftalt zur Natur / welchedas Fiar heiffet) gefaſſet / und alſo 
<oaguliret worden ein jedes in feine Eigenfchafft / das Subtile 
in feiner Eigenfchafft / fo wohlauch das Grobe / alles nach den 
Graden; wie die ewige Gebährumg der Natur ift vondem Einen 
an biß indie Unendligkeit. 

36. Mit dem Geſtirn iſt Gut und Boͤſe offenbahr: dan die 
grimme / feuriſche Krafft der ewigen Natur / fo wohl die Krafft 
Her heiligen geiſtlichen Welt / iſt in wm (als sin ausgehauch⸗ 
| 4 tes 


6 Don Erfchaffung des Himmels Bap.ıd 


65 Weſen) offenbahr. Darumb find viel dunckele Sterne / dis 
wir nicht alle ſehen / und auch viel liechte /die wir fehen. 

37. Wie wir dig an der Erden Materia fehen / wie diefelbe 
fo mancherley iſt / daraus mancherley Frucht wächfet / als nach 
den Eigenſchafften ver Obern; denn alſo iſt auch die Erde als 
Das grobſte Weſen / da das tödliche Waſſer iſt mit coaguliref 
worden. 

38. Die Erde iſt in der ſiebenden Eigenſchafft der Natur / als 
um Weſen coagulirer worden: Denn daſſelbe Weſen iſts / das 
Die andern ſechs Eigenſchafften in ihrer Begierde machen: fie 
ſtehet erftlich in fieben Eigenfchafften / wie forne gemeldet aber 
am Salnitrifchen Feuer ift die Auswicklung der Eigenfchafften] 
Da fich jede Eigenfchafft wieder in ſteben auswickelt; da geherdie 
Unendligkeit / und die groffe Bermögenheitan/ daß auseinem 
Dinge Fan ein anders gemacht werden / das es im Anfange 
Nicht war: 

39. Das Werfen aller Wefen iftnur eine Magifche Gebuhrt/ 
aus einem Emigeninunendlih: Das Einigeift GOTT / Das 
Anendliche ift Zeitund Ewigkeit; und eine Offenbahrung des Ei⸗ 
nen / da cin jedes Dina mag aus Einem in Viel gebracht werden / 
amd hinwieder aus Vielen in Eines. 

40. Das Feuer iſt der Werck-meiſter darzu / das treibet ang 
einer kleinen Krafft cin Zweiglein aus der Erden / und führets 
in einen groffen Baum aus mit vielen Aeſten und Frucht / und vers 
zehrets aush wieder; und machts wicder zu einem Dinge als zu 
einer Afchen und Erden / daraus es kommen war: Alfo auch 
gehen alle Dinge diefer Welt wieder indas Ein] daraus fie ges 
gangen find. 

41. Das Weſen diefer Welt ift wohl zu erforfihen: Aber 
Das Centrum oder der Punct der Bewegnuͤß wilder Vernunfft 
ſtum̃ bleiben: es fey denn einander Liecht darinnen: Gie vera 
meynt fie hats am Circkel und Fans meſſen / und hats noch nicht 
im Verſtande. 

42. Wenn wir betrachten die Hierarchiam und das Königlis 
the Regiment inallen 3. Prineipien im Loco diefer Welt / fo weit 
fich das Verbum Fiat hat zur Schöpffung der Äuffern Welt / mit 
Den Sternen und Elementen eingegeben/ fo haben wir den 
Grund des Pundtes und des föniglichen Stuhls / deffen die gan» 
Se Schöpffung ein Gliedtift. 

43. Denn die Sterne und 4. Elementa und alles das was 


Daraus gebohren ift und darinnen lebet / hanget an einem * 
M c © 


* 


Cap. ro. und der aͤuſſern Belt, 57 


cte, da ſich die göttliche Krafft in einer Form auß ſich ſelber Hat 
offenbahret; und derſelbe Punct ſtehet in 3. brincipien offen⸗ 
bahr / als in drey Welten; fein Ding mag leben auſſer dieſem 
Pundte in diefer Welt: Erift die einige Urfache des Sebens und 
Bersegens aller Kräffte/ und ohne denfelben ware alles inder 
Stille ohne Bewegen. ; . 

44. Denn fo Fein Liecht wäre / fo wären die Elemente unbe 
weglich / es ware alles eine herbe / ſtrenge Eigenfhafft/ gang 
rau und kalt: Das Feuer bliche verborgen in der Kälte ; und das 
Waſſer wärenur ein fcharffer Geift / gleich der Eigenfchafft der 
Sterne; und die $ufft wäre in Sulphur , im Waſſer-Quaal ver⸗ 
borgen / und ware ein unwebend ABefen. 

45. So fehen wir ja/ daß das Licht die einige Urfache alles 
Raͤgens / Bewegens und Lebens ift; denn alles Schen begehret 
des Sicchtes Krafft / als desaufgethanen Punctes/ und das Le⸗ 
ben ift doch nicht der Pundt, fondern die Geſtaltnuͤß der Natur: 
Und fo diefer Pun& nicht offen ftünde/ fo wäre das Reich der 
Sinfternüg im Loco diefer Welt offenbahr / in welchen $ucifer 
ein Fuͤrſt iſt / und den fürftlihen Stuhlim Grimmeder ewigen 
Natur /im Loco diefer Welt beſttzet. 

46. Darımb O Menfch bedencke dich wo du daheime biftz 
als nemlih an einem Theil inden Sternen und 4. Elementen; 
und amandern Theil in der finftern Welt bey ven Teuffeln; und 
am dritten inder Göttlichen Kraft im Himmel; welche Eigen 
ſchafft in dir Herr iſt / derfelben Knecht biſtu / glaͤntze gleich in 
der, Sonnenzliccht wie du wilft / haſtu nicht das Ewige / fo wird 
Dir doch dein Quellbrunn offenbahr werden. 

47. Mit den zweyen Worten /als Himmel und Erden) vera 
fichen wir den gangen-Grund der Schöpffung,/ denn er lieget 
indenz. Worten in der Natur⸗ſprache. Denn mitden Worte 
(Himmel) verfichet mandas Aushauchen des Verbi Fiats, wel⸗ 
ches das Weſen (darinnen Lucifer ſaß) hat mit dem (Sähuff)aus 
ſich / das iſt / aus der geiftlichen heiligen Welt / in eine Zeit oder 
Anfang gefhaffen: Und mitdem Norte (Erde) verſtehet mar 
den Grimm im Weſen / daß das Weſen iftim Grimme gefaffee 
worden. Und aus den Eigenfihafften des finftern Sulphuris „ 
Mercurii und Sales / als aus den Kräfften des Urftandesder 
Natur / in eine Compaction pder Coagulation eingeführet. 

48. Diefe Coagulation iftdie Sylbe (£r;) Dieandere Sylbe 
(de) oder (den) ift das Element. Denndie Erde ift nicht das 
Element! fondern das Weben / als die Krafft / daraus fie ift 

en Es coagu⸗ 


58 Von Erſchaffung des Himmels Cap. 10. 


coaguliret worden; das iſt das Element welches geiſtlich iſt / und 
nimt ſeinen wahren Urſtand im Feuer / da die Natur / welche ein 
55 Leben iſt / im Feuer erſtirbet; da aus dem Sterben ein 

ebendig Weben ausgehet; und aus dem Geſtorbenen eine toͤdli⸗ 
che Matetia, als Erde / und ein tödlich Waſſer / und auch ein 
toͤdlich Feuer und gifftige Lufft / welche in den Coͤrpern der Irr⸗ 
diſchen / eine ſterbende Quaal machen. ⸗ 

49. In der Anzuͤndung der Natur hat ſich das Element auch 
außgewickelt in 4. Eigenſchafften / welches in ſich ſelber nur Ei⸗ 
nes iſt. Das rechte Element wohnet im Weſen das im Feuer 
erſtorben iſt / ſonſt moͤchte die Erde keine Frucht bringen. Das 
wir anjetzo 4. Elementa heiſſen / das find nicht Elementa / ſon⸗ 
dern nur Eigenfchafften des wahren Elements. Das Element 
iſt weder heiß noch kalt / auch weder trocken noch naß / esift das 
Weben oder Leben des innern Himmels) alsdas wahre Englis 
ſche Leben nach der Creatur. Es ift die erfte Göttliche Offenbah— 
rung durch die Natur aus dem Feuer / wenn die Eigenfchaffters 
Der ewigen Natur darein würden / fo heiffets Paradeiß. 

so. Mit dem Worte (Himmel) wird verftanden / wie das 
materialifhe Waſſer / als die Grobbeit inder Tödligkeit coa⸗ 
guliret ward / und von dem H. Erpftallinifehen Waſſer / wels 
ches geiſtlich iſt / iſt geſchieden worden. Da mit dem materiali⸗ 
ſchen die Zeit anfieng / als ein ausgehaucht Weſen aus dem Geiſt⸗ 
waſſer. 

sı. Das Geift-waffer iſt lebendig / und das Ausgehauchte iſt 
ſtumm und unfuͤhlende ohne Verſtand / und iſt als todt gegen 
dem Lebendigen / davon ſaget Moſes: GOTT hab es geſchieden 
von dem Waſſer uͤber der Veſte. 

52. Die Veſte iſt ein ander Principium, als ein ander An⸗ 
fang der Beweglichkeit / das Waſſer uͤber der Veſte iſt das geiſt⸗ 
liche / in welchem der Geiſt GOttes regieret und wuͤrcket / 
denn Moſes ſaget auch: Der Geiſt GOttes ſchwebete auff dem 
Waſſer / denn das geiſtliche Element ſchwebet in den 4. Ele⸗ 
menten; und in dem geiſtlichen Element ſchwebet der Geiſt Goße 
tes auff dem Geiſt⸗waſſer; Es iſt eines in dein andern. 

53. Der Himmel darinnen GOTZ wohnet / iſt das heilige 
Element; und die Veſte oder Klufft zwiſchen GOTT und den 4. 
Elementen / iſt der Tod / denn der innere Himmel hat ein andere 
Gebuhrt (das iſt ein ander Leben) als das aͤuſſere 4. Elementi⸗ 
ſche iſt. Wohl iſts in einander / aber keines begreifft das ander / 
gleich wie ſich Zinn und Silber nicht recht menget / denn jedes 

— 


Sap.ro. und der aͤuſſern Welt! +59 


aus einem andern Principio, ob fiegleich einander ähnlich ſehen 
und nahe verwandt feynd: ſo iſts doch wiedas innereund Auffere 
Waſſer gegen einander/ darinnen man fe auch verfichen foll. 
Denn die innere Venus und die Auffere find Stieffehwefternz 
Sie kommen wohlvon einem Vaͤtter / aber fie haben zwo Muͤt⸗ 
ter / da die eine eine Jungfrau ift / und die ander eine Ge= 
ſchwaͤchte: Darumb werden fie unterfihieden big ins Gerich⸗ 
e GOttes / der wird ihre Schmach (durchs Feuer) wieder 
abfegen. 

54. Mofes fehreibet: GOTT ſchuff den Himmel aus dene 
Mitteldes Waffers / iſt gar recht: Das Geftirne ift ein aͤuſſer⸗ 
ficher Warfer Geift / als Kräffte des äuffern Waſſers; und das 
materialifche Waſſer iſt der Kräffte Leib darinnen fie würden. 
So iſt nun in dem Geſtirne der fenrifche / lufftiſche und auch irr⸗ 
diſche Quaal / ſolcher iſt auch in dem materialiſchen Waſſer? 
das Obere iſt des Unteren Leben und Regiment / es zuͤndet das un⸗ 
tert an / davon das untere raͤge wird und wuͤrcket; das Untere iſt 
des Obern Leib oder Weib: im Untern lieget wohl auch das Obe⸗ 
re / aber gleich wie unmaͤchtig. 

55. Und das Obere wäre gleich ſo unmaͤchtig / wenn es nicht 
von der Sonnen angezuͤndet wuͤrde: dieſelbe iſt das Hertze aller 
auſſerlichen Kraͤffte / und iſt der offene Punct biß auff die 10 te 
Zahl: Wenn wir nicht fo blind wären und alles verachtefen? 
was die Kühe-Augen nicht fehen koͤnnen / fowäreeswehlbils 
lig / daß man das offenbahrte: Weil aber GOTT hat dag 
Perlein verborgen / und auch fich felber vor den Augen der 
Gottlofen: fo laffen wirs auch flehen / und find doch von den 
unſern verftanden / den Thieren wollen wir unfer Perlein 
nicht geben. 

56. Alfo verftchen wir was der auffere Himmel ift / als nem⸗ 
lich die Kraffte oder Faffıngdes Waſſers. Das Wort oder die 
Kraft (Schuff) / das ſich mitder Welt Anfang hatangefangen? 
Das iſt noch heute im ſchaffen; es fchaffer noch immerdar den 
Himmel aus dem Waſſer / und der Geiſt GOttes ſchwebet noch 
auff dem Waſſer; und das heilige Waſſer iſt noch immerdar 
von Waſſer unter der Veſte entſchieden. 

57. Daſſelbe Heilige Waſſer iſts davon uns Chriſtus ſaget: 
Er wolle uns das zu trincken geben / das wuͤrde uns in einẽ Quell⸗ 
brunnen des ewigen Sehens quellen / die heilige him̃liſche Leibligkeit 
ſtehet darinnen: Es iſt der Leib Chriſti dehn er vom Himmeh 
brachte / und in unſern verſtorbenen oder verblichenen Leib / durch 

6 Die 


60 Bon Erfehaffung des Himmels ic. Capro. 


dieſe himmliſche Paradiſiſche Weſenheit einfuͤhrte / und un— 
ſern in ſeinem lebendig machete / verſtehet im Ziel des Bundes / in 
der Eſſentz Mariæ; wie hernach ſoll gemeldet werden. 

58. In dieſem him̃liſchen Weſen ſtehen Chriſti Teſtamenta; 
und dieſes heilige Weſen der him̃liſchen heiligen Jungfrauſchafft / 
mit der heiligen Tinctur hat den Tod zerbrochen / und der Schlan⸗ 
gen im Grimme GHttes den Kopff feiner Macht zertretten; 
denn die Göttliche Krafft ift das höchfte Schen darinnen. 

59. Alfo verftehen wir wie der heilige Himmel / darinnen 
GHLTT wolnet/ indem Schuff oder Geſchaffenem ſchwebet /und 
daß GOTT wahrhafftigan allen Enden gegenwärtig ift/un durch 
alles wohner: Aber Er wird von nichts ergriffen. In dem innern 
Himmel der heiligen Weſenheit iſt er in der Krafft offenbar / als 
in dem Elemente. Daffelbige H. Element drang (im Anfang 
Der 4. Elemente) durch die Erde / und grünete aus in heiliger 
Kraft Eigenfchafft/und trug Früchte/davon die Menſchen ſolten 
auff him̃liſche Art eſſen: Als es aber im Menfchen verklich / fo 
kam der Fluchindie Erde: Alfoerlofch das Paradeiß inden 4, 
Elementen/und bliebin fih im Innern ſtehen: Allda ſtehets den 
Menfchen noch offen ; wil Jemand aus diefer Welt Willen aus⸗ 
gehen/und darein auf Ehriftiauffgemachter Bahn eingehen. 

60. Der Pun&der zufammengefchaffenen Erven gehöret ing 
Centrum Solis , aber jet nicht mehr: Er iſt gefallen der ein 
König war / die Erde ift im Fluche und ein eigen Centrum wor⸗ 
den / da alles hinlaͤufft und fället / was in der Eitelkeit in den 4. 
Elementen gebohren wird: Alles fället gegen der Erden : Denn 
Das Schuffftchet noch inder Tieffe / und fchaffet alles Irrdiſche 
zuſammen zum Gerichte GOttes / als zu einem Scheiben. 

6x. Richt der Meynung / daß die Erde ſey alleine aus dem 
Locoder Sonnen kommen / Nein/ fondern aus dem ganken 
Circk / ausbeyden innern Beiftlichen Welten: Aber eshatein 
ander A. B.C. in deme die Erde fürs Gerichte GOttes gehoͤret 
zum fcheiden / alsdenn wirds offenbahr werden / warum gefaget 
wwerde/fie gehöre in den Tun Solis. 

62. Dan das Böfelte muß des Beſten Urfache ſeyn: Die 
ewige Freude ftehet in dehme / daß wir vonder Pein erlöfet fennds 
GOTT hat fein heilig Wefen nicht ewig verftoffen/nur die Boß⸗ 
heit/fo fich darein mifchetes Wenn aber die Erpftallinifche Erde 
erfiheinen wird/ alsdenn wirds erfüllet werden / das gefaget 
wirt fie gehöre inden Pund Solis. Allhie den unfern genug vers 
ſtanden / weiter follen wir allhie geſchweigen. ei 


Eab.rı. Bon Keimligkeitder Schoͤpff. Et 
Das ır. Capittel. 


Bon Heimligfeit ver Schöpffung. 


x. Je Bernunfft des äuffern Menfehenfager: Wie 
komts / daß G OTT den Menfchen die Schörffung 
ec Yper Welt nicht hat offenbahret / daß Moſes und 
A die Kinder GOttes fo wenig davon haben ge> 
ſchrieben / weiles das aller gröfte und fürnehmfte 
Werd iſt / daran alles gelegen ift ? 

2. Ja liebe Vernunfft/ reuch in deinen Buſem / wortach 
reuchſt du? Wefchaue dein Gemuͤhte / wornach lüftert es? viel⸗ 
leicht nad) des Zeuffels Gauckeley: Hätte der Teuffel diefen 
Grumd nicht gewuft / fo wäre er vielleicht noch ein Engels hätte 
er die Magische Gebuhrt nicht in feinem hohen Liechte gefehen/ 


fo hätte er nicht begehretein eigener Herr und Macher indem -. ; - 


Weſen zu ſeyn. 

3. Warumb verdecket GOtt ſeine Kinder / welche ſeinen Geiſt 
der Erkaͤntnuͤß empfahen / anietzo mit dem Creutze / und wirfft 
fie in Truͤbſal und Schlam̃ der Eitelkeit 2 Gewißlich darumb / 
daß ſie das Miſerere ſpielen / und in der Demuth bleiben / und dieſe 
Zeit nicht im Liechte der Natur fpielen ſonſt fo fie ſich erblicke⸗ 

„ten / was Magia civina ſey / fo dürfften fie wohl auch begehren 
dem Teuffel nach zu Fünftlen / wie Lucifer thaͤte / umb des willen 
iftsihnenverborgen. Und hat weder Mofes noch Fein ande: 
rer dürfen klaͤrer ſchreiben / biß der Anfang der Sıhöp- 
fung das Ende der Welt in fich erſiehet: So muß es 
offen ſtehen. 

4. Und ſoll uns Niemand darumb ſchelten denn die 
Zeit iſt gebohren / da Moſes ſeine Decke von ſeinen Au⸗ 
gen wegwirfft / welche er für fein Ungefichte hieng / wann 
er mit Iſrael redete / nachdehme der HErr mit ihme ges 
redet: Moſes begehrte es zu ſehen / indehme er ſagete: HErr ha⸗ 
be ich Gnade vor dir funden / ſo laß mich dein Angeſicht ſehen: 
Aber der HErrwolte nicht / und ſagete: Dur wirft mir nachſehen / 
denn mein Angeſicht Fan Niemand ſehen. 

5. Run iſt aber das Auge GOttes in Moſe undin den Kindern 
der Heiligen geweſen / ſite haben im Geiſte GOttes geſehen und 
geredet / und haben gleichwohl nicht das Schauen der geiftlichere 

67 Ge⸗ 


62 ° Bon Heimligkeit Cap. 18 


Gebuhrt gehabt / als nur zuZeiten / wenn GOtt hat wollen Wun⸗ 
der wuͤrcken / als beym Moſe / als er die Wunder in Egypten thaͤ⸗ 
te / da ſtund ihme Magia divina offen / auff Art und Weiſe wie in 
der Schoͤpffung. 

6. Und das iſt auch eben derFall Lucifers geweſen / daß er wol⸗ 
te ein Gott der Natur ſeyn / und in der Verwandlung leben. 
Und dieſes iſt auch eben der Heyden Abßoͤtterey geweſen / in deme 
fie die Magiſche Gebuhrt verſtunden / fielen ſie von deu einigen 
GOtt auff die Magifche Gebuhrt der Natur / und erwehleten 
ihnen aus den Kraͤfften ver Natur / Abgöfter. 

7. Umb deffen willen ift die Schöpffung alfo dunckel geblieben / 
und hat GOtt feine Kinder/in denen das wahre Siccht geſchienen / 
mit Truͤbſal verdeckt / daß fe ihnen nicht find felber offenbahr wor⸗ 
den. Alldieweil Adam auch nach derfelben $uft Magiam zu er» 
kennen und zu prüfen imagimirte / und wolte ſeyn als GOtt / fo 
ließ es ihme doch GOtt zu / da er fein him̃liſches Bilde mit der 
Eitelkeit der Natur und gang finfter und irrdiſch machte} 
wie $ucifer auch thate mit dem Centro der Natur / Da er aus ei⸗ 
nem Engel einen Teuffel machte. 

8. So wilich denn den $efer diefes gewarnethaben: Daß er 
die Magiam recht brauche / als in einem rechten Glauben und 
Demuth gegen GOtt; und Turbam magnam nicht berühre auff 
Magifche Art / es gelange denn zu GOttes Ehren und menſch⸗ 
lichem Heyl zu gute. 

9. Denn wir koͤnnen mit Wahrheit ſagen: Daß das Verbum 
Fiat noch heute im fchaffen ſey: obs wohl nicht Sternen und Ers 
de ſchaffet / fo wuͤrcket es doch noch in derfelben Eigenſchafft / for⸗ 
met und coaguliret: Der Natur iſt alles moͤglich / gleich wie ihr 
im Anfange iſt moͤglich geweſen Steine und Erde zu gebaͤhren / 
fo wohl Sternen und 4. Elemente / und ſolche aus einem einigen 
Grunde aufigeführet hat; Alfo ifts noch heute. Durch die ftarca 
ke Begierde ( welche der Magifche Grund iſt) mag alles voll» 
bracht werden /fo man die Natur in ihrer Ordnung zu einem - 
Wercke braucht. 

10. Alle Wefen ftehen in den 7. Eigenfchafften : Wer num 
das Weſen erkennt /der kan es durch denfelben Geift derſelben 
Eſſentz / daraus es ein Weſen worden iſt / in eine andere Form 
stanfmuriren Jauch in ein ander Weſen einführen /undalfo aus 
einen Guten ein Boͤſes / und aus einem Boͤſen ein Gutes machen. 

zz. Alle Dinge zu veraͤndern / muß durch die Gleichheit / als 
durch fein Eigenes geſchehen: Deñ das Frembde iſt fein Feind ni 

glei 


Cap. x1.. der Schoͤpffung. 63 


gleich wie der Menſch muß durch die Gleichheit in ſeiner verlohr⸗ 
nen Heiligkeit der Goͤttlichen Weſenheit / wieder durch Goͤtt⸗ 
liche Weſenheit in der Gleichheit neugebohren werden. 

1⁊. Und wie der falſche Magus den Menſchen durch die Incan- 
tation mit der Gleichheit beſchaͤdiget / uñ ihme Boͤſes in fein Boͤſes 
cals in der Gleichheit) durch die Begierde einfuͤhret: Und wieder 
gerechte heilige Glaub oder Goͤttliche Begierde auch in die Gleich⸗ 
heit eingehet/und den Menfchen dafür befehirmet/ dag die falſche 
Begierdenichthafftet. 

13. Alfo ſtehet alles in der Gleichheit / cin jedes Ding mag in: 
feine Gleichheit eingeführet werden : Und fo cs in feine Gleich» 
heit kom̃t / fo erfreuet es fich in feiner Gleichheit/ es ſey Boͤß oder 
Gut / und hebet anzu qualificiren : Wie man das am Böfen und 
Guten fichet. 

14. Ich fege ein Erempel : Es nehme einer ein Elein Bißlein 
Gifft ein / fo wird fie die Sifft im $eibe / welche zuvorn geruhet } 
alfobalde mit groffer Begierde annehmen / und fich darinnen 
ſtaͤrcken und anfahen zu qualificiren / unddas Widrige / als das 
Gute verderben und zerftören: Und wasnundas Böfein feiner 
Eigenfchafft thun kan / das fan auch das Gute in feiner Eigen» 
fchafft thun; wenn das vom Grimme erlöfet wird / fo mags feine 
Gleichheit auch in die rechte wahre Freude einführen. 

15. Diefer Welt Wefen ſtehet im Böfen und Guten / und 
mag eines ohne das andere nicht feyn ; Aber das ift das greffe 
Ubel diefer Welt : daß das Böfe das Gute überwegt / daß der 
Zorn ftärder darinnen iſt als die Liebe / und folches aus Urſachen 
der Sünde des Teuffels amd der Menfchen / welche die Natur 
durch die falfche Begierde erräget haben / daß fie mächtig im: 
Grimme qualihiciret / als ein Gifft im Leibe. 

16. Sonften / fo die Natur in ihren Geftälten / in gleichem 
Gewichte / in der Eigenfchafft ſtuͤnde in gleicher Concordang / fd 
wäre eine Eigenfchafft für der andern nicht offenbahr /es wäre 
Hige und Kälte in gleichem Gerichte in der Qualificirung / ſo 
wäre das Paradeiß noch auff Erden; und obs nicht auffer dens- 
Menfchen wäre/fo wäre esaberim Menfchen : So feine Eigen» 
fhafften im gleichem Gewichte ſtuͤnden / ſo wäre er unzerbrechlich 
und unſterblich. 

17. Das iſt der Tod und Elend der Menſchen und aller Crea⸗ 
tur / daß die Eigenſchafften ſtreitig / und eine jede in ſich ſelber er⸗ 
hebend / und in eigenem Willen qualificirende iſt / davon Kranck⸗ 
heit und Wehe entſtehet / und folches alles iſt aus deme — 

en? 


64 Bon Heimligkeit Gap.ır) 


Den: Als fich das einige Element hatin 4. Eigenfchafften offen⸗ 
bahret und beweglich gemacht / fo hat eine jede Eigenfchafft die 
Gleichheit begehret/als ein Weſen nach und aus fih/welchesdas 
herbe Fiat hatimpreflet und coaguliret/ dag alfo ift inden Eigen» 
fehafften Erde und Steine gebohren worden, 

18. Nun ift uns aber jego die gröfte Heimligkeit der äuffern 

Welt zupetrachten/ zwifchen den Elementen und dem Geftirne : 
Der elementifche Geift ift von den Sternen-Geiſt entſchieden / 
und doch nicht abfonderlich ; fte wohnen in einander wie Leib und 
Seele / aber keines ift dvasander: Der Sternen-Beift macht fo 
wohl feine Gorpora als der elementifche / und ſolches in allen 
Ereaturen/in lebendigen und wachfenden. - 
« 29. Alle Dinge diefer Welt find mit einem zweyfachen Leibe / 
als mit einem elementifchen vom Feuer / $ufft / Waſſer und Ers 
den / und mit einem geiftlichen Leibe vom Geftirne : Alfo auch in 
einem zweyfachen Geifte/ als vom Geftirne und Elementen. 

20. Der Menfch aber hat allein (unter den Irrdiſchen) einen 
drenfashen Seib: Denn erhatauch die innere geiftliche Welt in 
fich/welche auch zweyfach iſt / als Sicht und Finſternuͤß / und auch 
im Leib und Geift ; derfelbe Geift ift die Seele : Derfelbe Leib 
sber ift vom Warfer des heiligen Elements / welches in Adam 
erftarb / das ift / feines Schens verblich / als die Göttliche Krafft 
von ihme wich / un nicht inder erweckten Eitelkeit wohnen wolte. 

21. Welcher heilige Leib muß neusgebohren werden / wil ſein 
Geiſt GOtt ſchauen: Anderft mag er nicht fchauen/er werde dan 
wieder ausdem Waſſer des heiligen Elements im Geifte GOt⸗ 
tes (der fih in Ehrifto mit demſelben Waſſer-Qual hat offens 
bahret) neu gebohren/dag fein verblichenergeib im heiligen Waſ⸗ 
fer und Geifte [ebendig werde / fonft ter in GOttes heiligen Le⸗ 
ben unfühlende und unfehende. 

22. Diefe zweyerley Aufferliche Corpora find uns wohl zu ers 
wegen / wollen wir die Natur verfichen / und auffer dieſem Ver⸗ 
ſtande foll fich Feiner Meifter nennen : Denn in denen lieget das 
Regiment aller äufferlichen Ereaturen und Weſen / fte find ein⸗ 
ander offte widerwärfig / davon Krandheit / Verderben und 
Sterben im Eörper entfichet/ daß fich einer vom andern ſcheidet. 

23. Der ſyderiſche Leib ift der höchfte/ auffer dem göttlichen / 
im Menfchen ; der elementifche ift nur fein Knecht oder Bohne 
haus / gleich wie die 4. Elementenur ein Leib oder Wohnhaus 
des Regiments der Sternen find. 


24. Der elementiſche Geift und Leib iſt ſtumm und — 
Alla 


Sapırn. der Schoͤpffung. 65 
ſtaͤndig / er hat nur Luſt und Begierde in ſich / das Wachſen iſt 
fein recht Keben; denn die Lufft hat keinen Verſtand ohne dag 
Geſtirne. Das Geſtirne gibt den Verſtand des Unterſcheids / 
der Erkaͤntnuͤß aller Weſen in den Elementen. 

“25, Aberdasinnere Siccht und Krafft des Liechts gibt in dem 
Menfchen den rechten Göttlichen Berftand: Aberim fyderifchen 
Geifte ift kein rechter göttliher Begriff : Desn das Geftirne 
hat ein ander Principiam. Der fpverifche Leib wohnet in dem 
Elementifchen/gleich wie die Liecht-Welt inder Finſternuͤß: Er 
ift Das wahre vernünftige Leben aller Creaturen. 

26. Das ganse Geftirne iſt anders nichts / alsdas Aufferliche 
außgefprochene Wort im Schalle/ esift der Werckzeug / dadurch 
das heilige ewig-frrechende Wort äufferlich ſpricht und former: 
Es ift wie eine groffe Harmoney unerforſchlicher vielerley 
En allerley Snftrummenten/die vor dem heiligen GOtt 

piclen, 

27. Denn es findeitel Kräffte/die gehen mitihrer Wuͤrckung 
ineinander / davon es in der Eſſentz ſchallet; und denſelben 
Schallfafferdie Begierde /alsdas Fiat, und macht ihn ſubſtan- 
tialiſch / dieſelbe Subftans ift ein Geiſt der Sterneny dehn faffen 
die Elemente in fich ein / und coaguliren dehn in ſich / und brüten 
ihn aus /gleich wie cine Henne die Eyer; davon iſt das wahre 
Vernunfft-Leben in den Elementen : Und alſo wird auch der 
ſyderiſche Geift in alen Creaturen auggebruͤttet und coagnliret, 

28. Denn das Männlein und IBeiblein faen einen Saamen 
incinander / das ift nur ein Sulphur des Geſtirnes und der vier 
Elemente hernach wirds in der Matrix außgebruͤttet / umd zu tie 
nem lebendigen Geifte coaguliret. | 

29. Denn wert ſich das Feuer in der Matrix ‚in dem geſaͤeten 


Saamen entzuͤndet / fo feheidet fih der Beift abermahlvon dem 


Leibe / als ein eigenes / gleich wie das Liecht vom Feuer nach der 
ewigen Natur echt; und werden zwey in einem / als ein geiſt⸗ 
ficher Leib vom Geftirne/und ein fleifchlicher von den 4. Elemen⸗ 
ten/ offenbahr, 1 

30. Und derfelbe ſyderiſche Geift iſt Die Seele der groffen 
Welt / die am Pun&o Solishanget/undihr Liecht und Sehen von 
ihr nim̃t / gleich wie alle Sternen Liecht und Krafft von der Sons 
nen nehmen /alfo auch ihr Geiſt. 

31. Die Sonne ift Das Centrum des Geſtirnes / und die Erde 
das Cenrrum der Elementen : Sie find gegen einander / als 
Seiſt und Leib /oder als Mann und Weib; wiewohl u Ge» 
EN is irne 





85 Von Heimligkeit der Schipf.ic. Eapır. 


ſtirne einander Weib hatı da es fein Weſen außbruͤttet / als den. 
Monden / der iſt aller Sternen (fürnemlich aber der Sonnen) 
Weib / inder Eflenk der Wuͤrckung zu verſtehen. 

32. Nicht iftsalfo zu verſtehen: Dap das Geſtirne ſey aus 
den Pundto Solisentjtanden / daß ich fie das Gentrum der Ster⸗ 
nen heiffe s ſie iſt das Centrum der Kräffte/die Ur ſache dag fich der 
Sternen Kräffte inder Effent bewegen ; fie eröffnet ihreKräffte/ 
und gibtihre Krafft in ſie ein / alsein Hertze der Kräffte /und in 
ihrer Effeng erfreuen fie fich/daß ſie in ihrer Eſſentz beweglich oder 
begehrende werden. 

33. Und eben in dieſem ftehet die groffe Heimligfeit der 
Schoͤpffung / daß fich das Innere (als GOtt) hat alfo mit ſeinem 
ewig-fprechenden Worte (das es felber ift )geoffenbahret ; dag 
Auffere ift ein Wilde desinnern. GOtt iſt nichts frembdes / in 
ihme leben und weben alle Dinge / ein jedes in feinem Prineipio 
und Gradu. 

34. Die äuffere Eigenfchafften wohnen in fich felber im aͤuſ⸗ 
fern / als im außgefprochenen Worte / und find gang aͤuſſerlich/ 
fie koͤnnen in ihren eigenen Vermoͤgen nicht die Kraͤffte der heili⸗ 
gen Welterreichen : Allein die heilige Welt durchdringet fie / 
fie wohnet auch in fich felber. Aber im Punto Solis iſt die achte 
Zahloffen/als die ewige Natur/das ewige Magifche Feuer ;und 
in dem Feuer die ewige Tindtur, welchedie neundteZahlift; und 
in der Tindur das Ereuße/da fich die Gottheitoffenbahret / wel⸗ 
es ift die gehende Zahl / und auffer: dDiefer Offenbahrung ift der 
ewige Verftand/als das Eine (das iſt der G0OH JEHOYAH,) 
als der Ungrund. 

35. Nicht daß EHttabtheilig fin : Allein wir reden von feia 
ner Offenbahrung/aus was Gewalt und Krafft die Sonne ihren 
Schein habe / daß derfelbe unwandelbahr fey / alfo lang die Zeit 
wäret/ als nemlich aus dem Blaft der feurifchen Tinctur des 
ewigen geiftlichen / Magifchen Feuers. 

36. Denn ihr Glaft oder Schein hat einen Grad einen tief 
fern Urftand/als die Auffere Welt in fich offenbahr ift ;diefes ha⸗ 
ben die weife Heyden vermerckt / und fie vor GOtt gechret / weil 
ihnen der wahre GOtt / der auffer aller Natur in fich felber woh⸗ 
sieh [nicht befant war. 


Das 


Cap. r2. Bon den ſechs Tagwerdenn. 57 
Das 12. Capittel. 


Bon den ſechs Tag-⸗wercken der Schoͤpffung. 


2, U GOTT hat in ſechs Tagen Himmel und 

Erden und alle Dinge geſchafſen wie Mofes. 

faget / ift die gröfte Heimligkeit / und der aͤuſſern 

Bernunfft ganz verborgen. Esiftin der Tieffe 

ei über den Monden Feine Nacht / auch weder Mora 

gen noch Abend / fondern ein immerwährender Tag von Anfang. 
der Auffern Welt biß ans Ende derfelben. 

2. Und ob wohl das Gefchöpffe in einer folchen Zeit/ als in 
ſechs Tage⸗laͤngen ift vollendet worden/ fo haben die Tage-werde 
Doch gar vicleinen fubtilern Verſtand: Dennes werden die fies 
ben Eigenfchafften darunter verftanden / da ihr feche zum würd» 
lichen Regiment zu guten und böfen gehören ; und der ſiebende 
(alsdas Werfen) ift die Ruhe / darinnen die andern Eigenfchaffe 
sen ruhen / die hat GOTT ausgefprochen und Jichtbar gemacht. 

3. Im Regiment des Planetifhen Rades haben wir die Fia 
gur / wie ſich die fechs Eigenfchafften des würdlichen Lebens 
(welche in der ftebenvden ruhen) haben in fehs Tagen aus dee 
innern Geiftlichen Welt in ein aͤußere fichtliche 4- Elementis 
ſche eingeführer und offenbahret. Denn das Planekifche Radt ift 
aus dem Pun&o Solis ausgegangen ; denn allda war der Königs 
liche Orth der Hierarchien , deffen der gantze Circk (zwiſchen 
den Sternen iminnern und auffern ) ein Glied oder Corpus iſt. 

4. Weildennder Fürftder Hierarchien, als er im Him̃li⸗ 
Then Werfen in der Ruhe ſaß / fiel/ und ſich umbs Centrum der 
ewigen Natur erhub / ſo warder indie Finfternüg geftoffen ; und 
ſchuff ihme GOTT aus diefem Orth durch feine Bewegung ei— 
nen andern Fürften/ aber ohne göttlichen Verſtand / zu einem 
Regirer der Eſſentz / das iſt die Sonne. 

5. Aus die ſem Orth find in der Bewegung GOttes außgegan⸗ 
gen die 7. Eigenſchafften der Natur (verſtehet die Planeten) 
welche das Eſſentzialiſche Weſen in Boͤß und Gut regieren / (im 
welchen $uciferfaß / darauf er verſtoſſen ward und fein Re⸗ 
giment im Weſen verlohr ; ) und wie die 7. Eigenſchafften ihr 
Regiment imanfahen jedes Tages in der Woche haben / alfo 
find auch die ſechs Tage⸗ werck der Schöpffung gewefen. 

‚6. Denn $ucifer giengaus der Nuhe feiner Hierarchien aus} 
in die ewige Unruhe: Nun hat GOTT in ſechs Zagen alle Ar 

ieſer 


3 Vron den ſechs Tag-wercken ap. 12} 


dieſer Welt geſchaffen / und am fiebenden von der Schoͤpffung 
geruhet / das iſt der Sonnabend geweſen / vermoͤge der Schrifft: 
Das iſt aus den Ruhe⸗tage / verſtehet aus dem ewigen Ruhe⸗tage 
hat er ſich zur Schoͤpffung beweget / und hat in der erſten Ge» 
ſtalt der Natur angefangen den erſten Tag / das iſt / er hat ihn 
aus der Impreſſion ausgefuͤhret / und ſich mit ſeinem Worte 
beweget: das iſt die allerinnerlichſte Bewegung geweſen nach 
dem ſprechenden Worte der Krafft. 

7. Da hat in dem ausgeſprochenen Worte angefangen der 
Sontag / das iſt / der waͤhre Paradeiſiſche Tag / da die Kraͤff⸗ 
te in groſſer Heiligkeit ineinander gewuͤrcket haben. Denn am 
Sontage iſt der entzündete Sulphur und Salniter der Irrdi⸗ 
ſchen Eigenſchafft aus der groſſen Tieffe der gantzen Hierarchien / 
aus den Geiſtlichen Welten / in einen Klumpff geſchaffen wor= 
den; das iſt die Erdkugel / und iſt aus der ſtrengen Eigenſchafft 
der erſten Geſtalt der Natur ausgeſtoſſen worden. 

8. Allda hat ſich angefüngen die erſte Stunde des erſten Ta- 
ges / und hatdie Krafftder Natur ingroffer Freuden ineinans 
Ber / im ausgefprochenen Worte / regiret; aus welcher Freie 
den⸗Krafft am vierdten Zane iſt im Fürftlichen Loco die Sonne 
gefhaffen worden : alfo hat diefeibe Krafft Daraus die Sonne 
gefhaffen ward / die erfie Stunde des Anfangs der Melt regi⸗ 
ret / und aiihi Drsgiment alſo angefangen / des waͤhret biß an 
der Welt Ende; und darum zegiret die Sonne die erſte Stunde 
am Sontage / undwird ver Tag billig alfo genennet. 

9. Moſis Worte vonder Schöpffung find trefflich klar / a⸗ 
ber ver Vernunfft unbegrieffen / denn er fhreibetalfo: Am An⸗ 
fange ſchuff GOTT Himmel und Erden / und die Erde war wuͤ⸗ 
ſte und leer; und es war finfter auffder Tieffe / und der Geiſt 
GDttes ſchwebete auff dem Waſſer; und GOTT ſprach: Es 
werde Liechte und es ward Liechte: Und GOTT ſahe es / daß 
das Liecht gut war; da ſcheidete GOTT das Liecht von der Fin⸗ 
ſternuͤß / und nennete das Liecht Tag / und die Finſternuͤß Nacht / 
da ward aus Abend und Morgen der erſte Tag. 

1x0. In dieſen Worten ſteckt der gantze Verſtand: Denn der 
Anfang iſt die erſte Bewegung / welches iſt geſchehen als der 
Fuͤrſt Michael mit dem Trachen ftritte/als er ausgefpeyet ward 
in der Schöpffung der Erden. Denn allda ward dis entzüns 
dete Weſen / welches fich hat mitder Entzündung in Erde und 
Steine coaguliret, aus den innern ins außere geftoßen. ö 

1, Und er / der Trache fick vom Himmel’ als auß ei —* 

ige 


/ 


Cap. 12. der Schoͤpffung. 89 


ligen Welt / auff den Grimm der Erden] als ein Blitz / wie 
gefchrieben ftehet: Ach fahe den Sathan vom Himmel fallen als 
einen Blis faget CHriſtus. Dazumahl war es in der Tieffe uͤ⸗ 
ber der Erden gans finfter / und der raue enzündete Grimm ofa 
fenbahr. Denndie Hölle war ihme bereitet / darein er fiel / als 
in die groffe Finfternüß des erften Principii, darinnen er lebet. 
12. Alhie lieget nunder Deckel vor der Vernunft / dag fie 
dem Mofe nicht Fan in die Augen fehen / denn er fpricht : Und die 
Erde war wüfte und leer. Ja recht wüfte genug / hätte nicht 
ver Geift GOttes auff dem innern Waſſer ( melches mit dem 
Schuff im Himmelgefaffet ward)gefchmwebet/ und hatte GOTT 
nichtgefprochen: Es werde Liechte / fo folfedie Erde wohl noch 


wuͤſte und leer ſeyn. 
Der erſte Tag. 

13. Mit dem Worte da GOTT ſprach: Es werde Liechte / 
hat ſich die Eſſentz des Weſens in des Liechts Eigenſchafft / nicht 
allein in der Erden / ſondern auch in der gantzen Tieffe in der 
Krafft beweget / daraus am 4ten Tage die Sonne in ihrem Loco 
geſchaffen ward / das iſt angezündet ward: Und in dieſem Wor⸗ 
te Schuff / hat ſich der Erden⸗klumpff / und auch dieſelbe Krafft / 
welche Himmel heiſſet / im Weſen gefaſſet / welches zuvorn alles 
nur ein Geiſt war / ein Geiſtlich Weſen. 

14. Und mit dem Sprechen als GOTT ſprach: Es werde Liech⸗ 
te / bat ſich die heilige Krafft / welche mit im Grimme war ge⸗ 
faſſet / beweget; und ift in derfelben Eſſentz in der Krafft liechte 
worden / und mit diefem Sicchte werden / ward dem Teuffel fei> 
ne Gewalt gank im Weſen entzogen: denn allyier fchien das 
Liecht in der jestauffsneu erweckten Krafft in der Finftermüß/ 
welchesder Fürfte des Grimmes nicht begreiffen Fonte / ihme 
auch kein nuͤtze war / denn eswardas Liechte der Natur / das iſt 
ihm Fein nutze. 

15. Und Moſes ſprach: GOTT ſchiedt das Liecht von der Fin⸗ 
ſternuͤs / daß iſt alſo zuverſtehen: In der Grimmen Eigenſchafft 
blieb die Finſternuͤß nicht allein in der Erden / ſondern in der gan⸗ 
tzen Tieffe; Aber in des Liechts Weſen ging das Liecht der Natur 
vom Himmel auff / als aus der fünfften Eſſentia, daraus das 
Geſtirne erſchaffen ward / welche Eſſentz in der Erden und uͤber 
der Erden uͤberall iſt. 

16. Alſo blieb die Finſternuͤß indes Grimmes Eigenſchafft in 
der Erden Elſentz / und auch in der gantzen Tieffe dieſer Welt. 
Und das natuͤrliche blieb in des Liechts Eſſentz / als ein wuͤrckend 


etz 


70 Von den ſechs Tag wercken Gap.ızı 


Leben / durch welches das heilige Element wuͤrckete / in welchem 
Wuͤrcken das Paradeiß duch die Erde gruͤnete und Frucht trug 
biß auff den Fluch GOttes; da hoͤrte das heilige Gruͤnen oder 
Wachſen auff / und blieb das heilige Element als ein innerer Him⸗ 
mel in ſich ſtehen / und fuͤhrete doch feine Kraft durch das Natur» 
liecht aus / aber nicht mehr alſo maͤchtig als im Anfange; denn der 
Fluch iſt ihr Fliehen / wol kein Abtrennen / aber doch nicht mehr 
alſo als vor der Sünde des andern geſchaffenen Fuͤrſten des 
Adams. 

17. Alfo ift in der erften Bewegung des Verbi Fiatsder Him⸗ 
mel ( dasiftder Circk) fo weit fich Das Verbum Fiat hat zur 
Schöpffung eingegeben / gefaffet / oder gefchloffen worden ; und 
die Erde mit dem Verbo Fiat gefaffet/ und ans Planetifhe Radt 
gefchaffen worden. Undift unsalfo des erften Tages Schöpffung 
mitder Scheidung zuverfichen/ als des Liechts und der Finſter⸗ 
nüßs und mit dem Austreiben des Fürften Lueifers. 

18. Derierfte Tag mitden geoffenbahrten XBorte führete fich 
nun durch die andern fünf Tage durch / biß in den Ruhe⸗tag / da 
der Anfang wieder ins Ende / und das Ende wieder in Anfang 
eingehet. Denn die erſte Bewegung des Worts da fich das Siccht 
der Natur hat in der Eſſentz angezuͤndet / iſt die Freude der Crea- 
tion oder Geſchoͤpffes / die hat ſich mit den andern Tagen durch alle 
Eigenſchafften der Natur eroͤffnet / da man jede Eigenſchafft mag 
einen Himmel nennen; denn er hat und bringt feine ſonderliche 
Wuͤrckung in ſich mit in die andern / und hat ſich jeden Tag eine 
Eigenfchafft beweget und offenbahret / darinnen iſt cin ſonder⸗ 
liches Gewuͤrcke offenbahr worden. 

Vom 3weyten Tage. 

19. Den andern Tag heiſſen wir Montag: und darum / dag 
der Monde die erſte Stunde am Tage regiret; und mag auch 
wohl ſeyn / das die Alten Weiſen im Liechte der Natur haben et⸗ 
was davon verftanden / welches fte heimlich gehalten / und viel⸗ 
mehr mit Figuren gemahlet haben / als daß ſie das erfläret has 
ben: Daß ſie das gewißlich verflanden haben / iſt in den Na= 
nen der 7. Planeten zuſehen / dag fie ihnen haben Namen 
gegeben nach den 7. Eigenſchafften der Natur / welches mit der 
Natur (fowol mit ver Schöpfung ) ſo gank einſtimmet / dag 
mich duͤnckt / ſie haben ein theilden Grund der Schöpfung recht 
verſtanden / dieweil die Namen der Planeten ſo gantz genau 
aus der Natursfprache herruͤhren: Daßes aber nicht iſt klar 
ans Liecht gegeben worden / iſt die Urſache wie forne gemeldet / 

wegen 


er | e — 2 
Cap. 12 ver Schöpffung. FT 
wegen der falſchen Magia halben / daß es den Künftlern des 
Gaudel-fpiels inder Natur verborgen bliebe / wegen des grofe 
fen Mißbrauchs / dabey wirs auch noch follen bleiben laffen/ und 
Doch den Unfern gnug verftändig feyn wollen. 

20. So faget nun Mofes vom andern Tage alfo: Und GOTT 
ſprach: Esmwerde eine Veſte zwifchenden Waſſern / und die 
fey ein Unterſchied zwiſchen den Waſſern; Da machte GOTT 
die Veſte / und fiheidete das Waſſer unter der Veſte von dem 
MWaffer über der Veſte / und es gefchahe alſo / und Bott nennete die 
Veſte Himmels; da ward aus Abend une Morgen der zweyte Tag, 

21. Mefes fpricht / es fey ans Abend und Morgen der ander 
Tag worden / dasift/ aus der Offenbahrung des Erften ift die 
andere Offenbarung herfür gangen/ und fpricht ferner : Daf 
GOTT habedie Veſte des Himmelsden andern Tag gefchaffen/ 
und habe die Waſſer entfchieden / das unter der Veſte / von dem 
Waſſer uͤber der Veſte. Allhielieget nun die Verborgenheit / 
da-man uns bißher in einen weitabgelegenen Himmel / der über 
den Sternen auſſer dem Orthe dieſer Welt iſt / hat gewieſen: 
alſo blind iſt die Vernunfft an GOTT / dag fie nichts von ihme 
verſtehet / und nicht betrachtet / daß die Schrifft von GOTT ſa⸗ 
get: Bin nicht Ichs / der es alles erfuͤllet / und daß ihn Zeit 
und Staͤtte nicht abtheilen koͤnne: vielweniger iſt verſtanden 
worden / was das Waſſer über der Veſte ſey / welches fie 
ſchlecht wollen von einem weiten Orthe haben / als über den Sters 

nen / dahin man unsdennauch hat in Himmelgewiefen. 

22. Weil uns denn GOTT den Verſtand aus Gemden giebt / 
fo wollen wirs den unfern / fo es ergreifen mögen / darftellen / 
und wollen aber den felbft- Klugen ver äuffern Vernunfft / hier» 
mit nichts geſchrieben haben / denn ſte habens in Vernunft⸗Au⸗ 
‚gen / und kan ihnen nicht fehlen. Sie fönnenalles richten was 
der Geiſt GOttes offenbaret / das mug ihnen eine Ketzerey feyn/ 
ob ſie das gleich nicht verfichen / auff daß fie hauſſen bleiben / und 
nicht einſts GOTT erkennen. 

23. Die Veſte iſt der Schluß zwiſchen Zeit und Ewigkeit: 
Daß ſie aber GOTT Himmel heiffet / und einen Unterfehied 
der Waffern macht / iſt zuverſtehen dag der Himmel in der 
Welt iſt / unddie Weltift nicht im Himmel. 

24. Das Waſſer uͤber der Veſte iſt im Himmel / und das unter 
Der Veſte / iſt das auffere Materialiſche Waſſer. 

25. Allhie ſoll man den Unterſchied verſtehen zwiſchen dem 
heiligen um aͤuſſern Element · waſſer. Das Waſſer ae * 

eſte 


72 Dondenfechs Tag⸗wercken Cap.ız) 


Veſte ift Geiftlich inder Gebuhrt des heiligen Elements; und 
Das Waſſer unter ver Vefte ift tödlich / denn es iſt in der finftern 
Sınprefiion ergriffen der Fluch iſt darinnen / und die auffge⸗ 
wachte Eitelkeit / und iſt doch nicht ein Waſſer ohne das ander. 

26. Wenn ich das aͤuſſere Waſſer anſehe / ſo muß ich auch ſa⸗ 
gen / allhie iſt auch das Waſſer uͤber der Veſte / in dem Waſſer 
unter der Veſten: Aber die Veſte iſt das Mittel und der Schluß 
darinnen zwiſchen Zeit und Ewigkeit / daß keines das andere iſt; 
Und ich ſehe mit den Auffern Augen von dieſer Welt nur das 
Waſſer unter der Veſte: Aber das Waſſer uͤber der Veſte iſts / 
das GOTT in Chriſto hat zur Tauffe der Wiedergeburt einge⸗ 
ſetzt / nachdehme ſich das Wort der Krafft GOttes hat darinnen 
beweget. 

27. Nun iſt das aͤuſſere Waſſer des innern Werckzeug / und 
wird das innere Waſſer verſtanden: Dan der bewegende Geiſt 
im Worte iſts / der das innere Waſſer in der Tauffe regieret: 
Liebe Chriſten laſts euch geſaget ſeyn / es iſt der wahre Grund. 

28. Daß aber Moſes ſaget: GOTT habe die Veſte geſchaf⸗ 
fen und Himmel geheiſſen / das iſt die allerinnerlichſte Verbor⸗ 
genheit / da der irrdiſche Menſch nichts von verſtehen kan. Der 
Verſtand iſt blog in der Krafft des Waſſers uͤber der Veſte / als 
im Himmel / oder wie ichs ſetzen möchte / im Geiſte Gotkes / ſo er 
ſich im Menſchen / indem Waſſer uͤber der Veſte / welches in 
Adam feines Lebens verblich / erwecket / der ſiehet hindurch; ante 
derſt iſt kein Verſtand alhie / ſondern alles ſtumm. 

29. DW Schaffen vom Himmel wird verſtanden / wie das 
fprechende Wort hat die offenbahrte Kräffte der Geiftlichen 
Welt gefaffet / darinnen es offenbahr iſt / auch würdet und regi⸗ 
ret, Zum 2. wirds verftanden von den geoffenbahrten Krafften 
der äuffern Welt / welcheder Geiſt ins 4-elementifche Weſen 
gefaſſet / und in die äuffere Veſte gefchloffen / daß fie der Teuffel 
als der Zorn-fürfte/nicht mag ergreiffen/durch welche er mit deag 
innern Waffer würden wolte/ alfo dag die Kräffte der Ewigkeit 
durch die Kraffte der Zeit wuͤrcken gleich wie die Sonne das 
Waſſer durchſcheinet / und das Waſſer begreifft fie nicht/fondern 
fuͤhlet ſie nur; oder wie ein Feuer ein Eiſen durchgluͤet / und das 
Eiſen bleibet Eiſen: Alſo iſt auch der aͤuſſere Himmel / der leidet 
uñ der innere wuͤrcket durch ihn / und zeucht eine aͤuſſerliche Frucht 
aus dem aͤuſſern / da doch derinnere Himmel darinnen in der Veſte 
verborgen lieget / gleich wie GOTT in der Zeit verborgen iſt. 

30. Und iſt uns mit dem andern Tag-werck die ehe 

e 


Cap.rz BerSchöpffung. 73 


des innern hinumliſchen und äuffern himmliſchen Wefens / als 
des Warferqueiles Offenbahrung zu verftehen / verftchetder lie= 
ben Gigenſchafften Weſen / als die Leibligkeit oder das Gewuͤrcke 
der andern Sechs / da im aͤuſſern die Seele oder der Geiſt der 
aͤuſſern Welt innen wuͤrcket und regieret: Daſſelbe Gewuͤrcke 
wird in dem aͤuſſerſten Himmel gegen der Erden dem Monde 
zugeſchrieben / deun es iſt die Offenbahrung der Mondiſchen Ei⸗ 
genſchafft nicht des Sternes / welcher erſt am vierdten Tag⸗ werk⸗ 
te zum Kegirer darein ins aͤuſſere geſchaffen ward / ſondern dieſel⸗ 
be Eigenſchafft im ſtummen aͤuſſern Leben / als im wachſenden: 
Das wachſende Leben ward am dritten Tage eröffnet. 

31. Undals GOTT das Waſſer auff Erden hat in ſondere 
Oerther geordnet / ſo bewegete er das aͤuſſere ausgeſprochene Wort 
in dein wachſenden $chen. So ſpricht nun Moſes: GOTT habe 
geſprochen: Die Erde laſſe auffgehen Kraut und Graz / das ſich 
beſaame / und fruchtbahre Baͤume / da ein jegliches nach feiner Art 
Frucht trage / und habe ein jeglich ſeinen Saamen bey ſich / und als 
dieſes geſchehen ſey / ſo ſey aus Abend und Morgen der dritte Tag 


worden. 

Vom dritten Tage der Schoͤpffung, 
. 32. Inder ewigen Natur Urftand/ welche ein ewiger Ur» 
fand ift / findet mandie Offenbahrung der fechs Tageswerde 
klar / wie fie das ewige Wort habe aus dem Unfthtbahren Geiſt⸗ 
lihenins Sichtbahre ausgeführet; auch fo findet man am Pla⸗ 
netifchen Rade die Forme/wer dig nur begreiffer mag. 

33: Denninder ewigen Natur-gebuhrsifts ein ewiger Zug. 
Was GOTT hatin ſechs Unterfcheiden / welche Tage⸗wercke 
heiffen/offenbabret und fichtbahr gemacht / das ſtehet in der ewigen 
Natur in ſechs unterfhiedlihen Graden in dem Weſen / alsin 
der ſiebenden Eigenſchafft / in welcher die ſechs Gradus der Natur 
wuͤrcken / und doch auch ewig vom Würden ruhen s je find felber 
das Würden welches fie indie Siebende eingeben / als in iht 
ſelbſt eigene Ruhe / darinnen ihr Bolkommenheit und Offenbah⸗ 
rung ſtehet. 

34: Und iſt uns mit dem Schaffen anders nichts zu verſtehen / 
als daß das Verbum kiat habe die Geiſtliche Gebuhrt gefafſet / 
und in ein ſichtbar aͤuſſerlich Regiment und Weſen eingefuͤhret. 
Denn da ſehen wirs in Molis Schriften klar: Wiewohl wir den 
Spiegel anderſt zum ſehen haben: dag als GOTT den erſten 
Tag das Grobe in einen Klumpff geſchaffen hatte / ſo hat Er aus 
demſelben erſten Tage⸗werck das Subtile ausgefuͤhrt / und die 

* D Waſſer 


74 Von den ſechs Tag wercken c. Cap.ızi 


Waſſer / als das Geiſtliche Weſen entſchieden und gefaſſet / und 
aus dem erſten Tage / als aus der heiligen Krafft ausgefuͤhret in 
eine Zeit / als aus dem ewigen Tage in einen anfaͤnglichen Tag. 

35. Die dritte Ausführung des dritten Tag-wercks iſt nun 
das bewegliche wachſende Leben / in deme das Liecht der Natur 
war am erſten Tage in der Eſſentz des Weſens auff eine aͤuſſer⸗ 
liche Art ſcheinend worden / ſo ſchien es nun durch den andern 
Tag / als durch das Waßer und Himmel / und in dieſem Schein 
bewegte ſich das ausgeſprochene Wort in der Eſſentz und wuͤrcke⸗ 
te / allda gruͤnete die Krafft des ausgeſprochenen Worts aus dem 
Liechte der innern Natur / durch die aͤuſſere Natur aus dem Him⸗ 
mel durch die Erden aus» Jetzt hat der Gewaltige feine Herr⸗ 
ſchafft verlohren / der ein Koͤnig und groſſer Fuͤrſt war; denn 
Die Eſſentz des Grimmes ward im Liechte der Natur gefangen / 
und Er mit. Alſo lieget er zwiſchen Zeit und Ewigkeit in der 
Finſternuͤß gefangen big ins Gerichte GOttes. 

36. In dem dritten Tage⸗werck iſt das Sulphurifche /_ Mere 
eurialiſche und Saltziſche Leben aus dem Centro, in der aͤuſſern 
Welt Eigenſchafft eroͤffnet worden aus der Angſt / und da doch 
Feine Angſt verſtanden wird biß ans Feuer / fondern nur ein 
unfuͤhlend treibend Leben / als ein Wachstuhm: Dan der Fewer⸗ 
blitz entſtehet aus der Angſt / als aus der dritten Geſtalt der Na⸗ 
tur / und derſelb iſt der Salnitriſche Schrack / welcher die Kraͤffte 
in den Eigenſchafften entſcheidet / der iſt im dritten Tage-werck 
beweget worden; da haben ſich die Eigenſchafften eroͤffnet / und 
ſind im Salnitriſchen Schracke ausgegangen / ein jede aus ſich 
ſelber / welche die Impreſſion wieder in ſich gefaſſet / und in dem 
Waſſer cörperlich gemacht; und daraus iſt auff⸗ und aus⸗gegan⸗ 
gen Baͤume / Kraͤuter und Graß / eine jede Eigenſchafft iſt im 
Salniter ausdringende worden / und hat ſich mit einer Fru 
Dffenbahret; da man denn fichet / wie fich der finftern Welt Eis 
genfchafft inder äuffern Krafft mächtig mit eingedrengt hat; 
Deromegen etliche Kräuter und Gewaͤchſe giftig und böfe finds 
Denn die Erdeift aus beyden innern Welten in eine Compadtion 
gegangen. 

37. Nun hat Mars am Dinftagedicerfte Stumdedes Tages 
im Negiment/ welcher Tag ift der drittein der Schöpfung ; 
und diefer Salnitrifche Feuerſchrack ift eben des Martis Eigen= 
ſchafft / wie er ift grimmig und feurig /alfo iſt auch dieſe Eigen 
ſchafft im Sulphur / da wir denn den Salnitrifhen Schrad für 
den gifftigen Mars verſtehen / der die Hrfache des mn = 

| ägen 


Sap.rz. Bon Erſchaff: des sten Tages. 75 


Kägens ift; und der Stachel in der erften Impreſſſon in der 
ewigen Natur/ alsin der finftern Welt. 

38. Am dritten Tag-werde hat GOTT die dritte Eigen⸗ 
fhafft der Natur beweget / alsden Schwefel⸗quall / in welchen 
fichdas Feuer angezündet; und im Feuersfihracke ift die Thei⸗ 
fung der Kräffte / da eine jede Eigenfchafft iſt in fich felber offen⸗ 
bahr worden: Sofprah nun GOTT: Die Erde laffe auffge- 
hen Graß / Krautund Baͤume / das iftandersnichts / als er hat 
das ausgeſprochene Wort der Kraͤffte in den Eigenſchafften bes 
weget; ſo haben die Eigenſchaften das Liecht der Natur in ſich 
empfunden / davon ſind ſie hungerig worden / und haben ſich im⸗ 
preſſet / das iſt gefaſſet und compactiret oder coaguliret. Weil 
fich dan das Liecht der Natur anjetzo hat in einer Empfindligkeit 
gefunden, und die Natur im füffen Liechte / fo iſt dadurch in der 
Coagulation die Freudenreich auffgegangen/als das Ausdringen 
oder Wachstuhm. Dan alles Wachstuhm ſtehet im Liechte und 
Waſſer / wenn das Liecht den Sulpyur und Waſſer⸗-quell durch⸗ 
dringt / ſo fpringt Mars fuͤr groſſen Freuden im Sulphur auff. 

39. Dieſe Eröffnung hat ſich am dritten Tage angefangenf 
und währet biß ans Ende der belt ; den erften Tag war die 
Erde wüfte und leer / denn die Mögligkeit zum wachen war noch 
sicht eröffnet: Allyie ward die Erde beweget und die Eigen 
fchafften eröffnet; undnichtalleindie Erde / ſondern die gantze 
Zieffe in Centro der äuffern Natur machte ftch aͤuſſerlich / und 
lich doch auch innerlich. 


Das 13. Capittel. 


Von Erſchaffung des vierdten Tages. 


x. En vierdten Taghat Mereurius dieerfte Stunde 
des Tages / der machtdas fühlente geben. Allhie 
verftchet man den Grund der Offenbahrung der 
innern Natur ins äuffere gantz eigentlich / den 
am vicrdten Tage ward die Sonne ımd Sternen 

geſchaffen / die ſind das rechte Mercurialiſche Seben. Allhie hat 

ſich die Fewers Eigenſchafft im Schwefel⸗quaal durchs Waſſer 
eroͤffnet / und iſt die fuͤnffte Eſſentz durchs Liecht der Natur of⸗ 
fenbahr worden / als ein Oehle vom Fewer und Waſſer aus dem 

Sulphur / welches iſt ein Mercurius Salnitti, ein anzuͤndlicher 

Aeccutĩus, ein iebendiger fuͤhlender. Er 

h D 2 2. 38 


76 Bon Erfchaffung Cap.ızı 


2. In der dritten Geftalt der Naturift ein unfuͤhlend Leben 
im Sulphur und Mercurio, aberin der vierdten iſt ein fühlen? 
geben; denn im Fewer werden die Eigenfchaften peinlich / und 
am Dehlifchen werden fie fanffteund freudenreich: So ift num die 
Bewegung im Oehliſchen von der Peinligkeit fühlig. 

3. Alhie verftehet man nun gang gründlich / wie fidh die 
Scheidung im Feuer der ewigen Natur habe im fichtbaren We— 
fen der auffern Welt mit einer Formligkeit offenbaret: Denn 
ander Anzündung des Fewers im SalniteriſchenSchracke ſchei⸗ 
Den fich zwey Weſen / alsein Wägerifchesvon der Verzehrlig⸗ 
teitim Fewer / da das Fewer den rauen Quaal der Impreflion 
in fich verzehrt / fo gehet ausder Verzehrung eine groffe Sänffte 
aus / die ift dem Fewer erftorben und ft unfühlig / und giebt den 
Waſſer-quaal. 

4. Zum zweyten ſcheidet ſich der feuriſche Quaal / als die Ei⸗ 
genſchafften zum Feuer⸗quaal / welche jetzt mit der Anzuͤndung 
Des Feuers ſeynd peinlich und fuͤhlich worden / auch in fein Princi- 
pium: Diefer Feuer⸗quaal moͤchte nicht beſtehen / ſo er nicht das 
Waſſer wieder in ſich ſchluͤnge / davon er ſich ſtaͤrckt; davon denn 
auch der Salnitriſche Schrack entſtehet / da der Grim fürm We⸗ 
ſen der Sanfftmuht des Waſſers erſchrickt / davon das fuͤhlen / ſo 
wohl auch der Glantz des Feuers entſtehet. 

5. Dan das eingeſchlungene vom Waſſer ins Feuer / wird in 
ein Geiſtlich Oehle refolviret/in welchem das Feuer ſcheinet / und 
aus dem Oehle gehet die Lufft / als der webende Geiſt des Feuers) 
welcher im Feuer iſt beweglich worden. 

6. Die Lufft iſt anders nichts / als das bewegliche Leben / da fich 
Das ſprechende Wort durch die Natur / durch die Kraͤfte der Na> 
tur / durchs Feuer im Dehleder Natur des Liechts / im Waſſer⸗ 
quelle ausfuͤhret. Sie iſt des Fewers Leben: aber ſte iſt dem 
Feuer erſtorben / und wird doch vom Fewer offenbahr; fir ift das 
schen der Natur nach der Eigenſchafft der Sanfftmuht. 

7. Alſo find ung mit der Anzuͤndung des Fewers im Liechte des 
Fewers / welches iſt das Liecht der Natur / 4. Eigenſchafften zu⸗ 
verftehen : Als eine ſeuriſche / eine lufftiſche / und eine oͤhliſche dar⸗ 
innen das Liecht offenbahr iſt / und eine waͤßeriſche; die urſtaͤnden 
urſpruͤnglichen alle aus der erſten Begierde zur Natur / indehme 
ſich die freye Luſt in eine Begierde und Natur einfuͤhrt; und 
führen ſich ale durchs Feuer aus in cin beweglich Leben / und da 
es doch kein verſtaͤndlich Leben iſt fondern nur Eigenfchafften 
zum wahren Leben. Das verſtaͤndliche Leben iſt das + 


Sanıız? ¶ des vierdten Tages. 77 


Wort / das fih durch die Eigenfchafften offenbahret. Diefe Ei= 
genfihafften find in dein Schuff / das ift/im Verbo Fiat impref- 
fet / undin eine Wefenheit eingegangen / daraus ift ein Sulphur 
Salnitri worden/dasiftein Magiſch Geftirne/auff AIrt und Wei⸗ 
ſe wie das Menſchliche Gemuͤhte iſt / welches auch ſeinen wahren 
Urftand daraus hat. 

8. Diefe Salnitrifche und Sulphurifche Eigenſchafft iſt aus 
dem dritten Tage⸗wercke / als aus dem Fewer⸗ſchracke ausgefüha 
ret worden/ und iſt daraus entſtanden die vierdte Bewegung / als 
die Mercurialiſche / welche das Fiat gefaffet/un in ſich geimpreſſet / 
und ſichtbahr gemacht hat; das ſind die Sternen / welche anders 
nichts ſind als Eigenſchafften der Kraͤffte der Natur: Was die 
Natur in einem kleinen Fuͤncklein in ſich ſelber iſt / das iſt das 
gantze Geſtirne in ſeinem Circke; und was die Natur in ihrer 
Heimligkeit und Verborgenheit iſt / das iſt das Geſtirne in ei⸗ 
nem offenen wuͤrckendem Weſen. Das iſt alſo zuverſtehen: 

9. Ein jeder Stern hat aller Sternen Eigenſchafft in ſich / 
aber in der Natur verborgen / und iſt nur in einer einigen Eigen⸗ 
ſchaft offenbahr; ſonſten wo in einem jeden Dinge die gantze Na⸗ 
fur offenbar waͤre / fo wären alle Dinge und Wefen nur ein 
Ding und Wefen ; und darum hat GOTT durch fein ſchallendes 
Wortden Sulphur Salnieri nach den Eigenfhafften beweget / daß 
die Unterfchiedligkeit offenbahr werde / und diefelbe Offenbah⸗ 
rung iffein Mercurias: Denn das ewig-fprechende Wort / wela 
ches GOTT heiffet/hat feinen Halloder Willen durch die Natur 
geoffenbahret. 

10. Darum iſt das gantze Geſtirne als ein ausgehauchter 
Hall der Kraͤffte / ein ausgeſprochen Wort / das wieder fein Aus⸗ 
hallen und Sprechen ausden Eigenſchafften aus ſich giebt; es iſt 
ein Nachhallen aus GOttes Liebe und Zorn / aus der finſtern⸗ 
und Sicht-welt. 

‚20. Nach dem Geftirne find Die 4. Elemente / welche auch aus 
dieſem Quell⸗brunnen urſtaͤnden / Die haben auch ihr Aus hauchen 
aus ſich / ſte ſprechen auch ihre Eigenfchaften aus fich / und find ale 
ein Leib der Sternen. Denn ſie ſprechen oder hauchen ein leiblich 
Weſen aus ſich / und die Sternen hauchen ein Geiſtlich Weſen 
aus ſich / und daſſelbe beyderley Weſen herrſchet in der ſichtbaren 
Welt ineinander / als Leib und Seel. 

12. Und fuͤgen euch das recht zuverſtehen: In jedem Element 
lieget ein gantzes Geſtirne; das Fewer hat ein gang Geſtirne in 
ſich / alſo auch die Lufft / Waſſer "> Erde / aber es iſt in ihnen 
3 nicht 


“ 


78 Bon Erfchaffung Eap.ı3? 
nicht offenbahr: Darumhat GOTT den Locum diefer Welt 
mitcinem offenbahren Geftirne geſchloſſen / dag fiedas ander 
Beftirne inden 4. Elementen anzuͤnden / daß das offenbahre Ge⸗ 
ſtirne in dem Myfterio der Berborgenheit wuͤrcke / als indem Ges 
flirne der 4. Elementen / und Wunder gebähre. Denn alfomag 
sine wunderlichere Figur und Eigenfchafft aus einem Dinge ges 
bracht werden] als fonftdereigenen Natur in fich nicht möglich 
iſt zu tuhn. 

13. Alſo auch iſt uns zu erkennen / daß ein Geſtirne in Magia 
divina ſey / welches iſt der Quellbruñ des ewigen Gemuͤhtes des 
Ungrundes / daraus die Natur und alle Weſen ſind entſtanden: 
Alſo auch ein Geſtirne in der offenbaren himliſchen Welt / und 
auch ein Geſtirne in der finſtern hoͤlliſchen Welt; und dieſelbe 
Geſtirne alleſamt ſind nur ein einiges Geſtirne / ſcheiden ſich aber 
in uͤnterſchiedliche Gradus und Principia; was in der aͤuſſern 
Welt in der Figur offen ftehet/ das ftehet in der Geiftlichen 
Welt in Krafft offenbahr/und nicht in Formen. 

24. Alfo verftehen wir / daß das Verbum Fiat am vierdfen 
Tage die vierdte Eigenfchafft der Natur beweget / als die fünffte 
Effeng / und aus der Sulphurifchen Eigenfchafft aus dein Feuers 
ſchracke / als aus der dritten Eigenfihaft eröffnet, Undift alfo 
ein Beftirne in der $ufft offenbar worden / welches die ſichtbah⸗ 
ren Sternen find; Und ein Geflirne im Fewer / welches das vers 
münfftige Leben aller Ereaturenift; Und ein Beftirne im Waſ⸗ 
fer / welches das wachfende Leben iſt; Und ein Geftirn in der 
Erden / welches das grimme irrdiſche Sehen ift. 

15. Das Feurifche gibt Seel / unddas Lufftiſche gibt Geiſt; 
Das Waärferifche gibt das Gehäufe der Seelen und des Geiſtes / 
als Blut / darinnen die Tinctur vom Fewer und giechte wohnet / 
und das Irrdiſche gibt Fleiſch; Und da doch alle vier Geffirne 
ein jedes einen Geiſt und Leib nach ſeiner Eigenſchafft gibt. Al⸗ 
leine alſo hat GOTT eins ins ander gefuͤget / daß eins im andern 
offenbahr werde / und zuſammen nur ein Leib ſey / gleich wie alle 
vier Elementa nur ein&lement feynd/theilen fich aber in vier Ei⸗ 
genfchaften/nach dem Centro der Natur. 

16. Diefevier Geftirne erbähren aus fich ihren Ambtmann / 
als die Auffere Natur) das ift die Seele der Auffern Welt / als ein 
frätswährendes Gemuͤhte / darinnen die Allvermögenheit lieget/ 
als ein offenbahr groſſes Myfterium: In diefem Ambtmann haf 
GOTT einen König / oder wie ichs in Gleichnuͤßz fegen möchte? 
einen Natur⸗ GOTT grweckt und erbohren / mit ſechs — 

we 


Sap.ız. des vierdten Tages. 79 


welche feine Gehuͤlfen ſind / das iſt die Sonne mit den andern ſechs 
Dlanet:Sternen / welche aus den ſieben Eigenſchafften aus dem 
Loco Solis ausgeſprochen ſind / und im Sprechen in ein draͤhend 
Radt / nach Eigenſchafft der ewigen Erbaͤhrung / im Centro der 
Natur eingefuͤhret; und ſolches in ſieben Gradibus aus der Ge⸗ 
buhrt eroͤffnet: Da denn der erſte Grad der Bewegung im Liechte 
der Natur / von der innern Geiſtlichen Fewer⸗ und Liecht⸗welt iſt 
die Sonne geweſen / welche ihren Glantz von der Tinctur der in⸗ 
nern Fewer und Liecht⸗welt nimt/ Die ſtehet als ein eroͤffneter 
Punct gegen der Fewer⸗welt. 

17. Und mit dem Aushauchen iſt das fechsfältige geben / der 6. 
Gradus der Tage⸗wercke und Geſtaͤltnuͤß des Centri raußwartz 
gegangen / und hat ſich geſchieden nach Art der ewigen Geburt? 
Als erſtlich Venus, welche iſt der Waſſerquaal aus der Sanfft⸗ 
muth aus der Toͤdtung im Feuer / welcher vom Feuer eine Begier⸗ 
de der Sanfftmuth iſt / denn das Feuer zuͤndet die Sanfftmuth 
an / davon fie begehrend wird / das iſt nun die Liebe-Begierde nach 
dem Geiſte / und nach ihrem Weſen iſt fie Waſſer / welch Waſſer 
in den Metallen das Edle Corpus Solis giebt. 

18. Dieſe Venus, weil ſie mit ihrem eigenen Natur⸗Recht iſt 
dem Feuer erſtorben / iſt unter ſich ſinckend / und gibt das heilige 
Waſſer / verſtehet nach ihrer ſelbſt-⸗Eigenſchafft / welches im Gei⸗ 
ſte heilig iſt und aber im Weſen mit im Grimme ergriffen / da 
gibts materialiſch Waffer nach der Toͤdligkeit; fie giebt allen 
fieben Metallen Leib / undallen fechs Planeten Weſen / miein 
Metallen zu fehenift; denn einjeder Planet macht ihr Weſen 
infeiner Eigenfhafft nach ſich alsdie Sonne in Gold / der 
Mondein Silber/ Jupiter in Zinn / Saturnus in Bley/Mercurius 
in Quedfilber/ Marsin Eifen/ und ift doc) nur das Weſen der 
einigen Venus Eigenfchafft / aber fie geben ihre Krafft und Geift 
darein / und hakten das Corpus für dasihre/ weilfiedaffelbe res 
giren, 

19. Diefer Venus Eigenſchafft iſt im Loco Solis mit dent ers 
fen Ausgange unter fich gefunden/und der Feuerquall über ſich / 
der ift Mars, und ausder Venus Eigenfchafft unter fich der ſchwe⸗ 
te Schalljdas iſt Mercurius aufm Sulphure Salnitri durchs Waſ⸗ 
fer / und über fich aufm Marte die Krafft des Feuers und Liechts / 
das ift Jupiter , und unter fihh aus Mercurio das Weſen der Bes 
gierde / dadie Venus in ihrer feurifchen Begierde das Weſen er⸗ 
greifetl alsein Corpus der Kräffte/das ift Luna, und ar Ju- 
piter Saturnus , als die ausgehauchte Impreſſton der erften Ge⸗ 
Walt der Natur, — D4 20, Dite 


‚ 
N; 


80 Bon &rfchaff: des stein Tages. Cap.ra? 


20..Diefe Eigenfchafften find im Ausfprechen / im Umbdre⸗ 
‚ ben geftanden / auff Art wie die Gebuhrtder Naturinder El- 
ſentz ift / die hat das Verbum Fiat ergriffen / und inein Corpus 
gefaſſet / und zum Regiment in die vier Geftirne geordnet / über 
welche er feine Englifche Regenten / als einen obern Raht geord⸗ 
net hat / welches wir allpier nur andeuten / und an einem andern 
Orthe ausgeführet haben. 


Das 14. Capittel. 
Bon Erſchaffung des fünfften Tages. 


x. Ls nun GOTT das Geftirne und vier Elementa / 
als ein webend $chen eröffnet hatte darinnen das 
ober Geflirne die Unterſchiedligkeit indem weben⸗ 
den Leben eingab / und dievier Geflirne inden vier 
Elementen räge machte; fo führte er den Nach- oder 

Aushallaus der Effeng aller Geftirne und Elemente / durch Bes 
wegung feines fprechenden Worts im Verbo Fiat aus/ als die 
Krafft deſſelben Lebens / welche von der Peinligkeit frey war / 
und faffete fie durchs Verbum Fiat , und ſprach mit dem heiligen 
ervigsfprechenden Worte durchs Fiat , daffelbe Sehen in Geftalts 
nuͤſſe / nach den Eigenfchafften der Geftirne im geiftlichen Cor- 
pore , in welchen Das Fiar oder die Begierde die Elemente nach 
dem aͤuſſern Weſen an ſich zog / als einen Leib. 

2. Und daraus wurden Creaturen in allen vier Elementen / 
in jedem Geſtirne nach feiner Eigenſchafft / als Voͤgel im Ge⸗ 
ſtirne der Lufft / Fiſche im Geſtirne des Waſſers / Thiere und 
Vier fuͤſſiges aus dem Geſtirne der Erden und aller vier Elemen— 
ten / ſo wohl Geiſter imFeuer⸗geſtirne / welches auch in den andern 
Elementen iſt; Und ſihet man das gar feine im Unterſcheid der 
Creaturen / wie die Gradus der Geſtirne alſo unterſchiedlich 
ſind: Denn die Wuͤrme der Erden leben im dritten Grad / als 
im Feuer⸗ſchrack / im Sulphure, Marte und Mercurio im unver⸗ 
ſtaͤndlichen Leben / und da ſie doch einen Berſtand haben durch An⸗ 
zuͤndung des obern Geſtirnes / in welchem dritten Geſtirne in der 
Eigenſchafft auch Graß / Kraut und Baͤume ſtehen / und ſich aber 
auch des Obern in der Anzuͤndung behelffen / durch welches ſie an⸗ 
derſt qualificiret werden. 

3. Und ſehen wie ein jedes Geſchlecht einen Geiſt und Leib 
nach dem Gradu feines Geſtirnes habe; denn man verſtehet daß 

aus 


nd 


Cap.r4. Bon Erſchaff· des sten Tages. 81 


aus einem Geftirne vielerley Befchlechte kommen / das machts? 
daß ein jedes Geſtirne wieder feine Gradus in fich hat. Denn ce 
lieget in jedem Gejtirne/ was alle Geftirne find / aber in unter» 
ſchiedlichen Gradibus in der Offenbahrung / darumb find die Ei⸗ 
genfchafften in jedem Geftirne vielfältig : alfo find auch vielerley 
Gefchlechte aus jedem Geftirne gegangen. Der Geiſt jedes Ge⸗ 
ſchlechts iſt aus dem Geftirne: Aber der vier Elementen müffere 
fih alle Gefchlechte brauchen / denn fie urftänden aus dem 
Quell⸗brunnen / da alle Geftirne urftänden. 

: 4. Den fünfften Tag hat Jupiter die erfte Stunde des Tages 
unter den Planeten das Regiment / und ſolches daher / daß er 
aus dem fünften Grad der Natur / alsaus der Krafft des ſul⸗ 
phuriſchen und falnitrifchen Hehles in der Erfchaffung des Gt⸗ 
ffirnes feinen Urftand hats und daß am fünfften Tage diefe Joa 
vialiſche Eigenfchafft ift eröffnet / und aus der vierdten Tages ⸗ 
Eigenfchafft ausgeführet worden / als ein Feibliches Eräftiges 
Leben aus allen Geſtirnen; in welches geben GOTT alle Crea⸗ 
turen auffer dem Menfchen gefchaffen hat / ein jedes aus feiner 
Eigenfchafft feines Geftirns aus feinem Gradu : auff daß fie alle 
in der Seeleder Auffern Natur lebeten / und unter einem Ambt⸗ 
mann geregiv.et wuͤrden / welcher iftdas äuffere Geſtirne darin⸗ 
nen die Sonne der Regente ift, 

5. Ein jedes Geſtirne hat feine Compaction des Sulphurs und 
Mercurii, der Sulphur gibt Weſen / und der Mercurius gibt Geiſt 
ins Weſen / und aus dieſen beyden wird das Saltz / als aus dem 
Scharffen Fiat nach Eigenſchafft des Sulphurs und Mercurii er⸗ 
bohren: und aus dieſen drey Eigenſchafften / als aus dem Sul- 
phure, Mercurio und Sale ſind alle Creaturen in ein Leben und 
Geſchoͤpffe eingegangen; und was nun vor ein Sulphur an je⸗ 
dem Orthe / in jedem Punto iſt in der Eigenſchafft in der Bewe⸗ 

gung der fünften Eigenſchafft in allen vier Elementen im Fiat 
ergriffen worden: eine ſolche Creatur ift eröffnet worden; Wie die 
Compaction in jedem Pun&o ift coaguliret worden / alfo hat ein 
jedes feinen Geift und Saamen in fich gehabt zum wiederge⸗ 
bahren. 

6, Die zweyerley Geſchlechte / als das Männleinund fein 
Weiblein urftänden von der Scheidung des Waſſers und 
Seuers-Tinetur im Sulphur. Denn im Verbo Fiat ift die 
Scheidung gemwefen: da aus einem Sulphur in einem einigen 
Pun&o find zweyerley Geſchlechte aus einem Weſen gegangen? 
als die feuriſche Eigenfchafft in 8 ſelber zu einem — 

5 


# 


8: Don Srfchaffides sten Tages. Cap.14. 


und die Sicchts oder Waffers Eigenfharft zu einem Weiblein / 
da fich denn die zwey Tincturen gefihieden haben. 

7. Und wie man Jichet / daß das Feuer ohne das Waſſer nicht 
brennen koͤnte umd das Waſſer ohne das Feuer ein Nichts waͤ⸗ 
re ; und einander felber gebähren und doch auch hefftig wieder bee 
gehren / und ihr recht Leben in ihrer Conjundtion ftehet/indehme 
fie einander erbohren haben / und hernacher wieder in Eins ein⸗ 
gehen / da fie dan fich im Feuer wieder in Eins verwandeln/ und 
wieder in einem Weſen vom Feuer ausgehen / alsin einer öhlis 
ſchen Eigenfchafft / in welcher fte am Bande der höchften Liebe⸗ 
begierde ftchen / denn ihr Liecht feheint im Oehle. Und wie die 
Feuer⸗welt der Siecht-welt begehret / und die Liecht-welt der 
Feuer⸗welt / als Batter und Sohn: Alfo ift uns imgleichen von 
den zweyerley Gefhlechten zu verftchen. 

8. Das Weibel ift aus dem Männel) als die Liechts⸗ und 
Waſſers⸗Tinctur aus der feurifchen / und gehören inder Na⸗ 
tur in Eins. Alfo mag eins das ander nicht entrahten / und ha> 
ben ein hefftiges Saͤhnen nach einander : denn des Liechts / als 
Veneris Tindur ‚begehretdes Feuers / und das Feuer des Liechts / 
als feiner Sänfftigung. 

9. Denn Venus gibt Weſen / und das Feuer nimtdas Weſen 
zu feinem Leben / und gibt aus dem eingenommenen ABefen das 
Vecht / und in den feurifchen Liechte das Oehle und aus dem Oeh⸗ 
le wieder das Waſſer und Weſen; und davon komts / daß ſich 
alle Creaturen / ein jedes mit ſeinem eigenen Geſchlechte begeh⸗ 
ret zu vermiſchen / und gebaͤhren alſo das dritte aus ſich / als ei⸗ 
ne Gleichheit nach zweyen in eins: Ein jeder Ens ein Gleichnuͤß 
nach ſich aus ihme. 

zo, Und ſehen klar / wie ein jedes Geſchlechte aus einem forte 
derlichen Ens , ein jedes aus einem andern Gradu geſchaffen ſey / 
und wie ein jedes Geſchlechte in ſeiner Mutter / daraus es ſeinen 
Urſtand hat genommen / lebet / und in einem andern Gradu nicht 
Icbenkan: Alsdie Thier auff Erden / welche ein Limusder Ers 
den und der Lufft find /darinnen fie leben / und davon fie fich neh⸗ 
zen; denn das Fiat hat fie aus der Erden Eigenfchafft ausgezo> 
gen) und in der sten Offenbahrung der Efleng gefaffet/ als cinen 
Sulphur des sten Ens , deme die vier anhangen. 

a1. Die Boͤgel ſind in dem Sulphareder Sufft gefchaffen wor⸗ 
den / darumb fliegen fie in ihrer Mutter : alfo die Fifche im Sul« 
phure des Waſſers / und die Würme im Sulphure der Ers 
zen: Allfo lebet auch ein jedes in feiner Mutter / Daraus cs im 

Anfangs 


Cap.ız. Von dem ſechſten Tageswerdiic. 33 
Anfange worden ift/ und das Widrige ift fein Todt. 

x2. Undift diefer Zeit Weſen und geben anders nichts als eine 
Befchaufigkeit der innern geiftlichen Welt/ was die Mögligkeit 
der Ewigkeit in fich habe; was für eingeiftlich Spiel im Ente 
der innern geiftfichen Welt iſt / demſelben nach ifts in ein Ge⸗ 
fchöpffe aus Bög und Gut in eine Zeit eingegangen / und ſolches 
durch Bewegung GOttes. 

13. Und ift hiemit dem Fuͤrſten des Loci diefer Welt fein 
Reich und Regiment engogen worden; denn das Ens hat fich in 
ein ander Principium eingeführt/ darinnen ernicht feyn fan 7 
denn er ift nicht in dieſem Principio zur Ereatur worden/ und 
hat kein geben darinnen / als nur in der erweckten Grinuues⸗ Ei⸗ 
genſchafft in der Eitelkeit. 


Das 15. Capittel. 
Bon dem ſechſten Tage⸗werck der Schoͤpffung. 


1. Er ſechſte Tag in der Schoͤpffung iſt der Frey⸗ 
tag / an welchem Venus die erſte Stunde des Ta⸗ 
ges regieret / welches uns recht andeutet die 
Ordnung der Gradus, wie ſich das ewig ſprech⸗ 
ende Wort habe mit der Natur durch die Zeit 

offenbahret / wieder Geiſt habe die ſechs Eigenſchafften der Na⸗ 

tur in ſechs Gradus oder Tagen ausgefuͤhrt in ein wuͤrckend Le⸗ 
ben / und habe fie aber alle wieder in den ſiebenden eingeführt / 
als in die Ruhe oder indie Städte darinnen fie würden follen/ 
init Andeutung / def alles das jenige / was fie würdetenund 
offenbahrten aus den Wundern der ewigen Weißheit / folte 
wieder in das Eine / als in die Ruhe eingehen ; welches ift die 
fiebende Eigenfchafft / als ein Gehaͤuſe des wuͤrckenden Lebens / 
darinnen es als eine Figur zur Befchauligkeit der groffen Herr⸗ 
ligkeit GOttes ſtehen folte. 

2. Als nun GOTT hat die fuͤnff Tage der Natur durch fünff 
Eigenföhafften oder Gradus ausgeführet / alsin 5. Geftirne f 
welches wohl nicht alle Geftirne find; aber doch ein Quellbruũ 
einer geftirneten Eigenfchafft / alseinen fonderlichen Himmel/ 
wie mans etwan fegen möchte zum Berftande / fohat er am fech> 
fen Tage aus der Jovinlifchen Eigenſchafft / alsausdem 5 tere 
Geftirne das fechfte ausgeführt / als aus der Jovialifchen Krafft 
die fennrifche Siebesbegierde / damit er durch alle Beftirne regie= 
xet / dapon dan alles schen a is nach feiner — 

ei 


34 Von dem ſechſten Tageswerdire. Cap.ız, 


heit / als wieder nach einem folhen Geſchoͤpffe / wie ein jedes Le⸗ 
ben in fich iſt. 

3. Ein jedes schen begehrt in diefer Venus-Eigenfchafft wie: 
der cin folches zu gebähren / als es in ſich felber ift ; Davon komt 
. Die heftige Imagination und feurifche Begierde / das die Eigen» 

ſchafflen wieder in Eins begehren/als in den Quell⸗ brunn daraus 
Ne gegangen find / denn in demſelben mögen ſie die Gleichheit aus 
ſich gebaͤhren. 

4. Als nun GOTT hatte dieſe feuriſche Liebe-begierde außm 
Lentro durch alle Eigenſchafften ausgeführt / fo war die Natur 
jest in diefer Liebe⸗Eigenſchafft begierlich der Gleichnuͤß GOt⸗ 
tes / als einer Bildnuͤß nach und in der heiligen Siebe-begierde 
Gebaͤhrung / daß dieſes heilige Geſtirne der Rebe-begierde auch 
moͤchte Creatuͤrlich und Figuͤrlich ſeyn. 

5. Und weil dieſe Liebe-begierde aus allen Eigenſchafften der 
Natur / und der Hinumel / als aus dem Verbo Fiat, darinnen 

‚alles Geſchoͤpffe von Ewigkeit in einem Myfterio gelegen } war 
ausgeführet worden ; und in eine Scheidung / als in einen ſon⸗ 
derlichen Grad eingegangen / fo lüfterte jest die Eigenfchafft ein 
Bild aller Gradus oder Eigenſchafften zu ſeyn / als ein lebendiges 
vernuͤnfftiges und verſtaͤndiges Bilde / nach der Offenbahrung 
dieſer geoffenbahrten Eigenſchafft. 

6. So ſprach nun das ſprechende Wort im Verbo Fiat: Laſ⸗ 
ſet uns Menſchen machen das iſt / aus dem Meſch aller Weſen / 
aus aller Kraͤfften Eigenſchafft und Geftirnen/ einen Limum 
aus allen Weſen / begehrte die gicbe-begierde in ein lebendig Vils 
de / cin Bilde/ das uns gleich und ahnlich fey / und die follen herr⸗ 
fehen indie Fifche im Meer / und indie Vogel des Himmels/und 
indas Viehe / und inalle Erde / und inalle Gewuͤrme / fo auff 
Erven Freucht: 

7. Dieſes verſtehet alfo: Die fechfte Eigenfchafft der Natur 
(als die Liebe-begierde) war ausallen Eigenfchafften ausgeboh⸗ 
ten / oder ausgefprochen / oder ausgebaucht worden / und war 
dashegierliche Jcben in der Freuden / alsim Liechte der Natur/ 
das war nicht felber ein Limus, aber die Begierde zum Limo 
war fie: denn dashallende Wortdas GOTT hatte ausgefpros 
chen fchwebete darinnen / als das verftandige schen / GOTT 
war darinnen offenbahr. 

8. Daſſelbe offenbahrfe Wort GOttes begehrte in dieſe Lie⸗ 
besbegierde einen Limum aus der Erden / umd aller gefchaffes 
nen Weſen aus allen Geftirnen und Gradus an fich zu einem 

i Corpus, 


Eapırz. Dondem fechiten Tageswerdiic. 35 


Corpus, darumb fprah GOTT: Ein Bilde das da gerıfche in 
Fiſche / Vögel/ Thiere / Würme/undalle Erde /aller Geſtirne 
Weſen: Solt es nun dahinnein heriſchen / fo muſte es auch 
daraus ſeyn: denn ein jeder Geiſt herrfchet in feine Mutter 
darauser entftanden ift / und iffet von feiner Mutter. 

9. So muß man aber diefe Siche-begierde allhie in dem auß⸗ 
gefprochenen Worte rechtverftehen. Das ausgefprochene Wort 
hatte aller Himmel / das ift aller Entiam oder Eigenſchafften 
Begierde in diefer Venus-Begierde an fich / als des innern geiſt⸗ 
lihen heiligen Himmels / welcher ift die Städte der Krafft 
BHttes / und des auffern gefihaffenen Himmels / mit den Him⸗ 
melnaller Geftirne und Elemente / doch nicht wefentlich / ſon⸗ 
dern alseine geiflliche Begierde; und diefelbe Eigenfihafften bes 
gehrten inder geiftlichen Begierde Wefentlich zu ſeyn. 

zo. So lautet nun der Text im Mofe ganz Flar und rund / 
da er faget: Und GOTT ſchuff den Menſchen in feinem Bilde/ 
im Bilde GoOttes ſchuff Er ihn: Mitdem Schaffen verſtehet 
man das Corpus, welches zweyfach ift / als ein geiftlihes Cor- 
pus und ein leibliches ; denn dic Venus-Begierde ift ein geiſtli⸗ 
cher Leib: und das fie im Fiar indie Begierde des geiftlichen $ei> 
bes hat an fich gezogen / das iſt ein fleifchlicher Seib. Das Ver- 
bum Fiat hat fie felber in einen geiftlichen Menſchen figuriret 
aus allen drey Principien, als nach der innern goͤttlichen Welt / 
beydes nach der feuriſchen und liechtiſchen / und nach der aͤuſſern 
Welt. 

xı. Und das geiſtliche Corpus ift das Bilde GOttes / welchen 
das Fiar hat Wefen aus allen Wefen angezogen / alsder inner 
heiligen $iebesbegierde himliſch heilig Weſen / him̃liſche heilige 
Leibligkeit; und der Auffern Liebe>begierde den Limum der Er— 
den/ und der andern Elementen famt den ſichtbaren Geſtirne des 
dritten Principii. 

22. Derinnere heilige Menſch war im Hunmel GOttes / und 
der aͤuſſere Menſch war in dem aͤuſſern Himmel ein Limus der 
aͤuſſern Himmel / und der innere ein Limus des heiligen geiſtli— 
hen Himmels: Darumb faget Moſes gar wohl / GOTT hab 
den Meenfchen in feinem Bilde zum Bilde GOttes gefchaffen z 
den IT ift Ervon Ewigkeit in dem Mylterio der Weitpeit Lals 
ein Geftirne der Magifhen Krafft vom Geifte GOttes in ders 
felben Eſſentz erkant worden: In dieſelbe Erkäntnüß hat 
GATT das Wefen eingeführet / und hatdas Wefen ZUM 
Bilde des Magifhen Bildes GOttes — 

D27 23.Alfe 


N 


86 Bon dem fechften Tage⸗werck / ꝛc. Cap. 15. 


13. Alſo verſtehet mit dem innern Schaffen das rechte Him⸗ 
mels⸗Bild / als einen heiligen Menſchen aus allen Eigenſchaff⸗ 
ten der englifchen göttlichen Welt: Den innern Leib verſtehet 
für das einige Element / daraus die vier Elementen find ausges 
fprochen worden ; und den Auffern Menfch verſtehet für die aͤuſ⸗ 
fere Welt mit Sternen und vier Elementen / als Geuer / $ufft/ 
Waſſer und Erden ; und für die äuffere Tinctur / welche mit der 
innern im heiligen ausgefprochenen Worte am Bande ift / und 
wird nur durch ein Principium gefchieden : als da das innere ein 
Aufferlich Leben aus fich gebiehrt: Das innere ift heilig/ und 
das Auffere in der Tinctur wäreasıch heilig / fo nicht der Fluch 
wäre darein kommen wegen der erweckten Eitelkeit / jedoch fo die 
Eitelkeit mag von der Tinctur gefchieden werden / fo ift fie Heis 
lig und ein Paradeiß / welches fich am Ende diefer Welt wird 
eröffnen. 

24, Und Mofes faget ferner: GOTT bließ dem Menfchen 
ein den lebendigen Athem / da ward der Menfch ein lebendige 
Seele / das heiffet lebendigen / redenden / verftändigen Geift 
aus allen drey Principien , ald aus der innern Feucr-welt / wel⸗ 
che durch die finftere Welt offenbahr wird / und aus der hei= 
Tigen Liecht⸗welt / und aus der Auffern Lufft⸗welt / das ift 
die Seele. 

a5. Der innere Feuer⸗athem ift die wahre ewige creaturliche 
Seele / und des Liechts Athem iſt der wahre verftändige Geiſt 
der Seelen / darinnen fie ein Engel iſt / und der äuffere Lufft⸗ 
athem ift die Vernunfft⸗Seele im wachfenden thierifchen Schen/ 
Damit der Menfch inalle Ereaturen diefer Welt herrfchet: Das 
iſt eine einige Seele in dreyen Principien , nach dem Gleichnüß 
GOttes. 

26. Gleich wie ſich der einige Verſtand der ungruͤndlichen 
Gottheit hat mit drey Principien offenbahret: alfo hat er auch 
denfelben Geift/ als das wahre Leben / aus allen drey Princi« 
pien offenbahret/ indasgefchaffene Bild eingeblafen. Der Leib 
iſt ein Limus aller Weſen / und die Seele ift das ausgefprochene 
Wort / als die Krafft und Verſtand aller Wefen / alsdie Of⸗ 
ſendahrung Böttliches Verſtandes. 

„ı7. Der Geiſt Gottes hat ſich ſelber aus aller drey Princi- 
pien Eigenfchafften in das gefchaffene Bilde eingegeben: Ale 
der Vatter aller Weſen / hatden Geift durch fein cwigfprechens 
des Wort aus aller Effeng der Kräfftel aus allen drey Principien 
suögehallet oder geſprochen / oder wir mans fegen möchte / citt> 

80» 


at Ton EZ m u Dun 


A 2 Hi Men He 


Cap.ıs. Don dem fechftenTageswerefne. 87 


gefprochen / alsden ausgegangenen Hall des Berftandes / wel⸗ 
cher fich Dusech die Bewegung GOttes / Durch Die ewige und zeit⸗ 
liche Natur augführte und offenbahrte : Dehn hat GOtt zu ei⸗ 
nem Regierer des Leibes und aller anderer Gefchöpffe / in dig ei⸗ 
nige Bilde wieder eingefprochen / oder wieder Teutfche Text ine 
Mofe faget / geblafen. 

18. Und flehet die Seele in drey Reichen / im ihren wahren 
Seben und Berftande : Das erfte ift die ewige Natur / als die 
ſtarcke Macht der Ewigkeit / die fingter-und Feuer- Belt /nach 
welcher fih GOtt einen ſtarcken epferigen/ gornigen GOtt / und 
ein verzehrend Feuer nennet / in welcher fich Lucifer gang vers 
teuffet hat. 

19. Das ander ift die heilige Liecht-Welt / da fich der ewige 
Verſtand Hat durch die Feuer-Schärffe im Liechte der groſſen 
feurifchengiche- Begierde außgefuͤhret / und die grinunige finfters 
und feurifche Eigenfchafft zu einer Greuden-reich gemacht/melche 
die wahre Offenbahrung der Gottheit ift/ und wird der heilige 
Himmel die Englifche Wonne genannt. 

20. Das dritte Reich oder Welt iſt die Auffere geftirnete und 
elementifche / als die Lufft mit ihrem inherrſchenden Geftirne } 
darinnen alle fünff äufferliche Geftirne herrſchen / als das Obere 
und die Untern der vier Elementen / aus welchem die fünff Senfus 
ihren Urftand nehmen / darinnen das wachfende und das ver> 
nünfftige Leben ſtehet. Dieſes iſt die thierifche Seele / welche in 
allen Creaturen der aͤuſſern Welt / fo wohl in alle Auffere Him⸗ 
= orgggesem in alle Erde oder Weſen der Auffern Welt 

het. i 

21. Diefes verfichet alſo: Der Feuer⸗Athem aus dem erſten 
Principio herrſchet in ſeinemUrſtande / als in feiner eigenen Mut⸗ 
ter / daraus ihn der Geiſt GOttes hat gefaſſet / als im Centro der 
ewigen Natur / in der Macht der finftern-und Feuer⸗Welt / und 
iſt die Urſache des Liecht⸗ Lebens / und auch des aͤuſſern Lufft⸗ Le⸗ 
bens; wenn der nicht wäre / fo waͤre der andern feines. 

22. Und der Liecht⸗Athem herrſchet im andern Principio, als 
im heiligen Reiche der geoffenbahrten Krafft GOttes / der iſt das 
Gehaͤuſe des heiligen Geiſtes GOttes / der Tempel GOttes / als 
im him̃liſchen heiligen Weſen / verſtehet in dem heiligen geiſt⸗ 
lichen Leibe des heiligen reinen Elements / das mit ſeinen Eigen⸗ 
ſchafften in gleichem Gewichte und Maafe ſtehet / als ein zuge⸗ 
richt Inſtrument des Geiſtes / darinnen er GOttes Wunder aus 
der ewigen Weißheit offenbahret / und in ein —— 

ret⸗ 


38 Von dem fechftenTageswerdine. Cap.n5 


führet/als in die heilige Harmoney des ewig⸗ſprechenden Worts 
in die Goͤttliche Freudenreich / als in die Offenbahrung der goͤtt⸗ 
lichen Kraͤffte / in welchem der heilige Geiſt der wahre Spiel⸗ 
mann iſt. 

23. Und der Lufft-Athem herrſchet auch in feine Mutter dar⸗ 
aus er urſtaͤndet / als in die aͤuſſere Welt / in die Figur und 
Gleichnuͤß der innern Welt / als in das aͤuſſere Myfterium der 
Zeit / und offenbahret feine Mutter / welche aus der Ewigkeit iſt 
in eine Zeit zur GöttlihenBefchauligkeit der Wunder ver Weiß⸗ 
heit GOttes eingeführet worden. 

24. Und find doch nicht drey Seelen / ſondern nur eine / aber ie 
ſtehet in drey Principien/ alsim Reiche GOttes Zornes / und im 
Reiche GOttes Siebe] und in dieſer Welt Reiche; und fo diefes 
nicht wäre/fo Fönte man nicht fagen/ die Seele fahre in Himmel 
oder Hölle) fodas nihtan ihr wäre; wenn die Lufft / als das 
Auffere Reich der Zeit von ihr abbricht / fo st die Seele entweder 
im finftern Seuer-Reiche GOttes offenbahr / oder im heiligen 
Liecht⸗Reiche / im Licbe- Feuer der Kraft GOttes / wohin fie ſich 
N hat begeben/darinnen fteher fie/ fo fie das Auffere Leben 
verlafier. 

25. Und ift uns doch in Eeinem Weege zu dencken /daf die 
Seele GOtt ſelber fey / welcher weder Natur noch Creatur iftz 
auch in Nichts als nur in fich felber wohnet / und doch auch durch 
alles wohnet/und EeinemDinge weder ferne noch naheift : Son» 
dern fie ift das aufgefprochene Wort / das geformte Wort / fie ift 
der Geiſt und das Leben der drey Principien Göttlicher Offene 
bahrung : So fie aber GOtt ſelber ware / fo wäre fie unverruͤck⸗ 
lich / und möchte Fein Gericht über fie ergehen. 

26. Aber alfo magein Gericht über fie ergehen / fo fie fich aus 
der Ordnung aufgibt / darein fie GOtt hat im Anfange einge» 
führet / fo gehet fie ans der göttlichen Harmoney / aus der Ord⸗ 
nungdesgeoffenbahrten Wortsder Krafft GOttes / fo fie einen 
andern Willen inihr offenbahret/als andere Eigenfchafften aus 
der ſtarcken Macht der ewigen Natur. 

27. Der gantze Menfch mit Leib und Seel iſt dreyfach / und 
Doch nur eineiniger Menfch : Der Leib iſt aus dreyerley Weſen / 
und Die Seele aus dreyerley Eigenfchafften des Geiftes. Ein 
Erempel habt ihr am Feuer / $iechte und Lufft; das Feuer hat ei⸗ 
ne andere Eigenfchafft als das Liecht und gufft. Der feurifche 
Leib ift das ewige Geſtirne /als das Magifche Geftirne / das 
groffe Myfterium,aus welchem das Auffere Geftirng ift erbopren 
worden / und in ein Geſchoͤpffe eingegangen, 23.3 


Cap. 15. Von dem ſechſten Tage werckke. 39 


28. In dem feuriſchen geiſtlichen Leibe wohnet der feuriſche 

Geiſt / als die feuriſche Seele / und in dem Liechts-Leibe vom hei⸗ 
ligen Element / als vom wahren Himmels-Vilde / welcher ſtehet 
in einem geiſtlichen Sulphure, Mercurio und Sale, wohnet die 
heilige Seele/als der Seelen wahrer@eift/der ein Tempel GOt⸗ 
tes iſt; und in dem auffern Leibe / welcher ein Limus der Erden 
und der andern Elementeift / als in dem äuffern Geftirne der 
fünff Seafüs wohnet die auffere Seele /als der wahre Geiſt der 
Auffern Welt. 
29. Eine jede Eigenfchafft der Seelen hat auch eine leibliche 
Eigenfchafft an fich 7 welche mag ein Himmel genannt werden? 
als ein fonderlih Magiſch Geftirne : Als die feurifche Eigen» 
fhafft der Seelen hat einen Leib vom innern Beftirne der fin⸗ 
fern und Feuer-Welt / welcher ein geiſtlicher Leib iſt: 

30. Und die Liechts-Eigenſchafft der Seelen hat einengeifte = 
lichen oͤhliſchen und wäfferifchen geib/darinnen die zwo Eigen» 
ſchafften der höchften Tindur vom Feuer und Liecht /den Glaſt 
und Zierde der Farben / Wunder und Tugend der Göttliche 
Weisheit eröffnen : Daſſelbe Waſſer ift das Waffer über der 
Veſten / davon Mofes faget ; Und daffelbe Oehl iſt das heilige 
Oehl der Göttlihen Kraffte/ mit welchen Fuͤrbilde das Alte Te⸗ 
ſtament umbgieng / in deme der wahre-öhlifche Leib himmliſcher 
Eigenſchafft war in Adam in der auffgewachten Eitelkeit ver⸗ 
blichen / ſo ordnete GOtt das Fuͤrbilde der neuen Wiedergebuhrt 
mit einer oͤhliſchen Salbung / darinnen er kraͤfftig durch den ver⸗ 
heiſſenen Bund / als in einem Fuͤrbilde / wuͤrckete. 

3r. Die dritte aͤuſſere Eigenſchafft ver Seelen hat in alle⸗ 
wege ein folhen Leib vieler Geftirne an ſich / als immer Die irmere 
Eigenſchafften: welche vieleder Eigenfhafften mögen alle Him⸗ 
mel genannt werden. Denn cine jede Eigenſchafft des auffern 
Leibes hat cin eigen Magiſch Geſtirne / als da ift ein Leib von den 
ſulp urifhen Geftirneder Erden: Stemein Leib oder Geſtirne 
vom mercurialifihen Gifft-$eben : Stemein Leib vonfalsifchen 
Kräfften der Corporum : Item ein Leib der Seelen der äuffern , 
Melt / als des obern gefchaffenen Geftirnes / alles nach deme die 
Auffern Kraͤffte der äuffern Seelen find : Alto Hat auch eine jede 
Krafft eine leibliche Eigenfihafft an ſich / alfo auch Die innert 
Kräffte der geiftlichen Eigenſchafft zu werfichen ſeynd mit dem 
innern Leibe. 


Dat 


go Bom interfcheid des himliſch ⸗ Cap. 16. 


Das 16. Capittel. 


Vom Unterſcheid des himmliſchen und irr⸗ 
diſchen Menſchens. 


a D wir das Bilde GHDttes betrachten / das GOtt 
ins Paradeig zum ewigen umgerbrechlichen geben 
hat gefihaffen / fo Eönnen wir in feinem Weege 
von dem groben fleifchlichen Bilde fagen / daß die 
grobe Eigenfihafftderradigkeit das Bilde GOt⸗ 

tes ſey / das die heilige Welt befigen fan > Denn es iſt nicht ders 

felben Efleng und Weſen / davon Ehriftus Joh. 6. faget : Der 

Geiſt ift das Leben / das Fleiſch ift kein nuͤtze: Item Fleiſch und 

Blut ſoll das Himmelreich nicht erben; und ſo doch ja der wahre 

Leib in dieſer thieriſchen groben Eigenſchafft innen lieget / wie 

das Gold im groben Steine. 

2. Alles was am Menſchen irrdiſch iſt / das iſt thieriſch und 
zerbrechlich und nicht Menſch. Ob wohl GOtt hat den Men⸗ 
ſchen einen aͤuſſerlichen Leib aus dem Limo der Erden geſchaffen / 
fo ift er uns doch nicht alfo zu betrachten / als er ietzt iſ. Denn 
der wahre menfhliche geib nach der innern Welt iſt ein geift« 
licher Sulphur, ein geiftlicher Mercurius, und ein geiftlich Saltz: 
Eine jede Eigenfchafft der Seelen hat eine cörperliche oder we» 
fentliche an fich. 


3. GOtt ſchuff einen folchenseib wie die Seele in ihrer Eſſentz / 


als im außgehalleten Worte des Verſtandes war / und bließ die 

Seele zum Verſtande darein / ſo iſt der aͤuſſere fulphurifche Leib 

auch mit nichten das grobe Thier / welches hingehet und nicht wie⸗ 

der komte: Der rechte wahre Leib der in der Grobheit verborgen 

lieget / iſt ein geiſtlicher Leib gegen der Grobheit zu achten: Ex 

— * in Fleiſch und Blut / aber in einem fixen beſtaͤndigen ge⸗ 
chaffen. 

4. Durch Adams Luſt ward die Grobheit mit der Imaginati« 
onoffenbahr : Der rechte äuffere Leib iſt eine futphurifche mer- 
eurialifche und falsifche Eigenfchafft / eine lautere weſentliche 
Krafft nach Artder Seelen ; was die Seele im Geiſte iſt / das iſt 
* * menſchliche Leib im Weſen / als ein Gehaͤuſe der 

eelen. 

5. Alle Eigenſchafften des innern heiligen Leibes ſambt den 
auſſern / waren (in dem erſten Menſchen) Jin eine gleiche Har⸗ 
monep gerichtet / keiner lebete in eigener Begierde / fondern * 


Cap. 16. und irrdiſchen Menſchens. or 


ihre Begierde alle in die Seele / in welcher das goͤttliche Liecht 
offenbahr war / als in den heiligen Himmel : Das Liecht ſchien 
durch alle Eigenfihafften und machte eine gleiche Temperantz in 
den Eigenfhafften: Alle Eigenfihafften gaben ıhre Begierde in 
das Siccht/alsin GOttes geoffenbahrte Suͤßigkeit / welche durch 
alle Eigenfihafften vrang/ in welchem durchdringen fie alle mit 
der ſuͤſſen $iebe tingiret worden / dag zwifchen ihnen nichts ale 
ein eitel Wohlfchmecken/und Liebe⸗Begehren war. 

6. Die innere heilige Seibligfeitvom reinen Element / drang 
durch die vier Elementen / und hielt den Limum der Erden (ale 
den auffern fulphurifihen $eib) in fich/ als wie verfehlungen ; und 

T Da er doch warhafftig war/ aber auffeine Art wie die Finfternüg 
im Liechte wohnet/und mag doch nicht ihr Finſterheit vorm Liech⸗ 
te offenbahr werden/fo aber das Liecht erlifchet/ fo ift die Finftera 
nuͤß offenbahr, 

7. Alfo hielt der innere Menfch den Auffern in fich gefangen 7 
und durchdrang ihn / gleich wie ein Feuer ein Eifen durchglühet / 
daß man meynet es fey lauter Feuer/ fo aber das Feuer erlifchet / 
fo wird das ſchwartze finftere Eifen offenbahr. 

8. Alfo war auch der erfte Menfch als erim Paradeig ſtund 

in feiner Fixheit / auf Art wie die Zeit vor GOtt iſt / und GOtt 
in der Zeit/und keins das ander/ und ift doch auch nicht abſonder⸗ 

‚Eich getrennt : Wie die Zeit ein Spiel vor GOtt iſt / alfo war 
aus das äuffere Sehen des Menfchen cin Spiel vor dem inner 
heiligen/ welcher das wahre Bild GOttes war. 

9. Der Auffere Geift und Leib war vor dem innern/als ein 
Wunder Göttlicher Offenbahrung/ nach der Feuer-Finfter-un® 
Sicht- Welt ein Spiegel der greffen Allmacht und Allwiffenheit 
GOttes; und der innere war ihm zum Regenten gegeben. 

10. Gleich wie GOtt mit der Zeit der Äuffern Welt vor fich 
fpielet: Alfo auch folte der innere göttliche Menfeh mit dem ge= 
offenbahrsen Wunder GOttes in diefer Welt fpielen / und die 
göttliche Weißheit an aller Creatur in jeder nach feiner Eigen⸗ 
ſchafft eröffnen/fo wonf auch in der Erden / in Steinen und Me⸗ 
tallen/ in welchen auch ein zweyfaches Weſen lieget / als vonder 
finftern Feuer- Welt Urftand / und denn von der heiligen Liecht⸗ 
Welt Urſtand. Pr Art 

1x. Diefes alles war ihn zu feinem Spielgegeben: Er hats 
tedie Erkaͤntnuͤß aller Tin@uren/alles war unter ihme: Er herr⸗ 

fhete in Himmel und Erden) und in alle Elemente / fo wohl im 
als Geſtirne s Und das daher / dag die Göttliche Kraft in * 
offen⸗ 


7 * 


92 Von AUnterſcheid des himliſch⸗ Cap. 16. 


offenbahr war / kein Hitze noch Kaͤlte drang auff ihn. Gleich wie 
eine Tinctur ein Corpus durchdringet und fuͤr der Kranckheit be⸗ 
wahret / und wie der Sonnen Waͤrme den Leib fuͤr Kaͤlte bewah⸗ 
ret / alſo drang auch die hoͤchſte Tinctur von Goͤttlichem Feuer 
und Liechte / als die heilige Krafft des innern geiftlichen Leibs / 
durch den aͤuſſern Leib von Fleiſch und Blute / und nahm alle 
aͤuſſere elementiſche Eigenſchafft / ſo wohl den Limum der Erden 
in ſeine Præſervation oder Beſchirmung. 

12. Denn im Corpus des innern und aͤuſſern Menſchen war 
eine Temperantz; alſo mochte auch nichts / was auſſer dem Corpus 
war / dieſe Temperantz zerſtoͤren oder angreiffen; gleich wie ein 
Gold im Feuer beſtehet / und wie eine Tinctur alles durchdringet 
und fuͤr nichts weichet: Alſo war auch der Menſch keinem Din⸗ 
ge unterthan / als nur bloß dem einigen GOtt / der durch ihn woh⸗ 
net / und in ihme mit der Krafft des heiligen Weſens offenbahr 
war; und das war ein Bilde und Gleichnuͤß GOttes / in deme 
der Geiſt GOttes wohnete. 

13. Die Vernunfft wird uns uͤbel verſtehen / und ſagen: ich 
rede von zweyerley Menſchen; Ich aber ſage nein / ich redenur 
von einem Einigen / der eine Gleichnuͤß nach GOttiſt / als nach 
dem geoffenbahrten GOtt / nad) dem außgeſprochenen geformten 

Worte der Goͤttlichen Krafft / des Goͤttlichen Verſtandes. 
14. Gleich wie in GOtt alle Dinge im Weſen find / under 
doch ſelber nicht daſſelbe Weſen iſt / und doch das Weſen be= 
herrſchet / ein jedes Weſen nach ſeiner Eigenſchafft: Alſo iſt der 
innere geiſtliche Menſch ein Bilde des geformten Worts der 
Goͤttlichen Krafft; und der aͤuſſere ein Bilde des innern / als ein 
Werckzeug des innern / gleich wie ein Meiſter muß einen Werck⸗ 
zeug haben damit er fein Werck machet: Alſo iſt der aͤuſſere 
Menfc vom Limo der Erden und der vier Elemente/ ſambt dem 
auffern Geſtirn / nur ein Werckzeug des innern / damit der innere 
ſchnitzet und macht was der innere ſeeliſche Geiſt wil. 
15. Wie wir dann ſehen / daß der Wille der Meiſter in allem 
Fuͤrnehmen iſt / und ſehen ferner / wieder innere göttlichen Wil⸗ 
len und Begierde hat: Der äuffere aber nur einen thierifchen / 
welcher durch den Fall nur alfo worden ift ; der gantze Menfch ift 
nur ein einiger Menſch / aber feine Eigenfchafft lieget in ſonderli⸗ 
hen Gradibus nach den innern und auffern Himmeln / als nach 
Balder Offenbarung / durch die ficben Eigenfchafften der 

atur. 


Von 


1 


Cap. 16. und irrdiſchen Menſchens. 93 


Von Erſchoͤpffung des ſiebenden Tages. 

16. GOTT hat alle Dinge in ſechs Tagen aus den ſteben Eis 
genſchafften geſchaffen / und die ſechs Tage⸗ wercke der Offenbah⸗ 
rung ſeines Geſchoͤpffes in den ſiebenden eingefuͤhrt / darinnen 
alles Leben ſoll würden / als in einem Leibe: Denn der ſiebende 
Tag und der erſte gehoͤren ineinander als einer / denn es ſind die 
ſechs Eigenſchafften der ewigen Natur alle in der ſtebenden / als 
in einem Gewuͤrcke der andern ſechs gelegen. Die ſtebende Ei— 
genſchafft iſt ein Myfleriam oder Weſen der andern aller; Und 
aus dem ſiebenden Tag hat der erſte Tag ſeinen Urſtand und An⸗ 
fang genommen. 

Der Siebende Tag Saturnus. 

17. Denn den fiebenden Tag / als den Sonmabend / hat Satur- 
nus die erſte Stunde des Tages das Regiment im planetiſchen 
Rade / welches eine Figur der ſtebenfachen Gebaͤhrunge der ewi⸗ 
gen Natur iſt; Denn gleichwie die erſte Geſtalt der wigen Na⸗ 
tur die herbe Begierde iſt / als das Fiat, das die freye Luſt / welche 
ats ein duͤnne Nichts im ewigen Willen GOttes im göttlichen 
Verſtande iſt / in der Begierde impreſſet / und in ein geiſtlich We⸗ 
ſen einfuͤhret / in welcher Begierde Weſen alle Eigenſchafften ent⸗ 
ſtehen / wie forne gemeldet worden. 

18. Alſo iſt auch Saturnus oder die 7te Eigenſchafft des ſteben⸗ 
den Tages die Ruhe oder Stätte der andern ſechs Tage-wercke / 
darinnen ſie wuͤrcken als ein Geiſt im Leibe; die ſtebende Eigen⸗ 
ſchafft ſtehet ſtille als ein ſtum̃ Leben. 

19. Das nun Moſes ſaget: GOTT ruhete am ſiebenden Tage 
von allen ſeinen Wercken / und heiligte den ſtebenden Tag zuͤr 
Ruhe; das hat einen treflichen hohen Verſtand / und da er doch 
kindlich iſt / ſo wir noch im Paradeiß waͤren / und im Sabbath 
wohneten: Dieſes verſtehet alſo: 

20. Aus dem Verbo Fiat, als aus dem göttlichen Worte und 
aus der goͤttlichen Begierde / welche das Fiat im Worte iſt / damit 
fich das Wort ſormt / oder im geiſtlichen Weſen zur finſtern⸗ 
Fewer⸗und Liecht⸗welt einfuͤhret / ſind die ſechs Eigenſchafften 
der ewigen und zeitlichen Natur ausgegangen / und haben ſich ein 
jeder in einen ſonderlichen Grad einer ſonderlichen Eigenſchafft 
eingefuͤhret / welcher Grad ein Himmel oder ein Magiſch Geiſt⸗ 
geſtirne mag genandt werden. 

21. Denn eine jede Eigenſchafft iſt ein ausgehaucht Weſen / 
als ein Himmel; wie denn Himmel eigentlich ein hauchen und 
Faſſen in der Natur⸗ſprache heiget / da das Fiat faſſet / was das 

Wort 


34 Vom Unterſcheid des Himliſch⸗rtc. Cap. 16. 


Wort ſpricht oder aus ſich haucht: Alſo iſt das Aushauchen 
oder Sprechen in ſechs Gradus oder Tagewercke eingefuͤhrt 
worden. 

22. Einjedes Hauchen hat eine Zeit/als eine Tag-und Nacht» 
aͤnge (inder Faffunge und Formunge) gewähret/ und iftje eine 
Eigenfchaft eines Tages aus der andern ausgefprodyen oder aus⸗ 
gehaucht worden / big auffdie Sechſte / im welcher das geformte 
Wort offenbahr worden / welches in der fünfften Geftalt/als in 
der Siebesbegierde feinen Blid durchs Fewer aus dem Liechte ges 
nommen / und fich in der fechften Geftaltder Natur gefaffet oder 
geformet /in welcher Formunge das Bild GOttes (der Menſch) 
gefchaffen worden / als ein Bild des geformten Worts / welches 
GHTT inden Sabbatl) / als in den ficbenden Tag) verftchet ins 
Verbum Fiat , als indie erfte göttliche Begierde zur Natur / ein 
führte/darinnendas Paradeig und der ewige Tag war. 

23. Denninder fiebenden Eigenfchafft lieget der ewige Tag / 
daraus die Tage der Zeit find ausgegangen/ und die Alten haben 
ihn Soñabend geheiffen : Er heiffet aber recht Soͤhn⸗abend / 
Darinnen GOttes Siebe den Zorn verfühnet/ als da ſich die ſechs 
Eigenfhafften im Gewürdeinder Impreflion indes Grimmes 
Eigenschaft entzünden/ fo werden fein der fiebenden Eigen= 
Schafft / als in der geoffenbahrten H. Kraft GOttes (welche ch 
in der fünfften und fechften Eigenfchafft offenbaret / und in das 
Gewuͤrke der andern aller/als ein heiliger Himmel einfchleuffet) 
in der $iebe=begierde verfühnet / und in ein einiges Weſen einges 
führet / darinnen fie ruhen als im Verbo Domini, welches ſich 
hat mit den ſieben Eigenfchafftenin Natur und Weſen einge⸗ 
führet/und davon ſaget Moſes recht: GOTT ruhete am fiebenden 
Tage von allen feinen Wercken / und heiligte den ſiebenden Tag. 

24. Verſtehets allhie recht: GOTT hat mit feinem geformten 
Worte / welches er erftlich in Finſternuͤß und Fewer einführete/ 
als in das erſte Principium, darnach er ſich ein verzehrend Feuer 
nennet in dem andern Principio, da er ſich durchs Fewer im 
Liechte in der Liebe-begierde / als im heiligen Fiat ausführet / als 
im geformten heiligen Worte geruhet/und ruhet ewig mit feinent 

eoffenbahrten Worte darinnen. Seine Ruhe darinnen ift eine 
— / da die Angſt-quaal des Grimmes GOttes der 
ewigen Natur / in ein goͤttlich Freuden⸗ reich verwandelt wird. 

25. Und dieſelbe Ruhe iſt der heilige Himmel in dein Natuͤr⸗ 
lichen Himmel / da die Zeit in ſich würdet/undihr Gewuͤrcke zum 
Ruhe⸗ tage / als zum Scheide⸗tage / darſtellet / da alsdenn am —— 

er 


Cap.r7. Von dem Paradeiß. 97 


der Tage diefer Welt folldas Böfe vom Guten geſchieden wer> 
den / und ein jedes Ding feinen eigenen Himmeljals feins Quaal⸗ 
geiftes Eigenfchafft/daraus es iſt erbohren wo rden / beſitzen. 

26. Dieſe Zeit aber muß GOttes Liebe und Zorn in einander 
wuͤrcken / und die Wunder GOttes offenbahren beydes nach der 
Feuer⸗und Liecht⸗welt und ruhet das Verbum Domini in der 
fiebenden Offenbahrung der Eigenſchafften / und ſcheinet mit ſei⸗ 
er Kraft in das Würken ver fechs Zage / als in die fechs Eigen⸗ 
ſchafften / und komt allen Sehen zu Hülffe. 

27. Inder fiebenden Eigenfhafft werden alle Dinge an ihr 
Enve gebracht / als in den erften Tag des Anfangs aller Weſen: 
Denn der ſiebende Tag / als die ſtebende Eigenſchafft der ewigen 
Natur / ift das durchfcheinende gläferne Meer vor dem Stuhl 
des Alten in Apocalypſi, daraus dieſe Welt / als aus dem Myfte- 
zio Magno , ift in fondere Himmel und Geftalten geſchaffen / und 
im Verbo Fiat geformet worden s Der ftebende Tag ift von Ewig⸗ 
teit auffer aller Zeit geweſen / denn er ift das geformte Worfdes 
Göttlihen Verftandes/in ihme fechet die ewige Weißheit GOt⸗ 
tes offenbahr / als die Kraͤffte und Wunder des Goͤttlichen Ber: 
ſtandes / in welchem die GOttheit würdet. 


Das 17. Capittel. 
Von dem Paradeiß. 


2. Dfes faget: Als GOTT habe den Menfchen ges 
macht/ fohaber einen Garten in Eden gepflanket/ 
und der Menfchen darein gefegt/dchn zu bauen und 
zu bewahren/und habe aller ley Früchte im Garten 
laffen auffwachſen / luſtig anzuſehen / und gut zu 

eſſen / und den Baum des Lebens / und den Baum des Erlantnuͤß 

Gutes und Boͤſes in die Mitten gepflantzet. 

2. Alhie lieget der Deckel vor Moſis Angeſichte / in deme er 
ein verkläret Angeſicht hat / daß ihm das ſuͤndige Iſrael nicht mag 
ins Angeſicht ſehen: Denn der Menſch der Eitelkeit iſt das nicht 
werth / daß er wiffe was das Paradeiß ſey; und ob es uns iſt ges 
geben zu erkennen nach dem verborgenen Menſchen / fo werden 
wir mit dieſer Beſchreibung dem Thiere doc) ſtum bleiben / aber 
von den unfern genug verftanden feyn. 

3. Der Garten Eden war auf Erden eine Stätte / dader 
Menfch verſuchet ward, und das Paradeig war im Himmel / und 
war aber im Garten Eden. Denn gleich wie Adam vor feiner 


Henn 


96 Vom Paradeiß. Cap. 17 


Heva vor ſeinem Schlafe nach dem inwendigen Menſchen im 
Himmel war / und nach dem aͤuſſern auff Erden; und wie der 
innere heilige Menſch den aͤuſſern durchdrang / als ein Feuer ein 
Eiſen durchgluͤhet: alſo auch durchdrang die him̃liſche Krafft 
aus dem reinen Element die vier Elemente / und gruͤnete durch 
die Erden / und trug Früchte / die waren Him̃liſch und Zrodifch/ 
und wurden aber von der goͤttlichen Krafft qualificiret; und 
ward die Eitelkeit in der Frucht alshalb verſchlungen gehalten 
gleich wieder Tag die Nacht verbirget / und in ſich gefangen haͤlt / 
daß ſte nicht erkandt wird. 
4. Das Paradeiß war anders nichts als des ſtebenden Tages 
Eigenſchafft: Die him̃liſche Weſenheit des zweyten Principii 
lieget in der Erden verſchloſſen / der Fluch GOttes hat ſie verbor⸗ 
gen / dieſelbe grünete (im Anfangder Welt) durch Die irrdiſche 
Weſenheit / gleich wie die Ewigkeit in der Zeit iſt / und die göttliche 
Krafft durch allesift/ / und doch feinem irrdiſchen Dinge in der 
Selbheit ergriffen oder verſtanden. 

5. Aber im Paradeiß durchdrang der goͤttlichen Welt⸗-weſen 
der Zeit-Weſen / als gleich wie der Sonnen Krafft eine Frucht 
auff dem Baume durchdringet / und in eine Liebligkeit qualifici— 
ret / daß ſie lieblich anzuſehen und gut zu eſſen iſt: Alſo iſt uns 
in gleichem vom Garten in Eden zu verſtehen. 

6. Das Wort Edeniftandersnichts / als wie Mofes vonder 
Erden faget/ fie ſey oͤde und leer gewefen / dasift/ fie folteihre 
Macht nach dem Grimmeder Eitelkeit nicht offenbahren/He folte 
ftikyalten alg eine Mutter zum gebahren. Dan das Innere 
wolte durchs Auffere herifchen / als die geiftliche Welt durch vie 
Zeit/der Himmel durch die Erde/die Erde war leer ohne Frucht] 
aber der Himmel war ihr Mann ver fie fruchtbar machte/ und 
durch Ste gebahr big auffden Fluch / daverbarg fich der Himmel 
* der Erden. 

Die gantze Welt waͤre ein lauter Paradeiß geweſen / ſo es 
—** nicht haͤtte verderbet / welcher cin Hierarcha in Loco dieſer 
Welt war / im Anfang feiner Schöpfung: Weilaber GOTT 
wohl erkante / daß Adam fallen wuͤrde / ſo hat das Paradeiß nur 
an einem gewiſſen Orthe gegruͤnet / den Menſchen darein zu be— 
ſtaͤtigen und einzuführen / welchen (ob GOTT wohl ſahe / daß er 
wieder daraus muſte gehen /) Er wolte durch Chriſtum wieder 
darein einfuͤhren / und in Chriſto auffs neue zur Ewigkeit ins 
Paradeiß beſtaͤtigen. 

8. Denn das erſte Paradeiß hat Lucifer mit ſeiner fatfehen 

an 


| 


Kap. 17. Vom Paradeif. 97 
und böfen Begierde vergiffter: Darum verhieß es GOTT in 
Ehrifto wieder neuzugebaͤhren; denn der fiebende Tag dehn 
GOTT zur Ruhe andeutete / ift anders nichts / als das neu wie⸗ 
dergebohrne Paradeif im Geifte Ehrifti/ in Menſchlicher Ei⸗ 
genfchafft / darinnen die arıne verderbte Seele ewig ruhen foll 
vonder Quaal der ſechs Tage⸗wercke / als der ſechs Eigenfchafften 
des Lebens. ug 

9. Auch iftesdie fiebende Zeit oder Offenbahrung GOttes / in 
welcher das Geheimnuͤß des Reichs GOttes foll vollendet werden 
da es wieder im Loco dieſer Welt rein ſeyn wird: Da der Him⸗ 
mel wird wieder in der Welt offenbahr ſeyn / und der Zeuffelinie 
ſeinem boͤſen Weſen ausgetrieben ſeyn / da kein Unreines mehr 
darein ſoll eingehen; denn dieſelbe Welt / in welcher Adam vor 
feiner Heva war / wie ſte vor dem Fluche war / muß wieder font» 
men / in welcher Gerechtigkeit regiren wird: Aber die Eitelkeit 
foll durchs Fewer GOttes Zornes gefeget / und der finſtern Welt 
gegeben werden. 

10. Daß aber Moſes ſaget: Der Baum des Lebens ſey mit⸗ 
ten im Garten geſtanden / und ſetzt bald darauff / und der Baum 
des Erkaͤntnuͤß Gutes und Boͤſes: Allhie lieget ihme die Decke 
vor ſeinen Augen / daß ihn der irrdiſche ſuͤndige Menſch nicht ſe⸗ 
hen kan / denn er iſt deß nicht wehrt: Dan ſeine Irrdigkeit im 
Fluche der thieriſchen Eitelkeit / ſoll das Paradeiß nicht ererben. 

11 Das edle Perlein lieget in dieſem Unterſcheide der zweyen 
Baͤume / und da es doch nur einer iſt / aber in zwey Reichen offen⸗ 
bahr. Denn einmahl ſtehet der Baum des Lebens mitten im 
Garten / denn er ſtehet im ztenPrincipio,als in der heiligen Welt / 
zwiſchen der ewigen finſtern Welt GOttes Zorns / da GOTT 
ein eyferiger zorniger GOTT / und ein verzehrend Feuer iſt / und 
zwiſchen der aͤuſſern ſichtbaren Welt / in Mitten. 

x2. Die heilige Krafft GOttes im Baum war das mittelſte 
Reich; und das Paradeiß war das aͤuſſerſte Reich: Denn das 
mittelſte drang durchs aͤuſſerſte / und offenbahrte ſich mit dem 
aͤuſſern / das war die Erkaͤntnuͤß des Guten / das ſolte Adam in 
feinem Urſtande fo wenig wiſſen als das Voͤſe: Er war zum 
Werckzeug GOttes gefhaffen/ mitdeme GOTT woltefeine 
Wunder in Figuren offenbahren : Er folte nur ein kindlich 
Gemühtebehalten/undin GOTT gelaffenfenn. 

13. Go war nun der Baum der Erkäntnüß des Böfen / die 
finftere Welt / die war andiefem Baume auch offenbahr: auch fo 
war die Eitelkeit / wie es heutiges Tages: in ‚aller irrdiſchen 

& Frucht 


98 Vom Paradeiß Cap.r . 


Frucht iſt / darinnen offenbahr: Darum unterſcheidet Moſes den 
Banın und ſaget den Baum des Lebens; da verſtehet er die 
Eigenſchafft des ewigen gebensim Baume / als das zte Principi- 
um, und mit dem Worte des Baumes der Erfäntnüß Gutes 
und Böfes / verfteheterden Grin des Zorns GOttes / welcher 
durch der auffern Welt Weſen in der Irrdigkeit in dieſem Baume 
vffenbahr war / davon ſolte Adam nicht eſſen; denn er ſolte mit 
dem innern Munde eſſen und nicht mit der irrdiſchen Begierde / 
ſondern mit der himmliſchen; denn ihme wuchs auch ſolche 
Frucht / die der innere Mund kondte nieſſen; wohl aß der aͤuſſere 
Mund auch davon / aber nicht in Madenſack. 

14. Denn gleich wie das Liecht die Finſternuͤß verſchlinget: 
alſo verſchlang das Himliſche das Irrdiſche / und tranſmutirte 
es wieder in das / daraus es war gegangen; oder wie die Ewig⸗ 
keit die Zeit verſchlinget / und in ihr iſt als ein Nichts: Alſo wa⸗ 
zen auch zwey Centra in Adams Munde. Denn das Reich Got⸗ 
tes ſtehet in Krafft / ſo ſtund doch Adam vor ſeiner Heva im 
Reich GOttes; denn er war Mann und Weib mit beyden Goͤtt⸗ 
lichen himmliſchen Tincturen / und ſolte weder die Feuers⸗noch 
die Liechts⸗Tinctur oder Begierde in ihm offenbahr ſeyn/ denn 
fie ve in gleichem Gewichte innen ſtehen in GOTT ge» 
laſſen. 

15. Aberim Baume der Erkaͤntnuͤß Gutes undBöfes/waren 
die Eigenſchafften als GOttes Liebe und Zorn / ſo wohl auch die 
Irddigkeit / wie es jetzo im Fluche iſt / ein jede in ſich ſelber of⸗ 
fenbahr und ausdringende / das iſt / fie waren aus der Gleich» 
nuͤß / aus der gleichen Concordantz ausgegangen / und waren alle 
3. Zrincipia in dieſem Baum ein jedes inſonderheit offenbahr; 
und darumb nennet ihn Moſes den Baum der Erkaͤntnuͤß Gu⸗ 
tes und Boͤſes. 

16. Die Vernunfft ſpricht: Warumb ließ GOTT dieſen 
Baum wachſen / weil der Menſch nicht ſolt darvoneffen? So 
hat er ihn dem Menſchen zum Fall laſſen herfuͤn kommen / und 
muß GOtt diellrſache des Menſchen Verderbens ſeyn. Umb dieſes 
zancken alle hohe Schulen / und verſtehens nicht; denn man wil 
das innere im aͤuſſern ſuchen und begreiffen / und bleibet alſo fuͤr 
ihnen ſtumm / ſie verſtehen den Menſchen nicht was er iſt. 

17. Der Menſch war aus allen 3. Principien nach Leib und 
Seel geſchaffen / und war in den Principienin den Eigenſchaff⸗ 
ten der innern und aͤuſſern Welt in gleiche Zahl / Maaß und Ge⸗ 
ao gefegt: Kein krineipium uͤbertraff das andere/ es * 

‘ 


Capız Dom Paradeif. Yo 


eine gleiche Concordang; das Göttliche Sicht temperirte alle 
Eigenfchafften/ dag fie alle mit einander in einem Liebe⸗ſpiel 
ftunden. 

18. Die feurifche finftere Welt erfreuete fich in der heiligen 
Sicht welt / und die Liecht⸗welt inder auffern / alsinihrer Of⸗ 
fenbahrung + Hinmwieder erfrewete fich die auffere Weltin ben» 
den inneren / als in ihrem geben / und war zwifchen ihnen ein ei⸗ 
tel Wohlwollen / Wohlſchmecken. Der Mercurius als das ſchal⸗ 
lende / hörende und fühlende Leben / alsdie Offenbahrung des 
Goͤttlichen Wortsim Fiat, war in gantz freudenreicher Eigen⸗ 
Schafft im durchdringen aller Eſſentz. 

19. Aller drey Welten Eigenfhafft oder Eſſentz griffen mit 
der Begierde nach dein Liechte / und im Liechte war das ausge= 
fprochene Wort heilig / daffelbe Heilige gab feine Krafftdenr 
Schalle der innern finftern Feuer⸗welt / und auch der auffern 
elementifchen Welt in ihren Schall / als indas innere feuri= 
ſche Wort oder geben / und auch in Das Auffere irzdifihe Le⸗ 
ben ein. 

20. Alfo regirte das heilige Göttliche Wort durch alledrey 
Privcipia menfhlicher Eigenfchafft / und war eine gleiche Con⸗ 
cordantz / und war Feine Feindfchafft noh Wiederwillen zwi> 
fchen den Prineipiis offenbahr / fondern ein eitel Wohlmollen 7 
Wohlſchmecken / Wohlhören / Wohlriechen / freundlich und 
lie blich ſehen / und ſanffte fühlen / und wohl thun. 

21. Dan der Menſch war am ſechſten Tage in der ſechſten 
Dffenbahrung der ſteben Eigenfhafften Göttliher Offenbah⸗ 
rung in der ausgefprochenen Krafft (welche fich durch die fünffte 
Eigenfhafft/ als durch die feuriſche Siche-begierde hat ausge= 
führt und offenhahret) ergriffen/ und gefchaffen in cin Goͤttlich 
Gleichnuͤß und Bilde: Seinesrechten Schens Centrum war die 
fünffte Eigenfchafft der ewigen Natur / als die feurifche Liebe⸗ 
begierde / welche das Feuer und die Finfternäß in fich verborgen 
hielt / und zur Sreudenreich brauchte. 

22, Aber diefes ift uns an diefem Orthe recht zu verftehen 
noͤhtig woraus die Begierde zum Abfall vonder gleichen Con- 
cordanf entftanden ſey / beydes im Hierarchen $ueifer / und in 
Adam dem andern Hierarchen oder Trohn-fürften in Göttlicher 
Bildnüß. 

23. Alsfich der ewige einige GOTT durch die ewige geiftliche 
Natur eins beweget hat / als in dem ewigen groffen ungründfi> 
en Myſterio, und daſſelbe Myfterium in einen Umcirckel oder 

€: Locum 


106 Vom Paradeiß. Cap.17. 


Locum gefaſſet / ſeine groſſe Wunder zuoffenbahren / und die 
ewige Weißheit in eine formliche Beſchauligkeit eingefuͤhrt / und 
alle fieben Eigenſchafften der innern ewigen geiſtlichen Welt of⸗ 
fenbahret / und in ein Geſchoͤpffe der Engel eingefuͤhrt hat: So ſind 
alle Eigenſchafften beweglich und begierig worden / eine jede hat 
wollen in creatuͤrlicher Form ſeyn / indem Orthe / ſo weit ſich 
das Verbum Fiat hat zur Beweglichkeit / und zur Offenbahrung 
eingegeben. 

24. Und feynd auch die Engels-Fürften / famtihren Legio—⸗ 
en aus den Eigenjchafften im Verbo Fiat ergriffen und gefchafz 
fen worden / vom erften Centro an / da fich Die ewige Luſt in eine 
SBegierde fafjet/ und in Natur einführet / big zur aller äuffer- 
fen Offenbahrung / eine jede Hierarchia in feinem Himmeloder 
Eigenſchafft. 

25. Weil denn Lucifer in ſeiner Schoͤpffung oder Formung 
der Eigenſchafften iſt im Blitz der Eigenſchafft ergriffen wor⸗ 
Den / wo das anzuͤndliche Feuer urſtaͤndet / da das Liecht offen⸗ 
bahr wird / davon er in ſich erhebende / als der maͤchtigſte Für- 
ſte / und in ſeiner Wurtzel des creatuͤrlichen Urſtandes / da das 
groſſe Magiſche Geſtirne / als das Myſterium aller Weſen 
Srund geſtanden / aber in finſterer Eigenfchafft / und aber fetzt 
beweglich und begierig; welche Magifche Geftirne in der fin- 
Fern Welt auch wollen offenbahr und ereatürlich ſeyn: fo hats 
feine Begierde gegen diefen mächtigen Fürften und Hierarchen 
gefuͤhret. 

26. Und er / der Lucifer / hat ſich vom Goͤttlichen Liechte ab» 
gewandt in das feuriſche Myſterium gegen der Finſternuͤß / dar⸗ 
aus das Feuer urſtaͤndet: Alſo hat ihn das Magiſche Geſtirne 
Ses groffen Mykerii der finftern Welt ergriffen : denn feine Bes 
gierde / welche das Verbum Fiat hat durchs Feuer im Liechte aus» 
Zefuͤhrt / hatte fich wieder zurücke darein gewandt / und wolte 
Dem Schöpffer aller Weſen gleich ſeyn / und fich / und das We⸗ 
fen verändern nach feinem Gefallen. 

27. Alfo verachtete er die Sanfftmuht im Liechte / als das 
zweyte Principium , welches durchs Feuersfterbeit / da der Grim̃ 
oder die geiftliche Weſenheit / der grimmigen finftern Eigenfcharft 
am Feuer erftirbet/ und ausdemfelben fterben der Verzehrlig> 
reit das zweyte Principium , als die heilige Liebe-welt der groffen 
Sanfftmuht und Demuhterbohren wird / und gieng zurücd ins 
erftc Principium, als in Magiam Naturz ‚in Urſtand der ewigen 
Natur / und wolts ein Künftler and Allwiſſer feyn ; Erwolte 

| —— 


Garır. Vom Paradeiß Yor 
in und über die gantze Schöpfung herrſchen / und ein Mitformi⸗ 
ser in allen Eigenſchafften ſeyn. 

28. Alſo verloſch ihme das Liecht / denn er machte ſein En⸗ 
liſch Weſen / das in groſſer Sanfftmuht und in feuriger Liebe⸗ 
begierde ſtund / in der finſtern grimmigen Eigenſchafft gantz 
raue / ſtrenge / kalt und grimmig-feurig; und entſtunden zur 
Stunde die Eigenſchafften der Feindligkeit in ihme denn im 
Liechte konten ſie nicht offenbahr ſeyn: Aber als das Liecht ver» 
loſch / fo wurden fie offenbahr / und er ward ein Teuffel; und 
ward aus feinem eigenen Himmel des zweyten Principii, aus 
der Engliſchen Welt ausgetrieben. 

29. Und iſt uns alfo zu erkennen / daß ihme der Fall aus fei> 
ner Creatur ſey entſtanden: den hätte er nicht feine creatuͤrliche 
Begierde vonder Goͤttlichen Sanfftmuht und Liebe abgewandt / 
in Hoffart / und wollen in der Matrice der Gebaͤhrerin herıa 
ſchen welche ihn als einen Spichnann fieng/ fo wäre Erein En⸗ 
gel blieben: Waͤre er unter GOttes Licbesgeift und Willen 
ee fo hatte ih fein Bornegeft und Willen nicht ge— 

angen. 

* Alß er ſich aber hat freywillig aus GOttes Liebe⸗Willen 
entbrochen / fo hat ihn jetzt GOttes Zorn-Wille in ſich; da 
mus er ein Offenbahrer und Wuͤrcker der finſtern Welt Eigen⸗ 
genſchafft ſeyn / denn fie wolte auch creatuͤrlich ſeyn: Allda hat 
fie einen rechten gefangen / der wohl im Affen⸗ſpiel kuͤnſteln 
kan; und wie nım die finftere Zelt in ihrer Eigenfchafft ift in 
ee a alfo ift auch ihr Hierarcha oder ereatürlichee 
Fuͤrſt. 

32. Und iſt uns aber hiebey recht zur erkennen vonnoͤhten / wie 
der Menſch ſey zum Fall kommen. Der Menſch ward an des 
ausgeſtoſſenen Lucifers Stelle geſchaffen / verſtehet der innere 
Geiſtliche Menſch: Er ward im ſelben Himmel geſchaffen nach 
dem innern Seelen-Menſchen / und ſolte die Hierarchiam beſt- 
tzen / welche Lucifer verlohren hatte; daher des Teuffels Neyd 
gegen dem Menſchen entſtanden iſt. 

32. Weil aber GOTT wohl erkandte / daß ihn der Teuffel 
wuͤrde anfechten / und ihme der Ehren nicht verguͤnnen; ſo hat 
ſich die tieffeſte Siebe GOttes ( alsvder hehe Name Jeſus aus Je- 
hovah) hierein verwilliget / dieſe Hierarchiam , welche $ucifer 
hatte verumreiniget / wieder neuzugebähren/ und durchs Feuer 
zu fegen/ und feine höchite Liebe darein zu führen ; und den 
Grim̃ / den Lucifer erwecket hatte / —— der Liebe zu u 

3 un 


302 Vom Paradeiß. Cap.rz! 


und in Göttliche Freude / als wieder in einen heiligen Himmel 
zu tranfmuriren/ an welchem Orthe das jüngfte Gerichte ſtchet: 
Und alhie its das S. Paulusfaget: Der Menfch fey in Chri⸗ 
ſto JEſu verfehen / ehe der Welt Grund fey geleget worden. 

33. Und zudem Ende (HUF GOTT den Menfchen aus dreyen 

Principien in eins / daß er nicht gank im Loco des $ucifers lebte / 
daß er ihme helffen möhte: Denn GOTT fahe nach feines Zorns 
Eigenfchafft gar wohl/ daß der Menfch fallen würde / fo wolte 
er ihn Durch undin dem Namen JEſu / Durch den Tod der Zer> 
brechligkeit / wieder indas Königliche Reich einführen / daraus 
rucifer war gefallen; an welches Stelleder Menfh CHriſtus 
GOTT und Menſch in einer Perfon/ als ein Hierarcha und 
Hoher-Prieiter oder Groß-Fürft der Menfchen / im Namen 
aind Krafft Jefu, aus Jehovah fiten folte. 
34. Darumb iſt uns alhieder Falldes Menfchen recht zu be> 
krachten/ wie er im Paradeiß GOttes geftanden und verſucht 
ſey worden / und was das Paradeiggewefen fen. Der Menfch 
ſtund in drey Principien , welche zwar im Menfchen felber / als 
an $eib und Seel / ingleicher Concordantz ftunden / aber auffer 
ihme nicht: Dan die finftere Belt hat ein andereBegierde als die 
Liecht⸗welt / fo hat auch die Auffere Welt ein andere Begierde als 
Die finftere = und Liecht⸗welt: So fund das Bi GOttes zwi⸗ 
ſchen drey Principien , welche ihre Begierde alle drey nach dieſein 
Bilde führten: Ein jedes wolte in Adam offenbahr ſeyn / und 
ihn in fein Regiment zum Regierer haben / und feine Wunder 
Durch ihn offenbahren. 

35. Eraber/ der Menſch / folte feine Begierde allein in die 
fechtte Eigenfchafft Göttlicher Offenbahrung einführen / darin⸗ 
nen er war zum Bilde GHttes gefihaffen worden / Erfolte in 
GOTT gelaffen ſeyn; Erfolte alleine im geoffenbahrten Göfte 
fihen Worte im Gehorfam unter GOTL leben / und nicht in 
eigenen Willen eingehen / fondern feine Begierde in GOttes 
Willen / als in die ſechſte Eigenfcharft einführen / auff dag das 
geoffenbahrte Wort GOttes fein Wille / Wiffen und Thun 
wäre: gleich wie auch die heiligen Engel alfo leben / und fich als 
lein im göttlichen Willen erfreuen / und im heiligen Geifte ſpie⸗ 
len ; wie ſich der in ihnen nach Goͤttlicher Weißheit eroͤfnet / als 
fo leben / wollen und thun ſie auch mit einem Eindlichen Gemuͤh⸗ 
ge und Willen. 

36. Das Paradeiß oder der Garten in Eden der ſtund wohl 


mit den Eigenſchafften in gleicher Concordantz gegen dem en 
en 


— 


Gap.17- Dom Paradeiß. 103 


fihen : Aber die Eigenfchafften waren im fich felber ein auffge⸗ 
wachter Hunger / eine jede in ſich / welche zwar das göttliche 
$iccht wieder in ein Temperanß einführte: Der Teuffel aber 
ftund in feinem engündeten Nepde gegen dem Menfhen / und 
führte feine gifftige Imagination in die menfchliche Eigenfchafft 
ein / und entzuͤndete die menfchliche Eigenfchafften in Centro im 
erften Principio der feelifchen Eigenfchafft/ dadie Seele mit den 
Engeln und Teuffeln in gleicher Effeng und Weſen inneftehet. 

37. Davon entftund Adams Imagination und heftiger Hunz 
ger / dag er wolte vom Böfenund Guten effen / und in eigenem 
Willen leben / das ift/ fein Wille gieng aus der gleichen Con= 
cordank aus in die Viele der Eigenfchafften / denn er wolte fie 
probiren / fühlen / ſchmecken / hören/ riechen und fehen / wie ihnen 
denn folches der Teuffelin der Schlangen richt ; ſie würden ſeyn 
als GOTT / imdihre Augen würden inden Eigenfchafften offen 
ſtehen / welches auch im Fall gefehahe / dag fie Böfe und Gut) 
erkanten / ſchmeckten / fahen und fühleten / Davon ihnen Kranck⸗ 
heit / Wehetuhm und das Zerbrechen entitund. 

38. Und weil es denn die Göttliche Fürfichtigkeit hatte zuvor⸗ 
hin erkandt / dag der Teuffelden Menfchen füchten würde / und 
infrembde Luſt einführen / damit er aber nicht nach Dem Centro 
der finftern Belt luͤſterte / und würde ein Teuffel / als Lucifer 
tähtes ſo ſtellete ihm GOTT den Baum des Sehens und der Er» 
kaͤntnuͤß Gutes und Böfes für/ darinnen des Auffern Lebens 
Zerbrechung offenbahr war. 

39. Denn Adam war Schuld daran als er noch iin Paradeif 
ſtund / als er nach der Eitelkeit luͤſterte umd feine Imagination 
in die Erde einfuͤhrte als indas Wefen/ daraus der Limus 
feines aͤuſſern Leibes war ausgezogen worden / und begehrte aus 
feiner Mutter die engündete Eitelkeit / welche der Teufel hat 
entzuͤndet zu probiren: So zoch ihme das Fiat ein ſolch Ge— 
waͤchſe aus der Matriceder Erden / daraus es auch Adams Leib ge⸗ 
zogen / daß Adam in feinem Hunger zu eſſen hatte. 

40. Denn die Eſſentz im Baume der Erkaͤntnuͤß Boͤß und 
Guts / und der Hunger der Begierde in Adam waren gleich / was 
er begehrte das ward ihme durchs Fiat vorgeſtellet: Adams Ima- 
gination war Schuld daran. 

41. Die Vernunft pricht: Warumb lich 8 GOTT ge> 
ſchehen ? Ehriftus ſprach: Sp ihr Glauben habt als ein Senff⸗ 
korn / und faget zum Berge / ſtuͤrtze dich ins Meer/ fo folls ge= 
ſchehen; war dach der ſteliſche a aus der groffen Böttlichen 

4 


2 


ıc4 Dom Paravififchen Regim. Eap-ı3: 
Allmacht / aus dem Centro der ewigen geiftlichen Natur/ daraus 
alle a find erfchaffen worden? wie wolte er denn nicht maͤch⸗ 
tig ſeyn? 

42. Er war cin Feucr-fund aus Gottes Macht /alseraber 
war in ein Gefchöpffe der Creaturen gefaffet werten / fo wich 
er in eigene Luſt / und drach ich vom Gantzen abe/ und gieng in cin 
Eigenes; Alfo machte er ihm das Verderben: Das hater auch] 
To ihn nicht hatte GOttes Siche erlöfet. 

43. Die Seelifche Krafft war vor ver Eitelfeit alfo machtig/ 
Daß fie feinem Dinge unterworffen war / als fie denn noch heu— 
tiges Tages mächtig ift / wenn igr nicht der Verſt and benommen 
wäre: So kan ſie durch Magiam alle Dinge / was in der Aufferit 
Welt⸗weſen ift/ verändern / und in andere Elſeotz einführen: 
Aber die Eitelkeit im aͤuſſern Lufft-regiment / hat ihr eine Fin⸗ 
ffernüß darein geführt/ das fie ſich nicht Eennet: Der Fluch 
GOttes hat das beſudelte Kind in Koth geſtoſſen / daß es mutß 
umb ein Bad bitten / und muß ihme dieſe Zeit ſelber feind ſeyn / 
das es lernet demuͤhtig ſeyn / und in goͤttlicher Harmoney bleibet 
und nicht ein Teuffel wird. 


Das 18. Capittel. 


Vom Paradiſiſchen Regiment | wie das wohl hätte 
moͤgen ſeyn / ſo Adam nicht gefallen waͤre. 


x. Ch weiß daß der Sophift mich allhie tadeln / und 
mir es für cin unmoͤgliches Wiſſen ausſchreyen 
wird / dieweil ich nicht fen dabey gewefen / und es 
felber gefehen. Dehme fey gefaget / daß ich in mei— 

© er Seelen-und Seibes-Elleng / da Sch noch nicht 

Der Ich war / ſondern da Ich Adams Eſſentz war / bin ja darbey 

geweſen / und meine Herrligkeit in Adam felber verſchertzet habe a 

Weil mir fie aber Chriſtus hat wiedergebracht / fo fehe ich im 

Geifte E Hrifti / was ich im Paradeiß geweſen bin / und was ich 

ander Suͤnde worden bin/ undtwasich wieder werden fol: Und 

foll uns Niemand für unwiffend ausſchreyen / denn ob ichs wohl 
nicht weiß / fo weiß esaber Ehriftus in mir / aus welcher Wiſ⸗ 
fenfchafft ich fchreiben fol. 

2. Adam war ein Mann und auch ein Weib / und Doc, der 
feines / fondern eine Jungfrau / voller Keufchheit / Zucht und 
Reinigkeit / als das Bilde GOttes: Er hatte beyde Tincturen 

ec 


vn i 


—i ⸗ 


Cap.ı3. Bom Paradififehen Regiment. 105 


vom Feuer und Liechte in ſich / in welcher Conjundion die eigene 
Siebe / als das JZungfräuliche Centrum ftund / als der ſchoͤne 
Paradiſiſche Roſen⸗ und $uft-garten/ darinnen er fich felber 
liebte: Als wir denn in der Aufferftehung der Todten dergleis 
chen feyn werden / wie uns Ehriftus/ Matth, 13. und zz. fas 
get Daß wir uns weder freihen / noch freihen werden laffen d 
fondern gleich ſind den Engeln GOttes. 

3. Ein ſoicher Menſch als Adam vor feiner Heva war} folk 
auffitehen und das Paradeif wieder einnchmen/ und ewig bea 
fisen / nihtein Mann oder Frau / fontern wiedie Schrift fa= 
get: Sie find Jungfrauen und folgen GOTT und dem Samınes- 
fie find gleich den Engeln GOttes / aber nicht allein pur Geiſt 
als die Engel ! fondern in himmliſchen Seibern / in welchen der 
geiftliche englifche $eib innen wohnet. 

4. Weil dan Adam ins Paradeig zumemigen Leben gefchaf> 
fen ward ins Bilde GOttes / und ihme GOTT felber fein Leben 
und Geiſt eingeblafen hatte ; fo mögen wir ihn wohl befihreiben, 
wie er geweſen ſey in feiner Unſchuld / und wieer gefallen / und 
was er jest fen / und endlich wieder werden foll. 

5. Hätte ihn GOTT indasirdifche/ gerbrechliche / elende/ 
nackte / trancke / viehiſche / mühefelige geben gefchaffen gehabt / ſo 
hätte er ihn nicht ins Paradeiß bracht: Haͤtte er die viehiſche 
Schwaͤngerung und Fortpflantzung begehret / ſo hätte er balde img." 
Anfange Mann und Weibgeſchaffen / und waͤren die zwey Ge⸗ 
ſchlechte im Jerbo Fiat, in die Theilung der zwey Tincturen ge⸗ 
gangen / wie bey andern irrdiſchen Creaturen. 

6. Eine jede Creatur bringt fein Kleid von Mutter Leibe / 
der Menfch aber komt elend / nackend und bloß in hoͤchſter Ara 
muth und Unvermögenheit / und vermagnichts / und iſt in ſei⸗ 
ner Ankunfft zu dieſer Welt die alleraͤrmſte und elendeſte / ver⸗ 
laſſenſte Creatur unter allen Geſchlechten / der ihme gar nichts 
helffen kan; welches uns gnug andeutet / daß Er nicht in diß 
Elend ſey von GOTT erſchaffen worden / ſondern in ſeine Voll⸗ 
kommenheit / wie auch alle andere Creaturen / welche der aller⸗ 
erfte Menſch durch ſalſche Luſt verſchertzte / da ihn GOTT her 
nach in feinem Schlaff erſt zum natürlichen Leben in Mann und 
Weib / nach aller irrdiſchen Ereaturen Eigenfchafft iuraͤuſſern 
Fiat figurirt Pundihmeden Madenſack mit den thierifchen Glie> 
dern zur Fortpflantzung anhieng / deſſen lich Die arıne Seele noch: 
heute ſchaͤmet / dag fir mug eine thierifche Form am Leibe tras 


gen. 
Er 7:2mt% 


196 Vom Paradiſiſchen Regiment. Fap.r8. 


7. Zwey fire undbeftändige Weſen waren in Adam / als der 
geiftliche Seib von der Siche Weſenheit des innern Himmels/ 
welcher GOttes Tempel war ; und der Auffere Seib / als der Li- 
mus der Erden / welcher des innern geiftlichen Leibes Gchäufe 
und Wohn⸗haus war / welcher in Eeinerley Weege nach der Ei⸗ 
telkeit der Erden offenbahr war / denn er war ein Limus, ein 
Auszug des guten Theils der Erden / welches inder Erden am 
jungften Gerichte foll von der Eitelkeit des Fluches und Vers 
derbungdes Teuffels gefchieden werden. 

8. Diefelbe ziweyerley Wefen / alsdas innere himmliſche und 
Das Auffere himmliſche waren in einander vermähler/ und in ein 
Corpus gefaffet/ darinnen war die hochheilige Tinctur vom 
Goͤttlichen Feuer und Liechte / alsdiegroffe freudenreiche Sieben 
begierde / welche das Werfen anzuͤndet / dag die zweyerley We⸗ 
fen einander gang inbrünftig in der Siebesbegierde begehrten / 
und fich lichten ; das innere lichte das Aeuſſere als feine Offen⸗ 
bahrung und Empfindligkeit ;und das Aeuffere lichte das Inne⸗ 
te / als feine gröfte Süfltgkeit und Freudenreich / feine edle Pers 
le und allerliebſte Gemahlin / und waren doch nicht zwey Leiber / 
fondern nur einer / aber zweyerley Effeng / als eine innere him̃⸗ 
liſche / Heilige / und eine aus der Zeit Weſen / welche miteinane 
»er in ein ewiges vermaͤhlet waren. 

9. Und in dieſer feuriſchen Liebe-begierde ſtund die Magiſche 
Schwaͤngerung und Gebuhrt/ denn die Tinctur drang durch 
beyde Eſſentien / durch die innere und Auffere/zund ermweckte die Be⸗ 
gierde; und Die Begierde war das Fiat das die Liebesluft faffete/ 
und in eine Subftang brachte: Alfo war die Gleichheit des 
Ebenbildes indiefer Subftang gefaffet / als ein geiftlih Bilde 
nach dem erften. Gleich wie das Fiat hafte daserfte Bilde/ als 
Adam gefaffet und geformet: Alfo ward auch die Gleichheit aus 
dem erften zur Fortpflankung gefaffet / und in diefer Faſſung 
war auch alfobalde die Magifche Gebuhrt / da inder Bebuhrt der 
geiftliche Leib Aufferlich ward. 

zo. Verſtehet / ob8 wäre geſchehen / dag Adam in der Probe 
wire beſtanden: Go wäre die Masifihe Gebuhrt alfo geſche⸗ 
hen / nicht durch einen fonderlichen Ausgang von Adams Leibe 
wie jetzunder / fondern wie die Sonne das Waſſer durchſcheinet / 
und nicht zureiffet; alfo wäre der geiftliche Leib / als die Gebuhrt / 
ausgegangen’ und im Ausgehen ubftantialifch worden/ ohne 
Mühe und Noht / in einer groſſen Sreudensreich und Wohlthun 
marc das geſchehen / auff Art / wie die beyde TE und 

eibes 


Cap.ı3. Dom Paradiſiſchen Regiment. 107 


Weibes in ihrer Conjunction einen freuden⸗reichen Anblick 
empfahen: Alſo waͤre auch die Magiſche Schwaͤngerung und 
Gebuhrt geweſen ein Jungfraͤuliches Bild / nach dem erſten 
gantz vollkommen. 

1x. Welches hernach / als dem Adam Veneris Matrix genom⸗ 
men und in ein Weib geſormet ward / muſte durch Angſt / 
Schmertzen / Wehe und Noht geſchehen / wie GOTT zu Heva 
ſagte: Ich wil dir viel Schmertzen ſchaffen wann du ſchwanger 
wirſt / und ſolſt nun mit Schmertzen Kinder gebaͤhren / und dein 
Wille ſoll deinem Manne unterworffen ſeyn: Warumb ? dar⸗ 
umb / er war aus des Mannes Willen entſproſſen: Eva war 
der halbe Adam / als das Theil / darinnen ſich Adam ſolte lieben 
und ſchwaͤngern / das ward ihme / als er nicht beſtund / im 
Schlafſe genommen / und in ein Weib formiret; Darumb / als 
ſie Adam ſahe / ſprach Er: Man wird ſie Maͤnnin heiſſen / dar⸗ 
umb daß ſte vom Manne genommen iſt. 
1a. Die Menſchen waͤren auff Erden nackend gegangen / dat 
das himmliſche drang durch das aͤuſſere / und war ſein Kleid: 
Er ſtund in groſſer Schoͤnheit / Freude und Luſt / in einem kind⸗ 
lichen Gemuͤhte: Er haͤtte auff Magiſche Art geſſen und ge⸗ 
truncken / nicht in Leib / wie jetzunder / ſondern im Maule / da 
war die Scheidung / denn die Paradeiß⸗frucht war auch alſo. 

13. Alles war zu feinem Spiel gemacht / Fein Schlaff war in 
ihme / die Nacht war ihme als der Tag: Dan er ſahe mit ver⸗ 
klaͤrten Augen in eigenem Liechte / der innere Menſch / als das 
innere ſahe durch das aͤuſſere; gleich wie wir in jener Welt wer⸗ 
den keiner Sonne doͤrffen / dan wir ſehen im goͤttlichen Sehen / 
im Liechte der eigenen Natur. Keine Hitze noch Froſt haͤtte ſte 
geruͤget / es waͤre auch kein Winter auff Erden offenbahr wor⸗ 
den / dann im Paradeiß war eine gleiche Temperantz. 

14. Die Tinctur der Erden war ihr Spiel / ſie haͤtten alle 
Metallen zu ihrem Spiel gehabt big auff die Zeit daß GOTT 
hätte die Auffere Welt verändert ; keine Furcht noch Schrecken 
waͤr in ihnen geweſen / auch fein Geſetz von etwas oder zur etwas] 
denn alles wäre ihnen frey gewefen : Adam wäre ihr Groß» 
fürft gewefen / und hätte in der Weltgelebet/ und doch auch im 
Himmel) in beyden Welten zugleich gewohnet / das Paradeiß 
ware durch die gantze Welt gewefen. 

25. Beil aber die Göttliche Fürfichtigkeit wohl erkante / daß 
Adam nicht beftehen wuͤrde / weildie Erde verderbet war durch 
ihren gehabten Fuͤrſten / indehme —* der Grimm ag hat 

zxwe⸗ 


208 Vom Paradiſiſchen Regiment. Cap. r8. 


beweget / und das Weſen in eine Impreflion gefaſſet; ſo ſchuff 
GOTT allerley Früchte und Thiere / auch allerley Artzneyen 
für die kuͤnfftige Krandheiten der Menſchen / darzu allerlcy 
Speiſen / dag der Menfch möchteindiefer Welt Nahrung has 
ten / und auch Kleidung. 

16. Dann er hatte befchloffen einen andern Fürften zu fette 
den / durch welchen er den Menſchen wolte von feiner Kranck⸗ 
heit und Tode erlöfen; und die Erde durchs Feuer GOttes be» 
währen und fegen/ und wieder indas Heilige einführen / ale 
fie war) da $ucifer ein Engel war / che fie in ein ſolch Geſchoͤpf⸗ 
fe eingieng. 

17. Und war Adam nur in das göftliche Wilde gefchaffen das 
ewig ſeyn folte ; und ob gleich im Grimm GOttes erfandt ward/ 
Das der Menfch fallen würde / fo war aber auch in GOttes Lie⸗ 
be der Wiedergebaͤhrer erkandt / dem dieſe Hierarchia folte 
zum fürftlichen Befiß an Sucifers ftelle gegeben werden. 

18. Damit aber der Fall nicht aus Böttlicher Verordnung 
herkaͤme / hat GOTT den Menſchen vollfommen/und ins Para⸗ 
deiß geſchaffen und eingeordnet / und ihme die falſche Luſt ver⸗ 
votten / welche der Teuffel durch den Limum der Erden / in Adams 

auſſern Leibe / mit feiner falſchen Imagination und Hungers— 
begierde erreget. 

19. Und iſt Adam vor ſeiner Heva viertzig Tage im Paradei⸗ 
ſe geſtanden in der Berſuchung /che GOTT das Weib aus ihm 
machte; fo er wäre beſtanden / ſo haͤtte HN GOTT zur Ewig⸗ 
keit alſo beftätiget. 

20. Daß ich aber von den viertzig Tagen ſchreibe / wider der 
andern Scribenten Brauch / deſſen haben wir Erkaͤntnuͤß und 
Urſache nicht allein durch Wahn / ſondern aus anderer Wiſ⸗ 
ſene / deſſen wir euch auch wollen Fuͤrbilde zeigen / als beym 
Woyſe / auffın Berg Sinai / als ihm GOTT das Geſetze gab / 
das geſchahe in viertzig Tagen / und ward Iſrael verſucht / ob 
fie wolten im goͤttlichen Gehorſam bleiben: Weil ſie aber ein 
Kalb und Abgott machten / undvon GOTTabfielen / ſo muſte 
Moſes die erſte Tafeln des Geſetzes zerbrechen / deutet an den 
erſten Adam in goͤttlichem Geſetze / welcher davon abfiel: So 
ward ihm daſſelbe abgebrochen / und fiel er in Zerbrechung ſeines 
Leibes / gleichwie Moſes die Taffeln zerbrach; und wie GOTT 
Moſt eine andere Schrifft auff eine Kugel gab. 

21. Welche andeutet den andern Adam (Chriſtum) der den 
erſten ſolte wiederbringen / und fein Geſetze wieder in feine — 

ge 


1 





Cap. 18. Vom Paradiſiſchen Regiment. 109 
gel des Hertzens / als ins Leben / in die Menſchheit einfuͤhren / und 
einfihreiben mir dem lebendigen Geifte in den ſuͤſſen Namen 
TESU ;: Alfo war auch das andere Geſetze geſchrieben / wie GOt⸗ 
tes Liebe wolteden Zorn zerbrechen / deffen der Bund im Gefege 
ein Bilde war wie hernach foll gemeldet werden bey dem Moyſe. 

22. Die andere Figur Adams im Paradeiß / feynd dievier- 
Sig Jahre inder Wuͤſten / da Iſrael im Gefege mit dem himm⸗ 
kifchen Manna verfuchet ward / 068 GOTT wolte gehorfahm 

ſeyn [dag ihrer der Zorn nicht alfo viel verfchlünge. 

23. Diedritte Figuriftdiemahre/ als Adams harter Stand 
mit Ehrifto in der Wuͤſten / da er an Adams ftelle vor dem 
Teuffel und GOttes Zorne beftunde / Da ervierkig Tage Ma> 
giſch gegeffen / als vom Verbo Domini , in welchem Adam auch, 
verfirchet ward / ob er wolte gänzlich in GOttes Willen gelafz 
fen bleiben; Ehriftus ward an Adams flelle / in Adams Ber 
ſuchung verſucht / und mit alleın demfelben/ darinnen Adant 
verſuchet ward / wiehernach foll gemeldet werden. 

24. Die vierdte Figur feynd Bie viergig Stunden Chrifti im 
Grabe /da er Adam aus feinem erften Schlaffe auffiweckte. Die 
fünfte Figur find die viersig Tage Chriſti nach feiner Auffer⸗ 
ſtehung inder letzten Probe / Da die Menfchheit am Testen ver: 
ſuchet ward / ob ſie nun wolte beffehen / und gan IN GOTTge⸗ 
laſſen ſeyn / weil der Todt war zerbrochen / und das innere menſch⸗ 
liche⸗ Leben in GOTT neugebohren worden. 

25. Dieſe fuͤnff Figuren gehören indie fünffgradus der Nas 
tur / vondererften Geſtalt der Natur big zur fünfften / als zum: 
heiligen Centro der Siebesgebuhrt; ſo es nicht zu weitläufftig, 
ſeyn wolte / wolten wirdas Elar darftellen / follan feinem Orhte 
gewiefen werdeit. 

26. Diefe viergig Tage ift Adam in feiner Unſchuld in der 
Probageftanden/ oberwolte und Eönte beftchen / dem Lucifer 
feinen Stuhl zu beſitzen / als ein Hierarcha und Fürfte GOttes / 
welches / weils GOTT erkandt hatte / daß es nicht ſeyn wuͤrde / 
hatte er beſchloſſen / ſich mit ſeiner tieffen Liebe in dieſer Adamis 
ſchen Engliſchen Bildnuͤß des innern heiligen Menſchens / wel⸗ 
cher in Adam verblich / zu bewegen; und ihn neuzugebaͤhren / 
als in des Weibes Saamen / verſtehet in der Liebe⸗ begierde Saa⸗ 
men / darinnen ſich Adam ſolte Magiſch ſchwaͤngern und gebaͤh⸗ 
ren. In denſelben Saamen war das verheiſſene Ziel des Bun⸗ 
des mit Chriſto geſtellet / welcher des Engels Bilde ſolte wieder 
bringen / als den goͤttlichen Menſchen / wie geſchehen iſt. 
E7 27. Dieſe 


xzıo Vom Paradiſiſchen Regiment. Cap.ıt. 


27. Diefeviersig Zageift Adam / als die Seel Adams / im 
Sleifche zwiſchen drey Prineipien verfuchet worden; denn ein je⸗ 
des Principium zog die Seele im Fleifche / und woltedas Regi⸗ 
ment haben / cine jede wolte das ober⸗Regiment haben. 

28. Das war dierechte Proba/ was der freye Wille der Sees 

Ten thun würde/ ob er woltein göttlicher Harmoney bleiben/oder 
ober wolte in die Selbheit eingehen: allhie ward er in Seel 
und Leib verſuchet / und von allen 3. Principien gezogen/ ein jedes 
wolte fein Wunder mit ihn verbringen. 
29. Nicht dag die Principia in Adam wären in ungleichens 
Maͤaß und Gewichte geftanden: In ihme waren fiein gleichens 
Gewichte / aber auffer ihme nicht; auch fo war der Zeuffelin 
GoOttes Zorne im erften Principio gefchäfftig mit feiner falfchen 
Begierde / und führete feine Imagination ftäts indie Seele / und 
in das äuffere Fleiſch / als in den Limum der Erden ; und in das 
erfte Principium , alsindie feurifche Eigenfchafft der Seelen in 
Die ewige Natur ein/ davon daserfte Principium in der Seelen 
beweget ward / ſich in des Zeuffels Einbildung zu beſpeculiren / 
als inder Magiſchen Gebuhrt zu beſchauen / wie und was Böfes 
und Gutes wäre / wieesinder Ungleichheit der Efienk ſchmeckte 
und wäre; davon die Luſt in der Seelen entſtundt. 

30. Als im äuffern Theil der Seelen entftunde die irrdiſche 
Luſt von der vielerley Eigenfchafft der Quaal zu eſſen: und im 
innern feurifihen Theilder Seelen entſtundt die Hoffarts-luſt / 
Boͤſes und Gutes zu erkennen umd zuprobiren / wollen GOTT 
gleich ſeyn / wieder Teuffel auch thaͤte / da er wolte ein Kuͤnſtler 
ſeyn in der Magiſchen Gebuhrt / darnach Adam allhie auch luͤ⸗ 
ſterte. 

32. Wiewohl Adam nicht begehrte das erſte Principium zu 
probiren/ wie $urifergethanhatte: Denn feine Luſt gieng nur 
dahin / Boͤſe und Gut zu ſchmecken und zu probiren/ als die Eitel⸗ 
keit der Erden: Die äuffere Seele ward erweckt / dag der Hun⸗ 
ger in ihre Mutter eingieng/ daraus fie war gegogen/ und ineine 
andere Quaal eingefuͤhret worden. 

32. Undals derfelde Hunger indie Erde eingieng von Böfe 
und Gut zueffen / ſo zog die Begierde im Fiarden Berficch-baum 
herfür/und ſtellte dehn Adam für ; da kam das ftrenge Gebott von 
GHIT / ud fprach zu Adam: Du folt nicht von diefem Baum 
der Erkaͤntnuͤß Gutes und Boͤſes eſſen; welches Tages du wirft 
Davon effen/folft du des Todes fterben. 

33. Und Adam aß auch nicht im Maule davon / allein mit der 

Ima⸗ 


Cap. 19. Bon Erbauung des Weibeshe. ıır 


Imagination oder Begierde afer davon; davon die Himmliſche 
Tinctur verblich / welche in einer feurifchen Siebe ſtundt / und wa⸗ 
chetedie Irrdiſche in der äufferen feelifchen Eigenfchafft auff / das 
von das Himmels-Bilde verdundelt ward. 

34. So war es gefhehen um die Magifche Gebuhrt/und Eonte 
nicht ſeyn / obwohl Adam im Paradeis ſtundt / ſo war es ihme 
doch Fein Nutz; denn in der Imagination oder Hunger nach 
Gut und Böfe/ wachte der äuffere Menfch in ihme auff / und be> 
kam das Kegiments da fiel Adams fhönes Bildnuͤß in Uns 
macht / undnahete fich in die Ruhe von feiner Wuͤrckung / den 
die Himmlifche Tinctur wardinder irrdiſchen Begierde gefan⸗ 
gen; dan die auffere Begierde impreffete ihr Weſen aus der Ei⸗ 
telkeit in ſich davon der Menfch verdundelt ward/und fein helles 
ſtaͤte Augen und fehen verlohr / als aus der Goͤttlichen Eflengf 
aus welcher er hatte zuvorhin gefehen. 

35. So ſpricht nun Moyſes / GOTT habe gefprochen: Es 
iſt nicht gut dag diefer Menſch allein fey / wir wollen ihm eine 
Gehuͤlffin machen] die um ihn fey: Als GOTT hatte alle Crea⸗ 
turen mit dem gantzen Gefchöpffe geſchaffen / ſpricht Mofes : Und 
GOTT fahe an alles was er gemacht hatte / und fihe / es war alles 
fehr gut/ und beftätiget alles zu feiner Fortpflankung; Allhie 
aber fagetervom Menſchen / esfey nicht gut daß er allein ſey/ 
denn er ſahe feinen elenden Fall / daß ex fich nicht Eönte felser Mas 
giſch fortpflangen/ und ſprach: Wir wollen ihm eint Gehülffin 


machen. 3 
Das 19. Capittel. 


Von Erbauung des Weibes / wie der Menfch fey zum 
Auffern natürlichen geben geordnet worden. 

0, > Nd Moyfes priht : GOTT lief einen tieffen 
Schlaff auff den Menfchen fallen / und er ent= 
ſchlieff; Under nahm eine Rippe aus feiner Sei> 
ten/und bauete das Weib daraus / und ſchloß die 

Staͤtte zu mit Fleiſch. Moſes ſaget / das Weib 
ſey aus einer Rippen aus Adams Seiten gemacht worden / wer 
wil das ohne Goͤttlich Liecht verſtehen ? Allhie aber lieget dem 

Moftver Deckel ſeiner Klarheit vor ven Augen / wegen des thieri⸗ 

ſchen Menſchens Unwuͤrdigkeit. 

2. Denn wir befinden / daß das Weib fen aus Adams Eſſentz/ 
aus Seibund Seele im Fiar gefaffet und geformer worden. Die 

Rippe aber bedeutet Adams Zerbrechung/ daß dieſer Leib nei 

u 


112 Bon Erbauung des Weibeshe. Cap. 19. 


amd würde zerbrechen; denn an ſtadt derfelbigen Kippe mufle 
hernach am Ereus Ehrifti/ Longini Speer indiefelbe Stätte 
eingehen / und den Bruch im Grimme GOttes mit himmliſchen 
Blutetingiren und heilen. 

3. Als nun Adam in feinem Hunger nach Irrdigkeit ſtund / 
fo impreſſete er ihme durch feine Magiſche oder Magnetifche 
Krafft die Eitelfeit Böfes und Gutes in fein fihönes Bilde ein/ 
davon das himmlifche Bilde vonder englifchen Welt Weſen ver> 
bfich/gleich als wie man andere materiein eine Kerken einfuͤhret / 
daraus. das Lecht brennet und ſcheinet / davon es dunckel wird / 
und endlich gar verlifchet: Alfo giengesauch Adam / denner 
führte feinen Willen und Begierde von GOTT indie Selbpeit 
und Eitelkeit / und brach fich von GOTT abe / als vonder goͤttli⸗ 
en Harmoney. 

4. Allda fand er zuhandt nieder indiellnmacht in Schlaf? 
als in eine Unvermögenheit / welches den Todt andeutet: Denn 
das Bilde EHXHttes / welches unverruͤcklich ift/ ſchlaͤfſet nicht: 
as ewig ift Jin deme ift Eeine Zeit) mit dem Schlaffaber ward 
im Menfchen die Zeit offenbahr/vdenn er ſchlieff ein der Engliſchen 
Welt / und wachte auff der auffern Welt. 

5. Sein Schlaffift die Ruhe Chriſti im Grabe / da das neu⸗ 
wiedergebohrne geben in der Menſchheit Chriſti muſte in Adams 
Schlaff eingehen / und den wieder zum ewigen Leben auffwecken / 
und aus der Zeit in das ewige einfuͤhren. 

6. Aber die Zerbrechung Adams feiner Eſſentz / als das Weib 
ward aus ihme genommen / ift die Zerbrechung des Leibes Chrifti 
am Creutze / vonderfechften Stunde bif zur Neundten; denn 
alfolange ift das. Fiar in Adams Schlaffe in der Scheidung 


Mannes und Weibes geftanden: Denn in folher Zeit ward 


das Weib aus Adam gang in ein weiblich Bildt vollendet. 

7. Und als Ehriftus am Creutz / unfer jungfräulih Wild 
wieder erlöfetevom Manne und Weibe / und mit feinem himmli⸗ 
fchen Blute in göttlicher Liebe tingirte; alser diß vollbracht hatte/ 
ſo ſprach er: Es iſt vollbracht: Denn zuvor ſtundt er in Adams 
Durst) als Adam nach der Eitelkeit duͤrſtete / fo erfüllete jeßt 
Chriſtus dieſen Durſt der Eitelkeit mit dem H. Goͤttlichen Lie⸗ 
be⸗durſt; und wendete der Seelen Willen wieder um / daß fie 
ihren Durſt wiederum in GOTT einführte: Und als diß ger 
ſchach / fo ſprach er Nun iſts vollbracht/umd wieder umgewandt ; 
Chriſtus wandte Adam in feinem Schlaf von der Eitelfeit / und 


won Manne und Weibe wieder um in das Engliſche — 
ro 


Capıy. Bon Erbauung des MWeibeske: 113 


Großz und wunderlich finddiefe Geheimnuͤſſe / welche die Welt 
nicht ergreifen mag / und ift ja fo blind’ daran / als der Blindgea 
kohrneander Beſchauung diefer Welt: wer es aber achtet und 
findet / der hat groſſe Freude daran. 

8. Eva iſt das rechte Magiſche Kind / denn ſie iſt die Matrix 
in welcher die Lichesbegierde in Adam ſtundt / als die Magiſche 
Schwaͤngerung und Gebuhrt: Sie war Adams Parsdeififher 
Roſen⸗gaͤrten in eigener Liebe / darinnen er ſich ſelber liebte dene 
in der Conjunction der zwey Tincturen war die Faſſung der 
Magiſchen Schwaͤngerung oder Menſchwerdung / oder goͤttlich⸗ 
en Bildung der Forteflantzung. 

9. Und GOTT ſprach nach dem Apffelbiß zu ihnen: Des 
Weibes Saame ſoll der Schlangen den Kopffzertretten. Allhie 
lieget der Grund⸗ und Eck⸗ſtein indiefer Matrice, denn die weib= 
liche Matrix, darinnen die engliſche Bildung ſtundt / war nach 
dem rechten Leben hinunliſch / aus himmliſcher Wefenheit/darina 
nen das rechte Paradeiß ſtundt. 

10. Aber Adam fuͤhrte mit ſeiner Imagination Irrdigkeit und 
Eitelkeit darein / als eigen⸗Willen / ſo verblich das heilige Theil in 
dieſer Matrice als Veneris Begierde / welches das goͤttliche Cen- 
trum in der Menſchheit war / als das geoffenbahrte Kebe-wort 
im Bilde SOttes / darum gebahr Eva aus demſelben fremden in 
die Matricem eingeführten Willen) zum erfienmahleinen eigen⸗ 
willigen hoffaͤrtigen Mörder ; denn Adam hatte mit feiner Ima- 
gination diefelbe Eitelkeit] fo wohl auch des Teuffels Begierdez 
eingeführet. s 

11x. Aber der göttliche Liebe-wille wolte dieſe verblichene. 
engliſche Matricem nicht verlaffen/und verhieg fich mit dem theu⸗ 
ren Namen IESUdarein / welcher fie follte wiederum in der 
Heiligkeit Eigenſchafft erwecken / und des Teuffels eingeführten 
Degierde und falſchem abtrinnigen Willen den Kopff zertretten / 
das iſt / feins Lebens Macht gerftören und nehmen / und wieder 
durch goͤttliche Liebe in das erſte Leben einfuͤhren. Und eben in 

dieſer heiligen Mattice, welche GOttes Wort und Krafft in dein, 
ſuͤſſen Rahmen ZESU/ indem Saamen MARIÆ im Ziel 
des Bundes wieder erweckte / ward der Schlangen Gifft in der 
Seelen und Fleiſche zerbrochen. 

12. Und das iſt des Weibes Saame: Liebe Bruͤder merc⸗ 
kets / es iſt theuer erkandt worden. In dieſe Matricem ward das 
verheiſſene Ziel des Bundes eingeſtellet; Aber Eva war nicht 
daffelbe Kind / denn das Theil der himmliſchen Matricis ſtundt in 
ihr verblichen / aber im Bunde GOttes / wie uns die duͤrre Ruthe 
Aaronis andeutet. 13. Sie 


- 


174 Bon Erbauungdes Weibene. Cap.raı 


13. Sie war wohl die gantze Matrix Adams / aber das heilige 
war inihr verfchloffen / und lebete nur das Auffere Theil der Auf: 
fern Welt mit Böfe und Gut / als die Matrix des dritten princi- 
pii, wohl mit einer halben feelifchen Eigenfchafft / aber in der Ge⸗ 
faͤngnuͤß Gottes Zornes:Der heilige Bund der Liebe ruhete in dem 
verblichenen Theile/ mitten im auffgewachtenZorne/aus welchen 
Bundeder Prophetifhe Geift im alten Teftament redete / und 
weiffagete auff die künftige Eröffnung im Bunde. 

14. Bender Formirung der Eväitt die gröfte Geheimmüß zu 
werfichen / denn man muß die Gebuhrt der Natur und Menſch⸗ 
lichen Urftand gans inniglich verftchen und ergreifen / wilman 
den Grund fehen ; denn fteiftder halbe Adam nicht von Adams 
Fleiſche gang genommen fondern aus feiner Eſſentz aus dei 
weidlichen Theile: Site ift Adams Matrix. 

15. Bon Adams Fleifihe und Beinen ift nicht mehr zum 
Weibe kommen) als die Kippe in feiner Seiten / und das halbe 
Creutz im Kopffe / welches des Lebens Gebuhrt⸗creutz war / daran 
Chriſtus den Tod zerbrach. Die Matrix des himmliſchen Theils 
war in Adam Magiſch / das iſt / ſchwebende in der Eſſentz: Aber 
das aͤuſſere Theil der aͤuſſern Welt / war eingefleiſchet / und wa⸗ 
ren beyde miteinander verbunden / gleich wie die Zeit mit der 
Ewigkeit. Das heilige Theil war im Himmel / und der Himmel 
ſelber / und das aͤuſſere eingefleiſchte Theil / war in der aͤuſſern 
Welt / in Matrice Mundi. 

16. Alſo ward Adam aus feiner Eſſentz die weibliche Eigen⸗ 
fhafft im Fiar ausgezogen/ als fein liebfter Roſen-garten / und er 
behieltden Limbum himmliſch und irrdifch nach des ewigen Vat⸗ 
ters geoffenbahrten Eigenfihafft / als der Feuer-ſeelen Matricis 
Eigenfhafft / unddas Weib das Theil des Geiftes der Seelen 
Eigenfhafft: Das Weib hattein ihrem verblichenen Theilder 
feelifhen Eigenfhafft das Centrum der englifchen Welt / als das 
geoffenbarte Liebe⸗wort / als die fünffte Geftalt der ewigen Nas 
tur: Undder Mann hatte in feinem Limbo die göttliche Feuer- 


welt / als das Centrum zur Siechtwelt/da8 Centrum aller Weſen. 


17. Des Mannes Limbus den er behielt / als das Weib aus 
ihme gemacht ward / war des Vatters Eigenſchafft nach allem 
Weſen; und das Weib ward aus dem Manne nach des Sohnes 
Eigenfhafft / nach allem Weſen / verſtehet das himmliſche Theil : 
Darum war Ehriftusin des Weibes Theil ein Menſch / und 
führte des Mannes Theil wieder in die heilige Matricem ein/ 
da5 der Limbus und die weibliche Marziz wieder cin Bild gr 

a 


Cap. 19. Bon Erbauung des Weibeshe. ır5 


als eine männliche Jungfrau über und inallen drey Principien , 
alsein Ereatürlich geformeter GO T / in deme der ewige uns 
geformte GOTT mitganser Fülle innen wohnete / zu gleiche in 
dem Geformten und auffer dem Geformten; Denn alfo war 
auch Adam vor feiner Heva/ und alfo müflen wir in Ehrifto auch 
werden/wollen wirdas Bilde und Tempel GOttes fepn. 

18. Allhie / alsdie Matrixder Gebährerin von Adam genom⸗ 
men war / ward das Weib in aller Geftalt mit folchden Gliedern 
jur Sortpflangung geformiwet / als fie noch heute ift/fo wohl auch 
Adam. Denn zuvorhin/als Adam Mann und Weib war/dörffte 
erder Glieder keines / denn feine Gebuhrt war Magiſch / feine 
Schmwängerung wäre in der Matrice ſchwebende / durch Imagina- 
tion gefchehen/ denn das Verbum Fiat war in ihm offenbahr. 

19. Undan ftatt der weiblichen Matrix , ward Adam der thies 
riſche Madenſack der Därmen angehänget /neben anderer For⸗ 
mung der innern principal-Glieder zum irrdiſchen Leben; fo wohl 
auch dem Weibe an ftatt des himmlischen Limbi , ward ihr der⸗ 
gleihen Madenſack angehaͤnget / daß fie doch möchten einen. Hauf⸗ 
fen Eitelkeiteinfacken Eönnen/und den Thieren gleich Icben/ weil 
ſie ja fo fehr nach Böfe und Gut lüfterten. 

20. Die Bernunffe wird mir Einrede thun und fagen: GOtt 

habe Adam im Anfange zur einem Manne geſchaffen / und eben 
nit allen Gliedern/wie er ietzt ift / weiches ſie doch nicht er weiſen 
kan : Sintemahl die Seele fich diefer thieriſchen Eigenfchafft 
fhämet: Auch wil ich die eigene Veruunfft fragen / obein folcher 
Adam wäre zum ewigen geben ohne Mangel / auch ohne Noth 
und Tod gefchaffen gewefen ; fo er alfo elende / nackend und blog 
waͤre in dig thierifche Leben gefchaffen gewefen ? Und ob diefes 
Stand- Haus ein Paradeiß und Tempel GOttes wäre gewe- 
fen / wie er fich woltehaben für der Zerbrechligkeit befchirmer ? 
Denn ein folcher thierifcher Menfch mag im Waſſer ertrinden / 
und im Feuer verbrennen/mag fich auch mit Felfen und Steinen 
zerbrechen. 

21. Sprichftu aber / GOtt hats wohl gewuſt / daß cs alfo mit 
Adam gehen werde/darumb Hat er ihn bald alfo gefhaffen? Dar⸗ 
zu faget die Schrift : GOTT fhuff ven Menſchen in feinem 
Bilde; Za zum Bilde GOttes ſchuff er ihn / nicht zun thieriſchen 
Bilde; was wolte GOtt dem Menſchen für Sünde zurechnen / 
ſo er ihn haͤtte in ein thieriſch Bild geſchaffen / was waͤre ihm deñ 
die neue Gebuhrt nuͤtze? Die neue Gebuhrt haͤlt diß Recht in⸗ 
nen / daß das Engliſche Bild ſell wieder gebohren ug —* 


116 Bon Erbauung des Werbeshe. Can. 19. 


Gott in Adam hatte gefhaffen. GOTT hut Adam ins Bilde 
Gottes formiret ; und ober wohl erkannt hat / daß er nicht bes 
ſtehen würde / ſo hat er ihm den Heyland geordnet /der ihn folte 
wieder ins erſte Bilde einfuͤhren / und in ſich zur Ewigkeit be⸗ 
ſtaͤtigen. 

22. Daß nun Adam in GOttes / und nicht im thieriſchen Bik⸗ 
de geſtanden ſey / findet man an deme / daß er aller Creaturen Ei⸗ 
genſchafft gewuſt hat / und hat allen Creaturen Namen gegeben 
ass ihrer Eflenz / Form und Eigenſchafft / er hat die Natur⸗ 
Sprache verstanden / als das geoffenbarte und geformte Abort 
— aller Eſſentz / denn daraus iſt jeder Creatur der Name ent⸗ 

anden. 

23. Hat ers nun gewuſt / wie das Wort der Krafft in jeder 
Creatur in der Form geſtanden iſt / ſo koͤnnen wir ihn nicht thie⸗ 
riſch ſchaͤtzen / er muß Engliſch geweſen feyn ;denn Fein anderer 
Menſch wird auffſtehen / als ſolcher wie Adam vor ſeiner Heva 
gemefen iſt: GOtt hat ihn vollkommen geſchaffen / aber er iſt 
nicht in der proba beſtanden; darauff erfolget nun das / daß ihu 
GoOtt hat laſſen indie aͤuſſere Magiam fallen / und ihn zum Bilde 
dieſer Welt ins natuͤrliche Leben geordnet / als in die Zerbrechlig⸗ 
keit und in die neue Gebuhrt; Denn im Himmel iſt weder Mañ 
oc Weib / ſondern alles ein Geſchlechte mit eigener Liebe / ohne 
weitere Foripflantzung in einer ewigen Beſtaͤtigung. 

24. Auch ftellet es ums dig dar / day Adam im Paradeiß ge⸗ 
ftorben ift/wie GOtt zu ihm fagke : Wann du vom Baume iſſeſt / 
fo ftirbeftu : Er ftarb des heiligen Bildes / und lebte des auffge⸗ 
wachten thierifchen Bildes: Denn als Adam ietzt vom Schlaffe 
auffwachte/ fo war er wohl noch im Paradeiß / dann die Eitelkeit 
im Fleifche und Seele qualificrte woch nicht : Sie war noch 
ſtumm und unmebende/ unfühlende / biß fie in die verbottene 
Frucht gebiffen/da gieng das irrdiſche Regiment an;da wachtedie 
Eitelkeit auff / als alle Geſtaͤltnuͤſſe des Lebens (eine jede in ihrer 
Selbheit / und giengen aus der Gleichheit auseinander ; und 
bald zuhand fiel Hise und Kalte auff ſie / deñ das äuffere inqualirte 
nun mit dem innert ; und verblich vollend das hiimlifche Bilde / 
welches in Adams Schlaffe / und auch in feiner Auffwachung / 
—* in Adam und Even noch lebete / aber faſt dunckel und un⸗ 
maͤchtig. 

25. Adam hat ſich in ſeiner Vollkommenheit an den Thieren 
vergafft: Dieweil er Mann und Weib war / und die Magiſche 
Schmängerung in fich hatte / und fich in thieriſche Luſt eingefühe 

ret/ 


Eap.ı9. Don Erbauung des Weibesc. 117 


ret / beydes nach thieriſchen Eſſen und Gebähren: Alfo hat ihn auch 
das Fiat in derſelben Luſt gefangen / und alſo in ſeinem Schlaffe 
geformet wie die Luſt war; und ein jedes Glied an ſeinem Orte 
zur Conjundion der vichifchen Bermifchung geformet/denn eine 
jede Begierde hat ihren Rund zur Offenbahrung bekommen: 
Alfo hatte fih das Bilde GOttes im Verbo Fiar in ein ſolch 
Zhier/wie wir noch heute find / geformet / und daſſelbe in fich fels 
ber / als des Menfcheneigen Fiar, als die erſte Geſtalt zur Ra⸗ 
tur welche die Begierde Böttlicher Offenbahrung ift /hats gea - 
than/und Fein anderer Macher auffer ihm. 

26. Man foll nicht dencken / dag etwas anders fey über Adam 
geweſen / das feine&vam habe aus ihme gemacht/oder das fic bey⸗ 
de habe zum Auffern natürlichen Leben geformet / als nur dag 
Verbum Fiat inihnen/ihr Eigenthumb / und nichts frembdes auf> 
fer ihnen : Wie dann die erſte Schöpffung Adams und aller 
Gefchlechte vergleichen gefchehen ift 5 Das Verbum Fiat haf je> 
des Ens coaguliret/ und das geoffenbahrte Wort hat fich im Ens 
nach feiner Tigenſchafft entfchieden/und die Creatur nach feinem 
Geſtirne und Geſchlechte geformet ; da fich dann in jedem Ente 
die Matrix vom Limbo gefcyieden/und in ein Maͤnnel und Weib⸗ 
lein geformet. 

27. Das Mahlwerk / wie man GOtt als einen Mann mah⸗ 
let / welcher Adam machet / und hernach Aber Adam ſtehet als er 
(chläffet und ein Weib aus ihm machet /ift mehr Abgöttifch als 
wahrhafftig/ und hats GOtt im Moyſe ernftlich verbotten/ kein 
Gleihnüß einiges GOttes zumachen : Denn er ift kein Bild / 
als nur in Ercaturen / nach dem außgeſprochenen geformten 
Wort) beydes nach der Ewigkeit und nad) der Zeit Creaturen: 
Erift fein Macher / fondern nur ein Formirer der Eigenfchaff- 
ten / ein Schöpffer / und nicht Macher. 

28. Das Schöpffen ift das Fiat , Das da faffet/und das Wort 
in der Kraft des Befaften gibt den Unterfcheid nach dein Ente ; 
Wie das Ens inder Bebährung des Geiftes iſt / alfo formet fich 
ein Ding ( denn der Leib aller Dinge oder Weſen ift anders 
nichts/als eine Signatur oder Gehäufe nach dem Geiſte: Wie die 
Gebuhrt im Ente ift / da ſich der Geift formet / alfo ift auch der 
Leib aller Sefchlechte in den lebhafften und wachfenden Dingen ) 
wie ſolches alles für Augen ift / daß der erfte Schöpffer / welcher 
fish bemeget und in ein Gefchöpffe eingeführet hat / allen Creatu⸗ 
ren in ihnen den Gewalt gelaffen/ zur felbft-Multiplication oder 
Vermehrung / Fortpflantzung und Machung / und ihnen das Fiat, 
als einen Macher singelsibet zum Eigenthum. Das 


118 Vom klaͤglichen uũ elenden Fall / Cap. 20. 


Das 20. Capittel. 


Vom klaͤglichen und elenden Fall | und Verder⸗ 
ben des Menſchen. 


2. Es nun Adam vom Schlaffe auffwachte / fahe er fein 
Weib Evam vor ihme ſtehen / und nahm ſte zu fich / 
den er kante fie/da fie fein ware / daß es feine Matrix 
wäre; und führete feine Eigenfchafft der Begierde 
in fie/gleich wie er zuvor gethan hafte/da er fich felber 

liebete: Alſo gieng iest die feurifche Tin&urder Seelen Adams 

indes Geiftes oder Liechtes Tindturin Even. 

2. Sie aber ſtunden noch beyde im Paradeiß im Garten in 
Eden / underkandten weder Böfes noch Gutes : Denmfie lebeten 
och ine Himmelreich / in Freude und Luſt / und war das der Even 
erfte suft von Gut umd Boͤſe zur effen ; denn Mdams Begierde 
hatte fie in das Magifche Bild / als es noch in Adams Eſſentz 
war / eingeführet und iwpreſſet / gleich wie ein Kind ein Anmahl 
in Mutterzleibe empfähet/ da es ihr die Mutter imprefet. 

3. Alfo hatte auch Adam die falfche Begierde in feiner Eſſentz / 
daraus das Weib gemacht ward / impreſſet: Darumb luͤſterte das 
Weib alſo balde nach der Eitelkeit / wie man noch heutiges Tages 
in den meiſten eine lautere irrdiſcheFleiſches⸗ Luſt findet: So bal⸗ 
de diß Geſchlechte ein wenig zu Jahren komt / ſo gehet die eigene 
Luſt in Hoffart / und Glaͤntzen mit fleiſchlicher Begierde vorher / 
und luͤſtern balde nach dem verbottenen Baum / wider die Jung⸗ 
fraͤuliche Zucht / Keuſchheit und Engliſche Demuth. 

4. Der Eckel den Adam in ſeine Matricem einfuͤhrete / der iſt 
alſo ſtarck in ihnen / daß ſie gleich als blöde für dem Bilde GOt⸗ 
tes find / das GOtt ſelber in Adam fhuff = Derowegen muͤſſen 
ſte auch unterm Mann ſeyn / daß ſie die Urſache ſind / daß die Ei⸗ 
telkeit entzuͤndet ward / zu welcher der Teuffel ein Stiffter war. 

5. Denn als er Evam ſahe / fo kante er feine eingeführte 
Begierdein ihr /mwelcheer hatte in Adam eingeführt/ die blickete 
in Eva in Luſt perfür: Darumb kam der Teuffeligt in frembder 
Geſtalt / alsinder Schlangen Eſſentz / welche das liſtige Thier 
war ; und legte fich an den Verſuch⸗ Baum gegen der Heven / 
daß fich die eingeführteSucht inder Eva ander aͤuſſern Schlan⸗ 
gen / welche der Teuffel auch hatte inficiret/vergaffete/und alfo ei⸗ 
ne Luſt die andere fieng ; davon die Heva mächtig in die ver> 
bottene Frucht imaginirte und luͤſterte / welches ihr der * 

rie 


Eap.2o. und Derderben des Menſchen. 115 


richt fie folte eſſen fo würden ihr die Augen auffgethan werden? 
und fie feyn mie GOtt / und Gutes und Böfes wiſſen. 

6. Welches wohl wahr war / diefelbe Erkaͤntnuͤß ſtack in der 
Srucht /denn die Eflentien waren darinneninder Ungleichheit s 
er fagte ihr aber nicht / daß der Widerwille in ihren Fgbes-Eflen- 
tien wuͤrde auffwachen / und daß Hitze und Kälte / darzu Kranck⸗ 
heit und der Tod in ſie dringen wuͤrde; da ſchwieg er ſtille / und 
ſchmuͤckete die Sache / zog ſie in einen Schimpff / als eb ihnen 
GoOtt hätte etwas fuͤrbehalten / das fie als ein Schaf finden 
anöchte : Alfoliftig betrog er Hevam. 

7. Undals fie fich mit der Schlangen in ein Gefpräche begaby 
ward fie im Hallgefangen / denn der Teuffel inficirte denſelben 
mit ner Luſt / biß er fie beredete / fie würde klug werden / fo 
fie äffe. 

8. Daun der Teuffel dachte / fo Eva Kinder ins Paradeig 
zeugte / ſo möchte feine Sache nicht gut werden; fie möchten ihme 
fein Engliſch Reich befigen. 20 

9. Nun fraget fihs : Warumb betrog der Teuffel Hevam 
eben durch die Schlange / und nicht durch was anders ? Konte er 
es nicht im eigener Geftalt thun / wie daß er eben durch die 
Schlange zur Evenredete ? Und warumb leget fich die Schlan⸗ 
ge an Bauın fie zubereden / wider GOttes Verbott? 

10, Allhie lieget dem Moyſt abermahl der Dedel vor feinen 
klaren Augen / dann er beſchreibet die Hiſtoriam wohl recht: Aber 
wie mag das ein unerleuchteter Sinn verſtehen / in dehme er von 
der Schlangen redet: Die Schlange habe mit Even geredet? 
und ſie betrogen / da fie Doch nicht reden kan / auch nur ein Thier 
äft ohne Göttlichen Verſtand / und das Bilde GOttes in ihrer 
Selbheit nicht mögen erkennen; vielmeniger hat die Schlange 
wie himliſche Kräffte oder das Verbott verftanden. 

1x. Aber höret was Moyfes faget: Die Schlange war liſti⸗ 
ger denn alle Thiere auffdem Felde/die GOtt der HErr gemacht 
hat. Allbie fraget fichs erfklich : Woher kam ihr die Liſt / daß eben 
der Teuffel durch ihre Sift wolte reden und Evam betriegen ? 
Allhie ſtecket das Myfterium. 

ı2. Als ih GStt nach feinem außgefprochenen Worte im 
Verbe Fiat bewegete / nach beyden innernWelten / als nach GOt⸗ 
tes Liebe und Zorn / nach der ewigen Natur der Finſternuͤß / und 
nach der ewigen Natur und Krafft des Liechts; ſo haben ſich alle 
Eigenſchafften in Boͤſe und Gut cowpactiret / dann das Fiat war 
an allen Eigenſchafften / in denen zum Gentro, fo wohl als in * 

ne 


220 Vom Häglichen un eleuden Fall / Cap 20 


nen / da die Goͤttliche Krafft in Heiligkeit offenbahr war: wie die 
Eröffnung in jedem Puncte war / als die Luſt zur Offenbahrung 
des groſſen Myſterii aller Weſen / alſo ergriff das Fiat, als die 
erſte Geſtglt zur Natur / einen Eos oder Limum aus der Erden / 
ſowohl uͤber der Erden in jedem Magiſchen Geſtirne nach den 
Graden der Entſcheidung; und alſo ward kn ſelben Ens ein 
Geift nach deinfelben Gradu oder Magifchen Geftirne ; und 
eben einen folchen Leib oder Corpus Agurirte das Fiat, wie derfel> 
be Geiftwar. 

13. Weil dann Fürft Lucifer war in göttlicher Pomp, als 
ein Hieracchagefeffen / und woltein göttlicher Krafft in Feuers⸗ 
macht über und in allen herrſchen / und GOttes Liebe und die De⸗ 
muth verachfete ; und mit feiner falfchen Begierde ins Weſen 
des aufigefprochenen Wortesim Fiat eingieng / als ein Gaucke⸗ 
fer] der da auch formen und machen wolte;fo hat er daffelbe 
Weſen / als nach der finftern Welt Eigenfchafft/ welches mit im 
Fiat in die Coagulation, als ins Ens eingieng da Boͤſes und 
Gutes ineinander hieng /inficiref : Denner( der Teuffel) bea 
gehrte Der gröften Liſt aus Dem Centro der Natur /alsein ab⸗ 
truͤnniger Gauckler / und wolte in der geoffenbahrten Magia im 
Fiarherifchen. 

14. Und aus dieſem inficirten Ente (da Böfes und Gutes in 
groffer Krafft offenbar war ) ift die Schlange im Fiar aus einem 
ſolchen Ente gefchaffen worden: Darum faget Moyfes recht: 
Sic wartiftigerdennalle Thiereauffdem Felde / denn des Teu⸗ 
fels Wille (als fein eingeführte Begierdein dasfelbe Ens, dar⸗ 
aus fie gefchaffen ward) war in ihr / ſie hatte Teuffels Liſt und 
Willen: Und gleich wieder Teuffel im Anfang ein Engel war / 
und aus guter kſſentz / und ſich aber ſelber in einen boͤſen einfuͤhr⸗ 
te; alſo iſt auch der Schlangen Ens vor ihrer Schoͤpffung vor 
des Teuffels Inficirung gut geweſen / aber indes Teuffels Begier⸗ 
de in eine Eigenſchafft des Liſts gebracht worden. 

15. Denn des Teuffels Begierde zog die ſtachlichte / ſpitzige / 
ſcharffe Liſt außgm Centroder Natur / und führte ſie durch des 
Fewers Anzuͤndung in himmliſchen Salniter / als in die Eigene 
ſchafft darinnen er faß / und ein Engel war / ein; und allhie gieng 
dieſelbe Liſt im Fiat mit in demſelben Ente in eine Compaction. 

16. Denn der Schlangen Ensift an einem Theil / als an dem 
himmliſchen / eine grofle Krafft geweſen / wie auch im Teuffel eine 
groffe himmliſche Krafft war / denn er war ein Fuͤrſte GOttes: 
Alſo führte er auch feine ausgezogene Liſt undLuͤgen in ein . 

gi 


Gap. 20. und verderben des Menfchen. 121 


ges Ens, im Willen damit zu gauckeln/ als ein eigener GOTT. 

17. Wie denn das die gelehrten Naturkündiger verfiehen / 
wie das in der Schlangen trefiiche Kunst / und auch Tugend in 
ihrem Ens lieget ; fo ihr des Zeuffels Gifft genommen wird fe 
lieget in ihr die gröfte Eur zur Heylung aller fenrigen vergiffti= 
gen Schäden auch wider Gifft/ undalles das ſich einer feuris 
gen Girft gleichet/ denn die Göttliche Kraft lieget in einem 
Seuershunger darinnen : aber im Fluche des Zornes GOttes 
verborgen. 

238. Gleich wie GOTT in der verfluchten Erden verborgen 
wohnet / alfo auch allhie: Jedoch ifts den weifen gottsfuͤrch⸗ 
tigen Kunftfucher in feine Handt gegeben / und darfffich vorn 
Fluche nicht entfegen ; denn er foll in Goͤttlicher Krafft/ um 
Glauben über alle Ereaturen herrſchen: So er nicht fo viel vie- 
hiſch und hoffärtig inder Schlangen Eſſentz ergrieffen wäre / ſo 
möchte ihm unfer Sinn offenbahr werden] und dürfte wohl allhie 
ein Arcanum der Welt finden. - 

19. Diefeliftige Schlange war nun vonauffen ein überaus 
huͤbſches / anſehnliches / feines / wohl gefhmücktes Thierlein / nach 
des Teuffels Hoffarth wohlgeputzet: Nicht zu verſtehen / daß der 
Teuffel ſey ein Schoͤpffer der Schlangen geweſen / ſondern dag 
Fiat war in ihr nach GOTTES groſſen guten Krafft / und denn 
auch maͤchtig nach ſeines grimmigen Zornes Krafft offenbahr. 

20. Dieſe Schlange war eine lebendige Figur des Verſuch⸗ 
baumes / gleich wie der Verſuch⸗baum in einer ſtummen Krafft 
war Alſo war die Schlange in einer lebendigen; und darum 
machte ſich auch die Schlange zu dieſem Baume / als zu ihrer 
Gleichheit / zu ihrer Eſſentz Gleichheit / welches der Teuffel ſahe; 
und die Schlange in dem Theil ſeiner inficirten uud eingefuͤhrten 
Gifft beſaß / und ihr die Zunge wapnete; und aus ihrer großen 
Liſt zur Even redete / daß ſie den grauſamen Feind und rauen Gaſt 
den Teuffel nicht kante. 

21. Und fuͤhrte der Teuffel die Schlange darum an Verſuch⸗ 
baum / dieweiler ſahe / das ſich Eva am Baum vergaffte / und 
gerne der Frucht hätte geſſen / daß ſich Eva folte an der Schlangen 
wmonſt roſiſch machen: Und iſt der wahre Zweck dieſes. 

22. Evam luͤſterte jetzt nach der Frucht des Baumes der Er⸗ 
kaͤntnuͤß Gutes und Boͤſes / denn Adam hatte dieſe Luſt in ſein 
Ens eingefuͤhrt / daraus Eva geſchaffen ward: Nun aber ſtund 
Eva das Verbott dafuͤr / und fuͤrchtete ſich vor GOTT/ und wolte 
nicht wider das Verbott tuhn: So ſchloff der Teuffel in der 

F Schlan⸗ 


122: Bomkläglichen uũ elenden Fall / Cap.ro 


Schlangen Ens, als in die große Liſt; und draͤhete aber die greße 
Krafft und Wise in der Schlangen Eſſentz herfuͤr dag Eva 
ſahe und erkante / wie die Schlange fo klug und liſtig war: und 
hieng allda am verbottenen Baume / under ſchadete ehr nicht / und 
ſie ſahe die Schlange eben an / und vergaffete ſich an ihr / auff Art 
wie ſich ein ſchwanger Weib vergaffet / und monſtroſiſch macht / 
amd dem Kinde eine ſolche Figur einführt: Alſo vergaffte ſich Eva 
an der Schlangen Witze und Liſtigkeit / auch Behendigkeit und 
Kunſt / davon ſie lüftern ward von dem Baume zu eſſen: Denn 
die Schlange rieht ihr das durch des Teuffels Hall und Stimme / 
undgab vor / die Liſt und Kunſt kaͤme ihr von dem Baume. 

23. Even Eſſentz war himmliſch / aber ſchon von Adams Ima- 
gination etwas vergifftet / und böfe: ſo gieng nun der Even gute 
Begierde der guten Elſſentz in ihr / in der Schlangen groffe Krafft 
und innerliche Tugend / die fie aus himmliſcher Eſſentz hatte / als 
aus dem guten Theil des Entis der Erden / und die inficirte Eigen⸗ 
ſchafft der Even / welche Adam hatte eingelaſſen / und durch Ima- 
gination eingeführt/gieng in der&chlangen Eift/als ins Centrum 
der finftern Weltin GOttes Zorn ein: Alfo auch hingegen gieng 
vesTeuffels Heftige Begierde und Imagination durch der Schlan⸗ 
gen Eſſentz / in der Even Eſſentz ein / beydes durch den Hallim Ges 
ſpraͤch des Redens / und durch die Conjundtion beyder Begierde. 

24. Und alhie hat ſich der Even Begierde und des Teuffels 
Begierde in dieſer Conjunction vermaͤhlet; denn des Teuffels 
Begierde machte der Heven Luſt gantz monftrofifch / und zwang 
ſie alſo in der Luſt / biß er ſie uͤberwandt / daß ſie darein in ihre 

‚Begierde willigte: Sie wolte auch von dem Baume des Vers 
ſtandes und Klugheit eſſen / und begehrte auch alſo Flug und liſtig 
zu ſeyn / oder zu werden/alsdie Schlange. 

25. Denn der Teuffel ſagete: Die Frucht würde ihr nicht 
fchaden/ ſondern ihre Augen des ſcharffen Berftandes würden 
ihr auffgetahn werden / und fie würde ſeyn gleich wie GOTT? 
Dasdauchte Evam gut ſeyn / daß fie eine Göttin möchte ſeyn / und 
willigte gantz darein: und in dieſer Einwilligung fiel ſie von 
der goͤttlichen Harmoney / vonder Gelaſſenheit in GOTT/ und 
von der goͤttlichen Begierde abe / und gieng mit ihrer eigenen 
Begierde in der Schlangen und des Teuffels Liſt / Sucht und 
Eitelkeitein. 

26. Allda in dieſem Puncte hat des Teuffels Begierde der 
Even Willen gantz beſeſſen und in eine Schlangiſche Subſtantz 
ge fuͤhret: Alba ſyard Eyg nach der Schlangen — 

———— ih 


Cap. 2o⸗ undverderbendes Menſchen. 123 
ihrer eigenen Eilentz monſtroſiſch / und alhie bauete der Teuffel 
ſein Schloß und Veſtung in menſchliche Eſſentz ein; und allhie 
iſt der Todt der himmliſchen Eſſentz / als des himmliſchen Weſens: 
Allhie wich der heilige Geiſt GOttes aus Era himmiliſcher Es- 
ſentz: Alfo indicfem pun&o ifl verblichen das himmliſche Theil 
des Menschen / als der himmliſche Limus im Sleifche: Und das 
iſt daß GOTT fagte/ welches Tages du davon eſſen wirſt / wirſtu 
des Todes ſterben. 

27. Als Eva ihren Willen aus dem gehorſam GOttes in 
der Schlangen Liſt einfuͤhrte / ſo verblich die Krafft der himmli⸗ 
ſchen Sanfftmuth und Demuth in dem himmliſchen Limbo, 
nicht dag ſte haͤtte der finſtern Belt Eſſentz in ihre Eſſentz gang 
eingenommen: Nein / ſondern wie GOTT zu ihr ſagete: Du 
wirft ſterben / dasift am Himmelreich ſterben oder verbleichen / 
denn das Himmelreich nimt kein recht ſterben ein; Allein wenn 
Das Liecht des göttlichen Principii verliſcht / fo iſt daſſelbe Weſen/ 
darinnen es brandte und ausſchien / ſtumm / und als todt ohne fuͤh⸗ 
len und Berftandt/als ein Nichts / gleich wie eine Kertze in einem 
finftern Orte brennet/ welche ein gang Gemach liechte macht / und 
fo die erlifcht / fo hat fe Eeine Spuhr nach ihr; Deffelben Krafft 
schetins Nichts] auff Art wie GOTT alle Ding ausnichts ger 
macht hat. 

28; Nicht zuverfichen daß des Menfchen himmliſch Ens fey 
ein nichts worden, esiftim Menfchen blieben: Aber dem Mens 
ſchen in feinen Leben als ein Nichts / denn esttun tin GHTT 
verborgen / und dem Menſchen unbegreifflicg olmeseben: In 
GOTT ſtirbet nichts / aber im menſchlichen Leben verblich das 
heilige Ens. 

29. Undalsnun Evaan Baum griff/ und die Frucht abes 
brach / das thäte fie ſchon durch den ir ıdifchen Limum , und durch 
der Seelen Willen / welcheder Klugheit aus dem Centro der 
Natur begehrte / welche Klugheit fieim Centroinihr ſchon eu⸗ 
pfandt / und aber in der göttlichen Krafft und inder gelaffenen 
Demuht nicht offenbahr wars In dieſem Angreiffen grieff ſchon 
des Teuffels Begierde in ihrem monſtroſtſchen Bilde mit an die 
Frucht / und als ſie die Feucht ins Maul nahm und davon aſſe / 
daßz ihres Leibes Eſſentz dieſe Eſſentz in ſich einnahme / ſo empfieng 
die menſchliche Eſſentz die Eſſentz im Baume. 

30. Und weil ſie nicht zuhandt niederfiel und ſtarb / dauchte 
fie] es würde ihr nicht ſchaden / denn der Zornquell ruhete noch in 
ihr; und ſie beredete Adam daß er auch aße / weil er ſahe daß es 
Even nicht ſchadete. 52 31. Als 


124 Bom klaglichen uũ elenden Fall / Cap.2o! 


32. Als ſte aber nun gegeſſen hatten fo wachte der Grimm 
GHttes Zornes auff in dem monſtroſiſchen Bilde / als die Ei» 
genſchafften der finſtern Welt / als des Teuffels eingefuͤhrte Be⸗ 
gierde / welcher jetzt ſeinen Sitz / in dem monſtroſiſchen Bilde / 
in der Schlangen Eſſentz hatte: In dieſer Stunde wacheten 
alle Geſtalten der Liſtigkeit in Menſchlicher Verborgenheit 
auff; denn alſolange der Menſch in GOTT gelaffen ſtundt / in 
der gleichen Concordang in Goͤttlicher Harmoney / ſo durchdrang 
das Himmliſche / als das Leben des himmliſchen Limi den irrdi⸗ 
ſchen Limum, und mochten die Eigenſchafften nicht offenbahr 
werden; denn fie waren alle in gleicher Maag und Gewichte) 
gleich wie die Zeit in GOTT/und GOZT in der Zeit. 

32. Als aber des Menſchen eigen Wille anfieng / fo fingen 
auch die Eigenfchafften aller Magifhen Geftirne / ein jedesin 
feiner Selbheit in fich an zuqualificiren, denn im Menfchen 
Ingen alle Magifche Geftirne / denn er war am fechften Tage an 
der fechften Hffenbahrung der Böttlichen Geheimnüß / als ein 
Limus aller Weſen / erſchaffen / ein Limus oder Ausgebuhrt/ dar⸗ 
aus alle Ereaturenerfchaffen waren / ein Geſtirne; denn er folte 
auch über alle Ercaturen/ diefer Welt herrſchen / und in alle Cre⸗ 
aturen / und doch von Eeiner beherrfchet werden. 

33. Denner ftundingleicher Eſſentz / jegtaber giengenalle 
Geftirnealler Efleng aller Ereaturen im Menfchen auseinans 
Der /einjedesinfeine Selbheit; davon entftund der Streit und 
Widerwiile in der Eflenk / daß eine Eigenfchafft wider die an 
Dere war: Allfo herrfchete auch zuhandt Der Äuffere Geift vom 
Auffern Geſtirne und vier Elementen in ihnen; und ward in 
ihren Leibe Hige und Kälte offenbahr / darzu aller böfen und 
guten Thiere Eigenfchafft/ welche Eigenfchafften zuvorhin alle 
verborgen lagen. 

34. Alhie ward der Schlangen Liſt und Klugheit offenbahr / 
und verdarb das edle Bild / und ward nach der Erden Limo ein 
Thier aller Thieren; davon nun jetzt ſo vielerley Eigenſchafften 
in dem Menſchen ſeynd / als einer ein Fuchs / Wolff / Beer / Loͤwe / 
Hund / Stier / Katze / Roß / Hahn / Kroͤte / Schlange / und in Summa 
ſo vielerley Geſchlechte der Creaturen auff Erden ſind / alſo vie⸗ 
lerley Eigenſchafften find auch im irrdiſchen Menſchen / cin jeder 
etwan einer / als nach dem inherrſchenden Geſtirne / welche eine 
ſolche Eigenfchafft in Zeit des Saamens im Saamen machen / 
wegen ihrer Inherrſchung; welch Geſtirne am maͤchtigſten in 
der Gonktellation iſt / das hat feine Begierde im Saamen / = 

- ⸗ 


Sap.zo. und Verderben des Dienfchen. 125 


fo der gefüet wird / fo wird eine ſolche Eigenſchafft in dem irrdi⸗ 
fchen Theil des Menſchen mit aufgebrüttet- 

35. Nicht dag der ganze Menfch ein folches fey / ſondern in 
der irrdiſchen Efleng wird eine folche Figur ver Begierde / und 
muß der Menfch ein fol Thier im Leibe tragen/das ihn zu thie⸗ 
riſcher Eigenfchafft reiget und treiber : Nicpt dag erim aͤuſſern 
derfelben Form habe / aber in der irrdiſchen Effeng wohl: Nach 
dem aͤuſſern bleibet er inder erften Bildung. | 

36. Da doch daſſelbe Thier bey einem jeden feine Signatur mit 
im Auffern etwas anhanget ; fo man das in acht hat / findet man 
es: Davonhieg Ehriftus die Pharifeer Nattern-Gezüchte/und 
Schlangen-Geraͤcke: Item / andere Woͤlffe / Fuͤchſe / Hunde und 
dergleichen / denn fie waren in der irrdiſchen Eſſentz ſolche: Und 
Ichret uns / wir müffen neugebohren werden / und diefe thierifche 
Eigenſchafft verlaffen / und werden als die Kinder / oder folten 
nicht GOttes Neich befigen. 

37. Denn wie die Effeng im Leibe iſt: Alfo figuriref und for» 
met fich auch der Geift im Innern / und ſtehet die arıne Seele in 
dieſer Gefängnüß an einem folhem Thiere angebunden/und mit 
ihme vermählet : Es fen denn /daf der Menſch neu⸗gebohren 
werde / zu welchem Grunde GOtt die Befhneidung im Alten 
— und im Neuen die Tauffe in Chriſti Geiſte geordnet 
hat. 

38. Alhie iſt uns das hoch zu betrachten / was vor Schrecken / 
Sammer / Angſt und Noth im Menſchen auffgewacht fey / un 
als ein falſch eben und Willen in Menſchen ſey offenbahr wor⸗ 
den; deſſen wir ein Bilde am Tode Chriſti haben / als er den 
Tod in unſerer menſchlichen auffgewachten Eigenſchafft am 
Creutze zerbrach / und mit der groſſen Siebe in feinem himliſchen 
Blute uͤberwandt / welches cr darein fuͤhrete; wie die Erde da⸗ 
für erzitterte / als der Limus der Erden / davon Adams aͤuſſere 
Effeng war aufgezogen : Als ietzt die groffe Siebe in die mensch» 
liche Erde eindrang / darinnen der Zorn GOttes im Fluche le= 
bendig und würdende war / als er ietzt folte ſterben / umd in ein 
andere Quaalverwandelt werden/fo erzitterte er für dieſem groſ⸗ 
fen Liebe⸗Feuer / gleich wie das Siche» Feuer in Adam und Heva 
in der Auffwachung des Zorns in ihnen erzitterte / Davon fie er⸗ 
ſchracken / und hinter die Bäume im Garten krochen /und ſich 
fuͤrchteten: Deñ das Schredten des Zornes war in ihrer Eſſentz 
auffgewacht / und erkanten ihre thierifche Eigenfihafften. 


33 Das 


126 Von der Impreffion ni Urſtand Cap.zr 


Das 21. Capittel. 


Bon der Impreflion und Hrftand des £hierifchen Men: 
fihens / vom Anfange und Grunde ſeiner Krand: 
heit und Sterbligkeit. 


= "4 !8 Adam und Era Monftrofifch worden / fo wich der 
Heil. Geift aus dem Theil des himliſchen Limbi, 
denn das Theil der himliſchen Eigenfhafft an der 
Seelen verblich / darinnen das Böttliche Lecht ſchie⸗ 
ne / und darinnen die Göttliche Krafft der heiligen 
Tindur wohnete. 

2, Verftchet die Krafft des Kechts wich von ihme ind Cen- 
tom, auff Art wie ein ſcheinend Liecht / das aus einer Kerk bren⸗ 
net / außliſchet / umd vom Liechte nur der Feuer-Quaal bleibetz 
Alſo auch blieb von der Seelen Eigenfihafft nurder Magiſche 
Seuer-Quaal/als das Centrum der ewigen Natur / als die Feuers 
Welt und Finfternüß. 

3. Und am aͤuſſern Theil der Seelen blieb der Lufft-Geiſt mit 
ſeinem Geſtirne / darinnen ſchien das Liecht der aͤuſſern Natur / 
deſſen muſte ſich nun die Feuer-Seele behelffen; denn das Fiat 
war im Grimme GOttes / als in der feuriſchen Eigenſchafft der 
Serlen / ſe wohl auch des Lelbes Regiment ergrimmet / und war 
inch ſeuriſchen Hunger eingegangen / als im guffgewachten 
Schracke GOttes Zornes / in der Eſſentz in Leib und Seele / 
und impreflete ſich mit hartem Anziehen in der Eſſentz des We⸗ 
ſens / im Limbo des Leibes / davon ward das Fleiſch grob / hart 
und derbe. 

4. Denn im Schracke des. Grimmes wacheten alle Eigen> 
fhafften aller. Geſtirne nach aller Creatur Eigenfhafft in 
der Effeng auff / davon entftund die Feindligkeit und Widerwer⸗ 
tigkeit in der Elſentz des Leibes und der Seelen / daß eine Eigen» 
ſchafft wider die ander iſt / ein Geſchmack wider den andern / denn 
es gieng alles aus dem Temperament ; davon entſtund ihnen das 
Wehethun und Krandheit. 3 

5. Dann fodie widerwaͤrtige Elſentz ineinander eingehet / fo 
machets eine Feindfchafft / überwinden / und in einander zerbre⸗ 
hen: Eine Eigenfchafft zerbricht die andere / und kraͤncket die 
andere/davon das Sterben undLeibes-Zerbrechen entftanden ift. 

6. Denn was nicht in der Temperanf ftchet / das mag nicht 
ewig beſtehen ; was aber in der Tewperantz ſtehet / ee 

P2 


Sap.zi. Desthierifchen Menſchens. 127 
Zerbrecheridenn alle Eigenfchafften lichen einander + Und inder 
Liebe iſt des Lebens Wachſung und Erhaltung. 

7. Und iſt uns alhie gruͤndlich zu verſtehen / wie die groben 
Eigenſchafften im Grimm des Fiars in der Eſſentz des Leibes / 
haben die him̃liſche Weſenheit im Sulphurvertundelt / und gantz 
eingeſchloſſen / daß der hunlifche Menſch nicht mehr erkant ward / 
gleich wie das Bley den Gold⸗Geiſt in ſich verſchlungen hält / 
daß man ihn nicht fennet. 

8. Dann die Begierde/als dieerfte Geſtalt der Natur / wel⸗ 
che das Fiat iſt / hat beydes in Menſchen und Metallen / das him⸗ 
liſche Theil mit der Grobheit verſchlungen / wie denn auch in allen 
Kraͤutern und aller anderer Frucht; alles kraͤfftige von der heili⸗ 
gen Welt⸗ Weſen lieget im Grimm und Fluche GOttes / in der 
finſtern Welt Eigeuſchafft inder Erden verſchloſſen / und gruͤ⸗ 
net durch der Sonnen Gewalt / und durch das Liecht der auffern 
Natur in der Eſſentz Durch den Fluch und Grimm aus / welches 
Außgruͤnen eine Krafft und Heylung der feindlichen Eſſentz in 
den lebendigen Cörpern gibts davon der Arst entflanden/wels 
eher die Tugend fuchet/und erkennen lernet / damit er der wider» 
werfigen Elſentz im Eörper entgegnet / welches doch auch meter 
Lau und einFüncklein davon iſt: So ernicht mag die wilde 
Grobheit aus der finftern Welt Eigenfchafft von che von feiner 

Cur fiheiden. 

9. Denn fo die gefangene Eſſentz von der hirülifchen Welt 
Eigenfhafft mag vom Fluche und Grimm der Natur erlöfet 
werden/fo ſtehet Heinder Temperang ; und fo fie alßdenn inein 
lebendig Corpus komt / fo erwecket fie auch das verfchloffene Le⸗ 
ben vonder him̃liſchen Welt⸗Weſen; wo daffelbe aber auch im 
Coͤrper lieget / und vertreibet den Grimm /davon die Kranckheit 
gerbricht/und die Eſſentz indie Temperang eingeht. 

10. Daß deme gewiß alſo ſey / fehen wir an Adam und Era / 
als der Grimm der Effeng in ihnen auffwachte / und das Fiardie 
thierifche Eigenfchafften impreffete und in der Eſſentz formte; 
als ſolches die Seele erfante / als das Bilde GOttes / fo ſchaͤmete 
fie fich der thieriſchen Ungeftalt / daß fie in einem thieriſchen Geo 
fape war/als in einem andern Principio. 

zz. Denn das Auffere Theilder Seelen / als der Lufft⸗Geiſt 
mitfeinem Geftirne wachte auf / und Friegete Das Regiment ; 
wie denn für Augen iſt / dag bey dem meiſtentheil der Menſchen 
das auffere Theil der Seelen / das Regiment über den gansen 
geib führer / wie der thierifche a nur nach Wolluſt diefer 

4 Welt 


a 


128 Bon der Impreflion nũ Urſtand ꝛc. Cap. 21 


Welt trachtet / als nach aͤuſſerlichen Ehren / Macht und Schoͤn⸗ 
heit / nach Freſſen und Sauffen in das Thier; und alſo mit dem 
Thiere ſtoltziret als mit einem GOtt / und da es doch nur ein zer⸗ 
brechliches boͤſes Thier iſt / in welchem der rechte Menſch ohne 
Leben verſchloſſen lieget. 

12. Auch fo ſoll dieſes grobe Thier GOttes Reich nicht beſitzen / 
und iſt kein Nutze / Joh.6/ fondern der verborgene Menſch / der 
in dieſem Thiere verſchloſſen lieget / wie das Gold im groben 


Steine / welchem das grobe Thier faſt keine Ehre thut / ohne daß 


es demſelben ein wenig heuchelt und ihn troͤſtet / ſich aber als cin 
ſtoltzer Pfau an deffen ſtatt erheber/umd fein Thier wohl ſchmuͤk⸗ 
tet und mäftet/ dag der Teuffelein Reuth⸗Pferd hat / Damit er 
EDttes ſpottet; und reuthet damit in der Eitelfeit im Neiche 
GOttes Zornes / als auff einer falfihen Huren / welche in eigner 
Gewalt und Wit begehret zu leben. 

13. Denneinfolches hat der Schlangen Lift in Eva erwecket / 
in ihrer auffgewachten thierifchen Monftrofifchen Eigenfhafft / 
daß nun faft ein jeder Menſch ein Thier im Leibe träget/ welches 
Die arme gefangene Secle befihweret ; davon fe fich auch Mona 
ſtroſtſch macht /und an dem Thiere vergaffet/und fich in eine folche 
thierifche Figur sinführet/melche/fo lange fie dig Bild und Figur 
in ihr hat/das Reich GOttes nicht ſchauen oder fühlen mag: Sie 
mug wicder in Engels-Form tranfmutiret werden / oder ihr ift 
fein Rath : Darumb faget Chriftus: Es fey denn dag ihr neu⸗ 
gebohren werdet / anderft foltihr das Reich GOttes nicht fehen. 

14. Der verfchloffene Leib des himmliſchen Theils mug im 
Waſſer des Himmels / als im reinen Element- WRaffer in der 
Natrice des Waffers / und im Beifte Ehrifti aus hiunmlifcher 
Eſſentz / wiedergebohren werden / dag das heilige Theil der See⸗ 
len von der Engliſchen Welt wieder lebendig werde / undin feis 
nem verblichenen und wiedergebohrnen Leibe in Göttlicher him̃⸗ 
fifcher Effeng lebe und würde ; und ihre Speife alldar innen von 
Göttlicher Krafft vom andern Principio empfahe / ſonſt iſt das 
Bilde / das EHDtt in Adam ſchuff / des Reichs GOttes nicht fähig / 
kans auch auſſer deme nicht beſitzen. Es hilfft kein gleiſſen / 
heucheln / kitzein noch troͤſten / es muß gebohren oder verlohren 
ſeyn / denn der Perlen⸗baum iſt in Adam und Evaverdorret; 
er mug wieder Göttliche Eſſentz bekommen und dem Thiere abs 
ſterben / oder mag nicht grünen und Frucht tragen / davon die 
Seele iffet. 

25, Als nun Adam und Eva inder thieriſchen RER 

auff⸗ 


Pa 


Cap.ꝛ 2. Dom Urſtand ð wuͤrckl. Suͤndẽ rtc. 129 


auffgewacht waren / ſo ſtundt das Thier allda nackend und bloß / 
denn zuvor hatte das Himmels-Bilde den aͤuſſern Menſchen 
gantz durchdrungen und bekleidet mit Goͤttlicher Krafft / denn das 
Thier war zuvorhin nicht offenbahr; dieſelbe Eigenſchafft lag 
in der Temperantz verborgen / gleich wie auſſer der Creatur auch 
iſt: Als aber jetzt das Bilde aus der himmliſchen Eſſentz ver⸗ 
blich / ſo ward das Thier / als die thieriſche Eigenfihafft/offenbahr; 
ſo ſtundt nun die arme Seele aus dem erſten Principio allda mit 
Diefem Thiere umgeben / gang nackend und bloß. 

16. Waͤre aber das Thier im Anfange des Menſchen offen⸗ 
bahr geweſen / ſo haͤtte es auch ſein Kleid aus ſeiner Eſſentz mit⸗ 
gebracht / wie andere Thiere: Aber der Menſch war nicht in das 
thieriſche Leben geſchaffen / und ob es GOTT wohl erkante dag 
es alſo gehen wuͤrde / zu welchem Ende er ihm dan mancherley 
Thiere zu ſeiner Speiſe und Kleidung geſchaffen / ſo hat er den 
Menſchen dennoch in das wahre Bild GOttes aus himmliſcher 
Eſſentz geſchaffen / auff daß er daßelbe Bilde ſo es fiele / moͤchte 
wieder in ſeinen Starum bringen / durch eine neue Bewegung und 
Wiedergebuhrt / wie in Chriſto geſchehen iſt. 

17. Unſer ſchreiben langet alleine dahin / zu forſchen das Bilde 
GoOttes / wie das erſchaffen / und wie es verdorben / und wie es 
wieder ſoll in feinen erften Statum kommen / die neue Wiederge⸗ 
buhrt aus Chriſto recht zuverſtehen / und den innern und aͤuſſern 
Menſchen zu erkennen / was der ſterbliche und der unſterbliche 
ſey / und wie er ſterblich worden: auch wie ihme zu tuhn ſey / dag 
er wieder in feinen erſten Statum komme. 


Das 22. Capittel. 


Vom Urſtand der wuͤrcklichen Suͤnden / und vonder 
Erweckung GOttes Zornes in Menſchlicher 
Eigenſchafft. 


1. Je Schrifft ſaget GOTT habe alle Dinge durch 
ſein Wort gemacht / und ohne daſſelbe iſt nichts 
gemacht was gemiacht iſt: Joh.ı. Auß ſeinem 
ausgeſprochenen Worte (welches im Verbo Fiat 
weſentlich ward) ſind alle Dinge in Formungen 

gegangen: Erſtlich in ein Ens oder Begierde einer Eigenfchatft/ 

und aus derſelben Eigenſchafft in Comꝑaction des Sulphu- 
$ IS, 


130 Vom Arſtand der wuͤrcklichen Eap.zz. 


ris, 'MercurünmdSalis , alsin cine geformte Natur / und aus 
demſelben Ente inder geforniten Natur/ wird das Wort ein 
Ereatürliches Leben / und führet Jich aus der Compaction des 
Sulphurs / Mercuriiund Salges ausdem Eörper aus/ das ift/ 
es offenbahret fich im lautbaren Weſen / zu welchen Ende GOtt 
Die Natur und Ereatur gefchaffen hat. 

2. Alfo hat eine jede Ereatur ein Centrum zu feinem Aus⸗ 
fprechen oder Halldes geformten Worts in fich / beydes die ewi⸗ 
gen und zeitlichen; dieunvernünfftigen fo wohlals der Menfch : 
Demdas erfte Ensift auf GOttes Halle durch die Weißheit 
auf dem Centro ‚zum Fewer und Liechte außgefprochen worden/ 
und ins Fiat gefaffet/und in ein Compadtion eingangen. 

3. Daffelbe Ensift auf dem Ewigen / aber die Compadtion 
der vier Elementen iftaugder Zeit: Alfo lieget in jedem Dinge 
ein Ewigesin der Zeit verborgen / es ſey in den lebhafften oder 
unlebhafften / in Elementen und Ereaturen / inwachfenden und 
ſtillſtehenden: In jedem iſt das erfte Ens daraus die Form der 
Compadtion (welche aus der Zeit ift entftanden ) als ein ewiges 
aus dem ewig-fprehenden Worte/ durc die Weißheit ausper 
Beiftlichen Welt Weſen in eine Zeit geſprochen / als in ein ge⸗ 
ſormt Weſen / nach dem geiſtlichen Ente, welches Ens von keinem 
Element von nichts mag zerbrochen werden. 

4. Und obwohl die Elementiſche Compaction des Coͤrpers 
(welchen das Ens an ſich gezogen / Das iſt / aus ſich ausgehauchet / 
als einen aͤuſſerlichen Grad ) vergehet und zu nichts soird / (dam 
es hat zeitlichen Anfang / ) fo kan doch das erſte Ens nicht vergehen: 
Wie man dan ſiehet daß alle Dinge wieder in ihre Mutter ein⸗ 
gehen / daraus ſte ſind entſtanden und ausgangen / als in die vier 
Elemente. | 

5. In folcher Betrachtung finden wir den wahren Grund 
ver Suͤnden Urftand : Alldieweil dem Menfchen-Bilde (in 
fein Ens) ift das lebendige] Fräfftige / verſtaͤndige redende Wort 
aus allen drey Prineipien zum Verſtande eingeblafen werden) 
daß er die Eigenfchafften der Compaction des Sulphuris / Mer⸗ 
euris und Saltzes folte und onte regiren / fohatervenfelben 
Verſtand / als das ſpreche nde Krufftige Wort wieder in die Com- 
pactlon der Zeit (als ih den irdiſchen Limum) eingefuͤhret: 
Allda denn das Fiarder Zeit im Corpus auffgewacht / und der 
Verſtand / als den eingeblafenen Hallin fich gefangen genom⸗ 
men / und fich zum Herrn uͤber den Verſtand gefeket hat. 

6. Alſo ſehen wir nun jetzt mit großem Jammer / wie eb 

gehet / 


—— 


Eap.22. Suͤnden uũ von der Erweck: etc. 137: 


gehet / daß / fo wir wollen reden / (und ob ſich gleich das verftändige 
Wort iminnern Ente faffet und wil die Wahrheit offerbahren/) 
wie cs alfobalde die auffgewachte Eitelkeit im irzdifehen Limo 
des Cörpers fähet / und in feine Eigenfehafft qualificiret: Daß 
alfo das Wort des Menſchlichen Verſtandes / Lügen, Boß heit / 
Falſchheit und Misfindige Seichtfertigkeit aus ſich aushallet = 
In welchem Halkfich des Teuffels Begierde einmiſchet / und zu 
einer Subſtantz der Sünden machet / welche das Reich GOttes 
Zornes faͤhet. 

7. Deñ in welcher Eigenſchafft ſich ein jedes Wort im Menſch⸗ 
lichen Halle / im Ausſprechen formet und offenbahret / entweder 
in GOttes Liebe / als im heiligen Ente, oder in GOttes Zorn⸗ 
Ente, von demſelben wirds hingegen wenns ausgeſprochen wird / 
eingenommen: Das falſche Wort aus falſchem Ens, wird vom 
Teuffel inficiret, und zum Verderben verſtegelt / auch ins Myſte- 
rium des Zornes / als in der finſtern Welt Eigenſchafft einge⸗ 
nommen. Ein jedes Ding woraus es urſtaͤndet / darein gehet es 
auch mit ſeinem Ente. 

8. Weil dan das redende Worteine Goͤttliche Offenbahrung 
iſt / damit das ewige Wort GOttes ſich hat geoffenbahret / uñ das⸗ 
ſelbe redende Wort hat in dẽ Menſchen eingeblaſen / ſo iſt uns jetzt 
zu entſinnen / was der Menſch mit dieſem redenden Worte offen⸗ 
bahre: Das verſtehet alſo; faſſet die Menſchliche Luſt und Be⸗ 
gierde (welche das Fiar oder Schoͤpffen des menſchlichen Worte 
ft ) die Forin des Worts im heiligen Ente, als im himmliſchen 
Theil der Menſchheit / fohallet das Wort aus heiliger Krafft / 
und redet der Mund die Wahrheit. 

9. Wo aber aus der Eitelkeit aus der Schlangen Liſt / welche 
Eva in ſich impreſſete / und ihre Klugheit damit erweckte / ſo hal⸗ 

let das Wort aus dem Ente der finſtern Welt / als aus dem Cen- 

tro zum Feuer⸗worte / und dahinein gehet es auch in feinem Ente 

wans aus der Form ausgehet / als aus dem Munde; und wo es 
nun hingehet / da wuͤrcket es Frucht. 

10. Gehet es in einen andern Menſchen / in deme der Hunger 
der Liſt und Eitelkeit in Begierde offen ſtehet / in ſein Gehaͤuſe des 
Thones oder Gehoͤrs / ſo wirds alſo balde / als in einen fruchtbah⸗ 
ren Acker / eingenommen: bekleibet und traͤget ſolche boͤſe Frucht 
daraus auch ſolche ſcharffe Worte und ſtachlichte Dornen des 
Teuffels in Teufliſcher Eſſentz ausgebruͤttet werden. 

xx. Gehets aber leer aus / mur in falſcher Imagination, fo 
ſteigets in Willen des Gemuͤhtes / 7 * ſich iin re 


2 — 


132 Vom Urſtand dertofckfichen Cap.2 1’ 


eine Subſtantz zur cinem Sitze des Teuffels Begierde / zufeinem 
Raub⸗ſchloß / das er im Menfchen hat. 

ı2. Iſts aber das das falfche Wort gegen einem heiligen 
Menſchen in Schimac und Laͤſterung ausgehet / und es der Hei⸗ 
lige in ſich nicht wil einlaſſen / und ſich in boͤſen Theil der Eigen⸗ 
ſchafft mit einem dergleichen boͤſen Worte erwecken; ſo niumts 
GHttes Grim̃ an auſſer dem Menſchen / und wird damit maͤchtig 
entzuͤndet / und nicht allein das innere Eus GOttes Zornes nach 
der Geiſtlichen finſtern Welt Eigenſchafft / ſondern es wird auch 
das aͤuſſere Eas des Grimmes in Turba magna damit angezuͤn⸗ 
det; und ſchwebet dem gottloſen Menſchen auf ſeinem Kopfe / 
und rings um ihn her / und wird damit gefaffet/gleich alsfäffe er 
im höllifchen Fewer. 

13. Davon fagete Ehriffus das / wenn uns der Gottloſe fluch⸗ 
te / ſo ſolten wir ihn ſeegnen / das iſt das Wort der Liebe gegen ſei⸗ 
nem feuriſchen Worte / gegen⸗hallen / und ſein Wort der Boßheit 
nicht in uns einlaſſen / daß es wurtzle; ſo faͤhret es zu ruͤcke / und 
faͤhet den gottloſen Laͤſterer ſelber / denn Chriſtus ſaget: Wir 
ſamlen ihnen feurige Kohlen auff ihre Haͤubter. 

14. Denn ein jedes Menſchliches Wort gehet aus einem 
Ewigen / entweder aus dem Ente GOttes Liebe / oder aus dem 
Ente GOttes Zornes; und fo es nun aus dem Ente ausgefuͤhret 
wird / als aus ſeiner eigenen Stätte oder Mutter / ſo wil es wieder 
eine Staͤtte ſeiner Ruͤhe haben / darinnen es wuͤrcke. 

15. Mag es nun auſſer dem gottloſen Menſchen (der es er— 
wecket / und aus feinem Ente gebiehret / und in einen Hall oder 
halliſche Subftank einfuͤhret) nicht in einer Gleichheit fahen / ru⸗ 
hen und wuͤrcken; ſo empfaͤhet oder uͤmfaͤhet es ſeinen Aushaller / 
Der cs hat in eine Subftang gebracht / und gehet mit ſeiner Wurtzel 
wieder in ſeine Mutter / daraus es iſt entſtanden / als mit dem 
entzuͤndeten Geiſte / und mit der vubſtantz (als im gefaſten We⸗ 
ſen) umfaͤhet es des Aushallers Corpus, als die aͤuſſere Eſſentz 
des aͤuſſern Sulphurs, 

16. Denn ein jedes Wort / wenn es ausgeſprochen iſt / fo 
iſts aͤuſſerlich gemacht worden / denn im Ausſprechen nimts der 
aͤuſſere Geiſt / als das aͤuſſere Theil der Seelen mit zu feinem 
Weſen: Alfo gehets auch hernach / wenn ſichs im Grinune hat 
angezündet / und wenns vom Zeuffel im Ausfprechen der 
Schlangen gift ift inficiret worden/ wieder in das Monftrofifche 
Bilde / in Leib und Seel ein; und wuͤrcket nach feiner entzuͤnde⸗ 
ten vom Teuffel infichten Eigenſchafft / und bringet mu En 

olcher 


N) 


ap. 22. Suͤnden / uũ von der Erweck: ic. 137 


folcher böfer Früchte und Worte: wie denn für Augen/ dag 
aus manchem gottlofen Munde nichts als Eitelkeit ausgehet. - 

17. Hinwieder ift uns auch ein groffes zu bedencken wegen 
der Schlangen Lift / daß / fo der Teuffeldas Wort (wenn es 
im Hergengebohrenift/ undin feinem Ente gefaffet / und daß 
es der Wille hat eingenommen / und zur Subftan gemacht ) 
hatinficiretz fo hältes derfelbe Schlangen=$ift in des Teuffels 
Raub⸗ſchloſſe / als ein fein geſchmuͤcktes Käslein / wie Pie 
Schlange am Baume ligende mit Eva freundlich fprache / biß 
fie die Eönte in der Begierde fahen : Alfo tuht auch das falfche / 
liſtige gefafte Schlangen Wort / das gehet aus dem falfchen 
Hertzen / alseinlichliches/ wolhredendes Thierlein / und heiffee 
fich heilig big es eine offene Menfchkiche Begierde erblicket/ die 
es gerne zu feinen Ohren einnimt ; da entblöffet fichs / und führet 
in diefelbe Begierde ein/ und machet ihme eine Stätte zu feinem 
Wuͤrcken und WWirdergebähren. 

18. Davon kommen nun die falſche heimliche Verleumder / 
Ubeldeuter / Verkehrer / heimliche Luͤgner / die forne ſchoͤne / 
und hinden eine Schlang ſind / die Ehren-abſchneider / Meu⸗ 
chelmoͤrder; und im dieſer falſchen glatten wolgeſchmuͤckten 
Schlangen-Eigenſchaft iſt des Teufels Rahthaus / feine Schu⸗ 
le / da er der Even Kinder feine Kunſt lehret / als Gauckeley/ 
Narrerey / Hoffart / Geitz / Neyd/ Zorn und alle Untugen⸗ 
den aus dem Abgrunde der finſtern Welt Eigenſchaft. 

19. Alſo tegiret der Teuffel den Menſchen(durch der Schlan⸗ 
gen liſtige Eſſentz) in Leib und Seele / und würdet Greuel mit 
Greuel / Boͤſe mit Boͤſem / Sünden mit Suͤnden: Und das 
iſt der erſte Urſtand der wuͤrcklichen Suͤnden / daß Eva und 
Adam der Schlangen liſtige Eſſentz (welche der Teuffel hatte 
infeiret) in ſich / in ihre Begierde einfuͤhreten / und ſich alſo⸗ 
balde an der Schlangen monſtroſiſch machten / davon in ihnen 
der finſtern Welt Eſſentz auffwachete / daß / alſo balde das ge⸗ 
ſchahe / fo ſchoͤpffete der Will in dieſe monftrofifche Eigen⸗ 
ſchafft / und faſſete ſich in ein ſubſtantialiſches Wort. 

20. Alſo ward das Wort im Menſchen in GOttes Zornes 
Eigenſchafft / als in der finſtern Welt Ente auch offenbar; 
und alfo redet nunder Menfch Lügenund Wahrheit / denn es 
find zweyerley Ens in ihme / als eines ausder finftern Welt mit 
der Schlangen und Teuffels Begierde erwecket; und einesaus 
dein hinunlifchen Limo ; welches num im Menfchen beweglich 
iſt / darinnen faſſet der freye Wille das Wort / das iſt / daraus 

57 gebaͤhret 


134 Vom ſtand der wuͤrcklichen Cap. 22 


gedaͤhret er eine Frucht aus Goͤttlichem ausgefprochenen und ge⸗ 
formten Worte / die wird wieder von der Gleichheit ein ngenom⸗ 
men: entweder in Himmel oder Hoͤlle / das iſt in der Finſter⸗ 
nuͤß oder Liecht. 

21. Dan die zwey Welten find in einander als eine: der 
Gottlofe former und machet GOtt ein gutes Wort in feinem 
Grimme zum Tode) als zum Stacheldes Todes und der Höllen/ 
und der Heilige former und machet GOtt aus feinem guten Ente 
ein gutes Wort zum heiligen Leben / uñ wuͤrcken / wie die Schrifft 
klar faget:Der Heilige iſt Gott ein guter Geruch zum Leben / und 
ter Gottloſe ein guter Geruch zum Tode / als zur finftern Welt. 

22. Ein jeder Menſch iſt nun ein Schöpfer feiner Worte / 
Kraͤffte und Weſens / was er aus feinem freyen Willen machet 
ad fchöpffet/ das wird alsein Werck des geoffenbahrten Worts 
in jede Eigenſchafft i indie Gleichheit eingenoumen. 

23. Denn inder finftern Welt ift auch Gottes Wort / aber 
nach ihrer Eigenfhafft / offenbahr/ wie die Schrift faget: 


Welch ein Volck esift / einen folhen GOtt hat es auch: GOt⸗ 


tes Wort ift in allen Dingen offenbahr / in jedem Dinge nad 
feinem Ente, daraus der freye Wille außgehet: Der freye 
Wille ift der Schöpffer oder Macher / damit die Ereatur im 
geoffenbahrten Worte machet. 

24. Es ift kein Kraut noch ander Ding was man nur nennen 
moͤchte / darinnennichtein Ens aus dem geoffenbahrten Worte 
liege / beydes ein Ens nad) Gottes Liebe und Zorn / nach der 
finftern-und Liecht⸗welt: Denn diefe fihtbagre Welt ift aus 
demſelben Worte ausgehaucht worden: Nun hat ein jedes Ens 
des ausgehauchten Wortes aus ſeinem Ente wieder einen frepen 
Willen aus ſich zu hauchen ein Gleichnuͤß nach ſich. 

25. Das iſt aber nun das groͤſte Ubel / daß das Ens in ſeinem 
Oentro iſt aus der Gleichheit der Eigenſchhafft gegangen in eine 
Erhebung / als aus einem einigen Ente in viel Entia, in viel 
Eigenſchafften / daran der Teuffel als ein Hietarcha des Loci 
dieſer Welt / ſo wohl der Fluch Gottes über die Erden ſchuld iſt 
welchen Fluch der Menſch erweckete. 

26. Denn jetzt traͤget ſich nun ein boͤſes Ens aus der erweckten 
Eigenſchafft in ein gut Gefaͤſſe ein / und verderbet das Beſaͤſſe / 
daraus der freye Wille ſoll aus guter Eigenſchafft ſchoͤpffen / ſo 
miſchet ſich das Boͤſe ins Gute / und gehet mit einander wieder 
im geformten Norte ineinSubftang ein/ als ein boͤſer Menſch 
erweckt offt in einem Guten / der es nie hat zuvor in Willen ges 
faſſet / ein boͤſe Wort und Werck. 27. Dan 


ie a 


irn = ul m. © 


Cap. 22. Suͤnden / uũ von der Erweck: 1. 135 


27. Dan der Zorn ift im Menfchlichen Ente räge worden / 
und hanget amguten Entean/ undder Willeder Feuer⸗ſeelen 
iſt frey / er ſchoͤpffet fo bald in Zorn-Ente als im Siebe-Ente; auch 
ift in manchem der Siebe Ens gan unmächtig und gleich wie todt 
oder erlafchen/ der würdet nur aus ver Schlangen Liſtigkeit 
Frucht in Gottes Zorn: Und ob fein Mund gleich inder Schlans 
gen Liſt / im Schein des heiligen Worts heuchelt / und fich als 
ein Engel darſtellet / fo ifts doch nur der Fiftigen Schlangen 
Ens und Form im Liechteder irrdiſchen Natur / und betreuget 
fich der Menſch felber. 

28. Darum faget Chriftus: Es ſey denn daß ihr umkehret 
und werdetalsdie Kinder / fonft koͤnnet ihr GOttes Reich nicht 
ſehen: Derfreye Wille muß gang ausder Schlangen Ens aus⸗ 
gehen / und wiederin fein himlifches Ens das in Adam verbliche 4 
im Geift Ehrifti eingehen; und daffelbe Ens in feinem Hunger 
der Begierde wieder erwecken / dag er im neuen erbohrnen 
Worte / in der Menſchheit Ehrifti (welches fich in Menfch> 
licher Eigenfchafft in ver Perfon Chriſti / in ver groffen Siches 
eigenfchafft erweckete) auch wieder erweckt und in cin lebendi⸗ 
ges Ens gebohren werde; da dan der freye Wille cin neues une 
verſtaͤndiges Kind wird / und der Schlangen Liſt nicht mehr will 
noch einlaͤſſet / anderft fan der freye Wille nicht Gottes heilige® 
Wort in fich formen undoffenbahren: ver freye Willemug nur 
aus einem guten Ente fehöpffen/ wil cr im heiligen Worte 
würden und leben. 

29. Daß wir aber von der Schlangen Lift fchreiben/ von 
ihrer geſchmuͤckten Kunft undfalfchen Tugend / fo verſtehet un: 
fern fehr fiharffen und eröffneten Sinn aus GOttes 
Raht alfo: Der Schlangen Ens und Urftand ift eine him⸗ 
liſche Jungftau der hiälifchen Pomp gewefen / eine Königinne 
der Himmel und Fürftinder Weſen GOttes / gefaffetim Fiat 
der Goͤttlichen Begierde / durchs Feuer im sieht: Inmaſſen 
der Bierarcha $ucifer dergleichen war / und inder Schlangen 
Ens ſaß Fürft $ucifer in himmliſcher Pomp / der hat das Ens 
Daraus Die Schlange erfchaffen ward / infieiret / und der fin, 
fern Welt Eigenfchafft darinnen erwecket; (alsdas Centrum 
der ewigen Natur / daraus Boͤſes und Gutes urſtaͤndet.) Da 
fih aber das Gute im Feuer ins Liecht fcheidete / und das Böfe 
indie Sinfternüß/ foift der Schlangen Ens, welches guf war / 
mit der Finftern inficiret/ erfüllst und befeffen worden / und 
dannenher komt ihr der Liſt. 30. Denn 


136 Vom Urſtand ver wuͤrcklichen Cap.22 


30. Denn eine ſolcheLiſt begehrete eben der Teuffel / welche ihn 
in dem ewig-fprechenden Worte auch in einer ſolchen Eigen⸗ 


ſchafft fieng/und darein zur Ewigfeit beffätigte: Dann es iſt in 


Gott auch Wunder / wie aus einem Guten möge ein Boͤſes wer⸗ 
den / auff daß das Gute erkant und offenbahr werde; und ſich die 
Creatur lerne vor Gott fuͤrchten / und dem Geiſte GOttes ſtille 
halten / daß er allein im ewig⸗ſprechenden Worte erwecke / und 
durch die Creatur mache und thue was er wolle. 

31. Und zu dem Ende ift Sucifer im Grimme verfchlungen 
worden / dieweil ſein freyer Wille aus der Gelaſſenheit von GOt⸗ 
tes Geiſt abwich ins Centrum zum Eigenmacher und Schoͤpffer / 
daß die Engel einen Spiegel haͤtten an dieſem abgefallenen Fuͤr⸗ 
ſten und großmaͤchtigen Hierarchen : denn das Reich GOktes / 
das GOttes Reich genannt wird / ſtehet in der hoͤchſten Demuth 
und Liebe / und garnicht in grimmer Feuers⸗-Macht / ſondern in 
Liecht-Feuers-Macht / als in Krafft. 

32. Des Teuffels Reich aber darnach er ſich ſaͤhnete / ſtund in 
der grimmen Feuers⸗Macht / aber dieſelbe ward ihme in ſeinem 
Loco im Weſen genommen / und ward er außgeſpeyet in den ewi⸗ 
gen Hunger der Finſternuͤß. 

33. Daß er aber das Ens der Schlangen (welche alſo liſtig 
ar ) hatte inficiret und befeffen / fichet man an ihrem Cörper } 
welches nur ein duͤrrer / hungriger Balg iſt / und Jich im Schwan⸗ 


tze mit Gifft fuͤhlet: In welcher Eigenſchafft die groſſe Liſt ent⸗ 


ſtehet / und darumb traͤget die Schlange den Giſſt im Schwantze / 
welcher balde mag abgeſtreiffet werden / daß ihr derſelbe iſt im 
Anfange in das Jungfraͤuliche Ens eingefuͤhret worden. 

34. Denn die Schlange iſt darumb eine Jungſrau genannt / 
nach der Ewigkeit Recht / daß ſie beyde Tincturen hat / welches 
ſonſt in keinem Geſchlecht der Irrdiſchen iſt / aber ietzo im Fluche 
Gottes: Jedoch wuftees der Kuͤnſtler was ihr Perlein iſt / er 
ſolte ſich deſſen erfreuen:: Jedoch wegen der Welt falſchen Be⸗ 
gierde die nur die falfche Magiam ſuchet / iſts verborgen blieben; 
Such umb deßwillen / daß der Gottloſe feine Straffe trage. 

35. Denn das Perlein der gantzen Welt wird mit Fuͤſſen ger 
tretien / und iſt nichts gemeiners als daſſelbe / und iſt Doch verbor⸗ 
gen / auff daß das Heilige nicht in ein gottloſes Ens eingefuͤhret 
werde / das es nicht werth iſt; und GOttes Krafft und Wort da⸗ 
durch in die Jungfraͤuliche Eſſentz in eine Schlangiſche einge⸗ 
fuͤhret werde / wie bey der Schlangen zu verſtehen iſt / den unſern 
alhie genug verſtanden. 

36. Al⸗ 


Cap.22. Suͤnden / uũ von der Erweck:rtc. 137 


36. Alſo verſtehen wir gründlich den Urſtand der Suͤnden⸗ 
Gebuhrt / wie die Suͤnd im menſchlichen Worte gebohren und 
eroͤffnet werde; und wie GOtt in ſeinem außgeſprochenen Wor⸗ 
te / im menſchlichen Wiederaußſprechen erzuͤrnet werde:: Denn 
der Menſch traͤget das Wort das Himmel und Erden geſchaffen 
hat in feinem Ente, denn daſſelbe Wort iſt zur Subflang worden. 

37. Nun hat GOtt vom Menſchen die lebendige Seele / als 
den Urftand aus allen drey Principiis , als cin Geift des geform⸗ 
ten Worts in fein Ens, als ins geformte compactirte Wort eine 
geblagen / derſelbe Urſtand hat nun wieder Machtin dem Ente, 
alsindem geformten compaktirten Worte zu ſchoͤpffen / und wie⸗ 
der einen formlichen Hall zu gebähren. 

38. Weilaber in Adam und Heva ift der Schlangen Liſt / als 
des Teuffels eingeführte Begierde in ihrem Ente, als in ihrem 
eompadirten und geformten Worte offenbahr worden: Sp 
fchöpffet num ĩetzt der freye Wille aus derfelbenSchlangenEffeng 
eitel Nattern / Gifft und Tod / und formt fein Wort darinnen / es 
ſey denn daß des Weibes heiliges Ens oder Saame ſey wieder in 
der neu⸗gebohrnen Liebe GOttes in —* auffgewecket / ſo mag 
der freye Wille in demſelben heiligen Ens ſchoͤpffen / und der 
Schlangen und Teuffels Ens im Zorne GOttes den Kopff zer» 
tretten / das ift ven böfen Willen der fich immer aus der Schlan⸗ 
gen Ente mit indie Formung der Worte faſſet / verwerffen / an⸗ 
pfuyen und im Willen der Gedanden mit des Weibes / ale 
Chriſti Ente ‚zerfretten / und für Zenffels-Dred und Erde hal> 
ten ; welchesin den Kindern GOttes ein ftätiges Streiten zwi⸗ 
fihen der Schlangen Ens im Fleifche / und dann zwifchen dem 
swirdergebohrnen Ens des him̃liſchen Theis ift. 

39. Alſo wiffet dig : Aller Gedande der R im Willen for⸗ 
met / daß der Menfch in eine Sügen / oder was anders das falſch 
iſt / williget / oder fo tich fein Wille in etwas unrechts fhörffit / 
und das Gefchöpffe in die Begierde einführet/dag es der Menfch 
gerne wolte thun / oder im falfchen böfen geformten Worte auß⸗ 
ſprechen /fo er nur könte/ und es Furcht oder Schanden halber 
mug bleiben laſſen / das ift alles Sünde / dann der Wille hat fich 
inder Schlangen Ens geformer. 

40. Aber dicfes/fo fich ein guter Wille im guten Ens ſchoͤpffet / 
und aberdichöfeBegierde mitanhanget/und wildas vergifften / 
fo der gute gefchöpffte Wille das Böfe überwindet / und ron ſich 
außſtoͤſſet Daß das Böfe nicht mag in die Compadion oder Sub- 
fang gefaffet werden / fo iſts keine Suͤnde; und ob m ie böfe 

Begier⸗ 


* 


138 Vom Urſtand per wuͤrcklichen Gap.z2- 


Begierde/welhe ander guten anhanget / Sünde ift: So es aber 
ver gute Wille nicht mit in die Subftang einfaffet/ fondern als 
ein Böfes aus den guten Willen wegwirfft/fo Fan die Suͤnden⸗ 
Begierde nicht ins Weſen eingehen / fo hat der gute Wille kein 
Döfes hiermit gewuͤrcket / fo er nicht hat in der Schlangen Lift 
eingewilliget. 
41. Eine jede Sünde wird aus frembden Ens gebohren/fo der 
freye Wille aus dem Eos außgehet / darein ihn EDtthat geſchaf⸗ 
fen : Die Suͤnde / fo im freyen Willen in falſcher Sucht ges 
ſchoͤpffet / und im Ente des Willens ins Weſen gebracht wirdy 
daß der Menfch gerne wolte unrecht thun / fo er nur Eönte darzu 
kommen / iſt auch groß für GOtt: So fie aber in cin handthaͤtig 
oder muͤndlich Weſen eingehet und Menſchen beleidiget / die iſt 


doppelt / denn fie iſt in ihrem eigenen Ens geformet / und ſormet 


fich auch in dehme / darein fe das falfche Wort einführer/ ſo * 
das falſche Wort im Außſprechen eine Staͤtte der Ruhe findet 
da es wuͤrcken kan. 

42. Und darumb ſoll das heilige Wort das falſche richten / wie 
auch am Ende dieſer Zeit wird das heilige Wort alle falſche Bil⸗ 
dung / alles das / was in der Schlangen Eus iſt gebildet worden! 
von ſich außſtoſſen / und der finſtern Welt geben. 

43. Ale die jenigen / welche das Wort in fich in ihrem Teuf⸗ 
fels-und Schlangen-Ens faffen/ und führen es gegen GOttes 


Kinder/ in welchen das heilige Ens offenbahr ift/ und erwecken in. 


den Kindern GOttes auch eine Argernüß / dag fich der freye 
Wille in Ihnen auch inder Schlangen Ens fuffet / als im Zorne 
und Widerwillen / da ſich denn allezeit das heilige Ens mitfaſſet / 
und der Epfer-Geift gehet > Diefelbe falfche Anfänger und Ur⸗ 
facher fündigen alle wider den Heiligen Geiſt. 

44. Denn fie entrüften ihn dag er muß durch den Zorn der 
Kinder GoOttes gehen/ davon er fich ſchaͤrffet / und manchmahl in 
der Turba der Kinder GOttes mit außgehet / und dem Gottloſen 
über feinen Hals komt / wie beym Elia und Moſe zu ſehen iſt / 
auch beym Elifzo , der den Knaben fluchte / dag fie die Baͤhren 
zerriffen/ und beym Elia das Feuer die zwey Hauptmänner mit 
ihren zo. verzehrete + Denn alfo gehet das Schwerd GOttes 
durch der heiligen Kinder Mund / fo der heilige Geift enteyfert 
wird ; ſo erwecket er Turbam Magna , welche Bas Schwerd über 
ein Bottlofes Volck führer / und das aufffriffer. 

45. Alfo verftchets doch mr genug: Der Menſch hat GOt⸗ 
8 Wort in ſich / das ihn hat gefchaffen / verſtehet das Wort * 

ĩ 


Cap.z2. Suͤmden / uũ von der Erweck: rtc. 139 


fich mit dem Schaffen eingefaſſet und geformet / beydes in ſeiner 
Heiligkeit / und auch im Zorne / und auch aus der aͤuſſern Welt; 
dann der Limus der Erden oder die Erde ſelber iſt durchs Wort 
gefaſſet und compactiret worden: Sie iſt das geformte Wort 
das in Goͤttlicher Begierde / als im kiat feinen Anfang genom⸗ 
men / ein außgehauchter Brodem vom Geiſte GOttes aus Liebe 
und Zorn: Darumb iſt fie Boͤſe und Gut / aber das Boͤſe war 
verborgen und im Liechte als gantz verſchlungen / wie der Tag 
die Nacht. 

46. Aber die Suͤnden-Begierde im Lucifer und Adam hat 
ben Zorn erwecket / daß er ift wefentlich offenbahr worden: Nur 
iſt Die Porten des geformten Wortes / beydes in der Liebe und 
Zorn / in der Erden / td auch im Limo der Erden / als im Men—⸗ 
ſchen ofſenbahr / fo wohl auch im freyen Willen des Menſchen; 
was er nun ietzt in ſeinem freyen Willen former und faſſet / das 
hat er gemachet / es ſey Gut oder Boͤſe. 

47. Nun ſoll aber das Boͤſe in GOttes Gerichte vom Guten 
geſchieden werden / und in welchem Theil der menſchliche Ver⸗ 
fand (als die Seele) wird gefunden werden / dahin inuß ſte mit 
eingehen / als in ihr ſelber gemachtes Wohnhaus: Und darumb 
ſaget Chriſtus: Ihre Werde folgen ihnen nach / und ſollen 
durchs Feuer bewaͤhret werden. Item: Sie ſollen am Ende weñ 
die Buͤcher der Eſſentz werden auffgethan werden / nach ihren 
Wercken gerichtet werden; Denn das Werck Boͤſe oder Gut 
umbfähetdie Seele / fie gehe denn gaͤntzlich davon aus / und zer⸗ 
breche daſſelbe wieder durch Verſoͤhnung feines beleydigten Bru⸗ 
ders / und erſaͤuffe die Subſtantz im Blute und Tode Chriſti / an⸗ 
derſt iſt kein Rath. 

48. Darumb ſoll der Menſch bedencken was er reden wil/ 
denn er redet aus dem geformten Ens Goͤttlicher Offenbahrung; 
und ſoll ſich wohl beſtnnen / ehe er etwas im Willen faſſet zu thun / 
und ja nicht in Splitter⸗reden einwilligen / oder die verjahen / 
weder offentlich noch heimlich. 

49. Denn alle Splitter⸗rede gehet aus der Schlangen Ente, 
alle Fluchen / Schweren und Stachel-Reden gehen aus der 
Schlangen Ente ; und. ob es gleich folte Schimpff ſeyn / fo hat 
ſich Doc) der Schlangen Ens mit ans Gute angehenckt / und mit 
den Worte compatiret : Darumb faget Ehriftus: Ihr follet 
sticht ſchweren: Euer Rede foll Ja / Fa / Nein / Nein feyn/ was 
daruber iſt / das iſt vom Übel das iſt /aus der Schlangen Eus 
gebohren. 

J so. Alle 


140 Vom Urſtand der würclichen Cap ꝛ2. 

50. Alle Flucher und Schwerer haben ihren freyen Willen / 
als die arme Seele in die Eitelkeit der Schlangen Entis einge⸗ 
fuͤhret und formen ihre Schwuͤre und Fluͤche ſambt aller Uppi⸗ 
gen Rede / die da geſchicht in der Schlangen Ens, und ſaͤen in 
GoOttes Zorn ein; dagegen formen alle Kinder GOttes / denen es 
auch Ernſt iſt / ihre Worte imlheiligen Ente, ſonderlich das ta 
bethe / wann ſich der freye Wille der Seelen im heiligen Ente, 
welche durch Chriſti Menſchheit iſt eroͤffnet worden / faſſet / ſo 
formet er das wahre weſentliche Wort GOttes in ſich ſelber / daß 
es zur Subſtantz wird. 

51. Darumb ſaget S. Paulus: Der Geiſt Gottes vertritt 
uns maͤchtig vor GOtt / nach deme / wie es ihme gefaͤllet / denn der 
Geiſt GOttes wird in der Begierde des heiligen Worts gefor— 
met 2 Er wird gefaſſet; und daſſelbe Faſſen iſts das Chriſtus 
ſaget: Er wolle uns ſein Fleiſch zur Speiſe geben / und ſein 
Blut zum Trancke. 

52. Der fecifche Wille faſſet Chriſti Ens, und in Chriſti 
Ente ift das Wort Ehriftidas Menſch ward/das faſſet der See⸗ 
fen Begierde oder Fiat in feinen/ in Adams verblichenen heiligen 
Ens ein; und alhie ſtehet Adam in Chriſto auff / und wird Chri⸗ 
ſtus nach dem himliſchen Ente und Göttlihen Worte / und aus 
* Pi Chriſti gehet Göttliche Erkaͤntnuͤß aus dein Wort 

ttes. 

53. Alſo find die Kinder GOttes / Tempel des heiligen Geiſtes 
der in ihnen wohnet / und alſo reden fie GOttes Wort / und auſſer 
dieſem iſt kein wahres Wiſſen noch Wollen / ſondern eitel Fabel 
und Babel / eine Verwirrung der liſtigen Schlangen. 

54. Darumb hieß Chriſtus die Phariſeer Nattern⸗Gezuͤch⸗ 
te und Schlangen-Gerede : Und ob fie ſchon die Hohenprieſter 
waren / dann er kante fie in ihrer Eſſentz / daß ſie ihren Willen 
hatten in der Schlangen Ente geformet: In ihrem Munde 
führeten fie Moyſts Worte / und darein mifcheten fie der Schlane 
gen Ens: Wie noch heutiges Tages von vielen gefchichet / da der 
Menſchen⸗Teuffel GOttes Wort auff der Zungen führet / und 
aber damit nur der Schlangen Ens verbirget / und das teufflifche 
Ens mit im das buchitabifcehe Worteinführet / daraus Babeldie 
Mutter aller Beiftlichen Hurerey erbohren ift/ ein eitel Wort⸗ 
zancken / da der Teuffel und Schlangen Ens wider das Göttliche 
Ens im geformten Göttlichen Worte lauffet. 

55. Aber alfo muß es gehen / auff dag das geformte und ges 
faffete Wort in GOttes Kindern gefehärffet und geuͤbet 

ul 


Sap.22. Suͤnden / uũ von der Erweck: etc. 14:- 
und die Wahrheit empor ſteiget. Lieben Bruͤder: Ein ſolches 
haben uns Adam und Eva angeerbet / und das iſt die Urſache daß 
der Leib ſterben und gang verweſen / und wieder in fein erſtes Ens 
eingehen mug / dann der Schlangen Ens muß gan weg / es kan 
GDLtes Reich nicht erben. 

56. Das erfte Ens das im Limo der Erden/im Verbo Fiat co- 
aguliret ward/das muß in Chrifti Geiſt gang verneuert werden? 
wil es GOttes Reich beſitzen: Bleibet esaber im Schlangens 
Ente gefangen / fo wird es ewig nicht mehr offenbahr werden ; 
verfichet das heilige Ens das in Adam verblih / und in der 
SchlangenEnte gefangen ward/dadurc der Tod ins Fleiſch kam. 

57. Darumb ſoll ſich ein Menſch bedencken was er redet / ge⸗ 
dencket und thut / daß er nicht die Gedancken in der Schlangen 
Ente ſchoͤpffe / und faſſe nicht einen Willen ins Gemuͤthe im 
Schlangen-Ente; denn der Teuffel feßet fich fonft darein / und 
bruͤttet einen Baftlifken aus/ als eine höllifche Form im Worte. 

58. Denn aller Grim der fich im Menſchen faſſet zur Rache / 
der urftändet erftlich in feinem Cenrro aus der finftern Welt 
Natur und Eigenſchafft / alsin GOttes Zorne / und formet ich 
ferner in der Schlangen Ente zur Subftang : Es fey ein Eyfer 
wie er wolle/fo er fich in einen Grimm zur Selbft-Nache ein» 
— I fpifter in der Schlangen Ente geformet / und iſt teuf⸗ 

ifch. 

59. Und ob derſelbe Menfch gleich ein Prophet und Apoftel 
wäre / und fich in Selbft- Rache im Grimme einführete/ fo ift 
diefe Subllang aus dem Zorne GOttes in der Schlangen Ente 
geformet / und gehet im Grimm GOttes; und eyfert darinnen 
der Zorn GOttes / weicher ſich manchmahl in den heiligen Kins . 
dern GOttes alſo erhebet und formet / daß die. Heiligen über ihren 
fürgefegten Willen müffen dein Gottlofen die Turba über fein 
Haus /auc) über Leib und Seele führen : Wie beym Mofe an 
Chore, Datan, und Abiram ‚welche die Erde verfchlang /fo wohl 
beym Elia im Feuer /der zwey Hauptleute über so. welche Das 
Feuer frag/auch bey Elifzo und vielen Propheten zu fehen ift. 

60. Und frefflich viel Exempel in den Gefchichten davon zu 
finden: Wie offte GHttes Kinder haben müffen das Schwerd 
der Turba in fich führen : Wie ein groß Erempel anSimfon, 
auch beym Jofua mit dem Kriegen / fo wohl auch beym Abraham 
zu fehen iſt / wie der Eyfer GOttes ſich in ihnen entzuͤndet / daß fie 
in ihrem Epfer-Geifte / im Zorne GOttes / offte haben Turbam 
Magnam erwecket / und groſſe Straffen und Plagen —— 

Laͤnder 


242 Dom Urſtand der wirdlichen Cap.2 2 


Laͤnder erwecket: Wie Moyſes in Egypten mit den Plagen uͤber 
die Egypter thaͤte. 


61x Diefes muß man aber unterſcheiden / ob ſich der Eyfer 


GOttes in einen heiligen Menſchen ohne feinen geſchoͤpfften 
Willen erweckete/ und ihme das Schwerd GOttes Zornes gabe/ 
von denen / foinihren eigenen Gedancken im Grimme GOttes 
ſchoͤpffen / und ven geſchoͤpfften Willen in der Schlangen Ente 


einführen und zur zubſtantz machen/ das iſt Suͤnde / und obs der 


Heiligſte thaͤte. 

62. Darumb lehret uns Chriſtus in der neuen Gebuhrt ſo 
trefflich die Liebe / Demuth und Sanfftmuth / und wolte daß ſich 
ein Chriſt gar nicht raͤchen ſolte / auch nicht erzuͤrnen: Denn 
er ſagte: Wer mit ſeinem Bruder zuͤrnet / der iſt des Gerichts 
ſchuldige: Denn der Zorn iſt eine Faſſung in der Schlangen 
Ente, der mug durch GOttes Gerichte abgefchnitten werden von 
Dem guten Wefen : Und wer da zu feinem Bruder faget Racha / 
der iſt des Raths fchuldig/denn die Begierde der Nacha/ urftanz 
det im Centro des finftern feurigen Rades der ewigen Natur: 
Darumb iſt in derFeuer-Seelen eine Forme des Feuer-Worts 
eines Rades gebohren / gleich einer Unſtnnigkeit; und die feelifche 
Feuer-Forme ſtehet in der Racha / als ein toll unſinnig Rad / 
Das die Eſſentz im Leibe verwirret / und den Verſtand zerbricht / 
dann eine jede Rache begehret GOttes Bildnüs zu zerbrechen: 


Alfo hanget die Seele am Rade der ewigen Natur / als am Cen- » 


tro der fchrecklichen Angſt-Gebuhrt / wie forne vom Centro der 
Gebuhrt der Natur gemeldet. 

63. Ferner ſaget Chriſtus: Wer zu ſeinem Bruder ſaget / 
du Narr / der ſey des hoͤlliſchen Feuers ſchuldig: Das gefchicht 
alſo / wenn ſich der gefaſſete Wille hat im Grimme GOttes Zor⸗ 
nes geſaſſet / und in der Schlangen Ens eingefuͤhret / fo ſtehet er 
im unfinnigen Rade als toll; und ſo er ſich num faſſet und das 
ort alfo formet / und in feinen Bruder wirfft oder fpricht/ und 

zündet ibm auch einen Widerwillen aninder SchlangenEnte, 
der brenner in feinem Wort-Augfprehen im Feuer GHttes 
Zornes / und iſt deß ſchuldig / denn er hats in feiner Rache ange⸗ 
zuͤndet. 


64. Darumb ſagte Chriſtus: Wenn dur wilſt deine Gabe 


opffern / ſo verſoͤhne dich vonche mit deinen beleydigtenNächften/ 
denn er fuͤhret dir fonft feinen Grimm in dein Opffer / und hält 
Dich in Deiner Begierde gegen GOtt auff / daß du nicht kanſt das 
heilige Ens erreichen / welches dir fonft Dis Turba abwaͤſchet in 
deinementzuͤndeten Eid, 65. Denn 





Fap.z2. Suͤnden /uũ von der Erweck: rtc. 143 


65. Denn das Wort Nar—r iſt in ſich ſelber in der Eſſentz an» 
ders nichts / als ein entzuͤndet grimmig Feuer⸗Rad / eine Unſin⸗ 
nigkeit; und wer ſeinen Naͤchſten unbillig alſo heiſſet / der hat 
ein Wort im Feuer-⸗Rade / und im Grimm GOttes gebohren / 
und iſt deß ſchuldig; denn das gebohrne Wort urſtaͤndet aus der 
Seelen und Leibes Ente. 

65. Ein jedes Wort wen ſichs formet / erwecket erftlich fein ei⸗ 
gen Eus, daraus es urſtaͤndet / alsdann fuͤhret ſichs durch den 
Rath der fuͤnff Sinnen aus gegen ſeinen Bruder; fo einer num 
ein ſolch grimmig / freſſend Feuer⸗Wort gegen ſeinen Bruder 
fuͤhret / der ſaͤet in GOttes Zorn ein / und iſt derſelben eingeſaͤe⸗ 
ten Frucht / ſo die auffgehet und waͤchſet / ſchuldig. 

67. Darumb bedencke du Menſch was du gedenckeſt / redeſt / 
oder begehreſt zu thun / beſchaue dich allezeit in was Eyfer du ſte⸗ 
heſt / ob er goͤttlich oder deiner eigenen vergifften Natur ſey! Du 
Baͤtter / du Mutter / du Bruder / und du Schweſter / die ihr aus 
einem Gebluͤte kommet / aus einem Ente, und miteinander in- 
qualiret / als ein Baum in ſeinen Aeſten / bedencke was du deinen 
Mitzweigen und Aeſten vor einen Schall in des Lebens Ens ein» 
führeft/obs GOttes Liebe-Wort oder GOttes Zorns-Wort fey ? 
So ihr das Boͤſe eingefuͤhrte nicht wieder mit Liebe zerbrechet / 
und das Liebe⸗Ens im Zorne einfuͤhret / fo muß die Subſtantz für 
GOttes Gerichte und im Feuer GOttes gefchieden werden/gleich 
wie der Teuffelvom guten Ente geſchieden ift : Alfo auch du gott> 
fofer Menfch mit deinem gottlogen geformten Worte aus dem 
Ente GOttes Zornes. 

68. Und darumb hat Gott fein heiliges Wort aus feiner 
tieffeſten Liebe wieder ins menfchliche Ens eingeführet/ dieweiles 
in Adam und Eva in Zorne eingeführet ward / dag der Menſch 
foll in dem eingeführten Worte der Liebe GOttes in Chrifte 
Jeſu ſchoͤpffen und den griuunen Zorne in ihme zerbrechen : Und 
darumb lehret uns Chriftus / dag er die eingeführte Porte zus 
Gott ſey / daKer der Weeg und das Liecht ſey / darauff wir kön 
nen wieder in GOtt eingehen / und das heilige Ens in ihme wie⸗ 
der gebaͤhren. 

69. Und darumb wolte Chriſtus nicht / daß wir uns ſollen er⸗ 
zuͤrnen und unſern Willenund Wort in Rache ſchoͤpffen / ſon⸗ 
dern ſo ſie ung fluchen/fo ſollen wir ſite ſegnen; und wer uns ſchlaͤ⸗ 
get / dehme ſollen wir nicht widerſtreben / daß nicht unſer Turba im 
neu⸗gebohrnen heiligen Ente Chriſti erwecket werde / und führe 
der Schlangen Liſt / Boßheit und Ens darein. 

70. Son⸗ 


744 Dom Urſtand der wärdlichen Cap.ız) 

70. Sondernwirfolleninder Liebe werdenals Kinder / Die 
der Schlangen gift noch nicht verſtehen: Darum fagen wir in 
Goͤttlicher Erkaͤntnuͤß theuer / daß aller Zanck / Geitz / Neyd / Zorn / 
Krieg / falſche Begierde / wie das Namen haben mag / aus dem 
Cen ro der Rache des Grimmes GOttes / auß der finftern Welt 
urſtaͤnde / und in der Schlangen Ens zum Weſen gefuͤhret werde/ 
da ſich das falſche Schlangen Ens wil in Hoffart ſpiguliren. 

71. Alles was im dieſer Welt um die Selbheit/zeitliche Ehre/ 
eigen⸗ Nutz zu feinem Aufffteigen ftrebet/das ift auf der Schlan⸗ 

n Ente gebohren / es fen reich oder arın/ im Obern oder Unterm) 
Einen Drden noch Stand wie er heiſt aufgenommen: Alle 
Menſchen die fich Ehriften oder Kinder Göttlicher Siebe nennen 
wollen/ die muͤſſen aus Göttlicher Siebe im heiligen Ente wieder⸗ 
gebohren ſeyn in ihrem erſten in Adams verblichenen und ver= 
derbten Ente, oderift feiner cin Kind der Liche GOttes: Alle 
geisige Rachgierigkeitaller Stände/ wie fie heiſſen / ſind alle aus 
der Schlangen Ente. 

72. Richt rede ich von den Aembtern / ſondern von der Falſch⸗ 
heit der Aembter: Das Ambt in ſeinem Stande iſt GOttes 
Ordnung / ſo das in heiliger Begierde gefuͤhret wird / und auß 
einer Goͤttlichen Wurtzel zum Guten urſtaͤndet; wo aber nicht / 
daß es nur aus einer Wurtzel zur Selbheit und Hoffart urſtaͤn⸗ 
det / ſo iſts von der Schlangen Liſt / und faͤhret ins Verderben. 

73. Aller Krieg / wie der heiße / urſtaͤndet auß GOttes Zorne / 
und der dehn anfaͤhet / der thuts auß einer eigenen Begierde zur 
Selbheit / auf der Schlangen Ente: Es ſey dan daß ſolcher 
Krieg auß GOttes Geheiß urſtaͤnde / daß fich ein Bold habe in 
feinem Grimm erbohren / daß es fein Zorne wolle auf⸗freſſen / und 
ein heiligers an die Stelle ordnen / wie bey Iſrael mit den Heyden 
geſchahe / ſonſt iſts alles in der eigenen Turba in der Selbheit ge⸗ 
bohren. Keinen wahren Chriſten der aus Chrifto gebohren ift/ 
gehoͤret das Schwerd der Turbz zu erwecken / es erwecke es denn 
der Epfer-geift GOttes in ihme / deröffters die Sünde ftraffen 
soil: Alles was fihumder Selbheit/ eigen Ehre und Hoffart 
willen/im Grimme erhebet und zur Nache einführet/das ift vom 
Teuffel / es ſey Edeloder un⸗Edel / keines außgenommen / für 

OTT find ſie alle gleich. 

74. Das irrdiſche Regiment urſtaͤndet ausdem Fallein der 


Schlangen Sift; alsder Menfch aus dem Siebe-willen/ aus Goͤt⸗ | 


lichen Gehorſam ausgieng / fo mufte er einen Richter haben / der 


die falfche Begierde inihrer Subſtantz ſtrafſete / und die falſche 


Sub⸗ 





VE GE 0 





Cap. ꝛ. Suͤnden / uũ von der Erweckung /rc. r 45 


Subſtantz zerbraͤche: Darum iſt die Obrigkeit und Herrſchafft 
zu einem Schuß der Gerechten Subftang und Willen von GOTT 
geordnet/und nicht zur&elbheit undeigenen Willen in Wolluſt / 
zum Berderben der Policeyen/und zu unterdrudenden Elenden 
und Unvermögenden. Alles was das thut/das iſt aus der Schlan⸗ 
gen Ente entftanden/ es gleiffe wie es wolle/ undobs gantz mit 
Gold und Perlen/ undgleich mitder Sonnen bedeckt ware / fo 
ifts aus der Schlangen Ente gebohren / undhatder Schlangen 
Ensinfeinem Regiment / und fähret ins Verderben / es werde 
denn neugebohren. 

75. Esift alles Abgöttifch / was nicht ausder Liebe Ente ge⸗ 
bohren wird / und nicht führeteinen Willen der Gerechtigkeit 
und Wahrheit/dag es wil was gutes auf Erden würden / feinem 
Naͤchſten zu dienen / denn wir findin Adam alleein Baum / alle 
aus einer einzigen ABurselentftanden. 

76. Und GOTT hat uns in feine Siebe gezeuget / umd ins Pas 
radeig geführet : Aberder Schlangen Lift hat uns uneinig ges 
macht / daß wir aus dem Paradeig find in ihre Schalckes⸗Liſt / in 
die Selbheit gegangen / daraus muͤſſen wir außgehen / und in ein 
Kinder⸗kleid eintretten. 

77. Wir haben in dieſer Welt nichts mehr zum Eigenthum 
als ein Hemde / damit wir die Schande vor GOttes Engeln 
bedecken / daß unſer Eckel nicht bloß ſtehe / das iſt eigen und nichts 
mehr / das ander iſt alles gemein: Wer zween Roͤcke hat / und fo 
er ſiehet daß ſein Bruder keinen hat / ſo iſt der ander Rock ſeines 
Bruders / wie uns Chriſtus lehret. 

78. Denn wir kommen nackend zu dieſer Welt / und nehmen 
kaum das Hembde mit / das unſer Schanden Deckel iſt / das ander 
alles beſttzen wir entweder durch Ambts-Nothdurfft / oder aus 
Geitz / aus der Schlangen falſchen Begierde: Ein jeder Menſch 
ſoll feines Nächften Nutz und Pflege fuchen/mwie er ihm diene und 
nuͤtze / gleich wie ein Aft im Baum den andern feine Krafft / EC- 
ſentz und Wefen giebet / und in einer Begierde wachen und 
Frucht bringen : Alfo feynd wir alle ein Baum in Adam. 

79. Seynd aber in Adam in der Schlangen Ente am Liebe⸗ 
soillen verdorret / und müffen alle in Ehrifti $iche-Ente und 
Willen neu-gebohren werden/auffer deme ift kein Kindder Siebe 
Gttes; und ob in manchem etwas von Göttlicher Siebe wäre / 
10 iſts doch mitder Schlangen Ente gant verdeckt/ welches Teu> 
fels Ens immerdar über die Siebe außgrünet und Frucht träger. 

do · Es ijſt hicht tiner der Gutes nu in der Selbheit und = 

a — genem 


146 Wie Gott Adam und ſeiner Eva Cap.235 
genem Willen / er verlag dann im eigenen Willen was er hat/ big 
auffs Kinder- Hembove ; das foll er behalten für eigen/ und Nies , 
mands geben / denn es ift feiner Schanden Dedel: Dasander iſt 


alles gemein/ und erift nur ein Dienerund Ambtman derfelben J 
ein Pfleger und Augtheiler einesjeden an feinem Ort. 

81. Derden Armen/&lenden unter feiner Pflege läffer Noth 
leyden / und ſamlet ihm zeitlich Guth zum Eigenthumb in fein 


Gemuͤthe cin /derift ein Chriſt fondern der Schlangen Kind J 


denn er läffet feine Zweige an ihme verdorren / und verftecket ſei⸗ 
nen Safft und Krafft vor ihnen / und wil nicht durch feine Mit⸗ 
Afte Früchte würden. 

82. Nicht verſtehen wir hiemit den gottlofen faulen Hauffen / 


der ſich nur wil ſaͤugen laffen / und nicht felber mit im Baume ' 


wuͤrcken und gebahren/ dag man ihm follden Hals füllen / daß er 
Wolluſt und Eitelkeit treibe; fondern wir reden von den Zwei⸗ 


gen die im Baume ſtehen /und mitwuͤrcken / und gerne wollen 
wachfen und Frucht tragen / welchen die gröfte Aefte dieſer 
Welt den Safft entziehen/und in fich behalten / daß fie als ınagea- 
re Zweiglein neben und unter ihrer Pflege verdorren : Als da 


find die Reichen und Gewaltigen und Edlen/ mit denen redet der 
Eyfer⸗geiſt alhier / woferne fie ihren Safft nur in fich behalten / 


und ihre Aeſtlein laffen verdorren / und ihnen den Safft gar ent⸗ 
ziehen / daß fie Hefte an der Schlangen Baume ſind / der im Flu⸗ 


che GOttes Zornes gewachfen ift/umd zum Feuer GOttes behal⸗ 
gen werden] ſaget der Beift der Wunder. 


Das 23. Eapittel. 


Wie Gott Adam und feiner Eva | als fie waren indie, 
Suͤnde und Eitelkeit eingegangen] und inder Schlan⸗ 


gen Ens auffgewacht/wiedergeruffen/ und ihnenden Or⸗ 
den diefer mühfeligen Welt auffgeleget ; und den 
Schlangenstretter zueinem Gehülffen 
verordnet. 
2. Ls nun Adam und Eva vom Baum der Erfäntnüg 


Gutes und Böfes hatten geffen/umd von der Schlan⸗ 
gen monfteoftfch worden : So fchreibet num Moyſes 
davon alfo : Ihre Augen wurden ihnen auffge⸗ 
than / und wurden gawahr daß fie nackend waren ' 
snd flochten Seygen-blätter zuſammen / und machten ihnen ı 


Schuͤrtze Alda hat die Seelt das Monſtroſiſche Biſd — 


Em HT 





> — © & 

Sap.rz. alsfie warenin Suͤnde einge: 147 
fich deſſen geſchaͤmet / daß in ihrem zarten Leib ein folchgrobThier 
auffgewachet / mit grobem Fleiſche und harten Beinen / mit ei⸗ 
nem thierifchen Madenfade der Eitelkeit / und haben daſſelbe 
wollen vor GOttes Augen verdecken / haben ſich für Schande 
hinter die Baͤume verkrochen: Alfo ſchaͤmeten fie fich der Unge⸗ 
ftalt des Thiers / dann das thieriſche Ens hatte das himmliſche 
verſchlungen / und ſich empor gehaben / welches fie zuvorhin nicht. 
erkant hatten /fo wuſten fie jest für Schanden nicht / was ſie 
thun.folten. - 

2. Der Schlangen Sift.wolte alhie die Schande nicht zu⸗ 
decken / ſondern eroͤffnet fie nur/ und klagte ſiean / als abgefallene 
und treuloſe / denn GOttes Zorn wachte in ihnen auff / und ſtellete 
fie jetzt da vor ſich zum ſtrengen Gerichte/fte in ſich in die finftere 
Welt einzuſchlingen / wie dem Lucifer auch geſchahe. 

3. Und das iſt die Stätte davon die Erde in Chriſti Tode er- 
zitterte / und die Felfen zerkluben : Alhie ſchloß GOttes Zorn 
das heilige Ens der himmliſchen Menſchheit im Tod ein / welchen 
Chriſtus / als er am Creutze den Tod zerbrach / wieder auffſchloß / 
dafuͤr der Grimm im Fluche der Erden und Felſen erzitterte. 

4. Und alhie war der ſchwaͤre Stand vor GOttes Zorne / in 
welchem Stande Chriſtus im Garten als er betete / und dieſen 
Zorn überwinden ſolte / blutigen Schweiß ſchwitzete / als er ſagte: 
Vatter iſts moͤglich / fo gehe diefer Kelch von mir: Iſts aber niche, 
moͤglich ich trincke ihn denn / fo geſchehe dein Wille. 

· AmCreutze muſte Chriſtus dieſen grimmigen Zorn / welcher 
in Adams Eſſentz war auffgewacht / in fein heiliges himmliſches 
Ens trincken / und mit der groſſen Liebe in Goͤttliche Freude ver⸗ 
wandeln / deſſen der Tranck von Gall und Eßig / als cin ver⸗ 
miſcheter Tranck / den ihme die Juden gaben / cin Fuͤrbilde war? 
was innerlich in der Menſchheit Chriſti geſchahe. 

6. Dann das aͤuſſere Bilde des Menſchen folte auch vom 
Zorne uud Tode erloͤſet werden / und wieder auffſtehen aus der 
Erden: Darumb muſte Chriſti aͤuſſere Menſchheit vom Reiche. 
dieſer Welt / auch von diefem Kelche trincken / welchen GOtt der 
Vatter dem Adam in ſeinem Zorn eingeſchencket hatte / den muſte 
Chriſtus außtrincken / und den Zorn in Liebe verwandeln: Dar⸗ 
umb ſagte Chriſtus: Iſts moͤglich / fo gehe er von mir: Es war 
aber nicht moͤglich den Zorn zu uͤberwinden / der ſuͤſſe Name 
Rſus truncke denn dehn in ſich / und verwandelet ihn in Freude: 
So ſprach Chriſtus: Vatter dein Wille geſchehe / und nicht 
meiner Menſchheit Wille. 

6: 7.53% 


W — 
X 


148 Wie Gott Adam un feiner Eva / Cap.23 


7. An Adam folte auch GOttes Wille geſchehen / aber er 
führte feinen eigenen Willen durch der Schlangen Liſt empor / 
Denfelben eigenen Willen mufte jetzt die Menfchheit Chriſti am 
Creutze dem Zorne GOttes geben zur verfihlingen: Aber der heis 
lige Name SEfus führte ihn in Todt der Selbheit/ daß er 
mufte im grimmen Tode fterben/ und durch den Todt in feiner 
Aufferfichung / wieder in die wahre Gelaffenheit/ als in die 
Göttliche Harmoney eingehen. 

8. Adam ftundt im Paradeife in feiner Auffiwachung des 
Zornes vor GOtt und allen heiligen Engeln in groffer Schan⸗ 
De / und der Te —95— ihn / dag dieſes Bilde GOttes / 
welches ihme ſeinen Koͤniglichen Stuhl ſolte beſitzen / war zu 
einem Monſtroſiſchen Thiere worden: Und in dieſen Spott 
anufte- Chriftus eingehen / ſich laſſen verhoͤnen / verſpotten / 
verſpeyen / geiſſeln / mit Dornen kroͤnen / als einen falſchen 
Koͤnig / denn Adam war ein KönigumdHierarcha, ward aber 
falſch und abtrünnig. 

9. Allyie ſtundt CHriſtus an feiner Stelle / Tief fich ver- 
artheilen zum Todes; denn Adam folte von GOttes Zorne 
geurtheilet werden: Allhie ſtundt Adam das iſt / Chriftusin 
Adams Menſchheit an ſeiner Stelle / Adam ſolte als ein Fluch 
verworffen werden: Chriſtus ließ ſich als einen Fluch ans 
Crteutze hencken / als ein Spottvor Himmel und Erden: Und 
in Sunma / der gantze Proceß Chriſti von feiner Menſch⸗ 
werdung an / biß zu ſeiner Himmelfahrt und Sendung des 
heiligen Geiſtes / iſt Adams Standt: Was Adam verwuͤrcket 
hatte / in daſſelbe muſte ſich Chriſtus in Adams Perſon einſtellemn 
und das Leben wieder aus dem Tode fuͤhren. 

10. Adam war durchs Wort GOttes gemacht / und fielaber 
von GoOttes Liebe⸗wort in GOttes Zorn-wort: Alſo erweckete 
GOTT aus Genaden wieder fein liebes Wort in der tieffſten 
Demuhts-⸗Liebe un Barmhertzigkeit in Adams Zorn-bildnüß/uft 
führete das groffe liebs-Ens in das Ensdes erweckten Zornes ein / 
and verwandelte den zornigen Adam in Ehrifto/in einenheiligen. 

1x. Gar klar befchreibet es Moyſes: Aber der Deckel lieget 
für dem thierifchen Menfchen / dag er ihn nicht kennet: Denn 
er fpricht: Und fie höreten die Stimme GOttes des Herm 
der im Barten gieng/ dader Tag Eühle worden war / und 
Adam verfteckete ſich mit feinem Weibe für dem Angefichte 

tes des Herrn unter die Bäume. 

2, Moyſes ſpricht; Siehörrten bis Stimm Gotu⸗ - 

— Her 





Cap.2 3.als fie waren in Sünde eingan:2c.149 


Hermderim Bartengieng: Wer iſt nundiefe Stimme der im 
Garten gieng? denn Adams Ohren waren an GOttes Gchör 
erftorben / und waren im Grimme aufgewacht: Er vermochte 
in eigener Macht GDttes heilige Stimme nicht mehr zu hören / 
denn er war an GOttes Heiligkeit/ am Himmelreiche todt / 
wieihme GOTT fagte: Welches Tagesdu von dieſen Bauın 
iſſeſt / follftu fterben. 

13. Die Stimme war GHffes Zorn diedrang in Adams 

Eſſentz / da der Tag war fühle worden / verftchet der ewige Tag 
in Adams Elſentz war inder Kälte und Hitze auffgewacht / fo 
höreten fte jegt die Stimmen GOttes des Herzen in feinem Zorn 
in ihrer Effeng ; dandie Turba war auffgewachet / der finſtern 
Welt Thon oder Gehöre ſtundt im Schale. 
24. Aber derim Garten gieng und Adam wieder rief / war 
eine andere Stimme / welche auf dem Zorne herfürbrach / und 
im Garten gieng/ denn das wort (derim Garten gieng ) iſt 
der Unterfcheid / und deutet an die Stimme Jesu auf Jenovar, 
die Stimme war Terracramma: Aberderim Garten gieng / 
war Tow , als das Centrum der $iccht- Welt ; Und die Stim—⸗ 
ine Terracramma iſt das Centrum zur Feuer⸗welt / als das 
erite Principium, und das Ton das zweyte Principium: Wie 
Fewer und Liecht eins iſt / und fcheiden fich aber im Außgehen in 
der Offenbahrung in zweyerley Quall / alfo ift uns diß allhie 
auch zubetrachten. 

15. Die Stimme der Feuerzweltgieng in Adams und Eve 
Eſſentz / die höreten fie / darum fürchteten fie fich und verkrochen 
fich hinter die Bäume: Aber die Stimme der Liecht⸗welt ift 
dieſe da Monfes ſagte: Der im Gartengieng: Die heilige 
Stimme gieng im Garten des Paradeifes / denn das Wort 
(Der) deutet an die Perfon Ehrifti/ der im Garten ging / 
und vom Feuers Centro ausgieng / der nahm das Paradeig 
ein/ und wolte es Adam wieder anzichen. 

16. Darum fpricht nun Monfis: Und GP T T der Hene 
rief Adam und ſprach zu ihm: Wo biftu? Warum faget er 
nicht: Wo feyd ihr Adam und Eva? Nein: Er rieff Adam 
als dem erften Bilde/ das er ins Paradeis fchuff/ und nicht 
dem Manne und Weibe; denn der da rieff warder/ der im 
Gartengieng / als das Wort der Siecht-welt/ die Stimme des 
andern Principii, die rieff wieder zurüce im angezündeten 
Zorn / und vermählete fich wieder in das verblichene Himmlifche 
Ens ein; daß fir ſich wolte darinnen — dem Nomen) * 

3 als 


250 WieGott Adam und feiner Eval Eap.z 3! 


‚als in der tiefften Siebe der Gottheit erwecken / und in dein ver» 
blichenen Ente mit Einführung des heiligen Göttlichen Entis 
von der himmliſchen Weltweſen / in Erfüllung der Zeiteinvers . 
maͤhlen / offenbahren/ und das Paradeiß wieder auffthun / 
und unter.deg der Schlangen Ens den Kopff zerttreten: diefer 
Scylangen=tretter fagte zu Adam: Wo biftu ? 

17. Sofprichtdie Bernunfft / faheer ihn doch wohl: warum 
fagteerdan: Wo biſtu? Er ſahe ihn wohl / aber Adam fahe ihn 
nicht / denn feine Augen waren aus Adonay ausgegangen / aus 
der Goͤttlichen Welt / indie zeit / als in die äußere Welt in das 
‚Schlangen Ens Boͤſe und Gut / in den Todt und Zerbrechligkeit: 
Aus dieſen Monſtroſiſchen Augen ſahe Adam inFeuers⸗ Tinctur 
Eigenſchafft: Aber des Liechts Tinctur Eigenſchafft / welche er 
verſchertzt hatte / ſprach zu ihm: Wo biſtu Adam ? das iſt fo viel: 
Suche mich und ſihe mich doch wieder: Ich bin kommen mich dir 
wieder zu ergeben: Und Adam fpracy: Ich hörte die Stimme 
im -Garten/ und fürchtefemich / dan ich bin nadiend. 

18. Diefes Ruffen war andersnichts / als daß lich der Hall 
des heiligen Worts wieder in des Lebens⸗liecht einführte / ſonſt 
hätte Adam diefe Stimme nicht koͤnnen hören: Darum ſprach 
er: Sch bin nackend und fürchte mich. 

19. Wofür fürchtete er ih? Er fühlete in fich die Welt 
GOttes Zornes; umd fürchtete / er würde fich gang entzuͤnden 
und ihn verſchlingen / wie dem Sucifer gefihahe: Darumb er⸗ 
jitterte er vor dem Ruff der heiligen Stimme / ‚gleich wieder 
Zorn vor der giebe erzittert/ wieam Creutz Chriſti zu fehen ifte 
Denn alhie war fhon ver Schlangen Frucht / denn fte Eennete 
die Stimme / welche in Adams Ens einrieff / und fürcchtete fich 
vor GOttes Angefichte; denn fie wuſte die Falfchheit in fich / 
‚Die wolte fie verftecken. 

20. Und GHtt fprach: Wer hatdirs gefagt dag du nackend 
biſt das ift: Es hat dirs der Schlangen Ens gefaget dag dus 
folft in die thierifche Eigenfchafft imaginiren „ und diefelte 
erwecken. 

21. Und fehen wirs Flar allhie / dag Adam in feiner Un⸗ 
ſchuld won dieſem nackenden thierifchen Bilde nichts gewuſt 
habe / wäre.es aber anihme offenbahr geweſen / fohntteeres 
ja gewuſt: &o aber faget GOtt zuihme: Wer hat dirs geſa⸗ 
get / haſtu nicht von dem Baume geſſen dehn ich dir verbott } 
‚Habe ich Dir doch die thieriſche Eigenſchafft der Nackentheit vers 
botten / du folft fie nicht in dir erwecken: Warum Gele 

mi 





Cap ꝛ 3. als ſie wareninGhnde eingang.ıc 15 


mit der Luſt in die thieriſche Eigenſchafft eingeführt ? Hate 
te ich Dich doch in Englifihe gefchaffen: Warum biftu in meiner 
Krafft ein Thier worden? hab ich dich Doch in und Durch mein 
Wort gemachet / Warum hat dein eigener freyer Wille mein 
Wort verändert ? . 

22. Underfprach: Das Weib das du mir zugeſellet / gab 
mir/ wid ich aß von dem Baume: Und GOTT ſprach 
zum Weibe: Warum thäteftu das? und fie ſprach: Die - 
Schlange betrog mich daB ich aß. In deme liegets Elar offen / 
daß der Teufel in der Schlangen Ente den Menſchen habe ke> 
trogen/ wie forne gemeldet worden; und daß fiebeyde 7 Adam 
und fein Weib ander Schlangen Monftrofifih worden waren. 

23. Denn GOTT ſprach zur Schlangen / durch welcher Ei⸗ 
senfchafft ihme der Teuffel yatte einen Sig und Wohnhauf im 
Menfhen Bilde gemachet: Weildu das gethan haft / ſeyeſtu 
verfluchet für.allem Diehe/ und für allen Thieren suff den 
Felde ; auff deinem Bauche folftu gehen und Erden eſſen 
dein Lebenlang. 

24. Allyie lieget aber der Dedel vor Moſis Angefichte / 
welcher bey der Schlangen fürüber gehet und fie nicht beſchreibet / 
was ſit geweſewſey: weil GOTZjrtz d zarihe fugtte / ſie folks 
auff dem Bauche gehen / und Erden ichs ie sat Die errang 
im Anfange nicht gegeben ward / fo können wir ailhie wohl fine 
den / was ſie geweſen iſt: weil ſie das liſtigſte Thier war unter 
allen Thieren / und Evam um ihre Jungfrauliche Zucht brachte / 
das ſie nach der thieriſchen Vermiſchung luͤſterte: So verſtehen 
—* ae na ———— —— der viehiſchen 

niſchung und aller Unzucht / und thieriſche 
Menfihen. 3 sucht / hierifche Hurerey der 

25. Danfie/die Schlange war inihrem innern Limo ‚ darein 
ber Zeuffel feine Begierde einführte/ cin Zungfraüliches Ens ge- 
weſen / verfichet am guten theildes Himmliſchen Entis das tım 
Verbo Fiargefaffet/und nach jeder Eigenfchafft inein Creaturlich 
Bilde gieng; wie auch des Teuffels Ens vor feiner Creatur ein 
Jungfraͤuliches Ens Engliſcher Eigenſchafft war geweſen. 

26. Dieſes Schlangen-Ens wardin Adam und Evba ein ge⸗ 
modelt / eingepflantzet / denn die Begierde der Even hat dieſe irrdi⸗ 
ſche thieriſche Eigenſchafft gefangen und in ihr eingepreffet/ als 
ein Anmahl in die rechte reine Jungfrauſchafft in die Matricem 
der Sebaͤhrerin: Darum verfluchete GOit das Bild der äufferr 
Schlangen / und hieß fie auff dem * gehen / und Erde eſſen; 

4 und 


152 Wie Got Adam un feiner Eva / Cap.23. 


und hiermit auch das Anmahl der impreſſeten monſtroſiſchen 
Schlangen im Menſchen. 

27. Denn gleich wie die aͤuſſere Schlange nun muß auf dem 
Bauche gehen / und Erde eſſen / welche ihre Figur der Evenin 
ahrem Bauche indie Matricem gebracht hatte: Alſo muß auch 
nun der Even Bauch von der verfluchten Erden eſſen / und gehet 
die Matrix, als eine liſtige Schlange auf ihrem Bauche / und 
vetreuget den Limbum des Fewers Tinctur / dag er ſich nach 
ährem Bauche und Schlangen=Friechen ſaͤhnet / da es doch nur 
eine Liſt iſt / daß dieſe Schlangen⸗Matrix moͤge Hurerey treiben / 
und ein viehiſches Werck verbringen; Gleich wie Eva den Adam 
detrog daß er auch von der Frucht aß / und wie die aͤuſſere Schlan⸗ 
He verfluchet ward: Alſo auch die Schlangen-Matrix der thieri⸗ 
ſchen Eigenſchafft in Even / daraus alle ihre Kinder verderbet 
ſind worden / und alle aus einer monſtroſtſchen Matrice gebohren 
worden / welche vor GOTT eine Hure iſt; dan Adam / alserin 
beyden Tincturen ftundt/hatte ſte ſchon verderbet: Aber mitder 
Even giengs ins Werck / da ſie von Adam war gefchieden. 

28. Und GOTT ſprach: Ich wil Feindſchafft ſetzen zwi⸗ 
ſchen dir und dem Weibe / zwiſchen deinem Saamen und 
IhremSaamen / der elbe ſoll dir den Kopff zertretten / und dus 
wirſt ihn in die Ferſen ſtechen. Alhie lieget nun der Grund / 
denn GOTT meynte nicht hiermit die aͤuſſere thieriſche Schlan⸗ 
ge auſſer dem Menſchen / welche in Loͤchern und Stein-Flüfften 
ſtecket / und an wilden oͤrtern wohnet / fondern die monflrofifche 
ehierifche Schlange im Menfchen/welche in des XBeibes Matrice 
singebildet ward. 

29. Dennals GOTT Adam rieff / als er hinter dem Baume 
ſteckte / und fich ſchaͤmete und fürchtete / fo gieng die Stimme des 
heiligen Worts wieder ins Lebens-Liecht ein : Und alhie als 
GOLIT ſprach: Ich wil Seindfchafft fesen / des Weibes 
Saame foll der Schlangen den Kopf zertretten: So gieng 
die H. Stimme GOttes aus Jehova, (welche fich wolte in der 
Zeit noch eines bewegen / und den Zeftem offenbaren in des Wei⸗ 
bes Matricem ‚)in das verblichene him̃liſche Ens ein/und einleibte 
9 auffs neu mit dem heiligen Worte / als in ein Ziel eines ewigen 

undes* 

30. Undvdiefes Wort das fich indes Weibes Saamen eins 
werhieh und cinleibte / war daffelbe Wort das fih in Marien 
Saamen bewegte] und den Namen Jeſus aus dem Centro der 
sieffeften Siebe im Worte eröffnete: und das verblichene er 

i 


Cap 33. als fie waren in Suͤnde eingangne · 133 


liſche Ens, mit Einfuͤhrung des heiligen lebendigen Entis in das 
verblichene Ens Marix ‚ lebendig machete. 

32. Verſtehet die heilige züchtige Jungfraufchafft / die ward 
in Marien Saamen in Bewegung des eingeleibten Wortes / in 
dem Namen Jeſu wieder lebendig / und diefes eingeleibte Wort 
in Evz Saamen ſtundt inder Marrice, als ein Ziel eines ge> 
wiffen Bundes; und ward in Evi Saamen von Menfch zu 
Menfch indem him̃liſchen Theil mit fortgeflanget/als ein Schall 
oder Moder des Göttlichen heiligen Liecht⸗ſeuers / darinnender 
Name Zefus in einem Ziel und Bunde / als ein glimmende 
Moder mit fortgeflanget ward / biß auff die Zeit der Erweckung 
in Maria / da der Bund am Ende ſtundt / und die Thoren der 
verſchloſſenen Kammer wieder auffgetahn wurden: Und dieſes 
heilige Feuer iſts daraus der Name Jeſus offenbahr ward / 
welches heilige Feuer in den Judiſchen Opffern brandte / welches 

den Zorn GHttes verſoͤhnete / und der monſtroſiſchen Schlangen 
im Menſchen den Kopff zertratt / als dem monſtroſiſchen Feuer⸗ 
geiſte und Willen. 

32. Das Kopff zertretten iſt anders nichts / als den Eckel der 
Schlangen zu zerbrechen / ſeine Gewalt nehmen durch eine rechte 
Glaubens Begierde / und durch ſolche heftige Glaubens-imagi- 
nation an das verheiffene Wort / daffelbe Wort faffen/ und in 
der Schlangen Ens einführen / und dem Teuffel fein Raubſchloß 
damit zerftören/die Matricem der Hurenebegierde damit toͤdten / 
und die Matricem init ihrer Begierde indas Jungfräufiche Ens, 
ins Ziel des Bundes cinführen. 

33. In welchem Bunde folte und mufte das Weib und der 
Mann fterben und aus dem Tode im Worte des Bundes die 
zuͤchtige Jungfrau gebohren werden / mit beyden Tincturen 
eigener Liebe; da denn die Schlange in ihrer Begierde / in GOt⸗ 
tes Zorne würde das Jungfrauen⸗Kind der neuen Gebuhrt im 
Glauben/indie Ferfen ftechen. 

34. Denn an der Ferſen ſtehet das Jungfraͤuliche Kind diefe 
gantze Zeit an einer ſtarcken Ketten / an das Monftrofifche Bilde 
feſt angebunden / und mag der Schlangen Kette dieſe Zeit nicht 
gantz entfliehen: Die Kette iſt der animaliſche / thieriſche / mon⸗ 
ſtroſiſche Menſch / in deme das Monſtrum der Huren undSchlans 
gen lieget; wie wir deſſen ein Figur in der Offenbahrung Jo⸗ 
hannis haben / da das Weib mit der Cron und zwoͤlff Sternen 
auf dem Monde ſtehet. 

35. Der Mond bedeut den thieriſchen Menſchen / und das 

635 Br 


’ 


154 Wie Gott Adam und feiner Eva /Cap. 23. 


Weib bedeut Die Jungfraͤuliche Marricem im Zeil des Bundes / 
daraus das Jungfrauen Kind gebohren wird. 


36. In Adam / als er Mann und Weib war / und derer doch 


keines war / ward die Jungfrauſchafft nach des Liechts Tinctur in 
dem heiligen Ente, durch falſche Begierde vergifftet: denn die 
feuriſche Eigenſchafft der Seelen gieng mit der Luſt indie Irr⸗ 
digkeit ein / und aus derſelben Jungfrauſchafft mit Anhangen 
aller 3. Principien ward das Weib gemacht / und das Weib 
machte ſich monſtroſiſch an der Schlangen; und verderbte die 
Jungfraͤuliche Matricem, und fuͤhrete durch ihre Luſt eine viehi⸗ 
ſche monftrofifche und ſchlangiſche darein / mit des Teuffels Wil⸗ 
len und Begierde inbeiret. 

37. Run ward diefe heilige Jungfräuliche Matrix in Even 
mit der monſtroſiſchen Eigenfchafft gefangen/ und verblich in ihre 
Das Bild aus himmlifchem Ente , und in diefem himmliſchen 
Ente, verftchet in dem rechten Jungfräulihen Saamen der 
Keuſchheit / Zucht und Reinigkeit /derin Even mit der monftro> 
ſiſchen Schlangen / und vichifchen Huren=begierde gefangen 
ward / verhieg fich das Wort GOttes mitdem H.theuren Nas 
men Jeſu ein / day es wolte wieder lebendiges himmlifches Ens 
in diß gefangene verblichene Ens einführen ; und der Schlangen 
Enti, alsdem Huren-Monftro den Kopff zertretten / und feine 
Degierde tödten / und das Hurenzbilde megwerffen; und den 
entzündeten Zorn GOttes in dieſem Jungfräulichen Centro mit 
der höchften Liebe GOttes überwältigen/ und das Monftrum 
gank tödten und wegtuhns unddasiftsdas GOTT fagte: Des 
Beibes Saame ſoll der Schlangen den Kopff gertretten. 

38. Verftehetsrecht: Der Zungfränliche Saame der Even 
am Worte GOttes (indem Namen und ſuͤſſen Krafft Jeſu folte 
es tuhn /der Saame im Bude Gottes eingefaffet / daraus dag 
Jungfrawen⸗Kind gebohren wird / wieder Thau aus der Mor» 
genröhte/der ſolte es tuhn. 

39. Dennnichtdas Kindaus Mannessoder Weibes-Blute / 
folldas Himmelreich erben / fondern das aus Jungfraͤulichem 
Ente,im Zieldes Bundes / aus dem verheiffenen Worte Bottesz 
Des Mannes amd Weibes Kindiftein Monftrum, und muß 
feerben / und inder Erden verwefen: Aberdas Jungfräuliche 
Ens, welches in diefem Monftro verborgen liget / ift der wahre 
Saame / daraus die Kinder Ehrifti gebohren werden / auch noch 
in diefer Zeitz; denn diefes Kindes Schen ift der wahre Glaube, 
and groſſe Göttliche Begierde. 
—R u 49. I 


* 


— 


Cap.ꝛ 3.als fie waren in Sünde eingang:rtc. 155 


40. Inden Kindern Chrifti lebet diefes Zungfräuliche Kind 
im Beifte und Fleiſche Chriſti / in einem Geiftlichen Leib mit dene 
Monftro von auffen in dem Huren⸗ und Schlangen-finde ber 
decket: Kein Menfih ift/der nichfdas Schlangen⸗kind von auſſen 
an ſich traͤget. 

4x. Aber nicht in allen lebet das Jungfrauen⸗ Kind aus Goͤtt⸗ 
lichem Jungfraͤulichen Eme aus Jeſu gebohren: In manchem 
iſt wohl ein glimmend Moder darzu / als ein ſchwacher Glaube 
und Goͤttliche Begierde: Aber das wahre heilige und theure Le⸗ 
ben der Jungfrauſchafft iſt noch nicht gebohren / es ſtehet noch im 
Gerichte GOttes gefangen. | 

42. Zedoch wohl denen) fo noch ein Moder da ift/ denen lehret 
man / dag fich der Seelen=begierde follins Göttliche Moder / im 
Geifte Chriſti verfenden / und mit der Feuer⸗begierde daffelbe 
Moder anzünden/ dag die foll das Schlangen-Monftrum und 
Hurenstind verlaffen/umd feind werden/undihren groffen Hun⸗ 
ger und Durftindas Jungfräuliche Ens ins Wort des Bundes 
GoOttes / und indie Erfüllung des Bundes/als in die Menfchheit 
Ehrifti einführen / und das Huren-Monftrum im Willender 
Begierde immer tödten/ und mit Fuͤſſen tretten / alseine giftige 
böfe Schlange ; ein falſch Huren⸗kind / das GOttes Reich nicht 
erben kan / und auch nur dem JZungfrauen-Kinde hinderlich ift. 

43. Denn nicht indes Mannes Tindtur, als in dem feelifchers 
Fe uer Ente wolte fich das Wort der Berheiffung im Bunde eins 
leiben / fondern indes Weibes / alsindes Liechts Tinctur ins 
Jungfraͤuliche Centrum, das in Adam ſolte magiſch gebaͤhren/ 
in die himmliſche Matricem der heiligen Gebaͤhrerin / in welcher 
Liechtes⸗Tinctur das feurifche Seelen⸗ Ens ſchwaͤcher war / als im 
Mannes Feuer⸗Ente. 

44. In dieſem⸗Liechts Ente wolte GOTT das Feuer-Ens, 
als die wahre Seele erwecken / und gleich als neu gebaͤhren / wie 
dan an Chriſti Perſon nach der Menſchheit zu ſehen iſt / welcher 
in dieſem Jungfraͤulichen Ente aus des Weibes Eigenfchafft? 
aus dem weiblichen Jungfraͤulichen Saamen eine maͤnnliche 
Feuer⸗ ſeele annahm / gantz wider der Natur ſelb⸗ Bermoͤgenheit / 
denn das Bilde GOttes iſt eine männliche Jungfrau weder 
Weib noch Mann. 

45. So man aber ja wil zwey Eigenſchafften betrachten nach 
Goͤttlicher Eigenſchafft / fo fetze man die maͤnnliche GOTT dent 
Vatter zu / als dem erſten Principio, da ſich GOttes Wort mit 
der Feuerwelt offenbahret / die iſt = ER Centrum der * 

Re ur 5 


156 Wie Gott Adam ui ſeiner Eva / Cap. 23 


tur; und die weibliche ſetz man GOTT dem Sohne zu / als dem 
zweyten Principio , da ſich das Goͤttliche ewige Wort im Liechte 
der Liebe offenbahret / in der Liebe-begierde einander Centrum 
auffſchlenſt / und indes Feuers Centrum einführet/ auff Art/ wie 
das Feuer ein Liecht gebahret / und das Liecht eine groffe Sanfft⸗ 
muht einer Öhlifhen / waͤßrigen und kufftigen Eigenfchafft/ 
welche Eigenfchafft das Feuer wieder in fich zeucht / daraus es ſei⸗ 
nen Schein empfahet/ und dag cs mag leben und brennen / fonft 
erfticket es. 

46. Und wiediefe drey einen einigen Urftand haben) als das 
Feuer / Liecht und $ufft / und doc gar einen gewaltigen Unter⸗ 
ſcheid geben inihrer Eigenfchafft : Alfo ift uns auch imgleichen 
zu erwegen; in welche Eigenfchafft im gehen des Seelen-Men⸗ 
{chen / fich habe ver allerfüffefte Name Zefus im Worte der 
Verheiſſung eingeleibet / als in die Gleichheit / welche ſtundt in 
dem Siecht-Gentroder Himmliſchen Matrice, als in dem rechten 
Jungfraͤulichen Ente, aus des Liechts Eigenſchafft in Adam ein⸗ 
geblafen/ und im ſelben Limo erwecket / als ein wahres Centrum 
des zweyten Principii,als der Englifchen XBeltjein wahrer Tem⸗ 
pel des Beiftes GOttes / eine erweckte und offene Pforte ver 
Goͤttlichen Weißheit / in der Höchften Schöne und Siebe darinnen 
das heilige engliſche Leben ſtehet / und traͤget darinnen den Na⸗ 
men des groſſen heiligen GOttes / als das Wort der GOttheit. 

47. In dieſe Eigenſchafft vermaͤhlete ſich GOttes Wort im 
Bunde / denn fie war aus dem heiligen Worte in Adam eröffnet 
goorden: GOTT wolte fein heiliges geoffenbahrtes Wort das 
fich mit Erfchaffung Adams hatte in ein Ens eingeführet/mwelches 
der Teuffel in der Schlangen Ente aus demzorne verdeckte/nicht 
verlaffen/ fondern daſſelbe Ens wiederum eröffnen / und der 
Schlangen Entedamitden Kopff zertretten; und den Seelen⸗ 
menfchen wieder aus diefem Göftlichen Ente gebähren zu einer 
männlichen Jungfrauen / als zu einem Engel/ Diener und Kinde 
GOTTes. 

48. Nicht iſt uns zu verſtehen / daß dieſes heilige Ens der 
Schlangen Begierde habe in ſich eingenommen / als Adam und 
Eva monſtroſiſch worden: Nein / ſondern er verblich / aber 
die Seele nach den erſten Principio in des Feuers Eigenfchafft / 
abs ing Fiar, nahm ihn ein / umd führte das Schlangen-Ens 
mit der Begierde des Fiats in den irrdiſchen Limum cin; davon 
aus dem einigen Element vier Elemente im Menſchen offenbahr 
worden, 

4% Darum 





Sap.2 3. als ſie waren in Suͤnde eingan.ıc. 157 


49. Darum muß num das Zungfräuliche Ens vom einiger 
Element dem eingeführten Schlangen-Enti in den vier Elemen⸗ 
ten den Kopff zertretten/ und muß der Menfih von vier Elemens 
ten fterben / verwefen undder erfte in einem einigen Element / 
da alles in einem gleichen Gewichte innen lieget / mit dem Jung» 
fräulichen Enteuingeben / am Züngften Tage wieder kommen. 

50. Denn daffelbige jungfrauliche Ens in Chriſti Geifte 
neugebohren flirbet nicht mehr / obgleich der vierzelementifche 
Menfch / als das Bilde diefer Welt ftirbet/ fondern er lebet in 
GOttes Reihe/ und wird den Limum der Erden/ als das 
dritte Principium inder Aufferfichungder Todten umfaffen und 
anziehen] als ein Kleid der Wunderthat GHttes: Aber das 
Schlangen-Ens bleibet in der Erden / und foll am Juͤngſten 
Zage durchs Feuer von den reinen Limo der Erden abgebrennet 
werden/ da ihn dan wird die finftere Welt mit ſamt feinem 
Gewuͤrcke in fich verfehlingen. 

- 52. Alfo verftchen wir yierinnen klar / wie GOtt dem gefals 
lenen Menfchen auf groffer Liebe ven Schlangen=tretter verheifs 
fen/ und ins Zungfräuliche verblichene Centrum einvermaͤhlet / 
und zu einem Gehuͤlffen un Gefährten mit gegeben hat: Denn als 
fie waren von GOTT abgefallen / und hatten fich nonftrofifch 
gemacht / fo war das Bilde aus dem Limo der Erden gang 
vichifch morden/ und lebete in der Widerwertigkeit / in 
Krandheit/ auch in Higeund Kälte/ wiealleandere Ihiere, 
72. So ſagte ihnen nun GOTT /was ihr Tuhn und IBürcken 
in dieſer Welt feyn würde : als dag fie in Schnergen mit Wehe 
in Mühe und Noht folten Kinder zeugen) und das Kraut auff 
dem Felde effen/und nun ihre thierifche Bildnuͤß in Kummer und 
Sorgen / in Mühe und Arbeit bekleiden / big der 4e.&lemen> 
tiſche Menſch in der thieriſchen Schlangen-Bildnüß wieder ger> 
breche und zur Erden würde / davon er genommen / und als 
ein Lomus ausgezogen war, 


x 


258 Vom Fluche der Erden! Cap. 24 


Das 24. Capittel. 


Vom Zluche der Erden] und vom Leibe der Krand: 
heit / wieder entitanden fey ? 


2. Ab GOTT den Acker um des Menfchen Sünde 
willen verfluschet/ dag er fol Dornen und Difteln 
fragen / und den Menfchen nac begangener 
Sünde erft heiffet das Kraut auff dem. Felde 
effen/ und im Schweiß feines Angefichts fein 

Brod eſſen; Zeiget ung genug an/dagdasfelbe im Paradeiß nicht 
gerefen wäre/ der Acker hätte nicht Dörner und Diftelngetras 
gen / undandereböfe Kräuter / fo vergifftet find /aber im Fluche 
wurden diefe Eigenfchafften offenbahr: Denn wie der Leib nach: 
ven Falle war / alfo auch feine Speife/ der halb⸗ Schlangen 

Menfch mufte nun folde Speife effen / wie feine Begierde 

erforderte. 

2.Der Fluch iftanders nichts / als daß fich das heilige Element 
(als das heilige Ens , welches durch die Erde ausgrünete/ und 
Frucht tirug / und die 4. elementifche Eigenfchafft in fich- wie 
gefangen hielt) verbarg: der Himmel in der Erden verbarg fich 
»order Erden / die H. Tindurfür der auffgewachten Eitelkeit / 
als das him̃liſche Theil aus dem him̃liſchen Ente vor dem Theil! 
im Fluche / im Ente der finftern Welt. 

3. Alfo wurd dem Menfchen das hirmlifche ein Myfterium ,. 
und blieb alfo im Fluche zwiſchen Zeit und Ewigkeit ſtehen am 
himiliſchen als halb todt: Jedoch am Ziel des Bundes auffs neu 
‚mit der Berheiffung umfangen / und am Srodifchen am Bande 
der Sternen und 4. Elementen hart angebunden / mit der 
Schlangen und Teuffels Sucht inficiret ; andrey ſtarcken Ket⸗ 
ten hart angebunden / davon er nicht mag entlediget werden / 
biß in die ganke Zerbrechung feines irdifchen Jeibes ; denn der 
Fluch der Erden und der Schlangen drang auch in den irrdiſchen 
Menfchen / alsin den Limum der Erden. 

4. Dan Gott fügte: Dur bift Erde und folft zu Erde wer⸗ 
den: dan als die Begierde des Limi des Auszuges aus der Er⸗ 
den (als des äuffern Menfchen) wieder in die Erde gieng / 
and nach irrdiſcher Frucht imaginirte / fo inficirte der Teuffel 
Biefelbe Begierde durch der Schlangen Eigenfchaft / und im 
jeder Begierde ift Das Fiat daß da impreflet „ und die Begierde 
weſentlich machet 3 Alfo ward der indifche „Hunger dieſe 

Sltun⸗ 


Cup. 24. uñ vom Leibe der Kranckheit 1.159 


"Stunde wieder gank irrdiſch: fofagtenun GOTT : du muſt 
wieder zur Erden werden] Davon dugenommenbift ; dandas 
Himmlifche verblich im Irrdiſchen / gleich wiedas Gold im Bley 
verblichen ift. 

5. Alfo wird nun ein irrdiſcher Leib in die Erde eingeſaͤet / 
und die Erde nimt ihn an / als ihr Eigentuhm: Aber das Ens- 
aus der Ewigkeit (welches nicht zerbrechen mag) lieget in die⸗ 
fein irrdiſchen eingeſaͤeten Coͤrper. Es zerbricht nur das grobe 
Fleiſch / als der Zeit Weſen / gleich wie ein fixes Metall in der 
Erden nicht zerbricht / alſo auch das fixe Theil des Menſchlichen 
Leibes nicht; und wie der Kuͤnſtler ein ſchoͤn Gold aus der Er> 
den herfür bringt / alfo auch lieget das Menfchliche Gold in der 
Erdenvergraben / und wartet des Künftlers zur Erweckung. 

6. Und wie der Metalliſchen Eigenſchafft in der Erden viel 
und mancherley iſt; alfo auch des Entis Menfchlicher Eigen 
fhafft: Darum follalles durchs Feuer bewähret worden / was 
. ein jever hatfür eine Eigenfihafft diefer Zeit anfich genommen / 
und feinem $eibe impreſſet (als mit der Begierde des-Fiats ). 
das follim Feuer GOttes bewähret werden; ober habe eine fire 
beftändige Eigenfcharft vom goͤttlichen Ente in fich eingepreffetz 
oder eine höllifche / thierifche / das alles foll im Feuer GOttes 
bewähret werden; und wie das Ens in jedem Körper feyn wird : 
alfo auch ein folch Feuer wird ſich im felben Enteentzünden. 

7. Und wie das Queckſilber im Feuer verrauschet / alfo auch: 
alles gottlofes Zeuffels Schlangen-werd / welches aus der fine 
fern Welt undZeuffels- Begierde ift impreflet worden. 

8 Hat nun ein Menfch diefe Zeit durch ernſten Glaubeniund 
Goͤttliche Begierde / Goͤttlich Ens in ſich impreſſet (verſteht 
durch den heiligen Seelen⸗Menſchen) in das ſterbliche Theil 
vom Limo der Erden eingefuͤhret / ſo ligets im ſterblichen Theil 
verſchloſſen aber als ein glimmend Moder das zum Feuer ar: 
beitet / oder wie das Eöftlihe Gold im groben Stein verſchloſſen 
lieget oder im Bley / und wartetdes Künfklers biß ers auflöfer > 
Alſo auch wird die Auflöfiing des Menfchen Leibes aus der Er⸗ 
den feyn. 

9. Alfo verſtehen wir jeßt hierinnen den Leib der Krandkheit / 
und auchden Arkt; dennalsdashimmlifche Ens verblich / und 
mit dem irrdiſchen gefangen ward / wie das Gold im Bley / fo 
wachte das aͤußere Geftiene im $eibe auf: Und wie nun das 
auffere Geftirne je eincs des andern Ens zerbricht / und inein 
anders transmutirtt / alles nach der. gröffeften Gewalt: ne 

Er auch 


* 


160 Dom Fluche der Erden Eap. 24 


auch wird hiemit das Menſchliche Gemuͤhte (welches auch ein 

Maͤgiſch Geſtirne iſt) regieret fo wol auch der Leib / und 

wird damit in fremde Begierde und Luſt eingefuͤhret / davon 

er ſich kraͤncket und plaget / und je ein eingefuͤhrts Ens, beydes 

durch Speiſe und Gedancken oder Kuͤmmernuͤß / das andere 
acht marteFoder kraͤncket. 

20. Wie für Augen ift/ daß fich der Menſch allermeift im 
Sterniſchen Gemühte mit der Begierde martert und kraͤncket / 
auch plaget um das / das ihme nicht werden mag/ das in ſei⸗ 
nem Geſtirne nicht offenbahr ſtehet / und es fein Geftirne nicht 
foffen noch annehmen fan; um dasfelbe plaget fich die falſche 
eingeführte Begierde vom fremden Geftirne / und Frändket fich 
Tag und Nacht darum: Daraus der groffe Geis entfichet / daß 
der Menfch ein folches begehret / und in fein Geſtirne einfuͤhret / 
das ihme ein ſchaͤdliche Gifft und Plage iſt / und mag doch mit 
fremder Materia kein fixes beſtaͤndiges in ihme machen / das in 
der Ewigkeit beſtehe. 

ıı. Alles was das eigene Geſtirne (als des Lebens rechtes 
Geftirne)vom fremden Geftirne in fich einpreflet / das ift falfch / 
und ein Widerwille/ davon die Zeindfchafft (als der groffe Neyd 
in der Natur) entſtehet dag das Menfchliche Gemühte wil 
Arber fremdes Ens herifchen ; und fo ihme das nicht werden 
inag / fobrennet doch daffelbe fremde eingeführte Ens in ihme in 
Geifts Weiſe / als ein gifftig hungerig Neyd⸗Feuer / das dem 
jenigen daſſelbe nicht goͤnnet / das es ſelber beſitzen wil. 

12. Und ob es geſchicht / daß es mag durch den Schlangen⸗ 
ist an ſich ziehen oder beſitzen fo hats in feinem rechten Lebens⸗ 
geftirne doch Eeinen gründlichen Gi / denn es ift def nicht 
faͤhig:Die falſche Begierde aber fegetes über fich als einen Koͤnig / 
und pranget damit / alseineigener GOtt / der ihme habe frem⸗ 
de Macht genommen / und ſitze auff fremder Gewalt; daraus 
die Hoffart des Reichtums und eigen = erlangten Ehren und 
Gemwaltentftchet/ und iſt alles in feinem Grund uñ Urſtand vom 
Zeuffel (durch der Schlangen Ens) entftanden / welcher auch 
aus feinem eigenen Ente in fremde Begierde mitdem freyen 
Willen eingieng / dadurch er ihme hat die höllifhe Mars 
ter und Kranckheit ( mit fremden Ente ) ceingeführet und 
erwecket / dag fein Lebens-geſtirne iſt ans einander / aus der 
Gleichheit ausgegangen / umd in eine Zauberifche Eigenfchaftt 
eingegangen: alfo gehets auch dem gefallenen Menfchen, 

33: Run aber hat der Menfih feine Cur / und der * 
n 


Fap.za. und vom Leibe der Krandkheitic..ıcr 


nicht: dan als die Goͤttliche Fuͤrſichtigkeit erkandt hat / daß er 
nicht beſtehen wuͤrde / ſo hat er ihm laſſen allerley Artzney aus 
der Erden auswachſen / zu wiederſtehen der fremden eingefuͤhr⸗ 
ten Eigenſchafft / beydes vom Geſtirne und Elementen; und 
dem Gemuͤhte hat GOtt fein heiliges Wort zur Cur gegeben / 
daß ſich das Gemuͤhte ſoll in das Wort einerſencken / und durch 
des Worts Krafft den eingefuͤhrten fremden Eckel ſtaͤts weg⸗ 
werffen. 

14. Und ſo das nicht geſchicht / ſondern in dem fremden ein⸗ 
gefuͤhrten Ente (welches der Teuffel ſtaͤts durch der Schlangen 
Vild einfuͤhret) bleibet fo wird das fremde Ens zur Sub— 
ſtantz / und umfaͤhet das verſchloſſene Ens von der Himmliſchen 
Welt-weſen / fo bleibet alsdan daſſelbe Ens von goͤttlicher Ei— 
genſchafft im Tode verblichen / und mag nicht die Stadt GOttes 
erreichen; und hieraus folget der ewige Todt / wie beym Lucifer 
zu ſehen iſt / in deme auch fein Goͤttlich Ens ins Nichts / als in 
die groͤſſeſte Verborgenheit gefchloffen ift / daß er in feinem 
magiſchen Geſtirne in der ereatürlichen Eigenfchafft/die Städte 
GHttes nicht erreichen mag. 

ı5. Darumb ift dem Menfchen noth / daß er ih in das vers 
heiffene eingeleibte Wort GOttes gank erfändke / und ftäts das 
frembde eingeführte Weſen / das ihme der Zeuffel in fein Ge> 
muͤthe einführet (dadurch er frembdeDinge begehret) gang weg⸗ 
werffe / und nur das annehme / was er maginguter Wahrheit 
und rehtem Glimpf erlangen / das ihme in feinem Beruff aus 
Leibes⸗Nothdurfft zufället / daffelbe führet ihme fein rechtes Le⸗ 
bens-Geftirne zu / und iſt deffen fähig / machet ihme auch Feine 
Marter noch Pein / fo er nicht der Schlangen Geitz / Hoffart / 
Neyd und Zorn darein cinläffer. 

16. Und ift das die gröfte Narrheit / daß fich der Menfch umb 
frembde Dinge reiffet/ und das in feine Begierde einführet / das 
ihn nur Erändet / und endlich gar von GOtt verſtoͤſſet / das ihme 
fein himmlifches Ens ( in $eib und Seel) verfchleuft; Was ift 
ihıne das nüße / das er auffer fich ſiehet / und erhebet fich in cinem 
Spiegel⸗Glantze / und iſt aber deffelben nicht fähig; das aber deſ⸗ 
fen er fähig ift / macheter ihme zu zeitlicher und ewiger Marter 
und Unruhe, 

‚ı7. Hatdoh GOtt den Menſchen nackend gefchaffen / und in 
diefer Welt nichts gegeben / daß er folloder mag fagen / das iſt 
meine : Es ift wohl alles feine / aber es ift gemein : Denn 
GoOtt ſchuff nur einen Menfchen / demſelben einigen gaber pair 

wa 


262 Vom Fluche der Erden / Cap.24 


was in der Welt war: Nun ſind doch alle Menſchen aus dem⸗ 
ſelben einigen Menſchen / er iſt der Stamm / die andern alle ſtud 
ſeine Zweige / und nehmen alle Krafft von ihren Stamme / und 
bringen Frucht auff einer Wurtzel / uud jeder Zweig genieſſet 
des Baumes Ens, auch genieſſen ſie alle gleich der 4. Elementen 
and des Geſtirnes. 

28, Was Thorheit iſts dann / dag der Zweig wilein eigener 

Baunm ſeyn / und zeucht fich auff als ein frembdes Gewaͤchſe / als 
fründe fein Neben-Aft nicht auch in feinem Stamme : Der 
Schlangen eingeführtes Ens ifts/ das die Zweige am Lebens⸗ 

Baume des Menfchen (vom einigen geben des Menfihen) ab⸗ 
fuͤhret / einen jeden Zweig in einen fonderlichen Hunger / wollen: 
ein eigener Baum in eigener Gewalt und Regiment feyn/ fo be⸗ 
gehret er der Bielheitdiefer Welt zum Eigenthum / daß er fich 
in der Schlangen Ente möge groß zichen/ und ein groffer/dicker/ 
ſtarcker / fetter / vieläftiger Baum feyn. 

19. Ja Fritz riech /wornach reuchft du ? Nach der Schlangen 
Geilheit / Brunſt und Bifft / und nach dem zeitlichen und ewigen 

Tode / das biſtu in dem eigenen Baume/ und nichts mehr ; und ob 
du gleich. ein König waͤreſt / fo ift doch das jenige unter die. nur 
deinem Ambte / und nicht dein eigen. | 

20. Wiltu wieder in den Schens- Barum eingehen/und ein Aft 
an dem einigen Leben des Menfchen ſeyn / fo muſt du in deinem 
Gemütheund Begierde alles verlaffen was in diefer Welt iſt / 
und werden als ein kleines Kind / und nur auffdas fchen/was dir 
dein eigen Lebens⸗Geſtirne ( in deinem Ambte) zuwirfft/ darin⸗ 
nen folt du würden / und nicht ſagen / es iſt mein allein : Ob du 
wohl der Ambtmann darinnen bift / fo dieneftu doch nur darin 
der Wurgel/darauffdırficheft : Du trägeft der Wurtzel in dei⸗ 
ner Arbeit ihre Frucht / die foltu frey ſtehen laffen / und dein. 
Ambt damit pflegen / deinem Bruder damit zu dienen / und feis 
nen Safft helffen mehren dag er neben dir auch wachfe / und 
Frucht trage. 

21. Znaller Selbheit und Eigenheit ift ein falfch Gewächfe: 
Ein Bruder folldes andern Arst nnd Erquickung fenn/ und ihm 
fein Gemüthe (mit Einführung feines Liebe-willens) ftillen, 

"Es wäre alles in diefer Welt genug/ wenn es nicht der Geig in 
eine Eigenheit einzoͤge und feinem Bruder gönnete als ihme 
felber/ und lieſſe feine Hoffart fahren/die doch vom Teuffelift. 

22. Errennetmit der groffen Hoffart und Bauchforge nur 
gum Zeuffelin Ybgrumd : Er wil Edelfenn und —— ee 

’ er 


— — 


Cap.24. und vom Leibe der Kranckheit ıc. 163 


Bruder / woher wil er das nehmen? Hat doch GOtt dem Men- 
ſchen nur ein Leben gegeben / und aus dem einem komt aller Men⸗ 
ſchen Leben. 

23. Daß er ihme aber ein Edlers darein einbildet und damit 
pranget / das iſt ein Abfallvon GOtt und feinem Worte: Denn 
in dein Worte GOttes war das einige Leben des Menſchen / das 
lieg das Wort in das geſchaffene Bilde ein / und daſſelbe einige 
Leben iſt aus der Ewigkeit / und hat keinen Anfang jemahls ge⸗ 
habt: Warumb fuͤhret ihme denn der Menſch ein freinbdes Le⸗ 
ben darein / daß das einige Leben verunruhige / fo muß es doch num 
darbey bleiben / dag er entweder mit feinem Willen und Begier⸗ 
de / wieder in das einige kindliche Leben eingehe / und das Einge⸗ 
führte alles verlaſſe oder in dem eingeführten Weſen ewig in 
Unruhe fey. 

24. &o ich denn foll alles. verlaffen / was ich mir habe zum. 
Eigenthumb eingeführet / und daffelbe nur mein Schade ift / 
warumb verlaſſe ich denn nicht diefelbe falſche Begierde / die mir 
den Ted unddie höllifche Marter einführet ? Beffer die Begier⸗ 
de zerbrochen /als hernach die Subftang mit groffen Schmergen/ 
wie es denn ſchmertzlich zugehet / wenn der Menſch foll Die Sub- 
ſtantz in ihme (durch eine ernfte Umbwendung in das Kinders 
Leben) zerbrechen. 

25. So aberder freye Wille im Anfange die Begierde und 
Luft zerbricht / dag die Luſt nicht wefentlich wird / fo ift der Arge 
all gebohren / und darffhernach nichtein folcher Ernſt vorgenom⸗ 
men werden / als der jenige thun muß / der aus ſeinem gemachten 
Greuel ſoll aufgehen / und das Weſen das er gemacht hat / im 
Gemuͤthe verlaſſen und zerbrechen; und muß Doch zu den Ende 
kommen / oder mag die Pforte des ewigen Lebens das GOtt dent 
Menfhengabnicht erreichen ; und fer daſſelbe nicht erreichet / 
fo erreichet. er auch nicht die Pforte GOttes. ; 

26. Denn das eine Leben muß ins Nichts auffer aller Crea⸗ 
tur und NPefeneingeführet werden: Denn aus dem Richts / als 
aus Böttlichem Verſtande / hats feinen ewigen Urſtand / und in 
dem Etwas iftsin Quaal: Es ſey dann fein Etwas auch mit 
Her Begierde ins Nichts eingerichtet/fo ifts dem Seben des Etwas 
eine Freude / daß das geben des Nichte in ihme felber mag in Et⸗ 
was wohnen und. würden. 

‚27. Denn Gott iſt gegen der Creatur als ein Nichts / fo aber 
die Ereatur ihre Begierde in ihme ( alsindas Nichts) eingefuͤh⸗ 
ret / ſo wird die Creatur des Nichts Etwas / und walkt und — 


1 


164 Vom Fluche der Erden / ꝛc. Cap.z4. 


tet das Nichts im Etwas der Creatur / und die Creatur Im 

Nichts ; und in dem Wuͤrcken mag keine Turba entftchen / denn 

es ift fein eigen Liebe⸗Spiel / das ftch felber liebet / und ſtehet an 
‚ Der Natur Endeinitfeinem $eben. 

28. Alfo verftchen wir/was uns Adam hatangeerbet /alsden 
Fluch und eitele Begierde/ und betrachten den auffern Menfchen 
in feinem Leben / als ein Monftrum eines wahren menfchlichen 
Sebens : Es feydenn/ Daß das edle Gemüthe im Geiſte Chriſti 
anderſt gebohren werde / fonft ift das Auffere Centrum im Ge⸗ 
mühe eine Schlange. 

29. Und in diefer Schlangen fißet das grobe Thier vom Ge— 
ftirne und vier Elementen/ das hat das Haus des Gemüths in⸗ 
nen / und begehret nach feiner thierifchen Eigenfchafft / einer die= 
ſes / ver ander einanders / und gibet mancherley Figuren in der 
Menfchen Gemüthes Einer macht in feinem Gemüthe ein fires 
Weſen / / der andere ein gerbrechliches ; was er heute machet / das 
zerbricht er morgen wieder / und hat ein unbeftändiges Thier im 
Gemüthe/fället bald auff diß / bald auffdas. 

30. Der aber ein fixes Thier auffzeucht/ der hält es in ihme 
für feinen Schat/ und pranget damit/als wäre es das Junge 
frauen-Kind / und ſamlet ihme irrdifche Schaße zu feiner thie⸗ 
rifchen Wolluft ein /und ift doch vor GOtt nur ein Narı mit 
ſambt feinem Thier /denn er muß es doch der Erden laſſen und 
dem Gerichte GOttes. 

31. Deraber / in deme das Jungfrauen-Kind gebohren iſt / 
der tritt das Thier im Gemuͤthe mit Fuͤſſen: Er muß es zwar 
Auffeglich an ſich ſchleppen / als einen Laſt⸗Eſel / der den irrdiſchen 
Sack tragen muß: Aber er hat Feindſchafft mit ihme / wie GOtt 
zu Adam ſagte: Ich wil Feindſchafft ſetzen zwiſchen dir und der 
Schlangen/und zwiſchen des Weibes Saamen und der Schlan⸗ 
gen Suamen /der ſoll der Schlangen den Kopff zertretten / als 
dem Schlangen-Thier ; dem Monftro des Thieres im irzdifchen 
Gemütbhe/zertritt der rechte wahre Menfch den Kopff feiner Bes 
gierde und Macht. 

32. Alfo mug ein göttlicher Menfch in ihme felber Feind: 
fchafft haben / und das Monftrum , alsder Schlangen Kind mit 
Fuͤſſen tretten / und immerdar tödten; denn fo diefer thierifche - 
Schlangen-Saamen nicht in uns wäre eingepreffet / und gang 

eingeleibet / fo hätte GOtt nicht dürffen fagen : Ich wil Feind» 
ſchafft fegen zwifchen des Weibes und der Schlangen Saamen: 
Die Feindſchafft iſt im Menſchen / und nicht auffer dem * 

en 


Cap.zz. Wie Got Adam und Evam x. 165 


Then mit der Ericchenden Schlangen : Derfelbe Schlangen 
Saame im Menſchen iſt des Teuffels Reuth⸗pferd / und Schlof/ 
da er im Menſchen kan wohnen. 

33. Und darumb / daß der Teuffel ein Fuͤrſt dieſer Welt ges 
weſen iſt / und noch im Zorne iſt / wil er das Bildnuͤß GOttes / 
das GOtt an feine Stelle ſchuff / beſttzen / und unter feiner Ge⸗ 
walt regieren / und in ſein Reich einfuͤhren / das iſt ſein Wille; 
und das hat der Fluch GOttes Zorns in ſich mitbracht / der wuͤrc⸗ 
ket nun maͤchtig ins Verderben. 

34. Und hingegen würdet der Schlangen-Tretter ins ewige 
Leben / und ftehet das menfchliche Gemuͤthe in mitten diefes / ime 
freyen Willen welchem ftch der freye Wille einverleibet / darins 
nen wuͤrcket das Gemüthe : Es geuchtein Thier und auch einen 
Engelauff /oder ein Thier undeinen Teuffel: Nach der aͤuſſern 
Welt ein Thier / und nach der innern geiftlichen einen Engel 
oder Zeuffel. 

- 35. Alhie wird im Saame ein Korn gefüct /das ſtehet in 
3. Prineipien / und iſt zuallen dreyen recht / eine Ereatur darin 
nen zu gebahren/denn die Göttliche Möglichkeit aus GOttes ge⸗ 
offenbahrtem Worte in $iebe und Zorn / alsdas VerbumFiat, 
lieget darinnen: Wie ſich der freye Wille faffet / alfo gebaͤhret 
er ein Ens, und indem Enteentfichetder Geift / der formet ihme 
aus dem Ente eine Ereatur/ und der Geift bezeichnet fich in 
feinem Coͤrper waserift: Alfo fichet feine Figur. 


Das 25. Capittel. 


Wie GOTT Adam und Evam aus dem Paradeiß ge: 
trieben] und den Eherub für den Garten geleger. 


x. $5 Gott die Schlange ſambt der Erden verfluchet 
hatte / fo war der Thier-Menfch nichts mehr nuge 

im Paradeife/ denn der Früchte des Paradeifes 

Eonte er nicht mehr genieffen / folegte Er ihme die 

Arbeit und Muͤhe der Weltauf/ und trieb ihn aus 

dem Garten Eden aus / und laͤgerte den Cherub mit dem Feuer⸗ 
ſchwerdte des Gerichtes dafür / daß / ſo das neugeborne Jungs 
frauen-Kind aus des Weibes Saamen würde wieder kommen 
und ins Paradeif eingehen / diefer Engel mit dem Feuers 
ſchwerd folte der Schlangen Thier daven abfehneiden/ und 
nicht mehr ins Paradeis sinlaffen. * 
2.Der 


256 Wie Gott Adam uũ Evam aus Cap. 25% 


2. Der Engel mit dem Schwerdte iſt der rechte Wuͤrg⸗En⸗ 
gel der den Tod und das Leben in feinem Schwerdte führet / er 
hat GOttes Liebe und Zorn darinnen/ und wenn der Menfch 
in diefer Welt ftirbet / ſo komt er fürdes Paradeißes Pforten/ 


fuͤr dieſen Engel / alda muß die Seele durch diß Gerichte gehen. 


3. Iſt ſie nun in GOttes Zorn gefangen / ſo kan ſie nicht 


durch diß Gericht gehen: Iſt ſte aber ein Jungfrauen⸗Kind aus 
des Weibes Saamen gebohren / ſo kan ſie durch diß Schwerd 
durchgehen / ſo ſchneidet der Engel das Thier von der Schlan⸗ 


‚gen Ente gezeuget abe: Sp iſt alsdan die Seele ein Engel 
GoOttes / und dienet ihme in feinem Tempel im Paradeiſe / 
amd wartetdes Tages des Gerichtes/ als der Aufferftchung des 
aͤuſſern Leibes: Wan dieſer Engel mit dem Feuerfchwerdte wird 


die Erde vom Fluche ſcheiden / fo komt der rechte menfchliche Leib 


wieder / denn er muß auch durch dieſes Schwerd gehen / und 
das Schwerd wird fein Thier abſchneiden / auf dagerallein 
ein Menſch und nicht mehr Thier ſey. 


4. Dem irrdiſchen Menfchen find die Reden Mofts von dies- 


fen Gcheimnüß gank verborgen: Dan Mofes faget von einem 
Engelund Schwerdte/ und ob die Aufere Figur / freylich wohl 
alfo war / dann alfo ward Adam auggetricben / aber es hat viel 
ein ander A.B.C. im Innern der natürliche Menfch ohne 
GoOttes Liecht verfichet nichts davon. 

5. Daffelbe.Schwerd ift im Menfchen ; wenn der Menfch 
umnkehret / und gehet in Reu feiner begangenen Sünden / und 
wirfft die Eitelkeit weg / und gehet ins Kinder-⸗Hembde ein: Se 
gchet der Morgenftern im JZungfräulichen verfchloffenen Ente, 
im wahren IBeibes-Saamen/ im Geiſt Chrifti / auf. 

6. Und in diefer ängftlichen Pforte der wahren Buſſe / ſtehet 
der Engel mit dem Feuer-Schwerd/ und der fungfräuliche 
Zweig dringet durch dieſes Feuer-Schwerd durch ins Paras- 
deiß / als ins Liecht / ins geben Ehriftiein / und waͤchſet durch 
dieſes Schwerd durch. 

7. Da ftchet nun das Jungfraien-Kind mit feiner ſchoͤnen 
Roſen im neuen Gewächfe im Paradeiß; unddie arme Seele 


welche diefes Kind gebähret / ftehet Die gange Zeit im Feuer⸗ 


fchwerd inne / und mit einem Bande ander Auffern Welt an 
dem groben Thiere feft angebunden: Alda wird das Jungfrauen⸗ 
Kind mit diefem Feuer⸗ſchwerd wohlgeftochen / dan die Feuer⸗ 


feele/ welche im Feur⸗ſchwerd GOttes Zorns andem Schlans 


gen-Monftro angebunden ftehet / die vergaffet ich ein dem 


chlan⸗ 


Cap. 25. dem Paradeyß getrieben N 167 


Schlangen-Monftro, und fündiget; fo fchneider alsdan dieſes 
Feuersfhwerd die Sünde abe/ und fchlinget ſie in GOttes Zor⸗ 
ne ein / alda werden fie gekältert und gerichtet. ur 

8. So muß das arme Jungfrauen-Find/ welches auf der 
Seelen gebohren wird unterm Ereug Chriſti / in Chrifti Tode: 
ftehen / und gehet das Schwerd der Truͤbſal hindurch: Es muß 
ſich saffen durch diefes Feuerſchwerd hindurch zichen/ und das 
Feuer brennet den Edel/ welchen die Seele vom Schlangen 
Monftroeinführet/ immerdar abe / da gehet es dan ſchmertzlich 
zu / wenn der Feuerſeelen das abgeſchnitten wird / das ſie von 
ihrem Monftro gerne hätte. 

9. Da muß das jungfrauensKind der Feuerſeelen flehen / und 
ihr die Liebe anbieten] dag ſte nur folldas Monftrum der Schlan⸗ 
genverlaffen: da gehetdan Streit und Wiederwillen an / denn 
das Theilder Feuerſeelen hatihr das Schlangen-Monftrum eine 
geführet/ und feine Freude alſo darinnen haben wollen/ und 
liebet das böfe Thier. 

xo. Sp fpriht Sophia / als das andere Principium , als das 
Theil der Liecht⸗welt / darwider / da gehet der Streit zwifchen 
des Weibes Saamen und der Schlangen Saamen an: Da 
gehet denn der Menſch in Traurigkeit und in Truͤbſal / bald ſte⸗ 
get das jungfrauen Kind / bald ſteget das Schlangen-Kind. 

ıı. So hitzet alsdan der Teufel alle Monftra gegen dem 
jungfrauen-Kinde auff / das zu fchlagen / das zu fpotten / hoͤhnen 
und auszulachen / und zu narren / daß es ja nicht erkant werde: 
Auff daß ihme / dem Teufel / ſein Reich nicht offenbahr werde. 

12. Dieſes muß das jungfrauen⸗-kind in Chriſti Geiſte trei= 
ben / und ſich laſſen wohl geiſeln / ver folgen und ſchelten / und 
ofte laſſen einen Beſeſſenen vom Teufel heiſſen / ſich laſſen ver- 
fluchen / und immerdar als ein Fege-⸗opfer der Welt halten / biß 
das aͤuſſere Thier ſeinen Lauf in ſeiner Conſtellation vollendet 
hat / ſo ſchneidet der Cherub das grobe Thier abe / und laͤſſet es 
hinfallen / big zum Gerichte GOttes: Alsdan muß das Theil 

‚ver Feuer⸗ ſeelen alsbald durchs Gerichte diefes Schwerds 
durchdringen. 

13. Iſts nun daß die Feuer⸗ſeele hat viel Eitelkeit in ſich im⸗ 
preſſet / als Schlangen ⸗liſt / fo muß das Theil der Feuer⸗ſeelen in 
dieſem Schwerdte ſtehen / biß das Feuer GOttes Zornes dieſe 
eingeführte Eitelkeit verzehret welches manchem Fegefeuers 
gnug iſt; welches die jegige zuviellluge Welt nicht glaubet/und 
nur wpilein von auffensangenommencs Kind feyn/ und — 

ena⸗ 


he 


168 Wie Gott Adam und Evam aus Cap. ꝛ 5. 


Genaden eine aͤuſſerliche Abwaſchung der Suͤnden haben / aber es 
hat ein ander A.B.C.allyier/ GOTT wil der Schlangen Ens 
weder im Leibe noch in der Seelen ins Paradeiß einlaſſen. 

14. Dieſe Feuer-ſeele muß im Feuer GOttes beſtehen und 
alſo lauter ſeyn / als das klare Gold / denn ſie iſt der Mann der 
Edlen Sophiz/ auß des Weibes Saamen / ſie iſt des Feuers 
Tinctur, und Sophia des Liechts Tinctur: So die Tinctur des 
Feuers gantz rein iſt / ſo wird ihr Sophia in ſte eingegeben / ſo 
bekomt Adam ſeine alleredleſte Braut / die ihme in ſeinem erſten 
Schlaffe genommen ward / wieder in feine Arme / und iſt fuͤrbaß 
kein Mann noch Weib / ſondern ein Zweig an Chriſti Perlein⸗ 
Baume / der im Paradeife GOttes ſtehet. 

15. Darzu wir allhie eine Engels-Zunge duͤrffen / und ſeind 
doch den unſern genug verſtanden: Den Saͤuen haben wir dieſes 
nicht geſchrieben / was für eine innerliche groſſe Freude und Lie⸗ 
be⸗Luſt allhierinnen fey/ und wie gar fehöne die Brautihren 
Bräutigam in feiner hellen und klahren Feuers-Eigenfchafft 
annchme / wie fieihmeihren Liebe⸗kuß gebe / das verftehet alleine 
der /fo bey undinder Hochzeit des Lammes geweſen iſt; den an⸗ 
dern iſts ſtumm. 

16. Wenn die Vernunfft hoͤret vom Paradeiß ſagen / ſo ver⸗ 
ſtehet ſie allein einen gewiſſen abtheiligen Orth / und es iſt auch 
nicht weniger: Es iſt ein gewiſſer Orth geweſen / welcher der 
Garten in Eden hieß / da Adam und Eva verſuchet / und von wel⸗ 
cher Städte fie nach dem Falle ausgetrieben worden: Aber es 
war auch die ganke Welt ein folch Paradeiß vordem Fluche; 
weilaber GOTT den Fall erkante/ foward ihnen das heilige | 
Paradeiß nuran einem gewiffen Orthe eröffnet : Denn was 
folte die gantze Auffere Welt Paradififche Frucht tragen / weil 
eine Ereatur auff Erden war / welchederer hatte können ges 
nieffen. 

= Adam und Eva wurden aber gleichwohl ins Paradeiß 
eingeführet / auff dag / 06 ſchon diefer erfte Seib fallen würde und | 
zerbrechen/ dag ſie und ihre Kinder folten mitder neuen ABieders | 
gebuhrt im Geifte Ehrifti durch dig Feuer-ſchwerd / welches | 
Die 2 Begierde abſchneidet eingehen: Diefe Geheimnuͤß 
iſt ſehr groß. | 

18. Denn Fürft Lucifer ſaß für Zeitder erfchaffenen Erden | 
im himliſchen Ente in der englifchen Welt / im Loco diefer Welt/ 
darinnen das Ens der Erden im Fiar gefaflet/und ineine Compa- 
&ion geführet ward⸗ſeine falfche Imagination hatdenLimum > | 

je 





Cap. 25. dem Paradeißgetriebeniic. 169 


der Compaction füchtig gemacht / Es war der Ohrt feiner 
Hierarchien: Nun ward der auffere Leib des Menfchen aus dem 
Limo der Erden im Verbo Fiargefaffet / und nach Eigenſchafft 
des menſchlichen Lebens / welches im Worte war fotmiret: Das 
Wort kormitte das Ens oder Limum aus der Erden / nach Ge— 
ſtaͤltnuͤß des menſchlichen Seelen⸗Lebens das im Worte war/ 
durch das Fiat; und weil ſich GOTT durch fein Wort hatte zum 
Richter geſetzet / uͤber die falſche Sucht und Begierde des Teu⸗ 
fels / ihn und fein entzuͤndet Weſen zu richten / ſo war das Richter⸗ 
ſchwerd ſchon im Limo der Erden / davon Adam gemacht ward. 

19. Denn als GOTT die Erden ſchuff / hat er ihre Zeit ge⸗ 
gruͤndet / da er wolte das Gericht halten / und das Boͤſe vom Gu⸗ 
ten ſcheiden; und das Boͤße dem abtrinnigen Fuͤrſten zur Be— 
hauſung geben: Weil aber das Gute in der verſchloſſenen Erden 
ohne himmliſche Creaturen war / dieweil fein Fuͤrſt war ausge⸗ 
ſtoſſen worden / fo ſchuff GOTT den Adam als einen andern 
Hierarchen aus dieſem guten Ente zum Regirer dieſes Orths / 
und daher kam des Teuffels Neid wider den Menſchen / und alle 
gute Creaturen die ſer Welt. 

20. Nun iſt uns aber der Menſchliche Abfall alhie mit dem 
Schwerdte Cherubs zu betrachten: DennS. Paulus ſaget: Wir 
find in Chriſto Jeſu verſehen / he der Welt Grund geleget ward: 
und allhieher gehoͤret der Spruch Pauli / GOTT erfantedag 
dieſes Ens, daraus Adam ſolte geſchaffen werden / ſchon etwas 
falſchſuͤchtig war von des Teuffels eingefuͤhrter Begierde: Da⸗ 
rum verſahe GOTT dieſen Limum in Chriſtb Jeſu fuͤr der Welt 
Grunde / daraus er den Menſchen machen wolte / daß er ihn wolte 
durch das Gerichte des Feuer⸗ſchwerds / durch den Tod und durchs 
Fewer durchfuͤhren / und die falſche Sucht gantz abbrennen; und 
in feiner hoͤchſten Liebe in ſeinem Worte in Jehova, das iſt / aus 
Jehova eroͤffnet / in dem Jeſu neugebaͤhren / einen neuen Limum in 
den fuͤchtigen einfuͤhren / und mit einander durchs Gerichte des 
Fewer⸗ſchwerds durchfuͤhren / und gantz rein bewähren. 

21. Und allhier ſtehet auch Chriſti Höllen-fahrt / da die Liebe 
GOttes in Chriſto in dieſes Feuer⸗ſchwerd eingieng / und den 
Grii in Liebe verwandelte / auch den Stachel des Todes zerbrach / 
der im Liwo der Erden / daraus Adam nach der aͤuſſern Menſch⸗ 
heit geſchaffen ward / inne war / und in der Verderbung Lucifers 
hat dieſes Feuer⸗ ſchwerd feinen erweckten Urſtand. 

22. Denn ob wohl Adam an einem Theil von himmliſcher 
Weſenheit / welche am Worte des — Sehens war / * 

ihme 


270 Mie Gott Adam uũ Evam aus Cap.2 5, 


ihme in den Auffern und innern Limum eingeblafen ward / ges 
ſchaffen war / fo lag aber doch diefes Feuer⸗ſchwerdt / als cin glime 
mend Moder im verborgenen im irzdifchen Limo des Auffern 
$eibes/ welches auch Adam drang) dak er wieder GOttes Gebott 
und Himmelreich luͤſterte in welchem Moder der Teufelauch 
feine Begierde in ihn einführete/und zum Abfall reigete/welches/ 
weil es GOTT wohlerfante/daß der arıne Menfch nicht beftehen 
wird hate/ erihme einen Schülffen in Chrifto geordnet/ der ihn 
führen ſolte / in deſſen heiliges Weſen er folte eingeführet werden/ 
als in den rechten Sabbath / und ewige Ruhe. * 

23. Adam war wohl in gleicher Concordantz geſetzet gantz 
vollkommen / und ins Paradeiß eingeführet / fodie Seele hätte 
mögen das Moder überwältigen: Und darım ward ihmeder 
Derfuch-Baum fürgeftellet / obs möglich wäre / daß die Seele 
2 diefe Sucht überwältigen/ und gank in der Gleichheit 
bleiben. 

24. Aber es war nicht möglich/darum murfte hernach Chriftus 
andiefe Stelle tretten / und in der Wüften 40. Tagein Adams 
Ente, und in feinem neuen eingeführten himmliſchen Ente vers 
fuchet werden/ob nun die Feuer⸗ſeele in ganger Reinigkeit beite> 
hen wolte: Und als fie jest in Chriſto beſtund / fo zerbrach das 
neu eingefuͤhrte himmliſche Ens das Schwerd im Tode des aͤuſſe⸗ 
ren Leibes Chriſti / und fuͤhrete den aͤuſſern $eib/den er in Marien 
aus ihrem Saamen angenommen / durch dieſes Schwerdt des 
Zornes GHttes hindurch in das heilige Ens, und in derſelben 
Krafft ſtund der aͤuſſere Leib vom Tode auff; und ſiget uͤber den 
Tod und dieſes Feuer-ſchwerd; und nahm das Feuer-ſchwerd in 
ſeine Gewalt / damit wird er ſeine Tennen am Ende der Welt fe⸗ 
gen / alsein Richter über Teuffel und Menſchen / fo wohl die 
Erden. 

25. Denn um das Feuer⸗ſchwerd war es zu tuhn / dan König 
Lucifer hatte es ihme aus dem heilen Liechte in Feuer vers 
wandelt / damit wolte er als ein GOTT herrſchen: Aber GOTT 
ſchickte ihme einen andern Fuͤrſten uͤnd Koͤnig / der es ihm nahm / 
und ihn von dieſem Trohn wegſtieß; und dieſes Schwerd im 
Enteder Erden wieder ſolte in Goͤttliche Eigenſchafft verwans 
deln / und den Teuffel mit diefem Schwerd ausftoffen und 
richten. 

26. Und iſt nicht fo ein ſchlechtes wie man es bißher mit dem 
Feuer⸗ſchwerd verſtanden hat / obs wohl iſt verborgen gewe⸗ 


ſen durch GOttes Raht / ſo ſollen wir aber anjetzo nr 
ugen 





Cap 25. dem Paradeiß getrieben ꝛc. 171 


Augen empor ſchlagen / und dencken was das ſey / das ein 
ſolches offenbahr werde / daß eben das Gerichte dieſes 
Schwerds andeute / daß der Fommen wird/ der es in 

einem Munde fuͤhret; und iſt auch ein Botte / daß Bü: 
bel durch dieſes Schwerd ſoll ſein Ende nehmen / und 
dem Schwerdte auffzufreffen gegeben werden. 

27. Nun fpricht die Bernunfft: Warum fdgete GOTT nicht 
zuvorhin diefes Ens , daraus er die Erde/ und den Menſchen aus 
Derfelben Erden ſchuff / che er die Erde und den Menfchen fchurf ? 
Ja liebe Bernunfft / allhie haſtu es gefroffen / GOttes Allmacht 
und Allwiſſen muß dir dienen / auff daß du kanſt alle Dinge in 
Gottes Willen einfuͤhren / wie die Bernunfft tuht: Höre Ber- 
nunfft / weiſſeſtu woraus die Erde erbohren iſt? Du ſprichſt / 
durchs Wort/alsimVerbo Fiat: Ich ſage auch alſo: Nun / was 
war daſſelbe Wort? Da ſiehe die Erden und dir gantze Creation 

an / ſo wirftu ſehen / was die Vegierde des Worts aus dem Geiſt⸗ 
fichen Ente habe in ein Weſen eingeführet / du wirft allenthalben 
Boͤſe und But ſehen / und GOttes Liebe und Zorn fpüren. 

28. Das Wort war ein Aushall aus der Geiſtlichen Feuer: 
und Siccht-welt/ darnach fih GOTT / nehmlich / nach dem Feuer/ 
einen ftarden / eyferigen / zornigen GOTT nennet / und nad) dem 
Liechte einen barmhertzigen lieben GOTT. | 

29. Haͤtte nun GOTX follen das ı. Principium alsden Feu⸗ 
er-quällim Enteder Erden/ daraus fie gefchaffen ward / auffhe⸗ 
ten] wovon wolte das Liecht feine Macht haben ? gebaͤhret doch 
der Batter/als die Feuer Welt/ven Sohn / als die Liccht-welt; fo 
aber nun das Wort in dergeuer-welthart entzündet ward durch 
GOttes Bewegen zur Schöpffung / wie ander Coagulation der 
Steine zu ſehen iſt / fo wir nicht Klöge wären / und nur Kälber 
Verſtand hätten: Wormit ſolte daffelte Feuer wieder ins Sicht 
in die gleiche Concordang gebracht werden / fonderlich aber das 
entzumdete Ens in der Coagulation: Es muͤſte es nur GOttes 
Liebe tuhn. 

30. Run wie wilaber ein Creatur / als cine Feuer?ſeele oder 
Engelin ein Gefchöpffe oder Formirung eingehen / foder Feucr⸗ 
quallnicht infonderheit beweglich ware. Es wiirde doch nur ein 
gleiches im gleichen bleiben; fo es aber nur blog ein Gleiches iſt / ⸗ 
hats nur fein Spiel init und in fich felber / wie es von Ewigkeit 
geweſen ift: Und darum hat ſich der unwandelbahre GOTZ 
nach Feuer und Liecht beweget / und die Feuers Eigenſchafft 
erhebet / daß er jhme ein Spiel / als ein gefafſet Wort aus ſich 

H 2 macht / 


72 Wie Gott Adam uũ Evam aus Cap.25. 


mache / das für dem unformlihen Worte ein Spiel ſey. 

32. Albie verftichen wir nun das / ob GOTT haͤtte das ent» 
zuͤndete Ens, Daraus die Erde und der Menfch ward gefchaffen? 
ſollen wieder in das unformliche Wort / als gans indie Gleid)> 
heit in die Siebe einführen, fo möchte Feine Creatur feyn erbohren 
morden ; denneinjeder Seelen-geiſt muß ein beweglich Feuer 
ſeyn / ſo wohl auch Die Engel/und alles was Ichet. 

32. So mag num kein Feuer-quall aus der gantzen Gleichheit 
gebohren werden / die Gleichheit bewege ſich denn: So hat ſich 
doch die ewige Gleichheit/ald GOTT in ſeinem Myſterio zuvoren 
mit Schaffung der engliſchen Thronen beweget: ſolte er aber 
nun dieſe Bewegung / welche zwar entzuͤndet / und auch vom Hier- 
archen Lucifer mit Sucht vergifftet war / zuvor ehe er haͤtte die 
Erde und den Menſchen geſchaffen / in Siebe verwandeln / fo hätte 
er fich ſollen noch) eines nach des Feuers Eigenfchafft bewegen / fo 
er 2: wollen einen andern Hierarchen und Fürften-Engel 

chaffen. 

ſ 33. So es aber nicht ſeyn möchte / fo ſchuffer die Erden / und 
aus der Erden den Menſchen aus der erſten Bewegung / und bließ 
dem Menſchen die Feuer⸗und Liecht⸗ſeele / aus dem Hall ſeines 
geoffenbahrten und bewegten Worts / als aus der erſten Bewe⸗ 
Zung / ein: Dan aus der erſten Bewegung des Worts / ſolte ein 
anderer Fuͤrſt in den Fuͤrſtlichen geſchafſenen Thron Lucifers 
kommen / und die erſte Bewegung beſitzen und einnehmen. 

34. Und in die erſte Bewegung ſtellete GOTT das Gericht 
ein / und nahm dem Lucifer fein Regiments-ſchwerd im Ente der 
Erden und des Himmels / und ſtellete es in Adam / und fuͤhrete 
hernach die hoͤchſte Liebe aus GOTT in Chriſto / in Adam cin; 
und brachte das bewegte Wort wieder in die Gleichheit / als in 
eine ewige Beſtaͤtigung / und gab Adam in Chriſto / das Feuer⸗ 
ſchwerd uͤber den abgefallenen Fuͤrſt Lucifer. 

35. Denn Adam / als der verderbte Limus der Erden / ſolte in 
Chriſto ſeinen zu erſt gehabten Fuͤrſten / mit dieſem ſelberweckten 
Feuer-⸗ſchwerd richten / wie uns Chriſtus ſaget: Daß die Hei⸗ 
ligen ſollen die Welt richten / verſtehet das entzuͤndete Ens des 
Menſchen und der Erden / ſolten denLuͤgen-fuͤrſten der die Wahr⸗ 
heit im heiligen Ente hat in Luͤgen verkehret / und mit falſcher 
Begierde verderbet / richten. | 

36. Weil aberdas Ensdes Menfchen verderbet war und 
nicht Eonte/ fo führete GOTT aus feiner Höchften Verborgenheit 
das allerheiligfte Ens in das verderbte des Menfchen / als * das 

imm⸗ 


Cap.ꝛ 5. dem Paradeiß getrieben ꝛc. 177 


himmliſche Theil ein / und fuͤhrete das aͤuſſere durch das Schwerd 
des Feuers und Todts auch ins Innere in cine ewige Gleichheit 
ein: Alfo hat die Vernunfft allyie ihren Spiegel / iſt fie vor 
GOTT erleuchtet/fo wird fte uns allhie verftchen ; wo nicht/fo ift 
keine Mögligkeit zu diefem Verſtande. 

37. Und wollen denLaͤſterer gewarnet haben / daß er nicht fagef 
es fey eine Blafphemia. Thue er von che die Kälbersund Thicres⸗ 
Augen abe/ und fehe uns alhie ins Gejichte /che er tadlet; cs hat 
einander A.B. C. allyie/alsdie Bernunffthat/esmug ein Grad 
tieffer gebohren feyn. 

38. Alfo können wir Adams Austreibung auch beffer verfte> 
hen / warum er fey verſuchet worden /umd aus dem Paradeiß ges 
trieben: Weil ſein Ens durchs Teuffels Gifft etwas angezündet 
war /fo konte er nicht das Paradeig beitgen / fo trieb ihn GOTT 
mitdem Schwerdte des Gerichts darausinden Tod und Zer⸗ 
brechligkeit Jund gab ihmeaber das verheiffene Wort feiner tief⸗ 
feften $iebe mitin das Ens der himmliſchen Welt⸗weſen zu einem 
gewiſſen Bunde / darein Adam und feine Kinder folten frauen 
und glauben/ dag er fie in Vollendung diefer Zeit welte in dieſem 
eingeleibten Worte mit Einführung des heiligen Entis, aus 
dem Tode durchs Feuer⸗ſchwerdt wieder einführen / und nit dem 
Gerichts⸗Schwerdte die falſche Sucht reine abſchneiden / und !te 
als Engel GOttes an des gefallenen Luciſers Stelle einführen ; 
und das ift das Geheimnuͤß vom Engel und Schwerdte des 
Paradeiſes. 

39. Der Engel trug den Namen des Bundes / daraus GOTT 
wolte den Jeſum / als den Groß⸗fuͤrſten offenbahren: Und iſt 
eben derſelbe Engel / der hernach auff Erden viel Wunder⸗thaten 

gethan / der bey Abel, Sem, Enoch, Noah, Abraham und Moſe 
war / der Moſi im Feuer⸗ſchwerd der Flammen im Buſche er⸗ 
ſchien / und der Ifraclaus Egypten fuͤhrete / und ihnen in einer 
Feuer⸗ſeule vorgieng / und des Tages in einer Wolcken⸗-ſeule; 
der ihnen das Geſetze im Feuer gab/und fie endlich mit dem loſaa, 
alsdem Feuer⸗bilde deffen / fo aus dem Feuer⸗ſchwerd folte aus⸗ 
gebohren werden/ ins Sand Iſrael einfuͤhrete. 

40. Diefer Feur-Engel wandte feyn innerlich Liecht heraus? 
undoffenbahrte fichin Chrifti Perfon inder Menfchheit / ınit 
dem Chriſtus / als das heilige Salboͤhl der tieffeften verborgenen 
Siebe / verwandelte das Feuer⸗ſchwerdt des Engels in ein $iche> 
ſchwerdt / und heilige Regiment. A 

42, Und das ift der wahre Cherub ey den falfhen Adam aus 

3 Jens 


274  Dondes Menſchen Fort⸗ Kap.z6, 


dem Paradeife trieb/und durch Chriſtum dasZungfrauen- Kind 
aus Adam in Chrifto neusgebohren / wieder einführet ; umd kei⸗ 
nen andern Grund noch Verſtand hat es. 


Das 26. Capittel. 


Bon der Menſchen Fortpflantzung in dieſer Welt / 
und von Cain dem Erſt⸗gebohrnen und 
Bruder-Moͤrder. 

2. (> Ns ift albiedie Sache recht zur betrachten/und nicht 
mis Gedichte und Fabeln Schlüffe zu machen/ wie 

bighero gefchehen wegen der Gnadenwahl / da es 
doch nur alles blind und ſtumm gewefen / und kein 
* rechter Verſtand gefunden worden. 

2. Weil man dann in der Vernunfft geſuchet hat / und nicht 
moͤgen durch rechte Pœnitentz durchs Feuer⸗Schwerd durchdrin⸗ 
gen / und mit Goͤttlichen Augen ſehen / fo iſt auch der Vernunfft 
nur das Feuer-Schwerd GOttes Zornes und ernſten Fuͤrſatzes 
Des Gerichts in Augen blieben / und mehrers haben ſie nicht ge= 
fehen: Darumb hat man ſchroͤckliche faͤhrliche Schlüffe ohne 
genugſamen Verſtand gemacht. 

3. Es wird aber die Chriſtenheit treulich vermahnet / doch 
einmahl aus dem Vernunfft-Schluſſe auffzuwachen / und doch 
GEottes klares Angefichte zu ſehen / ver kein Boͤſes begehret noch 
begehren kan / ſich auch zum Richter uͤber alles boͤſe gottloſe We⸗ 
ſen geſetzet hat / und wird ſolche Schlüſſe alle im Schwerdte ſei⸗ 
nes Zornes zerbrechen / und den Cherub wegthun. 

4. Allhie betrachtet ſichs nun / wie das ſey zugegangen / daß Aa 
dam und Eva zum erſtenmahl ein boͤſes Kind / und einen Moͤrder 
gebohren haben: So ſpricht die Vernunfft / es ſey aus GOttes 
Fuͤrſatz geſchehen / der habe ihme eine Wahl gemacht / und einen 
Hauſſen Menſchen zur Verdamnuͤß erkohren / den andern zu 
ſeiner Liebe. 

5. Ja liebe Vernunfft: Woraus biſtu gebohren ? und woraus 
redeſtu unter dem Deckel der Schrift ? Redeſtu nicht aus der 
Schlangen Enteund Worte ? Wer brachte das falfche Ens in 
Eveæ Matricem ‚darinnen Cain ergriffen ward ? Thate es nicht 
der Teuffel durch die Schlange / und machte Evæ Matricem 
Monftrofifch. ‚ 

6. Verſteheſtu nicht / wie ftch alsbald habe das Wort der Ver⸗ 
heiffung in der Even Matricem, in ihren Saamen eingeleiber / 

und 


Cap.26. pflantzung in dieſer Welt / ꝛc. 775 


und daß der Streit zwiſchen GOttes Zorne / und zwiſchen GOt⸗ 
tes Liebe bald angieng / denn GOttes Liebe hat ſich einverleibet / 
‚dem Monftro der Schlangen in GOttes Zorne den Kopff zu zer⸗ 
tretten / darein folte die Feuer-⸗Seele / welche in GOttes Zorne 
gefangen lag / ihren freyen Willen eingeben, 

7. Denn die Feuer⸗Seele iſt eine Wurtzel aus Goͤttlicher 
Allmacht / und darumb hat ſte freyen Willen / und der mag ihr 
Durch nichts genommen werden: Sie mag im Feuer oder Liecht 
ſchoͤpffen. 

8. Sprichſtu aber) wie daß der Schlangen⸗tretter nicht alſo⸗ 
balde im erſten Saamen der Schlangen Enti, den Kopff zertratt / 
und nicht ver Schlangen moͤrderiſch-gifftigen Willen in der 
Seelen Ente empor ließ kommen ? Das ift gerade alfo geredet / 
als fagteich : Warumb/da GOtt fahe daß Adam boͤß ward / vers 
flieg er ihn nicht /oder machte ihn zu nichts / und ſchuff einen 
neuen Adam? Alfo wil ſie auch von den Teuffeln richten / es habe 

Gott gefallen / daß Teuffel ſeyn ſolten / auff daß erkant würde / 
was ein Engel fey. 
: 9. Höre Vernunft: Ich habe dir droben geantwortet /daf / 
fo ſich GOtt hatte follen noch eines bewegen umb des Menſchen 
willen / und die erfte Bewegung in eine Stille einfuͤhren indem 
menſchlichen und irrdiſchen Ente: So hatten die fechs Tage⸗ 
werde der Schoͤpffung muͤſſen zuruͤcke gehen / und in eine uns 
wuͤrckliche Ruhe eingefuͤhret werden / das wolte GOtt nicht; die 
gantze Oteation folte und muſte in ſeiner erſten Bewegung be— 
ſtehen / fein erſt geformtes Ens im Verbo Fiat folte beſehen / es 
geſchehe gleich in Liebe oder Zorn / wer das ergrifſe / der Zorn war 
offen / alſo auch die Siche. 
20, Die Liebe allein heiſſet GOtt / der Zorn heiſſet ſeine Staͤrcke 
und Macht; was nun der freye Wille würde begehren / darein 
ſolte er beſtaͤtiget werden / entweder in die Liebe oder in Zorn. 
ar. Denn der freye Wille war aus Liebe und Zorn / als aus 
der Feuer⸗ und Siecht- Welt erbohren : Alfo möchte er ihme auch 
eine Stätte zu feinem würdenden Sehen erwählen/folte GOttes 
Liebe haben den freyen Willen im Ente, inder Eva Saamen/ in 
ber Siebe erfauffet / in deme er war im Zorne entzündet. worden/ 
fo hätte die feurifche Bewegung in der Matrice müffen auffhoͤ⸗ 
— fo mag aus dem Liechts⸗Ente allein keine Seele gebohren 
werden. 
2. Auch ſo haͤtte muͤſſen zuhand das verderbte Ens des irr⸗ 
diſchen Limi durchs Feuer gerichtet werden / welches nicht ſeyn 
Da kontel 


176 Bon des Menſchen Fort: Cap.ꝛs 


konte / denn die Bewegung der neuen Wiedergebuhrt / und die 
Eröffnung der Goͤttlichen Suͤßigkeit / und Uberwindung des 
Feuers / als des Zornes GOttes / ſtund allein Dem Namen Jeſu zu. 

13. Das Wort/das ſich hatte eingeleibet / hatte von auſſen 
das Feuer⸗Schwerd / als den Cherub / und von innen den IEſum / 
der ſolte das Feuer⸗Schwerd mit Liebe überwinden: Alſo ſtund 
der Name JEſus im Feuer-Schwerd verborgen / und war nicht 
offenbahr/big auff die Zeit/ daß ſich GOtt wolte darein bewegen / 
Und denfelben offenbahren. 

14. Alfo mufte das eingeführte Schlangen Ens, tas Hera 
hatte durch Imagination in Luſt eingeführct/ weggeworffen mer» 
den /denn in Cain war das Mord: Bild der Schlangen offen= 
bahr / das GOttes Reich nicht erben fan ; Hinwieder war aber 
Die Seele in ihrem freyen Willen / und im him̃liſchen verbliches 
nen Ente, das Ziel des Bundes im verheiffenen Norte offen⸗ 
dahr / darein der freye Wille follte eingehen. 

15. Und ob gleich der Schlangen Ens hätte muͤſſen wegge⸗ 
worffen werden/ wie denn inallen Evz Kindern geſchehen mug: 
ſo fag aber auch das Theil von der himmliſchen Welt: Wefen im 
Bunde des Wortes / im verblichenen Ente verborgen /als eine 
Mögfigkeit zur neuen Wiedergebuprt : Darumb fügte GOtt 
zu Cain / als ihme der Mord-Geiſt riety ; Herriſche über die 
Bünde. 

6. So ſprichſtu / womit ? Er konte nicht: Warumb fonte er 
aber nicht? Der Schlangen Begierde hielt ihn / und fuͤhrete ihn 
zum Bruder Mord : Warumb ? Der freye NBille hatte ich in 
ven Schlangen-Ens eingegeben/ der hielt ihn gefangen. 

17. So ſpricht die Vernunfft / GOtt wolte eshaben/fonft hats 
te er ihme feinen Willen abgewandt. Nein: GOttes Zorn 
willen in der Schlangen Ente wolte es haben / der hat den freyen 
Willen gefangen : So fpriht GOttes Sichewillen in ihme: 
Herrſche über die Suͤnde / das iſt / uaͤber den Grimm der Schlan⸗ 
gen und Zorn / und laß ihr nicht den Gewalt. 

18. Und iſt uns alhie recht zu erkennen / wie GOttes Liebe und 
Zorn (verſtehet in dem geoffenbahrten Worte im Limoder Er⸗ 
ven / undim Ente menfchlicher Eigenfchafft ) ausder Erden in 
ſtaͤtem Streitefey : Denn das Zorn-Ens wird vom Teuffel ger 
zügetund getrieben / und wilftäts das Siebe-Ens verfchlingen / 
und diefes Königreich im Zorn-Ente befisen. 

29. Das Zorn-Eos wilden Menfchen haben / denn es hat ſei⸗ 
nen König am Lucifer: So wil ihn der Liebe Ens auch haben/ 

denn 


Cap.26. pflantzung in dieſer Welt /ꝛc. 177 


denn es hat ſeinen Koͤnig an Chriſto / und darumb muſte Chriſtus 
das menſchliche Liebe-Ens durch den Tod und das Zorn-Ens 
durchführen/und ein ander Principium aufffchlieffen/ als ein ans 
der Reich / und den Fürften Lucifer im Zorne feines laffen / denn 
fein freyer Wille hat esihme erwählet. R 

20. Alfo hat auch der freye Wille in Cain den Falſch erwaͤh⸗ 
let/als des Teuffels Willen: So fprichftu : War den der Mord⸗ 
wille gantz verftoffen ? Er verſtieß fich felber ; hätte aber der 
freye Wille wieder im $iebe-Ente gefchöpffet / fo wäre er wieder 
neugebohren worden /auch gleich nach dem Morde / welches wir 
dein Gerichte GOttes laffen / obs geſchehen fey oder nicht / weil 
ihme der Tert im Mofe fo einen rauen Namen in Berzweiffes 
lung gibt / dann das Wort / daraus der Name JEſus offenbahr 
ward / war gegeben den arınen verlohrnen Sünder zur Buffe zu 
ruffen / und nicht ven Gerechten in der Siebe ergricffen/wie Chri⸗ 
ftus ſagte. 

. 2x. Cain war ein Bilde des erften verderbten Adams in der 
Sünden, und Abelein Bilde Ehriftides andern Adams / als des 
ZJungfrauen- Kindes / denn der Baum zum Böfen und Guten 
fieng in Adam an : Alfo erzeigete fich auch alsbald die Frucht 7 
als Chrifti Kinder/und des Teuffels und der Schlangen Kinder. 

22. So fpricht die Bernunfft : War denn Cainganslid aus 
der Schlangen Ente im Zorne GOttes empfangen/und zur Ver⸗ 
damnüß predeftiniret ? Nein: Er war aus Adams Seelen» 
und zeibes-Ente, fo wohl auch aus Even Seelen⸗und Leibes⸗ 
Ente ‚aber das Monftrum in der Matrice der Even umbfieng dere 
gefäcten Saamen/und das ift auch das ihn verführete/ aber dag 
Zieh des Bundes lag im Seelen = und geibes - Ente verborgen x 
Dann das Eos des Saamens Adams und Erz war gleichwohl 
aus dein himmliſchen verblichenen / und denn aus dem irrdiſchen 
auffgewachten Limo ; Aber der Schlangen und Teufels Willen 
nahn das Haus ein / wie auch beym Teuffel / der war ein Engels 
aber der finſtern Welt Wille nahm in ihme das Haus ein / und 
ſchwang ſich empor/ alfo auch allda in Cain. 

23. Sprichftu/wie kam das? Höre und befiche das ſchoͤne 
Kind in Adams und Erz Willen / was ihr Begehren vor und 
nach dem Falle war: Sie begehrten das jradifche Reich) als dañ 
Evadurhaus nur jrrdifch gefinnet war : Dennals fie Cain ge> 
bahrifprach fie: Ich habe den Mann / den Herren / fie gedachte es 
ware der Schlangenstretter / cr würde das irrdiſche Reich ein⸗ 

nehmen | und den Teuffel verjagen / fie dachte nicht das ſie foilte 
25 HS 


173 Von des Menſchen Fort- Kap.zs, 


ihres falſchen irrdiſchen fleiſchlichen Willens ſterben / und in ei⸗ 
nem heiligen Willen gebohren werden: Einen ſolchen Willen 
fuͤhrete ſie auch in ihren Saamen ein / deßgleichen auch Adam. 

24. Und daraus entſtund nun der Wille in der ſeeliſchen 
Eſſentz / der Baum brachte einen Zweig aus ſich / denn Cains Be⸗ 
gehren war auch nur/ daß er Herr auff Erden ware sımd weiler 
fahe dag Abel vor GH9tt lieber wäre /fo erhub fich fein freyer 
thierifcher Wille in ihme den Abel zu ermorden/ denn dem Cain 

war es nur umb die äuffere Welt zur thun / ſie zu beherrſchen / und 
‚ein Herr zu ſeyn: Aber Habel ſuchte GOttes Liebe. 

25. Alſo find noch ſolcher zwo Kirchen auff Erden / eine die 
nur weltliche Wolluft auff Erden Macht / Ehre / und den auffern 
Gott Mammon und Maozim ſuchet / und darinnen der Schlans 

gen Kind zur Herbergehat : Die andere die das Jungfrauens 
Kind und GOttes Reich ſuchet / die muß fich laffen vonder Cai⸗ 
nifchen Kirchen verfolgen / verfpotten / höhnen und tödten / wie 
Cain dem Habel thate. 

26. Denn der Teuffel wil noch immerdar ein Fürfte diefer 
Welt in der Schlangen Kind foyn / umd fo cs ift / daß nicht das 
Jungfrauen- Kind in der Schlangen Kind offenbahr wird / das 
ver Schlangen den Kopffzertritt / ſo iſt und bleibet der Teuffek 
Fuͤrſt und Wirth im Haufe der Seelen/ wie dem Cain geſchach. 

27. Und verſtehet den Grund nur recht: In dieſer Welt⸗ 
gebuhrt liegen zwey Reiche offenbahr / als GOttes Liebe⸗Reich in 
Chriſto / und GOttes Zorn⸗Reich im Lucifer: In aller Crea⸗ 
tur ſeynd die zwey Reiche im Streite / denn im Streite iſt der 
Urſtand aller Geiſter / und im Streite des Feuers wird das Licht 
offenbahr: Das Feuer iſt eine Urſache des Liechts / GOttes Zorn 
iſt eine Urſache daß ſich GOtt hat noch eines in ſeiner tieffeſten 
Siebe indem Namen Jeſu beweget / und dem Zorn damit getilget. 

28 Was mag diß nun die Liebe / ſo ſich der freye Wille dem 
Zorne vermaͤhlet? Oder was kan der Zorn dafuͤr / ſo ſich der freye 
Wille in der Liebe ſchoͤpffet und den Zorn zerbricht ? Muß er 
doch auch ſtille halten und es gefchehen laffen ; und ob er fich 
wehret und flicht /fodringet doch die Liebe Durch ihn durch / ver» 
wandelt ihn in Freude: Der Zornift die Wurtzel der Liebe / wie 
Das Feuer die Wurtzel des Liechtes iſt; aber im freyen Willen 
iſt Berſtand / der machet fich zu was er wil. 

29. Sieheſtu das nicht an der Erden / daß fich der freye Wille 
am Ente des Worts hat zu Steine und Metalle und Erden ges 
macht: Die Steine und Erde find nicht der freye —— 

er 


" 23 "Ye! 
Cap.26. pflantzung in diefer Welt/zc. 179 
der freye Wille hat fich in ein ſolch Ens eingeführet / und durch 
feine Luſt und Bewegung das Ens in eine Compadtion nder Co- 
agulation eingeführet/ift doch Fein anderer Macher da gemefen 7 
als ver freye Wille im geformten und geoffenbahrten Wortes 
Du ſieheſt ja Wunder genug. 

30. Siehe die unvernuͤnfftigen Creaturen / als Wuͤrme / Kroͤ⸗ 
ten / Spinnen / Heydexen / und andere grauſame Thiere an / ſo 
wirſtu ja was ſehen / biſtu nicht tod: Sprichſtu / GOtt hats ge⸗ 
ſchaffen: Ja recht / ſeine Begierde in Liebe und Zorn hat das Ens 
mit der Bewegung gefaſſet / und nach dem freyen Willen jedes 
Ens in eine Form compactiret :Kein anderer Macher war allda / 
als der freye Wille im Worte. 

312. Die Begierde im Worte war das Fiar, das da den freyen: 
Willen in einEns einführete : Alfo ift daffelbe geoffenbahrte 
Wort noch in allen Dingen / und hat das Fiat , als die Begierde 
in ſich / wie fich der freye Wille in jedem Dinge einführet in einer: 
Geiſt / alfo former und bezeichnet das Fiat alle Dinge : Eine jede 
Wurtzel gebaͤhret aus ſich einen Zweig ihres gleichen/wenn aber 
der Zweig follgeboßren werden / und im Enteder Wurtzel feinen 
Anfang nimmt / ſo formet fich das Ens zum Zweige / wie dißmahl 
die Wurtzel in ihrer Krafft und freyen Willen ergriffen iſt / bey⸗ 
des von dem obern und untern Geſtirne. 

32. Alſo auch im Menſchen zur verfichen / wie der Wille im 
Saamen iſt / das iſt / wie des Vatters und der Mutter Begierde 
ſambt den andern Einfaͤllen vom Geſtirne und den Elementen? 
auch offte von des Teuffels Eingriffen in jeder Zeit ſeynd: Alſo 
wird auch ein Geift im Ens des Saamens formiret /offfe ein 
Engel / ſo die Eltern in heiliger Begierde ſeyn / offter auch ein 
Thier Feine Schlange und Teuffels-Bild / beydes nach der See⸗ 

ken und des Auffern Sleifches Ente. 
33° Die Krafft des geoffenbahrten Wortes gibet fi in alle 
Dinge ein in jedes Ding nach feinen Willen/nac der Begier- 
de im Ente; denn die Begierde im Ente ifls die Das Wort for- 
met/algden Schall des Lebens / wie gefchrieben ſtehet: Welch 
ein Bold das ift / einen folhen GOTT hat esauch. : Bey den 
. Heiligen biftu Heilig) und bey ven Berfehrten biſtu verkehrt / das 
verfichet man alles von dem aufgefprochenen Worte im Fiat ; 
als im der Begierde der Natur: Und darumbhat GOTT dem 
Menfchen- Bilde einander Wort aus dem Centro feiner Liebe 
einvermählet / daß / ob er ſey aus böfer Eigenfchafft entftanden / 
daß ſich der freye Wille ſoll as DM Ichheit aufgehen | 
26 ihme 


180 VWVon des Menſchen Fer Cap.26. 


ihme ſelber in denſelben heiligen eingeleibten Wort erſterben; 
ſo gebaͤhret und formiret das Fiat ein andere neue Creatur im 
freyen Willen aus dem Ente. 

34. Die Moͤgligkeit lieget in allen Menſchen / aber das Ma⸗ 
chen zum Kinde GOttes ſtehet ietzt dem heiligen Fiat, im neuen 
eingefuͤhrten Worte zu / denn es lieget nicht an jemandes ſelber 
wollen / machen / weder rennen noch lauffen / ſondern an GOttes 
erbarmen: Er erbarmet ſich welcher er wil / als nur dieſer / wel⸗ 
che mit ihrem freyen Willen ihrer Selbheit in ſeiner Gnaden 
erfterben und ſich ihme ergeben: Und verſtocket / welche er wil / 
als die mit Cain ſelber lauffen / und ihnen das Reich GOttes ſel⸗ 
ber nehmen wollen in ihren eigenen boͤſen Willen / und nicht ihres 
eigenen Willens in der Selbheit abſterben wollen. 

35. So ſpricht nun die Schrifft: Hat nicht ein Toͤpffer aus 
einemKlumpffen Thon Macht zu machen was er wil / ein Gefaͤſſe 

zu Ehren oder zu Unchren/ das ift/ wilder eigene Wille gürnen / 
fo er böfe iſt dag ihn das Fiar im Worte zu einem Gefäß des 
Zornes mache/oder wil er darumb zörnen/ fo das heilige Fiat (dm 
heiligen Worte )den Willen (der fich in GOttes Siebe und Er> 
darmen einerfender / und feiner Ichheit erftirbet ) zus einem 
Gefaͤſſe zu Ehren macht: Hat doch diefer Töpffer mit feinen 
Thone ( als mitdem Ente oder Saamen ) Macht zu thun wieer 
il; worzu ein jeder Saamegut und nuͤtze iſt / darzu macht er 
zhmie ein Gefäffe / entweder zum Gebrauche feines Zornes / oder 
zum Gebrauche feiner Siebe. 

36. Der Heilige iſt GOtt ein guter Geruch zum Leben / und 
der Gottlofe ein guter Geruch zum Zode in feinem Zorn / fie 
muͤſſen alle zu feiner Heraligkeiteingehen /und ihn preifen: Ei⸗ 
ner in der Eigenfchafft feines Zornes der muß das Boͤſe 
gut heiſſen; der ander inder Eigenfchafft feiner Liebe / der muß 
das Gute gut heiffen ; denn alfo mug es feyn /auff daß erfant 
werde der Unterfcheid des Buten und des Böfen/des Siechtes und 
der Finfternüß / des Lebens und Des Todes ; denn fo Fein Tod 
waͤre / fo waͤre ihme das Leben nicht offenbahr / und fo Fein Gin» 
ſternuͤß wäre/fo wäre ihme das Licht nicht offenbahr. 

37. Darumb fo hat fich der ewige freye Wille in Finfternüß / 
Dein und Quaal / ſo wohl auch durch die Finſternuͤß in Feuer 
und tiechte /undin cine Sreudensreich eingeführet / auff daß das 
Nichts in Etwaserkant werde/ und dag es cin Spiel habe in ſei⸗ 
nem Gegen-mwillen/ dag ihme der freye Wille des Ungrundes im 
Brunde offenbahr ſey / denn ohne Boͤſes und Gutes möchte kein 
Grund ſeyn. 38. Denn 


Eap.2s. pflangung indiefer Welt/ꝛc. 181 


38. Denndas Böfe macht Pein und Bewegen) und das Gus 
te machet Weſen und Krafft/und feynd die zwey Weſen doch nur 
ein einig Weſen /veie Feuer und Liecht nur ein Weſen iſt / auch 
Finſternuͤß und Liecht nur eines iſt / theilet fich aber in zwey 
mächtige Unterfcheide / und ift aber doc, fein Abtrennen; den 
eines wohnet imandern / und begreiffet doch nicht das andere ; es 
verleugnet das andere / denn es iſt nicht das andere. 

39. GOtt wohnet durch alles/und das Alles ift nicht GOtt / es 
erreichet ihne auch nicht! was fich aber des freyen Willens loß gi> 
bet / das fälle ihm heim) das ınug er haben / deñ esift Willen⸗loß/ 
und faͤllet ins Richts/fo iſt er un Nichts: Alſo mag der ergebene 
Wille in Nichts wohnen / und da iſt GOttes Erbarmen / denn er 
wil aus dem Nichts Etwas machen / daß er im Etwas offenbahr 
ſey: Und darumb erbarmet er ſich des Etwas / das in ſein Nichts 
gefallen iſt / und machts in ihme zu ſeinem Etwas / daß er ſelber 
mit ſeinem Erbarmen den Geiſt regieret und treibet. 

40. Und hierinnen ſtecket das edle Perlein: Liebe Streit⸗ 
Bruͤder / ſo ihr das wuͤſtet / wuͤrdet ihr vom Streite ablaſſen / und 
die Vernunfft eine Raͤrrin heiſſen. Kein Eigenforſchen er⸗ 
greiffet es / aber der freysergebene Wille in GOttes Erbarmen / 
der durch den. Weeg der ernſten Poenirn&/ und Sterbung feines: 
eigenen böfen Willens eingehet/ der fället in GOttes Erbars 
men / der wird ergriffen/ und auffer dieſem ift eitel felber rennen? 
lauffen und wollen / und mag doch nichts ergriffen werden / als 
nur im gelaffenen Willen in GOttes Erkarmen.. 

41. Ein gewaltig Exempel und Gürbifde haben wir an der 
erften Gebuhrt / das die Mutter bricht/ dag es den Herzen folte 
scheiliget und geopffert werden ; und das wahre lebendige Opffer 
komt doch ausder andern Neuen-Gebuhrt / wie man an Habel / 
Iſaac und Jacob ſiehet. Cain / Iſmael und Eſau waren die Erſt⸗ 
gebohrnen / ihnen gebuͤhrte das Erbe / aber das Loß und Erbarmen 
fiel auff Habel / Iſaac und Jacob / denn das erſte Ensdes Men 
ſchen war durch den Teuffel ſuͤchtig worden: Darumb muſte es 
dem Feuer zu einem Opffer und Speiſe gegeben werden / und aus 
dem Opffer /als aus dem Seuer GOttes Zornes ward GOttes 
Liebe im Erbarmen offenbahr / und ward dererfte Adam des ans 
dern in Chriſto Haufgenog / denn der ander erlöfete den erften. 

42. In &ven Matrice hatte fich des Teuffels Begierde und 
der Schlangen thierifehes Ens empor gefehwungen/ und den. 
erfien Saamen inder Begierde ergriffen: Nun hatteaber dem. 
erſten Menfchen das eich GOttes gebuͤhret; weil er es aber 

527 ver⸗ 


‘ 


182 Von des Menſchen Fort- Cap.z6. 
perfiherßte/fo mufte der erſte Adam der Erden geopfert werden] 
alfo auch ihr erfter Saame dent Zorne. 

43. Und nach diefem erften Saamen drang Habel herfür ing 
heiligen Bunde/ und opfferte dem Zorne fein füffes Blutfür den 
fündlihen Saamen / auff daß. der Zorn feine Flamme finden 
Lieffe ; und lieffe die erfte Gebuhrt im Blute des anderen hin 
durch gehen. 

44. Die erfte Gebuhrt ward ein Mörder / das deutet an den 
Teufel im Menfhen : Der andır aber ward ein Opffer des 
erften/dag der Zorn=-Teuffelimerften Adam / im Opffer des ans 
Bern verföhnet würde. 

45. Nicht dag wir wollen den aottlofen Hauffen in das Opf> 
fer Chriſti erheben / fo lange er gottlog ift/ der Teuffel verſchlin⸗ 
get den meiften Hauffen der Gottlofen ; alleinder Gottlofe/ob er 
ſich bekehrte / iſt ihme alfo eine offene Pforte im Opffer des an⸗ 
dern gemacht worden. 

46. Daß aber etliche ſchreiben / daß ſich zweyerley Saame in 
Eva geſchieden habe / als ein gantz teuffliſcher aus der Schlangen 
Ente, und der ander aus Chriſti Ente im Bunde : Dieſe haben 
noch lange nicht das A. B. C. in dieſer Schulengelernet: Sie 
haben nur einen Gpiegel-Glaft vom Myfterio, und nicht das 
wahre Schen/ fie feen alfo die Gnaden⸗Wahl hierauff / aber es 
iſt ihnen weit gefehlet; fie reden nur der Schlangen ihr Wort / 
die es alfo begehret : Das mercket alfo. 

47. Adanı hatte nur einen Limbum zu feinen Saamen / und 
Eva nur eine Marricem zu ihrem Saamen /aber indrey Prin- 
eipien ſtunden fte beyde: Die Principia ſtunden im Streite / wie 
deñ noch heute alfo/das ander Principium (als das Reich GOttes 
vder Engliſche Welt) verbliche in den Seelen-Saamen / und 
GoOtt vermaͤhlete ſein einiges allerheiligſtes Wort wieder dar⸗ 
ein zur Wiedergebuhrt. 

48. Und diefe Bermählung ſtund in Cains Ente fa wohl/ als: 
in Habels Ente: Aber Cains Ens war im ringenden Rade im: 
Streite der drey Principien im Zorne ergriffen / und mit dem. 
Schlangen Monftro verdeckt : Nicht eben alfo zur Unmoͤglig⸗ 
Feit/ daß er fey zur Berdamnüfi gebohren worden / fondern zu ei⸗ 
ner Moͤgligkeit des freyen Willens /ob er wolte das eigen in A⸗ 
dam an ſich angenommene Recht laſſen ſincken / und im Willen 
GOttes leben / oder ob er ihme ſelber wolte [eben / darauff gieng. 
die Wahl. 

49. So kennet nun Gott den fre yen Willen / worein er ein⸗ 

gegan⸗ 





| Cap.26. pflant zung in dieſer Welit /ꝛc. 184 


gegangen iſt; iſt er in die Boßheit und Selbheit eingangen / ſo 
beſtaͤtiget ihn GOttes Zorn in ſeiner Wahl zur Verdamniß: 
wo aber ins Wort des Bundes / fo beſtaͤtiget ihn GOtt zuuꝛ 
Kinde des Himmels. Es heiſſet nun allhie: Welchem ich genaͤdig 
bin / dem din ich genaͤdig; und welchen ich verſtocke / den ver> 
ſtocke ich: GOtt kennet feine Kinder auch noch im Ente in Mut⸗ 
ter Seibe/ was foller deme fein Perlein geben / den er doch wohl 
kennet / dag er fich würde von ihme abwenden. Des Perleins 
Grund lieget wohl inihme/ aber verfchloffen / führete er aber 
feinen Willen ins Perlein/ es eröffnete fich in ihme. 

50. Aus einerley Saamen kommen alle Menfehen her / aber 
in einem glimmet das heilige Feuer / undimandern liegetsals- 
verfchloffen/ und kan für Raͤße der Schlangen nicht, 

52. So ſprichſtu: If denn der Schlangen Ens mächtiger 
als GOttes Siebe? Ich hab dir oben gefaget/ dag Siebe und 
Zorn im Streite feynd; worein ſich Das Ens vermählet/ von deme 


. wirds ergriffen und beftätiget / doch alfo / daß der Wille frey 


fey vom Böfen ins Gute / und vom Guten ins Böfe zugehen ; 
und daſſelbe / weilerauff Ervenlebet/ fo fichen beyde Thuͤren 
ihn offen: denn der freye Wille iſt nicht gebunden; foer aber 
gebunden wäre’ ſo moͤchte ein Gerichte mit Gerechfigfeit über 
ihn ergehen: Er hat Gefege und Lehre / die find ihme nicht zum 
Tode gegeben / ſondern zum Leben; ſo er dieſelbe aber uͤbertritt / 
und in der Ubertrettung beharret / jetzt gehet das Gerichte uͤber 
ihn / denn ein jedes Gerichte entſtehet aus der Ubertrettung des 
Gebottes. 

52. So ſprichſtu: Er kans nicht halten / er wird gezogen: Ja 
seht / ſchild ihn doch die Wahrheit ins Angeſichte / als einen. 
Treuloſen / der ſich zum Boͤſen ziehen laͤſſet / das Geſetze recht 
zu tuhn ſtehet ins Lebens Liecht / als ein ſtaͤter Spiegel: Er 


ſihets / und weiß es / dag er ein Luͤgner ra auff des 
et 


Zeuffels Weege lauffet:E3 zeiget ihme den WeegLer Wahrheit / 
aber der freye Wille verwirfft dehn / jetzt wird er zum VBerdamnuͤß 
przdeftinirer = jedoch alſo / daß der Wille frey ſey / weil er in 
dieſer Huͤtten iſt: Aber das ſchwere Band GOttes Zornes im 
Zuge des Teuffels Begierde / zeucht ihr viel zur Verdamnuͤß 
des Todes. 

53. Die Vernunfft ſpricht: So der Menſch freyen Willen 
hat / ſo iſt GOtt uͤber ihn nicht Allmaͤchtig / daß er mit ihme 
thue was er wolle: Der freye Wille iſt aus keinem Anfange / 
auch aus keinem Grunde in nichts gefaſſet / oder durch — 

Ber» 


134 Von des Menſchen Sorb ap. 2e 
geformet: Er iſt fein ſelber eigener Urſtandt aus dem Worte 
Goͤttlicher Krafft aus GOties Liebe und Zorn) er formet 
ihme in feinem eigenen Willen felber cin Centrum zu feinem 
Sitze / ergebähret fich imerften Principio zum Feuer und Liech⸗ 
be; fein rechter Urftand ift im Nichts / da ſich das Nichts / 
als dus A / oder wie mans moͤchte alſo auswickeln / A.OLV, 
in eine Luͤſt zur Beſchauligkeit einfuͤhret; und die Luſt fuͤhret 
ſich in einen Willen / und der Wille in eine Begierde / und die 
Begierde in ein Weſen. 

54. Nun iſt der ewige Verſtand I als Gott ein Richter 
uͤber das Weſen / ſo ſich die Luſt (fo von ihme abgewichen) in 
ein boͤſes Weſen hat eingefuͤhret / ſo urtheilet er das Weſen in 
fein Principium, in was fuͤr Quall und Eigenſchafft / oder in 


was für ein Ens ſich die Luſt ausdemabgewichenen A hat in 
ein Principium eingeführet / darein beftätigef es der allgemeine 
ewige freye Wille/ welcher ift der Ungrumd und Urfache alles 
Grundes. 

55. Das Ungruͤndliche urtheilet das jenige / das ſich in Grund 
einführet/ und ſcheidet das Gute / das ſich in ein gutes Ens ein⸗ 
fuͤhret in das Gute / als indie Goͤttliche Liebezund dasBoͤſe das ſich 
hat in ein boͤſes Ens gefuͤhret / un zu einem boͤſen Geiſte un Willen 
in ein Centrum geſetzet und geformet) in feinen Grün und Zorn. 

56. Denn wie mag der ein Ding richtendeme esnicht Eigen 
iſt? wie wolte GOtt den Willen der Creatur richten fo der 
nicht wäre von ihme entfprungen? Oder aber / wie mag ein 
Gerichte über ein Ding ergehen das gebunden ift / und nicht frey 
iſt in feinem wollen und tuhn? 

17. Der menfchliche und englifhe Wille iſt mit der Bewe⸗ 
gung des Ungrumdes (als fich die Gottheit in feiner Beſchau⸗ 
figkeit und Findligkeit hat eines beweget und mit der Bewe⸗ 
gung in: einen Anfang der Geifter eingeführet) aus demſelben 
Anfang entftanden/ fo gehet nun ein jeder Anfang in fein En» 
de; und das Ende it das / das vorm Anfange war: Aldaift 
die Proba des Anfanges / worein fich ver Anfang hat eingeführet. 

58. So ift num GOTT vor und auffer allen Anfängen / und 
auf ihme gehetaller Anfang / auch ſo ift er aller Anfünge Ende; 
fo ftehet nun das Mittel aller angefangenen Dingen zwifchen 
dem Anfange und Ende; denn es muß mit feinem Anfange 
durchs Ende wieder in das eingehen / Daraus es entflanden ift. 

sg Weildan GOZT ein eyferiger GOT und ein vu 

* 





Cap. 26. pflantzungindiefer Welt / ꝛc. 85 


rend Feuerift/ und auch ein licher Varmhertziger GOtt: Jege 
iſt jedem freyen Willen mit feinem eingeführten Centro fein 
Richter in ihme felber gebohren / entweder Göttliche Liebe oder 
Göttlicher Zorn: dan wenn fi ein Ding anfünget / fo gehets 
in eine Zeit; wenn aber diefelbe Zeit vom Ende / als von der 
Ewigfeitergriffen wird / fo ifts in feinem eigenen ewigen / dar» 
auf fihs hat ineine Compaction eingeführet / alfozur Ewig⸗ 
keit beftätiget. 

60. Darımm hat der freye Wille fein eigen Gerichte zum Gu⸗ 
ten oder böfeninfich / er hat ſein Gerichte in fich / er hat Gottes 
Liebe und Zorn infich; wasler faffet und begehret / das forınes 
er in ſich; und formet fich alfo nur felber in feiner eigenen Luſt 
in ein Centrum. 

61. Dennalfo hat auch die Weltihren Urftand / als nemfich 
im freyen Willen der zwey ewigen Principien aus der finftern 
Feuer-luſt / und aus der Goͤttlichen Liecht-Feuer-luſt: Der 
freye Wille hat ſich im vVerbo Fiat in unterſchiedliche Entia eins 

eführet/ alles nach der Möglichkeitder E. Bebährerin / wie 
der Mille an jedem Ohrte inder Gebährerin/ im Verbo Fiar 
hat gefaſſet: Altoifts auch ein Ens worden / und aus dem Ente 
fein Geift nach dem Ente entfanden / als von GOttes hauchen 
oder erwecken inden Principien. 

62. Weil aber Die Piincipia ſeynd unter einander als eines 
gewefen/ fo ift Fein Ding im freyen Willen gefaſſet worden / 
es hat ein Gutes und Böfes in ſich / nach Art und aus Gewalt 
der ewigen Bebährerin/ zu Siecht und Finfternüß. 

63. Nun entftchet aber ein jeder Geift mit feinem freyen 
Willen erft aus ver Compaction feines Centri , und iſt nach 
feiner entftandenen Gebuhrt frey / und mag in. fich entweder 
aus GOttes Siehe oder aus GOttes Zorn fihöpfen / und feinen 
Willen einführen/ wie er wil: aberdasift der Zweck / wie die 
Mutter (als das Ens) iſt / daraus der Geiſt gebohren wird / 
eine ſolche Luſt enſtehet auch im Geiſte. 

64. Run hat aber der Geiſt Berſtand / und das Ens hat 
keinen / auch hat er Geſetze / denn er erkennet was Boͤſe und 
Gut iſt / was recht oder unrecht iſt: Auch hat ihme GOtt Ge⸗ 
ſetze gegeben / daß er ſoll die Luſt brechen / und mit dem Verſtan⸗ 
de des Liechts über die Luſt der Finfternüg herrſchen. 

65. So ers nun nicht tuht / ſonder gehet mit der $uft aus 
den Verſtande in eine Selbheitder Luſt / fo faffet ſich die Luſt 
in se Subſtantz / daraus wieder ein neuer falfcher pe: ges 

. ohren 


186 Von des Menſchen Fort⸗ Cap. 26. 


bohren wird / und derſelbe iſt ein Huren-Find für GOtt und der 
ewigen Natur / denn er urſtaͤndet nicht aus der ewigen Natur⸗ 
Rechte / ſondern aus der Selbheit; und über dehn gehet das Ge⸗ 
richte der ewigen Natur / und wird an ſeinem Ende / wenn das 
Centrum des Geiſtes ſoll wiederum in Anfang tretten / aus dem 
freyen Willen der Ewigkeit ausgeſpeyet. 

66. Verſtehet uns nur recht: Der Erfte freye Wille/ welcher 
Adam eingeblafen ward / der war Gut / erwar wohlaus Bots 
tes Liebe und Zorn/ als aus dem Centro der ewigen Gebaͤhre⸗ 
tin / der ewigen Geiftlichen Natur / er hatte aber den Ber⸗ 
ſtand in fich / fich zu regiren wie er könte ewig befichen. 

67. Aber die eingeführte Sucht vom Zeuffel war im Ente 
der Erden / daraus Adams aufferer Leib formiret ward/ in daſ⸗ 
ſelbe irrdiſche Ens führete der Teuffel feine Begierde durch die 
Schlange) als durch der Schlangen Liſtiges Ens ; daß alfo die 
Luſt im Ens des Leibes daraus entftund / darinn der erfte freye 
ZBille der eingeblafenen Seclen gieng / und die Luſt des Leibes 
annahm; und Diefelbe Luſt in eine Begierde zur Subſtantz 
einfuͤhrete. 

68. Und aus derſelben Subftantz entſtundt num ein ander 
neuer eigener Wille / als ein Hurenkind / ein falfch Schlan⸗ 
genetind; und daſſelbe Hurentind hat Adam feiner Heva und 
Heva ihrem Sohn Eain/ und fort ein Menſch dem andern 
angesrbetz Alfo haben wir nun jetzt im irtdiſchen Sleifche den» 
ſelben falſchen Willen aus der Schlangen Subftang / darein 
der Teuffel feine Begierde einführer/ wind uns fichtet/ und im» 
merdar nach teuffliſcher Eigenfchafft luͤſterende macht / daß feine 
Begierde die er ung einführet/ in das falfche Hurenkind möge 
zur Subftang und Weſen werden / darauf immerdar wieder ein 
ſolch Hurenfind und Teufels Schlangen Saamen gezeuget 
wird; und ausdemfelbenfalfihen Ente ein Teuffels Wille. 

69. Alfo reuthet der Teufel in und über den Menfchen / im 
und über Seib und Serle: Num liget aber der erfte eingeführte 
freye Wille noch in allen Menſchen / welchen GOtt Adam ein- 
bließ / denn er iftdie warhafftige Seele des Feuers und Liechts 
Centrum, ein Funcke der Göttlichen Krafft und Allmacht / aber 
in dieſem böfem eingeführten Hurenkind gefangen / gan das 
mit Umbgeben. 

70. Darumb hat Gott das Ziel feines Neuen Bundesin 
Worte der göttlichen heiligen Krafft/ in dem Namen Jeſu | 
wieder in die Eigenfchafft zum Liecht⸗ſeuer ( als in 39 — | 

u J n 





— 


wil in Fleiſches⸗ und Schlangen Luſt und Willen leben / wit 


Cap. 26. pflantzung in dieſer Welt / ꝛ⁊c. 187 
blichene himmliſche heilige Ens, das in der Finſternuͤß verblich) 
einverheiſſen und einverleibet / daß der erſte freye Wille (der 
num in dem Huren⸗und Schlangen⸗-kinde gefangen liget) ſoll 
ſeine Begierde in dieſes Ziel des verheiſſenen Bundes (welches 
er in Chriſti Menſchheit erfuͤllet hat) einfuͤhren / und wieder 
das heilige Ens Chriſti (daß er in unſer verblichenes Ens, 
m Saamen Maris einfuͤhrete) in fein verblichen himmliſch 
Ens mit der Begierde des freyen Willens der Seelen einführen ; 
fo das geſchicht / fo entfteiyet aus demſelben eingefuͤhrten Ehriftt 
Ente, Ehrifti Geift/ welher dem Schlangen Hurenfinde 
(im Fieifch ) den falſchen Willen zerbricht / und auff feinen 
Kopff tritt. 

72. So ſpricht die Vernunfft / Gott gibet dieſes heilige neue 
Ens Chriſti wehm er wil/ und laͤſſet verſtocket / und in ver 
Schlangen Ente gefangen bleiben wehn er wil. Ja recht alſo: Er 
gibet feinem dig heilige Eos indie Selbheit des Willens feines 
Schlangen Kindes / es gehöret ein anderer Ernſt darzu / denn 
die Selbheit Fan ihr jegt nun nichts mehr ven GOtt nehmen, 

72. Aber dig iſt des freoyen Willens Proceß den er gehen 
muß / wiler das heilige Ens empfahen / er muß ſich aus ver 
Schlangen Begierde (aus der Selbheit und Ichheit) aufr 
winden/ und in GOttes Erbarmen einwinden / und in ich der 
Fleiſchlichen Begierde erfterben und gram werden; Er mug 
ganz aus der eigenen Luſt des Fleifches ausgehen / und feinen 
Hunger nur ins Sterben des Ichts einführen / daß er wil im⸗ 
merdar gerne feiner Boßheit und falfhen Begierde (die im 
Fleiſche im Sihlangen-Einde ſtecket) erfterben / und wil in 
Chriſti Ente eines neuen Willens aufftchen. 

73. Diefelbe Begierdevie auß der Schlangen Ente aufgehet/ 
und hungert nach) GOttes Barmhertzigkeit / die empfaͤhet in 
fih Ehrifti Ens, darauf ein neuer Wille gebohren wird / wels 
cher der Schlangen (im Fleifhe) den Kopffjertritt / den das 
iſt Die Neuesgeburtaus GOTT / in Chriſto JEſu. 

74. Daß du aber wolteft fagen / du fanft nicht Gutes begeh⸗ 
ren / das iſt nicht wahr: Alleine du laͤſſeſt dich der Schlangen 
Willen in deinem rechten ewigen Seclen-willen halten / und 
hureft mit der Seelen⸗willen / mitder Schlangen Willen ins 
Fleiſche darauf entftcher die Wahl GOttes. 

75. GOTT kennet die falfche buhleriſche Seele / welche nur 
wilmitder Schlangen ( mit dem Abgott Babel) buhlen/. und 


ab 


> 


288 Bon Cains und Habels Opfferhe. Eap.2 7." 


aber ein von auffen angenommen Kind feyn: GOTT follihr die 
Sünde durch Wort-fprehen von auffen vergeben : Sie aber 
wil an der Buhlſchafft ver Schlangen (inihrer falfchen Luſt) 
bleiben hangen / diefe ermählet GOTT zum Gerichte. 

76. Denn der freye AWille/ den er Adam hat eingeblafen / 
der er hat von Adam geerbet/ hanget am Sucifer: Darum ſo 
beftätigte ihn GOTT ins Reich der Sinfternüg zum $ucifer / 
aber diefe Zeit des auffern Lebens fteher ihm die Pforte zur Gena⸗ 
de nochoffen. 


Das 27. Capittel. 


Bon Lains und Habels Opffer/ und vonder falfchen 
und Antichriſtiſchen Kirchen / auch von der wahren 
heiligen Kirchen. 


Ein Spiegelder Welt. 


2. Lhie lieget abermahl dein Mofi der Deckel für feinem 
Ungefichte / wegen des Opffers der beyden Brüderr 
Warum fiedoh GOtt haben wollen opfferen / und 
da doch die Berfühnung allein im ernften Willen 
gegen GOttes Erbarmen / im Gebete und flehen zu 
ODHTT ſtehet / dag der Menfch aus dem böfen Willen aus» 
gehet / umkehret und Buße tuht/ und feinen Glauben und 
Hoffnung in GOttes Erbarmeneinführet. 

2. So haben fie ja. müffen wiffen / warum fie räuchern/ 
was BOTT für einen gefallenam Raͤuchern habe / welches 
wohl faft billig beym Mofe ift ſtumm blieben aus GOttes Fuͤr⸗ 
ſatz / und ift doc) den Kindern der Heiligen / fo wohl auch dem 
Moſt nicht verborgen gewefen/ aber er hat einen Deckel für feis 
nen Augen hangen. 

3. Iſrael(weil ſie auch nur meiſtentheils boͤſe Kinder waren/ 
darzu auch Abgoͤttiſch wie an ihrem Guͤldenen Kalbe alsbald 
gefehen ward) folte e8 nicht wiffen / wegen der falfchen Magia 
halben; und wie wir werden auch nur den unfern fchreiben / und 
Doch verftändlich genug. Diefes mercket alſo: 

4. Der Seelifche freye Wille ift alfo dünne als ein Nichts 
und oberin feinem Coͤrper wohl mit dem Etwas umgebenift/fo | 
iſt doch fein gefaffetes Etwas in einem falſchſuͤchtigen Weſen / 
rom Urſtand der Sünden. — 

5» Sf. ' 





Sap.27. Von Cains und Kabels Opffernc. 189 


5. Soll nunder freye Wille mitder Begierde gegen GOTT 
gehen fo muß er erftlich aus feinem falfchen Etwas ausgehen? 
und fo er nunalfo ausgehet / fo ift er bloß und ummächtig / denn 
er ift wieder im erften Nichts danwiler gegen GOTT gehen ? 
fo muß er der falfchen Selbheit abfterben und die verlaffen ; und 
fo er diefelbe verlaͤſſet / fo ift er blog als cin Nichts / und mag alfo 
nicht fahren würden oder weben: Wiler feine Macht ergeigen/ 
fo muß erinetwasfeyn / darinnener Jich faffer und formet. 

6. Wie wir deffen ein Ereimpelam Glauben haben: Sollein 
Glaube feyn / der da würde/ fo mug er fich in etwas faffen / 
darinnen er würde) GOttes freyer Wille hat fich mit der in» 
nern Beiftlichen Welt gefaffet / und wuͤrcket durch diefelbe ; und 
der innern Welt freyer Wille hat fich mit der äuffern Belt ges 
faffet und wuͤrcket durch diefelbe, Alfo muß fich der feelifche freye 
Wille / welcher auch feinen Urftand aug dem Ungrund hat7 
in etwas faſſen / damit er offenbahr fey / und damit er könne vor 
GOtt wallen. 

7. Weil denn Adams Leib aus dem Limo der Erden / und 
auch aus dem Limo des H. Himmels war / und aber der Limus 
des Himmels in Adam war verblichen / darinnen ſich der freye 
Wille koͤnte in eine himmliſche Form faſſen / und vor GOtt wal⸗ 
len würden beten und flehen / fo zuͤndeten ſie die Früchte der 
Erden an: Als Cain brachte von den Fruͤchten des Feldes / und 
Habel brachte auch von den Erſtlingen ſeiner Heerde: Dieſes 
zuͤndeten ſie mit Feuer an. 

8. Verſtehet aber ein Magiſch Feuer / wie beym Moſi / 
denn Moſes ſaget auch alſo: GOtt ſahe Abels Opfer gnaͤdig an / 
und des Cains nicht / das iſt / ſte brachten Opfer fuͤr GOtt / und 
der freye Wille der Seelen ſolte zu GOtt mit ihrem Gebete 
dringen: So wolte er eine subſtantz haben / wenn er aus dem 
menſchlichen Haufe des Verderbnuͤſſes ausgienge in GOtt / daß 
er möchte in etwas wuͤrcken / fo faſſete ſich die Imagination des 
Willens durchs Opfer / und GOtt zündete das Opfer Habels 
mit dem heiligen Feur im Zieldes Bundes / daß fich folte wieder 
in Erfüllung der Zeit in dem Geelen-feur anzuͤnden / an. 

9. In dehme faffete fich Abels Seelen-willen ineinc heilige 
zubſtantz / und drang mit der Begierde des gefaften freyen See⸗ 
len⸗willens vor und in GOttes freyen Willen / und das war 
dem Zeufel und Schlangen Willen nichteben; diefes verftund 
der Schlangen und Teufels Wille in Cain wohl / dag fich 
das Zieldes Bundes im Heiligen Feuer in Habels Begierde und 
Gebete eroͤfnete. 10. Darumb 


E90 Bon Cainsund Kabels Opfferie.Eap.27> 


10. Darımmb wolte er den Leib Habels nach feinem indifchen 
Limo tödten / daß ihme nicht etwan folche Kinder möchten gezeu⸗ 
get werden/er möchte fonft fein Neich (im Menfchen) verliehren. 
Eains Opfer wolteer aber nicht anzünden: So machet alhie 
Mofes einen Deckel dafür und fpricht : GOTT fahe Eains 
Opfer nicht gnaͤdig an. 

11. Das An,uͤnden des aͤuſſerlichen Opfers war eine Figur 
des innerlichen Geiſtes: Denn der Seelen Geift im freven 
Pillen (nach dem Centro des Liechts) war mit GOttes Liebe⸗ 
feur angezändet/ und die Imagination des Leibes (auch des hinnn⸗ 
lifchen Theils) war im Opfer mit dem Feuer des heiligen Teils 
der Erden (welches im Fluche verborgen lieget) angezündet / und 
darinnen faffete fich der freye Wille der Seelen und der freye 
Wille im Ente des himmlischen Theils des Leibes in eine Sub- 
ſtantz / und drang damitvor GOttes Heiligkeit. 

12. Und allhie ward der Schlangen zum erftenmahlder Kopf 
gertretten/denn es war die Figur der neuen Geburt aus Chrifto; 
sicht daß Habel hätte dißmahl Chriſtum im Fleiſche angezogen/ 
aber wohl im Geifte Ichovz, im Zieldes Bundes / in welchem 
der Name Jeſus (alsein Wiedergebährer) in GOTT verbor: 
gen ſtund / ver ſich wolte in Erfüllung der Zeit in diefem Ziel ber 
wegen und eröfnen/ und himmlifches heiliges Ens in das verbli⸗ 
chene Ens des himmliſchen Theils einführen / und ihn wieder in 
der eröffneten Kraft Jeſu lebendig machen. 

13. Die Opfer recht und gründlich zuverftchen / muß man bes 
trachten dasjenige / damit man opfert / was fich mit der Anzuͤn⸗ 
dung im Fewer / auß dem Fewer (aus dem angezündeten Opfer ) 
fheidet: Denn inder Anzundung wird nichts mehr gefehen noch 
erfandt s als erftlich das Holß zum Fewer / zum z. die Materia 
des Opfers / zum 3. das Fewer umd Liecht / zum 4. der auch aus 
dem Fewer / welcher aus dem Fewer-Holtze und aus der Materia 
des Opfers urftändet: Diefesallesift ohne Glauben und Goͤtt— 
liche Begierde für GOTT cin Ekel und nichts / umderreichet 
nicht die Pforten GOttes. | 

14. So aber der Menfch feine Glaubens-begierde darein ein⸗ 
führet/fo ergiebet Erden freyen Willen darein/und wil dadurch | 
alsdurch ein Mittel} in welchem Fewer fich der freye Wille des 
eingeführten Sünden-ekels abebrennet / zu GOTT infeinem | 
ewigen freyen Willen eindringen / und wie das num zugehe / 
Verſtehet alſo. 

15. GOttes Imagination (oder Luſt) gehet gegen den freyen | 

eine | 


I „a 


Cap.27. Bon Cains und Habels Opfferie: 198 - 


eingeblafenen Willen der Menfchheit/ und der Menfchliche freye 
Wille gehet gegender GOttheit: alldaift eine Conjundion. 

16. Nunaberift der menschliche freye Wille fündig worden? 
und GOttes freyer Wille (darauf der Menfchliche anfänglich 
entſtund in feinem einblafen ) ift heilig und rein. Jegt vermag 
der menfchliche freye Wille nicht in GOttes Willen einzudrins 
gen/er werde dan auch rein für GOttes Willen. 

17. So ihn aber denn GOttes Wille gerne in fich einnehmen 
oil zu feinem Liebeſpiel / ſo iſt kein anderer Raht / als daß ſich GOtt 
im Centro der ewigen Natur nad) dem Fewer des andern Prin- 
cipii (als nach dem heiligen Fewer) bewege / und des Menfchen 
freyen Willens entzünderen Zorn und Eitelfeit verfehlinge s und 
im fferben desTodes (als im Zorn⸗feuer GOttes) zu nichte mache] 
auff dag der menfchlihe Willevor GOttes Willen rein werde / 
und möge in GOttes $iebeswillen eingehen. Und darum bat 
GOttes Siebesbegierde das Orffer beym Habel und Moſe felber 
angezündet / auff daß das Liebe und heilige Fewer (im Zorn-feur 
der ewigen Natur indes Batters Eigenfihafft/ im menfchlichen 
freyen Seelen Willen) die Turbam verfchlinge, 

18. Daß aber ein irrdiſch Opffer darzu ſeyn muſte / hat dieſen 
Verſtand: Der Leib des Menſchen iſt an einem Theil ein Limus 
der Erden / und am andern Theil ein Limus des Himmels; und 
in die ſen Leibe iſt der freye Wille eingefuͤhret worden / und iſt Leib 
und Seel nur ein Menſch. 

19. Weil aber die Irrdigkeit / auch falſche Liſtigkeit der 
Schlangen (mit Einführung des Teuffels Begierde) im Fleifche 
des Menfihen/in feinem Fall war auffgewachet / und ſich alfo die 
irrdiſche / thieriſche Eigenſchafft in feinem Ente einpor geſchwun⸗ 
gen; und den rechten menſchlichen Willen in dem thieriſchen 
verſchlungen (das iſt gefangen) ſo muſte auch der irrdiſche Wille 
auß dem Limo der Erden im Fewer / mit geopffert werden. 

20. Denn der Limus der Erden ſoll wieder aus dem Tode 
auffſtehen / ſollte er aber ein Opffer werden / ſo muſte er auch in ei⸗ 
nem irrdiſchen elementiſchen Feuer ſeiner Gleichheit geopffert 
werden / daß alſo ein himmliſch Feuer und ein irrdiſch elementiſch 
Feuer ineinander waͤre/ und ein jeder Wille im Opffer cine 
Stätte finde zu feiner ſelbſt Einfaffung / als der Wille aus dem 
irrdiſchen Limo der Erden vom Reiche diefer Welt / und der him̃⸗ 
liſche Wille aus dem himmlifchen Limo , als aus dem Ente des 
Verbi Domini : Eine jede Eigenſchafft des freyen Willens 
gieng ins Opffer / und aus dem Opffer ins Feuer / alldadie Bers 
ſoͤhnung war. 21. Denn 


u92 Bon Eains und Habels Opffer ꝛc. Cap. ꝛ7 


21. Denn der Bund der Verheiſſung vom Schlangen=tret= 
ter offenbahrete fich mit dem heiligen Feuer / welches heilige Feuer 
das elementifche Feuer anzimdete ; denn das heilige Feuer foll 


den elementifhen Menfchen aus dem Limo der Erden /aus dem 


Zode auffwecken; und in dem heiligen Feuer foll der Menfch 
(der aus der Zeit feinen Urftand genommen) inder Aufferfte> 
hung bewehret werden s Welcher zwar erfilich muß gehen durch 
Das Feuer des Zornes / aber die Bewalt des heiligen Feuers foll 
ihn durch Das Feuer des Zornes durchführen / und feinen cinges 
führten Suͤnden⸗Ekel (inder Schlangen und des Teuffels Ente) 
vom Limo der Erden abfegen / daß der Limus der Erden nicht 
* irdiſch ſey / ſondern als ein ſchoͤnes Gold das im Feuer 
ſtehet. 

22. Alſo ſoll der irrdiſche Menſch in der Aufferſtehung durchs 
Feuer bewaͤhret werden / deſſen die Opffer ein Fuͤrbilde waren / 
und doch in ihrer Krafft nach dein Geiſte recht beftunden : Aber 
der Leib ſolte ſterben / und folte die rechte Leibligkeit und Wieder⸗ 
gebuhrt in dem eröffneten Leibe Chriſti anfahen / welcher mit ſei⸗ 
ner Eingehung und Offenbahrung in der Menſchheit den himm⸗ 
liſchen verblichenen Limum im menfchlichen Ente, welcher in A⸗ 
dam und Eva verblich / wieder eröffnete. 

23. Alfoverftehet uns recht: Abelund Mofes opfferten das 
Sette von Thieren / und zündeten dasmit dem heiligen Feuer 7 
welches Feuer erſtmahls von GOtt angezündet ward/an :denn 
in dem aufferen irrdiſchen Menfchen aus dem Limo der Erden 
war die thierifche Eigenfchafft orfenbahr worden : Der menſch⸗ 
liche Limus aus der Erden war zu einem Thiere worden /und 
Darzu fündig und böfe / voll Schlangen⸗Gifft aus ihrer Liſt. 

24. Der freye Wille faffete fich in der Schlangen Liſt und 
Zcuffels-Begierde / und forınete ihm ein Ens des Fleiſches / eine 
ſolche Figur wie die Begierde war / davon derirdifche Leib vor 
Gott eiteler war/ als ein Thier. 

25. Weil aber das himmliſche Ens in der irrdifchen Eigen: 
ſchafft verborgen und verfchloffen lag/ fo wolte GOtt das gantze 


Bilde nicht verlaffen/welches Habel und Mofes im Geiſte GOt⸗ 
tes mitihren Opffern verftunden /opfferten derowegen das Fet-⸗ 
te/alsdasHchle von Thieren und andern irndifchen guten Früche | 
ten / daß alfo die Begierde des recht = gefchaffenen Menſchen 
aus dem Limo der Erden/ welcher foll vom Tode auffftchen / 


in der Anzuͤndung des Opffers im Feuer eine Sobſtantz haͤtte / 


Darein fie ſich ergaͤbe und fich faffete ; und Fönte alfo mit ihrem | 
Willen 





| Cap. 27. Von Cains und HabelsdOpfferkit. "93 


Willen in der Eigenſchafft des heiligen Feuers eingehen / als in 
das Ziel des Bundes / welches vor GOtt in der Figur ſtund / tif 
auff die Erfüllung im Weibes⸗Saamen. 

26. In welchem ſich der theure Name JEſus aus Jehovah er« 
oͤffnete / und das himmliſche Leben in der Menſchheit wieder er⸗ 
weckte in dem verblichenen Ente; und daſſelbe gantze Bilde in 
der Perſon Chriſti / dem Zorn⸗Feuer des Vatters auffopfferte / 
und mit dem heiligen wiedergebohrnen undangezündeten Liebe⸗ 
euer immenfchlichen geben durch den Zorn/als Durch das Feuer 
der ewigen Natur des Batters Hffenbahrung durchführete/ und 
das Zorn-Feuer in ein Liebe⸗Feuer verwandelte : Inmaffen es 

dann mit dem Fürbilde im Opffer nichts anders war ; denn das 

Siebe- Feuer zuͤndete das Opffer an / und im Opffer war noch der 
Fluch der Erden / wie dann auch im menſchlichen freyen Willen : 
Und wenn das Opffer geopffert ward / ſo war es ein Suͤnden⸗ 
opffer / dadurch des Menſchen freyer Seelen⸗wille vor GOTT 
verſoͤhnet ward. 

27. Solie nun die Sünde verſoͤhnet werden / ſo muſte fiein 
Zorne geftellet werden / als ins Gerichte GOttes / in dus 
Schwerd Eherubs das fie abſchnitte / welches iſt das Schwerd 
GoOttes Zorues; und fo denn der menſchliche Wille gantz ſuͤn⸗ 
dig / und des Feuers des Zornes gantz faͤhig war / ſo zuͤndete 
GHTT das Suͤnden⸗opffer / in welchem das Zorn=feuer im Flu⸗ 
he verborgen lag / mit dem heiligen Feuer an: anff dag der 
menſchliche Wille / welcher im Zorn-feuer ergriffen war im 
Siebe-fener verföhnet würde. 

28. Denn das Liebe-feuer GOttes tingirete die feelifche Wer 
gierde im Opffer / gleich wie eine Tin&urein Kupffer und Eifen 
tingiref / und in Gold verwandelt: Alfo auch ward der menfch- 
liche ſeeliſche freye Wille / welcher dem Menfchen war gang rein 
eingeblafen / tingiret / und wieder vor GOTT gereiniget / daß 
er möchte in GOttes Erbarmen eingehen: Danñ im Liebe⸗feuer 
war das Erbarmen/ als im Zieldes Bundes/ in dem Namen 
Jeſu in GOTT verborgen: In welhen Bunde und Namen 
fich der Zorn GOttes im Opffer verföhnete Fund fein Zorn=bren> 
nen finden lieg / und lic den ſeeliſchen freyen Willen durch fich 
durchgehen. 

29. Anlangende aber das Opffer an ihme ſelber mit dem Hol⸗ 
tze / Feuer / Liechte und Rauche / hat dieſen Verſtand: Habel 
opfferte von ſeiner Heerde ohne Zweiffel Schafe oder Rinder / 
wie auch Moſes dergleichen; als Kan das Fette davon / fo 

; war 


194 VonCains und HabelsOpfferiie.Cap.2 7. 
war nun das Opffer Holtz und Rauch am äuffern Theil mach 
dem Weſen irrdiſch / wie denn auch der Menſch nach dem aͤuſſern 
Leibe irrdiſch war / und inder Irrdigkeit lag der Fluch / beydes 
am Menfchen und im Opffer. - 

30. Wenn aber das Dpffer angezündet ward / fo wards 
Geiftlich / denn aus dem Holtze gieng das Feuer / welches das 
Opffer annahm / und verzehrete / undausder Verzehrligkeit 
gieng erſtlich aus dem Feuer der Manch / und hernach das Liecht / 
das war die Figur, darein des Menfchen und auch GOttes 
Imagination eingieng / als cine Compadtion oder Conjun- 
&tion, 

32. In dem angezündeten versehrlichen Feuer war die Bes 
gierde des zornigen Vatters / als eine Conjunction des ewigen 
Natur⸗feuers gegen der Zeit⸗feuer; das ewige iſt magiſch / und 
Das zeitliche ift des magifhen Subfang und Wefen/ als feine 
Faſſung: Und in dem angezuͤndeten Liechte war das heilige Sie» 
be⸗feuer / welches auch magifch ift/ dünne alsein ABille / und 
ſich auch indem angezündeten Sicchte faffete 5 und in dem ausge⸗ 
hendem Rauche / welcher ein elementiſcher Sulphur nd Mercu- 
us iſt / als cin Leben der Qualität / gieng mit aus der Geruch 
oder Schmack / der deutet an die menſchliche Krafft des geibes/ 
und Auffern Geiftesder Natur. 

32. In diefer Krafft aus dem Opffer/ Feuer umd Siechtemit 
Einfaffung der menſchlichen Glaubenssbegierde faffete fich der 
Geiſt GOttes / welcher vom Batter und Sohne außgehet / und 
nahm alfo die menfchliche Glaubenssbegierde in fich / und faffere 
fie alfo in die Subftang des Feuers / Liechts und ausgehender 
Krafft aus dem Opffer / und führete fie durch die Pforten des 
Zornes GOttes auff den heiligen Altar / ins Ziel des Bundes 
ein / auff welchem folte das Lamm GOttes füraller Welt Süns 
den geopffert werden. 

33. Denn daffelbe Lamm GDLtes / als CHriſtus / derfolte 
auff dein groffen Altar der Englifchen Welt diefeseingeführte 
Dpifer völlig und recht angenehm machen / daß es GOTZ fen ein 
heiliger / ewiger ſuͤſſer Geruch feiner tieffeſten Siebe / welche er 
im Menſchen / in feinem eingeführten Opffer im Laͤnunlein GOt⸗ 
tes Ehrifto / fuͤrgeſtellet hat und die Menſchen in dieſein fürs 
geftelten Opfer. 

34. Das menfchliche DOpffer ward des rechten Sammes und 


Dpfrers GOttes in Chriſto Hausgenoß; und wo nun das Opfs | 


ſer iſt / da iſt auch ver Geiſt des Menſchen / denn des ar; 
Geil 


\ 


— 


gr 


N 
Cap ·ꝛ. VonCains und Habels Opfferꝛc. roF 
Geiſt iſt ausgegangen / und kommen von GOTT indie Zeit / 
und in der Zeit hat er ſich verunreiniget / ſo muß er das Unreine 
verlaſſen / und durch dieſes Opffer wieder in GOTT eingehen. 
35. Soll er aber eingehen / fo muß es auff eine Weiſe geſche⸗ 
hen/ wie er iſt ausgangen / denn er fuͤhrete ſich in falſche Be⸗ 
gierde und Luſt ein: Alſo muſte er ſich wiederumb durch eine 
Umdbwendung erſtlich in eine Reue und Umbkehrung einführen? 
und in der Reue oder Buſſe wieder in eine Göttliche Begierdeg 
welche Glauben heiffet. 

36. Damit er aber die Göttliche Begierde faffete / fo führere 
er den landen oder die Glaubensebegierde in ein Opffer ein? 
und faffete die Glaubens-begierde im Opffer in eine Subflaug 
oder Wefen / daß der Glaube wefenflich warez und diefes Glau⸗ 
bens Weſenheit nahm an dans heilige Feuer GOttes / welches ſich 
wolte in Erfüllung der Zeit in der Glaubens: Wefenheiteröffe 
nen / und die menjchliche Subſtantz darein führen / und in fich 


Durch GOttes Zorn ausführen/und dehn in fich in cin Liche-feuer 


verwandelt; dem alle die Worte des Gebethes bey Dem Opfer 
werden mit indie Glaubens=Subftang eingenommen. 

37. Denn gleich wiealle Dinge find durch das Wort GOttes 
geformet / gefaffet/ und in eine Lubſtantz eingefürhret worden: 
Alſo auch formeten und faffeten fich die Worte des Gebets Ha⸗ 
bels und Iſraels indem Opffer zur Subftant / als in ein unzer⸗ 
brechliches Weſen / in welchem Weſen CHriſtus GOttes Sohn 
in Erfüllung der Zeit / ausden Bunde hervor brach / und daſ⸗ 
ſelbe Weſen neben dem menſchlichen Weſen an fih annahm / 
— * als ein Held und Ritter dem Tod und Teuffel ſein Reich 
zerbrach. 

38. Und demſelben Glaubens⸗weſen / im Geiſt Chriſti ir 
allen ſeinen Kindern und Gliedern / ward gegeben das Gerichte 
Aber die Welt / auch über des Teufſels und des Todes Neich s 
dieſelbe Werde damit zu zerſtoͤren / und den Königlichen Stuhl 
zu befigen. 

39. Diefes war das wahrhafftfige Opffer Habels/ dan der 
Geift des Heiligen Liebe⸗feuers im Ziel des Bundes hatte fich in 
ihme eröffnet / dag er das verftund: Und darumb opfferte er f 
Daß feine Glaubens-begierde folte vor GOTT angenommenz 
und in eine Subftan zur neuen Wicdergebuhrt gebracht wer⸗ 
den / denn erfahe auffdie BVerheiſſung vom Schlangen-tretter] 
und führete feine Glaubens-begierde in dehn ein ; und wolte/ dag 
fein Slanbens⸗ Geiſt und Sehen folte F dem verheiſſenen Schlan⸗ 

3% ger 


196 Von Caius und HabelsOpfferkt.ECap.272 


gen⸗tretter beftätiget werden: Er wolte darinnen vor 6 OTT ans 
genehm fiyn/ mie ihme denn auch gefchahe/ dag das Feuer 
Gottes fein Opffer anzuͤndete / und fein Gebethe indem Liebes 
feur einnahm / und im füffen Geruch des Opffers durch den 
Beift GOttes / in der Krafft des Liechts in einc heilige Sub» 
fans gebracht ward / das hieß recht: fein Opffer war vor GOtt 
angenehm. 

40. Das Opffer hätte das allein nicht vermocht / allein der 
Glaͤub der fich in dem Opffer auffden verheiffenen Meſſiam fafs 
ſete (welcher den Bund und das wahre hochtheure Opffer ergriff/ 
der thaͤte es: Das Dpffer war nur eine Figur deffen / fodarinn 
verbracht ward / gleich wie die auffere Welt nur eine Figur ift 
der innern geistlichen Welt / damit fich die geiftliche Welt in 
eine Figur und Weſen einfuͤhret / und als in einem⸗Spiegel 


ſchauet. 
Von Cains Opffer. 


. 42. Bey Cains Opffer verſtehen wir recht die Maul Chris 
ſtenheit die Titel⸗Chriſten in der geiftlichen Babyloniſchen 
Hurerey / derer Bild iſt Cain: Und wie Eain in feinem Opffer 
nur der Aufferen Welt Macht und irrdifche Wolluſt ficchte / 
und mwolte vor GOTT ein von auffen angenommener Sohn 
oder Kindfeyn/ GOTT folte ihm laffen fein böfes Thier ange⸗ 
nehm und auffgeopffert ſeyn / Er wolte mit der Selbheit inder 
Schlangen Ente undFalſchheit / GOttes angenchmesKind ſeyn: 
Er war ein unbußfertiger hoffaͤrtiger Menſch / der da dachte ein 
Herrder Welt zu werden / und über Habel und feine Nachkom⸗ 
men zu herrſchen. Eben alfoift auch jegt die Antichriftifche Kir⸗ 
che auͤff Erden / fiebauerauc Kirchen und Altar / prediget/ ſin⸗ 
get und Elinget/ opffert auch im hinterlaffenen Bunde und Te⸗ 
ſtamente Chriſti / und decket alfo das Opffer Chriſti über ſich / 
und wil ein von auſſen angenommener Sohn ſeyn; unangeſehen 
das ihre Opffer im Bunde und Teſtament Chriſti nicht ange⸗ 
nehm / noch zur Subfan gebracht werden. 

42. Denn Urſache iſt dieſes: Man verlaͤſſet ſich nur allein 
bloß auff das Opffer; und lehret / die Opffer nehmen die Suͤn⸗ 
de weg / Chriſti Teſtamenta nehmen die Suͤnde weg: Aber ſo 
wenig als Cains Opffer für GOTT angenehm war und feine 
Sünde wegnahm / undalfo wenigals Cains Begierde indie 
Hoͤttliche Subftant eingeführet ward/dag fich hätte das Göttliche 
Feuer in feinem Opffer angezündet / und feine Glaubeughtgkien 

t 


FE 


Eap.27.BonCains und Habels Opfferꝛc. 197 


de in fich eingenommen: alfo wenig genieffet auch die Mails 
Hriftenheit das Opffer Chriſti in feiner Menfchheit. Es muß 
nur ein Habel ſeyn der cs genicffet / der Maulschrift kriget nur 
den auffern Rauch vom wahren Opffer, es mug nureine rechte 
hungerige/ durftige/ umbgekehrte Seele ſeyn / welche vonder 
Schlangen Ente und aller Eitelkeit diefer Welt begehret gan 
außzugehen / und dem Schlangen: ımdeitelen Willen in Ehriftt 
Tod begehret abzufterben / und in einem neuen Willen unter 
und in GOTT gant gelaffen begehret auffzuſtehen. — 

43. Derfelbe recht hungerige Wille opffert recht mit Habel / 
und fein Opffer wird im heiligen Feuer Chriſti eingenommen . 
und in Ehrifti Menfchheit in eine Subflank gefaſſet: Es muß 
Ernſt uns Krafft feyn / welcher Ernft das Liebe-feuer Chriſti in 
feinem Teftament rüget / daß fichs in der Begierde anzuͤndet 
alsdan wird erft die Begierde zu cinem rechten Glauben; denn 
es ift Fein rechter Glaube ohne Göttliche Faſſung. 

44. Wenn die menfchliche Begierde ihren Hunger mit ern 
ſtem ſeufftzen und Gebethe mit Einergebung/ und vonder Eitel- 
keit Außgehung im Opffer Chriſti einführet: Allda faſſet fich die 
ſeeliſche Begierde in der himmliſchen Weſenheit / in der Menſch⸗ 
heit Chriſti / auff dem hohen Altar Gottes in eine Subltang. Die 
hungerige Begierde wird im Worte Gottes in Chriſti Teftas 
menten zu Sleifche / eines himmliſchen uͤbernatuͤrlichen Flei⸗— 
ſches / und daffelbe Fleiſch ift Das wahre Opffer Gottes / Das 

GOTT zu feiner Wohnung annimt/ und nicht den thieriſchen 
fterblichen Menfchen. 

45. In diefer heiligen Subftang ift allein der wahre Glaub’ 
Habels / anderſt iſt nur ein hiftorifcher gefürbter Glaude / und ein 
Cains⸗ Opffer das keine Sünde wegnimt; denn die Suͤnde mu 
allezeit ins Gerichte Gottes geſtellet werden / darinnen fie iſt er⸗ 
bohren worden / und muß ſie das heilige Liebe⸗feuer Gottes ver⸗ 
tilgen und erſaͤuffen: anderſt iſt feine Bergebung / und huͤlfft 
weder Opffer noch Bund / auch kein Kirchen gehen / weder fine 
gen noch klingen erreichet es / als nur einig und allein der hunge⸗ 
tige begehrende Glaube / durch das einige Opffer im Blute und 
Tode Chriſti: da die Begierde im Tode Chrifti feiner Ichheit 
gantz erftirbet/ und in Chriſti Aufferftchung eines wahren. 
Glaubens und Chriſte nthumbs auffſtehet / nicht in Scheinheu⸗ 
cheley / fondern in Weſen / Worten und Ihaten. 

46. Denndas ift noch lange kein Chrift / der fich einen Chri⸗ 
ſten nennet / ſondern der iſt einer / der im Opffer Chriſti aus 
aeg J33 ſeiner 


198 VonCains und HnbelsOpfferiic-Kap.z7. 
feiner Menfchyeit in ihme gebohren iſt. Esgiltfür GOtt we⸗ 
Der Bund noch Gefere/fondern eine neue Creatur. Keine Mauer⸗ 
Kirche oder Gleißnerey / wie die heiſſe / tan Gottes Reidyerben 
als nur einig und allein das wahre lebendige Opffer der neuen 
Wiedergebuhrt / aus dem Bunde der Berheiffimg jm Paradei⸗ 
Ve / Durch des lebendigmachende Wort im Opffer a riſti. 

47. Der Tempel des heiligen Geiſtes iſt allein / da Gottes 
Wort inne gelehret und gefaſſet wird / auſſer deme iſt Cain mit 
ſeiner gleiſſenden Mauer-kirche voll Hoffarth und ſtinckender 
Ehren-fucht; das große Gebaͤu zu Babylon / da die Sprachen des 
Wortes Gottes] als des gefhrichenen Wortes / imviel Zanc⸗ 
ten md Sprachen verwirret werden / da nur eitel Zanden und 
Beiſſen umb die Buchſtaben innen iſt / und keine rechte lebendi⸗ 
ge / thaͤtige Erfäntnüß. 

48. Und wo nun die lebendige Erkaͤntnuͤß Chriſttiſt / da iſt 
der Altar Gottes an allen Orthen / da die hungerige Seele mag 
vpffern das rechte angenehme heilige Opffer im Gebethe / da mag 
ſie das Gebeth im Wort / in dem Hunger in eine Glaubens⸗Sub⸗ 
ſtantz einfuͤhren. 

49. Richt daß wir die Mauer-⸗kirchen hiermit gantz wollen. 
auffheben / ſondern wir lehren den Tempel Korifii7 welcher folk 
mit in die Mauer⸗ kirche gebracht werden / oder iſt ſonſt das Weſen 
der Mauer⸗-kirchen nur eine geiſtliche Antichriſtiſche Hureren / 
ein Cains⸗Opffer / beydes von Lehrer und Hörer alſo verftan» 
Den/ keiner beffer als ver ander / er gehe denn durch Die wahre 
Thür Chriſtum in Geift und Krafft im Tempel Chriſti in die 
Mauer⸗kirche / oder gedencke ſich in der Mauer⸗kirchen alldain⸗ 
nen in eine ſolche ernſte Begierde zu ſaſſen und zu ſchoͤpffen / an⸗ 
derſt gehet Cain in die Kirche zu opffern / und gehet nur ein 
Bruder⸗moͤrder heraus, 

so. Wie ſichs offte erweiſet: Wenn man hat in der Mauer⸗ 
kirchen Spotten und Richten eingefaſſet / fo gehet man alsdenn 
ſo damit heraus / und mordet Habeln und Chriſti Glieder / 
wie dieſem Geiſt viel hundertfaͤltig geſchehen iſt und 
nur eben umb des Tempels Chriſti willen. 

51. So mir wollen das Opffer Cains recht betrachten / fo 
muͤſſen wir ihme in feine Effens feines Willens und Begehrens 
gehen / denn er wolte auch opffern / und GOtt angenehm ſeyn: 
Aber er lichte nur feine Ichheit und Selbheit; ihme war es nicht 
Darımd zu thun / daß er wolte eine neue Creatur ſeyn oder wer⸗ 
den fordern GOtt ſolte ſeine Suͤnde alſo im Opfſer * J 

Ze nehme 











Eap.27.Bon Cains und HabeleOnfferiie. 199 


nchmen / er wolte der alte Cain bleiben / und alſo GOtt opffern/ 
daß er vor ihm angenehm wäre; der Zeuffel kam in Engels Ge⸗ 
ftalt für GOtt. 

52. Cainerfandtenicht feine böfe Schlangiſche Eigenſchafft / 
die arıne Seele war damit gefangen / und hatte fich in ver 
Schlangen-Efleng / Witze und Hoffart empor geſchwungen / er 
wolte ein von auffenangenommener Sohn oder Kind ımd Erbe 
Gottes ſeyn; das Opffer folte ihm verſoͤhnen / gleich wie Babel 
thut / die nimt auch den Mantel Chriſti umb / und fpricht : Chri⸗ 
Rus hat alle meine Suͤnde aın Ereuge gebüffet/ich kan mir nichts 
erwerben; meine Wercke verdienen nichts vor GOtt / ich darf 
es nur glaubendag es Chriſtus gethan hat) und mich deg tröften/ 
fo bin ich ſchon gerechtfertiget von aller meiner Miſſethat. 

53. Alfo Font fie für Gott / und dancket Gott / dag Erin 
feinem Sohne bezahlethat / und opffert mit Zain und dom Pha⸗ 
tifeer im Tempel) und bleibet in fich felber ein Brudersmörder 
mit Cain / das it die Babyloniſche Frucht: Gleich wir Cain 
das DOpffer zu einem Deckmantel über fich nehmen wolte / alfo 
auch nimt feine hinterlaffene Kirche das Opffer Chrifti zur einem 
Deckmantel ihrer Sünden / und falfhen Morderey umb ſich / 
und decket den Mord⸗Geiſt initzu / daß man ihn mug einen hei⸗ 
ligen Chriſten nennen. 

54. ©. Paulus muſte ihnen darzu dienen / da er ſaget: Ich 
thue das Ich nicht wil / ſo Ichs nun fiyue/ fo thue nicht Ichs Torre 
dern die Sünde die in meinem Fleiſche wohner aber dag er ſa⸗ 
get: So diene ich nun mit dem Gemühte Gott / ımd mit dem 
Fleiſche dem Gefege der Sünden: Das wil Cain nicht verfte= 
hen / wie das Gemuͤhte foll ohne unterlag uͤber den ſuͤndlichen 
unser: und Begierde des Fleiſches herrſchen / und die Luſt 

odten. 

55. ©. Paulus redet von himmliſcher Abeliſcher Begierde / 
wie die Suͤnde muͤſſe im Fleiſche ertoͤdtet werden / und nicht uͤber 
das Gemuͤhte herrſchen / wie beym Cain / da er ſahe daß ſtin 
Bruder vor Gott angenehm war / und er nicht / ſo gieng de 

Mord-geift im Gemuͤhte herfuͤr / welcher ſolte im Opffer durch 
rechte Buſſe und Umbkehrung getoͤdtet werden. 

5. Alſo auch gehets Babel unter dem Mantel Chrifti/ die 
opffert auch Gott und dancket ihme fuͤr das Opffer Chriſti: Aber 
fie ſelber bleibet im Gemuͤhte des Cainiſchen Brudermordes in 
Hoffart / Geitz / Neid und Zorn / in Berfolgung / in Krieg 
und Streit: Sie ſtreitet umb das Opffer und umb den Deda 

34 wantel / 


200 Bon Cains und Habels Opfferꝛc. Cap. 27 
mantel / daß ihr der nicht entwendet werde; und maͤſtet ſich dar⸗ 
unter mit dem thieriſchen Opffer der Fettigkeit der Erden / und 
bleibet das Cains⸗Thier / mordet auch Habeln immerdar in 
Chriſti Gliedern / und troͤſtet ſich des Todes Chriſti; dieſer 
muß des falſchen Mord⸗geiſts Deckel ſeyn. 

57. Das Hertze und Gemuͤhte iſt ferne vonder neuen Crea⸗ 
gar: Es iſt nur der Alte Cainiſche Bruder-moͤrder / der decket 
fich mit Chriſti Opffer zu / und opffert mit Gain; ein ſolches / 
und nicht mehr iſt vonder Chriſtenheit anjetzo noch uͤberley un⸗ 
ter allen Secten / außgenommen die Kinder Chriſti / die noch 
hin und wieder mit Habel verborgen find. 

- 58. Die Cainiſche Kirche iſt niemals mächtiger auff Erden 
geweſen / als cben jegund/ da man doc mitgroffen Geſchrey 
ſchreyet: Lauffet alle herzu: Wir haben das Opffer Habels in 
Chriſto gefunden: Ja liebe Babel / den Mantel Chriſti haſtu 
wohl funden / aber befchaue nur dein Eainifches Herge / fo wirft 
du fehen / ob dur mit Habelaus der neuen Ercatur onfferft / oder 
aus dem falfhen Bruder-Mord-geiſte: Wo find deine Fruͤch⸗ 
te? wo ift Siebe und Gerechtigkeit? wo ift Wahrheit ? wo ift 
Gedult und Sanfftmuht? Wo ift das Gemuͤhte das mit Pau— 
lo Gott dienet? Wo biſtu du ſchoͤne Cchriſtliche Kirche auff Er⸗ 
den / biſtu nicht eine Mordgrube des Teuffels worden? So be—⸗ 
weiſe deine Chriſtliche Tugenden; biſtu doch voll Zanck und 
Mord / beydes in der Kirchen und auſſer der Kirchen / dein 
Mund iſt nur ein Schwager von Gottes Reich / gleich wie 
Cains Mund nur vom Opffer ſchwaͤtzete / fein Hertze aber war 
ein Mörder. 

sy. Alſo ſchwaͤtzet man auch inden Steinhauffen vom Man⸗ 
tel und Opffer Ehrifti/ und mordet doch unterdeſſen in dieſem 
Geſchwaͤtze immerdar die Kinder Chriſti / verdammet und urtheis 
tet ſie / und machet einen gantzen hauffen laͤſter⸗Woͤlffe / die alle 
ſchreyen und beiſſen / und keiner weiß wo die Hinde iſt die fie ja⸗ 
gen / ohne dag der Teuffel alſo fein Spiel durch ſie treibet / auff 
daß das wahre Opffer Chriſti alſo verdeckt bleibe / und nur als 
Myfterium in diefer Welt ſey. 

6o. Denn wirarme Heva⸗-kinder ligen allpier in diefer Huͤt⸗ 
tenin einer frembden Herberge zu hauſe / dader Teuffel in Got: 
tes Zorne Würth innenift: Wir wohnen auffder verfluchten 
Erden / da der Teuffeluns über geib und Seele herreuthet / und 
uns alle Stunven fichter: Wir mögen uns wohlfürfehen und 
Binmahlficher ſeyn / es koſtet Leib und Seele. 

| Das 





Sup.z8: Bon Cains Bruder anord / tc. 20- 


Das 28. Capittel. 


Bon Cains Brudermord/ als von der hoffaͤrtigen 
Antichriſtiſchen Scheinzfirchen auff Erden / und denn 


von der unter diefer Antichriſtiſchen Kirchen ver⸗ 
borgenen wahren Chriſtenheit. 


x. $5 der Teuffel in Gottes Zorn/ im Grimmder ewi⸗ 
gen Natur ſeinen Stuhl und Sitz in menſchliche 
Eigenſchafft hatte eingeſuͤhret / und das Centrum 
der grimmen Ratur in ihme erwecket / ſo gieng 
auch zuhand eine ſolche Begierde aus der erweckten 

Zornes⸗ Eigenſchafft im menſchlichen Ente oder Saamen/inder 
Sortpflangung mit auff / aus welcher Eigenfchafft Babel / als 
die Antichriftifche Kirche erbohren und entſtanden iſt. 

2. Und wie nun Gott den Schlangen-tretter diefer ſalſchen 
Eigenfchafft/ welcher folte dem Schlangen-Enti und Wille 
oder Begierde den Kopff zertretten / indes Menfchen am Para= 
deiß verblichenes himmliſches Ens hatte einverleibet und verheiſ⸗ 
fen / welches Wort der Berheiffung dem irrdiſchen Menſchen 
ein Myfterium und gank heimlich war: Alfo auch ſchwebet die 
falfihe Cainiſche Sleignereysfirche / welcher Hertze und Begier⸗ 
de nur die auffere Welt iſt / diefe ganke Zeit empor /und hat das 
Auffere Regiment und den Namen / als opfferte fie GOtt: 
Die rechte wahre Chriftliche Kirche aber iſt darunter verborgend 
als ein gantz heimlich Myfterium , und wird nicht vonder Caini= 
fehen Kirchen erfant, 

3. Die Eainifche Kirche pranget einher / und gleiffet auffal> 
len Seiten mit prächtigen Eeremonien : Laͤſſet von fich aus— 
ſchreyen fie ſey heilig / gerecht und gut; ſie opffert auch im Bun⸗ 
de Cyriſti / aber ihr Hertze iſt nur cine gleiffende wohlgeſchmuͤck⸗ 
te Hure / voll Cainiſches Mordes / Laͤſterung / eigener Beſchau⸗ 
ligkeit in Hoffart / in Geib und Hochmuht: Die Habelifche 
Kirche aber iſt darunter verborgen in groſſer Alberheit / mit 
keinem Anſehen / und iſt nur wie naͤrriſch geacht gegen dem 
Draht des Cains / und wird immerdar in ihrer Einfalt vom 
Gain ermordet: 

4. Rum ſpricht die Vernunft: Was hatte dan GOtt vor 
einen Gefallen daran dag er zuließ / daß Cain den Habeber⸗ 
mordete | und daß noch heutiges Tages die Kinder Gottes von 
2 35 Caint 


« 
— 


202 Bor Cains Bruder⸗mordꝛc. Cap.28. 

Cain / als ſeinen Nachkommen ermordet / verſpottet / gehoͤhnet / 

gelaͤſtert / und fuͤr falſch ausgeſchrien werden? Dieſes iſt die 
ache: 

5. Der Fuͤrſt Lucifer war cin Hierarcha im Reiche oder Loco 
Diefer Welt geweſen / wie ihn dan Chriſtus einen Fürsten diefer 
Welt nennet / als im Reiche der Finſternuͤß im Zorne Gottes/ 
amd war umb feiner Hoffart willen aus dem Liechte in die Fin⸗ 
ſternuͤß verſtoſſen worden. 

6. Weil dan GoOtt einen andern Fuͤrſten / als den Adam in 
dieſen Locom ſchuff / mit welchem er ſich vor der Welt Grunde 
in dem theueren Namen Jeſu / als mit ſeiner tieffeſten Liebe 
verband / dag er wolte dem ſtoltzen Fuͤrſten Lucifer in menſchli— 
cher Eigenſchafft ſeinen Stuhl und Reich zerbrechen / und mit 
Siebe uͤberwaͤltigen / fo entſtund alſobald fein Neid und Grimm 
wieder den Menſchen. 

7. Zum andern iſt dieſes die Urſache / daß der Grimm der eis 
gen und auch zeitlichen anfaͤnglichen Natur hat im Falle des 
Menſchens das Ober-regiment in menſchlicher Eigenfchafft ge⸗ 
kriget: Denn das Himmelreich verlaſch in Adam und Eva als ſie 
ärrdiſch worden / nd wachte an deſſen ſtatt auff das Reich des 
Teuffels in der Schlangen Witze und Hoffart / deñ der menſchliche 
Wille hatte ſich von GOtt abgebrochen / und war in die Stlbheit 
eingegangen / und verſtund nichts mehr vom Geheimnuͤß des 
Reiches Gottes. 

8. Weil dan in Habel und den Kindern Gottes das Reich 
Gottes wieder ii Zieldes Bundes gruͤnete und herfuͤr brach / fo 
Fonte das des Teuffels Reich und Willen im Schlangen:Mon- 
Kro nicht leiden: Auch fo iſt das Liebe⸗Reich eine groffe Feind» 
ſchafft wider den Grunm der ewigen Natur nach der finſtern 
Eigenſchafft / dan die menſchliche Eſſentz mar nach der finſtern 
Welt Eigenſchafft / nach der Seclen ein halber Teuffel worden / 
und nach der aͤuſſern Welt Eitelkeit ein halbes Thier / in wel⸗ 
chem Thiere der falſchliſtige / boͤſe / begierige / hoffaͤrtige / geitzi⸗ 
ge / neidige und zornige Schlangen-wurm mit des Teuffels 
Wille inftciret ſaß. 

9. Dieſes grimmige / boßhafftige / monſtroſtſche Thier woltt 
a feiner ſelbſt⸗Eigenſchafft icben ; fo erſchiene ihme entgegen in 
Habel das Engliſche Jungfrauen⸗kind / das diefem boͤſen Thiere 
ſelte fein Reich zerſtoͤren und beherrſchen / Das ware eine große 
Feindſchafft; denn der Zorn Gottes hatte den Menſchen gefan⸗ 
gen / und weite in ihme wuͤrcken und regieren / fo brach ur 

is 


Cap.23. Bon Cains Brudermord / ꝛc. 203 


Liebe aus dem Zorne herfuͤr / wie ein Liecht aus dem Feuer / und 
wolte den Zorn toͤdten und in Liebe verwandeln / und dem armen 
Menfchen- Bilde wieder helffen / und es vom ewigen Zorn und 
Tode erlöfen. 5 
10. Weil aber der Zorn das Regiment im Menſchen gefrigef 
hatte’ und aber das Jungfrauen-kind von der Engliſchen 
Welt⸗weſen aus dem Bunde Gottes / ausdem werblichenen En- 
te folte durch den Zorn durchgruͤnen / wie ein helles Liecht aus 
Der Kerken durchs grimmige Feuer ausfeheittet/ welches der Fin⸗ 
ſternuͤß ihr Gewalt nimt / fo mufte fich der auffere geib in den 
Kindern Gottes [affen pam Grimme Gottes tödten und verfols 
gen / denn er war eine fremde Figur ander Jungfrauen Kinde, 
ıı. Dan Habel hatte in feinem änfferen Fleiſche gleichwohl 
die auffgewachte Eitelkeit inne ligen als Cain: Er war nach 
dein auffern Menſchen auch fündig / aber im innern grünefe die 
Englifche Welt / und das Paradeig-Wilde wieder im Bunde 
Las war mm eine groffe Feindſchafft widereinander ; der innere 
Menſch trattdem Schlangen-Monftroauffden Kopff feiner fal⸗ 
ſchen Begierde / fo flach ihm das Schlangen» Monftrum in die 
Ferſen feines Englifchen Willens) und verſpottete das Engliſche 
Bilde / wie es noch heute alfogehet: Sobalde das Junigfrauem- 
kind im Geiſte Chriſti gebohren iſt / ſo wird der aͤuſſere irrdiſche 
Leib ſamt dem Jungfrauen-kinde von den Cainiſchen Kinderen 
rerfolget / verachtet / verſpottet / und als ein freibdes Kind der 
Weit gehalten. 
12. Denn das Schlangen-Monftum iſt vor GOtt nur als 
ein Narr / und fo aber gleichwohl das edle Jungftauen⸗ kind im 
aͤuſſern Fleiſche muß ein ſolch Monſtrum an ſich tragen / zu wel⸗ 
chem der Teuſſel noch ſtaͤtig Zutritt hat / fo wird dieſer Leib vont 
Teuffel im Zorne Gottes und ihren Kinderen gewaltig angefoch⸗ 
ten fie wollens immerdat ermorden: dan das Jungfrauen⸗ 
Find wuͤrcket durch den aͤuſſern Menſchen / wie ein Liecht dutchs 
Feuer / und offenbahret ſich; lehret und ſtraffet den Gottloſen 
Hauffen / das kan der Teuffel nicht dulden / denn cs iſt wider ſein 
Reich / gleich wie das Opffer Habels wider Cains war. 
x3. Denn Cain opfferte in der hoffaͤrtigen Schlangen⸗be⸗ 
gierde als ein Gleißner / und wolte in feiner Schlangen⸗begler⸗ 
de ein frommes GOTT gefaͤlliges Kind ſeyn; Aber Habel demuͤ⸗ 
tigte ſich vor GOTT / und gieng mit feiner Begierde in Gottes 
armhirtzigkeit: Gottes Lebe⸗feuer nahm fein Opffer an / und 
ang durch das jrndiſche Opffer * ger durch: Alſo auch im 


sehr 


204 Von Cains Bruderamsdiic. Cap 28 


geibe Habels zu verftchen iſt / gleich wie das Unverweſliche fol 
das Verweſliche verſchlingen / alfo auch nahm das Himmliſche 
das Irrdiſche in ſich gefangen. 

14. Daßaber Cain den äuffern Leib Habels mordete / das iſt 
das Bilde / daß ver aͤuſſere Leib ſoll im Zorne Gottes ertoͤd tet 
werden: Der Zorn muß das aͤuſſere Bilde / welches im Zorne 
gewachſen iſt / in ſich verſchlingen und toͤdten / und aus dem To⸗ 
de gruͤnet das groſſe ewige Leben aus. 

15. Habel war eine Figur Chriſti; Die Kinder Gottes Zor⸗ 
nes muͤſſen das Recht Gottes Zornes an den Kindern der Heili⸗ 
gen/ an ihrem aufferen auch irrdiſchen und thierifchen Bildnuͤß 
exeguiren. Gleich wie die Pharifeer (welche vor GOTE nur 
falfhe Schlangen=Finder waren wie fie Chriftus hieg) mu⸗ 
ften die Menfchyeit Chrifti verfolgen und tödten: Alfo auch 
war Cain das Bilde diefer ſchlangiſchen / wölffifhen Phari⸗ 
feer / und der falſchen Maul⸗Chriſtenheit. 

16. Gleich wie das falſche Schlangen-kind ein Monſtrum 
and Narı vor der Engliſchen Welt iſt / alſo halten auch die Kin⸗ 
Der der Finiternüß die Kinder des giechts für Narren ; denn es 
muß cin Contratium ſeyn / auff dag eines im andern offenbah⸗ 
rer werde : Wenn der Zorn nicht haͤtte die Menſchheit eingenom⸗ 
wien / und in ſich verſchlungen / fo ware die tieffeſte Liebe Gottes 
am Menſchen nicht offenbahr worden. 

17. Alſo aber nunt die Siebe Urfache am Zorne / denfelben 
mit ihrer Bewegung und Offenbahrung zu bewältigen) wie denn 
in Chriſto zu erkennen: Der wahre Gottes Sohn gab ſich aber 
in unſer im Zorne auffgewachtes Bilde ein / auff daß Er mit 
ſeiner ‚Siebe im Zorne offenbahr wuͤrde / und dehn in Freude ver⸗ 
wandelte. 

18. Chriſtus gab unſer Menſchen⸗bilde dem Zorne feines 
DBatters im Tode zu verſchlingen / und fuͤhrete fein Leben in 
Tod; und offenbahrete aber feine Siebe in dem geben / welches 
der Tod verſchlungen hatte / und führete das Leben in der Siebe 
durch den Tod aus) gleich wie ein Korn das indie Erde gefüet 
wird/ welches in ver Erden erfterben mug / wächfet aber aus 
dem erftorbenen cin jchöner newer Leib: Alfo auch folte und mu⸗ 
ſte der verderbte Leib Hdams dem Tode und Zorne geopffert wer⸗ 
den / und aus dem Zode und Zorne folte der Leib der Liebe Got⸗ 
tes offenbahr werden. 

19. Beym Cain und Habel war das Bilde / wie es kuͤnfftig 
ergzehen wurdes Weil Habel im aͤuſſern das irrdiſche Bilde 

trug/ 





| 
| 
| 


Cap. 28. Von Cains Bruder⸗ mord / ꝛc. 205 


txug / und aber im Geiſte ein Bilde des Himmels war / ſo war ſein 
aͤuſſerer Leib in der Verderbung nur ein Larva vor der aͤuſſern 
Welt; denn es war ein anderer Geiſt darinnen verborgen / wel⸗ 
cher nicht aus der aͤuſſern Welt Ellentz und Eigenſchafft war: 
Darumb weil er nicht gaͤntzlich ein rechtes Kind der irrdiſchen 
Welt war / wolte ſie ihn als ein frembdes Kind nicht in ſich dul⸗ 
den / denn der Teuffel war Fuͤrſt in dieſer Welt in der grimmen 
Eſſentz / der wolte nicht daß ihme ein Kind des Liechts durch die 
grimme Effent grünete. 

20, Alſo iſt das Bilde Cains und Habels eine wahre Figur 
der falfihen und der wahren Kinder Gottes / und des aͤuſſern 
fündlichen verderbten und fterblichen Menſchens / und des in» 
nerm neuen wiedergebohrnen heiligen Menſchens: Wenn 
Chriſtus mit ſeinem Liebe⸗Reiche aus dem verblichenenEote auff> 
fechet aus dem Tode/ fo mug Adams irdifihe Bildnüg in 
Chriſti Tode ſterben; und fo es num ift / daß der auffere Leib noch 

leben muß] fo ift Er nur ein Spott und Narı vor dem Him⸗ 
er! fo wohl auch vor dem natürlichen $eben diefer 

Belt, 

. 22. Denn fobalde Chriſtus gebohren ift/ foift das fündliche 
Leben zum Tode geurtheifet / und fichet im Spotte für allen fal> 
fihen Kindern im Zorne Gottes / als wie eine Hure am Pran⸗ 
ger / welche auch helffen andere Huren verfpotten / und urthei= 
ben fich auch nur felber damit: Denn fo Chriſtus gebohren wird/ 
fo gehet Das Gerichte über das falfche thieriſche Leben / ſo muß 
diefer Menfch im Berichte Gottes ſtehen / als ein Ubelthäter fich, 
laffenvernarren / verkegern / verfpotten / verlachen / auch hoͤh⸗ 
nen und toͤdten / auff Daß das Monftsum vor Gottes Zorne ge> 
richtet werde: Die jenigen aber die es thun / find die Kinder des 
fetten und mwolgemäften Zornes Gottes / weldhe der Grimm 
Gottes zu feinem AWerdzeuge brauchet: Denn GOTT iſt ein 
Geiſt / darumb führet Er fein Gerichte durch ein Weſentlich 
Bilde aus. 

22. Denn fobalde Habel in feinem Opffer die Siche Gottes 
im Bunde auffs neu in feine menſchliche Begierde anzog und in 
feine Elſentz einfuffete / fo gieng zuhand das Gerichte uber dent 
aͤuſſerlichen fterblichen Menſchen; fo faffete ihn Gottes Zorn» 
ſchwerd / welches im Cain richtete / und tödete den auffern Leib 
Habels; und zudiefer Stund gieng auch das Gerichte über das 
folfhe Zorn-bildnuͤß in Cain / denn da ſtund Er und ſchrie: 
Meine Sünde find gröffer denn dag fie mir möchten vergeben 
werden, j 7 23. Die⸗ 


206 Bon &uins Bruder mordfie. Gap.ıs. 


23. Diefes deutet num an die Figur Chriſti / gleich wie ver 
Zorn des Batters mufte das geben Ehrifti verfihlingen in det 
Tode ; und als der Zorn. das geben im Tode verfihlungen hatte / 
fo bewegte ſich Das heilige Seven der tieffeſten giebe GOttes im 
Tod und Zorne / und verfchlang den Tod und Zorn in fich ; davon 
die Erde erzitterte / und die Felſen zerkluben / und fich Die Graͤ⸗ 
ber der Heiligen auffthaͤten. 

24. Und alſo ſoll das Liebe-Feuer und das Zorn-Feuer im 
Loco dieſer Welt / welches mit der Schoͤpffung entzuͤndet ward / 
als der Abtruͤnnige fiel / am Juͤngſten-Tage wieder in die Goͤtt— 
liche Freudenreich verwandelt / und in der Liebe verſchlungen 
werden; verſtehet im dritten Principio, da Liebe und Zorn dieſe 
Zeit miteinander ſtreitet; aber in der Finſternuͤß im erſten Prin⸗ 
eipio bleibet er. 5 

25. Die rechte Urſache darumb Cain Habelmordete/ war ihr 
beyder Opffer und Gottesdienft/als die Religion / wie dan dieſer 
Streit noch heute währet/die Cainiſche Kirche iſt noch nicht einig 
mit der Habeliſchen. 

26. So fpricht die Bernunfft : Sch ſehe es wohl / daß aller 
Zanck und Streit vonder Religion entſtehet: Was iſt aber der 
Grumd und die gewiffe Urfache? Siehe dieſes ift die Urſache; 
ftelle dir das falfche Schlangen- Kind für / das böfe und gut iſt; 
und ftelle dir zum andern das Jungfrauen-Kind aus Chrifte 
gebohren fuͤr / ſo haſtu die Urſache für deinen Augen gemapfet. 

27. Die Cainſſche Kirche gehet mit aͤuſſerlichen Ceremonten 
umb / und wil GOtt mit etwas aͤuſſerliches verfühnen : Sie wil 
ein von auſſen angenommenes Kind ſeyn / ſie wil ſchlechts fromm 
und heilig heiſſen / fie ſchmuͤcket und zieret ſich und beruffet fich 
auff ihr Ambt / welches ſie ihr ſelber geordnet hat:: Sie gleiſſet 
in weiſſen Schafs-Kleidern / und hat den Hohenprieſter der 
Selbheit ohne Chriſti Geiſte darunter zur Herberge / der regies 
set das Werck der aͤuſſern Buchſtaben / und welcher dieſelbe ler— 
niet ſtattlich wechſeln und verſetzen / der iſt Hoherprieſter in ihram: 
Ambte; der nimt Chriſti Kleid der Unſchuld über ſich stm 
Deck-Mantel. 

28. Die andere Part der verwirreten Cainiſchen Kirchen 
ſchreyet dann und traͤget das gleiſſende Kind umbs Geld feyl / 
und hat alſo das Himmelreich in ſeine Ceremonien gebunden / 
und wil das umbs Geld verkauffen / dag ih der Mann unter 
dem weiffen Kleide möge in diefer Welt fett maͤſten. 

39. Die dritte Part gibt vor / fie habe einen fo heiligen Or⸗ 

— den/ 


* 


} 





Eap.28. Bon Cains Bruder⸗mord/ ꝛtc. 207 


den / daß fie derfelbe ſeelig mache / und wilvor andern heilig ge⸗ 
achtet ſeyn. 

30. Die vierdfe Part wildas Reich GOttes durch ihr Mund⸗ 
gefchrey mit vielen Worten / leſen / fingen / predigen umd hören 
erlangen ; die ſchilt und laͤſtert umb ſich dehn / der ihr Mundge- 
ſchrey nicht alles billigen / loben und hören wil. 

32. Diefe Part hat ſich mit dem weiſſen Kleide indie Buch⸗ 
ſtaben der Kinder GOttes gefeket / und wirffet damit umb ſich 
wie der Bettler mit Steinen nach den Hunden / und trifft gar 
balde einen boͤſen / gar balde einen guten: Welcher getroffen 
wird / der laͤſſet ſichs mercken / dann fallen die andern auch an und 
beiſſen ihn / und iſt ein ſtaͤtes Beiſſen / Verwirren / Laͤſteren / 
Buchftadessanden / ein eitelaͤuſſerlich Werd / damit man mey⸗ 
uet GOtt zu dienen und Gnade zu erlangen / ein lauter Eaini: 
Kr O fer. 

Die Eainifche Kirche iſt nur in der Auffern Welt böfe und 
— : Sie bauet und zerbricht) und iſt nur cine Figur nach GOt⸗ 
tes Liebe und Zorn zwas eine Part bauet und heilig heiſſet / das 
zerbricht und laͤſtert die andere: Mit einem Munde bauet ſie / 
und mit dem andern reiſſet ſie ein: Was ein Gleißzner lobet das 
ſchaͤndet der ander / und iſt alles nur cine verwirrete Babylon / 
boͤſe und gut; ein Wunder der Natur und Zeit. 

33. Dieſe alle lauffen dahin in ihrem ſelb⸗erdichteten Orden / 
und verlaſſen ſich auff ihren angenommenen Orden / opffern alſo 
die Buchſtaben vor GOtt / und das Werck ihrer Haͤnde / und 
wollen alſo vor GOtt von auſſen angenommene Kinder ſeyn 
SPZT ſollihr Opffer anſehen / und ihnen ihre Sünde durch 
Mort-fprechen vergeben: Wie ein Herr einem Ubelthaͤter das 
schen aus Genaden ſchencket / fo einen unmägigfihen Hauffen 
Genaden haben fie in ihrem Opffer der Buchſtaben / und in das 
Werck ihrer Händegebracht/ alfodag ihr lehren und hören var 
ven allerheilisften Weeg geachtet wird/ dadurch man feclig wer=- 
de und wer diefenihren reg nicht mit hoͤchſtem Fleiffe chret 
und fich dehme untergibet / dehn kaͤſtert / verfolget und toͤdtet man] 
oder haͤlt ihn vor einen Ke Ber. 

34. Aber Habels Rinder in Chrifto haben gar viel einen an⸗ 

dern Gatresrienft : Sie wohnen wohl unter Cains Kindern / 
erfcheinen auch) in ihren Orden und Opfern ; fte opfern GOtt 
ein geängftigt Hertze und zerſchlagen Gemuͤthe / in wahrer Reu 
und Umbkehrung uͤber ihre begangene Suͤnde / und gehen aus 
ihrer Ichheit nud Selbheit von aller Creatur / mit ihrem es 
her 


308 Bon Cains Bruder mord / etc. Cap. 280 


lichen Willen⸗Opffer gantz aus / und erſterben der Ichheit int 
Tode Chriſti / und werden als die Kinder die nichts wiſſen / noch 
wollen / als nur allein ihrer Mutter / die ſie gebohren hat; in 
derer Schoß werffen fie ſich ein was dieſelbe immer mit ihnen 
thut / das faffen ſie in Gedult. 

35. Damm ihr immerlicher Wille ift der Auffern Welt mitalle 
ihrem Glantze erſtorben; fie achten fich felber für unmwürdig ge⸗ 
gender groffen Genaden GOttes / ſehen auch vor ihnen nichts als 
ihre Eitelkeit / welche das Sleifch begehret / dehme ift der innere 
geiftliche Wille gramm und feind/ mag doc, indiefer Zeit nicht 
gang gefchieden werden : Shrganser Lauff durch diefe Welt ift 
ein-citel Bug-würden / denn die Sünde und Unreinigkeit tritt 
ihnen immer unter Augen. 

36. Es ift ein ſtaͤtes Streiten in ihnen des Sleifches in der 
indifchen Begierde wider die Göttliche Begierde/ und der Gött- 
lichen Begierde wider des irrdiſchen Fleiſches Luſt; dann die 
Goͤttliche Begierde faffet ſich in Gottes Genade un Barmhertzig⸗ 
keit / und ſetzet ſich in ein Centrum eines wuͤrckenden Lebens / und 
dringet durch das irrdiſche falſch- luͤſtige Leben durch / und ſchlaͤget 
die falſche Luſt zu boden; ſo geraͤth dann die falſche Luſt in groſſe 
Traurigkeit / wenn fie den wolluͤſtigen / praͤchtigen / gleiſſenden 
Lauff dieſer Welt anſtehet / und ſich alſo naͤrriſch befindet / daß 
ſte das muß laſſen / darinnen fie koͤnte ihre hoͤchſte Freude und 
Luſt haben. 

37. Auch komt zuhandt der Teuffel mit feinen Anfechtungen / 
und fuͤhret ſeine Begierde in die falſche Luſt; und zeiget ihme 
das ſchoͤne Reich der Welt / und ſchilt fein Fuͤrhaben / als ei— 
nen falſchen Wahn / haͤtzet über ihn den Hauffen der Gott— 
lofen mit fpotten / höhnen und verachten / alsdann verleuret 
fid) offte ver Glantz und Göttliche Begierde ; dann Chriſtus 
wird in die Wuͤſten geführet/ als das Zungfranen- Kind im 
Geifte Chriſti / und wird vom Teuffel und Zorn GOttes / auch 
vom fleiſchlichen Welt-Geifte verſuchet; und verbirget ſich offte 
der Geiſt Chriſti / als waͤre es gefchehen umb das Juͤngfrauen⸗ 
Kind: So tritt der Teuffel alsdann hinzu / und fuͤhret ihm 
Zweiffel an feinem Jungfrauen-Kinde ein / als wäre es nicht 
gebohren. 

38. Denn das Jungfrauen⸗Kind wird in der Wuͤſten vers 
borgen : So fichet dann die arıne gefangene Seele in groffen 
Zranren / achzet und ſchreyet zu GOtt / mag auch das ea 

Bild 





Cap 28. Ben Cains Bruder⸗mord / ꝛc. 209 


Bild nicht lieben / ſondern erhebet ſich als ein groſſer Sturm im 
Leibe / und ſuͤchet die Pforten der Tieffe in ihrem Urſtand / und 
dringet mit Macht in das Wort ein / das fie zur Creatur geformi⸗ 
ret hat / uñ erſincket darinnen / als ein unmaͤchtiges in ſich Willen 
loſes Kind / und begehret ſeiner erſten Mutter / daraus die erſte 
Seele erbohren ward zu einer Pflege / und macht ſich in derſelben 
Mutter gantz Willen⸗-loß / lieget nur an ihrer Bruſt / und ſaͤuget 
in ſich ihre Liebe und Genade; die Mutter mag mit ihme thun 
was ſie wil: Das heiſſet alſo der Selbheit und Eigenluſt in 
ſich erſterben / und in ſich nach der Seelen Willen werden als ein 
Kind / wie Chriſtus ſaget: Es ſey dann daß ihr umbkehret und 
werdet als die Kinder / ſonſt ſolt ihr das Reich GOttes nicht ſehen; 
die Selbheit und Eigen⸗vernunfft in des Fleiſchs Luſt / kan es 
weder ſchmaͤcken noch ſehen. 

39: Aus ſolchem ernſten Einergeben und des ſelb⸗ igenen Wil⸗ 
lens in GOttes Barmhertzigkeit Erſterben / gruͤnet das Jung⸗ 
frauen =» Kind aus der Wüſten wiederumb herfuͤr mit ſeinem 
ſchoͤnen Perlen⸗Baͤumlein / mit gar ſchoͤner und neuer Frucht; 
denn alſo mug es im Feuer GOttes Zornes bewehret werden / auff 
dag der Ekel des eingeführten irrdiſchen Willens an ihm erſterbe. 

40. Dann die Feuer⸗Seele / als das erſte Principium, hans 
get am Bande der aͤuſſern Welt / und fuͤhret immerdar gerne et⸗ 
wasvon der Eitelfeitin ſich ein Davon das Jungfrauen=Kind 
von der engliſchen Welt Weſen /alsven Chriſti Weſenheit bes 
ſudelt / verdecket und vertunckelt wird / ſo muß es alſo wieder ge⸗ 
reiniget und gefeget werden; und gehet mancher rauer Wind in 
Trübſal und groſſen Aengſten über dieſes Kind: Es muß im— 
merdar als ein Feg⸗Opffer der Welt ſeyn / denn ſein Reich iſt 
nicht von dieſer Welt / wie Chriſtus ſaget: Mein Reich iſt nicht 
von dieſer Welt. 

41. Aber dieſes geſchicht wenn der ſchoͤne Morgenſtern im 
Jungfrauen⸗Kinde anbricht und auffgehet / ſo wiro dieſe Zeit 
das aͤuſſere Leben durchleuchtet; und ergibet ſich in Gehorſam des 
innern ein / als ein Werckzeug und Dienerin des inneren. 

42. So erſcheinet alsdann der Heil. Geiſt GOttes durch 
das Jungfrauen-Kind und prediget Chriſtum den Gecreutzig⸗ 
ten / und ſtraffet die Welt umb ihre Suͤnden und Laſter; und zei= 
get ihnen ihren falſchen gleignerifchen Irrweeg / dag fie wollen 
im auffern Reiche GOttes Kinder feyn in ihren felb-erdichteten 
Weegen / uñ wollen eine äufferliche Sündenzvergebung in ihren 
eigenen erdichteten Weegen ſuchen; und wollen aber im ihres. 


Flei⸗ 


“ 


210 Von Cains Brudermord ie. Cap.ꝛ8. 


Fleiſches Wolluft in der Eitelkeit fichen leiten. Wollennur 
alfo vor GOtt heucheln umd gute Worte in einem glaͤntzenden 
Schein geben / als Dieneten ſie GOtt in ihrer erdichteten Mey⸗ 
nung / wollen aber in der Selbheit iin äufferen B ansc bleiben, 

43. Diefe firaffet der Heil. Geiſt durch Das Jungfrauen⸗ 
Kind in Chriſti Geifte / und heiſſet ſte Heuchler und Woͤlffe is 
Schafs-Kleidern / auch liſtige Fuͤchſe aus der Schlangen Ente 
gebohren / in welchen eitel Kröten: Hundes = und wilder Thiere 
Eigenſchafft innen jſt; und zeiget ihnen / dag Re ſich mit ihren 
Lippen zu GOtt nahen / aber ihr Hertz iſt voll Mord / Gallen und 
Schlangen-Begierde / und hat Feine rechte Liebe-⸗ Begierde in 
ſich; auch wie fie nur Gleiß ner in ihrem Ambte ind / welche da⸗ 
mit nur Wolluſt und zeitliche Ehre ſuchen / wie fie mögen über 
der Menſchen Leib / Seel / Ehre und Guth herrſchen / und dienen 
alſo GOtt nur von auſſen mit heuchleriſchen Munde: Ihr 
Hertze aber hanget an der Hurerey zu Babylon voll Teuffels⸗ 
Mord und Gifft uͤber dehn / der ihnen ihr Gewiſſen rühret. 

44. Solche Kinder in derSchlangen-Liſt / welche denſelben 
Liſt nur koͤnnen meiſterlich draͤhen / ſetzen ihnen die Kinder der 
zu zu. Lehrern / und wollen von ihnen den Weeg GOttes 

ren. 

45. Diefe Schrer fegen ſich in die Buchſtaben der Kinder der 
zuen und fchrepen aus / ſie lehren GOttes Wort / der Heil, 

eiſt werde aus ihrem lehren und predigen außgegoffen ; und ob 
fie gleich ige Gewiſſen uͤberzeuget / daß fie des Ambtes nicht faͤhig 
find / und daß fie mit nichten Tempel des Heil. Geiftes ind /der 
durch ſte ſolte lehren:: So fragen fie nichts darnach / es bringet 
ihnen Geld und Ehre / Chriſtus iſt ihnen zu Himmelgefahren / 
und hat ſie zu Statthaltern auff Erden in ſein Ambt geſetzet / ſie 
muͤſſen ihre Lehre aus den Kindern der Heiligen / und aus der 
Vernunfft aus den Buchſtaben zuſammen tragen: Ihre Zu— 
ſammenſetzung der Worte muß des Heil. Geiſtes Stimme 
ſeyn / ſie ſagen der Heil. Geiſt werde dadurch in der Menſchen 
Hertzen außgegoſſen. 

46. Und ob fie gleich nur ſelber Cain ſind / und in ihrenzuſam⸗ 
mengefegten Buchftaben in ihren Predigten einen gantzen Hauf⸗ 
fen leichtfertigen CainiſchenSpott und Brudersmord außſchuͤt⸗ 
ten / und offte Sügen und Wahrheit untereinander mifchen ; noch 
dennoch foll es der Heil. Geiſt gelehret haben / und foll die Ge— 
meine für folche heilige Schre/ wie fie die heiſſen / GOtt danden/ 
und nach ihrem Bruder⸗morden auch tapffer helfen Habel 2 

as 





Cap.28. Don Cains Bruder-mordisc. 212 


das Kindlein IJEſum in feinen Gliedern mit Worten und That / 
morden und toͤdten. 

47. Solche Lehrer ſetzet ihr die Welt / von ihnen das Reich 
GHttes zu lernen: welcher nur kan tapffer laͤſtern / uñ andere in 
ihren Gaben verdammen / und kan es fein ſpitzfindig auffbrins 
gen / kan ihme einen Mantel der Vernunfft umbgeben / und den 
Wolff (welcher dadurch Chriſti Heerde mordet und friſt) unter 
Chriſti Purpur⸗Mantel verdecken; dehme hören. fie gerne zu 
denn das fleiſchliche Schlangen⸗Hertze kitzelt ſich damit in ſeiner 
boͤſen Eigenſchafft / es iſt eben auch alſo geartet. 

48. Solchen Saamen ſaͤen dieſe Lehrer von Menſchen erkoh⸗ 
ren / welche nur wind zeitlicher Ehren un Wolluſt willen das Ambt 
begehren / ſind aber von GOtt unberuffen / auch ohne Göttliche 
Erkaͤntnuͤß: Sie gehen nicht durch Chriſti Thuͤre ein /ſondern 
durch Menſchen⸗Wahl aus Gunſt / durch ihr ſelber-Wollen/ 
Rennen und Lauffen: Dieſe koͤnnen in keinem Weege für Hir- 
ten Chriſti erkant werden / denn ſie ſind nicht aus Chriſto geboh⸗ 
ren / und zu ſeinem Ambt erkohren. 

49. Sie find nur Baumeifter der groſſen Babylon / da die 
Sprachen perwirret / und die Menſchen dadurch uneinig ge: 
macht werden / und richten auff Erden Krieg und Streit an: 
Denn ſie zancken umb die leere Huͤlſe / als umb die gefihriebene 
Worte und Buchſtaben / und das lebendige Wort GOttes haben. 
ſie nicht in ihnen wohnende / daraus ſie lehren ſolten: Der Geiſt 
Chriſti muß ſelber im Worte der Lehrer ſeyn mit lebendigem 
Ausfprechen ; der menſchliche Geiſt muß Chriſtum in ſich erken⸗ 
nen und empfinden / anderſt lehret keiner Chriſti Worte / ſondern 
nur ſtumme Worte ohne Krafft und Geiſt. 

50. Dieſes nun ſtraffet der Geiſt Chriſti in feinen Kindern/ 
und zeiget ihnen, den wahren Weeg / wie wir muͤſſen in Chriſti 
Tode der Seföheit und falfehen Eigensbegierde / zu zeitlicher 
Wolluſt und Ehren erfterben ; und aus Chriſti Geiſte eines an⸗ 
dern neuen Willens / und Begierde aus Chrifti Siebe in eigentt 
wahren Erkaͤntnuͤß erbohren werden / und Chriftum aus uns. 
predigen und lehren. 

52. Das kan Babel in Cain nicht leyden / daß man lehret 
Chriſtus muss ſelber der Schrer in dem menſchlichen Geiſte feyn > 
Sie berufen lich auff das fürgefityetebene Apoſtoliſche Wort / 
und fügen ; fo fie daſſelbe fehren/fo werde der Geiſt GOttes auge 
gegoſſen: Ja wohl recht / ich fage auch alfo / fo daffelbe Wort in 

Chriſti Geiſt und Krafft gelehret wird / ſo iſts ja alſo. 
2,08. 


⸗ * 


212 Don Eains Bruder⸗mord / ꝛc. Cap.28 


52. Es iſt aber ver Geiſt Chriſti in feinen Kindern an keine 
gewiſſe Form gebunden / daß er nichts mehr reden duͤrffte was 
wicht in dem Apoſtoliſchen Buchſtaben ſtuͤnde / gleich wie der 
Geiſt in den Apoftelen frey war / undredeten nichtalle einerley 
Worte: aber aus einemGeifte und Grunde redeten fie ale: Ein 
jeder wie ihm der Geift gab außzuſprechen: Alſo redet auch noch 
der Geiſt Chriſti aus feinen Kindern / er darff Feiner zuvorhin 
zufammen gefegten Formula aus dem buchſtabiſchen Worte: 
Er erinnert des Menſchen Geiſt mohl felber deffen / was im 
Buchftaben begriffen ift/venn Chriſtus fprach : Der Heil. Geift 
reirds von den meinigen nehmen und cuch verfündigen. 

53. Ehriftusift alleın das Wort GOttes das den Weeg der 
Wahrheit durch feine Kinder und Blieder lehret + Das buch⸗ 
ſtabiſche Wort iſt nur eine geiterin und Offenbayrung von Chris 
ſto / daß der Menſch daffelbe für ihm ſtehen fichet/ als ein Zeug⸗ 
nuͤß von Chriſto was er ſey / und was er fuͤr uns gethan habe / 
daß wir unſern Glauben follen darinn ſchoͤpffen und faſſen⸗ und 
aber mit der Begierde in das lebendige Wort Chriſtum einge⸗ 
hen / und felber Darinnen zum Leben gebohren werden. 

54. Keiner iſt Chriſti Hirte der nicht Chrifti Geift hat / und 
aus ihme Ichret : Keine Kunſt noch hohe Schule machet ihn 
zum Hirten Chriſti / er ſey dann des Ambts in Chriſti Geift 
faͤhig ; hat er dehn nicht in ſich lebendig und wuͤrckende / ſo haben 
ihnen die Menſchen hiemit nur einen Schnitzer und Bauer an 
der groſſen Babylon erwaͤhlet / einen Buchſtaben⸗Wechsler ohne 
Goͤttlichen Verſtand und Erkaͤntnuͤß; denn die Schrifftfaget : 
Der natürliche Menſch vernimit nichts vom Geiſte GOttes; 
wie wil dann derſelbe den Weeg GOttes lehren / der ſelber nichts 
davon verſtehet. 

55. Und Chriſtus ſpricht: Wer nicht in den Schaafſtall 
durch ihn / als durch die Thuͤr ſeines Geiſtes eingehet / ſondern 
ſteiget anderswo / als durch Kunſt und Vernunfft / oder durch 
Menſchen Gunſt hinein; der ſich zum Hirten Chriſti / unbe⸗ 
rufſen von GOttes Geiſte und Triebe auffwirfft / umb Menſchen⸗ 
Tage willen / der iſt ein Dieb und Moͤrder / und die Schaafe hoͤren 
ſeine Stimme nicht; dann er hat nicht Chriſti Stimme / und 
kommet nur daß er rauben und ſtehlen wil. 

56. Sie aber ſagen / das auffgeſchriebene Wort ſey Chriſti 
Stimme; ja das Gehaͤuſe iſts wohl als eine Forme des Worts / 
aber die Stimme muß lebendig ſeyn / welche das Gehaͤuß / als ein 
Uhrwerck treibet: Der Buchſtabe iſt als cin Inſtrument Meng 


Can.28. Bon Cains Bruderansrdiie. 213: 


als eine Poſaune / aber es gehöret einrechter Hall darcin/der mit 
dem Hallim Buchftaben concordire, 

57. Das Wort des Buchftabens ift ein zugerichtet Werck/ 
was für cin Pofaunen-bläfer darein komt / alfolautetes: Iſt 
doc) die groffe Babel ganz aus diefem Werde erbauet worden. 
Einjeder hat in diefe Pofaune des Buchftabens geblafen / wie 
fein eigener Hallin ihme geweſen iſt; undalfo ift auch der Hall 
vonjedem Pofounen=bläfer angenommen / und in ein Subflang 
eingeführet worden; und diefelbe Subftanf ift die groffe Ba— 
bylon / da Böfes und Gutes in ein Gebaͤue ift gebauet worden. 
58. So man aber feine Erklärung über das Apoftolifhe 
Wort hatte eingeführet/ und daffelbe in andere Formen gefaffet/ 
fo wäre das Inftrument rein geblieben: Aber Das unerlcuchtete 
Gemuͤhte hat ſich zum Meifter darein gefegt / und es nach feiner 
Luſt gebogen; denn die Menfchliche Wolluſt hat fich darein ge= 
ſetzet / und daſſelbe nach dem fetten Bauche und Weltlichen Wol⸗ 
luͤſten geformet und erklaͤret: alſo iſt der Geiſt erloſchen / und 
iſt nur zu einem Antichriſtiſchen Orden und Gebrauch worden. 
Man hat das Wort geformet und gefaſſet / gleich als ein Orgel⸗ 
werd / alſo hat mans im Brauche gefaſſet / da man auf⸗ſchlaͤget / 
und die andern hören dem Klange zu: Alſo auch jetzt brauchet 
man meiſtentheil nur ſolche Orgel⸗ſchlaͤger / welche das Orgel⸗ 
werck von auſſen ſchlagen / und machen ihnen alſo ein huͤbſch 
Stuͤcke das ſie gerne hören: Aber das Orgel⸗werck klinget nut 
wie es der Meiſter ſchlaͤget. 

59. Zu dieſem aber ſaget Chriſtus: Alle Dilassen die mein 
himmliſcher Vatter nicht gepflantzet / ſollen ausgerottet werden: 
Item wer von GOTT tft der hoͤret GOttes Wort: Chriſtus 
faget; Des Menfchen Sohn redet nichts/ ohne was er höret den 
Vatter in ihme reden: Alfoauch muß ein Schrer Chrifti hören 
des Datters Geift in Ehrifto in ihme reden/ er muß GHtteg 

Wort im Geiſte Chriſti in ihme hören wie David faget: Ich 
wil hoͤren was der Herr in mir redet: Er muß ein Tempel Got⸗ 
tes ſeyn / in deme GOTT ſelber wohnet / und aus ihme redet / da er 
nur das Inſtrument iſt; denn Chriſtus ſaget: Wir wollen zu 
euch kommen / und Wohnung in euch machen. Item: Ich wil 
mein Wort in euren Mund legen / ſaget der Prophet: Item / 
Das Wort iſt dir nahe / als nehmlich in deinem Munde und Her⸗ 
gen: Allhie redet ver Geiſt GOttes vom lebendigen Worte / und 
nicht von einer Glocke ohne Kloͤppel. * 

69 Dieſes alles lehret der Geiſt Chriſti in ſeinen Kindern / 
und 


»14 Don Sains Bruderamnord ꝛc. Cap.2$, 


und ſtraffet den hoͤltzern Klöppelinder rechten Glocken / der ſich 
hat zum Klöppelin die Glockendes Göttlichen Worts gehencket / 
und hat doch Feine Gewalt die Glocke zu leuten: Das verdreuft 
Cain in feinem Opffer / daß man ihme faget/ fein Opffer gefalle 
GOTT nicht. 

61. Er gleiſſet alſo ſchoͤne von auſſen / und hat ihme eine ſolche 
praͤchtige Form gemachet / darzu iſt er von den hohen Schulen 
und Weltlicher Macht erkohren; und darff allda ein unanſchn⸗ 
licher Menſch ohne menſchlichen Ruff hinauff tretten / wie Chri⸗ 
ſtus / der nur fuͤr eines Zimmermans Sohn gehalten ward; und 
darff einen ſolchen hohen Prieſter in ſolchen Ehren und Anſehen 
ſtraffen: das glaubet die Welt nicht / daß es von GOtt ſey / daß 
er geſand ſey. 

- 62, Der groſſe Beer dencket balde / das iſt nur ein Schaaf / das 
wil ich in meinen Mund verſchlingen: Was ſoll mich ein 
Schaaf ſtraffen / der Ich ein Beer bin?! Wil mir ein unanſehn⸗ 
ch Schaaf meinen Ruhm bey Menſchen zunichte machen / und 
mich wollen anbleden Ach wilesbalve bey feite raͤumen / und 
affo beſudeln / das mans nicht kennet / daß es ein einfültig Schaͤf⸗ 
dein Chriſti iſt / und aus Chriſti Geiſte redet: Ich wiles in Kohte 
und Spotte fuͤhren / ſo haͤlt mans für ein unflaͤtig Thier / oder gar 
fuͤr eine beſudelte Sau. 

63. Indeß lebe ich in meinen fetten Tagen / und bleibe Herr 
uͤber Leib und Seele: Wil ſich aber das Schaflein wafchen / und 
mehr erzeigen als ein Schaͤflein Chriſti / ſo wil ichs dem Metzger 
helffen zur Schlachtbanck treiben. 

64. Alſo gehets den einfaͤltigen Kindern Chriſti / welche der 
Geiſt Chriſti treibet / und aus ihnen lehret allhie in dieſer 
Welt ic. Sie ſind nur als die Schaafe unter den Woͤlffen / wie 
Chriſtus ſaget: Ich ſende euch als Schaafe unter die Woͤlffe: Der 
irdifhe Menſch iſt ein Schlangen-Wolff / unter dehme ſoll das 
Zungfrauen-Find (als Chriſti Schaͤflein) wohnen / da gehet es 
dan an ein morden / rauben und toͤden. 

65. Aber dem Jungftauen-kinde ſchadet es nichts / es wird 
ihme nur auch alſo ſein aͤuſſerlicher Wolff von einem anderen 
abgebiſſen; denn der aͤuſſere Wolff aller Menſchen iſt aus dem 
Zorne GOttes gewachſen / und in Adam mit der Suͤnden ent⸗ 
ſtanden: Darum muß er dem Zorne GOttes zur Speiſe gege⸗ 
sen werden / auff daß das Jungfrauen-kind aus des Weibes 
Saamenoffentahrwerde, 

66. Denn alfo fcheiden fie fich als zwen Feinde / und ſind auch 

immira 


Cap.28. Don SainsBrudermordiac. 215 


immerdar bey Zeit des auffern Schens Feinde gegen einander/ 
denn dem Jungfrauen-kinde ift das Gerichte gegeben über das 
eingeführte Schlangen-Eind der Sünden: In der Aufferftes 
hung foldas Jungfrauen-find das Schlangen=Eind ins Feuer 
GOttes verurtheilen / da foll der Limus der Erden probiret 
werden; und vonder Schlangen Ente gefeget / und dem Junge 
feauensFinde wieder angezogen werden. 

67. Spfpricht die Vernunfft: Was hat dan GOTT vor 
Gefallen an ſolchem Morden der Kinder GOttes / Fan er fienicht 
behuͤten fürm Feinde ? Alfo muß es ſeyn / daß das Liecht in der 
Finſternuͤß offenbahr werde / ſonſt ſtuͤnde das Liecht in der Fin⸗ 
fternüß ſtille / und gebaͤhre Feine Frucht: Weil dan das Liecht 
kſſentz ud Findligkeit / auch Empfindligkeit von derFinſternuͤß / 
als von der Quaal des Fewers an ſich nimt / ſo iſt eines wider das 
ander geſetzet / auff daß eins im andern offenbahr werde: Die 
Freude wider die Pein / und die Pein wider die Freude / auff das 
erkandt werde / was Boͤſe oder Gut ſey. 

68. Denn ſo keine Pein waͤre / ſo waͤre ihr die Freude nicht 
offenbahr; ſo aber iſt alles im freyen Willen: wie ſich ein jedes 
einfuͤhret in Boͤſes oder Gutes / alſo gehets in ſeinem Lauffe / 
und iſt eines nur des anderen Offenbahrung; denn ſo keine Nacht 
oder Finſternuͤß waͤre / ſo wuͤſte man nichts vom Liechte oder 
Tage: Alſo hat ſich der groſſe GOtt in Unterſchiedligkeit eins 
gefuͤhret zu ſeiner Beſchauligkeit und Freuden⸗ſpiel. 

69. Alſo auch in der Unterſchiedligkeit der Menſchen vom 
Böfen und Guten zu verſtehen iſt: Daß Boͤſe mug eine Urſach 
ſeyn / daß das Gute ihme ſelber offenbahr ſey; und das Gute 
muß eine Urſache ſeyn / daß ihme das Boͤſe in feiner Argliſtigkeit 
und Boßheit offenbahr werde / auff daß alle Dinge in ihre Be⸗ 
ſchauligkeit kaͤmen / und ein jedes ſein Gerichte in ihme ſelber 
offenbahrete auff den groſſen Scheide-fag des Herren aller We⸗ 
ſen / da ſich ein jedes in ſeine Ernde zu ſeiner Nutzbarkeit einer⸗ 
gebenfoll/ auff daß in der Ewigkeit der groſſe GOtt nach Liecht 
und Finſternuͤß Creaturlich und formlich ſey. 

70. Denn alle Dinge ſind durchs Wort geſchoͤpffet / und in 
eine Formeingangen: Weil denn GOTT ein zorniger / eyferi⸗ 
ger GOtt / und cin verzehrend Fewer iſt / und auch ein lieber / 
barmhertziger / ſaͤnfftiger GOtt des Liechtes und Gebens / da 
nichts boſes innen ſeyn kan: ſo hat er Fewer und Liecht / Boͤſes 
und Gutes miteinander ins Verbum Fiar eingefuͤhret in einen 
Irepen Willen / da ſich der Wille mag im Boͤſen oder Guten for- 

BER; 


2 16Wie ſich der Adamiſche Baum sc.Kap 29: 


men; undhataber alle Ding gut und ans Liecht gefchaffen / und 
in freyen Willen gefeget ſich zu Multiplieiren im freyen Willen / 
zu ſchoͤpffen im Boͤſen oder Guten; und aber einem jeden Dinge 
die Gleichheit zugefellet / als einem Männel fein Weibel; daß 
kein Ding Urfache hat fich zu verrücken / und dem Menfchen aber 
Gebott gegeben waser tuhn umd laffen foll. 

71. Alſo fichet num alles Ding zum Gerichte des groffen 
Gottes / und muß alfo diefe Zeit im Streite ſtehen / auff daß eines 
im anderen offenbahr werde: Alsdenn wird in der Einernde ein 
jedes Ding ſeinen eigenen Sitz in ſich ſelber haben / wenn der 
Streit wird auffgehaben ſeyn / und muͤſſen alle Dinge zur Ehre 
und zur Wunderthat des groſſen GOttes ſtehen / welcher alleine 
weiß / wozu ein jedes Ding ſoll / warzu ers brauchen wil. 


Das 29. Capittel. 


Wie fich der Adamiſche Menſchliche Baum aus feinen 
Stamme in Ueſte / Zweige und Fruͤchte habe einge: 
fuͤhret und eroͤffnet / aus welcher Groͤffnung aller 
Kuͤnſte Erfindung und Regiment 
entſtanden. 


Dietieffe Pforte aus dem Centro der ewigen und auch 
zeitlichen Natur] wie fich die ewige Weißheit in eine 
formliche Beſchauligkeit hat eingeführet. 


+ Er ewige Göttliche Berftand ift ein freyer Wil: 
le / nicht von Etwas oder durch Etwas entitanden/ 
Erik fein ſelbſt-eigener Sitz / und wohnet einig 
allein in Jich felber / unergriffen von Etwas /denn 
auffer und vor ihme iſt nichts / und daffelbe Nichts 
iſt einig / und iſt ihme doch auch felber als cin Nichts: Eriftein 


einiger Wille des Ungrundes / und iſt weder nahe noch ferne / we⸗ 


der hoch noch niedrig/ fondern Erift Alles/ und doch als ein 
Michts: Denn Er felber ift in fich keine Beſchauligkeit oder 
Findligkeit / daß er möchteein Gleichheit in ihme finden. 

2. Sein Finden iſt ſein ſelber aus ſich ausgehen / ſo ſchauet er 
ſich in dem Ausgehen / denn das Ausgegangene iſt ſeine ewige 
Luſt / Empfindligkeit und Findligkeit / und wird die Goͤttliche 
Weisheit genannt: Welche Weißheit der ungruͤndliche Wille 
in ſich zu ſeinem Centro der Luſt faſſet / als zu einem ewigen ee 

mi 


a — 


— — — 


u 


| Eap.29. ans feinem Stam̃e eröffnet habe. 217 


mähtedes Verſtandes / welchen Berftand der freye Wille in ſich 
felber formet zu feinem Ebenbilde/als zu einem ewigfprechenden/ 
redenden / lebendigen Worte) welches der freye Willeaus der ge⸗ 
formten Weißheit der Luſt auf fich außhauchet / oder fpricht. 

3. Und das Außhauchen ift der Geift oder der Mund des 
"Berftandes imgeformten Willen der Weigheit/ welcher das 
fprechende Wort unterfcheidet / daß das Gemühte und der Ver⸗ 
ſtand des Gemühtes offenbahr wird; in welcher Offenbahrung 


Die freye Luſt oder Weisheit vom freyen Willen/durd den Geift 
in Unterfchiedligkeit mitdem Sprechen oder Außhallen geforinee 


wird. 
4. In welcher Formung die Kräffte der göttlichen Eigen 


ſchafften urftänden/ daß man recht von GOtt ſaget: Er ſey der 
ewige Wille / Verſtand / Gemuͤhte / Raht / Krafft / Held und 


Wunder / mit welchen Wundern der Kraͤffte er ſich hat von 

Ewigkeit beweget und geformet: In welcher Formung die un⸗ 
ſichtbahre Geiſtliche Welt ſtehet / darinnen der Geiſt GOttes 
von Ewigkeit hat mit ihme ſelber geſpielet / welche auch weder 
Grund / Ziel noch Urſtand hat. 

5. Denn ſie iſt die Goͤttliche Beſchauligkeit der geformten 
Weißheit: Ihr Centrum iſt der geformte Wille / als das ſpre⸗ 
chende Wort auß allen Kraͤfften / und ihr Leben iſt der Geiſt der 
im Sprechẽ oder Hauchen außgehet / welcher die Luſt der Weißhert 
unterſcheidet und formet / auff daß die geformte Weißheit vor 
dem Leben der GOttheit ſpiele / als wie die kleinen Kinder vor 
ihren Eltern / welche ſte auß ihrer Eſſentz zuihrer Freude gebohren 
haben / ſpielen / daran die Eltern ihre Freude haben. 

6. Alſo iſt uns auch zu verſtehen das Weſen der Eitelkeit/ 
welches Wefen der ewige freye Wille hat im Wort des Außhau⸗ 
chens in eine Begierde eingeführet/ als zu einer Aufferlichen Be» 
greiffligkeit: in welcher Begreifiligkeit der Anfang des Coͤrper⸗ 
lichen Wefens entftanden/ alsdas Centrum der gefaffeten Na⸗ 
tur / da fich die Begierde hat in Eigenfchafften gefaffet und ein 
gefuͤhret / alsin Finfternüß umd Sicht / in Dein und Quaal / in 
Freude und Leyd / undda man doch in der Gebährerin Fein Leyd 
verſtehen ſoll: ſondern alfo formet und faſſet ſich der freye Wille 
in der Begierde zur Beſchauligkeit und Offenbahrung der Wun⸗ 
Der Jauffdag die Eigenfcharften ineinander eine jedein fich offerta 
Fahr würde, | 

7. Denn fo fein Widerwille wäre/fo wäre in den Eigenſchaf⸗ 
In kein Brwegnüßs fofichaber der DB" Wille hat in Liebe en 

Zor 


3138 Wie ſich der Adamiſche Baum Capꝛ29 


Zorn / als in Boͤſes und Gutes eingefuͤhret / ſo ſind in dieſen Ei⸗ 
Zenſchafften zweyerley Willen entſtanden / als ein grimmiger 
nach Art des Fewers und der Finſternuͤß / und ein guͤtiger Liebe⸗ 
wille / nach Art des Liechts / auff daß einer im anderen wohne / und 
den andern offenbahre. 

8. Richt daß ſolche Geburth allein zeitlichen Anfang habe ge⸗ 
nommen: Sie iſt Ewig / undiſt die Offenbahrung Goͤttlicher 
Beſchauligkeit / Empfindligkeit und Findligkeit: Allein mit der 
Schoͤpffung der Creation hatſſich dieſe Geburth in cine Compa- 
&ion over aufferliche Faßligkeit eingeführet / zu einem unter- 
schiedlichen würdenden Regiment / zu feinem ſelbſt⸗Spiel. 

9. Auc) foift ung mit der Creation nicht zudenden / daß dag 
Boͤſe auß der Finfternüg und feuerifchen Eigenfchafft fey vom 

- Guten entfchieden / und in ein fonderlich würdend Negiment 
gefegt worden/ fondern es war einesimandern: Aber das Licht 
ſchien durch die Finfternüß / und die Finſternuͤß konte es nicht 
ergreiffens aus der fenrifchen Eigenfchafft iftin der Crearion 
alles Leben entſtanden / und aus des Sicchtes Eigenfchafft der 
Geift des vernünftigen Verſtandes: Alles feurifche Leben in 
Der Creation ift in feinem Anfange ans Liccht herfuͤrbracht 
worden. 

10. Eshatauchder Schöpffer aller Weſen den Creaturen 
Der Auffern Welt / welche zeitlichen Anfang aus dem ewigen 
orte hat/ einallgemeines Liecht zur fichtbahren Befchauligfeit 
gegeben; auch fohatein jedes Leben inder Creation das Liecht 
der Ratur/aus dem Centro in fich felber empfangen/aus welchem 
der Verftand urftändet/dag fich die Creatur Ean felber regiren. 

zz. Unpdift fein Ding boͤh / oder zum Negimentder Boßhoit 
sefchaffen worden; "denn obs gleich an einem Theil ein Ens des 
Grimmes in fich zu feinem Leben hat / fo hat es doch am anderen 
Theil auch ein Ens des Liechtes und Wolthuns in ſich / und iſt im 
freyen Willen geſetzet zu fchöpffen in Böfen oder Guten: denn 
esift kein Ding fo Böfe/ es hat ein Gutes in ſich damites fan 
über das Boͤſe herrſchen. 

12. Der Menſch aber war in feinen Eigentchafften in gleicher 
Cencordang / keine Eigenfchafft war vor der anderen offenbahr = 
denn er war GHLres Wilde; gleich wie in GOtt Erin Böfes of 
fenbahr ift/ cr woltedan felber den Grimm der ewigen Natur in - 
etwas offenbahren/ alfo auch war dem Menfchen der feeye Wille 
GOttes gegeben. 

235. Und darzu das Gebott / daß er ſich in feinem freyen mr 

t 


. ⸗ 
—R 
4 


Cap.29. aus ſeinem Stame eroͤffnet habe. 2 19 


len nicht ſolte nach Boͤſe und Gut / als nach den zertheileten 
Eigenſchafften gelüften laſſen / er ſolte in gleicher Harmoney 
der Eigenſchafften bleiben innen ſtehen / und mit dem Liechte 
uͤber die Finſternuͤß herrſchen / ſo waͤren die Eigenſchafften des 
Grimmes in ihme in eitel Freudenreich geſtanden / und waͤre ein 
Spiegel und Form der Goͤttlichen Weißheit geweſen / welche ſich 
in ihme haͤtte nach der Freudenreich geſchauet. 

14. Weiler ſich aber mit dem freyen Willen in der Ungleich⸗ 
heit beſchauete / wie Boͤſes und Gutes / ein jedes in ſeiner Selbſta 
eigenſchafft waͤre / und ſeine Luſt darein fuͤhrete in der Eſſentz alſo 
zu ſchmaͤcken / ſo hat ihn auch dieſelbe Eigenſchafft in feiner Luſt 
gefangen; und hat ſich in ſeinem Willen / ſo wohl im Ente, dar⸗ 
aus der Wille urſtaͤndet / empor geſchwungen zu feiner ſelbſt 
Beſchauligkeit und Regiment: Alſo iſt der erſte Menſch / wel⸗ 
cher zwar am Anfang gut war / ein Stamm oder Baum des Ge⸗ 
ſchmackes der Erkaͤntnuͤß Boͤſes und Gutes worden / als ein ſtrei⸗ 
tendes Regiment / in welchem beyde Willen ineinander / als der 
Gute und Boͤſe regiereten. > 

25. Weil aber der feurifche grimmige den guten aus deg 
Sichts kſſentz uͤberwand / dag des Sicchts Ens in dem grimmigen 
Ente gefangen ward fo fichldiefes Bilde dem äufferen Regi⸗ 
ment; Böfe und But in feine Gewalt / fe wohl auch dem Grimme 
der inneren Natur Jals der feuriſchen Finſternuͤß / über welches 
Bilde ih GOtt erbarmete/ und wieder mit einem Gnaden-buͤn⸗ 
deindas gefangene/ verblichene/ undan Göttliher Weißheit 
blinde Ens von der Heiligen Welt Wefen einverhieß/und als einer 
Bund einleibete zu einer neuen Wieder⸗gebuhrt eines neuen 
Heiligen Willens und Lebens. 

. 26. Alfoift uns under Stamm merfchlichen Sehens wohl 
zu betrachten / wieer fih habe inder Eigenfchafften ausgetheilet / 
und als ein Baum Böfe und Gut) in Aefte und Zweige einge⸗ 
führet / und wovon ihm fein Zeitlich Negiment der unterſchied⸗ 
lichen Aembter und Stände fey entſtanden / welches er mitder 
Luſt nach Boͤſe und Gut in ihme erwecket / und ſich der Natur 
9* hiermit unterworffen / weil er derſelben in ihr Regiment 

ehl. 

17. Und ſehen wir klar wie es Moſes in feinem erſten Buche 
geſchrieben hat / wie ſich der Menſchliche Baum in Boͤſe und 
Gut habe eroͤffnet / und in Aeſte und Zweige zu ſeiner Frucht 
eingefuͤhret: Auch ſo ſehen wir / wie die feuriſche grimmige Ei⸗ 
genſchafft iſt alle zeit vorher sangen und ihre Frucht von erſten 
K3 * gi» 


220 Miefich der Adamifche Baum&ap.zg: 


gebohren; Haben deffen auch Klaren Derftand in den Namen 
derer / welcheder Geift GOttes hat durch Mofen indie Linien 
der Fortpflantzung gefeßet. 

13. Denn erfllich feßet er Cain: inder Natur-fprache vera 
fechet man damit einen Quell aus dem Centro der feurifchen Bes 
gierde / eineneigenen Willen der fewrifchen Macht der Seelen / 
ats einen Aft oder Zweig aus dem erſten Principio, da das erfte 
Principium feine Macht in dieſem Zweige inſonderheit empor 
geſchwungen / und fich wollen in ein eigenes ſcheiden und von dent 
Siebe-Ente abbrechen : Jedoch nicht als ein finfter Quaal / ſon⸗ 
dern als ein Quell der eigenen Luſt / auch feuriſchen Stärde und 
Macht. 

19. Denmaus Cains Ente, wie derfelbe im Centro der ges 
bährenden Natur im ringenden $ebens-rade war / entſtund ſein 
Wille; undausden Willendie Begierde) und aus der Begiers 
de die Subſtantz / in welcher Subftang das falfhe Gemuͤhte vers 
ſtanden wird / darinnen der Auffern Welt Regiment fich faffete > 
darein auch der Teuffelim Grimm der Natur mit feiner Beo 
gierde (hloff/ und die Herrſchaſſt dieſer Welt inder Selbheit 
begehrete: Als dander gefallene Teuffel allweege die Herrfchafft 
in der innern ewigen und auffern zeitlichen Natur / im Loco 
diefer Welt begehret. 

20. Weilfichaber das Wort göttlicher Kraft und Heilige 
keit hatte in des Weibes Saamen/als in das verblichene Ens von 
der Geiftlihen Melt Wefen mit einem Bunde der Wiederge⸗ 
buhrt darein verleibet/ daß es wolte dem feurifchen grimmigen 
Willen aus dem Centro der finftern Welt feine fenrifhe Macht 
der Selbheit nehmen: Sp drang nad Cain aus dem Menſch⸗ 
lichen Baume herfür ein Zweig aus dem Zieldes Bundes / als 
der Habel/ welches Name in der Natursfprache heiffet/ein aus» 
gehauchter Engel/welcyer fich mit dem erften Willen der Effent/ 
daraus die Sceleurftändet / im Centrodes $icchts inder Liebe⸗ 
begierde gefaffer hatte / / und durchs Fewers-Gentrum durchges 
drungen / da ihme denn die feurifche Begierde begehrete das irıdi> 
ſche Leben / welches aus der feuriſchen Begierde feinen Urftand 
hat /alsihr Eigenthum abzufchneiden; aus welchen Urfachen 
Habel und alle feine Nachkommen Märterer worden. 

21. Denndas iſt die Thüre Chrifti / welcher fich in diefen Tod 
des Grimmes mufte einergeben / unddas Menſchliche Centrum 
des Seeliſchen Urftandes nach der Fewer-welt mit dem $iche> 
Enze als mit der tieffſten Siehe der GOttheit durchdringen / und 

die 


Tap.29.aus feinem Starte eröffnet habe. zar 


Die feurifche grimmiige Begierde aus der finftern Welt Eſſentz in 
Siebe verwandeln. 

22, Adam warder Stamm des ganken menfchlichen Batı> 
mes: Als aber Era aus ihme gemacht ward) fo ward der Batıım 
nach zweyen Principien zertheilet/ nicht gang im Weſen / ſondern 
nach Art der Centren des Fewers und Liechts; denn in Event 
Matrice ftundt des Sicchtes Centrum , als der Liebe-begierde 
Grund: aber in ihrem Fall verblich das nach der Creatur: 
Darum verhieß fih das Göttliche Wort wieder darein zu einem 
Centroder Wiedergebuhrt. 

23. Cain und Habelwaren nun die zween Aeſte / ſo aus die— 
ſem Baume aus Eigenſchafft der zwey Prineipien, als des Feu⸗ 
ers und Liechts wuchſen / Und waren ein Bilde des gantzen Baums 
mit ſeiner zukuͤnfftigen Frucht: Weil aber Habel ein Fuͤrbilde 
Chriſti war / welcher folte ohne Mann empfangen werden / nur. 
blo ß aus dem einverleibten Worte im Weibes-Saamen/ welcher 
folteden Tod leyden für die Menfchen / fo mufte Habel ohne: 
Frucht und Aeſte durch den Tod gehen 5. Denn die Frucht die 
Ehriftus gebähren folte/ daswarder menfhliche Baum / den 
folte erneu gebähren / und nichfandere Zweige aus feinen Len⸗ 
den: Darum ſolte auch Habel / alsdas Fürbilde keinen Zweig- 
aus feinen Senden gebähren: Denn die Linea des Habeliſchat 
Stammesblich im Bunde / und weiſete auff Chriſtum / welcher 
folte aus der Habelifchen Linea entfprieffen / und der geiftlichen 
Welt Werfen wieder offenbahren. 

24. Darum mufte Adam einen anderen Zweig durch feine: 
Heva ausdem $ehens- Baume herfürbringen/welcher dem Adam 
in ſeinem Bilde ähnlich und gleich wäre / als den Seth / welcher 
Name in ver Natursfprache andeutet eine Entrinnung oder 
Sprung da aus dem feurifchen Willen ein Blick eines Liebe—⸗ 
willens entfichet / welcher doch vom Weſen der. Subflanß der 
mer Welt / als mit dem verderbten Fleiſch-hauſe gehalten 
wird. 

25. Diefem gehaltenen und verdunckelten Willen | melcher 
doch aus GOttes Liebe feiner erften Grund hatte / folte Chriftus 
zu huͤlffe kommen / und ihn von dem Bande des Grimmes / darmit 
der Göttliche Ens gefangen lag / erloͤſen: Denn das war Chriſti 
Ambt nicht daß er gebähre/ fondern dag er fich in die Gebaͤhrung 
des Seths einergebe/ und. den Seth mit feinen Aeften vom Grün 
erköfete / undinfich felber neu gebähre ; nicht Kinder zudiefer 
Welt / fondern daß er den Seth ” diefer Welt ausführete? 

3 und 


222 Wie ſich der Adamiſche Baum Cap.zg? 


und in ſich in die Geiſtliche Welt einfuͤhrete. 

26. Indem Seth gieng nun die Linea des Bundes fort / in 
welcher ſich wolte Chriſtus nach dem Menſchlichen Baume offen⸗ 
bahren: Aber in Cain gieng die Linea der Wunder fort / als der 
Naͤtur und ihres Regiments; denn Moſes fagte: Cain habe 
Den Hanoch gebohren / under habe cine Statt gebawet / die habe 
er Hanoch nach feinem Sohne genannt: Nun iſt doch Cain der 
erste Menſch vom Weibe erbohren / und Habelder ander / welchen 
er erſchlug. 

27. Und Moſes ſagte: Cain habe eine Statt gebawet / dw 
doch nicht Menſchen waren / welche haͤtten moͤgen eine Statt 
bawen unb bewohnen / ſo wir die Vernunfft wolten betrachten: 
Denn der Geiſt in Moſt machet allhie einen Deckel für den 
Verſtand / ver liegetim Worte der Statt; denn er ſaget: Cains 
Sohn habe Hanoch geheiſſen / und auch die Sktatt: Nun iſts 
wohl war / der Geiſt im Moſt ſtehet aber auff Cains und Adams 
Wurtzel / wie ſich der Baum Boͤſe und Gut habe aus gefuͤhret in 
Aeſte und Zweyge: Denn mit dem Namen Hanoch ſiehet der 
Geiſt indes Aſtes / als in Cains Sohnes Eigenſchafft / was vor 
ein Volck daraus entſtehen wuͤrde / als cine Statt und Regi⸗ 
ment der auffern Weltinder Selbheit / denn in per Natur⸗ſpra⸗ 
he verfichet man es im Namen. 

28. Hanoch deutet an ein Aushauchen des Lebens / und cine 
wWieder aſſung zur ſelbeigener Beſchauligkeit ein Kind der 
Selbheit / das ſich in der Natur in ein eigen Regiment und Wil⸗ 
len einfuͤhret / das ihme ein Regiment oder Region / oder Landt 
oder Statt ins Gemuͤhte einmodelt / im Willen ein Baum oder 
Fuͤrſt der Menſchen zu ſeyn: Denn als das menſchliche Leben 
von GoOttes Geiſte in die Selbheit eingieng / fo wolte cs ein eis 
gener Herrſeyn / deſſen Willens Sohn war Hanoch / als eint 
Statt oder gefaſtes Weſen zum eigenen Regiment. 

29. Aus welchem Regiment die Zweige oder Kinder gebohren 
werden / daruͤber der H. Geiſt klaget beym Noah: Sie wollen 
ſich ſeinen Geiſt nicht mehr ſtraffen laſſen / dan ſie waren ein 
Baum oder ein Aſt / aus dem Baume der Selbeigenheit; aus 
welchem die Weltliche Herrſchafft und Obern ſind herkommen / 
und ihren Urſtand genommen: Denn als das menſchliche Leben 
dem Geſtirne und Geiſte der aͤuſſern Welt heimfiehl / ſo fuͤhrete es 
derſelbe in ſein eigen Regiment / aus dem Engliſchen in das Ge⸗ 
ſtirnete und 4. Elementiſche nach ſeiner Figur; das deutet ung 


Bis Statt Cains / als. Hanoch / an / als das Regiment auff Erden, 
| | 30, Nun 


Eap.zg. ausfeinem Stame eröffnet habe. 223 


30, Nun kan aber Hanoch nichtder Negirer ſeyn / ſondern 
die Statt iſt er / das iſt / der Aft oder das Landt der Kinder ver 
Hoffarth / die von GOtt abwichen in eigener Wacht: Jetzt mu⸗ 
ſten die Viele der Willen einen Richter haben / weil fie fih GOt— 
tes Geiftnicht wolten regiren laffen. (1 Reg.8. 5.) So ſpricht 
nun der Geift im Moſe / Und Hanoch zeugete Irad: Diefes ist 
nun der Negent der fich aus ihrer Eſſentz über fie zum Richter 
und Herren aufwarfflals ein Gewaltiger und Tyrann. 

31. Denn in der Natursfprache ift der Name gantz offen/ 
amd heiffet ein Aushauchen des Lebens / da fich das geben alsbald 
im Gentro der feuriſchen Eigenfchafft und ſtarcken Macht farfer/ 
als im Zorn GOttes / welcher war zum Regenten über das Leben 
worden / derfaffete Irad / als einen Herrn und Zaͤhmer des Le⸗ 


bens / und ſetzete ihn uͤber Hanoch. 


32. Aus dieſer Wurtzel find die Regenten der Welt entſtan⸗ 
den / denn weil der Menfch nicht wolfe GOTT zum Regirer ſei⸗ 


nes Lebens und Willens haben / fo gab ihnen GOtt den Regirer 


in der Natur aus ihnen felber/ dag fie fich felber beherrſcheten 
und regireten. * 

33. Denn EHtt hatte dem Menſchen Fein Geſetze noch Negi- 
ment unter ihnen felber gegeben / fondeen ihn einig zum Herren 
über alle Ereaturen gemacht / daß er folte im alles herreſchen: Er 
aber wolte mit feinem Geiſte überden Menſchen herrſchen / und 
das Menfchliche Seben regiren: Weil aber die Selbheit nicht 
wolte/fo drang Irad/ das iſt / die Fewers Stärde und Macht 
aus dem Menſchen⸗baume / und ſetzete ſich zum Herren über die 
Staͤtt Hanoch auff Erden. 

34. Nun muſte Irad auch etwas haben darein er ſich feheter 
und damit er herrſchete / denn der Fewer⸗grimm wuͤrde ſie nicht 
erduldet haben / es muſte auch das Regiment was nuͤtze ſeyn: So 
ſchreibet nun Moyſes gar recht und hochwunderlich / und ſpricht: 
Irad zeugete Mahujael / das lautet in der Natursfprache ein 
Faſſen vom aͤuſſern und innern Centro der Natur / als von dee 
aͤuſſern und innern Welt ein ſelbgemacht froͤliches / trotziges 
Gemuͤhte / daß den Reichthum der aͤuſſern Welt beſitzen wolte in 
feiner Herrſchafft / als allerley Creaturen und Frucht: Und 
fonderfich zeigets an einen Glaft vominneren Saffen / als einen 
irrdiſchen GOtt / der fich aufferlich in GOttes Ambt ſetzet: Aus 
dieſem Namen iſt hernach Babel / als das Thier mit der Huren 
erbohren worden. | 

35. Und Mofes foricht weiter a Mahujael zeugete Methu⸗ 

+ ſael: 


224 Wie fichder Mdamifche Baum Cap.z3: 


facl: Diefes ift num der rehte Wundersname / da ihme das 

schen Göttliche Macht zumiffet: Denn Methuſael wolte in der: 
Ratur-fprache fo viel lauten) als / Mein ift die göttliche Macht: 

Sch bin ein Engelvon GOtt darein gefeget / oder ich bin GOttes 
Ordnung / welches zwar wohlwahr iſt: aber nach dem erſten 
Principio durch die auffere Nabur / alseine natürliche Macht 
und Ordnung. 

36. Mehriftindiefem Namen verborgen unter dem Engel. 
das Lob der Kinder / founterdiefer Macht ſeyn würden / welche 
Darunter würdenleben/ alsunter Göttlicher Ordnung: Aber 
Diefer Engels-Name in Göttliher Macht faffer ſich erftlich in 
Der fleiſchlichen Selbheit ; denn. die Syllaba ME, welche. das 
Wort des Namens anfahet / faſſet fich in der auffern Welt Ge= 
buhrt in der Meinheit / und zeiget an / daß vdiefe Ordnung nicht 
aus dem Himmelreich urſtaͤnde in GOttes Heiligkeit / ſondern 
qus dem erſten Principio, welches ſich in dem dritten / als in der 
aͤuſſern Welt Natur in ein ſolche Ordnung formet / ſoll und muß, 
derowegen ſeine Endſchafft nehmen / und durchs Gerichte GOt⸗ 
tes probiret werden. 

37. Und Moſes ſchreibet weiter / und ſpricht: Methuſael zeu⸗ 
get Lamech: In dieſem Namen ſtecket nun die Verborgenheit 
Goͤttlicher Ordnung nach dem Engliſchen Rath / und heiſſet in 
ter Natur⸗ſprache an dieſem Orthe alſoviel / alseine Sendung. - 
des Engels über die Herrſchafft der Meinheit: Als über die 
Regionen der Welt/ über das fleiſchliche Sehen / das würde dem. 
Sürftender Oberninder Natur witergeben ſeyn. 

38. Denn allhie wird der Schade gefuchet dehn Adam eins 
pfieng: Daß zweyerley Fürften der Obern über das Menfchliche 
geben herrfchen / als der geſandte gute Engel / und der eingeleibte 
boͤſe Engelin dem Fleiſche: Auch wird verftanden der gewaltige 
Angriff des böfen Engels von. auffen und innen; denn der in⸗ 
nere Geift gehet im Namen aus dem Bunde GOttes / und 
führet in die Auffere Welt: Das deutet an wieder Menfch leichte 
fertig ſeyn werde/ und auch den Bund GOttes verſchertzen / gehet 
aber mitder Faffung wieder in die Selbheit / und faffet fich im. 
Dem ausgehenden Engels-Name ; das deutet an eine Gleißne⸗ 
riſche Hurerey in Engels-Geftalt / welche wieder. ins aͤuſſere ge> 
het / undendlich den Bund mit ſambt dem Engels-Namen von 
ſich wirfft. 

39. Ferner ſchreibet Moſes: Lamech habe zwey Weiber ges 
nommen / eine habe Ada / die andere Zilla geheiſſen: u, 

e 


Eay.29.ausfeinem Stam̃e eröffnet habe. 225 


ftchet man in der Gebährung des Lebens-baums alfeeiel: Das 
menfchliche geben erfandteden Schaden / derihme war in feinens- 
Stamme entftanden / und nahm hinfort zwey Weiber / das find 
zweyerley Efleng und Willen: Als Ada heiſſet / die Seele ge» 
het mitdem Willen durchs Gemuͤhte / und faffet fich mit der Bes 
gierde im erfien Stamme Adams / und woltegerne wieder front - 
ſeyn: Aber die Zilla hatte ihme das Leben auch zum Weibe der 
Gebährerin genommen / das ift fleifchliche Freude und Wolluſt. 

40. Das Weib oder der Wille Ada wolte ein gut Regiment 
führen/ und fi auff Erden nach Gottes Gebot regieren und 
nehren / die gebahr den Jabal: Jabal deutet anden einfaͤltigen 
Menſchen / als da find Bauren und dergleichen: denn Moſes 
fagte aus denen find herkommen / die in Hütten wohneten / und 
Vieh zogen. 

41. Der ander Bruder aber ſaget Moſes hieß Jubal / von 
deme herkaͤmen die Pfeiffer und Geiger / denn der andere Wille 
gieng aus dem Geiſte der aͤuſſern Welt in zeitliche Wolluſt 
und Freude / der hat ihme allerley Freuden-fpiel zu ſeinem Le⸗ 
ben erdichtet: Deutet an den Jubal / alwsinen aͤuſſerlichen Freu⸗ 
den-Engel / mit welchem der innere Geiſt vor ihme in einer 
Gkichheit fpielete. 

42. Und die Zilla gebahr auch / faget Moyfes / alsden Tue- 
balkain / den Meifter in allerley Erg und Eiſen-werck / das iſt / 
die feurifche Begierde ift Zilla / die faffet fich in eine Subſtantz 
des Sulphuris:tumd Mercusii, in Menſchlicher Eigenfchafft / und» 
führet fich mit ihrem Beifte aus der Subftang aus / in eine Be⸗ 
fhauligkeit /; in welchem Verſtande der Menſch hat die Künfte- 
der Metallen erfinden, 

43. Denn die Schwefter des Tubalkains war Naema: Als 
hie lieget das edle Perlein / lieber Meiſter: Raema ift in ihrer 
@igenfchafft himmliſch / mit dem äuffern Roͤckel überzogen oder 
bedecket / dag ihr fie nicht kennet / denn der irzdifche Menfch iſt 
derer nicht werth / dan ihr Weſen ift Jungfraͤulich / eine Jung⸗ 
frauder Reinigkeit : Deutet an einen Theil an dem innern neuen 
Menfhen/ als die Schwefter des Sulphurifchen Menfchensz. 


amd am andern Theil das grobe Ergt der Erden / und denn das 


theure Erst/ als Gold und Silber, 
44. Denn Tubalfainift der Naẽemæ Bruder / fie liegenin eis 


nem Leibe: Aber Tubalkain ift vondiefer Welt / und Naema 


iſt eine Jungfrau unter ihrem Bruder verborgen / und wird alfe 
bie die zweyfache Erde verftanden / als in zweyerley Eigenfchaffe 
K- 5. ten 


> 


326 Wie fih der Adamiſche Baum Eap.297 


ten / eine himmliſche amd eine grobe irndifche/ als cin Weſen 
aus der finftern Belt Eigenfharft/ und ein Weſen aus der 
Liecht-welt Eigenfchafft / alfo auch im Menſchen / ven durch die 
feurige Eigenfchafft Gottes Zornes / als durch das Sterben de$ 
irdischen Menſchen / wird Naema offenbahr. 

45. Warumb ſetzet Mofes die Nacma hinzu / und ſaget doch 
nichts von ihr / daß fie auch gebohren habe oder fich befreyet ? 
Darımb /inder Wiedergebuhrt Hörer das naturliche Gebähren 
auff; die neue Zungfraufchafft im Geiſte Chrifti gebähret Feine 
Creatur mehr / fondern alle müffen fie aus dem erften Centro 
and Stamme gehen / auff daß fie alle ein Baum find/ und durchs 
Feuer wird das Ertzt / als die Jungfrauſchafft offenbahr; die iſt 
des Tubalkains Schweſter. 

46. Der Name Tubalkain hat einen trefflichen Verſtand in 
fich / denn er zeiget an das Sulphuriſche Mereurialifche Rad / 
wie fich das inder Gebuhrt der Metallen / und auch im Urſtan⸗ 
De des Lebens eröffnet: Denn GOTT hattedem Menfchenalle 
Dinge unterworffen / und war ihme alles zu feinem Spiel ge— 
geben: Darumb muſte ſich Tubaltain im menfchlichen Baume 
eroͤffnen dag fie das verſtunden; den Unſern hiermit gnug 
angedeutet. 

47. Und Lamech ſprach zu ſeinen Weibern Ada und Zilla: 
Ihr Weiber Lamech / hoͤret meine Rede / und mercket was ich 
ſage: Ich habe einen Mann erſchlagen mir zur Wunden / und 
einen Züngling mir zur Beulen: Cain ſoll ſtebenmahl gero> 
chen werden / aber Lamech fieben und ſtebentzigmahl. Diefes ift 
eine ſeltzame Rede / wer wolte verfichen was der Geift allyie 
deutete ohne feine eigene Erklärung: Sch wilden Spoͤtter allhie 
vormahnet haben unfer Werck ungetadelt su laffen / denn er vers 
ſtehet nichtunfern Geiftumd Sinn, 

48. Lamech faget: Er habe einen Mann erfchlagen / ihme 
zur Wunden / und einen Juͤngling ihme zur Beulen: Derfels 
be Mann ift Grabel nach der auffern Menfchheitvom Reiche 
Diefer Welt/ umd der Züngling ift das Bilde Ehriftiaus der 
Sungfräulichen Linea aus des Weibes Saamen in ihme; den 
Mann hat er ihme erſchlagen zueiner Straffe/ als zu einer un⸗ 
heilbahren Wunden / und den edlen Juͤngling im Manne zu ei⸗ 
ner Beuhlen / die ihm als eine boͤſe Beuhe oder Blatterim @e- 
wiſſen der Suͤnden wohl rühren würde:Dan der Grimm Gottes 
wuͤrckete in dieſer Beule / ſo mochte die Wunde / als ein groſſer 
Schade auch nicht geheilet werden / denn der Fluch des Herrn 
gieng ans dieſer Beulen gus in die Wunde / in welchem Die = 

$ 


Cap. ꝛ9. aus ſeinem Stam̃e eroͤffnet habe. 227 


de verfluchet ward / daß das menſchliche Regiment ein Jammer⸗ 
thal ward. 

49. Denn Lamech ſahe den Schaden / und wandte wieder—⸗ 
umb / und nahm ihm derowegen zwey Weiber / das iſt / zweyer⸗ 
ley Willen zu feinem Regiment ins Gemuͤhte / damit er wolte 
auff Erden herrfhen / als einer gieng aus der Ada in die Vich> 
zucht und ſchwere Handtnahrung / darinnen fandt erden Fluch 
und die Wunden innen: Und der ander gieng aus dem Aſt der 
Zilla indie Erde nach Metallen/zu feinem Ackerwerck und Noth⸗ 
durfft / fo fandt er in Metallen die roftige Beuhlen am Metalli⸗ 
fchen Erste: dann die edle Tinctur oder fhöne Blume der Erden 
ſtund im Fluche verborgen/als mit einer böfenBenlen umbgeben. 

so. So erkannte nun Lamech den Schaden / und ſprach: Hoͤ⸗ 
ret zu ihr Weiber Lamech / und mercket was ich ſage: Denn er 
wolte ausſprechen den Schaden / er ſahe wieder zuruͤcke in den 
Raum des Menſchen / und betrachtete die Rache Gottes / wel⸗ 
che das menſchliche Leben hatte ergriffen / und ſagte: Cain ſoll 
ſiebenmahl gerochen werden / und Lainech ſteben und ſtebentzig⸗ 
mahl: Denn GOTT fagte auch) zu Cain als er ſtund und ſchrie: 
Dur treibeft mich heute aus dem Lande / nun wird mic erfchlagen 
wer mich findet: Wer Cain erſchlaͤget / der foll fichenfültig ge⸗ 
zochen werden] und machte ein Zeichen an Cain / daß ihn Nies 
mand exfchlüge. | — 

51. Dieſes find verborgene Wunder⸗reden: Cain ſoll ſteben⸗ 
mahl / und Lamech ſteben und ſtebentzigmahl gerochen werden; 
Warumb ſoll Lamech ſieben und ſtebentzigmahl / und Cain ſie⸗ 
benmahl gerochen werden? Wer hat dem Lamech etwas gethan? 
Allhie deutet der Geiſt aus dem Centro des menſchlichen Lebens 
auff die zufünfftige Zeit wie cs mit dem Menſchen in dieſem 
Schaden hernac gehen werde / wenn fich die Menfchen wurden 
mehren / und würden ihnen Könige und Herrſchafften machen / 
wie ſich der Grimm Gottes würde im menſchlichen Willen mitte 
freiben/und mit im menfchlichen Leben und Regiment eroͤffnen. 

52. So ınan aber diefes wilverftehen was Lamech ſaget mit 
der Rache / fo mug man auffs Centrum fehen /denn in 7. gradi- 
bus oder Eigenfchafften ſtehet das Leben aller Creaturen / wie 
forne erfläret worden ift: Nun war Adam der Stamm; deu 
Adam und Eva find ein Baum / aus welcher Zertheilung Böfes 
und Gutes entſtund / und Cain war der erſte Zweig aus dent 
Baume / da ſich die fieben Eigenſchafften des Lebens aus ihrer 
rechten Goͤttlichen Ordnung im Leben aus einander gaben / und 

"86 das 


, 


2:8 Wie ſich der Adamiſche Baum Cap.29« 


Das Bilde Gottes zerſtoͤreten / deſſen Schuld war der Teuffel / wel⸗ 
eher ihn auch zum Bruder-mord in den zertheileten Eigenſchaff⸗ 
gen reitzete / daß er Habeln erſchlug; So ſprach nun G tt: Cain 
ſoll ſiebenmahl gerochen werden / fo ihn jemands erfchläget:und cr 
habe ein Zeichen an Cain gemacht / daß ihn Niemand erſchluͤge. 

53. Der Teuffel hatte ſich in Grimm Gottes verwickelt / und 
an die ſteben Eigenfchafften des Lebens eingeflochten / nachdehm 
ſie waren aus dergleichen Concordantz ausgegangen / und wol⸗ 
ge Herr an. Stadt Gottes Geiſtes ſeyn im Leben des Menſchen / 
und wolte dasLeben am Reiche Gottes gantz ermorden: So hat⸗ 
te GOTT cin Zeichen mit der Verheiſſung des Bundes darein 
gemacht / daß es Niemand koͤnte ermorden. 

54. Denn Cain ſchrie nicht allein über Furcht des aͤuſſerli⸗ 
hen Lebens / fondern.er fürchtete / ihme möchte fein recht ewig 
Schenermordetwerden / daß er gantz von Gottes Angefichte mit 
feinem Leben vertilget würde; denn er fchrie auch alſo / und ſag⸗ 
Ze: Sihe du treibeft mich heute ausdem Sande / und mug mich. 
vor deinem Angefichte verbergen / und muß unftätte und flüch- 
tig feyn auff Erden z So wird mirs nun gehen / daß mich tod⸗ 
Ichlage wer mich findet. Er ſchrie über Todſchlag und fürchtete 
ſich / und war Fein Mann mehr auff Erden / alsnur fein Vat⸗ 
zer Adam/ und ohne Zweiffel feine Schwefter / welche er ihme 
zum Weibe nahm. 

55. Cain fuͤrchtete die Geiſter / welche ihn auch zum Mord 
bewegt hatten / würden ihn toͤdten; denn er fügte: Ich muß 
anich für.deinem Angefichte verbergen 5 Das ift num Feine äuffer> 
liche Weife / fondern eine innerliche / denn GOTT wohnet nicht 
am Auffern Auge / aber wohlim innern Geiſtlichen: So fagte 
au GOtt: Wer Cain an feinem innern geben erınordet / das 
ſoll ſtebenmahl gerochen werden / und machte das Zeichen des 
Bundes an ſein Leben / daß ihn kein Beift im Grimme Eönte 
ermorden / denn er war ein Zweig aus dem Baume des Lebens. 

56. Ob wohl die 7. Eigenfchafften der Natur in ihme waren 
aus einander gangen/ fo war er Hoch nicht eben deſſen Schuld/ 
denn alfo hatte erfein Leben von Batter und Mutter in gertheir 
leter Eigenfchaffgeerbet: Darumb fo gieng auch. die Gnade 
über ihn fo wohl/ als über Habel ; ausgenommen daß Habel 
aus der andern Lineagieng ; aber das Cen:rum der Seelen war 
in beyden gleich : Aber die Bewegung im Saamen war ungleich} 
denn fie waren die zwey Bilde der Welt/ als Cain das Bild 
dr. Selbheit im Zorne / und Habel das Bild der Grleffennnit 


Eapı29. aus ſeinem Stam̃e eröffnet habe: zze 


des Lebens / da aus dem laſſen durch den Todt aus dem Centr®» 
eineandere Weltausgrüncke. 

57. Richt dag Cain zum Verderben gebohsen werden / ſon⸗ 
dern. die auffgewachte böfe Eigenfchafft in der Ungleichheit / als’ 
die Seele der äufferen Welt drang im Saamenherfür/ und 
faffete das Seben in feine Gewalt / unddarein machte GOtt ein 
Zeichen / als feinen Bund / daß nicht die Raͤuber folten das Sera 
len=leben erınorden. 

58. Würde es aber geſchehen daß fich dereigene Wille würde 
den Mördern.einergeben/ fo foltedas schen Cains ſtebenmahl / 
das iſt / Durch alle 7, Eigenfchafften gerochen werden / und folte 
der freye QBille / welcher das.geben das im Norte Gofteswar/ / 
(Zohan. x.) mordete / ſtebenfach durch alle fteben Geftälteder 
Natur geftraffet werden / beydes zeitlih und ewig: Das heifs 
ſet/ wer das Leben mordet / welcher freye Wille fein Leben er⸗ 
mordet / foll ewig inden fieben Eigenfchafften ver finftern Welt 


.gerochen werden. 


59. Mehr ift ung die groffe Geheimnuͤß an dieſem Orthe recht 
zu betrachten / denn die ſieben Eigenfchafften des menſchlichen 
Baums zum Leben der Wunder Gottes hatten ſich num big auſff 
Lamech ausgetheilet/ das Regiment der Welt war nun beym 
Lamech in der Natur gantz außgebohren; denn Lamech war der 
fiebende Menfch inder Wurgelder Wunder vom erften Stama 
me./ als Adam war der erfte/ Habelgehöret nicht indie Linea» 
der Wunder / fondern in die Wiedergebuhrt: Gain war der 
ander in. der Lineader Wunder : Hanochver dritfe: Irad der 
vierdte: Mahujael der fünffte; Metuſael der fechfte/ und $a= 
mech der ficbende, 

60. Sp war nun Lamech ausdiefer Lineader Wunder Gof> 
tes aus der Cainiſchen Wurkelentfproffen / der war ein fromm 
Mann; aber mit dem Geifteder Wunder unibfangen / der ſahe 
zurüc auffden Schaden / und auch auffdas Genadenzzeichen im 
Bunde / und erkannte dag nunmchr der Geiftder XBunder im 
menfchlichen Sehen gans außgebohren und offenbahr wäre / das 
durch alle Künfte der Welt ſolten gefunden werden. 

61, Und fahe auch vor ſich / wie es in diefen Wundern ber’ 
Welt ergehen würde / wie feine Kinder fein. Leben das fie von 
ihme ererben würden in eine Babylon der Narıheit würden 
einführen umd verderben ; und fahe hiermit vornehmlich auff das 
Wort) daraus das menfchliche Schen war entfproffen / wie fich 
Das Leben im Geifte der Wunder der Weltwürde inein fichen 
und ſiebentzigfachig Wort der PEN und Völker — 

7 ren 


350 Wiefich der Adamiſche Baum Eap.zs. 


ren / wie zu Babel geſchahe, und würde es der freye Wille der 
Natur von dem einigen GOtt abfuhren und verderben / das foll= 
te ficben und Jiebensigmahl/ als jede Zunge der Spraden im 
Zorne Gottes gerochen werden: Darumb dag fie fein des La⸗ 
mechs Leben / das fie von ihme geerbet / verderben würden / das 
würde der Grimm Gottes im freyen Willen feiner Kinder der 
Sprachen rächen. 

62, Denn der Geift fahe wor fich wie fich der freye Wille 
wuͤrde in die Selbheit begeben / und von dem einigen GOtt ab⸗ 
fallen ; und wie der Zorn Gottes würde den natürlichen Geift 
der Wunder im Menſchen / alsdie Seele der äuffern Welt er= 
greifen und serwirren/ daraus die groffe Babylon des Zanckes 
umb Gottes Wefen und Willen entftchen würde; Das / fagte 
der Beift in Lamech / würde fieben und fiebengigimahlgerochen 
werden. 

63. Denn das war eine fieben und fiebenkigfache Mache über 
das Wort des Berftandes im menfihlichen Leben/ das aus einer 
einigen Zungen / aus einen einigen redenden Worte und Le— 
bens=Geifte/ eine ſteben und ficbengigfache Zunge / als eine ver= 
wirrung des Verftandes ward: zuvorhin lag der Berftand in 
einem Halle; Nun-aber Fam die Rache darein/ und wirrete 
ihn in ficben und fiebensig Theile. 

64. Denn das menſchliche Rad des Halles oder Verſtandes 
ward umbgedrähet / und eröffneten fich in jeder Geſtalt der Na⸗ 
£ur die schen Geftälte des Feuers / darinnen Zeit und Ewigkeit 
ſtehet das war / ficbenmahl schen ift ſtebentzig / dar zu gehöret 
Das Centrum mif feinen unwandelbahren fieben Geftälten der 
ewigen Natur / das ift zuſammen ſieben und ſiebentzig Theile. 

65. Und hierinnen liget Myfterium Magnum; Sieben Bruͤ— 
der/ So ihr nicht das Roͤcklein der Streit-fprachen an euch 
hättet / fo dürffte man euch alhie ein mehrers weifen ; aber ihr 
feyd noch alle inBABEL gefangen / und feyd Zändker umb den 
Beift der Buchftaben / und habet deffen doch feinen Verſtand / 
und wollet auch Doktor und gelehrt feyn/ verftchet aber doch nicht 
euer Muttersfprache: beiffer euch umb die Hülfedes Wortes/ 
darinnen fich das lebendige Wort faffet/ und das lebendige Bor , 
begchret noch verftehet ihr nicht: Ihr vedet nur aus fieben und 
aus ſieben und ſiebentzig / und hättet doc das Wort in einer 
Zahl / darinnen aller Verftand innen lieget: Ihr habets auf 
euerer Zungen ſchwebende / und moͤgets doch nicht faffen. 

66. Und das ift die Urfache / daß ihr nur wollet aus fieben und 
aus ſieben und ſiebentzig reden! als ans dem Grimme der die 

Zun⸗ 


Eap.29. ans feinem Stame eröffnet habe. 237 


Zungen zertheilet hat und das Leben —— fieben und ſte⸗ 
kensigmahlimeuerer Zungen und Sprachen raͤchet: Gienget ihr 
aber auffs Centrum, und thaͤtet die Augen auff / fo wuͤrdet ihr 
ſchen / wie euch die Babyloniſche Hure an ihrem Seyle gefan⸗ 
gen fuͤhret / und wie fie ſich hat mit ſteben und ſteben und ſtebentzig 
Zahlen über das Leben der Menſchen geſetzet / und Na&ma unſer 
Schweſter mit den Zahlen gang verborgen | auff daß das Thier 
der Zahlen im Grimme Gottes über das Leben unferer Schwe⸗ 
ſter Na&ma herrfchen möge. 

67. Aber wir haben einen Wächter hören fagen: 
Rein ab / das Thier mit der Huren | welche an Naema 
ſtadt auf Erden ftehet / ift gefallen] und der Kelter der 
fiebenfachen Rache in fieben und fiebensig gegeben wor: 
den) ıc. Die Mache gehet in Lamech auff und gehet 
durch fieben und ſiebentzig und das Fan Niemand weh: 
rven/ Amen. 

68, Denn Naöma ſoll offenbahr werden alfen Bölc- 
Fern / Zungen und Sprachen / und alsdan wird aus ſie— 
ben und fiebengig Em Wort des Berftandes |denn aus 
Einem WortÖottes iſt das Leben der Menſchen aufges 
gangen / und hatfich in der Selbheit im Geifte der Wun⸗ 
der der Welt in ſieben und ſiebentzig Eigenſchafften des 
Einigen Worts geformet und zertheilet: Nun komt die 
Zeit daß des Lebens Anfang mit dem Geiſte der Wun— 
der und Sprachen ins Ende / als wieder in Anfang ein⸗ 
gehen ſoll / ſo muß das Kind der Wunder das ſich hat fuͤr 
GoOtt ausgegeben / in der Einheit offenbahr werden. 

69. Und weil ſich der freye Wille hat in die Eitel— 
keit der Sprachen und viele der Kräfften ergeben und 
das sehen des einigen Worts ermordet und befudelt] 
fo gehet die Rache aus dem Mord:geifte durch ſieben 
und fiebensig/ / biß das Thier ſambt der Huren ver- 
tilget und mit Feuer des Zornes Gottes verfihlun: 
gen werde. 

79. Alsdan findet Tubalfain feine Schweſter Nae- 
ma im Güldenen Schmucke / und freuet ſich Ada in 
ihrem Sohne Jabal / welcher des Biehes huͤtet; dem 
samerh hat feine Kinder wieder funden / welche er = er 

acht 


x732 Von der Linea des Bundes. Cap-30: 


Rache verlohren hatte; und hoͤret auff der Hoffart der 
Selbheit / auch der Trug und Liſt der Schlangen / dan 
ein jedes Thier ſoll ſeine eigene Weyde eſſen. Die Zeit 
iſt nahe: Hallelujah! 


Das 30. Capittel. 


Bon der Linea des Bundes. 


8. Je Linea des Bundes ift nicht alfo zu verftehen / ala 
D gienge der Bund allein auff dieſelbe Lineam: Nein: 
Der Bund gehet auff das einige Leben / das im Worte 
vorzeiten der Menſchheit war; Die Linea Seths gehet allein 
auff die Offenbahrung im Fleiſche / in welcher Linea ſich das 
Wort im Bunde wolte aͤuſſerlich im Fleiſche offenbahren: Aber 
der Geiſt aus dem Centro im Bunde gehet ſo wohl auff Cains 
Lineam, als auff Habels / aber in Cains / im Geiſte; und in 
Seths / im aͤuſſern Munde / als im gefaffeten Worte / als im 
Lehr⸗ambte: Denn Seth war entſproſſen nach dem Geifte aus 
dem Bunde) da fich der Geift imeingeleibten Worte im Bunde. 
bewegte / und Cain war im Begriffdes Geiftes der Natur. 

3. Denn durch Cains Linea kamen die Künfte herfür / wel⸗ 
che ein Wunder der Göttlihen Weißheit / Beſchauligkeit und 
Formligkeit waren) als des geformten Worts / durch und in: 
der Natur; und in Sethgieng das Wortin cin formlich Leben / 
als in cine Geiftliche Beſchauligkeit / da lich das XBort Gottes 
mit der Weißheit in einem geiftlichen Bilde ſchauete / und in 
Gains Linea in einem Natürlichen geformten Worte / und Dies 
net beydes zu Gottes Wunderthat. 

3. Nicht wie Babel richtet / daß ihme GOTT aus feinem 
Dorfag habe alfo ein Theil ver Menfchen in feinem Zorn zur 
Verdamnuͤß pradeftiniret md erfohren/ und das ander Theil 
wurschen: Welche alfo richten / die find noch unter der Zahl 
ficken und fiebentig in der Multiplication des Wortes / dan ges 
ſchahe doch Adam die Vernpeiffung che Kain einpfangenward: 
Der Bund ruhete in Adam und Eva mitder Genade / aber der 
Geiſt der Heiligung und Wicdergebuhrt durch Chriſtum / 
gieng allein auff des Weibes Saamen / als auff den verſchloſſe— 
nen Saaınen des Himmelreichs / in des Liechts Tinctur, in Ve- 
neris Matricem , darinnen fich Adam / alser Mann und Weib 
war / in cigener Begierde und Siebe hätte follen fortpflangen; 
welches / weil esnicht ſeyn mochte [von Adam genorgmen / und 
in ein Weib gemacht ward« 
nr ' Als 


i 


⸗* 


Cap. 30. Von der Linea des Bundes. 237 


4. Als aber das Weib irrdiſch ward / ward das himmliſche 
Theil dieſer Matricis zur himmliſchen Gebuhrt im Tode ver= 
ſchloſſen / in welche Matticem ſich das Wort GOttes mit dem⸗ 
Bunde wieder einverleibte; ſich in dieſer Matrice mit einem 
lebendigen himmliſchen Saamen zu eroͤffnen / und dem Tode ſei⸗ 
ne Gewalt zu brechen. 

5. Denn nicht in dem geformten Worte der Natur / als in 
Cains Geſchlechte / wolte ſich das Wort eroͤffnen / ſondern im 
verblichenen himmliſchen Ente, und Durch denſelben wieder le> 
bendig gemachten hiunnlifcehen Ens , als durcch des XBeibes Saa=- 
men des himm liſchen Theiles / der Schlangen) als des Teufels: 
eingefügrten Begierd im Grimm der Natur / den Kopff zertret⸗ 
ten / als dem Grimme in Cains und Seths Geſchlechte. 

6. Im Seth und Habel eröffnete fich das Wort im Bunde/ 
als cine Stimme eines Lehrers; dieſelbe Stimme follte Cains 
Geſchlechte in feinem Leben einnehmen / und ins Leben faſſen / 
auch zur neuen Wiedergebuhrt: Daß ihrer aber feynd viclim To= 
de blieben / und die Stimme verachtet / tft des freyen Willens: 
Schuld / der ſich den Teuffel im Zorne Gottes halten lieg / und 
noch heute halten laͤſſet dag der Cainiſche Wille die Natur und 
Selbheit zu viel liebet. 

7. Denn wil der freye Wille der Seelen das Wort im Bun⸗ 
de ergreiffen / ſo muß er ſeiner Natuͤrlichen Selbheit und Ei⸗ 
genwillens abſterben / und mit dem Eigen⸗willen im Bunde ge⸗ 
laſſen ſeyn / dag er dem Worte und Geiſte im Bunde mit ſeiner 
Begierde nachgehe / wie ihn derſelbe fuͤhret. 

8. Und das wil Cain nicht gerne thun / er wil ein eigener 
Herr ſeyn / und figuriret ihme in feinem freyen Willen mit der 
Begierde ein Monftrum und boͤſes Thier / das dem erſten Bilde 
des geformten Lebens im Worte Gottes nicht aͤhnlich ſtehet: 
UÜber dieſes Thier gehen nun Chriſti Worte / da er ſaget: Es- 
ſey dan daß ihr umbkehret und werdet als die Kinder / das iſt / 
(daß ihr aus dem Willen des ſelb⸗gebohrnen Thieres ausgehet / 
und wieder in die Form des erſten Lebens eingehet) ſonſt ſollet 
ihr Gottes Reich nicht ſehen. Item: Ihr muͤſſet aus dem Waſ⸗ 
ſer der himmliſchen Welt Weſen / und aus demſelben heiligen 
Geiſte / aus dem Bunde neu⸗gebohren werden / anderſt koͤnnet 
ihr nicht GOTT ſchauen. 

9. Daſſelbe boͤſe Thier der ungoͤttlichen Form iſt zur Ver⸗ 
damnuͤß orædeſtinairet aber der Bund iſt im Leben: fo ſich der 
freye Wille dem Bunde eingiebet / ſo ſtehet Chriſtus aus dem 

unde in dem Leben / in ſeiger Menfchheitauffs alsdan fo *8 

et 


234 Von der Linea des Bundes. Cap.zor 


bet das frembde Thier in Chriſti Tode / und formet ſich der Wil⸗ 


fe wieder in die erſte Bildnuͤß / wie fie GOTT fhuff: Und 


ſolches gehet nicht allein auff Seth / fondern auff Adams Leben / 
als auff das einige Leben Des Menſchen dasim Worte GOttes 
war / und dringetvon einem auff alle / gleich wie atle Aefte in ei- 
nem Baum Safft von der einigen Wurtzel des Stames nehmen. 
zo. Aber die Eigenfchafften der Natur/ als des natuͤrlichen 
Lebens / haben fih aus Adams Stamme in fordere Aeſte und 
Zweige eingeführet / daraus die Vielheit der Bölder / Zungen 
und Sprachen entftanden: Das Leben aber ift einerley / und der 
Bund im geben drang aus der Wurtzel des Lebens / alsaus dent 
Worte Gottes / daraus das Leben kam / auffalle: wie dan auch 


die Suͤnde / als der Abfall’ auff alledrang / keiner ausgenom⸗ 


men; denn die Kinder Seths waren fo wohl unter der Sünde 


befchloffen / als Cains; aber der Bund mit feiner Ofſenbahrung 


drang auff Seth: Denn fein Name heiffet in der Natur⸗ſpra⸗ 
he ein aushauchender Sprung aus dem $eben durchs Feuers— 
Centrum der Seelen / da ſich das Wort Gottes wolte wieder. 
durchs Schen eröffnen. 

ır. Und Mofes ſaget: Seth zeugete Enos / und zu der Zoit 
fieng man an zu predigen von des Herin Namen: Denn der Nas 
me&nosdeutet an in der Natur⸗ſprache eine gottlicheguft durchs 
geben / da ſich das geformte Wort wolte im Halle und Schalle 
des Lebens fhauen: Darumb fleng der Geiſt Gottes aus dem 
Bunde durchs Schen der Menſchen anzu lchren von GOTT und 
feinem Weſen und Willen / das war der Aırfang der Göttliche 
Defchauligkeit durch die geformte Weißheit im Wort / da fich 
das Wort durch die Weißheit im geformten menfchlichen Halle 
fhauete. 

12. Und wie fich das geben durch Cains Lineam durch die Wun⸗ 
der der geformten Weißheit der Natur mit allerley Kuͤnſten 
und Wercken / auch Regimenten und Ordnungen formete / und 
zu Gottes Wunderthat einfuͤhrete / als zu einer Veſchauligkeit 
Boͤſes und Gutes / des Liechts und der Finſternuͤß: Alſo auch 
imgleichen fuͤhrete der Geiſt Gottes aus des Bundes Linea int. 
offenbahreten Worte aus / die Wunder Goͤttlicher Heiligkeit / 
Wahrbheit/ Gerechtigkeit / Liebe und Gedult; und zeiget durch 
Die Predigt des geformten Worts an/ was Gottes heiliges 
geiftliches Reich fey. 


13. Zn Gainward das Neich der Natur vorgeftellet / undin 


Habelund Seth das übernatürliche Göttliche Reich: Diefe bey» 
de giengen mit⸗ und in=einander auff zur Beſchawung der vos 
ichen 


8* 


j Cap.z0. Sonder Linea des Bundes, 23% 


lichen Luſt in der geformten Weißheit / und ein jedes drang in? 
feierte in feine Beſchauligkeit / als ein Wunder/aus. 

. Denn von Adau big auff Lamech in der Lineader Wun⸗ 
— find fieben Glieder / und in der andern Linea, als in ver 
Bundes Linea von Adam big auff Henoch find auch ficken Glie⸗ 
der/ Henoch ift der achte / als cin Anfang des prophetifchen Gei⸗ 
fies / denn in den erften fichen Gliedern ward die Forma des 
geiftlichen Neichs aus dem Lebens⸗Baume Dargeftellet. 

15. Adam war der Stamm / dann fein Schen urſtaͤndet aus 
dem Worte: Weil ſich aber das Schen der Natur in ihme über 
das Leben im geformten Worte ſchwang und wolte das Regi⸗ 
ment yaben/und verdundelte das Leben aus dem Worte ; fo ergab: 
fich das Wort felber zu einen geben mit einem Bunde ein / und 
ſtellete ſeine Figur in Habel dar / wie das Natur⸗Leben ſolte zer⸗ 
brechen / und aus dem erſten Leben das Wort der Goͤttlichen 
Krafft wieder gruͤnen. 

16. Alſo war Habel die Figur des andern Adams Chrifti / 
und muſte darumb wegen des Bundes ermordet werden; denn 
Chriſtus ſolte den erhabenen natuͤrlichen Willen toͤdten / und ei⸗ 
nen neuen ausführen / auch folte Habel darumb Fein natürlich 
Kind zeugen / fonft ware cs der Natur frembde gewefen: Denn 
fie foltenalle aus einem Stamme herkommen / und das Wort 
wolte durch deneinigen Baum im Bunde aufgrünen / auf dag 
die Kinder der Genaden aus dem Baum der Natur aufsckahrss 
wirden/ wieder Ihau aus der Morgenröthe. 

17. Denn alfo ftellete fich auch die Figur der netten Gebuhrt 
ausdem Stamme dar: Als erftlich aus Adam gieng die Linea , 
der war der erfte/ Habel der ander / Seth der dritte / Enos der 
vierdte: da man anfieng vom geiftlichen Reiche zu lehren Kenan 
war der fünffte/ der heiſſet in der Natur⸗ fprache eine außgehende 
wicdergefaffete Luſt göttlicher Beſchauligkeit / in welcher ſich das 
gelehrte Wort formete /als im Gebethe und in der Willens 
Begierde / fo wohl inihren Opfern. 

18. Mahalaleel war der ſechſte / und heiffet in der Naturs 
ſprache eine englifche Form eines englifchen Reichs / da der Geiſt 
das Reich Chriſti in dieſem Namen fuͤrbildete. 

19. Jared war der Nebende / mit deffen Namen verfichet mar 
inder Natur⸗ſprache einen Priefter oder Fuͤrſten des geiftlichen 
Reiches : Denn gleich wie Irad der Regente in dem Natur— 
reiche ſeyn folte ; Alfo folte Jared ein Regente im geiftlichen 
Reiche fepn/denn auß Jared iſt Moſis Ambt kommen; und aus 
Irad das Reich der weltlichen Herrſchafft und gefaffeten Re⸗ 
giments. 20. Es 


236  BonderLineades Bundes. Cap. 30 

20. Es zeigets aber die Natursfprache Flar an / daß Jared 
nur cin Fuͤrbilde eines geiftlichen Neiches ſey denn der Name 
fuͤhret den Cherub mit lich durchs Wort aus ; denn das geiftliche 
Neich war auff Erden im Grimme GOttes mit gefangen / bi’ 
auff Chriſtum / welcher den Zorn zerbrach. 

21. Diefes Jareds Ambt iſt zweyfach / als aͤuſſerlich ift die 
Figur des geiftlichen Reichs mit dem Grimme GOttes verbuns 
Den ; und innerlich iſt das wahre heilige Reich / welches der buß⸗ 
ferfige Menfch einnint/ außwendig iſt Mofes und inwendig . 
Ehriftus. 

22. Aus welchem aufmendigen Reiche iff die groffe Mutter 
der Babyloniſchen Hurerep im Reiche Moſis bey den Pharifes 
ern / und im Reiche Ehrifti bey ven Buchftab-Schreyern ent: 
ſtanden / welche alle nnr in der Figur als cin Abgott prangen / 
und fich fehen laſſen / als wären fie das heilige geiftliche Reich z 
Aber der Cherub fuͤhret den Hall durch ihr Wort aus / als eine 
Mitſtimme des grimmen Zornes GOttes. 

23. Und darumb muͤſſen ſie umb das Reich des Willens 
GOttes zancken / denn ſte haben wicht den Geiſt des innern geiſt⸗ 
lichen heiligen Reichs / ſondern nur die Stimme aus der Figur / 
da Boͤſes and Gutes in Streite iſt: Den Buchſtaben haben: 
und fuͤhren ſie / aber als ein ledig Inſtrument / als eine Figur der 
geiſtlichen Form; Denn alſo ſtellete es auch der Geiſt mit dem 
Namen Jared vor / als ein vermiſcht Reich auff Erden / dadurch 
die innere geiſtliche neu⸗gebohrne Kinder ſolten geuͤbet und pro⸗ 
biret werden. 

24. Und zeigte mit dieſer Form an / wie daß der groͤſſeſte 
Haufe in die ſem geiftlihen Ambte würde ım Schwerd Cherubs 
gefangen / undihme ſein Ambt vom Cherub vor GOttes Heilig» 
keit abgeſchnitten / und dem Zorne zu ſeinem geiftlichen ewigen 
Peichegegeben werden. 

25. Dunn gleich wie Samech in Eains Linea zwey Weiber / 
als zween Willen nahm / und fein Reich darein beftätigte / und- 
endlich die ſteben und fiebensigfache Rache aus dem Centro der 
Natur / aus den 7. Eigenſchafften uͤber den Mord des freyen 
Willens / welcher fein Leben würde in vielen ermorden / fuͤhrete: 
Alſo fuͤhrete auch Fared zween Willen in ſeinem Natur⸗ Namen / 
als einen in GOttes Liebe und Erbarmen im Bund; und den 
andern in die Figur / in welcher der Zorn GOttes mitgehet / und 
den ſchaͤndlichen Abgott Bauch mitfuͤhret / und iſt trefflich wohl 
abgemahlet. 

26. Und Moſes ſaget weiter: Jared zeuget Henoch. Aue 

| achet‘ 


; Cap. z0. Von der Linea des Bundes. 237 


gehet die groſſe Wunder⸗Pforte auff / denn aus dem Jared / als 
aus dem Reiche der Wunder mug der Prophet entſtehen; denn 
der Prophet iſt des Reichs Mund : Er zeiget an was das Reich 
ſey / wie es im Boͤſen und Guten ergriffen ſey und was der Auß⸗ 
gang und Ende aller Dinge ſeyn werde: Auch weiſet er auff 
das Mittel / wie die Turba habe das Schen ergriffen / und draͤuet 
mächtig mit GOttes Zorne / wie das Schwerd Cherubs wohe 
den Falſch abſchneiden. 

27. Henoch heiſſet in ſeiner eigenen Sprache alſoviel als ein 
außgehauchter Athem Göttlicher Luſt / der ſich alſo mit dem Auß⸗ 
hauchen habe in der Zeit in einer Form geſchauet / welche Krafft 
des Außhauchens den geformten Athem wieder in ſich zeucht / und 
nur feinen Schall von ſich gibet / als eine Stimme Goͤttliches 
Willens: Und deutet erſtlich an einen Zweig aus der Bundes⸗ 
Linea, als aus dem inwendigen Prieſter⸗Ambte / aus der heiligen 
Goͤttlichen Luſt der Weißheit GOttes aus Jehovah. Der Geiſt 
wolte die ficffefte Siebe in Jehovah in einen Namen ins Wort 
einfaffen /der JEſus hieſſe / fpielefe aber unterdeffen inder Zeit 
der Figur inder heiligen Weißheit / in des Bundes Linea damit / 
als mit einem inwendigen verborgenen heiligen Reiche / welches 
er wolte in Erfüllung der Zeitoffenbahren. 

28. Zum andern deufets andes geformten Worts Krafft/ als 
die Perfon oder das Corpus aus dem Limo der Erden / des him̃⸗ 
lifchen Theilsder Erden / daß derfelbe Corpus folte indas heilige 
Wort gefaffet / und von diefer Irrdigkeit entzuͤcket werden 2 
Gleich wie das Liecht die Finfternüß im fich entzücket und vers 
ſchlinget; Alfo auch folte das guate Theilder wahren Menfchheit 
in Adams erſten Bildnüg vom Worte aus der Irrdigkeit ent⸗ 
zuͤcket werden / und aus der Erden auffftchen / welches Enochs 
Entzuͤckung vondiefer Belt andeuter. 

29. Zum dritten deutets den Propheten an als die Stimme 
der Göttlichen Luſt / welcher das Reich Ehrifti und auch das 
Reich der Wunder / wie es künfftig gehen wiirde / verkündigte ; 
denn die prophetifche Stimme offenbahrte fich wieder aus der 
Verzuͤckung: Und deutet aus dem Weſen des Geiftes / als aus 
dem allergeiſtlichſten Reiche / als aus des menſchlichen Engels 
Reiche / durch den ſeeliſchen Geiſt; und denn aus des Corporis 
Reichel als aus der Natur der Wunder / aus dem Limo der Er 
den und des Geſtirnes / wie Fünfftig das auffere Reich des Men 
ſchen in diefer Welt Wefen würde auffgchen/ und was darinnen 
geſchehen würde: Das deutet der innere heilige allwiffende Geift 
durch den auffern /als durch Die Wunder der — 

aͤuſſern 


3738 Von der Linea des Bundes, Tap.zo. 


aͤuſſern Weſen / als durch den Geiſt der aͤuſſern Welt an / wie es 
mit dem menſchlichen Reiche auff Erden ergehen würde: Denn 
der innere Geiſt ſpiegulirete ſich durch die geformte Weißheit 
GHttes / und beſchauete eh in dem geformten Geiſte der Wun⸗ 
dern: Diefes deutet uns der Name Henoch an. 

30. Nun deutet der Geiſt in Mofe weiter und fpricht : Mes 
noch war 65. Jahr alt und zeugete Methuſalah / und nach 
deme er ihn gezeuget hatte / blieb er in einem Goͤttlichen Le⸗ 
ben 300. Jahr / und zeugte Soͤhne und Toͤchter / daß fein gantz 
Alter war 395. Jahr: Und dieweil er ein Goͤttlich Leben 
fuͤhrete / nahm ihn GOtt weg / und ward.nicht mehr geſehen. 
Allhie hanget dem Moſt recht ver Deckel vor feinem Angeſichte / 
wegen der Menſchen Unwuͤrdigkeit; und deutet der Geiſt im 
Mofe klar / fo wir Augen des Verſtandes haͤtten / wann dieſe 
Geheimnuͤß ſollen offenbahr werden. 

31. Weil uns aber der Hoͤchſte durch ſeinen Rath ein ſolches 
— zu verſtehen / ſo wollen wir den unſern dieſe Geheim—⸗ 
nuͤſſe etwas außtwicklen / ſo viel wir ſollen / und das edle Perlein 
den Kindern zeigen / und doch auch ein Schloß vor den falſchen 
Hertzen / vor unſer Beſchreibung liegen laſſen: Aber den Unſern 
genug und gruͤndlich verſtanden ſeyn. 

32. Moſes deutet in den Linien in jedem Gradu nur auff eine 
Perſon / welche er in Die Lineam feßet / Dadurch der Geift der 
Wunder gehet. Darnach ſpricht Moſes: Und er lebte noch ei⸗ 
ne ſolche Zeit/und zeugte Söhne und Toͤchter / von welchen er fer⸗ 
ner nichts ſaget: Wil dadurch andeuten den Geiſt der Offen 
bahrungder Wunder GoOttes in jeder Linea: Ihr Alter dasder 
Geiſt ſetzet / deutet an die Zeiten / wie lang jedes Negiment/beydes 
des weltlichen und des geifklichen in feiner Faſſung ftehen wür- 
de / das ift fo viel gefaget / wie lange jede angehende Monarchia 
der weltlichen Herifchafft währen folte / ſo wohl auch der geift» 
lichen Monarchia. 

33. Und diefelben Monarchen der Wunder werden alfobala 
aus den erften Zweigen/ausdem Anfange des menſchlichen Bau⸗ 
mes dargeftellet / als in jeder Linea in ficben Zahlen von Adam 
durch Cain biß auff Samech / und in Der andern Linea von Adam 
biß auff Jared / durch welcher Zahl und Namen der Geift deutet 
in jeder Linea fonderlich auff fieben außgehender Eigeufchafft 
des Baums und der Krafft der Wunder ; wie fich die Kräffteder 
Runder würden hernach in Regimente einführen und wie eine 
Figur ausder andernentftchen würde; und wie cine die andere 
zerbrechen würde / und aus der Zerbrechung cine andere 5 

x⸗ 


v 


Cap. zo. Von der Lincades Bundes, 239 


darſetzen / wie denn im geiſtlichen und weltlichen Regiment ges 
ſchehen ift 5 Denn es wird allezeit das Weltliche unter dem 
Geiftlihen mit verftanden / denn das Auffere geformte Wort in 
dem Regiment der Natur ſetzet allegeit feine Form neben und an 
die geiftliche Formung: Darumb fo mercket alhie genau. 

34. Sieben Zeit find beftimmet aus dem Baume des Lebens / 
im Worte der Krafft. Dieerfte Zeitgchet aus dem reinen $e= 
ben Adams / denn vor der Creatur war das Sehen im Worte / da 
war esrein ins Bilde eingeführet/das währete big auff den Fall: 
Aus demfelben reinen Leben entfproffe im innern ein Zweig/ das 
war Habel/ weil ihme aber der Fall im Auffern anhieng / fo war 
daffelbe reine gehen Durch den Tod geführet in dic heilige Welt: 
Deutet das Reich Ehrifti an / der uns Dura) den Tod wieder ist 
das reine Leben einführen follte, 

35. Die andere Zeit fühet an mitdem Seth : Denn Mofes 
faget/ Adam war 230. Jahr alt / und zeugete einen Sohn der ſei⸗ 
nem Bilde ähnlich war/ und hieß ihn Seth; verftehet/ er war ein 
Bilde wie Adam nad) dem Falle war / und war in ver geiftlichen 
Wunder-Linea, und Gain darunterin einer weltlichen natürs 
lichen ABunder-Linea , denn beyde Neiche gehen mit einander z 
Seths Zeit währete biß an die Suͤndfluth / und fuͤhrete das Ober⸗ 
Regiment biß zur Suͤndfluth. 

36. Die dritte Zeit faͤhet an mit Enos unter Seths Zeit / und 
fuͤhrete ſich als eine geiſtliche Predigt oder Erkaͤntnuͤß GOttes 
unter Seths Zeit hindurch / als ein verborgen Reich / und waͤhrete 
biß an Abraham / welchem der Bund von Chriſto im Fleiſche be⸗ 
ſtaͤttiget ward. 

37. Die vierdte Zeit faͤhet an mit Kenan / welche iſt die geiſt⸗ 
liche Foru mit dem Gebethe und geiſtlichen Opffern / darinnen 
ſich das Wort in der Weißheit formete / und fuͤhrete ſich unter 
Seths und Enos Zeit hindurch / und offenbahrete ſich mit Moſe: 
Gleich wie ſich Enos Zeit erſt recht nit Abraham mit der Ver— 
heiſſung im Bunde offenbahrte: Dieſe Kenans Zeit waͤhrete in 
ihrer Offenbahrung und Herrſchafft unter Moſe biß auff Chri⸗ 
ſtum im Fleiſche. 

38. Die fuͤnffte Zeit faͤhet an mit Mahalaleel / und iſt die 
Faſſung der Engliſchen Form / als der neuen Wiedergebuhrt 
aus dem Bunde / und gehet unter der Predigt Enos / unter dem 
Seth undKenan verborgentlich im Worte der Verheiſſung hints 
Durch [durch alle drey Zeiten / und offenbahrete fich mit der Er= 
Füllung des Bundes in der Menfihheit Chriſti / da der rechte 

Mahalaleel und Englifche Bildnuͤß / welche in Adam verlofch / 
in Chriſti Menſchheit wieder effenbahr ward, 39·Die⸗ 


340 Bon der Linea des Bundes. Cap.zo. 


39. Die ſechſte Zeit faͤhet an mit Jared / das iſt das geiſtliche 
Prieſterthum unter dem aͤuſſerlichen / Da vonauſſen Seth / 
Enos / Kenan und Mahalaleel inihrer Ordnung warenlin ihren 
Zeiten / als die Predigt Enos von GOtt und ſeinem Weſen und 
Willen / ſo wohl die Predigt Abrahams vom Bunde und der 
Beſchneidung / auch Moſes mit dem Gefeß- Buche : Unter die— 
fen allen gieng der innnerliche Prieſter Jared verborgentlich hin= 
durch. Innerlich ift diefes geiſtliche Prieſterthum Chriftus im 
neuen Menfchen : und Aufferlich in den ſelb⸗erwehleten Prie⸗ 
ftern ift es Babel. 

40. Die fechfte Zeit hat fih im Reiche Ehrifti (nach der Apo⸗ 
fiel Chriſti Tode) angefangen alsihnen die Menfchen Lehrer 
‚aus Gunſt und ÄufferlichemAnfehen erwähleten / das ift / fie hat 
ſich allda zum erften aus der VBerborgenheit des Schattens er⸗ 
Öffnet/ und mit den fleinern Kirchen herfür gethan / da die Kirche 
anftatt des heiligen Tempels Ehrifti ſtundt / fo regierete ja ins 
nerlich in Chrifti Kindern der heilige Jared / als Ehrifti Stimme 
‚me/ aber. Aufferlich der Cherub mit dem Schwerde : Denn ders 
felbzerkohrnen Priefter aͤuſſerliche Gewalt den fie führen / ift 
Das Schwerd Cherubs / das in dem Namen Jared mitten im 
Worte inder Natur Sprache hindurch dringet. 

41. Diefe fechftezeit ift in ihrer Figur heimlich und offenbahr/ 
‚fie ift erfant worden und auch nicht erkañt worden: Denn. Chris 
ſtus ſprach: Mein Reich ift nicht von diefer Welt: Alfo hat 
Diefe Zeit müffen unter dem Antichrift verborgentlich hingehen / 
Da inmerlich in den Kindern GOttes iſt Chrifti Neich offenbahr 
worden; umd in den andern / welche auch unter diefer Zeit haben 
‚gelebet und ich auch Chriſten genennet/ ift nur Babel / und der 
Antichrift offenbahr gewefen/beydes im Priefter und feinen Zus 
‚hörern x Denn welche aus EHtt gebohren waren / die höreten 
den rechten Jared inihnen / als die Stimme Ehrifti ; die andern 
hoͤreten nur die aͤuſſere Stimme gu Babel/als von Chrifti Reich 
zancken und ftreiten. 

42. Denn aller Krieg den die Chriſten führen /das iſt das 
Schwerd Cherubs aus Babel: Dierechte Chriften führen kei— 
nen Krieg / denn fic haben das Schwed Cherubs in Chrifti 
Tode zerbrochen /und find mit Chrifto geftorben / und in ihme 
‚auffgeftanden / und leben nicht mehr der aufferlichen Macht und 
Herifchafft ; denn ihr Reich iſt in Chrifto offenbahr / und iſt nicht 
von dieſer Welt. 

43. Dieſes ſechſte Reich ſaͤnget an nach der Apoſtel Tode / 
nd waͤhret mit ſeinem auſſerlichen Regiment big an Er 

Zion 


Cap. zo. BonderLineades Bundes. 241 
Zion / biß der verzuͤckte Enoch im Geiſt und Krafft wieder er— 
ſcheinet: Denn Enoch iſt die prophetiſche Wurtzel / und haͤlt in 
feinem Regiment Noam / Moſen und das Schwerd Elixz: Am 
Ende der ſechſten Zeit faͤllet der aͤuſſere Jared / und mit ihme 
daſſelbe aͤuſſerliche Gebaͤu / als die Stadt Babel. 

44. Des Endes Zeichen ſtehet mit einer ſolchen Figur / 





und deutet an die Zeit /als da fich das dreyfache Creutz in der 
Stimme Henochs eröffnet / als eine Offenbahrung der ‚Heil. 
Dreyſaltigteit / dieſelbe in der a um Gleichnuͤß an allen 


+ 


242 Von der Linea des Bundes. Cap. yon 


ſichtbahren Dingen zu erkennen : Mehr deutets an die Uber⸗ 
windung des Schwerds Cherubs in Babel Ida der Gewalt der 
Stadt Babel fein Schwerd mit der Spitze unter fich kehret. 
Zum dritten deutets an die groffe Nuthe und Straffen uͤber Ba⸗ 
bel/ welche Ruthe ihren Bewalt mächtig über fich führet. Zum 
vierdten deutets an das grimmige Zorn- Feuer GOttes / welches 
das Schwerd und Ruthe verſchlingen ſoll. Dieſes wird das 
Eros det ſechſten Zeit ſeyn Das drey fache Creutz zeiget auch 
an die Zeit veng das geſchehen fol: Wenn das Keich Chriſti 
wird eine ſolche Zahl haben / ſo iſt Die ſechſte Zeit gantz vorüber. 

Die ſiebende Zeit faͤhet am mit Henoch / als mit dem pro⸗ 
hetiſchen Wunde: der deutet unter allen ſechs Zeiten dic heimliche 
Wunder GOttes / was geſchehen folte und führet ſich inter 
Noas /Abrahamg und of ecke hindurch / biß ins Reich 
Chritti/da wird derfelbe prophetiſche Geiſt in SEEN Ber ver⸗ 
zuͤcket / bißg zum Ende der ſechſten Zeit ſo offenbahret er ſich in 
der Zahl des dreyfachen Creutzes: Weñ ſich das dreyfache Creutz 
offenbahret / fo ſtehet Die rechte drey fache Cron auff dem Creutz: 
Als dann ſpricht der Henochianiſche Propheten⸗Mund die groſſe 
Wunder des dreyfachen Creutzes aus / das iſt / er redet nicht mehr 
Mogiſch / ſondern zeiget die Heil. Dreyfaltigkeit in der Figur / 
als das geformte Wort GOttes an allen ſichtbahren Dingen an / 
und offenbahret alle Geheimnuͤſſen innen und auſſen. 

49 Und iſt alsdann die Zeit / da Henoch und die Kinder uu⸗ 
ter ſeiner Stimme ein Goͤttlich Leben führen / welches das erſte 

‚Leben Heuochs cin Vorbilde war / und iſt alsdann ein ſeeliges 

und guͤldenes Jahr / biß Henochs letzte Verzuͤckung geſchicht / ſo 
iſt alsdann die Tutba gebohren / welche / wann ſie ihr Feuer ans 
zuͤnden wird / die Tenne gefeget werden ſoll / denn es iſt das En⸗ 

de aller Zeiten. 

Benoch hatte Methufalah / als den Menſchen des hoͤch⸗ 
ſten Alters gezeuget / und iſt hernach nach zoo. Jahren verzuͤcket 
worden: Das deutet an / daß der Geiſt / welcher in Henoch einen 
Zweig nuit dem Methuſalah aus fich außführete/ welcher das 
ſoll im letzten und hoͤchſten Alter regie⸗ 
ren / ünd ſich unterdeſſen vor derſelben Zeit verbergen / und gleich 

als wie derzuͤcket bleiben gleich wie Henoch verzuͤcket ward / 

und ward nicht mehr geſehen. 

48. Seine Verzuͤckung iſt nicht ein Sterben geweſen / oder 
eine Ablegung der Natur und Creatur / ſondern er iſt ing My- 
fterium getretten zwifchen die geiftliche und aͤuſſere Welt /als 

ins 


h Cap. zo. Von der Lineades Bundes. 243 


ins Paradeiß / und iſt die prophetiſche Wurtzel aus dem Stat 
Adams in der Bundes Lines, aus welchen Geiſte hernach der 
prophetifche Mund geredet hat. 

49. Diefer Geift ift in der lebendigen Stimme Chrifli/ als 
diefelbe aus dem Fleifche redete / verzuͤcket worden / und muſte 
ſchweigen / big Jareds Stimme vollendet wird / ſo gehet er aus 
feiner erften Wurgel wieder herfür durch alle Stimmen] als 
durch Noahs / welcher die Suͤndfluth des Zornes über Babelver- 
kuͤndiget und durch Noahs Stamm und gantze Auzbreitung 
feines Baumes durch alle Linien „als durch die Heydnifihe / Ja⸗ 
shitifche/und durch Sems Linea auff / und durch Abrahanıs und 
Rimrods/der Kinder zu Babel/ und durch Mofen und dic Pro⸗ 
pheten; und letzlich Durch die Stimme des geoffenbahrten Worts 
im Geifte Chriſti / und offenbahretalle Heimligkeit des Baumes 
8:5 Erfäntnüg Gutes und Böfts. 

50. Denn duch feine Stimme werden alle obgemelte Stim⸗ 
men der Wunder⸗Linien, daraus die Neiche der Welt ſeynd 
entftanden/in eine Stimme und Erkaͤntnuͤß verwandelt/ und in 
ein Reich / als in den erften Baum Adams verfeger / der heiffee 
nicht mehr Adam / fondern Chriftus in Adam : Alle Bölder 7 
Zungen / und Sprachen hören diefe Stimme/denn es iſt das erſte 
Wort / daraus das Leben der Menſchen herfuͤr kommen it x 
Denn alle Wunder kommen im Worte wieder zuſammen in ein 
Corpus, und daffelbe Corpus ift Das geformte göttliche Wort 
welches fich erftlich Hat mie Adam in einen einigen Stamm eina 
gefünret /umd durch ihn im einen Baum vieler Ziveige/Xefte und 
Früchte / zur Beſchauligteit der Goͤttlichen Weißheit in dem 
— undern der Kraͤffte / Farben und Tugend / nach Boͤſen und 

uten. 

sr. Dieſer hohe Vaum bloͤſſet und verklaͤret ſich mas er im 
der Zeit geweſen iſt / und was er ewig feyn wird; undin feiner 
Entbloͤſſung thut Moſes ſeine Decke weg / und Chriſtus ſeine 
Gleichnuͤß in feiner Lehre: So ſpricht der prophetiſche Mund 
dieſes Wunder-Baumes in Goͤttlicher Krafft alle Stimmen 
der Kraͤffte des Baumes aus / dardurch Babel ſeine Endſchafft 
nimmt / und das iſt Wunder: Und in demſelben Wunder ſte⸗ 
= alle Zahlen und Namen offenbahr / und das fan Niemand 
wehren. 

52. Denn das Verlohrne wird in dem Geifte der Buchſta⸗ 

- ben wieder funden / und die Geifte der Buchflaben in dem ge» 
formen Worte der Creation; und * ter Creation wird ir 
MN 5 3 


244 Von der WunderLinea Gap. zr. 
den und erkannt das Weſen aller Weſen; undin dem Wefen 
aller Weſen der ewige Berfland der Heil. Drepfaltigfeit / als? 
Dann hören auff die Streite umb die Erfäntnüg Gfttes feines 
Weſens und Willens: Wenn fich die Aeſte werden erkennen 
Das fie im Vaume ſtehen / fo werden fle nimmer fagen / ſie find ei⸗ 
gene Vaͤume / ſondern fie werden fich in ihrem Stamme erfreuen/ 
und werden ſehen daß ſie alleſambt nur Aeſte und Zweige eines 
Baumes ſind / und daß ſie alleſambt Krafft und Sehen aus einem 
einigen Stamme haben. 

53. Und allhie ſoll Mofes der Schafe hüten) und ein 
jedes Schaf iffer feine eigene Wende / darumb merdet 
wann dieſes nahet zu geſchehen / fo verfimdiget NOAH 
die Suͤndfluth / und ELIAs führet das Feuer-Schwerd 
über das falſche Iſrael; und die Turba im Feuer des 
Grimmes verſchlinget den wilden Baum mit denFruͤch⸗ 
tenund Aeſten: Das laß dir gefager ſeyn Babel. 
54. Denn von Sensihs Göttlicher Zeit ıft ung die 
Sprache benommen/ weil das Babel nicht wehrt ift/ 
auch nicht ſchauen ſoll / fo wohl auch die Zeiten der Alter 
zu eneblöffen / welcher Zahl in der Lilien Roſen offen fie: 


hen foll. i 
Das 31. Capittel. 
Bonder Wunder:Linea aus Henoch. 
L Dr Ofes fchreibet: Henoch zeuget Methufalah : Dies 


fer Name Heiffer in der Natur⸗ſprache alfovicl / 

als eine außgehende Stimme / welche den Geift 

Enochs andentet : Welche Stimme fich in cin 

Corpus fafjet/ alsindie Natur/und gehet in ſtar⸗ 

cker Macht durchs Wort aus ; und wenn das gefafte Wort aufs 

gegangen ift / ſo beſchauet fihs : Denn die Sylbe (SA iſt ein 

feuriſcher Schein s und die Sylbe ( LAB ) iſt das außgegangene 

Wort / das befchauet die Eigenſchafft was vor ein Ens das fey / 

darinnen lich Das Wort habe gefaffet: Der Göttliche Hall be⸗ 

ſchauet fich in dem wenſchlichen Ente und Worte / wie don der 

freye Wille aus menfchlichem Ente habe den Göttlihen Hall 
bder Hauchen in eine Form des Geiftes eingeflihrer. 

2. So fpricht nun Moſes: Und Methufalah zeugte Lamech: 

Der Geiſt aus Methuſalah führere fich nun aug dem Ente im 

seinen 





Qapzr. aus Henoch. 24$ 
einen andern Zweig / und hieß ihn Lamech / als eine Beſchauung 
des groflen Schadens / dag der menfihliche Ens verderbet wäre? 
Denngleich wie der Samech in Cains Linea den Schaden der 
Verderbung auffprach / und fagte vonder fieben und ſiebentzig⸗ 
fachen Rache über den freyen Willen / welcher das Leben ver⸗ 
derbte: Alfo auch allyie ſprach der Göttliche Geift s der menſch⸗ 
liche Ens ift Lamech / das iſt / der Schaden iſt zu groß / und ſchwe⸗ 
bet oben: Ob gleich der ſtarcke Athem SOttes in Methuſalah aus 
dem Prophetiſchen Halle ausgieng/fo formte fich doch das Ens in 
der Fortpflantzung in der verderbten Natur in Larmech / das iſt / in 
der zween Willen/wie Moſes ſaget: Der erſte Lamech in Cains 
Linea habe zwey Weiber genommen / als Ada und Zilla: Alſo 
wolte es auch allhie nicht anderſt ſeyn. 

3. So ſpricht num Moſes: Und Lamech zeuget Noan: Mit 
dieſem Namen gehet der Geiſt aus dem Schaden Lamechs ins 
Ende der Zeit / und fuͤhret das Ende in Anfang: Denn Noar 

heiſſet in der Natur⸗ſprache Ende und Anfang : So findet der 
Geift im Ende das heilige Wort das fich hatte im Bunde ein⸗ 
verleibet/ und fpricht : Diefer wird uns tröften in unferer Mühe 
und Arbeit auff Erden / die der HErr verfluchet bat. 

4. Dann der Troſt der Menſchen ſolte aus dem Anfange und 
Ende kommen / denn im Anfang iſt und war das Wort GOttes / 
das iſt aller Dinge Anfang / und im Ende iſt auch das Wort GOt⸗ 
tes / das iſt aller Dinge Troſt / daß die Creatur ſoll von der Eitel⸗ 
Feit erloͤſet werden; dahin ſah der Geiſt / und ſagete: Dieſer (da 
meynete er das Wort das ſich wolte in der Menſchheit offen⸗ 
bahren ) wird uns troͤſten in unſerer Muͤhe auff Erden / die der 
HErr verfluchet hat; Denn Noan konte die Menfchen nicht trö> 
feenjdent er predigte ihnen die Straffe und den Untergang : Aber 
der im Anfang und Ende war/der tröftete die Menfchen in ihrer 
Mühe auff Erden/ die fie im Sluche und Zorn GOttes hatten. 
5. In diefem Namen Noan fichet der Geift in Lamech für 
ſich ins Ende / und hinter fih in Anfang / und faffer fich im An⸗ 
fang und Ende in eine Form / und heiffet diefelbe No a n,dasift/ 
‚ein Kaften der Wunder / wasim Anfang um Ende / undinder 
gangen Zeit wäre ; und führet denfelben Geift der gangen Form 
durch Noah aus in dreyerley Zweige / welche aus dem Baume 
der Wunder / als aus dem Prophetifchen Ente des Enochs / in 
suenfchlicher Eigenfchafft außgiengen / und davon faget Mofts : 

Und Noah zeugete Sem / Ham und Japhet / Das waren die drey 
Zweige der andern Monarchia ; darunter uns treffliche Ge⸗ 
heinmuͤſſe zu verfiehen fine, 83 6.8 


2466 Von der Wunper-Linea Cap 31. 


6. Sem heiffet eine außhauchende Göttliche Suft aus der 
PBundes-Linea, aus dem Leben des Menfchen und eine Faffung 
Der Suft/als ein Fuͤrbilde deffen / was unter der Luſt verkorgent- 
lich hernach drang: Deuter an die Menſchheit Chriſti imgFleiſche / 
deſſen Fuͤrbilde war Sem / als ein Fuͤrmodelung in derſelben 
Luſt / in welcher Luſt auch hernach der Bund mit Abraham ge⸗ 
machet ward von dem Weibes⸗Saamen / darinnen der Seegen 
erſcheinen ſolte. 

7. Den andern Zweig hieß der Geiſt Ham / das heiſſet ein 
ſtarck Hauchen aus dem Centro der Natur / und ein grob Faſſen 
in ein Fleiſch: Das deutet an den irrdiſchen / natuͤrlichen / fie iſch⸗ 
lichen Menſchen / welches den Sem in ſich gefangen haͤlt / als den 
ännern Menſchen / welcher vom Tode aus der Erden auffſtehen 
Toll: Verficher den Menfchen aus dem Limo des guten Theils 
Der Erden/ welcher in Sem in die Göttliche Luſt gefaffet ward. 

8. Nicht verftchen wir dadurch den gang geiftlichen Men 
Shen / der nur als ein Geiſt ift / fondern den aus dem Limo der 
Erden des guten Theils/ der in dem Ham / das iſt / in dem groben 
shierifchen Fleiſche gefangen Fieget/umd ohne die Goͤttliche Luſt als 
pie tod ift/ welchen der geiftliche Ehriftus/als der gan geiftliche 
Wenſch follam Ende der Tage im Noah / das ift (aus dem Ans 
fang und Ende )anzichen: Diefen verborgenen Menfchen vers 
ſchlinget fein grober irzdifcher Bruder Ham /als das grobe irr⸗ 
diſche Fleiſch / das kein nutze ift. ( Joh. 6.) 

9. Und aus der Luſt des Sems entfpringet der dritte Zweig 
aus dem Centro der Natur / da fich die Göttliche Luſt Durch die 
Natur ſchauet / dehn hieß der Beift Japhet/das ift in der Natur» 
ſprache ein Anhenckel des Sems / eine Gebuhrt aus Cains Wun⸗ 
der⸗ Linea, da ſich tie Göttliche Luſt durch die Natur im cine 
Form der Wunder Goͤttlicher Weißheit einfuͤhret / mit Sem in 
eine Beſchauligkeit der geiſtlichen Wunder in der Heiligkeit 
GHttes / und in Japhet in ein natuͤrlich Wunder / als im den 
Septenarium der ewigen und zeitlichen Natur ; verſtehet in eine 
Form des fiebenfachen Rades oder Lebens⸗Geſtaͤltnuͤ ß / in wel> 
chem Lebens⸗Rade der Geiſt GOttes außſiehet als ein Blitz der 
Wunder. 

10. Sem iſt ein Bilde der Liecht⸗Welt / und Japhet ein Bilde 
Der Feuer⸗Welt / da das Liecht durchſcheinet: Japhet ein Bilde 
des Vatters / und Sem ein Bilde des Sohnes: Aber Ham iſt 
sin Bilde der aͤuſſern Welt. *8 

Br, Denn in den drey Bruͤdern ſtund das Fuͤrbilde en 

* ende, IRA 9 A 


Eap-3 r aus Henoch. '247 


Principien / und zeiget an die andere Monarehia, biß ans Ende 


der Welt / was vor Menſchen würden hinfort die Welt beſitzen / 
als eine geiſtliche Welt / und eine nat uͤrliche Welt der Wunder / 
und eine thieriſche Welt der Thorheit 2 Das find dreyerley 
Menſchen / als aus Sems Gefchlechte kam Iſrael; und aus Ja⸗ 
phets die Heyden / welche ſich im Liechte der Natur regiereten / 
Sems aber im Bunde und Worte GOttes; der Ham aber in 
thieriſcher / viehiſcher Eigenfcharft/ über welchen auch der Fluch 
GOttes infeinem Vatter Roah durch den Geift gieng; dann 
Chriſtus ſagte / das Fleiſch und Blut fol GOttes Reich nicht 
erben. 

12. Und Mofes fpricht nun weiter : Da fich aber die Menſchen 
begunten zuanchren auff Erden / und zeugeten ihnen Toͤchter / da 
ſahen die Kinder GOttes nach den Toͤchtern der Menſchen / wie 
fie ſchoͤne waren / und nahmen zu Weibern / welche fie wolten: 
Da ſprach der HErr: Die Menſchen wollen ſich meinen Geiſt 
nicht mehr ſtraffen laſſen / denn ſie ſind Fleiſch: Ich wil ihnen 
noch Friſt geben 120. Jahr. Allhie hat Moſes abermahl den 
Deckel fuͤr ſeinen Augen / denn er ſaget: Die Kinder GOttes 
haben nach den Töchtern der Menſchen geſehen nach ihrer Schoͤn⸗ 
heit / und haben zu Weibern genommen / welche fie wolten / und 
haben ſich ſeinen Geiſt nicht wollen ſtraffen laſſen. 

13. Dieſes heiſſet fo viel: Die Kinder GOttes in welchen 
ſich GOttes Geiſt offenbahrete / die ſahen in Fleiſches⸗Luſt nach 
fleiſchlichen Weibern / ob fie gleich Hams Arth waren ohne GOt⸗ 
tes Geiſt / wenn ſie nur ſchoͤne waren zu ihrer Fleiſches⸗Luſt / fo 
führeten fie den Saamen des heiligen Entis in folche thierifche 
Gefäffe/ und gebahren hernach ſolche Iyrannen und fleiſchlich 
gefinnete Menfchen / welche fich den Geift GOttes nicht wolten 
ftraffen laſſen / denn fie waren. nur Fleiſch ohne Göttlichen Geift 
und Willen, 

24. Sie ſolten fihnicht mit den viehiſchen Töchtern miſchen / 
fondern nach dchnen fehen / in welchen der Geift GOttes wäre/ 
welche GOtt fürchteten und licheten / fo fahen fie auff Augen= 
und Fleiſches⸗ Luſt / und verderbten der heiligen Ens im Bunde / 
im welchem ſich GOtt hatteeinverleibet : Uber diefe klaget allhie 
der Geift / fie wolten fich nicht meifen laſſen / fondern folgten des 
Sleifches Luft. 

25. Diefen Spiegel —* wir fein an Sem / Ham und Ja⸗ 
art: Daß dehme alſo ſey dag der Geiſt nicht wolte haben / daß 
ſich Die Kinder GOttes sa Eure Neuſchen milden 

— ent 


9 


248 Von der Wunder inea Cay.zr 


denn nach der Suͤndfluth theifete der Geiſt die drey Brüder in 
drey EN und wolfe dag cin jedes Befchlechte bey dem 
feinen bliebe, PR 

16. Denn darumb Fam auch die Suͤndfluth auff Erden / daß 
fie die ſe vermifchte Voͤlcker verderkte / und hernach eine Entſon⸗ 
derung unter ihnen machte/nach Arth der drey Principien/dag ei⸗ 
ne jede Eigenfchafft feinen Ehor und Lineam in der Natur der 
Wundern beſaͤſſe /aber es wolte noch nicht helffen ; So entſchei⸗ 

dete fie doch endlich der Geift mit Berwirrung der Sprachen zu 
Babel / day fie doch in eine Theilung kamen / denn die Eigen» 
fharften des Baumes theileten ſich Damahls in fieben und fie= 
bentzig aus / als in das Wunder der Natur des geformten Worts. 

17. So ſpricht num Moſes: Da aber der Hr: ſahe daß 

der Menſchen Bofheit groß war auff Erden / und alles dich» 
ten und trachten nur böfe war auff Erden in ihrem Hertzen 
immerdar [Da reuete es ihn / daß er die Menjchen gemacht 
hatte auff Erden] und es bekuͤmmerte ihn in feinem Hertzen / 
und fprac) : Ich wil die Menſchen die ich gefchaffen babe 
vertilgen von der Erden / von den Menfchen biß auff daß 

Viehe und Gewuͤrme / und allesGevögel unter dem Himmel; 
Denn es teuer mich / daß ich fie gemacht habe, Dieſes find 
Wunder⸗Reden / daß der Geift faget/ es reue GOtt daß erdie 
Menſchen und Creaturen gemacht habe: Wer wolte das verſtehen 
vhne Goͤttliche Erkaͤntnuͤß / daß den unwandelbahren GOtt etwas 
gereuen ſolte / fo würde die Vernunfft ſagen: Hat ers dann nicht 

vorhin gewuſt was es werden ſolte; Wie mag ihn ſein Willen 
reuen der er ſelber iſt? 

18. Allhie muß man ins Centtum gehen. In Gogtt iſt Fein 
gereuen | ihn kan nichts gereuen: Aber in feinem außgeſproche⸗ 
nen geformten Worte iſt ein Reuen / denn es reuet das geformte 
Wort in Teufſeln / daß aus einem Liechts-Ente ein Ens der Fin— 
ſternuͤß worden iſt: Es reuet den Teuffel daß er nicht ein Engel 
blieben iſt. Item: Es reuet den gottloſen Menſchen ewig / daß 
er in Goͤttlichem Ente, int geformten Worte geſtanden iſt / und 
hat die Krafft des Worts in Boßheit verwandelt : Alfo iſt ein 
Reuen im geformten Worte in der ratur über alle Geſchlechte / 
daß die Eigenfchafft des Grimmesim Fluche des Zornes / im ge> 


formten außgefprochenen Worte herifchet: Es reuet das Liebe⸗ 


Ens aus dem Worte daß der Teuffel und Grimm in ihme herr⸗ 
ſchet und viel verderbet. 
19 Wenn nun Gott ſpricht / es reue ihn / fo verfichet gi 
2 ie nA 





Gap.zr. "aus Henoch. 249 


stach der Creation des gefermten Wortes : Nicht nach dem ewig 
ſprechenden Worte / welches unwandelbahr iſt / fondern nach der 
guten Eigenfchafft in der Creation, daß fie foll mit der böfen 
über ihren Willen befaden feyn ; denn der Beift faget in Mofe : 
Und es habe ihn bekuͤmmert in feinem Herken : Ja wohl recht 
hat es ihn in feinem Hertzen befünmerk : Der gute Ens der Erz 
den der mit in eine Compact on gegangen ift/ der ift aus der 
geiftlihen Welt Eigenfchafft aus dem heiligen XBorte/ der ward 
in der Sünde im Tode gefangen /und in der Erden im Fluche 
verſchloſſen. Jetzt reuete es das geformte Wort / und bekuͤm⸗ 
mierte das ewwig-fprechende Wort / als GOttes Hertze. 
20. Denn unſer Seele ſchreyet in GOttes Hertze / als in das 
ewig⸗ ſprechende Wort / und beweget oder bekuͤmmert daſſelbe / 
dag ſich daſſelbe nach feiner Siebe ſoll in uns bewegen. Jetzt 
wuͤrcket das menſchliche Wort im Goͤttlichen / und bekuͤmmert 
das Goͤttliche / daß das Goͤttliche in unſer Suͤnden⸗Reuen ein⸗ 
gehet / und huͤlfft uns unſere Suͤnden reuen: Denn der Geiſt 
bey Moſe ſagte / als Lamech den Noah gebahr: Dieſer wird uns 
troͤſten in unſerer Muͤhe. 
21. Das war nun der Geiſt des Anfangs und Ende aller 
Dinge / dehn reuete durch die Natur der Menſchen Boßheit / und 
das Gefaͤngnuͤß der Eitelkeit der Creaturen / und wuͤrckete Buß 
in das heilige ewig-fprechende ABort : Der Geiſt im geformten 
Norte der ganken Creation dieſer Welt ſprach: Es reuet mich / 
daß ich mich habe in eine folche böfe Eigenfhafft in den Creatu⸗ 
ren eingeführet z Und wuͤrckete Buffe in das lebendige ewig⸗ 
fprehende Wort) daraus das außgefloſſene geformte Wort war 
aufgegangen. 
22. Denn dag dehme alſo wäre / fonchmen wir uns. cin Er» 
einpel an unferer Buſſe: Wir können keine Buffe wuͤrcken / es 


reue dann unfern inner Seelen-Menfchen /dag er ns Thier . 


der Eitelkeit in fich geſchaffen oder gebohren habe : Soll es ihn 
aber reuen / fo muß fein geforntes Wort in GOttes Herge ein⸗ 
fallen und dasfeibe bekuͤmmeren / und in ihme bewegen ; und ſo 


das num geſchicht / fo komt alsbald die Suͤndfluth über den boͤſen 


Menfchen des eitelen Willens / der mug alsbalde in feinem 
Neuen im Worte des Todes erfanffen : Da reuet es GOtt im 
Menſchen / daß das böfe Ihier voll Suͤnden⸗Begierde gebohren 
iſt / und in derſelben Göttlichen Reue muß es in GOttes Liebe 
erſauffen / und des grimmen boͤſen Lebens und Willens ab> 


erben. 
J—— 23.88» 


250 Von der Wunder Linea Kap.zr. 


23. So verſtehet nun GOttes reuen in dem Geſchoͤpffe der 
Creaturen recht: Der Geiſt in der gantzen Creation / in allem 
Leben das im Fewer und Lufft lebet / ſprach: Es reuet mich / dag 
ich dieſes Bilde der Eitelkeit an mic) habe figuriret; und dieſelbe 
Reue des geformten Geiftes im ausgefprochenen Worte be> 
kuͤmmerte / das iſt bewegte das ewigfprechende Wort in ihme: 
So ſprach das ewige Wort: Ich wil ihnen noch friſt geben 
120. Jahr / denn alfolange waͤhrete noch die Zeit im Reguͤnent 
des Geiſtes Seths / alsdan ſoll die Turba in allem Fleiſche unter⸗ 
gehen: Dan dieſes reuen war anders nichts / als daß das Wort 
am Bunde der Menfchen Elende und Eitelkeit reuete / und wolte 
Die Menſchen aus dem Wunde durch Noam troͤſten / welcher 
Zroft fich in Abraham) alsin Ehos Eröffnung erft eröffnete. 

24. Denn der Troft gieng in der Bundes-Linea fort / und er⸗ 
oͤffnete ſich mit feinem Zweige in feinem rechten Ziehl: denn 
GOTT hat alle Dinge in ein Ziel geſchloſſen / wenn jedes Ding 
geſchehen ſoll; und aus dem Troſte des bewegenden Worts im 
Bunde kam das Urtheil / daß der alte Adamiſche Menſch mit allen 
ſeinen Begierden und Luͤſten ſolte im Bunde / wenn ſich der wuͤr⸗ 
de im Fleiſche eroͤffnen / im Blute derſelben neuen Meuſchheit 
Chriſti erſauffen und erſterben; und ſolte aus dem Troſte des 
Bundes aufſtehen ein neuer Menſchlicher Geiſt und Wille / der 
an Gerechtigkeit und Reinigkeit lebete; deſſen war die Suͤnd⸗ 
fluht ein Fuͤrbilde. 

25. Denn das acforınte Wort im Leben kam die Neue aus 
dem Bundean/ und darum weil daffelde Wort der Eitelkeit 
reuete / fo mufte auch die Eitelkeit der Creatur erſauffen; denn 
Der Wille im Bunde gieng aus der Eitelkeit aus / und bekuͤm⸗ 
merte das Leben GOttes / und bewegte die Matrix der Natur in 
des Waſſers Gebuhrt / und erſaͤufte den feuriſchen Grimm in 
der Fewers⸗Natur. 

26. Es klaget aber der Geiſt ſonderlich uͤber die Menſchen 
deym Noah / Über die Sodomitiſche viehiſche Luſt ſeuche des Flei⸗ 
ſches / als uͤber Unzucht und Geylheit: und zum andern uͤber die 
Gewaͤltigen und Tyrannen / welche ſich haben in eigener Luſt 
herfuͤr gethan / und geherrſchet / und nicht mehr wollen den Geiſt 
Gottes in ſich laſſen herrſchen / daß ſie ſich hätten ſelber ohne 
Herrſchaft gezwungen: Diefesalles war ein Eckel vor GOTT 
und reuet den Geiſt im geformten Worte / daß er ſolche boͤſe 
Thiere gebohren hatte / und wolte derer nicht mehr. 

27. Eben derſelbe Prophetiſche Geiſt / deſſen — ſich r. 

a 2 ine 


Cap. 31. aus Henoch. 251 
Henoch eroͤffnete / welcher beym Henoch ſeine Lineam fortrieb 
mit feinen Zweigen / der beym Noah der Menſchen Boßheit 
reuete / und fie mit der Suͤnd⸗fluth erſaͤuffete: Der iſts der 
jetzo auch der groffen Sünden und Eitelkeit ver Men: 
ſchen reuet / denn fein Mund ift ihme anjetzo anfgethan/ 
er iſt im Geiſte Chriſti verzuͤcket geweſen: Nun reuet 
das Wort das Menſch ward der Menſcben Eitelkeit 
und Boßheit / daß firh feine Kinder des neuen Bundes 
nicht mehr wollen faffen ven Geiſt Christi ziehen: Go 
komt derſelbe —rzer Mund anjetzo herfuͤr / denn 
es iſt die Zeit feiner Offenbahrung | und verkuͤndiget die 
grofe Sintfluth GOttes Zornes | und das Fewer— 
ſchwerd Elie , welcher auch ins Mylterium verzucket 
ward / denn er foll fein Schwerd in der Turba führen. 

28, Das laß dir Babel geſaget ſeyn / er klaget maͤch⸗ 
fig über deine viehiſche Unzucht und Tyramney deiner 
eigenen genommenen Geroalt | damit du ſtoltz und gen! 
biſt / und pa dich damit in GOttes Regiment geſetzet: 
Er wil dich in deiner Tyranney und viehiſchen Unzucht 
mit Fewer des Zornes erfaͤuffen: Weil du nicht wilſt 
deiner Eitelkeit reuen! fo reuet ex durch dich mit der 
Turba und wil deine Turbam erfäuffen } auff daß fein 
Reuen in ſeinen Kindern offenbahr werde / und auch fein 
Troſt der Erquickung ans ferner Reue offenbahr werde. 

29. Denn ohne GOttes Reuen iſt in uns keine rechte Reue 
über die Eitelkeit / denn der natürliche Geift begetzret nicht zu 
reuen; und koͤnte er noch grinmmiger und boͤſer ſeyn / ſo liebte er 
ſich darinnen / denn es iſt des Natur⸗geiſtes Stärke und Macht; 
aber das Wort GOttes das ſich in der Schoͤpffung hat mitin 
das Menſchliche Ens zu einem Fräfftigen Leben eingegeben / daſſel⸗ 
be fo es beweget wird / das reuet dag es ein ſolch boͤſes Thier in der 
geformten Natur an ſich hat / das ſpricht: Es reuet mich / daß 
ich das Boͤſe Thier in der Natur geſchaffen habe. 

30. Aber dieſe Reue iſt nicht eine Reue zur Nichtigkeit / daß 
er der Cregtur nicht mehr wolte / ſondern es iſt eine Reue / die 
GOttes Herse I als das heilige Göttliche Wort bekuͤnmert und 
beweget / und ſetzet dem natuͤrlichen Geiſte eine Zeit zur Buſſe / 
daß er ſoll in die Goͤttliche Pens wo aber nicht / ſo he 

erden 


252 Von der WunderLinea Gap.zr. 
‚er den natürlichen Geiſt in feinem böfen Willen und Weſen 
erſaͤuffen / wie bey ver Suͤnd⸗fluth geſchahe. 
3. GOTT ſprach: Die £rd: iſt verderbet / und voll 
Frevels / und alles Sleifches Ende iſt für mich kommen / 
ich wil fie vertilgen. Allyierift abermahls ein groß Geheim⸗ 
nuͤß / aß GOTT fagte: Die Erde wäre vor ihme verderbet/alles. 
Fleiſch hatte feinen Weeg verderbet / die Erde ſey voll Frevels 
von ihnen vor ſeinen Augen: Die Erde war vorhin beym Cain 
nach der Eitelkeit Eigenſchafft verfluchet worden: Nun ſagte er 
‚aber auch an dieſem Orthe / alles Fleiſch habe ſeinen Weeg ver⸗ 
derbet / es ſey alles Fleiſches Ende vor ihne kommen. Dieſes iſt 
nicht ſo ein ſchlecht Ding wie man es anſehen wil / denn der Geiſt 
klaget uͤber alles Fleiſch / es ſey alles eitel vor ihme worden / und 
ſey voll Frevel. 
32. So ſpricht nun die Vernunfft: Ein Thier ſuͤndiget nicht/es 
thut nach ſeiner Natur Eigenſchafft; was mag ihm Frevel zuge⸗ 
zehlet werden: Alſoweit kommet die Vernunfft / mehrers weiß 
fie nicht / verſtehet auch nichts vom goͤttlichen Geheimnuͤß: Sie 
verſtehet nichts vom geformten Worte / das ſich durch die Natut 
der Zeit hatgeformet: Sie ſaget nur / GOtt hats geſchaffen / und 
betrachtet nicht daß alle Ding ſind im Worte geſchaffen / daß ſich 
Das Wort habe in ein Ens eingefuͤhret und compactiret; Sie 
wil auch nichts von der ewigen geiſtlichen Natur Goͤttlicher 
Affenbahrung wiſſen / ſie verſtehet nichts vom Grunde oder Ur⸗ 
ſtande der aͤuſſern ſichtbahren Welt mit ihren Creaturen / wenn 
ſie ſaget: GoOtt hat alles aus nichts gemacht / fo meynet ſie / fie 
babe cs ausgeſprochen / und iſt doch gantz blind und ſtumm daran: 
. Sie fihet nur die aͤuſſere Farbe an / und weiß nicht woraus die 
herkommen: Alſo iſt ſie nur in einer auſſerlichen Farbe gelehret / 
und ſchwaͤtzet von einem Gemahl⸗-wercke / vonder Huͤlſe; und 
vom Ente, davon die Farbe urſtaͤndet / iſt ſie ſtumm, 
33. Der Geiſt klaget über alles Fleiſch auff dem Erdbodem / 
was in Lufft und Fewer lebet: Die aͤuſſere Natur in allem Le⸗ 
ben haͤtte ſich verderbet / und das geformte ausgeſprochene Wort 
in ein Ens der Eitelkeit gefuͤhret / das war der Frevel und eigene 
Muhtwill des natuͤrlichen Lebens: Der Geiſt der Natur der 
im Fewer ſei en Urſtand nimt / hatte ſich in feiner feuriſchen 
Eigenſchafft erhebetaund in ein grimmes Leben eingefuͤhret / und 
ſich biß ans Ende der Sanfftmuht getrieben. 
34. Denn der Teuffel war ein infliegender Fuͤrſt in des 
Grimmes Eigenfchafft / welcher dem Centro der anffern Natur 
m 





Cap. 31. ansKHenoch. 253 

inder Fewers Matrice hatte Urfache gegeben / und nicht allein das 
natürliche geben der Menſchen verderbet / fondern auch Die Crea⸗ 
turen: Denn er bewegte die Menfchen im Zorne GOttes / welche 
die Creaturen zu ihrem Dienfte und Speife brauchten/ dab auch 
der Fluch und die Eite keit in allem $eben offenbahr ward/dag der 
Mensch in allem feinem Wandelim Zluche und Eitelkeit ftund/ 
und kam inder Eitelkeit im Fluche big an den Abgrund /alsans 
Ende diefer Welt: Darum ſprach der Geift: Alles Fleiſches 
Ende in ihrem Frevelift fuͤr mich kommen; Alles Leben hatte ſich 
durch des Menfchen Eiteffeit ander aͤuſſern Natur Ende ge> 
bracht/ und ſtund der Schlund des Grimmes inder Ratur offen / 
und wolte alles im Grimme verfihlingen. i 

35. Denndas Reich GOttes Zorneszals die finftere Welt in 
ihrer Eigenfhafft/ hatfich empor geſchwungen / unddas gute 
Theil der Natur ans Ende geführet : Darum bewegte oder reuete 
das geforınte ausgefprochene Wort durch alles Sehen diefer Ei> 
telkeit / daß es den Ekel an ſich ragen folte/und ſprach: Es wolte 
die Gebaͤhrerin der Eitelkeit aus der Fewers-Mutter mit Waſ⸗ 
fer vertilgen / und ihr den Gewalt brechen. 

36. Denn vor der Suͤnd⸗fluth iſt die Fewer-⸗wurtzel maͤchti⸗ 
ger geweſen / als die Waſſer-wurtzel / und ſolches vom Urſtande 
der feuriſchen Bewegung / als in der feuriſchen Eigenſchafft das 
Fiar geſtanden / und die Erde und Steine compactiret: Da iſt 
ein groſſer Grimm in der Natur geweſen / und ſolches von der 
Ausſtoſſung oder Verwerffung des Hierarchen Luciſers indie 
Finſternuͤß. 

37. Und allhie mit der Suͤnd⸗fluth ift der grimmen Fewers⸗ 
wurtzel im Centro der Natur der Gewalt genommen worden: 
Denn des geformten Worts Reuen war andersnihts/ alsein 
Fürbilde Chriſti / da das ewige lebendige göttliche Wort in men⸗ 
ſchlicher Eigenſchafft / in dem geformten Creatuͤrlichen Worte 
unſer Suͤnd und Eitelfeitrenete/ und derſelben Eitelkeit in ſei⸗ 
nem Tode in der Creatur abſtarbe / und das geformte Creatuͤr⸗ 
liche Wort in menſchlicher Eigenſchafft mit goͤttlichem Waſſer 
der Liebe und Sanfftmuth in dem heiligen himmliſchen Blute 
erfauffete, 2 

38. Alfo auch an diefem Hrthe reuete das geformte Wort dar 
Eitelkeit der Creaturen daß lie damit beladen wären / und fuͤhre⸗ 
te das Leben aller Creaturen in Tod / und bewegte in ſeinem Reu⸗ 
enden Sanfſtmuht des Waſſe r⸗quaͤlles in der Ratur / daß ſich 
auffthaͤten alle Brunnen der Tieffe wie Moſes ſaget / und ver⸗ 

87 bdlans 


- 


254. Von der WunderLinea ꝛc. Cap.zr. 
ſchlang den Fewer⸗quaͤll im Waſſer: Das deutet dem Menſchen 
an die Tauffe Chriſti / da der Fewer-quaͤll der Seelen im Zorne 
GOttes / im Worte des Bundes Ehrifti mit dem wiedererbohr⸗ 
nen Waſſer des Geiſtes (verſtehet Geiſtlichem Waſſer) getau—⸗ 
fet ward / daß das Göttliche Zorn⸗ ſewer ſoll erloͤſchen: Wie oben 
von den ſteben Zeiten gemeldet worden / daß ſich eine jede Zeit der 
ſteben Gradus der Natur habe an ihr Ende gefuͤhret / und am 
Ende iſt ein Reuen uͤber den Eckel geweſen; und im Reuen iſt 
die Turba zerbrochen worden. 

39. So ſehet nun / allhie beym Noah mit der Suͤnd⸗fluth war 
Die andere Zeit / als des Serhs am Ende / und beym Adam im Fal⸗ 
le / als ihn luͤſterte von der Eitelkeit zu eſſen / war die erſte Zeit 
am Ende. 

40. Beym Adam reuete das Wort / und gab ſich mit einem 
Bunde ins Leben / das Leben zu troͤſten / und ihme zu helffen: Und 
beym Noah reuete das Wort / und erregetealle Brunnen der 
Tieffe in der Natur / und erſaͤuffete den Grinum / und eröffnete den 
Gnaden-bimd. 

41. Undalf Enos Zeitam Ende war) zur Zeit der Kinder 
Nimrot / reuete das Wortder Menichen Eitelkeit / dag fie nicht 
mwolten GOTT erkennen / und erfauffete den Verftand der eini⸗ 
gen Zungen und zerthetlet ſie / und gab auf der Neue den gewiſſen 
Berftand im Bunde mit Abraham. 

42. Auch da Kenans Zeitam Ende war / daß die Kinder des 
Bundes Abrahamsinder Eiteffeitder Dienftbarkeit gezwun⸗ 
gey wurden, forenete das Wort der Eitelkeit} und vertilgete 
Pharao / und hernach alle Menſchen der Kinder Afracl inder 
Wuͤſten / big auff Joſua und Caleb / und gab ihnen auf der Neue 
Das Gefege feines Bımdes: Ein recht Fuͤrbilde Chriſti / welch er 
den Ekel ſolte im Blute erſaͤuffen. 

43. Alſo auch da Mahalaleels Zeit ans Ende kam / reuete das 
Wort in hoͤchſter Reue / und brachte das Leben GOttes in Chris 
ſto Jeſu / in das geformte Creatuͤrliche Wort im Menſchlichen 
Ens und erſaͤufſete die Turbam im Menſchlichen Ente mit Got⸗ 
tes Liebe und Barmhertzigkeit / und gab ihnen den Geiſt des 
Troſts und das Euangelium. 

44. Auch jetzunder / da Jareds Zeit am Ende iſt / wel⸗ 

‚che mit Babel iſt verdecket geweſen / ſo reuet anicko das 
Wort unferer groſſen Eitelkeit / und wil den Sckel mit 
dem Schlund des Grimmes / mit Schwerd / Hunger) 


Fewer und Tod vertilgen; und gibet auf ſeinem Reuen 
u 





Sap.z2. Bon den Bunde zwiſchen Gott ꝛc. 2 55 


und Buͤſſen eine Lilie auß Henochs Munde in GOttes 
Suͤſſigkeit. —* Ha | 

45. Und wenn Henochs Zeit wird am Ende ſeyn / daß 
die Eitelkeit inder Turba wieder wärhfet / fo Fomt die 
allergröfte Reue über die Natur der Wunder /daß ſie 
am Ende if} und ihr fein Raht mehr iſt: So komt die 
letzte Bewegung mit der Turba im erſten Principio der 
ewigen Natur} und verſchlinget die aͤuſſere Natur im 
Fewer: Alldawirddas geformte ort der Eitelfeir 
gang loß werden] und gibet auf der festen Reue die 
heilige geiſtliche Welt / Amen. 


Das 32. Capittel. 
Bon dem Bunde zwifchen GOtt und Noch. 


Bi - Ott ſprach zu Noah: Mitdir wilich einen Bund 

auffrichten / und du folft in den Kaften gehen mit 

deinen Söhnen und Deiner Söhne Weibern. Ein 

groffes merdliches Erempel haben wir am Noah 

und ſeinen Kindern: Der Bund ward mit Noah 

gemacht) denn fein Geift war eine Erblidung des geformten 

Worts inihme in dem Anfang und Ende der Zeit / und der An⸗ 

fang und Ende war das ewige Wort / das fich hatte in Bund vers 

maͤhlet. In welchem Bunde die Seele Noah / alsdas geformte 

Wort der ewigen Natur Genade fand / und die Beſtaͤtigung des 
Genadenbundes erlangte. 

2. Wie dan ſein Name eigentlich in der Natur⸗ſprache eine 
Beſchauung des Anfangs und Ende heiſſet. In demſelben An⸗ 
fang und Ende / als in dem ewigſprechenden Worte des Batters/ 
welches fich wolte wieder im Menfhlichen geben eröffnen / ſtund 
die Genade gegen Noah / daß SOtt den Bund mitihme beftäfigte, 

3. Und haben ein trefflich Exempel / das wohl wuͤrdig iſt zu 
melden an den dreyen Söhnen Roah / welche in dreyerley Linien 
auß dem Stamm Adams in ihren Eigenſchafften waren: Wie 
dan auch dreyerley Voͤlcker auß ihnen entſtunden / daß fie dennoch 
GH im Guaden⸗bunde alle drey ſambt ihren Weibern cin> 
ſchloß / und hieß fie mit in die Arcam, indie andere Monarchiam 
gehen / und nicht den fleifhlichen Ham außſtieß. 

4. Dieſes iſt erſtlich Hoch zubetrachten / wie allen Menfihen 

eine 


256 Von dem Bunde zwiſchen Gott Eap.z 2. 


eine Benaden-thür offen ftehet/ und daf GOtt keine Wahl in die 
Natur habe predektiniret/fondern dag die Wahl auf dem freyen 
Wille entſtehet / wenn er fich vom Guten ins Böfe wendet. 

5. Zumanderniftsein Bilde der drey Principien/ als Sem 
der Geiſtlichen Siecht- welt im BundesundIaphet auf der Feuer» 
welt / welche folteder Liecht-welt Haufgenog ſeyn / und ein Spies 

gel der groſſen Freuden in der Liecht⸗welt; und Ham iſt eine 
Figur des Limi der Erden / an welchem der Fluch und Zorn Got⸗ 
tes anhanget: Dieſe alle drey nahm GOtt In Bund mit Noah / 
und fuͤhrete fie in Kaſten. 

6. Dan ein jeder Menfh hat diefe. drey Welten an und in 
ſich und der Bund im Worte ward darum gegeben / daß der 
ganze Menfch folte erlöfet werden. —* 

7. Denn Japhet bedeutet die Feur-ſeele / und Sem das Bild⸗ 
nuͤß GOttes auß der Liecht⸗welt / als den Geiſt auß dem Heil. 
Worte; und Ham bedeutet den Limum der Erden mit dem 
aͤuſſern Regiment der Lufft / und des Magiſchen Lufft⸗geſtirnes / 

ſambt dem Leibe / welcher ſoll von dem Fluche durch den Bund 
erloͤſet werden / und auß der Erden wieder auffſtehen. Dieſer 
drey Principien waren die drey Brüder ein Bilde. 

8. Nicht dag einer fey auf einem Principio allein entftanden/ 
Mein: Sem und Japhet hatten auch Hams Eigenfchafft in ich) 
wie ſichs hernach außweiſete / welch cin böfe Vol die Zuden 
waren. Allein man redet allyier vom Ober⸗Regiment / welch 

. Principium die Ereatur habe im Auffern Leben in feiner Figur 
gehabt. 

9. Ham hatte das auffere irrdiſche elementiſche Neich Inder 
Figur /welchesim Fluche ſtund: Darum ward auch fein Bilde 
von ſeinem Batter im Geiſte verfluchet / denn das irrdiſche Bilde 
ſoll nicht GOttes Reich erben: Aber er hat auch eine Seele ang 
Adam / welche im Bunde ſtund / aber der freye Wille macht in 
einer ſolchen Herberge ſelten was Gutes / und erlanget gar leicht⸗ 
Ach den Fluch über die Seele: Wie man dan ſiehet / daß der 
Fluch hernach über dig Gefchlechte kommen ift/ dag fie Iſrael 
mit dem Einzug ins gelobte Sand mufte vertilgen 5 ob wohl 
nicht alle/jedoch war der Fluch uͤber ſie kommen. 

ro. Ein fehr groß Geheimnuͤß iftan dem Kaften Noah / dehnt 
ihn der Herr hieß alfo bauen / und ihme zeigete / wie hoch / lang und 
breid er ſeyn folte / und auch mit drey unterſchiedlichen Boͤden / 
auch von den Creaturen die er darein hieß fuͤhren; welches ein 
ſolch Geheimnuͤß iſt / daß es auch der boßhaffte Menſch nicht 
werth iſt zu wiſſen / und wir auch nicht im Brunde melden * 

eun 





Cap-32. und Noah. 257 
Dem es hat feine Zeit darinnen es foll offen ftehen/ 
als in der Lilien Zeit) wenn Babel ſein Ende hat. Se: 
dochetwas zu entwerfen und unferın Zweige | welcher 
aus unferm Ente diefer Sifien zu feiner Zeit herfuͤrbre⸗ 
chen und wachen foll] welcher eine Hofe in der tilien- 
Zeit ſeyn wird] einen Anlaß zu geben] wollen wirs ihme 
ineiner heimlichen Deutung entwerfen. | 

ı1. Das Geheimnuͤßder H. Dreyfaltigkeit: Item / dis drey 
Principia: Item / die drey Soͤhne Noah: Item / die drey Maͤn⸗ 
ner / welche Abraham im Hayn Mamre erſchienen: Item / das 
Geſicht des groſſen Tempels in Ezechiel / und die gantze Offen⸗ 
bahrung Jehannis gehoͤret in dieſe Figur; auch der Tempel zu 
Jeruſalem. 

12. Nimm fuͤr dich die Figur des Kaſtens mit ſeinen drey Voͤ⸗ 
den / mit ſeiner Hoͤhe / Laͤnge und Breite / und ſetze ihn in die 3. 
Principia: Eroͤffne in den 3. Principiis das Geheimnuͤß der Hie⸗ 
rarchien Chriſti in drey Unterſcheide der Himmel / welche doch 
nur einer ſind / aber in drey Eigenſchafften / wie Feuer / Liecht 
und Lufft drey ſind / und Doch nur eines: Setze in die ſe Unter⸗ 
ſcheide die drey Söhne Noah / und fahre aus ihren Eigtnſchaff⸗ 
ten in die Welt / in ihre Monarchiam, welche waͤhret biß ans 
Ende der Tage. Item / nimm fuͤr dich das geformte Wort nach 
allen 3. Principien , fo wirſtu allen Grund finden: Sonderlich 
nimm für dich Mofen/ Eliam und Chriftum inihrer Erſchei⸗ 
nung und Verklaͤrung auff dem Berge. Aller diefer Figuren 
ift der Kaften Noah das erfie Bilde / und die Hierarchia Chriſti 
iſt die Erfüllungam Endeder Tage. Den unfern genug. 

13. Und der Her: fprach: Gehe in den Kaſten / Du und 
dein gantzes Haus / Dan dich habe ich gerecht erfehen vor mir 
zu diefer Zeit: Die Schrift faget fonft : Bor bir ift fein leben⸗ 
diger Gerccht / fo du wilft Sünde zurechnen. Allhie aber ſaget 
GOTT : Dich habe ich gerecht erfchen vor mir zu dieſer Zeitz 
Nicht wardie Ereaturder Gercchte ohne Ubel / fondern der / der 
fich in-Noah zu dieſer Zeitaus denn Bunde cröffnete/ welchen 
Das Ubel diefer Zeit reuete / und fein Reuen in Gottes Liebe und 
Erbarmen einfuͤhrete / und alfo Die Gerechtigkeit des Erbarmens 
in Das Neuen einführete/ md den reuenden Geiſt im Entedes 
Bundes in der Ercatur offenbahrete: Alfo war Noch gerecht 
vor GOTT zu diefer Zeit) da fich der Bund in ihme bewegte; 
der Geift faget klar: Zu diefer Zeit; hierumter lieget die Gerech⸗ 
tigkeit, 14.Dies 


258 Von dem Bunde zwiſchen Gott Cap.zz, 


14. Dieſe Zeit iſt die Bewegung des Bundes / welche Noam 
gerecht machte: Denn das war die Zeit / als Noah fein Leben in 
Mutters Leibe bekam / fo erblicket fich der Geiſt aus Dem goͤtt⸗ 
lichen Ente des geformten Wortes mit feinem erften Schens=blick 
in den Anfang / Daraus das Leben war kommen / und ins Ende/ 
Bas war das Reich Chriſti: In dieſem Blicke empfieng das $e> 
ben Noah die Gerechtigkeit im Ziehl des Bundes zu diefer Zeit/ 
dan das war die Zeit in ihme / da er gerecht erfunden ward. 

25. Acht Perfohnen führete GOTT inden Kaflen / und aus 
dem reinen Biche ja leben und ſie ben das ift das Maͤnnlein und 
fein Fraͤulein. Sieben Perfonen die deuten an die ſieben Eigene 
ſchafſten des natürlichen $ctens/ dag GOTT wilaus allen Eis 
genfchafften Kinder in feine ewige Arcam haben : die achte Prrfen 
war Noah / und unter Noah war der Gerechte / das war der 
Bund / daraus das Reich Ehrifti folte kommen /darinnen ſtund 
der Kaſten Noah. Der Kaſten aber hatte drey Boͤden / das ſind 
drey Principia in einer einigen goͤttlichen Offenbahrung / denn 
eine jede Eigenſchafft der dreyen hat ſeinen eigenen Himmel in 
ſich / und feine gewiſſe Choren. 

16. Die ficben paar der reinen Thiere find auch eben dieſes 
Geheimnuͤß / denn das Centrum hat ſieben Eigenſchafften / und 
in der göttlichen Krafft ſind fie doch mr eines Aber nach der ewi⸗ 
gen Natur nach göttliher Offenbahrung find derer ſieben: 
Deutet an / daß die Ereaturen find aus dieſem fiebenfachen Ente 
in ein Leben geführet worden / da ein jeder Grad wieder ſieben in 
ſich hat zu feiner Offenbahrung / daraus die Unendligkeit / als 
Die Form der Weisheit Gottes erſcheinet / und dag in der ge⸗ 
ſormten Weißheit derer Bildnuͤß nicht vergehen ſoll: Obwohl 
ihr Leben und die Creatur / fo zeitlichen Anfang hat / vergehet/ 
fo foll aber die Form in göttlicher Weißheit / als im Ente des 
geforiuten Wortes in der Figur / zu Gottes Wunder⸗-that ſte⸗ 
hen; wohl nicht zueiner Wiederbringung ihrer Erestur / ſon⸗ 
—9* zu einem ſichtbahren Spiegel in der geſormten Weißheit 

ottes. 

17. Bon dem unreinen Biche aber hieß GOTTNoam von 
jeden Geſchlechte nur ein paar mit in den Kaſten nehmen / die⸗ 
fes verſtehet alſo: Das unreine Viehe hat an einein Theil ſei⸗ 
nen Urſtand aus dem Limo der Erden / nach der Grobheit / als 
nach der finſtern Welt Eigenſchafft: Ob wohl ihr Geiſt aus der 
Natur herruͤhret / fo iſt uns aber der Unterſcheid in der Natur 
zubetrachten: was aus dem Quaal der ONE — 

a 


Cu 
— 





Cap 32. und Noah. 259 


ſchafft im Verbo Fiat fey mit in eine Compadion gegangen / da 
mancher unreinen Creatur ein folcher Ens augehangen: Und 
Deuter ung im rechten Berftande an / dag die finftere Welt / als 
die unreine Welt für der Weißheit Gottes nur follin einer Ge⸗ 
ſtalt offenbahr erfiheinen / alsinder Finſternuͤß: Die Eigen» 
fhafften aber follen nur in den Ereaturen in ihnen felber offen 
bahr fepn / eine jede in ihrer Selbheit und Arth. 

18. Dan die geformte Weißheit nach der Finfternüß iſt ihrer 
aller Himmel/ die fichet allein nach der Finſternuͤß offenbahr; 
darinnen lirget verborgen die Eigenfchafft / darnach ſich GOTT 
einen zornigen / eyferigen GOTT nennet: Aus diefem finftern 
Himmel nint eine jede Creatur ihre Krafft nach ihrer Eigen= 
ſchafft: Sie füuget mitiprer Begierde daraus wie ihr Hunger 
iſt Und deutet uns an / daß das unreine Vieh in feiner Form 
ein jedes Gefchlechte in der Weißheit der Finſternuͤß / alsin der 
Figur nur follineiner Form erſcheinen / wie es im Anfange iſt 
gefchaffen worden / amd nicht in ſteben Eigenſchafften nach dem 
Centro der Natur in allen Eigenſchafften nach Sicht und Fin⸗ 
ſternuͤß / wie die andern; denn fie And inder Figur des erſten 
Principii , welches im reinen Himmel nur in einer Eigenſchafft 
foll offenbahr ſeyn / alsnady der feurenten/ darinnen das Liecht 
beweglich und die Weißheit foͤrmlich iſt. 

29. Ich wil aber den Leſer allyie vermahnen unfern Simr 
recht zuverfichen / und mir nicht Kälber/ Kühe oder Thiere in 
ihrem Geifte und Eörper in Himmel zu ſetzen: Ich rede kini 
von dem ewigen / von dergeforimten Weißheit / daraus Böfes 
und Gutes offenbahr werden ift. / 

20. Mehr fprah GOTT zu Noah: Uber fieben Tage wil 
ich regnen laflen auff Erden 40 Tage und 40 Nacht / und ver» 
tilgen von dem Erdbodem alles waãs das Wefen hat / das ich 
gemacht habe: Warumb ſprach GOTT: nach fieben Tagen 
foll die Sündsflush Eommen? Warumb nicht balde / cher over 
langſamer ? wie dag er ihme fieben Tageamdeutet: In dehme 
liegen verborgen die fieben Eigenſchafften der Natur / in wel⸗ 
chen ſich das Verbum Fiat hattein einen Ens, als ing geformte 
Wort eingeführet / als in die Schörffung der Welt / in wel⸗ 
er Schöpfung das geformte Wort aller Ereaturen Eitelkeit 
reuete / und fich im geforinten Worte durch die Gebährerinder 
Natur bewegtey die Turbam zu erfäuffen. 

21. Nun war die erſte Bewegung und Informungdes Wor⸗ 
tes in der Schöpfung mit dem Wercke und Ruhetage in 7. Ta⸗ 
— gen 


260 Bon pen Dunde Zwischen Gott Cap.z2: 
gen / in eine Form der Zeit eingefretten / md die ſtund inihrer 
Form noch alfo; fo fi denn das Wort (das da fprach: Es wol⸗ 
te alles Leben mit ABaffer erfüuffen) wolte durch die fieben Ei⸗ 
genfhafften ver Natur zur Waſſers-gebuhrt aufffihlieffen und 
eroͤffnen; fo geſchahe es in der Form / Darinnen fichs hatte mit 
Der Schöpfung eingegeben/als in derfelben fiebenfachen Wuͤrk⸗ 
ung / welche fich im ihrer eigenen Ordnung folte eröffnen / und 
feine Eigenfchafft vor der andern erheben oder engünden / ſon⸗ 
dern wenn fie fich alle ficben würden nach der Waſſer⸗gebuhrt 
eröffnen/ fo foltc auffgchen der einige Auell-brunn aller Tieffen 
im Centro der Natur: Dieweil ſie waren in fieben Tagen in ihr 
Auffer förmlich würdend Kegiment getretten / fo gieng auch 
das fprechende Wort zur Eröffnung in lieben Tagen ans Ziehl 
zu feiner Offenbahrung deffen/was es wolte / als nehmlich die Fur- 
bam zu erſaͤuffen. 

22. Und ſoll das Niemand laͤcherlich anſehen / denn der des 
thut / hat unſern Geiſt und Sinn noch wicht verſtanden / noch 
einige Erkaͤntnuͤß von dem geformten Worte / ſondern er hat 
Aur einen aͤuſſerlichen Natur-⸗verſtand / gleich einem Vogel der 
in der Lufft flieget und nicht weiß was des Weſen iſt. 

23. Nun ſpricht die Vernunfft: Warumb hats denn eben 
40 Tage und 40 Nacht geregnet / haͤtte doch GOTT wohl koͤn⸗ 
nen die Welt in einer Stunde erſaͤuffen? ze. In go Tagen war 
die Turba in menſchlicher Eigenſchafft gebohren worden / als 
Adam vor ſeiner Era im Bilde Gottes fund 40 Tage und 
Naͤcht / welche im Bilde Gottes doch nur als ein Tag war; da 
wuͤrckete er in feiner Begierde / als im Fiat 40 Tage die Turbam 
in ihme / in ſeiner Luſt nach der Grobheit der Erden: Das gute 
Theil des Limider Erden / das da war im Verbo Fiatin eine Ma& 
fam gezogen worden / hungerte nach dem böfen groben Theil aus 
der intern Welt Eigenfchafft. 

24. Und eben in go Tagen fo entftund in dein guten Ente der 
grobe in feiner Imagination , als ein eigener Wille zur Einfafs 
fing der groben Srodigkeit / in welcher Böfes und Gutes offen⸗ 
bahr war: Und als derfelbe Willensgeift in der Begierde ent⸗ 
fund / fo gieng er in eineigen Regiment / und druckete den 9. 
Geiftlichen Ens am Norte der Krafft in feurifcher und irrdiſcher 
Gewalt nieder. Jetzt fichl Adam in Schlaf / als ineine Ins 
macht der Englifchen geiftlihen Welt / und ward aus ihme das 
Weib genommen) und wurden bepde in diefer Tutba in das äufs 
fere natürliche Leben figur iret. 

25. Dit⸗ 


— 


Co und Noah. 26 


25. Dieſelbe Turba iſts / darein auch GOTT den Fluch ſetze⸗ 
te / welche beym Noah zum erſtenmahl am Ende war / da GOtt 
ſagte: Alles Fleiſches Ende iſt vor mich kommen : Undausder= 
felten 40 tägigen erbohrnen Turba giengen die Brunnen der 
Tieffe im Waſſer-quell auff/ und erfauffeten die Turbam im 
Fleiſche dieſer Geſchlechte. 

26. Denn aus der Suͤnde Adams kam die Suͤndfluht uͤber die 
Welt / und dieſe 40 taͤgige erbohrne Turba war die Suͤnde im 
Fleiſche: Sonſt ſo ſich nicht haͤtte der Waſſer⸗brunn auffgetahn / 
fo wäre der Feuer-brunn aus der Turba auffgangen im Grinum 
Gottes / darumb ſagte SOtt: ESs reuete ihn / daß er die Crea⸗ 
turen gemacht hatte; und fein reuen gieng indie Turbam, und 
erfäuffete die. 

27. Der Leſer foll errinnert feyn / fo offt er die Zahl 40 in 
heiliger Schrifft findet/dag fie allemahl im Anfang in die 40 ta⸗ 
gige erbohrne Turbam weiſet / als die 40 Tage Moſis auff dem 
Berge Sinay: Item / die 40 Jahr in der Wuͤſten: Item / die 
40 Stunden Chriſti im Grabe: Item / die 40 Tage nach feiner 
Aufferſtehung vor der Himmelfarth gehören alle hierein / und 
alle 40 Zahlen in den heimlichen Deufungen der Propheten / 
denn aus diefer Turbaift der Prophet mit feiner Deu: 
tung entſtanden. 

28. Daß ich aber ſage / ſo nicht der ABaffer-brunn wäre auff⸗ 
gegangen / ſo wuͤrde der Feuer-brunn auffgegangen ſeyn / das 
iſt wahr / denn die Kinder in der Turba wolten NRoam mit dem 
Kaſten auch mit Feuer verbrennen / ſo ihnen das nicht haͤtte der 
Hoͤchſte mit dem Waſſer verwehret; denn die Feuers-Turba war 
in ihnen raͤge / das war der Welt Ende oder alles Fleiſches En= 
de: Denn am Ende ſoll alles in der Feuers⸗Turba bewehret wer⸗ 
den / denn ſie wird ſich anzuͤnden. 

29. Ein groß Geheimnuͤß iſt in dehme / daß der Geiſt im Mo⸗ 
fe ſaget: Noah ſey zoo Jahr alt geweſen / als er habe Sem} 
Ham und Japhet gezeuget / welches ſonſt wider den Lauff der 
Natur iſt / in einem ſolchen natuͤrlichen Alter Kinder zu zeugen: 
Auch iſt in dehme ein groß Geheimnuͤß / daß GOtt ſagte / er folte 
der Welt 120 Jahr Friſt geben / und die Suͤndfluht kam doch im 
6ooſten Jahr Noah / als in 100 Jahr nach der Andeutung: Und 
deutet an die Berkürgung der Zeit in ihrem natürlichen Sauffe/ 
und auch das Ende der Welt/ wie im Citculo des Beſchluſſes 
eller Weſen eine Abkürgung ſeyn werde / davon wir in einem eis 
: genen 


52. Von dem Bunde zwiſchen Gott Cap:z22 
zenen Ttactat etwas melden wollen / fo uns das zugelaſſen 
wird. 

30. Als Noah in den Kaſten gieng / fpricht Mofes: Und der 
Herr ſchloß hinter ihm zu: Das deutet der Geiſt / er ſchloß zu 
die ander Zeit der Welt / welche am Ende war / da ſich wolte 
das Feuer bewegen / fo ſchloß der Her: mit Waſſer zu / und auch 
hiemit die Thür feines Einganges / da er folte in der dritten Zeit 
aufgehen] und die andere Monarchiam in der Auffern Belt ans 
fahen / denn die erjte Zeit war im Paradeife; Die andere unter 
Seths Eröffnung; in der dritten folte Enos Eröffnung auff⸗ 
achen. 

31. Und Mofes fpricht weiter: Das Gewaͤſſer ftund 150 
Tage auff Erden / Da gedachte GOTT an Noah und alle 
Thiere / und an alles Diche/ das mit ihme in dem Raften 
waͤr; und ließ Wind auff Erden kommen und die Waſſer 
fislen / und die Brunnen der Tieffe wurden verftopffet 
ſambt den Senftern des Himmels. Mofes füget/ GOtt ge⸗ 
dachte an Noam: So dencket die Vernunfft / hatte er denn ſei⸗ 
ser vergeffen/ fo er doch, allen Dingen gegenmwärtigift/ auch 
durch alles und in allem ſelber ift ? Der Beift im Moſe machet 
allyie einen Deckel für das Geheimnuͤß / dag es der natürliche 
Menfch nicht verftehet. 

32. Gottes dencken ift allhie der Anfang der dritten Zeit / 
und Anfang derandern Monarchiz inden 4. Elementen mit den 
Ereaturen: Denn im Bunde mit Noah war die andere Monar- 
chia mit eingefaffet / Die gieng in dieſem Denden aufn Cen- 
to der Gehährerin durch die Göttlihe Weißheit in der Nas 
tur herfuͤr. 

33. Und Moſes ſpricht weiter: Als das Waſſer gefallen 
“war / da habe fich der Kaften auff dem Gebirge Ararath nieder> 
gelaffen. Diefer Name deutet uns in der Naturfprache an cie 
nen Berg oder Zufammenfaffung eines Wefens aus dem Cen- 
sro der Ratur / aus-der Grimmigfeit / als da fich Gottes Zorn 
hingeleget hat / fo Hund der Kaften auff dem gelegten Zorne: 
Aber die legte Syllaba in diefem Worte Ararath deutet an) dat 
der Grimm der ewigen Natur aus dem Centro fid habe in cin 
webend Regiment gefaffet ; und werde hinfort durch die Natur 
reuthen/ alsein Krieasmann / und feinen Gewalt in Menfchlis 
cher Eigenfchafft mächtig führen / dadurch fie wer en Kricge ane 
fahen / fih in Hoffarth und Gewalt einführen / und unter ein» 
ander erwürgen/ und umb Diefen Berg des Grimmes Macht 
ſtreiten. 34.Die⸗ 


Cap.zr und Noah. 2863 

34. Dieſer Berg Ararath deutet an die Haͤuſer der Gewal⸗ 
tigen auff Erden / als da find die groſſe Schloͤſſer und Berge/ 
der Gewaͤlt der Reichen; und aus dem Myſterio majoris Mundi 
entſprungenen Edlen / auff welch Reich ſich die Archa Noæ nie⸗ 
dergeſetzet hat: Uber dieſes Gebuͤrge der entſprungenen Kriegs⸗ 
gewalt aus dem Zorne Gottes / hat ſich der Bund mit Noah 
zum ewigen Herrn geſetzet / als das Reich Chriſti / welches die⸗ 
ſes Berges Reich auffheben / und unter ſich druͤcken ſoll: Und 
deutet uns recht gruͤndlich und eigentlich an / wie daß dieſe Ge⸗ 
walt auff Erden werden die Areha Noæ / als den Goͤttlichen 
Bund auff ſich in eigener Gewalt nehmen und auff ſich tragen; 
dieſelbe anziehen als ein Kleid und damit prangen / als hätte fie 
das Reich Chriſti ineigener Gewalt. 

35. Und wie fich diefer Berg des Grimmen Zornes Gottes 
in menfchlicher Eigenfchafft werde ſchmuͤcken und mit der Archa 
Rox ziehren / und werde fagen : Er fey die heilige Archa 
Chriſti / und werde aber auffdem Grimmen Zorne Gottes ſte⸗ 
hen / und nur ein Auticpriftifch Reich ſeyn: Das zwar wohl die 
Archa / als den Namen Göttliher Heiligkeit im Munde tra⸗ 
gen werde / aber das Herke werde diefer Berg ſeyn / welcher nur 
ein Gefäffe und Hauffe des Grimmes Gottes ſeyn werde / und 
werde mit der Archen über fich gleiffen und prangen; aberdas. 

Herke werde nur die Schlöffer / Gewalt und Neichthumb der 
Melt meynen. 

36. Wehr veutets an daf die Gewaltigen werden die Ar» 
cha / als den Gottes-dienft mit groffen fteinern Hänfern und 
Archen auffihr Herke umd Bernunfft bauen / und dieſelbe ſtei⸗ 
nerne Häufer werden ihr GOtt ſeyn / dehme fieinder Archa dies 
nen / und werden umb ihre eigene Steinhänferihres Gedichtes 
Krieg führen, undınnb die Figur der rechten Archa flreitenz 
und nicht bedencken / daß die Archa auffihrem Berge ftehet / dag, 
fie GOtt habe über fie gefeget / dag fie follen unter dem Reiche 
Bottes in Demuht wandeln / and die Archa auff ihnen ſtehen 
laſſen / und nicht dem heiligen Geiſt feinen Gewalt nehmen; 
und in ihre erdichtete Gewalt in ihre gleignerifche Form einfaſ⸗ 
fen ; und ihn heiffen ſchweigen / wie fie thun / in dem fie ſchreyen: 
Hit Concilia „hie Kirche Ehrifti / das folt ihr glauben und thun / 
das iſt der Kirche Geſetze: Nein / die Archa ſtehet auffihnen/ fie 
find darunter wieder Berg Ararathunterder Archa: Chriſtus 
ift die Archa / und nicht Der GSteinhauffen / das Concilium ift 
unter der Archa Chriſto und nicht drüber, denn der Kaften * 


264 Von dem Bunde zwiſchen Gott Kap.zz. 
hat ſich über den Berg geſetzt: Deutet an / daß der Berg ſoll den 
Kaſten tragen; wir ſollen die Archam Chriſti auff uns tragen / 
und den Tempel dieſer Archa in uus haben. 

37. Mehr deutets an / wie ſich die Figur dieſer Archa / als 
das geiſtliche Reich auff Erden werde uͤber den Berg der Gewalt 
und Herrſchafft ſetzen und werde mit dem Berge in der Archa 
regieren / und werde ſich Des weltlichen Reiches unterfahen / und 
den Berg / als die Gewalt uͤber die Archa fuͤhren; und da doch 
die Archa auff dem Berge ſtehen ſoll / und Noah mit dein Bunde 
in der Archa ſeyn ſoll / biß ihn der Herr heiſſet heraus gehen / das 
iſt / biß Chriſtus die Archa feinem Vatter uͤberantwortet. 

38. Und Moſes ſaget weiter: Mach 40oTagen | als ſich 
der Kaſten mievergefenet , Meß Noch einen Raben ausflie- 
gen / zu erfahren / ob fich das Waſſer geſetzt hätte ; aber der 
Kabe flog immerdar hin und wieder her / biß das Gewaͤſſer 
verdrucknete auff Erden. Der Nabe deutet an den irrdiſchen 
Menſchen: wie ſich derſelbe auff dem Berge Ararath / das iſt in 
der Selbheit und Fleiſches⸗Luſt / werde zuerſt herfuͤr thun / und 
fein Reich indie andere Monarchiam bauen. 

39. Und werde zwar wohlausder Archa herkommen / werde _ 
aber in dem Neiche feiner Selbheithin und wieder liegen / und 
nicht wieder indie Archa eingehen / daraus er in Adam war aus⸗ 
gegangen / werde nur ein Geisiger und Fleifch-freffer der zeits 
lichen Wolluft ineigenem Willen feyn und bleiben wie der Ra⸗ 
be / und fich nicht wieder zur Archa wenden darein zu begehremm/ 
fondern das Reich diefer Welt wollen zur Herligkeit befigen ; 
Auch bedeutet es / wie diefe Naben-Arth werde denerften Beftg 
und Regiment in derandern Monarchia haben / als der Teuffel 
im Grimm Gottes / wiees die Hiftorien bezeugen / daß cs alfo 
ergangen ſey. 

40. Hirnac lieh Noah eine Taube von fich ausfliegen / auff 

‚dagererführe/ obdas Bewäffer gefallen ware auff Erden: Da 
aber die Taube nicht fand da ihr Fuß ruhen Eönte / kam fie wie» 
‚der zu ihm in den Kaften: Da thäterdie.Hand heraus / und 
nahm fie zu ſich in den Kaſten. Diefesdeutet an die Figurder 

Kinder Gottes / welche erft hernach und unter dem Regiment 
der Haben Eigenfchafft kommen / undindas Regiment diefer 
Belt geführet werden / denn ſie find auch mit Adam aus der Ar» 
cha ausgeflogen/ diefe böfe verderbte Welt zu ſchauen und zu pros 
biren / und leben darinnen: Nenn aber ihr Geift nicht in dem 
iradifchen Negiment ruhen Fan / fo Kommen fie wider * * 

rcha 


Cap. 22. und Noah. 2165 


Archa Nox "welche in Chriſto auffgethan ift 7 fo nimt rie 
Noah in Ehrifto wieder in die erſte Archa daraus Adam 
ausging. 

ar. Mehr bedeutet der Nabe das fiharffe Gefege Mofts im 
der Feuers⸗macht unter Gottes Zorne / welches den Menſchen 
bindet und toͤdtet / und richt in Die Archa einführet: Aber das 
Zäublein bedeutet das Evangelium Ehrifti / welches wieder in 
die Archa einführet und beym Leben erhält: Denn der Berg Ara 
rath deutet auch Moſis Reich / als die Figuran; und die Ar» 
cha / da das Leben innen erhalten wird / deutet die Menfchheit 

Ehrifti an. 
42. Da harrete Noah noch andere fieben Tage / und ließ 
aber eine Taube ausfliegen aus dem Kaſten / die Eam zu 
ihm umb Defper Zeit / und ftehe ein Oehlblat harte fie abge⸗ 
brochen / umd trugs inihrem Munde: Aber er harrerenoch 
andere fieben Tage / und ließ wieder eine Taube ausfliegen 
dte Fam nicht wieder zu ihm. Der Geift im Moſe zeiger mit 
Diefen drey Tauben und dem Naben die Noah ausfliegen ich f 
ein groß Geheimnuͤß an/ welches / ob ers wohlnicht erkläre / 
Doch gewiß darunter verborgen lieget. Der Nabe deutet auch an 
Das Geſetze Moſis durch Die Natur / welche in ihrer Selbpeit 
bleiben wil/ und wilnicht wieder indiewahre Gelaſſenheit un 
ter Gottes Gehorfam Eehren / fondern wil durch eigene Gewalt 
und Weege zu GOtt eingehen. 


43. Die erfte Taube deutet an den Prophetiſchen Geiſt / wel⸗ 


cher unter Moſe / als unter dem aͤuſſern Geſetze und Opfſern 
entſtund / und weiſete durch die Opffer wieder in die Archa Noz 
und Chriſti: Derſelbe Prophetiſche Geiſt gieng duch Moſis 
Ambt hindurch / er floge wohl unter Moſe / aber er gieng in die 
Archa Chriſti mit feinem deutenwieder ein ; gleich wie die erſte 


Zaube beym Noah wohl in die Welt floge / aber ſte kam wieder 


indie Archa. 

44. Dieandere Taube mit dem Dchlzweige / welche auch wies 
der zu Noah kam in den Kaften / deutet an das Wort im Bunde 
Noch / welches aus der heiligen Archa Gottes ausgieng in diefe 
Welt / als in unfere Menſchheit / und brach ein Oehlblatt in der 
Welt ab / und brachte cs Noah / das iſt / es brach einen Zwerg 
aus unſerer Menſchheit abe / und nahm den in das heilige Wort / 
als in Mund Gottes / wie die Taube das Oehlblat / und brachte 
den Zweig dem heiligen Noah / das iſt / GOtt dem Batter: 
Daß es aber ein Ocehlblat war / deutet an die Salbung des H. 

M > Geiſtesl 


Bus AN, 
RN * 


1 * 


266 Vom Anf.der andern Monarch. Cap. 33 


Geiſtes / daß derſelbe wuͤrde die Menſchheit ſalben / und mit die⸗ 
fer Taube wieder in die heilige Archa einführen. 

45. Die dritte Taube / welche Noah außfliegen ließ / welche 
nicht wieder zur Archa kam / bedeutet das Antichriſtiſche Reich 
auff Erden / das mit ſeiner Lehre wohl aus der Archa iſt außge⸗ 
flogen: Aber der Geiſt bleibet auff Erden im fetten Graſe in der 
Selbheit / heuchelt wohl GOtt / und gibet gute Worte / aber 
der Menſch mit Sinnen und Vernunfft wil die Welt nicht laſ⸗ 
ſen / und wieder zur Archa kehren: Sie bauen ihnen auſſer der 
Archen Luſthaͤuſer zur Wolluſt des Fleiſches / und heucheln auf 
fer der Archa / und wollen von augen angenommene Kinder ſeyn: 
Aber indie Archa wollen fenicht /fondern fie fagen : Chriftus ift 
in der Archa / er hat alles bezahlet / wir duͤrffen uns veffen nur 
troͤſten / er wird ung wohl hineinführen. 

46. Die ander Part ſaget: Sie habın Ehriftum inihrem 
Heuchel⸗werck / die nehmen die Archa mit / wenn fie außfliegen 
inihrer Wolluft des Sleifches. Diefe alle bleiben auffer der Ar— 
cha in diefer Welt / und kommen nicht wieder : Diefes deutet 
die dritte Taube an denn das Antichriftifche Neich gehet in 
Tauben-und Schafes-Beftalt einher / ift aber nur eine Figur 
des Reiches Ehrifti / welche im Geifte in Krafft ſtehet / und in 
der Arche ift. | 


Das 33. Capittel. 


Vom Unfange der andern Monarchiz [und vom Bunte 

de Gottes mit Noah und allen Ereaturen. 

1. Nd Moſes ſpricht: Da redet GOTT mit Yoahi 
und hieß ihn aus dem Kaſten gehen / ſambt allen 
lebendigen Thieren / ein jegliches zu feines glei⸗ 
chen. Noah aber bauere dem HERREN einen 

nF Yltarjund nahm von allerley reinem Viehe / und 
von allerley reinen Dögeln / und opfferte Brand-opffer auf‘ 
den Altar / und der HErr roch den bieblichen Geruch / und 
frrach in feinem Hersen : ch wil hinfort nicht mehr die £r= 
de verfluchen umb der Menfchen willen / denn das dichten 

Des Menfchen Hergens iftböfe von Tugend auff: Ind ich will 

binfort nicht mebr fchlagen alles was leber / wieich gethau 

habe / fo lange die Erde ftehet / [OH nicht auffbören Saame 

und Ernde/ Sroft und Hige/ Sommer und Winter/ Tag 

und Nacht. Mofes ſaget: GNHE habe den lieblichen an 
geroche 


E.3 3. und vom Bunde Gott.mit Noah / ꝛtc. 267 


gerochen / und im feinem Hertzen geſprochen: Er wolle wicht 
mehr die Erde verfluchen / noch alle Creaturen ſchlagen umb des 
Menſchen willen: Dieſes iſt eine Figur / wie forne bey den 
Opffern Habels gemeldet worden. 

2. Denn ſein Hertze iſt das Wort im Bunde / welches das 
Gebethe und den Willensgeift Nox durchs heilige Feuer im Opf⸗ 
fer ins Wort zur Subftanf einfaffete / und in der Göttlichen 
Krafft / die Menſchheit Chriſti / welche fich folte im Bunde ins 
Wort der Krafft ergeben / roch / das iſt / es begehrete ver 
Menſchheit in feine Krafft / als einen lieblichen Geruch / und 
aus dieſem Ruche ſagte der Geiſt Gottes / er wolte hinfort nicht 
mehr die Menſchen und Ereaturen verderben; weil die Erde 
ſtund / fo folte diefes Gefchlechte alfo bleiben. 

3. Dan Noah opfferte allerley reine Thierund Vögel / und 
der Geiſt ſpricht: Er habe dieſen Geruch gerne gerochen: Nun 
war esihm nicht umb den Geruch des Opffers zu thun / ind doch 
alle Thiere in feiner Gewalt / und vorihme / fondern umb das 
verborgene Opffer im Bunde / welches die innere Welt in den 
Creaturen roch mit feinem eigenen Opffer / Eünfftig vom Greuel 
der Eitelkeit zu erlöfen/ und derer Figur indie heilige Weiß⸗ 
heit / alsindie Geiftliche Welt zu flelien. 

4. Als Noah opfferte/ und der Her: / das iſt / der geoffenbahrte 
GOFTIM Hpffer / Durch den unoffenbahren heiligen Namen 
Jehovah, durch Ihefus oder Jefum , die heilige in Adam ver— 
klichene Menſchheit roch / (das iſt / in der Luſt feiner Weißheit 
ſchmaͤckete / wie fie ſolte in dem heiligen Namen Jeſu wieder of⸗ 
fenbahr werden ) fo ſeegnete er Toam und feine Kinder / und 
ſagte: Seyd fruchtbahr / und mehret euch / und erfuͤllet die 
Erde / euer Furcht und Schrecken ſey uͤber alle Thiere auff 
Erden / über alle Vogel unter dem Himmel / und über alles 
was suffden Erdboden Freucht / undalle Fiſche im Meer 
find in euere Haͤnde gegeben: Alles was fich räger und leber 
das ſey euer Speife / wie das grüme Kraut hab ichs euch alles 
gegeben; alleine effer das Fleiſch nicht / Daß noch lebet in 
feinem Blute/ dem ich wil auch euers Leibes Blut röchen/ 
und wils anallen Tieren rächen ,; und wildes Menſchen 
Leben rächen an jeglichem Menſchen / als der fein Bruder 
iſt: Wer Menſchen Blut vergeuft/ deſſen Blut fol such durd) 
Menfchen vergoffen werden / denn GOtt hat den Menſchen 
zu feinem Bilde gemacht: Seyd fruchtbahr / und mehrer 
euch / und räger euch auff euer viel darauf — 

2 5. 


268 Vom Anf.der andern Monarch. Cap. 3 32 


5. Als GOtt Noam und feine Kinder durchs Opffer aus dent 
Bunde ſeegnete / und fie hieg fruchtbahr ſeyn / fo gab er ihnen 
wieder ein die gantze Welt mit allem Heer / alles was lebet ſolte 
unter ihnen und ihr eigen ſeyn / und gab es ihnen alles gemein: 
Er maͤchte da keinen Unterſcheid zwiſchen Noah und feinen Kin 
dern / keinen Herren noch Knecht / ſondern machte fie alle gleich ; 
feinen Edlen oder Unedlen / ſondern gleich wie aus einem Baume 
viel Aeſte oder Zweige wachſen / und alleſamt doch nur ein eini⸗ 
ger Baum find: Alſo auch beſtaͤtigte er den menſe hlichen Baum 
auff Erden / und gab ihnen alle Thiere / Fiſche und Voͤgel in ge⸗ 
mein / mit keinem Unterſcheide oder Verbott / als nur ihr Leben 
im Blute ſolten ſie nicht eſſen / daß ſie nicht in ihrem Leben mit 
dem thieriſchen Leben Monſtroſtſch wuͤrden. 

6. GOtt hieß fie über alle Thier und Creaturen heriſchen / 
aber ihnen gaber kein ſonderliche Herrſchung an dieſem Orthe 
über einander: Denn alle die Hereſchung da ein Menſch über 
den andern herrſchet / entſtehet aus Ararath / als durch die Ord⸗ 
nung der Natur nach den Eigenſchafften / nach dem Geſtirn und 
aͤuſſern Regiment der Fuͤrſten unter dem Geſtirne. 

7. Das wahre Bilde GoOttes hat Fein ander Regiment in 
feinen Gliedern / als ein einiger $eib in feinen Gliedern/ oder ein 
Baum infeinen Aeſten: Aber das thierifche Bilde vom Geftirs 
ne und 4. Elementen macht ihme ein Negiment nad) feiner 
Mutter / darauß esift entſtanden / und darinnen es lebet. 

8. Auch alle Geſetze und aufferlihe Ordnungen die GOtt 
dem Menſchen anbefohlen / die gehoͤren alle imdie Ordnung der 
Natur / alsin das auggefprochene geformte Wort / daſſelbe hat 
GOtt dem Menfchen zum Eigentum gegeben / daß er ſoll mit 
dem innern geiſtlichen Menſchen des Verſtandes nach der Weiß⸗ 
heit GOttes darinnen herrſchen / und ihme ſelber Ordnung (nach 
dem Geiſte der Weißheit) machen. 

9. Über welche Ordnung der Menfchen / Die fie ihnen felber 
machen / er fich hat zum Richter gefest/ und das Juͤngſte Gerichte 
darüber geſetzet / das Falſche vom Rechten zu ſcheiden: Alles was 
nicht auß der Wahrheit] Gerechtigkeit und Liebe gehet/ da ift das 
Gerichte GOttes darüber gefte lt: Denneswird durch die fal= 
ſche Geifter der Finſternuͤg in Turba Magna erbohren/ und in 
Menſchliche Eigenfchafft eingeführet / als ein falſche Liſt und 
freinde Weißheit / welche das Reich GOttes nicht erben fol. 

xo. Alle Königliche und Fuͤrſtliche Hochheit / ambt allen Ries 
gimenten / urftänden alle aug der Ordnung der Natur: 2 Su 

t 


E.33. und vom BundeGott.mit Noahiic.269 


GHttes ift kein Zwang / fondern ein freyreilliger begierlicher 
Liebe⸗ dienſt / als wie ein Glied im Leibe / und ein Zweigam Baus 
me dem ander gerne dienet/und fich im andern erfreuet. j 
ıı. Meilfich aber der Menſch hat in das äuffere geformte 
Wort Böfe und Gut / alsins Reich der Natur eingeführet/ fo 
hat ihme das Reich der Natur dasheilige Regiment genommen / 
undfich mit feiner Gewalt in die menfhliche Eigenfchafft ge— 
ſetzet: Wil er aber daffelbe wieder haben/fo muß er wieder auffs 
neue auß GOtt gebohren werden / ſo mag er mit dem neuen er⸗ 
es Sehen im Geifte GOttes Über das Reich der Natur herr⸗ 
chen. 

12. Wohl hats in der Geiſtlichen Welt Ordnungen /Fuͤr ſten⸗ 
Engel / aber alles ohne Zwang in einem lieblichen Liebe⸗dienſte 
und Willen / wie ein Glied im Leibe dem andern dienet. 

23. Alles was der Menſch im Reiche der Natur unter feine 
Gewalt zeucht/ und zum Uberfluß mißbrauchet / und feinen Mit⸗ 
gliedern entzeucht / welche dadurch müffen Darben / dag ihnen das 
freygegebene Recht dadurch gan entzogen wird; das alles wird 
in Tarba Magna,als ein Greuel der Natur eingefaffet / und vor 
Das Berichte GOttes zum Scheyde-tage geftellet. 

14. Die Natur fordert allein die Ordnung / und gibt Unter» 
ſcheide und Aembter: Aber die Turba führet ihren Greuel von 
der finftern Welt Begierde darein / als da ift Hoffahrt / Geitz / 
Reid / Zorn / und Falſchheit. 

15. Diefe fuͤnff Untugendten find im Reiche der Natur Hu⸗ 
ten-finder/ und ſollen SOttes Reich nicht erben: Des Reich 
Der Natur haͤlt GOtt für feine Ordnung / und hats dem Men⸗ 
ſchen in ſeine Gewalt gegeben / daß er dadurch ſoll das Boͤſe vom 
Guten ſcheiden / und ſoll ihme einen Richter über die Boßheit der 
falſchen Begierde und Luſt ermählen/denn er faget: Wer Men⸗ 
ſchen⸗Blut vergeuft / deß Blut foll wiederdurh Menſchen vers 
goffen werden/ als durch die Ordnung der Natur; nicht durch 
eigene Gewalt fich zur rächen / fondern durch die Drdnung Der 
Natur’ durch GOttes Geſetze / die ift die Raͤcherin; denn GOtt 
faget: Ich wil euers Leibes Blut raͤchen und wils an allen 
Zhierenrächen: Daverftcheterdurch die Ordnung feiner Ge⸗ 
fege und derer Ambt-vermalter. 

‚6. Nichtdag ein Fürft oder Herr Macht habe Blut zu ver⸗ 
gieffen/auffer dem Geſetze GOttes; fo er das thut / ſo verdammet 
ihn GOttes Geſetze auch zum Tode: Es iſt allhie kein eigen 
Gewalt uͤber Menſchen Blut / es ſey König oder Fuͤrſt / = 

M 3 


5 


270 Vom Anf.der andern Monarch. Cap, 33. 


fie find nur Ambtleute über die Ordnung Goͤttliches Geſetzes / 
und ſollen nicht weiter greiffen ohne Goͤttlichen Befehl: Das 
Geſetze der Natur haben fie ja in Verwaltung / als Diener ders 
ſelben / aber allein nach der Gerechtigkeit und Wahrheit / und nicht 
durch eigene Begierde / denn GOtt hat den Menſchen zu ſeinem 
Bilde geſchaffen: Uber daſſelbe Goͤttliche Bilde hat das Reich 
der Natur in feinen Aembtern keinen Gewalt das zu toͤdten / ſon⸗ 
dern nur uͤber das aͤuſſere Bilde der Natur gehet das Ambt in 
Goͤttlicher Ordnung. 

17. Darum fo ein Ambtman der Natur einem gerechten 
Menſchen eingeben nimt / dehn / der folches thut / ordnet die Natur 
im GOttes Gerichte zum Scheyde-tage: Wo wollen nun die 
Tyrannen hin / welche die Wahrheit in Luͤgen kehren / und die 
Kinder GOttes um Goͤttlicher Erkaͤntnuͤß und Bekaͤntnuͤß 
willen ſchaͤndlich hinrichten / auch Krieg und Verderbung uͤber 
Land und Leuthe anrichten; dieſe alle gehoͤren in Tutbam Mag- 
nam zum Gerichte GOttes / denn fie führen das Schwerd der 
Tarbaæ in eigener Wolluft;es heiſſe fie es denn der Geiſt GOttes / 
ſe muͤſſen ſte das Ambts halben thun / wie Iſrael mit den Heyden. 

18. Alles was aus eigener Wolluſt feine Gewalt zuerhoͤhen / 
Blut vergeuſt ohne dringende Noht oder Gottes Befehl / das wird 
vom Grimme GOttes Zornes darzu regiret und getrieben / und 
faͤllet demſelben Reiche endlich heim. 

19. Ein jeder Kriegsmann iſt eine Ruthe GOttes Zornes/ 
damit er durch feinen Grimm die Boßheit der Menſchen alſo 
ſtraffet und verfchlinget/und gehöret gar nicht in die Ordnung der 
Natur / fondern indie Begierdein Turbam Magnam, ta diefelbe 
begehrende grimmes=- Ordnung / dadurch GOttes Zorn Sand und 
Königreiche umſtuͤrtzet. 

20. Verſtehet / esiftdie Ordnung der finftern Welt⸗natur 
Eigenfchafft/ welche ihren Gewaltin Zeitder Menfchen Boß⸗ 
heit empor fchiwinget durch GOttes Verhaͤngnuͤs / alsdan gehets 
wieder Grimm wil / big fich derfelbe wohlergeget am Menſchen⸗ 
Blut. 

21. Denndasift chen die Rache GOttes Zornes/ davon er 
jaget: Er wolle des Menfchen Blut rächen / fo nimbt er offte 
einen Menfchen und fchlaget den anders im Zorne tod / als der es 
verdienethat. 

22. Wan die Gewaltigen unfhuldig Blut vergieffen/ fo 
komt alsdan der Zorn Gottes mit feinen Ambtleuten / und vera 
gieſſet wieder derer Leuthe Blut / und fuͤhret das an * 

urbæ 


E.33. und vom Bunde Gott.mit Noahlıc. 277 


Turbe infie/ davon entſtehet Krieg/ und nicht aus Göttlicher 
Ordnung der guten Natur / in welcher GOTT mit feiner Weiß⸗ 
heit regiret. 

23. Die Weißheit GOttes begehret keinen Krieg/fondern der 
Zorn GoOttes nach der finſtern Welt⸗natur begehret / und fuͤhret 
dehn in der Menſchen Eitelkeit und Boßheit. 

24. Lebeten wir als Kinder GOttes unter einander / wir 
duͤrfften keines Krieges: Daß wir aber kriegen / bezeugen wir 
damit / daß wir nur Kinder dieſer Welt ſeynd / und kriegen und 
ſtreiten umb ein freindes Erbe das wir doch verlaſſen muͤſſen / und 
dienen damit dem GOtt des Zornes / als gehorſame Knechte: 
Denn kein Kriegsmann ſoll GOttes Reich erben/weiler ein ſol⸗ 
cher iſt / ſondern ein neugebohren Kind aus GOttes Geiſte / Das 
dieſe Welt verlaͤſſet. 

25. Und GO CTT ſagte weiter zu Noah und ſeinen Soͤh⸗ 
nen mit ihme: Sihe ich richte mit euch einen Bund auff/ 
und mit eurem Saamen nach euch/ und mit allen lebendigen 
Thieren bey euch/an Voͤgeln / an Diehe/und an allen Thieren 
auff Erden beyeuch / von allem das aus dem Kaſten gegana 
gen iſt; daß hinfort nicht mehr alles Sleifch verderber foll 
werden mit Waſſer der Suͤnd⸗fiuth / und ſoll hinfort ketne 
Suͤnd⸗fluth mehr kommen / die die Erde verderbe: GOTT 
ſprach: Dieſes iſt das Zeichen des Bundes den ich gemacht 
habe zwiſchen mir und euch / und allen lebendigen Thieren bey 
euch hinfort ewiglich. Weinen Bogen hab ich geſetzet in die 
Wolcken/der ſoll das Zeichen swifchen mir und der Erde ſeyn. 
Und wenn es nun komt daß Ich Wolcken über die Erde führe/ 
fo ſoll man meinen Bogen fehen Inden Wolcken; alsdenm 
wil Ich gedencken an meinen Bund zwiſchen mir und euch. 

26, Diefer Bund mit dene Menfchen ift ein Bilde der drey 
Principien Göttliches Weſens / als der Wefen aller Werfen. 
Dander Regenbogen ift das Zeichen diefes Bundes / daß fich 
GOtt erinnert / und gang innerlich anſchauet / daß der Menfch 
aus drey Principiis ſey inein Bilde gefchaffen worden / und dag 
erinallen dreyen leben muſte; und fahe andes Menfchen Une 
vermögenheit und groffe Fährligfeit/ und ftellete ihme diefes 
Bundes Zeichen zueiner Fürmodelung vor / daß fein Grimm fich 
nicht mehr erweckte / und alles geben ververbte. 

‚27. Denn der Regenbogen hat die Farbe allerdrey Princi- 
pien : als des erften Principii Farbe / ift roth und tunckel⸗braune 
Bedeutet die Finfters und Feuer⸗welt / ale das erſte Princi⸗ 

Jar mM 4 pium; 


272 Vom Anf. der andern Monarch. Cap. 33 


Pium, das Reich Gottes Zornes. Des andern Principii Farbe 
iſt weiß undgelbe / iſt Die Majeſtaͤtiſche Farbe angedeutet / als 
ein Bilde ver H. Welt / Gottes Liebe. Des dritten Principi 
Farbe it grün und blau / bla vom Chaos ‚und grün vom QBaf- 
fer over Salpeter / da ſich im Schrade des Feuers der Sulphur 
und Mercarius ſcheidet / fo gibtsiunterfchtedliche Farben / welche 
uns andeuten die inneren geiftlichen Welten / welche inden 4. 
Elementen verborgen flehen. 

28. Diefer Bogen ift die Figur des Juͤngſten Gerichts / wie 
fich die inneren geiftlichen Welten werden wieder offenbahren/ 
und die 4: Elementiſche Welt in fich verfchlingen. - 

29. Und ift das Genadenzzeichen des Bundes / welches Zei⸗ 
eben im Bunde den Richter der Welt andeutet / als Chriſtum / 
welcher in allen drey Principien am Ende der Tage wird ers 
ſcheinen: Als nach dem Feuer-zeichen ein ſtrenger Richter uͤber 
die Turbam, und alles was darinnen erfunden wird werden / 
wird er das Feuer-gerichte offenbahren / und die Turbam a 
zuͤnden / daß das erſte Principium wird in feiner ſeuriſchen Eis 
genſchafft erſcheinen / denn alle Dinge dieſer Welt Weſen muͤſ⸗ 
fen im Feuer des erſten Principii, als im Centro der ewigen Na⸗ 
kur bewehret werden: Allda wird die Turba aller Weſen im 
euer verſchlungen werden. 

30. Und nach vem Licchts-geichen wird er mitten im Feuer / 
als ein lieblich Angefichte allen Heiligen erfcheinen / und die ſei⸗ 
nen in feiner Liebe und Sanfftmuht für des Feuers Flammen 
Bewahren. * 

312. Und nad) dem Reiche der aͤuſſern Natur dieſer Welt 
wird er in feiner angenommenen Menfchheit erfcheinen / und 
wird vor ihme das Auffere Myfterium der 4. Elementen / als 
nad) dem Sulphure, Mercurio und Sale, nach allen Eigenfchaff> 
zen der Wunder des ausgefprochenen geformten Worts / nach 
Liecht und Finſternuͤß / alles offenbahr werden. 

32. Deffen Bilde und Figurift der Regen-bogen / dan er iff 
eine Gegenmodelung oder Gegenfchein der Sonnen / was in der 
Zieffe vor eine Eigenfchafft fen: Die Sonne wirfft ipren Glaſt 
in die 4. Elementa gegen dem Chaos, fo offenbahret fich das 
Chaos daraus die 4. Elementa ausgehen nach den Principien 
nit feinen Farben: Und deutet an den verborgenen Grund der 
4. Elementen / als die verborgene Welt / umdauch die Verbor⸗ 
genheit der Menfchheit : Denn in diefe Verborgenheit der 
Siearion ſtellete GOTZ feinen Bund / dag er derer a 

m 


&; 33. und vom Bunde Gott. mit Noahlıc. 273 


sticht wolte nit Waſſer verderben / daß fi die Brunnen der 
Zieffe im Chaos nicht folten mehr auffthun / wiein der Suͤnd⸗ 
fluth / und in der Schöpffung der Welt geſchahe. 

33. Der Regen-bogen iſt eine Eröffnung des Chaos in der 
Natur / und mag /fo die Sonne in einem guten Alpe& ſtehet / in 
den Elementen eine wunderliche Gebuhrt geben in den wachſen⸗ 
des und lebendigen ; Auch mag ein lebendig creatürlih Weſen 
Dadurch inder Tieffe erbohren werden /als nach Eigenfihafft der 
Sonnen Gewalt / nach dehme fte in den Elementen eine Eigen 
ſchafft vom Seftirne findet zum Boͤſen oder Guten / offters zu 
Wuͤrmen / Sliegen/ Heufchrecken und dergleichen ; auch zu einem 
guten Leben /nach dehme Saturnus und Mercurius in ihrer Be= 
gierde entzündet find. 

34. Denn fo fic) das Chaos eröffitet/ fo geucht die herbe Sarur- 
nialifche Eigenfhgfft/als cin Hunger oder Begierde an fiih/ und 
faffet die Eigenfchafft des Chaos ‚darinnen die verborgene Kraͤff⸗ 
te liegen in feiner Begierde / und coaguliretdas / fo wird Mercu- 
rius alsöald im Sulphur lebendig/dann die Sonn zündet den feu⸗ 
tigen Martem an in feiner Eigenfchafft / Davon der Mercurius 
beweglich wird. Diefes faffet Sarornus in ein Corpus ‚alsin ein 
Ens, fo mag fih der Salpeter nicht mit dem Marre einigen / ſo 
gehetsanein Scheiden oder Bewegen; und mögen doc) dein Sa- 
turno , als dem Fiar der Auffern Welt nicht entrinnen / fo ifts 
ein fliegend Leben nach derfelben Conſtellation Eigenfchafft. 

35. Aus dem Regen⸗bogen mag Sarurnus, fo die Sonne in eis 
nem guten Aſpect iſt / ein Thaumarffer in fich ſaſſen; verficher in 
Die Saturnialifche Eigenfchafft / welche hernach über die Waſfer 
fallet / welches etliche Fiſche in fich ſchlingen / und in fid) coaguli- 
ren / daraus föftliche Derlein kommen mögen. 

36. Denn die paradififche Eigenfchafft thut fich im Chaos init 
auff / fo das nicht durch boͤſe Aſpecten verhindert wird / welches 
MeifterBielklug nicht glauben duͤrfte / welcher der Natur Grund 
an Fingern zehlen kan / und am Myſterio doch blind iſt / und we⸗ 
der das innere noch das aͤuſſere ver ſtehet / deme habe ich nichts 
gefihrieben: Denn ich darf nicht Kälber zum Verſtan⸗ 
de meiner Schriften] fondern aute erleuchtete Augen | 
den andern find fie alle ſtumm / wie klug die auchfind. 

37. Das Chaos ift die Wurgelder Natur / und gibet aus fich 
felber nichts / als eine guse Eigenfchafft / fo aber die Conftella- 
tion boͤſe ift / ſo ergreiffetdie böfe Begierde die gute Eigenfchafft 
in ſich / und verwandelt fie ins Böfe / gleich wis auch ein gufer 

Ms Menſch 


274 Wie Noah feinen Sohn Cap.34 
Menſch bey einer böfen Gefellfchafft / fein Gutes in ein Boͤſes 
verwandelt. 

38, Und wirdder Negensbogen fürnemlich dem Menfchen zu 
einem Genaden⸗Zeichen fürgeftellet/ dag er fich folle an einem 
wahren Spiegel beſehen was er ſey: Denn im Regenbogen ift 
Das Zeihen Gutes und Böfes offenbahr/als ein Bilde des Centri 
der Natur /aus welcher Böfes und Gutes urftändet ; über wela 
ches des Menfchen Sohn von GOtt ward zum Richter geſetzt. 

39. Denn das Bilde der Archa Nox ift auch im Regenbogen / 
fo wir nicht blind wären / auch foift die Dreyheit der Gottheit 
Darinnenabgebifvet ; denn die rothe Farbe bedeutet den Vatter / 
Die gelbe und weiffe den Sohn / und die blaue den Geift. 

40. Und hat ih GOtt in einer Figur nach feiner Offenbah- 
zung in das Zeichen feines Bundes dargeftellet/ das wir follen 
zu feiner Genade fliehen / und feinen Bund annchmen/ und ung 
ſtaͤts erinneren feiner Fünffiigen Offenbahrung / da er die geiſt⸗ 
liche Welt wird wieder offenbaͤhren / wie er uns am Regenbogen 
ein Gleichnuͤß hat dargeftellet/pag wir ſehen follin was im Ver⸗ 
borgenen ſey / und wie fein Bund mit uns im Verborgenen ewig 
ſey / und immerdar vor ihm ſtehe. 


Das 34. Capittel. 


Wie Noah feinen Sohn Ham verfluchet / und don der 
Deutung Nochs über feine drey Söhne / und ihre 
Nachkommen aus ihnen. 


ö. Oah aber fingan und ward ein Ackersmann / 
A und Pflangte Weinberge / und da er des Weins 
tranck / ward er truncken / und lag in feiner 

Hütten auffgedecht : Da nın Ham Tanaans 

Datter ſahe feines Vatters Scham / fügte ers 

feinen beyden Brüdern darauſſen; da nahm Sen und Ja> 
DHet ein Kleid / und legten es auffihrer beyderSchuldern/und 
giengen ruͤcklich hnzu / und decketen Ihres Datters Scham 
z / und ihr Angeſicht ward abgewandt / dag fieihres Vatters 
Scham nicht ſahen. Als nun Noah erwachte vom Weine / 
und erfuhre was ihm ſein kleiner Sohn gethan hatte / ſprach 
er: Ver flucht ſey Canaan / und ſey ein Knecht aller Knechte 
unter ſeinen Bruͤdern / und ſprach weiter: Gelobet ſey GOtt 
der HErr des Sems / und Cauaan ſey ſein Knecht: GOtt va 


= 


Cap.340 Ham verfluchet/rc. 275 


te Japhet aus / und laß ihn wohnen in den Huͤtten Sems / 
und Canagan ſey fein Knecht. 

2. Diefes iſt das wahrhafftige Bilde menſchlicher Eigen 
ſchafft nach den 3. Principien oder ABelten: Dann der Geiſt in 
Noah redet aus dem Centro , und die drey Söhne Reah ftunden 
jest vorm Geifte in einer Figur/wasfür Voͤlcker aus ihnen ent⸗ 
fichen würden. Aus dieſer Figur deutete der Geift Noah aus 
dem Stammedes geformten Wortes menfchlicher Eigenfchafft/ 
was die andere Monarchiafeyn werde: Noah ift truncfen wor⸗ 
den / und ift mit der Scham bloß gelegen / deſſen hat fein Sohn 
Ham gefpotfet/ und auch feinen Brüdern gewieſen / daß fie auch 
dergleichen thun folten. Hie deutet der Geiſt an woraus deng 
Ham der Fluch entftanden fey / als aus der Scham feines 
Vaͤtters. 

3. Denn das war eben der Ekel vor GOttes Heiligkeit / aus 
welcher Wurtzel der Ham und fein Geſchlechte / als der Menſch 
der Eitelkeit entſtehet / denn im Bilde GOttes iſt die Scham 
ein Ekel. 

4. Darumb hieß GOtt den Abraham fih an diefem Gliede 
befpneiden : Anzuzeigen / dag diefes Glied dem Adam im Ans 
fange nichtfey gegeben worten/und dag es wicder folle vom Bil⸗ 
de GOttes abgefchnitten werden / und nicht GOttes Reich er> 
benz aus welcher Urfache fich auch der Seelen» Geift das ſchaͤ⸗ 
met zu blöffen. 

5. Weil e8 aber Adam / in dehme er iin Bilde GOttes nicht 
beftund/als feine Eva aus ihme gemacht ward / angehängfiward 
zu einer thierifchen Arth zur Fortpflantzung / fo hat fich auch 
diefer thierifche Baum ausder Eigenfchafft mit fortgepflantzet / 
als der fleifchliche Geiſt der Eitelkeit / und iſt demn Menſchen au⸗ 
gehangen / deffen Figur war Ham; und darumb fpotteteer ſei⸗ 
ner eigenen Eigenfchafft an feinem Batter. 

6. Der Geiſt aus diefer Eigenfihafft fpottete fein Ens au 
dem Centro ver Natur / er befahe ftch ander Scham ſeines Bat⸗ 
ters /daraus er war entflanden/ als an einem Spiegel füner 
Selbheit: Alfo gieng auch zuhandt derfelbe Geift/ als ein Leben 
der Eitelkeit herfuͤr / und offenbahrete ſich was er waͤre / als 
nehmlich ein Spott des Himmels. 

7. Welches der Geift aus dem Bilde GOttes im geformten 
Worte des gutenEntis in Noah erkañte / und in ihme das Feuers⸗ 
Centrum der Seelen im Grimm erweckte / und dieſen Geift-2er 
Eitelkeit verfluchete / daß er nicht folte miterben im ,Hiwrireiche, 

m 6 Dir 


Lu 


ur 


276 Wie Noah feinen Sohn Eap za 


Der Spott-Beift foll nicht GOttes Reich befisen/ fondern vom 
Bilde GOttes abgefchnitten werden / das ift vom Auffern Bilde 
ger geformten Ereatur. 

8. Denn dieſelbe Eigenfchafft/ daraus die Scham entftanden 
iſt / die it an ihr felber gut aberin Adanıs Imagination nach 
ver thierifchen Eigenfchafft ward fie monftrofifch / thierifch und 
frembde am Bilde GOttes; fo foll nun diefe frembde Geftalt 
und Korn nicht ewig bleiben. 

9. Aus der frembden Geftalt entftund der Spott. Der 
Zeuffel fchloff in die Figur des frembven Geiftes des Ehams) 
und ſpottete der himliſchen Gebahrerin / daß fie am Bilde GOt⸗ 
des war ein Monſtrum worden; darumb verfluchte der Geiſt 
Noah den falſchen Spott⸗Geiſt. 

10. Nicht iſts zu verſtehen / daß Ham in feiner Seelen und 
Seelen⸗Geiſte ſey verflucht worden / ſondern nach der ſpoͤttigen 
Figur des Spott-Geiſtes / welcher ſich aus dem Monſtro herfür 
that: Er aber (das iſt / das irrdiſche Bild aus dem Limo der Er—⸗ 
den) ſolte im Bilde GOttes mit dem eigenen Willen verborgen / 
und nur als ein Knecht oder Werckzeug des Bildes GOttes aus 
dem heiligen Ente ſeyn: Nicht der irrdiſche Geiſt ſoll regieren / 
ſondern der him̃liſche / als die Seele mit ihrem Geiſte / das Mon- 
ſtrum, ‚als derſelbe Geiſt ſoll nicht offenbahr ſeyn. Weil aber 
der freye Wille den monſtroſiſchen Geiſt erweckte / welcher nur 
ein Spoͤtter war der Verborgenheit im Bunde / ſo verfluchte ihn 
Noah / und ſagte / er ſolte ein Knecht feiner Bruͤder ſeyn. 

11. Denn er ſagte: Gelobet ſey der GOtt des Sems / und 
Cangan ſey fein Knecht: GoOtt breite Japhet aus / und laſſe ihn 
wohnen in den Huͤtten Sems. Der GOtt des Sems war der / 
Der fich hatte mit dem Bunde in des Weibes Saamen einverleis 
bet / deffen Figur im Beifte war Sem ; und Japhet war die 
Figur der armen im Monftro gefangenen Seelen / diefelde Ja⸗ 
phitifche (oder Seelen) Eigenſchafft folte GOtt in Seins Hüt> 
ten laſſen wohnen/ und in Sems Figur außbreiten. 

12. Aber des Hams Figur (mach dem inonftrofifchen Seifte ) 
Tolte nicht ing Regiment des Lebens in der Wiedergebuhrt ſeyn / 
fordern nurals ein Knecht oder als ein Werckzeug ohne eigenen 
Willen over eigenem geben der Selbheit zum Gehuͤlffen und 
Diener des geiftlichen Neiches gebraucht werden/auff Arth wie 
die Nacht im Tage verborgen ift/ und doch wahrhafftig ift/ und 
doch als wäre fie nicht / und iſt des Zuges Dienerin zu feiner 
Wuͤr ung und Kraft, 

13. Alſe 


Cap. 34.  Hamverfluchetiic. 277 
13. Alfo auch imgleichen fprach der Geiſt aus / wie die drey 
Eigenfchafften der Menfchheit / als des Weibes Saame / und 
der creaturlichen Seelen Saame / und der irrdiſche Saame in 
Hams Figur foltenim geiftlichen Reiche in der Wiedergebuhrt 
innen ſtehen umd regieren ; und zeigefe Darunter an ein Reich 
der Welt / wie diefelbe Figur fich würde im Reiche und Regi—⸗ 
ment der Menfchheit auff Erden forttreiben / und feine Figur 
alſo von auffen behalten / fo lange die Menfchheitim Regiment 
der 4. Elementen leben werde / wie ſichs dann auch hat begeben. 

14. Dann Sems Figur giengim Bundeauff Abraham und 
Arael/als da das Wort des Bundes offenbahr und im Schall 
war ; UndZaphets Figur gieng in der Natur / als durch die Weiß⸗ 
heit der Natur im Reiche der Natur fort; daraus entſtunden 
die Heyden / welche auff das Liecht der Natur ſahen; und Sems 
Linea ſahe auff das Liecht im Bunde: Alſo wohnete Japhet / 
Das iſt / die arme gefangene Seele / welche der ewigen Natur iſt / 
in Sems Huͤtten / als unter dem Bunde: Denn das Liecht der 
Natur wohnet im Liecht der Genaden / und iſt des Genaden⸗ 
Liechts / als GOltes Liechts Hauſgenoß / als eine Form oder ge⸗ 
faſſetes Weſen des ungefaſſeten Liechts GOttes. 

25. Und Hams Linea gieng auf den animalifchen Menſchen 
aus dein Limo der Erden / in welchem der Fluch war / daraus 
entſtund das Sodomitiſche und faft gan viehiſche Volck / welches 
weder des Liechts der Natur / noch des Genaden⸗Liechts im Bun⸗ 
de achtete. 

16. Deutet an das aͤuſſere Theil der Seelen vom Geiſte die⸗ 
for Welt] welcher in der geiſtlichen Welt in der Wiedergebuhrt 
ſoll ein geformter und gefaſter Wille ſeyn / der nicht in eigen 
Geiſtes Weiſe koͤnne oder begehre zu regieren / ſondern als ein 
Knecht und Diener der Creatuͤrlichen Seelen / und des Geiſtes 
GDttes in der heiligen Liechts-Bildnuͤß / der in keinem eigenen 
Verſtaͤnde in der Selbheit offenbahr fey /fondern verborgen / 
gleich wie die Nacht indem Tag / und doch wahrhafftigfey. 

17. Denn die animalifche Seele follnicht erben das Reich des 
Liechts / ob fie wohldarinnen ſeyn fol und wird / fohatfieaber 
Fein Regiment: Gleich wie ein Werckzeug gegen dem Meifter 
ſtumm iſt / und iſt doch des Meifters Werckzeug / damit er machet 
was er wil: Alſo auch imgleichen von der animaliſchen Scele 
zu verſtehen in der Wiedergebuhrt. 

18, Aber in Zeit der 4. Elementen wil ſte das Ober⸗Regiment 
haben / denn ſie hat ſich in ein Eigenthum und figurlich Leben 

M7 aus 


278 Wie NoahfeinenSohn Cap. 34. 


dur Selbheit cingeführet ; und darumb hat fie GOtt verflucht 
und zum Tode geurtheilet / daß ſte muß der Selbheit abfterben. 

19. Dann als Adam die irrdifche Eigenfchafften aus dem 
Limo der Erden in feiner Begierde erweckete / dag fie aus der 
gleichen Concordanf; aufgiengen / eine jede in feine eigene Luſt / 
fich alsein eigen geben zu fchauen / fo ward hiemit die thierifche 
Seele zum Dber-Regiment bracht / und diefelbe ift Hams Ei— 
genfchafft /die hat GOtt zum Knechte unter das englifche Reich 
geordnet / und ihren fpöttigen Gewalt verfluchet / in deme fie 
een Matricis ſpottete / und ihre eigene Figur dar⸗ 

ellete. 

20. Der Geiſt ſaget im Moſe: Sem und Japhet haben ein 
Kleid genommen auff ihre Schuldern / und ſind ruͤcklings zu ih⸗ 
rem Vatter gangen und ihn zugedecket / daß ihr Angeſicht ſey ab⸗ 
gewandt worden / und nicht ſeine Scham geſehen. O du wunder⸗ 
licher GOtt! wie gar heimlich fuͤhreſtu deine Wercke: Wer 
wolte doch erkennen und verſtehen deine Weege / ſo uns nicht 
dein Geiſt leitete / und den Verſtand oͤffnete. 

2x. Dieſe beyde Bruͤder haben ein Kleid auff ihrer beyder 
Achſelen genommen / und den Vatter zugedecket: Warumb 
thaͤte es nicht einer allein ? oder warumb tranck ſich Noah trun⸗ 
cken / und lag alſo bloß mit der Scham? Dieſes ſiehet die Ber⸗ 
nunfft an) als waͤre nichts mehr darunter / und da doch gleiche 
wohl Ham dadurch verflucht ward/umd zum Knechte feiner Bruͤ⸗ 
der gemacht / und nicht allein er /fondern auch alle feine Nach⸗ 
kommen aus ihme: Sofehen wir ja klar was der Geiſt damit 
deutet / daß eseine Figur und Fürbilde ſey deſſen / was da kuͤnff⸗ 
tig ſeyn wuͤrde. 

22. Der irrdiſche Geiſt / welchen der Teuffel hatte monſtro⸗ 
fit gemacht /der war ein Spoͤtter der himmliſchen Gebuhrt / 
der fahe wohl die Scham / die er alsein Monftrum an ſich tra> 
gen miſte: Aber er gieng damit hin als ein Thier / und ſpottete 
der neuen Wiedergebuhrt aus ver himmliſchen Matrice. Aber 
Japhet als die arme Seele / und Sem als das verhlichene Him⸗ 
mels: Bilde / welches im Bunde wieder räge ward / die nahmen 
ein Kleid auff ihre Schufdern : Daffilbe Kleid war die neue 
Menſchheit / die ſich aus dem Bunde / ausder Englifchen Welt 
folte eroͤffnen. 

23. Undfie giengen ruͤcklings hinzu / und decke ten des Vatters 
Scham zu: Das deutet an / daß ſich der freye Wille der Selb⸗ 
heit ſoll und muß gantz von dein thieriſchen Monftio der * 

* ei 


Cap.34. Ham verfluchet / ꝛtc. 279 
heit / darinnen die Scham effen ſtehet / abwenden / und wiederumb 
in die gelaſſene Kindheit eingehen / und nicht mehr für ſich / ſon⸗ 
dern wieder hinter fich ; und muß das Kleidder neuen Menſch⸗ 
heit / als Ehrifti Unſchuld / und Bezahlung auff fich nehmen / und 
darmit die Schande / die uns unfer Batter Adam hat mit dem 
Monſtro angeerbet/ zudecken / das war allhiedas Bilde, 

24. Und daß nicht Sem allein das Kleid hintrug und zudeckte / 
iſt die Figur / daß die Seele / als Japhet / das iſt das innere Reich 
der innern ewigen Natur ſoll helffen / denn die Seele iſt des Vat⸗ 
ters Eigenſchafft / derer Bilde war Japhet; und der Seelen⸗ 
Geiſt / als das ſchoͤne Bilde GOttes im Liechte / welches in Adam 
verblich / und im Bunde im Bilde ſtund / welches Figur war 
Sem / deutet an des Sohnes Eigenſchafft / welcher den Bund 
folte eröffnen : Alſo iſt ung zu verſtehen / das Kleid unſerer 
Suͤnden Zudedung nahm an einem Theil der Batter in feinen 


Willen / der uns den Sohn fihendete / bedeutet den Japhet; und 


am andern Theil der Sohn / der unſer Schande mit des Vatters 
Willen zudeckete / bedeutet den Sem. 

25. Denn ſoll Chriſtus das Kleid auff unſere Schande decken / 
fo mu die Seele helffen / das ift/fie mug ihren Willen gang dar⸗ 
ein ergeben / und mit ihrem Willen wieder ruͤcklings gegen der 
Schooß des Batters gehen / und nicht mehr felber wollen und 
wiſſen / wie fie gehef oder gchen wil/ fondern alfo mug ficdag 
Kleidin wahrer Burke auff ihre Achfelen nehmen / und das ander 
Theil dem Sem auff feiner Achſel laſſen / als dem wahren Bil⸗ 
de Chriſti / welches iſt die edele Sophia 

26. Die zwey faſſen das. Himmels-⸗Kleid / und gehen ruͤcklings 
zum Vatter / und ob ſie das gleich nicht koͤnnen ſehen wie fie ge⸗ 
hen fo gehen fie aber im Glauben auf GOttes Erbarmen / und 
wenden ihreXugen vor der Scham / Eitelkeit un falſchen Willen 
abe : Denn an diefem Orthe deutet rüdlings geyen / und die 
Schande zudecken anders nichts an / als die für fich gehende 
Selbheit umbkehren /und wieder rüdlings in das Eine einges 
gehen / daraus der freye Wille war in das Monſtrum oder Scham 
außgegangen. 

27. Noahs Trunckenheit deutet an / daß Adam / als er in dieſer 
Welt Eigenſchafft mit der Luſt eingieng / ſey in thieriſcher Ei⸗ 
genſchafft truncken worden / und habe ſeine Scham darinnen ge⸗ 
bloͤſſet / das iſt / er hat die thieriſche Luſt darinnen gebloͤſt: Als 
nun diefes geſchehen iſt / fo ſtund er vor GOtt in groſſer Schan⸗ 
de / ſo kam der thieriſche Geiſt in dieſem Monſtto der nich 


Luſt⸗ 


280 Wie Noah ſeinen Sohn Kap. 34 
Luſt⸗ſeuche herfuͤr / und ſpottete des edlen Himmels-Bildes / und 
machte ſich zum Herren. 

28. Alſo muſte Chriſtus in unſerer Seelen / und in unferer 
verblichenen / und wieder lebendig gemachten edlen Sophia, un» 
fers Vatters Adams / und feiner Kinder Scham zudeden/ 
denn er wolte darumb nicht aus Mannes Saamen gebohren 
werden / fondern aus dem himmliſchen verblichenen Ente, und 
führete darein fein lebendig Ens von der heiligen Welt) dag 
er unfern monftrofifhen Saamen der feelifhen Eigenfchafft 
mit vr. himmliſchen Ente zudeckete / den Adams Luft hatte auff⸗ 
gedecket 

29. Die verderbte Arth / welche ſich im Paradeiß hatte eroͤffnet / 
gieng in allen Menſchen mit fort; Ind ob gleich in den Heiligen 
in ihrem Geiſte das Bilde GOttes wieder erbohren ward / als in 
einer figurlichen Form / biß auff die Erfuͤllung Chriſti im Flei⸗ 
ſche; noch dennoch gieng das monſtroſtſche Bild in allen in der 
irrdiſchen Eigenfchafft mit fort. 

30. Weilaber die erfte irrdiſe che Welt menfigliher&igenfchafft 
in der Suͤndfluth erſaͤuffet ward / und die erſte Monarchia allda 
auffhoͤrete / ſo ſtellete ſich derſelben Form nach der Suͤndfluth 
alsbalde wieder dar mit Noah und ſeinen drey Soͤhnen. So 
deutet nun der Geiſt aus dem Stamm und Wurtzel menſchlicher 
Eigenſchafft / wie es hernach gehen wuͤrde / wie ſich der Baum des 
Menſchen in feinen Eigenſchafften wuͤrde in Aeſte und Zweige 
einführen/ong ift/in unterſchiedliche Voͤlcker und Regimente und 
wie ſie nicht alle den einigen GOtt nach feinem Genaden⸗Liechte 
erkennen wuͤrden / und wie ihnen Gott werde das Genaden: Sicht 
im Geſchlechte des Sems fuͤrſtellen. 

31. Dann Noah ſaget: Gelobet ſey der GOtt des Sems / 
und Japhet ſoll in Sems Huͤtten wohnen: Unter vom GOtt 
des Sems / verſtehet er das heilige Wort im Bunde / wie ſich das 
werde offenbahren: Alsdenn werden die Japhiten oder Heyden / 
welche im Liechte der Natur lebeten / zu dem geoffenbahreten 
Genaden⸗Liechte (ausSems Geſchlechte) kommen / und in Sems 
Huͤtten eingehen / und darinnen wohnen: Das deutet an die 
Heyden / welche zuvorn nur vom Liechte der Natur wuſten / als 
ſich das Wort in der Perſon Chriſti mit dem Genaden-Liechte 
des Evangelii offenbahrete / fo giengen fie in das Genaden— 
Sicht ein. 

32. Allda muſte Hamjals der fleifchliche Luſt-⸗Geiſt in feiner 
Eigenfchaift und Selbheit hey denen Kindern des Liechts a 

Kne 


Cap.34 Ham verfluchet / etc. 281 


ae werden / dem die Rinder GOttes beugen ihn unter die 

Knechtſchafft / und nehmen ihm feinen fpöttigen Willen > Denn 
der Geiſt Hams / welchen Noah verfluchte / deutet an/wie derfelbe 
Hams⸗ Seift werde auff Erden groß werden / und nur in der 
monſt roſtſchen viehiſchen Erkaͤntnuͤß einbergehen/ und der Kin⸗ 
Der des Liechts fpotten / ſie fürNarren halten / daß fie auff ein an⸗ 
ders hoffeten / das fie aͤuſſer lich nicht ſehen. 

33. Alſo deutet der Geiſt in Noah auff dreyerley Menſchen / 
als erſtlich auff die Kinder des Glaubens / welche bloß und allein 
auff das verborgene Liecht GOttes Genade ſehen wuͤrden / und 
daſſelbe in ihren Hertzen ſcheinend haben. 

. Die andern würden auff das Liecht der Natur und Ver⸗ 
Kunfft ſehen / und würden dag verborgene Liecht wollen durch die 
Vernunfft ergründen / würden fich darumb zancken und beiffen / 
und nielfelsame Monftra und Gedichte aus dem Liechte der Na— 
tur herfür bringen / und vor Götter oder GOttes Liecht auff> 
waren /wie es denn bey den Ehriften und Heyden alfo ergan⸗ 
gen iſt. 

35. Die dritten würden Hams Arth ſeyn / und weder das Liecht 
der Natur oder Genaden erkennen / ſondern einher gehen als das 
Viehe / und nur Zittel-und Maul-Kinder ſcyn darzu Spoͤtter 
und Maul⸗affen / welche ſich wohl auch wuͤrden GOttes Kinder 
Kennen : Aber ihre tatnaß werde nur eine aͤuſſerliche Mauer⸗ 
kirche ſeyn / eine Gewohnheit eines Gottesdienſtes / da das Maul 
werde ven Namen Gottes führen / aber das Hertze nur einen 
viehiſchen Geift zur irrdiſchen Hoffarth und Wolluſt gebaͤhren. 

36. Alſo werde der Geiſt Sems / Hams und Japhets in einer 
Gemeine untereinander wohnen: Sems im Glauben unter 
den Japhiten verborgen in einem unanſehnlichen verachteten 
Voͤlcklein: Japhets aber mit groſſem praͤchtigen Geſchrey 
groſſer fuͤrgebender Gottesdienſt / aber nur als Gleißnerey aus 
dem Liechte der Natur: Hams aber voll Fraſſes und Spottes; 
welcher beyder / als der Kinder des Japhitiſchen Scheins / und der 
Kinder des wahren Liechtes nur ſpotten werde / und werde leben 
als das wilde Viehe / und doch wollen alſo in ſeinem Saͤu⸗leben 
ein von auſſen angenommenes Genaden⸗kind ſeyn. 

37. Derſelbe Ham hat ietzt in der Chriſtenheit das Regiment / 
er hat mit Japhet geheuchel t / daß er ihme hat durch das Natur⸗ 
Liecht einen aͤuſſerlichen gleiſſenden Gottesdienſt / als einen aͤuſ⸗ 
fern Maul⸗Gott auffgerichtet: Derſelbe Maul-Gott hat den 
Ham in feinem thieriſchen Sodomitiſchen Geiſte mit einer ſchoͤ⸗ 

nen 


282 Wie fich der menfchliche Baum Cap. 35. 


nen gleiffenden Dede unter Ehrifti Purpur- Mantel zugedecket/ 
und ihme groffe Saͤcke voll Genaden⸗-Liechts zu feinem Häubte 
geleget / die foll der thieriſche Maul-Geiſt des Hams mitnehs 
men /wenn er ja fterben müfte / fo habe er-doch groffe Saͤcke voll 
Genaden-Liechts. 

- 38. Aber das Liecht der Genaden bleibet nur in den Saͤcken/ 
und der Hams-Geift bleibet im ſich ein böfes Thier / und wird 
die Side nicht auffinachen koͤnnen / und das Sicht der Genaden 
heraus nehmen. Diefer Hams-Beift ift verflucht/und foll GOt⸗ 
tes Reich nicht erben/er werde dent felber aus dem Genaden⸗Liecht 
neu⸗gebohren / anderſt helffen ihme die Saͤcke und Dede nichts. . 

39. Denn ein Thier gehet ins Heiligthum / und bleibet ein 
Thier wenns heraus gehet: Dein Heucheln/Zröften und Kitzeln 
huͤlfft dich alles nichts/du geheft denn wieder in deine erfte Mut⸗ 
ter ein/ daraus der Menfch entfprungen ift / und werdeft als ein 
kleines neu⸗gebohrnes Kind/ und lafleft Ham und Saphet mit 
allen ihren Künften und Schwägen hinfahren. 

40. Dei Japhet erreichetsnicht in feinem gleiffenden Reiche? 
er gehe dann ın Sems Hütten ein / alsindas Genaden⸗Liecht / 
daß vaffelbe in ihme gebohren werde : Nicht von auffen anges 
nommene Kindergeltenvor GOtt /fondern insgebohrne Kinder 
aus dem himmliſchen Ente , in Ehrifti Geifte : Wer dehn nicht 
hat / ver iſt ſchon gerichtet. 


Das 35. Capittel. 


Wie fich der menfihliche Baum durch Noahs Kinder 
habe in feinen Eigenſchafften außgebreitet / und wie fie 
am Thurn zu Babel find in den Eigenfihafften / durch 
- die Berwirrung der Sprachen / in unterfihiedene 

| Voͤlcker zertheilet worden. 
2 In jeglicher Baum waͤchſet erftlish nach dehme er 
— aus ſeinem Korn entſpringet / in einem Stamm / 
hernach in Aeſte und Zweige und fuͤhret ferner 
heraus aus ſeinem Ente die Bluͤte und Frucht: 
Alſo auch imgleichen von dem menſchlichen Bau⸗ 


mie zu verſtehen nach feiner Krafft und Offenbahrung feiner vera" 


korgenen Wunder der Göttlihen Weißheit / welche in dent 
uienſchlichen Ente verborgen lag / und fich mit der Zeit aus jedem 
Gradu der Eigenfchafften yerfür thaͤte. 

2, Adam 


= wi x ee 


Es. 3 5. durch Noas Kinder habe aufigeb. 283 


2. Adam war das erfte Ens zum Korn / und daffelbe Ens zum 
menfhlichen Leben war in der Böttlichen Weißheit / im Worte 
der Göttfichen Krafft Göttliches Berfiandes : Denfelben heilis 
gen Ens aus Böttlicher Weißheit und Luſt führete der Geiſt 
B9ttes ins Verbum Fiat, als in die Begierde des formenten 
Mortes/als in die Natur: Alldainnenhatder Geift GOttes 
das Ens Göttliher Weißheit in ein formlich Sehen durchs 
ſprechende Wort figurirer/ und die Natur der drey Principien in 
ein Corpus, in welches Corpus (verftchet in das Ens der Natur) 
der Geiſt GOttes daffelbe figurirte creatuͤrliche chen Görtlicheg 
Derftandes hateingeblafen. 

3. Dadenn der Menſch entſtanden / und eine febendige Seele 
worden / beydes aus himmliſchem geiftlichen/ und aus zeitlichen 
Ente der Erden und 4. Elementen) fo wohl aus dem Geftirne 
Magix Divinz und Magix Naturalis, eingang Gleichnuͤß GOt⸗ 
tes; cin Luſt-Baum des Schens Göttliher Weißheit und Be⸗ 
ſchauligkeit / gepfropffet ins Paradeiß GOttes / als in Himmel. 
und in Die Zeit Diefer Welt / und in beyden innenſtehende zur 
Wiedergebaͤhrung und Formirung feines gleichen aus ihme; 
gleich wie aus einem Baume viel Zweige / Acfte und Früchte 
wachſen /da eine jede Frucht wieder ein Korn zu einem neuen 
Stamm und Baͤumlein iſt: Alſo auch imgleichen vom menſch⸗ 
lichen Baume zu verſtehen iſt. 

4. Der innere geiſtliche Ens wuchs in feiner Gewalt in A⸗ 
dams Leben / biß ihn der irrdifche auffere natürliche Durch des 
Teuffels Vergifften übertraff : So ſchwang ſich der natürliche 
inden Kräfften der Wunder der Natur herfür / und führete fei> 
ne Aeſte und Zweige aus der Efleng der Natur herfuͤr. 

5. Und ob wohl der heilige Ens aus der hinmnliſchen Welt 
Weſen in Adam durch die Vergifftung verblich/f ergab fich aber 
das Wort Göttliher Krafft wieder mit einem Bunde darein / 
Daß alfo derfelbe Ens von der himmliſchen Welt in diefem Bau⸗ 
ine mit fortgepflanget ward / big auffdie Zeit feiner neuen Auß⸗ 
wachſung im Ente Mariz/ dader Bund am Ziel ftund. 

6. Adams geiftlicher heiliger Stamm wuchs big an feiner 
Fall / da under ftille und ergab fich das Wort mit dem Bunde 
darein / als in einen verblichenen Ens zur endlichen Wiederge⸗ 
baͤhrung; und der aͤuſſerliche natuͤrliche Stamm kriegete den 
Gewalt und das eigenwachſende Leben im Fall / da die 4. Ele— 
menten ein jedes in ſeiner Eigenſchafft empfindlich und qnalifici- 
sende worden/und wuchs big an die Suͤndfluth; erſtlich & * 

⸗ u > 


284 Wie fich der menfchliche Baum Cap.z 5. 


Suͤndfluth mit feinen Heften und Zweigen / und erzeigete fich als 
ein gewachfener Baum / nach allen Eigenfchafften in Böten und 
Guten. 

7. Die Krüffte darinnem hatten fich aber noch nicht aufge- 
wickelt / dann alle Menfchen hatten nur einerley Sprachen ; die 
Sprachen aus den Eigenfchafften waren vor der Suͤndfluth 
nicht offenbahr. 

8. Sie verſtunden wohlder Natur Sprache/als das geform⸗ 
te Wort in feinem Unterfcheide : Aber vderfelbe Unterfcheid 
war noch nicht geformet und in Zungen formiret / big daß der 
Stamm des menfhlichen Baumes nad der Suͤndfluth / ſeine 
Kräffte indie Zwrige führete / Davon der menfchliche Baum aus 
den Eigenfihafften der Kräfte des geformten natürlichen IBor- 
tes anfieng zu bühen/ als aus der Benedeyung / da GOtt den 
Noah umd feine Kinder /als die Hefte des Baumes ſeegnete / und 
hieg fie fruchtbar ſeyn / und fich auff Erden rägen und mehren/und 
Ihnen den Genaden-Bund gab. 

9. Denn in Cain wird diefer Baum verfluchef / aber bey 
Noah wieder geſeegnet / daß fih die Eigenfchafften des geformten 
natürlichen Wortes durch der Natur Eigenfhafft folten mit 
den Zungen herfür thun /als ein Wunder vieler Worte / oder 
Bötter indem einigen lebendigen Worte. 

20. Das Bilde GOttes im geformten Worte folte die For- 
mung des einigen Worts aus dem erften Ente in viel Tormungen 
der Sprachen herfür bringen / nach Arth un Weiſe der Fürftlichen 
Regimente /der hohen Geifter/ fo auch im geformten Worte in 
Unterfcheiden find / und in der Tieffe diefer Welt in den Eigen 
fHafften der Natur über die 4. Elementen herafehen/auch über 
Das Würden der Sternen in der Seelen der groffen Welt / 
welche auch die Namen GOttes im geformten Worte der Na> 
fur tragen / als cin Werckzeug GOttes / damit er foͤrmlicher 
Weiſe in feinem Regiment und Siche-Spiel regieret. 

1x. Daß die Altvaͤtter vor der Suͤndfluth haben alfo lange ge> 
lebet / iſt das die Urſache geweſen / dag die Kraͤffte des geformten 
Worts aus Goͤttlicher Eigenſchafft bey ihnen noch unzertheilet / 
und unausgebohren geweſen ind: Gleich wie cin junger Baum 
der voller Kraft und Saft ift/ fich in Acften und Wachſen ſchoͤ⸗ 
ne erzeiget / wann er aber anhebet zu blühen / fo gehet die gure 
Krafft indie Bluͤth und Frucht. 

12. Alfoift uns auch mitdemerften Alter der Menfchen zu⸗ 
verſtehen; als die Kraffte in Einer Eigenſchafft im Stamme 9 

gen 


Cap. 35. durch Noas Kinder habe außgeb. 235. 


gen / fo verſtunden die Menſchen die Natur⸗ſprache / denn cs la⸗ 

gen alle Sprachen darinnen: Als ſich aber derſelbe Baum der 
einigen Zungen in ſeinen Eigenſchafften und Kraͤfften zertheile— 
te bey den Kindern Nimroth / fo hoͤrete die Natur⸗-ſprache / dar⸗ 
aus Adam allen Dingen Namen gegeben / einem jedem aus ſei⸗ 
ner Eigenſchafft / auff / und ward der Stamm der Natur wegen 
der zertheileten Eigenſchafften im Worte des kraͤfftigen Ver⸗ 
ſtandes matt und ſchwach. 

13. Alfo lebeten ſie nicht mehr fo lange / denn die rechte Krafft 
menſchliches Lebens / Daraus der Verſtand quillet / iſt aus dem 
Worte GOttes kommen: Weil ſich aber der Verſtand in viel 
Zungen und Eigenſchafften zertheilete / ſo ward die Natur 
ſchwaͤcher / und fiel der hohe Verſtand der Eigenſchafften der 
Geiſter der Buchſtaben / denn das innerliche fuͤhrete ſich in ein 
Aeuſſerliches: alfo blieb der Verſtand derſelben Geiſter In jeder 
Zungen aͤuſſerlich / auffl Arth / wie man won einem Dinge res 
det / davon man hoͤret ſagen / und deſſen keinen rechten Verſtand 
hat / auch nicht ſehen mag. 

14. Eines ſolchen find die Menſchen zu Babel beraubet wor⸗ 
den / als fie die Natur fo hoch erhoben / und durch die aͤuſſere Ma⸗ 
tur wolten einen Thurn bauen / deffen Spige an den Himmel 
reichete; welches einen fubtilen Verſtand hat/ und gar fchöne 
inden Namen der Kinder und Kindes-Finder Mond lieget / wel⸗ 
che der Geiſt im Moſe hat indie Liniender Ausbreitung geſetzet / 
darinnen man die Eigenſchafften der Zertheilung des einigen 
Ver ſtandes und Sprachen verſtehet / wie ſich die Eigenſchafften 
des Verſtandes auseinander geben / und eine jede in einefondera 
liche Sprache ] als inein eigen Worteinführen. 

15. Denn der Name der Kinder Noah / und ihrer Kinder 7 
davondie ander Monarchia auff Erden entfprungen „find 72. 
welheder Geift im Mofe andeutet ; und hierunter liege das 
— Geheimnuͤß des Thurns zu Babel / als die Zertheilung der 

ungen. 

16. Denn 77. iſt die gantze Zahl Goͤttlicher Offenbahrung 
durchs geformte Wort / 72. find Babel / als die Zungen der Wuna 
der; die andern 5. find heilig / und ligen uuter den 72. ver» 
borgen/ und urftänden ausdem JOTH ‚und das JOTH ſtehet in 
dem O / als in dem einen / das iſt das Auge der Ewigkeit ohne 
Grund und Zahl. 

x7. Durch die 5. heilige Sprachen aus dem JOTH redet der 
Sk im geformten Worte der Natur heilige Goͤttliche Worz 

it 


236 Wie ſich der menfchliche Baum Lap-z gl 


te in den Kindern der Heiligen / und durch die 72. Zungen rea 
deter durch die Naturder Wunder aus Böfen und Guten / wie 
ſich das Wort in einem Ente faffet. 

18. Die fünf Sprachen fichen dem Geifte GOttes zu / wel⸗ 
cher durch feine Kinder redet wenn und wie er wil/ aber die 
zwey und tiebengig fichen der Menfchlichen Selbheit und Eis 
genheit zu / daraus der menfchliche eigen Verſtand / Luͤgen und 
Wahrheit redet: Darum ſollen die zwey und ſtebentzigSprachen / 
als Babel / durchs Gerichte GOttes gehen / und das Reine vom 
Unreinen geſchieden / und im Fewer bewähret werden. 

19. Den unfern in dieſer Erkaͤntnuͤß ergrieffen / wollen wir 
eine kurse Andeutung geben/ unferm Sinn und Verfland (wels 
chen wir andiefem Orthe noch vor uns behalten follen ) nachzu—⸗ 
fahren / wie er möge alle Heimligfeiten / fo unter diefen Ra— 
nen liegen (welcheder heilige Geift im Mofe auffgezeichnet ) 
ergründen. 

20. Der Geiftin Mofe feet fieben Namen in Naphets Linea, 
als er habe ieben Söhne gegeuger / als Gomor / Magog / Ma: 
dai / Javan / Thubal/ Mefech und Thiras. Nunift Japhet der 
erſte / und deutet an das erſte Principium, und darunter das 
Reich der Natur; wie aus der Natur die fieben freye Kuͤnſte 
unter einer natürlichen Philofophia erfunden werden würden / 
welche in dieſer Japhets-Linea, durch die Heydniſche Philofo- 
phiam ift auff natürliche Arth erfunden worden. Denn das war 
der Zweig/ der in Sems Hütten wohnen folte/ wie Noah 
deutete. 

21. Denn die ſteben Söhne Japhets deuten an die fieben Ei= 
genfchafftender Natur / und unter ihren 7. Namen licget das 
Geheimnuͤß der Faphetifchen Linea im Neiche der Natur was 
für Völker und Reiche daraus würden entſtehen / big an der 
Welt Ende / davon uns daffelbe anzudeuten die Spra— 
ehe verwehret und benommen worden auffzufcbreiben ; 
den unfern aber zur feiner Zeit frey ſtehen ſoll / und darzu 
gang offen. 

22, Hernach deutet der Geift nur von zweyen Söhnen Ja- 
phets / welche Kinder gezeuget / alsvon Gomer und Javan; der 
andern Kinder Japhets geſchweiget er/ was fie haben für Kinder 
gezeuget. Diefes ift nicht ohne Urfache: Der Geiſt deutet an die 
zweyerley Menfchen unter den Heyden im Reiche der Natur / 
alsunter dem Gomer ſetzet er drey Namen / Afcenas , BL 

u 


Cap.z3 durch Noas Kinder habe ausgeb. 287 


und Togarma, welche des Gomers Soͤhne ſind / die offenbahren 
ſich in der Natur-fprache alſo / als den Ens der Natur / als das 
geformte Wort in ein Eos faſſen / und in eine Befchauligkeit 
einführen / als in fcharffe Vernunfft / und daraus eine Figur 
machen / als eine Herrſchafft oder Form eines Negiments eige⸗ 
nes Willens nach dem Reiche der Natur für zeitliche Herr⸗ 
ligkeit. 

2; 3. Und unter dem andern Sohne Javan ſetzet er vier Nas 
men/ als Eliſa / Tharfis/ Kithim und Dodanim; und ſaget / 
daß von dieſen vierzehen Namen ſind alle Inſulen und Spra⸗ 
chen der Heyden erfuͤllet worden / und daß ſie daher kommen. 
Dieſe vier Namen deuten aus den Eigenſchafften der Natur an / 
mit dem erſten einen guten halb⸗Engliſchen Willen: Mit dem 
andern eine Einfuͤhrung des guten Willens in den Grimm der 
Natur / daraus eine boͤſe Kriegeriſche Selbheit erbohren: Mit 
dem dritten einen falſchen Verſtand / da ſich der engliſche gute 
Wille in eine Närrin in der Selbheit der Vernunfft einfuͤh⸗ 
ret / und ſetzet fich mit dem fremden Schein dar ; deutet an die 
Heydnifche Abgoͤtterey / darein fle fich durch die Vernunfft aufs 
fer Gottes Sicht habe geführetsmit dem vierdten die Heydniſchen 
Götter und groffe Königreiche / daß fe der Geift der Natur 
würde in feine Form unter feine Macht führen. Denn unter 
Dem Namen Dodanim deutetder Geift an das Reich der Natur 
inder Selbheit mit eigenem Gottes=dienfte / alscinen Aufferlis 
chen fichtbahren GOtt / den man mit Fingern zeigen fan. 

24. Und unter diefen vierzchen Namen in Japhets Linea wird 
das menfchliche Neich der Natur gantz fürgebildet; Und ift fons 
derlich darauf zu mercken / daß fich der engliſche Wille mit dars 
einfchleuft / bedeutet die Weiſen im Liechte der Natur hochver> 
ſtaͤndige Heyden / in welchen fich das innere heilige Neich ſpiegu⸗ 
lieret / welche / ob fie wohl im wahren Böttlihen Berflande vers 
ſchloſſen lagen / und durch einen äufferlichen Schein fahen in der 
MWiederbringung aller Weſen / wenn die Dede wegkommen 
wird/ in Sems Hütten / alsin geformten ABorteder Natur] 
inihrer Eigenfchafft leben follen. . 

25. Aus diefer vierzehen Zahl der viergehen Namen Japhers 
Fommen die Prophetifche und Apocalpptifche Zahlen: Daraus 
der Geift deutet / wie fi die Wunder der Natur nach einan- 
der eröffnen würden / was in jedem Gradu der Eröffnung ges 
ſchehen ſolle / deſſen wir allyie gefchtweigen / und an feinem Orthe 
Beuten wollen. 

26,111» 


338 Wie fich der menfchliche Baum Cap.z 5. 


28, Unter dem Ham führet der Geift die gröffefte Deutung 
vom Reiche der Natur) denn er ſtellet die aufferliche Form der 
Vernunfft dar: Denn erfaget: Ham habe den Chus / Miss 
raim / Puch und Cangan gebohren: Chus gibet im Ente der 
gebährenden Natur eine Andentung einer Form / einer gefaffes 
ten fchnellen über fich ſchwingenden Luſt inder Selbheit / gleich 
einen $auffen oder einer weiteumberrfchenden Macht / und iſt 
die Wurtzel des Fuͤrſtlichen Regiments nach dem dritten Prın- 
cipio: Aber Japhet ift derfelben Grund nach dem erften Prin- 
cıp1®. 

er Mizraim deutet an eine außdringende Krafft / die fich 
in der Luft alsbalde wieder faſſet / in welcher das Centrum der 
Natur mit in einer ſtarcken durchdringenden Luſt durchgehet / 
und die Luſt-forme zerfprenget: Deutet an den Urſtand der 
zertheilten Zungen / wie ſich die Krafft des einigen geformten 
Wortes des Verftandes zertheilen werde. 

28. Der Name Puch zeuget aus dem Ente der Natur an ] 

eine hohe Stätte/ aus welchen fich der ARille in die Höhe ge> 
ſchwungen / daß fie vermeynten einen hohen Thurn zu bauen: 
Lansan deutet an cin Sandder Niedrigkeit/ alsdalih GOTT 
wolte im niedrigen finden laffen ; und deutet fürnehmlich dig an/ 
wie diefer hohe fliegende Wille foll geftürget werden. 
29. Wiewohl esift/ daß uns der Leſer in diefer Zungen nicht 
möchte werftchen/ fo feie ichs nur zudem Ende / dag er lerne 
nachdenden dem groffen Geheimnuͤß / welches der Geift GOt⸗ 
tes unter diefen Namen andeutet / worauf ein ſolch Fürhaben 
der wenig Menfchen auff Erden entftanden ſey / daß es alles im 
Wunder ſey / darauf die Zungen und Sprachen urfländen: denn 
Der Geiſt im Mofe feet hernach / dag Chus habe ven Nimroth 
gezeuget / der habe angefangen ein gewaltiger Her? zu ſeyn auf 
Erden/ umd ſey ein gewaltiger Jäger vorm Herrn gervefen 
wer wolte nun diefes verftchen / was er für eingewaltiger Here 
und Jaͤger vor GOTT fey gewefen ohn den Berftand der Nas 
tur ſprache / welche / weil fienicht jedermans Gabe ift zuverſte⸗ 
hen / wir nurden Sinnandeuten / was der Geiſt im Worte der 
Eſſentz damit verftchet. 

30. Nimroch ift eingewaltiger Herr worden / und ein Jaͤ⸗ 
ger vor vom Herren; So ich nun dem Geifte in feine Eſſentz 
indie Formunge des Worts fehen mag / fo fche ich was Nimroth 
fürein Herr und Jäger gewefen iſt: denn der Geiſt deutet hier» 
aunter an die Eigenſchafften auß der Natur / wie ſich a 

aben 


Cap.z 5. durch Noas Kinder habe ausgeb. 289 


Haben in Menſchlicher Natur eröffnet/ und in eine aͤuſſerliche 
Form zu einem gefaffeten Regiment unter den Menfchen einge⸗ 
fuͤhret: Der Geiſt deutet mit dem Namen an / wie ſich der 
Menſchliche freye Wille habe in der Natur des Verſtandes ge— 
formet / und ihme ein ſolch Modell ins Gemuͤhte eingebildet / 
anf welcher Einbildung das aͤuſſere Werck entſtund. 

32. Denn der Name Nimrod iſt eine gar klare Deutung 
in offenem Verſtande / daß er auf dem Chus komme /denner iſt 
in fich eine Faſſung oder Gewalt⸗ nehmung aug der Natur / wie 
fich die Natur habe in ein Regiment im Gemühte gefaffer / und 
fey mit Gewalt au fich gedrungen / und habe die unfern Eigen» 
ſchafften gejaget/gedränget:darımm fagetder Geift/ein Jäger vor 
dem Herin; denn die Natur iſt vordem Herrn: fd fagefnunder 
Geift ; ein Jägervor dem Herrn; gleich wie ein Jaͤger wilde 
Thiere jaget / faͤhet und zaͤhmet: Alfo deutet der Geift an / dat 
auß der felbserhebten menfchlihenRatur würden folche böfe Thies 
re entftehen / die nur würden der Auffern Natur leben. 

32. Uberdiefelbe thörichte Thier-Menfchen entftund auf der 
Natur des Grimmes der Jaͤger / als die aͤuſſere Herrſchafft/ 
welche das Thier folte jagen / fangen / toͤdten / und in Zaum 
halten / auff daß doch der Jaͤger die Thiere zaͤhme / und unter ei⸗ 
nem Regiment halte / ſonſt wuͤrde nur ein allgemein wuͤten / 
reiſſen / beiffen / und einander aufffreſſen unter ven Mens 
fehen=thieren ſeyn geweſen: Dieweilfie fih GOttes Geiſt nicht 
wolten laffen regieren/fo muften fte fich Das Ambt ver Natur lafa 
fen regierenzdenn was hätte der. Her? ſonſt eines Jaͤgers bedurfft / 
daß der Geiſt im Mofe faget/ er fey ein gewaltiger Jäger vor 
dem Herren geweſen: was vor dem Herrn aller Wefen jagor 7 
das jaget nicht Hafen oder andere Thiere. 

33. Mofes hat eine Decke vor feinen klaren Augen: der 
Geiſt deutet darunter andas Regiment der Natur / wie ſich das 
menfchliche Regiment habeinder Seelen der äuffern Welt ac» 
faſſet / umd wie es Fünfftig unter ihnen gehen werde/was für Jaͤ⸗ 
ger auß dem Ambte der Natur entſtehen wärden / und vergleis 
Het die menfhliche Herrſchafft einem Jaͤger /dernur nach Thies 
ren jaget / dieſelbe zu fahen umd zu würgen : alfo werde es-her> 
nach gehen / daß dieſe Räger würden nach Mienfcher jagen / 
Diefelbe unter ihre Dienftbarkeit zu fahen / und fie im jagen durch 

‚ihre Jagthunde beitzen / tödten und aufffreſſen / durch Krieg 
und Mord verderben / und alles mit Gewalt zähmen/ und thun / 
und ſich des Jägers Regiment in eigenem genonime nen Gewalt 
wohl hrauchen. N 34.Denv 


* 


290 Wie ich der menfchlich Baum Eap.z 5} 


34. Denn der Menfch war dem Grimm Gottes inderNatur 
heimgefallen / derfelbe drängete fih nun mit feiner Begierde 
empor / und faffete fich in ein Regiment nach dem auffern Ge— 
ftirne und 4. Elementen / wie diefelbe bauen und zerbrechen ; Alſo 
auch thäte diefer Zager mit feinen Thieren in feinem Spiel. 

35. Allhie mag ihr die Welt einen Spiegel nehmen / es iſt der 
wahre Grund des Urſtandes der weltlichen Herrſchafft / ob wohl 
derfelbe Grund des Regiments einen innern geiſtlichen Urſtand 
bat / fo iſts aber doch in der aͤuſſern Forın vor GOtt nur als ein 
thierifch Zägersambt bey den Thiersmenfchen / welche man alfo 
baͤndigen und zaͤhmen muß. 

36. Denn das innere geiftliche Regiment ſtehet in groſſer 
Demütigkeit in-einer englifhen Form / darein auch GOtt den 
Menfchen ſchuff: Wäre er. nur im Paradiſe hieben / fo hätte 
er nichtdes Jaͤgers gedurfft: Weil er aber wolte ein Thier ſeyn / 
fo ordnete ihın Gott auch einen Jäger / der das wilde und zah⸗ 
me hier bandigte; und ift Jägerumd Thier vor GOtt in diefer 
Welt⸗thieriſcher Eigenfchafft einer wie der ander : Weilesaber 
sicht anderft feyn mochte / fo Halt es GOTT vor feine natürs 
nennt denn er haft einem jeden Dinge fein Regiment 

gegeben. 

37. Aber esift zubeklagen / daß diefer Jager die zahme Mens 
fchensthiere jaget / ſchlachtet / und friffet / die nicht unter feine 
Sagt gehören: Was foll man aber fagen / oder womit wollen 
fich die Kinder Gottes entfchuldigen / und von dieſem Jäger vor 
Gott ledigen ? Sintemahl ein jeder Menſch im äufferen des 
Jaͤgers Hinde an fich trägt / darüber der Jägerder Natur Ge⸗ 
walt hat; derinneregeiftliche Menfch mug nur fein uffer Thier 
unter dem Jaͤger laffen / denn fein Auffer Thier itt auch böfe. 

38. Unter Hams Linea feget der Geift Moſis 29. Namen / 
die von Ham entftanden find: Deutet an 29. Eigenfchafften 
aus dem dritten Principio, als aus dein Geifte der aͤuſſern Welt / 
wie fich das geformte Wort werde durch die Auffere Natur of- 
fentahren / beydes in Zungen und Eigenfchafften der Natur / 
darauf die Regimente und Ordnungen der Sandfchafften find 
entftanden / wie wohl eine jede Eigenfchafft wieder feine Auß⸗ 
gebuhrt hat / gleich wie sin Aſt am Baume andere Zweige ges 
bähret. Noc dennoch deutet der Geift im Mofedie Haubt⸗ 
wursel/ und Eigenfhafften unter diefem Namen an / was fin 
Voͤlcker darauf entſtehen / auch wie fie ihre Anderungen und 
Endſchafften nehmen würden / das alles lieget in ihren Namen 
verborgen. 39. Alſo 


Gap. 3 5.durch Noas Kinder habe ausgeb. 291 


39. Alfo hat Ham 29. Namen feiner Kinder / und er iſt der 
zo fte/ 29. iſt die Zahl feiner Kinder und Kinds-kinder genannt/ 
darunter fiegef die Zahl des Endes ın Hams Regimente. 30. 
ift feine ganke Zahl; davon fagetder Prophet / daß dieſer Ham 
werdeden Gercchten verkauffen umb 30 Silberling / und die ge» 
ben umb eines Töpffers Ader: Wie cin Topff gegen ſeinem 
Meifter geachtet ift / alfo ift auch der fleiſchliche Hams-Menfch 
gegen GOTT geachtet: Ernimbt feine zofte Zahl / welche er 
folte ins Reich GOttes einführen / und giebet fie umb ein irrdiſch 
Gefäffe / das dem Ader gleichet / und verfauffet darunter der 
Gerechten / der unter der zo ften Zahlim Worteder Krafft vers 
borgen lieget: Alfo ſcheidet fich der Gerechte unter der 30 ſten 
Zahl durd) das ferben Hams Fleiſch vonder zg ften Zahldiefer 
Eigenfchafften / welche fich in Ham einpor ſchwungen: Dan im 
zoften Jahr fiheidete fich der Gerechtein fein Ambt / als Chriſtus / 
und in der 30 ften Zahl ligetdaffelbige Geheimnuͤß. Den umfern 
allyie verftanden und nur angedeutet. 

"40. Sem hat in feiner Linea der Aufbreitung 26. Namen 
und er ift der z7 fte. Und der Beift im Mofe fpricht gang ver⸗ 
decket / er fen cin Vatter aller Kinder von Eber / und Eber has 
be zween Söhne gezeuget / einer habe Peleg geheiffen / der ander 
Jaketan / und darumb dag zu feiner Zeit fey die Welt zertheilet 
worden. Alles was der Geiſt im Mofe von den Auffern Ge> 
fhichten redet / da fihet er darunter auff die Lineam Chrifti ; 
Denn er faget/ Sem fey ein Vatter aller Kinder von Eber / 
und da dech Eber erft im dritten Grad nach Sem iſt; noch ſthet 
der Geiſt fo genau auff das Wort im Bunde / wo fich daffelbe in 
einer Linea eröffnet. 

412. Denn Eber heiffet in der Formung des Worts ſo viel / 
als ein Schall der Offenbahrung des Worts aus dem Centro, 
und faget weiter / erhabe Peldggebohren / und ihn alſo geheiffen 
wegen der Zertheilung. Der Geift fihet nicht allein auffdie äuf- 
fere Zertheilung der Sander / fondern vielmehr auff die Lineam, 
in welcher das Ziehl des Bundes ftund / dan in Eber eröffnete ſich 
das Ziehl im Worte/alsim Schalle/undgiengim Saamen auff 
Peleg. Da ſcheidete fih Adams und Chriſti Linea in den zwey 
Brüdern/ wie auch hernach bey Abrahams und Iſaacs Kindern] 
mit Iſaac und Iſmael / und mit Jacob und Efau: Alfo auch all= 
hie mit Peleg und Jaketan. Aeuſſerlich war die Welt zertheilet / 
und innerlich das Reich Chriſti / und das Reich der Welt. Nicht 
zu verſtehen / das Jaketan Bunde blieben / en de £ 

2 ei 


352 Wie ſich ver menſchliche Baum Eap.z 5) 


Geiſt fihet auff Die Bewegung des Saamens / in welcher Linea 
Das Zichl in der Bewegung ſtund / darinnen fich das Wort wol⸗ 
te wieder in die verblichene Menfchheit des himmliſchen Entis 
bewegen / und in der Menfchheitoffenbahren. 

42. Die Namen ver Kinderumd Kindes- Kinder Sems find 
eitel Andeutungen ver Eigenfchafften aus der Wunder-Linea 
des ProphetifchenGeiftes Henochs / da fich diefelbe Eigenſchaff⸗ 
tenaustem Stamm in Aefteführetens allhieaber in Zweige. 

43. Der Geiſt im Mofe feget unter Jafctans Linea 14. Na⸗ 
men / als die Wunder-zahldiefes Altes im Baumms-Eigenfhafft/ 
als das Reich Ehrifti nach der Natur Eigenfhafft: Und vor 
Peleg faget er nicht mehr / als von einem Sohne / den er ge⸗ 
zeuget/ als er 30. Jahr alt geweſen / welchen er nennet / als 
den Regu: Anzudeuten die Lineam Chriſti / darinnen das Ziehl 
ſtund / deutetſder Geiſt nur auff Einen / denn durch Einen folte 
der Bund eroͤffnet werden / denn der Geiſt ſahe mit dem Einen 
auff das Reich ver Genaden / und mit feines Bruders 4x. Na⸗ 
men auff das menſchliche Reich. 

44. Und in deme er ſaget: Er habe Regu gezeuget als er ſey 
30. Jahr alt geweſen / da ſihet der Geiſt fuͤr ſich auff Chriſtum / 
welcher würde aus dieſem Stamme entſpringen / undim 30 ſten 
Jahr ſeines Alters ſich offenbahren in ſeinem Ambte; wie dan 
alle Alter unter der Linea Chriſti / welche Moſes andeutet / eine 
gewiffe Deutung haben / und deuten auff die Zeiten der Bewe⸗ 
gungim Bunde / als durch die Propheten und andere Heiligen/ 
isn welchen fich der Bund beweget hat. 

45. Der Geiſt Mofis feet 5. Namen der Kinder Sems / 
welche aus Sems Senden kommen ſeynd: Undober wohlmehr 
gezeuget hat/ (denn Mofes ſaget / erhabe Söhne und Töchter 
gezeuget) fo deutet doch der Geift nur auffdie Eigenfchafften 
des geformten Wortes im Bunde menfchlicher Eigenſchafft. 
Diefe 5. Namen figuriren umd ftellen dar / als in einem Bilde 
die 5. Haubtsfprachen der geiftlichen Zungen durchs geformte 
Wort aus dem hohen Namen Gottes/ aus welchen Zungen der 
Prophetiſche und Apoſtoliſche Geift redet. 

46. Und ob wir wohl deſſen Eönten eine Form darftellen / fo 
wuͤrden wir doch dem Leſer / fodie Zunge der Natur nicht verfte= 
het / ſtumm feyn / habens den unfern nur angedeufst: Denn 
der Geift deutet unterden Namen auch an die Reiche / und die 
Keiche find GOttes / welcher fie mit feinen Namen ordnet / 
regiret und führer! ein jedes Reich nach ſeines Namens Ei« 

gen⸗ 


Cap. 3 5.durch Noas Kinder habe ausgeb. 297 


genſchafft: Wie die Eigenſchafft jedes Reiches iſt / alſo iſt auch 
die Zunge der Sprachen und Sitten / wie geſchrieben ſtehet: 
Welch ein Volck das iſt / einen ſolchen GOTT hat das auch. 

47: Nicht daß mehr als ein Gott ſey / allein man verſtehet 
darunter die Goͤttliche Offenbahrung / wie fih GOtt alſo nach 
aller Voͤlcker Eigenſchafft in ſeiner Offenbahrung im geformten 
Worte allen Voͤlckern ergiebet / daß ein jedes Volck daſſelbige 
einige Wort nach ſeiner Eigenſchafft fuͤhret / deſſen aͤuſſerliche 
Form und Zertheilung iſt Babel; denn alles Volck hatte ei— 
nerley Zungen und Sprachen / und wohneten untereinander. 
48. Die einige Zunge war Die Natur-fprache / daraus rede⸗ 
ten fie alle/ denn fie hatten fie in einer Forın / und verſtunden 
in der Sprache den Senfum , als das Ens, wieder Wille den 
Ens forımete / denn alfo war auch. der Geift in Ente, veffen wir 
eine kurge Andeutung geben wollen dem verftändigen und er» 
leuchteten Gemuͤhte nahzufinnen / und in fich felber im der Pros 
ba zu verſuchen / und zu uͤben; nicht daß mans ausfprechen koͤn⸗ 
te / und in cine gewilfe Form bringen: Nein / das kan nicht 
ſeyn / denn es iſt der Geift ver Weisheit Gottes feiner Offene 
kahrung. | 

49. Die Geifter der Buchſtaben im Alphabeth ſeynd die 
Form des einigen Geiſtes in der Natur-ſprache / die sg. Vocales 
führen die heilige Zunge der s. heiligen Sprachen aus dem Na⸗ 
men Jehovah, daraus der heilige Geiſt redet / denn die sy. Vo- 
cales find der heilige Name Gottes nach feiner Heiligkeit : Denn 
der Name Jehovah hat nichts in ſich / als nur die 5. Vocales, 
A,E,I,O,V. Die andere Buchſtaben deuten an / und fore= 
chen aus die Natur / was der Name Gottes im geformten Wor⸗ 
te in der Natur / in Liebe und Zorn / in Finfternüg und Siehe 
zugleich fey : Die 5. Vocales aber deuten aneinig allein was er 
am Liechte der Heiligkeit ſey / denn mit den 5. Vocalibus wird die 
Natur tingiret, daß fie ein Freudenreich ſeyn mag. 

50. Daß aber wie alten Weiſen dieſer Zungen Verſtaͤndige / 
haben dem Namen lJeova ein (H) eingeſetzet / und ihn LEH O- 
VAH geheiſſen / das iſt aus groſſem Verſtande geſchehen / dene 
das (A) machet den heiligen Namen mit den 5. Vocalibus in 
der Auffern Natur offenbahr. Es zeiget an wie ſich der heilige 
Name Gottes in das Gefchöpffe auspauche undoffenbahre; vie 
5. Vocales find der. verborgene Name Gottes / der allein in fich 
felber wohnet; Aber das (H) deutet andie Göttliche Luſt oder 
Weißheit / wie ſich die Göttliche Luſt aus fich ſelber anshauche. 

3 su. Der 


294 Wie fich der menfchliche Baum Eapı3 5} 


sı. Der innerliche Verſtand inden fünffVocarızus iſt 
dieſer: 

(1) Iſt der Name Jnesus. 

(E) Iſt der Name Engel. 

(0) Iſt die geformte Weißheit oder Luſt des (1) als des 

Inzsus, und ift das Centrum oder Herke GOt— 
tes. 

(V) Iſt der Geiſt /alsdassusandem I nz sus welcher aus 

der Luſt ausgehet. 

(A) Iſt der Anfang und das Ende / als der Wille der gantzen 

Faſſung / und iſt der Vatter. 

52. Und dieſe fuͤnff ſchlieſſen ſich ein mit der Faſſung in drey / 
als in ein ſolches Wort A das iſt / A, O, V. Vatter / 
Sohn / H. Geiſt: der Dreyangel deutet an die Dreyheit der 
Eigenfchafften der Perſonen / und das V. am Triangel deutet an. 
den Geiſt im H, als im Hauchen / da ſich der gantze GO TT 
—— Weiſe mit feinem aus ſich ſelber Ausgehen offene 

ahret. 

53. Die andern Buchſtaben auffer den 5. Vocalibus gehen 
Ausdem Namen TETRAGRAMMATON, aldausdem Cen- 
gro der ewigen Natur / aus dem Principio ‚md deuten an / und 
ſprechen aus die Unterfchiede der geformten Weißheit / als des 
geforinten Worts in den 3. Prineipien/ darinnen die ganke 
Creation lieget/ fie feynd die Senſus der Creation, als die Ei⸗ 
genfchafft der Kraffte / und der wahre geoffenbahrte GOTT im 
orte der Natur: Diefes verfichet nun weiter alfe : 

54. Wenn fich die Luſt des Menſchen in eine Begierde faffetz 
als der freye Wille des Menfchen / fo faffet er das ganze Alpha⸗ 
beth / dan die Begierde ift Das Fiat, und die Luſt zur Begierde 
ft die Befchauligkeit des freyen Willens / als das geformte 
ort der Weißheit / darinnen befchauet fich der freye Wille / wor⸗ 
ein er die Luſt der Weißheit wil einfuͤhren in Boͤſes oder Gutes: 
und wan ſich der freye Wille hat beſchauet / ſo ſchoͤpffet er mit der 
Luſt in den Buchſtaben / als in dem Senfu der Natur / undcom- 
poniret die Senfus der Buchftaben zuſammen / und faſſet die Luſt 
in ein Wort / daſſelbe ſtehet in einer innerlichen Form / als in 
einem gefaſſeten Gedancken. 

55. Alsdenn nimt der freye Wille das H. als den Geiſt des 
Aushauchens / und fuͤhret den geformten Gedancken / für den 
Raht der fuͤnff Sinnen / die beſchauen das gefaſſete Wort / 

probi⸗ 


Cap. 35.durch Noas Kinderhabe ausgeb. 295 
probiren daffelbe / obs tauge oder nicht: fo esihmenungefället/ 
fo nimbt das A. als der hauchende Geift das Wort / und führets 
auff die Zunge in Mund/ alda ift der Werck⸗meiſter alsdas 
Fiat, welches der Göttliche Werck-zeug iſt / und figuriretdie 
Senfus der Eigenfihafften aus dem Buchftaben / wie fieder freye 
Wille hat componiret in eine Subftang zum Lauten oder Schal- 
len / zur Offenbahrung oder Ausfprechung. 

56. Run mercket uns gar eben allhier / wie fich nun ein jedes 
Wort im Munde zur Subftant faſſet / als zum Ausfprechen / 
wie es der Werd-meifter bildet der in den Senfibus ift / alsdas 
Fiat, und wie die Zunge mitte thut/ wenn fiedasfaffet/ und 
durch welchen Weeg fte das ausfuͤhret / entweder durch Die Zaͤhne / 
oder uͤber ſich / oder mit offenem Munde. Item / wie ſich die Zun⸗ 
ge ſchmeuget im Fügen des Worts / welchen Senfum fie wieder 
zurüche zeucht / und nicht wil gans ausftoffen / wie denn man⸗ 
eher Senfus kaum halb ausgeftoffen wird / mancher aber gar / 
mancher aber wieder halb gegen dem Hertzen gezogen; und wie 
nun das Wort gebildet ward / alfo iſtauch das Dingin feiner 
Form und Eigenfhafft / das das Wort damit nennet/ (fo fers 
ne ihme der freye Wille auch einen rechten Namen giebet / daß 
er ihme nicht aus Boßheit oder Unverftand einen freimbden Na⸗ 
men anhänger.) Alfo ifts aͤuſſerlich bezeichnes / und innerlich in 
der Compadion der Senfuaum , einer ſolchen Zugend oder Untu⸗ 
gend iftes. 

57. Welcher Menfch nun den Verftand hat der Senfuum, 
als der Geifter ver Buchftaben/ dag er verftchet/ wie fich die Sen» 
fus in der Luſt haben componiret / der verſtehets in der Faſſung 
des Wortes / wenn fich das zur Subftang ſaſſet / der kan die 
Senſualiſche Sprache der gansen Creation ‚ und verſtehet wor» 
aus Adam hat allen Dingen Namen gegeben / und worausder 
Geift Gottes hat gedeutet in den Alten. 

.. 58. Diefesift ver Grund der Haubt-fprachen / da alle Bölc- 

ter haben in einer Sprache geredet / da haben fie einander ver» 
fanden: Als fie fich aber der Lenfualifhen Sprache nicht wol⸗ 
ten gebrauchen / foift ihnen der rechte Verftand erlofchen / den 
fie führeten die Geifter der fenfualifhen Sprachen in eine äuf= 
ferliche grobe Form / und faffeten den fubtilen Geift des Ver⸗ 
flandes in eine grobe Form) und lerneten aus der Forın reden / 
wie denn heutiges Tages alle Bölder nur ausderfelben Form 
ihrer gefaffeten fenfualifchen Sprachen reven. 

59. Kein Volck verſtehet mehr = fenfgalifihe Sprache / = 

„4 die 


+ 
9 


F 


F 


296 Wie ſich der menſchliche Baum Cap.35 


die Voͤgel in Luͤfften und die Thiere im Walde verſtehen fie nach 
ihrer Eigenſchafft. 

60. Darumb mag der Menſch dencken weg er beraubet iſt / 
und was er in der Wiedergebuhrt ſoll wieder bekommen / ob⸗ 
wohl nicht alhier auff Erden jedoch in der geiſtlichen Welt; 
denn in der Senfualifhen Sprache reden alle Geifter mit eitt- 
ander / fte brauchen Feine andere Sprache / dennesift die Na⸗ 
tur⸗ſprache. 

61. Unſere Gelehrten laſſen ſich Doctores und Magiftros 
nennen / und keiner verſtehet ſeiner Mutter Sprache: Sie 
verſtehen nichts mehr vom Geiſte als der Bauer von ſeinem 
Werckzeuge zum Acker⸗werck / ſie brauchen bloß allein der ge⸗ 
faſſeten Form der groben componitsen Woͤrter / und verſtehen 
nicht was das Wort in ſeinem Senſu iſt; daher entſtehet der 
Zanck und Streit / daß man umb GOTT und feinen Willen 
ſtreitet: Man wil lehren was GOTT ſey / und verſtehen nicht 
das wenigſte von GOTT. 

62. Die fünff Heilige Sprachen in der ſenſualiſchen Sprache 
find Gottes Wort / es ift feine Wuͤrckung durch) die Senfualifche 
Zunge / als durch die Eigenfchaffter ; wie man dan nicht laͤugnen 
van/ daß GOTT allen Ereaturen und Gewaͤchſen Krafft und 
Sehen gibetz denn fein heiliger Name ift durch alles; und den= 
selben heiligen Namen hatte Adam zur Haabhafftigfeit in feinen 
Senfibus , inwürckende / regierende und fuͤhlende: Und eben diefes 
Kleynod verlohr er / das wird nun indem heiligen Namen Jeſu 
herwieder gebracht und angezuͤndet. 

63. Darımıb Fan fich Feiner nit echte einen Gelehrten der 
H. Schrifft nennen‘) vielweniger einen Doctor derfelben / er ver= 
ſtehe denn die Senfualifche Zunge / daß er wiffe wieder H.Geift 
durch die Senfualifhe Sprache in den Heiligen der Schrifft 
geredet habe: So er nicht den Göttlichen Senfum inder H. 
Schrift verfichet / fo lager die nur ungemeiſtert / erift daritı= 
nen nicht gelehret / eriffi nur ein Buchflabenswechfler / und vers " 
ſtehet doch keinen einigen Buchſtaben in ſeinem Senfu. 

64. Alfo auch verftehet unsindem Weege von den Kindern 
Moah / als Zaphets / Sems und Hans / undihren Kindern 

und Kindes-Kinderns Sie hatten Die Senfualifche Sprache 

verlohren und hatten ihnen eine geforunte gemacht / und redeten 

alfo in einer geformten Sprache / die fie im Senfu auch felber, 

nicht verftunden: Darum war ihnen GOTT verborgen / dan fte 

verſtunden nicht mehr des H. Geiſtes Stimme in ihrer J 
e 


Sap.z s.durch Noas Kinder habe ausgeb. 297, 
che / als die Mentalifche Zunge der 5. Vocalium. 

65. Und fahen fihnah GHYTT um / wo er dan feyn muͤſte / 
Dachten endlichen / er wäre auch etwas formliches und abtheili= 
ges; und weil fie auff Erden nichts von GOTT verfichen moch⸗ 
fen / was oder wo er wäre/ und hatten gleichwohl von ihren Vaͤt⸗ 
tern fo viel von GOtt gehoͤret / fo gedachten fie / er müfteinder 
Höhe überden Sternen wohnen] und dauchte fie nicht hoch da⸗ 
hin zu ſeyn; nahmen ihnen derowegen für einen Thurn zu bauen/ 
deffen Spige an den Himmel reichte / daß fie £önten zu ihme 
hinauff fteigen 2 Auch wolten fie ihnen Dadurch einen groſſen 
Namen machen / daß fie haften einen Thurn gebauet biß 
an Himmel, 

66. Eine folhe MWiffenfchafft hat der geformte Verſtand 
von BDL /alsıman denn heufiges Tages ſolche Doktores findet / 
die nichts mehr von GOttes Wohnung und Weſen wiſſen / als 
dieſe Thurn⸗bauer / und bauen in ihrer Kunſt allefgmt (auſſer 
dem Senfualifchen Wiſſen) an dieſem hohen Thurn können nire 
gend hinaus zu GOtt kominen / darum zanden fie am Bau / ein 
jeder faget wie er cher und beffer zu bauen fey / und können doch 
nimmermehr eines werden / Denn ſie haben fich alle zu tode daran 
gebauet / biß der HErr einen Wächter ſchicket / und ih⸗ 
nen weiſet / daß es vergebens iſt / daß ſie ihn nicht in der 
Höhe finden werden | ſondern daß er mitten unter denn 
Buchſtaben iſt / daß ſie ihn nicht gefannt haben. 

67. Deſſen wir uns freuen] daß die Zeit gebohren iſt / 
daß wir dom Thurn zu Babel find abgeführet worden / 
und den heiligen GOtt in der fenfualifihen Sprache ſe⸗ 
hen mögen/Halleluja ! Der Ihren ift zerbrochen und. 
umbgefallen/ daran ſich unfere Bätter haben zu tode 
gebauet / und dehn nicht außgebauet haben: deſſen Grund 
ſoll nicht mehr geleget werden weil die Erde ſtehet: Su: 
getder Geiſt der Wunder. 

68. Die verborgene Geheimnuͤß des Thurns und der zerthei⸗ 
feten Sprachen ift diefes : Die Menſchen hatten die Senfuali- 
fhe Sprache des Heil. Geiftes in eine ſtumme Form gefaſſet / 
und brauchten das geformte Wort menſchliches Berſtandes nur 
in einer Form als in einẽ Gefaͤſſe / ſte redeten nur mit dem Gefaſſe / 
und verſtunden nicht das Wort GOttes in ihrer eigenen fenfua- 
lifchenzungen dag Gott felber im redenden Worte des Verſtan⸗ 
des waͤre / wie auch noch auff heute dergleichen geſchiehet und ift. 

RS 69.Run 


298 Wie fich der menfchl. Baumac. Cap. 357 


69. Nun aber hatte ſich GOTT mit feinem Worte in das 
menfchliche Bilde im Anfange der Schhpffung einverleiber / als 
in die Eigenfchafften der Senfuum , und wolte nicht ſtumm oder 
in einer einigen gefaften Formfeyn : Weil aber alle Dinge int 
Wachſen / Saamen ımd Ernde ftehen / fo war ieht die Zeitder 
Bluͤthe des menfchlichen Baumes / da fich der Geift der Senfuum 
in feinen Eigenfhafften mit der Blüthe herfür thäte / und die 
Eigenfchafften durch die Blüth außführete/ und ausder Blüth 
in Früchte; und wie nun ein jede Blüth anıalleräufferften und 
Höchften des Halms oder Zweiges am Baume oder Halm fich 
auffthut und herfürgehet : Alfo auch trieb der Geiſt die Mens 
ſchen Kinder dahin/ dag fie auch einen folchen hohen Thurn gleich 
einem hohen Baum oder Halme machten / denn er wolte feine 
Bluͤth und Früchte auch in der Höhe des. Halms offenbahren/und 
eben auff dem Thurne den fie wolten an den Himmel bauen/ thaͤ⸗ 
te fich ver fenfualifhe Geiſt mitder Blüthe auff. 

70. Denn der Menfchen Wille war / dag fie wolten zu GOtt 
fteigen/und in derfelben Begierde und Willen thäte ſich der Sen-, 
Aualifche GOtt herfür / denn fie fircheten ihn nurauff eine umb> 
ſchriebene Weife ; alfo entgegnete er ihnen auch nur auffeine ges 
faffete fenfualifche Weife aus gefaffeten Zungen und Sprachen / 
Daran fie doch ſtumm waren/ und ihn nicht erkannten. 

71. Sie waren mit dem heiligen Senfu in die Natur einge⸗ 
gangen / als mit dem Mentalifhen Geifte/ und die Natur hatte 
die im Berftande gefangen : Darumb offenbahrete fich auch ihnen 
GOtt mit dem fenfualifchen Geifte in gefaffeter Former Zun⸗ 
gen / aus den 72. Eigenfchafften/durch die 3. Principia ‚als durch 
sin dreyfach (enfualifch Alphabeth/ nach der drey Xelten Eigen» 
Schafft / als durch dreymahl vier und zwantzig Buchftaben in ge> 
fafter Forın durch die Zungen/ang einem jeden Buchftaben durch 
Die drey Principia, als in drey Eigenfihafften der Zungen und 
Sprachen /nah Eigenfchafft der Dreyheit der Gottheit. 

72. Und daher urftänden 72. Sprachen ausder einigen fen- 
ſualiſchen Zungen/darinnen alle Sprachen liegen / und gieng ei> 
ne jede Zunge und Sprache aufffein Volck / nach dehme ein jedes 
Geſchlechte einer Eigenfchafft aus den Stamme menfchliches 
Baumes aus dem geformten Worte war : Eine folhe Sprache 
entſtund auch ausihnen/aus ihrem Senfu , als aus derfelben Eis 
genfchafft des geforinten Worts. 

73. Denn der Senfus der menfchlihen Rede / daß er reden. 
kan / komt ihme urſpruͤnglich aus dem Göttlichen Worte / das ſich 

im 


E36. Bon der Antichrift: Babyl-Hurert. 299 


im Verbo Fiat in eine Creation einführete : Jetzt führete fich daf> 
felbe Wort durch die compactirte Eigenfchafften aus / nach ihrer 
Compa&ion, Arth / Form und Eigenfihafften / denn alfo unter» 
fchiedlich find auch die Senfus in der Qualität im Loco diefer 
Welt / über einem Sande immeranderft als über dem andern: 
Alfo hat auch GOtt die Sprachen nad) jedes Sandes Eigen> 
Schafft formiret. 

74. Darm weil fich die Voͤlcker in alle Sande zerftreuen ſol⸗ 
ten /fohatteer jedem Volck eine Sprache eröffnet / wie es in ei⸗ 
nem Sande wohnen würde / die fich unter diefelbe fenfualifche 
Qualität ſchickete und damit concordirte / dag nicht die Qualität 
des Sandes die Turbam in fich einführete / fo fte mit dem Worte 
ihrer Stimme dem geformten Geifte in der Seelen der groffen 
Welt deffelben Orts ihre Stimme einführeten. 

75. Wie die Offenbahrung des geformten Wortes in dem 
Geifte der Welt an jedem Orte war / alfo formete ihme auch 
der Geift GOctes durch die Natur der Eigenfchafften die Spra= 
chen in jedes Land: Erftlich die 72. Haubt⸗Sprachen aus der 
Natur /hernach die An⸗Enckel aus den Senfibus jeder Haubt⸗ 
Sprache / wie man das vor Augen fichet / daß man an keinem 
Orte der Welt unter allen Haubt-Sprachen auff 5. oder 6. Mei⸗ 
len einerley Senfus in einer Haubt⸗ Sprache findet / fie verdraͤ⸗ 
hen ſich faſt alle 5. oder 6. Meilen / alles nach den Eigenſchafften 
deffelben Polioder Höhe / was für eine Eigenfchafft die Lufft hat 
in ihrem inherrſchenden Geftiene : Eine folche Eigenſchafft hat 
auch das gemeine Bold in der Sprache, 


Das 36. Capittel. 


Don der Antiehriftifchen Babyloniſchen Sure aller 
Zungen | Bölcer und Sprachen was unter den 
Sprachen umd dem Thurn zu Babel 

” verborgen lieget. 
Eine offene Pfortedes Geheimnüßes der groffen 
bylon. 

2. Unftiger gefer / ich wil dich in Liebe gewarnet ha⸗ 
ben / daß du unſern Sinn nicht wolleft nach den 
aAffecten aus uns gegen jemand zu ſchmaͤhen / oder 
inſonderheit zuverachten / vielweniger jemand in 
ſeinem Stand und Ehren aus Afledten anzugreif 


N 6 fen/ 


300 Von der Antichriftifchen Baby⸗ Cap. 36 
fen / ſondern wir ſollen ins gemein reden: Ein jeder pruͤfe ſich 
ſelber / er wird die groſſe Geheimnuͤß des Babyloniſchen Thurns 
ohl an ſich finden / und auch die Zahl des falſchen Thieres. Er 
eſe nur unſern Sinn uit Gedult / und rechne ſich ſelber nach ſeiſ 
ner boͤſen angeerbten Eigenſchafft mit darunter / als denn wahr⸗ 
hafftig der irrdiſche ſterbliche Menſch an allen Menſchen unter 
dieſen Text gehoͤret. 

2. Wir werden allhie ſchreiben was die Zeit geboh— 
von und offenbahret hat / und fo es nicht durch Menſchen 
offenbahrer wuͤrde / fo würden es doch die Thiere müffen 
offenbahren:: Denn die Zeit ift gebohren / amd hülfft 
Fein wehren der Höchite führer fein Were aus. 

3. Mofes faget: Nimrod / Hams Sohn/habe zu Babel fein 
Reich angefangen / und ift der erfte Herr auff Erden nach der 
Sündiluth gewefen / amd cin Anfanger des Thurnes und der 
Stadt Babylon: Iſt aber nicht zu verſtehen / daß allein Hams 
Kinder den Thurn haͤtten wollen bauen / ſondern auch Japhets 
und Sems / denn ſie waren noch alle beyeinander / und wolten ei⸗ 
nen Thurn bauen / deſſen Spitze in den Himmel reichete / auff daß 
ſie ihnen einen groſſen Namen macheten. 

4. Dieſer Thurn / auff welchem ſich Haben die Zungen zertheilet / 
dabey die groſſe Stadt Babel geſtanden / iſt eine Figur des ab⸗ 
gefallenen irrdiſchen Menſchens / welcher iſt in die Selbheit ein⸗ 
gegangen / und hat das geformte Wort GOttes in ihme zu einem 
Abgott gemacht; denn des Thurnes Arth wandieſes / daß er follte 
da ſtehen / als ein groß Wunder / das die Menſchen in ihrem 
Duͤncken gemacht hatten / darauff ſie koͤnten zu GOtt ſteigen; 
und deutet an den verlohrnen menſchlichen Verſtand von GOtt 

ind ſeinem Wohnen und Weſen. 

5. Der Menſch hatte ſich mit dem Verſtande durch die Be⸗ 
gierde zur Selbftzrigenpeit in die fenfualifche Zunge compadi- 
ret / und in Eigenthumd gefuffet / in welchem Faſſen der wahre 
Geift der Mentalifyen Zungen aus den 5. Vocalibus von ihme 
gewichen war. 

6. Richt zu verftchen / daß derfelbe Geift fen von feinem Ge⸗ 
fchöpffe gewichen /allein der freye Wille des Menſchen im ge> 
formen Worte der ſtummen Buchſtaben / darinnen ſich der Geiſt 
Der 5. Vocalium,als ver ungeformte Geiſt GOttes offenbahrete / 
hatte ſich aus der Gelaſſenheit des ungeformten Geiſtes in eine 
Eigenheit und Selb⸗wollen / als ein eigener GOtt kr - 5 

effen 


Cap. 36. loniſchen Sure aller Zungenic. 30% 


deſſen Fürbilde war der Thurn / da die Menfchen zu Babelwols 
fen darinnen im eigenem gefaffeten Willen und Gedanden zu 
GH kommen und fleigen: Sie waren felber vom Geifte GOt⸗ 
tes aufgegangen Fund wolten ihnen Das Reich GOttes in der 
Selbheit nehmen durch eigen Vermögen : Sie wolten in Böfe 
und Gut in die Eigenfchafft GOttes Heiligkeit / min eigenem 
felb:erbohrnen Willen eingehen : Das deutet an Die zertheile> 
ten Zungen) da fich jede Eigenfchafft hatin cine Selbheit und ei⸗ 
gen Verſtand / aus der allgemeinen fenfualifchen Zungen einge⸗ 
fuͤhret / daß fte einander nicht mehr verſtunden / da der Verſtand 
gefaſſet / und in eine Eigenheit gefuͤhret ward / aus und nach den 
drey Alphabeten. 

. Diefe gefaſſete Zunge hat der Heil. Geiſt am Pfingſttage 
in St. Petri Predigt wieder eröffnet / da Petrus aus der eröff> 
neten fenfualifchen Zungen in einer- Sprache alle Sprachen rea 
dete; und das war auch Adams Sprache / Daraus er allen Crea⸗ 
turen Namengab. 

8. Alfo verſtehet uns recht / vas Babel und derThurn zu Bas 
bel andeutet: Die StadtBabel ift der Hams-Menfche/der dieſe 
Stadt auf Erden bauet; der Thurn ift fein eigen erwähleter 
GH und Gottesdienft. Alle Vernunfft-Gelehrte aus der 
Schule diefer Welt find die Baumeiſter diefesThurnes. Alle die 
jenige/welche fich zuSschrern auffwerffen/und von Menfchen dar» 
zu beruffen werden ohne GOttes Geiſt / die ſind alle Werckmei⸗ 
ſter an dieſem Thurn uñ Abgott von der Welt her / keiner anderſt; 
fie ſchnitzen alleſamt nur Steine und Hol zu dieſem Thurne. 

9. Denn der Name Wimrod zeiget Das auch gantz Flar itt 
feinem eigenen Senfu des geformten Worts an / daß es cine ge> 
faffete zufammen compadirfe Luſt ſey / die fih als ein eigener 
Gott in die Höhe fhwinge/ deffen Bilde der Thurn war: GOtt 
lieg ſie in ihrem verwirreten Berftande die Figur ihrer Eigen⸗ 
ſchafft darſetzen / als ein Bilde / was der Menſch vor GOtt wor⸗ 
den ſey. 

10. Nun ſpricht die Vernunfft / warumb lich GOtt das ge⸗ 
ſchehen Alſo muſte es ſeyn / auff dag ſich die Wunder der Weiß⸗ 
heit im ungeformten Worte der 5. Vocalium durch das geſormte 
Wort der 3. Principien in eine Form oder aͤuſſerliche Beſchau⸗ 
ligkeit einfuͤhrete / als eine Nachmodelung oder Formung: Deñ 
die finſtere Welt GOttes Zorns war im Menſchen offenbahr 
worden / daraus die grobe irrdiſche Eigenſchafft war erbohren 
worden / welche auch den Menſchen hatte gantz gefangen / die ſtel⸗ 
lefe auch ihr Bilde dar / als ein eigener Gtt. 11. So 


302 Bonder Antichriftifchen Baby: Cap. 36. 

zı. So war nun der Thurn ein Bilde der finftern Welt / da 
die Menfchen wolten in der finftern Selbheit GOtt fchauen / 
deutet an den irrdifchen Menfchen / der ftehet vor GOtt wie dies 
fer Thurn / und ift ein Bilde Böttliher Beſchauligkeit nach 


Boͤß und Gut /gleich einem gemahlten geben / denn Das rechte 


menfchliche geben war das geformte Wort / das war in der eiges 
> Degiende zur Selbheitsein ſolch Bilde vor GOtt / wie diefer 
Thurn. 

2. Alle Menſchen von Adam her / fo je von GOtt gelehret ha⸗ 
ben / ohne Goͤttliche Beſchauligkeit des Geiſtes GSttes in ih⸗ 
nen / die haben alle aus dieſem Thurne der verwirreten Zungen 
geredet undgelehret : Und daher iſt der Streit umb GOtt und 
feinen Willen und Weſen entſtanden / daß man hat in der Selb⸗ 
heit umb GOtt gezancket: Einer hat geſagt / man ſolte Ziegeln 
zum Bau des Thurnes bringen / der ander Steine / der dritte 
Kalck / der vierdte Holtz / Waſſer / oder andere Nothdurfft / und 
derer Werckmeiſter ſeynd vielerley geweſen / ein jeder aus der 
Eigenfchafft feiner Zungen / cin jeder hat den Thurn wollen auff 
feinen Grund der Eigenfchafft bauen/einer hat in feiner Landes⸗ 
Eigenfchafft Steine darzı gehabt / der ander Seimen/der dritte 
Kalck / der vierdfe Holtz / und hateinem jeden gut gedaucht ſeyn / 
daß er den Thurn aus feiner Materia feiner Eigenfchafft alleine 
für fich bauete zu einem groffen Wunder / auff dag alle Welt 
darauff fehen foll/ mas er gebanet habe. 

23. Und wenn es denn die andern Voͤlcker anderer Sander ges 
fehen haben was diefer gebauet hat / fo haben fie das verachtet 
und gefaget/ihre Sandes-Eigenfchafft der Materia fey beffer zum 
Thurn / und haben angefangen zu verachten / und den Thurn für 
fich zu bauen / und den auch gelobet / welcher von andern wieder 
iſt verachtet worden / und haben auch ihres Landes Materiam für 
beffer gehalten / big fo lange fie ſeynd in der Hoffarth und Zanck 
alfo uneinig worden / dag fte haben vom Thurn abgelaffen / und 
ſeynd ineinander gefallen/und haben einander über dem Erkaͤnt⸗ 
nuͤß des Thurns zu Babel ermordet / getödtet und verfolget/ und 
welche Parthey alsdañ hat obgelegen/dic hit an dem Thurn wie> 
ver aus feiner Eigenfchafft gebauet / biß fich wieder Haben Voͤlcker 
erhaben/ und ihre Materiam für beffer geachtet. 

24. Denn die Sprachen zum PVerftande waren verwirret 
und zertheilet / darumb haben die Völcer einer des andern Eis 
genfchafft nicht erfannt noch verftanden/und hat ein jedes Volck 
gemeynet das ander in der Krafft des Verſtandes im geformten 

orte 


Eap.36. loniſchen Hure aller Zungenkt. 303 


Worte frembde ſeyn; daraus iſt die Verachtung der Religion / 
alsder Erkaͤntnuͤß des Wortes entftanden/ denn die fenfualifche 
Zunge ward nach der Viele der Eigenfchafften compadtiref. 

15. Und alfo ergesset fich in dem Streite der Menſch im com= 
pactirten Worte der Zungen / der Grimm der ewigen Natur / 
uñ auch der darinnen wohnende Fuͤrſt der Teuffel in ſeinenLegio⸗ 
nen x Und alfo herrſchet der Antichriſt / welcher der Thurn zu 
Babel iſt / als der eigene Wille des Hams⸗Menſchen im Tempel 
Gottes / und hat ſich an des Heil. Geiſtes Stelle geſetzet. 

16. Denn der Tempel GOttes iſt das geformte Wort der 
menfehlichen Sprachen undZungen im menfchlichen Berftand / 
wie gefchrieben ftehet : Das Wort ift dir nahe / nehmlich in deis 
nem Munde und Herken 5; und der Gegenſatz und Wohnung 
jene Teuffels iſt Die Monftrofifhe Eigenſchafft aus der finftern 

elt. 

17. In dieſes geformte Wort Göttliches Verftandes hat fich 
der Antichrift/ alsder Wille der Selbheit aus den Eigenfchaff> 
ten der Natur eingefeget / und pranget mit feiner Eigenfchafft 
der Natur Jalsmwäre er GOtt / und iſt doch der verdamte ver> 
fluchte Sohn der zum Tode erfohrenift/ der GOttes Meich nicht 
erben Fan / denn er ift nichtaus GOttes Willen zu? Ereatur 
sworden/fondern aus dem Willen der Selbheit : Gleich wieder 
Teuffel/ welcher ein Engelmwar / aus dem Willen der finſtern 
Welit / welcher fich in ihme empor ſchwang / ein Teuffel ward. 

18. Alſo iſt uns auch won dem Antichriſtiſchen Babyloni⸗ 
ſchen Thiere des eigenen Vernunfft⸗willens zuverſtehen / das 
fi Goͤttlich nennet / und iſt nur cin Monſtrum des wahren 
Menſchens / welcher in Adam dem heiligen Bilde GOttes der 
geiſtlichen Welt abſtarb / und im Worte das ſich wieder in 
menſchlicher Eigenſchafft in Chriſto offenbahrete / ſoll und muß 
wieder neu⸗gebohren werden / oder mag das heilige Wort / als 
das ungeformte Goͤttliche Wort der Krafft / nicht ſehen. 

16. Daſſelbe heilige Wort muß wieder in die compactirte 
fenfualifche Zunge eingehen / und diefelbe zerfchellen / daß der 
ganze Berftandaller Zungen wieder in einer offenbahr werde / 
wie Chriftus vom Eckſtein faget : Welcher ein Felß der Aerger⸗ 

eig auff welchen er aber falten würde / den würde er zer⸗ 
chellen. 

20. Alfo verſtehet uns nun / was der Antichrift oder die Ba⸗ 
byloniſche Hure mit dem Drachen⸗Thiere / wie in Apocalypſi zus 
ſehen / ſey. Ein jeder Menſch fo nicht wiederaus GOtt geboh⸗ 


1 443° 


I 


304 Von der Antichriftifcehen Baby» Cap. 36; 
ren Ai hat das Mahlzeichen des Thieres und der falſchen Huren 
an ſich. 

21. Das Thier iſt der animaliſche irrdiſche Hams-Menſch / 
als aus dem Limo. der Erden / nach der Erden Grobheit und 
Boßheit / welcher aus der finftern Welt ift geurſtaͤndet / und im 
Fluche GOttes ftehet. Daſſelbe Thier ift in Adam und Eva / 
als ſie nach Böfe und Gut imaginirten / entftanden / und in eine 
Eigenheitvon Göttlicher Krafft und Willen eingegangen / und 
iſt vor GOtt nur ein Thier: Daffelbe Thier hat der Teuffel 
infieiret mit feiner Begierde / und gantz monftrofifch gemacht/ 
und feine Begierde darein geführet/ daß es nur nach Eitelfeit 
luͤſtert / wie eine Kuhe nach Grafe. 

22, Die Hur aber des Thieres ift die arme / in der Eifel» 
keit gefangene Seele / welche im geformten Worte der drey Prin- 
eipien geftanden ift / welche GOttes Wilde war / die hat ihr durch 
die Luſt des Thieres einen eigenen Willen erbohren / welcher von 
GOTT in die Selbheit iſt eingegangen / als eine eigene ſelb⸗ 
erbohrne Ereatur/die da thut was fie wil/und nicht was GOttes 
Geiſt wil: Derfelbe eigene von GOtt abtrünnige Wille ift die 
Dur des Thieres / Die nit ihr felber in Hoffart der Selbheit 
huret. 

23. Nun lieget aber die arme gefangene Seele in dieſem gro⸗ 
ben Thiere / und in dem eigenen erbohrnen Willen / als in der 
Huren gefangen / und ſaͤhnet ſich nach GOtt / aus deme ſte aus⸗ 
gegangen / und in das geſchaffene Bilde eingeblaſen ward; und 
ſtehet ſich auff allen Seiten umb / wo ihr recht Vatterland ihrer 
Ruhe iſt / fo findet ſie daß fie mit dieſer Huren bekleidet und ver⸗ 
deckt iſt / und fuͤhret ihre Begierde in dieſen Huren⸗Willen / und 
ſuchet die Städte Gottes zur Ruhe / fo nimbt der Huren-Wille 
der armen gefangenen Seelen Begierde in fich ein / und ſchwin⸗ 
get fich Damit empor / laͤſſet fich duͤncken fie fey in der Seelen⸗ 
Begierde das fehöne Kind GOttes / das den Himmel beſitzen 
ſoll / und ruffet ſich für heilig aus/ftellet fich dar als einen GOtt / 
dehn man chren und anbethen fol. 

24. Und weil diefes Huren-Eind /als der falfche Wille der 
Selbheit nicht kan die Stätte GOttes ſchauen / was und wo 
Gott ſey / ſo gehet der falfche Wille in den Weeg feiner Eigen⸗ 
ſchafft /und faſſet ſich in das geoffenbahrete Wort der Buchſta⸗ 
beit / als in den geformten Hall der Kinder GOttes ein / welche 
haben aus dem lebendigen Worte geredet / uñ ſtellet ſeine gefaſſete 
Form des eigenen geſaſten Entis in das buchſtabiſche Wort ein 

un 


Cap. 36. loniſchen Hure aller Zungen! sc. 305 


und bekleidet fich Aufferfich mit dein buchftabifchen Worte / ſtehet 
da / und troget und faget: Hie Stätte GOttes / hie ift Himmel / 
hie iſt GOtt offenbahr 5 Aber es ift nur ein Huren=Eind vor 
Gott / und iſt zur Verdamnuͤß przdeftiniref / denn GOtt hatte 
es nicht geſchaffen / es iſt aus der Seelen Luſt / als ſie ihr Antlitz 
von HD ins Centrum fuͤhrete / und wolte Boͤſes und Gutes 
ſchmaͤcken und probiren / erbohren worden. 

25. Dieſes Huren⸗-kind ſitzet auff dem thieriſchen monſtro⸗ 
ſiſchen Menſchen / und reuthet auff ihme / als auff ſeinem Pferde / 
und iſt halb Teuffel und halb Viehe / das ſoll und muß ſterben / 
oder die Seele wird nicht erloͤſet werden / daß ſie wieder GOttes 
Antlitz ſchauen mag. 

26. Dieſe Hure hat ihre Krafft und Verſtand aus der Natur / 
als aus der Compaction Boͤſes und Gutes / als aus der finftern 
und aͤuſſern Welt hergenommen / und hat das edle Bild GOt⸗ 
tes nach GOtt aus dem him̃ liſchen Ente in ſich verſchlungen. 

27. Allhie iſt der Sauhirte / wie Chriſtus ſaget / der fein 
vätterfiches Erbe mit den Saͤuen verzehrethat : Er verftehet 
die arıne Seele / welche ihre himliſche Güter in dem himliſchen 
Ente mit Diefer Huren des böfen eigenen Teuffels- Willen ver⸗ 
fhlungen und verzehret hat / daß fie vor GOtt fichet als ein 
zerlumpter Saͤuhirte / und huͤtet die Frucht der böfen Huren) als 
des Teuffels Maſt-Saͤu auff Erden / welche find alle gottloſe 
Menſchen in ihren Früchten. 

28, Alfo verftchen wir/ was die Antichriftifche Babylonifche 
Hurcam Menfchen ift/ welche aus den zerfheileten Eigenfchaffe 
ten ift entftanden/als aus Adam / in deme die Eigenfchaffien aus 
der gleichen Concordan& auseinander giengen /cin jede inihre 
eigene Begierde und Luſt zur Selbheit / davon Adam irrdiſch 
und fterblich ward /daraus hernach der Baum der Biele der Zune 
gen und Sprachen aus einer einigen Zungen entflund, 

29. So wiffet nun diefes / day aus den zertheileten Zungen 
die Diele der Glauben find erbohren worden/ dag fich faft ein je⸗ 
des Volck hat in fonderlihe Meynungen von Dttes Weſen und 
Willen eingeführet ; und darinnen ftehet die Berwirrung /als 
das Geheimnuͤß der groffen Babylon / davon der Geift GOttes 
ausder Prophetifhen Wurtzel / beydes aus der Linea Ehrifti / 
wie Chriſtus der armen gefangenen Seelen wieder würde zu 
Hülffefommen / und ihr recht Leben wiedergebähren / und zum 
andern aus der Turba Magna geweiffaget / wie dieſes Thier 
ſambt der Huren von GOttes Antlis in den fenrigen Pful ge⸗ 
worffen werden folle, 30. In 


—X 


As 
—* 
re 


—— 
— *— 


306 Bon derAntichriftifchen Baby- Cap. 36. 


30, In dieſer Hureder Selbheithaben fich alle falfche Geiſt⸗ 
Vichen gekleidet / welche ohne GOttes Geift fich zu Schrern vom 
Geheimnuͤß des Reichs GOttes haben auffgeworffen Auß⸗ 
wendig haben fie das Prophetifche und Apoftolifche Wort über 
fich gedecket / und fich auffdas Zeugnüg der Bibel beruffen ; aber 
fie haben ihren eigenen Senfum aus der Huren Ente darein ge= 
führet/und find im Hertzen an der fleifeplichen Huren gehangen/ 
und haben die Senſualiſche Prophetifche und Apoſtoliſche Zunge 
nicht verftanden. 

31. Sie haben nur aus dem Senfu ihrer thierifchen Selbheit 
durch das Prophetifche und Apoſtoliſche Work geredet / und 
Ehrifti Wort in ihren Senfum der eigenen Hurerey geführet 
und Hurerey getrieben/ ihr HurensFindunter Chrifti Purpur— 
mantel mit Silber / Bold und Edelſteinen / auch mit weltlicher 
Ehren / Gunft und Reichthumb geſchmuͤcket. 

32. Denen find die Menfchen nachgelauffen / und haben fte 
für Götter gehalten/mit ihrem Huren-kind gebuhlet / und da doch 
ihr Herk nimmermehr eins / noch auff einigem Grunde geftanden 
iſt / und das iſts / das der Prophet Daniel ſaget: Sie werden ei⸗ 
nen Gott ehren / davon ihre Vaͤtter nicht gewuſt haben / mit Sil⸗ 
ber / Gold und Edelgeſteinen / uñ dehnen die ihnen helffen ſtaͤrcken 
Maozgim / das Land zum Erbe außtheilen; daſſelbe gantze Ca— 
pittel gehoͤret hieher. 

33. Wann wir nun dieſen Babyloniſchen Thurn recht an⸗ 
fehen was er jest in Chriſti Reiche auff Erden iſt /und was er 
unter Mofe und bey den Heyden geweſen iſt / fo finden wir Elar / 
daß er bey allen dreyen gantz einer Eigenfcharft ift / fo wohlauch 
bey den Türcken und jeßigen Audens Ein jedes Volck bauet ihn 
aus feiner eigenen Materia , denn in der rechten allgemeinen fen- 
fualifchen Zungen / wenn die in einer offenbahr ift / fo find wir 
allzumahl nur eimeiniges Bold aus Adam her. 

34. Daß wir aber zertrannt feynd / und in Meynungen eins 
geführet worden / das ift die rfache der Baumeifter s Als der 
hohen Schulen/ Pfaffen/ Paͤbſte / Bifchoffe/Doctoren. Item / 
der Rabbinen und Meifter aller Voͤlcker / welche find zu Werck⸗ 
meiftern des Thurns gefeßet worden : Diefe allehaben aus ih> 
ren eigenen Sprachen und natürlichem Berftande gerichtet/ als 
aus der gefaffeten und geformten fenfualifchen Zungen / aus den 
auffern Buchftaben/ und weder GOtt noch das Liecht der Natur 
erkannt /fepnd in beyden blind und ſtumm geweſen / beydes die 
Juden und Heyden! fo wohl auch die felb-gemachte Schrer Der 
Chriſten. 35.6 


Cap. 36. Ionifchen Hure aller Zungen; 307 


35. Alles was auffer GOttes Geiftgelauffen ift ohne Goͤtt⸗ 
lichen Berftand unter Juden / Heyden / Chriften und Türcken / 
das hat nur diefen Thurn in eigener Effeng gebauet / under ift 
ein Thurn der groffen Wunder GOttes / Goͤttlicher Beſchaulig⸗ 
keit nach Liecht und Finſternuͤß / nach Leben und Tod / nach Freu⸗ 
de und Leyd. 

36. Nicht zuverſtehen / daß dieſer Thurn nichts nuͤtze ſey vor 
GOtt / er iſt das groſſe Geheimnuͤß Goͤttlicher Offenbahrung / 
nach Liebe und Zorn / gleich wie GOtt aus dem groſſen Myſterio 
allerley Thiere / böfe und gute / fo wohl allerley Voͤgel / Wuͤrme / 
Baͤume und Kräuter geſchaffen hat / als zu feiner Offenbahrung 
der groſſen Wunder: Alſo hat auch der menſchliche Baum ſolche 
Wunder aus feiner ſenſualiſchen Zungen / aus der Viele der Ei⸗ 
genſchafften herfuͤr bracht / und in ein Weſen gefuͤhret zu ſeinem 
wachſen / als zu der groſſen Einernde GOttes / da jede Eigen 
ſchafft aus Liebe und Zorn / aus Liecht und Finſternuͤß ſeine 
Frucht einernden / und ein jedes feinen Himmel in ſich ſelber be> 
ſttzen wird / in ſeinem eigenen gefaſſeten Ente, aus dem einigen 
orte EHttes / welches ſich hat allem Leben eingegeben / einem 
jeden Leben nach undaus feinem Principio, nach feiner Eigen 
ſchafft / als ein allgemein Wort / zur herzlichen Offenbahrung der. 
E wigfeif. 

37. Wen wir num dieſes Thier mit der Hure weiter betrachten? 
was es in fich felber von innen und auffen fey / fo finden wir / daß 
es das geformte compadtirfe Wort ver Geifter der Buchſtaben 
iſt denn die Menfchen in ihrem Leben feynd alle einerley Eigen 
ſchafft / alle aus einem Sleifche und Scele gegeuget/und haben alle 
nur ein einig Leben / als wie ein Baum in viel Aeften und Zwei⸗ 
gen/ da die Aefte einander nicht gans in Form ahnlich fehen/ ha⸗ 
ben aber alle einerley Safft und Krafft: Alfo auch die Ereatur: 
der Menſchen unter Juden / Chriſten / Tuͤrcken und Heyden. 

38. Und iſt diß der einige Unterſcheid / daß uns die Geiſter 
der Buchſtaben im geformten Worte im Verſtand ſcheiden / 
fonft leben wir alle gleich in den vier Elementen / und effen von 
einer Mutter ihrer Früchte / und bleiben in ihr / fo wir dieſem 
auffern Leben abfterben. 

39. Die compadtirte ſenſualiſche Zunge / welche fich in der 
Geiftern der Buchſtaben haf getheilet/ machet uns irre / daß 
wir vermeynen / wir fepnd einander frembde / und feynd Doch alle; 
nur ein einiger Baum / welchen der Teuffelin Adam mit feiner 
Begierde vergiftet hat / daß fich die Gleichheit Hat in 4 ie 

———— gleich⸗ 


308 Bonner Antichriftifchen Baby Cap.z 6; 


gleichheit ausgeführet /_ Davon die Geifter der Buchſtaben 
offenbahr feynd worden/daß wir aus vielen Spracherreden/ das 
iſt / daß mir Das kraͤfftige Wort GOttes haben in. die Viele 
der zertheilten Eigenfchafften eingefuͤhret / und in jeder Zungen 
Eigenſchafft eine Selbheit / oder eigen Begierde zur Einfaſ⸗ 
ſung gemacht. 

40. Daraus entſtehet Widerwertigkeit und Bilder / daß wir 
Das ungeformte Wort haben ins Bilde eingefuͤhret: Jetzt ſtreiten 
wir nun um dieſelben Bilder / da ein jeder meynet er habe ein 
beſſers / und wenn man dieſelben Bilder alle wieder in eine 
Sprache einfuͤhret / und die Bilder toͤdtet / fo iſt das einig le— 
bendigmachende Wort GOttes / welches allenDingen geben und 
Krafft gibt / offenbahr / und hat der Streit ein Ende / und iſt 

GOTT alles in allen. 

42. Darımm fagenwir / als wir esin Genaden des 
Einen haben erkannt] daß aller Menſchen vünden und 
Wilfenfhafft von GOTT / feinem Weſen md Willen ohne 
Goͤttlich Lecht / daffelbe Huren-thier iſt / das aus den compa- 
ctirten Geiſtern der Vuchſtaben entſtanden iſt da man um die 
Geiſter der Buchſtaben zancket. 

42. Wir haben die fünff Vocales im Alphabet verlohren / 

welche die Beifter der Buchſtaben alle in eine Harmoney ein⸗ 
führen /: und die fünff Vocales feynd gleich als wie ſtumm 
gegen den andern Buchſtaben / und ſeynd doch der andern Le⸗ 
ben / denn es mag kein Wort gebildet werden / es muß ſein 
Vocalis darbey ſeyn. 

43. So iſt uns jetzo kein befferer Raht zur Einigung / daß wir 
moͤgen mit uns ſelber wieder eines ſeyn / ein Volck / ein Baum / 
can Menſch / ein Seel und Leib / als daß wir die Bilder der 
Buchſtaben in uns alle zerbrechen und toͤdten / und kein einiges 
leben laſſen / nichts mehr von GOTT begehren zu wiſſen und zu 
wollen / als nur einig und allein was GOTT in und durch 
uns wiſſen wil / dag wir der Seelen Hunger und Begierde 

- einigumdallein/ ohn alles ander wiſſen / in die A Vocales 
einerſencken / und Darinnen ift der groffe H. Name GHDttes 
Teova oder Jeſus / (als das lebendige Wort / das allen Din 
gen leben gibt) offenbahr / und nicht nach der Natur Eigen⸗ 
ſchafft / der Unterſcheid vieler Willen; ſondern in der einigen 
Liebe⸗Sonne iſt er darinnen offenbahr. 

44. Gleich wie die auıferr Sonne der gantzen Welt Sicht. 
und — giebet: Alſo auch dieſer einiger Name in feiner 

Krafft 


Cap 36. loniſchen Sure aller Zungen rc. 309 


Krafft / giebet allen Buchſtaben Leben und Verſtand: und 
verſtehet uns gar eben recht was wir meynen mit der Hurerey 
der Buchſtaben. 

45. Die Buchſtaben / als die Eigenſchafften der Senſua⸗ 
liſchen Zungen? haben fich in eine aufferliche Form oder eige⸗ 
nen Millen und Verſtand eingeführet / und haben fich mit 
den Vocalibus ineine Faſſung eingeführet: Als dieſes geſche⸗ 
hen ift / fo ift Jeſus als der heilige Name Jeova/ in den 
Buchflaben mitden 5.Vocalibus der heiligen einigen Menta⸗ 
liſchen Zungen / in der fenfualifchen Zunge geftorben ; das 
iſt der geiftlihe Menfch / welcher in GOTT gelaffen ift/ iſt des 
Göttlichen Berftandes und Willens geftorben. _ 

46. Nun iſt aus dem Senfualifchen Geifte der andern Buch⸗ 
ftaben / ein eigenwilliges Thier der Ichheit und Selbheit wor⸗ 
den / das nur toͤdtet und todte Frucht würdet: Denn Paulus 
faget / der Buchſtabe toͤdtet aber der Geiſt macht lebendig / 
das verſtehet alſo. 

47. Die zertheilte Senſualiſche Zunge toͤdtet uus / und 
macht uns uneinig / fuͤhret uns in Babel: Aber der Geiſt der 
Vocalium, als der heilige Name GOttes macht uns in ihme 
wieder lebendig: Darum hat ſich das H. Wort der 5. Voca- 
lium mit einem theuren Bunde alsbald im Paradeiß / als fich 
die Geifter der Buchſtaben frenneten / undin die Selbheit der 
Wunder GSttes eingiengen / wieder indie Buchſtaben / als 
in den natürlichen Menfchen einverleibet / fich wieder miteiner 
Bewegung der CompadtirtenZungen zu offenbahren/und wieder 
den H. Senfum indie Senfualifche Zunge einzuführen. 

48. Alfo verftchet uns nun recht: die buchftabifche Form / 
in der ſenſualiſchen Zunge ift nun das böfe Thier / das in ei» 
gener Gewalt herrſchen wil: In diefes böfe Thier hat fich der 
Geiftder sg. Vocalium , als der Name Iehovah welcher den Je⸗ 
ſum mit dem H. darein hateingehaucht/ einergeben / das böfe 
Thier getoͤdtet / als den eigenen Willen] und die Geifter der 
Buchſtaben / als venrechten natürlichen Menfchen wieder mit 
der Tinctur des heiligen Namens der Vocalium oder Ihefu tin⸗ 
giret / und den Tod oder Zödter in den Birchftaben mit der 
Siebe getoͤdtet / und ihm den Willen der Selbheit zerbrochen / 
daß ſich die Geiſter der Buchſtaben nicht mehr koͤnnen in eine ei⸗ 
gene Compaction der Senſualiſchen Zungen einfuͤhren / denn 
fie ſeynd in eigenem Willen tod / und der Geiſt Ichova in 
Zeeſu iſt ihr Sehen worden/ daß fie nicht mehr ihrer — 

als 


310 Bonder Antichriftifchen Baby: Cap.z 6, 


als der Ratur des Grimmes leben / fondern was fie num leben; 
Das leben fie GOTT. 

49. Alfo iſt ietzt in uns das Thierder Huren von auffen/ als 
an dem sterblichen Menſchen / und innen if& Chriſtus in dem 
unſterblichen Menfchen / ver ift durch den Todt der Buchftas 
ben hindurch gedrungen/ und hat den Tod zum Leben gemacht. 

so. Jetzt liegets dem Menfchen nun an deme / daß erder Bil⸗ 
der der Buchſtaben in ihme auch erſterbe / und aus aller. ver> 
nuͤnfftigen Wiſſene der Natur / und aller Babyloniſchen Bau⸗ 
meiſter / wie die immer heiſſen / ausgehe / und in diß einige 
geben Ihefu eingehe / und um denſelben Weeg nicht diſputire / 
wo er ſey / ſondern dencke nur / dag er in ihme ſey / daß er muß 
alles verlaſſen / es ſey Kunſt oder Witze / und einig allein in 
ſich ſelber einig werden / ſich nur in eines einfuͤhren / als in GOttes 
Willen / was der mit ihme thun und machen wolle: Er muß 
ſich Willen⸗loß geben / und gank in GOttes Erbarmen laſſen / 
und all ſein Lernen in diß einige einfuͤhren / daß er nichts mehr in 
ſeinem Lehren und Lernen wolle thun und reden / ohne was 
GOTT durchihn wil: Alſo ſterben alle Bilder in ihme / und 
fallet das Seeliſche Seben in das lebendige Wort cin / das ſich 
an der Menfchheit offenbahret. 

51. Denndasift das groffe Thier der Babyloniſchen Huren 
in uns / daß wir uns im Bilde der Buchftaben einführen / und 
machen uns Meynungen / dieſelbe Meynung iſt ein Thier. 

52. Wir tollen uns auch ſelber nicht wollen wiſſen / ſondern 
mit unſerm eigenen Willen immerdar ſterben / und in allen 
Dingen GOTT die Ehre geben / und ihme das alles wieder ge— 
ben / was er ums giebet / als da ift / Verſtand / Weißheit 
und Witze / und erkennen daß es nicht unſer eigen ift/ fondern 
daß die Göttliche Sonne / aus und durch ung fcheine/ und in ung 
wuͤrcke wie fie wolle, 

53. Altofollen wir auch unfer Krafft / welche die Göttliche 
Sonne in uns wuͤrcket / ingemein wieder von ung geben / ohne 
alle Bedinge oder Nieffung von jemanden/ wer uns unfer Leben 

hülfft Aufferlich erhalten / dem follen wir danckbahr feyn / und 
Niemand um feiner Authorität willen heucheln / oder feinen 
falſchen Glaſt / in dig Sonnen⸗liecht einnehmen] fondern es foll 
allgemein ſeyn / wie fich der Sonnen Schein allgemein einer= 
giebet/ und feinem ſtarcken Dinge was anders giebet/ alsnur 
ihre Lauterkeit / mit einerley Krafft tingiret fie die Erde und 
ihre Kinder / amd giebetallen Leben und Kraft. 
54.Hier⸗ 


Cap. 36. loniſchen Sure aller Zungen ꝛtc. 318 


54. Hierbey ſoll man nun erkennen: Ob einer ein Lehrer von 
GOLT ſey gefandt / oder ob er aus dem Geiſt der Buchſtaben 
ſey herkommen: Iſt er allgemein aus der Liebe gebohren / fo 
hat er das Liecht Goͤttlicher Erkaͤntnuͤß / als ven Senſugli⸗ 
fchen Göttlichen Verftand / eine tingirte Zunge ausdem Goͤtt⸗ 
lichen Ente der 5. Vocalium , und redet aus dem Geift GOt⸗ 
tes / ftraffet und lehret gewaltig / ohne jemands Perfon Ans 
fehen/ und. hatkein Bilde in ſich: Denn er lehret aus GOttes 
Geiſt / was der in ihme lehret. 

55. Iſt er aber ein Baumeiſter des Thurns zu Babel / aus 
dem Geiſt der Buchſtaben gebohren / als aus der Ungleichheit / 
fo iſt er ein Heuchler / ein Lieb⸗-koſer derer ſo ihn ſchmuͤcken / 
welche ihme helffen ehren Maozim / feinen Buchſtaben⸗Gott / 
in den zertheilten Zungen / ein Spoͤtter derer ſo ihn in ſeiner 
Form nicht ehren / ein eigenehriger / hoffaͤrtiger / unter gleiſ⸗ 
ſendem Scheine) tin geitziger / boßhafftiger / neidiger / ſich 
ſelber kennender und ehrender der von Menſchen wil ges 
ehret ſeyn; miſſet ihme ſelber Verſtand und Weißheit zu / 
ruͤhmet ſich der Weißheit und Verſtandes / und hat doch des 
rer keines / ſondern er iſt nur ein Bauer am Thurn zu Babel / 
als einer aͤuſſerlichen Figur / ein gemahlter Chriſt / er wil 
andere Ichren / und ift doch felber ungelehret von GOTT: 
Er [chret nur aus der Form der compactirten Geifter der 
Buchftaben/ welche ſich in Boͤß und Gut compactiret haben / 
diefelbe nimt er in eigene Gewalt / und compactirefdie Wor⸗ 
te zufanmmen ineine Meynung. 

56. Unddiefelte Meynungiftder Thurn zu Babel’ unddie 
jenigen welche ihm zulauffen / und ſich mit ihme in der Meynung 
verbinden / ſeind die Statt Babel / als die Kinder Nimrod / 
welche auff dieſen Thurne wollen in den Himmel ſteigen / und 
ſteigen immerdar ihr gantzes Leben / kommen doch in der Mey⸗ 
nung nicht in Himmel / ſondern wenn die Zeit der auffern buch⸗ 
ſtabiſchen Eonftellation um ift/ fo fallet der gebauete Thuru 
um / als der Äuffere Menſch / mit famt der Mepnung/ und 
zerbricht alles miteinander / big auff die einige Seele / die 
ſtehet alsdan nackend und bloß vor GOTT. 

57. Hier ift num kein Raht / fichabe dan den einigen Geift 
der lautenden Buchſtaben / als das ungeformte Wort in ſich / daß 
fie maginihrer Begierde daffelbe an fich ziehen / und fich damit 
befleiden / daß daflelbe die gefaffete compactirte Zunge und 
Bilde der Buchſtaben alle zerſprenget / umd in eine einige aunge 

u 


312 Bon der Antichriftifchen Baby⸗Cap. 36. 


und Willen einführen / welcher ift GOTT alles in allem: 
Alles muß wieder in das eine / als in das Gange gehen / in 
der Vielheit iſt nur Streit und Unruhe / aber in dem einem 
iſt eine ewige Ruhe / und kein Wider-wille. 

58. Wenn wir nun wollen den Thurn und die Stadt Babel 
in ihrem formirten Bilde auff Erden betrachten / was und 
wo cr ſey / fo finden wir hell vor Augen gemahlet / dag es die 
groffe Haufer ver Kirchen / Klöfter und Schlöffer find / fo wohl 
die veften Mauren und Thürne der Stätte auff Erden da . 
man fich für Gewaltverbirget/ und inden Kirchen / Klöftern 
und Stiften inden Meynungen / vor GOTT heuchelt / und zu 
ihme ſchreyet / dag er uns ſoll in unſerer erdichteten und gefaſſe⸗ 
ten Meynungder Buchſtaben annehmen. 

59. Was ift das alles ? Eine Abgötterey und Heucheley / 
ein Antihrift mit Glantz und Scheine: Was bringet man in 
die gleitinerifche Babylon ? Nichts ald Bilde / und ſelbſt-gefaſ⸗ 
fete Meynungen aus der buchftabifchen Form: Was nimt man 
mit heim aus dieſem gleißnerifchen Haufe ? Nur Bilde der 
Buchſtaben / in diefelbe Bilde faffer fich die arıne Gefangene 
Seele / welche doch voll Furcht und Zagen iſt / wegen der gefaf> 
feten Bilde / amd fürchtet immerdar / ein ander Bold in ſei⸗ 
nen auch gefaffeten Bildern möchte einbrechen / und dieſe feine 
Bilde zerſtoͤren. Darum hat mangroffe Schlöffer und Thürne/ 
und Mauren an Staͤdten und Kicchen gemacht / daß man fich 
wehren kan daß nichtder Thurn / darauff fie wollen in Himmel 
ſteigen / zerftöret werde. 

60. Spfpricht nun die Vernunfft: Das findja Schrhäufer / 
da man den Unverſtaͤndigen Ichret/ da man finger und betetz 
Sihe auswendig inumd bey den buchftabifchen Menfchen / ifts 
nur der Thurn und die Statt Babel ; Aber inwendig bey den 
Kindern Go—ttes / in welchen der Tempel EHftes ift / wo die 
Bilde zerftöret find / da ift Chriſtus / das iſt in denen / welche 
alle Bilde und Meynungen in ihnen gerbrochen haben / und find 
einig und allein / Durch Umwendung aus allen Bildern / in 
die einige Genade und Barmhertzigkeit GOttes in fein Erbar⸗ 
men eingegangen / und fich gank unwuͤrdig / nichtig] und als 
tod gemacht / die da nichts mehr wollen noch begehren / als 
nur die einige Lauter keit GOttes in feinem Liebe- Willen / und 
fich aller Annehmung viel zu unwuͤrdig achten / und in höchfter 
Demuhtin G ttes Erbarmen einfallen / gleich als wären fie 
nichts / und alleihr Begehren und Willen in GOttes Erbars 
e men 


PAR 
Po 
m 
5 


Cap. 36. loniſchen Hure aller Zungenne. 313 


men einwerffen / was der in Ihnen wolle oder thue / das wolle: 
fie auch / undnichtsmehr. In denen fag ich /ifts ein Lehr-⸗haus 


amd Hörshaus/ ein Tempel GOttes / da der Geiſt GOttes / 


in der Seelen lehret / hoͤret / betet finget und GOTT lobet / 
dan fie ſind aller Selbheit / und Selb-wollens und Meynens ab⸗ 
geſtorben / und ſpielen einig im Lobe GOttes / in der Erkaͤntnuͤß 
des heiligen Geiſtes / dieſe ſind die Kirche Chriſti. 

- 6x. Die andern aber / haben nur den Thurn zu Babel in der 
Meynung in ihren Bildern / dieſelben Goͤtzen tragen ſie in 
Steinhaufſen / und glaͤntzen damit / beten ſte an / und tragen fie 
wieder mit zu Hauſe / und ſtreiten umb ſie / als hätten fie den le— 
bendigen GOTT in ſich / und führen groſſe Kriege umb dieſe 
Bilder / verwülten Sand und Leut / und find doch thoͤrichter als 
die Voͤgel in der Lufft / welche alle in einer Zungen und Ver— 
Kande GOTT loben undchren / denn fie find alle ohne Bilde / 
was der groffe GOTT mit ihnen thut / da find fie zu Frieden. 

62. Der menfhlihe Baum ifEnur ein einiger Baum / fo fie 
indem einigen GOTT / der fie gefchaffen hat / blieben / und ına= 
cheten ihnen nicht Bilde/ wer wolte ſte umb GOTT uneinig 
machen? fo fie doch alle in dem einigen GOTT leben und find / 
und ftreiten auch umb GOTT. 

63. Warumb ſtreiten fte ? umb ihre Bilde des Hertzens / und 
umb die fleinerne Häufer der Kirchen / und umb die Hoffart 
der Bilde/ ein jeder wil fein Bild ehren / und hoch erheben / 
gleich. einem hohen Thurne/ daß er ein groß Anſehen habe in der 
Stadt Babel) darumb bauen fie Schlöffer und Mauren / das 
Bilde zu verwahren / und heucheln ihnen felber / und verſtehen 
unter dem gefafferen gemahleten Bilde / den Gott Miaszim/ 
als ven fetten Bauch und Wolluft des Thieres / diefes Huren 
Bildes; Das Bilde fegen fie auff den Thurn zu ihrer Scheint 
heucheley / damit fie vor GOtt gleiffen / als mit einem eigenen 
erbohrnem GOtt: Aber das Thier führen fte in die Mauer / daß 
es ficher fey /da fichs mag mäften. 

64. Was ift num diefes Thier mitder Huren? Es iſt halb 
Zeuffel/ ver fein Reich auff Erden hat/ und ift halb Viche ; 
dieſes böfe Thier hat den Menfchen / als das Bilde Gottes vers 
fhlungen. 

65. Und umb defwillen iſt GOTT Menfch worden / dag cr 
die Werde des Zeuffels zerſtoͤre / tödte und zu nicht mache: und 
dieſe Göttliche Menſchheit muͤſſen wir anzichen/ und dem Teu = 
fel fein Reich in uns zerftören / und alle Bilde toͤdten / anderft 

9 möge 


314 Von der Antichriftifchen Baby Eapız 6, 
mögen wir nicht GOtt ſchauen / das lebendige Wort muß das 
buch ſtabiſche Bild toͤdten. 

66. Das lebendige Wort iſt darumb Menſch worden / auff 
daß das buchſtabiſche Bild ſterbe / und der erſte Menſch / welcher 
aus dem lebendigen Worte in Gottes Bilde formiret ward in 
Chriſti Geifte/ als in dem lebendigen Worte / wieder nenges 
bohren werde: und fo er nungebohren ift / fo find ihne die Bilde 
lehrer viel mehr ſchaͤdlich als nuͤtzlich: Denn fie führen nurihre 
Bilde in den Tempel Chriſti ein / und zerſtoͤren das Bilde 
GOttes. 

67. Und das ſey allhier bey den Kindern Nimrod / und dem 
Thurn zu Babel geſaget: Als es uns denn alſo der Geiſt hat zu 
erkennen gegeben / und vermahnen den Leſer im Liebe ſich zu pruͤ⸗ 
fen / er wird ſich finden wo er ſey. Es iſt nicht geſchrieben jemand 
zu ſchmaͤhen / ſondern alſo redet der Geiſt mit offenem 
Munde / und zeiget an / was alles ſey / wovon / und in 
was Ende das gehen ſoll. | 

68. Daß aber alfovielvon dem Thier undder Huren zu Babel 
geſchrieben wird / Das iſt die Urfache / daß es an feinem Ende ift/ 
und bald zerbrechen foll/ ſo muß es offenbahr feyn / daß man das 
fee und erkenne: Denn Babel faͤllet che nicht / es falle denn 
das alles / das die Bilde gemachethaben: Es müffen alle Bil- 
de mit ſambt dem Thier umd der Huren fallen / fonft ift kei⸗ 
ne Artzney. 

609. Man hat lange Zeit daran geflicket / und je gemeynet / 
man wollcausder Huren eine Jungfrau machen /aber ihre Hu⸗ 
rerey ift Dadurch nur geſchmuͤcket und gröffer worden: ſoll dieſe 
Hure fallen / fo müffen alle Secten / welche nur Bilde der Hu⸗ 
ren find / zu Grund und zu Boden gehen / mit ſambt dem Thier 
darauff ſie reuthet: Ein jeder Menſch mug die Bilde und Abgoͤt⸗ 
ger infich zerbrechen / und da fie das nicht thun wollen fü. 
thut es der Enfer des Herren. = 

70, Wie gar febön hebet anjetzo die Hure das Haubt 
empor | und höret daß der Geift von Zion deutet / als von der 
geſchmuͤckten H. Braut Chriſti / fo dencket fie / fie fey das (hd = 
ne Kind / das GHLE wolle in einen güldenen Tempel einführen 
da eine guͤldene Zeitundeitel Freude tund Wolluſt inne ſey / und 
ſiehet nnd ſich / wo dan der ſchoͤne Tempel GOttes werde her⸗ 
rommen / in dehn ſie ſolle eingehen / und sur Jungfrau werden / 
ſie hoͤret immerdar wo denn dieſelbigen heiligen —— 

her⸗ 


* 


Cap.36. loniſchen Hure aller Zungen/rc. 315 
herkommen / die eine guͤldene Welt / wie ſie dencket / machen 
werden. 

71. Sie dendet aber nicht / daß fte wil von ihrer geisigen 
wollüftigen Hurerey ablaffen/ und fich bekehren: Nein / fie 


wird je Ärger und unzuͤchtiger / voll after / dag an ihr forthin 


wenig Gutes mehr iſt / und ſtehet vor GOtt alseine Hure am 
Pranger die verurtheilet ift. 

72. Höre du geſchmuͤckte und gekrönte Babylon / voll Ubels 
vor GHLE und feinen Engeln, wir haben einen Wächter 
hören fagen : Rein ab / die Stadt mit fambt dem Thur⸗ 
ne der Huren und dem Thiere iſt gefallen / und von dem 
Alferhöchtten verurtheilet worden. Du ſolſt die Stadt 
Gottes nicht fehen ewiglich / es fey denn dag deine Kin: 
der den beſudelten Mod voll Schande vor SOTT gang 
ausziehen und wegwerffen/ und gantz nackend und bloff 
ohn einige Bilde dem Allerhoͤchſten zu Fuſſe fallen [und 
fich zu ihm bekehren / diefe möchten fie ja ſehen und 
die andern ſo auff güldene Berge hoffen / da man zeit: 
liche Ehr / Geld und Wolluſt des Fleiſches ſuchet / gar 
feiner /Amen. 

73. Die Vernunfft wird allhie indem obigen Texte / als ge⸗ 
meldet worden iſt / daß ein wahrer Chriſt muͤſſe aller Bilder und 
eigener Wiſſene abſterben / und gantz in ihme zu nicht werdenf 
anheben zu ſpeculiren / zu fadlen und ſagen / man wolle die na⸗ 
türliche Erfäntnüg und Aufferliche finnfiche Weizheit verbie⸗ 
ten / damit man das Leben / und alle Dinge dieſer QBelf regieret/ 
fo wärs aller Berftand auffgehaben. 

74. Dehme fagen wir daß am Menſchen nichts auffgehaben 
wird: weder Verſtand / Wise/ noch Kunft: Denn dasalles 
urſtaͤndet aus Göftlicher Weißheit / wir Heben nicht das ausge⸗ 
forochene Wort der geformten Weißheit GOttes auff / fondern 
nur das Thier / welches in Goͤttlicher Beſchauligkeit regieren 
wil: Al den thieriſchen Willen zur Selbheit und Eigenheit / 
welcher von GOtt abgewichen iſt / der ſich als ein falſcher eigener 
Gott ehret / und GOtt nicht glauben oder trauen mag: (als 
den Antichriſt / welcher ſich in GOttes Staͤdte geſetzet hat) und 
lehren hingegen / dag der Menſch der Antichriſtiſchen Bilder 
folf gang erfterben/ auff dag er in Ehrifto eines neuen Lebens 
und Willens gebohren werde / welcher neuer Wille im geformten 

3 — Wor!te 


316 Bonner Antichriftifchen Baby- Eap.z 6, 


Worteder Natur Macht hat mit Göttlihen Augen alle Wunder 
Gottes I beydes in Natur umd Ereatur/in der geformten Weiß⸗ 
heit zu ſchauen. 

75. Demm fo der Antichrift in der Seelen flirbet / fo ftehet 
Ehriftus vom Tode auff/ denn er ruhet inden 5. Vocalibus in 
feinem Grabe / alsinder mentalifchen Zungen / welchein Mdanı 
geftorben / und in dem Antichrift gefangen lieget/ wenn diefer 
vom Tode in der mentalifchen Zungen auffftchet) und lebendig 
wird / fo eröffnet er alle Schäße der himmliſchen Weißheit in 
der Senfualifchen Zungen / dag der Menfch die Beifter der Buch» 
ſtaben / als das geformte Wort der Natur / inallen drey Prin- 
eipien viel Elärer verſtehet / als zuvorhin in dem Antichriftifchen 
Huren⸗kinde. 

76. Denn die neue Gebuhrt geſchicht wohl in der mentaliſchen 
Zungen/ als indem verblichenen Bilde der himmliſchen Menſch⸗ 
heit / aber fie tingiret und würffet abe das falfche Antichriftifche 
Bilde vonder natürlichen Menfchheit /alsvon den Geiftern der 
ſtummen Buchftaben / und macht fie in ihrer Selbheit alle ſtum̃ / 
und giebet ihnen ihr eigen Leben / daß fte fich in der neuen Menſch⸗ 
heit befchauen / und alle ihre Annehmligkeit und Formungen 
in der neuen Mengchheit machen, 

77. Diefelbe neue Annehmligkeit und Formung gefchicht im 
Goͤttlichen Willen in der Gelaffenheit/ und das find himmliſche 
Bilder und Formungen / welche im H. Geifte gebildet werdeit 
zur Ehre Gottes. 

78. Denn fo der heilige Name Gottes in feiner Kraft nicht 
in der Bildung der Wörter ift/ alsinden Beiftern der Buchs 
faben / welche das geformte Wort find / und mitin der ſenſug—⸗ 
liſchen Zungen das Wort Hilft bilden / fo redet nur der fals 
fhe Antichrift aus der eigenen Annehmung der buchftabifchen 
Form, 

79. Denn der Geift Gottes bildet indas Wortdes Mundes/ 
fo es die ſenſualiſche Zunge faffet/ Gerechtigkeit / Wahrheit / 
Glauben / Siebe und Gedult mit ein / als Göttliche Krafft und 
Tugend: Aber das Antichriftifche Kind bilder in Faſſung des 
Worts aus der Schlangen Ente, Luͤgen / Falfchheit / Untreu/ 
Hoffarth / Geitz / ſtachlichten Neid/ Zorn / Ehrenzdiche / und 
alles das was wider Gott ift / mit ein / und macht das ge> 
forımte Wort der Burchftaben zu einem Thiere und falfchen Hu⸗ 
zen-Einde/ das von GOttes Angeficht verſtoſſen wird / über 
welches das Urtheil gehet. 

89. Alſe 


Cap. 36. loniſchen Hure aller Zungenizc. 317 


80. Alfo auch mit dem Verftande der äufferlihen Weißheit 
und Kunſt zu verftchen iſt / fo die Göttliche ABeigheitdarinnen 
wuͤrcket / fo it der Verſtand und die Kunft alles gut / und in 
Goͤttlicher Weifheitgegründet ; wo aber nicht / fo ſtehet fie in ei⸗ 
tel Antichriftifchen falfhen Bilden zum Urtheil Gottes. 

Sr. Darımnb fo prüfe fich dor Menſch / was ihme in die Vils 
dung feiner Worte in die len/nalifche Zunge mit einfallet 7 iſts 
Wahrheit/ Gerechtigkeit / Glauben in Hoffnung / Siebe in Ge⸗ 
dult / gerne wollen die Wahrheit reven und thun / und ſolches 
alles umb GOttes willen/ inder Hoffnung des ewigen gebens/ 
fo ifts gut mit ihme / fo bleibe er in folcher Ubung beftandig / und 
würde je mehr und Eräfftiger alſo; fo ftchet fein Perlen-bäums 
lein im Wachfen und Zunehmen. 

82. Wo aber das Gegen-fpielin ihme gefunden wird / daß / 
wenn er wil reden / ihme in feinem Worte fich Lügen /hof> 
färtiger Anblick groffe Worte mit ſtarcken Anſehen: Item / 
neidige Bitterkeit / Ubels wider ſeinen Naͤchſten zu reden / 
Falſchheit / Zorn zu raͤchen / und übel zu deuten/ mit einbilden / fo 
ſoll er gewiß und wahrhafftig wiſſen / dager die Antichriſtiſche 
Babyloniſche Hure / ſambt dem falſchen Trachen-thiere in ſei⸗ 
uem Hertzen haͤt ſtizen / das ihme ſolchen Willen und Begierde 
in ſeinem Worte zur Bildung mit einfuͤhret zur Erbauung hoͤl⸗ 
liſcher Bilder; denn durch dieſe falſche Einführung wird alles 
zur Subfang in der Bildung der fenfualifchen Zungen. 

83. Darumb fo wiffe/ O du Menſch! und prüfe dich/ daß 
du Gottes Bilde bift nach dem Göttlihen Worte und Verſtan⸗ 
de; fo du recht redeſt / wilft und thuſt / fo biftu daffelbe Bilde 
Gottes / darinnen GOtt wohnet / redet / wil/ und thut; wo 
aber nicht / und das Gegenfpielerfunden wird / ſo biſtu der ab> 
gefallene $ucifer in feinem Gefchlechte und Anhang / und thuſt / 
wilſt und begehreft eben daffelbe / das er wil und thut. 

84. Ob dur wohl nicht das hoͤlliſche Feuer begehreft / begehrte 
es doch Lucifer auch nicht: Es ift aber kein andere Belohnung 
fir das falſche Bild / weil fichs aus dem Abgrund bilder / ſo muß 
es ja in ſein Vatterlandeingehen. 

85. Dan daß der Menſch redet und verſtehet / das komt nicht 
aus den Sternen und Elementen / ſonſt koͤntens andere Creatu⸗ 
renauchz Es komt dem Menſchen aus dem eingeleibten geform⸗ 
ton Worte Gottes her / esift der Name Gottes/dehn fol er nicht 
mißbrauchen bey Vermeidung ewiger Straffe ; daffelbe einge⸗ 
keihte Wort hat der Menſch aus allen dreyen Principien in * 

O3 


318 Bon Abrah und feinem Saamen/Cap.37% 


und hat eigenen Willen zur Bildung der Subdang / aus welchen 
Principioer wil / und darauff folget auch die Scheidung und Eine 
ernd eines jeden Dinges in feinen Stalle. 


Das 37. Capittel. 


Bon Abraham md feinem Saamen / und von der 
Bundes⸗Linea in ihrer Forttzyflantzung / auch von 
den Heydniſchen Göttern. 


2. S Enn mandie Hiftorioder Geſchichte bey den 
Kindern der Alten Heiligen anfichet mit rechten 
Augen des PVerftandes/ fo fichet man eitek 
Wunder / den die $inien der Kinder Gottes 
find gleichwie ein Baum der in Aeſte und 
Zweige waͤchſet / biß er Frucht trägt: Alfo ift auch die Linea 
Ehrifti in feinem Stamm des verheiffenen Worts im Bunde 
von Aſt zu Aft / big in die Höhe der Zweige gewachſen / biß zus 
feinem rechten Alter / biß fich die Krafft des Baumes / das iſt/ 
das Wort im Bunde hatimitder herzlichen ſchoͤnen Bluͤth herfür 
ethan. 
. 2. Aus welcher Blüth wieder das heilige Bild GOttes in 
Fleiſch und Blut / als in einem heiligen Seibe gewachſen iſt; 
man ſiehet feine Aefte und Zweige alfo fehöne / Daß fich die Seele 
ob ſolchem Schauen hoch erfreuet / und billig begehret auff dieſen 
Aeften und Zweigen mit auszumachfen / zum groffen Job GOt⸗ 
ges in unſerm englifchen Baume der Hierarchien E.Hrifti des 
heiligen Paradeifes. 

3. GHITT machte mit Adam nad) feinem Falleinen Bund / 
als er des himmliſchen Entis in ihme erflarb / dag er ihn wolte 
wieder lebendig machen und neugebaͤhren: Und diefer Bund 
wardie Wurtzel im verblichenen Ente, der wuchs in diefer Sinien 
Adams aus Seth und feinen Kindern und Nachkommen big 
auff Noam in einem Stamm des Barnes / und mit Noa vers 
neuerte GOtt den Bund. 

4. Dan die unzertheilte ſenſualiſche Zunge / da die Geiſter der 
Buchſtaben in einer Harmoney regireten / waͤhrete biß an die 
Suͤnd⸗fluth / daß alle Menſchen in einer Zunge redeten / in 
welcher Zunge der Geift Gottes der fünf Vocalium fhwebete/ / 
als der Göttliche Verftand. Kr 

5. Weil ſie aber hatten das Bilde und Thier der it, 


— 


Cap 7. und von der BundeeLinea, &c. 319 


die fenfualifche Zunge eingeführet / und mit der Babyloniſchen 
Huren der Selbheit buhleten / fo klagete GOtt uͤber ſie / das fie 
ſich feinen Geiſt nicht mehr wolten regieren Jaſſen / und ſagte: 
Es reuete ihn / daß erden Menſchen gemacht hatte. 
6. Denn das Reuen zur Zerbrechung eroͤffnete ſich / alſo auch 
das Neuen der Buſſe zur neuen Wiedergebuhrt aus dem Bun⸗ 
des Alſo zerbrach das Reuen des geformten Worts in der eini⸗ 
gen ſenſualiſchen Zungen alles Leben / ſo in der Lufft / das iſt in 
dem geoffenhahrten Geiſte Gottes lebete / als im dritten Princi- 
pio, und fuͤhrete ſich das Wort der ſenſualiſchen Zungen nach 
der Suͤnd⸗fluth in einer Compaction der Geiſter der Buch⸗ 
flaben aus. 0 
7. Denn Gott ſprach zu Noah: Die Menſchen find Fleiſch / 
darzu arg von. Jugend auff: Alfo wolte ſich der H. Geiſt 
hernach nicht mehr in der argen gefaſten ſenſualiſchen Zungen 
offenbahren / ſondern ließ fie doch machen wie fie wolten: Weil 
fie ihme nicht folgen wolten / ließ er der Natur den Gewalt ihre 
Wunder zu offenbahren ans Big und Gut / alsin Bilden der 
finftern und auſſern Welt / da ihre Bilde nur indem Liechte der 
Auffern Natur prangeten / da Bes und Gutes ımtereinander 
iſt / zur Beſchauligkeit ver Wunder Gottes nad) Siebe und 
Zorn / aus welchem Grunde der Heydniſche Urftand mit ihren 
Abgoͤttern erbehren ward. | 
8, Dan der Urſtand der Geiſter der Buchſtaben führete ſich 
in Formungen vieler Sprachen / und in den Formungen der’ 
Gelbheit wurden die Bilde im Berfiande gebohren / darinnen 
ſich die aͤuſſere Natur beſchauete / und auch der Teufel aus Got: 
tes Grimm feine Imagination und Begierde darein fuͤhrete; 
die Menfchen alſo vom Berftandein Bilde einzuführen / dag fie 
nicht den wahren GOtt erkenneten. —* 
9. Denn alle Oracula der Heydniſchen Goͤtter urſtaͤnden alle 
aus der aͤuſſern und innern Naturder finftern Welt / als eine 
Figur oder Verſtand der Seelen / der aͤuſſern und innern fin⸗ 
fern Welt / gleich einem eigenen GOtt / verſtehet einem Ras 
tur⸗Gott / gleich wie die fenfualifche Zunge war zu einen ſolchen 
Natur⸗Gott und Berftande kommen / die ihr felber heucheite / 
und die Bilde in ſich faſſete: Alſo ließ es GOtt geſchehen / dag 
ſich auch die Natur ihnengireinem Gtt in den Gracus fuͤrbit 
dete / und durch die Bilde redete. 
10. Dan die Heyden ehreten das Geſtirne und die 4. Ele⸗ 
ments / weil ſie erkannten / daß r das auffere Leben aller Dinge 
tree * 4 regi⸗ 


320 Bon Abrah. und feinem Saamen / Cap. 37; 


regireten fo gieng ihr Verſtand der compactirten ſenſualiſchen 
Zungen / als das gefaſſete Wort des Verſtandes in das auch ge⸗ 
faſte und geformte Wort ver Natur ein: Alſo eineignete ſich 
auch hingegen der Geiſt des geformten Worts der Natur in 
Ahnen / und bewegte ein Verſtand den andern: als der menſchli— 
che Verſtand in ihrer Begierde bewegte den Verſtand in der 
Seelen der aͤuſſern Welt / des ausgeſprochenen und geformten 
Morts/aus der innern finſtern⸗ und Feuer⸗welt / und ausder aͤuſ⸗ 
ſern Geſtirnten und 4- elementiſchen Welt / in welcher Seelen 
der Verſtand des Rades der Zeit im Verſtande iſt. 

11. Durch welchen Verſtand der Seelen der aͤuſſern Welt / 
auch der Prophetiſche Geiſt / aus dem Geiſt Gottes gedeutet 
hat / wie ſich kuͤnfftig das geformte und ausgeſprochene Wort 
der aͤuſſern Natur und Zeit wuͤrde in Formungen der Zerbrech⸗ 
ung und Bauung in den Voͤlckern einfuͤhren / als in Auff⸗ 
bauung der Koͤnigreiche / und von ihrem Untergang / in welcher 
Seelen der auffern Weltalle Ding in Zeit/ Ziehl Maag und 
Gewichte ftehen ) gleich einem Uhr-werck / davon die Schrift 
viel faget. 

12. Aus diefer Seelen] als aus dem Uhr-wercke des Ders 
ftandes der Natur iſt den Heyden Durch ihre Bilder und Goͤtzen 
geantwortet worden / als durch den Senfum des Geftirnes / wel⸗ 
chesihr Glauben beweget hat / dehn fie mächtig darein führeten. 

13. Und nicht eben alles durch den Teuffel / wie die Kälber» 
augen richten / welche nichts vom Geheimnüg wiffen / und fa= 
genmur Teuffel / Teuffel/ und wiſſen nicht was GOtt oder Teuf⸗ 
ſel ift; find felber Menfchen= und Bildersteuffel / und dienen 
ihrem Bilder-gott Maozim in der Selbheit / und find chen fo 
wohl Wilder-göten als die Heyden gewefen find. 

‚24. Und haben anjeo die Turbam in ihnen zum Goͤ⸗ 
gen gemacht / welche ihnen auch eben die Suͤndfluth des 
Feuers auff ihren Half —— wird / deſſen ſie keinen 
Verſtand noch Glauben haben / und immerdar ſagen / es 
hat keine Noth / und da ſie doch das Uhrwerck der Na— 
tur hat an ein Ziel zur Zerbrechung gefuͤhret / denn der 
verſchloſſene Geiſt der Wunder iſt am Ziel ſeiner Ge— 
faͤngnuͤß / und eroͤffnet ſich aus dem groſſen Uhrwercke 
der innern und aͤuſſern Natur / mit der mentaliſchen 
Zungen durch die ſenſualiſche compactirte; und das iſt 
Wunder ohne jemands auffhalten. 15. Und 


Cap. 37. und von der Bundes-Linea, &c. 321 


15. Und wie uns num von der Senfualifchen compadtirten 
Zungen des geformten Berftandes der Heyden von Hams und 
Japhets Geſchlechte zuverftchen iſt: Alfo auch imgleichen von 
der mengalifchen / auch compadirten Zungen im Bunde / welche 
in der Offenbahrung aus Sems Kindern und Gefchlechte auff 
Abraham drang / da fi) nach ver Suͤndfluth das erfte geiftliche 
heilige Oraculum aus der mentaliſchen Zungen der fünff Vocali- 
um aus dem heiligen Namen GOttes im Bunde eröffnete / als 
aus dem heiligen Feuer der Siehe GOttes / durch welches Feuer 
die göttliche Stimme offenbahr ward. 

16. Und fichet man es gar fchöne /wie es der Geift un Mofe 
in dem Stamm-Regifter in den Namen andeutet / wie fich alle 
10. Geftältedes Feuers / alsdie ro. Eigenſchafften der heiligen 
Zungen zum Seuersleben (verftchet zur feurenden Zungen) in 
den Namen der Kinder Nox big auff Abraham darftelleten. 

17. Denn in Abraham eröffnete fich der Geift der feurenden 
Zungen des heiligen Berftandes der mentalifihen Zungen aus 
dem Bunde / und ftellete auch feine Figur aus der auch gefaffeten 
compadtirten mentalifchen Zungen dar / als die Befchneidung 
und das Opffer / welche Figuren alle auff Ehriftum deuteten / 
welcher ſollte das Band der mentaliſchen Zungen zum rechten 
Goͤttlichen Verſtande eroͤffnen / und das Liecht der Gnaden in 
der Liebe wieder in dem geformten Worte in den Buchſtaben der 
fenfualifehen Zungen anzünden/ und das Thier der geformten 
Zungen zerbrechen / in welchen der Teufel hatte gefpielst / und 
ſich alsein Gott darein gefekt. 

18. Diefen Gaft trieb die heilige feurende Zunge inder Era 
oͤffnung des Bundes/ der Geift Chriſti / aus / und nahm dem Fürs 


ſten Lucifer ſeinen Stuhl in menſchlicher Eigenſchafft in den 


Kindern Gottes. 

19. Zehen Namen ſetzt Moſes von Noah biß auff Abraham 
in die Bundes-Linea ‚als Sems / Arphachſad / Sala / Eber / Phe⸗ 
leg / Regu / Serug / Nahor / Thara / Abram / und ſetzt gantz wun⸗ 
derlich dar / wie Ihara habe drey Söhnegezeuget/ als Nahor / 

Haran und Abram ; ift cin Wilde der 3. Principien / wie ſte in 
diefer heiligefeurenden Bundes=Linea würden alle drey Durch 
diß heilige Feuer eröffnet / und von der Eitelkeit gefehieden wer⸗ 
den / wie der gantze Menſch ſollte durch das heilige Feuer im 
Bunde ins Bilde GOttes gebohren und formiret werden: In⸗ 
maſſen es denn auch die Namen der drey Brüder in der ſenſvali- 


{chen zungen darftellen / ſo man den rechten mentalifihen Ver⸗ 


Ds ſtand 


— 


322 Bonbrah.umd ſeinem Saamen / Cap. 37, 


ſtand darein führet / fe fichet man es in der Form der zuſammen⸗ 
gefegten Geiſter der Buchſtaben / welches / ob mans wohl andens 
sen koͤnte / doch dem unerleuchteten Leſer nicht verſtanden ſeyn 
wuͤrde; den unſern aber doͤrffen wir dieſes nicht mahlen / ſie ha⸗ 
bens vorhin im Verſtande. 

20. Mit den zehen Geſtaͤlten des Feuers verſtehe ich erſtlich 
das geformte Wort in den ſieben Geſtaͤlten der Natur / und die 
achke / neundte und zehende Geſtaͤlte find Die innere Welt / welche 
ungeformet iſt / als die achte Zahl / iſt das Feuer der ewigen Na= 
tur Goͤttlicher Offenbahrung / auch Staͤrcke und Allmacht / das 
am Ende der Tage die Tennen fegen ſoll. Die neundte Zahl iſt 
die — Tin&ur vom Feuer und Liechte; und die zehende 
Zahl iſt das Liebe⸗Feuer / alsder Dreyangelder Heil. Dreyfal⸗ 
tigkeit in der Mapeſtaͤt / den unſern nur angedeutet: In den 
40, Fragen von der Seelen ifts außgeführet alsbald in der Phi- 
lofophia des Einganges derfelben. 

zı. Aus diefen zehen Eigenfchafften ver Namen in der 
PBundes:Linea iſt Das Oraculum ‚als die Göttliche Stimme in 
Abraham offenbahr worden / darumb hieß ihn der Geift des 
Hermans feinem Vatterlande gehen von feiner Freundſchafft / 
denn nicht aus Der Freundſchafft / alsaus feinem eigenen Ge⸗ 
bfüche follte die Stimme Göttliher Offenbahrung mit dem 
Meflia oder Ehrifius fommen/fondern aus GOtt: In ihme lag 
aber das Gefaͤſſe / als der Ens, in welchem ſich die Goͤttliche 
Stimme wolte offenbahren / umd darumb / dan ein frembder 
Saame ſollte in feinen eigenen Saamen eingeführet werden / 
als cin himmliſcher Ens ( Joh. 3.) fo hieß er ihn von feinem Ge= 
Schlechte aufgehen. 

22. Denmnicht indes Menfchen En’e fund die Vermögens 
heit zur Göttfichen Offenbahrung /fondern in GOttes; Aber 
des Menſchen Ens mufle darzu kommen / auff daß Adams himm⸗ 
liſcher verblichener.Ens in Chriſti lebendigem Ente lebendig 
wuͤrde / und in Chriſto aus dem Tode auffſtuͤnde: So ſprach 
GOtt zu Abraham 3 Gehe aus in cin ander Land das ich dir 
zeigen werde : Allhie deutet der Geift/dag er nicht in feines Bat 
ters Sande / das iſt / in dem irrdiſchen Menſchen / werde GOtt 
ſchauen / fondern indem Lande / das ihme der HErrzeigen werde / 
welche 8 cin frembder Saame war aus Goͤttlichem Ente, in dem⸗ 
felben ſrembden Saamen wolte er feinen eigenen Saamen ſeeg⸗ 
nen und benedeyen / das iſt / tingirei umit der Göttlichen Tinctur 
der neundten Zahl im Ternatio Sandto, mit der Tinctur der hei⸗ 
ligen geiſtlichen Welt. 23: Denn 


. 


4 


— 


Cap. s. und von der Dundes-Linea , &c. 323 


23. Denn alfo fprach ver HErr zu Abraham : Gehe aus dei⸗ 
nem Dofterlande und von deiner Freundſchafft / und aus 
deines Vatters Haufe / in ein Land das Ichdir Zeigen wil/ 
und ich wil dich zum aroffen Dolc machen / und wil dich 
feegnen/ und die einen geoffen Namen machen ; du 
yolljt ein Seegen feyn / ich wil ſeegnen die dich ſeegnen / und 
verfluchen Die dich verfluchen ; und in die follen geſeegnet 
werden alle Geſchlechte auff Erden. Gott ſprach: Erwolte 
ihme einen groſſen Ramen machen / und alle die jenigen ſeegnen / 
welche ihn würden ſeegnen Fund verfluchen / welche ihn würden 
verfluchen. Der groffe Name/dehn er ihme in feinem Saamen 
machen wolte/ das war nicht allein auff Diefer Welt Reich zu⸗ 
verfichen / denn Abraham war auff Erden nur wie ein Frembd⸗ 
ling / und muſte von einem Orthe zum andern wandern/und beſaß 
kein Fuͤrſtenthumb oder Königreich / wie die groſſe Namen der 
Heyden aus der ſenſualiſchen compactirten Zungen / denn er ſoll⸗ 
te in dem verheiſſenen Saamen und Stegen ein Frembdling 
uff Erden ſeyn: Denn auch Chriſtus fagte/ fein Reich ſey nicht 
von dieſer Welt. 

24. Der groſſe Name aber der ein Seegen ſeyn follte / darin⸗ 
nen BD wolte alle Voͤlcker ſeegnen / war die Hierarchia Chriftz 
im Bunde /welche fih wolte in Abrahams Saamen eröffnen / 
Das war ein ewiger groffer Name einer Königlichen Hierarchien 
eines Thron-Fürftenin Goͤttlicher Kraft und Allmacht / welche 
über ven Fluch zu herrfhen hatte / denn GOtt fagte : Er wolte 
fluchen welcher ihm fuchete / als den abtrünnigen Teuffeln und 
allen gottlofen Menſchen / weiche dieſem heiligen Saamen und 
Seegen würden fluchen / denen ſollte dieſer Saame auff den 
Kopff tretten. 

25. Und wird allhie die Perſon Chriſti unter Abrahams groſ⸗ 
ſen Namen und Seegen verſtanden / denn er ſagte: In dir ſollen 
alle Voͤlcker geſcegnet werden / und ſollſt ein Scegen ſeyn. Run 
konten in dem aͤuſſeren ſterblichen Menſchen des Abrahams nicht 
alle Voͤlcker geſeegnet werden; denn Abraham ſtarb / und ſeine 
Kinder und Kindes-kinder waren lange Zeit Frembdlinge und 
dienſtbahre Leute in fremb den Sanden / wie denn in Egypten faſt 
vierthalbhundert Jahr / uñ hatten keinen Scepter big unter Mo⸗ 
fen/welcher auch kein König war / ſondern ein Fuͤrſte SOttes / biß 
auff den Koͤnig Saulum / da ſie wider GOttes Gebott und Willen 
je wolten einen Koͤnig haben / welchen hernach doch Gott verwarff / 
and David zum König darſtellete aus * Prophetiſchen Geiſte 

O in 


324 BonAbrah.und feinem Saamen / Cap. 37. 


in der compactirten mentaliſchen Zungen / unter der Perſon 
Chriſti / welcher ſollte den groſſen Namen und ewigen Seegen 
bringen und eroͤffnen. 

26. Allhie iſt uns nun recht zuverſtehen / was die Perſon 
Chriſti unter dieſem Namen und Seegen ſeyn wuͤrde / nicht ein 
gang Frembder / der nicht aus Abrahams und Adams Saamen 
ſeyn ſollte / wie etliche alſo davon irren / und Chriſtum allein in 
dem verheiſſenen Saamen / als in Abrahams verheiſſenen Saa= 
men einſetzen / damit waͤre der armen gefangenen Seelen nichts 
gedienet; auch wäre die Aufferſtehung der Todten aus dieſen jetzi⸗ 
gen unſern Leibern gang nichtig. 

27. Denn wäre Ehriftus ein gang Frembder / fo müfte in 
uns auch ein gank Frembder aus Chrifti Saamen und Sleifch 
gebohren werden / der nicht der Sch wäre/ fondern ein anderer 
Menfch / wie etliche alfo irren / daß wir alfo aus Ehrifto geboh⸗ 
ren werden; gleich wieder Thau aus der Morgenröthe / welches 
wohlwahrift ;aber meine Ichheit /die in Adam aus Göttliche 
Ente geſchaffen ward/ als aus dem guten Theil des Entis der Er= 
den / welche aus der himmlifchen Welt Weſen nach dem guten 
Ente in eine Coagulation eingieng/ muß Darbey feyn / wie ſolches 
auch nit Abraham zu verftchen iſt. 

28. Denn Gott fagte j in dir follen alle Voͤlcker geſeegnet 
werden : er fagte nicht allein in mir/ fondern er fagte: Ich wil- 
dich ſeegnen / und Dich zum groffen Volcke machen / und dir einen 
groffen Namen machen / und dir follft ein Stegen ſeyn / du felber 
follft es ſeyn / das ift / Chriftus follte Abraham werden) und 
Abraham Chriftus. 

29. Dennder Saame der in Adam verblich/und des mentali- 
{hen Lebens abftarb / in deyn GOtt das Ziel feines Bundes mit 
dein lebendigmachenden Worte cinverleibtejderfelbe ifts/indehn 
GoOtt ſeinen Seegen / als den febendigen göttlichen himmliſchen 
Ens wolte einführen/und Abraham und Adam / ſambt iyren Kin 
dern in dieſem wieder febendigegemachtem Ente oder verblichenen 
Saamen wolte ſeegnen / und lebendig machen : der lebendige Ens 
des Wortes im Bunde / und der in Adam verblichene Ens inAbra= 
ham ſollte eine Perſon und Leib werden/ denn es ift einerley Eus. 

30. Aber die vergifftete ſenſualiſche Begierde / welche der Teu⸗ 
fel Hat monftrofifch gemacht / hatte denfelben heiligen Ens in A— 
dam in Tod gefchloffen/und mit der grob⸗irrdiſchen Eigenfchafft 
verdecket gleich einem fihönen Golde das in Bley verwandelt - 

wuͤrde / fo wuͤrde man fagen / das Gold iſt todt und hinweg / und 
wart 


Ir, 
A 


’ Cap. 37. und vonder Bundes-Linea, &c. 325 


waͤre auch wohl wahr) fo es nicht der Künftler wieder aufflöfere. 

31. Alfo auch wolte der himmliſche Kuͤnſtler Adams verbliches 
nes Gold nicht wegwerffen/ und ein ganz neues machen/ fondern 
er nahm feine eigene Tinctur, und feines eigenen Golds / daraus 
er hat Adams Geld gemacht / undtingirte Adams Gold mitfeis 
nem eigenen Golde / mit feiner Tinctur, als mitdem Worte / als 
der Kraft GOttes / und mit dem Weſen des Wortes / als mit 
himmliſcher Leibligkeit. 

32. Alſo dag Chriſtus wurde ein Gott-Menſch / und Adam 
und Abraham in Chriſto ein Menſch⸗Gott; GOtt und Menſch 
eine Perſon unzertrennet / nach und aus allen 3. Principien von 
Ewigkeit undZeit / nach und aus Leib und Seele / aller Eigen⸗ 
ſchafft des Menſchen und aller Goͤttlichen Eigenſchafft / außge⸗ 
nommen die impreſſete und von Adam eingefaſſete Schlangen⸗ 
Eigenfcharft / die ſollte er nichtannehmen: Aber den Ens, ver⸗ 
ſtehet das menſchliche Ens , darein der Teuffel hatte feinen Saas 
men eingeſaͤet / den follte er annehmen/ und darinnen dem Teuffel 
und der Schlangen Enti den Kopff zertretfen / und die Gefäng- 
nuͤß des Todes /welcher den himmliſchen Ens verſchloſſen hielt/ 
zerbrechen/und auggrünen / wie die duͤrre Ruthe Aaronis ſolches 
andeutet / welche gruͤnete und Mandeln trug; und das iſt der 
wahre Verſtand vom Saamen Abrahams und ſeinem Seegen f 
wie er verſtehet. 

33. Abraham im Geiſte Chriſti ſollte ein Seegen ſeyn / den 
Abrahams Eas und Chriſti Ens hat alle Bölder geſeegnet; ver⸗ 
ſtehet die Bundes-Linea, in weicher das verheiſſene Wort im 
Ziel des Bundes ſtund / als der Geift der 5. Vocalium ‚der groffe 
Rame Jrmova, welchen GOtt mit der Bewegung des Bun⸗ 
des in Abrahams Saamen zum Jzmova oder Jerovam 
machete / als cin eingehauchter GOtt / der das gange Alphabet 
ver fenfualifchen Zungen / verſtehet das geformte compadirte 
Wort) alsalle Bölter / Zungen und Sprachen / follte ſeegnen: 
Ein Stegen der Juden und Heyden. 

34. Dem er fprach : Ale Voͤlcker follen in dir gefeegnet 
werden / kein Bolf aufgenommen /fondern alles alle / nicht nur 
die Bundes-Linea allein / ſondern Adam in feinen Kindern ; 
die Bundes-Linea feegnete Japhets und HamsLincam ‚denn 
Japhet folltein Sems Hütten wohnen/das iſt / in Chriſto / als in 
Sems Linea ſollte Japhet eingenommen werden. 

35. Aber der grobe irrdiſche Ham (verſtehet das grobe Fleiſch) 

iſt im Ham und Cain verflucht / und foll nicht GOttes Neich pe 
27 en 





326 Bon Abrah. und ſeinem Saamen / Cap.z 7. 


ben (Joh am 6.) Nicht Ham in Seel und Leib / ſondern der 
Schlangen⸗Menſch / welches Figur nach dem aͤuſſern Menſchen 
muſte Cain und Ham ſeyn / auff daß alle Eigenſchafften in einer 
aͤuſſerlichen Figur offenbahr wuͤrden. 

36. Darum ſagen wir den Juden /daß fie ihren Meſ⸗ 
ſiam ſollen lernen kennen: Dann die Zeit ihrer Heim⸗ 
ſuchung iſt vorhanden / daß ſie aus der Gefaͤngnuͤß ihres 
Elendes erloͤſet / und wieder frey wuͤrden. 

37. Auch ſagen wir den Unſern / daß ſte Mariam laſſen Abra⸗ 
hams und Adams Tochter ſeyn / und Chriſti Mutter nach der 
Seelen / und Adams geſchaffenen Bildnuͤß / und nicht nach der 
Gottheit / oder nach dem vom Himmel kommenden Ente am 
Wort des Lebens: Denn daſſelbe war nicht ihr Eigenthumb / 
wohl ſtunds in ihr / aber im Wort der Verheiſſung im Ziel des 
Bundes am Ziel. 

38. Aber ſie iſt nicht die Mutter / welche GOtt gebohren ha⸗ 
be / wie die Juden undTuͤrcken uns ſchuld geben / daß wir lehreten: 
Sendern GOtt hat ſie in ihrem Saamen wiedergebohren und 
gebenedeyet / ſie hat in ihrem Saamen empfangen die Krafft des 
Heil. Geiſtes im Wort / und gebohren die Creatur / welche GOtt 
und Menſch war. 

39. Und nicht die Eigenſchafft der Gottheit / welche weder An⸗ 
fang noch Ende hat / auch weder Zeit noch Staͤtte befiget / ſon⸗ 
dern durch alles und in allen von Ewigkeit in Ewigkeit iſt / und 
ſich alleine in der Menſchheit offenbahret / wie ein Feuer ein Ei⸗ 
ſen durchgluͤhet / und gantz in Feuer verwandelt / und da doch das 
Eiſen ein Eiſen bleibet: Alſo auch der Menſch oder die Menſch⸗ 
heit welche Maria aus ihrem Weſen / und aus GOttes Weſen 
in einem einigen Weſen gebohren hat / zu verſtehen iſt. 

40. Sie hat gebohren die Menſchheit / und GOtt der Vatter 
hat von Ewigkeit gebohren das Wort das ſich in der Menſch⸗ 
heit offenbahrete und die Menſchheit erfuͤllete / wie ein Feuer 
cin Eiſen durchgluͤhet / und Die Sonne das Waſſer oder Glag . 
durchſcheinet. 2 

41. Sie hat wohl den himmlischen Leib gebohren / aber nicht 
aus Vermögen ihres Entis oder Saamens / ſondern aus Vermoͤ⸗ 
gendes in ihrem Saamen offenbahrten Entis ; als das Wefen 
der Ewigkeit offenbahrete ſich durch die Zeit und die Zeit mochte 
doch nicht das Weſen der Ewigkeit in feine Macht einnehmen / 
fondern das Weſen der Ewigkeit nahm der Zeit Weſen an % i 
; ' gich 


; San; 7. und vonder Bundes-Linea, &c. 327 


gleich wieder innere Himmel umd die innere Welt / den Auffern 

BSimmel und auffere Welt hat aus fih gebohren / und angenom⸗ 
men: Alfd auch hat die Ewigkeit / das Weſen das fie in Adam 
hatte eingehaucht / welches ftarb oder verblich/ im Saamen Ma⸗ 
riæ / (verftchet in ihrem eigenen menfchlihen Sarmen )anges 
nommen. 

42. Und das ift der groffe Name Abrahams in Chrifto / und 
der Seegen Abrahams/ damit GOtt Abraham und feine Kinder 
ſeegnete / und nicht eine frembde Perſon / wie etliche irren / welche 
nicht die 3. Principia verſtehen. 

43. Die Perſon iſt frembd geweſen / aber in ung einheimiſch 
worden: Der Himmel nahm an ſich die Welt / und machte die 
Welt in ſich zun Himmel / und blieb doch ein jedes in ſich ſelber 
wohnende / als das geformte Wort des Leibes / in ſich / eine Crea⸗ 
tur / und das ungeformte Wort / innih  EDitäsber alles und in 
allen / und durch alles: Alfo auch von dem himmlifchen lebendi⸗ 
gen Weſen / welches ſich in Adams und Abrahams himmliſchen 
Ens eingab / zuverſtehen / auch alles erfuͤllende in der Perſon 
formlich / und auſſer der Perſen zugleich durch alles / und mit deu 
Wort der Krafft / als eine Wohnung oder Gehaͤuß der Krafft / 
auch durch alles / aber von nichts faſſende / gleich wie der Sonnen 
Krafft und die Lufft durch alles dringet / und allem Weſen Leben 
giebet / alſo auch allhier zuverſtehen iſt. 

44. Man ſoll in Chriſti Perſon mit nichten die Creatur 
auffheben / denn das er von Menſchen hat angenommen / beydes 
von Seel und Leib / das iſt Creatur: Aber das er aus GOtt hat 
in die Menſchheit eingefuͤhret / das iſt weder Natur noch Crea⸗ 
tur / jedoch in unſerer Menſchheit formlich / aber unmaͤßlich / un⸗ 
umbſchrieben / nicht particulariter: Gleich wie die Lufft und der 
Sonnenſchein gantziſt / alſo auch allhie / und iſt uns imgleichen 
zuverſtehen / als ob ſich der Sonnenſchein in etwas in eine Form 
einführete/ und wäre doch mit dem aͤuſſern Schein auſſer der 
Form gang eines; alfo auch von Chrifti in unfere Menfchheit 
eingeführten himmlifchen Göttlichen Ente zuverſtehen. 

45. GOtt iſt zum offtermahldem Abraham erſchienen / und 
hat mit ihmegeredet/als in Mann mitdem andern: So ſpricht 
die Bernunfft + Wie iſt das zugangen ? Hat denn GOtt cine 
Form des Leibes angenommen ? In dem Ente und Weſen er⸗ 
ſchiene GOtt Abraham [damit er fich in feinem Saamen/ als in 
Chriſti Perfon wolte offenbahren / umd redete aus dem Worte 
des Bundes im Ziel im Saamen Abrahams / als gegen der 

min- 


328 Bon Abrah. und feinem Saamen / Cap. z 7. 


mentalifchen Zungen Abrahams / welche fich im Bunde bewegte) 
das verftund der fenfualifche Geift in Abraham. 

46. Denn fonft yätte Abraham EDEL nicht fehen mögen/ aber 
im geformten Ente himmlifches Wefens Eonte es Abraham im 
Geiſte des Bundes / als in demfelben Geifte / welcher das fürges 
feellte Bilde und Weſen wolte im menschlichen Weſen offen⸗ 
bahren / fehen. 

47. Dañ Gen. 18. ſtehet: Daß ihme GOtt ſey inGeftaltdreyer 
Maͤnner erſchienen / und ihme geſaget von einem Sohne aus 
feinen genden / dehn ihm Sara gebaͤhren ſollte / auff welchen der 
Bund gieng: Was war nun das Bilde der drey Männer ? An⸗ 
ders nichts als die Dreyheit der Gottheit andeutende / und die 
Offenbahrung des Goͤttlichen geformten Worts / durch die drey 
Principia, fo ward das Goͤttliche Bilde in drey Menſchen fuͤrge⸗ 
ſtellet / denn es iſt ein drey facher Ens, aber nur ein einig Weſen / 
als drey Welte / und doch ineinander als eine / aber in drey Prin- 
cipien unterſchieden / als mit der finſtern grimmigen Feuer⸗welt / 
und mit der heiligen Liecht-und Liebe⸗Feuer-welt / und mit der 
aͤuſſern ſichtbahren Welt. 

48. Aus dieſen drey Welten war der Menſch geſchaffen / als 
in ein Bilde Goͤttlicher Offenbahrung / darumb ſtellte ſich GOtt 
dem Abraham in demſelben Ente und Weſen ſichtbarlich fuͤr / als 
in Geſtalt Engliſcher Bottſchafft / und redete doch von ſich ſelber. 

49. Denn der fuͤrgeſtellte Ens durch dehn Gott redete / war 
englifch und menfchlich ; es wolte menfchlich werden / denn Chris 
ſtus nach der Perfonder Creatur follte ein Fürft oder Engliſcher 
Hierarcha ſeyn: Alfo erfihien auh GOtt dem Abraham in fol= 
chem Ente, Wefen und Eigenfchafft mit feiner eigenen innwoh⸗ 
enden Stimme, 

so. Gank wunderlich ift die Gefchichte beyin Abraham»: 
Denn Das Reich Chrifti wird gank darunter fürgefteller/ nicht 
allein Das Reich auff Erden / in der Zeit der vier Elementen / 
welches wohl auch darunter fürgemahlet ward/ aber nur als eine 
Pilgramſchafft / das nicht das rechte Neich ſeyn wiirde / dann A= 
braham muſte inmerdar wandern/ fo wohlaud feine Nachkom⸗ 
menden/und GOtt verhieg ihme Doch das Sand (darinnenerein 
Pilgram war) zum Eigenthumb / daß er und feine Kinder daffels 
be ſollten ewig beſitzen. 

sr. Denn alfo fagte GOtt zu Abraham) Gen. 13. Hebe deine 
Augen auff/ und fiche vonder Stätte an / da du wohneſt gegen 


Mitternacht] gegen Mittage /gegen dem Morgen / und gegen 
den 


Me 


Cap. 37. und sonder Bundes-Linea, &c. 329 


Den Abend / denn alle das Sand das dir fieheft / wil ich dir geben / 
und deinem Eaamen ewiglich : Nun aber befamen fte daffelbe 
Sand erft über eine lange Zeit zum Beſitz / und wurden erft durch 
Joſua darein geführet / und erlebete es Abraham und feine 
Kindes-Einder nicht / und wurden auch offt faft mehrern Theils 
Daraus vertrieben / und GOtt fagte doch / er wolte es Abraham 
und feinen Kindern zum ewigen Beſitz geben. 

52. Jetzt aber fehen wir nicht / dag fie Das im Beſitz haben: 
Denn die Türken baben es im Beſitz und hat Abrabams Saa> 
men / alsdie Juden / ietzt weder Sand noch Fuͤrſtenthumb / ſon⸗ 
dern find anallen Orthen faft nurals gefangene Leuthe:: Nun 
aber muß der Borfas GOttes beftchen / fein Wort muß wahr 
fen ; Abraham in feinem Saamen foll es ewig befigen / denn 
ewig ift nicht nur allein zeitlich. 

53. Auch fo redet GOtt vonder Stätte / und weifet diefelbe 
dem Abraham/ dag er diefelbe mit Augen fehen Eonte : Und allhie 
lieget die groffe Geheimnuͤß / deñ das Paradig war inder Welt / 
und Adam verlohr das Paradig: Aber in Abrahams Saamen / 
als in Chrifto ward das Paradig wiederbracht / nicht nach dem 
ſterblichen Menfchen / fondern nach dem himmlifchen. 

s4. So fehen wir ietzt nicht / dag die Chriftenheit diefelbe 
Sander im Beſitz haben / fo wohl auch die Juden nicht / und fo. es 
sun Abraham in feinem Saanten /als in dem heiligen Saa⸗ 
men foll ewig befigen/fe ift uns pie Statt des heiligen Paradifes 
recht zu betrachten/wie folches der Prophetifche Geift im Ezechi⸗ 
el / auch Daniel und andern mehr/fonderlich aber in der Offenbah= 
rung Johannis von dem H.Ierufalem/das von GOtt herab faͤh⸗ 
ret ausdem Himmel / als eine geſchmuͤckte Braut ihrem Bräutis 
gam/bezeugeti und in allen davon deutet) dag Ehriftusin Abra⸗ 
hams Saamen werde fein Reich einnehmen. 

55. Denn mit Bergehung der vier Elementen / da die vier 
Elementen werden in gleichem Gewichte ſeyn / und die Erde 
Chriftallinifch / als ein Gläfern Meer / wie in Apocalypſi zu 
fehen ift / alda wird dem Abrabam das Verheiffene von der ewi⸗ 
gen Beſitzung geleiftet werden / denn Ehriftus fprah: Mein 
Reich ift nicht von diefer Welt: Nun ward aber dem Abraham 
Das Neich diefer Welt gezeiget/und verheiffen/fo mürfen wir nun 
das himmlifche darunter verftehen / und eben denfelben Locum, 
der Abraham gezeiget ward / wenn das Paradeig wieder offen» 
bahr werden / und Abraham in Chrifte zum ewigen Beſitz er⸗ 
ſcheinen wird, 

56.Denn 


* 2 


330 Bon Abrah.und feinem Saamen /rc. C.37. 


56. Denn ob es gleich anjetzo der Tuͤrck nach den 4. Elemen⸗ 
ten im Beſitz hat / fo hat es doch Abraham in Chriſto mit ſei⸗ 
nem Saamen nach dem Paradeiß / als in der Paradeiſtſchen 
Welt im Beſitz / Abraham iſt in Ehriftoaufferftanden / und 
befiset fein verheiffen Sand in feinem Principio, erift im Para» 
deiß / und der Tuͤrck in der Auffern Welt. 

57. Das Paradeiß iſt in der Welt / aber nicht im dritten 
Principio, ſondern im Andern / keines irret das ander / wenn 
die Kinder Abrahams in Chriſto von dem irrdiſchen Leibe ab⸗ 
ſcheiden / ſo nehmen ſie daſſelbe gelobte Land nach dem geiſtlichen 
Menſchen ein / und beſttzen daſſelbe ewiglich. 

58. Und das iſts / daß GOtt fo offt zu Abraham ſagte / er 
wolte ihm diß Land zum ewigen Beſitz geben / denn da er ihme 
das verhieß / ſo hieß er ihn von demſelben Orth und Stätte weg⸗ 
wandern / anzudeuten / daß er nicht das aͤuſſere Reich meynte / 
ſondern das Ewige / und ſtellete ihm eine Figur an den Sternen 
des Himmels dar: Alſo ſolte auch fein Saame ſeyn / und ge— 
mehret werden wie die Sternen ein lauter Corpus haben / gegen 
den irrdiſchen: Alſo auch der Saame Abrahams folte ein him̃⸗ 
liſcher ewiger ſeyn. 

59. Daß aber Abrahams Kinder als die Juden / 
anjetzo daraus verſtoſſen amd in alle Welt zerſtreuet 
worden ſind / das iſt ihrer Blindheit und Halßſtarrigkeit 
ſchuld / biß der Heyden Zeit erfuͤllet wird: Sie haben 
den Herrn der Herzligfeit nicht erkannt / ſondern von ſich 
geſtoſſen; wenn fie ſich aber werden erkennen / fo wer: 
den ſie wieder in die Wurtzel eingepropffet. 

60. Nicht daß ſie aus der Wurtzel waͤren ausgeſtoſ⸗ 
ſen / ſondern fie muͤſſen blind ſeyn | auff daß ihr Liecht 
ven Heyden ſcheine biß die Heyden in dieſem Kechte 
Abrahams auch blind werden: Als fie denn anyece 
wahrhafftig blind find, alsdenn gehet das Liecht Abra— 
hams wieder aus feiner eigener Wurtzel und Stamme 
auff und leuchtet allen Bölcern: Alsdenn foll Ja— 
phet in Gems Hütten wohnen und Iſrael herzu ge— 
bracht werden / zu dem offenen Genaden⸗brunn aller 
Voͤlcker | an welchem jeßo noch alle Völker blind 


ſeynd. | 
61. Aber 


Cap.z 8. Vom Anfang des Heydn Kriegsrc. 331 


61. Aber die Zeit iſt nahe / und der Morgenſtern 
iſt erſchienen / wer das ſehen mag: Aber die Babylo— 
niſche Hure hat alles verblendet / daß alle Voͤlcker in der 
Nacht wandeln / ihre Unzucht iſt fuͤr den Allerhoͤchſten 
kommen / der will austilgen ihre Schande / welche den 
Himmel beflecket hat das wirſtu in deiner Trumefen: 
heit bald erfahren] deutet der Seit der Wunder aug 
feiner eigenen Wurtzel. 


Das 38. Capittel. 


Erklärung vom Anfang des Heydniſchen Krieges] 
‚wie Abraham feines Bruders Sohn | den Loth er: 
rettet hat: Und vom Königlichen Prieſter 
Melchiſedech zuSalem / dehme Abraham 
den Zehenden gab. 


Das 14. Capittel Genefeos. 


Shier fichet man nun Elar / was der Menſchen dich⸗ 
ten / trachten / und fürnehmen von Zugend auff 
gewefen ift/ wie fie fich aus dem Wilde Gottesin 
halb thierifhe und halb teuflifche Eigenfchaffteit 
haben eingeführet/ als in Hoffarth / Geitz / und 
eigene Gewalt / inmaffen folches der Teuffel auch begehrte / und 
darumb von feinem Reiche verfloffen ward. 

2. Denn allhie fingen nun die Heyden und die Kinder Hams 
zu Sodom und Gomorra / in derfelben gansen Gegend / anzu 
herrſchen / unter welchen Abraham nurein Frembdling war und 
im Hain Mamre als gleich in einer Wuͤſten wohnete/ alldaer 
der Biche-gucht wartete: Die Heyden aber rieffen ſich umb das 
eich diefer Welt und Aufferfiche Macht und Gewalt / wieein 
Bold über das ander herrfchen möge / welcher Willen und Re⸗ 
giment blieben ift big auff heute / und hat von den Heyden und * 
Hams Kindern feinen Anfang/alsaus Babel] aus den zertheil⸗ 
ten Zungen genommen. 

3. Als die Kräffte des geformten Worts / als die Eigen» 
fhafften der Natur / ſich theileten / und eine jede in ein ei— 
genes einführten / fo entflund Streit und Widerwillen unter 
ihnen: Denn das Centtum dr Natur der finftern Welt Bug 
DIE 





332 Vom Anf. des Heydn. Kriegs! Cap. 38, 


das Regiment in der gefallenen Menfchlichen Eigenfihafft be 
kommen: Denn die Menfchen waren am Reiche GOttes als 
in der Siebe und Demuth erftorben / und lebeten jegt dem äuts 
fern Geſtirne / und den 4. Elementen. | 

4. Auch hatteder Teufel fein Raub-ſchloß in der Schlangen 
Ente im Menfchen gemacht / darum trachteten fie nur nach deme/ 
was fie in der Welt mächtig und groß machete / und da man 
Doch ſtehet wie fie der Teuffel im Grimm GOttes nur 
geäffet hat 7 daß fie einander mordeten / und zeitliche Wol— 
luft höher achteten als das Leben / welches die gröffefte Narı= 
heit iſt / daß man das $eben in Todes-Gefahr um fehnövder 
Hoffarth willen einführet / da man doch nicht weiß ob man 
das erhalten wird/ umb deßwillen man mordet und tod fchläget. 

5. Und fichet mans balde wie der Teuffelin feinem Neid und 
Hoffarth in ihnen regiret hat; denn hatten fie doch die gantze 
Melt zum Rauın zu befigen/ und waren viel Sander und In— 
ſulen unbewohnet / noch fiengen fie Krieg an / daß fie nur über- 
einander herrfchen möchten / und einander berauben. Alfo führes 
te fieder Teuffel als ein Menfchen- Feind in feine Hoffarth / dag 
ſie ihm Dieneten. 

6. Nicht vergebens heiſt ihn Chriſtus einen Fuͤrſten dieſer 
Welt / er iſt ein Fuͤrſt nach der Eigenſchafft des Grimmes der 
finſtern Welt darinnen / und nach derſelben! Eigenſchafft herr⸗ 
er dem Menſchen in Leib und Seel / in Willen und Ge» 
muͤhte. 

7. Denn aller Krieg und Streit urſtaͤndet aus der finſtern 
Welt Natur / und Eigenſchafft / als aus den 4. Elementen 
Des Zorns GOttes / welcher in der Creatur giebet Hoffart / Neid / 
Geitz und Zorn / das ſind die vier Elementa der finſtern Welt / 
darinnen die Teuffel und alle boͤſe Creaturen leben / und aus die⸗ 
fen 4. Elementen urſtaͤndet der Krieg. 

8. Denn obwohl GOTT das Volk Iſrael hieß die Heyden 
vertreiben / und hieß fie Eriegen / fowar cs doc, alles aus dem 
zornigen eyferigen GOTT / als aus des Feuers Eigenfchafft / 
geheiffen/ denn die Heyden hatten den Grimm erräget/ der wolte 
ſie auffreſſen: GOTT aber / fo viel er GOTT heiffet / begeh⸗ 
ret feinen Krieg / kan auch nichts Boͤſes oder Zerbrechliches 
bigehren: Denn er ift nach dem anderen Principio, als nach 
dem — alleine gut und gebende / und giebet ſich allen Dins 
gen ſelber. 

9. Aber nach der finſtern Welt Ratur / iſt er ein — 

eyferi⸗ 


| Cap. 38. wie Abr. feines Brud. Sohn/se. 337 


eyferiger GOTT / und ein verzehrend Feuer / ſo ſein Grimm 
erwecket wird / nach derſelben begehret er zu verſchlingen / und 
auffzufreſſen / alles das was fich darinnen erhebt und entzuͤndet / 
und ausderfelben Eigenfchafft hat GOTT Ifrael heiffen Eric» 
gen / und die Heyden erfihlagen; Dan fein Zorn war in ihnen 
angebrannt / undwaralsein Holß das ins Feuer komt / fo bes 
gehrk es das Feuer auffzufreffen. 

10. Darum hieß der Grimm Gottes ein Volck das andere ers 
morden / daß cs auf feinem Grimm weggeräumet würde / 
ſonſt hätte fich fein Zornsferer angezuͤndet wie zu Sodout und 
Gomorra den 5. Königreichen gefihahe / fo ergößete fich der 
Grimm GHttes an dem $eben der Goftlofen / das er in fich vers 
fchlang /in deme fie einander ermordeten. 

ır. Wie noch heute alfo geſchicht / da offters die Menfchen zu 
GoTT fihreyenjer foll ihnen Gluͤck und Sieg wider ihre Feinde 
geben / dag fie die mögenermorden/ aber GOTT giebet ihnen 
nicht Sieg darinnen / fondern das Schwerd feines Zornes / 
welches fie mit ihrem Gebeth und Willen erwerfen : Wären 
fie rechte Menfchen und GOttes Kinder / fo dörften fie Eeinen 
Krieg: Dan ver H. Geiſt krieget nicht / fondern er lichet und 
giebet alleine z Aber nach des Zornes Eigenfchafft friffet er 
alles gottlofe IBefen auff / und wird doch auch nur dadurch 
auffgeblafen. 

12. Dennje mehr mar einem Feuer Holtz giebet / und daſſel⸗ 
befchuret/ jemehr erhebet fich daffelbe / big es alles verzehret _ 
was es erreichet : Alſo auch mit dem Eyfer GOttes zu vers 
ſtehen ift / derfelbe entzuͤndete Zorn-⸗eyfer GOttes war in A⸗ 
dam entbrannt / und hatte ihme das Bilde der heiligen Welt 
verſchlungen / und drang von Adam auff alle Menſchen. 

13. Denn die in der Bundes-Linea hatten den entzündeter 
Enfernachdemerften Principio, als nach der Seelen und des 
Leibes / auch in fich / Feiner beffer als der andere / der Schlan= 
gen Ens.lag fo wol in Abraham und feinen Kindern / nach der 
enfzündeten Seelen / und nach der groben thierifchen Eigen> 
ſchafft des ſterblichen Menfchen / als in den Heyden / aus» 
genommen die Linea Chrifti in ihnen / welche nicht des ſuͤn⸗ 
digen Menſchens Selbheit war / fondern ftund in GOttes 
Gewalt/ wie der Himmel inder Weltſtehet / und doch feines 
das ander iſt: Und wie der Himmel in der Hölle / und die 
Hölle im Himmel jeher / und keines das anderrift oder be= 
greiffet / oder wie Die Nacht im Tage iſt / und der Tag in 


der 


334 Vom Anf. des Heydn. Kriegs! Cap.z8. 
der Nacht / oder wie das Liecht der Natur in der Finfternüß 
fcheinetund wohne. * 

14. Alſo ſollen wir verſtehen / wie die Kinder der Heiligen 
haben Krieg gefuͤhret wider den Hauffen der Gottlofen / und ſie 
vertrieben, als auch in des Zornes Eigenfchafft/ welcher fein 
Schwerd durd) jte führe / Die Heyden und Hams-Arth zu 
verfilgen / denn Abraham zog aus mit feinem gangen Haufe 
und Kuthen wider die Heyden / welche feines Bruders Sohn / 
den Loth / hatten gefangen mit weggeführet / umd erfchlug die 
Heyden / und erlöfere feinen Bruder : Dieſes gefchahe im Ey⸗ 
fer GOttes / welcher alfo feine Kinder errefter duch Die Macht 
feines Zorns / denn was dem Goftlofen zum Verderben gereis 
chet / das gereichet den Heiligen zum Leben / und zu einer Ret⸗ 
tung. 

15. Daß aber die jenigen / welche wollen Chriſten genannt 
ſeyn / welche folten in und mit Ehrifto dem Zorn und Grimme 
Gottes in Chrifti Tode ſeyn abgeftorben / Kriege führen / das 
thun fie nicht als Chriſten / fondern als Heyden / fein Chrift 
frieget : denn fo erein Chriſt iſt / fo if erden 4. Eleinenten des 
Zorns EDLtes in der Selbheit mit und in Chrifti Tode abge— 
ſtorben / und in Chriſti Geifteder Liebe eines neuen Menfchen 
gebohren / welcher in Gerechtigkeit / in Liebe und Gedult les 
bet / und nicht ihmefelber / fonvdern GOTT in Ehrifte. - ‘ 

16. Denn ein wahrer Ehrift führet feinen Wandel und Wils 
Ion im Himmel / im geben und Geifte Ehrifti / wie &. Paulus 
faget : Unfer Wandelift im Himmel; dag aber die Ehriften 
kriegen / das thun fie aus der Heypnifchen Eigenfchafft / und 
nicht aus Chriſti Eigenfchafft: Denn ein Chriſt iſt nicht won 
Diefer Welt / fein Reich ift im Himmel, und er in Ehrifto der 
Melt abgeftorben nach dem neuen Geiftlichen Menfchen / im 
ihmes Der Hende/ als der hald teufflifche Menfch / welcher 
fein Reich in diefer Welt hat / begehret inden Chriften zu Eries 
gen und zu morden/ welcher auff Erden nirgend Raum hat/ wel⸗ 
cher in den 4, Elementen des Zorns GOttes lebet: Alsin Hofe 
fahrt / Geitz / Neid und Zorn. 

17. S. Paulus faget: Gebet euere Glieder gu Waffen der 
Gercchtigkeits Denn warum Frieget man ? um das Neich diefer 
Welt I und Ehriftus faget doch / fein Neich wäre nicht von 
dieſer Welt: Alfo iſt auch ſeiner Kinder Reich in ihme nicht von 
Diefer Welt ; fo wir num unfer Leib und Seele begeben zu 
Waffen Gottes Zorns / und ſuchen dadurch nur die CAR 

un 


Cap. 383. wie Ahr. feines Buwd Sohn / rc. 335 
und ermorden einander int das Reich dieſer Welt: Ich meyne 
ja wir ſind hierinnen Chriſten mit dem Munde / aber das Hertz 
—3— Seel iſt ein Heyde / und nicht aus Chriſti Geiſt gebohren. 
18. Abraham / als er die Heyden ſchlug F- begehrte nichts 
von dem genommenen Gute / fo: dern gab dem Koͤnig von So⸗ 
dom wieder / was ihme die Heyden hatten genommen / und 
eyfert allein im Herren / er kriegete nicht um Land und Königs 
reiche / ſondern ſeinen Bruder zu erretten / das war doch ein 
rechter Eyfer / welchen der. Herr in ihme trieb: Er ſtund 
nicht auff / und Eriegte um ein Sand oder Stadt; und da er 
es gleich erhielt / begehrte er dep keines / fondern zog wieder an 
feinen Ort). 

19. Und gang wunderlich redet allhier der Geiſt im Mofe / 
und faget / als Abraham fey von der Schlacht kommen / fo 
fey ihme der König von Sodom entgegen gangen: Und Mel: 
hifedech der König von Salem habe Brod und Wein auff- 
getragen / welcher fey ein Prieſter GOttes des Allerhöchften 
gewefen/ der Himmelund Erden befiset/ und hab Abraham 
geſeegnet / und Abraham habe ihm den Zehenden gegeben : Und da 
man doch fonft faft nichts in heiliger Schrifft findet von dieſem 
Prie ſterthum / welches doc wahrhafftig in der Figur Chriſti ges 
weſen iſt: Denn der Geiſt ſaget an einem andern Orth von Chri⸗ 
ſto: Er ſey ein Hoher-prieſter in der Ordnung Melchiſedech. 

20. Alſo gantz heimlich ſtellet ver Geiſt GOttes die Figur 
Chriſti beym Abraham dar / und heiſſet ihn einen Koͤnig zu 
Salem / und einen Prieſter GOttes des Hoͤchſten / als einen 
Prieſter des Heyls / und der Salbung / wie es in der fenfua= 
liſchen Zungen alſo lautet / das iſt Chriſtus hat Abraham ge⸗ 
ſegnet und ihme Brod und Wein auffgetragen / als fein 
Fleiſch und Bluth / und iſt der Hohepriefter vor GOTT / der 
Abraham md feine Kinder verföhner. 

zr. Denn Abraham hatte das Schwerddes Zornes GOttes 
wider Die Heyden geführet. Nun kam jest Melchifedech / und 
feegnete Abraham wieder / das ihn nichtdas Schwerd der Tur- 
bz ergriff / und trug ihm Brodt und Wein / das ift him̃li—⸗ 
ſchen Ens auff/ welchen er wolte in Abrahams Saamen ei 
führen / und in Fleiſch und Blut wandeln / und verſoͤhnete 
allhie des Vatters Zorn im Bunde / als im Fuͤrbilde. 

22. Deñ dieſer Prieſter beym Abraham iſt wahrhafftig Geiſt⸗ 
lich zu verſtehen / denn obwohl Abraham dergleichen mag einen 
Prieſt er aͤuſſerlich gehabt Haben / unter der Figur N ; r 

age 


J 


J 
= 02 


Be: 

236 Bom Anf. vesHeyon.Kriegshe. Capz 8. 
ſaget aber Mofes / Er fey ein Priefter fBottes geweſen / und habe 
zu Abraham geſagt: Geſeegnet ſeyſtu Abraham dem Allerhoͤch⸗ 
ſten der Himmelund Erden beſitzet / der deine Feinde hat in 
deine Hände befchloffen = Da iſt Niemand anders zuverfte- 
hen als Ehriftus/ der Abrahaın gar offte in der Figur erſchien / 
ri allemahl ſeegnete / denn der Geift im Mofe heiffet ihn 
auch Bi König zu Salem / / das iſt anders nichts / als cin König 
des Heyls. 

23. Und Abraham habe ihm den Zehenden gegeben; Er mag 
wohl eine Pricfterliche Ordnung haben bey ihm gehabt/dchme er 
den Zehenden habe gegeben ; Aber viefer König und Priefter 
war der / vom dehme er predigte / welcher fich mit ihme vers 
bandt fein ewiger Hoher Priefter zu feyn / welchem Abra⸗ 
ham den Zehenden / als die Zehende Eigenfcharft menfchlicher 
Eigenfihafften der feurenden Zungen der Seelen gab; und der 
Prieſter gab darein fein Brodf und Wein / feinen Seegen / als 
das Liebe⸗feuer / die Tin&ur des Lichts neben him̃liſcher Weſen⸗ 
heit auff dag Abraham in diefem Brodt und Wein wieder des 
Liechts Tinctur in der feurigen Seelen kriegte und wieder das 
Bilde GOttes gantz wuͤrde / welches in Adam mit dem Weibe 
zertrennet ward; ſo gab ihme Chriſtus / als des Weibes 
Tin&ur wieder des Liechts Ens, daß die Manliche und Weib—⸗ 
liche Eigenſchafft wieder ein Bilde wuͤrde. Dieſes deutet der 
Geiſt in Moyſes allhie unter dem Koͤniglichen Prieſter zu 
Salem. 

24. Denn Efra / als er die verlohrne Bibel in Erfäntnäg 
des Geiſtes GOttes feinen Schreibern dictirte / hat ſolches wohl 
gefehen/ darum fegt es der heilige Geiſt alfo ; und fihet man 
gar eben wie Efra habe im Gefichte des Geiftesdie Hiſtorien 
von Abraham befchrieben / denn dieganke Hiltoria von Abras 
ham wird funter Chriſti Perfon fuͤrgemahlet / und iſt fein 
Bilde Ehrifti. 

25. Diefen Priefter von Salem hat Abraham gefehen im 
Geiſte; wenn Abraham opfferte/ fo ftund diefer Priefter in 
feinen Opffer und opfferte GOTT / dennerfoltedie Welt mit 
einem Dpfer verföhnen/ darum war er ein Prieſter GOttes. 

26. Erführte Abrahams MWillenzopffer /als fein Gebet und 
Vegierde im Glauben in den heiligen Ens Gottes / undin dem⸗ 
felben Ente, als in goͤttlicher Weſenheit ward der Seelen A⸗ 
brahams himmliſch Brodt und Wein aufgetragen / das ſie 
moͤchte an Gottes Tiſche eſſen / biß dieſer Prieſter N 
ward 


C.39.Wie Gott Abr. im Geſichte ſeyerſch 337 


ward / das iſt / ſich in Abraham mit der himmliſchen Leiblig- 
keit / als mit der Seclen Speiſe / im rechten Brodt und Wein 
offenbahrete. 


Das 39. Capittel. 


Wie Gott Abraham im Gefichte fey erfihienen und 
den Bund mitihme in feinem Saamen beitätiget / und 
wie Abrahams Glaube habe den Bund ergriffen / 
welches ihme zur Gerechtigkeit it zugerechnet 
worden; und wie ihn GOtt hieß opfern/ 
was dabey zu verſtehen fey. 

Geneſ. x5. 


Oyſes ſpricht: Nach dieſer Geſchichte begab ſichs 

dag zu Abraham geſchahe Das Wort des Heren 

im Geſichte / und ſprach: Fuͤrchte Dich nicht A⸗ 

braham / Ich bin dein Schild und ſehr groſſer 

Lohn: Abraham aber ſprach: Herr / Here / was 

wiltu mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder / und mein 

Haus-vogt hat einen Sohnjdiefer Elicjer von Damafko; und 

Abraham fprsch weiter: Mirhaftu keinen Saamen gegen 

ben / und fiehe / dieſer Sohn meines Gefindes foll mein Erbe 

feyn. Und fleheder Herz fprach zu Ihn: Eroll nicht dein 

£rbe ſeyn / fondern der von deinem Leibe Eommen wird / 

der foll dein Erbe feyn / und er hiß ihn hinaus gehen / und 

forach : Siehe gegen Himmel / und zeble die Sterne / kanſtu 

die zehlen ? umd fprach zu ihm : alfo foll dein Saame werden: 

Abraham glaubtedem Herrn / und dasrechneteer ihme zur 
Gerechtigkeit. 

2. Indiefem Stuͤck lieget die Wurtzel des Chriſtlichen Glau⸗ 
bens / denn GOTT ſagte zum Abraham / er waͤre ſein Schild 
und Lohn / er wolte ihme den Saamen aus ſeinen Lenden geben: 
GOTT wolte Abrahams Sohn ſeyn / und ihme einen Sohn aus 
ihme geben / deſſen Saame ſolte ſeyn wie die Sternen am Him⸗ 
mel / welche unzaͤhlig ſind; und nicht ſeines Geſtndes Sohn ſol⸗ 
te der Erbe ſeyn / nicht der Animaliſche Menſchen-Saame 
voll Schlangen-Ens , ſondern GOttes Lohn / GOttes Ens: Er 
wolte ihm ſeinen Lohn in ſeinen Saamen / als in die Krafft 
feiner Senden eingeben / das folte sin Saame werden / wie die 

>» Ster⸗ 


338 Wir Gott Abr imGeſichte werben 


Sternenam Himmel: Erfahe auff den Saamen im Bunde] 
als auff das ewige Neich / welches folte feyn wie die Sternen 
am Himmel alfolauter / rein und unzehlich; Und dieſes glau— 
bete Abraham / und das ward ihme zur Gerechtigkeit zuge» 
rechnet. | 

3. Glauben ift allyie fo viel/ als er fuffete das Wort / er nahms 
in feine Begierde / als im menfchlichen Ens ein / das Ziehk im 
Bunde in dem geformten compadirten ABorte/als in Abrahams 
Ratur und Eigenfhafft/ nahm an das fprechende Wort Gottes) 
als die Verheiſſung / und diefe beyde formeten fich in eines; und 
in diefem Einem war Abrahams Glauben gerecht / denn GOtt 
rechnete Abraham das Wort / das er in feiner&laubenssbegierde 
cinnahm/ zur Gerechtigkeit / zum Eigenthum und zur Recht⸗ 
ferfigung. 

4. Denndiefes eingenommene Wort rechtfertigte das Crea⸗ 
türlihe Wort / als das ausgeſprochene gefchaffene/ verftchet / 
das ſich in menſchlicher Eigenfchafft hat geformet / und in eine 
Creatur / als aus drey Trincipien in cin Bilde begeben / in wel⸗ 
chem Bilde fich der eigene Wille hat durch die Begierde und Luſt 
mit der finftern Welt Eigenfcharft / als indes Feuers und Zorns 
Gottes empor geſchwungen / umd in eine irrdiſche Grobheit 
eingeführet / in welches grobe Bild der Teuffel hatte durch die 
Schlange feinen Ens , Willen und Begierde eingeführer. 

5. Diefem Ens und compa&tirten Worte und geſchaffenem 
Bilde kam das lebendige ewigfprechende heilige Wort aus des 
Liechts und der göttlichen Liebe⸗Eigenſchafft zuhuͤlffe und ward 
ſein Lohn / daſſelbe nahm Abrahams natürliches Wort undKrafft 
in ſich ein / und daſſelbe eingenommene in der Begierde gefaſte 
Wort GOttes / rechtfertige Abrahams verderbtes Wort: Es 
ward ſeine Gerechtigkeit das den Zorn zerbrach / und dem Teuffel 
feine Begierde und Willen zerſtoͤrete / verftehet In dem Mens 
fchen=Ente, als in dem geformten Wort gefchach dieſes. 

6. Denn es iſt kein Glauben ohne GOttes Wort und Krafft / 
fo nahm nun Abraham GOttes Wort / Krafft und Verheiſſung 
in ſich in ſeinen Ens, und faſſete es in cin Subftang ſeines Gei⸗ 
ſtes / das war der Glaube der Rechtfertigung / daß GOttes Wort 
und der Menſchliche Wille und Begierde in eine Geiſtliche Sub- 
ſtantz eingiengen: Alſo rechnete GOTT dem Abraham das ein⸗ 
genommene oder eingeſprochene gefaſſete Wort zur Gerechtig⸗ 
keit / als zun Eigenthum. Und dieſes iſt des Glaubens Grund 
und Wurtzel / daß er GOttes Verheiſſung in ſeine Begierde eh 

faſſet / 


| 


Cz3 9WieGott ARME. 30 
faſſet / als fein Eigenthum / und daffelbe nicht von ſich in einen 
Zweiffel laͤſſet fahren; wie Jacob thaͤte der faſſete das Wort 
der Berheiffung in ſich / und ſagete: Ich laſſe dich nicht / dur ſeeg⸗ 
neſt mich denn / und rang die gantze Nacht mit dem Worte der 
Krafft / biß er ſiegete / daß ſich ihme Das verheiſſene Wort zum 
Eigentyumy als zu einem Seegen oder groſſen Lohn / wie allhie 
beym Abraham / cingab. 

7. Alſo verſtehet uns ſcharff; das eingeleibte Wort des Bun⸗ 
des im Paradeiß / das GOTT Adam vom Schlangen⸗tretter 
verhieß / rang durch Jacobs geformtes Wortmenſchlicher Ei⸗ 
genſchafft mit dem jetzt neu⸗verheiſſenem Worte / als mir dem 
lebendigen Worte / und wolte daß der verderbte menſchliche Ens 
mit Gottes Liebe geſeegnet wuͤrde / daß der Schade geheilet wuͤr⸗ 
de / undachtzete nach der Erfüllung des Bundes / daß doch GOtt 
wolte bald feinen heiligen Ens himmliſcher Weſenheit in des 
Menfhen Weſen einfuͤhren / das Ehriftus gebohren wurde aus 
GDLtes und des Menſchen WWefen s darum foll die Chriſtenheit 
wiffen/ day der Glaube nicht nur eine Hiſtoria oder Wiſſen⸗ 
ſchafft ſey. 

8. Glauben iſt anders nichts / als feinen Willen mit GOTT 
vereinigen / / und GOttes Wort ımd Krafft in feinen Willen 
einnehmen / das dieſe beyde als Gottes Wille und des Menſchen 
Wille einSubſtantz und Weſen werden / daß der menſchliche Wille 
GOttes Wille werde: Alsdenniſt ihme Chriſtus in feinem Ley⸗ 
den / Sterben / Todt und Aufferſtehung in ſeine eigene Menſch⸗ 
heit zur Gerechtigkeit gerechnet / daß der Menſch Chriſtus wird / 
verſtehet nach dem geiſtlichen Menſchen: Und alſo ziehen wir 
Chriſtum in Abrahams Glauben an / und werden Zweige und 
Reben in feinem Weinſtocke und Tempel GMes; wer anderſt 
lehret und glaubet / der iſt noch in der compactirten unzerſchelle⸗ 
ten Unglaubens-Zunge / in der Hurerey zu Babylon. 

- 9 Diefes iſt der rechte wahre Grumd unfers Chriſtlichen 
Glaubens / das wir Chriſtum / dehn Abraham im Glauben an⸗ 
308 / jetzo in feiner Menfchheitnac der himliſchen Welt Weſen 
im ſelben Fleiſche und Blut / welches Abraham von Melchiſedech 
in himmliſchen Brodt und Wein fuͤrgetragen ward / als im 
Fuͤrbilde / auch in unferm Himmlifchen Theil der Menſchheit ein⸗ 
nehmen undanzichen/ Fa gang in unſern Ens von der himmli⸗ 
ſchen Welt Weſen / welcher ia Adam ftarb / einehmen / und dar⸗ 
innen lebendig werden / in Chriſto vom Tode auffſtehen / und 
gang eſſentialiter mit unſerm geiſtlichen Menſchen in ihme woh⸗ 

P 2 nen! 





340 Wie Got Abr. im Geſichte fey erfch.E.39. 


nen / ſo iſt er alsdenn unfer eigne Gerechtigkeit / wir in ihme / und 
er in uns nur ein Chriſtus ein GOTT / ein Blaube / ein 
Baum im Paradeig GOttes / im Stamm / welcher iſt GOTT / 
amd in der Krafft/ welche Chriſtus iſt / und in den Zweigen des 
Baumes / welche wir Chriften find/gang ein Baum / nicht zween: 
Nicht verſtehen wir den grob irrdiſchen Menſchen voll Schlan⸗ 
gen Ens, welcher GOttes Reich nicht erben foll/ ( Ich. 6. ) 
ſondern den rechten Menfihen / welhen GOTT in feinem Bilde 


uff. 

f 10. Meifter Vielklug von Babel folluns recht in die Augen 
fehen / weg Geiftes Kind wir find; nicht das Thier verftchen 
wir / fondern den Menfchen Chriſtum der in Adam farb / 
welcher wieder aus Abrahams Saamen gebohren ward / und 
dem Tod feine Macht nahm / und die Hölle im Menfchen gerftö- 
rete / und in uns den Tod erwürgte/ und vom Tode auffftund / 
und ewig lebet; dehn meynen wir mit einem rechten Chriften/und 
nicht Kälber und Ochſen / Hunde) Nattern / Kröthen umd ders 
gleichen / welche wollen mit ihren Thieren der Eitelkeit von auſſen 
angenommene unwiedergebohrne Kinder GOttes ſeyn: Kein 
ſolch Thier komt in Himmel / nur einig allein ein Kind Chriſti / 
das aus Chriſti Fleiſch und Bluth gebohren iſt; darauſſen ſind 
die Hunde. 
"gr. Darum laß dirs geſaget ſeyn / Babel / du reutheſt auff 
dem Drachen der gefaſſeten halb teuffliſchen und halb Viehiſchen 
Zungen in deinem eigenen Worte und Willen / und haft nicht 
den Glauben Abrahams/ als im ergriffenen gefaften Worte 
das Menfch worden ift / fondern du heuleft mit den Hunden / 
und wilſt init —* Hunds⸗Willen in einem fremden Kinde A⸗ 
brahams Erbe fehM. | 

12. Aber GOTT fprach zu Abraham : Deines Gefindes 
Sohn foll nicht dein Erbe feyn / fondern der aus deinen Sender 
gezeuget wird / der aus dem Glauben der Gerechtigkeit gebohren 
wird/ der foll GOttes Erbe feyn / und nicht der Magd Sohn / 
als der fremde eingeführte grob irzdifche Schlangen Ens. 

13. Und GOTT ſprach zu Abraham : Ich bin der Her? / 
Der Dich von UR aus Chaldea geführer habe / daß ich dir DIE 
Sand zum Befigegebe : Abraham aber fprach : HErr / HErr / 
worbey follichs merken / daß Ichs befigen werde / und er fprach 
zu ihme: Bringe mir einedreyjährige Ruhe / und eine drey⸗ 
jährige Ziege/ und einen dreyjährigen Widder / und eine 
Turteltaube/ und eine junge Taube ; und er ME he 

olches 


C. 39. Wir Got Abr.im Geſichte ſey erſch. 347 


ſolches alles / und zertheilete es mitten voneinander / und 
legte ein Theil gegen das ander über / aber die Dögel zerthei⸗ 
lete er nicht: Und das Gevoͤgel fiel auff das Aaß / aber A⸗ 
braham fcheuchte fie davon ; und da numdie Sonne umter= 
‚gegangen war / fiel ein tieffer Schlaffauff Abraham / und 
ſiehe / Schredien / und groſſe Finſternuͤß überftel ihn: De 
fprach er zu Abraham / Das ſolſtu willen / daß dein Saame 
wird frembde feyn tn einem Lande das niche fein iſt / und 
da wird man fie zu dienen zwingen / und plagen 400. 
Jahr / aber ich wil richten das Volck deine fie dienen 
muͤſſen: Darnach jollen fie ausziehen mit groffem Gut; 
und du folft fahren zu deinen Därtern mie Srieden / und 
An gutem Alter begraben werden : Sie aber follen nach 
4. Wannes Alter wieder hieher kommen / denn die Miſſe⸗ 
that der Amoriter ift noch nicht alle; als nun die Sonne 
untergieng / und finſter worden war / fiehe/ da rauchete 
ein Öfen / und eine Sener-flamme fuhr zwifchen den Stuͤk⸗ 
fen bin. 

24. Allhie ift die rechte Figur von Chriſti Opffer für die 
Menſchheit / und auch fein Leyden / Tod und Verfolgung / fo 
wohl feine Überwindung fürgemahlet / fo wohl auch der Menſch 
der Sünden umd Eitelkeit / wie er fein Maag auch müffe voll 
machen /und wozu jedes ſoll. GOTT gab Abraham das Zeichen 
ſeines Saamens / wie es damit gehen würde / als Abraham 
ſprach: HErr / Her worbey foll ichs erfennen/ daR ichs 

efisen werde ? ſo ſtellete ihm GOTT die Figur des Saamens 
(dehn er hatte in feinem Glauben gefaffet / welcher feine Ge> 
rechtigkeit war worden ) für / und zeigfe esihme in einer Figur; 
denn das Dpffer deutet au das Opffer EHrifti/ die dreyerley 
Thier / als diedreyjährige Kuhe/ Ziege und Widder / deufen art 
das Theil der aͤuſſern Menfchheitder Zeit/ alsaus dem Limo der 
Erden. - 

15. Daß fie aber dreyjaͤhrig ſeyn muſten / deutet anden gan- 
gen Auffern dreyfachen Menfchen vom Sulphure , Mercurio und 
Sale, als die drey Eigenfchafften der drey Principien / welche in 
ber Erden in einem Weſen liegen. 

16. Daß Abraham aber dieſe drey Thier mitten voneinander 
zertheilte und eines gegen das ander legte / deutet an den zwey⸗ 
fachen Limum der Erden / als die grobe Eigenfchafft aus der 
finftern Welt Eigenfchafft / und denn zum andern den Limum 
aus der himmliſchen Welt Eigenſchafft > welcher in der Erden 

3 in 


342 WeGctMbr.imGefichte fen erſch. C. 39. 


in einer Compadtion lieget / Daraus der Menſch nach dem Leibe 
geſchaffen ward, 

27. Daß es aber Abraham zertheilte ] deutet an daß die 
Grobheitvonder Subtilheit der Menfchheit/ weiche Adams Bes 
gierde einführete / muß durchs flerben jertheilet werden / und eis 
1188 gegen dem andern liegen / und von einander getheilet feyn/ 
ein jedes in feine Eigenfchafft / wie Liecht und Finſternuͤß ges 
iheiletift / und doch neben einander find. " 

18. Die Turrteltaube deufetan/ die arme in diefer thieriſchen 
Eigenfchafft gefangene Seele / und die junge Taube deutetan 
sie innere verblichene Menſchheit der armen Seelen / welcheim 
Opffer follwisder jung werden als eine neue Gebuhrt. 

19. Daf uber die zwey Tauben nicht gertheilet worden / fon» 
dern gantz geopffert / deutet an / daß von der Seelen und von 
dem innern Menſchen / vom himmliſchen Limo nichts ſoll ge— 
nommen werden; ſie ſollen in ihrem Weſen gantz bleiben / und 
gantz dem Zorn⸗Feuer Gottes in Chriſto geopffert werden / und 
durch das Zorn⸗feuer / durch den Tod durchgefuͤhret werden / als 
durch die groſſe Finſternuͤß und Schrecken des Todes und der 


Hoͤllen / wie diß dan die Figur war. 


20. Als Abraham hatte dieſes Opffer dargeſtellet / ſo fiel er 
in einen harten Schlaff/ und es umbgab ihn Schrecken und 
groſſe Finſternuͤß: Der Schlaf iſt das ſterben Ehrifti/ und 
Das Schrecken ift der Grimm Gottes / alsder Höllen Abgrund / 
und die Finfternüg ift die finftere Welt audeutend / in welches 
das Wort I das fich hatte in Abrahams Glätiben zu einem Saa⸗ 
men der Kinder Gottes eingegeben / folte mit dem Opffer inder 
gantzen Menfchheit mit Leib und Seel eingehen / und fich dem 
Zorne des Batters gank zuverfchlingen einergeben. 

21. Und des Feuers Anzündung/ welches zwifchen den ſtuͤc⸗ 
ken hinfuhr / ift num das heilige Feuer Gottes Maus den heilig- 
feurenden / als aus dem Liebe-feurenden Wort / welches ftch in 
Abrahams Glauben eingab / in der Menſchheit Ehrifti/ in 
Seel und Leib / als er in des Vatters Zorn] im Tode umd der 
Finſternuͤß in der Höllen ſtund / und die Menfchheit in Seel 
und $eib in ven Zorn warff/ und den Zorn ins $iebesfeuer vers 
wandelte / hinfuhr / dennder Grimm des Vatters nach der ewi⸗ 
gen Natur der finftern Welt / welcher in der Menſchheit entzuͤn⸗ 
det ward / mufte in der Menschheit einen folchen heiligen Liebe⸗ 
Ens empfahen / darinnen fich der Zorn in feinem Feuer möchte in 


ein $iccht oder Liebe⸗feuer wandeln, 
22. Die⸗ 


C.3 9. Wie Gott Abr. im Geſichte füy erfch. 343 


22. Dieſer heilige Ens im Worte des Glaubens muſte in das 
groſſe Schrecken des Zorns Gottes eingehen / dan die Seele in 
ihrer Eigenſchafft ſtund Elſſentialitet darinnen; ſie iſt aus 
des Vatters Feuers Eigenſchafft (aus feiner Staͤrcke und All⸗ 
macht) als aus dem erſten Principio: Allhie kam ihr das an⸗ 
der Pincipium (als das Liebe-feuer) zu huͤlffe / darumb muſte 
ſte wieder in ihre eigene Wurtzel / daraus ſte war zur Creatur 
worden / eingehen / und in Krafft des Liebe-feuers in Goͤttlichem 
Liechte tingiret / und in ein ſchoͤn Goͤttlich Gold verwandelt 
werden; deſſen wer diß Opffer ein Fuͤrbilde. 

23. Das aber die Voͤgel auff das Aaß fiehlen / welche Abra⸗ 
ham davon ſcheuchte / deutet an die hungerige Elſentz der grim⸗ 
men Eigenſchafft des Zornes Gottes im Menſchen / welchen 
nach der Menſchheit hungerte / und wolte dieſelbe in ſich freffene 
Aber das Wort in Abrahams Glauben ſcheuchie den Freſſer da⸗ 
von / es ſolte nicht gefreſſen / ſondern geopfſert ſeyn / daß eine 
Eſſentz in die andere eingienge / und die andere uͤberwaͤltigte. 

24. Das Opffer Chriſti (als die Menſchheit Chriſti) gab 
ſich wohl als ein Opfſer in des Vatters Zorn / in feine Feuers⸗ 
Eſſentz gantz ein; aber der Liebe-Geiſt Gottes verwehrete der 
grimmen Eflens des Feuers / dag das Feuer nicht konte die 
Menſchheit Chriſti verſchlingen: Es nahm nur der Menſchheit 
den eigenen Willen / und fuͤhrete ihn wieder in den erſten gantzen 
Willen ein / daraus dem Menſchen der Wille gegeben ward? 
welcher ihn hat zur Selbheit gemacht und verderbet: Allhie 
warder wieder indes Vatters Willen / als indie erſte Wurtzel / 
eingefuͤhret; denn alſo ſprach auch Chriſtus (als er am Oehlberg 
in dieſem Stand Blut ſchwitzete: Vatter / dein Wille geſchehe / 
und nicht mein Wille. 

25. Das zertheilte Wort menſchlicher Eigenſchafft das ſich 
hat vom Gantzen / als von dem Einen abgewandt in eine Selbheit / 
muſte wieder in das Gantze eingehen / und durchs Feuer Gottes 
probiret und bewehret werden / und in dem Einen / als in des 
Vaͤtters einigem Willen leben und wallen. 

26. Die Figur von der Dienſtbarkeit in Egypten / deutet an / 
daß Chriſtus in ſeinen Gliedern wuͤrde in dieſer Welt ein 
Frembling feyn / und dag der aͤuſſere Menſch von dieſer Welt 

Weſen ſolte dem Regiment diefer Welt Weſenunterworffen ſeyn / 
und wuͤrde geplaget und immerdar nur als ein Zimmer⸗beil (da 
man das Haus mit bauet) geachtet ſeyn. 

27. Denn cin Chriſten⸗Menſch iſt eben als ein Zimmer⸗beẽl 

P4 Gottes 


8 


| 


# 


344 Wie Gott Abr. im Geſichte ſey erſeh. C.35. 


Gottes) da GOtt fein Haus mit bauet / den heiligen Kindern 
zu einer Wohnung / und auch den Gottloſen / fie muͤſſen die alle 
beyde bauen / inwendig aus dem Geiſte bauen ſie Gottes Tem⸗ 
pel / und auswendig mit den Haͤnden muͤſſen ſie dienſtbahr ſeyn / 
Denn das aͤuſſere Reich (darinnen fie wohnen) iſt nicht ihr / ſon⸗ 
dern der Heyden / welche ihren Himmel darinnen haben / und 
darinnen in Gottes Zorne wuͤrcken. 

28. Wie dan gar fein zu Abraham geſaget ward / daß er in 
ſeinen Kindern ſolte dienſtbahr ſeyn / biß die Miſſethat der Amo⸗ 
riter alle ſey. So ſehen wir klar hierinnen / wie Gottes Kinder 
muͤſſen ven Amoritern / als Heyden / dienen / big ſie doch auch 
ihre Erbſchafft im Grimme Gottes erreichten / und das Werck 
im Zorne Gottes auch gantz ausmachen zu einem Gebaͤu der fin⸗ 
ſtern Welt; denn GOtt ſagte / fie ſollen den Egyptern dienen) 
und nur Plage zu Lohnhaben / biß ſte ihr Maaß vollmachten: 
Alſo muͤſſen die Gottloſen auch ihre Wercke gantz machen / und 
— ſſen ihnen noch Gottes Kinder darunter in Dienſten behafftet 
eyn. 

29. Darumb / liebe Kinder Gottes / ob ihr manchmahl muͤſ⸗ 
ſet gottloſen Herren und Voͤlckern dienen / und werdet fuͤr Leib⸗ 
eigen geachtet / wie es dan jetzo alſo gehet / fo dencket daß ihr auch 
GoOtt darinnen dienet; denn wie ihr in euerem Hertzen und 
Munde GSttes Reich zu euerem Befig bauet; alſo muͤſſet ihr 
auch mit den Händen helffen eueren Herrn ihren hoͤlliſchen Sit 
bauen / denn ihr ſeyd Gottes Werckzeug zu allerley Bau tuͤchtig 
genug; nicht aus euerem Fuͤrgang ſolt ihrs thun / ſondern aus 
Gebott ſollet ihrs thun. 

30. Denn daß der Gewaltige den Armen in ſeinen Dienſt 
zwinget und Leib-eigen macht / dat thut er aus feinem GOTT/ 
als aus dem Reiche der Natur / aus dem Geſtirne / und aus der 
Selbheit / darinnen er dem Reiche der Natur das Haus ſeiner 
Wunder auffbauet / das iſt ſein Ambt darzu ihn fein GOTT 
brauchet / und iſt auch ein groß Wunder vor der Ewigkeit; aber 
es urſtaͤndet aus der zertheilten Zungen / da die Eigenſchafften 
in die Selhheit giengen / eine jede in ſich / über welche die ſtaͤrc⸗ 
keſten herrfchen / denen allen muß der irzdifche Menfch als dem 
Reiche der Natur) unterworffen feyn/ verftchet der Äuffere 
Menfch / fonft widerftrebet er Dem Reiche ver Natur / als dem 
geformten Norte. 

31. Nım aber gebühret den Kindern Gottes nicht zu wider⸗ 
ſtreben / ſondern alles umb Gottes Willen zuthun / er 23 


4 


* 


C. 40. Bon derFuͤrb. des Geiſtes Gotteslec. 345 


GOTT nur brauchen wil; fe ſollen dencken / dag fie in dieſer 
Welt / und in Ewigkeit Gottes Knechte find / und ihme in feiner 
Ordnung dienen wollen. 

32. Nicht richten oder verdammen wir hiermik weltliche 
Herifchafft und Orduung / fondern wir zeigen den Grund aller 
Geheimnüß ans die Herrfchafft urftändet aus dem Reiche der 


Natur/ und mag auch wohl in Gottes Reich eingehen / fo fie- 


ihren Gewalt führer / alseine Dienerin indem Reiche der Na⸗ 
tur / und nicht als einfelb-eigener GOTT / der da thut waser 
wil / fo ſie fich erkennen als Gottes Aubt⸗leute in feinem Reiche 
der Natur / und nicht überfchreiten der Natur Ordnung / und 
fich höher ſetzen als fie das Ambt der Natur fetet / und ſich zu 
Abgöttern machen/ von demfelben fagte GOtt zu Abraham / die⸗ 
fes Bol denen fie dienen muͤſſen / wilich richten. 


Das 40. Kapitel. 


Bon der Hiſtorien und gang wınderlichen Fuͤrbildung 
des Geiſtes GOttes mit Hagar / Saray Magd / 
und ihrem Sohne Iſmael / von feiner Außitof: 
ſung der Erbſchafft / und von Iſaacs Erbe. 


Genel. 16. 


2, Erdie Gefchichte bepin Abraham / Iſaac und Jacob 
| leſen wil / umd diefelben recht verſtehen wus der 
Geift Bottes darunter andeutet / der muß ſie nicht 
bloß anſehen als eine Hiſtoriam / darunter nichts mehr fen als cine 
Geſchichte; Es iſt das gantze Reich Chriſti / ſambt deur Reiche 
der Natur darunter fuͤrgemahlet / nicht allein das Werk 
mwenfchliher Erlöfung / ſondern auch welche / wit / oder was aut 
Menfchen / folle Gottes Reicherben: Nicht wie fich die Juͤden 
ruͤhmen / daß fie alleine Gottes Belt find: Nein’ es iſt viel ein 
anders! GOtt ſiehet nicht auffein Geſchlechte / fondern auff den 
Stamm oder Wurgeldes Baumes. 

2. Inden 2. Brüdern / als in Iſaac und Iſmael / find die 
zwey Reiche fürgebildet / als in Iſmael das Reich der Natur 7 
und in Iſaac das Neich der Genaden: Alfo auch in Efau und 
Jacob; Denn aus Abraham giengen jest nun zwo Linien aus) 
als Faphets und Sems: Iſmael war der erfte; wie dan auch 
Japhet unter Noas Kindern: Alfo auch Kain unter Adams 

» 5 Kiss 


I 
i & ’ * - a | 
246 0. DBonderFinbiloung Cap⸗0. 
Kindern das deutet an das Neichder Natur / welches aus des 
Vatters Eigenſchafft feinen Urſtand hat / und allezeit mug das 
Rep Tl: eine Ereatur gebohren werdem: _ 

Hernach komt erſt das Neich ver Genaden / das die Natur 
einnimt / gleichwie zuvor muß ein Feuer ſeyn / ſoll ein Liecht 
Feyn; das Feuer gebiehret das Liecht und das Liecht macht das 
Feuer in ſich offenbahr / es nimt das Feuer als die Natur in ſich 
ein / und wohnet in dem Feuer. 

4. Alſo auch imgleichen iſt uns zuverfichen von den 2. Eigen⸗ 
ſchafften der Menſchheit 1 als in zwey Principiis nach Feuer 
und Sicht / als nach des Batters und Sohnes Eigenfchafft/ 
—— dem Zorn und nach der Liebe / welche zwey in einem We⸗ 

en ſind. 

5. Weil ſich aber der menſchliche Wille hat dem Reiche der 
Natur unterworffen / ſo ſtellete auch das Reich der Natur ietzt 
dem hoͤchſten GoOtt feine Eigenſchafft in dem Menſchen⸗Bilde 
dar/ vorab in dieſem Wunder-Mann Abraham / in welchen 
Jih Gottes Geiß und Wort bewegete / fo wurden dom Wort 
Sortes/ welches alle Weſen aus ſich geſormet / jest die Figuren 
ver ewigen Prineipien/ als zweyerley Willen aus einem Men⸗ 
ſchend dargeftellet / / als der abtruͤnnige in Iſmael / und der hei⸗ 
lige gehorſame / welcher aus Kreifft des eingefaſſeten Glaubens⸗ 
Worte entfproß in Iſaac. 

6. Es wurden die zwey Bilder dargeſtellet / als in Iſmael 
Ber arme / krancke / boͤſe verderbte/ vom Willen Gottes abe 
gefallene Adam / ımd in Iſaac das Bilde Ehrifti / das dem ars 
men verderbten Adam war Eommen zu hefffen / und feinen abs 
trunnigen Willeninden Zod und Sterben einzuführen/ und im 
Feuer Gottes wieder zu bewähren / und in dem Siches Feuer wie⸗ 
der neu zu gebaͤhren / und in dem erſten einigen Willen Gottes 
da ver Batter and Sohn im grimmigen Zorn- Feuer / und im 
liches $icchht- Feuer nureineiniger Wille und Weſen find. 

7. Denn mit der Vewegung goͤttlicher Eigenfihafft / als 
69: T die Natur bewegte und Creaturen ſchuff / ſcheideten ſich 
die zwo Eigenſchafften / als der Liebe und des Zornes in der 
Natur / af das im Streiteund Wider-willen das Geheimnuͤtz 
Sottes / als die unſichtbare geiſtliche Welt offenbahr wuͤrde / 
unD in ein ringendes Spiel gienge. 

8. Denn ſo nur einerley Wille waͤre / ſo thaͤten alle Wefen 
nur cin Ding / aber im ABider-willen erhebet fich ein jedesin 
ſich ſelber zu feinen Sieg und Erhöhung / und in diefem Strei⸗ 

te 


2 


 Eap.go.des Geiftes Gottes mit Hagarııc, 347 


- 


te ſtehet alles Schen und Wachfen / unddadurd wirdvdie Goͤttli⸗ 

he Weinheit offenbahr / und komt im eine Formung zur Bes 

ſchauligkeit / und zur Freudensreich > Denn in ber Uberwin-⸗ 
dung iſt Freude; aber ein einiger Wille iſt ihm felber nicht of⸗ 

fenbahr: Denn es ift weder ‚böfts noch gutes in ihme / weder 

Freude noch Leyd; umd obs wäre / fo muß ſich doch das Eine / als 
der einige Wille/ erſt in ein Widerſpiel in tihme ſelber einfuͤh⸗ 
ren / auff daz er ſich möge offenbahren. 

9. an iſt uns allyier auch mit Iſaac und Iſmael zuverftes 
hen: Denn Ehrifius folte aus Abrahams Saamen gebohren 
werden / fo muſte auch der verderbte Menſch aus diefem Abras 
hams⸗ Fa ve gebohren werden / dehme Chriſtus helifen folte. 

10. Dan Chriſtus / als Gottes Wort und Wille / nahm an 
ſich an —8* heiligen himmliſchen Ens, des Menſchen abtruͤn⸗ 
nigen Ens und Willen / und führete denſelben in ihme in das 
Sterben der Selbheit / auch indie Wurtzel daraus der abtruͤn⸗ 
nige menſchliche Wille war im Anfang der menſchlichen Schoͤpf⸗ 
— entſtanden / als im Grimm der ewigen Natur / in des 

Vaͤtters Eigenſchafft / nach derſelben Natur / und gebahr den 
abtrünnigen menſchlichen Willen wieder in demſelben Feuer? 
Durch das Siehe Feuer/ er eimigfe in dem menſchlichen Wiillen 
Gottes Siebe und Zorn) als die zertheilte Natur / welche ich in 
der Schoͤpffung der Welt hatte in ein Contrarium zur Offen 
bahrung der Wunder eingeführet. 

ır. Alſo verfichet uns nun recht und ſcharff: Ehriftus ſolte 


der Koͤnig und Hierarcha, als menſchucher Fürft feyn im ewigen 


Reiche / dehme das Reich eigen wäre; ſo muſten nun feine Un⸗ 
terthanen als Diener / andere Yerfonen ſeyn als er/ welche 
ihren Willen alleinisn/ als in einen Stamm) folten einfuͤh⸗ 
ren / erfolteder Baum ſeyn / der feinen Aeſten / alsden andern 
Menſchen / Safft / Krafft / und Willen gaͤbe / daß fie ihme Frucht 
gebaͤhren: Weil ihme aber feine Aeſte an feinem Baume / der 
er ſelber war / waren boͤſe worden; fo gabe er ſich in ihre Böfe 


Eſſentz cin / und fuͤhrete ſeine K raffti in ihnen aus / dag ſie wieder 


gut wuͤrden / und in ihme gruͤneten. 

12. Daß aber ſolches ſeyn koͤnte / fo mufte der Raum / und 
die Aeſte des Baums unterſcheiden ſeyn / auff dag nicht die Wun⸗ 
der der geformten Weißheit der Natur am Bauıne auffyöreten 
und vergiengen / umb welcher Willen fi) GdDFE hatte zur 
Schöpfung beweget / und den Willen der Natur / alsfein ge⸗ 
formtes Wort / in ein Contratrium 528 

6 23. Iſaac 


348 Bon der Finbildung Cap.40. 


13. Iſaac war im Ente Chriſti / als im gefaſſeten Worte des 
Glaubens / aus Abrahams Ente im Glauben empfangen / und 
ſtund in der Figur Ehrifti nicht gantz aus himmliſchen Ente ala 
keine / fondern aus beyden zugleich / faus Abrahams Adamis 
fhen Ente, und aus dem gefaffeten Norte des Glaubens / und 
Iſmael war aus Adams Ente, aus Abrahams eigenen Naturf 
nach der verderbfen Eigenfchafft/ aus Abrahams Seele und 
Geifte gan aus feinem Weſen / aber nicht aus dem gefaffeters 
Glaubens-worte / welches auff Ifaac drang. 

14. Nun aber fund Iſmael jetzt da wie fein Vatter Abram 
por dem gefaffeten Glaubens-worte / und folte daffelbe Glau— 
bens-wort aus Iſaacs himmliſchen Göttlihen angeerbten 
Worte auch in der Begierde faffen/ und zu einer Glaubens» 
Subftang in ihme einführen: Denn Gott falbte die Menfchheit 
Ehrifti/ umd die Menfchheit Chrifti falbet feine Aeſte und 
Zweige / alsdie jenigen / fo auch ihre Begierde in ihn einführen? 
die kommen eben auch alfo zur Salbung / wie GOtt hat Abra> 
hams Saamen in feiner Blaubens=begierde gefalbet. 

15. Alſo Fund Ehrifti Figur in Ifaac da / und Adams Figure 
in Iſmael / und in Abraham ſtund GOtt und Adam gegen eine 
ander: GOtt nahın Adam in Abram wieder in feinen Bund 2. 
ort und Willen) umd ans demfelben Bunde / Wort und 
Millen/ dehn Abraham von GOtt einnahm / darinnen Abram 
gerechtfertiget ward / ward Chriſtus gebohren / der nahm If⸗ 
mael und alle arme verderbte Adams Kinder / ſo nur ihre Be⸗ 
gierde in ihn einfuͤhreten / in fein Wort / und himmliſchen goͤtt⸗ 
lichen Ens ein / und uͤberantwortet fie ſeinem Vatter / als der 
Schoß Abraha / in welche fein Batter hatte das ewige / heilige 
Wort Goͤttlicher Liebe eingeſaͤncket / darinnen das Erbaͤrmen 
uͤber uns arme Evr Kinder ſtehet. 

26. Alſo verftchet ung nun in dieſem / von Abrahams Magd 
und von der Freyen / was dag ſey / daß zu Abram geſagt ward} 
der Magd Sohn ſoll nicht erben mit der Freyen: Es war nicht 
allein umb das aͤuſſere Erbe zuthun / ſondern umb die ewige 
Erbichafftder Kindheit Gottes. 

17. In Iſmael war der eigene / abtruͤnnige Natur⸗wille/ 
welchen erhattevon Hagar feiner Mutter / und von Abrahams 
natürlichen Adamiſchen Willen geerbet! welcher ein Spötter 
Ber neuen Gebuhrt war. 

28. Denn der Teuffel hatte ffinen Willen in den menſchli⸗ 
hen Willen zur Selbheit in dem Schlangen-Emte darein * 

e 


Kap. go.des Geiſtes Gottes mit Hagarlıc.349 


führet / der fpottete nurder neuen Wieder-gebuhrt / alsdander 
Teuffel nur ein Spötter ift: Wann man ihm fagef / wie dagder 
Zorn als der Grimm der ewigen Natur / derer er ein Fuͤrſt und 
Beliger iſt folle im Menfchen wieder in Siebe verwandelt wer⸗ 
den / das ift thme nicht eben recht / diefer falfche Geift war cin 
Spötter in Iſmael / von dehme fagte GOtt: Stoß der Magd 
Sohn als diefen Spötter hinaus; Dennder Spott-Geift und 
Hille fol nicht mit der Freyen / als mit dem einigen Willen 
Gottes erben. 

19. Nun ift unsaber dieſes nicht auff die gantze Perfon Iſ⸗ 
maels zuverſtehen / daß ihn GOtt habe aus feinem Vorſatze ver⸗ 
ſtoſſen von der Kindſchafft Gottes: Nein / nein / es bewaͤhret 
ſich das Gegenſpiel / denn als Hagar ſtoltz war / als ſie ſchwan⸗ 
ger ward / und ihre Frau nicht / und GSaray ihre Frau gering 
achtete / und fie (Saray) darumb ftraffte / fie aber von ihr flohe/ 
fo begegnete ihr der Engel Gottes / und fagtezuihr: Wohin 
Hagar / Saray Magd? Kehre wieder zu deiner Srauen/ und 
demuͤtige dich vor ihr / ich wildeinen Saamen alfo mehren / dag 
er für groffer Mienge nicht mag gezehlet werden. 

20. Und weiter fprach der Engel des Herr zu ihr / fiehe du 
biſt Schwanger worden / und wirft einen Sohn gebaͤhren / 
deß Nomen foltu Iſmael heiffen / darumb daß der HEre 
dein Elend erhöret hat / er wird ein wilder Menſch feyn / feis 
ne Hand wider jederman] und jedermans Hand wider ihn 
und wird gegen allen feinen Brüdern wohnen / und fie hieß: 
den Namen des HErrn der,mitihrredete: Du GOTT fies 
bet mich / denn fte ſprach: Hie habe ich gefehen / dehn der 
mich hernach angeſehen hat / darumb hieß ſie den Brumnen / 
da das geſchahe / den Brunnen des Lebendigen / der mich an⸗ 
geſehen hat. 

21. Dieſe Figur verſtehet alſo: Hagar flohe in dein Willen 
der Selbheit / als in Ungehorſam / als in Willen der Natur/ 
in welcher der Teuffel nach der Grimimes-Eigenfchafft wil ein 
Sürft ſeyn: Derfelbe Wille wolte ſich nicht unter den Bunde 
demühtigen / und der Freyen/ als Gottes freyen einigen Wlil⸗ 
len gehorſamen / in der Figur flohe Hagar: Denn der Wille 
der Sclbheit foll ausfliehen / und gang fterben / und nicht den 
Bund und die Kindfchafft erben: Aber der Engel Gottes bes 
gegnete Hagar / und ſprach: Wo wilftu hinflichen Hagark ‘ 
Saray Magd/ kehre wisderzudeiner Frauen) unddemühtige 
dich unter ihre Hand / fiche du bift ſchwanger / und wirft einer 

®P 7 Son 


350° VonderFirbildung  Cap.ao, 


Sohn gebaͤhren / deß Namen ſoltu Iſmael heiſſen / darumb dag 
der HErr dein Elend erhoͤret hat / das heiſſet alſo: 

22. Du armer clender vom Reiche der Natur geſangener 
Meuſch / die Natur hat dich ja in ihren Wundern in ihrem 
Contrario gebohren / und der Teuffel hat dich vergifftet / daß dur 
muſt ein wilder Menſch ſeyn auff Erden / zum Gegenſatz der 
Kinder Gottes / daß ſie durch dich geuͤbet werden / und in die 
Drang ⸗ſahl eingefuͤhret / auff daß ſte auch den Safft ihrer Wur⸗ 
tzel des Heyls aus dem heiligen Ente herfür bringen / und ſich in 
der Preſſe mit der feuriſchen Begierde durch den Liebe-Ens, wel⸗ 
cher gantz ſanffte und ſtille iſt bewegen und durchdringen / auff 
daß in dieſem Contrario und Streite / auch Frucht aus dem 
goͤttlichen Einem wachſe: Dein wilder Wille muß ja ausgeſtoſ⸗ 
fen und getoͤdtet werden: Aber kehre nur wieder umb zur Freyen/ 
als zu dem einigen Willen Gottes / und demuͤtige dich fuͤr der 
Freyen / denn ich habe dein Elend wohkgeſehen / und habe dich 
nicht von meinem Angeſicht verſtoſſen / ſondern nur die wilde 
Eigenſchafft / als den Willen der natuͤrlichen Selbheit. 

23. Aber ich muß ihn dieſe Zeit auch haben: Denn er wird 
gegen alle feine Brüder ſtehen / und fie in der Gottes-furcht 
mit feinem Gegen⸗ſpiel üben: Aber Echre dur nur wieder umb 
in Die Buſſe zur Freyen / ich wildich alfo mehren / daß man dei⸗ 
nen Saamen nicht zehlen kan. 

24. Warumbebenden Spoͤtter? Darumb / in ihme lag das 
Reich der Wunder Goͤttlicher Hffenbahrung aus der Natur / 
als aus der feurenden Welt / aus Gottes Stärke und All- 
macht / daswilerin Chriſto wieder in die Liebe / als in das eine/ 
in die Freye einführen: Aber Hagar / als der Wille der feu⸗ 
renden Seelen Natur ſoll wieder umbkehren / in die Buſſe ge⸗ 
hen / ſich vor der Freyen / als dem einigen erbarmenden Liebe⸗ 
willen / als vor dem Bund und Saamen in Iſaac demuͤhtigen / 
und den abtruͤnnigen Willen von ſich aus ſtoſſen. 

25. Und darumb ſchickte ihr der Herr ſeinen Engelentgegen] 
und offenbahrte ſich ihr mit ſeiner Stimme / daß ſie den Namen 
des Herrn hieſſe: Du Gott ſieheſt mich: Hie habe ich geſehen 
dehn der mich hernacher angeſehen hat / das iſt / der Wider-wille 
lieff von der Freyen / als von GOtt aus / aber GOtt ſahe die ars 
ae / elende / gefangene Seele wieder an / und rieff ihr / da ſagte 
die Seele: Gewißlich / hie hab ich geſehen dehn / der mich hernach / 
nach dem mein Wille der Selbheit / als der Natur war ausge⸗ 
lauffen / angeſehen hat; das iſt ſo viel geſaget: 

26. Wann 





7 


 Kup.go. des Geiſtes Gottes mit Hagar / ac. z51 


26. Wann der Spoͤtter / als eigene Wille / in ſeiner Natur 
außgelauffen iſt / und ſich in ein Contratium gegen feinen Bruͤ⸗ 
dern / welche bißweilen in ihrem gegebenen himmliſchen Ente 
nicht würden wollen / ſondern faul werden / gegen ſie mit ſpotten 
eingefuͤhret / und fein Ambt der gegebenen Natur verrichtet hat / 
zur Ubung der Kinder GOttes / alsdann ſtehet GOtt den Spoͤt⸗ 
ter / als feinen Werckzeuge zur Ubung der Seelen auch an / und 
wil nicht dag Die Seele verderbe: Er fichet fie wieder an laͤfft 
ihnen lehren / und fie ruffen / giehet fie auch indes Menſchen Ge⸗ 
wiſſen zu ſich / das heiſſet / hernach hat er mich. angeſehen / da ich 
ſchon das Werck der Natur in dem Willen der Selbheit hatte 
vollenbracht. 

27. Als denn Hagar erſt von GOtt angeſehen ward / als ſie 
ihrer Frauen ungehorſam worden war / und von ihr entlauffen / 
und ohne Zweiffel in dem Widerwillen gegen ihrer Frauen / der 
Frauen viel Bewegnüg wird gemacht haben / dadurch ihre Frau / 
als Saray auch geuͤbet ward / dag fir ſich in ihr bewegte / und zu 
GOtt rieff und betete / daß er doch ihre Schmach / in dehme fie un⸗ 
fruchtbahr war / wolte wenden / und ſie ſeegnen / daß ſie fruchtbahr 
wuͤrde / auff daz ſie auch das Haus oder Gefaͤtz reinige / darinnen 
Sie ſollte den heiligen Seegen Abraͤhams einnehmen in ſeinem 
geſeegneten Saamen / und nicht etwan menſchliche Geifheitder 
Natur in Abrahams geſeegneten Saamen einfuͤhrete / ſondern 
daß fie eine rechte Göttliche Begierde in ſich Hatte / darein ſte den 
Saamen Abrahams faſſete. 

. 28, Und eben darumb machete fie GOtt unfruchtber big auff 
ihr Alter / daß nicht die viehiſche Luſt in ihr empor druͤnge / und 
ſich in Abrahams geſeegneten Saamen einmiſchete / denn fie 
foilte alle ihre menſchliche Krafft / als des Weibes Saamen im 
Bunde / welcher ſich in ihr nach dem Reiche der Natur bewegte / 
in den Saamen Abrahams geben / nicht aus der Geilheit vie⸗ 
hiſcher Luſt / ſondern aus Begierde der Natur des geformten 
Worts: Darumb muſte die in Adam eingefuͤhrete vichifche 
Luſt von ehe in ihr faſt wie gar erſterben / in weicher der Teuffel 
ſein Raubſchloß hat / auff daß nur die innere Natur noch in der 
Begierde ſtund / als des geformten Worts Eusnachder Creatur. 
29. Dann das verheiſſene Wort im Bunde mit Abraham / 
aus Abrahams Saamen / ſollte ſich in Saray Saamen / als in 
die weibliche Matricem in Veneris Tinctur einergeben / und den 
weiblichen Ens aus der Liebe Tinctur an ſich nehmen / welche ſich 
ran Adam in ein Weib geſchieden hatte. Zwar nicht nach er 

+ offen⸗ 


- ’ a we 

352. Bonperürbildung  Lap-yo: 
offenbahrten Leben des heiligen in ihr verfchloffenen himliſchen 
Entis, welcher in Adam und Heva verblich/ welcher erft in Chri⸗ 
ſto offenbahr ward / fondern nach dem Neiche der Natur des ges 
formten Worts / in welchem der himeliſche Ens verfchloffen lag / 
big auff die Bewegung des Bundes in Mariz Ente, da das Ziehl 
des Bundes am Ende ftund. 

30. Alfo muſte Hagar und ihr Sohn Iſmael / welcher nach 
dem Willen der Selbheit / als nach des Teuffels eingeführten 
Begierde /und nach feiner Äuffern Conftellation ‚ein Spoͤtter 
feiner Brüder / und zu ihrer Ubung ein Werckzeug der Natur 
feyn/ dadurch GOtt feine Wunder offenbahrete. 

31. Aber gleihwie GOtt die Natur nicht wil ewig von ihme 
verſtoſſen / ſondern brauchet fie alfo in der Zeit in einem Contra- 
rio, zu Eroͤffnung feiner Wunder ver Weißheit aus Liebe und 
Zorn / zur Gebährerin feiner Wunder : Alfo ift uns auch mit 
der böfen angebohrnen Eigenfchafft im Menſchen zuverftchen Z 
welche die Seele nicht richten mag. 

32. Aber der freyeWille dehn fie hat/fo fie damit in der Selb⸗ 
heit in der Boßheit bleibet / der verdammet ſte: Denn ſie wil nicht 
wieder in das Eine / als in die Ruhe eingehen: Ihr Verdamnuͤß 
iſt in ihr ſelber / und nicht auſſer ihr / ſie machet ihr die Hoͤlle in 
ihr ſelber / das tft / fie erwecket in ihr aus dem Centro der ewigen 
geiſtlichen Natur GOttes Grimm / als die Eigenſchafft der fin⸗ 
ſtern Feuer-Welt / in welcher fie nicht GOttes Liebe-Kind iſt / 
ſondern ſeines Zornes / deſſen Weſens ſie ſelber iſt. 

33. Denn ſo die Seele des eigenen Willens ſtirbet / ſo iſt ſie 
der Hoͤllen als dem Reiche der grimmen Natur abgeftorben : 
Nun kan ſie das in eigenem Vermoͤgen nicht thun / GOtt er⸗ 
blicke ſte dann wieder / wie allhie Hagar geſchahe / da fie ſagte: 
Du GoOtt ſieheſt mich; Und hieß darumb dieſelbe Stätte oder 
den Brunn / einen Brunn des Lebendigen und Sehenden: Denn 
der Brunn des Lebens hat ſich allda in ihr offenbahret / und ſie 
wieder zur Umbkehrung gefuͤhret. 

34. Denn fie ſollte mit ihrem Sohne nicht aus GOttes Bora 
ſatz verſtoſſen ſeyn /fondern GOtt ſtellete nur die Figur der bey⸗ 
den Reiche in ihrem Saamen / als in Iſmaels und Iſaacs dar: 
Denn alſo ſprach hernach GOtt zu Abraham: Dazu umb Iſ⸗ 
mael habe ich dich auch erhoͤret / ſiehe ich habe ihn geſeegnet / und 
wil ihn fruchtbahr machen / und mehren faftfehr : Zwoͤlff Fürs 
ſten wird er zeugen / und wil ihn zum groſſen Bold machen. 

35. Was nun GOLF geſeegnet hat / das ſoll der ME 

sıneH 


Cap.40. des Geiftes Gottes mit Hagaric.353 


feiner Vernunfft nicht entweyhen : Er hat ihn zum Regenten 
indas Reich ver Natur eingefeget / dag er die Wunder der Nas 
tur offenbahrete / und nicht zur Verdamnuͤß pr=deftiniret / wie 
Babel richtet <= Welcher ein Hirtenftab beffer in der Hand 
wäre / alsdie Geheimnüßder Schrift mit irrdifchen Augen zu 
erklären / und Schlüffe darein zu machen / welche dem Teuffel 
soohldienen / und die Menſchen leichtfertig machen. 

36. Dann obwohl Iſmael mit ſeiner Mutter Hagar hernach 
aufgeftoffen ward / daß er nicht konte zur Erbſchafft der Güter 
Abrahams kommen / das hat viel cin andere Figur / als es die 
Vernunfft anſtehet: EHE hatte ven Iſmael zum Fuͤrſten im 
Reiche der Natur geſetzt / und Iſaac zum Fuͤrſten im Reiche der 
Genaden: Iſmael ſollte frembde Güter beſitzen / wegen deſſen / 
daß er nicht war aus der Bundes-Linea entſproſſen / und Iſaac 
aus der Bundes-Linea war / darumb gab GOtt dem Iſaac Abra⸗ 
hams Güter / als das geſeegnete Erbe / dieweil er vom Seegen 
gebohren war / daß aus ihme der Herr der Güter kommen ſollte / 
ſo ſollte er dieweil ein Beſitzer derſelben Herrſchafft ſeyn / biß 
der Herr hernacher kaͤme / und Iſmael ſollte ein Knecht und Die⸗ 
ner des kuͤnfftigen Herren ſeyn. 

37. Denu die Kinder der Natur find Diener im Reiche der 
Genaden / nicht Herren im eigenen Willen / fie folkın nicht mie 
eigenem Willen in die Erbfchafft des Reiches Chriſti eingreif⸗ 
fen: Denn es lieget nicht an jemands felber wollen) lauffen oder 
rennen / daffelbe wollen und £önnen / in eigenem Willen nehmen 
fondernes lieget an GOttes Erbarmen / es ift ein Genadenreich / 
nicht cin ererbet Reich/aus einem Gefchlechte der Menfchen/fon= 
dern Bott gab es aus Genaden dem Abraham in ſeinen Saamen. 

38. Der Spoͤtter Iſmael muſte von dem geſeegneten Erbe 
außgeſtoſſen werden : Denn er war nicht aus der erblichen Li- 
nea, als aus GOttes ſonderbahren Gabe gebohren / wie Iſaac / 
welcher in Chriſti Perſon da ſtund; denn Chriſtus allein ſollte 
der Erbe des Seegens GOttes ſeyn / der es aus Natur-recht 
hatte / die andern aber allzumahl ſollten als feine Hauſgenoſſen 
ſeyn /denn Japhet foll in Sems Hütten wohnen/ nicht als cin 
Herrder Hätten) fondern als cin Diener. 

39. Denn auch die Perfon Iſaacs anders nichts darinnen 
iſt / nach feiner angebohrnen Adamiſchen Naturyals ein Diener; 
daß er aber zum Erben erfohren ward / das gefchah ihm von 
Gott/als einem Statthalter feines. Heran/der aus ihme entfpriefs 
fen ſollte / deſſen von GOtt gegebene Eigenfchafft er in ſich / als in 

der 


354° Von der Fuͤrbildung Cap.40. 


der Stätte des Bundes trug: Verſtehet / er trug Chriſtum in 
ſich im Bunde GOttes / dehme gebuͤhreten die Güter allein aus 
Natur⸗recht / denn er war Goͤttlicher Natur / GOttes Kind und 
Erbe alles deſſen / was GOtt erſchaffen hatte. 

40. Den andern aber allen gebuͤhreten die himmliſche Guͤ⸗ 
ter nicht aus Natur-rechte / denn fie hattendas Natursrccht in 
Adam verlohren/und kamen nur aus Gabe und Schenkung des 
Gebers darzu / aus GOttes Erbarmen ; darumb war Ifinael 
von Abrahams Gütern aufgeftoffen/ denn es war die Figur des 
rkuͤnfftigen Reiches Ehrifti allhier dargeſtellet. 

42. Und dag mans doch Flarfehe/ fo ficher mans an dehme 
genug / dag Abraham bey einer Egyptiſchen frembden Magd 
beylag/ und einen Sohn mit ihr zeugte aus feinem Saamen/ 
als aus feines Seibes-umd Scelen-Effeng / und denfelden Sohn 
her nachmahl gleich verglich von der Erbſchafft; dag es die Figur 
iſt der rechten Eindfichen Erkfchafft / dag Niemand Fönne zur 
Kindfihafft Fommen / er werde dem aus dieſem Bunde/ aus 
Ehrifti Fleiſch und Geifte gebohren. 

42. Der alte Adamiſche Menfch nach feinen eigenen Willen 
aus der Schlangen Ente wird außgeſtoſſen / und gang wegge⸗ 
morffen / er iſt nichts nuͤtze zum Neiche GOttes / er iſt nur cin 
Werckzeug / Damit Gott ſeine Kinder über und treibet / als ein 
Beſem da man das Haus mit kehret. 

43. Die Seele wu den eigenen Willen gantz in Ewigkeit 
verlaſſen / und mug in ihr felbereines neuen Seibes aus dem him⸗ 
lifchen Ente, ausihrem in Adam an GOtt verblichenen/ und aus 
Chriſti Geifte wieder dareingeführten himmliſchen Ente ge= 
bohren werden. . j 

44. Die grobe eingeführte vichifche Eigenfihafft wird vom 
Neihe GOttes außgeſtoſſen / auch gleich an allen Menſchen / 
welche aus Adams fündlicyen Saamen gezeuget find / an Iſaac 
und Abraham fo wohl als an Iſmael; aber ver Ens im Bunde 
foll ewig loben / und den rechten in Adam gefihaffenen Menfchen 
aus dem Limo der Erden/ als vom Reiche viefer Welt Weſen / 
am jüungften Tage wieder anzichen; aber nicht die Grobheit der 
Erden/fondern ven Ens des geformten Worts / der fich hatin ei⸗ 
ne Schöpffung eingegeben. 

45. Der innere Ens Chrifti /dehn die Seele zu einem himm⸗ 
liſchen Leibe aus Chriſti Geiſt / und aus feinem Fleifch und Blur 
te an ſich anzeucht /deriftgeiftlih. Es ift ein geiftlicher Leib / 
welcher nicht ſtirbet mit Dem Sterben des Auffern Da 
| wi 


- 


Fun re Tu nn 


. z ö — a * 
3 * #7: ur 8, 
Cap40 des Geiſtes Gottes mit Hagar ic. 355 
wird guch nicht begraben / ſtehet auch nicht auff / ſondern er iſt in 
Chriſto fuͤr alle und in allen geſtorben und begraben worden / 
und aufferftanden/ und lebet ewig / denn er iſt vom Tode zum Le⸗ 
ben hindurch gedrungen. 

46. Und darumb kam Iſmael nicht zur Erbſchafft ſeines 
Vaͤtters Guͤter / denn er hatte noch nicht Chriſtum im Fleiſch 
und Geiſte angezogen: Iſaac aber hatte ihn im Bunde / als im 
eingeleibten Worte angezogen / und hatte Chriſtum im Bund 
aus GOttes Gabe nun für Natursrecht in ſich / nicht aus feiner 
Gewalt / fonvdern aus des Gebers Gewalt / aus Gewalt des 
Buntes. 

47. Iſmael aber follte nun den Bund aus Chrifto ansichen / 
und nicht aus angeerbter Kindſchafft / wie Chriſtus / der ihn aus 
GOtt in kindlichem Recht anhatte; und fehlet Dem Iſmael jetzt 
nur dieſes / daß er fich in dem Brunnen des Sehenden und Leben⸗ 
digen follte beſchauen / wie feine Mutter Hagar thäte / und wie⸗ 
der mit dem perlohrnen Sohn zum Batter kommen / und Abra⸗ 
ham / das ift / feinem Erben Iſaac in Ehrifto zu Fuß fallen/ und 
bitten / daß er ihn in fein Haus) welches Chriſti Menfchheit/als 
die geiftliche Welt iſt / wolte zu einem Zaglöhner und Diener 
annehmen / denn er hätte fein Recht zu feiner Erbfchafft/ cr wäre 
nur ein Stieff-Bruder von einer frembden Mutter /als vom 
Reiche der Ratur gezeuget. 

48. Und umb derer Willen war Chriſtus kommen / daß er 
ſich ihrer erbarmen wolte /denn er fprac auch felber alsering 

Fleiſch kam / er ſey nicht kommen zu fuchen den Gerechten / ſon⸗ 
dern den armen Suͤnder / ſeine Bruͤder in Iſmael und Adam / 
nicht feine Linea in Ifaac / denn der Gerechtfertigte darff des 
Arktesnicht / ſondern der Krancke verwundete arme Sünder. 
49. Und wollen nicht alſo blind die Predeftination und Ge⸗ 
nadenwahl hierein fchlieffen / wie Babel thut; welche lehret / 
Gtt habe einen gewiffen Hauffen und Anzahl zur Verdam—⸗ 
nüß geordnet / und den andern zur Seeligkeit. 

so. Wenn das wäre /fo ware die Natur in ein gewiſſe Maß 
eingeſchloſſen / wen fie follte ein Kind GOttes gebähren / und 
gieng nicht mehr im frepen Weſen; auch hatte GOtt feinen une 
wandelbahren Willen in ein Anfang und Ziel gefchloffen/ und 
wire immenfchlicher Eigenfchafft nichts mehr frey/ fondern was 
ein jeder thäte / das muͤſte er unvermeydlich alſo thun /er raubte 
over frähle / er mordete sderfäfterte GOtt / und lebte gleich wie 
er wolte / ſo muͤſte es alſo ſeyn; wo das wahr iſt / ſo ſeynd Die ze⸗ 

ji hen 


- 


356 Bon der Fürbildung Cap.40 


hen Gebott / und alle Schre und Gefege gantz nichtig / und darff 
Keiner Buſſe thun / GOit swing ihn denn darzu. 

51. Ich ſage / der alſo lehret / der braucht und fuͤhret den Nas 
mer GOttes unnuͤtzlich / und entheiliget den Namen GOttes / 
welcher von Ewigkeit frey iſt / welcher ſich allen aruen Suͤndern 

anbeut / und ſie alle zu ſich heiſt kammen. (Matrh. ız.) 

52. Der Bund ward wohl mit Iſaac auffgerichtet / als die 
Göttliche Macht und Heriſchafft / fie ward aber keinem Men⸗ 


ſchen in der Bundes-Linea gegeben / als nur allein dem Menfchen ' 


Chriſto / auffdag keiner aus Recht zu GOtt kaͤme / fondernalle 
inder Genade des Einen / daß ſich GOtt aller in Chrifto erbar= 
mete / und auffer dehme Feine Genaden-thür mehr wäre/ den Ju⸗ 
den / als Abrahams Saamen /umd auch den Heyden /alle nur 
aus Genaden angenommene / und inihmenenerbohrne Kinder/ 
und feiner auffer dem Leben Chriſti / die Juden und auch. Heyden; 
Ale Menfchen / welche zu GOtt eingedrungen / als zu feiner 
Genaden / die hat er allein der Genade / die er inChrifto darbeuth / 
angenommen. 

53. Darumb batt auch Chriſtus für feine Feinde / welche ihn 
nicht Fanten/ ſondern creutzigten / daß ihnen GOtt wolte in ihme 
vergeben und fie zu Genaden annehmen; in welchem Zugange 
alle Voͤlcker / ſo Chriſtum im Fleiſche nicht kennen / aber zu GOt⸗ 
tes Genaden fliehen / eine offene Pforte haben / und in GOttes 
Erbarmen eingenommen werden. 

54. Denn auffer Chrifto komt Fein Menfch zur Eindfichen 
Erbſchafft / ihme allein gebühren die Güter / als die Hierarchia 
der Menfchen/wie er auch fagte : Vatter / die Menfchen waren 
dein / aber du haft fie mir gegeben / und ich gebe ihnen das ewige 
Leben; Und darumb gebühret fie ihme / daß er GOttes Sohn 
iſt / aus feinem Weſen von Ewigkeit gebohren. 

55. Adam war auch GOttes natürlicher Sohn / dehn er aus 
ſeinem Weſen hatte geſchaffen:Aber er verlohr die Kindſchafft un 
das Erbe / und ward außgeſtoſſen / und mit ihme alle ſeine Kinder / 
gleich wie Iſmael von der kindlichen Erbſchaft außgeſtoſſen ward. 

56. Denn inAbraham ward das Erbe der wahren Kindſchafft 
wieder offenbahr; aber Iſmael war nicht aus dem Erbe der 


Kindſchafft gebohren / ſondern aus dem außgeſtoſſenen Saamen: 


Nun both aber GOtt aus Genaden fein heiliges Erbe in Abra⸗ 
ham wieder dar / daß er wolte den außgeſtoſſenen Saamen in 
dieſer neuen Mutter / welche ſich in Abrahams Saamen eingab / 
wieder in ſich zu einem kindlichen Saamen gebaͤhren. 


sz Nicht 





Cap. 40. des Geiſtes Gottes mit. Bagarhıc. 357 


57. RNicht daß der abtrünnige in Adam außgelauffene Wille, 
inder Selbheit in Iſmael follte in diefe Mutter genommen wer: 
den ; Mein / derfelbe wird von dem Findlichen Erbe mit Iſmael 
in alle Weege außgeftoffen/ er kan nicht neugebohren werden) er 
fterde denn feiner Selbheit und Selb-wollens / und komme in 
einem umbgekehrten Willen zu GOtt in Chriſto / in Geftalt des 
verlohrnen Sohns / der niches aus Natur⸗recht wil noch begeh⸗ 
ret / als nur allein dag fich der Herz der Güter über ihn erbar> 
me/und ihn wieder zum Tagloͤhner annehme: Denfelben umbge⸗ 
Eehrten Willen propffet GOtt in fein Genaden⸗geſchencktes 
Erbe / als in die Güter Abrahams in Chriſto ein/ und machet ihn 
zum Erben in Iſaacs Gütern /alsin Iſaacs geſchencktem Erbe 
in Chrifto. 

58. Iſmael ward von Abrahams / als von GOttes Gütern 
außgeſtoſſen / daß er follte zu feinem Sohn Eommen / dehme er 
dag gange Erbehatte gegeben / und ihn umb die Findliche Erb⸗ 
ſchafft bitten /denn der natürliche Adamifche Menfch hatte es 
verlohren; und daffelbe verlohrne ward dein Bunde Abrahams/ 
als dem gefeegneten Saamen gefchgndet / als dem Menfchen 
Chriſto / derfelbe ſchencket es nun dehnen die zu ihm kommen. 

59. Alle Menfhen die zu GOtt dem Vatter kommen / und 
ihn umb die ewige Kindfchafft bitten / dehnen allen ſchencket er 
die Kindſchafft in feinem Sohn Chrifto / welchem er das ganze 
Erbe/alsdiemenfchliche Hierarchiam , als den Befig des Thro— 
nes der Englifchen Welt 7 im Locodiefer Welt geſchencket hat / 
und ihme alle Macht der Herıfchafft darinnen gegeben/ ( Matth. 
28.) da er fagte: Mir ift aller Gewalt im Himmel und auff Er> 
den gegeben worden von meinem Batter. 

60. Denn Gott der Vatter regieret den Locum diefer Welt 
in feinem Sohne Ehrifto ; und alle Menfchen fonun zu GOtt 
kommen / die Eommen in Chrifto / welcher der HErr /als der 
Mund feines Battersift/ zu ihme. 

61. Ehriftusiftder Stab) damit GOtt feine Schafe weydet:⸗ 
In der Stimme Ehrifti werden alle arıne Sünder / welche ſich 
zu GOtt wenden / eines neuen Willens und Lebens gebohren } 
und in Ehrifti Tode fterben fie des eigenen Willens der Selb» 
heit in der Findlichen Gebuhrt / in der Stimme Chriftiabe. 

62, Denm Chriftus ift der menſchlichen Selbheit indes Bat» 
ters Zorne abgeftorben / undift mitdem Willen der Selbheit in 
ewigen Tod begraben worden / und iſt in feines Vatters Willen 
aufferftanden/ und lebet und herrſchet in Ewigkeit in feines 
Batters Willen, 63. GOtt 


358 Wron der Fuͤrbildung Cap. 40. 


63. Gott der Vatter fuͤhrete feine Stimme und Wort / als 
feine Offenbahrung / in den Saamen Abrahams ein /als in den 
menſchlichen Willen der Selbheit / und fuͤhrete denſelben Wil⸗ 
len der menſchlichen Selbheit mit ſeiner eingefuͤhrten eigenen 
Stimme in den Tod und in die Hoͤlle / welcher Tod und Hoͤlle 
in der menſchaichen Selbheit eigenes Willens offenbahr war / 
und zerbrach den Tod und die Hölle in Kraft feiner geoffenbahr⸗ 
ten Stimme) in der Stimme und Wort der Menſchlichen 
Selbheit / daß der Menſch nicht mehr ihme felber wolle / ſon⸗ 
dern was er nun wil / das foller in der geoffenbahrfen Stimme 
GOttes wollen. 

64. Alſolang Iſmael in der Stime feiner ſpoͤttiſchen Selbheit 
wolte / konte er kein Erbe dieſer eingeführten geſchenckten Güter 
ſeyn; ſo er ſich aber zu GOtt bekehret hat / und den Willen der 
Selbheit verlaſſen / fo ſchicket ihme GOtt den Engel auch noch 
in feiner Mutter Leibe zu amd ſpricht: Kehre wieder zu Der 
Freyen / und demühtige dich inter ihre Hand / fo ſoltu leben. 

65. Denn in Mutter $eibe war Sfinaclflüchtig worden von 
Gott; deutet an die fluͤchtige menfchlihe Natur indie Selb> 
heit / und in Mutter Leibeſchickete ihm GOtt einen Engel zum 
Wiederruffe: Deutet an/ daß ade gottlofe abtrinnige Men⸗ 
ſchen / auch noch in Mutter Leibe in ihrer eigenen Effeng und 
Weſen durch GOttes Stimme und auch die Zeit ihres gantzen 
Lebens in fich felber gerufen tserden ; allein der natürliche Wil⸗ 
le der Selbheitverftopffer fein Gehoͤr / daß vie Stinime Gottes 
nicht darinnen offenbahr wird. 

66. Das ift/ gleich wie die Sonne den ganken Tag ſcheinet / 
und ſich aller Efeng einergibet / welchenur ihre Krafft einneh⸗ 
men wil: Alfo ſchallet auch die Stimme GOttes durch alle 
Menfchen zum Wiederruff diefer Zeitihres ganken Lebens; fo 
bald der Saame in Mutter $eibe gefüct wird / fo fihallet die 
Stimme GoOttes darinnen zu ciner guten Frucht: Aber hinges 
gen fhallet auch die Stimme des Zorns GOttes in der Eflenf 
der Menſchlichen Selbheit: Es ift ein ſtaͤtes ringen zroifchen 
ihnen / wie mit His und Kaͤlte; welches fieget/ deſſen ift die‘ 
Srucht; diefer Streitwähret / weilder Mensch in diefer Welt 
feber. 

67. Darum fagen wir mit Grunde / dag man nicht ſoll 
Schluͤſſe machen über die Kinder der Heiligen GOttes / als ob 
Gott haͤtte alſo aus feinem Vorſatz einen zur Verdamnuͤß ges 
zeuget / und ihn verſtocket / daß er nicht Fönte zur zundeh 

om⸗ 





Cap. ao. des Geiftes Gottes mit Hagarlıc. 359 


kommen; und den andern in ihme erwaͤhlet / daß er nicht könte 
rerlohrenwerden: Es iſt lauter Ungrund. 

68. Bey den Stämmen der Heiligen / in deuen fihder Bund 
GHDttes hatte eröffnet/ als bey den Patriarchen, als Adam / 
Noah / Abraham, Iſaac und Jacob / find allezeit zweyerley 
Bilde dargeſetzet worden / als Chriſtus und Adam / ein guter 
und ein boͤſer Menſch. 

69. Cain / Ham / Iſmael und Eſau waren Bilder des ver⸗ 
derbten Menſchen; und Habel / Sem / Iſaac und Zacob wa⸗ 
ten Bilder Chriſti / welcher ſich in dieſer Linea eroͤffnete / und 
den verderbten Adams-kindern darſtellete / als zu einem Liecht 
und Prediger / ſie zu bekehren. 

70. Dim GOTT haͤtte feinen Sohn nicht geſandt / daß er die 
Welt als den armen verderbten Menſchen / ſoll richten / ſon⸗ 
dern hat ihn darum in die Welt unter den gottloſen Hauffen 
boͤſer Menſchen geſandt / daß er ſie ſoll lehren / und ruffen / und 
die jenigen welche hoͤren wollen / ſoll ſeelig machen / welche nur 
ein Fündlein Goͤttliches Entis zum Gehoͤr in ſich haben. In 
alle dieſelbe ſchreyet die lebendigmachende Stimme Chriſti in 
das kleine Fuͤncklein ein / und ruffet / das iſt / blaͤſet das kleine 
Fuͤncklein auff / daß es ſoll ein goͤttlich Feuer werden. 

71. Und daß man doch der blinden felbgenannten Chriſtenheit 
die Augen weit auffthue in ihrem Ruhm / ſo wohl auch den Ju⸗ 
den / daß ſie nicht eben alſo auff ihre Wiſſenſchafft pochen / als 
waren fe allein darum GOttes Kinder / daß ſte den Namen 
GOttes wiſſen / nnd fi des Wiſſens troͤſten / und andere 
Voͤlcker denen das Wiſſen in ihrem Willen benommen iſt / 
und in eine andere Wiſſenſchafft eingefuͤhret verdammen / wie 
fie leyder alſo blindlich thun / auff daß ein Volck das ander übe: 
So wiſſet / daß Cain / Ham / Ifmael und Eſau das Bilde der 
Tuͤrcken und Heyden ſind / welche GOTT in Iſmael geſeegnet / 
und ihnen die Fuͤrſtenthum in ſeinem Reiche dieſer Welt zum 
Beſitz gegeben / und ſie im Selb-wiffen von dem Wiſſen der 
Kindſchafft Chriſti ausgeſtoſſen / wie er Iſmael ausſtieß und 
ruffet ſte aber in Mutter-$eib mit dem Engel des groſſen Raths 
wieder in die Freye / als in Gottes Güter / dag ſie ſich ſollen 
zu ihme wenden. N 

72. Denn fie liegen unter der Dede Chrifti verfchloflen / 
gleich wie Chriftus unter dem $evitifchen Prieſterthuin unter 
Moſe; und wie die Kinder Iſrael unter dem Gefege nicht 
durchs Geſetze gerecht wurden / ſondern durch dehn / welcher unter 
dem 


» 


360 Don der Firbildung Cap. ao, 


dem Gefeße verborgen ſtund: Alfo ſtehen ſie unter der rechten 
Wiffenfchaft verborgen / und liegen gleich als wie in Mutter 
Leibe verfchloffen. 

73. Aber der Engel des groffen Raths ruffet fie durch ihre 
Mutter die Hagar / als durch das Reich der Natur / dag fie 
die Mutter mit ſamt dem Kinde foll wieder zu Saray/ alszur 
Freyen einkehren / als zu dem einigen GOTT] welcher aus 
der Freyen hat feinen Sohn gebohren ; fo kommen ſie gleich 
unter ver Decke / alswie in Mutter Leibe zu der Freyen/ als 
zu dem einigen GOTT / welcher ihnen ausder Freyen hatden 
Kern (in deffen Güter fie als Fremdlinge In Genaden anges 
nommen werden) zu Haufgenoffen gebohren. 

74. Denn gleichwie fich Iſmael nicht zu Iſaac wendefe / um 
der Erbfehafft willen / welche doch dem Iſaac aus Rechte war / 
wegendes HErrn in ihme / der es ihme geſchenckt / und ihn zum 
Verwaͤlter geſetzt hatte / ſondern wolte das Erbe vom Vatter 
haben: Alſo haben ſich die Tuͤrcken auch von Iſaac / als von dem 
Sohn zum Vaͤtter gewendet / und wollen die Erbſchafft GOt⸗ 
tes vom Vatter haben. 

75. Nun iſt uns aber der Vatter im Sohn offenbahr: wenn 
ſie jetzt den Vatter anruffen / ſo hoͤret er allein im Sohn / als 
in ſeiner geoffenbarten Stimme in Menſchlicher Eigenſchafft / 
und dienen ſte doch dem Sohn im Vatter. 

76. Denn wir Menſchen haben keinen GOTT mehr auffer 
Ehrifto dem Sohn / denn der Vater hat fich gegen ums mit feis 
ner Stimme im Sohn geoffendahret/ und höret uns allein durch 
feine geoffenbahrte Stimme im Sohn. 

77. Wenn nım die Tuͤrcken den Vatter anbehten/ fo höret 
er fie im Sohn / und nimt fie allein im Sohn zur Kindſchafft 
an/ in welchem fih GOTT einig allein wieder in menfchlicher 
Eigenfchafft hat geoffenbahret/ und in keiner anderen Eigen» 
ſchafft mehr. 

73. Nun ſpricht die Vernunfſt: Wie können fie zur Kind⸗ 
ſchafft Chriſti kommen / weil fie den Sohn nicht haben wollen 
für GOttes Sohn / und ſagen / GOTT habe keinen Sohn? 
Hoͤre du Menſch / Chriſtus ſprach: Wer ein Wort redet wi⸗ 
der des Menſchen Sohn / deme wirds vergeben / wer aber den 
H. Geiſt laͤſtert / der hat keine Vergebung ewiglich; das iſt td 
viel geſaget: 

79. Wer die Menſchheit Chrifti in Unverſtande antaſtet / 
als fein eigen Fleiſch / dehme kans vergeben werden / denn er * 

m 


Cap.40. des Geiſtes Gottes mit Hagar / rtc. 361 


net nicht was die Menſchheit Chriſti iſt: Wer aber den H. 
Geiſt laͤſtert als ver einigen GOTT / welcher ſich in der 
Menſchheit hat geoffenbahret / da der Vatter / Sohn und H. 
Geiſt ein ciniger GOTT innen iſt / der hat keine Bergebung 
ewiglich / das iſt werden Einigen GOTT verwirfft/ der hat 
fich won ihme gang abgebrochen in cin Eigenes. 

80. Run laftern die Tuͤrcken nicht den H. Geift / der fi} in 
der Menſchheit Hat offenbahret / fondern jte fagten Die Menſch⸗ 
heit Chriſti anı und fügen: Eine Erentur koͤnne nicht GOtt 
ſeyn. 

81. Daß aber GHtt in Chriſto gewuͤrcket hat / und die Wun⸗ 
derthaten gethan / das geſtehen ſie / und laͤſtern nicht den Geiſt / 
welcher in Chriſto gewuͤrcket hat / als in der Menſchheit: Ihnen 
iſt Blindheit wiederfahren / daß ſie unter einer Decke hinfahren. 

82. So ſpricht die Vernunfft: GOtt hat ihnen den Leuchter 
weggeſtoſſen und fie verworffen: Höre du Menſch / was war 
die Urſache / daß ihnen GOtt den Leuchter / wie er in S. Johan⸗ 
ne dreuete / wegſtieß / und ſie unter die Decke verſchloß? Meyn⸗ 
ſtu es ſey ohne ſein Vorwiſſen / ohne ſeinen Willen geſchehen? 
Nein / es iſt mit ſeinem Willen geſchehen. 

83. Er lieg zu / daß ihnen das Reich der Natur eine Ver⸗ 
nunfftelehre gab / Bieweil die Chriftenheit war an Chriſti Pers 
for inder Bernunfft blind worden] und um Chriſti Menfchheit 
zancketen / und verfelben allerley Schmach und Un-ehr uthaͤ⸗ 
ten / wie denn bey den Arrianern geſchahe / da man feine Gott- 
heit leugnete / und die Biſchoͤffe in ihrer Geitzigkeit ſein Vera 
dienſt in feiner Menfchheit uns Bauchs Willen/ inihre Bauch⸗ 
orden zogen / und allerley Leichtfertigkeit auch mit Schweren/ 
Fluchen und Zaubern bey feinem Leyden und H. Wunden veruͤ⸗ 
beten: da denn der H. Name Gottes / welcher ſich hatte im 
der Menſchheit geoffenbahret gemigbrauchet ward; foverbarg 
ih GOtt vor ihnen in ihrem Berftande / daß fie erftlich mit den 
Arrianern ander GOttheit Ehrifti blind worden. - 

84. Hernach als fie nur ja wolten blinde Thiere ſeyn / ſo ver⸗ 
barg er fich auch in der Türdifchen Religion für ihnen mitder 
Menfchheit/ dag fie alfo des Leuchters der Welt gantz beraubet 
würden / und gieng ihnen wie der Prophet zu Iſrael unter ihrem 
Koͤnige ſagte: Ach! ich muß dir wieder Richter geben / wie vor 
Alters her. 

85. Alſo ward ihnen der Koͤnig des Liechts in der Menſchheit 
entzogen / und ward ihnen wieder das Richter⸗ambt der Natur 

Q zum 






362 Don der Fuͤrbildung Cap.40. 


zum Führer gegeben / das fie fich wiederin Mutter Leibe / als 
in die Wurgel / daraus der Menfch ward gefchaffen worden / 
wendeten/ als zu dem Einigen GOtt / auff daß der Name und 
die der heiligen Menſchheit Chriſti doch bey ihnen 
verloͤſche. 

86. Daß ſie denſelben nicht alſo unnuͤtzlich zum Schwur und 
falſchen Schirm braucheten / ſo muſten ſte wieder in Hagar / 
als in Mutter Leib eingehen; und ſind ja jetzt ein lange Zeit von 
Chriſti Menſchheit / als aus Abrahams Gehaͤuſe ausgelauffe⸗ 
ne Voͤlcker in ihrer Mutter Hagar geweſen. 

87. Aber das ſoltu wiſſen / und ſagen das / als ein 
Wort des Hoͤchſten in ſeiner Poſaunen Schall er— 
kannt / welche ev gerichtet hat alle Voͤlcker zu erwecken / 
und den Kreyß der Erden heimzuſuchen; daß der En— 
gel des groſſen Rahts / als die heilige Stimme Ehri- 
fti/ nicht alſo von ihnen gewichen ſey / ſie ewig zu ver: 
geſſen; fo wenig eine Mutter Fan ihres Kinds ver— 
geſſen / daß fie ſich nicht wieder erbarme über den Sohn 
ihres Leibes | ob er ihr wäre ungehorfahm worden. 

88, Denn gleich wie der Engel zu Iſmael / als feine Mutter 
für Saray flohe / kam / als er in Mutter Leibe lag / und ihn mit 
ein eegen und weltligen Fuͤrſtenthuͤmern verfahe / und die 
Mukter mit dem Kinde hieß wieder zu Sarah Eehren; Alfo 
auch / nachdeme die Morgenländer wieder in Mutter Seibe mir 
ihrer Erkäntnäß der Religion eingiengen/ ſo gab ihnen GOtt 
im Reiche der Natur den Gewalt über die Fürftenthümer der 

Welt / Die unter dem Liechte der Natur zur beherrfchen / big 
auff ſeine Zeit/ fo follen fie mit groffen Freuden und mit grofa 
fer Demuht wieder zu Abraham / als zu Chrifto eingehen. 

89. Und nicht inder Form der Babyloniſchen geformten Buch⸗ 
ſtaben⸗Chriſtenheit in alle ihre gedichtete Orden / welche nur 
Buchſtaben⸗ Chriſten find (auff daß doch eine Zeugnuͤß von 
Chriſto und feinem Neiche ift auff Erden blieben /) fondern 
im Geifte und inder Krafft werden fiegebohren werden / denn 
fie find der werfohrne Sohn / der von feinem Batter ift ausges 
wandert und zum Sauhirten worden. 

90. Wenn fie aber der Engel wird heiffen wieder: 
kommen / fo Fommen fie in der Demuht des verlohr⸗ 
nen] und wieder zum Vatter kommenden / Sohns I 

da 


Cap 40. des Geiſtes Gottes mit Hagarrc. 365 


da denn die groſſe Freude wird bey Chriſto und ſeinen 
Engeln gehalten werden / daß der Tode lebendig / und 
der Verlohrne wieder funden iſt / und gehet bey ihnen 
auff das rechte guͤldene Jubel-Jahr der Hochzeit 
des Lamms. 

gr. Und ob gleich der ältere Bruder (als der im Buchſtaben 
blieben iſt) darum gruntzet wegen der ungleichen Form / fo tie 
ihnen felber gemacht haben] meiften Theils zu ihrem Bauche 
und Ehren/ Das gehet fie nichts au fie ſind mit dem Batter 

oͤlich. 
ſe 92. Wan man nun die gemahlete Chriſtenheit und die Tuͤrc⸗ 
fon jet gegeneinander ſtellet / und recht befichet / fo fichet man 
das fie (ſint der Zeit/ als fih die Türdenhaben von ihnen ges 
fhieden) find vor GOTT in Heiligkeit und Gerechtigkeit / 
nur cin einiges Volk gewefen / mit unterſchiedenen Namen. 

93. Und find die 2. Söhne / da der Vatter ſaget zu einem: 
Gehe hin und thue das/ under fagte Ja / thäteesaber nicht; 
und zum-andern auch / thus das / und er fagte Nein / gieng 
aber hin / thaͤte es: Welches die Türden alſo hoch erhoͤhet / im 
den Reiche der Natur / welches die blinde Chriftenheit nicht 
verſtehet. 

94. Nicht daß wir die Tuͤrcken rechtfertigen / und ſagen / 
daß fie in ihrer Blindheit ſollen bleiben: Nein / ſondern den 
gemahlten Chriſten fagen wir es / daß fie vor GOTT gleich 
find/ indehme fie ja fo blindam Reihe Ehrifti find / als die 
Tuͤrcken / wie fihs beweifet/ dag die Chriſtenheit voll Streit 
und Zandee ift/ umb Chriſti Gottheit und Menfchheit/ und 
den H. Namen in feiner Menſchheit greulich entheiligen / und 
nur zum Gebrand des Schwurs und zur Abgoͤtterey brauchen / 
undvom Schwerd des Heiligen Geiftes inein Blutſchwerd ein⸗ 
gegangen find / da nichts als Zanden und Berachten innen ift / 
und die ganse genannte Chriftenheit zu eitel Secten und Orden 
worden iſt / da je eine Secte die ander verachterumd für unges 
recht fchilt/ und haben alſo aus der Chriftenheit eine lautere 
Merpgruben / voll Säfterung umb Chriſti Perfon und den 
Geiſt Eprifti / indeme ein Ehrift foll in hoͤchſter Demuth leben? 
zu cinem Difputier- Orden gemacht / und die thörichte Ver— 
nunfft zum Meifter des Berftandes über Chrifti Reich geſetzet. 

95. Was follman dennnunnon der Ehriftenheit/ undvon 
den Tuͤrcken fagen/ dag man fie vergleiche? Alſo fagen wir : 

Q2 Der 


64 Bon ver Sinbildungse. Gap. 407 


Der Türde iſt offentlich ein Ifinachiter und Spoͤtter der 
Menſchheit Ehrifti/ und halt die nicht für GOttes und Mens 
ſchen⸗Sohn zugleich: Denn er verſtehet nicht den himmliſchen 
Zus in der Perfon. 

96. Aber die Secten der Chriſtenheit / decken ſich zwar mit 
Chriſti Mantel um / greiffen ihm aber in ſeine Menſchheit und 
Gottheit ein / und ſchaͤnden ihn auch in der gantzen Perſon / 
zerren und reiſſen ſich umb ſeine Perſon / und wil einer hin / der 
ander her / ein jeder wil Meiſter uͤber ſeine Wort und Geiſt ſeyn / 
and ſpotten alſo Chriſtum in feinen Gliedern / find chen folche 
abtruͤnnige außgeflohene Ifmacliter / als die Türen / und le> 
ben in eigenem Willen / und dienen dem Reiche der Natur / zu 
ihrer Selbheit und Wolluſt. 

97. Ein Chriſt ſoll der Selbheit mit Chriſto geſtorben und 
in Thriſto auffgeſtanden / und aus Chriſto gebohren ſeyn / 
und Chriſtum haben angezogen / daß er in Chriſto/ in Chriſti 
Geiſte/ und himmliſchen Fleiſche nach dem innern geiſtlichen 
Menſchen ein Chriſt ſey. 

98. Aber an deſſen Statt hat man Babel und den Antichriſt 
angtzogen / und ruͤhmet ſich in den Orden / und in den ſteinern 
Haͤuſern der Kirchen und Stifften der Chriſtenheit / da heucelt 
man ja Chriſto etwas / dieweil man ſeiner Apoſtel hinterlaſſene 
Schrifften allda lieſet / hernach aber mit dem Predigen meiſten⸗ 
theil nur das Reich der Natur neben dem Zanck und Diſputiren 
darein fuͤhret / und die Zeit mit diſputiren und ſtreiten der 
Secten zubringet / daß eine Park die andere außrichtet / und 
den Zuhörern die Ohren vergallet und verbittert / daß eine Secte 
die andereanfeindet/ und für Teuflifey aufifchreyet / darauf 
nichts als Krieg und Unmillen / auch Verwuͤſtung Sand und 
Städte herfomt. 

99. Alfo find fie vor Gott alle gleich / und liegen alle gleich 
wie in Hagar in der todten Vernunfft verfehloffen / außge⸗ 
nommen die rechten Kinder Gottes / welcher ja noch etwan un⸗ 
ter allen Böldern und Secten gefunden werden / aber gan 
alter und veracht / und find der VBernunfft- Welt auch unter 
Chriſti Creutz⸗ Decke verdeckt. 

100. Denn gleich wie die vier Elementa der Sonnen Krafft 
in ſich faſſen/ und man in der subſtantz das Corpus, Doch nicht 
die Sonne ſiehet / ob ſie gleich darinnen wuͤrcket: Alſo iſt auch 
der Geiſt Chriſti in den Kindern GOttes verdeckt. Aber gleich 
wie ein Kraut aus der Erden durch der Sonnen⸗ 

se 


Cap. 41. Von dem Siegel des Bundesrc. 355 


ſchoͤne Blume und Frucht herfuͤr bringt: Alſo ei GOttes 
Kinder aus ihrer albern Ungeſtalt. 


Das 41. Capittel. 


Von dem Siegel des Bundes der Beſchneidung der 
Vorhaut / und von der Tauffe. 


$5 GOTT den Bund mit Abram gemacht hatte/ 
und ihn geſeegnet / und zum Vatter vieler Voͤlcker 
gemacht hatte / welche durch ihn als durch Abrams 
Seegen im Bunde ſolten geſeegnet werden / ſo gab 
er ihme das Siegel des Bundes / als das Zeichen 
und die Figur / auff welchen Ens der Seegen gienge / und zeigete 
idme in dieſer Figur an was am Menſchen ſolte den ewigen 
Seegen ererben und beſitzen / als nehmlich / nicht der grobe 
irrdiſche viehiſche Menſch / welcher in Luſt des Fleiſches aus des 
Mannes und Weibes viehiſchen Luft empfangen und gebohren 
werde / welcher fich in Adam nach ver thierifäjen und vichifchen 
Eigenſchafft der zertheilten Sehens Eſſentz einflochte / nicht auff 
dieſen gieng der Bund und Seegen / fondernauff den geform= 
fen Ens des Worts / aus dem Limo der Erden / ausder Himm⸗ 
liſchen Welt Eigenfhafft: nicht auff den eingeführten Schlans 
gen⸗Ens, aus der finſtern Welt Weſen und Eigenſchafft / ſon⸗ 
dern auff die Seele und ihren rechten Leib / welcher ihr in Adam 
geſchaffen ward. 

2. Und ſiehet man allhie bey der Beſchneidung das Bilde/ 
Daß die viehiſche Vermiſchung Mannesund Weibes vor GOt⸗ 
tes Heiligkeit ein Eckel ſey / welcher doch unter goͤttlicher Ge⸗ 
dult ertragen wird / weil es nun nicht anderſt mitdem Menſchen 
ſeyn mag / und er die magiſche Gebuhrt des Paradiſes verloh⸗ 
ren hat / denn allhier ſtellete GOtt die Figur in der Beſchnei⸗ 
dung dar / daß ſich alles was männlich war / muß laſſen an die⸗ 
ſem Gliede der Fortpflantzung des maͤnnlichen Saamens be⸗ 
hneiden / in dem der Mann ſeinen eigenen Willen / aus der 
Natur Eigenſchafft in ſeinem Saamen ſaͤct: fo ſtellete GOtt 
die Figur mit der Abſchneidung beydes des irrdiſchen Saamens / 
auch Gliedes und Willens dar: Denn der Geiſt im Bunde 
ſolte dieſe Figur in dem innern geiſtlichen Menſchen / durch 


Chriſti Tod aͤbſchneiden / fambt dieſem viehiſchen Willen und 
Begsierde. 


6; ee 3. Denn / 





366 Von dem Siegelder Bundes) Cap.ar. 


3. Denn nicht des Mannes oder Weibes viehifcher / grob 
irrdiſcher Saame foll den Bund und Seegen anzichen / wie 
Chriſtus auch faget/ fondern der / der nicht aus dem Willen 
des Mannes/ noch aus dem Fleiſche fordern aus GOtt ge⸗ 
bohren iſt; die vichifche Gebuhrt ſambt dero Gliedern/ muß 
Durch den zeitlichen Tod abgefrhnitten werden / und inder ins 
nerngeiftlihen Gebuhrt durch Chriſti Todt fterben / und in den 
ewigen Tod als ins Nichts begraben werden. 

4. Weil fich aber der Bund GOttes hatte in Abrahams 
Saamen eingeleibet zu einer Fortpflansung / fo ſtellete ihm 
GOtt allyie mit der Beſchneidung die Perfon Chriſti fürs in 
welches Tod folte diefes Thier und Monftrum fterben / und aus 
feinem Tode einenene Englifche Formhervorgehen. Denn die 
Beſchneidung war nichtdie Verſoͤhnung / ſondern der gefaffete 
Glaubens:Ens war die Verführung / aus welchen Glaubens 
Ente folte Ehriftus gebohren werden / die Befchneidung aber 
war das Zeichen / dag der Glaubens Ens im Worte GOttes fola 
te den irrdiſchen Saamenabfchneiden. 

5. Denn das lebendige Wort GOttes fahein Bund / und 
am Bunde lag der menfchliche Saame des himmliſchen Theils 
verblichen / und fiund in dem verblichenen Ente das Ziel der 
neuen Wiedergebuhrt in Chriſti Bewegung / da fihdas Abort 
Goͤttlicher Tinctur und Krafft wieder in der rechten in Adam gea 
ſchaffenen Menfchheit wolte bewegen / und auch in den Kindern 
des Glaubens in ihrem Geifte bewegte / dag ſie von GOtt im 
Geifte auff die VBerheiffung der Bewegnüß des verfchloffenen 
Entis, alsfchöne eingebohrne Kinder angenommen worden. 

6. Nicht dag fie haͤtten Chriſtum im Fleifche angezogen vor 
feiner Offenbahrung / aber wohldenfelben Ens inihrem Glaus 
ben/ und derfelbe eingefaffete Glaubens-Ens war die Befchnei> 
dung/welcher das Herge und Bemüthe befchneidet/zund die ſuͤnd⸗ 
liche Decke zerſchellete und weifeteauff die Abſchneidung des irr⸗ 
Bifchen in Adam eingeführten Schlangen Entis,als auffden irr⸗ 
diſchen Saamen / und irzdifche Glieder zur viehifchen Forts 
pflantzung / dag diefes Thier folte und würde Chriftus (wenn ſich 
der eingeleibte Glaubens Ens würde inder Menfchheit offenbah⸗ 
ren) abſchneiden umd das Leben Des Todes und der Höllen 
drinnen zerbrechen. 

7. Wir müffen die Beſchneidung nicht allein bloß alsein 
Zeichen oder Figur anfehen / denn fie ift das Siegel des Bundes/ 
Das da ſtund als ein angedruckt Siegelandes Glaubens * 

enn 


Cap 41 und der Beſchneid. der Vorhaut rc. 367 


denn der Geiſt des verheiſſenen Worts zur Wiedergebuhrt war 
im Siegel / gleich wie bey den Chriſten im Sicgel der Tauffe. 

8. Und darumb ſagte GOtt / welche Seele dieſen Bund vers 
achten würde / dic follte außgeroffet werden aus feinem Volcke / 
und hie die Ingebohrnen und Außlaͤndiſchen / fo gleich nicht 
Abrahams Suamen waren / beſchneiden / anzudeuten / dag der 
Bund auff alle Voͤlcker gienge / welche nur würden den Glau⸗ 
bens-Ens empfahen / alda würde die Beſchneidung geſchehen. 

9. Denn das war nicht die rechte Beſchneidung / fo außwen⸗ 
dig am Fleiſch gefihahe / fondern nur das Zeichen der Befchnei- 
Dung ; die rechte Beſchneidung gefhahe im Glaubens-Ente, im 
Bunde in der Kraffides Worts/und Heil. Geifles/da das Wort 
im Geiſte Chtiſti der Schlangen Ens von dem recht menſchlichem 
Ente des him̃liſchen Theils abſchnitt / als der finftern Welt dar⸗ 
ein eingeführtes Weſen / durch Adams böfe Begierde / und des 
Zeuffels eingeführte Begierde. 

10. Der Ehrijien Tauffe undder Juden Veſchneidung / half 
gank ein Recht: Beyden Juden geſchahe die Befhneidung int 
Worte der Krafft / der Heil. Geift fauffete Ne init des Heil. 
Feuers Tauffe / verfichet ihren rechten in Adam verdorbenen 
Menſchen (welcher in dieſer Taufft tingiret ward ) als im Ente 
des Glaubens / denn der Glaubens-Ens war die Tauffe ver us 
ven / da der Heil. Geiſt auf Chriſti Menfchheit inne tauffere. 

1x. Weil nun aber daffelbe Slaubens- Wort (als derſelbe 
Glaubens-Ens ) hat die Menſchheit angezogen / und in fich zum 
Leben gemacht / fo tauffet anjeso derfelbe Seit mit IRaffer / 
deutet an die Menſchheit Chrifli / denn das Waffer des ewigen 
Lebens / als der himmliſchen Welt Wefen/ war in Adam ver⸗ 
blichen / in Chrifti eingeführtem himmliſchen Ente, als auch im 
Waſſer der himmlischen Kraffte/ wards in unfer ( in ihme ange⸗ 
nommenen ) Menfchheit/ wieder lebendig : Darumb war die 
Menſchheit Chriſti ver Erjtgebohrne von den Todten. 

12. Und mit demfelben himmliſchen Waſſer / Das GOttes 
ort und Kraft in der Menſchheit Chriſti vom Himmel ein⸗ 
fuͤhrete (verſtehet vonder heiligen geiſtlichen Welt / als vom an⸗ 
dern Prncipio,) tauffet der Heil. Geiſt in Chriſto die Chriſten 
in ihrer Waſſer⸗Tauffe / welche außwendig auch nur ein Zeichen 
des —— Siegels iſt / in welchem Siegel der Heil. Geiſt 
tauffet. 

13. Und darumb hat Chriſtus das Siegel der Beſchneidung 
inch Wafler-Tauffe geordnet / dieweil die Feuer⸗Tauffe (im 
bi 24 Zum 


368 Von dem Siegeldes Bundes! Cap.gr) 


Bunde iſt in der Menfchheit /im Waſſer des Sehens offenbahr 
worden / daß dieſelbe Feuer-Tauffe / als das reurende Lebe— 
Wort/ iſt Sleifh worden Darumb ſaget Chriſtus Johann. 3. 
Air muͤſſen nun durch das Warfer und Gent neu⸗gebohren 
werden /anderft follten wir nicht GOtt fchauen. 

"14. Dann in dem Waſſer / darinnen Jich das feurende Liebe⸗ 
Wort im Ente des Bundes hat in unſerm himliſchen verbliche⸗ 
zen Waſſer offenbahret / (das zu Fleiſch worden ift/) muͤſſen alle 
Kinder Chriſti neugebohren werden / und daſſelbe Waſſer in 
zhrer Glaubens⸗Begierde faſſen / in welchen Waſſer ſich dus 
ewige feurende Liebe-Wort des Bundes GOttes hat eingelci⸗ 
bet: Daſſelbe Waſſer tauffet den innern in Adam verblichenen 
Menſchen zur neuen Wiedergeburth / und den irrdiſchen viehi⸗ 
ſchen / halb Schlangen-und Teuffels-⸗Menſchen / zum Tode und 
Sterben; es beſchneidet die arme gefangene Seele / und zeucht iht 
ven Bund und die Menſchheit Chriſti in dem innern geiſtlichen 
am Himmelreich verblichenen Menſchen an. 

1x5. Verſtehets doch ihr Juden und Chriſten / ihr habet einer» 
ley Tauffe; der Jude wird im Ente des Bundes inwendig an 
Der Seelen und am verblichenen Ente der rechten himmliſchen 
Menſchheit beſchnitten / als der Schlangen Ens wird von dem 
himmliſchen Ente abgefchnitten / in Krafft des Worts / und der 
feurende Siebe-Beift im Ente Des Worts tingiret die rechte 
Menſchheit / und täuffer fie mit des eingefaſſeten Glanbens 
Ente, der Glaube iin Geiſte Gottes / taͤuffet fie mir ſeinem him⸗ 
liſchen Waſſer. 

16. Und der Chriſt wird eben nur mit demſelben Worte und 
Waͤſſer im Glauben getauffet / es iſt gantz eines; nur das iſt der 
Unterſcheid / daß GOTT den Bund der Beſchneidung hat in 
der Waſſer-Tauffe auffgerichtet / weil fich diefelse Feuer— 
Zauffe hat in Chriſti Menſchheit im Waſſer des Lebens offen 
bahret. 

17. Und daß ihr das doch ſehet / daß es eines iſt / Chriſtus lieg 
ſich beſchneiden als ein Jude / und ließ ſich tauffen als ein Chriſt / 
daß er anzeigen wolte; Er haͤtte die Fener-Tauffe in ſeiner ges 
offenbahrten Liebe / in der Menſchheit im Waſſer / als in groſ⸗ 
ſer Sanfftmuth und Ertraͤgligkeit geoffenbahret / und in eines 
verwandelt. 

18. Bey den Juden war der Glaubens-Ens noch nicht Fleiſch 
worden / darumb gab ihnen GOtt das Zeichen der inwendigen 
Beſchneidung / mit der auffern Borhauts⸗Beſchneĩdung / daß ffe 

ent 


Spar. und der Beſchneid· der Borhautlzc-369 


‘ein Zeichen haͤtten / Das der Heil. Geiſt im Ente des Glaubens / 
im Bunde ihre fündfiche Geburth abfehnitte / daß fie Kinder der 
Genaden im Glaubens-Ente waren. 

19. Bey den Ehriften aber ift derſelbe Glaubens-Ens, erſt⸗ 
lich in Chriſti Menſchheit / und nun in feinen Glaubens>-Kine 
dern in unſerm rechten Menſchen zu Fleiſche worden : Die 
Chriſten ziehen jegt Chriſtum (als denfelben Glaubens-Ens, 
den die Juͤden angezogen im Fleiſche) im bimmlifchen Fleiſche / 
in iprer Glaubens-Begierdejan/ als im himmliſchen / lebendigen 
Waſſer / in der Göttlichen Offenbahrung. 

20. Daſſelbe Waſſer iſt ver Himmel / darinnen das einige] 
heilige Element / das Weben und Weſen iſt / es iſt Chriſti / als 
Gottes heilige Leibligkeit / als die geformte Weißheit des auß⸗ 
gchauchten oder geformten Worts ver Goͤttlichen Kraͤffte / SOt⸗ 
tes lebendiges / cwig⸗ ſprechendes Wort / welches ein Geiſt / und 
der Goͤttliche Verſtand iſt / der zeuget ſein eigen aus ihme außge⸗ 

hauchtes Weſen / als die Formung feiner Weißheit wieder an ſich. 

21. Des Vatters Wille zeucht die Seele / welche ein Feuer⸗ 
Atyen aus feinem Feuer⸗Geiſte iſt / an ſich: Unddes Sohnes 

Wille zeucht das edle Bild / aus der Weißheit geſchaffen / als aus 
hinmliſchen Weſen an ſich / und der Heil. Gtiſt zeucht den ganz 
tzen webenden menſchlichen Verſtand an ſich an / daß alſo ſey ein 
Gott⸗Menſch / und ein Menſch⸗Gott / GOtt in einem Bilde 
offenbahr / und das iſt das Bilde GOttes: Und alfe wird die 
Befchneidung und die Tauffe verffanden/ welches in beyden der 
Grund und Eckſtein zur neuen Geburt iſt / bey den Juͤden und 
Chriſten. 

22. Daß aber nun die Knaͤblein beſchnitten wurden / und nicht 
die Maͤgdlein / und bey den Chriſten alle ſollen getauffet werden / 
iſt alſo zuverſtehen / merckets eben ihr Inden und auch ihr 

Chriſten / auch alle andere Voͤlcker Nes wird euch allen 
geſaget / denn ihr werdet hiermit geruffen / die Zeit iſt ges 
bohren / daß der Antichriſt ſterben ſoll. 

23. Adam war das Bilde GOttes: Er war Mann und 
Weib / und doch der keines vor feiner Eva / fonder cine maͤnu⸗ 
liche Jungfrau in eigner Liebe / voll Zucht und Reinigkeit / die 
Tincturen als Krafft vom Feuer und Liecht / nach des Vatters 

und des Sohnes Eigenſchafft / waren ineinander als Eine / in 
einer immerwaͤhrenden Conjundionder Begierde / darinnen die 
eigene feurige Liebe⸗ Begierde ſtund. 

25 34. Weil 


370 Von dem Siegeldes Bundes/ Cap.45. 


24. Weil aber der Teuffel die Eigenſchafft desFeuers Tinctur 
ſichtete / und feine falſche Begierde darein fuͤhrete / daß ſich die Feu⸗ 
ers⸗Tinctut in ven Eigenſchafften der ewigen Natur aus einan⸗ 
der gab: Eine jede Eigenſchafft am Centro in ſeine Selbheit / dar⸗ 
aus der eigene abtruͤnnige Wille und die falſche Luſt entſtund / 
welche Luſt⸗Begierde der finſtern Welt Wefen als aus der erſten 
Welt Weſen / als aus der Erden die Eſſentz aus der finftern Welt 
begehrte zu probiren / und in ſich zu ſchmaͤcken / wie es ſchmaͤckte 
wann Boͤß und Gut ineinander / ein jedes in ſich ſelber offenbahr 
waͤre / als in der Ungleichheit auſſer dem Goͤttlichen Einen; ſo 
verſchloß die falſche feuriſche Begierde die Eigenſchafft des Liechts 
Tinctur mit der eingefuͤhrten Eitelkeit des Teuffels Begierde / uñ 
mit irrdiſchen Hunger nach der Eitelkeit aus der finftern Welt 
Weſen in der Erden und inden Elementen / dag das himmlifche 
weibliche oder recht jungfräuliche Leben im Liechts Ente verlafch. 

25. Denn der Heil. Geiſt wiech aus per eingeführten Eitel⸗ 
keit; alfo war die heilige Matrix , als himliſche Gebaͤhrerin vera 
lichen] und Eriegete die Mutter der Auffern Natur / als das aͤuſ⸗ 
fere natürliche ABeib / verfichet die Eigenfchafft des Weibes / 
das Regiment in der Geburth: Alſo muſte Adam jeßtzertrant] 
und in Mann und Weib figuriret werden. 

26. Weil aber die feuriſche Eigenſchafft der Tinctur (welche 
nun jcht im Mann das Regiment hat / und Mann he jſſet / wegen 
des Vatters Eigenſchafft) die Urſache war der Vergifftung / daß 
der Veneris „als des Weibes oder Liechts Tinctur getoͤdtet ward / 
und den Ekel der Luſt in die weibliche Eigenſchafft in ihme ein⸗ 
fuͤhrete (dadurch hernach das Weib / als ſeine Heva alſo ſehr nach 
Boͤtz und Gut luͤſterte / und das irrdiſche Eſſen anfieng) fo iſt 
uns allhier zu betrachten / daß auch dieſelbe Feuers⸗Seele / als 
maͤnnliche Tinctut, muſte wieder mit dem Goͤttlichen Liebe⸗ 
feuer getauffet werden / daß fie nicht denſelben eingeführten 
Teuffels-und Schlangen-Ens in dein männlichen Saamen alfo 
giftig in des Weibs Mätricem einführete; fie muſten wieder mit 
Der Goͤttlichen Liebe- Tinctur, als mit dem heiligen $iebe-Ente 
tingiret und getauffer werden / welches gefchahe im Glaubens⸗ 
Ente ‚im verheiffenen eingeleikten Worte der Krafft GOttes. 

27. Das Weib aber / als Adams Jungfrauſchafft /war nun 
aus Adams Natur md Weſen in in Weib oder Männintrans- 
formiret eder formiref / und in ihr blieb die heilige / aber an 
GoOtt verblichene Jungfrauſchafft / als der Kebe⸗ und des Liechts⸗ 
Tiocur, ſtehen / aber als gleich wie todt oder verblichen; F— 

ie 


Cap. 41. und der Beſe chneid. der Borhautc. 371 


die aͤuſſere Mutter / als die 4. Elementiſche lebte jetzt an deſſen 
Staͤtt in ihr / und war die Gebaͤhrerin der Natur / welche Adams / 
als des Mannes Saamen in ſich wuſte einnehmen. 

28. In dieſe verblichene himmliſche Tinctur des Liechts / als 
indie wahre heilige Zungfraufchafft/verhieg und leibte ſich das 
ewige heilige Wort der Krafft GOttes / welches Adam in ein 
Bilde GOttes geſchaffen hatte / mit einem Bunde ein / daß ce 
wolte dem Teuffel und der Schlangen Entiden Kopff zertretten. 

29. Alſo verſtehet uns allhie ſcharff; Gleich wie der Vatter 
den Sohn gebaͤhret / und wie aus Adam / welcher des Vatters 
Eigenſchafft andeutet / das Weib / als feine ebe⸗Tinctur ges 
nommen ward; und wie zuvorhin / weil das Weib im Manne 
war / die Feuers⸗Tinctur in des Liechtes Tinctur eindrang / und 
ſich darein leibte / und wie Mann und Weib ein Leib iſt / alſo auch 
drang die Feuers-Tauffe der Beſchneidung aus des Mannes 
Feuers-Tindurein in feine weibliche im Weibe; GOtt tauffet 
im Manne des Feuers Tinctur, und aus den Mannes-Saas 
men kom̃t beydes das maͤnnliche und weibliche Geſchlecht. 

30. Alſo drang des Mannes Bund und Tauffe ins Weib / 
als in die weibliche Eigenſchafft / denn die weibliche Tinctur 
hatte vorhin den heiligen Ens im Bunde in ſtch / daß GOttes 
Wort im Bunde in ihrem verfchfoffenen Ente wolte Menfch 
werden / und die verblichene Zungfraufchafft wieder in fich le⸗ 
bendig machen. 

32. Darumb follte das Weib nicht in eigenem Willen oder 
Begierde das Tauff-Siegelangichen / fondern vom Manne ges 
nommen werden; auff Daß fie indes Mannes Tauffe eine rechte 
Maͤnnin würde /auff dag das Bild GOttes in ihr vom Manne 
die Feuers⸗Tauffe und Tinctur bekaͤme. 

32. Dann St. Paulus verſtund dieſes wohl / da er fagte: 
Das Weib wird fechig durch Kinder zeugen / fo fie im Bunde 
und in der Liebe bleibet / denn das Weib hat ihre Seele aus des 
Mannes Seele / und wenn fie fih zum Manne begiebet / fo ift 
fie ein Leib mit ihm / und zeuget dom Manne Kinder / fie ift fee 
Maͤnnin / fein Werckzeug / ein halber Mann / ımd der Mann 
sin halb Weib. 

33. Daß aber die männliche Eigenfchafft die vollkommene 
Liebe des weiblichen Ens wieder befäme / und das Weib den 
männlichen/ fo tauffet der Heil, Geift des Mannes / als Feuers⸗ 
Tin&ur , mit der himmlifchen heiligen Zungfräulichen /und der 
Mann kaͤuffet des Weibes Eflent — feinem Saamen mit Piss 

| Ns 


372 Von dem Siegel Des Bundes! Cap. 4. 


feuriſchen und Goͤttlichen Tinckar, darumb hieß GOtt nur Die 
Manns-⸗bilder beſchneiden. 

...34. Denn in der Zuden Feuer⸗Tauffe / tauffete allein der 
Geiſt ohne Waſſer / aber bey den Chriften fanffet der Geiſt durchs 
Waſſer / ven Geiſt konten die Juͤdiſche Weiber indes Mannes 
Feuer⸗Tauffe anziehen + Als aber nun daſſelbe feurende Wort 
iſt Fleiſch worden / fo ſollen ſte jest billig Chriſtum im Fleiſche 
auch anziehen und getauffet werden: Dem ihre himmliſche ver⸗ 
blichene Jungfrauſchafft ſoll auch Chriſti eingefuͤhrte himliſche 
Jungfrauſchafft in ihr anziehen / auff daß ſte in Chriſti Geiſte 
und Weſen eine rechte maͤnnliche Jungfrau werde. 

35. Nun fraget die Vernunfft weiter / warumb muſten denn 
erſt die Kinder als die Knaͤblein am achten Tage beſchnitten 
werden? Warumb nicht eher oder langſamer? Stund es denn 
nicht in Menſchen Gewalt auffzuziehen / ob vielleicht wand 
Kind fehwach wäre geweſen ? Allhier fledt Gcheimnüg und 
Wunder: Lieben Brüder laffer vom Zande der Buchftaben 
and lernet die verborgene Geheimnuͤſſen verfichen / wir follen 
Findlich mit euch handeln / fehet uns nur ins Angeficht / wo wir 
ber find / woraus wir diefes alles wiffen und verſtehen. 

36. GOtt befahl die Knaben am achten Tage zu befehnneiden/ 
warumb ? ſechs Tage feynd der Menſch in der Ratur / der ſiebende 
iſt der Ruhetag in ihme / als der himmliſche verblichene Ens, dar⸗ 
innen die ſechs Geiſter der Natur wuͤrcken; gleichwie GOtt in 

ſechs Tagen die Schoͤpffung machte / als aus den ſechs Eigen⸗ 
ſchafften der Natur / und fie in den ſiebenden einfuͤhrete zur Ruhe / 
als in die Außgieſſung des himmliſchen Entis, dehn GOtt hat 
mit in die Compaction der Schoͤpffung eingefaſſet / welche der 
ſechs Eigenſchafften Ruhe und rechtes Lebens iſt. 

37. Alſo hat der Menſch ſieben Tage zum Eigenthumb be⸗ 
kommen / der ſtebende Tag iſt fein Ruhetag; verſtehet / die ſie⸗ 
bende Eigenſchafft iſt die hĩliſche Natur / welche in ihm ſtarb / 
allda er in die Unruhe kan; fo kam ihm der achte Tag aus lauter 
Genaden zu huͤlffe / und gab ſich wieder in ſeine ſieben Tage— 
werde / als indie fieben Eigenſchafften feines eigenen Weſens / 
sin zund derſelbe Tag iſt Chriſtus in der Beſchneidung und in 
der Tauffe. 

38. Denn GOtt haͤlt in dieſem Proceß die Ordnung mit der 
Wiedergebuhrt / auff Arth / wie er ihn aus ſieben Tagen geſchaſ⸗ 
ten hat; verſtehet in ſechs Tagen ward ſein natuͤrlich Leben aus 
den ſechs Eigenſchafften der innern und aͤuſſern Ratur 

i 


a Ve 


Eu 


Cap. 41. und der Befchneid Der Borhautirc.373 


Bilde gebracht / und die fiebende Eigenſchafft war das Paradeig/ 
als der Sonnabend / in welcher ſtch die ſechs Geiſter der Natur 
(in ihrer Wuͤrckung) verſoͤhneten und einigten denn es war 
Die geiftlihe Welt. 

39. Und dannenher entſtund den Juden das Gebott / da ß fie 
auch aͤuſſerlich ſollten den Sonnabend / als Sabbath / heiligen und 
ruhen: Anzudeuten den innern heiligen ewigen Sabbath / in 
welchem der Geift GOttes im Menſchen und aller Creatur in 
jeglichen nach feiner Eigenſchafft wuͤrcket / denn alles Geſchoͤpffe 
ruhet in ihme. 

40. Und darumb hieß cr die Kinder am achten Tage beſchnei⸗ 
den / als in ihme ſelber / denn er iſt ſelber derſelbe achte Tag der 
beſchneidet; denn vor Chriſti Menſchheit gieng der Proceß in 
Form der Natur: Als aber nun Chriſtus die Natur des Mens 
ſchen erfuͤllet hat / und ſich ſelber in die ſieben Tage des Men⸗ 
ſchen Eigenſchafft eingegeben ; fo iſt num der achte Tag als 
Chriſtus in den fieben Tagen ; nun mag man alle Tage die Kine 
der tauffen. 

42. Eine fchöne Figur fichet man beym Anfang der Befchnei> 
dung Fund Bunde der fenrenden Tauffe wider die Buchftaben> 
Vernunfftſchluͤſſe macher / welche wollen etliche Kinder ven 
Mutterleibe verdammen /als darumb / daß fie aus der Natur 
verderbtem Ente gebohren und ergriffen werden; denn Iſmael 
“welcher von Natur ein Spötter war / und in Mutterleibe in 
zergiffictem und verderktem Adamifhen Ente gefangen war / 
der muſte der erfte Menſch ſeyn dehn Abraham beſchnitt / wel 
her im Bunde getauffet werd. 

42. Ihr Vernumft⸗weiſen: Lieber ſtellet euch diefen Spit> 
gel fuͤr die Augen / und bedencket euch was ihr thut mit euren 
Schlůſſen wegen der Prædeſtination, wir weiſen euch das in 
Demuth / wollet ihr nicht / ſo wirds euch mit Feur gewie⸗ 
ſen werden / welches erkannt iſt / denn Chriſtus war umb 
Iſmael und feines gleichen kommen / ihme zu helffen / welche nur 
ſelber wollen: Aber in Iſaac ſoll der Saame genannt ſeyn / als 
der achte Tag / welcher komnuen iſt den andern ſechs Tagen zu 
helffen / und ſie wieder in den ſiebenden / als in den Ruhetag ein⸗ 
zufuͤhren. 

43. Laſſet euch doch weiſen / lieben Brüder: GVtt der Liebe / 

der nicht den Tod des armen verderbten Menſchens wil hat doch 

ſein beſtes Kleinod / daß er in ſich ſelber hat / und ſelber iſt / in Ge⸗ 
27 naden 


374 Von dem Siegeldes Bundes! Cap.ar; 


naden über alle Menfchen aufigegoffen/auff Art) / wiedie Sons 

nedem Guten und Böfen leuchtet ; aber der Gottlofe verderbet 
felber das Kleinod in ſich / und wilsnicht annehmen; nimt aber 
den Schlangen-Ens voll Eitelkeit in fich / und wird mit Feuer 
des Zorns GOttes in dem Willen der Gelbheit getauffet. 

44. Gienge er aber mit dem eigenen Willen in Chrifti Tod 
ein/ und begehrtevon Grund des Hertzens der Selbheit und eige= 
nen Willens/ in GOttes Erbarmen abzufterben/und würffe fein 
Bertrauen in GOtt / und daͤchte / dag er im dieſer irrdiſchen 
Hütte nichts eigenes hatte / daß er deffen allen was er befiket / 
nur ein Diener Gottes und feines Nächften darinnen wäre / und 
verlieffe im Gemühte die Eigenheit: Er würde bald mit dem 
heiligen Geifte getauffet werden / und Chriſtum in feinem Wil⸗ 
len anziehen. 

45. Aber das ſchnoͤde irrdifche zeitliche Gut / zeitliche Ehre 
und Wolluſt desFleifches hält ihn in verSelbheit im Schlangen⸗ 
Ente gefangen) dag er des heiligen Geiftes Tauffe nicht fähig if. 

46. Auch find die ſelb⸗erwaͤhlte untüchtige Lehrer gang blind 
hierinnen / und Ichren nur die Hülfe / als das Gefaͤſſe von der 
Wiedergebuhrt / wollen von auffen angenommene Kinder ſeyn / 
ob fie gleich nur im Willen der Selbheit leben / und wollen den 
H.Geift in das Thier des eigenen Willens predigen / welches 
Boch des Beiftes nicht fahig iſt / verftehen nichts weder von Tauf⸗ 
fe oder Abendinahl; die neue Gebuhrt ift ihnen freinbde / ver= 
leughen die Göttliche Efentialifihe Innwohne in den Kindern 
Gottes/ als den Tempel Gottes / und ftehen alfo vor den Juden / 
wenn fie ihnen follen fagen was Ehriftus in uns ift/ was Tauffe 
und Nachtmahl fey/ wie gemahlte Ehriften oder wie Abgötter. 

47. Denn die Juden wiffen daß GOtt mit ihren Bättern hat 
geredet / und ihnen die Berchneidung md den Bund gegeben / 
darbey bleiben fie: Könten ihnen aber die Chriften aus dem 
Grunde darftellen was der Bund und die Befchneiduhg eflen- 
tialiter und würcdlich fey famtihren Opffern / fie verliefen das 
Zeichen / und trätten ins Weſen. 

48. Dat es aber alfo ergangen iſt / daß beydes die Juden und 
auch Ehriften find blind gegangen / biß auff diefe leßte Zeit / fo 
wohl auch die Türden / welche fich wegender Chriften Blind» 
heit auch Zand und Gottlofigkeit haben indie VBernunfft und 
Natur eingewand/ hat GOtt darumb verhaͤnget / daß die Chris 
ſten und Judenden Bund und das Siegel des Bundes / beydes 
sm Alten und Neuen Teſtament / nur in der aͤuſſern — 


Cap. 45. und der Beſchneid. der Vorhautꝛc. 375 


als im Gefaͤſſe annahmen / und lebeten nur dem aͤuſſern irrdi⸗ 
ſchen toͤdlichen Menſchen: Es iſt ihnen umb das irrdiſche Reich 
und Leben mehr zu thun geweſen / als umb das Ewige. 

49. Sie wollens nur in der Huͤlſe / als im Buchſtaben von 
auſſen verſtehen / was GOTT geredet hatte / und waͤhleten ihnen 
Vernunfftweiſen / welche wohl im geformten aͤuſſern Bernunfft⸗ 
verſtande und Worten gelehret waren / aber den Geiſt und die 
Krafft des Worts und Leben GOttes in der Wiedergebuhrt 
nicht in ihnen hatten / ſondern nur den Geiſt der Selbheit / Hof⸗ 
fart / und irrdiſchen Bauch-Gott / wie ſie moͤchten in Chriſti 
Armuht auff Erden reich werden; dieſelben haben fie geblendet / 
das man beydes / bey den Juden und Chriſten nur hat wollen 
dem irrdiſchen Enti leben. 

so. So hat GoOtt verhengt / daß ſich Doch die Wunder der 
Natur in Krafft ſeines Zornes in ihnen eroͤffneten / und daß ſie 
alſo in Blindheit doch im Streite blieben / daß doch der Name 
und Gedaͤchtnůß feines Bundes wicht außloͤſche / ind ein Volk 
das ander im Streit und in der Wiederwertigkeit uͤbete/ da⸗ 
durch manchmahl ift ein gruͤner Zweig aus dem Berfiande ges 
wachfen / welcher ihnen iſt wegen ihrer gefaſſeten Meynung 
frembde geweſen / und haben ihn verachtet und verfolget / denn 
der irdifche Menſch inder Selbheit iſt des heiligen Bundes und 
Siegels nicht werth. 

sr. Und weil GOtt das wohl erkannt hat / daß fie ohne ihr 
ur felber lauffen wollen / und würden das H. Ensim Bunde 
mißbrauchen: fo iſt den. Juden die Decke Mofts / und den Chris 


- fen der Thurn Babel mit dem Antichrifto/als der äuffere Chriſt 


vor dem H. Ente im Bunde / als Gottes Gegenwart / gelegen? 
daß fein demfelben Antichrift imnerdar find gegangen fuchen/ 
was dach GOtt in feinem Bunde / Willen und Weſen ſey. 

52. So hat er ſie doch ja im Streite und in der Verfolgung 
geübet/ in dehme ſie haben einander verfolget dar doch alfe die 
Kinder Gottes find im Creutz entſproſſen / und ihnen in ihnen. 
offenbahr worden; aber von auffen ift Babel blieben ftehen f 
beydes bey den Juden / Ehriften und Tuͤrcken / der Antichrift 
iſt bey. allen nur einer / denn er iſt der Tittel⸗gott / darinnen der 
ſelb⸗eigene Wille GOtt in der Huͤlſe ſuchet und ehret. 

53. Sp hoͤret nun ihr Ehriften / Juden) Tuͤrcken und 
Heyden | alle Voͤlcker auff Erden /was euch anietzo iſt 
in der Heimſichung des barmhertzigen GOttes in ſei⸗ 


‚ner Poſaunen Stimme durch feinen ii 
\ 101: 


376 Von dem Siegeldes Bundes! Cap.gr. 


Geiſt / noch einmahl / und zur Letzte in diefer Zeit Weſen 
geſehencket worden: Es krifft euch alle der Pofaunen- 
ſchall / gehet in euer Gehoͤr ein / eroͤffnet es nur eine 

Stunde von der Selbheit / fo werdet ihr den Schall in 

euch hoͤren / er thoͤnet durch alles biß an die Ende der 

Erden / aber kein eigener Wille hoͤret dehn. 

54. Der einige Goͤttliche Weeg / da man Gott in ſeinem 
Worte / Weſen und Willen ſchauen mag / iſt dieſer / daß der 
Menſch in ihm ſelber einig werde / und in ſeinem eigenen Wil⸗ 
len alles verlaſſe was er ſelber iſt und hat / es ſey Gewalt / Macht / 

Ehre / Schoͤnheit / Reichthumb / Geld und Gut / Vatter / Mut⸗ 
ter / Bruder / Schweſter / Weib und Kind / Leib und Leben / 

und ihme ſelber gantz ein Nichts werde: Er muß alles uͤberge⸗ 
ben / und aͤrmer werden als ein Vogel in der Lufft / welcherdoc 

ein Neſt hat / der wahre Menſch ſoll keines haben / denn er ſoll 
von dieſer Welt weg-⸗wandern / daß er ihme ſelber nicht mehr in 
dieſer Welt ſey: Er muß der Welt Selbheit ein Nichtes wer⸗ 
den / denn das Weſen dieſer Welt das er zum Eigenthumb be— 
fißet/ / iſt der Thurn zu Babel und der Antichriſt / da man wil ein 
eigener GOtt ſeyn / und mit dieſem ſelbgemachten GOtt auff 
dem Thurne in Himmel ſteigen / und ſich zu GOtt ſetzen: Die⸗ 
ſes verſtehet alſo: 

55. Es iſt nicht gemeynet / daß einer ſoll aus dem Hauſe von 
Weibe / Kind und Geſchwiſtern lauffen und aus der Welt flie⸗ 

hen / oder fein Gut alſo verlaſſen / dag er nicht darinnen ſeyn 
wolte; ſondern den eigenen Willen / welcher dieſes alles fuͤr ein 

Eigenthumb beſttzet / dehn muß er toͤdten und zu nichts machen. 
5. Und dencken / daß es alles in dehme er iſt / gar nichts fein 

iſt / er gewinne oder verliere / er ſey Reich oder Arm / Verſtaͤu⸗ 

dig oder Alber / Niedrig oder Hoch / er habe Ichts oder Nichts} 
daß er das alles gleich achte / ein ſchoͤn Kleid als ein graͤuliches / 
das Gluͤcke der Welt / wie das Ungluͤck / das Leben als das Ster⸗ 
ben / ſeine Gewalt als eines Dieners / eine Koͤnigliche Cron als 

einen alten Hut; und das alles im Gemuͤhte verlaſſen / und nicht 
fuͤr eigen achten. 

57. Sondern dencken / und ſeinen Willen gantz darein erge⸗ 
ken / daß er deſſen alles (darinnen er iſt) nur ein Diener def. 
ſelben Standes / Weſens und Ordens iſt / daß es Gottes und 
ſeinen Bruͤdern in gemein ſey / daß er nur darinnen GOtt und 
Finen Bruͤdern diene / und alles was ſie ihnne auch thun/ = 


Cap. gr. und der Beſchneid. der Borhautiic. 377 


alfo annehme / dag es dem allgemeinen erüderlichen Orden und 
Stande gefchehe / das GOtt folche Orden in der Welt mache / als 
eine Figur der Englifhen Welt / dag er ihme darinne diene. 

58. Und fein Bemühte gar nicht in die Sekbheit ſchwinge / 
daß er wolle dencken / erfeyein König/ Naht over Richter des 
Volcks / und ſey darumb etwas beffer vor GOtt oder vor Men⸗ 
fhen: Er foll immerdar feinen naceten Buſem anſehen / dag 
ein nackend M nfrh dem andern ähnfich und gleich fiehet / und 
daß fein Ambts-kleid der brüderlihen Gemeine ſey / und auch 
fein Ambt Fin deme er ein Vorsteher iſt. 

59. Und alle das jenige was ihme für Ehre und Gewalt) auch 
Haab und Gut angetyan und gegeben wird / GOtt feinem 
Schöpfer wieder geben / und im Gemuͤhte ſagen: Herr es ift 
dein / ich bin unwuͤrdig darzu / es zu beherrſchen; werldu mich 
aber darein gefeßet haft / fo ergebe ich dir meinen Willen gans 
und gar / regiere und mache es Doch durch mich / wie dar wilft/ daß 
es in deinem Willen geſchehe; und meinen Brüdern / denen ich 
in meinem Ruffe / als deinem Befehl / diene / zu Nutz und Dien⸗ 
fie gereiche. Thu doch du / O Herr alles durch mich / und fage nur 
in mir / wohin ich das Werck meiner Haͤnde geben ſoll / wehm ich 
ſoll Geld / Gut / Macht und Ehre geben und anthun / und im⸗ 
merdar nur alſo dencken / dag er in ſeinem Stande nicht ihme 
ſelber / ſondern ſeinen Bruͤdern gefalle. 

60, Iſt er aber dienſtbahr / ſo dencke er / daß er GOtt in ſei⸗ 
nem Willen den Menſchen in Gottes / und dem allgemeinen 
bruͤderlichen Ambte diene und daß ihme GOtt das Wenige in 
dieſer Huͤtten habe zu einer Speiſe und Kleyde gegeben / daß er 
ſo reich darinnen fen als ein Koͤnig / denn fo er ſich nackend ſchauet / 
ſo ſichet er die Wahrheit. 

6z. Und wann es der Menſch fo weit bringet / dag ihme alles 
eines iſt / ſo iſt er der arme Chriſtus / der nicht hatte da er ſein 
Haubt hinlegte / und folget Chriſto recht nach / der da ſagte: 
Wer nicht verlaͤſt Haus / Hoff / Geld / Gut / Bruͤder / Schwe⸗ 
ſtern / Weib und Kind / und ſich ſelber verlaͤugnet / der iſt meiner 
nicht wehrt. 

62. Und umb dieſer Selbheit und Unwuͤrdigkeit willen hat 
GOtt fein H. Angeſicht von den Voͤlckern gewendet gehabt / daß ſie 
ihn haben durch ein tunckel Wort oder Schein muͤſſen erkennen. 

63. Wer aber in dieſe gantze Gelaſſenheit eingehet / der komt 
in Chriſto zu goͤttlicher Beſchauligkeit / daß er GOtt in ihm ſie⸗ 
het / mit ihme redet / und GOtt mit ihme / und — 

GOt⸗ 


378 Bon dem SiegeldesBundeshe. Cap.gr. 


Gottes Wort) Weſen und Willen ift; diefer ift tüchtig zu Ich» 
sen / und kein anderer / der Ichref Gottes Wort aus ihme / denn 
GoOtt ift ihme in feinem Bunde / deffen Diener er ift / offenbar 
worden /denmer wilnichts ohne was GOtt durch ihn wil. 

64. Er Ichret wenn es ihmeder Herz inihmeheiffet / cs fen 
Freunden oder Feinden / zu der Menfchen Zeit oder zu ihrer un⸗ 
zeit / er dencket daß es GOtt in ihme thue wie er wolle / und ob cr 
darumb mug Schmach leyden / fo gilt cs ihme gleich / zeucht man 
den Hutfür ihm ab / fo demuͤhtiget er fih vor GOtt undfeinen 
Brüdern / und gibet GOtt und feinen Brivern die Ehre / und 
nimt fich derer nichts ans Fluchet man ihme dan) und ſchlaͤget 
ihne ing Angelicht / fo dencket er / ich folge Ehrifto nach / und fte> 
he jetzt in ſeinem Stande der Berfolgung/es fol mir und meinen 
Brüdern zum beften dienen. 

65. Schet liche Brüder / das ift ein Ehrift / und ein folcheg 
beuth euch GOTT jetzo durch feinen wunderlichen 
Poſaunen⸗ſchall feines Geiftes an; und es ſoll und 
muß ein ſolch Reich anjego Fünfftig offenbahr werden] 
und ins Weſen Fommen zu einem Zeugnüß über alle 
Voͤlcker der Erden | davon alle Propheren haben ger 
weiſſaget. 

66. Dargegen beuth er allen Gottloſen / nicht wol⸗ 
lenden Menſchen feinen Zorn] / Grimm und Berftor: 
fung an / fie auffzufreſſen / und mit Babel ein Ende 
zu machen: Dieſes ſage nicht Ich / ſondern der Geiſt 
der Wunder aller Voͤlcker. 

67. Darumb ſchuͤrtze dich du Antichriſtiſche Babylon / und 
friß viel Blut / denn du biſts ſelber die ſich aufffriſt / dir iſt kein 
Raht / auch iſt keine Buſſe in deinem Willen: Aber den Kinz 
dern Gottes unter dir haben wir dieſes geſchrieben / als 
wir denn ſolches erkannt und geſehen haben. 

68. So ſpricht Babel / Wo wird dan dieſes Volck herkom⸗ 
men das den HErrn erkennen wird / und in GOttleben? Höre 
Baͤbel / unter deinen Brüdern in Zeit deiner Trangſall / in ihrem 
Elende wirds gebohren / und du heiſſeſt fie Narren und kenneſt 
ſie nicht; Niemand warte auff frembdes kommen / die 
Zeit iſt ſchon gebohren / die Stimme des Ruffers und 
Erhoͤrers iſt ſchon da / die Decke iſt von dieſer Stimme 

weg: 


Cap.42. Von den dreyen Mannernhc. 379 


weg: Dir wird dißmahl nicht unter einer Decke geruf⸗ 

fen / fondern mit offenem Munde / mithellen Augen. 

69. Diefe Stimme des Ruffers eröffnet Gottes 
heifes Ungeficht in feinen Kindern / und inden Gottlo— 
fen das zornige Angeſicht; wollen vollend alles in die 
Selbheit / ale in den Antichriftifiben Sad | in Geige 
einſacken / und die Hure der Gelbheit vollend gar auf 
den Babylonifiben Thurn führen. 

70. Das Zeichen diefes Bildes und feines Unter- 
gange iſt ver Geis und Neid / fein Zeichen iſt zuvorhin 
in Silber und Gold geitanden | das war das Banier 
des Antichriſts: Nun hat fichdas Banier in Kupffer 
verwandelt/ weil Mars die Seele im Kupffer iſt / als 
der Mann; fo iſt auch Babel diefer Mars zum Ba: 
nier und Zeichen gegeben worden welcher follvegieren 
biß Babel ein Ende hatz und Fein gottlofer Menſch 
foll das erkennen / und ob er gleichdas Zeichen in Haͤn⸗ 
den traͤget / fo heiffet ers doch nur lieber Buhle. 

72. Aber dem Neiche das da iftundnicheift/ und 
doch iſt / wird der Schmud des Goldes angehendt wer: 
den / dan der Fuͤrſt der Kraͤffte det Erden hat es ihnen 
gegeben! Amen. 

Das 42. Capittel. 

Bon den dreyen Männern / welche Abraham in Hain 
Mamre erſchienen / was dieſe Figur ſey / welche gen 
Sodom giengen / und die Staͤdte der Kinder 
Hams mit Feuer vom Herren anzuͤndeten. 

Genef. 18. 

r Rſtlich / weil Abraham nur Abram hieß / ſo er⸗ 
ſchien ihm GOtt im Geſichte als Einer; und als er 
den Bund mit der Beſchneidung hatte verfiegelt } 
fo hieß erihn Abraham / alseinen hauffen Völc» 
ker: Ein ausgehauchet offenbahr Volck Gottes / 

in dehnen fih_GHtt hat ausgehauchet oder offenbahret; und er⸗ 

ſchiene ihm ad hernach in der Offenbahrung der H. Dreyfal⸗ 
tigkeit / als in drey Menſchen / welche nur Einer waren / darin⸗ 
nen 


380 Von den dreyen Männernt Cap.42. 


nen die Offenbahrungder H. Dreyfaltigkeit in der Gottheit im 
Menfchen- Bilde dargeftellet ward / wie ſich die ganke Drepheit 
der Gottheit nun welte in dieſem Bunde inder Menſchheit ofs 
fenbapren/ dag man die H. Dreyheit der Gottheit wirde im 
Sleifche ſehen. . 

2. Und zeigte an die groffe Demuht in der Gottheit als in 
Chriſto / wie Chriftus würde bey den Menſchen einkehren / und 
ſich den Menſchen pflegen laſſen; wie er in dieſen drey Maͤnnern 
zum Abraham kam / und ihme lieg die Fuͤſſe waſchen / auch 
aß und traͤnck; Deutet an / daß man den armen Chriſtum / 
welcher in dieſer Melt arm ift / fell in feinen Gliedern und 
Kindern / welche auch nur arme verschte Leuthe ſeyn würden / 
Pflegen; und was man dehnen thue/ das habe man diefen drey 
—— als Chriſto der heiligen Gottheit in der Menſchheit 
gethan. 

3. Die Worte dieſer Figur lauten alſo: ( Genef. 18. verf.1.) 
Und der HErꝛ erſchien ihme in Hain Mamre / da er ſaß an 
ver Thuͤre feiner Huͤtten / da der Tag am heiſſeſten war; und 
als er ſein Angeſicht auffhub und ſahe / da ſtunden drey Maͤn⸗ 
ner gegen ihme / und da er ſie ſaahe / lieff er ihnen entgegen 
von der Thür feiner Hütten / und buͤcket ſich nieder auff die 
Erde und ſprach: HErr / habe ich Genade funden fuͤr Deinen 
Augen / fo gehe nicht für deinem Knechte über / man ſoll euch 
ein weng Waſſers beingen / und euere Faͤſſe waſchen / und 

lehnet euch unter den Baum / und Ich wil euch einen Biſſen 
Brods bringen / daß ihr euer Herge labet / darnach ſolle⸗ ihr 
fortgehen / denn darumb ſeyd ihr zu euerem Knechte kom⸗ 
men: Sie ſprachen / thue wie du geſaget haft: Abraham 
eylet in Die Hütten zu Sara] und ſprach: Syle und menge 
drey Maaß Semmel⸗mehl / knete und backe Kuchen: £r 
aber lieff zu den Rindern / und holet ein zart gut Kalb / und 
gabs dem Knaben / der eylet und bereittete es zu / und er trug 
auff Butter und Milch / und von den Kalbe das er zubereit⸗ 
tet hatte / und fasste ihnen für / und tratt für ſie unter den 
Baum) und ſie aſſen. 

4. Da ſprachen fe zu ihm: Wo iſt dein Weib Sara? Er 
antwortet / darinnen in der Hütten, Da ſprach er: Ichwil 
wieder zu dir kommen / ſo ich lebe; ſtehe / fo ſoll Sara dein 
Weib einen Sohn haben; das hoͤret Sara hinter hme / hin⸗ 
ter der Thuͤr der Huͤtten: und ſie waren be} Sara und 
Abraham alt) und wolbetaget; alſo / daß vs Sara — 

me 


FE WER, 


Cap.42. welche Abraham erſchienen / ꝛc. 381 


mehr gieng nach der Weiber Weiſe / darumb lachete fie bey 
ſich ſelber / und ſprach: Nun ich alt bin / ſoll ich noch Wol⸗ 
luſt pflegen / und mein Herr auch alt iſt; da ſprach der 
Herr: Warumb lachet deſſen Sars / und ſpricht: Meynſt 
du daß das wahr ſey / daß ich noch gebaͤhren werde / ſo ich 
doch alt bin / ſolte dem HErren etwas unmüglich ſeyn ? mb 
dieſe Zeit wil ich wieder zu dir kommen / ſo ich lebe / ſo ſoll 
Sara einen Sohn haben; da leugnete Sera / und ſprach: 
Ich habe nicht gelacher / Denn fie furchte ſich. Eraberfprache 
Ss iſt nicht alſo / du haft gelachet. 

5.9 du groſſer und wunderlicher GOtt! wie einfaͤltig mahleſtu 
das Reich deines Sohns in der Meuſchheit fuͤr; mie find doch die 
allergroͤſſeſte Gcheimnüg darinnen abgebildet / und iſt allhie ja 
fo einfaltig gemahlet / als da Chriſtus zu Jeruſalem auff einem 
Eſel einritt / and da er doch der Koͤnig von Iſrael war. Allhie 
ſolt ihr die hoffaͤrtige Welt billig einen Spiegel nehmen / und ſe⸗ 
hen ob ſie dieſer Einfalt Kinder waͤren. 

6. In dieſer Figur iſt die groſſe Rebe und Demuth Gottes in 
Chriſti Perſon gang fuͤrgemahlet / wie GOtt in hoͤchſter De⸗ 
muht und Einfalt ſey in die Menſchheit kommen / da die Menſch⸗ 
heit in hoͤchſter Hitze des Grimmen Zornes Gottes entbrand 
war / wie allhie die Figur andeutet. 

7. Die orey Männer waren für Abrahams Hütten kommen / 
da der Taz ſey am heiffeften geweſen; das deutet an / dag fich 
Gott mit feinem Liebe-Vunde / und auch mit Erfüllung der 
Zeit/ erſtlich mit dem Wunde habe eingeleibet/ da der menſch⸗ 
liche Tag / verftchet die ſechs Eigenfchafften der Tage warenim 
Menſchen / im Grimm der Natur am heiffeften worden / als im 
Fall / und ſich hernach in Erfüllung der Zeit / als die Menſch⸗ 
heit diefer ſechs Tage inder Eitelkeit und thieriſchen Eigenfcharft 
am heiffeften war / mitfeiner garten Menfchheit aus dem heili⸗ 
gen Bundes⸗Ente offenbahret / und in drey Perſonen der Gott⸗ 
heit für des irrdiſchen Menfchen Eflenz oder irrdiſchen Hütten? 
als der Seelen Hütten kommen / und Abraham das ift A⸗ 
Dam in feinen Kindern / als der menſchlichen Efleng / erſchie⸗ 
nen ſey. 

8. Und iſt uns nun allhier abgebildet das Bilde Chriſti / wie 
Abraham dieſe Maͤnner erblicket / lauffet er ihnen entgegen / 
und buͤcket ſich auff die Erde / und lauffet von feiner Huͤtten⸗ 
thuͤre weg / ihnen entgegen / und bittet ſie ſich unter den Baum 


zu lehnen / big er ihnen thue Das / warumb fir waren zu ihm 
kouuuen. 9.· Wir 


382 Bondendreyen Männern! Cap.ge. 


9. Wir muͤſſen dieſe Figuralfo anfehen ; als fich die Goͤttli— 

che Stimme in dem Ente darinnen fie wolte Menfch werden} 
dem Abraham in 3. Perfonen habe fürgeftellet / fo hat fich auch 
Abrahams gefaflster Giaubens-Ens , dieſem Bilde fürgeftellet/ 
als der Drey-einigen Menfchheitinder Figur: Denn der Ens 
im Bunde in Abrahams Glauben / war mitdiefer groffen Hitze 
Gottes Zornes umbfangen/ da der menſchliche Tag in menſchli⸗ 
cher Eſſentz am heiſſeſten war. 

zo. Als er aber aufffahe / und fahe das Bild’ der Drey⸗eini⸗ 
gen Gottheit vor ihm ſtehen / buͤcket fich diefer Glaubens-Ens 
in hoͤchſter Demuht in Chriſti Perſon / alsder da folte Ehriftus 
werden / vor der Dreyheit der Gottheit / welche war zu ihm 
kommen / welche fich wolte mit der Stimme / welchejego in dic» 
fen dreyen Menfchen mit ihme redete / in Erfüllung der Zeit in 
dieſem Glaubens-Bos ergeben / als die Menfchheit Chrifti vor 
feinem Vatter / und fprach / HErr /habeic Gnade funden vor 
deinen Augen / fo gehe nicht für dieſem Glaubens-Ente als deia 
nem Knechte fürüber. 

ıı. Denn Abraham war jest im Geifte / und redete aus ſei⸗ 
nem Glaubens-Ente in Ehrifti Menfchheit / und nor ihme ftund 
Das Bild Chriſti Gottheit / und fagte in der groffen Demuht der 
Menſchheit Chriſti: Man folleuch cin wenig Warfers bringen / 
und euere Füffe waschen / das ift / die groffe Demuth Ehrifti/ 
der feinen Züngern / als Kindern diefer drey Männer / die Füf> 
fe wuſche / deutet an / daß Chriſtus folte Gottes Kindern / wel⸗ 
che würden aus diefen drey Männern alsausder Drepheit der 

Gottheit gebohren werden / die Füffe damit fie würden zu GOtt 
gehen mit feinem Blute wafchen. 

72. Und er hieß fich die drey Männer unter den Baume leh⸗ 
nen / das ift nun der Baum des Schens andeutend/ darunter 
fich follen Gottes Kinder Ichnen / fo wolte er ihnen einen Biffen 
Brods bringen / daß ſie ihr Herklabeten / darnach felten fie ges 
hen / das ift / Chriftus nach dem er feinen Kindern hat die Fuͤſſe / 
Damit fie Fönnenzu GOtt gehen / als zur H. Drevfaltigkeit mit 
feinem Blute gewaſchen / fo giebeter ihnen einen Biffen Brods/ 
daß fie ihr Hertze ftärden/ daß fie koͤnnen gehen / das iſt das 
Brod des Lebens / als fein himmliſch Fleiſch zu einer Speife / 
daß fie ſtarck werden / und können in Göttlicher Krafft / durch 
dieſe Welt in Gottes Zorne / von Abrahams irrdiſchen Huͤtten / 
dem HErrn entgegen gehen / und ſich für ihme buͤcken / wie dieſe 

Figur andeutet. — 
13. Und 


— u A a 


Eap.42. welche Abraham erſchienen ic. 385 


13. Und faget weiter / denn darumb ſeyd ihr zur eurem Knecht 
kommen / das verftchet alfo: Die H. Drepfaltigkeit ſtund jegt 
allda in einem Bilde unferer Menfchheit / und Abraham ſtund 
im Bilde der Menſchheit Ehrifti/ als wie Chriftus und feine 
Kinder gegeneinander ftchen: Die H. Drenfaltigkeit führet 
Ehrifti Kinder in Goͤttlichem Zug zu det Menſchheit Chriſti / fo 
ſtunden nun jest die drey Männer anunferer Stelle allda vor 
Chriſto / alsvor der Figur / denn der Vatter zeucht fie zu Chris 
flo / und durch Ehriftum im Vatter; in Chrifto werden fte ges 
waschen und verföhnet/ fo fagte num jest Chriſtus zu den drey 
Maͤnnern / die ihme GHrt in feiner Perfon darftellete: denn 
darumb feyd ihr zu eurem Knechte kommen. | 

14. Denn Ehriftus mufte unfer/ als diefer drey Männer 
Knecht werden / und GHtt führer feinedrey Männer als uns / 
die wir zur ihme fliehen / in ich / alsin den Willen der heiligen 
Dreyfaltigkeit/ zu feinem Knechte dem Menſchen⸗Chriſto / dag 
er fie waͤſchet und fpeifet / alsdenn können fie erſt recht munter zu 
der heiligen dreneinigen Gottheit eingehen. 

25. Und die Männer fagten zu Abraham: Thue wie du ge⸗ 
fagt haft / das ift/ Chriſtus beit fich feinem Vatter / als dem 
drepeinigen GOtt zum Knechte an verfichetvas Wort / das 
der dreyeinige EDEL in Adam vom Schlangen⸗⸗tretter einfprach/ 
beut fich dem dreyeinigen GOtt zum Knecht an / alsden Kin 
dern fo da follen das Himmelreich befigen: So fpriht nunder 
drepeinige GOtt: Thue mit diefen deinen und meinen Kin 
dern / wie du gefagt haft / als mit den jeßf für dir fürgeftelten 
Kindern / denm fie follen Engel feyn/ und du folft ihnen darzu 
helffen / venn darumb bin ich in ihnen zu dir kommen / nun thue 
wie dur gefagthaft. 

16, Allhie übergab GH dem Menfchen Chrifto das Con- 
fummatum mit ihnen zu vollbringen / wie er gefaget hatte / und 
ift die gantze innigliche fchöne und heilige Figur der neuen Wie⸗ 
dergebuhrt / wie fich Die heilige Dreyfaltigkeit/ mit Figuren / 
init dem eingeleibten und in Adam eingefprochenen/ undin A⸗ 
brahams Glaubens-Enre eröffneten Worte erluftiget / und mit 
Bilden da fürftellet / und mit demfelben zufünfftigen Chrifto 
in Figuren fpielet / da GOTT die Perfon Ehriftiin Abraham 
fürftellet / und die Kinder der Neuen Gebuhrt / welche Chris 
ſtus folte neugebähren / in der Perfon der drey Männer / als 
in der dreyeinigen Gottheit / welche fie durch Chriſtum in fich 
einführet/ und in die englische Chor verfegt /als ——— 

Man⸗ 


384 WVon den dreyen Männern! Cap.42. 


Männer in Geſtalt dreyer Engelerſchienen / und auch in Pers 
ſon der heiligen Dreyfaltigkeit / deutet an / daß die heilige Drey⸗ 
faltigkeit wolle in dieſem Engliſchen Menſchen wohnen / und daß 
ſte ſollen das Bilde als Gottes Offenbahrung ſeyn. 

17. Abraham hieß drey Maaß Semmel⸗mehl nehmen / und 
kneten / und Kuchen backen / den Maͤnnern zu eſſen: was iſt das? 
Dieſe Maͤnner durfften keines ſolchen Eſſens. Es iſt die Figur 
der menſchlichen Wiedergebuhrt: Drey Maaß deuten an die 
drey Principa, als die drey Welt im Menſchen: Semmel⸗ 
mehl deutet an die hinunliſche Menſchheit / als Göttliche himm⸗ 
liſche Weſenheit / das ſolte mit unſer in Adam werblichenen / 
auch diefer himmliſchen und göttlichen Weſenheit Eigenſchafft 
gekneten und gemenget werden / und ein goͤttlicher Kuchen / als 
ſuͤſſes Brod / zur Speiſe der Kinder Gottes daraus gebacken 
werden / verſtehet in der Hitze. 

x8. Verſtehet / als Chriſtus im Feuer feines Vatters Zorns / 
als in der Hoͤlle ſtund / da wurden dieſe ſuͤſſe Kuchen fuͤr Gottes 
Kinder gebaden/ die fie ſollen eſſen / und drey Maaß ſind nun 
die 3. Welte / als der gantze Menſch ohne die Schlange und 
thieriſche Eigenſchafft / die ſollen in ein Teig mit Goͤttlichem 
Ente gemenget / und Kuchen Daraus gebacken werden / das iſt 
nun Chriſti Fleiſch / das er mit unferer Menſchheit hat gemenget / 
und giebet uns nun jetzt die ſuͤſſen Kuchen davon / als das himm⸗ 
liſche Fleiſch zu eſſen: Allhie ſpielete der H. Geiſt in der Fi⸗ 
gur darmitte. 

19. Und Abraham lieff zu den Rindern / und bereitete auch 
ein gut zart Kalb zu / das iſt: Er gabs feinem Knaben / daß er 
es zubereitete. O du wunderlicher GOtt! wie gar geliebet dir 
doch nur die Einfalt! wie einfaͤltig ſtelleſtu uns die groſſen Ges 
heimnuͤß fuͤr? Ich dancke dir daß du mir unwuͤrdigen 
Menſchen ſolches zeigeſt / daran die gantze Welt blind 
iſt. O GOTT thueihnen doch die Augen auff / daß ſie 
das ſehen / und ſich zu dir bekehren / und in die De— 
muth tretten. 

20. Das zarte Kalb / das mit zu dieſem Mahl zubereitet 
ward / ift der Limus der Erden / als der äuffere Menſch / welcher 
vor GOtt als ein Thier iſt: Verſtehet / er iſt ein Wunder-thier/ 
gleich wie die gantze aͤuſſere Welt vor dem Goͤttlichen Berſtande 
nur als ein Thier iſt / darinnen ſich GOtt mit dem heiligen / 
gtiſtlichen Ente in ein aͤuſſerliches Korpus formet zur Offenbah⸗ 

rung 











Cap.42. welche Abraham erſchienen ec. 385 


rung feiner Wunderthat aus Liebe und Zorn / welche Figur der 
äuffern Welt / als das Göttliche Thier / nicht ſoll alſo gar zu 
Nichts werden / fondern nur die Eitelkeit follvom Butenins 
Reich der Finſternuͤß gefihieden werden, 

21. Alfo wil auch GOtt das göttliche Thier am Menſchen / 
welches zwar allyier ftirbet/ nicht gang wegwerffen / ſondern 
nur deneingeführten Schlangen-Ens,, und die Eitelfeitder fine 
fern Welt Weſen; das göttliche Wunder⸗thier / welches des 
Goͤttlichen geiſtlichen Bildes Knecht iſt / undin Ewigkeit ſeyn 

ſoll / das ſoll am Juͤngſten Tage auffſtehen / und ſoll durchs 
Feuer Gottes probiret werden / da es denn ſoll gar rein werden/ 
als ein Cryſtall / in dehme der Engel / als Gottes rechtes Bil⸗ 
de wohnen ſoll / in welchem Engels-bilde erſt GOtt offenbahr 
iſt / und daraus durch das Thier ſcheinet / als wie die Sonne 
durch ein Cryſtall: Dieſes num deutet das Kalban / als das 
zarte gute Kalb / das mit zu dieſem Mahle zubereitet ward / daß 
auch der aͤuſſere Menſch / nach der rechten in Adam geſchaffenen 
Bildnuͤß aus dem Limo der Erden ſoll auff Gottes Tiſch ge⸗ 
bracht werden. 

22. Daß aber der Geiſt ſaget / Abraham hab es dem Knaben ge⸗ 
geben / zu zubereiten / der Knabe deutet an den Diener / als dieſer 
himmliſche Thier⸗Menſch / iſt der Werckzeug des Engels-Men⸗ 
ſchen / der wird zu einem Diener des Engels-Vildes zubereitet. 

23. Auch trug Abraham dieſen drey Maͤnnern Butter und 
Milch auff / und ſatzte ihnen das alles für / und tratt für fie unter 
den Baum / und fteaffen. Wenn Ehriftus feine Kinder mit fei= 
nem Leib und Blut gefpeifet hat / und indehme er ftefpeifet / ſo 
tritter im feinen Kindern / in feiner Krafft fürdie heilige Drey⸗ 
faltigkeit / umd wartet in feinen Kindern diefen drey Männern 
auff/ und giebet ihnen aus diefer zubereiteten Speife / damit er 
feine Kinder fpeifet/ Lob und geiftliche Speife. 

24. Diefelben heiligen geiftlichen Speifen / aus Krafft des 
Seibes Ehrifti effen dieſe drey Männer/als die Heil. Drenfaltige 
keit denn des Menfchen Wille giebet fich diefen drey Maͤnnern 
gantz eigenthuͤmlich zur $obe-Speife mit einer heiligen Stint- 
me und Sobe-Gebethe ein / und dieſelbe Sobe-Stimme iffet die 
Kraft GOttes in fich / auf Arth wie ein Menfch eine Stimme 
aus einer lieblichen Mufica in fein Gchör gerne iffet / und darin⸗ 
nen frölich iſt: Alfo auch erwecket fih GOtt in feiner Krafft/ in 
feinem Worte des Gchörs oder Göttlichen Senlu mit des Men» 
ſchen reinen demüthigen Lobe⸗Stimme. 

R 25. Deun 


386 Bon den dreyen Männern Cap.ar: 


25. Denn darzu hat GOtt Engel uud Menfchen erfchaffeny 
als zu feiner eigenen Freude / und follet wiffen / daß wir aus 
dem wahren Grunde reden | nicht aus Wahn oder 
Gleichnuͤſſen / fondern aus dem offenen Siegel GOttes 
im ſchauen / verftehets nur reiht. 

26. Und als ſich nun jest bey Abraham hatte GOtt in dein 
himmliſchen Ente, den er wolte im Weibes-Saauen als auch 
himmliſchen Ente, in den Ens des Bundes mit Eröffnung des le— 
kendigen Worts offenbahren und einführen / eelufkiget und für 
ihme gefpielet/und fich in Abrahams Glaubens-Ente, als in der 
Krafft des Lobes Abrahams gefpeifet/als in feiner Demuͤthigkeit / 
ſo fragte GOtt nach Sara) welche er wohl wufte/ aber die Sara 
ihn nicht wufte/ dag es der Her in folcher Form wäre/fo fprach 
er zu Abraham / wo ift dein ABeib Sara? Das ift / Sie war noch 
gicht in dieſem Spiel / biß ſte Abrahams Glaubens⸗Ens empfieng / 
ſo erweckte ſich in ihr dieſes Spiel / darumb lachete fie diefes / 
denn ſie wuſte nicht die Geheimnuͤß / ſie offenbahrten ſich jetzo 
alleine in Abrahams Geiſte / da der Gluubens-Ens lag / und er 
ſprach; ſte iſt in der Huͤtten. Das iſt: 

27. Sie iſt in der menſchlichen Hütten mit der irrdiſchen Huͤt⸗ 
ten verdeckt / daß ſie nicht ſtehet wer bey mir iſt / uñ der Herz ſprach: 
Ich wil wieder zu dir kommen / ſo ich lebe / ſiehe / ſo ſoll Sara dein 
Weib einen Sohn haben / das heiſt / ich wil mit derBewegung dei⸗ 
nes Saamens wieder zu dir kommen / weñ Sara wird ſchwanger 
werden / ſo wil ich ſte in ihrem verſchloſſenen Saamen auffloͤſen / 
und in deinen Saamen kommen / das iſt bewegen: Den kommen 
heiſſet gehen bewegen: Wenn Gott komt fo beweget er den 
Menſchen / und komt oder gehet in und mit dem Menſchen. 

28. Daßer aber ſaget: So ich lebe / das iſt auff eſſentialiſche 
Weiſe geredet: Denn GOtt ſagte ihm wie er kommen wolte / 
nicht vor ihn / wie dißmal / ſondern So / das iſt / wie ſich der Son⸗ 
nenſchein und Krafft in eine Frucht eingiebet / ſo tritt ſie nicht 
neben die Frucht / wenn ſie komt / ſondern So / das iſt / ſie dringet 
eſſentialiter mit dem So ein: Deñ So iſt fo viel / als ich wil ein⸗ 
ſehen. So ich lebe / verſtehet man nicht / als ob er ſagte / wo ich 
noch lebe / ſondern er wolte in dem So leben: Er wolte indem So 

als eſſentialiter kommen / und nichtfigurlich / wie dißmahl. 

29. Denn wenn GoOtt komt / fo komt er anderſt nicht als So / 
das iſt / wie ein Sonnenſchein in die Frucht: In der Natur⸗ 
fprache verſtehet man das eſſentialiter gar ſchoͤn; Denn ſo GOtt 

vorn 


Cap.42. welche Abraham erfihienenhc. 387 


von feinen eigenen Kommen redet /fo redet er nureflentialite 
auff Arth der uncompactirten (enfualifchen Zungen. 

30. Und Sara lachtediefes + Sie dachte / fie ſollte erſt einen 
Sohn aus Abrahams Luſt menſchlicher Beywohnung in Flei⸗ 
ſches Luſt zeugen / darumb fagte fie / follich erſt / da ich und mein 
Her: alt ind/noch Wolluſt piegen ? Der thieriſche Welt⸗ Geiſt 
lachete feiner Zugend / daß er nunmehr ſchwach war / und follte 
erft wieder geil werden / und dachtedas wäre cin Spiel/ wenn 
du Fönteft : Gleich als ob man einem alten Menſchen ſagte / du 
follft jego wieder jung werden / und wieder eine folche Begierde 
und Luſt empfahen / als da dp jung wareſt / deffen würde dic Na⸗ 
tur lachen / und denen / ja wenus wahr wäre / da halb Zweiffel 
und halb. Hoffen bey einander wäre: Alfe giengs auch Sarg / den 
der Welt-Geift verftchet nicht GOttes Geheimnuͤß: Er it 
vor GOtt nur alsein Thier /und weil der Welt-Geift jet hoͤ⸗ 
rete / daß es follte alfo zugehen / fo dachte er / du ſollſt Werckmei— 
ſter feyn / ja wenn du auch koͤnteſt / dur wolteft wohl gerne / und 
lachete feiner felber/ daß er follte wieder jung werden. 

zr. Alfo viel verficher der natürliche Menſch von GOtt / wie 
ein Thier/ wenn es das Heu fichet / fo dencket es / num iſt zu eſſen 
da / ſo es aber nichts ſiehet / ſo hoffet es aus Gewohnheit: Aber 
Sara hatte nun gehoffet / biß fie war neuntzig Jahr alt worden / 
und dauchte ſie wunderlich ſeyn / daß GOtt wolte etwas an ihr 
thun uͤber der Natur Lauff und Gewohnheit / und bildete ihr das 
auff menſchliche Wolluſt⸗weiſe ein. 

32. Aber der HErr ſprach: Warumb lachet deß Sara? Und 
fie furchtete ſich und fprach : Sch Habe nicht gelachet. Aber dir 
Herfprah: Es iſt nicht fo/ du haft gelachet/follte dem HErm 
etwasunmöglich feyn 2 Allhie ſtehet das Bilde der Erz / als ſte 
ihren Vorwitz in eigener Luſt nach) dem verbottenen Baum ge= 
wendethatte / und fie GOtt hernach fragte / warumb ſie das ge⸗ 
thanhätte ? Leugnete fie auch ihre cigene Luſt / und legte es auff 
die Schlange. ü 

33. Weiljegoallyie GOtt hatte mit Abraham vonder neuen 
Geburth gefpielet / fo ſpielte er auch, allyie mit Sara von Erz 
Luſt / welche dieſer Weibes-Saame ] als eine Lügen follte toͤd⸗ 
ten : Denn darumb mufte Sara allhie jego eine Lügen fügen / ſie 
haͤtte nicht gelachet / daß Eva häftegelogen ; Se ftellete ihmt 
jetzt GOtt der Evz Sügen für / wie er ſte wolte mit der ewigen 
Wahrheit zu ſchanden machen / und zurücke treiben / wie er Sa⸗ 
ra thaͤte / und ihr die Luͤgen eintrieb / Das fie ſich muſte ſchaͤmen. 

Rz a 34. Und 


8 


388 Dom Untergang Sodom Cap.43. 


34. Und ſollet allhie verſtehen / daß GOtt den gantzen Proceß 
habe fuͤrgeſtellet / wie er den rechten Menfchen/den er ſchuff / wol⸗ 
te wieder neu gebaͤhren; wie das zugehen wuͤrde / und wie er den 
Schlangen-Ens wolte im ewigen Feuer verbrennen / und wie er 
die Luͤgen der armen Seelen wolte am Creutz zu Spott machen 
und toͤdten / denn das ſehen wir allhier gar fein im Bilde. 

35. Nachdehm GOtt hatte ven Proceß der neuen Gebuhrt 
dargeſtellet / ſo giengen dieſe drey Maͤnner gegen Sodom / und 
wolten den Ham / als die boͤſe Hams fleiſchliche Eigenſchafft mit 
Feuer vom HErrn verbrennen / wie auch geſchahe; daß mans al> 
fo fein ſtehet wie das Gerichte GOttes am Haufe Iſrael an» 
faͤhet / wie Chriftus fey zu einem Nichter des Teuffels-Entis und 
Willen eingefest worden / welcher foll dem Teuffel fein Weſen 
mit Feuer verbrennen; wie diefe nachfolgende Figur andeutet. 


Das 43. Capittel. 

Vom Untergang Sodom und Gomorra / wie es GOtt 

dem Abraham zuvor andeutete. 
Genef. 18.19. c. 
f Noder Her: fprach zu Abraham /alser Abraham 
'gefeegnet hatte / und gefaget / wie er würde feinen 
Kindern befchlen des HErrn Weege zu wandeln / 
und wie er wolte fie alfo ſeegnen / wie forne erklaͤret 
worden ift : Siehe es iſt einGefchrey zu Sodom 
und Gomorra / das iſt groß/und ihreSuͤnden find faft ſchwer / 
darumb wil ich hinabfahren und ſehen / ob ſie alles gethan ha⸗ 
ben nach dem Geſchrey / das für mich kommen iſi / oder obs 
nicht alfo ſey / daß ichs wiſſe: Und die Männer wandten ihre 
Angefichter und gtengen gen Sodon. GOtt ſprach: Wie 
kan ich Abraham verbergen was ich thue / fintemahl er EU 
ein groß Dolch werden : Und zeigte ihme auffdiefes an / was er 

thun mwolte. 

2. Diefe Figur fiehet die unerleuchtete Vernunfft wunder⸗ 
lich an / daß Gott fagte / er wolte hinabfahren und ſehen / ob das 
Geſchrey wahr waͤre / daß ers wuͤſte / und ob es alſo ſey oder nicht: 
So dencket die Vernunfft / iſt er denn maͤßlich oder allein oben / 
weiß er nicht zuvorhin alles ? fo Doch die Schrifft von ihme ſaget: 
Pin nicht Ichs / der es alles erfüllee ? Item / der Himmel ift 
mein Stuhl / und die Erde iſt mein Fußſchemel; wolte er dann 
erſt herabfahren gleich einem maͤßlichen Weſen / das von Zeit und 
Staͤtte abgetrennt ſey? 3. Viel⸗ 


Cap.43. und Gomorra ꝛc. 389 


3. Bielmehr iſt ihr ungruͤndlich das Gefihren } das vor ihn 
fey hinauff fommen : Aus welchen Urfachen die erentürliche 
Vernunfft dencket / GOtt wohne allein oben üver dem Geſtirne 
in einem Himmel allein / und ſehe herunter / wie der Sonnen 
Glaſt ausihrem Coͤrper auff die Erde fichet und ſcheinet: Alſo⸗ 
weit iſt die Vernunfft kommen / mehr weiß ſie nicht / was GOtt 
und wo GOtt ſey ? Sie weiß nicht dag er alles Weſen iſt / und 
durch alles Weſen wohnet und keine Staͤtte beſttzet / auch keinen 
Orth noch Raum darff zur Wohnung / und daß er / ſo viel er GOtt 
heiſſet / doch kein Weſen iſt / ſondern gegen dem Weſen / gleich als 
ein Nichts iſt / und da er doch durch Ales iſt / und ſich ſelber dem 
Weſen wuͤrckende einergiebt / gleich wie der Sonnen Krafft der 
Frucht / aber nicht von auſſen hinein / ſondern von innen heraus 
würdet zu feiner ſelbſt Offenbahrung mit der Creatur und ihrem 
Leben / und dag die Natur und Creatur feine Offenbahrung iſt; 
fo fie dieſes recht verftünde / fo hätte ſie allhie Feine weitere 
Frage. 

4. Spverftchet nun den Innhalt alſo: GOtt wohnet in fich 
felber/ beydes nach der Siebe und nach dem Zorne/ ein jede Eigen- 
ſchafft ſiehet nur in fich felber / und ift in der andern mit feiner 
ſelbſt Eigenfhafft nicht offenbahr / wie ihr deſſen ein Gleichnuͤß 
am Tage und Racht/ als an Liecht und Finſternuͤß habet: Das 
Sicht wohnet in der Zinfternüg und ftehet das nicht/ alfo auch 
fiehet dieginfternüß das Liecht nicht s und wie das Liecht in feiner 
groffen Sanfftmuth im Feuer wohnet / und nimt doch nicht des 
Feuers Quaal und Peinan fich/ ſondern bleibet alleine gut / ohne 
ern fühlend geben des Feuers / und da es doch durch das Verzeh⸗ 
zen des Feuers / als durchs Sterben des Wefens uhrſtaͤndet: 
Alſo auch verftchet das ABefen GOttes. 

5. GOttes Siche-Auge ſiehet nicht effentialiter in die boßhaff⸗ 
fe abgewendte Seele / wie dann auch nicht in Teuffel /fondern 
fein Zoen= Auge ſiehet hinein / das ift/ nach des Zornes oder Feu⸗ 
ers Grimmes Eigenfchafft ſiehet GOtt im Zeuffel und in der 
falfhen Seele. 

6. Darumb fagte GH : Es wäre ein Gefchrey für ihn 
kommen / da verftund Er für fein geoffenbahrtes Wort / als für 
De Stimme im Goͤttlichen geoffenbahrten Ente tiefer drey Maͤn⸗ 
ner / fuͤr den Eus, und fürdas Gehör / das fich hatte indem ver» 
heiffenen Ente ‚dem Menfchen zur Menfchheit Ehrifti jest in 
drey Perſonen fürgeftellet / war es kommen. 

7. Denn dieſem Worte oder Gehoͤr war das Gerichte uͤber 

R3 als 


399 DBom fintergang Sodom  Gap.43. 


alle Teuffel und gottloſe Men ſchen gegeben worden/dan das war 
das bewegliche Gchör/ dadurch GOtt der Vatter in die Menſch⸗ 
heit hörete/ Dadurch er wolte Das. Böfe vom Guten feheiden. 

8. So hatte nun dieſes Gchör/ als das Gehör / das fich wolte 
in der Menfchheit in Ehrifti Perfon offenbahren /die Stimme 
ver Sooomiter ale der Hams-Kinder in fich / das ift /nach des 
Zornes Eigenfchafft gehöret/ und das Gehör für das unendliche 
Gehör ins erfte Principium , als in Urftand der Natur und 
Creatur eingebracht: Dan die Sodomiter/alsgleifhes-Kinder/ 
Seben alle im Gehör diefer Welt/als im außgefprochenen geform⸗ 
sen Worte /in der Figur der Gottheit / da Böfes und Gutes in 
einem Aefer zugleich offenbar ift. 

9. So verfichet uns num feharff /die englifche Welt heiſſet 
oben / und die geformte auffere Welt Heiffet unten / auff Art gere> 
det / als wann man ein Feuer anzünder)fo ift das Liecht oben und 
Das Weſen unten: Wann man von GOttes oben redet / ſo ver⸗ 
ſtehet man innen: Dann das innen auffer dem Weſen ift das 
oben / dann es iftauffer dem Weſen alles oben / kein unten; das 
unter dem Weſen / iſt auch oben. 

10. So war nun das Geſchrey der Sodomiter für das Oben 
kommen /als für und in das erſte Principium , da fich das Oben 
aus dem Nichts in den erften ewigen Anfang/als zu einer Natur 
und Formung der Kräffte oder Worts faffet / und GOttes ges 
faffetes Wort oder Stimme aus des Batters und Sohnes Ei⸗ 
genfchafft / aus GOttes Siebe und Zorn / C welche fich hatte mit 
Der Berheiffung dem Menfchen zu einem Chriſtus verheiffen / 
und in einen Göttlichen Ens gefaffet ) hatte das Geſchrey in der 
Eigenfchafft des Zornes/damiter ein Nichter des gottlofen We⸗ 
fens ift/ gehöret. 

11. So ſprach der Vatter: Sch wilhinabfahren daß ich fehe/ 
ob es alfo ſey / das iſt / mit demfelben gefaffeten Gehör diefer drey 
Männer indem Ens, den GOtt hatte zum Nichter der Welt ges 
formt / der da follte Chriftus werden / kam er herab / das iſt / aus 
dem Dben. 

12. Denn derſelbe Ens folfte creatürlich in der Perfon ſeyn / 
darumb war er im gefaffeten Worte der Berheiffung förmlich 
auff Engels Arth / und damit kam er von oben / das iſt aus dem 
Oben / als aus GOtt / aus dem unwandelbahren GOtt; und hoͤ⸗ 
rete erſtlich in Abraham in des Bundes Ens, in das Ziehl ſeines 
Bundes mit ſeiner Liebe: Und mit dem Zorne / als in dem Gehoͤr 
des Feuers hoͤrete er in der Menſchen Boßheit und — J. 

a 


Cap.43. und Gomorra lic. 391 


ſahe mit dem Zorne was fie machten/ das ift/ fein Grimm fahe in 

der Menfchen Eitelkeit und Borheiteflentialiter ein/auff Arth / 
wie cin Modersfeuer ineinem Holtze entſtund / und wolte das 
Hol verzehren : Alfo auch ſahe GOtt mit feinem Zornsauge in 
dem geformten Ente, durchs felde Richter⸗-Wort in Chriſti En- 
te, darinnen er wil die Welt richten / in die gottloſe Schlangen⸗ 
ſucht und Willen der Kinder Hams zu Sodom und Gomor⸗ 
ra ein. 

13. Denn als ihme GOtt in Abraham die neue Gebuhrt ſei⸗ 
ner heiligen Kinder aus feinem Liebe⸗Ente fürftellete / fo ſtellete 
er ihme auch das Gerichte in feinem Zorn: Ente fuͤr / wie er durch 
dieſen Chriſtum wolte die Gottloſen im Feuer „Frobiren. 

24. Und iſt das Gerichte über Sodom eine Figur des Juͤng⸗ 
ſten Gerichts / gleich wie die drey Maͤnner vorm Abraham eine 
Figur unſerer neuen Engliſchen Menſchheit waren / da GOtt im 
Menſchen wohnet / alſo auch ſein Zorn in den Gottloſen; Und 
ſehen wir allhie / wie GOtt wil die Teuffel und alle gottlofe 
Menſchen durch die Kinder der Heiligen richten / gleich wie er 
jego allyier die Figur desRichter-Ambts in einer Drey-⸗Menſch⸗ 
or fürftellete / und Sodom und Gomorra von der Welt ver> 
tilgete. 

ı5. Auch ſprach GOtt zu Abraham: Wie kan ichs Abra= 
ham verbergen wasich thue ? Dem irdifchen Abraham wäre es 
serborgen gewefen / aber dem Himmlifchen aus GOttes Ente 
woltees GOtt nicht bergen / und ftellete allyie GOtt die Figur 
feiner Liebe und feines Zornes dar / als die Menfchheit Ehrifti in 
der groſſen Demuth und Liebe / und feine Wahrheit und Gr > 
rechtigfeit im den giween Engeln. 

16. Denn alſo faget der Tertim Mofe x Und Abraham blich 
ſtehen vor dem Herrn / als diefen dreyen Maͤnnern / welche er jetzt 
nur einen heiſt / und tratt zu ihme und ſprach: Wilſtu dann den 
Gerechten mit dem Gottloſen umbbringen / es moͤchten vielleicht 
fuͤnfftzig Gerechten in der Stadt ſeyn / wolteſtu die umbbringen / 
und dem Orthe nicht vergeben unb fuͤnfftzig Gerechter willen / 
die drinnen waͤren? Das ſey ferne von dir / dag du das thuſt / und 
tödteft den Bercchten mit dem Gottlofen / dag der Gerechte ſey 
wieder Gottloſe / das fey ferne von dir /der du aller Welt Rich» 
ser bift/ du wirft fo nicht richten. 

17. Diefesiftnundie gar fchöne Figur / wie Abraham (im 
Blaubens-Ente in Chriſti Perfon und Geift ) für GOTT I 
' als für den Dreysrinigen — fuͤr die ſtrenge — — 

R4 14 


392 Dom Untergang Sodom Gap.43. 


feit GOttes tritt / und den Batter wilverföhnen / und für feine 
. Kinder bittet / welche unter dem Hauffender Gottlofen wohnen/ 

daß doc fein Batter wolte dieſen Ort (mo noch fromme Men 
fen wohnen) verfchonen mit der Straffe / und zeucht feine 
Barmhertzigkeit in feine Gerechtigkeit / und ſaget: Du wirſt fo 
nicht richten / der du aller Welt Richter bift . 

18. Diefe Figur ift anders nichts / als GOTT in feiner Ge⸗ 
rechtigkeit / und GOTT in Ehrifto mit feiner Barmhertzigkeit. 
Allhie ftunden die zwey Bilde neben einander; was wäre es fonft/ 
daß * gi wolte SOET aufhalten / dag er wicht thue was 
er wolle 

19. Der Menfh Ehriftus hält GOttes Gerechtigkeit und 
firenges Gerichte über den Hauffen gottlofer Menfchen auff / 
ſonſt wären fie wol im Paradeiß im erften Ungehorfam gefreffen 
soorden. Diefer ifts / dvervor GOTT undin GOTT tritt/ als 
in GOttes Zorn / denn erift aus GOTT / darum kan er vor 
GOTT treiten. 

20. Das ift das geformte Wort / als die Creatur ftehetvor 
dem Berichte/und figet im Gerichte/und läft den Zorn nicht rich⸗ 
gen / weilnoch fromme Menfchen da find / wie allhie zu fehen ; 
wan noch schen Perfonen wären fromm gewefen / fo hätte GOtt 
verfihonet: Aber da warennicht mehr als nur drey Perfonen 
noch überigvor GOTT /als Loth mit zwey Töchtern ; fein Weib 
war auch nicht tuͤchtig und darumb / ob fie wol aus Sodom 
ausgieng / doch ſtehen blieb und zur Saltz⸗ſeulen ward / wie her⸗ 

ach ſollerklaͤret werden. 

21. Abraham / das iſt / der Geift Ehrifti / handelte fo weit 
mit GOTT / daß GOTT wolte um zo. Perfonen aller diefer 
Örther verfchonen : Aber fie waren alle abgewichen biß auff feines 
Bruders Sohn / welcher ein Fremdling unter dieſem Volcke 
war / den führte GOTT voncheheraus/ che erden Grimm an⸗ 

uͤndete. 
22. Gantz verdeckt redet alhier der Geift im Moſe und Eſra / 
welcher dieſe Geſchichte / nach deme ſie bey den Kindern Iſrael 
verlohren worden / wieder in GOttes Geiſte auffſchrieb; Und 
ſtehet man eigentlich / wie der Geiſt ſo genau auff die Figur beym 
Abraham ſiehet / und andeutet / was darbey zu verſtehen ſey. 

23. Denn bey Abrahams Erſcheinung redet er von 3. Maͤn⸗ 
nern / und allhie redet er vonz. Engeln / welche find gen Sodom 
gangen / und die Staͤtte verderbet: Anzudeuten / daß die Perſon 
Chriſti der dritte ſey / welcher nicht mit gieng / denn allhie giengen 

nux 


Cap. 43. und Gomorra / ꝛtc. 393 


nur zween / als GOttes Wahrheit und GOttes Gerechtigkeit / 
als das Gerichte und die Wahrheit: das Gerichte blieb in So— 
dom / und die Wahrheit fuͤhrete Loth heraus. 

24. Und als dieſe beyde gegen Abend (da ihre Zeit aus war / 
und ihr Tag vergangen war )gen Sodom kamen / ſaß Loth unter 
dem Thore; und da er fie ſahe / ſtund er auff ihnen entgegen / und 
buͤckete ſich mit ſeinem Angeſicht auff die Erde / und ſprach: Sie⸗ 
he HErr / kehret doch ein zum Haufe euers Knechts / und blei— 
bet uͤber Nacht / und laſſet euere Fuͤſſe waſchen / ſo ſtehet ihr 
Morgens frühe auff/ und ziehet euere Straſſen: Aber ſte fpra= 
chen / Nein / ſondern wir wollen über Nacht auff der Gaſſen 
bleiben: Da noͤtigte er ſte faſt / under machte ihnen ein Mahl / 
und buch ungeſaͤuerte Kuchen / und fie aſſen. 

25. Wenn man dieſes in ſeinem rechten Verſtande wil andeu⸗ 
ten / ſo ſpricht man es alſo aus: Der Sodomiter Geſchrey war 
der Fluch / dehn Noah uͤber Ham thaͤte / als er ihn (wegen ſeiner 
unz uͤchtigen viehiſchen Augen und Begierde) verfluchete; der— 
ſelbe verfluchte viehiſche Geiſt hat ſich in der boßhafftigen gantz 
irrdiſchen und ſchlangiſchen Eigenſchafft im Fleiſche und Seelen 
dieſer Hams⸗kinder fortgepflantzet und auffgezogen / daß er ſich 
hatte ins Koͤnigliche Regiment eingeſetzet / unter welchem ſie mehr 
Bichifh als recht Menſchlich lebeten. 

26. Dieſes Geſchrey des im Zorn auffgewachſenen verfluchten 
Schlangen-Entis war jest in feiner Mutter (als im Zorn GOt⸗ 
tes inder finſtern Welt Eigenfchafft ) offenbuhr und lautbahr 
worden / und hatte das Gerichte über und in fich erwecket; ſo ſand⸗ 
te nun jetzt GOTT sin Gericht über den Schlangen-Ens, das 
war des Enochs verborgenen und jest eröffneten Giegels Zeit/ 
(wie forne von den ficben Linien angedeufet/) da feine Berbor> 
genheitam Ende war / und jetzt als ein Schallfeiner Predigt im 
Wort der Krafft offenbahr ward / beydes in Liebe und Zorn. 

27. Als im Abraham in der Liebe / da ſich das geformte Wort / 
das man bey Enochs Zeiten aufieng zu lehren / jetzt im geformten 
gewachſenen Ente (oder Weſen) in Abraham offenbahrete / mit 
dem verheiſſenen und heiligen Glaubens⸗ſaamen / und in den 
Kindern der Boßheit (vonder verfluchten Hams⸗Art ber) offene 
bahrte fih allyie des Zornes Eigenfhafft aus der Predigt E— 
nochs / da er mit Gottes Berichte und Straffe dreuete; dieſelbe 
war in den Kindern der Boßheit mit auffgewachſen / und zu einer 
zubſtantz werden. 

28. Und als ſich jetzt dieſes Encchs Siegel eroͤffnete / nf feine 

— Ber⸗ 


394 Vom AUntergang Sodom Cap.43. 


Verborgenheit am Ende war / und nun ſolte (nach Liebe und 
Zorn ) offenbahr werden / fo ſtellete eine jede Eigenſchafft fein 
Weſen dar zur göttlichen Beſchauligkeit: als was das Wort 
im Liebe⸗ ga unter dem Schall Enochs hatte gewuͤrcket / und 
auch der Schall des Draͤuens des Zorns Gottes. Jetzt eroͤffne⸗ 
ten fich die Weſen beyder Eigenfchafft / und flellten fich ins Ge— 
richte zum Urtheilder Gerechtigkeit GOttes; fo ſtundt nun jetzt 
am Urtheil allda / als in Abraham / Ehriftus in dem Gerichte 
der Buspredigt Enochs; und inder Draͤuung der Straffe des 
Enochs ftundt jetzt allda im Gerichte / ingen Kindern des Fluches 
in Ham / das ernſte Gerichte GOttes/ als der Fuͤrſt Lucifer 
zum exequiren in Grimme GoOttes / als ein Diener des Hauſes 
der Finſternuͤß. 

29. Denn GOTZ ſagte zudem Volck Iſrael am Berge Si⸗ 
nai: Sch wil heimſuchen und ſtraffen die Miſſethat ver Eltern 
enden Kindern biß ins dritte und vierdte Glied; welches allhie 
zu ſehen iſt an Ham / Noahs Sohn: Allhie kam erſt Noahs 
Fluch ins Gerichte. 

30. Und wurden allhie zween Engel / das iſt / in Krafft und 
Maͤcht des Gerichts an Chriſti ſtatt geſchicket / weil Chriſtus 
noch nicht im Fleiſch und Ambte war / denn Chriſti Ambt blieb 
in Abraham vor dem HErrn ſtehen / und batt fuͤr die abtrinnige 
Menſchen zu Sodom und Gomorra. 

3r. Als ſie aber im Gerichte / alsim Ambte der Siebe Chrifti 
mit Abraham vor dem Hera probiret wurden / ob noch Men⸗ 
ſchen zu Sodom wären / welche des Ambts Chriſti in der Liebe 
Fabia waren/undaber keine erfunden wurden; fo blieb das Ambt 
Chriſti in Abraham zuruͤcke / und gienge nicht mit nach Sodom: 
Aber das Ambt Goͤttlicher Ge erechtigkeit und Wahrheit gienge 
in Geſtalt zweyer Engel gen Sodom / und ſchaueten gantz innig⸗ 
lich in ihre Elleng und Weſen / probirten das in ſich / wie dan zu 
ſehen iſt; Seradedeß zween Engel in die Stadt kamen / er⸗ 
oͤffnete ſich ipre Eigenſchafft / und wolten dieſe Männer heraus 
Baftr lich haben. 

2. Denn diefe zween Engeldatten ihre Eigenſchafften erreget 
oder beweget / und fuͤr den HErrn geſtelt zu ſchauen / was in ih⸗ 
nen waͤre / funden ſie / daß fie nur vichifche ungichfige, Möra 
Der waren / Das ſtelleten fie ins Berichtes Jet muſten fie mis 
3% ach ihrer Zend gerichtet werden. 

33. Daß aber der Geiſt im Moſe deutet / Loth ſey unter dem 
Thore ge J ſſen / und babe dieſe Engel erkaft / und ſie genoͤhtiget / bey 

ihur 


| Cap. 43. und Gomorra / ꝛtc. 395 


ihm einzukehren / und habe ihnen die Fuͤſſe wollen waſchen / und 
Kuchen gebacken; und daß ſie geſſen haben / und ſich des einkeh⸗ 
rens zu ihme erſtlich geweigert / das iſt eine gantz verborgene Ge⸗ 
heimnuͤß: dan es war der Geiſt der Wahrheit und Gerechtigkeit / 
den erkannte Loth; denn er gieng in der Efleng beweglich / und 
drangmit der Proba erftlicy in Loth / und als er fich vor den 
Herrn zur Erde buͤcke te und demuͤtigte / fo ward er probiret / und 
in ſich gerecht erfunden. 

34. Aber in ſein Hauſe weigerte ſich die Wahrheit erſtlich 
zu gehen mit der Gerechtigkeit / als mit dem Gerichte / und wol⸗ 
fe auff der Gaſſen bleiben / denn es ward erkannt des Loths Weib / 
welche / als ſie probiret ward / und das Gerichte durch ſie drang / 
ihr das zeitliche Leben abgeſprochen ward: Denn ſte blieb im 
Gerichte als eine Prima Materia, als ein Sulphur / Mercu—⸗ 
rius / das iſt eine impreſſete Materia des Gerichts /alseine Ver⸗ 
— ins erſte Weſen / Daraus der Leib geſchaffen ward / 

chen. 

35. Jedoch nicht balde vor der Execution dieſes Gerichtes / 
fondern als Loth mit ihr aus Sodom gieng / und das Gerichte 
anfieng/ zoch fie das Gerichte in ihr wider zuruͤcke / alsim Ge⸗ 
richte zu teen ift I und fieng fie/ denn es hatte fie in der Proba- 
tion gefange n. 

36. Jedoch ward ihr ein Gebott gegeben nicht zurück zufchen 7 
ſo hatte fie mögen überwinden / fo fie wäre alsbald in die Buſſe 
getretten/ und hätte den böfen irrdiſchen Willen zerbrochen / und 
mit Loth dem Herrn zu Fuſſe gefallen sund das war die Urſache/ 
daß die zween Engel lich weigerten beym Loth einzukehren. 

37. Und wird mit Loths Weib die irrdiſche Matrix angedeu⸗ 
tet] welche nicht ſoll mit durchs Gerichte gehen / ob ſie wohl muß 
helffen die Frucht würden und gebaͤhren / als ein Werckzeug/ 
fo iſt fie in ihrer aͤuſſern Form doc) wicht zum Himmelreich era 
kohren / denn fie ward Even in Adams Falle im Schlaffeana 
gehenckt / und foll im Gerichte bleiben / und wieder in ihre erſte 
Biäteria, Daraus he gefchaffen ward / gewandelt werden; nicht 
zum Verdamnuͤß in Abgrund / ſondern ins Myſterium, als 
in Sulphur/ Mercurium / welcher im Myfterio Magno ein 
Saltz⸗geiſt iſt/ als eine Urſache aller Leibligkeit / wie dernach 
bey Loths Töchtern ſoll gemeldet werden / welche ſich ſolten wong 
Vatter ſchwaͤngern ınn dieſer Urſach willen. 

38. Alſo verſtehet die Figur weiter im Innern; Loth buch 


Kuchen von ungeſaͤurtem Teyge / und machete ihnen cin Mahl / 
R6 daß 


396 Vom Fintergang Sodom ap. 43. 


daß ſie aͤſſen. Nun aber brauchen die Engel keiner ſolchen Spei= 
fe / aber es waren nur geformte Engelin Engels Geſtalt / denn 
Abraham und auch Loth yieffen fie ven Herin ; Es war GOttes 
Gerichte und Wahrheit. 

39. Dieſes Eſſen war auff eine Arth geſſen / wie die Opfſer 
—— und Moſis / wie forne gemeldet / denn die Willens- 
Begierde faſſet ſich darinnen in eine Subſtantz: GOtt iſſet nur 
das Wort des Willens / aber die Speiſe verzehret der aͤuſſere 
Geiſt / in deme fie gewuͤrcket wird. 

40. Denn Loths Glaubens-Begierde war die Speiſe Gottes 
dieſer Maͤnner: Aber mit dem Mahl / welches ihnen Loth aus 
gutem Liebe⸗willen gab / faſſete ſich Loths Willen in eine sub- 
ſtantz / auff dag er von auffen nach dem irrdiſchen Leben / und 
von innen nach dem Glaubens-willen in dieſem Gerichte erhals 
ten würde. 

41. Denn diefe Engel aflen von Loths Speife/ gleich als 
affen fie von feinem Leibe und Geifte/ welcher dvarinnen ergrifs 
fen ward/ auf Art) / wiein opffern zu verftchen ift / wie for= 
ne genug erkläret ift bey Cains und Habels Opfſer: Denn die 
ungeſaͤurte Kuchen waren die Innfaffung / wie beym Mofe 
Aberail zuſehen iſt und deuten an den Leib Ehrifti/ darein 
GoOttes Imagination cingieng/ als in ein Fürbilde/ und ſich 
Hoch nur im Glauben faffete. 

42. Weiter fpricht der Geift im Moſe: Und ehe fich die 
Männer legeten / kamen die Leutheder Stadt Sodom und 
umgaben das Haus / Jung und Alt/ Das gange Volck / 
an / und aus allen Enden / undforderten Boch / und brachen 
zu ibn: Wo find die Männer die zu dir kommen (ind diefe 
Nacht Rfuͤhre ſie heraus / daß wir ſie erkennen. 

43. Dieſes iſt nun die Figur / wie oben gemeldet: das Ge⸗ 
richte / nach dehme ſichs mir Loth indem Mahl hatte verbunden / 
drang cs jest in der Probation ihrer Efieng und Weſens in alle / 
daß ſie hauffen-⸗weiſe / wie die Unſinnigen zum Gerichte ges 
drungen und gezwungen kamen gelauffen. 

44. Denn der Eyfer deß Herrn / welcher ſich nach ihnen ſaͤh⸗ 
nete / zog fie zu ichs ihn hungerte nach ihrem Eitel den zu ver— 
ſchlingen / darum lieffen ſie alleſamt / Jung und Alt hinzu / 
uid wolten den Mund erkennen / dehn nach ihnen hungerte / 
denn ſie wuſten in Blindheit nicht was ſie thaͤten / alſo zog ſie 
der Grimm an ſich. 

45. Und Loth gieng hinaus zu ihnen fuͤr die Thür — be 

eg 


Cap. 43. und Gomorralt: 397 


ſchloß die Thür hinter ihme zu / und ſprach: Ach liebe Brü- 
der / thut nicht ſo uͤbel / ſiehe ich habe zwey Toͤchter / die 
haben noch keine Maͤnner erkannt / die wil ich heraus ge- 
ben unter euch / und thut mit ihnen was euch gefaͤllig / al⸗ 
lein dieſen Maͤnnern thut nichts / denn darum find ſie unter 
den Schatten meines Taches eingangen. Sie aber fpra- 
chen / komm hieher / Du bift dereinige Sremdling hier / und 
wilſt regiren/ wolan / wir wollen dich. baß plagen) denn jene, 

46. Allyie iſt der Grund ihrer Sünde fein abgemahlet/ 
worinnen ihr Geſchrey ſey für GOTT kommen/ als nemlich 
Unzucht / Tyranney und eigen Muthwillen/ und das gröfte 
war Beratung GOttes / denn Loth hatte ihnen von der 
Straffe gefaget / fo GOtt über fie würde gchen laffen: Se 
fagten ſie / du biſt ein Fremdling / und wilft uns regiren/ wir 
wollen dich noch baß plagen denn jenes Anzudenten/ daß ihnen 
Gott zuvorhin auch habe Warnung gefendet durch Bothen ſei⸗ 
nes Mundes/ dag ftediefelben nur haften geplaget und verache 
tet: Darum fagten fie auch zu Loth / wilftu uns regiren mit 
deiner Drauung/ und unfer Werck verachten / wir wollen dich 
kat plagen als jene. 

47. Denn; als fie vernommen hatten] / daß Männer GOt⸗ 
tes zu Loth waren eingefehret / welche ihnen die Straff und 
Untergang gedräust / ſo macheten ſte einen Aufflauffwider fie 
und wolten fie töoten / wiedic dolle blinde Welt allezeit gethan 
hat / fo ihnen hat GOTT Botten geſendet / die fie haben ge- 
ſtraffet; fo hat die Antichriſtiſche Hure gefihrien : Lauffet / 
lauffet / es ift cine neue Ketzerey da Die uns wollen anderft 
lehren / und ſtraffen unſern Weeg / denwirgehen. 

48. Eben alſo giengs allyier auch zu / der eigene abtrinnige Teu⸗ 
ſels⸗wille in feinem Schlangen-Enie wolfe ungeftraffer fenn ; 
und weildiefe Männer waren kommen / fo ſchrien fie Mordio/ 
es wären falſche Propbeten und Schrer kommen fie zu ſtraffen 
und fie zu verachten / wie die Babylenifche Hure aliezeit gethan 
hat: Denn fie wil nicht hören was der Herr durch feine Rinder 
redet / fondern man foll allein für Heyligthum achten was fie 
aus der Schlangen Enteredet. 

49. Diefe Hure hat fich mit dem buchftabifchen Worte be- 
decket / und heiſſet fich heylig umd pranget in einem frembden 
Kleide / aber ihr Herg ift nur Sodom und Gomorra / fichet 
fie dieſe zween Engel von Abraham / das iſt / von Chrifte zu ſich 
in ihr Sodom und Gomorra kommen / und ihre Schande auff⸗ 

R7 decken / 


398 Vom Hntergang Sodom Cap⸗43 


decken / fo macht fie auch Die gantze Stadt mit einem Mord⸗ge⸗ 
fhrey rage/ day alle Menfchen / jung und altzulauffen / und 
denken / cs fey ein wunder Thier ankommen. 

so. Und wenn fiedenn nichts neues an GOttes Botien fehen/ 
und hören fie nur lehren und fraffen 5 fo dencken ſie: DO! unfer 
Prediger heift ihn einen Neuling / einen Ketzer / umd falſchen 
Propheten: Es iſt ein Narr / und heben an ihn für cine Eule 
zu balten/ und ſtuͤrmen auff ihn und fein Haus / auff Weib 
und Kinder/ mit Schmähen und Verachtung / wiedie Sodo⸗ 
miterauff Loth: Ein jeder dencket / er thue recht / wenn er nur 
dieſe Botten laͤſtert. 

sr. Und ob er gleich keine andere Urſachen weiß / als daß ihn 
der Hoheprieſter (welcher hat die Hure Babylon angezogen) 
verwirffts noch ift eralfo rafend blind / und laͤſt ſich einen fals 
fhen Wind (als der Huren Babylon Geift ) führen / und 
wuͤtet in Unverftande wie allhie die Sodomiter / welche Jung 
und Alt’ Klein und Groß auff Loth / und die zween Männer 
(fo bey ihme waren eingefehret) drungen / ſte zu erkennen / zu 
plagen / zu verfpotten und zuperhönen: Denn alfo treibet fich 
der Zorn GoOttes in ein Feuer zufeiner Anzuͤndung: Alfo doif 
müffen die Leuth werden wenn die Straffe kommen ſoll / dag fir 
ihre Miſſethat allemachen. 
52. Und ſollen dir / du unzuͤchtige / abtrinnige/ ei- 
genwillige | leichtfertige / Ubgörtifebe / mörderifche 
Babylon voll Lafter der Untugend nicht bergen] daß 
anjetzo auch dieſe zween Engel] als Sottes Wahrheit 
und Gerichte find in dich eingetreten / amd verfündigen 
dir jegt am Ende des verborgengewefenen Siegels 
Enochs in feinem jegt eröffnetem Schalle / deinen In: 
tergang; Deum es ift die Zeit deines Gerichts vorhau— 
den / und befiebe dich wohl] und mercke ebendarauff/ 
du haſt anjego Loth und den zweyen Engeln auch gethan 
mit Spotten und Verachtung / wie die Sodomiter / 
darum gehet deine Strafe daher; und mercke / wan 
die Engel werden Loth von dir ausfuͤhren unter dem 
rroͤffneten Siegel] fo iſt der Tag deines Unterganges 
vorhanden / daß du jetzt nicht glaͤubeſt / aber in Jaͤmmer 
erfahren muſt / ſaget der Geiſt der Wunder. 

53- Man ehrt an deme gar eben / was der Sodomiter Un⸗ 

tugend 


— 


Eap.4z. und Gomorrali. 399 


fugend und groffe Sünde fey gewefen/ welches Geſchrey war 
für GOtt kommen / denn Loth wolte ihnen feine zwey Töchter / 
welche noch Jungfrauen waren / heraus geben / daß ſie doch 
nur ſolten vom Auffruhr wider dieſe Engels-Boten ablaſſen / 
denn er wuſte wohl/ daß ſie in Unzucht gantz erſoffen waren / 
ob ſie ſich doch moͤchten erluſtigen. 

54. Die innerliche Figur im Geiſte zu verſtehen was Moſes 
damit andeutet / iſt dieſes: Das Gerichte faͤhet am Hauſe 
GOttes an / wie auch allhie beym Loth; die Kinder GOttes 
muͤſſen von erſt ins Gericht geſtellet und probiret werden / ob 
noch an einem Orth Kinder GOttes ſind / welche den Zorn moͤ⸗ 
gen auffhalten / daß die St raffe auffgezogen werde; So ſtellet 
der Geiſt die Kinder GOttes in derſelben Stadt oder Landes 
Safter / und probiret te / ob fie auch deſſelben Safters faͤhig ſind / 
wie allhie. 

55. Loth muſte ſeine zwey Töchter ins Gerichte mit erbieten 
einſtellen / er wolle fte den unzüchtigen Leuthen geben zu probi= 
ren / denn/ dag er ſolches ſagte war vom Geifte alfo ange 
richtet / — die zwey Zoͤchter Loth im Gerichte hatte / und 
die Proba in ihre Eflenz eingefuͤhret / und der Stadt Schan⸗ 
de hiermit angedeutet / wie fte nur unzuͤchtige Hurcisthiere 
waͤren. 

56. Als aber dieſe zwey Jungfrauen dieſer Laſter nicht faͤhig 
waren / fo beſchirmete ſie der Geiſt / als die zwey Engel / vers 
ſtehet GOttes Sehrh eit fuͤr dem Berichte diefes Volckes / und 
auch für dem $afterder Unzucht: Denn es war nichtaus Loths 
Fuͤrſaz allſo geredet / dag er feine Toͤchter wollte laſſen ſchan⸗ 
den / ſondern der Geiſt ſtellete feine Figur dar. 

57. Und ſollet gar eben wiſſen / daß das erſte Buch Moſi 3 
gank aus des Geiſtes Andeuten / was jede Geſchicht Inder Fi⸗ 
gur bedeute/ ſey gefhrieben worden: Ber die Gefchichte le= 
fen und recht verſtehen wil/ der mug ihme den alten und neuen 
Menfhen in fein Gemuͤthe modeln / und Ehriftum und Adam 
gegensinander ſtellen / fo mag er alles verſtehen / und auffer 
dein verſtehet er nichts Davon / alsnureine kindiſe he Hiftoria „ 
welche Doch alfo reich an Geheimnuͤſſe niſt / daß ſie kein Menſch 
vonder Wiegen bis in das hoͤch ſte Alter ausſprechen moͤchte / und 
ob er gleich den Verſtand haͤtte in der Kintheit dazu gekrieget/ 
nad wir in unfern Gaben auch nur andeuten / ob wir. 
wohl den Sinn ergriffen haben / aus Gottes or 

$ 


400 Dom Untergang Sodom Gap. 43. 


fo Fan mans doch nicht alles ausfprechen! wäre auch 
der Welt unergreifflich. 

58. Und INofes ſaget: Die Maͤnner der Stadt drungen 
hefftig auff den Mann Loth: Und da ſie hinzu lieffen und 
woͤlten die Thür auffbrechen / griffen die Maͤnner hinaus 
und zogen Loth hinein / zu ihnen ins Haus / umd ſchloſſen 
die Thür zu / und die Männer vor der Thür am Haufe) 
wurden init Blindheit gefehlagen / beyde Klein und Groß / 
big ſie muͤde wurden / und die Thüre nicht finden Eonten. 
509. Diefe Figur ift aufferlich alfe gefchehen / daß fte mit 
fihtbahren Augen muͤſſen an der Thür blind ſeyn / und Seth 
ſambt den zwey Mannern/ ſambt feinem Haufe Einen Schaden 
zufügen: Aber im Geifte ſtehet die Figur alſo: 

60. Wann GOTT viefe zwey Engel/ als feine Wahrheit 
und das Gerichte in eines Menfhen Geift / als in das Haus 
feines Hergens ſchickt / wie allhie bey Loth geſchahe / (da auch 
Der Geiſt / als Gottes Wahrheit und Gerichte in ihme offenbahr 
ward / deßwegen er Sodom ftraffte/ um welches willen fie ihn 
umbringeten zu ermorden) fo gehet erfilich das Gerichte über 
denſelben Menſchen / der wirddiefen Sodemitern fürgeftellet / 
als wäre erein Narr / den muͤſſen fie zuängften und zudraͤngen } 
und ohne Unterlag auff ihn ſchelten / ihn für falfch richten. 

61. Er aber muß fie ſtraffen und lehren / und er hat keinen 

aufferlichen Schuß von Menſchen / fie werffen alle mit Koth 
ihres Mundes auff ihn / und die es wehren folten / lachen deſſen: 
Er fichet wo er hin wil / fohat er feinen Erretter. So meynet 
Der Poͤbel / GOtt ſtraffet ihn alſo. 
- 62, Aber dieſe zween Engel ſind bey ihme in feinem Hertzen / 
und ſtehen in feiner Perfon/ als in ihrem Gefaͤſſe und Werck⸗ 
zeug mitten unter den Feinden; der Poͤbel aber aͤngſtiget ſich in 
Muͤhe gegen ihme / ihn und ſein Haus zuvertilgen. 

63. Und wenn es zum Ernſt komt / ſo greiffen dieſe zween 
Engel hinaus in der boßhafftigen Menſchen Hertzen / und ſchla⸗ 
gen ſie mit Blindheit / daß ſie irre werden und nicht wiſſen / 
wie ſie ſollen dieſem Loth und den zween Engeln beykommen / 
einer ſpeyet diß / ein anderer das; Einer ſaget er iſt fromm / der 
ander laͤſtert ihn / alſo lange / biß ſie die Thuͤre nicht finden koͤn—⸗ 
nen / darinnen ſie wollen zu ihm einbrechen / und ihme Schaden 
zufügen: Denn dieſe zween Engel verſchlieſſen ihn in ſich / dag 
fie die Thuͤr der Rache wicht ſehen / wis ben Loth zu ſehen iſt / wie 

Gott 


| 
* 


Cap. 43. und Gomorra ꝛc. 401 


GOtt ſeines Mundes-Botten errettet / und ſie vor den Feinden 
verbitget / und dieſe Feder wohl erfahren hat. 

64. Und dieſe Maͤnner ſprachen zu Loth: Haſtu noch 
bier irgend einen Zydam und Söhne und Toͤchter / und 
wer dir angehöret inder Stadt / den führe aus diefer Stät- 
te/ denn wir werden diefe Stätte verderben / darum daß 
ihr Geſchrey großift vor dem Herren / der hat uns gefandt / 
fie zuverderben: Da gieng Loch hin und reder mit ſeinen 
Eydamen / diefeine Töchter nehmen folten : macher euch. 
auff/ und gehet ans dieiem Orte / denn der Herz: wird dieje 
Stadt verderben ; aber es war innen lächerlich. 

65. Diefesiftein fein Spiegel/ wie GOTT auch diefe Leu⸗ 
the noch warnen kaft/ und wolteihrer um Loths willen verfcho= 
nen / fo ſte nur hätten folgen wollen: Aber der Grimm hatte fie 
gefangen und gang verſtocket / dag ſie ihn nur verlachten / und 
werden geſaget haben; was iſt dem Narren wiederfahren; cr 
dencket der Himmel werde einfallen. 

66. Die innerliche Figur ſtehet alſo: GOttes Wahrheit in 
der Liebe zoch dieſe Maͤnner / Loths Eydame / und wolte ſie 
erretten / aber der Grimm war ſtaͤrcker in ihnen / und hatte fie 
gefangen in der Probaihres Hertzens: Sie blieben im Gerichte 
ſtehen / wie Loths Weib / welche doch Loth biß fuͤr die Stadt mit 
hinaus fuͤhrete / noch dennoch zog ſie der Grimm wieder ins Ge⸗ 
richte / daß ſie muſte (weil fie war won Feur⸗ſchwerde um 
Loths willen erlediget worden) in eine Verwandelung gehen / 
bigzumlesten Gerichte / welches ein ſchrecklich Exempel iſt. 

67. Bey diefer Figur mag ihr die jetzige Welt einen 
Spiegel nehmen: Denn gewiß und ſo wahr als Loths 
Predigt wahr war / und die Straffe darauff folgete / 
alſo gewiß wird die Straffe des ſechſten Siegels Zahl 
(welches Siegel anjeßo am Ende ift und fich ſchon hat 
eröffnet] ) auch plöglich erfolgen. 

63. Daß aber die Warnung anjetzo it fo lange vor: 
ber gegangen] ift die Andeutung / daß des ſechſten 
Siegels Zeit in ihrer Offenbahrung die aller wunder: 
lichſte iſt unter allen diefen ſechs Siegeln / biß auff 
die ſiebende Zahl: Die iſt noch wunderlicher: Denn es 


iſt dieſer Welt Ende und das endliche Gerichte. | 


vor 


402. Wie Loth fey aus Sodom gangen! C. 44. 


69. Das ſey dir Babel gefaget / unter der Stimme 
des offenen Siegels diefer fechiten Zahl / ob du es gleich 
verachteſt und verlacheſt / es trifft dich/ und hat dich 
fihon mit ver Verſtockung des Grimmes / welcher dich 
hat durchfichter / in Erſcheinung der Bottſchafft | die: 
fer zweyer Engel getroffen | und wirdanjego nur noch 
den wenigen angedeutet! welche mit Loths Töchtern 
ſollen ausgehen und erzettet werden. 

70. Der verſtockte ergriffene Hauffe iſt fibon genr- 
theilet denn das Schwerd der Sichtung hat fie er: 
griffen / fie lauffen jeso als die rafenden unfinnigen 
Leute in Hoffahrt / Geis und Neid | und verachten der 
Engel Poſaunenſchall. 

71. Das geſchrey ftehet jegt in der Engel Pofau: 
nenſchall / alfo: Gehet aus von Babel] Gehet aus 
von Babel! Gehet aus von Babel. Sie ftehet im 
Feuer-Schwerd ergriffen] Amen. 


Das 44. Capittel. 


Wie Loth fey aus Sodom gangen / und vom ſchreck⸗ 

lichen Untergange dieſer gantzen Gegend in Hams 

Geſchlechte / und was ſich hierbey hat zugetragen / 
auch wie das ſey geſchehen. | 


Genef. 19. 


I. Es der Grimm des Berichts jest anbrandte und 

es Morgen Tag war / Daß die Sonne ſchiene / 

J und jederman Dauchteesift Friede / und hat kei⸗ 

Ane Noth / hieſſen die Engel den Loth eylen / und 

ſprachen: Nimm dein Weib und zwey Töchter 

Die vorhanden find/ Daß du nicht auch umkommeftin der 

Miſſethat die er Stade / und da Loth verzog / ergriffen die 

Maͤnner ihn und ſein Weib / und ſeine zwo Toͤchter bey der 

Handt / darum daß der Her: fein ſchonete / und fuͤhreten ihn 
hinaus / und lieſſen ihn drauſſen vor der Stadt. 

2. Die innerlihe Figur ſtehet alfoz Der Geift im Moſe 

fest Die Figur alfo Elar / daß man die greiffen möchte: 2 h 

age 


E.44. md vom Unterg. diefer Gegendhr. 403 


faget/ alsesjert Morgen Tag war / und die Sonne war auff> 

gangen / hieffen die zwey Engel Loth eylen/ und als er ih 
verzogen hatte / nahmen ſie ihn bey der Hand / und führten ihn 
und fein Weib und Töchter forth: Und wie nun die F Figur von 
auſſen / mit dem auffgangenen Tages und Sonnen⸗liecht war / 
und mit der Draͤuung zu eilen: Alſo war ſie auch innerlich in 
GOttes Wahrheit und Gerichte. 

3. Als in der Wahrheit war in Seth und feinen zwey Töc- 
tern / das Siecht des Verſtandes vom Mieffia in GOttes ABahr> 
heit aufgegangen / welches Loths Töchter wohlerfannten / dag 
fihs in GOttes Wahrheit haftein ihrem Vatter Loth bewe> 
get / aus welcher Urfachen ı fie hernnach als fie waren vor 
Sodom ausgangen/ unddie Nacht herbey kommen war / ihren 
Daiter voll füffes Weins traͤncketen / und fich zu ihme legeten / 
dag fie Saamen ale den heiligen Saamen von ihme empfiengen: 
Denn der Geift/ beydes in Loth und in feinen Töchtern / hatte 
diefes alfo in ihrem auffgegangenen Liechte angedeutet/ und 
ihnen das gezeiget. 

4. Und wie nun von auffen war die Sonne auffgegangen / 
und lieg fich ein lichlicher Tag anfchen: Alfo war auch im Ins 
nern in Gottes Wahrheit die Bundes-Sonne nach der Probas 
tion inihrer Eſſentz auffgegangen / alsder heilige Sonnen-Tagf 
denn fie waren jeßt durchs Gericht durchgegangen / alfo auch 
hingegen war in den Kindern zu Sodom jegt der finftern Welt 
Eigenfchafft Sonne / als die Würdung GOttes Zornes auff> 
gegangen und drang mächtig in GHtted’ Gerechtigkeit: 
Darum hieffen die Engel Loth eilen : Denn die Sonne deg 
Zornes war fchon aufgegangen / und hattedie Kinder der Boß⸗ 
heit ergriffen. 

5. Gleichwie die heilige Sonne in GOttes Wahrheit 7 welche 
Loth und feine Töchter hatte inder Glaubens Eſſentz ergriffen / 
doth und ſeine Toͤchter bey der Handt nahm / und von ihnen aus⸗ 
fuͤhrete; Alſo auch hatte der Grimm ſchon die Kinder in So— 
dom ben der Handtihrer Eſſentz / und führete ſte ins Gerichte der 
Execution, Und wollen dir Babeldiefe Figur auff dei— 
nes Siegels Zeit deuten: Mercket darauff ihr Töchter 
und Kinder soth: Es gilt euch. 

6. Wann GOtt ein Sand ftraffen wil / ſchicket er ihnen erſt⸗ 
lich Boten] und laͤſſet fie zur Buffe mahnen / und verkuͤndiget 
ihnen feine Genade: Hernach ſchicket er auch balde den Engel 

dir 


404 Wiedoth fey aus Sodom gangen / Cap.44. 


der Gerechtigkeit / der ſie ſichtet / ob ſie auch der angebottenen 
Gnade faͤhig find / und ſtellet ihnen das Gerichte für mit 
Draͤuung ihres Unterganges / auch mitandeuten groffes Kries 
ges und Plagen / wie er ſie vertilgen und ausrotten wil / wo fie 
nicht umbkehren und Buffe thun / und zeiget ihnen durch feine 
Botten das Sicht und den Weeg der Gerechtigkeit / und laͤſt 
fie eine weile in dem angebottenen Liechte hinlauffen / bit fie deß 
uͤberdruͤſſig werden / und nur für ein gemein Ding und Hiftoria 
halten / und wieder cin Sodom werden. 


7. Asdan fihicker er die zween Engel zugleich: Alsden En= 


gel des Gerichts / und den Engelder Wahrheit / und laͤſſt ihnen 
ernſtlich draͤuen / und ſie vermahnen / und ftelet ihnen auch das 
Bericht für: wenn fie aber nur Sodom find / fo läffet er von der 
auffern Figur abe / und läffet fie das Maas vollmachen; ſo laͤſ⸗ 
ſet ſichs dan anſehen / als wäre ihnen die Sonne in ihrem So⸗ 
dom auffgangen /und werde nungutwerden: Sp fpricht alsdan 
der Engelder Wahrheitin feinen Kindern / eyletund gehet aus / 
die Straffe und der Untergang ift da. 

3. Alſo fagen wir dir Babel] SOTT hat dir fihon 
bang Botten geſchicket und mit Andeutungdes Evan 
gelis ſeine Gnade angebotten! div auch dabey mächtig 
mit der Straffe deines Unterganges gedräuet] aber dur 
haft aus ven Liechte des Euangelii nur ein Zanck⸗ 


Babel gemacht / und bift jegt das wolgemäfte So⸗ 


dom. 

9. Und wife gewiß / daß dir der Her: hatjeso die 
ziven Engel zur Letze geſchickt / einer hat die Wahrheit 
in ſich / und heiſſet Loth mit feinen Töchtern aus Sodom 
gehen] und der ander hat das frenge Gerichte] und 
hat dich jest zum letztenmahl aefichtet } und deinein: 
wendige Signatur heraus gedrähet amd für den Herren 
geſtellet / und dein Mord-geſchrey it fir den Hoͤchſten 
Fommen/ und iſt ſehr groß / der hat feinen Engel gefandt 
dich zu verderben / und die Stätte umbzudraͤhen. 

so. Deine Signatur, damit dur jego biſt von auſſen 
bezeichnet / iſt der groſſe Geis und Neid] mitdem bo: 
fen Selde deiner Wehrung / und deine groſſe Grim⸗ 
migkeit deines Trangſals des Slenden | ———— 


Cap. 44. und vom Unterg.dieſer Gegend/rtc. 405 


dein Geitz hat alſo hoch geſchwungen / in willens alles 
in ſich zu freſſen / daraus deine groſſe Steigerung aller 
menſchlichen Notthurfft iſt entſtanden. 

11. Du aber ſprichſt / ietzt iſt es gut / die Sonne iſt 
mir auffgangen / und ſcheinet in meinen Sack / daß ich 
dhen kan fuͤllen wie ich wil / es iſt gute Zeit vor mich / es 
wird nun gut werden / ich wil mich deſſen wohl bedie— 
nen / amd in Gewalt der Hoffarth auffſteigen / und ſe— 
hen laſſen. 

12. So hoͤre nun / was der Poſaunen⸗ſchall jetzt ſa⸗ 
get: Er ſpricht / gehe aus von Sodom / des Herren Zorn 
iſt angebrannt / die Sonne in tiebe und Zorn ift auffge⸗ 
gangen/ das wollen wir euchnicht bergen: Der Engel 
der Wahrheit hat Loths Töchter | famt dem Batter und 
feinem Weibe jest fibon bey der Sand gefaffet / und 
heiffet fie gehen | es ift Zeit] das wirſtu Sodom bald 
mit Sammer fehen. 

13. Denn der Engel des Zornes hat dich auch ins 
Gerichte gefaffer] darumb biftu alfo grimmig / geigig/ 
mordifih und falfih: Beſchaue dich nur ob wir dir die 
Wahrheit ſagen /du macheſt dir eine groffe Zehrung in 
deiner Signatur, daf du im Abgrunde einen Borrath 
haft : Wer fehen mag der fehe/ in wehme nur ein Fuͤnck⸗ 
lein Sehör der Poſaunen ⸗ſchall erſchallet ift / der gehe 
aus Sodom: esiftfeinharrenmehr. 

14. Und Mofes faget weiter + Und als er Loth harte hinaus 
gebracht / fpracher : Errette deine Seele und fiehe nicht hin⸗ 
ter dich / und ftehe auch nicht in diefer ganzen Gegend / auf 
dem Berge errette dich / daß du nicht umbEommeft. Aber 
Loth ſprach zu ihme: Ach mein Her: / fiehe weil dein Knecht 
Genade finden hat vor deinen Yugen / fo wolleftdu deine 
Barmhertʒigkeit groß machen/die du an mir gethan haſt / daß 
ou meine Seele bey dem Leben erhielteft : Ich kan mich nicht 
auff Dem Berge erretten / es möchte mich ein Unfall ankom⸗ 
men / daß ich ftürbe / ſiehe da iſt eine Stadt nahe / dareinich 
fliehen mag / und iſt klein / daſelbſt wil ich mich erreften / 
iſt ſie doch klein / daß meine Seele lebendig Pen DR 

prach 


406 Wie Loth fey ans Sodom gangen! C.44. 


ſprach er zu ihme / fiehe ich habe auch in diefem Stuͤcke dich 
angeſehen I daß ich die Stadt nicht umbkehre / Davon du ges 
redet haſt / eile underrette dich daſelbſt / denn ich kan nichts 
thun biß daß du hinein komſt: Daher iſt die Stadt genannt 
Zoar / und die Sonne war auffgegangen auff Erden / da Loth 
gen Zoar kam. 


Die innere Figur ſtehet alſo. 


15. Der Geiſt der Wahrheit hatte den Geiſt im Bunde in 
Sotygerüget/ und bey feiner geiftlichen Hand genommen / und 
aus dem Gerichte geführet / verftehet die Seele Loths / in wels 
eher fich hatte das verheiffene Wort im Bunde nach geiftlicher 
Eigenfchafft eröffnet / in welchen die jest geſandte Stimme der 
Wahrheit und des Gerichts eindrang / und Loth fuͤr und in dem 

Gericht beſchirmete. 

16. Denn mit dem Gericht war das erſte Principium als das 
Seeliſche Centtum geſichtet und probiret durch alle Eigenſchaff⸗ 
ten der ewigen Natur: In dieſes ſtellete ſich des Herrn Hand / als 
der Engel des Herrn mit der Gnade Chriſti des Bundes in A⸗ 
braham ein / und zohe Loth aus den Gerichte/ und von den Kin 
dern Sodem: Darumb ſprach der Engel/ errette dich/ und fiche 
nicht hinter Dich ins Gerichte / als in den engündeten Grimm] 
daß Dich der nicht fahe; wie Loths Weib gefchahe / welche ihre 
Begierde wieder zurück wandte zu ſchauen was doch des Hera 
— waͤre. 

7. Wie Adam und Lucifer dergleichen gethan haben / welche 
— Gottes als ver ewigen Natur Grimm eflentialirer ſchauen 
amd probiren wolten/ welcher doch ein verzehrend Feuer ift/ und 
zuhand Geift und Leib probiret / undfocr etwas erreichet / deſſen 

er fähig ift/ das in fich verfchlinget. 

28. So ſtund jest die Seele Loths in Zittern vor dem Engel 
des Gerichts als vor Gottes Gerechtigkeit/und bat) ſeine Wahr⸗ 
heit / cr wolle doc) feine Barmhertzigkeit im Bunde uͤber ihn 
groß machen / daß ihn nicht etwa die Turba möchte ergreifſen: 
und iſt cin ſchoͤn Erempel/ wie Gott feine Kinder in Zeit der 
Straffe in feine Liebe faſſet / befchirmet / und vondem groffen 
Verderben außführet/ wie er Soth und den frommen Kindern 
im endlichen Untergange Jeruſalem thäte. 

19. Auch fagte der Engel der Rache: Ich kan nichts thun biß du 
hinauß komſt. Ach du wunderlicher GOtt / wer kan dir wehren ? 
Iſt aber chen dieſes daß der Geiſt feiner Liebe mn Bunde k 24 

ahr⸗ 


C. 44. und vom Unterg dieſer Öegendie. 407 


Wahrheit fihhatin $othgeftellet/ und den Zorn auffhielt / dag 
er nicht konte brennen / big Loth daraus kam. 

20, Umd fichet man wie die Kinder Gottes offterg groffe 
Straffen Gottes Fönnen aufhalten / welche eine Macht in ihnen 
fey / daß auch) Gottes Zorn nichts thun koͤnne / und gleich une 
mächtig ſey / wo die noch vorhanden find: Alfo auch find fie eine 
Macht wider Hölle und Teuffel/ denn cin ſolch Ding ift der 
rechte Glaube) dag erfan GOtt in feinem Zorn auffyalten und 
bewältigen. 

21. Darumb fagte der Herr zu Loth / ich kan nichts thun / 
du geheft denn hinauß / und verfchonete auch des Stättleins Pels 
fa oder Zoar genannt / als eine Abwendung des Zornes umb 
Loths willen / denn als erdahin kam / mufte die Turba erlöfchen/ 
wie es der Name im der uncompadtirten ſenſualiſchen Zunge 
auffpricht. 

22. Da ließ der HErr Schwefel und Feuer regnen von dem 
Ham vom Himmel herab auff Swom und Gomorrha] 
und Eehrete die Stätte umb/ die ganse Begend/ und alle Sin⸗ 
wohner der Staͤtte und was auff dem Lande gamachien 
war: und fein Weib fahe hinter ſich / und ward zur Sala» 
Saule. 

23. Diefes ift nun die Figur des Reiches Chrifti / welcher fih 
hatte Abraham im der Siche eröffnet / wie er wolte das Gerichte 
über die Welt halten / und wie ihme fen die Macht von GOTT 
gegeben worden / dag er folledem Teuffel fein Reich auff Erden 
zerſtoͤren / und alle Gottlofen dem Zorne Bottes zu verfchlingen 
geben: danır als er fich hatte Abraham voffenbahret/ und den 
Bund der Gerechtigkeit beftättigef/ fo ſchickte er dieſe zween 
Engel als GOttes Wahrheit und Gerichte gen Sodom/ die 
Kinder Hams als böfe abtrünnige / halb Teuffels-:Menfchen / 
zu vertilgen/ auff daß des Teuffels Reich gefhmäglert würs 


de / und nicht alfo groß auff Erden wachſe / und fein Reich 
werhindere, 


Die innere Figur ftehet alfo: 

24. Es regnete Schwefel und Feuer vom HErin / vom Him⸗ 
mel / faget Mofes / das ift nicht das innere höllifche Feuer ge> 
weſen / welches am Ende der Tage follden Tennen fegen / fonft 
waͤren die 4. Elementen verwandelt worden / es war nureine 
Figur des Künfftigen: Des Schwefels und Feuers Urftand 
war in Turba Magna , als im dritten Principioerbohren/ num 

ein 


408 Wie Loth ſey ans Sodom gangen / C.44. 


ein Rach-⸗Schwerd war es: Das innere Feuer verzehret Erde 
und Steine / und alle Elementa / dieſes aber war nur ein Feuer / 
wie im Schauersfihlag ſich erbieret in Turba Magna, im Egelt, 
daß das Geftirme von fich ſtoͤſſet welches eine Mareria darzu iſt / 
ob es wohl fein greifflich Weſen iſt / foifts aber doch ein geiftlich 
Weſen / in welchem ſich Mercurius im Salniter, alsim Feuer⸗ 
Schrack anzuͤndet / da ſich denn der Schrack in eine Subftant oder 
Weſen faſſet / welhes Schwefel ift. 

25. Denn die drey / als Sulphur , Mercurius unddie Saltz⸗ 
ſchaͤrffe / ſind im Urftande / alsjienoc ein Geiſt find / nur Ein 
Ding: Wenn fich aber Mercurius, als der Schall des geforin= 
ten Worts im Principio, als in feinem erften Urftande / Durch 
einen Gegenblick beweget / fo erſchrickt er in fich / das iſt die Be⸗ 
wegung rügerden Urſtand der Hige umd Kalte / alsden Urſtand 
des erften Principii nach dem Ealten und higigen Feuer / welches 
der Anfang der Widerwertigkeit und des Erſchreckens ift / da⸗ 
vonder Feuer⸗blick oder falnitrifhe Schrack entftchet / da fich 
die drey erften/ als Hitze / Kälte/ und der Schall / ein jedes in 
ein eigen Wefen im Schradimpreffen md einführen: Als die 
Hike in Schwefel/ und die Kalte in falgifche Art/ und ver 
Mercurius in wafferifche Art / und da fte doc nicht gang geſchie⸗ 
den werden / und einjedesdes andern Weſen hat / aber nach eis 
ner Eigenfchafft fir wird. 

26. Alfo ift uns allhie vom Schwefel-fener zur verftchen : Der 
Grim̃ des erften Principii, als Gottes Zorn / nach der ewigen Na⸗ 
tur erblicke die AuffereNatur im zten Principiohnit einem Blicke/ 
welcher Turba Magna heiffet/als eine Turba in der Seelen der äufs 
feren Welt / im Geifte der Natur / davon fich die äuffere Natur 
anzuͤndete / und fich die drey erſten in ein Weſen fafferen / als in 
Schwefel / Saltz / uñ in ein Mercurialiſch Gifftwaſſer / in welchem 
ſich der Schrack oder Blick des Feuers anzuͤndete uñ ſich impreſſe⸗ 
te / und alſo angezündet uͤber Sodom und Gomorra / und über alle 
Gegend dieſesLandes regnete / uñ alles verderbte: das heiſſet / Der 
HErr ließ Schwefel uñ Feuer vom HErrn vom Himmel regenen. 

27. Nicht iſt dieſe Materia des Schwefels und Feuers vom in⸗ 
nern Himmel kommen / ſondern der Grimm fan aus dem In⸗ 
nern ins Aeuſſere / dag ſich Das Aeuſſere in Macht des Innern 
aus den Eigenſchafften des Innern faſſete und anzuͤndete: und 
iſt ein warhafftig Bilde der innern finſtern Welt / fo ſich dieſel⸗ 
be Natur beweget / ſo iſt fie in geiſtlicher Eigenſchafft alſo / wel⸗ 
che GOtt feinen Grimm und Zorn nennet / und ein a 

euer 


E.44. und vom Unterg dieſer Gegendize. 409 


Feuer / denn fo fich dieſelbe innere / geiſtliche finſtere Welt be— 
wegte / fo würde die auſſere Welt zuhand mit den vier Elemen⸗ 
ten im felken Geiſt⸗Feuer verſchlungen / welches am Ende der 
Tage geſchehen ſoll. 

28. Und haben wir deſſen allhie an Loths Weibe / welche zur 
Saltz-⸗Seule ward / eine Figur / dag ſich die drey erſten hatten 
beweget / denn ſie ward / nachdem ſie zuruͤck in die Tutbam ſahe / 
in dein Saltz-Geiſte in ſeiner Iwpreſſios ergriffen; das deutet 
an / daz ſie iſt derſelben Eigenſchafft am mehreſten geweſen als 
in der Begierde Geitzig / in welcher fie auch war in der Engel 
Sichtung ergriffen worden. 

29. Und weil ſie der Engel hatte fuͤr demgeuer⸗grimm beſchir⸗ 

met / fo ward ſie doch im Grimme der Natur ihrer ſelbſt-Eigen⸗ 
ſchafft ergriffen / als Turba Magna ergriff den Leib / als des drit⸗ 
fen Prineipii Weſen / und tranſmutirte es in feine ſelbſt-Eigen⸗ 
ſchafft / als in die Macht des erſten / fo in ihrem Leibe Primas 
war / nach welcher Eigenſchafft ſie auch in der Turba ergriffen 
ward. 
30. Und ſollen uns das nicht frembd einbilden / denn wir ha⸗ 
ben deſſen in der Schrifft vielmehr: Sehen wir Ufam an / wel⸗ 
cher bey der Bundes-Lade / als er die nur anruͤhrete / ergriffen 
ward / als der Grimm Gottes noch im Schalle und beweglich 
war; ſehen wir an / wie er die Philiſter angriff / als ſie die 
Bundes-Lade bey ſich hatten. Item / Cora / Datan und Abi⸗ 
ram beym Mofe in der Wuͤſten: Es hat alles einen Urſtand / 
aber ein jedes in ſein eigenes / nachdeme die Tutba ange zuͤndet iſt 
unter den drey erſten. 

31. Hatte aber Loths Weib das Wort der Wahrheit und der 
Barmhertzigkeit in der Bottſchafft des Engels ergriffen / es haͤt⸗ 
te ſie wohl beſchirmet; weil ſie aber unglaͤubig war dehme / was 
die Engel ſagten / und ihr vielleicht ihr zeitlich Gut belicbere / 
welches fie alles folte verlaffen / und wieder zuruͤckſahe / und ſich 
nachdem Zeitlichen fähnete / fo ergriff ſte auch die Turba der Zeit/ 
dag fie nach dem Weſen des Leibs mufteindererften Maieria 
(darausdorh GOtt hatte den Limumausder Erden außgezogen / 
und in ein geiftlich lebendig Bild formiret) fteyen bleiben / biß 
der Herr daffelbe Weſen wird wieder in ein geiftlih Weſen 
tranſmutiren. 

32. Und geſchach zudem Ende / daß doch der Menſch ſolte ſe⸗ 
hen / was er nach dem aͤuſſern Leibe iſt / fo GOtt ſeinen Geiſt 
daraus entzeucht / und daß er des Hertzens Grund fordere / und 

S nicht 


410 Wietoth ſey ans Sodom gangen/Eap.44: 
sticht nur eine Mundheucheley / daß man ſich der angebottenen Ge⸗ 
nade nur troͤſte / un dieſelbe als cin Genaden=gefchend von auſſen 
annehmen ſolle / und im Geiſte und Willen ein boͤſes Thier bleiben. 

33. Wie die jetzige Babyloniſche Chriſtenheit / welche auch 
mit Loths Weib die Genade nur von auſſen annimt und ſich der 
Genaden troͤſtet; bleibet aber im Hertzen in der Selbheit und 
Fleiſches⸗Luſt unabgekehret / und hat ihre Augen nur gegen So— 
Dom gewendet / iſt aber mit dem Munde aus Sodom außgan⸗ 
gen / und das Corpus iſt noch zu Sodom / und ſiehet mit Loths 
Weib in den Geitz und zeitliche Wolluſt / und wil nicht mit dem 
Hertzen aus Sodom außgehen. 

4 Darumb ſaget der Engel der Wunder: Du biſt 
geſichtet und in der Turba ergriffen worden / du biſt des 
Schwefel⸗Feuers fähig: Deine Mund:heucheley daß dur 
ſageſt / du ſeyeſt von Babel uñ Sodom außgangen /huͤlf⸗ 
fet dich nichts / du biſt nur mit Loths Weib in den drey 
Erſten gefangen; weil du nur nach den dreyErſten hun⸗ 
gerſt / und den Geiſt Chriſti zu einem aͤuſſerlichen Deck⸗ 
mantel braucheſt / und nicht in dir hoͤren wilſt / was jetzo 
der HErr redet / ſondern hoͤreſt nur was der Antichriſt in 

ſeiner Hoffart Geitz / Neid und Zorn redet / wie du moͤ⸗ 
geſt dem irrdiſchen toͤdtlichen Abgott Maozim / als ei⸗ 
gener Liebe / eigenem Wollen / eigenem Sinn gefallen. 

35. Du ſucheſt und ehreſt nur den aͤuſſerlichen Ab⸗ 
gott / als Silber und Gold / Kupffer und Fuͤlle des 
Bauchs / zu deiner uͤppigen und ſodomitiſchen Wolluſt; 
Und derſelbe Abgott iſt auch umb deinet willen geſichtet 
worden / und iſt dir nahe und ferne worden / und du ver⸗ 
ſteheſt es nicht was es bedeute; du ſprichſt / es iſt ohnge⸗ 
fehr alſo und mag wohl gewendet werden / weiſt aber 
nicht was damit figniret ift. 


Die allerinmerlichrte Figur don Loths Weib / dag fie 
zur Saltz-Saͤulen worden [ift diefe: 

36. Als diefe zween Engel von Abraham) als vom Geift Chri⸗ 
ſti / gen Sodom zu Loth kamen / und er fich vor dem Herrn zur 
Erden bückete / und diefe Engel batt bey ihm einzuziehen / fo 50> 
gen fie nach Göttliher Eigenfchafft Eſſent ialiter bey ihm ein ‘ 

an 


Eup.44. und oontinterg.diefer@egendiac.4tr 


auff Arth / wie bey dem Abraham mit dem Glaubens»Ente, alſo 
auch) hie/ denn es war ein Bund: Aber in Abraham ward der 
Saame zur Perfon Ehrifti genannt und nicht in Loth / wie Moy⸗ 
ſes gar vielmahl ſaget. 

37. Loths Glaube fing den Ens von dem Engel / welcher ihme 
denfelben aus Abrahams GlaubenssEnte brachte / denn von ei⸗ 
nem / als von dehme / welcher fich in Abraham bewegte / follen 
fie alle geheiliget werden. So war num jegt Loth durch der En⸗ 
gel Gefhäffte / verftchet geformte Engel aus göttlicher Eigen» 
ſchafft aus Chriſti Ente und Wort geſandt / geheiliget/ als ein 
Anenckel oder Rebe am Ente Abrahams. 

38. Und weil Loths Toͤchter dieſer Heiligung faͤhig waren / 
und aber die Mutter nicht / ſo muſte die Mutter wieder in die 
erſte Materia gehen / und muſte Loth ſich mit ſeinen Toͤchtern 
miſchen in dem gefeegneten Saamen / denn fie waren deſſen faͤhig / 
und ſonſt kein Menſch in der Welt: Denn es ſolten zwey maͤch⸗ 
tige Gefchlechter daraus entſtehen / als die Moabiter und Am⸗ 
moniter / ein groffes Bol: wie denn der Beift im Moyſe gang 
verdeckt von Loths Töchtern redet / dag eine zur andern ſaget; 
fiche/ esift kein Mann mehr der uns befchlaffe nach menſchlicher 
weiſe / folaffet uns unſerm Batter ſuͤſſen Wein geben / und als> 
denn wollen wir uns zu ihm legen / daß ers nicht gewahr werde/ 
auff dag wir Saamen von unferm Vattererhalten: Denn die 
Mutter ward diefes H. Saamens nicht fähig / weilte war in 
der Sichtung / in der Turba ergriffen worden. 

39. So würdedie Vernunfft ſagen: Warumb haben fich die 
Toͤchter Loths nicht mit Abrahams Geſchlecht vermiſchet / und 
eben mit dem Vatter wider der Natur und aller Völker Recht 
und Gefehe ? Das mochte nicht feyn / denn in Abraham war der 
Saame Ehrifti genannt; Nun aber lagen noch zwo andere $i> 
wien im Saamen Ehrifti / als Auenckel / welche folten aus Abra⸗ 
hams Glauben gebohren werden / als aus Ehrifto / gleich wie 
Abrahams Glauben war aus JEHOVA, aus den Namen 
Jefuerbohren worden: So waren diefes Anendelim Baum der 
Wunder / welche folten aus Gottes Wahrheit und Gerechtig⸗ 
keit entfprieffen/ und in die Siebe Jeſu eingeführes werden: Dies 
fe Eröffnung brachten die Engel zu und in Loth / welche Eroͤff⸗ 
nung in Loths Saamen aufdrang. 

40. Weil aber feine zwey Töchter waren mit in dieſem Ge» 
richte beftanden / und waren in diefem Geifte / der lich in Loth 
eröffnet / mit ergriffen worden / ge eben auch diefe Eigenfchaff- 

2 an 


** 


wa. 





412 WiedLoth ſey aus Sodom gang.ıc.Lap-44. 


ten empfangen / als ihr Batter / fo ſolte es alſo ſeyn und war 
von Gott alfo beſchaffen / daß dieſe zween Soͤhne Ammon und 
Moab muſten von einem Saamen / von zwey Schweſtern ge⸗ 
bohren werden / denn ſie ſolten zwey Voͤlcker aus zwey Linien der 
Natur ſeyn / aber aus einer Wurtzel. 

42. Daßesaber der Geiſt im Moyſce alſo zudecket / und faget/ 
die zwo Töchter haben den Batter voll ſuͤſſes Weins getraͤncket / 
daß er nicht habe gewuſt was er thäte/ und waren alſo in des 
Batters Trundenheit vom Vatter fhwanger worden / welches 
doch wunverlich fühe ohne Gottes Werd) das ift alfo zuverftes 
hen; „nicht dag es nicht alfo ergangen ſey / es iſt alſo ergangen 
wie der Text im Moyfe faget/ aber das war cin Werck des 
Geiftes Gottes / und decket alfo hiermit die aufferliche 
Scham zu. 

42. Danndas äuffere Werck iſt vor GOtt ein Schaam / und 
auch vor allen Völkern / aber das innere Werck in feiner Figur 
muſte alſo ſeyn ; und iſt die wahre Figur / dag der Menfch Chri⸗ 
ſtus/ als Gottes Sohn folte auch durch eine Schaam gebohren 
werden/ welches vor GOtt auch eine Schaam war: Aber er 
nahm alfo unſer Schaam und Schande auff fich/ und hängete fie 
alseinen Fluch ans Ereußes Stanm / und opfferfe fie der Ge— 
rechtigkeit Gottes auff / fo muften auch diefe zwey Linien mit ei⸗ 
ner Schaam bedeckt ſeyn / auff daß ſie alle einig und allein unter 
Chriſti Schaam an Creutz geheiliget wuͤrden; und ſie nicht ſa⸗ 
gen duͤrfften / fie wären rein vor GOtt und der Natur: Denn 
Die Schrifft faget / er hat fie alle unter die Sünde befchloffen / 
daß er fich aller erbarme. 

43. Und daß folches wahr und gewiß ein Werck Bottes gewe⸗ 
fen ſey / fo fichet man das an dehme / daß eben an demſelben Tas 
ge war die Mutter zur Salsfeulen worden / und Sodom unters 
gangen / ohne zweiffel mitihrem Haab und Gut: Dap jie eben 
auff diefelbe Nacht diefes zum Werck richteten / da fie doch nur 
auff einem Berge bey Zoar in einer Hölen über Nacht blieben / 
Daß fie wohl nicht wird der Kiel geftochen haben. 

44. Aber alfo muſte es feyn / dag der Batter runden wür- 
de / daß es nicht menſchlicher Verſtand thäte/ fondern dag es 
Gottes Werck ſey; auch daß die Seele Loths in der Tinctur des 
Saamens nicht mit der Schaam der Toͤchter turbitet wurde / ſo 
muſte es gleich wie in menſchlicher Trunckenheit und Unverſtan⸗ 
de geſchehen / auff daß nicht die Voͤlcker ein Recht oder Gewohn⸗ 
heit darauß machten: Denn auch Die Töchter waren alſo im Mr. 

t 


Cap.45. Wir Bott Abrah. fo wunderl. 1c. 413 


ſte wie truncken / auff dag der. Geiſt thäte was er wolte/ und fie 
nur cin Werckzeug wären, i 

45. Daß fie das aber verftunden / dag der Vatter warege> 
heiliget werden/ und fie gerne hatten des heiligen Saamens - 
empfangen / fichet man an dehme / dag fie fagten / cs ware fein 
Mann mehr, der fie koͤnte nach Menſchen weife beſchlaffen / fo 
wolten jte Jich zum Vatter legen / daß fie Saamen zeugeten. Es 
waren wohl viel Menfihen auff Erden / aber feiner war Diefts 
Saamens fühig /als chen feine Töchter / das gab ihnen der Geiſt 
in ihnen zu verfichen, 

46. Darumıb follen wir eben mercken was das andeute/ warn 
der Geift im Moyfe den Dedel für feine Augen zeucht / daß es 
vor GOtt nicht gang rein ſey / unddoch nur umb der Unvermeid⸗ 
lichkeit willen fo habe es feyn follen. or 

47. Und follen inden Thaten Gottes nicht nach der Vernunfft 
richten / denn die Vernunfft ficher nur auff das aͤuſſere / und ver= 
ſtehet nichts vom innern: Sie wein nicht von der Wurtzel die⸗ 
ſes Baumes und von feinen Zweigen und Aeſten / woraug ein 
jeder Aſt oder Volt habe müffen feinen unvermeydlichea lirs 


fand nehmen. 
Das 45. Capittel. 


Wir SHE Abraham fo wınderlich habe geführet / und 
wie er immerdar fey in Berfuchung geſtanden / und 
wie ihn der HErr beſchirmet habe; was 
dabey zuverſtehen ſey. 


I, Id Braham muſte auff Erden nur wie ein Pilgram 
ſeyn / und von einem Orth zum andern ziehen / und 
in Hütten wohnen / und ward überall verſuchet / 

wie ihm denn zweymahl fein Weib Sara genom⸗ 
men ward/ aber von GOtt wunderlich beſchirmet 
und bewahret / als vom Pharao in Egypten/ und vom Abimelech 

König zu Gerar / aber beydemahl von GOtt beſchirmet. 

2. Und daß nun Abraham / als der Stamm und Anfang des 
gefaſſeten Glaubens-Entis, in welchem Chriſtus verſtanden 
ward / alſo von einem Orte zum andern wandern muſte / und 
keine bleibende Stelle auff Erden haben konte / und darzu im» 
merdar in Furcht und Verſuchung ſtund: Das iſt das wahre 
Fuͤrbild der Chriſtenheit auff Erden / wie dieſelbe an Feine ge⸗ 
wiſſe Stätte würde gebunden ſeyn; Nicht irrgend an ein Bolck 

S 3 allein! 


414 Wie Gott Abraham Sapy 5 


allein / das ihme GOtt haͤtte inſonderheit darzu erwaͤhlet / ſon⸗ 
dern daß Chriſtus mit ſeinem Evangelio vom Neid) Gottes / ſey 
allen Voͤlckern gegeben worden. 

3. Und wie er mit ſeiner Erkaͤutnuͤß werde von einem Bold 

zum andern wandern / und nirgends cine immerwaͤhrende 
Stätte bey einem Volcke haben /fondern unter den Völkern mit 
feinen Kindern auff Erden nur als cin Gaſt oder Frembdling 
feyn ; und wie man immerdar ‚würde verſuchen / wie man möge 
wie Ehriftenheit unter den Voͤlckern vertilgen und zu fhanden 
inachen/ wie man denn Saram / Abrahams ABeib wolte zus 
ſchanden machen. 

4. Und wie die Ehriften würden immerdar von den Böldern 
verſuchet / und mit Streit und Krieg geplaget werden: Auch 
wie Chriftus würde mit feinem Evangelio von einem Bold zum 

andern wandern / wann fie deg würden überdrüffig ſeyn / und 
nur für eine Gewohnheit halten, fo würden fie daran blind wer⸗ 
den / und in ein Schwaͤtzwerck tretten und Ehriftum wollen er» 
difputiren. 

5. Alsdenn werde er mit dem Berftande und Beift von ihnen 
weichen zu einem andern Volcke / welches auch nur würde 
fleiſchlich ſeyn / und Ehriftum von auffen für einen puren Mens 
hen halten und anfehen ; wie Pharao und diefer König Abime⸗ 
lech Abraham und feine Saram anfahen / und ich mit Sara / 
wegen ihrer Schönheit wolten fleifchlich vermifchen ; welches 

‚eine Andeutung war / dag fie ja Ehriftum würden im Fleiſche 

rg / aber nicht auffvichifche Arth / fondern in Krafft und 
Geiſte. 
6. Wie denn allhie beym Abimelech / und auch beymm Pharao 
gu ſehen iſt / daß wenn fie haben Saram wollen fleiſchlich er» 
kennen / fo ift der Herr mit Straffen und Plagen in fie getret⸗ 
ten / und hat ihnen fein zorniges Angeſicht gezeiget / fieverfchlofs 
fen und verftarret/ als bünde er fie mit Ketten feiner Macht/ und 
ihre Weiber unfruhtbar gemacht / fie auch in Gelichten und 
Fuͤrbilden geſchrecket / wie dieſen Abimelech / welchem er den 
Tod im Traume draͤuete / und ihme andeutete / daß Abraham ein 
Mann Gottes waͤre / und wie er von ——— ſey. 

7. Durch welche Mittel GOtt hat die Voͤlcker zum Glauben 
bracht / wenn er iſt zu einem fleiffhlichen ungläubigen Volcke 
eingezogen / fohater fichin Krafft und Wundernerzeiget / wel» 
ches denn die fleifchliche Bölder gefchen Haben und fich bekehret / 
und zu GOtt gemand haben. 

8. Alſe 


En 


Tapas. ſo wunderlich habe geführet c. 415 


8. Alſo muſte Abraham ein Fuͤrbild des Reichs Chriſti ſeyn 
auff Erden / und von einem Volcke zum andern wandern / da 
ſich dieſelbe hinterbliebene Voͤlcker ja noch des Abrahams rüh> 
meten / und ſich nach ihme nannten; waren aber nur hiſtoriſche 
Kinder / von fremden Weibern gezeuget / ohne Abrahams Glau⸗ 
ben und Geiſte. 

9. Alſo iſts auch mit der Chriſtenheit ergangen / wenn lie des 
Geiſtes Chriſti find uͤberdruͤſſig worden / und nur cin Schwaͤtz⸗ 
werck daraus gemachet / fo iſt der Geiſt Chriſti von ihnen ge⸗ 
wichen / und hat ſich vor ihnen verborgen: Alsdan ſind dieſelben 
Voͤlcker ja noch in der Hiſtorien geſtanden / uñ haben ſich Chriſten 
geruͤhmet / ſind aber nur der Magd Kinder geweſen / als der Ha⸗ 
gar / und Söhne der Spoͤtterey / da man einander mitdifputi- 
ren hat umb Chriſti Namen und Willen geſpottet / verachtet / 
verketzert und gelaͤſtert / und ſeynd eitel Iſmaeliter aus ihnen 
worden. 

10, Wie es jetzt am Tage iſt da man rom Spotten zum 
Mord⸗ſchwerd greiffet / und Chriſtum wil gar ermorden und 
außrotten / und den Babyloniſchen Thurn an Chriſti Statt ſe— 
tzen / da man koͤnne in eigenem Willen und Vermögen in Him⸗ 
mel ſteigen / daß mar nicht doͤrffte durch ſterben des alten böfen 
Menſchen eingehen ſondern daß man koͤnte alſo fein mit der 
Selbheit des boͤſen Menſchen hinein kommen / oder ja ſich als 
von auſſen angenommene Kinder mit Chriſti Purpurmantel 
Re / daß doch der Wille der Selbheit nicht möchte zu GOtt 

ommen. 

1x. Und wie nun dieſelbe Voͤlcker hernach gerichtet worden / 
wenn Abraham von ihnen wiche / wenn fie nur Spoͤtter der 
Kinder Abrahams wurden / wie an Pharao / auch an den Hey⸗ 
den zu fehen ift / fonvderlich im Sande Cangan: Alfo iftsauch 
den Ehriften ergangen / dag diefelbe Voͤlcker / welche alfo nur 
unter Ehrifti Namen blieben / und Doch im Hergen nur Heyd⸗ 
nifch gewefen find / ſeynd allezeit von folchen Heydnifihen Voͤlc⸗ 
kern gerichtet und vertrieben worden / wie an Alta und Egypten/ 
auch Griechenland / und andern mehr zur fehen ift; wieihnen 
hat GOtt den Mantel Ehrifti / als Mumd-heuchlern und Spoͤt⸗ 
tern Ehrifti abgezogen / und ein verfinſtert Herg und Verſtand 
vom Keiche Ehrifti gegeben / und innen den Seuchter weggeſtoſ⸗ 
fen [dag Ste nicht mehr haben vürffen fagen : Wir ſeynd Ehriften 
und pers Ehriftum an/ fondern Türdenund Barbarigche 
Voͤlcker / aus den wilden Baume * Natur gezeuget. 

4 


22. Alſo 


se 
416 Wie Gott Abraham Gap.as. 


12, Alfo ſelte Shriftus allhie in diefer Welt nur als cin Sicht 
von einem Volck zum andern wandern / zum Zeugnuͤß über alle 
Voͤlcker: Und wird dir Teutſchland jetzt angezeiget/ daß / 
der du biſt lange unter dem Mantel Chriſti mit einem 
heydniſchen Hertzen gegangen / uñ haſt dich der Kindſchaft 
geruͤhmet / aber nur in Boßheit des Fleiſches gelebet / ſo 
wohl denen Voͤlckern / von denen du gebohren bift / mit 
dem Namen Chriſti / daß dein Gericht vorhanden it. 

13. Denn der Gerichts⸗Engel in der Poſaunenſchall 
ſchreyet zu den uͤbrigen Kindern Abrahams in Chriſto / 
gehet aus von Sodom: Abraham in Chriſto iſt von euch 
weggewagdert / ihr habt nichts mehr von Chriſto als ei: 
nen leeren them un ein difputirfiches Mundgeſchwaͤtze / 
eine Spoͤtterey da ein Bruder den andern umb Ehrifti 
Erfäntnüß willen nur fpottet und verachtet / und tödtet 
nur Chriſtum in feinen Gliedern ; die Stadt Hierufas - 
lem und Babylon) darinnen du hast gepranget / ſoll un⸗ 
ergehen] Amen. 

14. Siehe / ein Stern fiheinet von Morgen ud Mit: 
ternacht / dev wird dich verblenden / und den Thurn dei⸗ 
ner Vormauren inJeruſalem und Babylon abbrechen: 
Denn du heiffeft nicht mehr Jeruſalem fondern Babel 
und die Kinder fo da fißen im Schatten der Nacht / und 
die da liegen im Gefaͤngnuͤß zu Babylon follen auffgelö- 
fet werden und herzu Fommen/un eingehen in die Stadt 
Gottes / welche er hat auffgetban den Voͤlckern und 
Zungen der Erden auff daß feine Herzligkeit erkannt 
werde [ein Liecht vor allen Böldern. 

z5. Die Figur mit Abraham/ Sara und Abimelech ( Ge- 
nel 20.) ift ein gewaltiges Bilde der Chriftenheit / wie ſie in ei⸗ 
gener Krafft würden fchwach feyn / und alleinvon GOtt erret» 
tet werden ; wie denn Abraham fehr ſchwachmuͤhtig ward / als 
erfolte zu dieſen Voͤlckern ziehen / und feine Saram batt ! dag 
fie doch von ihm wolfe fagen/ er waͤre ihr Bruder / dag fie ihn 
nicht umb ihrent willenermordeten : Anzudeuten / dag ein Chrift 
in feinem eigenen Vermögen nichts thun / oderihmeden Geift 
Chriſti der da Muht machet/ nehmen fönte/ daß er nur blog 

mitten 


4 


— 


Cap.45. ſo wunderlich habe geführet / ꝛc. 417 


mitten unter ſeine Feinde tretten ſolle / und ſich doch auff ſich 
und ſein Wiſſen nichts verlaſſen / ſondern bloß allein auff Got⸗ 
tes Genade. 

16. Denn er ſelber kan nicht beſtehen / allein Chriſtus in 
ihme muß nur fein Muht und Beyſtand ſeyn; wie denn Abra⸗ 
ham allhie vor Pharao und Abimelech in eigenen Kraͤfften zweif⸗ 
felhafftig war / und immerdar furchtſam ſeines Lebens / und nur 
ſehen muͤſte / wenn ihn und feine Sara GOtt behuͤtete: und iſt 
dieſe Hiſtoria alfo meiſterlich und eigentlich vom Reich Chriſti / 
vom Efra im Geſichte des Geiſtes Chrifti beſchrieben / als ob 
der Geiſt mit Fleiß dieſe Hiſtorien vom Reiche Chriſti alſe Agu- 
rirete / denn ſie gehet gantz darauff. 

17. Dennder aͤuſſere Menſch verſtehet gar nichts vom Reiche 
Chriſti / wie bey der Sara zu ſehen iſt / als ſte war ſchwanger 
worden / und den Iſaac gebohren / fo ſagte fie / der Herr hatmir 
ein Lachen zugerichtet / das iſt / die Leute werden deß lachen / daß 
die alte neuntzig-jaͤhrige Sara ein Kind ſaͤugete: Sie verſtund 
noch nicht das Bilde Ehrifti/ fondern der Geiſt Chriſtiin ihr 
verſtunde es / umd nicht der natürliche Menſch in der Seldheit / 
fondern der ergebene Wille / welcher in @ Otrgelaffen war) ders 
felbe allein ergriffden Bund undden Geiſt Chriſti. 

18. Aber Die Bernunfft/ als felbeigener Wille war ſtumm 
daran es war ihme nur cin Sachen / denner ſahe nur auff ſich 
ſelber / was er wire? Wie denn auch Abrahams Wille feiner 
Selbeigenheit nur auff fich ſelber ſahe / und ſich entſetzete und 
mar doch in ihme die groſſe Macht ůber alle Gewalt und Herr⸗ 
ſchafften / aber ſie war nicht der menſchlichen Eigenheit. 

19. Wie denn auch Chriſtus in feinen Kindern nicht der 
menfchlichen Eigenheit / als ded felb-eigenen Willens ift / fich 
ihme auch nicht eineignet fondern dem demuͤhtigen gelaffenen 
Willen] dehme eineignet er ſich / und beſchirmet alsdenn auch 
öfters den cigenen Willen dadurch. | 

20. Denn der eigene Wille ift von der Natur diefer Welt 
ans Sleifh und Blut: Aber der gelaſſene Wille erſtirbet der 
Welt / und wird in SOtt zum Leben gebohren: Alſo iſt uns auch in 
Abraham und in allen Chriſten zweyerley Willen zuverſtehen / 
als einer von dieſer Welt / welcher immerdar in Furchten ſtehet / 
ud denn der armen gefangenen Seelen Willen nad) dem an« 
dern Principio , als nach dem Hinmelreich / welcher in GOttes 
Erbarmen in die Hoffnung erfincket. 


— Dis 


418 Von Iſaacs Gebuhrt Cap.a46. 


Das 46. Capittel. 


Bon Iſaacs Gebuhrt und Iſmaels Außſtoſſung mit 
ſeiner Mutter Hagar / was darbey ange⸗ 
deutet iſt. 


Geneſ. 21. 


1. Er Geiſt im Moſe ſetzet die Figur des Menſchen 
Wiedergebuhrt in ſeinem Proceß alſo genau und 
ordentlich auff einander in der Hiſtorien von A⸗ 
braham / daß man es doch greiffen / geſchweige ſe⸗ 
hen ſollte / wie er fo genau den natürlichen Mens 
fchen in der Selbheit / und denn Chriſtum neben einander ftellet/ 
und gleich wie mit Fingern auff die Figur weifet : Denn als 
BOHLET hatte Sodom und Gomorra / und diefelbe Gegend / 
da Abraham über wohnete/ verderbet / und Loth heraus ge» 
führet / fo zog Abraham von dannen gegen Mittage / zeiget an / 
wenn das Reich Ehrifti würde an einem Orthe verderbet ſeyn / 
fo würde Chriftus davon weichen / und begab fich unter den Koͤ⸗ 
nig Abimelcch / und ward cin Frembdling zu Gerar. 

2. In dieſen beyden Namen/ als Abimelech und Gerar/ftehet 
die Figur in der Gebahrung oder Faſſung des Wortes ohne ei⸗ 
nige Deuteley / warumb der Geift im Moyſe eben diefe Hifto> 
rien auffgefchrieben habe / und daraus fichet als durch einen 
SpirgelsSlaft: Denn Abimelech deutet anden Menfchen ſinn⸗ 
Eicher Vernunfft / als den wahren Menſchen / aber aus Ehrifto / 
nur in der Ercatur / wie er geſchaffen iſt: Berardeutet an das 
ſtrenge Leben der Natur / darinnen der Verſtand wohnen muß / 
welche Natur verderbet iſt und aus der Berderbung immerdar 
Anfechtung und Widerwertigkeit in des Lebens Verſtand oder 
Pernunfft-$iecht einwirfſet daß alſo das Leben in einer ſtaͤten 
Widerwertigkeit ſtehe / und ohne Unterlaß geſichtet und gefichet 
werde / welches das Creutz der Kinder Gottes iſt / daß fie fehen / 
daß ſie in ſich ſelber in eigenem Vernunfft⸗Leben / nichts als 
ſtrauchelen und irren koͤnnen: Wie allhie am Abraham zu fer 
hen iſt / als ihn GOtt vonder Sodomiter Graͤntze wegfuͤhrete 
ſo zog er gegen Mittag zum Koͤnig Abimelech. 

Dieſe Figur ſtehet im Innern alſo: 

3. Als ſich GOtt hatte dem Abraham offenbahret / und bie 
Figur Chriſti und feines Reiches / fambtdem Gewalt des N 

ri 


Cap.46. und Iſmaels Außſtoſſung / ꝛc. 419 


richts uͤber den Erdenkreiß dargeſtellet / ſo verbarg ſich GOtt 
wieder vor Abraham / ſo gieng Abraham gegen Mittag / das iſt / 
in ſeine Vernunfft / als in des Menſchen eigenen Verſtand / und 
wohnete zu Gerar / das iſt / in der verderbten Natur / welche ſich 
in der Geſchichte mit Abimelech außweiſet, da er in der Furcht 
der Natur in der Anfechtung ſein Weib verlaͤugnete / ſie waͤre 
nicht ſein Weib / daß er ſich alſo moͤchte durch Liſt der Vernunfft 
bewahren: Und ſiehet man gar eben / wie ihn das jenige / ſuͤr deh⸗ 
me er ſich dachte in der Bernunfft vor Unfall zu bewahren / muſte 
felber fEraffen und lehren / als Abimelcch ſtrafſete ihn / dag er 
hatte fein Weib verläugnet / ander er fich Hätte gar nahend vers 
fündiget / fo ihn nicht hatte der HErr gewarnet / undift die Er> 
klaͤrung dieſes: 

4. So man einen Menſchen ſiehet / den der Geiſt GOttes 
treibet / und offtermahls durch ihn redet / ſo ſoll man nicht dar⸗ 
auff fallen / und dencken / daß er etwas anders ſey / als andere 
Menſchen / wie auch Abraham nichts anders war: Die eigene 
Vernunfft an ihme iſt eben ſo wanckelmuͤthig und unvollkom⸗ 
men in ihnen als bey andern Menſchen / und daß das jenige / was 
ſie von GOtt wiſſen und lehren / gar nicht ihr Eigenthumb ſey / 
wie man das allhie an Abraham ſiehet / wie er auch aus Furcht 
ſeiner Sara / welche er aus Furcht verlaͤugnete / nicht ſchonete / 
und ob ftehätte der Abimelech zum Kebsweibe von ihme genom⸗ 
men / daß er nurleben möge /und es ihme und ihrentwillen defto 
baß gienge. 

5. Alfo probiret GOtt feine Kinder / dag fte fehen follen / dag 
fie im eigenem Vermögen nichts mehr als alle andere fündige 
Menſchen ſeynd / und dag man ln auff Menfchen fallen / 
und fie für GOtt halten : So laͤſſet te auch GOtt offters ftrau = 
cheln und irren / und ftraffet fie alsdann noch wohl von dehnen / 
welche fie ſelber lehren follten / wie allyie an Abimelech zu ſehen 
iſt wie er Abraham muſte ftraffen und ſchamroth machen/dag er 
feines Weibes umbeiner Eleinen Furcht willen / nicht verſchone⸗ 
te / und fie verläugnete. 

6. Und obes gefchähe / dag maneinen folhen Menſchen / den 
doch GOtt treibet / ſiehet zu Zeiten irren / fol man ihn nicht Bald 
darum gar wegwerffen / und dencken / er fen gantz auſſer GOtt / wie 
die Welt thut / ſondern dencken / dag GOtt ſeine Kinder alfe in 
die Proba unter das Creutz ſtellet / dag fie ſich ſollen lernen ken⸗ 
nen /und alsdenn gehet ihnen die Sonne wieder auff/ als wie 
allhie dem Abraham /als ihn ES * gen Gerar ziehen er 5 

s —9— 


420 Don Iſaacs Gebuhrt Cap.46. 


iſt / in ſein natuͤrlich vernuͤnfftig Leben / darinnen er vor Abime⸗ 
lech ſtrauchelte: So gieng ihme hernach eine zweyfache Sonne 
auff / als eine / daß Abimelech ihn erkañte / und lernete den HErrn 
fuͤrchten / und dem Abraham das Land zur Wohnung eingab / 
ihme auch Geſchencke zur Straffe gab / wie man die Heiligen 


ſttraffet / da man ſich vor GOttes Straffe fuͤrchtet. Alſo gieng 
ihme die Genaden⸗Sonne des Koͤniges Abimelechs auff:: Und 


denn zum andern / ſo ward Sara ſchwanger / und gieng ihme ein 
Zweig aus der Bundes-Linea herfuͤr / aus der Goͤttlichen Sons 
nen Gewalt / und ward ihme Iſaac gebohren. 

7. Und daß man das recht verſtehe / ſo ſtehet allezeit das Creutz 
bey den Kindern GOttes / und immerdar Adam und Chriſtus 
bey einander / wie allhie Abimelech und Abraham: und Iſmael 
und Iſaac / alſo auch der Vernunfft-Menſch und die verderbte 
Natur gegen der Vernunfft / welche die Bernunfft ohn Unterlaß 
ſichtet: Wie denn auch allhie zu ſehen iſt mit Hagar und Sara) 
welche auch gegen einander gefeget waren / daß eine Die ander 
übete / als Hagar in der Eigenfchafft der verderbten Natur / als 
in Adams Leben / und Sara in Chriſti Perfon / auff daß Hagar 
die natürliche Saram uͤbete / dag fie aus der Bernunfft in GOrt 
eindrüngete, 

8. Und haben wir bey Sara und ihrer Magd Hagar mit ih⸗ 
rem Sohne Iſmael / und mit Iſaac Sarz Sohn / wie Sara 


* habe die Magd mit ihrem Sohne außgeſtoſſen / welches dem A⸗ 


— 


braham uͤbel gefiel / und vor GOtt aber recht war / einen ſolchen 
Spiegel / als man ihn in der Bibel dergleichen nicht findet / wie 


eis He Chriſtus und der natürliche Menſchmuſſe mit Sfinael und ſei⸗ 


+ 


Er 


ner Mutter von der Erb-@erechtigfeit / und eigenem Willen 
gantz aufgeftoffen werden / edaß der cigene natürliche Wille Fein 
Erbe GOttes ſey. 

9. Und wenn ihn denn der gelaſſene Wille außgeſtoſſen / fo 
fißet die arme Natur des Menſchen mit ihrem verftoffenen Wil⸗ 
fen in Zagen/ und verweget ſich zu ſterben /wie allyie Hagar mit 
ihrem Sohne Iſmael / als fie war von Abraham aufgeftoffer 
worden/ fo gieng fie bey Berſaba inder Wuͤſten irre / das iſt / in 
Zerborstigkeitibres Herkens / und fahe fich gank verlaffen / und 
serzweiffeite an ihrem und ihres Schnes Leben / als unmaͤchtig: 
Den n fie hatten verlohren das Erbe /darzu der Frauen Gunit/ 
und alles Guth /und war jetzo weder Waſſer noch Brod für das 
schen (und waren dem Tode ergeben: Den fie fagte fich einen 
Steinwurff von den Knaben / dns ſie ibn nicht doͤrffte fehen 657 

J 


% 


Cap. 46. und Iſmaels Außſtoſſung / ꝛc. 421 


ben / und als fie ſich jetzt gantz ergeben hatte zu ſterben / ſo kam der 
Engel wieder zu ihr und rieff ihr und troͤſtete fie / zeigte ihr auch 
einen Brunnen / und ſagte ihe fie ſollte nicht zu tode zagen / ihr 
Sohn muͤſte noch zum groſſen Volck werden. 


Dieſe Figur ſtehet im Innern alſo: 


10. Wenn Iſaac / das iſt Chriſtus / im bekehrten Menſchen 
gebohren wird / fo verwirfft der geiſtliche / neugebohrne Wille / 
ſein eigene boͤſe Natur / er verachtet ſie und urtheilet ſie zum Tod / 
ſtoͤſſet ſte auch aus ſich mit ihrem Sohn dem Spoͤtter / als Ubel⸗ 
deuter hinaus / als wolte er ſich im Gemuͤthe zerberſten / ſo gram̃ 
wird der neugebohrne geiſtliche Wille dem natuͤrlichen Willen 
in ſeinen boͤſen Tugenden / als des natuͤrlichen Willens Sohn 
Iſmael / der nur ein Spötter / Luͤgner / Verleumbder und Unge⸗ 
rechter iſt. 

ır. Und wenn denn der neugebohrne Wille hat alfo die boͤſe 
Natur / mit ihren boͤſen Kindern aus ſich außgeſtoſſen / fo ſtehet 
die arme verlaſſene Natur in greſſen Aengſten / Zagen und Ver⸗ 
laſſenheit: Denn die innerliche heilige Seele verläffet ſie / ſo 
verweget ſie ſich denn zußterben/und gehet in ſich in ihrer Wuͤſten 
irre / und fichet ſich an als eine Narrinne, vie aller Menfchen 
Spott ift, 

12. Und wenn fich denn nun die Natur willig darcingiebet 
dag fie num wil alſo ihrer Selbheit erfierben / und verzaget an 
fich felber/ alsein arın verlaffen Weib /das aller Welt Herrlig⸗ 
keit / Reichthum / Schönheit und Wolluſt des Auffern Lebens be> 

raubet iſt / und von ihrer vorigen Begierde verſtoſſen / und faſt 
wie gar verlaſſen / daß die eigene Begierde anhebet zu ſchmachten; 
So kom̃t alsdenn der Engel GOttes zu der Natur / und troͤſtet 
ſie / fie folle nicht verzagen / gibt ihr auch Waſſer zu trincken / das 
iſt / etwan einen treuen Menſchen / der fie in ihrer Verachtung 
troͤſtet / und huͤlfft naͤhren und pflegen / und ſaget ihr wie ſie nicht 
ſterben ſoll / ſondern ein groß Volck werden / aber nicht in ihrer 
angebohrnen Erbſchafft / als in dem boͤſe Willen / ſondern bey 
Berſaba / das iſt / in der Zerſchellung in Wuͤſten / als in dem 
Jammerthal / in der Verlaſſenheit / ſoll die arme Natur wuͤr⸗ 
ken / und in ihrem Elende viel Frucht gebaͤhren / welche Frucht 
der Engel wieder in Abrahams Hütten / zu Chriſti Hauſgenoß 
einfuͤhret. 

13. Dieſes iſt zuverſtehen / wenn Chriſtus imj Menſchen ges 
bohren wird / ſe verſtoͤſſet er der Natur Eitelkeit mit dem mr 

7 en / 


I 


422 VWVon Iſaacs Gebuhrt Cap.46. 


len / welcher die Eitelkeit wuͤrcket und begehret / und machet den 
natürlichen Willen zum Knechte/da er vorhin iſt Herr geweſen: 
‚Aber die Natur ftehet in der verderbten Wuͤſten in der Eitelkeit 
des Todes mit der Sünden umbfangen / und foll nun jegt gebaͤh⸗ 
ren und würden / und fichet fich doch gang unmaͤchtig / als von 
dem innern geiftlichen Willen aus Chriſto / wie gantz verftoffen/ 
und in fich felber wie närrifch und vonder Welt verachtet / und 
allenthalben aus ihrem eigenen Willen verfloffen: So hebet fie 
‚denn an infich zu erfincken/ und won ihrer eigenen Begierde zu 
laſſen / und wird ihr alles unwehrt / was fie zuvorhin hat erfreuet / 
das iſt ihr jetzt zuwider / und ſtehet immerdar als ſollte ſie ſter⸗ 
ben / ie hoffet / und zweiffelt / das iſt / ſie hoffet der Beſſerung / ob 
ſie doch dermahleins moͤchte vom Spott erloͤſet werden / und wie⸗ 
der in die Ehren ihrer Selbheit geſetzet werden; aber es vers 
trocknet auch ihr Waſſerbrunn / und £ritt ihr GOttes Zorn un⸗ 
ter Augen / das ift /alleihre Freunde weichen von ihr / da fie hat 
zuvorhin im zeitlichen Guthe / Wolluft und Ehren mit gehabt / 
daß fie fich ftehet als ein immer Sterbender. 

14. Und wenn diefes gefchicher/ fo ift fie recht auffıin Weeg 
gen Berfaba/ und gehetin der Wüftenirre; denn fie weiß nicht 
was fie thun ſoll / fie ift jedermans Spott / alles was fie anſiehet / 
ſchilt ſie für naͤrriſch indehme ihr ift der Bewalt genommen 
worden / daß fie mup der Welt Schönheit / Reichthum / Ehren / 
und alles das / was fie mag zeitlich erheben / verlaffen /und wolte 
es doch gerne haben / wird aber vom innern Menfchen in Chrifti 
Geiſte davon abgezogen / und in dieſem Zeitlichen für ungerecht 
ud verdamlich gefcholten. 

15. Da gehet alsdenn recht Berfaba / als die Zerfchellung 
des Hertzens an / und fißet die Dernunfft bey der leeren Waſſer⸗ 
flaſche Hagars / und tritt einen Steinwurff von ihrem Sohne 
Iſmael / als der eigenen Begierde der Natur / ftehet und zwen⸗ 
get auch die Gedanden derNatur/und wil ihren eigenenKindern 
aichts mehr geben/ alsden Sinnen des Gemuͤthes wirfft fie als 
Kinder dieda jegt fterben follen einen Steinwurff / das ift / eine 
weile von fich weg/ Get nicht dörffe das Sterben ihrer Kinder 
fehen : Alfo gar ergiebet fih Hagar / als die Natur mit ih⸗ 
rem Sohne / dem Gemuͤthe ins Sterben der Selbheit des eige⸗ 
nen Willens / fißet und weinet in fich felber in Berfaba / alsim 
zerfchelleten Hertzen / und ift an aller Bernunfft verzaget/ wolte 

gerne jterben/ dag fie doch des Elendes lof würde. 
. 20. Und alsdenn / wenn ſie alſo zugerichterift / daß fle ihr J 
123 


{ 


Cap. 46. und Iſmaels Außſtoſſung/ etc. 423 
ber verzaget ift / und fich ins Sterben der Selbheit ergeben hat / 
fo komt der Engel GOttes zu Hagar/ das ift / zu der armen / ver⸗ 
laſſenen und fterbenden Natur /und ſpricht: Was ift dir Ha> 
gar ? Fütchtedich nicht / GOTT hat erhöret die Stimme des 
Knabens / / da er lieget / ſtehe auff/ nimm den Knaben / und führe 
ibn andeiner Hand/denn ich wilihn zum groffen Bold machen : 
So thut alsdenn GOtt der Hagar /als der Natur die Augen 
auff / daß fie einen Waſſerbruͤnnen ſiehet / fo fuͤllet fie alsdenn 
ihre Flafche mit Waffer / und trändket den Knaben / und GOtt 
ift alsdenn mit dem Knaben /der wächfet in der Wüften/ und iſt 
ein guter Schüge / und wohnet recht in der Wuͤſten Pharan / 
under muß ein Egyptifch Weib nehmen. 


Die gar edle und hochtheure Figur ſtehet im 
Innern alfo : | 

17. Wenn der Menfch hat im Glauben Chriftum angezo⸗ 
gen / und ift indie rechte wahre Buſſe eingegangen/und hat in feie 
nem Gemüthe alle Welt verlaffen / ja Ehre und Guth und alles 
Zeitliche : So ſtehet die arme Natur des Menfchen nunalfo im 
Sterbender Selbheit/ wie oben von Hagar und ihrem Sohne 
gemeldet: Dem fie begehret auch der Sinnen des Gemüthes 
zuerfterben / und gang indie Gelaffenheit einzugehen. 

18. Und wenn ſte denn alfo in Todes-Gedancken ſtehet / und 
hat ihren Willen ins Sterben ergeben / mit ſambt den Sinnen) 
fo erfcheinet die inmerliche Stimme des Göttlichen Wortes in 
dem Gemüthe und den Sinnen : Allda erhöret Das Göttliche 
Wort die Stimme des Knabens feines TWeinens /als das be⸗ 
trübte Gemüthe inden Sinnen: Denn es fchallet in Göttlicher 
Stimme darein/ und fprichtinder Goͤttlichen Stimme zur Nas 
tur / als zu Hagar / was ift dir du betrübte Natur ? Fürchte dich 
nicht / GOtt hat erhöret die Stimme des Knabens / als deiner 
Sinnen die du in Begierde haft GOtt auffgeopffert/Stehe auff/ 
das ift / erhebe dich in GOtt in diefer Gelaſſenheit / und ftche in 
der Stimmeder Erhörung auff / und nimm deine Sinnen / als 
deinen Sohn bey der Hand des Glaubens / und führedie Sins _ 
nen: Sie follen nicht fterben/ fondern [eben und gehen/ denn ich 
wil fie zum groffen Bolt machen das iſt / gu einem groffen 
Goͤttlichen Verftande und Begriff in Böttlihen Geheimnuͤſ⸗ 
fen ;und GOtt thut der Natur den Wafferbrunnen des leben 
disen Waſſers auff / daß fie in die Flafche ihres Wefens in fich 
ron GOttes Brünnlein faſſet / und traͤncket damit den Knaben / 
als dir Sinn. 19. Un» 


424 Bon Iſaacs Gebuhrt Cap.46. 


19. Und alsdenn ſo iſt GOtt mit dieſem Knaben der Sinnen/ 
und er waͤchſet groß in der Wuͤſten / das iſt / in der verderbten 
Natur waͤchſet der rechte ſtunliche Knabe groß im Geiſte des 
HErm/under wirdein Schüße/ das iſt / ein Schügedes Her 
und feiner Brüder /der die Naubvögel fiheuft und die wilden 
Zhiere /verftehet / er fcheuft aus feinem Beifte die köfen Thier 
und Vögel in feinen Brüdern mit dem Heil. Geifte zu bodem / 
er lehret fie und ſtraffet fie mit Göttlichen Pfeilen. 

20. Aber er muß in der Wuͤſten Pharan wohnen/ als in dem 
verderbten Fleiſche / und in der Wuͤſten unter gottloſen Volcke / 
und allda cin Schuͤtze GOttes ſeyn; und feine Mutter / als die 
Natur giebet ihme ein Egyptiſch Weib / das iſt / die Natur leget 
dem edlen in Chriſti Geiſt neu⸗gebohrnen Gemuͤthe ein fleiſch⸗ 
lich Weib bey / mit der muß das neu⸗gebohrne edle Gemuͤthe in 
der Ehe ſitzen / und ſich mit dieſem abgöttifchen fleiſchlichen Wei—⸗ 
be plagen. Das verſtehet alſo: 

21. Das Egyptiſche Weib iſt fein Fleiſch und Blut mit der 
Bernunfft / darinnen der Abgott Maozim /als die Babyloni⸗ 
{che Hure lieget /da der Zeuffel feinen Predigſtuhl hat / welcher 
dem edlen Gemuͤthe das Ereuß Ehrifti ift/ da des Weibes Saa⸗ 
men / als der Geift Ehrifti mug ohn Unterlag der Schlangen / 
als des Teuffels eingeführten Begierde / in diefer Huren Baby⸗ 
lon / den Kopff zertretten. 

22. Diefe Hure ift num die Ubung und die Proba des geiftlichen 
Sinnes im Chriftlichen Gemüthe /aber diefe Hure fhadet den 
Kindern Chriſti nichts ; fte hat wohl eine falſche Luſt / und ift 
ein Huren=balg / welche das Reich EDttes nicht fehen foll/ aber 
fie muß doch GOttes Kindern zum beften dienen / denn aus ihr 
wird dem edlen Gemüthe das Creutz auffgeleget / auff daß das 
Gemüthe in der Demuth bleibe / und nicht fage : Ich bins / ich 
kin heilig : Nein/nein/ die Heiligkeit iſt nicht dieſes Knabens 
Eigenthum/fondern es ift GOttes Erbarmen / welcher des Kna⸗ 
bens /als des armen verlaffenen Gemuͤths Beinen erhöret hat ; 
fo muß das edle heilige Gemuͤth / alsderneueim Beift Ehrifti 
gebohrne Menfch viefes Egnptifche / böfe / abgöttifche / huriſche / 
gottloſe / nichts guts wollende oder koͤnnende noch gedenckende 
Weib zur Ehe haben / und fich alfolang mit ihr fehänden/ big die 
unzüchtige/abgöttifche Hure flirbet : Alsdenn fo ift diefer Annas 
be von den Engeln in Iſaacs / das ift/ in Chrifti Hütten / als in 
Ehrifti Fleifch und Blut eingeführet. 

23. Und diefis ift pie warhafftige Figur des Geiſtes in Moſe / 

dar⸗ 


e 


Cap. 46. und Iſmaels Außftoffung. 425 


darumb er dieſe Figur hat alſo fein artlich abgemahllt / denn der 
Geiſt in Moſe gehet dahin / daß der Menſch der Selbheit / als 
eigene Wille muͤſſe von GOtt verſtoſſen werden ; und wo Chri⸗ 
ſtus gebohren wird / da geſchichet es / gleich wie allda / da Iſaac 
Ehriſti Fuͤrbild aus der Freyen gebohren ward / fo muſte der 
MAD Sohn hinaus geſtoſſen werden: Denn in Ifaac follte 
der Saame / der GOttes Reich erben follte / genannt werden; 
nicht aus der eigenen Natur / nicht vom Fleiſche noch Willen des 
Mannes) fondern aus GOttes Willen ; aus dem erflorbenen 
Willen unferer Natur /der feiner Selbheit erftirbet /und an ſich 
felver verzaget/ fellein Chriſt gebohren werden: Als in GOttes 
Erbarmen toll Iſmael (als der arme Sünder / wenn er der 
E ünden gramm wird/ umd nicht wil) gehohren werden: Die 
Natur fol und mug wohl dabey feyn / auch gleich mit dem irrdi⸗ 
(hen böfen Fleiſche: Aber Chriſtus wird daraus außgebohren / 
wie eine ſchoͤne Blume aus der wilden Erden /wie eine Frucht 
aus dem Korne. 
24. Eine gar treffliche Figur ftellet ung der Geift im Moyſe 
mit Abraham und Sara für / als Sara der Magd Sohn wolte 
aus dem Erbe von ſich augftoffen / day der Magd Sohn nicht 
follte mitder Freyen erben / fo dachte es Abraham unbillig fenn/ 
dieweil er feines Saamens war / und feinrechter Sohn > Aber 
GOtt ſprach zu ihme / laß dirs nicht übel gefallen des Knabens 
und der Magd halber ; alles was Sara dir gefaget hat/ dehme 
gehorche /denn in Iſaac folldirder Saame genennet ſeyn. 
Die innere edle Figur jtehet alfo: | 
25. Wann ein Menfch in Ehrifti Beifte /als wie Abraham 
gefchahe / neu-gebohren wird / fo dencket er öfters / er ſey gantz 
neu / und kennet fich noch nicht recht / dag er noch die hurifche 
Egpyptifche Magd mit ihrem fpöttifichen Sohne ver Eitelkeit in 
feinen Armen hats und wenn es nun Eomt / daß öfters der Spoͤt⸗ 
ter als Zfinael der Magd Sohn aus ihme herfür bricht / auch 
wohl gang ohne feinen Willen und Fuͤrſatz / daß ihme Sara / als 
die Freye [welches fromme Gemüther find / dehnen es GOtt zu 
erkennen gibt / fEraffen ; auch öfter wohl vom böfen geftraffer 
wird / daß man faget / man follte diefen Spötter hinaus ftoffen / 
das wilder Abraham / als der Menſch nicht gerne: Er wilunges 
tadelt ſeyn / und weiß noch nicht / daß er die Zeit feines irrdiſchen 
Lebens im Gerichte GOttes ſtehet / day taͤglich muͤſſen feine 
Wort und Wercke probiref werden und gerichtet. Gr wil offt 
einen Weeg der Rechtfertigung tretten und ſeine Sache beſchoͤ⸗ 
nen / 


— 


426 Bon Iſaacs Gebuhrt Cap.a46. 


nen / und wil gelobet ſeyn / und vergiſſet derweile der Egyptiſchen 
Magd in ſeinen Armen / und ihres ſpoͤttiſchen Sohns / der biß⸗ 
weilen im Worte mit Ubeldeuten herfuͤr kucket / und ſich fein 
unter einem gleiſſenden Mantel zudecket: Dieſen nun ſtoͤſſet die 
Freye hinaus / das iſt / der Geiſt Chriſti ſtoͤſſet ihn durch anderer 
Leute Mund hinaus / das daucht dem Menſchen unrecht ſeyn / 
dieweil das Wort iſt von ſeinem Leibe gebohren / und aus ſeinem 
Gemuͤth entſtanden. 

26. Aber der Her: ſpricht im Geiſte der Demuth Chriſti / laß 
dirs nicht übel gefallen / daß die Leute deine Worte tadeln / 
und deine Arbeit werwerffen / gchorche Sarz als der Göttlichen 
Stimme / und flog felber das jenige vondir aus / daß eiwan zum 
übel geredet oder gedeutetift: Dann in Ifaac/ dasift/ in deiner 
höchften Demuth/folldir der Saame genennet ſeyn / da in deinen 
Morten und Wercken der Geift GOttes im der Liebe wuͤrcket / 
und nicht in deiner natürlichen Seldheit und Eigenheit der Ver⸗ 
nunfft / dader Magd Sohn redet und wuͤrcket. 

27. Alfo follen die Kinder GOttes dieſe Figur wohl betrach» 
ten / und dencken / daß alles was aus Affecten und Neigligfeiten 
geredet oder gethan wird/ es fey gegen froimmen oder böfen Mens 
ſchen /dasift alles aus der Magd Sohn / das muß ins Gerichte 
zur Proba / und mug von Menfchen / als von böfen und guten 
gerichtet werden / es muß hinaus geftoffen werden unter einen 
Hauffen böfer und guter Zungen / da ein jeder fein Gericht dar» 
über führet: GOtt richtet auf Erden im Äuffern durch Men: 
fhen/ beydes durch Boͤſe und Gute. ⸗ 

28. Dieſes nun ſoll ihme Abraham / als der Menſch / nicht 
laſſen übel gefallen / wenn man feine Worte und Wercke richtet 
und probiret / und dencken: Daß ſein Goͤttlicher Saame allein 
in der Liebe und Demuth gebohren werde / und daß alles das / was 
er aus Reigligkeit redet / richtet und thut / wieder ins Bericht ge= 
hoͤret / da es muß prebiret und gefeget werden / wie Hagar mit 
ihrem Sohn Iſmael / und alsdann / wann es gerichtet it / das 
iſt / von den Leuͤten hinaus geitoffen/ fo komt erft der Engel GOt⸗ 
tes undfchreyet dem natürlichen Menfchen zu / er folle nicht in 
diefem Berichte verzagen / er foll ihme das laffen wohlgefallen / 
Das feine Worte und Wercke gerichtet werden. 

- 29. Darum fagen wir) als es der Herr zuerkennen giebet) 
daß wer da wil die Gefchichte des alten Teftaments recht leſen 
und verſtehen / der muß 2. Bilder für fich ſtellen / als auswen⸗ 
big Adam / als den irrdiſchen Menſchen / und inwendig * 
un 


Cap. 46. und Iſmaels Außſtoſſung. 427 
ſtum / und die 2. Bilder in Eines verwandelen/ ſo mag er alles 


— was Moſes und die Propheten im Geiſte geredet 
haben. 


30. Er muß nicht ſo blind ſehen / als die Juͤden und Babel / 
welche mit dieſen Geſchichten Vernunfft⸗ ſchluͤſſe machen / we⸗ 
gen der Wahl Gottes / als hätte ihme Gott alſo ein abſonder⸗ 
lich Volck zu ſeinen Kindern erwaͤhlet: Die Wahl Gottes gehet 
nur auff die Figur / welches Volck ſolte die Figur des innern 
Reichs Chriſti im aͤuſſeren tragen / in welchem Volcke Gott wolte 
das Reich Chriſti aͤuſſerlich offenbahren: Haben doch die Juden 
gleichwol nur einen Spiegel und Fuͤrbilde im aͤuſſern gehabt / 
als auch eben nur die Chriſten / welche auch Chriſtum im Flei⸗ 
ſche anſahen / als einen pur⸗ lauteren Menſchen. 

‚31. Diefe Figuren ſeind der Welt faſt ſtum blieben 
biß zur legten Zeit und folches aus Gottes Fuͤrſatz / 
dieweil der Menfch alſo eitel und nur Fleifch ſeyn wil/ undder 
Derlein bald überdrüffig wird / und diefelben hernach mit 
Fuͤſſen tritt: Sohat GOTT mit dem Menfchen in Bilden und 
gleichnüffen gehandelt / gleichwie Chriftus auch thate/ da er 
auff Erden kam) fo redete er diefe Geheimnuͤſſe alle in Gleich» 
nuͤſſen / der Menfchen Unwürdigkeit halben. 

32. Und daß esaber anjehe ſoll offenbahr werden/ift 
eine groffe Hrfache | davon alle Propheten gedeutet ha- 
ben und iſt die Urſache diefes / daf in diefer legten SPo- 
ſaunenſchall foll vollendet werden das Geheimnuͤß des 
Meichs GOtites / und zubereitet werden die Braut 
Chriſti als die klugen Jungfrauen / welche follen dem 
HEerminfeiner Erfibeinung entgegen gehen ; und det: 
tet an den Tag Ehrifti Zukunfft / da er wilmit der heis 
ligen Stadt dem neuen Jerufalem erfibeinen/ und feine 
Braut heimführen/fo muß von che das Geheimnuͤß des 
Reichs GOttes aus feinen Bilden außgewickelt und 
gantz offenbahr werden. | 

33. Und dag wird der Zall des fleifihlichen fündli- 
chen Menſchens feyn / dak der Menfih der Suͤnden 
muͤſſe offenbahr werden ; wıe St. Paulus davon weife 
faget / daß das Kind des Berderbens folle offenbaht 
werden allen Völkern / Sprachen! Zungen] ur 


4238 Von Iſaacs Gebuhrtec. Gap 46, 


hier mit der Huren in Abgrund gehen : Das ift fp 
viel: Wann das Reich Ehrifti gang offenbahr wird] fo 
ſtehet das Thier und die Fleifihes: Sure / als die falſche 
Magd mit ihrem fpöitifchen Sohn in groffer Schande / 
und wird von jederman gerichtet werden / gleich einer 
Huren am Pranger | da fie jederman fpottet. 

34. Gleich wie man bißhero hat Ehriftum in dem auffern 
Bilde der Einfalt in feinen Kindern und Gliedern verfpettet / 
in welchem die Vernunfft nichts mehr gefehen noch erfannt hat / 
als nur Hagar umd Iſmael in ihrem ausgefteffenen Elende / 
unter welchen Doc) des Engels Stimme geweſen / welche fie in 
der naͤrriſchen albern Einfalt unter der Decke haben verfpottet / 
und den Spötter Iſmael an Chrifti Statt gefeget/ welcher nur 
ein WidersChrift geweſen ift : Alſo follunter dieſer Poſau— 
nenſchall derfelbe Spötter und Widerchriſt auch offen: 
bahr werden] und von den Kindern Gottes in Ab: 
arumd geftoffen werden/ welches Babel in Furger 
Zeit fehen foll: Solches deutet der Geift der Wunder 
Gottes an. 

35. Wir fehen deffen eine fehöne Figur an Abimelech / daß / 
wan fich Bott bey einem Bold wil offenbahren/ wieer jie mitten 
inder Sünden erfchrestet / und ihnen im Zorne erfcheinet / wie 
Abimelech im Gefichte / und Mofe im Bufch im Feur/ und 
auch Iſrael auff dem Berge Sinai auch im Feuer; wie dan 
auch dem Elia im Feuer und Winde/ da überalldie Straffe des 
Grimmes Gottesvor angedeutet wird/ wie Gott der Menfchen 
Hersen vorhin zerfchellet / Dap fie fich fürchten / wie allhie Abi⸗ 
melech / als ihme der Herr des Nachts im Geſichte erſchiene / 
und ihme wegen Sara drünete/ erſchrack er / und fügte folches 
feinem Bolt vor ihren Ohren / und Die Leuhte fuͤrchteten Jich 
fehr } und Abimelech rieſf Abraham und machte einen Bund 
mit ihme. 

36. Dieſes iſt eine ſchoͤne Figur / wie Gott die Feinde ſchrec⸗ 
ket / und die bloͤde Natur / wan ſie ſich verweget / troͤſtet / und 
ihr die Furcht in Freude kehret; und wieder Elende / ſo er from̃ 
iſt von Bott aus dem Elende endlich heraus geriſſen wird / 
und wie ihme endlich feine Feinde / welche er zuvor hat ver» 
meynet feine Feinde zu ſeyn / müffen dienen und ihn erheben: 
Alſo wunderlich fuͤhret Gott ſeine Kinder / fo ſte nur die en. 

id * 


Cap. 47. Vom Bunde Abimelechsic. 429 


fechtung erdinden / und unter dem Creutz inder Demuth) bleiben 

ſtehen / und nicht auff ſelb⸗Rache ſehen / fondern die Gedult in 

Hoffnung anzichen/ und im Glauben beftandig bleiben ftehen ; 

fo muͤſſen auff die legte alle feine Widerwertigen fehen und fel= 

ber bekennen / dag Gott mit dem Menfchen iſt / und dag ihme 
die Welt hat unrecht gefhan. 

37. Auch ift das eine fhöne Figur / wie Abraham / als 
Gott wolte Abimelech fEraffen / für Abimelech bey Gott batt/ 
und ihn verfühnere / daß ihn Gott fegnete: Und ſtehet dieſe 
gantze Geſchichte inder Figur Chrifti / wie Adam und Chriſtus 
bey einander ftehen/ wie Chriftus fey in die felb-genommene 
Königliche Eigenheit des Mienfchen kommen / und die Sünde 
und Tod erfchrecket: und wie fich Die arme verderbfe Natur im 
Schrecken und Erkäntnüß der Sünden zu Gott wendet / wie 
allyie Abimelch zu Abraham; und wie fie alsdan Chrifte das 
Reich der Natur zum Belig einraumet / und mag die innere 
Figur im Geifte Moyſis / welcher Chrifti Fürbilde und Figur 
war/welchernoch ausdes Batters Eigenfchafft/ auff den Sohn 
im Fleiſche / als in der Menfchheitdeutet/ garnicht anderft ver⸗ 
fanden werden / dan chen alfo ; Es iff der wahre Grund. 

Das 47. Capittel. 

Bon Bunde Abimelechs und Abrahams / was dag 
in der Geiftlichen Figur fen] und was der Geiſt 
Moyſis unter feiner Dede allhieandeuter. 

Gen. ır. 
. Eine gar Edle und fchöne Pforke den Kindern GOttes 
in Berſaba. 

Bag Jeber Leſer / wiffe das) ſo man viel hundert Bücher 
von der Geſchichte Abrahams ſchriebe / fo koͤnte 
nan doch deu Reichthum nicht genug ausſprechen / 

velcher unter dieſer Figur verborgen liget / wir 
wollen aber den Kindern GOTTes in ihrer 

Schwaͤchheit einen Dienft thun / und dieſe Figur ein wenig auff« 

decken / weil es ſonſten dem natürlichen Menſchen unverftan- 

den iſt / und uns aber der Herz in Gnaden alfo führet; Alß 
ſoll ich ihme allhiedie Hand darzu leyhen und geben ] 
mercks nur wohl/ es liget ein Perlein darunter / wel⸗ 
ches allhie ſoll offen ſtehen / und doch auch Bi 

el⸗ 


430 Vom Bunde Abimelechs. Eap. 47. 


bleiben / welches mit aller Welt Gutt nicht mag bezah⸗ 
let werden. Der Vernunfft bleibts verborgen. 


Die aͤuſſere Figur ſtehet alſo im Text Moyſis. 


2. Zu derſelben Zeit redete Abimelech und Pichol ſein Feld⸗ 
haubtmann mit Abraham. und ſprach: GOTT iſt mit 
dir in allen Dingen das du thuft/ fo fehwere mienun bey 
Bott / daß du mir / noch meinen Rindern / noch meinen 
Nefen Eeine Untreu erseigen wollejt/ fondern die Barmher⸗ 
tzigkeit / Dieich an dir gethan babe / an mir auch thuft / und 
an dem Lande / dadu ein Sremdling innen bit: Da ſprach 
Abraham! ich wil ſchweren. Und Abraham ftraffere Abi⸗ 
melech um des Waſſer⸗brunnens halben) dehn Abimelcchs 
Anechte hatten mit Gewalt genommen. Da antwortet 
Abimelech: Ich habs nicht gemuft wer das gethan hat / 
auch haſtu mirs nicht angefüger / Darzu habe ichs nicht ge⸗ 
hoͤret danheut. Da nahm Abraham Schaff und Rinder / 
und gab fte Abimelech / und macheten einen Bund mit ein: 
ander; und Abraham ftelleteda fieben Laͤmmer befonders : 
Da fprach Abimelcch zu Abraham: Was follen die fieben 
Laͤmmer / die du befonders dargeſtellet haft: SEr aber ant⸗ 
mwortete: Sieben Lämmer foltu von meiner Hand nehmen] 
Daß fie mir zum Zeugnuͤß feyn / daß ich diefen Brumn gegra⸗ 
ben habe: Daher heifler Die Stätte Berſaba / daß fie beyde 
miteinander gefchworen haben / und aljo macheten fieden 
Bund zu Berfaba; Da machten fich auff Abimelech und 
Pichol fein Feldhaubtmann / und zogen wieder in der Phi⸗ 
liſter Lande / und Abraham̃ pflangete Baͤtrme zu Berſaba / 
und predigte Dafelbit von dem Iramen des Herim des ewi⸗ 
gen GOttes / und war ein Sremdling in der Philifter Lande 
einelange Zeit. 

3. Diefe Figur fichet äufferlich / als ob ſich Abimelech wor 
Abraham habe gefürchtet / weil ihine Gott im Gefichte hatte 
zuverſtehen gegeben / wie Abraham ein Fürfte Gottes fey / dero⸗ 
wegen er von Abraham den Bund und Epd begehrethabe/ daß 
er nicht etwan ihn und feine Nachfömlingevertilgete. Aber der 
Geiſt Ehrifti unter Moyſis Deckel hat ihme allhier gar viel eine 
andere Figur vorgemahlet/ damit er fpielete und weiffagete ; 
Dan unter allen Gefchichten Abrahams / welche der Geift 
Moyſis hat auffgefihricben / ift ung eine zweyſache Figur fürs 
gemahlet / zu verſtehen / als auswendig eine Hiftorin / en 

etwan 


Cap. 47. und Abrahams / ꝛc. 438 
etwan gefchehen fey : Und unter derfelben Hiſtoria feket der 
Geiſt Eprifti im Bunde feine Figur alfo artig dar / als fpielete 
er damit. 

4. Dann da iſt eben der Orth angedeutet / da Hagar mit 
Iſmael hinflohe / es iſt daſſelbe Berſaba und derſelbe Waſſer⸗ 
brunn angedeutet / welchen der Engel Hagar zeigete: welchen 
Abraham / das iſt / Chriſtus gegraben hatte / da hernach die 
Chriſtenheit von dem Namen des Herin des ewigen Gottes 
in Chrifto bey dieſem Waſſer-brunnen in Berfaba predigte. 

5. Und der Bund mit Abimelch und Abraham ift der Bund 
Chriſti mit der Menfchheit/ da Abraham / das ift/ Ehriftus 
ſchwur / er wolte die Menfchheit nicht verderben ; wie er dan 
fagte / als er ins Fleifch kam / er wäre nicht in diefe Welt kom⸗ 
men/ dag er die Welt richte / fondern dag cr die Welt feclig 
mache / das ift / feegne und den Bund halte, 


Die innere heilige Figur ftehet al. 


6: Abimelech und Pichol / welche mit Abraham wegen des 
Bundes geredt hatten / ftellet ver Geift allhie in Gottes des 
Datters/ und dan in der Natur-Bilde für. Abimelech der 
König deutet an den Batter in der Seelen Eigenfchafft / und 
Picholfein Feld- Haubtmann / deutet andic Natur / als Got» 
tes Ambtmann: Diefe beyde nahen fich zu dem Bilde Chrifti 7 
als zu Abraham; Dan diefem Chrifto waren die Menfchen ge⸗ 
geben worden / dann er folte ein Fuͤrſt Gottes in und über die 
Menſchheit ſeyn. 

7. Nun hatte ſich die Natur aus des Vatters Eigenſchafft 
in falſche Luſt eingefuͤhret / verſtehet in menſchlicher Natur / 
dan ſie begehrete Saram als die Freye / verſtehet die himmliſche 
Jungfraͤuliche Matricem in irrdiſcher viehiſcher Eigenſchafft zu 
offenbahren / welches in Adam geſchahe / da er ſeine weibliche 
Eigenſchafft in eine viehiſche Luſt einfuͤhrete. So deutet nun 
allhie der Geiſt im Moſe auff dieſelbe Figur / und ſtellet unter 
dem Koͤnig Abimelech Adam in des Vatters Eigenſchafft und 
Natur fuͤr. 

8. Gleichwie ſich Adam ließ geluͤſten mit ſeiner weiblichen 
Eigenſchafft als mit der Mutter der heiligen Gebuhrt in der 
irrdiſchen viehiſchen Mutter zu offenbahren/ oder in Veneris 
Tin&ur die Wurtzel oder den Grund des dritten Principii zu 
koſten oder zu ſchmaͤcken: Alfo lich ſich allhie Koͤnig Abimelech 


437° Vom Bunde Abimelechs Cap. 47. 


in derfelben Natur / verftchet der mänlichen aus des Batters Ei> 
genfchafft / der jeßo errägeten Mutter des Bundes in Sara 
gelüften fie zu erkennen / welches ver heilige Gott nicht haben 
wolte / und kam deßhalben in Abimelech / und ſchreckete diefelbe 

Luſt⸗Natur / und draͤuete ihr die Straffe und den Untergang. 
9. So verſtehet num in Abimelcch dem König die Seele aus 
des Datters Eigenſchafft / und mit Pichol verſtehet die Auffsre 
Natur / als das dritte Principium, welches der Seelen / alg 
des Königs Feld-haubtmann oder Knechtiſt; und mit Abraham 
verficher Epriftum in der Menfchheit oder Glaubens-Ente des 

Bundes / wieder Geiftindiefer Figur deutet und ſpielet. 
zo. Gott der Vatter bringetdie arme Seele / alsden König 
menfchlicher Eigenfchafft / nach deme fie fich Hatte gelüften laffen/ 
mit ihrem Knechte / als dem Leibe der Natur zu Chrifto: So 
fpricht die Seele zu Abraham inder Figur Chriſti: Warum 
haſtu mir nicht gefaget / dag Gott in Sara / als in diefem Bil- 
de ſey? warum hafkıs mir nicht gefügt / dag fiedein Weib ſey? 
verſtehet Ehrifti Weib / welcher des ABeibes Saamen in diefer 
Mutter genannt wird/ daß ich mich hätte an ihr fehier ver— 
riffen. 

; ır. Verſtehet die Seele Adams wufte Chriftum in ihrer 
himmliſchen Matrice in Veneris Tin&ur nicht / fie meynete / fie 
waͤre das fchöne glingendeKind / darum gieng fie mit diefer hei⸗ 
ligen Tin&urjin eigene Luſt: Als aber Gott jest der Seelen diefe 
heilige Tinctut im Bunde wehfete / fo fagte die Seele / ich habe 
es nicht gewuft/ daß dieſe Weibliche Eigenfcharft als fie in mir 
war / Gottes Weib fey/ der durch) fie gebähre; und fprach 
Durch den Feld-haubtmann / als durch) die auffere Natur zu 
Abraham in Chriſto: Nun nim̃ hindein Weib / als die himm⸗ 
liſche Matricem in mir / dan ſiehe GOtt iſt mit dir in allem das 
du thuſt / das iſt / Sch wil dir wiedergeben was ich in die Mein⸗ 
heit habe genommen / als in mir die verſchloſſene / und 
jetzo im dir erweckte Marricem der Goͤttlichen Welt Eigen» 
ſchafft / nim ſie hin / fie iſtdein Weibe: Undals fie Abraham / 
verſtehet Chriſtus nahm / ſo wurden alle Weiber und Maͤgde 
Abimelechs und ſeiner Knechte / verſtehet Even Toͤchter durch 
Chriſti Weib / als durch Saram im Bunde in der himmli— 
ſchen Matrice geheilet / daß ſie wieder Gottes Kinder gebaͤhren. 
12. So ſprach nun die Seele in des Batters Eigenfchafft 
zum Abraham in Chriſto / als dehme war aller Gewalt über die 
Menſchheit gegeben worden / ſo ſchwere mir nun bey Gott / daß 
du 


Cap.47. und Abrahams /ꝛc. 433 


Dur mir / noch meinen Kindern / noch meinen Nefen Feine Untreu 
erzeigen wolleft / fondern die Barmhertzigkeit die ich an dir ge⸗ 
than habe / an mir auch thueſt / und an demLande da du cin Fremd⸗ 
ling innen biſt: Das iſt ſo viel geſaget / als ob GOtt der Vat⸗ 
ter in der Seele mit Chriſto ſeinem Sohn / dehme er hatte die 
gantze Menſchheit zum Eigenthumb gegeben / redete und ſpraͤche; 

weil ich dir habe die Gewalt in der menſchlichen Eigenſchafft / 
welche mein ift / zum Eigenthumb gegeben / fo ſchwere mir nun 
bey GO TZ/das iſt / vertenffe dich damit im einen effentiali- 
ſchen Eyd oder ewigen Bund / dag du meiner Natur in menſch⸗ 

licher Eigenfchafft / noch den Kindern / alsden Aeſten aus ihrer 
Eigenfchafft aufs neue erbohren/ noch ihren Anenckeln oder Nee 

fen (das ift/fo in wilder Eigenſchafft / da offt ein gottloſer Mann/ 

deggleichen ein gottlofes Weib fich miteinander mengen / Da das 

eine gottlog ift/und das andere fromm ) wilft Feine Untreu erzeie 

gen/verftchetihren Kindern : Sondern die Barmhertzigkeit / die 

ich an dir gethan (indehme ich dir diefe hiumliſche Marricem, 

welche in Adam / in meinem Grimm gefangen ward / und deines 

Bildes in meinem Zorn verblich / wieder gegeben /) die ich an 

deiner Bildnüs getan habe / und an dem Sande /das iſt / an dem 

aͤuſſern Menſchen darinnen GOttes Kinder die hiniliſche Bild» 

nuͤß tragen / das iſt / an deurLande da du ein Fremdling innen 

biſt / auch thueſt. 

13. Denn Chriſtus iſt in unſerer irrdiſchen Menſchheit ein 
Freindling / und unſere irrdiſche Menſchheit machet oͤffter unſere 
Kinder oder Nefenan GOtt fremde: Darumb ſagte der Natur⸗ 
DBatter in der ſeeliſchen Eigenfchafft zu Chriſto / er wire ein 
Fremdling in unferem Sande ; wie denn auch Ehriftus fagfe / 
fein Reich wäre nicht von diefer Welt / das ift/von dem irrdiſchen 
Menfhen: Chriſtus aber follte die Barmhertzigkeit indiefem 
freinden Sande ( verfteget fremden Menſchheit) thun/und die 
Kinder fo darinnen gebohren würden / nicht verftoffen / wie de 
Batter an feinem Bilde ver himmliſchen Menfchheit / welche ins 
Adam verblich / hatte gethan : Diefes follte Chriftusin GOtt 
ſchweren / wie er deñ im Propheten Ezechielfchweret: So wahr 
ich lebe / ich wil nicht oder habe nicht Suft am Tode des Gottloſen 
sder Suͤnders / ſondern daß er ſich bekehre und lebe: Denn Abra⸗ 
ham in Chriſto / als in der Figur ſprach: Ich wil ſchweren / das 
iſt / ich wils thun. 

14. Und Abraham ſtraffete Abimelech umb des Waſſer—⸗ 
brunnens willen / dehn Abimelechs Knechte hatten mit Gewalt 

z genoms 


434 Vom Bunde Abimelechs  Cap.az: 


genommen / das iſt / Chriſtus ſtraffete die Seele / daß der Seelen 
Knechte / als die Eſſentz der Natur / hatten der him̃liſchen Leiblig⸗ 
keit / als Chriſti Scib in Adam / den Quellbrunn der Eſſentz ge- 
nonnmmen / davon das him̃liſche Bild erftarb oder verblih: Denn 
inder Seelen feurifhen Efleng quillet Chrifti heiliges Waſſer⸗ 
brünnleinaus/ aber der Seelen Eflentien hatten diefen Brunn 
Goͤttlicher Süffigkeit in eigene Gewalt genommen / und in ſich 
zu einer andern Eigenfchafft verwandelt. 

15. Daantwortete Abimelech/ das ift / die Seele / ich habe es 
nicht gewuft wer Das haf gethan / das ift/ ich habe es nicht ge= 
wuſt dag mich der Teuffelhatte betrogen/dag die falfche Luft war 
in meiner Efleng meiner Natur entftanden / und wer den Scha⸗ 
ven gethan hat: auch haft du es mir nicht angefaget / das ift / du 
haft mirs nicht gefaget als dein Bild in mir war / daß dieſer heili> 
ge Göttliche Quellbrunn dein wäre / welchen meine Knechte / als 
meine Efleng/haben zur Selbheit gemacht / darzu habe ichs nicht 
gehöret als heut / dasift / du haſt mirs nicht geoffenbahret / dag 
dieſer Quellbrunn dein Sit ift/ als heut / das iſt / heut da dur dich 
wicder in Adam nit einem Genaden- Bunde in mir offenbahreft/ 
da ich deine Stimmein mirhötete, 

16. Danahın Abraham Schaf und Rinder / und gab fie Abi: 
melech / und macheten beyde einen Bund miteinander / das iſt / 
da nahm Chriftus feine Schafe) das iſt Kinder / umd feine Kine 
der / das ſeynd Hepden / und die Schafe feynd die Kinder / in 
deren der Bund offenbahret ward/als die Juden / und gab fie dent 
Barker / und macheten zwifchen Ehrifti Geift und Menfchheit / 
und zwifchen den Juden und Heyden einen ewigen Bund mit⸗ 
einander / daß es follte eine Menfchheit feyn / und nicht zwo. 

17. Und Abraham ftellete var ſieben Sammer befonvders + 
Diefe fieben Laͤmmer find die ficben Eigenfchafften der natürs 
lichen Menfchheit Chriſti / welche er in unferer Menfchheit of> 
fenbahrete : Und daß der Geiſt ſaget beſonders / das iſt / daß 
Chriſtus in ſeiner Menſchheit der ſieben Eigenſchafften eine be⸗ 
ſondere Perſon ſey / daß wir Menſchen / als Juden und Heyden / 
die wir in ſeine Genade kommen / nicht ſollen ſagen / wir ſeynd 
Chriſtus / ſondern wir ſeynd ſein Haus / in dehme er wohnet: 
Der Gewalt des heiligen Waſſerbrunnens iſt ſein / wir ſeynd 
nur Zweige an ſeinem Baume ; Er iſt mit den ſteben Sämmern 
der Goͤttlichen Eigenſchafft in uns beſonders / ſie ſeynd nicht des 
Menſchen Selbheit. 

18. Allein in der rechten Gelaſſenheit iſt Chriſtus und der 

Menſch 


Capır und Abrahame rs. 435 


Menfch gank eins / wann der menfchliche Wille auffer Chrifto 
nichts mehr wil/ fondern fich gantz in Chrifto ergiebet / ſo iſt er 
der Selbheit todt/ und lebet allein Ehriftus in ihme: Auch anzu> 
deuten / daß feine ercatürliche Perſon mit den fieben Eigen» 
ſchafften der Menfchheit follte unter uns / als eine fonderliche 
Perſon als ewiger Hoherpricfter/ wohnen. 

19. Da ſprach Abimelech zu Abraham : Was follen die ſie— 
ben Laͤmmer / die dir befonders dargeftelletyaft ? Das iſt / GOtt 
der Vatter ſpielete durch die Eſſentz der Seelen in dieſer Figur 
mit Chriſti Figur in Abraham / und ſprach: Was ſollen deine 
ſteben Eigenſchafften unſerer Goͤttlichen Natur befonders ? 
Warumb/weil du ſollſt die Menſchen neu gebaͤhren und in ihnen 
wohnen / wilft du auch deine fteben Eigenfchafften unferer 
Göttlihen Natur in eine befondere menfchliche Perfon darftels 
len? Und Chriſtus antwortet inder Figur Abrahams : Sieben 
Sammer follftu von meiner Hand nehmen / daß fte mir ein ewi 
Zeugnuͤß ſeyen / daß ich diefen Brunnen gegraben habe ; das ift 
viel geſaget / Chriſtus fpricht zu feinem Vatter in menſchlicher 
Perſon / du ſollſt die Figur oder das Bilde meiner ſieben Eigen⸗ 
ſchafften der menſchlichen Creatur zu einem ewigen Zeugnuͤß 
nehmen / daß ich den Quellbrunn des ewigen Lebens in meinem 
Leyden und Tode wieder in menſchlicher Eigenſchafft gegraben 
habe / daß der menſchliche neu⸗gegrabene Lebens-brunn mein iſt. 

20. Und der Geiſt in Moyſe ſpricht gantz verdeckt / darumb 
oder daher heiſſet die Staͤtte Berſaba / da ſie beyde miteinander 
geſchworen haben; und alſo macheten ſie den Bund zu Berſaba. 
Dieſes iſt die gar theure Staͤtte / da GOtt der Vatter und ſein 
Sohn in der Menſchheit haben miteinander geſchworen; die 
Staͤtte heiſſet Berſaba / als eine Zerſchellung des Todes bey 
dem Brunnen des Lebendigen und Sehenden in der verblichenen 
Menſchheit / da in Chriſti Menſchheit / welche er von uns Men 
ſchen hafte angenommen / der Tod zerſchellet und zerborſten 
ward / und der Brunn der Siebe aus dem lebendigen GOttin 
unſer zerſchelleten Menſchheit des himmliſchen Theils wieder in 
die ſeeliſche Creatur quellete. So ſaget der Geiſt Moyſts num 
allhier gar fein / daß dieſe Staͤtte Berſaba heiſſe / da das Zeug⸗ 
nuͤß dieſes Eydes als ein Gnaden-brunn ſey auffgerichtet 
worden. 

21. Und wird uns armen Menſchen die Staͤtte Gottes zu 
Berſaba gewieſen / da GOtt der Vatter einen ewigen Bund in 
Chriſto Jeſu mit uns gemachet hat / als in der Bußfertigen zer⸗ 

2 ſchelle 


436 Vom Bunde Abimelechs Cap.47 


ſchelleten Seelen / da fich die arme Seele in dieſem theuren Bund 
und Eyd mit zerſchelletem Hertzen der Buſſe gantz einergiebet / 
ſo ſtehet ihr der Eyd Gottes im Bunde Jeſu Chriſti in Berſaba 
als in der Seelen Zerſchellung offen / da GOtt in Chriſto Jeſu 
geſchworen hat / daß er die arme Seele und ihre Kinder und Ne⸗ 
fen nicht verderben wil / auch dieſem Sand der Seelen / als dem 
Coͤrper der Menſchheit feinen Schaden zufügen. 

22. Das foilen wir nun unferm lieben Emanuel Jeſu Chris 
Fo vertrauen/welcher feinem Batter in unferer feelifchen Eigen 
Thafft hat einen theuren Eyd gefchworen / dag er mil feine 
Barmhertzigkeit und Siebe nicht von uns wenden / wir follen nur 
zu inne in Berfaba kommen und den Eyd annehmen / als unfer 
Eigenthumb / das ift / mit zerfchelleten bußfertigen Hertzen. 

23. Und Moyſes fagt weiter / als dieſes geſchehen fey ; da 
machten ſich auff Abimelech und Dichol fein Feldhaubt⸗ 
inann | und zogen wieder in der Philifter Land: Das ift fo- 

ich gefaget; Als GOtt der Batter hafte die Menſchheit ſeinem 
ohne Jeſu Chriſto mit dieſem Bunde und Eyde übergeben / 
da gieng er mit feinem Regiment / alsmit Pichol / dag ift / mit 
ver äufferen Natur wieder in der Philifter fand / das iſt /indas 
Regiment der auffern und innern Natur / welche Philiſtiſch / 
das iſt / nach But und Böfe geneigtift: Das deutet an / daß die 
arme Seele / ob fie gleich hat den Bund und Eyd Gottesanges 
zogen / und mit Chrifto zu GOtt geſchworen / dennoch dieſe Zeit 
mufte wieder in dem iradifchen Leibe / alsunter der Heydnifchen 
Philiſtiſchen Effeng des Zleifches wohnen / welches diefem Koͤ⸗ 
ig Abimelech / als der armen Seelen / cin ftäter Widerſatz 
iſt / und nur den Bund und Eyd verläffer/ und ſich in feiner 
Philiſtiſchen Eigenslüftigen Begierde in die Gelbheitals cin 
eigen Land ein fuͤhret. 

24. Da denn den armen Chriſten angedeutet wird / daß ſie 
mit der neuen Gebuhrt muͤſſen in dieſen Philiſtiſchen Lande oder 
Fleiſchhauſe zur Herberge / als gantz Frembdlinge innen liegen / 
und dieſe Zeit nicht mögen gang erloͤſet werden: Denn Pichol / 
der Seelen Feld-haubtmann / als die Natur / muß dieſe Zeit 
in Voͤſe und Gut regieren / und wuͤrcken / und dem edlen Bilde 
Ehriſti / als der neuen Gebuhrt ein hartes Creutz / und ſtaͤte An⸗ 
fechtung ſeyn / dadurch das edle Perlen⸗baͤumlein beweget / und 
wachſend gemacht wird / als gleichwie ein Baͤumlein aus der Er⸗ 
den in Hitze und Kaͤlte im Winde / Regen und Schnee wach⸗ 
ſen muß; alſo auch das edle Baͤumlein Jeſu Chriſti / Er 

erſaba / 


Cap. 47. und Abrahams / etc. 437 


Da an als inder irrdiſchen Hütten ein Fremdling mit Abra> 
ham if, 

25. Und der Geift in Moyſe faget weiter: Abraham ader 
pflantzete Bäume zu Berſaba / und predigte dafelbft von det 
Namen des Herren des ewigen Gottes / und war ein Fremde 
ling in der Philifter Sande eine lange Zeit: Dieſes iſt alſo viel 
gefaget: Der Geift Ehrifti in Abraham / wenn die Seele hat 
Den Bund und Eyd angenommen / daß fieiftgerfchelletin rech» 
ter Buſſe / pflanset Bäume in Berſaba / das iſt / er gebaͤhret 
him̃liſche Zweiglein in dieſem bußfertigen Hertzen in dem frem⸗ 
den Lande dem irrdiſchen Menſchen / und prediget aus dieſen 
neuen Zweigen von dem Namen des ewigen Gottes / und wohnet 
ein lange Zeit / als die Zeit des ganzzen irrdiſchen Lebens / in die⸗ 
fer Philiſtiſchen Hütten. 

26. Umd iftdiefes eine wahrhafftige Figur des armen bußfer⸗ 
tigen Suͤnders / welcher in Ehrifti Geifte nach dem inwendigen 
Menfchen eine neue Ereatur wird) wie er müffe indie Buſſe 
eingehen / und im zerfchelleten Gemuͤhte Chrifti Baͤumlein in 
ihme aus Chrifti Geiſte pflantzen und mitten unter dem Haufe 
fen böfer Menſchen / auch mitdem Perlen⸗baͤumlein Chriſti in 
einem frembden Sande / als im böfen verderbten Fleiſch und Blut 
wehnen? und allda von dem Kamen Gottes lehren / und die 
Heydniſchen / Philiſtiſchen Kinder unterweiſen / daß fie zw 
ihme in Berſaba / Das iſt / in wahrer Buſſe in feine Pre= 
digt kommen. 

27. Alſo fein artig ſpielet der Geiſt in Moyſe mit dem Bilde 
Chriſti mit einer aͤuſſerlichen Hiſtorien einfaltiger kindiſcher 
Geſtalt / und zeiget uns an / wie wir immerdar werden in An⸗ 
fechtung / Faͤhrligkeit und Widerwertigkeit muͤſſen ſtehen / 
und wie Gott feine Kinder alſo wunderlich errettet / daß auch 
die jenigen / fuͤr denen ſie ſich fürchten / und die fie wollen beley⸗ 
digen / endlichen einen Friedens-bund in ihrem Gewiſſen mit 
ihnen machen muͤſſen: Und auch wie die arme Seele fuͤr groſſen 
Furchten und Schrecken / keine Ruhe in ſich habe / ftefomme 
denn durch ernfte Buſſe in Chrifto zu GOtt / und macheeinen 
Bund mit Chrifte in GOtt / day das blöde Gewiffen und die 
Natur getröftet werden / auffer dehme iſt eitel Noth / Angft und 
Schreden/ wie dem Abimelech gekhahe / da er infalfcher Luft 
gegen Saram engündet war: So fihredte GOtt fein Gewiſ⸗ 
fen/ dag er zu Abraham gieng / und fihfürihmedemüthigtel 
und neben groffer Schendung En Bund mit ihme — 
3 2 


438 Wir Gott Abraham verſuchte / Cap.48- 


Alfo gehet es auch allen Kindern Ehrifti/wenn fie die Anfechtung 
erdulden / und im Glauben befändig bleiben / fo muͤſſen fich end» 
lich alle ihre Feinde ſchaͤmen / und zurück weichen / wie in Diefer 
Figur zu ſehen iſt. 


Das 48. Capittel. 


Wir GOTT Abraham Hrfüchte) und die Figux von 
Ehrifti Opffer in feinem Leyden und Tode 
fuͤrſtellete. 

Geneſ. 22. 


xt Achdehme der Geiſt in Moyſe hatte die Figur des 
Bundes Gottes in Chriſto Jeſu mit feinen Kin—⸗ 
dern auffgerichtet fürgemablet/ wie wir armen 
Herz Kinder folten und müften aus diefem irrdi⸗ 
fhen Willen der Eigenheit ausgehen / und in 
Ehrifto eines neuen Willens und Lebens gebohren werden/ fo 
ſtellet er nun allyie die Figur dar / wie daffelbe zugehen würde 
und ſolle / wie Chriftus unfere Scele und Menſchheit folle feinem 
DBatter wieder auffopffern/ wieer alsein Opifer folte in Gottes 
Zorn⸗feuer eingeworffen werden / und der menſchlichen Seelen 
Selbheil und Eigemwillens im Grimme Gotteserfterben / und 
aber mit dein göttlichen einigen Willen Gottes durch den Tod 
und Zora durchdringen / und den Tod / der die Menfchheitges 
fangen hielt/ zerſchellen und zu fpott machen; und alfo die 
menfchliche Seele GOtt feinem Vaͤtter wieder in den einigen 
ewigen Böttlihen Willen einführen / und ihm Das Reich / das er 
ihme in der Menfchheit gegeben hatte / wieder überantworten / 
auff daß hernach und in Ewigkeit alleine fey Gottalles in allem) 
und die Ereatur wicht mehr eigenes Willens lebe / fondern nur 
als ein Werckzeug göttliher Stimme in einer göttlichen Har⸗ 
moncy erfchalle / und der gange menfchliche Baum nur einer 
in allen feinen Zweigen und Aeſten ſey. 

2. Diefe Figur ftelletder Beift im Moyfe bi zum Ende aller 
feiner Schriften gung Elar für / und fpielet unter der aͤuſſeren 
Figur mit der innern / welche ewig bleiben ſoll: So wilich diefe 
Figur von Abrahams Verſuchung mit feinem Sohne Iſaac 
auch in der geiftlichen Figur darftellen / was damit foll verſtan⸗ 
den werden. Denn obwohldie Gelehrten gedeutet haben: GOtt 
habe Abraham verſucht / daß er ſaͤhe ob er wolle URTPIADEN. w ihn 

eſtaͤn⸗ 


Cap.48. uñ die Figur von Ehrifti Opff.rc. 439 


beftändig bleiben / fo hat es Doch noch weit ein andere Deutung) 
denn GStt weiß wohl vorhin / was der Menſch thun werde / fo 
kan auch der Menſch ohn ſeine Genade in der Verſuchung nicht 
beſtehen / wie an Abraham zu ſehen iſt / als er ſein Weib für dem 
Koͤnige Abimelech / als er in Gerar zog / verlaͤugnete. 

3. Abraham wird allhie in Adam fuͤrgeſtellet / und ſein Sohn 
Iſaac wird in Chriſti Menſchheit fuͤrgeſtellet / und die Stimme 
die zu Abraham geſchahe iſt GOttes des Batters: Dieſe 3. ſte⸗ 
hen allhier in der Figur des Proceſſes des Wercks menſchlicher 
Erloͤſung / wie Abraham / das iſt / Adam ſolte fein Bild in 
Iſaac / das iſt / in Chriſto / der Stimme GOttes im Feuer 
GOttes auffopffern / auff daß die Menſchheit im Feuer GOttes 
probiret werde. 

4. So ſprach nun die Stimme GOttes zu Abraham: Abra⸗ 
ham: Und er antwortet hie bin ich: Das iſt / GOtt rieff Adam 
in Abraham / als allen Menſchen und ſprach: Rim̃ Iſaac deis 
nen einigen Sohn / dehn du lieb haſt / und gehe in das LandMoria / 
und opffere ihn daſelbſt zun Brandopffer auff einem Berge / den 
ich dir ſagen werde. Allhie ſiehet der Geiſt mit Iſaac auff Chri⸗ 
ſtum: Denn in Iſaac lag der Bund / und der Glaubens-Ens 
vom Abraham / aus welchen Chriſtus ſollte kommen: So ſprach 
nun GOttes Stimme zu Adam in Abraham / nim deinen Sohn 
dehn du lieb haſt / und opfſere ihn zum Brandopffer auff dem Ber⸗ 
ge / dehn ich dir ſagen werde / das iſt / die Juden als Adams Kinder 
ſollten Chriſtum zum Brandopffer opffern / das iſt / der Goͤtt⸗ 
liche Ens ſollte ſich in Adams Ente einergeben / dehn ſollen Adams 
Kinder GOtt miteinander im Feuer GOttes opffern; und deu⸗ 
tet an / das ſich ein jeder Menſch / wenn er den Glaubens-Ens 
hat empfangen / ſoll GOtt gantz auffopffern / und im Feuer GOt⸗ 
tes feines eigenen Willens erſterben / und in dem Goͤttlichen 
Glaubens-Ente durchs Opffer im euer GOttes neu⸗gebohren 
erden. 

5. So ſagte der Geift im Mofe: Deinen Sohn dehn du lich 
haft/ als deinen eigenen Willen / welcher fich hat in eigene Liebe 
eingeführer: Diefer eigene Wille mug GOtt geopffert werden/ 
daß er die eigene Siebe im Feuer GOttes verlaffe/und feine Ei⸗ 
genheit gantz übergebe / und nicht mehr ihme felber wolle und le⸗ 
er fondern GOtt /Und deutet recht an / wie ich Chriftus in uns 
ſerm menfhlichen Willen] welcher fich in Adam hatte von GStt 
abgebrochen/oder gewandt/follte in Adams Perfon GOtt feinem 
Vatter wieder gang opffern und ergeben / und wie der Grimm 

z 4 GOttes 


440 Wie Gott Abraham verſuchte / Cap.48. 


GOttes follte den Willen /als den Willen darinnen fich Adam 
hatte indie Sclöheiteingeführet/verfihlingen. | 

6. In welchem Berfiplingen des Zoru⸗Feuers / der Liebe⸗ 
Ens im Glaubens-Worte der Goͤttlichen Krafft / der rechte in 
Adam geſchaffene Menſch gefaffet / und im Feuer des Verzeh⸗ 
rens erhalten ſollte werden / gleichwie das Silber und Gold 
auffm Teſte / da das Kupffer und alles andere Unreine davon 
rauchet / und alleine Das Bold oder Silber im Feuer beſtehet: 

Alſo auch) follie die menfhliche angenommene Eigenheit ſambt 
dem angenommenen Schlangen- und Thieres-Ente, und alles 
das / was nicht im Goͤttlichen Feuer beſtehet / im Opffer verzeh⸗ 
ret werden / auff dag wir in der Perſon Chriſti wieder einen gantz 
lauteren Zugang und offenen Genaden-Brunn haͤtten / fo follte 
Chriſtus feinem Batter unferen menſchlichen Willen der Ei- 
genheitauffopfferen / und ihme wieder übergeben / und eben am 
Berge Moria / das ift / in feinem Tode und Sterben da er für 
alle und in allen follte der menfchlichen Selbheit erfterben / 
gleich als wie / wen der Stamm des Baumes flirbet / auch alle 
feine Hefte in inme erfterben / umd wie fi; der Baum verjunget/ 
alfo aud) er feine neue Krafft wieder in feine Aeſte einführet/ 
welches wohl der aͤuſſern Natur nicht möglich ift / aber in GOtt 
wohl möglich ift / wie an dein dürsen Stab Yaronis zu fehen 
iſt / welcher feines Safftes und Lebens war erſtorben / und Doc) im 
einer Nacht gruͤnete und ſchoͤne Mandeln trug. 

7. So fügte nun Gott / auff einem Berge / dehn ich dir zeigen 
werde / das iſt / nicht ſolte es nach Abrahams Willen gefchehen;auch 
ſoll es in uns nicht nach unſerem Willen geſchehen / daß wir uns 
wolten fuͤrſchreiben / wo und wie wir uns wolten in Chriſto dem 
Vaͤtter opffern / wie Babel thut: Nein / ſondern auff dem Ber⸗ 
ge / das iſt / an dem Orthe in der Eigenfchafft und in dem Tode / 
wie ihn uns der HErr zuſchicket: Wir ſollen nur mit Abraham 
gehorſam ſeyn / und uns willig darein ergeben / wenn er uns ihme 
opffern wil / uns nicht ſelber geiſſelen / ſchlagen / und plagen / ſon⸗ 
dern nur mit unſerm Willen in ihn erſincken / und warten big 
uns der HErr den Orth zeiget / wo und wie er ung ihm opfferen 
wil: Wir ſollen ihme nur unſer gantzes Hertze und Willen 
opffern / mit Leib und Seel / und ferner ihm befehlen / was er mit 
uns thun wil / wo er uns im Bilde JEſu Chriſti wil nach dem 
Seibeopfferen / und wenn ung der HErr zum Opffer ruffet mit 
feinem Ereuß / oder uns des zeitlichen Todes wil auffopffern / fo 
follen wir mir Abraham ſagen: Hier bin ich HErr; Thue was 
du wilt. 8. Und 


J 
En 
+ 


* 


Cap.48. uũ die Figur von Chriſti Opff. ꝛc. 441. 


8. Und Abraham ſtund des Morgens frühe auff / undgür* 
tete feinen£fel/und nahm mit ſich zween Knaben / und feinen 
Sohn Iſaac / und ſpaltete Hols zum Brandopffer / machete 
ſich auff und gieng an den Orth / davon ihme GOtt geſaget 


hatte. 
Diefe Figur ſtehet alſo: 


Wenn uns die Stimme GOttes ruffet / fo ſollen wir mit A-⸗ 
braham balde gehen: Denn fruͤhe heiſſet / wenn die Stimme als 
eine Morgenroͤthe anbricht / wenn uns GOtt in uns ruffet / daß 
dem Menſchen der Gedancke einfaͤllet / du ſollſt Buſſe thun und 
umbkehren / ſo iſts frühe / ſo ſoll er ſeinen Eſel als ven thieriſchen 
Menfchen/alsbald mit Gewalt guͤrten / ober gleich ſchreyet / har 
re noch es iſt morgen Zeit / ſo ſolls balde im erſten Anblick des 
Willens zu GOtt geſchehen / denn das iſt die Hinde die frühe ge⸗ 
jaget wird / wieder Prophetifche Geift deutet : Denn frühe mie 
der Stimme Gottes follte Ehriftus diefen Efel gürten / und 
zum Dpffer bringen. 

9. Und die zwey Knaben welche Abraham mit nahm / deuten 
an die Seele vom erſten Principio , und Die Seele dieſer Welt 
als den aͤuſſern Geiſt des aͤuſſern Lebens / dieſe muͤſſen mit Iſaac / 
das iſt mit Chriſto in dem alten Abraham / das iſt / Adam / zum 
Opffer GOttes gehen / und Abraham / das iſt / der Menſch Adam 
in ſeinen Kindern muß das Holtz / darauff das Opffer ſoll ver— 
brand werden / ſelber ſpalten / das iſt / wenn er Chriſtum beken⸗ 
net / ſo ſpaltet er der Gottloſen Hertze / welche mit ihme zum Tode 
und zum Opffer GOttes eilen: Denn Adam haͤtte in feiner 
Menfchheit GOttes KLiebe und Zorn gefpalten / jest follte auch 
Abraham das Holt zum Opffer fpalten : Denn Chriſtus follte 
auch den Tod /und das Leben voneinander fpalten./ und fich auff 
demfekben zerfpaltenen Holge des Todes und Lebens laſſen in 
GoOttes Zorn opffern. 

10. Und am dritten Tage hub Abraham feine Augen auff} 
und fahedie Staͤtte von ferne: Allyie deutet der Geiftauff A= 
dams Schlaff / da er der Engliſchen Belt enifchlieff/und am drit⸗ 
ten Tage nach feinem Einſchlaffen / als nun jetzt war das Weib 
aus ihme gemacht / uñ der Fall geſchehen / Chriſtum als die Staͤtte 
GHDttes im Bunde von ferne ſahe: Auch iſt darinn eingeſchloſſen 
Die Aufſerſtehung Chriſti am dritten Tage / da er feine Stätte 4 
da er wolte und ſollte die Menſchen GOtt ſeinem Vatter auff⸗ 


efffern und uͤbergeben / von btnege als das juͤngſte Gerichte 
2 


wir 


x 


\ 


—* 


% 


242 Die Gott Abraham verſuchte / Cap.48. 


und letzte Opffer :: Much deutets an / daß Abraham im Geiſte das 
Opffer Ehrifti von ferne /als zukuͤnfftig / mehr als über 2000, 
Jahr ſahe / und daß der Beift ſaget Abraham habe feine Augen 
sin dritten Tage auffgchoben/ und die Stätte gefehen/ift gar an⸗ 
ders nichts / als daß Ehriftus unfere menfchliche Augen habe am 
dritten Tage aus dem Grabe von den Zoden wieder in GOtt 
suffaehaben/ und dag es zu der Zeit Abrahams noch fey ferne ge= 
weſen / fo fpielet der Geift alfo mit der Figur auff das Künfftige. 

xr. Und Abraham fprach zu den zween Knaben die er 
inienahm : Bl iberihr hie mit den Sſel / ich und der Knabe 
wollen dorthin gehen/und wenn wir angebethet haben / wol⸗ 
les wir wieder zu euch Eommen. 

Diefe Figur ftehet im Innernalfo : 

Die zween Knaben mit dem Efel follten da bleiben/und diß⸗ 
mahl nicht mit zum Opffer gehen / nur Abraham und Iſaac ſoll⸗ 
ten das verrichten/ das iſt wir arıne Hevæ Kinder follen mit uns 
ferer innern und aͤuſſern Serlen/ als mit dem erſten und dritten 
Principio unfers Lebens dieſe Zeit mit dem Efel/ als mit dem 
Auffern Seibe allhie in diefer Welt bleiben: Chriftus aber in 
Iſaac/ und Abraham in Adam ſollten hin zum Opffer gehen / das 
iſt / Chriſtus ſtund in Abrahams / als Adams Perſon / und auch 
in ſeiner himmliſchen Menſchheit / der ſollte allein hingehen und 
das Opffer feines Leibes dem Zorn⸗feuer feines Vatters auff⸗ 
opffern / und fuͤr uns in GOtt feinem Vatter anbethen: Dar⸗ 
umb ſagte er / er wolte dorthin gehen / das iſt / wenn er ſein Leben 
würde auffopffern / fo wolte er dorthin gehen / das iſt / zu GOtt 
gehen und fuͤr uns bey GOtt anbethen. 

12. Deutet an feine Himmelfahrt nach der Menſchheit / da 
er das Opffer verrichtet hatte / ſo gieng er dorthin / und bethete in 
unſer angenommenen Menſchheit in GHtt feinem Vatter an / 
das iſt / unſer angenommene Seele in Goͤttlicher Krafft und Ei— 
genſchafft bethet und vertritt unſer Schwachheit und Unwiſſen⸗ 
heit in und vor GOtt. Darumb ſaget Abraham: Wir wollen 
dorthin gehen und anbethen / das iſt / wir GOtt und Menſch / und 
wenn wir angebethet haben / wollen wir wieder zu euch kommen / 

das iſt / wir arme Heve Kinder müffen dieweil mit dem Eſel 
warten / biß die Zeit feines Opffers und Gebeths aus iſt / alsdenn 
fo tomt er wieder zu uns / wenn wir den Lauff des aͤuſſern Efolie 
ſchen Lebens vollendet haben. } } 

3. Auch deutet es an / daß er von der Staffel da er a 

i J 


4 


Cap.48. uũ die Figur von Chriſti Opff.ꝛc. 443 
fahren / wenn die Zeit feines Opffers im Gebeth wird aus ſeyn / 
wil gewiß wieder zu uns kommen / und mif der ereaturlichen 
Menfchheit fichtbarlich unter uns wohnen/ wie denn Die zwey 
Engelfagten als er zu Himmel fuhr zu den Männern von Iftael/ 
ihr werdet diefen IEſum fehen wiederkommen / mie er ift auffge⸗ 
fahren / welche Zeit jetzo nahe] und feine Stimme die 
Braut zuzubereiten ] febon erſchollen ift/ und follen die 
fes für Eein ungewiß Gedichte halten. Es ift erfihienen 
der Morgenftern und Botte ver Verkuͤndigung. 

14. Und Abraham nahm das Hols und legte es auf 
Iſaac feinen Sohn das zum Brandopffer follte/ er aber 
nahm das Feuer und Meſſer in feine Hand / und giengen Die 
beyde miteinander. 

Die innere Figur ftehet alfo: 

Adam hatte GOTTES Fiebe und Zorn in ſich zerfpaltet/ und 
ftch mit dem creaturlichen $eben in Zorn eingeführet / weicher 
hatte die irrdiſche Eitelkeit in fich gefaſſet: Jetzt deutet der Geift 
Moyſis allhier auff dieſelbe Figur / wie Chriſtus ſollte unſer 
eingeführte Sünde auff ſich nehmen und zum Feuer⸗Opffer 
tragen. 

15. Und Abraham nahm das Meſſer und Feuer: Abraham 
deutet Adam an / welcher das Zorn-feuer GOttes in ſich nahm; 
und das Meſſer deutet den Tod an / daß Chriſtus ſollte getoͤdtet 
werden / und in Abrahams / das iſt in Adams Zorn⸗feuer dem 
Vatter auffgeopffert werden; und deutet klar an / daß es Abra⸗ 
ham / das iſt / Adam ſollte C von Menſchen ſollte 
Chriſtus geopffert werden: ABA der Menſch Adam hatte das 
Feuer-holtz / als die Suͤnde zum Opffer auff ſich genommen / ſo 
muſte es auch der Menſch / als die Juden / dem Zorne GOttes 
opffern / auff daß der Menſch durch den Menſchen verſoͤhnet 
wuͤrde / verſtehet durch die Menſchheit Chriſti. 

16. Da ſprach Iſaac zu ſeinem Vatter Abraham: Mein 
Datter : Abraham antwortet / bie bin ich mein Sohn; und 
er ſprach: Siehe / hier iſt Seuer und Holg / wo iſt aber das 
Schaf aum Brandopffer ? Abraham antwortet: Mein 
Sohn / GOTT wird ihme erfehen ein Schaf zum Brand» 
opffer / und giengen die beydemireinander. 


Die there Zigur ſtehet alſo: 
Der Geiſt fpielst allhie in Chriſti Perſon / welcher war in 
| &6 groſſer 


bu 


444 Wie Got Abraham verfuchtel Eup.48- 


groffer Demuth in Adams Menfchheit kommen / und ftellet fich 
feinem Vatter in Adams Elſentz mit feiner him̃liſchen Menſch⸗ 
heit dar / und ſpricht: Siehe mein Vatter / hie habe ich die Suͤn⸗ 
de und den Tod in der Menſchheit auff mich genommen / hie iſt 
nun das Feuer Deines Zorns / als die zertrenneten Lebens-Ge— 
ſtaͤlte menfchlicher Eigenſchafft / Seltheit und eigenes Willens ; 
in dieſem habe ich nun das Hols/ darinnen dein Zorn⸗-feuer bren⸗ 
netz Hie habe ich nun das Holtz /als aller Menfchen Sünde/ 
und auch dein Feuer zum Opffer / wo iſt nun das Schaf/ als das 
gedultige Lamm / das da folk in Diefem Feuer geopfert werden ? 
Und Abraham antwortet aus. feinem ftarden Glaubeng-Ente; 
Mein Sohn/ GOtt wird ihme erfehen cin Schaf zum Brands 
opffer / und giengen die beyde miteinander. 

x7. Allhie ſtellet ſich Chriſtus in Ifaacs Figur in unferer atta 
genommenen Menſchheit feinem Matter dar / und ſpricht: Wo 
iſt nun das Schaf zum rechten Verſoͤhn⸗opffer ? Aber der Glau⸗ 
be Abrahams hatte das gedultige Schaf ergriffen / welches in 
Ilaae lag / als dic himmliſche Menſchheit / welche GOtt wolte in 
dem Glaͤubens⸗Ente in unſerer verblichenen auch himmlifchen 
Menfchheit eröffnen] und ſagte / GOtt wird ihme ein Schafzum 
rechten Brandopffer erfehen/ und deutet heimlich auff die himm⸗ 
liſche Menfchheit/ welhe GOTT würde in Shrifti Renſch⸗ 
heit / als in unferer Menschheit einführen/pie follte das gedultige 
Schaf ſeyn / das ihme GOtt wuͤrde erfehen / welches Abraham 
hatte ſchon im Glauben ergriffen / und darauff deutete. 

x8. Und daß der Geiſt Moyſis ſaget: Und giengen die beyde 
miteinander / verſtehet zum er / das deutet an unſere Adami—⸗ 
ſcheMenſe chheit / und en übernatürlihe Menfeh > 
heit Böttlicher Weſenheit / dieſe beyde ſollten miteinander 
zum Opffer GOttes gehen / wie denn Chriſtus hat ſeine himm⸗ 
Afche Menſchheit in unſerer Menſchheit dem Vatter am Creutz 
geopffert / und mit der himmliſchen unſere im Zorne GOttes ge— 
fangene verſoͤhnet / und im Feuer GOttes Zorns erhalten / wie 
Das Gold im Seuer vonder Tinctur erhalten wird, 

29. Und als ſie kamen an die Stätte/die ihme GOtt füg: 
te: Bauete Abraham dafelbit einen Altar / und legere das 
Hol darauff / und band feinen Sohn Iſaac / und legete ihn 
auff ven Altar oben auffdas Holtz / und reckefe feine Hand 
aus / und faſſete Das Meſſer / daß er feinen Sohn ſchlachte⸗ 
se, Dieſes iſt nun der Ernft/ als die Figur / wie GOtt feinen 
Sohn durch Adams Kinder als durch NE ad * 

uden. 


Cap.48. nädie Figur von Chriſti Opff. 16.445 


Juden / wolte binden / das iſt unfere Sünde binden / und auff 
das Holg legen / das ift / ans Ereug hängen) als an die Figur 
der H. Dreyfaltigkeit / welche im Menſchen war/ zu einem hölgers 
nen indifchen Creutz worden/ da zuvorhin das Lebens-Creutz / 
als dic Figur der Gottheit war in Adam geiftlich / und heilig ge> 
wefen / hatte fich aber in der irrdiſchen Luſt irrdiſch / und wie hoͤl⸗ 
tzern gemacht: Alfo folle auch der Tod / als das flerben des hei⸗ 
ligen Creutzes im Menfchen / an einenr hölsernen irrdiſchen 
Creutze GOtt wieder geopffert werden / und wieder auß dem irr⸗ 
diſchen Tode in die heilige geiftliche Figur gewandelt werden. 

20, Ehriftusfolte nicht gefchlachtet werden / fondern auffges 
hencket / durchſtochen an Händen und Füffen: Denn der Zorn. 
GoOttes war in dem Wandel unferer Haͤnde Werck und unſerer 
Fuͤſſe Gehen auffgewachet: Alſo muſte auch Iſaac in der Figur 
Chriſti nicht geſchlachtet werden / und auch nicht verbrennet / 
denn er war nicht der rechte / ſondern nur die Figur in unſerer 
Menſchheit / denn er konte diß Opffer nicht verrichten in feinen 
Kraͤfften / und deutet an / daß wir mit Ehriſto wohl gebunden 
und auff das Holtz geleget werden / auch um Chriſti willen ſter⸗ 
ben muͤſſen: Aber wir koͤnnen mit unſerm Tode nicht dieſes Opffer 
erreichen / daß wir es ſelber in GOttes Zorn-feur vollendeten / 
und GOtt mit unſerm Tode verſoͤhneten / ſondern Chriſtus hats 
allein gethan: Gleichwie auch Iſaac das nicht thun konte / ſondern 
der Glaubens-Ens in Abraham und Iſaac / aus welchem Chri—⸗ 
ſtus entſtund / derfelbe thaͤte es / und kan es noch heutiges Tages 
in den Chriſten in Chriſto / in ſeiner Menſchheit in uns thun. 

zu. Und wie Iſaac in Chriſti Figur dargeſtellet ward / als ſolte 
er das Opffer ſeyn: Alſo auch mug ein jeder wahrer Chriſt mit 
Iſaac in Chriſti Figur eingehen / ſich willig in Tod Chrifti einers 
geben / feine Suͤnde mit dem Willen im Geiſte Chriſti binden / 
und auff den Altar Chriſti aufopffern / und willig wollen der 
Süuͤnden abſterben; alsdenn komt GOttes Stimme / wie zu 
Abraham und zu Hagar in der Wuͤſten Berſaba geſchahe / und 
ſpricht: Thue der Natur / als deinem Sohn nichts: Nun weiß 
ich daß du GOtt glaubeſt. 

22. Es muß aber fo weit mit dem bußſertigen Suͤnder kommen] 
als allhie mit Abraham und Iſaac / da Iſaac ſchon gebunden 
auff dem Holtze lag / und Abraham das Meſſer faſſete ihn zu 
ſchlachten / alſo gat muß es ein Ernſt ſeyn / daß der ſuͤndige 
Menſch die Suͤnde bindet mit allen Sinnen und Gemuͤhte / und 
ſteh in Proceß gang einergiebet / daß er nun wil der Suͤnden ſter⸗ 

7 den/ 


446 Wie Gott Abraham verfuchtel Cap.48. 


ben / und fie im Glauben und Bertrauen u Gott inChriſtiTod opf= 
fern. Er muß das Meffer mit Abraham in die Hand nehmen] Das 
iſt / das Werder ernften Buſſe der Sünden zu flerben/gang ing 
Gemuͤhte faſſen zuthun: Ins Thun muß es Eommen/ und nicht 
nur für den Altar tretten/ und fagen: Sch bin ein Sünder! GOtt 
hat Chriſtum für mich geopffert und den fündigen Willen anbes 
halten: Sondern die Sünde in Chrifti Tod binden / und fich gan 
auf allen Kräfften auff diefen Brandopffers-Altar auffs Holtz 
legen. 

23. Der boͤſe irrdiſche Wille muß gebunden werden und mit 
ernſte uͤbergeben / und auff Gottes Altar inChriſti Tod eingeworf⸗ 
fen / und in Chriſti Sterben mit geopffert werden: Nicht nur den 
Schalck troͤſten und mit Chriſti Tod kitzeln / ſagend / GOtt neh—⸗ 
me die Suͤnde in Chriſti Bezahlung von uns / wir doͤrffen ung 
nur deſſen troͤſten und von auſſen annehmen: Rein / nein: Es gilt 
nicht / ſondern der Sünden in Chriſti Tod mit ſterben / und Chri⸗ 
ſti Opffer in ſeinem Tode anziehen / und als ein gehorſamer Iſaac 
in Gottes Erbarmen im Geiſte und Chriſti Willen / in Chriſto 
mit und in ihme auffſtehen / daß uns GOtt von dem Altar des 
Suͤndenopffers mit Iſaac in Chriſto rechtfertiget / welcher das 
wahre Opffer in der Figur Iſaacs iſt. 

24. Nicht wie Babel lehret / es muß Ernſt ſeyn und nicht nur 
troͤſten / ſondern mit Abraham GOtt gehorſamen / alsdenn zie⸗ 
hen wir Chriſti Leyden und Tod an; und gilt allein Chriſti Tod in 
uns / und heiſſet / ihr ſeyd auf Genaden in Chriſti Verdienſt ſeelig 
worden: Nicht der Wille der Selhheit erreichet das / ſondern der 
in Chriſti Tod eingehet und ſtirbet: Zum Sterben des eigenen 


Willens muß es kommen / daß der Seelen-Wille der Sünden 


im Fleiſche / als des Fleiſches Luſt gram werde / daß ſte Feinde 
werden / ſonſt iſt Chriſti Tod keinem nichts nuͤtze. 

25. Und Moyſes ſaget: Da rieff ihme der Engel des Herrn 
vom Himmel und ſprach: Abraham / Abraham / das iſt ſo 
viel / wann der Menſch feinen Willen gang über gibet / und wil 


des Herrn Mund gerne gehorſamen / und hat ſich in Chriſti Ley⸗ 


den und Tod / auch Spott einergeben / daß er wilin Creutz und 
Leyden nun GOTT unter Chriſti Blutfaͤhnlein ſtille halten / ſo 
ruffet GOtt dem Menſchen mit einer zweyfachen Stimme / wie 
allhie Abraham / da GOtt ſagte: Abraham / Abraham: Das 
iſt / er ruffet ihme in feiner eigenen Stimme / in ſeinem Worte / 
und auch in der Stimme menſchlicher Eſſentz das iſt / er thut ihme 
in ihme das Goͤttliche Gehör / daß er GAITT von augen in —— 
or 


\ Eee > 


Cap · 48. uũ die Figur von Chrifti Opff.ic. 447 


Worte ſeiner Diener hoͤret / und auch von innen in ſeinem eige⸗ 
nen Lebens-Worte / als in der ſenſualiſchen Stimme / welche 
fich in Babel beyden Kindern Nimroths zertheilete / undin die 
Geifte der Buchſtaben füffete/ da denn die mentalifche Zunge 
compactiret ward: Allhie gehet ſie wieder inder uncompadirten 
fenfualifchen Zungen auff / daß der Menſch höret was der Herz 
in ihme redet; davon Babel nichts weiß noch wiſſen kan / noch 
wil / ſondern ſteiget in der compactirten Zungen am Thurn Bas 
bel immer hinauff in einen Himmel der menſchlichen Selbheit / 
und hat Chriſti Roͤcklein vonausen aber ſich / aber die zweyfache 
Stimme hat fie nicht / darum höret fie auch nicht wenn GOTT 
Abraham ruffet. 

26. Ind Abraham antwortet: Hiebinich: Er ſprach / lege 
deine Hand nicht anden Anaben / und thue ihm nichts/ denn 
nun weiß ich / daß du GOtt fuͤrchteſt / und haft deines einigen 
Sohns nicht verſchonet umb meinent willen. Das ſtehet al⸗ 
fo: Wenn der Menſch feine Selbheit / als feinen eigenen Willen 
oder Sohn gantz uͤbergiebet / und ſich gantz zun Sterben in Chriſti 
Tod hat zugerichtet / fo tritt Die Natur des Menſchen in Trauren / 
denn ſie hat ihr Recht verlohren; ſo ſchreyet der Geiſt Gottes 
durch die Seele / thue deiner Natur nichts / nun weiß ich / daß fie 
mir ergeben iſt / und dag ſich die Seele in GOtt verwegen hat / 
auch das aͤuſſere Leben umb Gottes Willen zu laſſen / und ihren 
Willen mir in Gehorſam übergeben / wie allhie Abraham hatte 
feinen Willen gantzin GOTT ergeben / cr wolte jetzt thun was 
ihn GOTT heiß. 

27. Und wie Abraham ſeines Sohns nicht ſchonete und ihn in 
Tod wolte geben / alſo auch fehonete GOTT feines Sohns nicht / 
und gab ihn in Tod fuͤr uns: Alſo auch ſollen wir unſer und unſers 
eigenen Willens nicht ſchonen / ſondern lieber wollen alles ver— 
laſſen / was der eigene Wille hat beſeſſen und beliebet / und allem 
zeitlichen Weſen uͤnb GOttes wollen gerne abſterben / es ſey gleich 
Fuͤrſtenthum oder Koͤnigreich / zeitliche Ehre oder Guth / oder 
was das ſeyn moͤge / welches alles unſer lieber Sohn iſt / das al⸗ 
les muß ein Chriſt im Gemuͤhte uͤbergeben / und ſich nur einen 
Diener darinnen ſchaͤtzen und ſchten / auch das zeitliche Leben nicht 
achten als für ſeines / ſondern im Gemuͤhte von aller Creatur auß⸗ 
gehen: Alsdenn ſo lieget er gebunden auff dem Holtze des Brand⸗ 
opffers-Altar / und wartetder Stimme GOttes vom Himmel/ 
welche ihm zufchreyet / und feines Schens Stimme und Mund 
wird; und das heiſſet recht mit Abraham GILT — 


* 


“= 


448 ie Gott Abraham verſuchtte / Cap.48. 


GOTT im Menſchen glaubet; fo ſpricht GOTT alsdenn / nun 
weiß ich daß du GOTT fuͤrchteſt und ihme allein traweſt / denn 
der Menſchliche Wille erſincket in das allerlauterlichſte Weſen 
GOttes. 

28. Da hubAbraham feine Augen auff! und ſahe einen Wid⸗ 
der hinter ihm in der Hecken mit feinem Hörnern hangen/und 
gieng hin und nahm den Widder / uñ opfferte ihn zum Brand» 
opffer an ſeinesSohns ſtatt; uñũ Abraham hieß die Stätte: Der 
Her: ſiehet / da man noch heutiges Tages ſaget / auf dem Berge 
da der Herr ſiehet. Das iſt die guͤldene Figur / daß die Ertoͤdtung 
und das Sterben nicht den rechten Menſchen angehet / ſondern den 
Widder mit feinen Hoͤrnern / welcher in Fleiſch und Blutinden 
Doͤrnern der Sünden behanget: Und deutet erftlih an/ dag der 
rechte Seelen⸗Menſch in Chriſto und feinen Kindern in dieſem 
BrandopfferGottes nicht folte ſterben fondern nachdehme er den 
Willen feiner Selbheit hat GOTT ergeben; fo thut ihme GOtt 
Die Augen auff / daß er hinter fich den Widder Fals des wilden kös 
fen Fleiſches Willen erſtehet und kennen lernet/welcher Wille mit 
feinen ſtoſſenden Thieres-hörnerminder Dornhecke des Teuffels in 
Fleiſch und Blut hanget / als in der Begierde der Eitelkeit der 
Weitin eigener Luſt. Dieſen ſiehet die gelagene Seele und opffert 
ihn zum Brandopffer an der wahren Natur ſtatt / dan die rechte 
Natur wird in dieſem Brandopffer von dem Widder des Fleiſches 
erloͤſet. Die Hörner ſeynd des Teuffels Eingriffe / und die Dorn⸗ 
hecke iſt der Schlangen Ens, welchen Adams Luft hateingeführet. 

29. Alfo follen wir in dieſer Figur verfichen/dag nicht der. gatıs 
tze Menfch in Ehrifti Perfon folte dem Zorne GOttes gegeben 
werden /dagerden Adamiſchen Menſchen folle gantz verfchlingen 
und verzehren; Nein / ſondern nur den wilden Widder / als den 
Widerwillen / die Eigenſchafft der Abweichung / die $chens-El- 
Kent aber folte ewig bleiben, Derfelbe Adam dehn GOtt ins Pa> 
radeig ſchuff / derſelbe follemwig bleiben; aber die Zertrennung 
der Lebens⸗geſtaͤlte / indehme fe fich hatten zertrennet / und in die 
Eigenfhafft zur Selbheit eingeführet-/ davon der Sreit und 
Widerwille im Menfchen Me diefer böfe Widder muſte in 
Ehrifto im Feuer GOttes Zorns genpffert werden / als die einge⸗ 
führte Sucht / der Widerwille; das war des. Thier zum Brand⸗ 
erffer. Das Lamm GOttes in Adam follnicht im Feuer verzehrat 
werden / ſondern nur fein Blut vergieffen/fich gan mit der menſch⸗ 
lichen Natur wieder in das Eine / als in dag ewige Nichts aufs 
ſer aller Natur erſencken / und alsdenn heiſſet die ſelbe — 

* 


Cap.48. uñ die Figur von Chrifti Opff ic. 449 
Hie fiehetder Herr / das iſt / wenn der Widder geopffert ift/ fe 
iſt Diefelbe Stätte hernach der Teinpel Gottes da der Herr ſichet. 

30. Und redet der Geiſt Mopfis gan verdeckt davon / und ſa⸗ 
get: Daher man noch heutiges Tags faget/ auff dem Berge dader 
HErr ſtehet: Der Berg ift die Schens- Natur /dader HErr nicht 
aileinin Abraham und Iſaac geſehen hat / fondern er ſiehet in 
Chriſti Beifte noch heutiges Tages auff dieſem Berge inden Kin⸗ 
dern GOttes: Wenn murder Widder geopffert wird / alsdenn 
fiehet ver Geiſt Gottes durch die Natur / wie die Sonne ein Glas 
durchſcheinet / oder ein Feuer ein Eifen durchglühet. 

312. Darumb ſo der Menſch nicht fo thöricht ſeyn / und fein 
gantzes Schen in feiner Buſſe und Umwendung wollen marteren / 
und ins Feuer des Tods opffern / ohne Befehl GOttes / ſondern 
nur die Suͤnde und Eigen⸗-liebe der Eitelkeit: Nur den Widder 
ſoll er opffern / und der Natur nichts thun / ſie nicht ſchlagen / 
geiſſelen / oder in ein Loch kriechen / und den Leib laſſen verhuns 
gern: Nein / er ſoll GOttes Bilde nicht dem Tode auß ſcineu 
Vorſatze geben / fondern den Widder: Er verdienet nichts mit 
eigener Plage / denn GOTT hat ſein Hertz daran gewandt / daß 
er uns von Plage und Marter erloͤſe. 

32. Wenn die Seele mit der rechten Natur ſich vom Widder 
des Fleiſches hat abgewandt / ſo ſoll ſte den Widder vom Tode Chri⸗ 
ſti opffern: Sie aber ſoll in groſſer Demuth in der Gelaſſenheit 
in GOTT hbleiben ſtehen / und ſich weiter nicht martern / weder 
mit Zweiffel noch mit andern aͤuſſerlichen Handt⸗plagen / und der 
Natur ihre Nothurfft geben / ſich ſelber nicht kraͤncken; denn fie 
it GOttes Tempel und Bilde; ſondern nur den Widder im Flei- 
ſche foll fie alle Stunde tödten / als des böfen Fleiſches eigen Luſt 
und Willen zur Selbheit diefer Welt / obgleich das Fleisch uns 
ruhig iſt / wann es foll verlagen was es gerne hätte) deflen fol 
ſich die Natur und Seele nicht annehmen / auch nicht alſo umb des 
Fleiſches willen ſorgen / wo das werde Nahrung nehmen / ſondern 
GHIT befehlen / und in feinem Ruffe gehen als cin Tag⸗ loͤhnet 
in ſeines Herrn Dienſte / und GOTT laffen für den Widder ſor⸗ 
gen / wascrihmgebenwil. _ 

33. Und der Engel des Herrn rieff Abraham abermahl vom 
Himmel und ſprach: Ich habe bey mir ſelber geſchworen / 
ſpricht der Herr: Dieweil du ſolches gethan haſt / und haft dei⸗ 
nes einigen Sohns nicht verſchonet / daß ich deinen Saamen 
ſeegnen und mehren wil / wie die Sternen am Himmel / und 
den Sand am Meers⸗Ufer; und dein Sgame ſoll — die 

ore 


N 
* 


450 Wie Gott Abraham verſuchte / Cap.48. 


Thore ſeiner Feinde / und durch deinen Saamen ſollen alle 
Voͤlcker auff Erden geſeegnet werden / darumb daß du meiner 
Stimme gehorchet haſt.Alſo machete ſich Abraham wieder zus 
feinen Knaben / und machten ſich auff / und zogen miteinan⸗ 
der gen Berſaba / und wohneten daſelbſt. Dieſes iſt nun das 
Siegel des Glaubens / wann ſich der Menſch GOTT gang er> 
gibet / ſo ſchweret GOTT in die Menſchheit ben ſich ſelbſt / daß 
erden Menſchen wil ſeegnen / daß ſich feine Lebens-Eſſentz in feiner 
Kraffthinfüro ſoll ausbreitten / und in einen groſſen Baum goͤtt⸗ 
licher Ellentz in der Weißheit wachſen / welches Frucht und Er- 
Fantnüg unendlich und unzaͤhlig ſeyn ſoll / wie er Abraham ſchwur / 
daß aus feinem Leibe oder Schens-Efleng ſolten viel Voͤlcker ent⸗ 
ſtehen; auch wie feine Sebens-Effens ſolle die Thore der Feinde / 
als des Teuffels und Todes befigen / wie er dan allhie von Chriſto 
und feiner Chriftenheit deutet / wie fie follen dem Teuffel fein 
Reich zerftören / und feine Thor im Menſchen zerbrechen / ein ſol⸗ 
ches vermag der Glaubein GOttes Kindern. 

34. Dans fo bald in dein bußfertigen Menfchen das Gerichte 
tes irrdiſchen Menſchen gehalten worden iſt / daß die Seele des 
boͤſen Fleiſches Willen / als den Willen der animaliſchen Seelen 


verwirfft / und ins Berichte zum Berdamnuͤß des Todts ſtellet / 


und ſech gantz in GOTT ergibet; fo ſchweret GOTT in Chri⸗ 
ſto Jeſu dieſen Eyd indie Seele / und ſetzet ſte zum Fuͤrſten uͤ— 
ber die Feinde / als über die ſtoltzen Teufſel / als zu Richtern der> 
ſelben / daß die Secle Gewalt über fie krieget / diefelben zu 
vertreiben. 

35. Nach diefen Befchichten erzehlet Monfes / wieder Seegen 
Abrahams lich Habe ausgebreitet / und deutet auff ſeinen Bruder 
Nahor / wie ihme die Milca habe 8. Söhne gebohren / daraus 
greife Völker entflanden ſeynd / als die Syrer / welche jwar 
nicht aus dem Glaubens-Ente wie Abraham / als in derLinca 
Chriſthentſproſſen / fondern aus dem natürlichen Adam / über 
welchen auch Abrahams Seegen gieng: Dan die Hiftoria ift alfo 
fein abgemahlet / daß man kan fehen / wie GOTT nicht allein die 
natürfiche Lineam Ehrifti aus Abraham und Iſaac habe erwaͤh⸗ 
let fondern auch die Sini der Natur im Adamifchen Baume / 
welche er wolte herzufuͤhren / und fich ihnen offenbahren / undin 
die Lini Chriſti einpfropfen/ und welche würdenan GOTT glaͤu⸗ 
bigwerden/ das ift/ welche des Göttlichen Entis in der Stim— 
me des HErrn würden fühig ſeyn derer Wille gegen GOTT 
fich richten würde, 


> 


C.48. uũ die Figur von Chriſti Opffer/ ac. 451 


36. Wiedanindiefer Figur abermahl zu fehen iſt wie GOtt 
das Keichder Natur im Menſchen nicht habe verworffen / fon= 
dern daß ers in Chrifto aus der Angft und Wider-willen wolle 
erlöfen/ und daß ein Menſch im Neicheder Natur folte und muͤ—⸗ 
ſte bleiben innen ftehen / gleichwie Abraham / nachdeme er diefes 
Dpffer verrichtet hatte / wiederum mit feinem Sohn und zweyen 
Knaben gen Berfaba giengen)/ und daſelbſt wohneten ; unter 
welchender Beift Moyſis andeutet / das / als Abraham hatteden 
Stindin der Figure CHrifti vor den HErım verrichtet / fen er 
wieder in fein natürlich Geſchaͤffte als in das Wuͤrcken dieſer 
Welt Wefen gegangen / als gen Berſaba / das ift / indie Mühe / 
darein uns Adam hat eingeführet / da ein Kind GOttes in der 
Zerfihellung der Natur /als in Berfaba / mugin GOtt würden 
mit Schren und Vetten / und auch inderRatur init Handfearbeiten 
den aͤuſſern Menfchen zunehren / unddie Wunder der aͤuſſern 
Welt im geformten Wort zur freiben/un inFiguren zur Beſchaw⸗ 
ligkeit der Weißheit Gottes formen und helffen offenbahren. 
37. Auch anzudeuten / daß ein Kind Gottes in dieſer Welt 
Weſen nicht alle Tage uñ Stunden in Wuͤrckung der geiſtlichen 
Figur ſtehe / Day ſein Geiſt das ſehen und erkennen möge / ſon⸗ 
dern auch in natuͤrlicher / da der Geiſt Gottes im Wercke der 
Natur mitwuͤrcket / und ſich in anderer Eigenſchafft in ihme 
offenbahret / wie bey Abraham und allen Heiligen zufehenift ı 
dag gar balde Sottinder Figur Chriſti tich ihnen offenbahret / 
gar baloe auch in Ereug und Mühe / in Anfechtung und Wi⸗ 
derwertigkeit der Natur des verterbten Adams / dag fie haben 
in Schwechheit und Gebrechen Belcbet/ wie alle Adams Kinder. 

38. Und follen diefe Figur beym Abraham in allem dehmer 
was der Geiſt Moyſis und Efrz hat auffgefhrichen/ an 
derfinicht anfchen und betrachten / als ein Fürbilde Chrifti 
und Adams / als des Reichs Chrifti und des Reichs der Natur / 
wie ihme Gott habe die Figur Chriftiundfeiner Chriftenheit 
fürgeftellet / wie er wolle den Menſchen wieder von der groſſen 
Muͤhe erlöfen. i 

39. Darneben dan auch immerdar fürgeffellet wird das Reich 
der Finſternuͤß in Pein und Quaal/ wiedaffelbe auch nach dem 
° Menfchen greife; und wie der Menfch allhie im einem Acker 
fiche und wachfe / da balde die Sonne Göttlicher Siebe über ihn 
herfcheine / gar balde auch Gottes Grimm und Zorn / und wie 
der Menfih muͤſſe bewähret und geläutert werden ; und ift dig 
das fuͤrnemſte Stuͤck darinnen / wie fih der Menſch — im 

au⸗ 


452 Dom Tod Sarälumdonm Erb⸗ C. 49, 


: Glauben und gangem Bertrauen Gettergeben und ftillyalten / 
ihn laffen in ſich würden, und wie er ſeine eigene Natur foll 
‚lernen bändigen / und gegen Gott führen/ daß fie in allen 
Dingen begehre Gottes Werdzeug und Diener zufenn / und 
anders nichts wolle würden / ohne was gu Göttlicher Offenbah⸗ 
rung in den Wundern der Natur zur Beſchauung Göttlicher 
Weißheit gehöret / und dargegen des Teuffels Eigenwillen und 
alle Begierde zur Selbheit verwerffen. . 

40. Und ſollen die auffgeſchriebene Geſchichte beym Mofe von 
den Ertzvaͤttern nicht alſo blind anſehen / wie die Juden und 
Babel thut / als ob es nur leere Geſchichte waͤren: nein / es 
ſeynd auch nicht allein Fuͤrbilde Chriſti une Adams / als des Alten 
und Neuen Menſchens / ſondern heimliche Deutungen der verbor⸗ 
genen geiſtlichen Welten / was hernach nach dieſer Zeit ſeyn 
werde. 

41. Die Vernunfft ſoll wiſſen / daß ſich nicht eben der Geiſt 

Gottes habe bemuͤhet im Werde dag er wolte die Hiſtorien 
der Alten darſtellen / welche doch meiſtentheils Kindiſch und 
Einfaͤltig ausſehen: Nein / es iſt uns zum Fuͤrbilde und zur 
Lehre dargeſtellet. 
42. Der Geiſt Gottes hat die groͤſſeſte Wunder / ſo er in dem 
Menſchen hat wollen vellbringen / damit fuͤrgemodelt / und 
darzu gantz einfaͤltig und Kindiſch / auff daß er des Teuffels 
Hoffart / und der Vernunfft Klugheit darmit zum Narren 
mache. 

43. Und man erkenne / daß in der Demuth und Niedrigkeit 
die groͤſſeſte Krafft und Tugend ſambt den Wundern liegen; 
und wie Gott allen Dingen fo nahe ſey / und ihn doch kein Ding 
begreiffet / es ſtehe ihm dan ſtill amd ergebe den eigenen 
Willen / fe würdet er durch alles/ gleichwie die Sonne durch 


Die ganke Welt. Pa; 
| Das 49. Capittel. 


Vom Todt Sarz | und vom Erb:begräbnüf Abra: 

hams / was darbey angedeutet und zu verſtehen ſey. 
Geneſ. 23. 

2. Er Beift im Moſt bat ihme die ganke Figur vom 

Menfchen bey Abraham fürgeftellet/ was fein 

Zuftand in Diefer Welt ſeyn würde / und was 

hernach mit ihme ſey: Dann als er erſtlich vom 

Anfang’ als vom Stamme Des menfhlichen 

Bauıns/ 


Cap.49. Begraͤbnuͤß Abrahamsize. 453° 
Baunms / woher der fey entſproſſen / hat gefaget ; fo zeiget er 
hernach feine Acfte und Zweige / neben feiner Krafft und Tugend 
an/ und meldet / wie diefer Baum in feiner Krafft und Eſſentz 
fey verderbet worden / und wie GDtt habe die höchfte Tinctur 
darauf gewandt; denſelben wieder zu tingiren und zu verneuern⸗ 
und wie ber Gifft in der Eſſentz dieſes Baumes ſey widerſtanden 
worden. 

2. Allhie deutet er nun gantz wunderlich an / wie dieſer Baum 
in der verderbten Eigenſchafft in einem fremden Acker ſey geſtan⸗ 
den / und ſich mit der Wurtzel in einer fremden Eigenheit ein⸗ 
gewurtzelt / dariñen die Wurtzel nicht daheim geweſen; und wie die 
Wurtzel des Menfihen-Baums muͤſſe den fremden Acker ſambt 
der eingefuͤhrten freinden Eſſentz verlaſſen / und ſich gantz frey aus 
ihrem Lebens⸗willen und Begierde ausgeben. 

3. Auch wird darbey angedeutet/ wie die Stätte] daher die 
menchliſche Wurgelentfproffen war / zwifchen der heiligen geift- 
lichen Welt / und zwiſchen dieſer verderbten Welt ſey / wie 
des Menſchen Eigenthum daher er entſproſſen iſt / in einer 
zweyfachen Hoͤhle / alsin 2. Principien ſtehet / wie er muͤſſe wie⸗ 
der in diefelbe zweyfacht Höhle begraben werden / als cin Korn 
im Acker gefüet wirds; und wie diefelbe zweyfache Höhle des 
Menſchen Eigenthun ſey / deffen Weſens er felber effentia- 
liter ſey. 

4. Defen Figur ſehen wir allbier bey Abraham, alserin' 
diefer aͤuſſern Welt wandelte/ fo folteer auff Erden fein eigen 
Sand bejigen / fondern goch von einem Ort zum andern und war 
überall fremde : Als aber feine Sara farb fo wolte er ein 
Erb⸗-begraͤbnuͤß für fein Weib / auch für fich und feine Kinder 
haben / darzu wolte ers nicht umfonft haben / fonder kauffen 5 
welches alles eine gan wunderliche Sürbildungift/ und nicht 
nur eine bloſſe Geſchichte / wie es die Juden gehalten haben / da 
ihnen der Deckel Moyſis fuͤrn Augen hieng; Wir wollen aber 
auch die innere Figur neben die aͤuſſere ſtellen / und ſehen was 
der Geiſt in Moſe allhie andeutet. 

5. Moſes ſaget: Sara ſey zu Hebron in der Haubt⸗ſtadt / 
im Lande Cangan geſtorben. Die Geſchichte mag nun alſo ſeyn / 
aber der Geiſt hat ſeine Figur darunter / dam er ſiehet auffs 
Centrum, wo der Zod der Heiligen ſey / und wo der wahre 
Mensch muͤſſe erfterben / als nemlich inder Haubt⸗ſtadt He⸗ 
bron / das iſt im geformten Worte / da erdie Ichheit und Ei: 
genluſt hat ins geformte Wort feinss Sehens Eigenfchafft ik 

uͤhret 


454 Vom Todt Saraͤ / und vom Erb E.4g. 


fuͤhret und hat ſich in ein eigen Regiment eingefuͤhret / als in 
eine Haubt⸗ſtadt / dader eigene Wille ihme hat eine Stadt oder 
Eigenthum ins geformte Wort eingemodelt/ und als ein eigen 
Sande erbauet/ da er meynet / erfey ein GOtt oder ichts Ei- 
genes / daß er thue was und wieer wolle / fo muß derfelbe eigene 
Wille in der Haubtsftadtzals im geforinten Ente des Worts in 
feinem Centro erfterben / alsin der Stadt feiner Eigenheit. 

6. Und diefe Stadt Hebron liget gegen Mamre über/ als 
zwifchen der ewigen und zeitlichen Natur / da die zweyfſache Hoͤh⸗ 
le iſt als Gottes undder Natur Keich / dan in dieſe zweyfache 
Höhle wolte Abraham feine Saram begraben / und die Höhle 
zum Eigenthun haben. 

7. Das ift fo viel gefaget / wan die Kinderder Heiligen in 
Hebron/ als in der Stadt menſchlicher Eigenheit des eigenen 
Auffern natürlichen Lebens der Selbheitabfterben / fo wildas 
wahre gelaffene geben nicht mehr in einem fremden Acker oder 
fremden Eſſentz ftehen / fondern in feiner eigenen / daraus es ift 
urftändlich entſtanden: Weil es aber hat denfelben Lebens⸗acker 
in Adam verlohren / und fich in einen fremden Acker / alsinden 
Schlangen⸗acker ver Salfchheit eingewurgelt / fo fan ihme das 
Leben dem erften rechten Acker nicht aus Rechte wiedernehmen / 
fondern muß ihn kauffen: Dasift die Figur! daß ihn Ehriftus 
hat um fein Blur aus himmliſcher Weſenheit um die heilige 
Tin&ur gefauffet / verftchet von der ewigen Natur / darinnen 
Gottes Zorn/ alsder Grimm im Centro der Natur war offen 
bahr worden / und denfelben Acker in menfchlicher Eigenfchafft 
in fich verfchlungen als fein Eigenthum / dann aus dem Cencro 
der Natur iſt das Wort Menfchliger Eigenſchafft in eine For⸗ 
mung gangen/ das hatten die Kinder der Selbheit befeffen ; 
darum ſaget der Geift/ die Kinder Heth hätten den Acker zum 
Eigenthun gehabt. 

8. Und deutet an/ daf Gottes Kinder müffen das Natur— 
Recht an dieſem Acker des geformten $gebens oder Worts gank 
verlaffen / dann fie haben das Natur-Necht daran verlohren / 
muͤſſen ihn aber in Chriſto wicder Fauffen vom Vatter der Na⸗ 
fur: Sie müffen Chriftum zum Loͤß⸗gelde nehmen, und dem 
Vaͤtter 400. Seel Silbers davor geben. Das feind die 4. Cen- 
era in des geiftlichen Leibes Eigenfihafft 7 welche in ver heiligen 
Tin&ur gebeprenwerden / alsin Ehrifti Eigenfchafft. 

9. Der erſte Seckel iſt das wahre magifche Feuer / der ander 
ift das Liecht oder Liebe-Begierde / der dritte iſt der heilige 

* Schall 


| 


av. 49. Degräbnüg Abrahamsiz. 455 


Schall der mentalifchen Zungen / der vierdteift ver gefaffete Ens 


aus den andern Eigenfchafften/ da das heilige Leben gefaffer / 
und in einem Weſen ftehet. Diefes ift das reine Silber / das 
ohne Mackel iſt / darunterder Geift Mopfis deutet / dag Abras 
ham habe in Chriſto den Kindern Heth / als dem Ephron] vers 
ſtehet dem Batter oder des Batters Eigenfchafft für feine zwey⸗ 

fache Höhle gegeben / als für das Centrum des Vatters Natur 
ach der Eiwigfeit/ undfür das Centrum der zeitlichen Natur) 

ir welchen beyden fich die Göttliche Luſt aus beyder Centrorum 

Eigenſchafft hatteineinen Ens ‚und indie Ereatur der Menſch⸗ 
heit eingeführet/ welche Ereatur fi hatte vom Gansen ab» 
gebrochen / und in ein Eigenes gangen war / fo folte fie wieder 
in das Gange eingewurgelt werden: Muſte deromegen mit dem 
allerheiligften Ente tingiret und eingepfrapffet werden / welches 
der Geiſt Mofis allyier dem reinen Gilber vergleichet / 
und alfo gans heimlich inder Figur deutet. 

ro. Als Abraham auff Erden wandelte/ begehrete er Eeineg 

Ackers zum Eigenthum zu kauffen: Alser aber jeßo folte feine 
Sara begraben / fo wolte er das Begraͤbnuͤß erblich und eigen 
haben/ und büdete fich noch vor den Kindern des Sandes/ und 
bath lie darum / und da fte ihme den Acker doch wolten ſchencken / 
und fich vor ihme buͤcketen: Aber der Geiſt Moyfts hat feine Fi» 


gur darumter/ denn er hatte ihın ven Menfchen gantz einge= 


modelt; derowegen fpielet er in dein Proceß mit der Zigur / 
wie ſich Die Kinder ſo Chriſtum angehören / follen vor Gott 
dem Baͤtter / aus dehme alle Weſen urftänden/ muͤſſen büc- 
fen/ dag erihnen die zweyfache Höhle/ alsdas Reich der Na= 
tur / und das Reid) der Gnaden wolle in Chrifti Blut verkauf 
fer: Denn daffelbe mit den 4. Centris der Demuth und Liebe⸗ 
gebuhrt nimt der Batter für die Bezahlung an. 

ır. Und daß es die Kinder Heth und Ephron dem Abraham 
wolten fhenden/umd doch gleichwohl endlich das Geld auff Abra= 
hams Begehren dafür nahmen / deutetan/ dag uns zwar wohl 
GHtt der 3 hat das Gnaden⸗-Reich geſchencket / denn er 
ſchencket es Chriſto ſeinem Sohn in unſer Menſchheit; aber 
Chriſtus wolte es zum Natur-Recht haben / darumb both er ſei⸗ 
nem Vaͤtter feine Demuth / dag er doch feine Bezahlung / als 
feine menfhliheigigenfhafft von ihme darumb naͤhme / wie all⸗ 
hie Abraham in Chriſti Figur thaͤte. Ob'er wohl haͤtte mögen 


den Acker nehmen / ſo wolte er doch nicht / dan die zweyfache 


Hoͤhle ſolte nicht genommen / ſondern theuer mitdem alleredel⸗ 
| fien 


356 Vom Todt Saralınd vom Erb Cap.49. 


Ken Weſen bezahlet werden : GN nahm das Pfand oder Loͤß · 
geld von Chriſto umb ſeine zweyfache Hoͤhle zur Bezahlung / 
darumb muſte Abraham in Chriſti Figur ſtehen / dan in die 
zweyfache Hoͤhle / als in die Ewige und Zeitliche Natur als 
ins geformte compactirte Wort muß der Leib eingegraben wer⸗ 
den / ſo er aber in der Bewegung in der Stimme Seelen 
Worts wieder auffftehen/ und in feinem gehabten Bilde bee 
ftehen fol. 

12. Dan Monfes ſaget: Hebron fen im Sande Canaan gele— 
gen / welches GOtt Abraham habe verheiffen zu geben; und ver« 
ſtehet mit Canaan dicheilige Eriftallinifihe Weltoder Erde/als 
die Stadt Gottes / fo Fünfftigfolloffenbahr werden / da Hebron 
innen liget/ als die Haubt⸗ſtadt des Landes / da von auffen die 
aͤuſſere Welt mit ihrer Figur dargeftellet wird / und von innen 
Das heilige ewige Sand Cangan. 

13. Auch fehen wir klar / wieder Geiſt Monfts in feiner g Fi⸗ 
gur deutet; dan erſtlich ſtellet er mit Iſaac Chriſti Figur mit 
feinem Opffer und Tode fuͤr / und bald darauff allhie ſtellet er 
auch des Menſchen eigen Tod und Sterben fuͤr / und wo der 
Menſch muͤſſe ſterben / als nehmlich in feiner Stadt Hebron / ſei⸗ 
ner menſchlichen Selbheitsund wohin er muͤſſe begraben werden/ 
als nemlich in die zweyfache Hoͤhle / alsi in Gottes und dieſer Welt 
Reichund heiſſets darumb eine zweyfache Hoͤhle / daß es zweyerley 
Wohnungen ſeynd / als zweyerley Lebens⸗begriff in zweyen Prin- 
cipien / daraus der Menſch war entſtanden: So er aber in dem 
Willen feiner Selbheit in der Schlangen Begierde begraben 
wird / fo begreiffet er nicht dieſe zweyfache Höhle /und ober gleich 
darinnen wäre / fo lebet er doch nur in der abtrünnigen E[- 
fent / in der Eigenheit des Teuffels/ als indem eingeführten 
Schlangen:Ente inder finftern Welt Eigenfchafft / welche in 
der Seltheit des Schlangen - Entis offenbahr / und im Res 
giment ift. 

14. Zn diefer Figur iſt diß das fuͤrnehmſte Stuͤck / daß der 
Geiſt Moyſis andeutet das zweyfache Leben / wie dieſe Welt ein 
zweyſach Leben und Weſen ſey / welches er mit der zwepfachen 

Hoͤhle andeutet / da Abraham wolte ſein Begraͤbnuͤß haben: ; 
Anzudenten / daß feine zweyfache Menfchheit als eine aus göft- 
lichen Ente „-ausder Ewigkeit und himmliſchen geiftlichen We—⸗ 
fen / und die ander aus der Zeit / aus diefer WeltWeſen folte in 
ein ewig Begräbnüß einbegraben werden / da das Weſen des 
zweyfachen Kibes folte in feiner urſtaͤndlichen Mutterinnen li⸗ 

gen/ 


Eap. 49. Begraͤbnuͤß Abrahams / ꝛc. 457 
gen / und den eigenen Willen in dieſem ewigen Grabe im To⸗ 
de laſſen / auff daß allein der Geiſt Gottes in dem Geiſte der 
Creatur / als in der —— lebe / regire und wolle / und das 
Leben des Menſchen nur ſein Werckzeug ſey / damit er thue / wie 
und was er wolle. 

15. Dan alſo ſolte es ſeyn / daß der menſchliche Wille wieder 
in den einigen Willen der Gottheit und Ewigkeit eingefuͤhret 
wuͤrde / dan er war im Anfange als Gott / der die Seele ins 
Fleiſch einblieh / im ewigen lebendigen Worte geweſen / (lohan. 
am 1. Cap.) und Gottes Geiſt hatte ihn In ein Ebenbilde der 
Gottheit formiret / als in eine Creaturliche Seele; Welche 
Seele ſich hatte vom einigen ewigen Worte Gottes abgewandt in 
eine Eigenheit/ im Voͤſen und Guten offenbahr zu ſeyn / und in 
der — zu regiren. 

16. Dieſe Ungleichheit folte wieder in die Gleichheit / als in 
dus Hefen] daraus die Seele umd Leid war entflanden/ begra> 
ben werden/ alsein jedcs Weſen der Eigenfchafft in feine Mut> 
ter 5. ilmd die Mutter iſt eine zwenfache Höhle! als das innere 

geiftliche und göttliche Reich; und das Auffere fichtbahre / emp⸗ 
Audliche greiffliche Reich der äuffeen Weit /da hinein wolte A⸗ 
braham fein Begräbnüß haben. 

17. Dann das Auffere Reich bleibet ewig / dan es iſt aus dent 
ewiger/ als cin Modell oder fichtbaprliches Bilde des inner 
Geiftlihen Reichs: Aber das Regiment mit Sternen und 4 
Elementen bleiber in folcher Eigenheit nicht ewig / fondern nur 
ein Element} da ihrer 4. darinnenverftanden werden : Aber it 
gleidyer Concerdang / in gleichen Gewichte / in einem einigen 
Liebe⸗willen / da nicht mehr die auffteigende wallende Macht der 
zertheileten Figur die 4. Elementa regiren / fondern die fanffte 
file Demuht in einem lichlichen wonnefamen Saufen. 

18. Die compadiirte Eigenfchafft des Wortsin der Seele der 
auffern Welt / als in der Eigenheit des dritten Principi: hoͤret 
auff: Der äuffere Geift der Weltwird in den innern verwandelt / 
Das der innere durch den aufferen alles regireumd führe / welches 
anjeso dic groffe Bewegligkeit der entzuͤndeten Macht der fin⸗ 
ftern Welt auffhaͤlt / und in ihrem Regiment fuͤhret / in welcher 
der Teuffel ein infliegender Fuͤrſt iſt alles zur Schiedligkeit / 
auff daß die Eigenſchaffteu der 3 Principien,, ein jedeg in lich ſel⸗ 
ber Ereatürlic würden; zu welchem Ende fich die Ewigkeit ha 
in ein Fiat oder Begierde zur Formung des Weſens / als de 5 
Myfterii Magni eingefuͤhret / daß alſo eins imandern offenbahr 

V wuͤrde / 


458 Wie Abr. feinen Knecht ausfchicket! E. 505 
würde / das Böfe im Guten unddas Gute im Boͤſen / und cin 
jedes Ding feinen Befig Eriegte. 


Das 50. Capittel. 


Wie Abraham ſeinen Knecht ausſchicket / ſeinem Sohn 
Iſaac ein Weib zu nehmen / was unter dieſer Figur 
zu verſtehen ſey. 

x. Braham fordert feinen Knecht / welcher der Obriſte 
in ſeinem Regiment war / und legte ihm einen Eyd 
auff / daß er ſeinem Sohn nicht ſolte ein Weib von 
den Toͤchtern der Cananiter / bey denen er wohnete / 
nehmen / ſondern hinziehen zu ſeiner Freundſchafft / 

zu ſeines Vatters Hauſe / und ihme ein Weib nehmen. Dieſe 

Figur ſiehet die Vernunfft ſchlecht und einfaͤltig an / als ob Abra⸗ 

ham dieſen Voͤlckern / darunter er wohnete / ſey feindig geweſen / 

wegen ihres boͤſen Wandels; aber der Geiſt GOttes im Moyſe / 
welcher dieſe Figur alſo auffgezeichnet / hat ſeine heimliche Deu⸗ 
tung darunter / und ſpielet mit der gantzen auffgeſchriebenen 

Hiſtorien des erſten Buchs Moyſis / als wie mit einer Comedien; 

und deutet immer unter der auffern Geſchichte des aͤuſſern Mens 

{chen auff die geifkliche Figur des geiftlichen ewigen Menfchen im 

Reiche Ehrifti. 

2. Einen Eyd muſte der Knecht dem Abraham ſchweren / ſeinem 
Sohn ein Weib aus feinem Stam und Gefihlechte zu nehmen : 
Warumb legte ihm Abraham einen Eyd auff/ und da doch der 
Knecht ohne Eyd muſte feinem Herin gehorfahmen/ und Iſaac 
fein Weib ohne feines Vatters Willen würde angenommen ha⸗ 
ben; Aber der Geift Moyſts fiehet in die innere Figur. Ifaac 
ſtehet allhier inder Figur Chriſti und Abrahams Knecht ftehet 
inder Figur der Natur / unddie Cananiter ſtehen in der Figur 
des eingeführten Schlangen-Entis, aus welchem der Abtrinnige 
eigene Wille mengchlicher Selbheit entftanden war / als in der 
Figur des thierifchen Menfchens / welcher das Neih GOttes 
nicht erben foll: Diefe drey hat ihıne der Geiſt Mofts fürgeftellet/ 
und deutet darunter auffden rechten Menſchen / welcher ewig bes 


ſtehen foll. 
Die innere Figur ftehet alfo. 


’ 3. Abraham fordert feinen Knecht / der feinem gantzen Haufe 
firgundt: Abraham bedeutet alhier GOtt den Vatter; pe F 
ne 


BR" 


Cav.so. Iſaat ein Weib zu nehmen /rc. 459 


Knecht / durch dehn er regiret bedeutet die Natur. Die Natur 


in ihrer Gewalt und Macht muß allhie in GOtt ſchweren / Das 
iſt / ſich verteuffen / und effentialiter verbinden / daß fie Iſaac / 
das iſt den Chriſten / als Gottes Kindern / wil kein Weib / das 
iſt / keine Matricem aus den Cananitern / als aus dem Schlan⸗ 
gen⸗ Ente einfügen oder beylegen zur Fortpflantzung des Schlan⸗ 
gen⸗Entis, dag ſie nicht wil den Gifft der finſtern Belt Eigen> 
ſchafft an ſich ziehen / als die Cananitiſche Eigenſchafft / und den 
Kindern Chriſti zum Weibe / als in Veneris Tinctur einfuͤhren / 
welche die wahre weibliche Matrix in Maͤnnern und Weibern 
iſt / ſondern dag fie wilden rechten Adams-Menſchen / welchen 
GOtt in fein Bilde ſchuff / als die wahre menſchliche Eſſentz aus 
dem erſten urſtaͤndlichen Baume aus der erſten Wurtzel / als 
aus Abrahams Stamme / welcher Adam andeutet / den Ens 
Chriſti beyfuͤgen / als dem rechten Iſaac in den Kindern Chriſti. 

4. Dieſes verſtehet man alſo: Adam hat uns der Schlangeit 
und des Teuffels Eos ins Fleiſche und in die Seele eingefuͤhret / 
welchen die Natur in Seel und Leib hat eingenommen / und ei⸗ 
nen eigenen abtruͤnnigen Willen darinnen gebohren / welcher 
GH ungehorſam iſt. 

5. Weil aber nun GOtt in Iſaac hatte wiederum feinen hei= 
ligen Ens feines heiligen Worts eingeführet/ welchen Abrahaın 
inder Glaubenssbegierde hafte ergriffen / und in Iſaac mit ei= 
nem neuen Zweige aus dem verderbten Baume Menfcplicher 
Eigenschaft dargeftellet /_ und aus Chrifti Geifte gebohren: 
So muſte allyiedie Natur als Gottes Ambtmann ich in Gott 
verteuffen / und ſchweren / nichtmehr der Schlangen Ens zum 
Weibe / als zweiner Buhlerin zu nehmen) (verſtehet aus der ver» 
gifften Schlangifhen Eigenfhafft der eingeführten Boßheit 
des Widerwillens /) ſondern aus Abrahams rechten Heimat / 
da Abraham in Adam daheime war / als aus rechter Menfihlis 
cher Eſſentz ſolte der Ambtmann GOttes / als die Natur/ Eſſentz 
und Weſen nehmen / und dem Iſaac / als Chriſti Gliedern im 
ihren him̃liſchen geiſtlichen heiligen Glaubens-Ens einführen / 
als cin geiſtlich Weib / da der wahre Menſch in ſich ſelber mit der 
hiniliſchen Matrice in reiner Begierde der Liebe buhlet / und feine 
eigene Natur in GOttes Liebe liebet / und nicht in dem Canani—⸗ 
tiſchen Shlangen-Ente, imabgewichenen ungöttlihen Willen/ 
auffdag die neue Gebuhrt mit ihrer Jungfrauſchafft nach dem 
innern Menfchen heilig fey. 

6. Denn der Menſch in feinem Weſen fichet in zweyen 

B 2 


460 Wie Abr. feinen Knecht ausſchicket / C.yo 


ſen / als im Natürlichen und uͤbernatuͤrlichen; im Goͤttlichen 
Ente des geformten Worts / und im Natuͤrlichen Ente des Cen- 
trider Natur im kiat, als in Goͤttlicher Begierde / da in der 
Begierde die Natur umd feurende Welt ihren Urftand nimt / 
welche feurende Natur nicht mehr falfche Luſt aus der viehiſchen 
und Schlangen Eigenſchafft in ſich nehmen ſolte; davon deutet 
der Geiſt allhie in der innern Figur. 

7. Und Abrahams Knecht ſagte: Wie / warn das Weib mir 
nicht folgen wolte in diß Land / ſoll ich denn deinen Sohn 
wiederbringen in jenes Land / daraus du gezogen biſt? Das 
heiſſet im innern Verſtand alſo: Die Natur ſpricht zu GOtt: 
Wie / wenn mir der rechte menſchliche Ens nicht wolte folgen / 
weil er an der Schlangen Gifft anhaͤngig iſt; ſoll ich denn dei⸗ 
sen Sohn / als denn heiligen himliſchen Ens wieder in das Land / 
als in die Staͤtte / daraus er mit mir gangen iſt / wiederbringen? 
das iſt wenn GOtt feinem Ambtmanne der Ratur / feinen heis 
ligen Ens uͤbergiebet / denſelben in menſchliche Eigenſchafft ein⸗ 
zufuͤhren / und den Menſchlichen Ens zum Weibe des him̃liſchen 
zu nehmen: So ſpricht die Natur als GOttes Ambtmann: 
Wie / wenn mir denndas Weib (verfichet das menfchliche Ens) 
nicht folgen wolte / und mit dieſem Iſaac / das ift/ mit Ehrifti 
Ente in das wahre menfchlicheSand/als in den wahren Adamiſchẽ 
Daradififhen Baum mit eingehen; foll ich denn deinen Sohn] 
‚als deinen heiligen Eos ‚ wieder in die Stütte Gottes bringen ? 

8. Da fprady Abraham: Da hüte dich / daß du meinen 
Sohn nicht wieder dahin bringeft: Der Herr / der Gott des 
Himmels / der mich von meines Dafters Haufe genommen 
hat / und von meiner Heimat / der mir geredet hat / umd mir 
such geſchworen hat / und geſaget: DIE Land wil ich dei⸗ 
nem Saamen geben / der wird feinen Engel für dir herfenden/ 
daß du meinem Sohn dafelbft ein Weib nehmeit:fo aber das 
Weib dir nicht folgen wil/ fo biſtu des Sydes quit / allein 
bringe meinen Sohn nicht wieder dorthin. Da legte der 
Knecht feine Handt unter die Häffte Abrahams/und ſchwur 
ihm folches. 

9. Das heiffetim innern alſo: GOtt fpricht zu feinem Ambt⸗ 
mann der Natur: Dahuͤte dich / daß dir nicht nach deiner Ver: 
nunfft faͤhreſt / und einen andern Willen fchöpfeft/ und meinen 
heiligen Ens nicht wieder dahin bringeft / da erift herkommen / 
denn er ſoll in Menfhen wohnen. Der GOtt des Himmels / 
der den menfälichen Ens von dem ewigen Worte genommen 4— 

als 


Cap so. Iſaac ein Weib zu nehmen. 461 


als von ſeiner ewigen Heimat / welches des ewigen Vatters Haus 
iſt / der dem Menſchen hat das Sand Cangan nach Dir Paradt⸗ 
ſiſchen Eigenſchafft verheiſſen / und ihme noch darzu geſchworen 
hat / wird feinen Engel für dir herſenden / daß du meinem Sohn 
Bafelbft / wo ver Engelals der Göttliche Wille vorher gehet / ein 
Weib nehmeſt das iſt wo GOtt mit feinem Worte und Kraft 
fich wil in feinen Kindern mit einer ewigen Ehe verbinden / da 
fendet er zuvorhin feinen Engel / als feinen Willen in menfche 
lichen Ens, dag fich verfelbe zu GOtt wendet und befehret. 

: 120, DieRaturdes Gemüthes ſoll in ihrem Vernunfft⸗ willen 
nicht meiſtern / und zweiffeln was GOtt thun werde / wenn er ihr 
des Knechts Ambt auffleget / ſo ſoll ſte ſich in ſich ſelber nicht be⸗ 
ſpieglen und zweifflen / wenn fie ſiehet / daß die Seele im Schlan⸗ 
gen-Ente gefangen lieget / daß fie wolte dencken / ich werde allhie 
nicht ankommen mit meiner Goͤttlichen Bottſchafft / ſondern 
GStt laffen walten / und ihre Bottſchafft nach GOttes Befehl 
verrichten und GOtt befehlen / wie er das Weib / als den menſch⸗ 
lichen Geiſt wolle herzu ziehen / und mit dem Sohn Iſaac / das 
iſt / mit Chriſto im Goͤttlichen Ente verbinden. 

11. So aber das Weib nicht folgen wil / ſo biſt du des Eydes 
quitt / das iſt / ſo dir der menſchliche Wille / wenn ich meinen Wil⸗ 
len fuͤr dir her in Menſchen ſchicke / nicht folgen wil / ſo iſt der 
Bott als GOttes Ambtmann / mit dem geſandten Himmels- 
Ente auitt : Allein bringe meinen Sohn nicht wieder dorthin / 
das ift /bringe den himmliſchen Ens nicht wieder in fein außge⸗ 
gangenes Werfen / fondern ſtehe damit ftill / und höre / wo dich 
GOtt hinlendet / denn der Regen vom Himmelfollnicht leer ohne 
Frucht wieder auffſteigen: Alſo fol auch GOttes Wort und 
Befehl nicht leer wieder heimkommen / ſondern in ſeiner geform⸗ 
ten Weißheit Frucht wuͤrcken und bringen. 

12. Wil ein Menſch nicht / ſo faͤllet daſſelbe Wort auff ein 
anders / das deſſen faͤhig iſt: Darumb ſoll die Natur als der 
Bott oder Ambtmann / oder Forderer der himliſchen Bottſchafft 
das Wort mit dem Goͤttlichen Ente nicht wieder zuruͤcke in je⸗ 
nen Ort / als in die innere Göttliche Stimme einführen > Denn 
was GOtt durch fein Wort in Krafft einmahl auffpricht / das 
fol und muß in einer Göttlichen Form zur Göftlichen Beſchau⸗ 
ligkeit fiehen. Die Natur foll für ſich gehen / als ein Bott feinen 
Weeg / und verfündigen / daß der Herr hat Iſaac alle feine Guͤ⸗ 
ther gegeben/das iſt / er hat Chriſto alle ſeine Guͤther gegeben/und 
fordert jetzt ein Weib / als den Menſchen / der ſich in Eheftand 
mit Iſaac in Chriſto begebe. 8 13. Da 


462 Wie Abr-feinen Knecht ausſchicket E-50, 


13. Da legte der Knecht feine Hand unter die Hüffte ſei⸗ 
nes Herrn Abraͤhams / und ſchwur ihm folches: Das iſt / als 
GOtt fein heiliges Wort mit himmliſchen Ente oder Weſen / als 
mit der geformten Weißheit in den notuͤrlichen Ens Mariz / als 
in GOttes Knecht ſenckete / und GOtt und Menſch in eine Perſon 
wandelte; fo ſchwur die menſchliche Natur unter die Huͤffte des 
Batters ewigen Natur in GOtt / daß ſte GOtt wolte gehorſamen / 
und hinfort außziehen / und das menſchliche Weib ſuchen / und dem 
Goͤttlichen Enti zur Ehe nehmen / welches alles in Chriſti Per⸗ 
fon zu verfiehen ift/ welcher in feiner angenommenen Menſch⸗ 
heit als Abrahams oder GOttes feines Vaters Knecht in na⸗ 
gürlicher Eigenfchafft follte außziehen mit feinem Worte / und 
diß Weib / als feine Braut fuchen / welche ihme der Engel des 
HErm/als GOttes Wille) follte zufügen. 

14. Alſo nahm der Knecht 10.Cameel von den Cameelen 
feines. Herrn / und 308 hin) und hatte mit fich alleriey Guͤther 
feines Herrn / und machte fich auffinnd zog gen Meſopotami⸗ 
am / zu der Stadt Nahor. Altyie ſiehet nun der Geiftin ven 
Proceß GOttes / wie GOtt hat feinen Engel oderBotten Gabriel 
mit der Stimme der Natur zu der menſchlichen Natur zu Na= 
hor / als zu Adams Natur im Ens Mariz gefandt / in welcher 
Stimme das Tebendige heilige Wort mit himmlischen lebendigen 
Ente verborgen war; und des Batters Natur ro. Cameel / das 
iſt / die sehen Geftälte der drey Frincipien zum natürlichen und 
übernatürlichen Feuer⸗leben mitgegeben/ als fieben Geftälte des 
Centri der Natur / und drey Geftälte der drey Unterſcheide der 
Principien/ welches alleſambt GOttes Cameel ſeynd / dadurch 
er alle Ding traͤget. 

x5. Und die Guͤther des Herrn ſeynd die geformte Weißheit 
der groſſen Wunder und Kraͤffte. Dieſes alles nahm GOttes 
Ambtmann / als er das Göttliche Wort in ſich hatte / und in den 
menſchlichen natürlichen Ens ins Ens Marix einführete oder 
offenbahrete / mit fich / wie man etwan die groſſe Thaten GOttes 
außſprechen moͤchte / da die Auffere compactirte fenfualifche Zunge 
pe; nicht genug Worte zum tieffen mentalifchen Berftande ges 

en Fan. 

16. Denn allyie nimt ver Geift Moyſis die englifche Botts 
ſchafft mit Iſaacs Figur darzu / und fpielet äufferlich in der Fi⸗ 
gur mit Iſaac und Rebecca / als Ehrifti Figur / und innerlich 
fpielet er mit Maria / als Adams Effeng / und mit Ehrifto / als 
dem jungfraͤulichen Göttlichen Ente, 

17. Und 


Eap.zo. Iſaac ein Weibzunehmen. 463 


17. Und der Geift Moyſis faget weiter : Da ließ der Rnecht 
die Cameel fich laͤgern auffen vor derStadt bey einen Waſſer⸗ 
brunnen des Abends umb die Zeit / wenn die Weiber pflegen 
beraus zu gehen / und Waſſer zufchöpffen. Diefes deutet im 
Innern an/ wie fich das Geheimnuͤß der Natur der drey Principi- 
en / als Träger der geformten Weisheit GOttes habe zu dem 
Goͤttlichen Auellbrun geleger auffen vor der Stadt. Die Stadt 
deutet an die verborgene Geheimnuͤß des Göttlihen heiligen En- 
tis der geformten Weißheit / umb welche fich die Natur ver drey 
Principien geleget / denn die Natur ift aͤuſſerlich / und der Laſt⸗ 
fräger der Geheimnüß GOttes; fie lieget bey dem Quellbrunn 
Gottes / als bey der Gebuhrt der Heil. Dreyfaltigkeit. 


Dieſes heiſſet innerlich alſo: 


18. Am Abend/das iſt / in der legten Zeit der Welt / oder gegen 
den Abend im Menſchen / da ſich die ewige Nacht nahet / bringet 
GOtt feine Laſttraͤger / als den Willen des Vatters Natur) 
welcher lich zu dem Brunnen Göttlicher Eigenfchafft im Men⸗ 
ſchen leget/und wil feine Cameel / als feinen Willen’ allda trance 
fen / gleichwie er gegen Abend /dasift/ in der legten Zeit feinen 
Willen zu der menſchlichen Natur im Ens Mariz legte / zu dem 
rechten Quellbrunn feines Bundes / und traͤnckete Die menſch⸗ 
liche Natur alive. 

19. Und wie ihme Abrahams Knecht vor dem Wafferbrunnen 
in Mefopotamien fürnahın feines Herrn Willen zu vollbringen) 
und Doch nicht auff fich fahe / wie es gehen follte /fondern feine 
Sache GOtt befahl / wie er esmachen würde/ und nur ein Sog 
für fich ftellete/ dag er fahe/ welchen AReeg ihn GOtt würde füh- 
ren : Alfo auch fpielet allyie der Geift Moyſis in der Figur 
Ehrifii/denn die Natur im Ens oder Saamen Mariz war der 
Knecht GOttes / die lägerte fich für des Bundes Ens ‚als ein 
Werkzeug GOttes / und gab GOtt die Ehre /und befahl ihm 
Das / wie er fie wolte zu der heiligen Zungfraufchafft im heiligen 
Ente des Bundes in Marien führen / wie allhie Abrahamg 
Knecht GOtt befahl / alser zum Brunnen kam / wo crihn wolte 
hinführen / oder was er thun follte / daß ihn GOtt follte zu der 
rechten Jungfrauen führen / die GO TT welte feines Herrn 
Sohn geben. 

20. Alſo auch imgleichen iſts nicht aus der Natur Vorſatz / 
Verſtand oder Gewalt geſchehen / dag ſich die Natur hat zum 
heiligen Ente im Bunde gefuͤget / die Goͤttliche JZungfrau im 
4 


464 Wie Abr. feinen Knecht ausſchicket se, 


Ens des Wortes GOttes geehligt + Die Natur verftund nichts 
davon / wie es zugehen folte/oder was ihr werben oder vorbringen 
feyn ſolte / fie kante die yeifige Jungfrauſchafft in Bunde nicht / 
fondern als GOttes Befehl vom Engel Babriel infie fihallete/ fo 
gab ji: GOtt die Ehre / was er durch fie thun und wuͤrcken wolte/ 
daß ihr GOit wolte die Jungſtau der Weitzheit zufuͤgen / wie all⸗ 
hie Abrahams Knecht EOtt bath / daß er die rechte Jungfrau / die 
ihme GOtt erwaͤhlet hätte / wolfe zum Waſſerbrunnen fügen. 

* 22. Denn beym Quellbrunn GoOttes follte die Natur erken⸗ 
nen / was vor eine Jungfrau würde kommen / und die Cameel 
oder Saftträger/ die Natur traͤncken / gleichwie Reberca heraus 
kam ausGOttes anrägen/und dem Rnechte Abrahams / ſeine Ca⸗ 
meelen traͤnckete: Alſo auch Fam Die Goͤttliche Jungfrauſchafft 
im Ens Marix/ und traͤnckete die Eſſentz im Sanmen Marie { 
and nahm die menfchliche Natur zum Gemahl. 

22, Und die menfchliche Natur im Bunde / im Saamen Az 
brahams in feinem Blaubens-Ente , da erdas Wort der Ver⸗ 
heiffung im Glauben ergriffe/ welches feine "Gerechtigkeit ward / 
hatte die ſchoͤne Stirnſpangen in ſich / und die zween Armringe / 
welche ſte dem Wort GoOttes / das ſich indes Engels Gabriels 
Bottfi chafft in Marien bewegte /anhieng/ alldades Glaubens 
Ens mit der jet bewegenden Stimmevermählet ward / welche 
Bewegung die Natur umbfchlog / wie allhie Abrahams Knecht / 
als er ſahe / daß ihme GOtt hatte die rechte Jungfrau zugefuͤget / 
fo zog er herfür feines Heran Abrahams Geſchencke / und hieng es 
der Zungfrauenan. 

23. af v auch hieng die Natur im Bunde im Saamen Ma— 
rieæ die fchöne K leinod / welche GOtt Adam im Paradeig verhieß 
und in Abraham eröffnete/welcheAbrahan im Geifte und Glau⸗ 
ben ergriff/der Stimme GOttes / als dem lebendigen bewegenden 
Worte GOttes / welches indes Engels Bottfcharft nAbrahams 
— Ente erſchallete / an / und ſich hiermit auch ſelber. 

24. Dann Abraham hatte das Wort des Bundes im Glau⸗ 
ben ergriffen / daß es fich Hatte in einen Ens geformet /aber nicht 
gant in die Menschheit ; und derfelte Ens war das ſchoͤne Klei⸗ 
nod / das die Natur in ſich / als einen verborgenen Schatz trug / 
big ans Ziel des Bundes / biß gegen den Abend der Welt / da 
ſchallete GOttes lebendige Stimme in die Natur im Weibes— 
Sagmen / fo gab die Natur / als GOttes Knecht das verborgene 
Kleinod herfur / und hieng es an die Stirne der Jungfraͤulichen 


Liebe JEſu / welche in des Engels Bottſchafft beweglich var) 
und 


Cap.so. Iſaac ein Weib zu nehmen. 465 


und jetzt zum Brunnen kam / die verſchloſſene Jungfrauſchafft 
im Menſchen vom Goͤttlichen Ente zu ſchoͤpffen / und kriegete 
aber allda ihren Braͤutigam / als die Seele des Menſchen mit 
des Batters Kleinoden und groffem Guthe: Mit diefem fpie> 
let allhie der Geift Moyſis /als mit einer heimlichen Deutung 
unter der aufferen Geſchichte. 

25. Abrahams Knecht machete ihme das Loß / die Jungfrau 
bey dieſem zuerkennen / welche ihn und alle feine Knechte und 
Cameel tranden würde / dag fie die rechte fen: Alfo hatte auch 
GHT Tdieſes Loß in die Natur der Seelen und der rechten 
Menfhheit gepflantzet das / welche Jungfrau würde die Seele 
mit der wahren Menfchheit aus GOttes Liebe-brunn traͤncken / 
Diefelbe follte die Seele zum ewigen Gemahl begehren. 

26. Als dann in Marien gefäyahe/als fie der Engel grüffete / 
traͤnckete er die Seele / und auch ihren Saamen der feelifchen 
Natur aus des Weibes Tindtur , davon diefelbe ſeeliſche Eſſentz 
ihre Begierde gegen dem ſuͤſſen Quellwaffer des Brunnens JEſu 
führete/unddeffelben Waſſers der Liebe JEſu trand/ davon und 
darinnen ſie mit der ſuͤſſen ebe IEſu in Jehova vermählet ward/ 
dag in dieſem Saamen Maris im Ziel des Bundes eine maͤnn⸗ 
liche Jungfrau GOttes empfangen ward / welche iſt Chriſtus 
JEſfus in unſerer Menſchheit / und im Goͤttlichen Entein Krafft 
des Wortes GOttes / ein geſormter SOtt nach der Creatur: Aber 
nach der Goͤttlichen Stimme GOtt alles in allem / verſtehet ein 
geformter GOtt nach der menſchlichen Eigenſchafft / als ein ſicht⸗ 
bahr Bilde der Gottheit / und darinnen der ganze unſichtbahre / 

unmeßliche GOtt in Dreyfaltigkeit im Weſen. 

27. Dieſe gantze Figur ſtehet im Preceß ver neuen Wieder⸗ 
gebuhrt/ wie es ſollte zugehen: Denn Abraham in ſeinem Glau⸗ 
ben ſtehet in der Figur Adams / als in GOttes des Vatters Fi⸗ 
gur /welcher ibm zu feinem Ebenbilde und Gleichnuͤß hatte er= 
fihaffen ; Und Sfaac fein Sohn ſtehet in der Figur der Menſch⸗ 
beit Chrifti./ als in des Sohns Figur. 

28. GOtt der Batter hat alle feine Güther / verſtehet des ge» 
formten Worts / als alle gefchaffene und gebohrne Werfen int 
Loco viefer Welt / feinem Sohne / welcher fich un Ebenbilde 
GOttes der Menfchheit offenbahrete / gegeben / gleichwie Abra⸗ 
ham hatte alle feine Gürher Iſaac gegeben / welcher Chriſti Fuͤr⸗ 
bilde war. 

29. Und wie Abraham wolte ſeinem Sohn Iſaac ein Weib 
aus feinem Geſchlechte nehmen / und ſandte feinen obriſten Ambt⸗ 

B 5 man 


466 WieAbr. feinen Knecht ausſchicket C.50. 


mann aus / ſeinem Sohn ein Weib zunehmen / und benahmete 
ihm doch dieſelbe nicht zuvorhin / wer ſie ſeyn ſollte / ſondern hieß 
ihn nur bloß zu ſeines Vatters Haufe und Geſchlechte ziehen / und 
ſehen / was ihme GOtt wuͤrde fuͤr ein Weib zufuͤgen / ſeinem 
Sohn zunehmen: Alſo auch imgleichen hat GOtt feinen Ambt⸗ 
mann / der feinem ganzen Haufe/ das iſt / Regiment fürfichet / 
in Die Welt gefandt/welcher iſt ie Stimme feines geoffenbahrten 
Worts in dem rechten Adamiſchen Menfchen / und nicht zu dem 
Eananitifchen Schlangen-Ente, fondern zu dem verblichenen 
Sungfräulichen Bilde GOttes /uud zu der lebendigen Seele / 
welche ift aus GOttes des Vatters Haufe/ das ift/ Eigenfchafft; 
und laffer feinen Sohn IEſu Ehrifto umb eine Jungfrau zum 
Weibe werben / als umb die himmliſche Sungfraufchafft im 
Menfchen/ welche in Adam verblih. Umb dieſe wirbet GOttes 
Ambtmann der Natur durch feine Diener /welche er außſendet / 
daß fie diefelbe Jungfrauſchafft follen feinem Sohn zum Weibe 
nehmen / fich mit ihme zu verehligen. 

30. Und gleichwie Abraham feinem Ambtmann die Jung: 
frau nicht zuvorhin nannte / fondern ihn nur hieß zu feines Vat⸗ 
ters Haufe gehen/un allda aufden HErrn fehen/wo er ihn würde 
heiffen werben /was ihme GOtt wuͤrde für eine Jungfrau er⸗ 
wählen und zufügen : Alfo auch imgleichen hat GOtt feinen 
Ambtmann / als fein heiliges Wort durch feine Diener in die 
Welt zudem wahren Menfhen gefandt; Nicht zu den Schlan⸗ 
gen⸗Thieren / dann diefelbe Hören GOttes Wort nicht / fie haben 
Fein Gchör darzu / gleichwie die Cananiter im Schlangen-Ente, 
wie gank vichifch / und am Göttlichen Gehör halb todt waren/ 
wegen ihrer Boßheit sind eigenen Willens. 

31. Und laͤſſet fich feine Diener / als Ambtleuthe zu dem Brun⸗ 
nen feines heiligen Worts laͤgern / mit Befchl/ daß fie ſollen in 
ihrem befohlenen Ambte allda zu GVtt ruffen und bethen / und 
ſein Wort lehren / biß GOtt der Jungfrauen Hertze zeucht / und 
ſie zum Brunnen ſeines Worts fuͤhret / aus dem Brunnen 
Gottes Worts Waſſer zu ſchoͤpffen. 

32. Und wann dieſe Juͤngfrau / verſtehet das innere Göttliche 
Bilde / welches in Adam verdunckelt ward/ im Brunnen Goͤtt⸗ 
fihes Worts Waſſer ſchoͤpffet: So fpricht der Ambtmann / 
Aorabams Knecht | als des Vatters Wille in der Seelen / gib 
mir zu trincken deines füffen Waſſers der ewigen Jungfrau 
Haft: Und die Edle Jungfrau fpricht zum Willeun GOttes / 


Trinck mein Herr / ich wildeinen Cameelen auch ſchoͤpffen. * 
ehe 


Cap.so, Iſaac ein Weib zu nehmen. 467 


ſtehet mit den Cameelen die Eſſentien der menſchlichen Natur 
aus des Vatters Eigenſchafft; und mit der Jungfrauen verſte⸗ 
het des Liechtes in der Liebe-Natur und Eigenſchafft / als das 
Weſen des Goͤttlichen Entis von der Engliſchen Welt / welches in 
Adam verblich / und in dieſem Waſſerſchoͤpffen wieder zu ihrem 
Braͤutigam der Seelen komt. 

33. Und fo num der Ambtmann / als GOttes Wille non der 
Zungfrauen mit feinen Cameelen / als Efentien der Natur ges 
traͤncket iſt / ſo dancket der abgeſandte Wille des Vatters in der 
Eſſentz der Natur in die wahre Gottheit / daß GOtt hat dieſe 
Jungfrau zu ihme gefuͤhret / daß er dieſe Jungfrau der Liebe und 
Menſchheit JEſu Chriſti ſoll zum Weibe nehmen. 

34. Und alfobald nimt der Wille GOttes des Vatters die 
edle Kleinoden / welche GOtt Adam im Paradeiß ins Lebens⸗ 
Liecht in die Seele mit dem thenren Namen JEſu einverleibte / 
ja welche Kleinod ins Centrum der Seelen einverleibet wor⸗ 
den find che der Welt Grumd geleget ward / welche der Seelen 
find gang verborgen gewefen ; welche Kleinod feynd das heilige 
Feuer der verfchloffenen Liebe-Begierde / und hangetder Edler 
Zungfrauen vonder himmliſchen Welt Weſen diefelbe an / als 
eine guͤldene Spange eines halben Seckels ſchwer. 

35. Dieſe guͤldene Spange eines halben Seckels ſchwer / iſt 
die neue vom Himmel gekommene himmliſche Weſenheit / wie 
Ehriftus (Joh. 3. )fagte / er waͤre vom Himmel kommen : Da 
verſtund er den Fommenden Ens, welcher die halbe heilige 
Menfchheit war / als der heilige Ens am Worte / welcher fich mit 
dem verblichenen auch himmliſchen Ente inderMenfchheit einiga 
te / daß diefe güldene Spange eines halben Seckels ſchwer /dem 
Goͤttlichen Schalle oder Worte das in die Menfchheit komt / 
(ey / das wird der himmliſchen Sungfraufchafft im Menfchen 
angehangen. 

36. Und wer nun die Bermählung gefchicht / daß fich der 
Sungfräuliche Ens mit diefem heiligen Ente vermählet / dag die 
Jungfrauſchafft diefe angehängte Spange empfaͤhet / fo ifts 
ein ganser Seel Goldes/halb der Gottheit und halb der 
Menfchheit. 

37. Unddie zween Armeringe/ welche Abrahams Knecht / als 
der Wille des Battersin der feelifhen Natur der Jungfrauen 
anhänger) welche ro. Steel Goldes ſchwer find / das find die 
ro. Geftältedes heiligen Feuers / welche der verblichenen Jungs 
feaufchafft neben der neuen eingeführten Menſchheit JEſu 

36 Ehrifti 


468 Wie Abe. feinen Knecht ausſchicket C. 0, 


Chriſti des Göttlichen Entis angehänget werden /davon ſie ihr 
recht Leben wieder empfähet. 

38. Und wann dieſe Jungfrau hat dieſe Spangen und Arm⸗ 
ringe alfo empfangen / ſo erfreuet fie fich umd lauffet zu ihren 
Bruder Laban / als zum dritten Principio der auſſern Menfch- 
heit aus dem Limo der Erden / zu der Auffern Seelen/ und faget 
ihme das / das ift / wenn das Jungfraͤuliche Bild / den Ens Chri⸗ 
ſti / als die fhöne Spangen des halben Seckels / neben dem heili⸗ 
gen Feuer des Worts empfaͤhet / fo dringet fie mit ihrer Stim⸗ 
me der Goͤttlichen Eſſentz durch den aͤuſſern Menſchen/ als ihren 
Bruder / und verkuͤndiget die Goͤttliche Krafft davon der aͤuſſe⸗ 
re Menſch (verſtehet das dritte Principium )froh wird / und ſich 
mit der Jungfraͤuen des innern Menſchens hech erfreuet / und 
lauffet auch hin zu dem Brunnen des Worts GOttes / und bittet 
GOtt / daßer doch wolte mit feinem Worte bey ihm einkehren / 
wie allhie Laban Abrahams Knecht bath / bey ihme einzukehren / 
welches Abrahams Knecht / als der Wille GOttes gerne thut / 
ud kehret bey dem aͤuſſern Menſchen ein / wie Abrahams 
Knecht thaͤte. 

39. Alſo thut auch die menſchliche Natur / wenn ſie hoͤret dag 
Chriſtus im innern Menſchen ſchallet / und ſtehet den Schmick / 
welchen der Heik. Geiſt dem Jungfraͤulichen Bilde hat angehan⸗ 
gen / fo bittet Laban / als der imern Bildnuͤß Bruder / den Wil⸗ 
len GOttes / bey ihme einzukehren. 

40. Und wenn der Wille GOttes / als Abrahams Knecht an⸗ 
deutend / iſt bey Bethuel und Laban / als im dritten Principio der 
Menſchheit eingezogen / ſoſprichtder Ambtmann GOttes / als 
das Wort GOttes das im Menſchen einzeucht / Ach wil nicht von 
deines / verſtehet des aͤuſſern Lebens Eſſentz / eſſen / ich werbe denn 
zuerſt meine Vottſchafft dag du meinem Herrrn / als meines 
Herin Sohn der Menfhheit IEſu Chrifti deine Schweſter / 
als die himmliſche Jungfrauſchafft zum Weibe gebeft; under» 

zehlet der menfchlichen Natur die Schickung GOttes / das iff / 
er eröffnet ihme Das Göttliche Verſtaͤndnuͤß / daß der natürliche 
Mensch ferner GOttes Willen verfichen / Daran er zuvorhin 
blind war, 

4x. Alsdenn ergiebet fich die arme Natur mit der Seelen in 
GOttes Willen / und fo fpricht alsdenn Saban und Berhuek; 
Das komt vom HErru / wir follen darwider nichts reden : Siehe 
allhier ift deine Staͤtte / thue mit mir und mit meinem inwendis 
gem wie du wilfts Hie ift Rebecca / als das geſormte J ar 


Cap jo. Iſaae ein Weib zunehmen: 469 


2 Eigenfihafft / nim̃ es hin / und vermähle e8 deines Herrn 
Sohn / als der Menſchheit JEſu Chriſti nach deinem Gefallen / 
wieder HErr geredet hat. 

42. Man ſiehet allhier gar eigentlich / wie der Geiſt Moyſis 
in der Figur redet / denn er ſetzet Laban als Bethuels Sohn 
fuͤrn Vatter / als die aͤuſſere Seele für die innere Feuer-Seele / 
die Lufft⸗Seele für die rechte Feuer-Seele / wiewohl ihr nicht 
zwo ſind / ſondern eine / aber in zwey Principien verſtanden: 
Denn die Feuer-Seele gibt durch. die Lifft-Seele Antwort: 
Die Feuer-Seele führet die uncompadirte Zunge 3 aber die 
Lufft⸗Seele führet Die compadirte geformfe Serache. 

43. Darumb ſetzet der Geiſt Moyſts Laban der Rebecca 
Bruder forne an / als ob das Geſchaͤffte waͤre durch Laban ver⸗ 
richtet worden: Anzudeuten / daß wenn der Ambtinann GOt⸗ 
tes / als der Wille GOttes im zuge des Vatters in den Men⸗ 
[hen einzeucht / und bey ihme umb Herberge und umb die Jung⸗ 
frau wirbet / fo muß der aͤuſſere Sl des Menſchen Die Zufage 
thun / denn er ift von GOtt und der wahren Gelaſſenheit abge⸗ 
wandte: Jetzt mus cr ſeinen Willen gang wieder in GOttes 
Willenergeben. 

44. Und weun dieſes geſchicht / daß die äuffere Seele mit der 
innern Fruer⸗ Scele in dieſe Heyrath gang einwilliget / under 
geben ſich in GOtt / fo bůcke ſich der Wille GOttes / als der 
Ambtmann im Zuge des Vatters wieder in Die wahre Gottheit] 
das iſt / er tritt wieder in ſeinen SitzW / und gibet herfuͤr aus Abra⸗ 
hams Schatz / das iſt / aus GOttes des Vatters Schatze feiner 
geformten Weißheit / die ſilberne und guͤldene Kleynoder / und 
haͤnget ſie Rebecca / als der himmliſchen Jungfrauſchafft / an. 

45. Denn dieſe Kleynoder gehoͤren nicht Laban oder Bethuel 
(verſtehet der aͤuſſern oder innern Feuer⸗ Seelen ) dieſe Zeit des 
irrdiſchen Lebens fondern der wahren Jungfrauen Rebecca / 
aus dem Goͤttlichen Ente des geformten heiligen Worts / nach 
der Engliſchen Welt Eig nſchafft / als dem andern Principio,alg 
dem innern geiſtlichen neuen Menſchen / welcher mit Rebecca 
dem rechten Iſaac Chriſto vermaͤhlet wird: Und darumb ſetzet 
der Geiſt Moyſis / Abrahams Knecht habe Rebecca die guͤldene 
Spange und Armringe / ſambt den ſilbern und guͤldenen Kleino⸗ 
den gegeben / und auch Kleider; und Laban / als Kebeccz Bru⸗ 
der / ſo wohl der Mutter / habe er Gewuͤrtze gegeben. 

46. O du wunderlicher GOtt! wie einfültig bildeſt dur die 
—* Geheimnuͤß fuͤr! Die Ä (berne und guͤldene ARTE 
7 und 


470 Wie Abr. feinen Knecht ausfchicker C.y0. 


feynd der Schaß der Göttlihen Weisheit im Worte des Lebens / 
welchen Schatz das Göttliche Wort der rechten Zungfraufchafft/ 
welche in Adanı ftarb / und in Chrifto wieder zum Gemahl an 
genommen wird / mitbringet/ und gang eigen zu einem Mahl: 
{hate gegeben wird: Und die Kleider find die neue Menfchheit / 
Damit fievor ihrem Brautigam einher gehet ; und die Wuͤrtze / 
fd Laban / und der Mutter gefchencket ward /ift die Krafft des 
heiligen Geiſtes / welche ver Feuer-Seelen und der Lufft⸗See⸗ 
len / mit Einkehrung ver zarten Menſchheit JEſu Chriſti ges 
ſchencket wird. 

47. Dann die aͤuſſere Seele wird dieſe Zeit / weil noch der irr⸗ 
diſche Leib an ihr hanget / nicht mit dem neuen Kleide bedecket / 
auch fo wird der Feuer⸗Seelen das ſilberne und guͤldene Kleinod 
der Menſchheit JEſu Chriſti dieſe Zeit nicht gantz zur Hab⸗ 
hafftigkeit in Gewalt gegeben / ſondern nur Wuͤrtze / das iſt / 
des Heil. Geiſtes Krafft und Anblick / dann Die Feuer-Seele 
möchte wieder ſtoltz werden / wann fie dieſe Jungfrau follte in 
eigener Gewalt haben/ wie Lucifer und Adam thaͤten: Darumb 
muß die Fener-Seelediefe Zeit inihrem Principio bleiben / und 
das Creutz Chrifti in der Lufft-Seelen / als im dritten Principio, 
da der irrdiſche böfe Menſch lebet /aufffich nehmen. 

48. Jungfrau Rebecca oder Sophia aber mit ihrem Braͤu⸗ 
tigam Chriſto bleiben in ihrem / als im zweyten Principio ‚it 
Himmel: Dann St. Paulus faget / unfer Wandel iſt im 
Himmel; verftehet der Zungfranen Wandel / da fie mitihrem 
Gemahl Chriſto in der Ehe ftehet / da Ehriftus und Jungfrau 
Sophia nur cine Perfon find / alsdie wahre männliche Jung⸗ 
frau GOttes / welche Adam vor feiner Heva war / dacr Mann 
und Weib /umd doch der Feines war / fondern eine Jungfrau 
GOttes. 

49. Und wann nun dieſe Vermaͤhlung geſchehen iſt / alsdann 
ſitzet Abrahams Knecht mit allen feinen Knechten / mit ſeiner ers 
worbenen Braut / und mit Batter und Bruder zu Tiſche /und 
effen miteinander das Hochzeitmahl : Das ift/ wan der Menſch / 
verfichetder innere jungfraufiche geiftliche Menfch mit Ehrifto 
vermaͤhlet ift / alsdann iffet GOtt von des Menſchen Willen 
und orten / und hinwieder der Menfch von GOttes Willen 
und Worten: Da fißen fie bey einem Mahl und heiffer alsdann : 
er euch höret der höret mich: Wer tiefe Menfchen höret vor 
GoOtt lehren und reden / der höret GOtt reden / dann fie reden in 
Krafft des Heil. Beiftes Wuͤrtze / und effen vom groffem Abende 
mahl Chriſti miteinander, 50.O ein 


Eap.so. Iſaac ein Weib zu nehmen. 471 


so. Oein herrliches Mahl wird allda gehalten wo dieſe Hoch⸗ 
zeit im Menſchen gehalten wird! welches kein Cananitiſcher 
Schlangen-Menſch werth iſt zu wiſſen oder zu ſchmaͤcken / auch 
in Ewigkeit nicht erfaͤhret / was allda fuͤr Speiſen auffgetragen 
werden: Auch was für innerliche Freude darbey gehalten wird / 
da Ehriftus und Jungfrau Sophia Braut und Bräutigam 
feynd / und die innere und Auffere Seele bey der Braut ſitzen / 
und mit ihr von diefem Mahl effen / welches wir den Kindern 
Ehrifti fo darbey gewefen feynd/ zuerwegen geben : Kein Menfch 
in dieſer Weltverftehetes fonft nicht / weiß auch nichts davon / 
als nur der rechte Laban und Berhuel, 

sr. Aber diefe Hochzeit wehret nicht immerdar/fondern als 
Abrahams Knecht hat die Jungfrau erlanget/und mit dem Bats 
fer und Mutter und Laban / das Mahl und Hochzeit gehalten / 
und war über Nacht da blieben / da fund er früh auff/und fprac) 
Laſſet mich zichen zu meinem Herrn. 


Das ftehet in der innern Figur alfo : 


52. Wann ſich Chriftus hat mit Jungfrau Sophien / als 
der innern Menfchheit vermählet / fo fehallet balde hernach die 
Stimme GHftes in die Seele und fpricht 2 Sch wil mit der 
Jungfrauen von dir wegzichen / und ift immerdar/ als wolteer 
auffbrechen und vom Menfchen weichen/ fo muß die arıne Seele 
immerdar bitten und flehen / daß er doch wolte noch länger bey 
ihr bleiben: Aber die Stimme fihallet offte / halte mich nicht 
auff / ich mug zu meinem Herrn ziehen oder reifen ; du biſt böfe 
und fündig / ich mag nicht länger bey dir bleiben. 

53. Alsdenn ruffet Die arme Seele Zungfrau Rebeccen / als 
Chriſtum mit feiner Braut/ und erinnert fie der Zufage feines 
theuren Wortes und Verheiſſung / daß er wolle alle Tage big an 
der Welt Ende bey uns bleiben / und Wohnung in uns machen: 
Alfo wird ein Tagauffdenandern aufgezogen / und zeucht doch 
Chriſtus mit feiner Braut in fein Batterland/ als ing andere 
— „aber die Hochzeit wird in allen drey Principiis ge⸗ 
halten. 

54. Bar eine fchöne Figur ift diefes / als Rebecca mit Abra⸗ 
hams Knecht heimzog / und ihr Iſaac auff dem Felde begegnete / 
und fie ihn fragte wer der Mann wäre / und ihr Abraͤhams 
Knecht fagte / dag es fein Her: Iſaac wäre / wie fie fey vom Ca⸗ 
meel gefallen! und Habe den Mantel fürdis Augen gehaften/ und 

ſich 


2 Wie Abr. feinen Knecht ausſch. 2: E50. 


fich geſchaͤmet / und wie fte Iſaac habe angenommen / und indie 
Hütten feiner Mutter gefuͤhret. 


Die innere Figur ftehet alfo: 


55. Wenn die innere verblihene Menfchheit die edle Kleinod 
erlanget / dag fie im Geifte Chriſti wieder lebendig wird / und 
ihren Gentahl Chriftum in fich erblicker / fo fäller fie in dic hoͤch⸗ 
fie Demuth) vor GOttes Heiligkeit zu Bodem / und ſchaͤmet ſich / 
das ſte iſt alſo lange indem Thier-⸗Menſchen gefangen gelegen / 
und daß ſie iſt eine Koͤnigin geweſen / und hat ihr Koͤnigreich in 
Adam verlohren; ſo verhuͤllet fie ihr eigen Angeſicht vor GOttes 
Klarheit / und demuͤthiget ſich: Aber Chriſtus nimt ſie in ſeine 
Armen / und fuͤhret fie in die Hüften feiner Mutter / als in der 
himmliſchen Welt Weſen / daraus er mit ſeinem himmliſchen 
Weſen iſt außgangen / und allda wird ſie ſein Weib; und allda 
wird Iſaac recht getroͤſtet uͤber ſeiner Mutter / als uͤber der ver⸗ 
blichenen Matrice in Veneris Tinctur, welche in Adam war ges 
ſtorben / welche er jetzo in Jungfraͤulicher Zucht zum Gemahl bes 
komt / wie die Hiftoria von Ifaac lautet. 

56. Und vermahnen den Leſer unfere Erfindung nicht zu ver⸗ 
achten / denn es ift der wahre Grund : Denn als Ifaac feiner 
Brautentgegen gieng / fo famer von dem Brunnen des Leben⸗ 
digen und Schenden / wie Moyſes faget : Wil einer unfern 
Sinn und Erfüntnüß recht verſtehen / fo muß er fich auch zu 
demſelben Brunnen machen/ dagermit Rebecca angenommen 
werde/ alsdenn wird er fehen aus was Geift diefe Feder 
gefihrieben hat] in welcher Zahl und Stimme fie ent: 
fproffen ſey. 

57. Dbaber einer allhie nichts fähe / fo mag er fich wohl blind 
amd noch Feinen Menfchen fhasen : Die Zudenund Türden / 
fo wohl Babel mögen ihre Augen auffpeben/umd die Figuren des 
Alten Tellaments recht anfchen/Jie werdens alfo finden, 


Das 


E.sr. Wie Abr. habeeinander Weibic- 473 
Das 5 1. Capittel. 

Wie Abraham habe ein ander Weib genommen / mit 
weicher er noch ſechs Söhne gezeuget / welchen er 
Geſchencke gegeben / und feine Güter alle feinem 
Sohn Ifaac gegeben | die andern aber laſſen bey feiz 
nem Leben von fich ziehen; und wie er geſtorben fey / 
was darbey zu verſtehen fey. 

Genef. 25, 


I. or Ofesfpriht: Abraham nahm wieder in Weib] 
die hieß Kethura / die gebahr ihme Simron / 
Jackſan / Medan / Midian / Jeſchback und Sush/ 
von welchen ſechs Geſchlechte eynd entſtanden: 
Mit Sara zeuget Abraham nur einen Sohn / 

von welchem die gantze Hiſtoria deutet; aber mit der Ke⸗ 

thura zeuget er ſechs Soͤhne / davon nichts ſonderlichs / als 
nur ihr Geſchlecht / gemeldet wird. 


Dieſes verſtehet man im Innern alſo. 

Abraham muſte mit feiner Sara von ehe alt werden / ehe er 
Iſaac zeugete: Anzudeuten / daß Chriſtus ſolte im Alter der 
Welt / im Fleiſche offenbahr werden. 

2. Iſaac ward aus Abrahams Natur und aus dem Glan: 
bens-Ente gezeuget / in einer alten / faſt wie erſtorbenen Matrice 
nach menſchlicher Natur empfangen / auff daß Gottes Ens den 
Vorgang hätte, Als aber Sara ſtarb / ſo nahm ihme Abraham die 
Kethura / und zeugete bald ſechs Söhne mit ihr; Kethura ſpricht 
in ihrem Nahmen aus das Centrum der Natur / wan man die 
Senſualiſche unconpactirte Geiſter der Buchſtaben in dieſes 
Wort Kethura formet / foverftchet man / dat; Kethura eine ge⸗ 
formte Matrix der Natur ſey: Anzudeuten / daß Abraham / nach 
deme er hatte das Fuͤrbilde Chriſti im Glaubens Ente gezeu— 
get / nun ſolte fein eigen Bildnuͤß nach Adams Natur/ aus 
den ſechs Eigenſchafften des natuͤrlichen Geiſt-lebens zeugen) 
und fein eigen natuͤrlich Bildnuͤß auch darſtellen / alſo muſte er 
ach ein ſolch Gefasle darzu haben. 

3: Sara muſte nur einen Sohn gebähren : Anzudeuten / 
daß das Reichder Menſchen nur Einem gegeben ſey / und dag fie 


alle unter dieſen Einigen gehörten Zum» in ihme ſolten a 
Finis 


474 Wie Abraham habe Cap. y1. 


Einige werden / als Aeſte an einem Baume / welcher Chriſtus in 
allen ſeyn ſolte. 

4. Allhier aber zeugete Abraham nun mit der Kethura 
6. Soͤhn nad) den 6. Eigenſehafften der geformten Natur der 
Wuͤrckung der fechs Tagwercke; und Iſaac / dasift / Chriſtus / 
iſt Der ſiebende / als der Ruhetag over Sabbath / darein die 
ſechs Soͤhne ſolten in die Ruhe eingehen / gleichwie die 6. Tage 
der Schoͤpffung / verſtehet die 6. Eigenſchaͤfften des Centri der. 
Natur / als das würdende Geiftsleben indem fiebenden ruhen : 
Alfo auch ftellete der Geift Gottes die Figur in Abraham dar. 

5. Und haben allyier gar eine fehöne Figur wider die Ber: 
nunfft-weiſen / welche fagen: Wer nicht von Natur im Glau⸗ 
bens-Ente gebohren fey / der fey verſtocket / und koͤnne nicht zur 
Kindſchafft Gottes kommen / er werde nichtvon Gott gezogen) 
daß er möge zur neuen Gebuhrt kommen. Dieſe Figur ſchlaͤget 
ihren Tandt zu bodem / und weifet den wahren Grund an / und 
ſtellet erftlich Iſaac / als Chriſtum dar / und zeiget an/ wie 
demſelben allein das eich Gottes erblich und eigen fey / und 
dag es kein Menſch mehr zum Natur-Recht könne haben ; und 
wie wir mit Adam alleſambt feind davon ausgeftoffen worden / 
und daffelbe veriohren / gleichwie der Kethuræ Kinder allevon 
ee re Gütern ausgeftoffen worten / und fie allein Iſaac 
erbete. 

6. Und ſtellet darneben dar / wie Adams Kinder auch aus 
Abraham feynd gebohren worden / und wie er ihnen von feinem 
Gut habe Geſchencke gegeben ; Deutet an wie Adams natürs 
lihen Kindern aus Gottes des Vatters und Chriſti Gütern 
Geſchencke gegeben werden s wie ihnen Abrahams Güter aus 
Gnaden / als ein Gefchende gegeben werden. 

7. Dan Abraham flieg feine natürliche Kinder nicht von fich 
aus ohne Geſchenck: Alfo auch ſtieß Bott Adam nicht aus dem 
Paradeiß ohne fein Geſchencke: Er fchendete ihme von che den 
Schfangenstreiter im Worte des Bundes / darnach ſtieß er 
Adam aus der Findlichen Erbſchafft des Natur-Rechts / und 
nahm ihn aber in der Echendung wieder an; wie auch allbie 
Abraham feine Kinder nicht von der Kindfchafft verwarff ( fon» 
dern vom Natur-Recht feiner Güter / aber in der Kindfcharft 
waren fie ihm lieb: Darum ſchenckete er ihnen von feinen Guͤ⸗ 
tern / und deutet damit an / daß zwar wohl das Himmelreich 
allein Chriſto / als dem rechten Ifaac /gehöre : Aber gleich wie 
er Adam den Bund aus Gnaden ſchenckete / und u; 4 

4) 


Cap. st. einander Weib genommien/ic. 475 


den Kindern der Kebsweiber aus Iſaacs Recht Gefchend gab+ 
Alfo gibet noch heute GOtt der Batter Adams und Abrahams 
natürlichen Kindern den Bund und das Erbe Chrifti als ein 
Geſchencke. 

8. Und wie Abrahams natürliche Kinder nicht vom Bunde 
ausgeerbet waren) ſondern nur von feinen Gütern: Alfo auch ift 
Eein Menfch vom Bunde GOttes in Adam und Abraham auff> 
gerichtet / ausgeerbet/ ein jeder empfahet den Gefchendten 
Bund in Mutter Leibe / in deme er Macht hatin frinem ge⸗ 
ſchenckten Bunde / in Chrifti Güter einzufchren, 

-9. Aber die Güter hat er nicht in Natur-Recht / diefelbeaus 
eigenem Willen zur nehmen fondern als ein Gefchende: Er 
foll und mug fic) in Bund ergeben als ein Diener/ feines natuͤr⸗ 
lihen Willens fich im Bunde begeben / und den Willen zum 
Matur- Rechte verlaffen/ und des Bundes Eigenthum werden/ 
alfo dag er nicht mehr feinen eigenen naturligen Willen in 
Bund und das Geſchenck einführe / fondern feinen Willen dein 
Bunde ergebe: Alsdenn ftehet das Gefchende an ftatt des eige⸗ 
nen Willens / und lebet die Natur Adams im Geſchencke / und 
geneuffet gleichwohlder Erbſchafft / aber nicht im eigenen Wil⸗ 
len / fondern in der wahren Gelaffenheit / da der Wille des 
- Bundes des Menfchen Wille wird. 

. 20, Denn der Wille des Vundes erbet die Kindfihafft im 
Datursrecht/aber der Wille der Natürlichen Selbheit ift davon 
ausgefioffen / der mug der Eigenheit erfterben ; und fo dad ge⸗ 
ſchicht / ſo ſtehet er im Bunde in Chrifto auff/ und befiget das Ge⸗ 
(hend im Gnaden⸗ recht: Chriftus hat Jich in Bunde in Adams 
Gefchende in der menfchlichen Natur offenbahret/ undift des 
Bundes schen und Willen worden / und hat denfelben erfuͤllet. 

11. Nun lieget aber derfelbe gefchenckte Bund den GOtt 
Adam ſchenckete / inallen Menſchen / denngleichwie die Suͤn⸗ 
de von einem auff alle erbete / alſo auch der Bund und das Gena⸗ 
den⸗geſchencke von Einem auff alle: Ein jeder Menſch hat Chris 
ſtum in ſich /aber der eigene Wille ergreiffet ih nicht/ fondern cr 
creutziget ihn / und wil nicht der Selbheit erfterben/dag er in Chri⸗ 
ſti Tod eingienge / und im Bunde im Willen Chriſti auff ſtuͤnde. 

12. Der eigene Wille wil nur cin angenommenes Genaden⸗ 
kind ſeyn / und er iſt doch vor Gottes Angeſicht verftoffen / 
gleichwie Abraham ſeine natuͤrliche Kinder von ſeinen Guͤtern 
ausſtieß / und ſie enterbete / und die Guͤter allein Iſaac gab; 
alſo iſt das Reich Gottes allein des Bundes Willen. 

73. Wels 


476 Wie Abraham habe Capyr 


13. Welcher zwar in allen Menſchen lieget / aber kein 
Menſch kan das Reich GOttes empfahen oder ſchauen / er werde 
denn des Bundes Kindt / dag erden Natuͤrlichen ausgegange⸗ 
nen Willen verlaffe / und ziche ven Willen Ehriftian im Bun » 
de/ dag fein Willeim Bunde / in Ehrifto neugebohren werde; 
alsdenn ift er ein Rebe am Weinſtock Chriſti / undempfähet 
Chriſti Geiſt / Willen und Leben / und wird nach dem Bunde / 
Chriſtus: Alfo wohnet denn Ehriftus in Adam und Adam in 
Chriſto / und das iſt es / was der Geiſt Moyſis indiefer Figur 
fuͤrmahlet. 

14. Daß aber Abraham ließ die Kinder ſeiner Adamiſchen 
Natur von ſich aus feinem Haufe ziehen mit den Geſchencken / 
und nicht bey ſich als Hauſgenoſſen behielt / deutet diß an / dag 
zwar der aͤuſſerliche Menſch dieſe Zeit werde in dem Willen der 
Selbheit auff Erden leben / und daß er denſelben nach dem irrdi⸗ 
ſchen Menſchen nicht koͤnne gantz ablegen; aber der ſelbe irrdiſche 
eigene Wille ſey von Gottes Heiligkeit / als vom Himmelreich / 
ausgeſtoſſen. 

15. Und obwohl das Geſchenck des Bundes in ihme verborgen 
liege / fo ſey doch der aͤuſſere iradifche Menf vom Peradeiß und 
Bunde Gottes ausgeftoffen/ und felle das Himmelreich nicht 
erben / (Joh. 6.) ſondern allein der welcher aus dem Ge⸗ 
Schenke Des Bundes gebohren werde; Nicht Adam / fondern 
Ehriftus in feinen @liedern/ nicht der Schlangen Ens und eige> 
ne abtrinnige Ifmaelitifche fpöttige ſalſche Wille / fondern der 
Wille des Bundes in Iſmaels Befchneidung / dader Spötter 
vom Bunde abgefhnitten wird Da alsdenn Iſmael Iſaacs 
Bruder wird, “ 

- 16. Der eigen felbgemachte grobe irrdiſche Adam / der ſich 
Durch feine Luſt hat zu einem Thiere gemacht / und des Teuffels 
Begierde und Willen in das eingeführete Thier eingenommen / 
der Fan nicht im Wilde Chriſti ſeyn oder bleiben s Er iſt heraus 
geſtoſſen / und wandelt in der Welt Eitelkeit und Eigen-Luſt / 
auch iſt er des Geſchencks im Bunde nicht fühig. 

17. Aber der rechte Adamiſche Menſch dehn GOtt aus der Er⸗ 
den Matric" machefe / daraus die Erde urftändete / in demſelben 
fichet der Bund und das Geſchencke / gleich wie eine Tindtur im 
groben Bley / welche die Grobheit des Bleyes / als den groben 
Saturnum infeiner eigenen Begierde in fich verfchlinget / umd denn 
Saturniſchen Willen toͤdtet / und führet feinen eigenen (ver⸗ 
ſtehet ver Tinftur Willen und Eigenheit) im Bley empor / das 
durch das Bley in Gold verwandelt wird. 28. Alſo 


Zap. sr. einander Weib genommen / ꝛc. 477 

18. Alfo auch verftchet imgleichen / der grobe Saturnifche 
eigene Wille aus der finftern Welt Eigerfhafft im Menſchen 
tan nicht in GOttes Haufe wohnen/ er iſt hauſſen in der vers 
derdten Welt/ GOTT hat ihn ausdem Paradeife ausgeftoffen 
gleichwie Abraham feine natürliche Adamifche Kinder aus 
Iſaacs Gütern ausſtieß; Alfo auch unfer indifher Menfche 
nach feiner angenommenen Grobheit und Eigenheit / derift zum 
Himmelreic nichts nuͤtze: Er iſt nur das Beyl da der Zimmer⸗ 
mann in dieſer Zeit mit hauen kan / im Himmel darff er dieſes 
Beyls nicht / dan er darff ihme kein Haus bauen zur Eigenheit / 
ſondern Chriſtus / als Das geformte Wort GOttes / iſt 
ſein Haus. 

19. Und wie Abraham ſeine Kinder von den Kebsweibern mit 
Geſchencke aus feinem Haufe ſtieß; alſo auch iſt der Adamiſche 
Menſch von Gott geſtoſſen / welchen Chriſtus als des Batters 
Geſchencke / in ſich wieder annahm: Dan als Chriſtus in unſer 
Menſchheit kam / fo ließ ihn GOtt ans Creutz Hängen und toͤd⸗ 
ten / und nahm ihn aber in feinem Geſchencke wiederan / und 
ſetzte ihn zur Rechten der Krafft Gottes im Himmel / und unſer 
Menſchheit mit und in ihme / aber der menſchliche Eigen⸗Wille 
muſte am Creutz ſterben. 

20. Alſo veut.t auch der Geiſt Moyſis allhier in der Figur 
mit Abraham und feinen Natur Kindern / daß der Auffere na= 
türliche Menſch nicht folte im Ens Chriſti wohnen / dan er ſey in 
Adam aus dem Paradeiſe ausgeſtoſſen / fo möge er auch nach 
feiner thierifhen Eigenheit nicht in Iſaacs Güter / als in den 


Glaubens-Ens, als in Chrifto eingenommen werden; und ob" 


gleih Chriſtus / als des Vatters Geſchencke im innern wahren 
Menſchen / welden GOtt in Adam fehuff / wohnet / ſo ſoll doch 
das grobe Thier/ alsdie Irrdigkeit und Eitelkeit/ von Chrifto in 
alleweege ausgeftoffen fepn: Ja ein jeder Menſch / welcher ein 
Chriſt ſeyn wil/ foil den irrdiſchen Willen / welchen nach Ei⸗ 
telkeit und eigen Luſt luͤſtert / von ſich ausſtoſſen. 

21. Gleichwie Abraham in dieſer Figur feiner Kinder nicht 
fhonete und fie ausſtieß / alfo ſoll auch ein Chriſt feiner Kinder 
als der eigenen Luft und Begierde / und alles das deme anhan⸗ 
get/ nicht fehonen / fondern mit dem Berftande aus dem wahr 
ren Tempel Chriſti / als aus Gottes Geſchencke täglich und 
ſtuͤndlich außſtoſſen / und den alten Adam creußigen ; mo das 
nicht gefchicht / fo ereusiget fonft der alte eigenroillige Adam 


Chriſtum in fich /fo mug anderft Chriſtus am Creutz hangen + 


und wird getödtet, 22, Auch 


— 


478 Wie Abraham habe Cap.yr 


22. Auch iſt dieſes die Figur beym Abraham mit Außſtoſ⸗ 
fung feiner Natur-Kinder/ daß / gleich als Chriſtus / als der 
wahre Iſaac ins Fleiſch kam / als in die Menſchheit / fo wur⸗ 
den Abrahams natürliche Kinder / als die Juden unter dem 
Reiche Ehrifti von den natürlichen Gütern / als von aller Herr⸗ 
ſchafft / von Sand und Königreich außgeſtoſſen / und hörete ihre 
Herrfchafft auff: denn die Herrſchafft gehöret nun Ehrifto / als 
der Ehriftenheit/ denn Chriſtus brachte ein ewig Königreich mit/ 
die Hüter waren alle feyn / gleichwie auch dem Iſaac. 

23. Und ob ſie die wohl nicht alle beherrſchen / gleichwie auch 
Iſaac nur das beherifchete/ das ihm fein Batter lieg / denn die 
natürlichen Kinder Abrahams von der Ketyura wurden hernach 
Heyden / und beherrfcheten die Auffere Güter / als Kinder der 
äuffern Natur: Noch dennoch muften Abrahams Kinder / fo 
im Bunde unter der Befchneidung waren / als Chriftus fich 
offenbahrete / aufgeftoffen werden: Anzudeuten/ daß auch an 
des Bundes Kindern der irrdiſche Menſch / alsdie Selbheit im 
Schlangen-Ente, muß von Bott verftoffen werden. 

24. Alfo ward beym Abraham die Figur des Reichs Chrifti 
dargeftellet mit feinem Sohn Iſaac: Als aber Ehriftus ins 
Fleiſch kam / fo thät Gott die Figur weg / und nahm den auffer> 
lichen Kindern Ifaacs die Auffere Güter des Landes Cangan: 
Anzudenten/ dag nun das heilige fand Cangan fey offenbahr 
worden / da Iſaacs Kinder follen das rechte verheiffene Erbe in 
Chriſto einnehmen / und nicht mehr die Figur/ fondern das 
Weſen der Figur / als das vollkommene / und nun die auffere 

- Güter fambt der Figur verlaffen / und Chriſtum im Sleis 
fche anziehen. 

25. Das fich aber die Juden / als Iſaacs und Abrahams 
Kinder als die Kinder in Ehrifti Figur nicht alle haben zu 
Ehrifto gewandt als er fich im Fleifche offenbahrete / iſt diefe 
Deutung: Gott gab ihnen das Geſetze der Natur / da im Ges 
feße Aufferlic das Iegimentder Natur verftanden ward / und 
innerlich Ehriftus / als der Bund und das verheiffene Ge> 
ſchencke Gottes im Paradeife / daß das Geſetze der Natur fol 
Ehrifti Haufgenog werden / dag der rechte Menfch unter dem 
Gefeße der Natur in Bernünfftigkeit foll leben / und follaber 
feine eigene Natug Ehrifto in fein Haus einführen / fo mufte 
die Figur des Geſetzes bey etlichen Abrahams Kindern / als bey 
etlichen Zuden bleiben / anzudenten/ daß das Geſetze Chriſti 

Hauſgenoß fey. 
26. Ver⸗ 


Cap. sr. einander Weib genommen / ec. 479 


26. Verſtehet / da die Natur des Menfchen foll bleiben / 
and iſt nicht gang von Gott verftoffen] dag alfo ein ganz 
frembvder neuer Menfch folte auf dem Alten entftehen / ſondern 
auf Adams Natur und Eigenfchafft/ und auß Gottes in Chri⸗ 
fi Natur und Eigenfchafft/ dag der Menfch ſey ein Adam» 
Ehriftus; und Ehriftus ein Ehrifltus- Adam : Ein Menfcha 
Gott / und ein Gott-Menſch. Und darumb iſt die Figur bey den 
Juden blieben / uñ auß den Urſachen ſeynd fie nicht alle zu Chriſto 
bekehret worden / daß die Natur ihre Figur und Recht behielte / 
denn fte ſoll ihre Kinder unter dem Geſetze / als die Figur Chri⸗ 
ſti / Gott dem Batter in Chriſto uͤberantworten: Aber ihre 
Figur wird im Feuer Gottes probiret werden / auff daß erkannt 
werde / was ein wahres Kind des natürlichen Geſetzes in der 
Figur Chriſti fey gewefen/ welcher im Geifteim Gefege auß 
der Figur Chriſti gebohren worden / oder nicht. 

27. Nicht ver Maultittel ift ein Jude inder Figur und im 
Gefeße gebohren/ fondern der / der auß der Verheiffung im 
Glauben Abrahams gehohren wird: Der in Ehriffi Figur / 
als im Gefeße mit Mund und Hergenlebet / denfelben hat das 
Gefeße Gottes in Chriſti Figur eingefaſſet / und wird ihn indie 
Erfüllung der Figur einführen. 

23. Denn es liget nicht allein an des Menſchen Wiffen / 
daß er wiſſe / dag fich Chriftus habe ins Geſetz gegeben / und fey 
die Erfüllung im Gefege/ wie fich der Maul-Eprift ruͤhmet / 
fondern es lieget an göftlicher Ordnung /an Gottes Erbarmen: 
Welcher einrechter Jude geweſen ift/ und yat Abrahams Glau⸗ 
ben im Gefege angezogen / der hatden Ens Ehrifti / dehn Abra⸗ 
ham empfieng / angezogen: welchen Ens des Glaubens die 
Menfhheit Chriſti erfüllet hat / und ift ihme felber verborgen 
was er ift/ denn er würdet im Ambte der Natur im Gefeße 
Gottes / welches Ehriftus in fich eingenommen hat underfüller; 
fo dienet er Gott im Ambte der Natur / und das Ambt der Na⸗ 
tur dienet Chriſto / denn es iſt Ehrifti Eigenthum worden, 

29. Denn ihme iffaller Gewalt im Himmel und auff Erden 
gegeben worden: (Ma:th.28.) Unter welcher Gewalt auch das 
Ambt der Natur im Geſetze iſt: denn GOtt IM Geifte Chriſti 
ift felber der/ welcher das Gefege und das Ambt der Natur recht 
zu thun / ſambt ver Figur vom Reiche Ehrifti mit dem Glau⸗ 
bens-Ente, dem Abraham und Moyft gab / und ift auch felber 
der / welcher den Glauben und das Geſetz erfüllete, 

30. Alfo würdet der Jude in feinem Glauben in PA 

mbt⸗ 


— 


Hank" 


Eee 


430 Wie Abraham habe Gap. sr! 
Anbtenann/ als im Geſetze / damit Chriftusin der Natur res 
gieret / und hat Chriſtum in Binde und in Glausens-Enteitt 
Ehrifti Figur / welche Chriſtus erfüllet hat angezogen. 

3x2. Und der Chriſt / ſo Chriſtum im Fleiſche befennet/ wuͤrc⸗ 
ket in feinem Glauben / im Fleiſche Chriſti und hat das Ges 
ſetze der Natur / als Gottes Ambtmann / recht zu thun in fei⸗ 
nem Glaubens; Denn Chriſtus herrfejet mit dem Geſetze Got: 
tes / welches er erfuͤllet und zum Knecht gemachet hat in ſeinen 
Kindern / und toͤdtet das Geſetz der Suͤnden durch die Erfül- 
lung ſeiner Liebe in ſeinem Blut und Tode / beydes in denen / die 
im rKegimendſeiner Uberwindung leben / als die Chriſten. 

32. Denn der Glaube / fo im Geſetze in der Figur im Bunde 
zu Gott dringet / der dringet in Abrahams Blaubens-Ente, auß 
—3 Chriſtus gebohren ward / zu Gott: Und der aber in der 

rfuͤllung gu Bott dringet / der dringet in der Menſchheit 
Ehriſti als in ſeinen gantzen Proceß ſeines Leydens / Todes und 
Auffferſtehung zu Gott. 

33. Ein Chriſt iſt Chriſtus in der innern Menſchheit / und 
ein Jude iſt Chriſtus in der Figur und im Ambtmaunn feines 
Geſetzes / als nach der Natur. Nun aber iſt doch Adam in ſeiner 
Natur / und Chriſtus in der goͤttlichen Natur eine Perſon wor⸗ 
nur eineiniger Baum: Wer iſt nun allhier der da richtet? 

» &. Paulus ſpricht: Es iſt Fein Anſehen der Perſon vor 
ſont, welche ohne Geſetz geſuͤndiget haben / die werden auch 
ohne Geſetz verlohren werden / und welche am Geſetz geſuͤndiget 
haben / die werden durchs Geſetz verurtheilet werden: Sinte⸗ 
mahl vor Gott nicht die das Geſetz hoͤren / gerecht ſind / ſondern die 
das Geſetze thun / werden gerecht ſeyn: Denn ſo ſind die Heyden / 
die das Geſetze nicht haben / und doch von Natur thun des 
Geſetzes Werde / dieſelben / weil fie das Geſetze nicht ha— 
ben/ und doch von Natur thun des Gefeges Werde / find fie 
ihnen felber ein Geſetze / darmit dag fie beweiſen / des Geſetzes 
Wercke fey gefihrieben in ihre Hergen / fintemahlipr Gewiſſen 
fie überzeuget / darzu auch Die Gedancken / die ſich untereinander 
verklagen oder entfchuldigen: und heiffet alfo: 

35. So die Heyden Ehriftum ergreifen / fo ergreifen ſte das 
Geſetze der Natur recht zu thun / denn Chriftusift des Geſetzes 
Anfang und Erfüllung: Die Juden aber haben das Geſetze: 
Welcher num übertritt und fündiget/ als der Jude im Gefeke 
der Natur oder der Heyde / fo ſich zu Ehrifto befennet/ am 


Geſetz der Erfüllung / ver fol ein jeder in feinem Gefegege- 


ſtraffet 


Cap. sr, einander Weib genommen / ec. 48x 


ftraffet werden / als der Jude im Geſetz Gottes des Batters 
in Chriſto / und der Chriſt im Geſetz des Erangelii/ als im 
Gefeg der Erfüllung. den 

36. Undift allyie Fein Anfehen des Namens / dag einer ſa⸗ 
get/ich bin ein Jude; der ander / ich bin ein Chriſt: Der Na⸗ 
ine machet Eeinen Unterfigeidin der Kindſchafft GOttes / ſon⸗ 
dermder Geiſt im Hergen recht zuthun / Gott zu gehorſamen: 
Sir kommen allein der Gnade unter dem Gehorſam Chriſti zu 
Gott / der Inde und Chriſt. 

37. Denn auſſer Chrifte ift weder Geſetz noch Evangelium / 

Chriſtus iſt die Gerechtigkeit die im Geſetze vor GOtt gilt/ auch 
ſo hat der Menſch auſſer Chriſto keinen Gott: Er lauffe nun 
gleich im Geſetze oder Evangelio / ſo er in der Begierde GOtt 
zu gehorfamen lauffet / fo lauffet er im Geſetz der Erfüllung ; 
denn Chriſtus iſt der einige Gehorſam der vor GOtt gilt / bey⸗ 
des im Geſetze und Evangelio. Alle Menſchen ſo ſich in Gehor⸗ 
ſam GOttes ergeben / Die werden in Chriſti Gehorſam / als in 
der Erfüllung des Gchorfams auch angenommen / der Jude / 
und auch der Chrift/ fo wohl auch der Heyde / fo weder das 
Geſetz noch Evangelium het. 
. 38. Denn ſo der Heyde begehret dem einigen GOtt zu gehor⸗ 
ſamen / und erkennet ihn aber nicht nach ſeinem Weſen ſeiner 
Offenbahrung / dringet aber in Gehorſam GOttes / ſo iſt er 
ihme ſelber ein Geſetze / und bezeuget im Wercke / daß GOTT 
ſein Geſetze in ihn geſchrieben hat / welches er in ſeinem Sohn 
erfuͤllet hat wie Paulus ſaget: Denn der das Geſetz und 
Evangelium weiß / der weiß cs als eine Gabe des Gebers / der 
ihm das Wiſſen gegeben hat: der esaber nichemweig/ und doch 
Die Krafft des Gefeges und Evangelii begehret/ indeme weiß 
BDit in Ehrifto was er wil. 

39. Denn 28 liget die Genade nicht allein im Wiſſen/ dag 
einer die Gnade in Chriſto weiß / ſondern im Eindringen indie 
Genade/ und an GOttes Erbarmen liegt es: Einer dringet im 
Geſetze in das Erbarmen / der ander im Evangelio / der dritts 
ohne Geſetz und ohne Erkaͤntnuͤß des Epangelii: welcher der 
feines hat / hanget aber ander Genaden Gottes / die wird ihm 
im Berdienft Chriſti gefchendet / ohne alle fein Wiffen. 

49. Gleichwie der Aſt am Bauıme nicht weiß / woher ihm der 
Stamm den Safft und Krafft einführet / erfähnet ſich allein 
nach der Kraft der Wurtzel / und zeuchtden Safft mitfeiner. 
Begierde in ſich: Alſo — ſaͤhnet ſich mancher un⸗ 

Hass wiſſen⸗ 


482 | Wie Abraham habe Cap. st 


wiſſender Menſch nach feiner ewigen Mutter / darauf er mil 
Adam entſtanden iſt / und komt in feiner Unwiſſenheit wieder 
in das Genaden⸗geſchencke / das GOtt Adam in ſeinem Falle 
ſchenckete; denn der Bund und die Gnade erbet von Adam auff 
alle / wie auch die Suͤnde von Einem auff alle erbete; Welcher 
des einigen GOttes Gnade begehret / der erlanget fie in Chri⸗ 
flo / der iſt die Gnade ſelber. 

41. Die Juden wollen die aͤuſſere Menſchheit Chriſti nicht 
glauben undverläugnen fie. Die Chriſten aber glauben fie/ und 
beflecken diefelbe mit gottlofem Wandel; und ift alfo vor Bott 
einer wie der ander / aufgenommen die Kinder des Glaubens 
amterden Juden und Ehriften / welcher befleckter Roc im Blu⸗ 
te Ehriftigewafchen wird. 

42. Nicht beftättigen wir hiermit der Juden und Heyden 
Unglauben/ daß fie follen inder Blindheit bleiben / denn die 
Zeit ihrer Heimſuchung ift gebohren / daß fie fehend 
werden; fondern wir decken hiermit auff ven falſchen 
Untichrift bey den Juden und Chriften / in deme ſich ein 
jeder ſeines Namens ruͤhmet und den andern verdammet / der 
Jude im Geſetz / und der Chriſt im Evangelio / und der Heyde 
in ſeinem Aberglauben. 

43. Ein jeder wil in ſeiner Wiſſenſchafft GOttes Kind ſeyn/ 
und der Ungehorſam und Unglaube iſt Doch bey einem Volcke fo 
groß /als beym andern / und feynd inder Biffenfchafft nur eine 
Figur vor GOtt / und wird Feiner durch Das Wiſſen allein feclig : 
Denn dagich für wahr halte / dag Chriſtus gebohren / und für 
mich geftorben / und vom Tode aufferftandenfey/ machet nich 
richt zum Kinde GOttes: Der Teuffel weiß das auch / es nuͤtzet 
aber ihme nicht / ich muß Chriſtum in der Glaubens-Begierde 
anziehen / und in ſeinen Gehorſam / in ſeine Menſchwerdung / 
Leyden und Tod eingehen / und in ihme auffſtehen / und den Ge⸗ 
horſam Chriſtianziehen / alsdeñ bin ich ein Chriſt / und ehe nicht. 

44. Das richten und verdammen ohne GOttes Befehl iſt nur 
der Antichriſt bey den Juden und bey den Chriſten: Ohne Got—⸗ 
tes Erbarmen komt Niemand zur Kindfchafft/ wirmüffenalle | 
durch das Erbarmen GOttes eingehen / der Jude und Chriſt | 
der Wiſſer und nicht Wiſſer; Unfer Wiffen follinder Siehe | 
Chriſi völlig werden / daß wir einander fieben/ fonftiftdas | 
Wiſſen Fein Nuge/ ſoich nicht mein Wiſſen mitder Begierde | 
in die Siebe Gottes / damit er uns in Chriſto gelieher — m 

uhre | 








ze 


Cap. yr. ein ander Weib genommen / 2. 483 


führe / und liebe meinen Naͤchſten in der Liebe Gottes in Ehri- 
flo mir der Liebe / damit uns GOtt in gemein licher und geliebet 
hat / da wir ſeine Feinde waren / ſo habe ich noch nicht Gottes 
Liebe in mir wohnen. 

45. Wie wil aber der lieben / welcher ſeinen Bruder um der 
Wiſſenſchafft willen verachtet / fo uns doch Gottliebete / da wir 
nichts von feiner Liebe wuften ? hat ein Menſch nicht dieſelbe 
Siebe Gottes in ſich damit uns Goftligbete/ da wir ihn nicht 
kannten / was rühmet er fich denn lange der Kindſchafft Gottes ? 
iſt er Gottes Kind / fo hater auch Die freye Liche Gottes / Damit 
Gott alle Ding lirbet; hat er die nicht / foift er der Kindſchafft 
noch nicht fähig: So nun einer feinen Bruder verachtet und 
verdammet / der noch nicht die Wiſſenſchafft hat / wie mag er fich 
denn der Siche Gottes rühmen/ Damit Gott feine Feinde in 
Ehrifto liebete damit Chriftus für feine Feinde bath. 

46. D du falſche Falte Liebe der Zitel-Ehriftenheit I wie 
ſchildt dich die ewige Wahrheit in dein Gewiffen/ in deme du nur 
am MWiffen hangeft / und zanckeſt um die Wiſſenſchafft / und 
haft der Siebe nicht / richteſt dich in deinem Richten nur felber 7 _ 
da je ein Hauffe den andern richtet / amd feynd vor Goft anders . 
nichts / als dienatürlichen Kinder Abrahams vonder Kethura / 
Da je einer Dem andern Schuld gab/ dag fieder Batter hätte 
vom Erbeauggeftoffen / und mochten nicht fehen wasdie Schuld - 
war/ als nehmlich der böfen verderbten Natur welche wicht eis 
Erbe war. 5 

47. Alſo auch imgleichenift euer Richten fein Erbe der Güter 
Chriſti / es wird vor der Erbfchafft ganz aufigeftoffen / beydes 
der Juden und auch der Chriſten / ſo wohl auch der Tuͤrcken / alle 
euer Sagen iſt anders nichts als der Spötter Ifinael/ der 
Chriſtum in feinen Gliedern fpottet: Ihr mißbrauchet alle den 
Namen GOttes mit eurem Richten / und verdammet die man⸗ 
cherley Gabe des Geiſtes Gottes unter euch / und richtet nur in 
der Selbheit / und nicht nach der Liebe Eprifti. 

48. Euer Richten ift nur der Welt Schade] damitihrdie 
Unwiſſenden irre machet und zur Säfterung führet: Das Ber» 
dammen Ichret ihr fie/ unddas wahre Wiffen im Geifte Got» 
tes habet ihr felber nichts ihr Ichret euch felber nicht ; und wol⸗ 
let doch andere Ichren und richten / und ſeyd indem Sauffe alle» 
ſambt nur die außgeſtoſſene Kinder Kethurz / zancket und beiſſet 
euch umb Abrahams / als Chriſti Guͤter / uͤnd habet ſie doch 
nicht Haͤttet ihr dieſelben / ſo haͤttet ihr der Liebe Chriſti / wel⸗ 
che die wahre Guͤter ſeynd. — 49. Kein 


— 


484 Wie Abr. ein ander Weib genomen. C.57. 


49. Kein Wiſſen ohne die Siebe Chriſti iſt ichts nutze zur 
Kindſchafft / es ift nur Babel und Fabel Ichren und felber 
nichts thun / als nur den Abgott Maozin in lich felber ehren s 
der hohen Schulen Wiſſen / und des Zeuffels Wiffen auffer dene 
Geifte Chrifti in der Liebe / bringen beyde nur Streit und 
Derderbimg. 

so. Hätte der Teuffelnicht inder Selbheit gewuſt / fo wäre 
er ein Engel / und hatte Adam nicht das Selbwiflen auffer Got= 
tes Liebe begehret/ fo wire erim Paradeiß blieben: Wuͤſten 
Die hohe Schulen nicht das ſcharffe difpuriren / fa blieben fie in 

- der Einfalt Chrifti / und hatten nicht die gange Welt mitihrem 
Zancken in Meynungengeführet/ dadurch manift gan vonder 
Erkaͤntnuͤß GOttes in Meynungen und in richten eingegangen/ 
daß jeßo nichts als verdammen in der Chriſtenheit / und alle Lie⸗ 
be und Wahrheit verlefhen ift/ da man die Seeligkeit hat in die 
Meynungen gefaffer / und den Meifter anden Knecht gebunden: 
das alfo der Antichrift uber Chriſtum herrfehet/ darunterer 
doch nichts / als nur feinen $ucifer und GOtt Maozim des 
Baͤuchs ehret und meynet /wie vor Augen ift. . 

51. Nachdeme nun Abraham hatte der Kebsweiber Kinder 
alle auf feinen Gütern mit Geſchencken von fich gelaffen / gegen 
den Morgen / wie Mopfes faget/ fie wären gegen Auffgang 
ins Morgenland gezogen / das iſt / ins Regiment der Natur / 
da fich das Weſen anfaͤhet; foift Abraham geſtorben in einem 
ruhigen Alter / da er alt und Lebens ſatt war / und iſt auch in 
die zwenfache Höhle / gegen Mamre über begraben worden zu 
feiner Sara. 


Die innere Figur ftehet alſo: 

s2. Abrahams natürliche Kinder von den Kebsweibern zogen 
gegen Morgen: Dadeutetder Geiſt auffdie Figur des ganzen 
Menſchen: wenn ſich Chriftus im Menschen offenbahret hat 
und feine Güter befeffen/wie allyierIfaac salsden gehet die Na⸗ 
tur wieder inden Anfang /als indes Vatters Eigenfchafft/ und 
wuͤrcket nach der Seelen im erſten und dritten Principio, und 
Chriſtus fisetin mitten/ alsimandern Principio, und beherr⸗ 


fehet dasjenige / was die Natur indes Vatters Eigenſchafft in 


göttlicher Weisheit formet und bildet. 


53. Darum faget allhie Moyſes / fie wären gegen Mörgen | 
gezogen) unddeutetheimlich in feiner Figur auff des Menfher | 
Sigenſchafft wis Die Natur den Morgen / als den Anfang des | 


Regi⸗ 








Cup. z2. Die Hiſtoria von Iſaac/ꝛc. 485 


Regiments beſitzet / wie denn auch Chriſtus ſagte / er wäre wie 
ein Weingaͤrtner der da nachleſe. Im Reiche Gottes iſt die Na⸗ 
tur Chriſti Knecht / aber im Reiche der Natur Selbheit hat ſich 
Chriſtus mit ſeiner Demuth zum Knechte und Gehuͤlffen einge⸗ 
geben / und dienet dem Batter in feiner natürlichen Offenbah— 
rung / und lieſet immerdar hinten nach / was der Vatter durch 
die Natur formet / das führet die Weißheit in ihren Schab. 
- 54. Darum ſaget S. Paulus / daß der Geift Gottes / auch 
. den Kindern Gottes ımterthan ſey / und mit ihnen indie For— 
fhung big in die Tiffe der Gottheit eingche; und wenn es fo 
weit kemmet / fo iſt der Menfch in einem ruhigen Alter / wenn 
alles in ihme in feiner Ordnung ift /als die Naturim Mor⸗ 
gen in des Datters Eigenfihafft / und Chriftus im Abend / 
in der Demuht / fo hat der Menfc des Auffern böfen ſuͤndlichen 
Lebens garfatt: Erfähnet fidy imme rdar mit feinem Weſen in 
die zweyfache Höhle einzugehen / alsin die ewige Mutter / wie 
voben geineldet worden, & 
55. Und wenn er feine Sebens-geftälte hat indie göttliche Ord⸗ 
nung gebracht / wie allhie Abraham hatte alles in eine Ordnung 
gebracht / alsdenn ergiebet er ich gantz und gar in einem Weſen 
in die ewige Gebährerin / und mit feinen eigenen Willen in 
Tod und DAS Sterben / und iſt des Lebens der Selbheit gung 
uüberdruͤſſig und muͤde / und ruhet alſo in feinem Gotte. 


Das 5 2. Capittel. 


Die Hiſtoria von Iſaae / auch wie Eſau und Jacob 
gebohren worden / und was ſich mit ihnen habe 
zugetragen / was darbey zuverſtehen ſey. 


Geneſ. 25. 


I. Dyfes fpricht : Nach dem Tode Abrahams 
ſeegnete GOtt feinen Sohn Iſaac / und er 
wohnete bey dem Brunnen des Lebendigen 
und Sehenden. Die Vernunfft verſtehet dieſes 
aͤuſſerlich von einem Orte da Iſaac gewohnet ha⸗ 

be / aber der Geiſt ſtehet auff die Figur des Lebens Geſtaͤltnuͤß / 

wie die menſchliche Natur und Creatur habe bey dem Quellbruñ 
des Göttlihen Entis , im Bunde / welchen Abraham im Glau⸗ 

ben empfieng/ gewohnet / als J Seele Iſaacs wohnete * 

3 es 


456 Die Hiftoria von Iſaac/ Cap. 52. 


dem Quellbrunn der Heil. Dreyfaltigkeit / in welchem die Sees 
le ihr Liecht empfleng/ und den Willen Gottes fahe und erkann⸗ 
te; auf welchen Quellbrunn ſich Die höchfte Liebe der Gottheit 
Ser Seelen offenbahrete / auß welchem Quellbrunnen fich her> 
nach in Erfüllung der Zeit der heilige Name Ihefusauß Icho> 
va offenbahrete / undder Seelen zur Braut vermählete. 

2. Bey diefem Brunnen des Lebendigen und Sehenden woh> 
nete die Seele Iſaacs / biß fich derfelbe Brunnauellbernach in 


der Menfchheit Chriſti in der Seelen außgoß und erörfnete / (0 . 


wohnete hernach die Seele im Quellbrunn / als fte in Chriſti 
Derfon zur Rechten GOttes erhoͤhet ward; So floffe der Queil⸗ 
brunn Gottes durch die Seele auß / allda ſie goͤttliche Macht 
empfieng /alsein Fuͤrſte Gottes oder als ein gebildeter GOTT/ 
oder ein geformbtes Wort der Stimme GOttes / durch welche 
Stimme GOTT lautbar und offenbahr ward. 

3. Alfo auch unfere Seele / wenn fie den indifchen Willen 
der angenommenen Selbheit verlaͤſſet / und den Ens Chriſti im 
Bunde ergreiffet/ und ich zu GOtt wendet/ fo wohnet fte auch 
bey dem Brunn des Lebendigen und Schenden / das iſt / bey 
Gottes Auge / welches er mit Chriſto hat wieder in der Menſch⸗ 
heit geoffenbahret : Nicht wohnet unfere Seele diefe Zeit der irr⸗ 


diſchen Huͤtten im Quellbrunn Gottes / dag fteden QAuellin der: 


Selbheit ergriffe /fondern gleichwie die Sonne das Glaß durch 
ſcheinet / und das Glaß doch nicht zur Sonne wird/ fondernes 
wohnet bey per Sonnen Glaft und Krafft/ und kaffee die Sonne 
Durch ſich fiheinen und würden ; alfo auch die Seele indie> 
fer Seit. 

4. Aber dig iſts / gleichtwie die Sonne ihre Tindur in den 
metalifchen Ens gibet / und der metalifche Ens gibet feine Bes 
gierde in der Sonnen Tindur, daß alfo auf diefen beyden das 
ſchoͤne Golderbohren wird : Alfo mit der Seelen und den Quell⸗ 
brunn GOttes zuverfichenift: Die Gottheit wohnet durch die 
Seele / aber die Seele begreiffet ſte nicht nach der Ereatürlichen 
Gewalt / fondern das Auge oder Liecht Gottes mitder heiligen 
Liebes⸗Tinctur vom Liechts-glaſt / giebet fich indie Begierde der 

Seelen ein. 

5. Denn die Begierde der Seelen iſt das Fiat, welches die 
Krafft der heiligen Kebe⸗Tinctur in ſich faſſet und zu einem We⸗ 
fen machet / daß alſo auß der Goͤttlichen Tindur auf der Begier⸗ 
de des Liebequelles / auß dem Brunnen des Lebendigen und 
Sehenden / und anf der Seelen Glaubens-begierde ein We⸗ 
gen wird. 6, Vet⸗ 








* 


C 52. auch wie Eſau un Jacob gebohren/rc. 487 


6. Verſtehet ein geiſtlich Wefen/ und daſſelbe geiſtliche 
Weſen iſt der innere neue Menſch / als ein neues Haus oder 
Wohnung der Seele / in dem ſie wohnet nach der innern himm⸗ 
liſchen Welt; deſſen Weſens Name heiſſet Sophia / als die 
Braut Chriſti / Chriſti Menſchheit / in welcher der edle Ja⸗ 
cobs⸗ſtern des theuren Namens Iheſu / cin ſcheinend Liecht iſt / 
davon die Seele GOTT ſiehet und erkennet. 

7. Nicht wird die Seele in die Gottheit / als in den Brun⸗ 
nen des Lebendigen und Sehenden tranſmutiret / denn ſie iſt der 
ewigen und zeitlichen Natur: Die Gottheit aber iſt nicht der 
Natur / ſondern der Wille zur Natur / und offenbahret ſich 
durch die ſeeliſche Natur / gleichwie ſich das Feuer durchs Eiſen 
offenbahret / da man alsdenn das Eiſen anſichet als eitel Feuer / 
und da es doch ſeine Natur behaͤlt / und das Feuer auch die ſeine / 
und wohnet nur eines im andern / und iſt eines des andern Offen⸗ 
bahrung. Das Eiſen hat feine Gewalt über das Feuer / allein 
das Feuer giebet fich dem Eifen / und das Eifen giebet dem Feuer 
feinen Ens, und werden alfo die zwey in eines verwandelt / und 
bfeiben doch zwey Weſen: Alfo auch mit der Seelen und der 
Gottheit zu verftehen iſt. 

8. Und wie die feurifhe Eigenfchafft ein anders iſt als das 
Eifen/ und gar eine andere Quaal hat: Alfo auch ifl die neue 
geiftlihe Menſchheit im Ente Ehriftiim Goͤttlichen Liebe-Feuer 
viel ein ander Weſen als der irrdiſche Leib / wiewohl im Feuer 
die Seele verſtanden wird / und im Liechts-glantz der Leib So⸗ 
phiæ / denn die Krafft des Liechts iſt die Tinctur oder der Anfang 
zum neuen geiſtlichen Leibe / welche a. der Seelen Glau⸗ 
bens=begierde fahet / und in ein Weſen faͤſſet oder führer / das 
iſt / zum Weſen machet / aus der Begierde ein Weſen oder geiſt⸗ 
lich Corpus, welches geiftliche Weſen der Tempel Gottes ijt } 
davon die Schrift faget. 

9. Aberunfer Babylon nichts Davon verftchet / fondern dar⸗ 


an blind iſt / denn fie wil nicht weiffen wie Chriftus in uns im 


Glauben gebohren werde / und wie der Glaube zum Weſen 
Eomme/ fondern wil nur fehlechts den halb Schlangen-Mena 
ſchen zu einem angenommenen Gnaden⸗kinde machen / und in 
Zempel Gottes fegen: Aber es gilt.nicht / dag fich der Teuffel 
zur Rechten Gottes fege in den Brunnen des Lebendigen und 
Sehenden / er iſt einmahldavon außgeftoffen/er wird dehn nicht 
mehr befigen; ein Ihierift nicht Sophia: Die Schrift faget s 
Ihr muͤſſet umkehren] und als Kinder werden/ und neu gebohren 


werden / anderſt foltibr@ottnichtfehaun 4 10. Dit 


IE: 
Sen 


433 Die Hiſtoria von Jane! Cap.gz. 


10. Die Seele mag nicht EDtt fehen / als nur in ihrer neit= 
gebohrnen Bildnuͤß / nur durch und in Jungfrau Sophien / im 
Jacobs-Sterne / als im Namen Iheſu ſiehet ſte in Jehova im 
Brunn des Lebens GOttes: Nicht iſt ſie derſelbe Brunn / ſie 
giebet nur das Feuer zur Offenbahrung dieſes Brunnens: Der 
Brunn aber wird im Liechte verſtanden / als in der Sanfftmuht 
des Liechtes. 

xı. So möchte der Seelen magiſch Feuerquel auch nicht an⸗ 
gezuͤndet werden / daß in der Seelen-Feuer ein Schein eines 
Liechtes entſtunde / ſo ſich nicht die goͤttliche — Begierde als 
Der Liebe⸗Ens ins Seelen⸗Feuer eingaͤbe: Der Ens Chriſti aus 
göttlicher Siebe giebet fich inder Seelen Feuer-quell ein / den iſſet 
das feclifche Feuer in feine feuriſche Effeng / und darvon erſtirbet 
Das Leben der Grimmigkeit/ und wird das ſchoͤne Liecht daraus 
gebohren : Denn allda ſtehet Chriffus aus dem verzehrenden 
Feuer des Butters Eigenfchafft wach feinem Zorn / vom Tote aus 
dem Feuer eines andern Lebens auff. Allhie wird das magifche 
Seelen⸗Feuer der edlen Sophix Bräutigam; und wird allhie 
Mann und Weib / als vie beyde Tindturen/ vom Feuer umd 
Liechte eine Perfon / als ein Engel GOttes. 

2, Alhier verleure t Lucifer feinen Stuhl / und die Schlange 
ihr Gerecke / und ſetzet ſich Chriſtus zur Rechten GOttes im 
Menſchen / und wohnet der ven iſch recht bey tem Brummen des 
Lebendigen ind Sehenden : Und Das iſts was der Geiſt Moyſis 
bey dieſer Figur mit Iſaacs Wohnung Darftellet / ob wir ich 
wolten einmahl feyenvde werden/ und die Hülfe verlaffen / und 
uns erkennen was wir ſeynd / nicht nach dem irrdiſchen Thiere / 
fondern nad) dem innern geiftlichen hinlifchen Menfchen. 

13. Nicht das Theil der thierifchen Seel erreichet das edle 
Bild in diefer Zeit zum Eigenthum / nicht die fterbliche Seele / 
weder vom Geftirne noch von den vier Elementen; allein die ins 
nere Seele aus dem ewigen ABort GOttes / aus der ewigen Nas 
tur / aus dem geformten Worte / aus GOttes Weſen / nach 


Gottes Liebe und Zorn / als aus dem Centro der ewigen Natur / 


welche ihren Urftand aus der Göttlichen Begierde durchs ewige 
Verbum kiat hat / dadurch Die Göttliche Luſt die Weißheit in eine 
Subftang zur Befihauligfeit der Gottheit former und bildet / dieſe 
wird init Sophia vermählet. 

14. Die auffere Seele iſt diefe Zeit mit dem Geftirne und dert 
vier Elementen vermählet / die Wunder GOttes der geformiten 
Weißheit in Figuren / beydes in Worten und ersten zu fora 

men: 


— —  — — 





— 


— —— 





. * Yale ‘ ” * 
E52. auch wie Eſau uñ Jacob gebohreni?c.489 - 
men: Dieſe Auffere Seele erlanget nur manchmahleinen An⸗ 
blick von Sophien / denn ſie hat den Tod und Sterbligkeit in ſich / 
ſoll aber nad) dieſer Zeit wieder in das erſte Bilde das GOtt in 
Adam ſchuff / verwandelt werden / und den Schlangen-Ens der 
Erden laſſen / welcher am Ende der Tage follim Feuer GLttes 
auff den Teft gefeget werden / da der Schlangen eingeführete 
Begierde foll davon wegrauchen; alsdenn fo ſtehet das gantze 
Bilde Go—ttes aus allendrey Principiis in einem Weſen / und 
erfüllet alsdenn GOtt alles in allem. Diefes ift bey diefer Figur 
zu verſtehen. 

15. Zum andern fd befchreibet der Geift Moyſis die Kinder 
Afınaels / wieer habe zwölf Söhne gezeuget/ aus welchen zwoͤlff 
Sürften in ihren Geſchlechten entſtanden find / und ſetzet zur 
letzte/ cr ſey wor allen feinen Brüdern gefallen; daverftchet er 
vor Iſaacs Gefihlechte/ und da cr doch in weltlicher Herrſchafft 
für innen groß wuchs / und mächtige Leute wurden) und Iſaac mit 
feinen Kindern und Nachkommen nurals Pıilgerleute waren / 
"und von einem Ort zum andern reyſeten / biß fie endlich nach der 
Egyptiſchen Dienftbarkeit erlöfet worden / und das verheiffene 
Land befiffen. 

Die innere Figur ſtehet alfo : 

16. Iſmael in feinen zwölf Fürften / iſt das Reich der ver⸗ 
derbten Natur menfhlicher Eigenſchafft andeutend / welches 
eich zweyfach iſt / als fechs Zahlen aus der innern Lebens⸗Fi⸗ 
gur und fechs Zahlen aus der irrdiſchen äuffern Sehens» Figur/ 

9 alsder äuffere fichtbare greiffiiche Menſch / und der inneregeifte 
liche Seelen⸗-Menſch. Dieſe beyde haben zwölf Zahlen m der 
Figur) daraus zwoͤlff Fuͤr ſten entſtanden ſeynd nach der innern 
und aͤuſſern Natur Eigenſchafft: Dieſe ſtellet der Geit Moyſis 
indie Figur und ſaget / fie ſeynd vor allen ihren Brüpern gefal⸗ 
Ion: Anzudeuten / daß die zwoͤlff Regimente der innern und aͤuſſern 
Natur menſchlicher Eigenſchafft in Ihrer Verderbung vor den 
zwoͤlff neuerbohrnen Regimenten aus den Glaubens-Entein 
ihrer verderbten Selbheit gefallen / denn der Teufel hatte ſein 
Regiment und Gewalt in dieſelben Eigenſchafften gefeget: 
77. Als aber der verheiſſene Glaubens-⸗Saame in Abraham 
empfangen ward / ſo druͤckete er des Teufels Gewalt im Regi⸗ 
uient der menſchlichen Selbheit zu bodem / fo geſchahe der geiſtli⸗ 
che Fall in Iſmaels Linie / darinnen ſich der Teufel als ein hoffaͤr⸗ 
tiger Fuͤrſt hatte ins Ober-Regiment geſetzet / denn Chriſtus 
toͤdtet den Hoffarth der Schlangen im Menſchen. | 
85 18. So 


4 


490° Die Hifteriavon Iſaat / Cap. 52. 


18. So ſaget nun Moyſes: Iſmael wäre vor allen feinen 
Bruͤdern gefallen / das war anders nichts als cin geiſtlicher Fall 
der menſchlichen Eigenheitvor GOtt / denn leiblich wurd n grofz 
fe berühmte Leute aus ihnen / wie denn ihr Fuürſtlich Regiment 
bezeuget / da Iſaacs Geſchlechte dargegen cine lange Zeitnur 


Frembdlinge unter den Voͤlckern waren: Anzudeuten / daß Chriſti 


reich und Regiment nicht in dieſer Welt Natur ſey / und doch 
dieſer Welt Reiche vor Chriſto fallen / und Chriſto unterthan 
ſeyn ſolten. 

19. Hernach beſchreibet der Geiſt Moyſis Iſaacs Kinder von 
Rebecca / und ſaget / ſte ſey unfruchtbahr geweſen / und Iſaac has 
be ven Herrn gebeten für fein Weib / und Gott habe ſich laſſen 
erbitten / fo fey Rebecca ſchwanger worden zweper Söhne / wel⸗ 
he fi in Mutter Leibe haben miteinander geftoffen. Allhier 
wird num die Figur des Reichs der Natur und des Reichs Chrifti 
in der neuen Gebuhrt Elar fürgefiellet / wie Nebecen fey zweyer 
Söhne ſchwanger worden / als Eſau und Jacobs / als auß zwey 
Linien bedeutend; Efau auß Abrahams eigener Adamiſchen ver⸗ 
derbten Natur / und Jacob im Glaubens-Enie, in welchem ſich 
Abrahams Glaubens⸗Ens in feine Adamiſche Ratur mit einge 
leibet / in welchen der Bund und die Linie Chrifti ſtund / wel⸗ 
cher ſolte der Schlangen in der Adamiſchen Natur den Kopff 

ertretten. 
20. Und wird allhier fuͤrgemahlet wie die zwey Reiche in den 
zwey Bruͤdern / als des Teuffels Reich in der verderbten Natur 
Eſau inAdams eigen Natur des eingeführten Schlangen⸗Entis, 
und dan das Reich Chriſti in Jacob im Glaubens⸗Ente, haben in 
Mutter Leibe in den zweyen Kindern miteinander geſtritten / da 
denn das Reich der Natur in Eſau vor dem Reiche Chriſti in 
Jacob angefangen zu fallen / denn allhie tratt ſchon des Weibes 
Saame dem Schlangen-Enii in Eſau auff den Kopff ſeiner 
Maͤcht / und die Schlange ſtach ſchon des Weibes Saamen / als 
das Glaubens-Ens in Jacob in die Ferſen / darum fliehen fie 
ſich miteinander in Mutter Leibe. 

21. Auch haben wir allhier eine gewaltige Figur an Rebecca/ 
daß ſie ſey verſchloſſen geweſen / und habe nicht moͤgen eroͤffnet 
werden / daß ſie waͤre von Iſaacs Saamen ſchwanger worden / 
biß daß Iſaac habe den Herrn gebeten / dag er das Schloß im 
Bunde in Rebecca eroͤffnete / da ſich der Herr hat laſſen im Bun⸗ 
De in dem Schloſſe Rebecca erbitten/dag er die Tindusim Weir 
bes⸗ Saamen zu die ſer Schwaͤngerung eroͤffnete. = 

ie 


EEG 


u sr 


— 


C.5 2. auch wie Eſau uũ Jacob gebohrenꝛc. 49 ꝛ 


Die innere Figur ſtehet alſo: 

22. In Iſaac war der Gluubens:Saamevon feinem Vat⸗ 
ter Abraham geerbet / Rebecca aber hatte nicht dieſen Ens, wohl 
ſtund fie im Bunde/ aberder Glaubens-Ens war in ihr nicht 
im Wefen /fondern nur im Bunde /und darum war ihre Matrix 
verfihloffen / und des Glaubens-Entis nicht fähig : Alfolang 
biß Iſaac feine Glaubens Begierde in den Herrn verteuffte / 
verftchet in das Centrum der Natur in Rebecca / daß fich der 
Geiftdes Herren im Bunde in Rebecca bewegefe/und den Bun= 
de ſambt ihrer Adamiſchen Natur bewegte/ fo ward das Schloß 
in ihrer Matrice, beydes im verfchloffenen Ente im Bunde / 
und denn auch die Adamifche Matrix eröffnet : Daher fie zweyer 
Söhne / zweyer Reiche Eigenfchafft ſchwanger ward. 

23. Und das heiſſet / der Herz lieh fich erbitten/ da Iſaac feine 
Glaubens: Begierde durch die ewige und zeitlihe Natur in den 
Herreneinführete/ und damit in fein Weib Rebecca eindrang/ 
dag lieder Her? wolte durch fein Gebet und Glaubens-begierde 


- eröffnen/ daß fie von ihme ſchanger werde: Welche Glaubens» 


begierde fambt der Adauiſchen Natur-Begierde fich in das 
Schloß der Matricis in Neberca eingegeben / und fte eröffnet / 
davon fie auß einem zweyfachen Saamen Iſaacs ift zweyer Na⸗ 
tur Eigenſchafften ſchwanger worden. 

24. Nichtalfo zuverſtehen: Daß Jacob ſey gantz außm Glau⸗ 
bens⸗Edte empfangen worden / fondern gleichfahls von der Ada⸗ 
mifchen fündlichen Natur: allein das Neich der Gnaden im 
Bunde ſtellete feine Figur im Glaubens-Ente in ihm dar: Ind 
in Eſau ftellete das Reich der Natur / alsdie recht-verderbte A= 
damiſche Natur ihre Figur dar’ nicht als eine Abfonderung und 
Berftoffung / fondernangudeuten / dag Chriſtus folte in der 
Adamiſchen verderbten Natur mie feinem heiligen Göttlichen 
Ente einpfangenumd gebohren werden / und ven Zod und das 
Suͤndenſchloß / ſamt der entſtandenen Begierde der menfchlichen 
Selb⸗und Eigenheit zerbrechen/ ond mit der $iebe- Begierde im 
Göttlichen Ente toͤdten / und dem Teuffel fein darinn gemachtes 
Raubſchloß zerflören /und den Grimm GOttes nach der ewigen 
Natur indem Centro der finſtern feurifhen Welt Eigenſchafft 
in Göttliche Liebe und Freude verwandlen / und die Adamiſche 
Natur mit der heiligen Tin&ur des Liebe-Feuers fingiren. 

25. Darumb ward die verderbte Adamiſche Natur in ihrem 
Bilde in Eſau / neben das Bilde Chrifti in Jacob / im Mutter⸗ 
leibe dargeſtellet / und muſten a eijnem Sommin formis 

7 ren 


492 Die Hiftoria von Iſaac Kapısz, 

ren / anzudeuten / dag fich Chriftus folte in unfere verderdte Ma⸗ 

tur geben / und unfer verderbte recht Adamifche Natur aus der 

A erlöfen / und in ſich in feine heilige Natur ein» 
uhren. 

26. Auch fo ftellete GOtt in Eſau die Figur feines Zorns 
und der Macht des Zeuffels Dar / welcher das Reich der Natur 
hatte im Menſchen befegen / wieer wiirde wider den Glaubens 
Ens und das Reich Ver Gnaden/ welches ihme folte feinen Gewalt 
nehmen / flreiten / amd groſſe Feindſchafft darwiser führen. 

27. Die Vernunfft ſpricht: Warumb verhinget das GHTT/ 
daß der Zeuffelwider fein Gnadenreich ftreiten folte ? Höre du 
nichts⸗wiſſende blinde Vernunfft / lerne das A. B. C. im Cen- 
tro, wie GOttes Liebe und das Reich der Gnaden und Barııts 


hertzigkeit / ohne Streit und Widerwillen nicht offenbahr wür= 


dennoch werden Fönte/ fohaftu mehr keine Frage allpier / gehe 
forne ins Centrum diefes Vuches / fo findefluden Grunde. 

28. Und als der Streit zwiſchen den zweyen Reichen in dies 
fen beyden Kindern in Mutter-Leibe angieng / das fie fich mit 
Füffen ſtieſſen: So ward Rebecca unwillig darüber und ſprach: 
Damirs alfofolte gehen / warumb bin ich fchwanger worden ? 
und fte gieng hin den HErrn zu fragen; und der Her fprach 
zu ihr: Zwey Bolt findin deinem $eibe / und zweyerley Leu⸗ 
the werden fich ſcheiden aus deinem Leibe / undein Volck wird 
Dem andern überlegen feyn / und der gröffere wird dem klei— 
nern dienen, 

29. Diefe zwey Volck fo aus einem Saamen in Rebecca 
empiangen wurden/feind an einem Theil der Menfch der Adami— 
fchen eigenen Natur in der Selbheit / als der Urſtand des 

enſchen; und zum andern der neugebohrne geiftliche Menſch 
aus dem Reiche der Gnaden im Bunde: Dieſe kamen aus ei⸗ 
zem Saamen / einer aus der Adamiſchen Natur allein umd 
der war der gröffere als der erfte Menſch / dehn GOtt in ſei— 
nem Bilde ſchuff / welches verdarb und an GOtt erſtarb; der 
ander kam zwar auch aus derſelben Adamiſchen Natur / aber das 
Reich der Gnaden im Glaubens⸗Ente hat ſich als einen Uberwin⸗ 
der darein gegeben / und dieſer war nach der Adamiſchen Natur 
Der kleinere / aber GOtt war in ihme offenbahr; fo ſolte der groͤſ⸗ 
ſere als der erſte Adamiſche Menſch in Eſaus Geſchlechte dieſem 
kleinern / der nach menſchlicher Eigenſchafft der kleineſte war / 
aber in GOtt der groͤſſeſte dienen und unterthan werden. 

30%. Und oa wir doch nicht fehen das Eſau waͤre Jacob * 

an 








— 
ar 44 


Cꝛ.auch wie Eſau uñ Jatob gebohren /rc. 493 


than worden / ſondern es iſt die geiſtliche Figur / wie das Reich 
der Natur im Menſchen bey den Kindern Gottes ſolte gebrochen 
werden / und dem Reiche der Gnaden / als der goͤttlichen Demuht 
unterthan werden / und ſich gang in die goͤttliche Demuht erſenc⸗ 
ken / und aus der Demuht neu gebohren werden. So ſtellet der 
Geiſt GOttes der Rebecca eine ſolche Antwort dar / daß es 
ein ſtreitend Reich ſeyn werde / da zwar der erſte verderbte 
Menſch / als der groͤſſere in der Natur werde wider den Eleinern / 
als den Geiſt Chriſti in feiner Niedrigkeit und Demuht ſtreiten / 
und ihn verfolgen: Aber der Adamiſche Menſch muͤſſe doch end⸗ 
lich der Demuht Chriſti gehorſahm und unterthan werden / 
wolle er Abrahams Kind und Erbe ſeyn: So aber nicht / ſo 
muͤſſe er fo lange von Abrahams und Chriſti Gütern aufge: 
ſtoſſen ſeyn / biger fih unter Chriſti Demuht ernidrige/ und 
feine Eigerheit der gröffern in Adam angenommenen Selbheit 
und Widerwillen verlaſſe. 
.. 32. Mit der Rebeccæ Unmuht / Ungedult und Widerwillen / 
indehm fle lauffet und den HErrn fraget / warumb der Streit 
in ihr fen / das ſich die Kinder ſtoſſen / wird dieſes angedeutet: 
Wann fih Chriſtus in der Adamiſchen Natur im Menſchen 
offenbahret / fo gehet der Streit diefer zweyer Reiche an) als des 
Zeuffels in SOttes Zorn⸗Reich im Schlangen Ente, umd dar 
des Reichs Christi: So zertritt Chriflus der Schlangen den 
Kopf) fo entſtehet groffe Unruhe im Gemuͤhte / dan die Schlan⸗ 
ge ſticht Chriſtum / als die neue Gebuhrt / in die Ferſen / fo 
gehet das Fuß⸗ ſtoſſen an als eine jaͤmmerliche Zwaͤngung: Go 
ſpricht die Bernunfft dan im Gemuͤhte mit Rebecca: Da mir 
es alſo gehen ſolte / warumb bin ich dan in die goͤttliche Schwaͤn⸗ 
gerung in die Buſſe eingegangen ? Bin ich doch nur in Unru—⸗ 
he dadurch kommen / und bin der Welt / fo wohl meiner Vers 
nunfft Narr dadurch worden / ſo gehet alsdan der Streit und 
des Sathans Fuß-tretten auf im Gemühte/ mit Augſt und 
Schmertzen; fo weiß das Gemühte dan nirgends hin / fondern 
lauffet indie Poeniteng und fraget den HErren / warumb es 
Hmealfogche. 

32. So zeiget ihme der Herrinfeiner Sprache / daß Chris 
ſtus jetzo in ihme in der Höllen feehe/und dein Teuffel fein Raub⸗ 
ſchlog ſtuͤrme: Dannenher ſey ein folcher Streit und Unruhe in 
ihme / und zeiget ihme an / wie feine Bernunft und die Adas 
miſche Natur / als das groͤſſere Theil ſeines Lebens muͤſſe gebro⸗ 
chen werden / und ſich gantz in die Gelaſſenheit in den Proeeß 

| € 7 Chriſti 


494 Die Hiftoria von Iſaac / Cap y 3, 


Chriſti unter fein Creutz in die hoͤchſte Demuht erſencken / und 
ihr ſelber fremde werden / darzu ihr eigen Feind ſeyn / und mit 
der Vernunfft und des groͤſſern Adamiſchen Willens in ſein 
Nichts gehen. 

33. Und wann dieſes geſchicht / ſo wird Eſau / als die Adami⸗ 
ſche Natur wohl gebohren / und komt allemahl zu erſt herfuͤr: 
Aber Jacob / als der Geiſt Chriſti / komt balde hernach / und 
nimt den Eſau das Reich und den Gewalt / und machet Die Nas 
tur zum Knechte / ſo muß Eſau / als die Natur / dem Jacob 
dienen / als dem Geiſte Chriſti. So heiſſets alsdan allhie wie 
der Sohn zum Vatter ſprach: Vatter / die Menſchen waren dein / 
und dis haft ſie mir gegeben / nd ich gebe ihnen das ewige Leben. 

34. Verſtehet / die Natur iſt des Vatters Eigenfchafft / dan 
fie ift die Staͤrcke und Macht/ als der Feuer-geiſt: Diefer Feu— 
er-geift ward dem Liechts-oder Liebe⸗Geiſt in Ehrifto / als dem 
heiligen Namen JEſu gegeben / welcher fich in Abraham in ſei⸗ 


ner Ölaubenszbegierde in einen Ens einführete/ aus melden 


Chriſtus / und denn der neue Menſch aus Chrifto gebohren wird/ 
dem das Neich der Natur in des Vatters Feuers-Eigenfchafft 
gegeben ward/ under gab feinen Jiebe-Ens des Batterg Feuers 
quaal gaͤntzlich zu einer Speiſe ein / als der feuriſchen Seelen 
in des Vatters Natur / allda nahm Chriſtus mit der Liebe des 
Vaͤtters Feuer-gewalt ein / und transmutirte das in die Gloria 
der triumphirenden Freudenreich: Alſo auch in der neuen Ge⸗ 
buhrt des Menſchen zu verſtehen iſt. 

35. Und Moyſes ſaget weiter: Da nun die Zeit kam / daß 

Re becca gebähren folte / ficheda waren Zwillinge in ihrem 
Leibe / der erſte der heraus Fam war rötlich gang rauh wie 
ein gell) und ſie nenneten ihn Sſau; zurhandt darnach Fam 
heraus ſein Bruder / der hielt mit feiner Handt die Ferſen des 
Sſaus / und hieſſen ihn Jacob: Alhier ſtehet num die wahre 
Figur am Bilde / und alſo klar / daß es auch die Vernunfft ſe— 
hen mag: Alles was vorhin iſt mit Worten in der geiſtlichen Fi⸗ 
gur getrieben worden / das ſtehet allhie in einer leiblichen Figur. 
Denn Moyſes faget: Eſau fey erftlich herfür kommen / der ſey 
röhtlich mit einer rauhen Haut gewefen: 

36. Nöhtlich bedeutet des Natters Natur im Feuer: Rauh 
bedeutet die irrdifche Viehifche Natur / welche ihıne Adam mit 
feiner Luſt aus der Irrdigkeit eingeführet hatte: Sein Name 
heiffet Eſau / aus der ſenſualiſchen Zungen ausder Eigenſchafft 
der Formung feiner Natur-Eigenſchafft; Der ches in *— 

#72 


— 





En auch wie Eſau uũ Jacob gebohrenrc. 495 


Formung in der Natur-ſprache alſo: (E) iſt der Urſtandt aus 
dem Uno, als aus dem Einem / iſt die wahre in Adam geſchaffene 
Engels-Eigenſchafft: (Sau) iſt das gefaſſete Thier der Eigen⸗ 
Luſt / welche das (E) haͤtte unſchloſſen / und in ſich vertunckelt 
und geloͤdtet / das iſt / da es in ſich nach des Liechtes Feuer ver⸗ 
loſchen war / fo ſtundt noch die (Sau) dar / als der aͤuſſere 
Thieriſche Menſch / welcher das (E) als das Engels Bilde hatte 
inein Thierverwandelt / darum hieß ihn der Geift Eſau als ein 
gefaſſet Bilde ver Luſt aus der Subtilyeit in Grobheit / da zwar 
das( E noch innen war / aber mitder (Sau) umfchloffen. 

37. Dieſem nach komt Jacob / als das Bilde Chriſti im Glau⸗ 
bens⸗Ente gefaſſet / und haͤlt den Efau bey der Ferſen: Diefes 
deutet an / daß das Adamiſche Bilde / das GOtt ſchuff / muſte und 
ſoll zuerſt gebohren werden / denn daſſelbe iſts / das ewig leben 
ſoll ( aber nicht in feiner rauhen Thiers-haut: Denn daß Jacob 
den Eſau / als den erſten Menfchen/ bey der Ferſen haͤlt / deutet 
an / daß der andere Adam / als Chriſtus / dein erſten Adam nach⸗ 

gebohren werde / und ihn von hintenzu faſſe / und wieder zuruͤcke 
aus dem Lauffe ſeines eigenen Willens ziehe indie erſte Mutterz 
daraus die Natur entſtanden iſt / als zu einer andern neuen 
Gebuhrt. 

38. Daß aber Eſatumit feiner Gebuhrt für ſich gehet / und 
ihn Jacob nicht bey der Ferſen halten kan / ober ihn gleich faffetz 
Deutet an / daß der irrdifche Menſch in ſeiner Selbheit werde für 
ſich gehen / und dieſe Zeit nicht gantz wieder zuruͤck in die Mutter 
der neuen Gebuhrt eingehen / ſondern er werde mit dem Thier— 
Menſchen Durch die Zeit hinwandeln / denn das Thier ſoll nicht 
neugebohren werden/ fondern das Bilde Gottes das in Adam 
verdarb, 

39. Und deutet ferner / wie Ehriftus werde den rechten Ada⸗ 
wifchen gefchaffenen Menfchen bey feiner Ferſen / das iſt bey dem 
Gemuͤhte feines Wandels faſſen / und wieder zuruͤcke in die erſte 
Mutter / daraus er entſtund / ziehen; und wie der Geiſt Chri⸗ 
ſti werde die Zeit des irdischen Menſchen muͤſſen hinten nachge⸗ 
hen / wenn der Zeuffel im Zorne Gottes werde den irrdiſchen 
Drenfchen vorher führen / ſo werde Chriftus hernach Eommen } 
unddieinnere Eigenfihafft des arınen gefallenen und gefanges 
nen Menfchens in feine Arme faffen/ als das arme verderbte 

Gemuͤhte der Seelen / und werde es aus des Teuffels Nee zu⸗ 
ruͤck ziehen / wie denn Chriſtus ſagte / er waͤre wie ein Wein⸗ 
gaͤrtner / welcher nachleſe: Dan in dieſer Zeit ſtehet das Ada⸗ 


miſche 


\ ’ DV REN 


BA HEN — 
1956 Die Hiftoriavon Iſaac / Cap.y⸗. 


miſche Natut⸗bilde forne / und das Bilde Chriſti hinten / darum 
muß der Natürliche Menſch ſterben / und Chriſtus in ihme auff⸗ 
ſtehen / und ſich herfuͤr wenden. 

40. Und deutet ferner an / wie der Geiſt Chriſti in Jacobs 
Linea werde den Eſau in dieſer Zeit bey feiner Ferſen faſſen / hal⸗ 
ten und ſtraffen / und ihme ſeinen boͤſen Wandel ſeiner Fuͤſſe 
wehren durch ſeine Kinder: Aber die Eſauitiſche Art werde es 
verachten / und nur mit Fuͤſſen tretten / und umb ſich ſtoſſen als 
ein boͤſes Thier / wie es denn alſo geſchicht / wenn Gott ſeine Pro⸗ 
pheten ſendet / daß ſie die Menſchen ſtraffen muͤſſen / fo ſtoſſen 
ſie dieſe mit Fuͤſſen als Hunde von ſich / wollen ſie nicht leyden; 
aber Jacob / das iſt / der Geiſt GOttes haͤlt ſie doch bey der Fer⸗ 
ſen / und machet fie bloß / biß ſo lange Jacobs Spur erkañt wird. 

41. Jacob heiſſet in der Formung des Namens in der hohen 
Zungen eine ſtarcke Luſt aus der mentaliſchen Zungen / als aus 
dem Namen] EHOVA ineine Compadtion oder Ens, da das 
(T)das (A) faſſet / und fichim (A) empor zwinget / unddie fen- 
ſaaliſche Zunge in die mentalifche einfaffer / als in das (COB,) 
daß das (O) zum Centro des Worts geſetzet wird / da fich der 
ſchwere Name Bottesins (O) faffet/ und wird recht darinnen 
verftanden / wie fich des Batters Natur) alsder (enfualifche 
Geiſt im (a) (C) und (B)ins (T)und(O) faſſet: Denn (T) if 
das Centrum der hoͤchſten Liebe / und (O) iſt das Centrum des 
faßlichen Worts in der Gottheit / welches auſſer aller Natur 
verſtanden wird. 

42. Dieſes hat der Geiſt in Iſaac verſtanden / darum heiſſen 
ſie ihn Jacob / biß ſolange dieſer Name durch das (I) im Blatt: 
bens⸗Ente beweget ward / daß das (1) das (C) und (B)eroͤffnete / 
und den gefaſſeten Eos im (O) da ſich das (I) mit dem O) in die 
Natur gefaſſet hatte / durch die Natur / als ein heilige Blume 
ausfuͤhrete / fo hieß der Name Jacob JESUS, denn das (1) 
fuͤhrete ſich in Adams Natur in feine verſchloſſene Engels-Ei⸗ 
genſchafft wieder ein /fo wardausdem (A) ein (E:) denn der 
Batter gab ſeine Natur inder Menfchheitdem Sohne / als dem 
() , und der Sohn machete wieder durch das(T) einen Engel dar⸗ 
aus: Denn das (1) gieng in die tieffeſte Demuht und Niedrige 


keit / fo ſtund die Figur alſo / (TE) daraus der ſeuriſche Liebe⸗ 


geiſt ausgieng / und ſich in die Hoͤhe ſchwang / und ſeinen Cha⸗ 
racter für ſich ſetzete mit dem (S) und (V:)denn das (S) iſt des hei⸗ 
ligen Feuers Character, und das (V) des Ausganges aus dem 
Feuer ſein Charadter, 

43. Alſe 


en 


-——— 


f 
! 
l 





E. sr. auch wi Eſau nũ Jacob gebehrennc.497 


43. Alfo ift ver Name Zacob in den Namen JEſus gewan⸗ 
delt wordenfin Erfüllung der Zeitim Ens Diariz/ welcher Ver⸗ 
fand / beydes bey den Juden und Chriſten iſt ſtumm worden / da 
kein Boldt mehr feine eigene Sprache verftehet) und zancken nur 
umb die Compadien der geformten Natur des Äuffern Namens 
und Verftandes. Die mentalifche Zunge wil Feiner verfichen / 
wie fich diefelbe in der fenfualifchen hat in den Worten und Ras 
men geformet und gebildet/und da doch der ganze Verſtand ohne 
Meynungen darinne lieget : Wenn wir nicht alfo blind un» 
verſchloſſen waren /und liefen uns die Selbyeit in Hoffart res 
gieren / fo kaͤmen wir bald zum hoͤchſten Berftand / aber der Xit= 
tichrift führet Das Regiment / darumb regieret im Verſtande 
nur Efau. 

44. Und Menfes faget weiter : Da die Knaben groß wur⸗ 
den/ ward Efau ein Jaͤger und Ackersmanm / Jacob sberein 
fromm Mann / und biteb in der Hütten: ind Iſaac hatte 


Efau lieb / und aß gerne von feinem Wildwerch: Rebecca 


aber hatte Jacob lieb. O du wunderlicher GOtit! wiegar ein 
faͤltig ſeynd Doch die allergroͤſſeſten Geheimnuͤß fuͤrgebildet! 
Wer mag das verſtehen ohne Deinen Geiſt / woher das kerme / 
daß der theure Mann Iſaac im Bilde Chriſti hat den natuͤrli⸗ 
chen Menſchen in Adams verderbten Bilde den Eſau licher ge= 
habt / als den Jacob im BildecChriſti in feiner Figue ? Go du 
mir nicht den Verſtand in deiner Wiſſenſchafft vergoͤn⸗ 
neteſt / ſo muͤſte ich alhie wohl blind ſeyn: Aber dein Rath 
O Her: der iſts / daß wir dich erfennen und deine 
Zeit iſt gebohren / da du das Verborgene offenbahreſt. 

45. Mofes faget : Efau fey ein Jäger und Ackersmann wor⸗ 
den / und der Vatter habe gerne feines Wildwercks geften / und 
ihn lieb gehabt/ und mehr geliebet. Allyier ftehet eine äufferliche 
Figur / als hatte Iſaac den Efau umb feiner weltlichen Ubung 
willen lieb gehabt/ und mehr gelichet als Zacob : Alſo gar hatder 
HErr das Hers der Weifen und feiner Kinder in feiner Handt / 
daß nicht feine Kinder in ihrem Willen thun müffen was fie 
wollen/ und öffters wohl verftchen/ fondern was GOtt wil. 

46. Auch fiehet man hierinnen / wie öfters GOtt den Aller- 
heiligften die Geheimnüffen entzeucht / daß fie müjfen Kinder 
daran feyn 5 und ob fie gleich das Göttliche Spiel in Händen 
tragen und ihre Ubung ift / noch muͤſſen fie ein Lindifch Herg im 
Verſtande daran haben / wie allbie an Iſaac zu fehen iſt. 

47.Er 


e 


4958 Die Hiſtoria von Iſaac / Cap. sz: 

47. Er hatte ven Eſau lieber als den Jacob / warumb das? 
Der Ens Chriſti lag in ihme / der regierete ihn: Dann Chriſtus 
ſollte feine Feinde lieben / als den verderbten Eſau und feine na⸗ 
tuͤrliche Kinder / dehn ſollte er mehr lieben als ſeine Goͤttliche 
Natur / dann er fuͤhret ſeine Goͤttliche Ratur in den Tod des ver⸗ 
derbten Adams ein / und liebete Adamsverderbte Natut mehr als 
ſeinen heiligen Ens, welchen er umb der verderbten menſchlichen 
Natur willen ins Zorn-feuer GOttes eingab / daß er ſte in feiner 
Liebe erloͤſete: Deſſen Figur war allhie Iſaac in Chriſti Bilde / 
welcher ſeinen Jaͤger mehr liebete in feiner boͤſen Natuꝛ als Jacob: 
Nicht liebete er feine Boßheit / ſondern feine Findliche Natur/de> 
ren viel gutes zu thun / wie uns Chriſtus in unſer adamiſchen Na⸗ 
tur liebete / un uns gutes thaͤt: Nicht liebete er uns nach den Suͤn⸗ 
den⸗ willen / wie auch Iſaac ſeinen Sohn Eſau nicht darinnen lie⸗ 
bete / ſondern nach des Vatters Natur und Eigenſchafft nach der 


Findbeif Ze: L 
——— Die innere Figur ſtehet alſo: 


48. Als Iſaac den HErrn bath / daß er Rebecca ließ ſchwan⸗ 
ger werden / ſo gieng ſeine natuͤrliche Begierde mit der Luſt des 
Goͤttlichen Glaubens-⸗Entis in Rebecca ein / dadurch Rebecca 
eroͤffnet ward: Alſo hat ſich dis natuͤrliche Licbe Iſaacs / welche 
mit dem Glauben umbſchloſſen war / in feinem Saamen fort⸗ 
gepflantzet und in Eſau mit eroͤffnet: Nicht nach Eſaus vers 
derbten Natur hat ſich Iſaacs Liebe in ihme eröffnet / nicht nach 
dem Zeiche dieſer Welt Natur / ſondern nach dem Bunde / nach 
den andern Principio, als nach GOttes Reich / welches die aͤuſſere 

ſatur in ihme noch nicht ergriffen hatte / gleichwie ſich der Goͤtt⸗ 
liche Ens in Abraham auch nur nach dem zweyten Principio eroͤff⸗ 
nete / und nicht in der ſterblichen verderbten Adamiſchen Natur der 
aͤuſſern Welt; Alſo auch alhier in derFigur in@fan zu verſtehen. 

49. Nicht dag Eſau habe den Ens Chriſti im Bunde wie Ja— 
cob empfangen / ſondern feines Vatters Liebe-⸗Begierde / in wel⸗ 
cher der verborgene Bund unbeweglich ſtund: Alſo war es jetzt 
mit ſeines Vatters natuͤrlicher Liebe eine Conjunction; dann 
eine jede Eigenſchafft liebet feine Gleichheit / zumahl fo die 
Gleichheit von dem Liebenden Weſen ift aufgegangen) wie Eſau 
von feinem Vatter durch feine Siebe: Begierde war in Rebecca 
empfangen worden. 

50. Und iſt eben das / dag der Göttliche Ens in GOttes Siehe 
in Iſaac die verderbte menfihliche Natur liebete / fie zur erloͤſen: 
Darumb hatte GOtt ſeine Siehe in Abrahams Glauben a 

pahre 





C.5 2. auch wie Eſau uñ Jacob gebehrenkc.499 


bahret und in einen Ens eingefuͤhret / dag dieſelbe Liebe / welche 
GOtt hatte gegeben zu erloͤſen den Menſchen / ſollte die menſch⸗ 
liche Natur in ihrer Verſchloffenheit lieben ; als dan wahrhafftig 
in Eſau Die wahre rechte Adamiſche von GOtt geordnete Natur 
verſchloſſen war / und dargegen das Reich des Grimmes das 
aͤuſſere Regiment hatte. Diefes zu erlöfen liebete der Geift im 
Bunde durch Iſaacs Natur feinen Sohn Efau / als die Find» 
liche Natur / und nicht eben wegen deſſen / daß er cin Jäger der 
Creatur war. 

sr. Wiewohl allhie bey dieſem Jaͤger eben das verſtanden 
wird / was forne bey dem Nimrod verſtanden wird / welcher eins 
gewaltiger Jäger vor dem HErrn war / dann dieſe gantze Be> 
ſchreibung des erſten Buchs Moyſis iſt des Geiſtes GOttes Fi⸗ 
gur oder Fuͤrmodelung / da er mit dem Reiche der Natur und 
Dann mit dem Reiche Chriſti ſpielet / und hat die Geſchichte der 
heiligen Ertzvaäͤtter alſo unter feiner Figur fuͤrgemahlet / da man 
bey allen Hiſtorien des Geiſtes GOttes Spielen ſiehet / wie er 
hat das Reich Chriſti und das Reich der Natur / ſo wohl des 
Zeuffels Reich im Grimme der ewigen Natur fürgemodelt / 
und haben weder die Juden nech die Christen big daher 
deſſen einen rechten Verstand gehabt ] welches bey den 
Ersvättern imrechten Verſtande gewefen ift. 

52. Als aber hernac ihre Kinder und Nachkommen deſſen 
nicht geachtet / und ihre böfe Natur mehr gelichetals den Geiſt 
im Bunde ; foiftihnen der Berftand verloſchen / big fie endlich 
auch das Geſetz⸗Buch mit den Gefchichten verlohren / und ihnen 
Eſra die Figur und Gefhichte im Geiſte GOttes wieder be> 
ſchrieben / und gang kurtz umd eigentlich nach der geiftlichen Fi— 
gur / daran ſie mehr ſtumm als fehende geweſen / wiedenn auch 

och ihre Augen geblendet find ; und ſolches darumb / weil fie der 
Erküntnüg des wahren GOttes gemigbrauchet/ und der Natur 
Dieter Welt mehr gedienet / und ihren böfen Willen vor GOtt 
geehret; fohatfich innen auch GOtt mit feinen Geheimnuͤſſen 
entzogen / und ſie faffen als Kinder in Unverftand mitder Figur 
hinlauffen / biß fo lange der Heyden Zeit in der Offenbah: 
rung derGenaden/ in der fie in der Genadenzeitund des 
offenen Siegels in ihrer böfen Natur auch nur gemiß— 
brauchet haben / auch ans Ende fommen; fo wird die Fi- 
aur im Weſen gang offenbahr zu einem Zeugnuͤß aller 
Voͤlcker | und darauf das Gerichte, 53. Und 


seo Die Hiſtoria von Iſaae / ꝛc. Capızz 


53. Und der Geiſt Moyſis ſaget weiter: Jacob war ein 
fromm Mann) und blieb in der Hütten / und Rebecca hatte 
Jacob lieb. Die Vernunfft verfichet diefe Figur von einer 
weiblichen/ mütterlichen/natürlichen Liebe aber darumb Hat der 
Geift diefe Figur nicht gefihrieben / denn Rebecca drangherftig 
auff das / daß Jacob den Seegen Abrahams und Ifaacs cms 
pfieng: Sie liebete Jacob nach feinem Urſtande / welches / ob fie 
daſſelbe wohl nicht mag aͤuſſerlich vernuͤnfftiglich verftanden ha⸗ 
ben / ſo verſtund es aber der Geiſt im Bunde in ihr / welcher fie 
auch zu einer ſolchen Liebe gegen Jacob bewegte / denn es war 
such allda eine Conjundtion zwiſchen Mutter und Sohn. 

55. Denn Rebecca war verfihloffen /alsaber Iſaac fein Ges 
beth in GOtt umb ihrentwillen einführete / fo ergab fich der Eus 
im Bunde in feinen Glauben in feiner Begierde / und fortin die 
Eroͤffnung der Rebecca in die Schwaͤngerung: Dem allda 
Ward auch hiermit die verfchloffene Mutter eröffnet / day alfo 
ihre Frucht als Sacob und lie in einen Grad der Natur kamen / 
und einerley Liebe aus Iſaacs Begierde empfiengen / denn in 
Veneris Tinctur in Rebecca ward der Gluubeng-Ens empfan⸗ 
gen slind wie von Maria Chriſti Mütter nach ver Menſchheit 
geſaget wird / ſte waͤre gebenedeyet unter allen Weiber ;allo 
hat auch allyier die kıcı di: Benedeyung erlanget von dem 
Göttlichen Ente; wohl nicht in dein hohen Grud Diariz /abe 
doch nach Eigenfchafft des Bundes. Und daher Fam es / daß 
in ihr die Siche des Bundes offenbahr war / wie auch in Jacob der 
Glaubens-Ens, darinnen die Siebe GOttes brannte / daß fie 
Jacob mehr liebete denn Eſau: Denn die giche- Begierde in 
Mutter und Sohn war aus einem Urftande / und darumb ein— 
eignete ſich ihre Begierde in Jacob mehr als in Eſau / und auch 
darumb / dieweil in ihrem verblichenen Bilde nach der himmli— 
ſchen Welt Weſen war dieſelbe in Adam verblichene himmliſche 
heilige Matrix gerüget worden / welche hernach in Marien gantz 
eröffnet ward / daß fich dieſelbe Matrix nach dem Ente Chriſti/ 
welcher in Jacob offenbar ward / fühnete/ dehn zu empfangen / 
welches erſt in Marien geſchahe / und doch der Geift im Bunde 
allyie fein Liebe⸗Spiel und begehrende Luſt damit hatte. 

55. Daß aber der Geift Moyſts fügte / Jacob fey ein Fromm 
Mann gemwefen / und ſey inder Hütten blieben / verftchet er da⸗ 
mit /wieder rechte Jacob im Glaubens=Ente ſey inden Hütten 
der Auffern Natur blieben / daß der Glaubens-Ens in feiner Na⸗ 
tur / welcher nur eine Hüfte darzu iſt / ſey blieben; daß er * 

I 








re 
® C.5 3 Wice Eſau fein erſte Gebuhrt veracht/sor 


nicht habe der Huͤtten begeben / wie Adam thaͤte / ſondern er ſey 
darinnen blieben in feinem Principio, biß ihn in Erfuͤllung der 
Zeit habe Gott in Chriſti Menſchheit Durch Die Hütten der 
Natur heraus geführet. 


Das 53. Capittel. 


Wie Efau feine erfte Gebuhrt verachtete/ und umb ein 
Sinfen- Gerichte verfauffte / was darbey zu 
verſtehen fey. 

Genef. 25. 


2, Tg Ss der Seift Moyſts hat die Gebuhrt Efau und Ja⸗ 
cobs beſchrieben / ſo faͤhret er bald fort / und ſtehet wie 
iM der natürliche Adamiſche Menſch dieſes hohe Ge⸗ 
ſchencke im Bunde wenig und nichts achten werde / 
und nur nach der Bauchfuͤlle des irrdiſchen Lebens 
trachten / wie Eſau / welcher ſeine erſte Gebuhrt umb ein Anſen⸗ 
Gerichte gab / das ſeinem Bauch dienete. 


Die Figur Moyſis ſtehet alſo: 


2. Und Jacob kochete ein Serichte: Da kam Sſau vom 
Felde / und war muͤde / und ſprach zu Jacob / laß mich koſten 
das rothe Gerichte / denn ich bin muͤde / und daher heiſſet er 
£dom : Aber Zacob ſprach: Verkauffe mir heute deine erſte 
Gebuhrt: Sſau antwortete; ſiehe ich muß doch fterben/ was 
fol mir denn die erſte Gebuhrt ? Jacob ſprach / fo ſchwere 
mir heute / und er ſchwur ihme / und verkauffte alſo Jacob ſei⸗ 
ne erſte Gebuhrt: Da gabihme Jacob Brod und das Linſen⸗ 
Gerichte / und er aß und tranck / und ſtund auff und gieng 
danon: Alſo verachtete Sſau ſeine erſte Gebuhrt. Dieſe Fi⸗ 
gur ſiehet aͤuſſerlich kindiſch aus / und iſt doch eine Figur der 
groͤſſeſten Geheimnuͤſſen: Denn Eſau deutet an die erſteKrafft 
des natuͤrlichen geſchaffenen Adams / und Jacob deutet an die 

Krafft des andern Adams Chriſti / ſo ſpielet der Geiſt allhie 
mit der Figur. 

3. Denn Adams Natur kam om Felde und war muͤde / und 
lüfterte nach dem Gerichte/ das Jacob hatte; Adam wareinLi- 
mus der Erden / umd ein Limus des Himmels: Alseraber war 
dem Limodes Himmels erſtorben / fo hatte ihn die irzdifche Nas 
fur in ibrem Streite müde gemacht] in deſſen Figur fund 

allhie Eſau. 4. Das 


502 Wie Eſau fein erſte Gebuhrt veracht / 577° 


4. Das rothe Linſen-Gerichte / das Jacob hatte) darnach der 
müde Adam in Efau lüfterte/ war das Glaubens-Ens , als der 
Ens Ehrifti: Die Adamiſche Natur in Eſau / inihrer Angft und 
Muͤhſeligkeit inihrer Verderbung lüfterte nach diefem Gerich⸗ 
te / das in Jacob war : Aber die irrdifche Natur Efaus verftund 
Das nicht / fondern die feelifche Natur / w.lche auch in der Luſt 
nach Ehrifli Ens ſtund / welches der Vernunfft frembde war. 

5. Efaus ſeeliſche Natur Sprach im ihrer Luſt zu Sacob / laß 
nich Eoften das rothe Gerichte / denn ich bin müde vom Treiber 
der ängftlichen Gebuhrt / und von dieſer Luſt heiffet er Edom / 
das heiffet in Der Compadtion des Ports in der Formung der 
Senfualifchen Zungen / fo vielalsein Eintauchen der gefangeneit 
englifchen Eigenfchafft in dig Serichte/als da Die feclifche Luſt / in 
welcher noch der Engels Charadter , wiewohl gefangen ftund / in 
dem heiligen Ens mit der Begierde eintauchte / und wolte den 
‚heiligen Ens indem Göttlichen Gerichte / alsdie himliſche We— 
fenheit in die Luſt der Selbheit faffen / fo heiſſet die Figur Inder 
hohen Zungen Edom. 

6. Dann die Begierde der Seelen Eſau fprach zum Goͤtt⸗ 
lichen Ente in Jacob; Gib mir deinen Schmad in meine El- 
feng meiner creaturlichen Selbheit ; Aber Zacob / das ift / der 
Geist Ehrifti im Glaubens⸗Ente ſprach: Verkauffe mir deine 
erfte Gebuhrt umb das Gerichte / das iſt / gib mir der Seelen 
Sehens Geſtaͤltnuͤh / als das Centrum der feelifhen Natur / das 
für/ dag deine erfte Gebuhrt / als das feelifche Centrum mein ci> 
gen ſey / fo wil ich dir den Ens GOttes geben. 

7. Denn Eſau hatte die erfte feclifche Krafft von feinem Vat⸗ 
ter geerbet / und hatte das feelifche Centrum zum Natur-Recht; 
diefem nach Fam der Ens Chrifti als ein Goͤttlich Geſchencke / 
ohn ein feckifch Centrum : Denn der heilige Ens follte das ſeeli⸗ 
fche Centrum vonder Adamifchen Natur nchmen : So bifhlete 
nun allyier die Adamifche feelifche Natur umb Chrifti Ens , und 
der Geift in Chrifti Ente buhlete umb die feelifche Nagur/ und 
wolte der Geift Ehrifti in Zacob der feelifhen Natur in Efau » 
nicht den Schinack des Göttlichen Entis geben / fie gebeihn denn 
Das teurifche Centrum zum Anfange der feelifchen Ereatur zum 
Eigenthumh / das iſt / fie ergebe fich dann gang inder natärlichen 
Selbheit in GOttes Willen / und verlaffe die erfte Gebuhrt der 
Creatur / und achte fich in ihrer Selbheit als wie fodt ; und uber» 
gebe des Lebens Negiment und Willen dem Geifte Ehrifti in 
dieſem himmliſchen Gerichte, 

8. Weil 





SA 


IE 


Yu ———— 
Br -\ 


C.53. uñ umb ein Linſengericht verkaufft. 503 


8. Weil aber die Vernunfft in Eſau dieſes nicht verftund / 
ſprach er zu Jacob: Siehe ich muß doch fterben/ was follmir 
denn die erſte Gebuhrt; Alfo leicht fuhr die Bernunfft dahin / 
und wuſte nicht was der armen Seelen gebräche : Aber der@eift 
Moyſis fpielet allhier mit der innern Figur alfo / und deutet 
heimlich darunter an / was das äufferliche bedeutet Habe. 

9. Und Jacob fprach : So fihwere mir heute das iſt / das 
Sehen Adams in Eſau follte fich frey aus der fenrifchen Macht 
außgeben / und dem Böttlichen Enti gan einergeben / und dag 
feurifihe Recht der Eigenheit verlaffen/ und folltedas heute / als 
von nun an in Ewigkeit thun: Dasheiffet in GOtt fchweren F 
als gang verteuffen / und in Göttliche Gewalt einergeben / nicht 
zuwiderſtehen / bey Vermeydung Göttlicher Außſtoſſung. 

10. Und er ſchwur ihme: und allhier als er ſchwur / ſo hieß er 
Edom. Denn die feuriſche Seelen-Natur verteuffete ſich in die 
Luſt des Goͤttlichen Entis, dannenher heiſſet diß Linſen⸗Gerichte 
roͤthlicht: Dann allhie in dieſem Schwur gieng die feuriſche 
Eſſentz in die Luſt des Goͤttlichen Entis ein / ſo empfieng des Lichts 
Ens des Feuers Ens; und ſpielet der Geiſt Moyſis allhier in der 
Figur / wie ſich die ſeeliſche Eigenſchafft in des Feuers Eſſentz in 
Chriſti Menſchwerdung werde in den Goͤttlichen Lichts- nd 
Liebe-Ens, in Bunde / als in die Goͤttliche Luſt / muͤſſen gantz 
cinergeben / und ewiglich verteuffen; wie der Lichts-Ens werde 
die verderbte ſeeliſche feuriſche Natur annehmen / und ihr den 
Luſt buͤſſen / auch wie die Seele werde ihr Natur⸗Recht uinb diß 
roth Gerichte uͤbergeben. 

ır. Denn diß iſt eben die Figur / wie GOtt der Vatter feine 
Natur / als die Seele ſeinem Sohn Chriſto / gantz in der Liebe 
Ens ein⸗ und zum Eigenthumb giebet / da das feuriſche Recht der 
Liebe im Liecht unterthan wird: Denn eben alſo gehets auch in 
unſerer neuen Gebuhrt zu; Die Seele luͤſtert auch nach dieſem 
Gerichte / wil fie dig aber ſchmaͤcken / fo muß fie ihre erſte Ge- 
buhrt darumb geben/und muß darzu heute/das iſt / in Ewigkeit in 
Gott ſchweren / ihr Natur-Recht zu verlaſſen / welches die Auffere 
Vernunfft ſpoͤttlich anſtehet / als die Kinder der irrdiſchen Luſt / 


wenn ein Menſch Ehre und Guth / auch das zeitliche Leben umb 


ditz Gerichte giebet / dehn heiſſen ſie eben einen Narren / wie all⸗ 
hie den Eſau. 

ı2. Jirdiefer Figur iſt zweyerley Verſtand / als inwendig iſt 
die Figur Chriſti und Adams / wie oben gemeldet worden / und 


aufwendig ift die Figur des irrdiſchen Menſchen / wie er alſo 


leiaht⸗ 


As 
BE 


Wie Cſau fein erſte Gebuhrt veracht / C.y 3 


leichtlich dahin faͤhret / und das himmliſche umb eine Bauchfuͤlle 
und Luſt⸗willen verkauffet / und uͤbergiebet: Die arme Seelt 
luͤſtert wohl in ihrer Eflens nach dieſem rothen Gerichte/ aber 
dieſe irrdiſche Vernunfft begchret nur ein Linſen-⸗Gerichte für 
den lüfterenden Bauch / wie denn auch in Efau zu verfichen ift. 

13. Die Seele Eſaus luͤſterte nach Jacobs himmliſchen Ens, 
aber der irrdiſche Eſau nach der aͤuſſeren Seele / meynete nur die 
irrdiſche Krafft; das Reich der Natur war in ihm alſo hart irr⸗ 
diſch worden / daß es das Ewige nicht verſtund noch achtete / ſon⸗ 
dern ſagte / was ſoll mir die erſte Gebuhrt / ſo ich doch ſterben 
muß / ſatzte ſich nieder / aß und tranck irrdiſche Speiſe für vie 
himmliſche. 

14. Um Moyſes ſaget: Als er geſſen und getruncken hat⸗ 
te / ſo gieng er davon. Das iſt / Er fuͤllete den Bauch mit dem 
Sinfen-Gerichte / und verkauffte Jacob das Natur-Recht / und 
gieng mit dem irrdiſchen Menſchen von der Goͤttlichen Nieſſung 
hinweg. 


Die innere Goͤttliche Figur ſtehet alſo: 


15. Abraham empfieng den Goͤttlichen Ens in feiner Glau⸗ 
bens- Begierde / und der war der Stumm und die Wurgel 
Iſraelis: Er aber war nicht Ifrael / denn das Reich der ver— 
verbten Natur und das Reich der Genaden / als der empfangene 
Glaubens-Ens,waren inihimenoch nicht eines/gleich als wei ein 
Korn indie Erde gefüet wird/fo hat dasKorn noch Feine Wurtzel / 
Darauffder Stengel und Srucht wachfen foll ; des KornsKrafft 
zeucht aber der Erden Effeng in fich / und aus dieſen beyden / als 
aus dem Korne und aus der Erden Krafft waͤchſet Die Wurtzel 
des Halıns /und oben wieder Die vielfältige Frucht. 

16. Alfo auch allyie zu verſtehen iſt; der Göttliche heilige Ens 
ift nicht der Natur 5 die Seele aber ift der Natur: Soll nun der 
Göttliche Eus offenbahr werden / fo muß es durch ein natürlich 
Weſen gefihehen / darinnen das Unfichtbahre in ein Jichtbahr 
Weſen femme. 

„17. Der Göttliche Glaubens-Ens , welchen Abraham em⸗ 
pfieng war der unfichtbahren geiftlichen Eigenfchafft; der be— 
gehrete fich durch die menfhliche Natur in ein ſichtbahr / we⸗ 
ſentlich / creatuͤrlich und natürlich Weſen zu einem würdenden 
Leben einzuführen / da des heiligen Sicchts natürliches Ens , und 
der ſeeliſchen Feuers⸗Natur Ens in ein Werfen würceten / und 
Frucht gebahren: Denn die Adamiſche Natur war vom heiligen 

Ente 





C.53. uñ umb ein Linſen⸗gericht verkaufft. scy 


= Ente aufgegangen / welcher in ihr verblichen war; und allhier 


war wieder der Grand der Bereinigung / and wie cs iſt mit dene 
Korn im Acer /da lich Die Kraft im Korn mit der Erden Eus 
menget / und hernach feine Hülfe verläffet/da der Erden Ens und 
des Korns Ens in Einen Ens gewandelt werden; alfo aud) allyie 
zu verftehen ift: 

18. Abrahamempftengden Göttlichen Glaubens-Ens , date 
innen feine Rechtfertigung ftund/aber feine Lebens⸗Natur hatte 
ihn noch nicht zur eigenen Gewalt ergriffen/denn das Göttliche 
Weſen ergibet ſich nicht in der Natur eigenen Gewalt; wohl gie⸗ 
bet ſichs in die Eilentz der Natur / aber die Goͤttliche Begierde 
eineignet ſich nicht der Natur in ihren eigenen Willen / daß die 
Natur das Ober⸗Regiment habe / wie wir deſſen ein Gleichnuͤß 
am Korn haben / welches geſaͤet iſt. 

19. Die irrdiſche Natur kan in ihrer Gewalt nicht ein ander 
Korn machen / und ob fie wohl des Korns Ens in ſich zeucht / fd ge⸗ 
biehret ſie doch nur einen Halm / in welchen Halın des Korns 
Ens außgruͤnet / und ſich in eine Bluͤth / und wieder in ein Korn 
einführet/darzu die irrdiſche Natur mit ihrem Ente nur muß ei 
Knecht ſeyn. 

20. Und wie die irrdiſche Natur der Erden ihr Kind allezeit 
zum erſten ſichtbarlich in Wachſen zeiget / und ſich des Korns Ens 
darinnen verbirget / alfo auch allhie beym Abraham zu verſtehen 
iſt: Die Adamiſche Natur aus Abraham erzeigete ſich am erſten 
mit ſeiner Frucht / mit dem Iſmael / aber der Göttliche Ens war 
noch in ihme in feiner Natur verborgen / und gruͤnete mit Iſaac 
aus; Und beym Iſaac grünete wieder die irzdifche Natur und 
Die himmliſche nebeneinander aus/ wicwohlineinem Saamen. 

21. Aber gleichwie der Erden Ens in dem Halm / und des 
Koras Ens indem inwendigen Grunde in⸗ und miteinander auff⸗ 
wachfen / und doch ein jedes feine Frucht darftellet / als die Erde 
den Hafın und des Korns Gehäufe / und das Korn die Blüthe 
unddie Früchte / und Doch eines ohne Dasander auch nicht zum 
Weſen kommen möchte: Alfo auch allpie zu verftehen iſt. 

22. Abraham war der Ader / in welgen GOtt fein Korn 
ſaͤet Ifinael war die Wurgelals dieerfte Geburt: Ifaacwar 
Die Frucht / ſo aus GOttes Saamen wuchs / verfichef aus dene 
Ente der Genaden / und Sfinaelaus dem Ente der Natur aus des 
Vatters Eigenfhafft: Denn das Ens der Genadenhafte ſich in 
den Ens der Natur eingegeben / fo ſtellete anjetze ein jedes feine 
Figur dar/ mit Iſmael Das Meich der Natur / und mit Iſaac 

) das 


506Wie Eſau ſein erſte Gebuhrt veracht / C.53 


das Reich der Genaden; Iſaac war nun der Zweig / ſo aus dem 
Glaubens-Acker außwuchs / als in der Linea Chriſti / und aus 
ih Fam JZacob / als der außbreitende Zweig in einem Baum 
mit vielen Zweigen und Aeſten. 

23. Nicht zu verſtehen daß Jacob ſey einig aus dem Reiche 
der Genaden entfproffen/denn das Reich der Natur) in welchem 
Iſmael und Eſau ſtund / war auch fein Grumd nach der Crea⸗ 
tur / aber der Glaubens Ens hatte fich darein gegeben/ und die 
Natur tingiret / und führete feine Krafft/ als die Lineam des 
es Gottes Inder Natur empor, 

4. Gleihwie eine Bluͤthe aus dem Halm eine gar viel ſub⸗ 
tilere Eigenfgaftt hatals der Halın und die Wurtzel / und wie 
aus der Bluͤth erſt vie Frucht und ein neuer Saame komt / als 
ausdem ſubtilem Ente : Alfo auch kam in Jacob erft die Bluͤth 
des Reichs Iſrael herfuͤr / und nicht mehr in der Theilung / wie 
mit Iſmael und Iſaac zu verſtehen iſt / ſondern beyde Reiche zu⸗ 
gleich / als das Reich ver Natur / und das Reich der Genaden / 
nicht mehr in der Figur jedes Reich beſonder / ſondern im Bilde 
der neuen Wiedergebuͤhrt / wie ſich GOtt in feiner Kebe hätte 
wieder in den Meyoſchen / als in das Reich der Natur eingegeben / 
und wie durch ſeine Krafft ſollte der falſche vom Teuffel einge⸗ 
ſaͤete Ens der Schlangen ins Reich der Natur gebrochen und 
getödtet werden. 

25. Und darumb hieß GOtt den Jacob / Iſrael / als einen 
grünenden Bann vieler Zweige und Aeſte /oder wie es in der 
Faſſung des Worts in der hohen Zungen verſtanden wird / cin 
Grünen des Paradeifes : Dadas( T)fich indie Wurtzel zu ei⸗ 
nem neuen Centro eingegeben / und durch die Wurtzel außdrin⸗ 
get / mit welchen man das ort des Bundes in dem Namen 
Jzsu verftehet: Denn diefes (1) ift der Charadter des Unius , 
als des ewigen Einen in der Söttlichen Luſt / welchen Adam ver> 
lohr / als er aus dem (1), als aus dem einigen Willen GOttes / 
in die Selbheit und Viele der Eigenſchafften in die ungleiche 
Concordantz eingieng / zu probiren und ſchmaͤcken Gutes und 
Boͤſes in den 5. Seuſibus. 

26. Dieſes (J1) fuͤhrete ſich aus Genaden wieder in die zer⸗ 

theilete und getrennete Eigenſchafften des Adamiſchen Mens 
hen-Baums ein / und gruͤnete durch und mit dem Adamiſchen 
Baum aus; und daher entſtund ihme der Name Iſrael / als ein 
groſſer Hauffe ſolcher Zweige / welche alle in der neuen Tinctur 
gruͤneten und qußwuchſen: 3 In welcher doch auch der Ens der 

ver⸗ 


E.33.niumbein Linſen⸗gericht verkauft. 507 


verderben Natur zugleiche mit wuchs / gleichwie der Sonnen 
und der Erden Krafft in der Frucht des Baums miteinander 
wuͤrcken und wachſen / und ſtaͤts miteinander im Streite ſte— 
hen / biß fo lange die Frucht zeitig iſt und ein neuer Kern 
zu einer neuen Frucht gebohren und reiff ift / fo verläffer der 
Bam die Frucht / und fact den neuen Kern zu einem andere 
Baͤumlein. 

27. Alſo auch kam in ſolcher Arth der Streit mit Eſau und 
Jacob in Mutterleibe empor / anzudeuten / daß die verderbte 
Natur ſollte mit der Schlangen Ens verſtoſſen werden / gleichwie 
der Baum die zeitige Frucht verlaͤſſet / und nur das Korn begeh⸗ 
ret; alſo auch als der Ens Chriſti in Jacob ſich erraͤgete / entſtund 
allda der Streit und Widerwille: Denn der Ens Chriſti ſollte 
regieren / ſo wolte der Grimm in der Schlangen Ente auch re⸗ 
gieren / ſo gieng der Streit umb das Regiment und Reich anm: 
Der Ens Chriſti führete ſich in Jacob empor / und tratt dem 
Schlangen⸗Enti in Eſau auff den Kopff der Eſſentz / fo ſtach 
die Schlange allda Chriſtum in die Ferſe / und dannenhero 
kam es / day die beyde Kinder fich miteinander in Mutterleibe 
ſtieſſen. 

28. Nicht zur verſtehen / daß Eſau ſey gang der Schlangen 
Ens geweſen: Nein] er war der rechten adamiſchen Natur aug 
ſeinem Batter Iſaac und Abraham: Allein Gott ſtellete die 
Figur allhie mit dem Reiche der Natur / welche im Menſchen 
vergiftet war / und denn dem Reiche ver Genaden/ dar: dag der 
natuͤrliche Menſch foll den eigenen böfen Willen verlaſſen / uñ ſich 
Damit in das Reich der Genaden erſencken / und gantz einerge 
ben / ſo ward die Figur in Eſau dargeſtellet / daß der boͤſe Adami⸗ 
ſche Menſch vor GOtt nicht taugte / er waͤre von GOtt außge⸗ 
ſtoſſen / er folle fein Natur⸗Recht der Eigenheit gantz verlaffen? 
und ſich in Gottes Willen ganz einlaſſen. — 


508 Wie Ifaac inder Theurung ſey Cap.54. 


Das 54. Capittel. 


Wie Iſagce in der Theurung fey zum Könige Abime: 
fech zu Gerar der Philifter gezogen] und wie ihm der 
Her: allda fey erfibienen / und ihn heiffen allda blei: 
ben/und allda ven Bund feines Batters mit ihm ver: 
neuert / und was darbey zuverfichen fey. 


Genef. 25. 


I. As 26. Capittel Gen. zeiget ferner an die Hiftes 
riam mit Iſaagc / wieihn GOtt habe alfo wunder⸗ 
lich gefuͤhret und ven Bund Abrahams feines 
Vatters mit ihm verneuert / und ihn ſamt feinem 
Weibe bewahrt und geſeegnet:Deñ als das Reich 

der Gnaden im Bunde GOTTES in ihme war offenbahr wor⸗ 

den / fogrünete nunder Geegen GOTTES in feinem Vorha⸗ 
ben durch das Reich der Natur herfür. 

2. Dargegen fehen wir auch wieder Teuffel diefem Seegen ſey 
gram geweſen / und das Reich der Ratur in Ifaac / und ſeinem 
Weibe Rebecca / in welchen noch der Schlangen Ensim irrdi⸗ 
ſchen Fleiſche gelegen / begehrete zu ſichten / durch die Luſt des 
Koͤnigs Abimelech. 

3. Und iſt Big abermahl eine Figur Adams im Paradeiß / 
und auch Chrifti in der neuen Wiedergebuhrt / wie Adam ſey 
zum Könige Abimelech gezogen in fein Landt / das iſt / in ein 
fremdes Reich / als in dies. Elementa / allda er fein Weib / 
als die Matricem der himliſchen Gebahrerin in ihme habe vers 
laͤugnet / indem er feine Luſt indie chierifche Eigenfchafft hat 
eingefuͤhret. 

4. Wie allhie Iſaac feinem Weibe beym König Abimelech 
aus Furcht ſeines Lebens thaͤte / alſo auch ſtundt Adam in ſeiner 
fremden Luſt im Reiche der 4. Elementen und des Geſtirns / 
auch in Furcht vor dem fremden Könige / als dem Reiche dieſer 
Welt / und verläugnete feine himmliſche Gebuhrt aus Furcht 
Des Neichs diefer Welt / und gab feinen ewigen Willen dem 
Könige diefer Welt / day es ihm defto bag im feiner fremden Luſt 
gehe/ wie allyie Iſaac mit feinem Weibe vermeynte zu thun/wels 
cher damit in der Figur Adams ſtundt. 

5. Welche Figur ihr die Goͤttliche Imagination mit Iſaac hat⸗ 
te für gemodelt / und den Bund der Wieder-gebuhrt darneben 

ge⸗ 


C.54. zum Könige Abimilech gezogen/rc. 509 


gefteilet / als feine verheiffene IBahrheit] wie er feine Gnaden⸗ 
Kinder / bey dem fremden Könige/ als in dem Reiche dieſer Welt 
wolte führen / und für diefes Königs Luſt und Begierde bewah⸗ 
ren / und wolte diefein Könige mit feiner Krafft eingreifen / und 
ihm feine Luſt und Begierde / als die Luſt der Sternen und vier 
Elementen / ineinen andern Willen der eflentialifihen Begier⸗ 
de wandlen: Daß des Geflirns fharffe Macht in Sleifh und 
Blute / muͤſte in den Friedes-bund gewandelt werden / und den 
Kindern der Gnade im Bunde nichts thun / ſondern muͤſſe ihnen 
ſelber den Seegen und die Fruͤchte gebaͤhren / daß ſie groß wach⸗ 
fen / wie allhie Iſaac beym Abimelcch in lauter Seegen ſtundt 
daß ſeine Haab von Viehe und Guͤtern alſo groß ward / daß 
Koͤnig Abimelech dauchte / er wuͤrde ihm zu ſtarck / und ihn deß⸗ 
wegen hieß aus ſeinem Lande ziehen. 

6. Welches eine Figur iſt von der neuen Gebuhrt im Reiche 
der Natur / daß / ſo der innere Geiſtliche Menſch dem Reiche 
der Natur in Goͤttlicher Krafft uͤberwaͤchſet / ſo entſetzet ſich das 
Reich der aͤuſſern Natur in Fleiſch und Blut im Spiritu Mundi 
davor / dan es ſiehet und fuͤhlet ſeinen Untergang und Abnehmen / 
und wolte gerne ſein Eigenthum im aͤuſſern Leben erhalten. 

7. So komt alsdan der Geiſtliche Menſch im Bunde der 
neuen Gebuhrt / und ſtraffet ven König Abimelech / als das auf: 
ſere Sehen im Geiſte der augern Welt umb die Waſſerbrun⸗ 
nen / welche die göttliche Sinnen / als Knechte des neuen Men— 
ſchen im feelifchen Grunde / alsim ewigen Centro hatten gegras 
ben; daß fie der Abimelech wit feinen Knechten/als den böfen irrdi⸗ 
ſchen Gedancken und Sinnen haben miteitel Luſt des Fleiſches 
zugefuͤllet / welches die Waſſerbrunnen / welche Abrahams Knech⸗ 
te im Glaubens-Ente hatten gegraben / als Abrahams Glau⸗ 
bens⸗begierde andeutet / umb welche Abimelechs Knechte / als 
die Fleiſches⸗Begierde gezancket / und dieſelben immerdar zuge⸗ 
fuͤllet / welche Iſaacs Knechte in der Wurtzel Iſraelisb wieder 
auffaruben / und endlich einen Brunnen gruben / da ſie des le⸗ 
bendigen Waſſers funden / allda ſie ſich hinlaͤgerten / welcher 
Brunne Chriſtum andeutet: Dan ſte hieſſen die Stätte Berſa⸗ 
ba / als eine Eroͤffnung oder Zerſchellung / welches die Buſſe o⸗ 
der Zerſchellung des irrdiſchen Willens andeutet / in welcher 
Buſſe das lebendige Waſſer / als Chriſtus ausquillet. 

8. Dieſes gantze 26. Cap. Geneſeos iſt eine Figur von dem ar⸗ 
men gefallenen Menſchen in dem verderbten Reiche der Natur / 
wie er darinne ſchwimme / und wie die arme Seele darinnen 

93 was 


510 Wie Jnacinder Thenrung fey Cap.54. 


wandele / wie fie fich in äuffern Dingen! Mühe und Krafft ſuche / 
und finde Doc) nirgends Eeine bleibende Stätte darimien / fon= 
Bern wandere von einem ins andere / und würde jeko in diefem / 
baldin einem andern / und ſuche Ruhe / und finde aber Feine / 
biß fie gen Berſaba komt / als in die Demuth vor Gott / fo 
quillet ihr der Brunn deslebendigen Waſſers aus Bem Bunde 
GDttes aus. 

9. Und obgleich die Worte in diefem Terte des 26. Capittels 
fcheinen von aufferlichen Dingen zu handeln / fo ifts doch anders 
nichts/ alsdag der Geift im Moyfe unter der auffern Geſchichte 
mit einer geiftlichen Figur vom Reiche der Natur / und vom 
Reiche Chriſti nur alfo darmit fpielet / dan er fühet an und fa= 
get von einer groffen Theurung / foins Sand Eommen ſey / aus 
welcher Roth Iſaac fey zum Könige Abimelech der Philifter gen 
Gerar gezogen. 


Die innerliche Geiftfiche Figur ftchet alfo. 

10, As GOtt Adam gefchaffen haste / fo famer indie Theu⸗ 
rung / als in die Verſuchung / da die Seele nicht folte vom aͤuſ⸗ 
ſern Reich eſſen / ſondern vom innern: Weil ſte ſich aber ins 
aͤuſſere Reich mit ihrem Willen wandte / ſo lebete ſie in der Theu⸗ 
rung / als im Hunger nach der aͤuſſern Welt Weſen / und wandte 
ſich deswegen zum Koͤnige Abimelech der Philiſter zu Gerar / das 
iſt / zu dem verderbten Reiche in GOttes Zorne / als zu der Hey⸗ 
den Koͤnige / unter ihme zu leben. 

11. Da erſchien ihr der Herr / wie allhier dem Iſaac und 
ſprach: Zeuch nicht in Egypten / das iſt / du arme Seele / zeuch 
nicht in die viehiſche Luſt / ſondern bleib in dem Lande / das ich dir 
ſage / und ſey ein Fremdling in dieſem Lande / das iſt / bleib in 
meinem Bunde und ſey mit der Seelen in dieſem Fleiſch-hauſe / 
darinn die Seele nicht daheim iſt / ein Fremdling / ſo wil ich mit 
dir ſeyn / und dich ſeegnen / dann dir und deinem Saamenwil ich 
alle dieſe Laͤnder geben / und wil meinen Eyd beſtaͤttigen / dehn 
ich deinem Vatter Abrahauı geſchworen habe. Das iſt: 

12. Bleib nur in meinem Willen ſtehen / ſo wil ich dir das 
Reich der Natur nach ſeinem inwendigen guten Grunde nach die⸗ 
fer Zeit zum Beſitz und Eigenthum geben / und wil meinen Eyd / 
als JeſuuChriſtum / welchen ich dir in deinem Falle habe vers 
heiffen / und in Abraham in feinem Glauben eingeführet / mit 
Dir ewig beftättigen/und wildeinen Saamen im Neiche der Na⸗ 

kur / darinnen du in dieſer Zeit im Wuͤrcken / in Mühe u: 4 
) 





E. 54. zum Könige Abimelech gegogenlzc. z311 


ſtehen muft / alfo mehren wie die Sternen am Himmel / und deis 
nen Sanınen aile diegewürdete Kräfte und Werde zum ewi⸗ 
gen Eigenthum geben / und durch Deinen - Saamen ſollen alle 
Bölder auff Erden geſeegnet werden: das iſt: er 

13. Durch deinen Glaubens-Ens, weicher in Chriſto / als im 
Ziel meines Bundes foh im Reiche deiner Natur und — A 
cher Eigenfchafft offenbahr / und in dir Menfch werden / ſollen alle 
Voͤlcker / als der gange Ndamifche Baum geftegnet werden ; und 
Darum / das Abraham ift meiner Stimme gehorfam gewefen / 
und hatgehalten meine Nechte / Gebott / Weiſe und Geſetz / das 
iſt das Abraham hat mein würdendes ort in feiner Seelen⸗ 
begierde eingenommen / und meiner Stimme in ihrer Wuͤrckung 
gefolget / welche Göttlihe Würdung iſt das Gebott / Gefes 
und Weiſe [ aus welher Würdung auch GOtt dem Abraham 
mitder Befhneidung die Figurdes Reiches Chriſti zeigete / wie 
Daffelde wurde die Sünde und Eitelkeit abſchneiden / welche Fi⸗ 
gur Gett feine Weiſe / Geſetz im Bunde und fein Recht hieß. 

14. Von dieſer Figur fabretder Geiſt Moyſis weiter / und 
Deuter unter der Auffern Geſchichte des Königs Abimelech an / wie 
die Knechte Abimelechs mit Iſaacs Knechten haben Waſſer⸗brun⸗ 
nen gegraben / welche Brunnen aus Neid und Wider⸗wiillen 
von den Philiftern immerdar verfiopffet worden : Mit welcher 
Figur der Geift heimlich andentet / wie Die Kinder der Heyligen / 
als die Ersvätter Abraham und Sfaac in ihrem Glaubens-Ente 
immerdar haben nach dem Brunnguell des Lebens im Bunde 
* gegraben / und haben auch die Erkaͤntnuͤß vom Meſſia 
erlanget. 

15. Aber dieſelben Brunn-quellen find immerdar durch dent 
Teuffel in Gottes Zorne und Durch ihre ir®ifche Vernunfft 
zugedecket und verdunckelt worden/ big ſte haben die Berheiffung 
vom Meſſia im Glauben ergriffen und gefaffet ; fo fagten ſie / wir 
haben einen Brunnen gegraben/ und des lebendigen Waſſers 
funden / denſelben hieß Iſaac Saba / und deutet darunter an den 
Sabbath / Chriſtum / wie er dan alsbald darauff ſaget / Daher 
heiſſet die Stätte Berſaba / als einẽ Zerſchellung ever Zerbre⸗ 
chung des Zorns und Neides des Teuffels in menſchlicher Eis 
genſchafft / anzudeuten/ wie der Sabbath / Chriſtus / als der 
Geiftlihe Brunnquell Berfaba heiffe / als eine Zerſchellung 
des Todes / da fi der Sabbath) in den Todt einfuͤhret / und den 
Brunn des Schens durch den Todt ausführer. 

26. Zu welchem Brunnquell ſich * Kinder des Bunds Got⸗ 

24 tes 


512 Wie Iſaac in der Thenrung ſey Cap. 54. 


tes fägerten / und auff Verheiffung warteten / biß derfelbe 
Brunnquell in der Menfchheitoffenbahr ward/ und aus Ehrifti 
Blut und Tode ausauall/ davon die arme Seele tranck / und 
hiermit in den ewigen Sabbath eingeführet ward / da fie vom 
Sireisder Philiſter / als vom Streit Des Zorns GOttes und 
Teuffels erloͤſet ward / wie ſolches die Hiſtoria in dieſem 
Text in der hehen Zungen klar andeutet / welche ihme der Geiſt 
Moyſis in der Figur alſo hat fuͤrgemodelt / und mit Auffſchrei⸗ 
bung dieſer Figur ſpielet. 

17. Wie dan das gantze alte Teſtament eine Figur des Neuen 
iſt / und das Reue eine Figur der kuͤnfftigen ewigen Welt / 
Ddarinnen die Figur in Goͤttlicher Krafft ſtehen wird / und ver 
Geiſt GOttes in Ewigkeit mit feinen Wunder-Hhaten ſpielen 
wird; zu welchem Ende er auch den Menſchen geſchaffen / und 
Die Krafft feiner Stimme / als das lebendige Wort in ihn einge⸗ 
ſprochen / daß er ſey ein Bilde des ewigen Worts / mit welchem 
Bilde der ewige Geiſt ſpielen und Wunder würden wil / auff dag 
änderewigen Weißheit eine Freude und Erkaͤntnuͤß ſey. 

18. Als nun der Geiſt Moyſis die Figur Adams und Chriſti 
unter einer Hiſtorien angedeutet hat / ſo faͤhret er fort / und deu⸗ 
tet ferner an / wie es den Kindern Gottes in dieſer Zeit geben 
muͤſſe / in was fuͤr Begierde die arme Seele im Fleiſch und Blut 
gefangen liege / und immerdar gequaͤlet werde / wie allhie Iſagt 
und Rebecca: Deun der Text ſaget / als Zfüu go. Jahr alt 
war / nahm er zum Weibe Judith die Tochter Beri des 
Hethiters / und Basmath die Tochter Elon / Des ‚He> 
thiters / Die macheten beyde Iſaac und Rebecen eitel Her⸗ 
Sen-leyd / und fagt an Diefem Orte weiter nichts von die— 
fen Weibern oder ihren Kindern / anzudeuten / dag es eine Fi— 
gur ſey / darunter er deute / welchedie Vernunfft gank fremde 
anfichet / und ſich wundert / wie GOtt dem heiligen Iſaac durch 
ſeinen Sohn habe noch zwey boͤſe Weiber zugefuͤget / mit denen 
er neben feiner ſchoͤnen und geſeegneten Rebecca habe müffen in 
Kummer und Widerwertigkeit leben 5; Alfo gar heimlich ſtellet 
Der Geift Moyfis feine Figur dar / dag die Vernunfft daran 
muß blind ſeyn. 


Die Geiſtliche Figur ſtehet alſo. 


19. Die 40. Jahr des Alters Eſau / oder Iſaacs nachdem er 
den Eſau gezeuget / deutet an / daß Adam mit ſeiner Heva/ als 
er 





Eap.z4zum König Abimelech gezogen/rc. 513 


er Mann und MWeib/ und doch der Feines war/ fey im Paras 
deife 40. Tage in der Verfuhung oder Proba geftanden/ und 
mit feiner schönen Eva / als mit feiner Weiblichen Eigenſchafft 
in ihme felver Freude gehabt. 

20. Aber Abimelech / als der König diefer Belt / hat feine 
Luſt in diefen ſchoͤnen weiblichen Nofensgarten/ als in Veneris 
Tin&ur, verftehet in das heilige Leben der Liebe in Adam einge⸗ 
führet/und dnsCentrum der ſeeliſchen Natur räge gemach / davon 
Adam Lüfterend ward / infeiner Eigenſchafft noch zwey Weiber 
zu nehmen / als dasvichifihe Weib nach thierifcher Eigenſchafft 
aus den 4. Elementen / uñ das ſyderiſche Weib aus dem Geſtirne / 
welche falſche Weiber in Adaıns weiblicher Eigenſchafft auffwa⸗ 
cheten / die er ihm zum Weibe ſeiner Luſt annahm; wie Eſau die 
Weiber der Spoͤtterey / mit welchen er ihme und ſeiner rechten 
weiblichen Eigenſchafft eitel Hertzenleyd und Jammer zurich⸗ 
tete / wie wir das noch heute dulden / und unſer Zeit mit ihnen in 
Jammer verzehren muͤſſen. 

21. Mehr zeiget dieſe Figur an die 40. Jahr Iſraelis in der 
Woͤſten / alß ſte Manna aſſen / und fihmis Rebecca unter ei— 
nem fremden Koͤnige erfreueten / als da ſie im Reiche dieſer 
Welt lebeten / und aber im Goͤttlichen Arm gefuͤhret / erhalten 
und genehret wurden / und darumb vor der gantzen Welt groß 
wurden / wie Iſagac unter den Könige Abimelech: Und als If> 
rael nach 40. Jahren ſich gen Verſaba / als ins gelobte Land laͤ⸗ 
gerten / nahmen fie ihnen noch dieſe zwey Weiber in ihrer Fleiſch⸗ 
lichen Luſt / welche ihnen eitel Hertzenleyd macheten / um wel⸗ 
cher zwey Weiber willen ſte von GOtt hart geſtraffet / und end⸗ 
lich Darm von Berſaba vertrieben worden. 

22. Zum dritten deutet dieſe Figur an den harten Stand 
EHriftiinder Wuͤſten in Adams Stelle / als Chriſtus in unſere 
Menſchheit hatte dieſe zwey Weiber / welche in Adam durch fei= 
nen fremden Sohn oder Willen offenbahr worden / an feine 
himmliſche Wefenheitangenommen/ und fie 40. Tage hungern 
lieſſe / dag fleigre Begierde muſten dem Göttlichen Weſen einer⸗ 
geben / und himmliſch Mannalerneneffen/ anzudenten/ daß die» 
fe irrdiſche Luſt von Sternen und 4. Elementen folte im Tode 
Ehrifti zerbrechen und —— 

23. Zum vierdten deuttes an die 420 Stunden Chriſti im Grab/ 
da dieſe zwey Weiber der Unruhe in menſchlicher Eigenſchafft 
wieder in ein einiges Weib gewandelt worden / als in die rechte 
Rebecca und rechte Adgmiſche Era / welche in Adam vor feiner, 
Em war, | 95 24. DM 


514 Wie Iſaac unwiſſend den Jacob C. 55. 


24. Zum fuͤnfften deuttes an die 40. Tage Chriſti nach ſeiner 
Aufferſtehung / da die Weiber Adams und Eſaus wieder in eine 
männliche Jungfrau gewandelt worden / da dieſe Jungfrau / als 
Chriſtus in unſerer maͤnnlichen und weiblichen Eigenſchafft die 
40. Tage Adams im Paradeiß / als er in der Proba ſtund / recht 
beſtund; und derowegen durch Goͤttliche Macht ſich in den Koͤ⸗ 
niglichen Thron des verſtoſſenen Lucifers / als cin Richter 
einſatzte und mit diefen ziweyen Weibern in einer Jungs 
frauſchafft und einigem Bilde über ihn / als über den Urfacher 
menſchliches Elendes herrſchen wolte J als der eine Urſache gewe⸗ 
fen / daß ihme Adam / als das Bilde Gottes / durch feinen Sohn 
Des neuen Willens/ noch zwey Weiber in feiner Jungfrauſchafft 
offenbahret hatte. 

25. Dieſes deutet der Geiſt in Moyſe und Efra heimlich un⸗ 
ter einer aͤuſſern Figur an / wie es kuͤnfftig gehen wuͤrde; und ob 

uns vielleicht die Bernunfft nicht glauben wolte / daran ung nichts 
lieget / dieweil wir dieſes ihrenthalben nicht entdecket haben / ſon⸗ 
dern um der verſtaͤndigen willen; ſo wiſſen wir doch auch wohl / 
in was Schauen wir ſchreiben. 


Das ss. Capittel 


UÜber das 27. Cap. Genef: erffäret wie Sfaac unwiſſend 
den Jacob an Efaus flätte arfeegnet/als er alt war 
und fterben folte / was darbey zuverftehen fey. 


Die Pforten des groffen Geheimnäß der ganzen Bibel. 


78 An die Bernunfft diefe Hiftoriedes 27. Capit⸗ 
tels Gene. lieſet / fo hat ſie zweyerley Gedanc⸗ 
ken daruͤber: Einer iſt / als ob Rebecca habe 
Jacob mehr geliebet als Eſau / und ihn derowe⸗ 
gen mit Liſt dahin gebracht / daß er den Seegen 
ſeines Vatters habe bekommen: Zum andern dencket ſie ja / daß 
es eine Schickung von GOtt ſey geweſen / daß Eſau des See⸗ 
gens nicht ſey wehrt geweſen / und wil Eſau gantz verdammen / 
darauff fie Dan die Predeftination geſetzet hat / und aber gang 
nichts von dieſer wunderlichen Figur verſtehet. 

2. So wir nun dieſe Figur wollen recht verſtehen und deuten / 
fo muͤſſen wir den Ertzvatter Iſaac an GOttes des Vatters 
Gtaͤtte in der Figur ſetzen / welcher allein ſeegnen kan / Sr 

an 








Gay. ss. an Eſaus ftätte gefeeguetiic. 515 
auch Iſaac in Abrahams Saamen geſceegnet hat / daß Iſaac folte 
wieder feinen Saainen in der Bundes Linea ſeegnen. 

3. Und Eſau ſetzen wir an des verderbten Adams ſtelle / als an 
Das Reich der verderbten Natur in menſchlicher Eigenſchafft / im 
Zorne Gottes ergriffen. 

4. Und Jacob ſetzen wir in die neue Wiedergebuhrt in die 
Menſchheit Chriſti welche GOtt der Vatter an ſtatt des ver⸗ 
derbten Adams geſeegnet hat / da er eine neue Wiedergebuhrt aus 
unſerer Meuſchheit in dieſer Linea hat ausgefuͤhret. 

5. Und ſehen allhie wie Adam hat den Seegen und Göttliche 
Salbung verſchertzet und verlohren / und wie er in dem irrdiſchen 
Bilde von GOtt verworffen ſey / wie er habe ſein Recht der Goͤtt⸗ 
lichen Salbung verlohren / wie allhie Eſau die erſte Gebuhrt 
und auch den Seegen. 

Die innere Geiſtliche Figur ſtehet alſo: 

6. Iſagc war alt / und wartete des ſterbens / und ruffete 
feinem erſtgebohrnen Sohn Sſau / daß er ihn mit dem Seegen 
Abrahams ſeegne / und hieß ihn ein Wildbraͤdt fahen / und 
zurichten / wie ers gerne eſſe / auff daß ſich ſeine Seele erquicke / 
und den Seegen des Heranin ihm erhebe / Daß er £fau möge 
ſeegnen. Und Sſau gieng hin / daß er hate wie ſein Vatter ha⸗ 
ben wolte / auff daß er ihn ſeegnete. Das iſt / im innern Ver⸗ 
ſtande in der Figur ſo viel: 

7. Als Iſaac jetzt ſterben ſolte / ſo bewegete ſich der Seegen 
in Gottes des Vatters Eigenſchafft in ihme / und wolte ſeinen 
natuͤrlichen Saamen der Adamiſchen Natur ſeegnen / als das 
Reich der Natur in Eſau: Dan Iſaac luͤſterte nach Wildbraͤdt / 
als nach dem Reiche der Natur in tyierifser Eigenſchafft / als 
nach dem verderbten Adamifhen Menſchen nach ver erften 
Schoͤpffung. 2 

8. Dan des Batters Seegen wolte auff Adam dringen in 
welches Stelle Eſau ſtundt / aber ver himmliſche Ens war in 
dem erften Adam verloſchen; darum mochte dem natürlichen 
Menſchen nicht mit einem Seegen allein gerahten wrden/ ſon⸗ 
dern es mufte ein anderer Ernft ſeyn: Der Seegen mufteim 
Reiche ver Natur ein Weſen / als Menſch werden / veffen war 
das Reich der Natur in feiner eigenen Krafft und Macht nicht 
fahig / wie allhie Eſau in feinem Reiche der Natur des Batters 
Stegen nicht faͤhig war. 

9. Denn das Reich menſchliſcher Natur war alfo vergiftet] 
daß es zerbrechen muſte / darum wandte fich 38 Seegen GOttes 

des 


yrs Wie Iſaat unwiſſend den Jacob Cap.sz. 


des Vatters in des Weibes Tinctur, als in die Adamiſche weib⸗ 
liche Tinctur, verſtehet des Liechts Tintar: Denn die feuriſche 
7Tinctut in Adam war im Grimme auffgewachet / als im Reiche der 
Finſternuͤß / und hat ein irrdiſch Bilde gemacht / und hierinnen 
Das him̃liſche verſchlungen / und getoͤdtet: Demſelben himliſchen 
verblichenen wolte der Seegen zu huͤlffe kommen / auff daß es im 
Seegen wieder lebendig wuͤrde / und das Reich der Natur / mit 
dehme es verleibet war / ſeegnete / tingirete und neu gebaͤhre. 
10. Weil denn in Abrayam und Iſaac in ihrem Saamen 
zwey Lineen außgiengen / als in Iſmael und Eſau das rechte ver⸗ 
derbte Adamiſche Bilde und in Iſaac und Jacob die Bundes— 
Linea in der geſchenckten Genade / fo wandte ſich der Seegen 
Gottes des Vatters / welcher in Iſaac war offenbahr worden / 
auff Jacob / als auff die Lineam Chriſti / welchen GOtt geſalbet 
hatte / daß er ſollte hinwieder den erſtgebohrnen Eſau / als den 
erſten Adamiſchen verderbten Menſchen falben / denn der erſte 
hatte ſeine erſte Gebuhrt aus dem Goͤttlichen Worte in der 
Schoͤpffung geſchehen / verlohren / und mochte nicht mehr aus ſei⸗ 
nem Centro geſeegnet werden. 
a. Denn der ſeeliſche Wille war vom ewigen Worte Goͤtt⸗ 
Eicher Heiligkeit abgebrochen / und hatte ſich ins Centrum des 
erſten Prine pii, als in Grimm der ewigen Ratur indie Schied⸗ 
ligteit des ſprechenden Worts eingewandt / als in die Wider— 


wertigktit des Streites; daher auch Iſaac den Eſau mit dem 


Worte des Streites ſeegnete / als er im Seegen zu ihm fpradj’> 
Du wirft dic Deines Schwerds naͤhren / und die Laſt deines 
Bruders von deinem Halfe reiſſen / anzudeuten / daß die ver- 
derbte Natur in ihm nun cin Knecht GOttes Zornes fey / und 
den Streit / welchen Adam in pen Lebens-Eigenſchafften er> 
wecket hatte / führen / und deffelben Diener feyn würde, ° 

r2. Day aber Ifaac folches nicht verſtund / und wolte Eſau 
aus dem Seegen des Brrndesfcegnen /undden Seepter in Ziom 
geben) darau schen wir/dag Iſaac und alle heilige Kinder GOt⸗ 
#8 / ob fg leic) in der Bundes-Linea aus der neuen Gebuhrt 
grbohren ſeynd / und darinnen fichen/ den inwendigen Grund 
ihres Weſens / darinnen das Reich GOttes in Krafft würdet 
und ſtehet / nach der ſeeliſchen Vernunfft in eigener Macht nicht 
urgreiffen / verſtehen / und damit in eigenem Willen was thun 
koͤnnen / ſondern GOlt wendet denſelben inwendigen Grund der⸗ 
Stätte GOttes wo er hin wil / und muß ihme die Seele nachſe⸗ 
hen wet er thut / wie allhie Iſgac miſte nachſehen / wehn ber 
Herr durch nis geſeegnet hatte, 23. Denn 


* 


Cap.55. an Eſaus ſtaͤtte geſeegnet lic 517 


13. Dentt Iſaac fagte zu Efeu / er folkte ihme ein Efferr 
machen wie ers gern äffe/ fo wolte ihn ſeine Seele ſeeggnen: So 
fund aber diefer Seegen in der Bundes: Einea, in welcher Chris 
feus follte entfprieffen / nicht inder Seelen Mast / fondern in 
GoOttes Macht: Den die Seck Iſaacs und, aller Kinder Adams 
waren noch immer mit der ſeeliſchen Wurbel am Bande des 
Zorns GOttes / welcher Zorn dieſe innerliche eingeleibte Gena⸗ 
den⸗ Lineam im Tode Ehriſti felte zerbrechen / und i in die Bundes⸗ 
Lineam gantz einverleiben und einigen. 


24. Darumb folfte nicht der fecliſche Wille in Iſaac den 
Seegen diefer Bundes-Linea fortplangen / umd dem Reiche der F 


ſeeliſchen Natur / als dem erſtzebohrnen Eſau und erſten Adam 


geben / denn die Gecle war eine Urfache des Verderbens nicht 


die Feuers⸗Tinctur hatte den Gewalt der neuen K crafft empfan⸗ 
gen / daun ihre Macht ſollte gebrochen werden / als ihr ſtoltzer 
$ucifer / der fie felber iſt / ſondern des Liechts Tinctur, welche in 
Adam verbliche / als die Feuers⸗Macht ftnſtere Irrdigkeit dar⸗ 
ein führete / welche in dieſer Bundes⸗Linea in Krafft des einge⸗ 
ſprochenen und verheiffenen eingeleibten Senaden- or ta wie⸗ 
der zruͤnete / Diefe Hatte den Gewalt und Die Kraft des Seegens.. 

15. Des Weibes Saame/ als des Liechts TindurundKrafft 
follte der urifäyen Schlangen Ben Korff zertretten / und der 
Scelen ihre fruriſche Macht in cin ſanfft Siebe euer verwone 
deln: Derfenrifihe Seelen- Wille feilte und mufte gang rani-. 
murirefund in Sanfftmuth gewandelt werden. 

16, Weildann die ſelbe verbli chene Liechts⸗ Tinctur von Adam 
ins Werb / als in Era gebracht ward / welche als Hein Apanı warf 
fein ſchoͤner paradiſtſcher Roſen⸗Garten der eigenen Liebe war / 
darinnen GOtt offenbahr war / und jetzo beym Seegen Iſaacs 
die Figur der Wiedergebuhrt ſtund / ſo muſte auch ſein Weib / 


als die geſtegnete Rebecca kommen / als eine / welche auch inter. 


Bundes-Linea ſtund / und die rechte Figur Chriſti / als den Ja⸗ 
cob an die Stätte des Seegens ſtellen / anzudeuten / daz Chri⸗ 
ſtus in dieſer Bundes-Linea ſollte im Weibes-Saamen / als in 
ver Liechts⸗ und des Feuers Tioct roffenbahr werden / und der. 
Seelen Ratur ans des Liechtes-Krafft annehmen / auff daß er 
möge über die Feuers⸗Natur der Seelen herrſchen Lund fie ins 
giechts Kraft wandeln. 

17. So war jetzo an die ſer Stätte die Rebecca Iſaacs Weib? 
eine Figur der Sungfrauen Marien / welche Chriſtum / als den 
—— GoOttes darſtellete / welcher follie Eſau und alle 

27 andere 


513 Wie Iſaac unwiſſend den Jacob Cap. 55. 


andere Adamiſche Kinder ſeegnen / und war alſo vom HErrn be⸗ 
ſchaffen / daß er Rebecca alſo führete / daf fte verſtund / daß der 
Seegen / als der Scepter Iſraelis in Jacob ruhete. 

18. Denn weil das Scepter in Zion im Weibes⸗Saamen nel 
als in der Jungfrauſchafft / fo ward auch allyier anjego daffel 
Scepter im Weibes-Saamen rage / dag ein Weib mufte Di 
Bundes-Linea zur Stätte Des Scegens GOttes des — 
welcher in Iſaac war / darſtellen / und muſte des Mannes / als 
der ſeeliſche natuͤrliche Feuer-Wille / hinden nachgehen / und 
Knecht ver Wunder GOttes ſeyn / und ſehen was GOtt mit ihm 
gethan hatte. 

19. Daß es aber ſcheinet zu ſeyn als eine Liſtigkeit und Trug / 
Das Rebecca hat den Jacob angerichtet / und dem Eſau den See⸗ 
gen entwandt / als häfte fie Sacob licher gehabt als Efau / dar= 
innen hat die Bernunfft blinde Augen: Denn durch des Teuffels 
Liſt kam der Fluch in die Welt / und durch Die Göttliche Liſt in der 
Liebe / kam die Zerbrehung des Todes und der Höllen wieder in 
die Seele /die Göttliche Liſt tödfete des Teuffels gift. 

20, Berjichets recht: Ein jede gift entficher aus der Luſt: 
Des Teuffels gift entſtund aus falſcher Suft : Alfo kam auch, 
GOttes Luſt wieder in des Weibes Saamen / in welche himm⸗ 
liſche Matricem der Teuffel hatte ſeine Luſt eingeſchmeiſſet / und 
zerbrach des Teuffels Luſt. 

21. Aus GOtt war es / daß Jacob den Seegen bekam / gantz 
wider der Vernunfft Meynen und Wollen: Denn er ſtund in 
der Figur Chriſti / und Eſau ſtund in der Figur des verderbten 
Adams. 

22. Darumb war Eſau gantz rauh auff der Haut / das deutet 
an die menftrofifche thieriſche Eigenſchafft / welche Adam im 
Falle durch die Luſt erwecket hatte / als ſich die Luſt Adams in ein 
Weſen einfuͤhrete / ſo ward das Fleiſch grob und thieriſch: Alſo 
verſchlang das thieriſche in ſich das himmliſche / und ward der 
Tod im Fleiſch offenbahr / und ſehen allhier in dieſer Figur klar 
das Bilde / wie es gehen ſollte. 

23. Iſaac wolte den thieriſchen Menſchen am Eſau ſeegnen / 
das welte GOtt nicht / fondern Chrifto gehörete der Göttliche 
Seegen: So fontederverderbie Adam auch des Seegens GOt— 
tes nich faͤhig werden / es nehme denn Chriſtus dieſe rauhe Thies 
res⸗Haut / welche Adam anzog / uͤber ſich / wie allhie Jacob nicht 
konte geſeegnet werden / er ſtunde denn auch in einer rauhen 


thieriſchen Haut. 
24.8048 





Cap.55. an Eſaus ſtaͤtte geſeegnet / a. 5919 


24. GOTT der Vaͤtter ſtellete ihme unſer Elend in ſeinem 
Bunde in Chriſto inunferer arnenangenommenen Menſchheit 
fuͤr: Denn Chriſtus ſollte in unſere Menſchheit eingehen / und 
in unſerer rauhen Geſtalt wandelen / und unſeren Tod der thie— 
riſchen Eigenſchafft zerbrechen / wie geſchrieben ſtehet: Er nahm 
all unſer Kranckheit auff ſich / uñ lud auff ſich unſere Schmertzen. 

25. Denn gleichwie Iſaac ſeinen Sohn Jacob in der rauhen 
Haut begreifft und fuͤhlet / ob es ſein Sohn der Erſtgebohrne 


war / dem der Seegen gehoͤrete: Alſo auch griff GOtt der Bat⸗ 


fer in die Eſſentz ſeines Sohns Chriſti ein / und fuͤhlete / ob die 

denſchheit Chriſti das erſte in Adam geſchaffene Bild wäre / 
davon ihme die Angſt am Oelberge entſtund / daß er blutigen 
Schweiß ſchwitzete / davon Eſaias ſagte / Er lud auff ſich unſere 
Schmertzen. 

26. Und gleichwie Iſaac von auſſen nur Eſaus Haut an Ja⸗ 
cob fand / und inwendig Jacobs Stimme hoͤrete / und ihn doch an 
Eſaus Statt ſeegnete / als waͤre es Efau: Alſo auch fand GOtt 
der Vatter an Chriſto unſer rauhe menſchliche Eigenſchafft / 
und herete aber von innen / daß GOttes Stimme in ihme ſchalle⸗ 
te / daß der Goͤttliche himliſche Ens unter unſerer angenommenen 
Menſchheit innen war: Darumb ruhete auch ſeine Stimme am 
Jordan in der Tauffe uͤber ihme / da er unſere Menſchheit ſeegne⸗ 
— Fin dehm er ſprach: Das iſt mein lieber Sohn / den ſollt ihr 
hoͤren. 

27. Alſo auch hoͤrete wohl Iſaac Jacobs Stimme unter der 
rauhen Haut / und verſtund / daß es nicht Eſau war / aber der 
Geiſt in ſeinem Seegen drang doch auff ihn / denn er pruͤffete in 
ihme den eingeleibten Grund des Bundes / als dieLineam der 
neuen Menſchheit: Dann er ſprach: Die Stimme iſt Jacobs 
Stimme / aber die Hände ſeynd Eſaus Hände / in welchem der 
Geiſt andeutet / daß in Jacob und allen Kindern GOttes im 
Fleiſch und Blut eben auch nur der erſte verderbte thieriſche 
Adamiſche Menſch ſey mit ſeiner rauhen Haut / welches GOtt 
nicht anfichet / fo nur die Göttliche Stimme im innern Seelen⸗ 
Menfchen inne wohnet/ welche mit GOtt Ein Geift ift. 

28. Und denn fehen wir in diefer Figur / daß unfere Thieress 
Haut in Fleiſch und Blute / damit wir alfo prangen/ vor GOtt 
nur ein Trug fey / gleichwie Jacob in dieſem Thieres= Zelle vor 
feinem Batter als ein Betrüger ſtund / und feinen Batter mit 
ber Thieres: Haut blenden wolte: Alſo auch tritt der irrdiſche 
Meuſch in ſeiner thieriſchen Eigenſchafft für GOtt und begeh⸗ 

ret 


4 


20 Wie Iſaac unwiſſend den Jatob Cap. ss. 


vet GOttes Seegen: Aberer mag ihme nicht wiederfahren / cr 
habe denn Jacobs / als Chriſti Stimme unter dieſer Thieres⸗ 
Haut in ihme. 

29. Dann gleichwie Jacob unter dieſer Thieres-Haut glatt 
und reine war; alſo auch muͤſſen wir in unſerem inwendigen 
Grund unter der Thieres-Haut glatt und rein ſeyn / wollen wir 
aber daß GOttes Seegen uͤber uns ruhen foll : Denn wir ſehen 
in diefer Figur gar wohl / daß der Seegen nicht wolte auff Eſau 
ruhen / welcher von Natur eine rauhe Thiercs- Haut in feiner 
Eſſentz hatte / ober gleich der Erſtgebohrne war) dem der Seegen 
erblich gehörete. Denn der erfte Menſch war in feiner Natur 
verdorben/ und hatte Das Erbe GOttes verlohren ; der Seegen 
ſambt ver kindlichen Erbſchafft ruhete nur allein auff dem andern 
neuen Adam. 

30. Mehr deutet dieſeFigur an / daß der neue Menſch in Chri⸗ 
Fo wuͤrde dem Teuffel / ſo wohl dem Menſchen der Voßheit / ſei⸗ 
nen Scepter und Gewalt nehmen / und uͤber ihn in diſem See⸗ 
gen in Krafft herrſchen / gleichwie Jacob über feine Feinde zum 
Her geſetzet ward : Dieſe Figur deutet gantz auff Chriſtum. 

32. Denn gleichwie Jacob eine frembde Geſtalt an ſich nahm / 
und in frembder Kleidung für feinen Vatter fratt/ und den 
Seegen von ihme begehrete / und auch erlangete : Alfo nahm 
auch Chriſtus / als das ewige Wort eine frembde Geſtalt / als. 
unſere Menfchheit an fich / und brachte diefelbe für feinen Bat⸗ 
ter / daß er fie ſeegnete. 

32. Und wie Ifaac feinen Sohn Jacob mit dem Thau des 
Himmels ımd der Fettigfeit der Erden / fo wohl mit Korn und 
Wein fergriete > Alſo auch ſeegnete GOtt der Vatter unfere 
Menfchheitin Chriſto: Denn unfere Menſchheit war auch aus 
dem Limo der Erden inihrem Urftande/ und war von dem Thau 
2.3 Himmels /von Korn und Wein genähret und auffgezogen/ 
das ſeegnete GOtt zur neuen Gebuhrt und Aufferfichung der 
Toden / auff das Fünfftige Leben. 

33. Und wie Iſaac den Jacob in dieſem Seegen zum Herrn 
über feine Brüderder natürlichen Eigenſchafft feßere : Alſo 
euch bat GOtt die neue Gebuhrt im Seegen Chrifti zum Herin 
übertie Adamiſche ratur im Sleifch und Blute gefeget/ dag der 
neue Menſch aus GOttes Stegen gebohren/foll über alle Glie⸗ 
ver feines natürlichen Leibes herrſchen / und daß fie follen dem 
neuen Menfihen unterthan ſeyn. 

34 Und wie Iſagc den Fluch darzwiſchen fetzete / daß We 

Jaco 








Cap.ss. an Eſaus ſtaͤtte geſeegnet / ꝛc. 521 


Jacob fluchete / der ſollte verflucht ſeyn / und wer ihn ſeegnete / der 
follte auch geſeegnet ſeyn: Alſo hat auch GOtt den Fluch auff 
das verderbte Adamiſche Reich geſetzet / dag / welcher nicht im 
Seegen Chriſti befunden würde / der muͤſſe ewig im Fluche 
GHDttes feyn: Wer aber fein Gemuͤthe und Willen würde in 
die ſen Jacobs⸗als Chrifti Seegen einführen / der ſollte twig im 
Seegen ſeyn. 

35. Ferner ſehen wir in dieſem Bilde wie es den Kindern 
GOttes gehet / denn als Iſaac hatte Jacob geſeegnet / fo Fam 
Eſau mir feinem Wildpraͤt / dafuͤr entſatzte ſich Iſaac fein Bat—⸗ 
ter / und ſprach: Wie / wer biſt du? Und erſchrack dafuͤr / daß 
erden Jacob hatte unwiſſend geſeegnet: Welches cin Bilde iſt / 
wie der Adamiſche Menſch fo gar nichts von GOttes Weegen vers 
ſtehet: Wie ihn Bott nach dem innern Grunde offters ſo wunder⸗ 
lich fuͤhret / daß ob er gleich auff dem Weege GOttes geführet 
wird / fo ſichet er doch mehr die aͤuſſere Vernunfft an) und ftöjfet 
ſich offte an aͤuſſerlichen vernuͤnfftigen Dingen zeitlicher Ord⸗ 
nung und Guͤther / und laͤſſet ihme eine Furcht antommen / und 
wil ſchlecht / dag feiner Vernunfft Wille geſchehe / wie allhier 
ſich Iſaac entſatzte / daß ihme ſein Vernunfft Wille war gebro⸗ 
chen worden. 

36. Und erkennen hierinnen das Elend und Unwiſſenheit der 
Kinder GOttes / wie die Vernunfſt in ihr eigen Regiment ein⸗ 
gehet / und ſich nicht wil GOtt gantz laſſen / und ſich entſetzt wenn 
es anderſt gehet / als ſie ihr hat eingebildet. 

37. Und denn ſehen wir / wie GOtt mit feinem Liechte ja Ver— 
ſtande endlich herfuͤr bricht und dem Menſchen feinen Weeg 
anzeiget / daß cr ſich befriediget / wie allhie Iſaac thaͤte / da er fagtes 
Dieſer Jacob iſt geſeegnet / er wird auch wohl geſeegnet bleiben: 
Denn er verſtund nun GOttes Willen. 

38. Ferner ſehen wir in dieſer Hiſtorien / wie Eſau alſo klaͤg⸗ 
lic) vor feinem Vatter umb den Seegen weinet / und zu ſeinem 
Vatter ſaget: Seegne mich auch mein Vatter / haſt du denn nur 
einenSeegen? haſt du mir keinen Seegen vorbehalten! Aber fein 
Batterfprach: Ich Habe ihn zum Herzen über Dich geſetzet / und 
alle feine Brüder habe ich ihme zu Knechten gemacht / init Koru 
und Wein habe ich ihn verfehen / was foll ic, doch dir nun thun? 
Diefes deutet andas Reich Chriſti wie es GOtt habe zum Her= 
ren über dag Neich der Natur gemachet / wie Chriſtus fagtes 
Mir iſt aller Gewalt un Himmel und auff Erden von meinen 
Vatter gegeben worden. 

| 39. Mehr 


522 Wie Iſaac unwiſſend den Jacob Capı ss. 


39. Mehr deutets an / wie die verderbte Adamiſche Natur in 
Eſau und allen Menfchen nicht möge dieſes Seegens theilhafftig 
werden; ſie ſterbe denn zuvorhin ihres eigenen Rechts und 
Willens abe; Gleichwie Efau von feinem Vaͤtter nicht Fonte 
mit Dem heiligen Scegen gefeegnet werden: Denn er war das 
Bilde des verderbten Adams nach dem Reiche der Natur: Alfo 
mag auch die irrdiſche Natur des heiligen Geiftes in ihrer EL- 
ſentz nicht fähig werden: Davon Ehriftus ( Joh: 6. ) füget: 
Fleiſch und Blut ſoll GOttes Reich nichterben ; Es falle denn 
indie Erden / und gehewieder infeiner erften Mutter Leib wie 
ein Korn / und übergebe feine Natur der erften Mutter. 

40. Und denn fehen wir allhie / wie Iſaac feinem Sohne E⸗ 
ſau einen zeitlichen Seegen giebet / und ihme nur andentet/ wie 
der natürliche Menſch vom Geifte diefer ABelt / als vom Spititu 
Mundi geführet werde : Denn zu Sacobfagteer: GOtt gebe dir 
vom Thau des Himmels undvon der Fettigkeit der Erden / und 
Korns und Weins die Fülle: Aber zu Efau fagteernur: Sies 
he da / du wirft eine fette Wohnung haben auff Erden / und vom 
Thau des Himmels von oben her / deines Schwerdts wirft du 
Dich nähren/ und deinem Bruder dienen und es wirdgefcher 
hen / daß du auch ein Herz feyn/ und fein Zoch von deinem Halfe 
reifen wirft, 

41. Und deutet damit an / in was Negimentder äuffere nas 
tuͤrliche Menſch gefuͤhret / getrieben und genaͤhret wird / und 
was feine Begierde und Thun ſey / als nehmlich / dahßer in ſei⸗ 
nem Gemuͤhte nur ein Raͤuber / Moͤrder / und boͤſes Thier ſey / 
Pi nur begehre mit Gewalt und Morden/ alles unter fih zu 
ziehen. 

42. Denn Iſaac ſaget nicht: Du ſolſt dich des Schwerdts 
naͤhren / ſondern du wirſts thun / als Gottes Grimm im Reiche 
der verderbten Natur mit des Teuffels Willen / wird dich darzu 
bewegen / daß du wirſt die Fettigkeit der Erden an dich ziehen / 
und wirſt von oben herab vom Geſtirn geregieret und getrieben 
werden / und wirft in natürlicher Krafft die Kinder GOttes | 
welche in GOttes Kraffi herrſchen / von dir abtreiben / das iſt / 
Das Zoch von deinem Halfe reiffen : wennfieder H. Geiſt in 
Gottes Kindern wegen ihrer Tyranneh ftraffet / fo morden und 
tödten fie diefelben/und reifen des H. Geiftes Schwerdt von ih⸗ 
rem Halſe / wie allhie Iſaac ſaget: Du wirſts tim. 

43. Wie es deñ Eſau alsbald thaͤte / und wolte Jacob toͤdten / daß 
ZDacob MB Seegen vor ihn wegfliehen muſte: Allda * er 
ibm 








Cap. 55. an Eſaus fkätte gefeegnet. 523 
ihme des H. Geiſtes Laſt von feinem Halfe geriſſen / und iſt die ſes 
Andeuten oder Weiſſagen des Ertzvatters Iſaac ein Figur / wie 
die Eſauiten und Tyrannen / als fleiſchliche Bruͤder der Ehriſten / 
wuͤrden unter den Chriſten wohnen / und Bruͤderlicher Art 
nach / von einerley Eltern gebohren werden / wir Eſau und Ja> 
cob / und wuͤrden ſie doch nur mit Schwerdt und Plagen ver⸗ 
folgen / und von ſich ſtoſſen; und wuͤrden doch auch ſtehen als 
Chriſten und den Seegen Gottes begehren / wie denn Eſau ſtund 
und weinete umb denSeegen / und ware ihm doch nicht umb Got⸗ 
tes Reich zu thun / ſondern daß er moͤchte ein Herr auff Erden 
uͤber ſeine Bruͤder und andere Menſchen ſeyn / und moͤchte 
Reichthum und Bauchfuͤlle haben. 

44. Dieſer Eſau in ſeinem Seegen iſt eine wahre Figur des 
Antichriſts / welcher mit den Lippen ſich zu GOtt nahet / und ſich 
in einen aͤuſſerlichen Scheindienſt Chriſti begiebet / als thue ers 
GoOtt / ſtehet auch und pranget mit Gleißnerey / ſtellet ſich an⸗ 
daͤchtig / auff daß er von Menſchen geehret werde / und daß fein 
GOtt Maolim fett werde / weinet auch für Boßheit / wenn man 
ihme nicht wil thun / was er haben wil / wenn er nicht mag 
den Bauch⸗Seegen bekommen / wie viel fein GOtt Maoſim wil⸗ 
und wer ihn antaſtet / und vom Seegen Gottes ſaget / dehn wil 
er toͤdten / er mag auch keinen Diener Chriſti unter ſich dulden. 

45. Die Vernunfft meynet / weil daß Iſaac zu Eſau ſagte: 
Du wirſt dich deines Schwerds naͤhren / es habe ihms GOtt be⸗ 
fohlen / und ſteuret ſich darauff:: Es iſt aber ein anders: GOtt 
wil keinen Krieg / ſondern das Reich der Natur in Gottes Zorn 
wil dehn / welcher einig alleine aus dem Reiche der Natur gebohren 
iſt / der lebet auch demſelben. 

46. Darumb ſagte Ifaar/ du wirſts thun; als wolte er ſagen / 
du wirſt durch deinen Zorn dem Zorn Gottes dienen / und wirſt 
ein Herr im Reiche der Natur in dieſer Welt ſeyn / wie ſich die 
Reichen in Gewalt und Macht einfuͤhren / und thun es durch das 
Reich der Natur im Grimme. 

47. Und ſehen weiter / wie Eſau ſeinem Bruder Jacob ſey 
gram̃ umb des Segens willen geweſen / deſſen er doch nicht faͤhig 
war nach dem Reich der Natur: Anzudeuten / wie die wahre 
Kinder Chriſti um diefes Seegens willen würden yon den Kin 
dern im Keiche der Natur angefeindet/ verfolget und getoͤdtet 
werden : Und Urfache ift diefes/ da das Neiche der Gnaden ſol⸗ 
te über das Reich der Natur hersfchen/ und daffelbe am Ende der 
Tage gerbrechen und in feine Gewalt wandeln: und darum iſt 
der Streit zwiſchen beyden Reichen. 48. Den 


524 Wie Zacob von Efanswegen Cap. 56. 


48. Denn die Kinder Chrifti müffen in diefer Zeit nach dem 
Auffern Menfchen im Keiche ver verderbten menschlichen Natur 
leben / als im Reiche ver Efauiten / und find doc) nach dem Gei— 
fie nur frembde Gaͤſte darinnen / wie Chriftus-fagte: Mein 
Reich iſt nicht von dieſer Welt / darumb find ihnen die Kinder 
* Welt gram̃ / und verfolgen ſte / wie Eſau ſeinen Bruder 

acob. x 

49. Denn wo das Reich Chriſti anhebet zu gruͤnen / allda he⸗ 
bet alsbald das Reich des Teuffels an zu zoͤrnen / und folches 
Darum) dag ihme das Reich Chriftiden Gewalt und Fürftlichen 
Thron nehmen und zerbrechen wil und foll/ daher ift ver Streit 
indiefer Welt zwifchen Jacobs und Efaus Kindern, 

so. Dennalsbald Jacob den Seegen empfieng / fo fakte ihm 
Eſau für in feinem Gemühte den Jacob zu morden / welches ei⸗ 
ne Figur Ehrifti iſt / wieihn Gottes Zorn in diefem Seegen in 
unferer angenommenen Micnfchheit nach dem Reiche ver Natur 
folte morden; und wie die Kinder Chriſti in Gottes Zorn nach 
dieſem Ratur-reiche würden gemordet werden / und ihr Blut in 
die ſem Mordegeifte vergieffen / auff daß Gottes Zorn damit ges 
tilget / und in Liebe verwandelt würde, 


Das 56. Capittel. 


Wie Iſaac und Rebecca den Jacob muften von 
Eſau weg in frembde Lande ſchicken / und wie ihme der 
Herr im Gefichte erfibienen auff der Leiter / welche 
biß an den Simmel gereichet hat und wie fich Eſau 
hernach gegen feinen Eltern gehalten habe] was 
darbey zuverjtehen. 


Uber das 28. Cap. Genel. 


I. $3 Jacob den Sergen empfangen hatte / fo muſte er 
aus feines Datters Haufe von Batter und Mutter 
wer wandern / und vor dem Grimm Efaus fliehen; 
Diefes ift num eine Figur Chrifti/ wie derfelbe / 
nach dem er unfere Menfchheit angenommen und ge> 

ſalbet hatte/ würde mit unferer Menſchheit ausihres Vatters as 

damifchen Haufe wiederindas erfte Paradififche Haus fliehen. 
2, Uno denn deutets ſerner an / wie die Kinder Chriſti / - 
a 


Sap.sd. in frembde Sande geſchicket / ꝛc 325 


bald nach ihrer Salbung und Seegen / in dem die neue Gebuhrt 
im Seegen Chriſti in ihnen anfaͤhet / ſollen und muͤſſen aus ihres 
Batters Adamiſchen Haufe der verderbten Natur mit Sinnen 
und Gemühte augflichen / wieihnen alsbald der Teuffel und die 
Welt gramm wird / dag fte fich müffen alsbald auff Chriſti Pils 
gram⸗ſtraſſen begeben / und unter der Welt dienſtbarem Joche 
in Elende und Zwängung leben : Denn GHtt führet fie alsbald 
init ihren Sinnen und Gemühte ausdem Haufe ihres Vatters / 
als aus der Begierde im Fleifch und Blute / daß fieder Welt 
Wolluſt nichts achten und davon außfliehen / wie Sacob von feie 
nes Vatters Haufe. 

3. Und denn ſehen wir / wie GOtt ſeine Kinder alſo wunder⸗ 
lich fuͤhret / und ſie fuͤr ihren Feinden beſchirmet / daß ſie der 
Teuffel in Gottes Zorn nicht morden mag / es ſey denn Gottes 
Wille / wie er Jacob für dem Zorn Eſau behuͤtete / und von ihs 
me wegfuͤhrete: und haben ein ſchoͤn Exempel an Jacob / wie 
er habe feines Vatters Haus / auch Vatter und Mutter um 
dieſes Seegens willen verlaſſen / und GOtt mehr geliebet / als 
alles zeitliche Gut / und gerne dem Eſau alles gelaffen / daß er 
nur moͤchte der Geſeegnete Gottes feyn. 

4. Und wie ihme alsbald / nachdem er dieſer Welt Reichthum 
in feines Vatters Haus hatte verlaſſen / ſey der Herr mit dem 
ewigen Gute erſchienen / und ihme die Leiter gewieſen / darauff 
er koͤnte in Gottes ewiges Reich ſteigen: Welche Leiter anders 
nichts war als Chriſtus / welchen er hatte in der Burndes-Linea 
angezogen /fo ward ihme allda ein Bilde fürgeftelleti was Chri⸗ 
ſtus vor eine Perfon feyn würde. E 

5. Denn diefe Leiter reichete / feinem Beduͤncken nach / won 
der Erden/ mitihrer obern Spise biß in Himmel; darauffdie 
Engel Gottes auff und nieder fliegen ; welches andeutet / wie 
fich Das ewige Wort mitder Kraft des Himmels / als mit der 
englifchen göttlichen Welt Wefen wärde in unfer von GOtt 
abgewichnes/ und an GOtt blindes Weſen einerfenden/ un® 
unfere Menfchheit annehmen / und alfo den Himmel mit der 
Welt im Menfchen vereinigen / dag die Menfchheit durch 
dig Eingehen der Gottheit in die Menſchheit / eine Leiter zu 
GOtt hätte. 

6. Und wie die Menſcheu würden in der Engel Befellfchafft 
Durch Ehrifti Mienfchheit Fommen (Matıh. 13. v. 22.) wel⸗ 
ches diefes Elar andeutet / daß die Engel Gdttes auffdiefer Lei⸗ 
ter auff und abftiegen = Als dag der Himmel wuͤrde im *— 

en 


326 Wie Jacob von Eſaus wegen Cap.56. 


ſchen durch dieſe Eingehung des goͤttlichen Weſens in die 
Menſchheit / wieder auffgeſchloſſen werden / und dag die Kinder 
Gottes würden die Engel zu Gefährten in diefer Welt haben / 
welches GOtt dem Jacob zeigete/ dag die Engel Gottes auff die» 
fer Seiter zu ihmauffundabfteigen. - 

7. Welches den Kindern Goͤttes / welche fich von ihres Bat 
ters Haufe / als von diefer Welt Eitelkeit] zu diefer Jacobs⸗Lei⸗ 
ter wenden / eingroffer Troft ſeyn ſoll / daß fie gewiß wiffen fole 
len / dag Gottes Engel auff diefer Leiter / zu der fie ſich haben 
gewandt / zu ihnen kommen / und gern umb fie ſeyn. 

8. Denn dieſe Leiter bedeutet eigentlich die Pilgram⸗ſtraſſe 
Chriſti durch dieſe Welt in Gottes Reich / indehme den Kin⸗ 
dern GOttes noch alleweile das Reich der verderbten adamiſchen 
Natur anhanget / und fie in Fleiſche und Blute im Geiſte dies 
fer Welt zuruͤcke halt / fo muͤſſen jre nach dem inwendigen Mens 
ſchen in Chriſti Geiſte ohne Unterlaß in viel Ereug und Trübfal 
dieſe Leiter ſteigen / und Chriſto unter ſeiner Creutz und Blut⸗ 
fahne nachfolgen. 

9. Dagegen lebet die Welt in Wolluſt in ihres Vatters Ada⸗ 
mischen Haufe in Spötterey und Verdruß / alles was ſie koͤn⸗ 
nen diefen Jacobs Kindern zuwider thun / das ift ihnen cine 
Freude / und fpotten derer nur/ wie wir deffenein Exempel an 
Eſau haben/ wie er feinem Batter und Mutter zu Troge und 
Verdruß die Iſmaelitiſche Weiber ausder Lineader Spotterey 
genommen habe / welche beyde Iſaac und Rebecca eitel Hertzen⸗ 
leid gemacht haben. 

10. Da man denn Flar fihet wie der Teufelim Neiche diefer 
Welt/in der verderbten menfchlichen&igenfchafft ſeinen Gewalt 
hat/ und Gottes Kindern ohne unterlaß widerftchet und fie aͤng⸗ 
feet und plaget/und mit ihnen um fein Königreich/welches er ver» 
lohren hat) ftreitet/ und ihnen das nicht gönnet. 

11. Und ſehen gar ſchoͤn wieder HErroben auff dieſer Leiter 
der Pilgram ⸗ſtraſſe Chriſti ſtehet / wie beym Jacob / und den Kitts 
dern Chriſti ohne unterlag ruffet und ſie troͤſtet / daß ſie ſollen nur 
getroſt darauff ſteigen / er wolle ſie nicht verlaſſen / ſondern zu 
innen kommen und ſie ſeegnen / daß ihr Saame und Frucht ſolle 
gruͤnen wie Staub auff Erden / das iſt / daß ſie in dem inwendigen 
goͤttlichen Reiche in ihrer Muͤhe und Angſt würden außgruͤnen. 

12. Denn ſoviel die Kinder Chriſti von dieſer Welt aufgehen 
und dieſelbe im Gemuͤhte verlaſſen / alſo viel gruͤnen ſie im in⸗ 
wendigen Reiche Chriſti aus / da denn GOtt eben auff dieſer Lei⸗ 

ter 


/ 


Cap. 56. infrembde Sande geſchicket / tc. 527 


ter ſtehet / und immerdar feinen Seegen und Krafft in ſte ein⸗ 
ſpricht / dag fie als Neben an feinem Weinſtocke wachſen / wel⸗ 
chen er in Chrifto in dieſem Jacobs-⸗Seegen hat wieder in unſer 
Menſchheit eingepflantzet. 

13. Und ſehen hierbey klar / daß dieſes gantze Bild von Abra⸗ 
ham an biß auff Jacob eitel Figuren vom Reiche und der Perſon 
Chriſti und ſeiner Kinder ſey; denn allhie verneuret GOtt den 
rerheiffenen Bund Abrahams vom Weibes⸗Saamen mit Jacob 
auch / daß aus feinem Saamen / als ausder Bundes-Linea folte 
der keimen (welcher alle Bölder ſeegnen folte / um welches wil⸗ 
len auch Jacob von feines Batters Haufe geführet ward / auff 
daß GOtt Das Reich Chriſti Aufferlicy in der Figur vor ihm 
ſtehen Hätte / um welches willen er feinen Zorn von den Kindern 
des Unglaubens finden ließ und te nicht verderbte / undihnen 
Zeit zur Buſſe ließ / und feinen Grimm alfo in diefem Bilde vera 

föhnete auff die zukünftige Erfüllung. 

14. Auch haben wir allyier einen ſtarcken Grund und Berfiches 
rung / daß Ehriftus warhafftig habe unfere Adamiſche Seele 
und Wenſchheit im Leibe Mariaͤ an ſich genommen / und den 
Tod / Hölle und Gottes Zorn in unſerer angenommenen Menſch⸗ 
heit zerſtoͤret / und dieſe Jacobs⸗Leiter auffgerichtet; Denn Gott 
ſprach zu Jacob: Durch dich und deinen Saamen ſollen alle 
Geſchlechte auff Erden geſeegnet werden; Durch dich Jacob / 
durch deinen eigenen Saamen / welcher iſt GOtt und Menfch / 
als himliſcher Zoͤttlicher Ens und Weſen / und menſchlicher Ens 
und Weſen in Krafft des ewigen Worts. 

15. In welchem Worte ſich der heilige Name Iheſus / als die 
hoͤchſte Liebe der Gottheit außgewickelt hat und in unſerer ange⸗ 
nommenen Menſchheit offenbahret; welche einige Liebe Gottes in 
dem Namen JESU den ri der ewigen Natur in unſerer See⸗ 
len aus des Vatters Eigen haft im Zorne überwinden und in 
Siebe der Göttlihen Freude gewandelt / und den ftillen Tod / der 
unshattevon GOttes Schen abgefihieden / zerbrochen / und das 
Goͤttliche Leben der hoͤchſten heiligen Tinctur im ewigſprechenden 
Worte der Goͤttlichen Krafft im Tode offenbahret / und den Tod 
zum Leben gemacht / das alſo unfere Seele in dieſer Goͤttlichen 
Krafft mit durch den Tod und Zorn GOttes gedrungen. 

16. Und haͤlt ſich mit nichten alſo / wie etliche ſagen / das We⸗ 
ſen darinn das Wort ſey Menſch worden / ſey nicht von Adam 
herz ſondern wie fie gang irrig ſagen / die Jungfrau Maria fey 
sicht von uns Menſchen / fie habe nur äufferlich einen Menfe . 

zei 


523 Wie Jacob von Efaus wegen ap. ss, 


Leib von Anna an fich genommen) und fey nicht von Joachims 
Saamen / fondern fey eine ewige von GOtt hierzu erkohrne 
Qungfrau vor der Welt gewefen. 

17. Diefer Text lehret uns ein anders/ da GOtt fagte: Durch 
dich und deinen Saamen/nicht allein Durd) einen freinbden Goͤtt⸗ 
lichen fordern durch Dich und, deinen Saamen / mit Eingehen des 
Göttlihen Weſens: Chriftus folte in Adams Seele und Leib 
den Tod zerbrechen / und die Höllein Adams Seele und Leib / 
welche im Paradis war offenbahr worden / zerflören. 

18. Denn allhie lag unfere Krankheit und Elend/ das Chris 
ſtus / als ein Joch auff ſich nahm: Chriſtus opfferte feines Vat⸗ 
ters Grimme / welcher in unſerer Menſchheit war entzuͤndet wor⸗ 
den / und auffgewachet / ſeine hoͤchſte Liebe in unſerem menſchli⸗ 
chen und feinem heiligen Blut: Seine heilige Tinctur gieng in 
unſern menſchlichen Tod ein / umdringirete unfere in Adam vers 
blichene himliſche Weſenheit welche in Adam verblich / alser 
Irrdigkeit und falſchen Willen darein führete/ und wertete unſer 
verblichenes himmliſches Weſen mit ſeinem lebendigen Weſen 
auff/ daß das Leben durch den Tod gruͤnete; und dieſes war die 
duͤrre Ruͤhte Aaronis andeutend. 

19. Darum iſt dieſes nicht der wahre Verſtand daß etliche 
ſagen / Chriſtus habe in der ewigen Jungfrauen Maria eine 
Seele aus dem Worte an ſich genommen / daß Chriſtus / als der 
von GOtt kam / und feine Seele in der Menſchheit Chriſti eines 
Anfanges ſey. 

20. Wohl find ſie in der Menſchwerdung vereiniget worden / 
daß ſie unzertrennlich ſind / aber der wahren Seelen Ens, wel⸗ 
chen das Wort im Namen lESUS aunahm / war von uns Men⸗ 
ſchen aus des Weibes Tinctur, als aus der rechten Adamiſchen 
Seelen / jedoch aus der Eigenſchafft des Liechts / welche aus 
Adam ins Weib geſchieden ward / auff daß dieſelbe Liechts-Ei⸗ 
genſchafft die feuriſche maͤnnliche Eigenſchafft wieder in die Siebe 
und Göttliche Demuth ſolte trranfmutiren/und die mannliche und 
weibliche Eigenfchafft wieder gans in cin Bilde gewandelt wuͤr⸗ 
de /wie Adam vor feiner Eva war/da er weder Mann noch Weib 
war / fondern eine männliche Jungfrau. 

21. Darum nahm Chriftus feine Seele vom Weibe /alsvon 
einer Jungfrauen / und ward aber cin Mann / auf dag er recht 
im Adamiſchen Bilde fund / und die abgewandte zertheilete Le— 
bens⸗Eigenſchafften / in welchen fich unfer Wille hatte von Gott 

abgebrochen] wieder in die Temperatur und Einigung/ als in das 
Eins braͤchte. 22, Dei 


Cap. 56. in frembde Landen geſchicket / 20. 529 


22. Denn Adam wandte ſeinen Willen von dem einigen Wil⸗ 
fen Gottes / und IESUS Chriſtus nahm unſere Seele wieder in 
den einigen Willen GOttes ein / und wandte unſern Seelen⸗ 
willen in unferer angeno mmenen Menſchyeit wieder in den eini⸗ 
gen Willen GOttes ein. 

23. Daß wir aber den Leſer gantz gründlich beſcheiden was 
unſere Seele / und denn das Wort das Menſch ward / gegen ein⸗ 
ander ſey; Dieſes iſt alſo: Unſere Scele war vorm Anfange der 
menſchlichen ſeeliſchen Creatur ein Ens des Worts GOttes im 
Worte / (loh. x.) und ward aber vom ſprechenden Worte GOt⸗ 
tes dem Menſchen-Bilde in ein natuͤrlich und creatuͤrlich Leben 
eingeſprochen / und in ein Bilde des ewigſpreckenden Worts for- 
miref, Dieſes creatuͤrliche Seelen⸗ Leben waͤudte ſich in Adam 
von dem Goͤttlichen Sprechen ab / in ein eigen llen und 
Sprechen / und war deßhalben vom gantzen ungruͤndlichen We⸗ 
ſe en abgebrochen und von GOtt geſchieden. 

24. In dieſes abgeſchiedene Wort / als in die Seele gab ſich 
das einige Goͤttlich ſprechende Wort wieder ein / und wandte 
der Stelen Willen wieder in das ewige Eine / als im das ewige 
Sprechen Gottes ein; darum iſt die Seele ja wohl anf dem e⸗— 
wigen Worte / aber Chriſtus / als die hoͤchſte Liebe der Gottheit 
nahm nicht eine neue Seele aus den ewigen Sprechen / ſondern 
unſere Seele / als das einmahl in Adam geſprochene und ge⸗ 
formte Wort/aufdager daſſelbe einmahl in Adam geſprochene 
uñ geſormte Wort / als unſere Menſchliche Seele in ſeinem Lie⸗ 
be⸗ ſprechẽ wieder in ie Gnade un Einigung der Gottheit braͤchte. 

25. GOtt ſprach unſerer armen abgewandten Seelen im 
Paradeiß nach dem Falle alsbald den Bund und die Wurtzel 
ſeiner hoͤchſten Liebe und Gnade durchs Wort wieder ein / als ein 
Generum der Gnaden zur wieder⸗ Umwendung und zur neuen 
Wiedergebuhrt. 

26. Und in Abraham eröffnete er den Bundj we Ihen Abra> 
ham mitfeiner Begierde ergriff / als einen Ens zum Baume / 
und Geiftlicher Artempfieng / aber ohne Weſen im Menſchen 
ſtund / fondern als eine geiftlihe Form und Inmodelung des 
fräfftigen IBoris. 

27. Welches Wort infiner geiftlihen Figur in Maria der 
Sungfranen am Ziel / als am Ende der geiftlichen Forme ſtund / 
ailda dieſelbe geiſtliche Form von Wort GOttes in einen we⸗ 
ſentlichen Ens ge faſſet ward / und hiemit auch zu: aleich unſer 
menſchliches Weſen nad) der Seclen ins Bilde des Worts / und 

3 nach 


530 Wie Jacob von Eſaus wegen Cap. 56. 


nach dem Weſen des Leibes in Menſchliche Bildung eingefaffet / 
und ein ſelbſtaͤndiger Gott⸗ menſch war. 

28. Diefes eingefaffete geiftliche Bilde / welches des Glau⸗ 
bens Saame war / welchen Abraham im Glauben ergriff / kam 
auf Iſaac / undvon Iſaac auff Jacob / und zu Jacob ſprach 
GHtt: Durch Dich und deinen Saamen ſollen alle Voͤlcker ge— 
ſeegnet werden / als durch Diefen Glaubens-Saamen / welchen 
Jacob hatte von feinem Batter Iſaac in diefer Bundes-Linea 
empfangen welche Glaubens>Linea fich hatte in die menfchliche 
Eigenſchafft / nach dem innern Grunde des zweyten Principii 
eingelcibet / als in das in Adam verblichene Bilde von der him̃⸗ 
liſchen Welt Wefen. 

29. In welchem eingeleibten Grunde das Ziehl des Bundes 
Gotted ifeiner geiſtlichen Form blieb ſtehen biß auff Mariam / 
und ward von Meuſch zu Menſch fortgepflantzet / als von Adam 
und Eva biß auf Mariam / allda hat ſich das Wort der Goͤtt⸗ 
lichen Krafft beweget / und unſer menſchlich Fleiſch und Blut 
ſambt der Seelen eſſentialiter angenommen / und den verbli= 
chenen himmliſchen Ens im Saamen Marix unſers Theils leo 
bendig gemacht; welche Offenbahrung auch in Marien himm⸗ 
liſche Weſenheit eindrang / daß ſie derſelben himmliſchen Jung⸗ 
frauſchafft / welche in Evaverblich / lebendig ward / und in dies 
ſer lebendigen Jungfrauſchafft / als in Adams himmliſchen 
Matrice, ward GOtt Menſch. 

30. Und das iſt Marien Benedeyung unter allen Weibern / 
das fie die erſte von Adam her iſt / in welcher iſt die himmliſche 
Matrix wieder eroͤffnet worden / in der die duͤrre Ruhte Aaronis 
recht gruͤnete als das Reich GOttes: Sie iſt die erfle/ in 
welcher das Derfchloffene offenbahr ward / denn in ihr ſtund das 
Ziel des Bundes im geiſtlichen Bilde am Ende / und in ihr ward 
es mit unſerer Menſchheit erfuͤllet. 

32. Sie aber iſt wahrhafftig Adams / Abrahams / Iſaacs und 
Jacobs Tochter / beydes nach der Menſchheit und nach dem Bun⸗ 
de der Goͤttlichen Figur / und in ihrer Empfaͤngnuͤß / als das ine 
nere eingeleibte Bildedes eingeſprochenen im Glauben gefaſſe⸗ 
ten Gnadenbundes / unſer menſchliche Eigenſchafft annahm / ward 
Das Reich Chriſti im Fleiſche offenbahr. 

32, Allda hernach die Gläubigen Chriſtum in ihrem Glau⸗ 
ben / im Fleifche anzogen / aber allein nach demſelben bimmlie 
fhenin Adam verblichenen Wilde /wie Maria / da Ehriftus die 
arme Seele in feine Armen faffer/ und fie mit GOttes Kraft 

umgiebet / 


Eav. 56. in frembde Sande gefchitetne. 531 


umgiebet / und ihr feine Liebe in ihr einfloͤſſet / welche Siebe fie für 
— —— Zorn / Suͤnden / Tod / Teuffel und Hölle beſchirmet und 
erhaͤlt. 

33. Dieſes iſt kurtz Sunmariſch der wahrhaffte Grund / was 
der Geiſt GOttes bey den Ertzvaͤttern hat fuͤrgebildet / in dem er 
ſie hat alſo wunderlich gefuͤhret / und mit Chriſti Figur / wie es 
hernach gehen folte / hat alſo geſpielet. 

34. Denn Jacob war nun der Stamm/ auf welchen der groffe 
und weite Baum Sfraelis folte in Zertheilung ver Aeſte / als Ge⸗ 
ſchlechte / ſich außg breiten / darum muſte er von feines DVatters Haus 
fe weggehen / und muſte Weiber neymen von feines Vatters Ge⸗ 
ſchlechte / aAals von Abrahams Bruders Sohn] auff daß das Bolt 
Sfrael / als die Bundes⸗Linea, auß einem Stamme herkaͤme. 

35. Als nun Jacob vom Traume der Goͤttlichen Geſichte er⸗ 
wachte / da ihm war der HErr erſchienen / und den Bund beſtaͤt⸗ 
tiget / ſprach er: Gewizlich iſt der HErr an dieſem Orte / und 
ih wuſſe es nicht / und fuͤrchtete ſich und ſprach: Wie heilig iſt 
die Stätte / hie iſt nichts anders denn Gottes Haus / und hie iſt 
die Pforte des Himmels. Dieſes iſt eine Figur]; wiecs Gottes 
Kindern gehet / wenn GOtt in ihnen offenbahr wird / fo ſtehen 
ſte noch wohl in Furcht und Truͤbſal / und meynen Gott ſey fer⸗ 
ne von ihnen / und habe ſie verlaſſen. 

36. Denn wo GOtt Im Menſchen einzeucht / allda wird alles 
zeit die Suͤnde und der Zorn GOttes im ſelben Menſchen zu erſt 
ofſenbahr / daß fie ſich erktennen und vor der Suͤnde erſchrecken 7 

und in die Buſſe eingehen / alsdenn erſcheinet ihnen Gottes 
freundliches Angeſichte / und troͤſtet ſie: Denn ſo die Seele von 
der Suͤnde außgehet / ſo gehet GOttes Gnade in ſie ein; ſo 
ſpricht ſite alsdenn: Gewißlich iſt der Herr bey mir geweſen in 
meiner Angſt / und ich wuſte es nicht; nun ſehe ich / daß der Herr 
bey den betruͤbten Hertzen iſt / welche in Goͤttlichein Eyfer be⸗ 
truͤbt ſind / allda iſt Gottes Staͤtte und die Pforte des Himmels. 

37. Ferner deutets an / wie ſich die hoͤchſte Liebe GOttes in 
dieſem Bunde in Chriſto / in unſere Menſchheit einerſencken 
würde; und wie die Menſchheit Chriſti wuͤrde in Truͤbſal wan⸗ 
deln muͤſſen / in dem er all unſer Truͤbſal und Elend auff ſich 
nahm / und wie ſich die Menſchheit Chrifti würde vor dem Zorn 
Gottes undder Höllen entfeßen / wie gm Delberge geſchahe / da 
fie in Aengſten blutigen Schweiß ſchwitzete / und Chriſtus in 

feiner Menſchheit ſagte: Vatter / its müglich / Jo gehe dieſer 
Kelch von mir: da ihm alsbald die Pforte SOttes erſchien und 
3 2 die 


33% Wie Jacob dem Laban ap. 5? 


die Menſchheit troͤſtete / wie allhie dem Jacob / als er in Truͤb⸗ 
ſal auß ſeines Vatters Hauſe weichen muſte in Furcht und 
Schrecken vor feinem Bruder / welcher ihn zu morden dräuete / 
welches alles eine Figur auff Chriſtum ift/ als ihm GOttes 
Zorn in unſerer Menſchheit zu morden drauete / da ihme wuͤr⸗ 
de angſt und bange ſeyn / und wie er wuͤrde zu ſeinem Vatter 
bethen / und wie ihn fein Batter würde troͤſten / welches alles 
vor feinem Leyden gefchehen iſt / fonderlich auch am Delberge / 
an welder Stättedie Zacobs Figurerfülletward. 

38. Und wie Jacob den Stein) welchen er unter feyn Haube 
fegte / hernach zur einem Denckmahl auffrichtete und Deldarauff 
goſſe: Alfo-hat Ehriftus feine Angft uns armen Menfchen zu 
einen Denckmahl auffgerichtet / und fein Freuden=öhlder lIber> 
windung darauff in unfere erſchrockene Hergen gegoffen / und 
auf demfelben Steine feine Kirche zur ſtaͤtswehrender Gedaͤcht⸗ 
nuͤß auffgerichtet / welches die Figur beym Jacob alles ein Fürs 
bild gewefenift. 

39. Welches Jacob mit Elsren Worten andeutet/ da cr 
ſpraͤch: So GOtt wird mit mir feyn/ und nich behuͤten auff 
dem Weege den ich reyſe und Brod zu effen geben und Kleia 
der anzuzichen / und mich mit Srieden wieder heim zu meinem 
Batter bringen / fo foll der Herr mein GOtt ſeyn / und dieſer 
Stein dehnt ich auffgerichtethabe zu einem Mahl/ follein Bots 
tes Haus werden / und alles was du mir gicbeft / der wilich die 
den Zchenden geben; Da er denn Flar unter diefer Figur das 
Sevitifche / und hernach das Evangelifche Prieſterthum andeu⸗ 
tet / wie es hernach gehen würde, 


Das 57. Capittel. 


Wie Jacob zu Laban kommen ſey / und ihmer4. Jahr 
um ſeine zwo Toͤchter der Schaaf gehuͤtet / was die 
geiſtliche Figur mit der Braut Chriſti darunter ans 
deutet wie GOtt den Jacob in Chriſti Figur ge: 
ſtellet / und mit dem Bilde Chrifti alfo gefpieler. 

Uber das 29. Enpittel Gene. 

2. A— nun Jacob in Truͤbſal von ſeinen Eltern ziehen muſte / 
und vor ſeinem Bruder Eſau weichen / und ſich in ſeinem 
Seegen Gott beſohlen / ſo fuͤhrete ihn GOtt zu feiner lieb⸗ 

ſten 


—— 


C.57. habe 14. Fahr gedienet ꝛc. 533 


ſten Braut / bey der er eine Zeit in Freuden mit Gedultzu= 
brachte/ big er wieder mitgroffem Gute zu feinem Vatter kam. 

2. Diefes ift erſtlich eine weltliche Hiftoria und Gefchichte / 
darunter wird die geiftliche Figur vom Keiche Chriſti vorgefiel- 
Ist / denn / fo fi der arme Suͤnder zu Gott wendet / fo crlan⸗ 
get er erſtlich den Seegen / alsdie Tauffe Chriſti / da ihn der 
Heilige Geiſt in feinem inwendigen Grunde taufſet; alsdenn 
ſtellet er ihn in Proceß Chriſti unter feine Creutz-ſahne / und 
heiſſet ihn von ſeines Vatters adamiſchen Suͤndenhauſe auß⸗ 
gehen / und ſich auff Chriſti Pilgrams-ſtraſſe zu machen. 

3. Allda muß er den harten Stein der Vernunfft unter ſein 
Haubt legen / und auff dieſem Steine der Bernunfft ruhen und 
ſchlaffen / das iſt die Vernunfft mug ſtille fichen / und das 
Gemuͤhte mug ſich in ſich ſelber in den allerinwendigſten Grund 
in höchfter Demähtigkeit zur Gnaden GOttes einwenden / und 
ſich gang willig auff Chrifti Pilgramzsftraffe begeben / wie all⸗ 
hie Jacob thaͤte; Alsdenn begegnet ihm feine allerliebfte Braut 
and fchöne Rahel / als dic edle Jungfrau Sorhia der göttlichen 
Buhlſchafft / in der Liebe und Menſchheit Chriſti. 

4. Erſtlich komt er zu dem Brunnen / da dieſe edele Sophia 
ihre Schaͤfflein traͤncket / das iſt / die Secle wird zu Chriſti 
Bruͤnnlein gefuͤhret / darauß das Waſſer des ewigen Lebens 
quillet / da ſichet und erfraget er ſich erſtlich bey den Hirten / 
wo die edle Sophia mit ihrer Herde weidet. Die Hirten deuten 
andie Kinder Chriſti / als schrer des Worts Chriſti / in denen 
der Geiſt Ehriftiift 7 welche auch Chriſti Schnaft weisen: Als 
da fraget der busfertige Menſch nach feiner ewigen Sreunds 
Schafft / als nach dem Paradiſiſchen Haufe/ da fein Großvatter 
Adam innen gewohnet hat / fo zeigen ihme dieſelbige Hirten daſ⸗ 
ſelbe Haus und auch die ſchoͤne Rahel / welche in dieſem Hauſe 
gebohren iſt / als die edle Sophiam. 

5. Welche] wenn dieſe die arme Seele erblicket / Die Seele 
freundlich anſchauet / davon die Seele ingroffer Licbe entzuͤn⸗ 
det wird / und den groſſe n Stein von dem Brummen wegwaͤltzet / 
und der edlen Sophie ihre Schaafe trändet/ das ift/ die See— 
le waͤltzet von ihr weg alle irrdiſche Luſt / welche ein Dedel für 
Dem Brunnen desewigen Lebens iſt geweſen / und trändet und: 
fpeifet die arıne nothlepdende Schaflein Ehrifti / als die Schäf- 
fein diefer edlen Sophiæ / und küffetdie edle Sophiam mit ihrer 
inbrünftigen Begierde zur Siebe Chriſti. 

6, Und wenn dieſes die edle PRO, Sophia ſiehet / und * 


534 Wie Jacob dem Laban Gap. 57- 


Ihr die arme Seele alle ihre Weege / die ſte zu ihr hat gerichtet / 
entdecket / fo lauffet fie zu ihrem Batter und ſagets ihme / daß 
ihr lieber Buhle und Freund darauſſen bey Chriſti Schaͤflein 
ſtehet und huͤffft dieſe traͤncken / das iſt / vie Siebe Chriſti dringet 
mit der armen Seelen Begierde in GOtt den Vatter / und ſa⸗ 
get: Dieſe Seele iſt mein Freund / mein Braͤutigam / ſo heiffet 
ſie GOtt der Vatter in fein Haus einfuhren / wie allhie Rahel 
dem Jacob thaͤte / und ſolches ihrem Vatter anmeldet / wer die⸗ 
ſer Jacob waͤre / und was ſein Fuͤrhaben wäre: Alſo auch zeiget 
Chriſtus feinem Batter an / was der armen betruͤbten Seelen 
Fuͤrhaben iſt / wenn ſie zu ihm komt. 

7. Und wie dem Jacob dieſe Rahel zum Ehegemahl zugeſaget 
ward / darum er ſich verwilligte ſteben Jahr der Schaafe zu 
hüten/ und dieſelbe hertzlich liebete / und ihme dach hernach in der 
Hochzeit die andere Schweſter mit ihren bloͤden Augen beygele⸗ 
get ward / welche er nicht hatte begehret: Alſo gehets auch Chri⸗ 
ſti Kindern / wenn fie ſich zu GPL wenden / und ſich zu Hirten 
der Schafe Chriſti begeben / derſelben zu pflegen / ſo wird ihnen 
die allerliebſte und ſchoͤnſte Sophia zugeſaget / und unter Augen 
geſtellet daran fie in ſich Freude emıpfinven. 

8. Aber wenn es nun komt / daß die Seele meynet / fiewolle 
dieſe Braut in ihre Arme faſſen / und vollkommene Freude mit 
ihr haben / ſo wird ihr die andere Schweſter / als die Sea} das iſt / 
Das Creutz Chriſti dafuͤr beygeleget / und verbirget ſich die ſchoͤ⸗ 
ne Sophia / und muß von ehe das Creutz Chriſti zum Ehege⸗ 
mahl nehmen / und noch andere ſteben Jahr um Rahel / als uͤm 
Die edle Sophia die Schaafe Chriſti huͤten / ehe er fie zum Ehe— 
gemaͤhl bekomt. 

9. Denn die Menſchheit Chriſti giebet ſich nicht balde der feu⸗ 
riſchen Seelen zum Eigenthum; fie bleibet wohl in der Verloͤb⸗ 
nüg im inwendigen Grunde indem Bilde von dem himmliſchen 
Weltweſen / welches in Adam verblich / ſtehen: Aber GOTT 
Der Datter giebet der Seelen in deſſen ſtatt di ander Schwe—⸗ 
ſter / als die Bloͤdigkeit des Hertzens / daß die Seele in dieſer 
Zeit nicht im Roſen⸗garten ſpiele / ſondern in Trübfal/ auff 
Daß ſie verſuchet und demuͤhtig wuͤrde / und immerdar die Schaͤf⸗ 
lein Chriſti huͤte / und ſich nicht in ſolcher Ehe in Wolluſt over 
Hoffart begebe / wie Lucifer thaͤte. 

10. Und ob es geſchicht / daß der Seelen dieſe edle Rahel oder 
Sophia zur Ehe gegeben wird / wie es denn den ſtandhafften 
Kindern Chriſti geſchiehet / daß die Seele dieſe groſſe — 

orte 


1 


Cap. 57. babe 14. Jahr gedienetiie. 535 
hochzeit mit diefer Braut halt/ welches allein dieſe verſtehen / 
welche bey diefer Hochzeit feind Gaſt gewefen / fo ſtellet fich noch 
wohl hernach die edle Sophia / als ware fie unfruchtbar / Die 
Höchzeitliche Freude vergehet/ und der Seelen ift / als ware ihr 
die Siebe diefer Braut genommen. 

1x. Indeſſen bricht Sean unterm Creutz Ehriftiherfür / und 
bringet Frucht /das ift fo viel gefaget / wenn die Seele den Geiſt 
Chriſti einpfaͤhet / fo gehet diegroffe Freude dieſer Vermaͤhlung 
an / davon Chriſtus ſagte: Es wird Freude ſeyn im Himmel 
uͤber einen Suͤnder der Buſſe thut / mehr als über 99. Gerechte / 
die dieſer Buſſe nicht beduͤrffen. 

12. Denn das iſt die Hochzeit des Lammes / daß GOtt und 
Menſch vermaͤhlet / und Ehriſtus gebohren wird / alsdenn ſte⸗ 
het er in unſerer armen und einfaͤltigen Geſtalt in unſerm in 
wendigften Grunde/ und verbirget feine groffe Suͤſſigkeit / 
welche vie Seele in der Bermählung hat geſchmaͤcket / und decket 
fie mit feinem Creutz zu / ſo muß die arme Seele derweil die 
bloͤde Leam / als die Gedult / nehmen / und mit ihr in Chriſti 
Weinberge Frucht wuͤrcken. 

13. Es komt auch wohl / daß die Seele bey dieſer Lea ſtrau⸗ 
chelt / alsdenn fo wird dieſe Rahel im inwendigen Grunde der 
Seelen frembde / fie ſtellet ſich fremode gegen ihr / wie Nabel 
gegen Jacob / als ſie zu ihm ſagte: Scharfe mir Kinder oder 
ich) ſterbe: Alſo ſaget auch wohl die edle Sophia zur Secelen/ 
würde in meiner Liebe-Begierde göttlihe Früchte, over ich 
weiche von dir/ da doch die Seele in eigenem Vermoͤgen ſolches 
nicht thun kan. 

14. Dieſes geſchiehet aber darum / auff daß ſich die Seele 
deſto hefftiger zun Gebet wendet und GO TTum goͤttliche 
Wuͤrckung goͤttlicher Früchte bittet wie Jacob GOtt bath / dag 
Rahel fruchtbar ward) und ihm den Joſeph und Fuͤrſten 
über gang Egyptenland gebahr / welcher fie in der Theurung 
ernaͤhrete. 

x5. Alſo auch wenn ſich die edle Sophia gegen der Seelen 
unfruchtbar ſtellet / als koͤnte fie nicht Gottes Krafft Inder See⸗ 
len gebaͤhren / und aber die Seele in Gedult zu GoOtt flehet / 
daß doch der in ihr wolte wuͤrcken und ſie ſeegnen / davon ſich 
offte die Seele in ſo groſſe Buſſe einwendet und in GOttes Er⸗ 
barmen einwirffet / biß dieſe edle Sophia beweglich / fruchtbar 
und ſchwanger wird / ſo gebiehret ſie gewiß den rechten Joſeph / 
als eine demuͤhtige / keuſche und ir Seele / welche hernach 

4 ein 


„6 Wie Jacob dem Laban Cap. 57. 


ein Sürftüber das Egyptiſche Haus in Fleiſch und Blut wird : 
in welchem Hauſe der Pharao wohnet / als der thieriſche Geiſt / 
uͤber denſelben wird dieſer Joſeph zum Regenten und Stadt⸗ 
halter geſetzet / und wird ein Regent der Vernunfft / und regie⸗ 
act dieſe be init Joſephs / als mit Gottes Geiſt. 

16. Dieſes iſt alſo an einem Theil die Geiſtliche Figur beym 
Jacob / damit der Geiſt ſpielet auff das zukuͤnfftige Reich Chriſti / 
aa er alsdenn / nun jetzo mit der Erfüllung / alſo in den Kindern 
Chriſti mit ſpielet / und ſie noch immerdar alſo führer. 

17. Wir ſehen aber fuͤrnemlich in dieſer Figur die Weege 

Gottes; wie Gottes Sinn viel anderſt iſt als der Menſchen: 
Was der Menſch liebet / darinnen verbirget ſic Gott: Denn 
ähm gefaͤllet wohl / was vor ver Welt alber und verachtet iſt / 
was allein ihm anhanget und ihn fuͤrchtet. 
. Jacob liebete die ſchoͤne Rahel und begehrete derſelben: 
Aber die Vundes Linea, in welcher ſolte Chriſtus gebohren 
werden / wolte nicht auſſ Rahel dringen / ſondern auff Lea / auch 
konte Rahel nicht ſchwanger werden / biß dag Lea hatte die Wurt⸗ 
zel oder Linea des Königlichen Prieſterthums und Fuͤrſten⸗ 
syums gebohren / als den Levi und Juda. 

19. Denn auß Levi Fam das Prieſterthum / und auß Juda 
das Scepter des Koͤnigreichs / und der Fuͤrſt Chriſtus nach der 
Menſchheit / anzudeuten / das Chriſtus alleine in denen Men⸗ 
ſchen wolle offenbahr und gebohren werden / und fein Prieſter⸗ 
thum des H. Geiſtes in ihnen ſuͤhret und wuͤrcket / welche von 
der eigenen Liebe und Fleiſches Wolluſt außgehen / und ror der 
Welt bloͤde / alber / und verachtet ſind / welche ſich zu ſolchen 
Ehren duͤncken unwuͤrdig ſeyn / und ſich folcher göttlichen 
Wuͤrckung nicht fuͤr Eigenthum annehmen und damit ſtoltziren / 
wie die ſtoltzen Phariſeer thaͤten und noch thun. 

20. Denn dieſe Lea begehrete allein dem Jacob Kinder zu ge⸗ 
baͤhren / daß fie ihme möchte angenehm werden / weil ſte ſonſt 
wegen ihrer Bloͤdigkeit verſchmaͤhet ward: Alſo auch begehren 
Die wahren Kinder Gottes / nur darum in Goͤttlicher Krafft mit 
lehren / und einfaͤltigen Leben in den Weegen Gottes zu wan⸗ 
deln / daß ſie GOtt gefallen und ihme dienen mögen. 

ze. Und ſehen abermahl allhier bey Jacobs Saamen / daß 
die Linea Chriſti ſich nicht hat wollen in ſeinem erſten Saamen 
offenbahren bey ver Lea / daß Chriſtus nicht in menſchlicher 
Wolluſt oder Geilheit des Fleiſches Luſt offenbahr werde: Deut 
erſtlich gebahr Lea den Ruben / welcher ſeines Vatters Fe 

us 


Cap. 57. habe 14. Sahrgedimetiic. 537 
beſudelte / anzudeuten / das diefe Wurtzel noch von Menſchen 
Luſt entſproſſen ſey. 

22. Als aber Sea unwillig ward / wegen deß daß fe veracht 
ward / und gerne waͤre auß der Verachtung kommen / fo gebahr 
ſie den Simeon / welcher ein ſcharfſes Gemuͤhte fuͤhret / von 
welchem Jacob ſagte als er ſterben ſolte / da er von allen ſeinen 
Kindern weiſſagete / was fuͤr eine Wurtzel ein jeder war; Die 
Bruͤder Simeon und Levi: Ihre Schwerder find moͤrderiſche 
Waͤffen / meine Seele komme nicht in ihren Raht / und meine 
Ehre ſey nicht in ihren Kirchen / anzudeuten / daß er auß der 
EyferLinea entſproſſen ſey / da Lea eyferte / daß fie alſo un⸗ 
wehrt geachtet ward / wie ſie denn ſagte; Der Herr hat gehoͤrt / 
dag ich fo unwehrt bin / und hat mir dieſen auch gegeben. 

23. Als fie aber in ihrem Eyfer zum Herren rieff um Erret⸗ 

tung auf der Verachtung / fo ward fie ſchwanger ımd gebahr 
den $evi/ als die Wurtzel des Levitiſchen Prieſterthums / ein 
Fuͤrbilde des Reichs Ehrifti: Denn ſie rieff zu GOtt / daß fich 
ihr Mann wieder im Liebe zu ihr thaͤte / wie fie denn alfo fagte : 
Nun wird fih mein Mann wieder zu mir thun / anzudenten / 
das fih GOtt mit dem Levitiſchen Prieſterthum in einem Fuͤr⸗ 
bilde wuͤrde wieder zu den Menſchen thun / und in einem Fuͤr⸗ 
bilde vom Reiche des Paradeiſes / wieder unter ihnen wohnen / 
wie beym Moyſes alſo geſchaht. 
24. Aber der Geiſt GOttes ſagte durch Jacob als er ſterben 
ſolte: Meine Ehre ſey nicht in ihrer Kirche; das iſt / ſie ſeynd 
moͤrderiſchen Cainiſchen Gemuͤhtes / und dienen mir nur in 
einer Figur auff das kuͤnfftige Reich Chriſti: Aber der Geiſt 
meiner Siebe ind Gnade iſt nicht bey ihnen in ihren Opffern und 
Gotteszdienften/ welche Siebe und Gnade er feine Ehre nennete / 
welche er wolte durch die Lineam Auda in Chriſto offenbahren. 

25. Welche Ehre war / daß erfolte den Zod zerbrechen und 
die Hoͤle zerſtoͤren / und dem Teuffelfeinen Stuhl im Menfchen 
nehmen: Diefes hieß der Heilige Geiſt feine Ehre / und die ware 
sicht imLevitiſchen Prieſterthum / noch unter den Titul⸗Prieſtern 
mit ihren Kirchen; ſondern als Lea ihren Willen gang in GOt⸗ 
tes Willen eingab und ſprach: Nun wil ich dem Herren danc⸗ 
fen / der mich von der Schmach des Teuffels und der Welt er⸗ 
loͤſet hat / ſo gebahr ſte den Juda als die Lineam Chriſti. 

26. So ſpricht nun allhie der Geiſt gantz heimlich und ver⸗ 
deckt / und fie Hörer auff Rinder zu gebaͤhren / anzudeuten / 
Ba Chriſtus der letzte wire] — des Levitiſchen a 

> 5 Ende 


38 Wie Jacob dem Laban Gap. 57. 


Ende und Erfüllung ſey / darunter der Geiſt andeutet / daß 
man Chriſtum nicht wuͤrde in der Prieſter Kirchen / Geſetzen 
und praͤchtigen Ordnungen finden / er wuͤrde in ihren Kirchen / 
mit feiner Ehre des Sieges nicht wohnen / umd fich nicht laſſen 
nit feiner Ehre an Steinyäufer binden / da mangleisnerifchen 
Schein treiber / und aber nur mörderifche flolge Herken innen 
hat / und mitden Mordfchwerden des Levi einander mit Wor⸗ 
ten toͤdtet und verachket. 

27. Sondern in des Menſchen Seelen / damandem Herzen 

in groffer Demuth dancket und lobet / wie die Lea / als fie Ju— 
dam die Lineam Chriſti gebahr / thaͤte / da wil er wohnen / und 
mit nichten in dem Raht dieſer Prieſter und Leviten / die Titul⸗ 
Prieſter ſeynd / welche nur glaͤntzende Weege tichten zu ihren 
Ehren und Wolluͤſten / und aber des rechten Dancks in der De- 
muth vergeſſen / und ſich nur ſelber lieben und ehren / und alſo 
ihrem gedichteten Ambte die Ehre anthun / welche allein Gott 
und der Liebe des Naͤchſten in groſſer Demuth gehoͤret. 

28. Bey dieſer Figur ſehen wir klar / wie ſich GOtt nicht in 
der fleiſchlichen eigenen Liebe wil offenbahren: Denn Jacob hat⸗ 
te Rahel lieber als Lea / und begehrte auch nur Rahel im Anfan⸗ 
ge: Aber fein Saame muſte bey ihr verſchloſſen bleiben / bi 
fich Rahel vor GOtt demuͤhtigte / und Jacob für fie bath : auch 
anzudeuten / daß Gott nicht in unferer eigenen Liebe würden wil / 
in deme wir uns unter einander nach fleiſchlicher Luſt / und nach 
weltlichen Ehren und Reichthum lieben und ehren / da fich die 
Menſchen zuſammen fügen/ und einander lichen nach ihren 
hohen Standen / Reichthum / Herrligkeit / Schönheit und Wol⸗ 
luſt dieſer Welt. 

29. Sondern EHttes Geiſt fordert eine demuͤhtige getreut 
Siebe / dadie Seele in GOtt gelaffen ift / und nicht eigen Wol⸗ 
luſt und eigen Liebe ſuchet / ſondern da fie auffdie Weege Gottes 
fichet / und fich zu demuͤhtigen Kindern thut / welche Gott lieben 
und ihme fräts danken ; allda offenbahret fich Gott und wuͤrcket 
in ihnen / dag fie vem HERRNR Frucht gebähren. 

30. Erftlich dienete Jacob fieben Jahr um Rahel / welche er 
ihme hatte felber erfohren in eigener Siebe / aber fie ward ihme 
nicht gegeben / um den Dienft der erften fieben Jahr / fondern 
Lea ward ihme unwiſſentlich dafür zugeleget : Jacob begehrete 
Rahel zu einem Lohn für feinen Dienſt: Weil aber der Bund 
des Herꝛen in der Linea Chriſti in ihme lag / fo empfieng er von 


ehe den geiſtlichen Lohn der Gnaden Gottes. 
31. Denn 


Cap. 57. habe 14. Jahr gedienetlse. 539 


31. Denn Ehriftus ift der Sohn der Kinder Gottes / war 
fie ihrem Herrn um weltlihen Sohn dienen müffen/ fo lohnet 
ihnen erfilih GOtt mitfeinem Gnaden-bunde: hernach fo 
empfahen Ite auch den zeitlichen Sohn: Wie Saraberftlich mu⸗ 
fie die Gabe GOttes / wie es GOtt mit ihme ſchickete / anneh⸗ 
men) ob es der Vernunfft wohl übel eingieng / hernach em⸗ 
pfieng er auch den Lohn nach feinem Willen / um welchener ans 
dere fieben Jahr dienen muſte. 

32. Welche fieben Jahr im innern Grunde indiefer Figur 
andeuten die ſieben Eigenfijafften des natürlichen $ebens / wel⸗ 
che fie muͤſſen GOtt zum Dienfte begeben / in welche ih GOtt 
felber zu einem Lohne in mitwürckender Kraft eingiebet / da die 
fieben Sebens=geftälte erftlich dem Herzen helffen eine geiftliche 
Figur und Bildnuͤß gebähren/ und die Lineam Chrifti offen» 
bahren/ hernach fo eröffnet diefelbe geiftliche Form auch Die 
natürliche Form / undgebähret einen Fürften in das natürliche 
geben / in welchem GOtt würder/ und durch welchen er die 
Welt regieret / wiebey Jacob zu ſehen iſt. 

33. Sieben Jahr dienete er um Rahel / aber weil er GOtt 
fuͤrchtete / fo ward ihme erſtlich der Göttliche Sohn / als die Li- 
nea Chriſti gegeben: Hernach ſeegnete GOtt auch die menſch⸗ 
liche eigene Liebe nach dem Reiche der Natur in ihme / daß er 
mit Rahel / welche er hatte in natürliche eigene Liebe gefaſſet / 
einen Fürften und weifen Mann zeugete/ als den Joſeph / 
durch welchen der Geiſt Gottes richtete / und ihn zum Herren 
machete. 

34. Und ftellet uns diefe Figur für/ dag erſtlich Chriftus 
ſolli in uns gebohren werden / alsdenn ſo gebiehret auch Chriſtus 
in uns den natuͤrlichen Menſchen mit Verſtand und Weißheit / 
und ordnet ihn zu feinem Dienſte im Reiche ver Natur / und 
auch im Reiche der Gnaden / wieden Joſeph. 


540 Wie Gott Jacob bey Laban mit Cap. 58. 


Das 58. Capittel. 


Wie Jacob dem Laban ſeinem Schwaͤher Vatter ha⸗ 
be 20. Jahr gedienet / und 12. Soͤhne und eine Toch⸗ 
ter gezeuget / und wie ihm Gott geſeegnet / daß er ha⸗ 
be groß Reiehthum bekommen | und wie ihme Laban 
oͤffters habe feinen Sohn verändert | und doch nicht 

ſchaden moͤgen / was darben zuverſtehen ſey. 


Genef. 30. 


7 N diefer Hiftorien fehen wir fürnemlich / mic es 
A den Kindern Gottes indiefer Welt gehet/ wie fie 
m müffenincitel Creutz und Wiederwertigkeit leben / 

Qy wie Jaceb mit feinen Weibern: Denn als 

XRahel ſahe/ / Daß fie unfruchtbar wat | fo 

neidete fie Leam ihre Schweſter / anzudeuten / daß die eigene 

Ziebe des Menſchen nicht Gottes Ehre ſuchet / ſondern nur ſich 

ſelber / wie denn Rahel Leam neidete / daß ſte einen Namen hat⸗ 

ge) daß fie Gott geſeegnet hätte — Jacob ſprach: ſchaffe 
mir auch Kinder / wo nicht ſo ſterbe ich. 

2. Da wir denn ſehen / wie der Vernunfft die Weege Got⸗ 
tes gantz verborgen ſeynd / und ob ſie gleich in der Figur der 
goͤttlichen Wunder ſtehet / wie allhie Rahel / welche allhie an⸗ 
deutet die adamiſche eigene Natur / die begehrete von Jacob 

Die Lebens⸗krafft auß dem Seegen GOttes / und wo ſie dieſelbe 

nicht kriegte / ſo muͤſte ſie ſterben; welches der Eyfer-geiſt in 

ihrer Begierde zwar wohl andeutete nach ihrem inwendigen 

Grunde im Bunde Gottes / aber ihre Vernunfft verſtund das 

nicht / ſondern begehrete nur Kinder / auff daß ſie von der 

Schmach erloͤſet würde: Aber ihr inwendiger Grund ſtund ver⸗ 

dorgen und faͤhnete ſich durch die Menſchliche Natur in Menſch⸗ 

licher Eſſentz zu offenbahren: Darum deutete der inwendige 

Grund im Gnaden-Bunde / durch ihre eigene adamifche Eſſentz 

an / daß wo derſelbe inwendige Grund nicht durch die menſch— 

licht Eſſentz offenbahr wuͤrde / ſo muͤſte ſte ewig ſterben: Darum 
fprach die Vernunfft: Schaffe mir Kinder / oder ich ſterbe: wel⸗ 
thes aͤuſſerlich ſcheinet ein Widerwille und Unmuth zu ſeyn: Aber 

Ber Geiſt Gottes hat allyier ſeine Figur / darunter er deutet. 

3. Und denn ſehen wir an dieſen beyden Schweflern / u 
do 





C.5 8. Kindern mi Reichthumb gefergnet. gar 


Doch Töchter des Bundes GOttes in der Verheiffung waren / 
wie Sich der Schlangen Gift in Grimme GOttes im Fleiſche 
und Blute/fo heiftig wider Die Lineam Ehrifti im Bunde ge> 
feget/ und diefelbe immerdar verfehmähet/und fich alsein ſtoltzer 
$ucifer / der vernünftigen menfchlichen Eigenheit des eige- 
nen Willens erhebet und eupor fihwinget / und wil das Regi⸗ 
‚ment haben, 

4. Wie allbie Rahel ihre Schwefter verachtet / daß fie von 
auffen fchöner war als Lea / indehme Lea vor der Welt einfültig 
and blöde war [und Rahel aber ven Welt-Geift in der Ver 
nunfft in Zierheit hatte) fo regierte die Adamiſche Natur in 
Rahel uͤber den geoffenbahrten Seegen des Bundes in Sen ; an= 
zudeuten: Daß die Linea Ehrifti in diefer Welt würde in al- 
berer einfältiger und verachteter Geftalt in folchen dergleichen 
Menfhen offenbahr werden. | { 

5. Welche Menfchenvonder Welt Vernunft / Pracht und 
Schönheit nur würden für Narren und blöde geachtet werden / 
welche in ſolchem Spott und Verfhmähung zwar wuͤrden da⸗ 
hin gehen und mit Thraͤnen ſaͤen / würden aber in ihrem inwen⸗ 
digen Grunde in der Linea Chrifti gebähren / und endlich mit 
Freuden ernden: Anzudeuten / daßz Chriſti Neich nicht von diefer 
Welt fen / dag es in dieſer Welt müffe in GOttes Zorn und 
Verſchmaͤhung / und in Zodeingeworffen werden / und mit fols 
her Einwerffung den Zorn GOttes mit Liebe und Ganfft- 
mu th erfüllen / und mit der Siebe durch den Zorn und Tod herfür 
grünen / und den folgen Lucifer in menfplichen eigenen Willen 
und Fleiſches⸗Luſt zu Spott und zunichte machen] als ein unbe⸗ 
ſtaͤndiges Leben / welches geben die Göttliche Demuth nicht kan 
überwältiaen. 

6. Welche Demuth unter allem Spott grünet/ und auch 
durch den Tod und Zorn GOttes durchbricht / und den Tod zum 
schen machet/ und der Hoͤllen ipren Sieg nimt / undden Stachel 
der falfchen Schlangen⸗ Eſſentz mitder füffen Siebe verwandelt / 
wie wir allhie bey der Sea ſehen / ob fie gleich von ihrer Schweſter / 
als von der Vernunfft geneidet ward / ſo gruͤnete doch in ihr die 
Linea Chriſti im Bunde aus unter allem Spotte / und machete 
fie fruchtbahr / und Rahel unfruchtbahr / big ſie ihre Magd ih⸗ 

‚rem Manne zum Weibe gab; welches andeutet die Adamiſche / 
als knechtiſche Linea, welche in Chriſti Reiche in Knechts-weiſe 
zur Ehligung der Lineæ Chriſti komt. 

7. Denn Adam hat die Lineam verſchertzet / das Natur-⸗Recht 

37 im 


\ 


542 Wie Gott Jacob bey Laban mit C.58. 


im Reiche GOttes ift in Adam vorlohren worden/und komt nun 
in Knechts-weife wieder zur Ehligung/wie die Maͤgde der Wei—⸗ 

"ber Tacobs/ da wir denn ſehen / daß Rahel als das Rechteigener 
Natur nicht mochte Frucht bringen oder würden / biß die Linea 
der Dienftbarkeit unter dem Joche der Adamifchen Natur ver 
eigenen Siebe /von che fruchtbahr ward : Anzudeuten daß fich 
die menfihliche Natır muß zum Dienfte unter die Lineam 
Chriſti begeben / wil fie inder Linea Ehrifti gechliget und zum 
Erben Gottes eingefeget werden. 

8. Alsdenn grünet erft das Reich der Natur in GOttes 
Reich aus / und wird im Seegen fruchtbahr / gleich wie Rahel 
erft fruchtbahr ward / als ihre Magd hatte gebohren: An- 
zıdeuten / daß Rahel auch muſte eine Magd vorm Bunde GOt⸗ 
res und Chriſti Linea ſeyn / und dag in ihr die Linea Chriſti 
auch ihr Herr ſey / dag fleauch in Magds-weife zur Ehligung 
der Linez Ehrifti kommen / daß fie die Lineam Ehriftinicht in 
eigener Gewalt) im Natur⸗Recht in ihr gehabt / fondernals ein 
Genaden⸗Geſchencke / dasineinemanderen Principio ſtehe. 

9. Und deutet hierumter an/ wie die Linea Chriſti nicht in 
anenfchlicher eigenen Macht fortgepflanket werde / fondern daß 
fie felber in ihre Zweige eindringe / und nicht angefehen werde 
Ber hohe Name / oder die Stamme der Menfchen / fondern drin 
get fo bald auff die Elenvdeften in der Welt / welchenur Knechte 
und Mägde fennd /als auffdie Hohen. 

10. Wie wir deffen cin gewaltig Erempelan Jacob haben / 
welcher muſte 20. Jahr Bienftbahr feyn als ein Knecht / big durch 
ihn die 12. Stämme Jfraclis gezeuget worden: Anzudeuten / 
Dasein Chriſt mäffe unter dem dienftbahren Joche der verderb⸗ 
ten) ſelb⸗herrſchenden / tigen-willigen Adamifchen Natur geboh> 
ren werden 5 foller aber als ein Chriſt aus Ehrifti Linea geboh- 
zen werden / fo muß fich der Gebahrer zum Knechte GOttes be= 
geben / ud im Neiche der Natur / nur als ein Diener GOttes 
ſeyn / welcher in feinem Hertzen alles zeitliche verläffet/ und 
nichts für eigen achtet) ſondern fich in feinem Stande nur als ei⸗ 
nen Diener achtet / der feinem Herrn darinnen dienef. 

11. Gleich wie Jacob unter folchem Dienfte die Stämme 
Sfraclis zeugete / anzudeuten / dag fie in diefer Welt folten 
frembde Gäfte feyn / und GOtt ihrem HErrn im Reiche der 
Natur darinnen dienen / welcher ihnen den Lohn würde felber 
ſtimmen /daf fie würden mit groffem Guthe aus diefer Welt 
ins Reich Chriſti / als in ihr erftes Adamiſches Pr 

Batter⸗ 


E. 58. Kindern un Reichthumb geſeegnet. 543 


Batterland eingehen / wie Jacob unter feinem Dienſte feines 
Schwaͤhers Guth mit groffem Seegen erlangete. 


Diefe innere geiftliche Figur ſtehet alſo: 

12. Als Adam war gefallen / fo muſte er ausdem Paradeife 
ausgehen / und fich zum Dienfte unter Den Spiritum Mundi im 
Heiche dieſer Welt begeben/und dem Geftirn und den 4. Elemen⸗ 
ten unferthan werden / und ihnen in ihrem Reiche dienen / und 
ihre Kinder als die Creaturen diefer Welt pflegen / wie vor Aus 
gen ift. 

13. Als er aber aus dem Paradeiß mufte aufgehen / wie Ja⸗ 
cob aus feines Vatters Haufe / fo begegnete ihm der HErr / und 
zeiget ihm durch den Weibes-Saamen und Schlangen »tretter 
wieder den Eingang ins Paradeiß / gleich wie er denſelben auch 
Jacob mit der Liter / welche biß an den Himmel reichete / zeigete. 

14. Und als Adam war aus dem Paradeiß gegangen / ſo muſte 
er ſich nun unter ein frembdes Joch zum Dienſte begeben / und 
den Reiche der Natur in feinen Wunderen dienen / und der Na⸗ 
tur Kinder pflegen / welches Reich der Natur ihn im Fall war 
frembde worden / in dehm esihnnun mir Zwang hielt /auch mie 
Hitze / Kälte) Krandpeit und Wehethunplagete / und in fich ge> 
fangen hielt/und zu feinem Dienfte brauchete/ welches zuvor war 
fein befter Freund und Groß-Batter gewefen. 

15. Gleich wie Jacob in dieſerFigur muſte zu feinem Freumd/ 
feiner Mutter Bruder flichen / und ihme dienen / welcher ihn als 
einen Knecht / und doch auch als einen Eydanı hielt / wegen feiner 
Zöchter : Alfo auch mufte Adam unter dem dienftbahren Zoch 
feines Groß-Battern/alsdem Reiche der Natur dienen/welches 
Reich ihme feine Töchter zum Weibe gab/ aus dehnen er die 
Kinder GOttes im Sergen GOttes / unter folhem Joch zeu⸗ 
gete / und feine Kinder auch darftellete / als dienftbahre Knechte 
in feines Batters Haufei/ als ins Neich diefer Welt. 

16, Und wie nunJacob im Seegen GOttes groffes Guth ge⸗ 
wann / und ſeines Herrn Guth mit Liſt an ſich brachte / in dehm er 
Die Liſt mit dem Halb-gefchelleten Staͤben / uͤber den Tranck⸗ rinnen 
brauchete / davon die Schafe truncken / und daruͤber empfiengen / 
und auch bunte Schafe brachten : Alſo auch imgleichen / als Adam 
war unter das dienſtbahre Joch des Reichs der Natur kommen / 
darinnen auch des Teufels Neid ungift herrſchete nach dem Reiche 
des Grimmes / fo zeigete ihme Gott / wie er das Reich der Natur/ 
als die Wuͤrckung der Natur mit ihren Wundern mit Liſt F ſich 

rin⸗ 


544 Wie Bott Jacob bey Laban mit E58. 


bringen ſollte / und ihme die Rräffte ver Natur zum ewigen Eis 
sentpyumb machen / Bag ihme feine Wercke /welche erim Reiche 
Der Natur würdete/ muſten in fein ewiges DBatterland nachfols 
gen / und fein eigen werden. * 

17. Welche Liſt war dieſes / welche ihm GOtt zeigete / als der 
Schlangen⸗tretter / welchen Adam im Bunde anzog / welcher das 
Reich der Natur von uns Menſchen an ſich zug / und mit Goͤtt⸗ 
Ficher Liſt unſerm Heran als dem Neiche des Zorns GOttes / der 
uns gefangen hielt unter feinem Joche /feine Krafft und Ge= 
walt nahm / und alle menfchliche Krafft an fich zog / und dem 
Herin / als den Reiche der Natur / eigenen Gewalt entzog / wie 
Jacob feinem Herin feine Güther. 

28. Und wie ver Geift GOttes dem Jacob im Geſichte zeige⸗ 
te / wie die Boͤcke auff die fprenglichten und bunten Schafe und 
Ziegen fprangen: Alfo auch ward Adam im Geifte des Bundes 
Der Verheiffung gegeiget/ wieder Geift der Genaden im Bun⸗ 
De / auff die bunte menschliche Natur Fame und fie ſeegnete / dag 
fiedes Beiftes im Bunde ſchwanger wurden. 

9. Welche menfhliche bunte Natur anders nichts ift als 
Die halb irrdiſche verderbte / und wieder im Bunde neu⸗gebohrne 
himmlische Natur / über diefe kam der Geiſt GOttes nach dem 
himmliſchen Theil/ und machte fie fruchtbahr / Daß fie unter dem 
irrdiſchen Joche /die Kräffteder Natur in Göttlicher Gewalt in 
das himmliſche einzogen: Alfo ward dem Herin/ als dem Reiche 
der Natur fein Guth entwandt / und zoge es der him̃liſche Menſch 
in Bunde mit Goͤttlicher Witze und Liſt an ſich / und zog darmit 
von feinem Herrn / als dem Reiche der aͤuſſern Natur aus / wie⸗ 

er in feines Battern Haus als ins Paradeiß / wie Jacob in 
feines Battern Haus. 


Die Figur ftehet gruͤndlich alfo : 


20, In Adam lag das Neichder Natur in der Temperatur, 
als alle Eigenſchafften in gleichem Gewichte sale aber Der fees 
liſche Wille mis der Luſt indie Schiedfigkeiteingieng / ſo wach⸗ 
tendie Gigenfchefften auff / und zertrannte fich Die Temperatur, 
ſo ward die Schiedligkeit fein Herr /und hielt den Willen ge= 
fangen als einen Knecht / der nun dieſem Herrn dienenmufte, 

21. Als aber GOtt feine Genade mit dem Bunde der Liebe 
wieder darein fprach / fo zog der innere eingeſprochene Genaden⸗ 
Grund das Reich der Natur mit feinen Wundern an ſich / und 


Pike 


E58. Kindern un Reichthumb geſecgnet. 543 


entwandte ihme den Reichthumb und eigene Macht/und führete 
ihn mit dem innern neuen Menſchen wieder in das Paradeiß. 

22. Denn der Reichthumb des natürlichen Auffern ſterblichen 
Menſchens / in dem er die Wunder GOttes durch feine Ubung 
herfuͤr bringet / gehoͤret nicht dem auſſern Reicht der Natur zum 
Eigenthumb / ſondern dem innern geiſtlichen neuen Menſchen 
aus Chriſto gebohren / derſelbe ſoll dieſe Wunder an ſich ziehen / 
und zu ewiger Beſchauligkeit der Wunder GOttes mit ſich 
nehmen. 

23. Wenn der Leib der aͤuſſern Natur hinfaͤllt / ſo ſollen dem 
neuen ſeine Wercke nachfolgen / als ein Schatz / welchen er durch 
Goͤttliche Witz und Liſt hat an ſich gezogen / und dem boͤſen Ada⸗ 
miſchen Natur: Haufe des eigenen Regiments entzogen / wie 
Jacob welcher in der Figur des neuen geiftlihen Menſchens 
ſtund / mit dem der Geift GOttes im Fürbilde fpielete auff das 
Fünfftige Reich Ehrifti / wie Chriſtus würde alle Güther dieſer 
Welt und allen Reichthumb der Macht der Natur im geform⸗ 
ten aufgefprochenem Worte GOttes unter feiner Dienfibar- 
keit /in dent er fich zum Knechte GOttes im Reiche der Natur 
einbegab/an fich ziehen / und fich zum Herrn darüber machen / 
und mitin fein ewiges Reich in unferer angenorienen Menſch⸗ 
heit einführen/und endlich am Ende der Tage tiefer Melt offene 
bahren / und uns in unfers erſten Batters Haufe wieder geben. 

24. Alfo follen wir mit nichten dieſe Figur beym Jacob irr⸗ 
diſch anſehen / als ob GOTT haͤtte ven Jacob heiffen feinen 
Schwaͤhervatter mit Liſt betriegen und das ſeine entwenden / 
als haͤtte GOtt gefallen ans Menſchen natuͤrlicher falſchen Liſt: 
Nein / es wird die geiſtliche Liſt in der Figur dargeſtellet / wie wir 
den ungerechten Mammon im Reiche Chriſti ſollen erlangen / 
welchen wir nicht zum Natur⸗Recht haben / aber durch Goͤttliche 
Wise erlangen / fo leydet alsdenn das Himmelreich Gewalt; 
und die Gewalt thun / die reiffen es zu fich mit folher Witze der 
ee Scieng / wie Jacob in der Figur vom Reiche Chrifti 
thaͤte. 

25. Und wird den Juden / welche ſich mit dieſer Figur in ih⸗ 
zer Liſt und irrdiſchen Trug behelffen / angedeutet / daß dieſe Liſt 
beym Jacob eine geiſtliche Figur przfiguriret / und mit nichten 
ihre Falſchheit zudecket. 

26. Denn der da ſagte / laß dich nicht geluͤſten deſſen / was dei⸗ 
Naͤchſten iſt / der hat allen aͤuſſerlichen gift und Trug verbotten;: 
Aber in den Stamm⸗Linien hat der Geiſt GOttes 9 * 

sie 





516 Wie Gott Jacob bey Laban mit E58. 


Neiche Ehrifti alſo in der Figur auff ven inmwendigen Grund 
des neuen Menſchens / mit einer äufferlihen Figur gedeutet umd 
gefpielet. 

27. Wie beym Iſmael / Abrahams erften Sohn / welchem 
auch die Büther entzogen wurden / anzudeuten / daß jlenicht X = 
dam inder Berderbnüß gehöreten/ fondern Chrifto/ als dem an⸗ 
dern Adam / welcher fie mit Göttlicher Wis und Liſt vom Reiche 
des Zorns GOttes im Menfchen nahm / da er fich mufte von che 
dem Zorn GOttes unterwerffen/ und in angenonmmener menſch⸗ 
licher Natur dienen / und entzog ihme aber alfo die Güther / und 
nahm ihm alle fein Guth; und das ift dieſe Figur beyin Jacob 
andeutend. 

28. Eine gantz wunderbahrliche Figur ſtellet der Geiſt beym 
Jacob dar / wie ihm Laban habe feinen Sohn zehen mahl veraͤn⸗ 
dert / und doch nicht mögen Schaden thun / anzudeuten / wie es 
GoOttes Kindern in dieſem Dienſte gehe / in dehme fe unter dem 
Soc der Natur ſollen die Guͤther des Reichs der Natur an die 
Göttliche Witz / an dem innern neuen Menfhen anzichen/ fo 
komt dein Menfchen folche groffe Enderung in fein Fürhaben/ 
dag / wenn er ihm jest hat einen Weeg fürgenommen dehn er 
wandeln wil/ fo kommt der Zeuffel mit feinem Neide/ und verhin⸗ 
dert ihme fein Fürhaben durch böfe Menfchen / daß es nicht forte 
gehet/ wie den Jacob / wenn er dachte die ſcheckichte Schafe und 
Ziegen follen dein Lohn feyn / fo wandte ihm fein Herz ven 
Sohn umb. 

29. Alfo auch gehet es GOttes Kindern inihrer Arbeit/wenn 
fie dencken / da wirſt du GOttes Seegen ernden : Item / da wirft 
Du GOttes Kinder antreffen / mit dehnen du kanſt würden und 
Frucht bringen / da wilſt du Gutes thun / und diß Werck in 
Deine Glaubens-Begierde einfaſſen / daß dir das nachfolge/ ſo 
werden ihme allenthalben feine Werck und Fuͤrhaben zerbro— 
chen / daß es ihme gar nicht gehet nach ſeinem Meynen und Wol⸗ 
len: Er muß ſich nur GOtt vertrauen / wie Jacob / fo kan ihm 
Fein Feind ſchaden thun; und ob es gleich ſcheinet zu ſeyn / als ge⸗ 
ſchehe ihme Schaden / und waͤren ſeine Wercke vergeblich / ſo 
wuͤrcken ſie doch Frucht der Vernunfft unfaßlich / und zeucht der 
Menſch endlich mit groſſem Guth aus dem Reiche dieſer Welt 
wieder in ſein Vatterland / wie Jacob. 

30. Denn die Schrifft ſaget: Die Wercke der Kinder GOt⸗ 
tes folgen dem Blauben nach / fie nehmen ſie mit / fie ſeynd des 
Glaubens Lohn; Der Glaube nimmet Chriſtum in ſich — 

2 


E58. Kindern ui Reichthumb gefeegnet. 547 


Chriftus nimt des Glaubens Wer mit ſich: Alfozeucht ein 
wahrer Eprift mit groffem Guth wieder in fein Vatterland 
heim / welches er mit (einer Glaubens Begierde har in die Hoff: 
nung eingeführet. 

32. Welche Hoffnung ihme GoOtt in Chriſto mit him̃liſchen 
Ente erfüllet/ und feine Wercke der Natur hiemit auch annim̃t / 
und an fich zeucht zu einen ewigen Schn welcher ift Chriftus 
mit dem außgeſprochenen Worte / als dem Reiche der Natur / 
darinnen des Menfhen Wunder und Weſen innen liegen / bes 
halten zum groffen Scheidetag Gottes / da ein jeder wird einerne 
den / was er allhie aufgefüet hat. 

32. Wenn wir diefe Hiftorien recht anfehen und betrachten / 
wie Gott das Reich Iſraelis habe mit einem Dienfibahren Schafe 
hirten angefangen / und vor allen gewaltigen Reichen auff Er— 
den big in Ewigkeit erhönet/ und betrachten /wie die 12. Staͤme 
Ifraelis find unter einem dienftbahren Joche in Knechts-weiſe 
gezeuget worden / auß welchem Stamm Eoriftus nad) der 
Menſchheit reolte gebohren werden ; So fehen wir/ dap aller 
Welt Hochheit / auch alle Kunft und Witz ver Natur vor GOtt 
wie naͤrriſch ift / damit die Menfchen doch alfo prangen/ und hale 
gen ihre weltliche Ubung / und ihre hohe Stände vor groß Ding / 
und find doch vor GOtt noch lange nicht einem frommen Schaf⸗ 
hirten gleich. x 

33. Ein Schaf-hirt / in dehm Gottes Geift würdet der iſt 
vor GOtt hoͤher geachtet / als der allerweifefte und Gewaltigfie 
in eigener Wiß / ohne Göttliche Regierung; und fehen gar eben/ 
wie Gott fein Reich in den albern niedrigen und unanfehnlichen 
Menfchen anfähet / welche vor der Welt nichts geachtet ſeynd / 
und nurden Hirten gleich gelten vor Menſchen Augen; Wie 
ihme denn auch Chriftus nur folcye Apoſtel erwaͤhlete / welche nur 
arme geringe unachtbare Leute waren / durch welche er das Reich 
Iſraelis in Goͤttlicher Krafft offenbahrete. 

34. Wo ſind die Hochgelehrten und Weltweifen ? Item / wo 
ſind die gewaltige Heran / die das Albere verachten ? wo bleibet 
ihre Macht} Kunſt und Wise? Sie müffen alle miteiander in 
Staub / und hierunter zur Einfalt folder Schaf-hir ten Forms 
men / und ihr Herk indie Dienfibarfeit unter Chrifti Joch beu> 
gen/ wollen fie dieſer Schaf-hirten Sinie theilhafftig werden : 
3a / ſie muͤſſen werden als die Mägde der ABeiber Jacobs /wols 
Ion fie gu diefer Ehe Eommen. 

35. Denn dir Linea Chriſti hat fich im Anfange mit Abel in 

einem 


548 Wie Gott Jacobbey Saban mit Cap.s8. 


einem Schäfer orfenbahret / alfo auch hernach beym Abraham / 
Iſaac und Jacob / Mofe und David / alle feynd fienur Schaf: 
hirten geweſen / wenn ſich die Linea Chriſti hat offenbahret : Da 
ift kein Gewaltiger / Edler / Neicher / Gelehrter oder Hoch— 
weltweiſer darzu kommen / fondern geringe unanfehnliche Lute / 
welche ihr Vertrauen in GOtt geſetzet haben 

36. Wo bleiben allhier dic hohen- Priefter und hohe Schulen/ 
welche ihnen den Gewalt dieſer Geheimniſſen zufchreiben un neh⸗ 
men / und offte die Gaben des Heiligen Geiftes in ſolchen Schaf: 
hirten mit Füffen tretten/ fie verlachen und für Narzen halten? 
Seynd ſie nicht alle Cain / Iſmael uñ Efau von der lindensinien/ 
vom Reiche der Natur diefer Welt in Gleißnerey der eigenen 
Vernunfft Twelche vor Gott nicht einem Schafhirten gleich iſt. 

37. O ihr arme in Adam blinde Menfchen ! werffet enere 
Augen von dem Hohen / und niedriger euch unter Die Einfult 
Chriſti in dieſe Schaf⸗hirten⸗Linie / und feher nicht auff ven 
Pracht der Kunſt und Hochheit / oder ihr werdet jaͤmmerlich be— 
trogen: Wollet ihr dieſer Linex fühig werden / fo moͤget ihr es 
nicht von der Hochheit erlangen / welche in dieſem Hirtensambte 
in Glei znerey pranget / ſondern in der Demuth und alberen 
Einfalt / da ſich die Seele unter Chriſti Joch ergiebet / wird die 
arme an GOtt blinde Seele in dieſe Ehe eingewurtzelt / und dies 
fer Linex fähig. 

38. Diefe ız. Kinder Jacobs find eben die Linien, welche der 
Geift GOttes von Adam biß auff Noam und feine Kinder ans 
deutet / welche aus der Bundes⸗Linea im Paradeig entfproffen/ 
und von Adam auff Abeldrungen / und fo fort biß auff die Kin 
der Noa / allda auch zwölf Linien oder Stämme angezeiget 
werden: Allhier eröffnete fich derfelbe Bauın wieder aus einem 
Stamme / welcher war Jacob / und deutetan/ wie diefelben Li- 
nien folten alle in einem Stamme geheiliget werden / welcher 
Stamm ift Chriſtus / welcher ihme auch 12. Apoftel erwählete / 
dieſen Baum zu offenbahren / welcher aus der Bundes-Linca 
war gewachfen. 

39. Undals Jacob dieſe 122. Söhne gezeuget / fo geugete er 
auch eine Tochter / mit Namen Dina /weldye ausgieng die Töch- 
ter des Landes zubefchen/ und dadurch ihre Ehre und Jungfrau⸗ 
ſchafft verlohr / und zeugete diefelbe aus Sea Jin welcher die Linea 
Chriſti offenbahr ward aus dem Stamm Juda; anzudeuten / 
daß die Linea Chrifti dißmahl noch indes Weibes-Tin&ur ver> 
korgen geſtanden / und fich aber durch Die mänliche / ala F 

an 


Tap.ʒ8. Kindern uũ Reichthum geſeegnet. 548 


ſche / offenbahret / biß auff Mariam Chriſti Mutter / wie wir 
das am Bunde Abrahams / Iſaacs und Jacobs ſehen / daß der 
Bund auff ihren Saamen drang; fo wohl ſehen wirs ander Bea 
ſchneidung / welche alleindem Manne gegeben ward. 

40. Und vielmehr ſehen wirs am Geſetze am Berge Sinai/ 
welches auch in feurender Art gegeben ward / anzudeuten / dag 
die Menſchen vor Chriſto ſeynd indes Batters Eigenſchafft ges 
fuͤhret worden /welcher uns im Zorne gefangen hielt / biß ſich 
feine Liebe / als ſein Sohn durch den Zorn in des Weibes Tinctur 
offenbahrete / und des Mannes und Weibes Tinctur wieder in 
eine wandelte / darum gruͤnete die Linea Chriſti bey den Vaͤttern 
in der weiblichen Tinctur, durch des Mannes Tinctur aus. 

41. In des Mannes rinctur ward fie im Glaubens-bunde 
in Abraham raͤge / und ward ausdes Mannes Tinkurim Wei⸗ 
be offenbahr: Aber in Erfüllung der Zeit ward fie in Maria} 
indes Weibes Tindur offenbahr / alsinder höchften Siebe / in 
welcher Liebe jich Adam vor feiner Eva felber liebete dan GOtt 
war darinnen offenbahr, 

42. Darum ſehen wirallpier mit Dina eine Figurder Even] / 
dan / nachdehm Lea ſechs Söhne gebohren hatte) fo gebahr fie eine - 
Tochter / welche die weibliche Tinctur andeutet / welche ihre Ehre 
in ihrem Fuͤrwitz verſpatzirete / gleichwie Eva woltedie Zöchter 
der Welt / alsdie Viehiſche Ereatürfiche guft befehen und wif> 
ſen / und in ſolcher Luſt die Paradififche Jungfrauſchafft verlohr. 

43. Alſo ſetzet ihme der Geiſt GOttes allhie mit Dina eine 
Figur der Even neben der Linea des Bundes / dieweil aus der 
Bundes-Linea ſolte dieſer kommen / welcher die arme Eve⸗Kin⸗ 
der I und ſeelig machen. 

44. Dan ſechs Söhne gebahr Sea / die deuten an die ſechs Ei⸗ 
genſchafften des natürlichen Lebens / und die ficbende iſt das 
Weſen oder die Seibligkeit der fechfen / in welchem geiſtlichen 
Weſen Adam an GOttes Reich ftarb oder verblich / als ſein 

"Hille ich von GOtt abbrach; s und diefelbe ficbende Eigenfchafft 
der Natur iſt nun eben das Weib / als die Mutter / darinnen 
ſich die andere ſechs immer gebaͤhren / welches wol recht die Ada⸗ 
miſche Evam andeutet / als Eva noch in Adam in einem Bilde 
war. 

45. Deſſen Figur ſtellet ver Geiſt GOttes beym Jacob mit 
Dina dar / wir dieſelbe ſtebende Eigenſchafft der Natur in Adamt 
ſey an GOtt zur bruͤchigen Huren worden; und ſetzet dieſe Figur 
neben die Lineam Chriſti / daß Chriſtus kommen ſolte / und dieſe 
Hure / 


350 Wie Gott Jac. bey Laban geſeegnet. C.y8. 


Hure Jals die fiebende Eigenfchafft des menfchlichen Sebens wies 
der indie Jungfraufchafft wandeln. 

46. Darum ward Ehriftus voneiner Jungfrauen gebohren/ 
daß er die weibliche Tinctur wieder heiligte / und in die mäne 
liche Tinctur wandelte / auffdag der Mann ımd das Weib wie» 
der ein Bilde GOttes würden/und nicht mehr Mann und Weib 
waren / Sondern Männliche Jungfrauen / wie Chriftus war. 

47. Bey Rahel ſehen wir nun die eigene Siebe im Reiche der 
Natur / da fich die beyde Tincturen / männlich und weiblich/ nach 
dem Reiche der Ratur in eigener Rebe in DerConjundtion verbins 
den /wiedan Jacob feine Rahel nach vem Reiche der Natur / 
nach der Tindur eigenen Begierde licbete/un hinwieder auch Nas 
helden Jacob : Darum muften dieſe Tincturen der eigenen na⸗ 
türlichen Liebe / fo lange verfchloffen ſeyn / und Eein geben herfür 
bringen) bieder Herzan Rahel gedachte umd fie erhörete / wie 
der Text im Mofe fager: Das iſt / biß der Herz die Tinduren des 
Heihsder Natur mit feinem Seegen bewegte / fo gebahr fie 
einen Fürften indas Reich der Natur / als den JOSEPH, in 
welchem wir fehen an feiner groffen Zucht und GOttes ⸗furcht / 
daß der Sergen GOttes die Tinduren des Reichs der Natur] 
welche im Saamen verfihloffen lag / bewegte/ und den Bund 
der Gnaden darinnen offenbahrete. 

43. Dandas Reich der Natur im Menfchen folte Chriftus 
som Grimme erlöfen/ darum ftellete ihme auch der Geift in 
dieſer Zigurein Bilde mir Joſeph für/welchen er auch indie 
Figur mie Ehrifti Menfchheit feßere/wie es Fünfftig mit Ehrifti 
Menfchheit / welche er von uns Menſchen annahm / gehen folte. 

49. Bey Sea ward Ehriftus nach feiner himmliſchen verbor> 
genen Menfchheit fuͤrgeſtellet / wie ſich der himmliſchen Welt 
Weſen wuͤrde in unſerer Menſchheit / unter dem Joche GOttes 
Zornes verbergen / und wie CHriſtus muͤſte in Knechtes-und 
verachteter Geſtalt erſcheinen. 

50. Bey Rahel mit Joſeph wird nun die Figur dargeſtellet / 
wie er wuͤrde uͤberwinden / und in unſerer menſchliche Ratur ein 
Herr und Fuͤrſt über alle ſeine Feinde / die uns arme Menſchen 
in Fleiſch und Blut gefangen halten / werden / und wie er uns 
würde ausdem Elende der Theurung Adams ausführen in ein 
gutes Land / und nicht gedencken wie wir ihn haben in diefer Welt 
indie Grube geworffen / wieden Joſeph feine Brüder. 

52, Diefe Figur fteller inne der Geift GOttes bey den 12. 
Ertzvaͤttern für zu einem Spiegel / Durch welchen GOtt in 

? feinem 


Cap.5 9. Wie Jacob ſey von Laban gezogen. z51 


ſeinem Zorn verſoͤhnet ward / auff die zukuͤnfftige Erfuͤllung / 
dan der Text im Moſe redet gantz heimlich in dieſer Figur und 
ſaget: Da nun Rahel den Jofeph gebohren hatte / ſprach Jacob 
zu Laban: Laß mich ziehen und reyſen an meinen Orth und in 
mein Laudt / gib mir meine Weiber und meine Kinder / darum 
ich Dir gedienet habe / daß ich ziehe. . 


Die innere Geijtliche Figur fteher alfo : 

52. Wan der Seegen Jacobs / als Ehriftus im Reiche der, 
menfhlichen Natur) offenbahr wird / dag der Menſch in Chriſti 
Bilde fichet/ fo begehreter aus der Dienfibarkeitdiefes Hauſes / 
darisınen er dienen mußz / wieder in feines erfien Batters Haus zu 
ziehen / und begehret feine Fruͤchte / als Kinder / Brüder und 
Schweſtern / und alle Kinder diefer Gebuhrt mif zu nehmen: 
Er befombt ein groffes Saͤhnen darnach / wie Jacob nach feines 
Batters Haufe; aber der Herz fpricht zu ihme / bleib und diene 
mir noch allhie und weide meine Schafe / ſtimme dir den Sogn 7 
dehn ich dir geben foll/ das iſt / bitte von mir / fo wilich dirs ge⸗ 
ben / wie Chriſtus ſagte: Was ihrden Batter bitten werdet in 
meinen Namen / das wil er euch geben. 

53. Alſo erſencket ſich alsdan die ſer Jacob in die Gedult / und 
huͤtet der Schaͤflein Chriſti auff Hoffnung des ewigen Lohns / 
welcher ihme nachfolget: dan in Joſeph / das iſt / in Chriſto wird 
ihm erſt der Lohn gegeben / gleich wie N ofeph der Sohn Jacobs 
im Auffern Reiche ward / und ihn ſambt ſeinem Haufe in der 
Theurung ernährete/ welches Chriſtum andeutet / der ung ce 
wiglich in fich wil ernehren / und mit ſich heimfüren in feines 
Datters Haus / wie Jofeph feinen Vatter und Kinder in ſeines 
Her Sand einführete. 


Das 59. Capittel. 


Wie Jacob ſey von Laban gezogen] was diefe Figur 
andente | was darbey zu verſtehen ſey. 


Geneſ 31. 
x. m N dieſem Eapittel wird mehrentheils die Aufferlia 
che Geſchichte dargeſtellet / darunter doch der Geiſt 
ſeine heimliche Figur hat mit der er ſpielet / dan 
pe der Zertfüget: Und es Eamenfür Jacob die Re⸗ 


den der Rinder Sabans / daß ſte ſprachen: In 
- cv 


352 Wie Jacob fey von Laban gezogen. C.y9 


cob hat all unſers Vatters Gut zu ſich gebracht / und von 
unſers Vatters Gut hat er ſolchen Reichtuhm zuwege ge⸗ 
bracht. Und Jacob ſahe an das Angeſicht Laban / und ſtehe / 
es war nicht gegen ihm wie geſtern und ehegeſtern. 

2. Dieſes iſt eine Figure im Geiſte Chriſti fuͤrgebildet war 
der Geiſt Chriſti im Menſchen hat das Reich menſchlicher Na= 
tur an ſich gezogen / ſo wachet der Schlaugen Neid im Grimme 
der Natur im Fleiſch und Blutauff / indehm er verſtehet und fuͤh⸗ 
[st das ihme die Krafftder Natur im Menſchen entzogen wird / 
und feindetden Geift Ehriftiinder Krafftder Natura. 

3. Da gehet algdan ver Widerwille im Menſchen an / dag 
Ber arınen Seelen an allen Orten bange wird / indehme ſte ge⸗ 
wahr wird/ dag fie in einem fremden Gut wohnet / und ihr der 
Teuffel zum Nachbar ift ( und zu ihrer eigenen Natur noch im⸗ 
merdar einen Zutritt hat und fie anfeindet/ daß ſie ihme in Ehri= 
ſti Geifte das Neich der Natur / als fein gehabtes Landt oder 
Sit hat entzogen; fo frellet ſich die ſterbliche Natur / in Gottes 
Zorn mitihrer Begierde / gegen der armen Seelen alsdan frem⸗ 
de und unfreundlich / wan fie ſtehet / daß fte ihr wolluͤſtiges irr⸗ 
diſches Erbe verleuret / welches recht die Kinder Labans andeu⸗ 
tet / da die Vernunfft ſiehet / wie ſie um zeitliche Ehre und Wol⸗ 
luſt keint / und ihr all ihr Natur-recht entzogen wird / wie 
Jacob durch Liſt dem Laban feine Güter entzog. 

4. So ſpricht alsdan Gott zur Seelen wie allhie zu Jacob: 
Zeug wieder in dein Vatterlandt zu Deiner Freundſchafft / ich 
wil mit dir ſeyn; das iſt / die arme Seele ſoll wieder in ihr erſtes 
Batterland/ als in das ewige Wort / daraus ſie kam / einzie⸗ 
ben / alldainnen ſeegnet fie GOTT und alldainnen kan 
ſie auch ihren Kindern und Gliedern ruffen / und ſie mit aus dem 
Dienſt-hauſe des Zorns Gottes im Reiche der Natur alisfuͤh— 
ren / wie Jacob feine Weiber und Kinder ruffete / und aus dem 
Dienste ihres Batters ausfuͤhrete: Al’ auch führe die erleuch⸗ 
tete Seele ihres Lebens Kraft im Neiche der Natur / ſamt ihren 
Mitgliedern aus den Dienfthaufe des Fleifches und Bluts wire 
der in das erſte Haus / alsin Gottes Wortein. 

5. Und wie Jacob aus dem Dienfihaufe feines Schwaͤher⸗ 
vatters flohe / und ihm Saban nachjagete / und ſchaden wolte: 
Alſo auch imgleichen geſchiehet es mit Chriſti Kindern / wenn ſie 
anheben aus dem Dienſthauſe des Sathans auszufliehen / als 
aus der fleiſchlichen Wolluſt / und wollen wieder in ihr erſtes 
Vatterlandt / als in Gerechtigkeit und Gottes Furcht / fo kom⸗ 

met 


©. 59 Wie Jacob ſey von Laban gezogen. 553 


met alsbald der fleiſchliche Hauffe der gottloſen Welt mit Gruft 
und Leichtfer tigkeit hernach geflogen / und wollen ſie toͤdten / und 
all ihr Haab und Gut in GOttes Gerechtigkeit mit falſchen 
Zungen nehmen. 

6. Aber der Herr draͤuet ihnen / daß fie das nicht thun fon 
nen / wie dem Laban geſchahe / ob ſie wohl ſtehen / und ſchelten 
die Kinder Gottes vor Ungerechte / dag fie ſich von ihren Goͤt⸗ 
tern und Greuelen abwenden / und ihrer Heucheley nicht mehr 
wollen / auch ihr falſches Joch nicht mehr tragen wollen / und 
ihnen in ihrer Ungerechtigkeit dienen / und ihre Falſchheit gut 
heiſſen / wie die jetzige Welt unter diefem Joche heuchelt / und 
iR er Falſchheit dienet/ dag nur ihr Gott Maoſim fett werde und 

eben mag. 

7. Auch ftellet allhier der Geift Gottes cine Figur dar / wie 
nie fich werde eine zeitlang unfer dDiefes dienſtbare Joch ins 

Reich der Natur einſtellen / und werde ihme Adams Töchter / 
das iſt / unſer Fleiſch und Blut vermaͤhlen / und Adams Haab 
und Gut / als das Reich menſchlicher Natur an ſich ziehen / das 
iſt / viel Menfchen an fich ziehen / und endlich darmit aus diefent - 

jenfthaufe diefer Welt wieder in feines Batters cwiges Haus 
gthen / in welchem Ausgange zu feinem Batter ihn ver Teuffel / 
fambt der falfchen Welt / würde verachten und gan wollen toͤd⸗ 
ten/ und die Güter fambt feinen allyie gezeugeten Kindern wol- 
fen rauben und wieder nehmen / wieder Teuffel durch die Pha—⸗ 
riſeer und falſchen Juden thaͤte welche wolten Chriſto alle ſei⸗ 
ne glaͤubige Kinder wieder nehmen und rauben / wie Laban Jacob 
nachjagte / und wolte ihm fein worbenes Gut wieder nehmen. 

8. Aber gleichwie Gott nicht wolte zulaſſen / daß Laban kon⸗ 
te Jacob ſchaden thun: Alſo auch ließ Gott dem Teuffel und den 
falſchen Hohenprieſtern nicht zu / daß ſie konten Chriſto ſein er⸗ 
worbenes Gut rauben / ob ſie gleich die aͤuſſere Menſchheit an 
ihm toͤdteten / fo ſtund er doch wieder vom Tode auff / und fü: 
rete fein erworbenes Gut in fein Batterlande. 

‚9. Ein wunderlihe Figur feßetder Geift Moyſis in dieſem 
— dar / welche wohl zu mercken iſt / daß er etwas heimli⸗ 

es darunter andeutet: Dan er ſagt / als Jacob ſey von Laban 
geflohen / ſo habe Rahel ihrem Vatter die Gögen geſtolen / und 
faget ferner: Alſo ſtal Jacob dem Laban zu Syrien das 
Hertze / Damit daß er ihme nicht angeſaget / daß er Hohe) 
und ſehen auch ferner / wie Laban als er zu Jacob kam / alſo — 
tig nach den Goͤtzen getahn habe / und dem Jacob allen ſeinen 


An Haufe 


x 


554 Wie Jacob fey von Laban gezogen. C. 59 


Hauſraht / wegen der Goͤtzen durchſuchet: auch ſehen wir in 

dieſem Texte / wie Rahel dieſelben Goͤtzen muſte lieb gehabt ha⸗ 

ben / indehme fie ſich darauff ſetzet / und ſie alſo verbirget / daß 

fie ihr Batter nicht koͤnte wieder bekommen. 

, 20. In dieſen Worten reird uns eine äufferliche und auch eine 
innerliche Figur dargeftellet/ wie es kuͤnfftig mit Iſrael gehen 
würdes Denn diefe Gößen find nicht Heydnifche Abgötter ge⸗ 
weſen / nach dem Moloch des Geſtirns / wiedie Heyden hatten / 
fondern wie man liefet / fo haben fie Bilder ihrer Verftorbenen 
gemacht zur einer Erinnerung welche Bilder hernach bey den 

Heyden auch find zu Abgöttern worden / und mögen wohl folche 

Bilder ihrer Verſtorbenen Freundtfchafft ſeyn geweſen / welche 
Saban nicht gerne verlohr / weiler fichdaran feiner lieben Vor⸗ 
fahrenden Sreundeerinnerte. 

11. Aber dierechte Figur / darunter der Geift deutet auf das 
Zukuͤnfftige / iſt dieſe: Zum erſten / das Ifrael nicht würde alles 
mahl von gantzem Hertzen an GOtt hangen / ſondern ſie wuͤrden 
dieſe Goͤtzen fleiſchlicher eigenen Liebe aͤllezeit mit ſich nehmen / 
und ſich und ihre Bilder / als Geſchlechte der Menſchlichen Ho⸗ 
heiten / mehr lieben als Gott / wie dan auch geſchehen iſt. — 

12. Sonderlich deutet dieſer Außzug Jacobs / den Ausgang 
Iſraels aus Egypten ins gelobte Landt an / da fie auch ihre 
Fleiſchliche Gösen mitnahmen / und hernach ihren eigenen 
Goͤtzen dieneten / als menfchliher Hochheit/ und ihren GOtt 
verliefen / und fahen auffihren Mammon / und wolten Könige 
unter ihnen haben nach Gewonheit der Heyden / und verlieffen 
ihren rechten König/ welcher fie hatte aus Egypten geführet. 

13. Zum andern deutets an / wie Chriftus / in welcher Figur. 
Jacob ſtundt / würde diefe Rahel in unferem Fleiſch und Blute 
an ſich nehmen / als dieſen in Adam von Gott abgewandten 
Goͤtzen⸗willen der Seelen / welcher ſich hatte mit Bildern und 
Goͤtzen gefaſſet / und dieſelben beſeſſen wie Rahel / und wuͤrde 
der Seelen abgewendeten Willen mit ihren gefaſſeten Goͤtzen 
und Bildern aus dem Goͤtzen⸗hauſe ausführen / welche Goͤtzen / 
als Goͤtzen⸗willen und Begierde hernach im Todte Chriſti ha⸗ 
ben muͤſſen alle zerbrochen werden. 

14. Wie uns dan aͤlsbald (Gen. 35. Cap.) die Figur dar⸗ 
geftellet wird / als GOtt zu Jacob ſprach: Mache dich auff und 
zeuch gen Bethel / und wohne daſelbſt / und mache daſelbſt einen 
Altar / dem Gott der dir erſchien da du floheſt für deinem Bru⸗ 
der Eſau: So ſprach Jacob zu ſeinem Hauſe / und zu — 

mi 


C. y9. Wie Jacob ſey non Laban gezogen. 555 


mit ihm waren; thut von euch die fremden Goͤtter / ſo unter euch 
ſind / und reiniget euch / und aͤndert eure Kleider / uñ laſſet uns auff 
ſeyn / und gen Bethel ziehen / daß ich daſelbſt einen Altar mache / 
dem Gott der mich erhoͤret hat zur Zeit meines Truͤbſals / und iſt 
nit mir geweſen auff dem Weege den ich gezogen bin / ꝛc. 

15. Welche Geſchichte Jacobs anders nichts andeutet / als 
dieſes: wan Chriſtus würde mit dieſer Goͤtzen-⸗Rahel / als un⸗ 
ſerin Fleiſch und Blute aus dieſem Dienſthauſe ausziehen / und 
zu ſeinen Vatter gehen / ſo wuͤrde er durch ſeinen Ausgang / 
wan er wuͤrde den hohen Altar vor Gott bauen / welcher Altar 
er ſelber iſt / dieſe unſere Goͤtzen im menſchlichen eigenen Wil⸗ 
len / als alle Bildlichkeit eigener Liebe vor Gottes Altar in ſei⸗ 
nem Todt ablegen / und unſere Hertzen / als den ſeeliſchen Willen 
reinigen / und unfere Kleider / als Fleiſch und Blut andern / wie 
dieſer Text im z5. Cap. klar andeutet / und gantz darauff gehet / 
wie uns Chriſtus werde auff demſelben Altar ſeines neuen 
Zeftamentsdehm Gott auffopffern / der uns in unſerer Truͤbſal it 
unſerem Elende nach dem Falle in ſeinem Gnaden⸗bunde wieder 
erſchienen iſt. 

16. Daß aber der Text Moyſts ( Gen, 31.) ſagt: Jacob 
habe Laban dem Syrer ſein Hertz geſtohlen / daß er ſey heimlich 
mit ſeinen Toͤchtern geflohen / hat auch eben dieſelbe innerliche 
geiſtliche Figur in ſich: Dan das Wort ward Menſch / und 
nahm Laban / als dem irrdiſchen Adam feine Töchter / und fuͤh⸗ 
rete fie durch göttliche Sift aus Adams Haufe hinweg in Goftes 
Haus / das heiffet an dem Ort geftohlen/ dag dem Reiche des 
Zorns Gottes] Adams Kinder alfogeftohlen/ das iſt / in Goͤt⸗ 
licher Wis weggeführet worden. | 

17. Dan der Zorn Gottes hatte die Menſchen im Nature 
recht befeffen/ aber Chriſtus kam / und chligte ſich mit ihnen / 
und ftahl fie dem Zorne mit famt den Goͤtzen hinweg / und opffers 
se fie Gott / aufffeinem Altar derer felber ift/ auff / und legte 
Die Bilder der eigenen Liebe der Menfchen abe / und reinigte un⸗ 
fere Kleider vor GOtt / auff daß wir ihme bey dieſem Altar Dies 
nen follen. — 

‚18. Dieſes wird eigentlich bey Ben Goͤtzen Rahels verſtanden / 
die Figur ſtellet wohl die aͤuſſerliche Geſchichte dar / aber der 
Geiſt Gottes hat ſeine Figur darunter: Dan die gantze Hiſto⸗ 
ria / mit Abraham / Iſaac und Jacob ſtehet innerlich in der 
Figur Chriſti / dan der Bund zwiſchen Laban und Jacob / und 
alles was ſich allda hat begeben / —— Figur BERN ER 

Anz abaıt 


556 Wie Jacob ſey von Laban gezogen. E. 597 


Laban ftehetallhier inder Figur des Reichs der Natur / und Ja⸗ 
cob in der Figur Chriſti. 

9. Laban ſchalt Jacob / daß er von ihme flohe / und ihn nicht 
Hätte laſſen zuvor feine Kinder kuͤſſen / daß er ſie hätte mit 
Paucken in Freuden geleitet: Alſo tuht auch das Reich der Na⸗ 
tur mit Chriſti Kinderen / wan ſie heimlich von ihm fliehen / und 
das Goͤtzen⸗ haus verlaſſen / fo ſchelten die Kinder des Reichs der 
Natur / dieſe Kinder Ehriſti fuͤr Fluͤchtige und Meineydige / 
fuͤrKetzer und Neulinge) für Enthuſtaſten / und was der Nas 
men mehr ſind / und ſagen zu ihnen: Da ihr wollet vom gottlos 
ſen Weege in ein ander Leben gehen / warum ſaget ihr daſſelbe 
nicht unſern hohen Prieſtern an / daß ſie euch mit ihren Cere⸗ 
monien dahin geleiteten / als mit Beichten / Sacramenten / 
und Fuͤrbitten Warum haltet ihr nicht der Kirchen Gebraͤu⸗ 
che / da Chriſti Reich in Freuden ſtehet mit Getümmel / Or⸗ 
geln und Pfeiffen? Warum ſtehlet ihr euch heimlich von uns 
weg / und gehet einen andern Weeg / als unſere Ordnung und 
Saͤtzungen ſeynd / und werden ihnen darum feind / verfolgen 
fie / jagen ihnen mit Berdammen und Schmaͤhen nach / als boͤſen 
Kindern oder Meineydigen / welche ihnen ihre Goͤtzen hätten 
geraubet / und nicht ihre Gleißnerey für Götter chren wollen / 
wie Saban dem Jacob naceilete und ihn ſchalt / daß er nicht 
hätte zuvorhin fein Gepränge gehalten / und ihms zuvorhin ass 
gefaget dag er wandern wolte. 

20. Alfo auch wil Babel fchleht haben / es follen die Kinder 
Chriſti allein durch ihre Gepränge und Bauchzorden zu GOtt 
eingehen / und wer anderft als durch ihren Orden zu Gott eine 
gehen wolle/ und aus diefem Dienfthaufe flichen/ ver fey vers 
dambt / und koͤnne nicht zu Bott kommen. 

21. Aber Jacob konte wol ohne Labans Gepraͤnge zu feinem 
Datter kommen: und ob ihn gleich Laban ſchalt und feinen 
Weeg unrecht hieß / ſo war er doch vor Gott recht. Dan Gott 
hatte es ihme geheiſſen / und konte ihn Laban gar nicht halten: 
Alſo auch mögen Chriſti Kinder / wan fie ver Geiſt Chriſtiin 
ihnen heiſſet ausfliehen von Babel / gar nichtgehalten werden / 
auch ſchadets ihnen gar nicht / wie übel fie die Welt darum 
ſchilt und fie erachtet / verlachet / vernarret / werkegert/ umd 
für Enthufiaften ſchilt. 

22, Der Höchfte ſtraffet doch Saban / daß er mit Jacob ana 
derſt nicht als freundlich reden foll ; das iſt / die Säfterungen Bas 


bels uͤber Chriftj Kinder muͤſſen ihnen endlich zweitel Steuben 
un 


8.600. MWi&fau fen Jac.entgegen gezogen. 357 


und zur Freundligkeit gereichen/ und mug fie Saban nur sichern 
laffen mit ihrem Haab und Gut: Dan Gott heiffer feine Kin» 
der von Babelausfliehen / und wieder in ihr erftes Vatterlandt 
cingehen / daraus fie mit Adam feynd ausgangen / nicht durch 
das Gepränge zu Babel / fondern durch Ummwendung des Ge⸗ 
muͤths und Willens / als einen neuen Schorfam. 

23. Dan Bott hat an dem Gepränge zu Babel eben ſo viel 
Gefallen / alsan Labans Paucen und Reyhen: Er fordert cin 
bußfertiges umgekehrtes Her / welches in hoͤchſter Einfalt und 
Demuth / ohn alles Gepränge fich zu ihme nahet und von Ba 
bel ausgehet / mit dehm gehet er und feegnet ihn. 1p8 

24. Danals Jacob ohn Gepränge war ausgezogen / ſo begeg⸗ 
neten ihme die Engel Gottes / welche er Gottes Heer hieß: das 
deutet an / wan Gottes Kinder von Menfchen-Tandt und Bild» 
ligkeit ausgehen / und alles irrdiſche für nichts achten / auch fich 
aller Titul-brüder in ihrer Gleignerey entfchlagen / fo bekom⸗ 
en fie Gottes Engel zu Gefärten / welche mit ihnen umgehen / 
und ſie auff ihren Weegen inihrem Ausgänge aus Babel beglei⸗ 
then wie allyie Jacob geſchahe. 

25. Dan fo bald Chriſtus im Menſchen gebohrenift/ daß 
das Gemuͤhte aus dem adamiſchen Dienſthauſe der Bildligkeit 
ausgehet / ſo ſind ihme die Engel Gottes zu Gefaͤrten zugeordnet. 


Das 60. Capittel. 


Wie Eſau ſey Jacob mit 400. Mann] einem Kriegs⸗ 
heer | entgegen gezogen] was diefes andeute: auch 
wie Jacob feinem Bruder Efau habe das Geſchencke 
entgegen geſchicket: und wie ein Mann habe die 
ganze Nacht mit Jacob gerungen | was diefes alles 
fey. Gen. 32. Dem Leſer hoch zu betrachten. 


2. Ofes richt: Jacob aber fehickete Botten vor 
ihm her zu yeinem Bruder Sſau ins Lande Seir / 

In dee Gegend Edom / und befahl ihnen und 

\ prach: Alſo fager meinem Herren Sſau: Dein 
Knecht Jacob laͤſſet dir ſagen: Ich bin bie 

daher bey Laban lang auffen geweſen / und habe Rinder und 
Ziel Schafe! Anechte und Maͤgde / und habe ausgefande 
dir meinem Herrn ansufagen! daß ich Gnade por deinen 
Aa 3 Au⸗ 


558 Wie Eſau fey Zac. entgegen gezogen. C.00. 


Augen finde: Die Botten kamen wieder zu Jacob / und 
fprachen / wir kamen zu deinem Bruder £fan / und er zeucht 
dir auch entgegen mit 400. Mann; Da furchte fich Jacob 
ſehr / und ihm ward bange / und theilete das Volck das bey 
ihm war / und die Schafe / und die Rinder / und die Cameel 
in zwey Heere / und ſprach: ſo Eſau auff das eine Heer komt 
und ſchlaͤget es / fo wird das uͤbrige entrinnen. 

2. Diefes gantze Eapittel ſtehet gewaltig in Ehrifti Figur: 
Denn als das Wort war Menfch worden / und wolte num 
von dieſer Welt ausgehen / und wieder feine ewige Stätte mit 
anferer Menfchheit befigen/ fo begegnete ihm nun dieſes Kriegs» 
heer im Reiche der Natur in Gottes Zorne. 

3. Denn das Reich der Natur / als der natürliche Adam / 
war der erftgebohrne Eſau / welcher um den Seegen und him̃⸗ 
liſche Erbe / als um das ewige geben / mit Jacob / das iſt / mit 
Chriſto zoͤrnete / daß es fterben/ und fein Recht verliehren folte/ 
in welchem Reiche der Zorn Gottes hatte das Regiment bekonien; 
derfelbe Zorn Gottes kam Chriſto entgegen/als er jetzt wolte fein 
erworbenes Gut in ſein ewiges Vatterland/alsin Gottes Liebe / 
einfuͤhren / wie Eſau dem Jacob im Bilde der Figur: Vor die ſem 
Kriegssheer entſatzte ſich Chriſtus / als vor Gottes Zorn / wie am 

Oelberg zufehen ift / wie Jacob vor dem Zorn Efans. 

» Und wie Jacob feine Heerde für Efaus Grimm inz. 
Zheil theilete / / daß ob Efau das eine Heer fehlüge / doch das an⸗ 
der entrünne; Alfo auch war die Menfchheit Ehrifti in zwey 
Weſen getheilet / als in ein himmliſches / davon er (Joh. 3.) 
fagte: Er wäre vom Himmel kommen / und ware im Himmels 
und denn in ein irrdiſches aus unſerem Fleiſche und Blute / daß 
ob der Zorn Gottes das eine Theil als unſere Menſchheit mit dem 
Tode ſchluͤge / daß doch das himmliſche Theil dem Zorn entrinne / 
und durch den Tod durchdruͤnge / und unſere Menſchheit darinnen 
lebendig machte: Denn die Botten welche Jacob zu Efau 
ſchickete / ſeynd anders nichts als das Gebehte Chriſti: welches 
er durch GOttes Zorn in ſeine Kiebe / als in das Erbarmen 
ſchickete dag unfer Menſchheit möchte Gnade bey Gott finden. 

5. Denn gleichwie Jacob Eſau fagen lieg / er waͤre biß daher. 
bey Saban lange auffen gewefen / und hätte Knechte umd Mägde 
und Cameel / famt andern Biehe bey fich / daß er doch möchte 
mit diefen allen Gnade bey feinem Herin Efar finden: Alfd 
faget auch Chriſtus zu feinem Vatter in unferer angenommenen 
Menſchheit / als in Adam / er waͤre lange auſſen geweſen re 

Gr 


E.60. Wie Eſau fey ac. entgegen gezogen. 559 
Gottes Reich / und Hätte ihme in dem Keiche diefer Welt in 
Gottes Wunder⸗wercken viel Bilder aus der Göttlichen Weiß⸗ 
heit / durch Formung der Natur erbohren/dag Er doc möge mit 
dieſer Foruuung der Wunder vor Gott Gnade finden/dieweildies 
fe Wunder waren durch die Natur feines geoffenbahrten Zorns 
erbohren worden / das fie Doch moͤchten zur ewigen göttlichen 
Befchauligkeit kommen. 

6. Aber der Zorn zog ihme in den 4. Elementen entgegen, 
und wolte die Irrdigkeit und Bofheit Davon verfhlingen : Den 
die 400. Man Efaus / deuten anders nichts an als den Grimm 
der Natur in den 4. Elementen des Leibes / derfelbe z0g der 
Menfchheit Chrifti entgegen / als Chriftus wolte das in Adam 
sefhaffene Bilde inunfere Menſchheit in Gott einführen / als - 
ins Paradeiß / fo wolteder Grimm Gottes von chedas adami⸗ 
ſche Bilde tödten / auff daß es nicht mehr im Reiche des Zorns 
lebete / weiles ſolte in Gott leben. 

7. Und wie fi Jacob vor GOtt demühtigte/ und prach / 
Gott meines Datters Abrahams / und Bott meines Dat- 
ters Iſaacs / HErr / der du zu mir gefager haft) Zeuch wieder in 
dein Vatterlandt / und zu deiner Freundſchafft / Ich wil die 
wol thun; Ich bin zu geringe aller Barmhertzigkeit und al» 
ler Treue / die du an deinem Knechte gethan haft / (denn ich 
hatte nicht mehr / weder diefen Stab / ds Ich über diefen Jor⸗ 
dan gieng/ und nun bin Ich zwey Heerworden:) Errefte 
mich von der Handt meines Bruders von der Hande£füu/ 
denn ich fürchte mic) für ihm / dag er nicht Eomme und 
ſchlage mich / die Mutter ame den Kindern: Alfo auch des 
muͤhtigte fich Chriftus in unferer angenommenen Menfchheit 
vor Gott; und ob ihn gleich Bottim Propheten David in uns 
ferer angenommenen Menſchheit bat heißen zu feiner Rechten 
ſitzen / big er feine Feinde zum Schemel feiner Fuͤſſe legete / 
noch demuͤtigte er ſich wie Jacob vor dem Zorn Efau / alſo auch 
Chriſtus vor feines Vatters Zorn. 

8. Und mie Jacob fprach : Als ich über diefen Jordan 308 / 
ſo hatte ich nurdiefen Stab / jegebinich 2. Heerreich: Als 
ſo auch als Chriftus/ als das ewige Wort göttlicher Kebe zu 
uns in unſere Menfchheit kam / fo war cs nur der einige Stab 
göttliherGnade;aber in unferer MenfchheitindemDienft-gaufe 
Adams ward er zwey Heer reich / als einer zweyfachen Menſch⸗ 
heit / alsder himmlifchen in Adam verblichenen / und der irrdi⸗ 
schen aus dem Limo der Erden: Darımı fagte ex in diefer zwey⸗ 

| Ans fachen 


560 Wie Eſau ſey Jac. entgegen gegogen.E.6o. 


fachen Menſchheit / wie Jacob zu Gott ſagte; Gott meines 
Vatters Abraͤhams / und Gott meines Vatters Iſaacs / Herr der 
du mir zugeſaget haſt / zeuch nun wteder in dein Vatterland / 
und zu deiner erſten Freundfchafft ; Ich bin zuwenig und zuge⸗ 
ringe aller diefer Barmhertzigkeit / die du an deinem Knechte 
gethan haſt: anzudeuten / dag es mur in Böttlicher Varmhertz⸗ 
igkeit geſchehe / daß dieſe zwey „Heer / als die zweyfache Menſch⸗ 
heit wieder heim in ihr erſtes Batterlandt des Paradeiſes zu der 
englifchen Freundfchafft ame. 

9. Undals fich Jacob hattevor Gott und feinem Bruder Efatt 
gedemühtiget/ fo blieb er die acht alda / umd nahm von deh⸗ 
me das erfürhanden hatte / Geſchencke ſeinem Bruder Sſau / 
Zwey hundert Ziegen / zwantzig Boͤcke / zwey hundert Schafe / 
Zwandig Widder / und dreiſſig ſeugende Cameel / mitihren 
Fuͤllen / viertzig Kuͤhe / und zehen Farren / zwantzig Sſe⸗ 
linnen / mit zehen Fuͤllen / und thaͤt fie unter die Handt fet- 
ner Knechte / ja eine Heerde ſonderlich / und ſprach zu ihnen: 
Gebet vor mir hin / und laſſet Raum zwiſchen einer Heerde 
nach der anderen: und gebot dem erften / und fprach : Wenn 
dir mein Bruder Sſau begegnet / umd dich fraget / wehm ge- 
hoͤreſtu an / und wo wilft du hin / und weß iſt es das du für 
dich treibeſt? So ſolſt du ſagen: Ss gehoͤret deinem Knech⸗ 
te Jacob zu / der ſendet Geſchencke feinem Herrn Sſau / und 
zeucht hinder uns hernach. 

xo. Dieſes Bilde iſt nun der groſſe Ernſt / da der Geiſt 
Gottes in der Figur damitte deutet auff das Kuͤnfftige; Denn 
dieſes Geſchencke Jacobs ſeinem zornigem Bruder Eſau / deu⸗ 
tet an die Stätte Chriſti / als er den Zorn feines Vatters ver» 
ſoͤhnen wolte; ſo muſte er ihme zuvorhin dieſe Thiere in unſe⸗ 
rer eingepflantzeten Menſchheit zur Verſoͤhnung ſchicken / wel⸗ 

che dem Zorne Gottes geſchencket wurden. 

ız. Dieſe Thiere aber / welche Chriſtus dem Zorne Gottes 
zuvorhin vor feinem Leyden und Todt ſchickete / waren unſere 
eingepflantzete Thiere; Als da iſt Hoffarth / Geitz / Neid / Boß⸗ 
heit / Luͤgen / da ein Menſch den andern verleumdet / mit Worten 
ſchaͤndlich hinrichtet / niederdruͤcket / und für falſch und gott⸗ 

loß ausſchreyet / und in ſumma alle Laſter des Teuffels und der 
boͤſen Welt. 

x2. Dieſe boͤſe Thiere ſeynd in Adam inder Sünde alle auff⸗ 
gewachet und lebendig worden / dieſelbe Lebens-Geſtaltnuͤß / 
darinnen Adam hatte ſeine boͤſe Thiere gebohren / da die a 

} vers 


8.60. Wie Eſau fen Zar entgegen gezogen. z61 
peratur der Natur fich gertrannte / nahm Chriſtus in unferer 
Menfchheit alleauff ſich / wicihrer denn inder Figur beym Ja⸗ 
cab wohl fünff hundert und achtzig angedeutet werden/ und ſchick⸗ 
te fie dem Zorn Gottes zu einer Verſoͤhnung / alser gar nahe 
die Menfchpeit von diefen Thieren erlöfen wolte. 

13. Und diefe Thiere waren bey Chrifte feine Berachtung / 
Verſpottung / Berfpeyung /alles was ihme die Pfaffen der Juͤ⸗ 
den anthaͤten / das warenalles unfere Thiere / welche Chriſtus 

dem Zorne Gottes an feinem Leibe übergab als ein Selbſchuldi⸗ 
ger / und da cr doch dieſer Thiere keines in feinem Willen geboh⸗ 
ten hatte / fondern Adam hatte fie gebohren / und er nahm fie auff 
ſich als ein Lamm / und ſchenckete fie dem Zorn Gottes an feinen 
$eib und schen / und thät als ein Selbſchuldiger / daß ſie der 
Zorn Gottes an feinem Leib und geben verfchlang / als fein an⸗ 
gebohrnes Erbgut / das er am Menfchen zum Natursrecht hate 
fe / damit Gottes Zorndas feine bekaͤme / und fein Grimmund 
Hunger nach diefer Eitelkeit / ſie zu verfchlingen/geftillet würde. 

14. Undder Geift Moyſis redet weiter inder Figur Chriſti / 
und pricht: Alfo giengdas Geſchencke Jacobs vor ihm ber / 
aber er blieb diefe Nacht beym Heer / und ftund auffinder 
Nacht / und nahm feine zwey Weiber/ und die 2. Maͤgde /und 
feine ır. Rinder / und 308 an den Furt Jabock / nahm fie / 
und führete fie über das Waſſer / das hinuͤber kam was er 
hatte / und blieb alleine. 

Die Figur von Chriſto ſtehet alſo. 

15. Als Chriſtus dieſes Geſchencke hatte dem Zorne Gottes 
vorher geſchicket / ſo blieb er bey ſeinem Heer / als bey ſeinen 
Juͤngern / und ſtundt auff in der Nacht der groſſen Finfternüß 
in unſerm Gefaͤngnuͤß des Elendes / und nahm ſeine 2. Weiber 
als den zwey achen geiſt des Menſchen / als die Seele / und 
den Spiritum Mundi, die Auffere Seele und die innere ewige 
Seele i famt den 2. Mägden/ als der zweyfachen Menfchheit 
des Leibes; und die 1x. Kinder welche find die zz, Apoſtel / und 
zog-an ten Furt Jabock / das iſt / gieng über den Bach Kidron 
in finfterer Macht über das Waͤſſer / wie allhie Jacob / mitalle " 
dehme / was er war/ und von uns Menfchen hatte angenommen. 
16. Dan der wahre rechte zwoͤlffte Apoftel Ehrifti war noch 
sicht erwähletan Judas Stätte! wie allhie beym Jacob der 
ı2fe. Sohn auch noch in Mutterzleibe fag ungebohren; und wie 
Jacob mit xr. Söhnen über das Waſſer in der groffen Nat 
der Finſternuͤß gieng: Alfo gieng Chriſtus mit ſeinen xx. Juͤn⸗ 

Aa5 gern 


562 Wie Eſau ſey Jac. entgegen gezogen. C.60. 


gern in dieſer Jacobs⸗ Nacht uͤber den Bach Kidron in Garten / 
und rang mit dem Zorn Gottes / daß er blutigen Schweiß 
ſchwitzete / biß er überwandt. 

17. Gleichwie mit Jacob in dieſer Nacht ein Mann rang 
biß die Morgenroͤhte anbrach; Alſo auch rang der Ggift Got⸗ 
tes / als die Liebe Gottes in unſerer angenommenen Menſch⸗ 
heit mit Gottes Zorne in unſerer Menſchheit / biß die Liebe der 
Gnaden dnurch den Zorn hrach / und der Morgenſtern goͤttlicher 
Liebe in der Scelen auffgieng / und den Zorn überwandt/ wie 
der Text im Moſe allhier gar verborgentlich / und doch gantz klar 
in dieſer Figur deutet / in dem er ſpricht: 

18. Da Jacob in dieſer Nacht mit feinen 1x. Kindern und 
beyden Weibern ſamt den Maͤgden und allem Heer ſey gegan⸗ 
gen und hernach allein blieben; da rang ein Mann mit ihm 
biß die Morgenröhte anbrach; und da er ſahe / daß er ihn 
nicht uͤbermoͤchte / ruͤhrete er das Gelencke feiner Huͤffte an } 
und das Gelencke ſeiner Huͤffte ward uͤber dem Ringen mit 
ihm verruͤcket / und er ſprach: laß mich gehen / denn die 
Morgenröhte bricht an; Aber er antworttet / ich laſſe dich 
nicht / du ſeegneſt mich denn, Er ſprach: wie heiffeftu? £r 
antwortet Jacob: Erſprach du ſolſt mcht mehr Jacob heit 
ſen / ſondern Iſrael / denn du haſt mit Gott und Menſchen 
gekaͤmpffet / und biſt obgelegen. 

19. Dieſer Text ſtehet gantz in Chriſti Figur / denn dieſer 
Mann welcher allhier mir Jacob die gantze Nacht rang / iſt 
anders nichts als Gottes Gerechtigkeit und Wahrheit / in 
welcher Gerechtigkeit war in Adam und allen Menfchen das 
firenge Gerichte Gottes auffgewachet > und iſt eben der Mann 
andentend/ welcher vem Volck Afracl auff dem Berge Sinnt 
im Feuer und Schrecken das Gefege gab/ da er fich lieg in fei> 
ner Gerechtigkeit im Vorbilde des Gerichts fehen / und dem 
Menfhen das Gefege der Gerechtigkeit befahl zu halten bey 
Straffedes ewigen Fluches / da er von dem Menfchen das Koͤn⸗ 
nen und Vermoͤgen forderte / als das Bilde Gottes das er in 
Adam geſchaffen hatte. 

20. Weil aber der Menſch nicht war beſtanden in der Pro⸗ 
ba / fohatte ihme Gott den Grund / als den Quellbrunn feiner 
allerinnerlichften verborgenen Liebe mit der Verheiſſung vom 
ES chlangen-tretter eingefprochen / als den heiligen Namens 
3ESU: Dieſer Name 1ESU ſtundt num als ein Gnaden⸗bund 
in Gotes ſtrengen Gerechtigkeit / in dem allen ar 5 

za 


- 


8.60. Wie Eſau ſey Jac. entgegen gezogen. 563 


Grunde der menſchlichen Seelen verborgen / und eroͤffnete ſich 
bey den H. Vaͤttern Abraham / Iſaac und Jacob in ihrem 
Glaubens-Znte. 

21. Weil aber Jacob anjetzo mit feinem Bruder Eſau in der 
Figur ſtunden / als Jacob im Bilde Chriſti / und Eſau int 
Bilde Gottes Gerechtigkeit im Zorne nach dem Reiche ver Na⸗ 
fur / ſo ward jeko in diefer Nacht / da Jacob in groffen aͤngſten 
war / dem Jacob im Geifte dieſe Figur offenbahr / daß er er⸗ 
kante wie Gottes Siebe im Gnadenbunde in dem eingeleibten 
Namen IESU mit Gottes des Vatters Gerechtigkeit im Zorne 
des Gerichts gerungen / als in der groſſen Nacht der Finfternüg 
Gottes Zorns / darin die arme Seele gefangen lag/ und fich 
alfo hart mit Gottes Gerechtigkeit gefaffet / und darein erge> 
ben / und den Zorn mit der Gerechtigkeit nicht wollen von fich 
laſſen / er ergebe fich dan in die Siebe ver Gnade ein / daß die 
Siebe durch den Zorn möchte durchbrechen / wieder Schein des 
Liechts aus dem Feuer / oder wiedie Morgenroͤthe aus der fiit- 
ſtern Nacht anbricht / und die finftere Nacht in Tag verwandelt. 

22. Denn der Gnaden⸗bund in der Liebe und die Seele ſtun⸗ 
den jetzo in Einer Perſon / fo mufte jetzo die Seele Jacobs in 
Ehrifti Figur und Vorbilde mit Gottes Gerechtigkeit um das 
himmliſche Ens ringen / als um die Weſentliche Weißheit / 
welche der Name TESUS derarmen Seelen in ihre auch himmli⸗ 
ſche Weſenheit / welche in Adam verblich / mitbrachte / darin 
nen Adams verblichene in diefer lebendigen wieder ausgrünete / 
als eine neue Gebuhrt. 

23. Darum fagte der Geift Gottes zu Jacob: Du haft mit 
Gott und Menfchen gerungen/ als mit Gottes Siche im Bun⸗ 
de / und mit der Fünfftigen himmliſchen Weſenheit / welche 
Weſenheit im Saamen Mariz Menfch ward/ undbiltohgeles 
gen: Denn Chriſtus / in welcher Figur Jacob ſtundt / follte 
alfo in unferer angenommenen Menſchheit mit Gottes Gerech⸗ 
tigkeit ringen und obfiegen. 

24. Undder Geiſt in Mofefaget allhie: Und da er fahe daß 
ee ihn nicht uͤbermochte / (verftchet Gottes Gerechtigkeit im 
Zorne des Berichts übermochte nicht Die Gnade /) fo ruͤhrete er 
Das Gelence feiner Hüfte an/ und das Gelende feiner 
Huͤffte ward über dem Ringen mit ihme verruͤcket. 

25. Diefes deutet nun an die Zerbrechung und Verruͤckung 
der Adamiſchen Menſchheit / daß / wenn Chriftus würde dieſen 
Sieg beſtehen / ſo wuͤrde die Menſchliche Eigen⸗ macht uñ Eigen⸗ 

“a6 wills 


564Wie Eſau ſey Jac. entgegen gezogen E.60. 


Wille verruͤcket / und gebrochen und getoͤdtet werden: Aber 
gleichwie Jacob von diefem Ringen nicht ſtarb / ob ihm gleich 
das Gelencke verruͤcket ward; alſo ſolte auch unſere Menfnheit 

nicht ewig ſterben / ſondern nur verruͤcket / das iſt / verwandelt 
werden. 

26. Dieſes deutet vornemlich an / wieder bußfertige Menfch 
muͤſſe in diefen Jacobs: Kampff tretten / und alfo mit SDLE 
und Menſchen im Beifte Ehrifii in GOttes Gerechtigkeit / im 
Zorneringen: Und wenn er nun ſieget / fo wird ihm fein Ge— 
lencke des Hleifchlichen eigenen Willens gebrochen daß er in die= 
fer Welt muß einhergehen als ein halber Lahmer / der nicht 
wohl könne auff dem Weege der Welt wandeln/ fonvern er gehet 
nur alsein Hindender / dehm die Glieder halb gebrochen find 
damit der Welt Uppigkeit getrieben wird; denn der Geift im 
Siege Ehriftirühret ibn fein Gelende/ daß er in der Welt 
Hoffart und Boßheit halb lahm wird / und derfelben nicht mehr 
groß achtet / fondern gehet einher als einverachteter lahmer 
Menſch / deſſen der Welt Hoffarth in ihren geſunden Sprüngen 
wenig achtet / ſondern haͤlt ihn nur fuͤr einen lahmen Menſchen / 
welcher die Poſſen und Leichtfertigkeit der Welt nicht kan nach» 
thun Aber er hat mit GOtt und nit Menſchen gerungen / und 
iſt alſo von dieſem Sieg geruͤhret / und gezeichnet worden. 

27. Dieſes verſtehet der Welt Hoffarth und Uppigkeit nicht / 
denn ſte gehet noch in GOttes ſtrengen Gerechtigkeit im Reiche 
der Natur in der Feurs-macht / in eigenem Willen einher / und 
laͤſſet ihr wohl ſeyn / biß das Gerichte feine Stätte beſitzet / fo 
muß die arme Seeleim ewigen Gerichte ſtehen / und in Pein⸗ 
ligkeit leben. 

28. Undals Jacob im Ringen ſtundt / und ihm fein Gelende 
gerühret ward daßer hinckete fo fpradh der Mann zu ihmes 
Laß mich gehen / denn die Morgenröbte briht an; Aber er 
antwortet / ich laſſe dich nicht / du ſeegneſt mich denn. 

29. Diefesifterftlich die Figur Chriſti / als er fih in GOttes 
Gerechtigkeit in des Datters Zorn einbegab/ dag ihn der Zorn 
nach unſerer Menſchheit toͤdtete / ſo ſprach die Gerechtigkeit: Nun 
laß mich gehen / denn jetzo iſt die ewige Morgenroͤhte in mir an⸗ 
gebrochen: Aber Chriſtus hatte die Gerechtigkeit gefaſſet / und 
ſprach: Ich laſſe Dich nicht / du ſeegneſt denn Die Menſchheit wie⸗ 
der /daß das Gerichte auffhoͤre / das iſt / du fuͤhreſt denn die 
Miorgenröhte,veiner inwendigen Krafft durch die Menſchheit 
aus / dapıber Fluch auffhoͤre und der Menſch gänslich wieder 

in Goͤttlicher Würdeng im Segen ſtehe. 30. Zum 


E.60. Wie Eſau ſey Jac. entgegen gezogen 5365 


30. Zuut andern iſt es das ſchoͤne Bilde) wie es mit dem buß⸗ 
fertigen Menſchen zu gehe / wenn er ſich durch ernſte Buſſe in 
dieſein Kampff Chriſti /als in Chriſti Leyden und Todt / in feine 
Uberwindung einergiebet / uñ im Geiſte Chriſti mit Gottes ſtren⸗ 
gen Gerechtigkeit / welche ibn iñerdar im Gewiſſen ſchilt / ringet. 

32. Wenn GoOttes Gerechtigkeit im Gewiſſen ſpricht: $aß 
mich / denn du biſt todt in Suͤnden / und haſt kein Theil an Goͤtt⸗ 
licher Gnade / du haft fuͤrſatzlich und muthwillig geſuͤndiget / und 
Die Gnade hindan geſetzet: Jetzt biſt du mein / es huͤlfft dich kein 
bitten / ich laſſe dich nicht in deinem Gewiſſen zur&nade/du wirft 
Feinen Troft mehr von GOtt erlangen) die Morgenröhte wird 
dir im Gewiſſen nicht mehr auffgehen/ denn du bift ein Kind des 
Todes: Nur laß abe / und lag mich / daß ich dich hinunter in des 
Zodes Kammer cinföhlieffe. 

32. Wenn dieſes geſchicht / fo erſencket fih die arme Seele 
gang in Chrifti Tode ein / und ergichet fich Gottes fFrengen Bes 
rechtigkeit im Gerichte ein / denn das Gerichte faſſet fie: Sie 
aber ergreiffet die eingeleibte Gnade im Tode Chriſti / und erſenc⸗ 
fet ſich darmit inden allerinnerfien Grund des Gerichts GOt⸗ 
tes / in welchein Grunde iſt Gottes Liebe Durch die Gercchtige 
Feit und durch Das Gerichte durchgebrochen / als durch dir, ewige 
Nacht / und hat dieſelbe Nacht indem Menfgenzum Tage ge= 
macht. 

33. In dieſen Tage) als in Abgrund auffer aller Menſchen 
Bermögenheit oder Können erſincket ſie / als sin nichts mehr koͤn⸗ 
nendes oder wollendes Kind/ das aller Gnaden viel zu unwuͤrdig 
ſey / und ſich ja muͤſſe dem Gerichte ergeben: Aber mit ſolchem 
Einerſencken uͤbergiebet die Serle all ihr Koöͤnnen / Wollen und 
Vermoͤgen / und wird in ihr ſelber / gleichwie Natur-⸗ und Crea⸗ 
tur-loß / und faͤllet wieder in das Wort ein / darinnen fie vor 
ihrer Creatuͤrlichen Art im ewigen Sprechen ſtundt. 

34. Denn GOttes Gerechtigkeit und Gerichte hat keinen 
tieffern Grund/ als nur in das Ereafurliche Leben; wan fich 
aber der Sielinswilleausder Creatur ausgiebet md in Ans 
grumd erſincket / ſo ift fie wieder als cin neues Kind) denn der Um; 
grund im ewigfprechenden Worfe/ daraus fich die höchfte Liebe 
und Gnade GOttes hat offenbahret / ergreiffet fie / und dringet 
in fie ein / wie die Sonne in das Ens eines Krauts/ davon das 
Kraut halb Sonniſch wird: Alfo wird in dieſem einerfinden die 
Seele in ihrem Willen bald Göttlich / alsdenn ringet-fie mit 
GoOttes ſtrengen Gerechtigkeit im Fleiſch und Blut und wil 
den Zorn GOttes uͤberwaͤltigen. SANT 3. So 


566Wie Eſau ſey Jac. entgegen gezogen. C.60 


35. So ſpricht alsdenn GOttes Gerechtigkeit im Gewiſſen: 
Laß mich doch / das iſt / laß doch von mir ade / und toͤdte mich 
nicht / denn ficheftu doch wohl / dag die Goͤttliche Morgenroͤhte 
in mir auffgehet /höre nur auff mit ffürmen wieder dag Gerichte 
GOttes: Aber in den rehtenKampffern fpricht die Seele zu 
GOttes Gerechtigkeit: Ich laſſe dich nicht / du feegneft mich 
denn / Das ift / du giebeft mir denn. die verheiffene Gnade 
aus dem Tode Ehrikti in feiner Überwindung / daß ich meinen 
Heyland Chriſtum anziehe / dag er mein und ich fein fey: So 
ſpricht alsdenn GOttes Gerechtigkeit / wie zu Jacob / wie heiſ⸗ 
ſeſtu? fo nennet ſich alsdenn die arme Seele nach ihrem Crea⸗ 
tuͤrlichen eigenen Namen / wie Jacob thaͤte / da er ſich allhie 
Jacob nennete: Aber gleichwie der HErr zu Jacob ſprach: Du 
folſt nicht mehr Jacob heiſſen / ſondern Iſtael / das iſt / ein 
Baͤum desLebens; Alſo auch ſagt GOtt zu der Seelen: Du ſolſt 
nicht mehr eigenen Namen in mir haben / ſondern du ſolſt ein 
Chriſt inChriſto heiſſen / als ein Aſt in Baume Iſraelis / ein Rebe 
am Weinſtock Chriſti / denn du haſt mit GOtt und Menſchen 
gekaͤmpffet und biſt obgelegen; du haſt GOttes Gerechtigkeit im 
Grimme des Zorns in deinem Kampffe im Geiſte Chriſti über- 
wunden / und biſt nun ein eſſentialiſcher Chriſt / und nicht mehr 
ein — * und Maul⸗Chriſt / von deme die Gnade noch 

erne iſt. 
N 36. Und Moyfes fpricht weiter: Und Jacob fragte ihn, 
und ſprach: Sage doch/wie heiffeftu ? £r aber fprach/warum 
frageſtu wieich heiſſe ? und er ſeegnete ihn daſelbſt / und Ja⸗ 
cob hieß die Stätte Pnuel / denn ich habe GOtt von Ange⸗ 
ſicht geſehen / und meine Seele iſt geneſen. 
Die innere heilige Figur ſtehet alſo: 

37. Als Jacob mit der Glaubens-Begierde in ſeinem rin⸗ 
gen die Morgensröhte GOttes im Geiſte Chriſti ergriff / und 
She Chriſtum von ferne ohne Creatuͤrliche Menſchheit / ſo ſprach 
er /wieheiffeftir ? Aber Chriſtus ſprach / warsım frageſtu wie 
ich heiffe ? dasift / ich bin kein fremder / fondern bin eben der 
Iſrael in dir felber / ich habe feinen andern Namen / ſondern 
Dein Name und mein Name foleiner ſeyn. 

38. Dan Gott hat auffer der Natur und Creatur feinen 
Damen / fondern heiffet allein das ewige Gut] als das ewige 
Eine / der Ungrumd und Grund aller Weſen: Ihme ift Feine 


Staͤtte er funden / darum Fan ihn auch Feine Creatur rent nen⸗ 
nen] 


8.60. Wic Eſau fen Jac. entgegen gezogen. 567 


nen / dan alle Ramen ſtehen im geformten Worte der Kraͤffte: 
GoOtt aber iſt ſelber die Wurtzel aller Kraͤffte ohne Anfang und 

Namen / darum ſaget er zu Jacob / warum frageſtu wie ich yeiffe® 
und ſeegnet ihn. 

39. Gleichwie die Creaturen / ſo wohl alle Gewaͤchſe der Er⸗ 
den nicht koͤnnen wiſſen / wie der Sonnen Krafft heiſſet / ſondern 
ſie ſtehen der Sonnen ſtille / und die Sonne gibet ihnen Krafft 
und Waͤrmde / und ſeegnet fie / daß fte wachſen und Frucht brin⸗ 
gen: Alſo auch allhie mit Jacob und allen Menſchen zu verſte⸗ 
hen iſt. Als Jacob die Morgen-roͤhte GOttes in feiner Seelen 
ſahe und fuͤhlete / fo ſeegnete ihn die Göttliche Sonne im Nas 
men Jeſu durch effentialifche Wuͤrckung. 

40. Und muß eben dieſes darbey andeuten / wie es Jacob 
und allen Kinderen GOttes in dieſer Sonnen-ſchein gegangen 
iſt und noch gehetz wann die Gnaden⸗ſonne mit ihrer wuͤrckenden 
Krafft in der Seelen auffgehet / ſo erfreuet ſich die Seele / und wil 
inuner gerne GOttes Antlitz auff Creatuͤrliche Art ſehen / wie 
auch Moyſes begehrete / und dencket immerdar / GOtt ſey etwas 
foͤrmliches / fie ſche GOtt nicht recht/ und wil Gott in Bildligkeit 
erkennen: Alſo hart liget uns die Creaturliche Bildligkeit im 
abgewichenen eigenen Willen im Gemuͤhte / dag wir nirgends 
verftchen fönnen was Gott ift/ als daß er der Abgrumd aller Na⸗ 
ur und Ereaturfelber ifi/ als das ewige Eine das in nichts / als 
nur in ſich ſelber wohnet/ und Feine Form noch etwas hat. 

42. Und wäre recht und gut /- dag wir nicht alfo von den 
Meittern der Buchftaben in Bildlicher Form geführet würden/ 
wan man von dem einigen GOtt lehret und redet / wie biß an⸗ 
hero geſchehen iſt / daß man uns in eitel Bilden im eſſentiali⸗ 
ſchen Willen gefuͤhret hat / als wolle der einige GOtt dig oder 
das / da er doch ſelber der einige Wille zur Creatur und Natur 
iſt / und die gantze Creation einig und allein in der Formirung 
ſeines ausgehauchten Worts und Willens inne liget / und die 
Scheidligkeit des einigen Willens im Ausſprechen / und mit der 
Infafſung zur Natur verſtanden wird. 

42. Wann die Hoffart des $ucifers denfelben Meiftern 
moͤch te ausden Herken und Augen geriffen werden / fo würde 
man bald GOttes Antlig ſehen: Aber der Babyloniſche Thurn 
da man wil in Stiegen und in Meynungen zu GOtt auffſteigen 
in einen beſonderen Himmel / da GOtt eingeſperret ſitzet / haͤlt 
die wahre Erkaͤntnuͤß und den Verſtand auff / daß wir immer⸗ 
dar fragen / wie heiſſet GOtt? wo if GHtt? was wil — 

stem] 


568Wie Eſau ſey Jac. entgegen gezogen. Co. 


Item / er wil Gutes und Boͤſes / daraus fie ein hauffen De- 
creta Goͤttliches Fuͤrſatzes machen / wie ein Fuͤrſt in ſeinem Lan⸗ 
de Geſetze machet / und haben eben ſo viel Verſtandt von GOtt 
und ſeinem Willen / als der Topff von ſeinem Toͤpffer verſtehet. 

43. Zu klagen iſts / daß man uns alſo blind fuͤhret / und die 
Wahrheit in Bildern auffhaͤlt / dan / ſo die Goͤttliche Krafft im 
inwendigen Grunde derSeelen mit ihrem Glantze offenbahr und 
wuͤrckende wird / daß der Menſch begehret vom gottloſen Weege 
auszugehen und ſich GOtt zu ergeben / fo iſt der gantze Dreyei⸗ 
nige GOtt in der Seelen geben und Willen gegenwärtig / und 
it der Himmel / da GOtt innen wohnet in der Seelen auffge> 
fchloffen ; undift chen die Stätte allda in der Seelen dader 
Batter feinen Sohn gebähret/ und da der heilige Geift vom 
Batter und Sohn ausgehet. 

44. Dan GHtt brauche fich Eeiner mäßlihen Gtätte/ er 
wohnet auch im Abgrunde der goftlofen Seelen / aber verfelben 
“nach feiner Siebe nicht faglich / fondern nach feinem Zorn in der 
gottlofen Seelen offenbahr und faßlich. 

45. Dan das ewige Sprechen des Worts (nach der Infaßs 
lichkeit zur Natur und Ereatur ) wird nach dem feclifchen 
Willen bildlich / Davon die Schrift faget: Bey den Heiligen 
biftu heilig / und bey den Verkehrten biftu verfchret: Item / 
welch ein Volck das iſt / einen folden GOtt hat es auch. 

46. Daninden Thronen der heiligen Engelift SDtt in ſei⸗ 
ner Liebe offenbahr / und inden Thronen der Teuffel ift er mit 
feinem Grimme offenbahr / als nach der Finſternuͤh und Pein⸗ 
lichkeit / undift doch nur ein einiger GOtt und nicht zween 
Nach ver Natur der Peinlichkeit/ wiler Peinlichfeit/ und nach 
der Liebe wil er Liebe / gleichwie ein brennend Feuer nur hin 
wieder einen harkigten Schweffel begehret nach feines gleichen/ 
und das Sicht aus dem Feuer begchret nichts als nur eine offene 
Stätte / darinnen es fcheinen mag: Es nimt nichts / fondern 
65 gibet ich felber zur Freude des Lebens / es laͤſſet fich nur neh⸗ 
men / und hat keinen andern Willen in fich/ als das fichs wil fel- 
ber geben / und wil gutes würden: Alfo Hat auh GOtt nach 
feiner Heiligfeit keinen andern Willen in fich / als dag er wil 
feine Lebe-Krafft und Schein (in der Greatürlichen Form ) 
offenbahren /gleichwie fich Die Sonne in einem Kraute offenbah⸗ 
basket / und daffelbe tingiret und gut machet / alfo auch von Gott 
zuverſtehen ift. 

47: Darum iftg alles sin unnuͤtz Geſchwaͤtz und — 


ild⸗ 


— 


C. 60, Wie Eſau ſey Jac. entgegen gezogen. y6 


Bildlichkeit dag man fraget / wie heiſſet GOtt? Item / daß 
man viel ſaget / er wil diß und das / Voͤſes und Gutes) und weiß 
aber nichts vom Grunde zu fagen / wie er Böfes und Gutes wol» 
le / wie man die Sprüche ver Schrift verftehen foll. 

48. Diefer Streit umb die Buchſtaben it wol recht die ver⸗ 
wirrete Zunge auff dem hohen Thurne der Kinder Rimrods zu 
Babel / dan derſelbe hope Thurn ift eine Figur der Facultaͤten der 
hoben Schulen | da die einige Göttliche Zunge verwirreiundin 
viel Sprachen verkehret wird / dag ein Volk das ander nicht 
verſtehet / dag man umb den einigen GOHE zandet / in dem wir 
leben und find / dadurch doch jadas Neich der Natur in —— 
Wundern offenbahr / und in figuͤrliche Wunder gebracht wird. 

49. Aber der wahre Grund was und wie GOtt ſey / was das 
Weſen aller Weſen ſey / iſt ja bey ihnen fo blind / als der Blind⸗ 
gebohrne an der Beſchaulichkeit dieſer Welt iſt: Und ob ſie ſich 
gleich Meiſter der Buchſtaben nennen / ſo haben fie doch die 5. Vo- 
cales verlohren / welche die Krafft aller Wörter ſind / welches wohl 
zu beklagen iſt / daß man gar nichts mehr von des H. Geiſtes Zums 
ge verfichet/wasder Geiſt Gottes in Moyfe und den Propheten 
geredethat/ und wie er in ſeiner Sprache auff das zukuͤnfftige 
Ewige gedeutet habe: Man hanget bloß an einer Hiſtoriſchen 
Geſchichte / und ficher nicht was mit dieſer oder jener Geſchichte 
angedeutet ift. 

so Dan umb geringer Schäffer Gefehichte willen / wiedie 
aͤuſſere Form fichet / hat GOttes Geiſt nicht folhe Wunder ges 
than / und eben diefelben Gefchichten fo genau auffgefihrieben / 
als wan ihme ſo viel an einer Hiſtoria gelegen wäre/dag er dieſel⸗ 
be hat bey allen Voͤlckern erhalten / und laͤſſets fuͤr ſein Wort 
ausruffen: Nein / ſondern umb deß willen / das unter ſolchen 
einfältigen Geſchichten angedeutet wird / damit GOttes Geiſt 
in der Figur ſpielet auff das kuͤnfftige Ewige: Darumb ſolte 
man die Schrifft des Alten Teſtaments mit hellern Augen an⸗ 
ſehen / dan das gantze Neue Teſtament lieget darunter in der Fi⸗ 
gur der einfaͤltigen Geſchicht. * 

5. Als GOtt Jacob geſeegnet hatte / fo hieß Jacob dieſelbe 
Staͤtte Pnuel / das iſt ein Einſechen Gottes in die Seele / da 
Gott inder&eclen offenbahr ward/ fo fprach die Seele: Ich habe 
Gottin mirvon Angeſicht zu Angeſicht gefehen/und meine@eele 
iſt in dieſem Einſehen genefen: Und als er vor Pnuel uͤberkam / 

ieng ihm die Sonne auff; das iſt / wan GOttes Sonne / als 
Krafft / in der Seelen offenbahr wird / ſo faͤhet der Gen 
Ellen& 


570 Wiekfan fey Jac. entgegen gezögen.E.60 


Eſſentz diefelbe Kraft in fich/ fo gehet die Göttliche Sonne in 
der Seelen Eſſentz auff/ dan allda hat num der Batter feinen 
Sohn inder Seelen gebohren / welcher die Sonne der Gerech> 
tigfeit/fo wohlder Göttlichen Liebe und Freude ift/alsdan hinc» 
tet die eigene Natur / dan ihre Spannsadern des natürlichen 
Willens werden ihr verrücket / dag der eigene Wille in feinem 
Vermoͤgen lahın wird, wie allyie Jacob. Undder Tert Moyfis 
faget : Daher effen die Rinder Iſrael Feine Spañ⸗ader auf 
dem Belende der Hüffte biß auff den heutigen Tag / Darum 
Daß die Spañ⸗ader an dem Gelencke der Hüffte Jacobs ges 
ruͤhret ward. 

52. Diefes zeiget klar an dat Jacob und feine Kinder dieſe 
Geheimnuͤß verſtanden haben / und ihnen ein ſolch Gedaͤchtnuͤß 
mit der Spañ⸗ader auffgerichtet haben: Dan / was gehet das 
ein Thier an was mit Jacob geſchehen iſt? Es iſt darum nicht 
die Spañ⸗ader am Thiere verruͤcket oder vergifftet / allein die 
Kinder ver Heiligen ſahen auff den grund GoͤttlicherGeheimnuͤß. 

53. Daran die jetzigen Juden wohl blind ſeynd / und hangen nur 
an dem Geſetze: Trachteten fie alſo ſehr nach Jacobs Sonne 
als ſte am Geſetze hangen / fo würde dieſelbe Spañ-ader in ih⸗ 
nen auch verruͤcket werden / und wuͤrden ſie nicht alſo nach Geitz 
und Wucher trachten; aber ſte waſchen ihre Becher und Schuͤf⸗ 
ſeln auswendig / und inwendig bleiben ſte unrein. 

54. Wie dan auch die — nur an der Hiſtoria han⸗ 
get / als an dem Purpur⸗Mantel Chriſti / und Chriſtum in 
ſeiner Krafft jagen ſie von ſich / und wollen nicht mit Jacob die 
Spañ⸗adern der wilden thieriſchen Eigenſchafften des wolluͤ⸗ 
ſtigen Fleiſches Willen verruͤcken und hinckende werden / ſondern 
fein gerade mit dem Thiere unter Chriſti Mantel wandeln. 

55. Dieſe verrückte Spañ-ader deutet / das Adam in feiner 
Unfchuld vor feiner Eva nicht ein folches grobes Thier gewefen 
iſt wichernach: Darumb als Chrifti Geift im Bunde in Ja⸗ 
cob offenbahr ward, fo rührete er ihme die thierifche Gelencke / 
anzudeuten / daß fie in Ehrifto folten zerbrechen und auffhören / 
dag ein geiftlicher Menſch folte vom Tode auffftchen / und nicht 
ein ſolch grob Thier⸗Menſch. 


% 


Cap.61. Wie Jacob zu Eſaukam / ꝛc. 37% 


Das 61. Capittel. 


Die wunder⸗ſchoͤne Figur / wie Jacob und Eſau zuſam⸗ 
men kommen | und alles Leyd und böfer Wille in groſſe 
Freude und Erbärmde gewandelt ward 
was darbey zuverftehen iſt. 


Genef. 33. 


1. Ey dieſem Texte ſoll die blinde Vernunfft ihre Au⸗ 
gen beſſer auffthun / als ſie bißhero gethan hat / und 
die Figur mit Jacob und Eſau beſſer betrachten / 
und das Decretum wit Jacob und Efau lernen 
recht verftchen /da die Schrift faget : Jacob ha⸗ 

be ich geliebet / und Sſau gehaſſet / da die Kinder noch in 

Mutterleibe lagen / und weder Gutes noch Boͤſes gethan 

hatten / auff daß der Fuͤrſatz GOttes beſtehe. 

2. Allhie ſoll man den Fuͤrſatz GOttes recht anſehen / was 

GHttes Geiſte darmit meynet; Denn Eſau ſtund im Bilde des 

verderbten Adams / und Jacob im Bilde Chriſti / welcher war 

kommen dem armen Adam zu helffen: Darumb muſten dieſe 
zween Bruͤder aus einem Saamen kommen / anzudeuten / daß 

GOtt würde Menſch werden / und dag GOttes Saame als 

fein Wort / und Adams Saame in feiner eigenen Natur / ſoll⸗ 

ten in Einer Perſon offenbahr und ein Menſch werden / und daß 

GOttes Saame den ververbten Adams-Saamen ſollte mit 

groſſer Goͤttlicher Liebe uͤberwinden / und des Vatters Zorn in 

der Seelen mit der Siebe leſchen / und ſollte ſich die Goͤttliche Sie» 
be gantz in Zorn der Seelen einergeben / auff daß GOttes Gena⸗ 
de und Erbaͤrmde in der Liebe durch den Zorn druͤnge / und den 

Zorn auch in Erbaͤrmde wandelte / wie allhie Jacob mit ſeinem 

Geſchencke und ſeiner groſſen Demuth ſich ſeinem Bruder Eſau 

einergab / und ſeinen Zorn / den er auff Jacob wegen des Natur⸗ 

Rechts der erſten Gebuhrt und des Seegens trug / in ſolche groſſe 

Erbaͤrmde wandelte / daß ihm Eſau mb feinen Hals fiel/ und in 

groffer Erbaͤrmde weinete / und fein Zorn ihme in Liebe gewan⸗ 

delt ward / gleich wie Chriſtus ſeines Vatters Zorn mit ſeiner 
groffensiche und Demuth in unſerer angenommenen Menſchheit 
in unferer feuersbrennenden Zorn⸗Seelen in ſolche groffe Er= 
baͤrmde wandelte / das die Göttliche Gerechtigkeit im Zorn von 
unferer Seelen auffhoͤrete. 

3: Denn 


572 Wie Jacob zu Eſau kam / da alles Cap. ı! 


3. Denn gleich wie Jacob feinen Bruder Efau mit dein Ge— 
ſchencke und der Demuth verföhnete / als er ſich dem Zorn Eſaus 
einergab; alfo auch verföhnete Chriftus den Zorn GOttes / ais er 
fein himmliſches Blut mit der groffen $iebe-Tin&ur dein Zorn 
GOttes einergab zu verfchlingen / fo ward der Zorn / als die Na⸗ 
tur der finftern Welt / welche in Adam war offenbahr worden/ 
wieder ins Göttliche Liecht der Liebe / alsinein Liebe⸗Feuer ge⸗ 
wandelt. 

4. Moſes ſpricht: Jacob hub ſeine Augen auff / und ſahe 
feinen Bruder Sſau kommen mit 400. Mann / und theiles 
te ſeine Kinder zu Lea und zu Rahel / und zu den beyden 
Maͤgden / und ſtellete die Maͤgde mit ihrtn Kindern vorn an / 
und Sea mit ihren Rindern hernach / und Rahel mit Jo⸗ 
ſeph zuletzt / und er gieng vor ihnen her / und neigte fich fiebene 
mahl auff die Erden big er zu feinem Bruder kam. 

Die innere theure Figur ſtehet alſo: 

Als Chriſtus in ſein Leyden gieng in unſerer angenommenen 
Menſchheit / ſo kam ihm der Zorn GOttes in den 4. Elementen 
bes Leibes entgegen / fo theilete Chriſtus feine Gottheit und feine 
Menſchheit / als der himmliſchen Welt Weſen / welches er von 


Gott in unſere Menſchheit brachte / und das Reich der natͤr⸗ 


lichen Menſchheit von Adam in unterſchiedliche Paincipien: 


Denn die Gottheit / nach Goͤttlicher Allmacht / ſtund jetzt ſtille: 


Darumbfagtedie Menſchheit am Creutz / Mein GOtt / warumb 
haſtu mich verlaſſen! 

5. Die zwey Weiber Jacobs mit ihren Kindern deuten all⸗ 
hie in Chriſti Stande an die zweyſache Seele / als von Zeit und 
Ewigkeit / und die zwey Maͤgde mit ihren Kindern deuten alla 
hie in dieſem Stande an / die himmliſche und irrdiſche Leiblich⸗ 
keit: Als Lea in ihrer Bloͤdigkeit deutet an den Spiritum Mundi 
im Limo der Erden / darinn die Verderbung in Adam geſchahe / 


darinn GOtt den Schlangen⸗tretter verhieß / darinnen Chriſtus 
ſolte offenbahr werden: Darum ward in der Lea die Linea Chriſti 


als der Schlangen⸗tretter in dem Vorbilde / als der Juda geboh⸗ 
ren / und Rahel deutet an den verblichenen Ens von der himliſchen 
Welt Weſen / darinnen die rechte Seele wohnet / welcher in 
Adams Fall verblich und unfruchtbahr ward / wie Rahel / big 
ihn GOtt im Geiſte Chriſti fruchtbahr machete / wie Rahel 

geſchahe. 
6. Und wie Jacob die Maͤgde mit ihren Kindern fornean 
ſtellete / 


Cap.6 1. Leyd in Freud gewandelt ward. 57% 


ſtellete / alfo ward die irrdiſche Bildlichfeit in der menſchlichen 
Natur im Leyden Ehrifti fornean geftellet / welche follte durch 
die Schärffe des Todes gehen / hernach wird Lea / das ift/der Leib 
ans dem Limo der Erden/ indem der Schlangen=tretter lag / im 
genden Epyriftidargeftellet/ und hernach Rahel / als der himmli⸗ 
ſche Limus mit dem Fürften Joſeph / das iſt / mit dem recht en A⸗ 
damiſchen Bilde/ von der Göttlihen Welt Weſen / un? der Nas 
ine JEſus gieng im Leyden Ehriffi vorher / wie Jacoo vor ſei⸗ 
9 Weibern und Kindern. 

Und als der Name und die Krafft JEſu / als Gottes 
ei gkeit und Siebe / den Grimm Gottes in menſchlichem 
Fleiſche und Setle ſahe und empfand/fo buͤckete fih der Name 
JEſus durch alle 7. Geftälte des Natur-Lebens / darinnen der 
Zorn GOttes war offenbahr worden / dasift / er drang allda . 
eſſentialiter durch das Centrum der Natur / durch alle 7. Geftäls 
te der Natur / durch den grimmen Feuer⸗Quaal hindurch. 

8. Wie ſich Jacob ſtebenmahl zur Erden vor dem Zorn Eſaus 
buͤckete / und Eſau in dieſer Demuth verſoͤhnete: Alſo verſoͤhnete 
auch allhie die Siebe indem Namen JEſu den Zorn des Vatters 
Eigenſchafft im Feuer / in Seele und Leib: Denn das natuͤr⸗ 
liche Leben vom Spiritu Mundi als die Seele von der Zeit / welche 
Adam in feine Nafen eingeblafen ward / mufte ihr Natur—⸗ 
Recht übergeben / und fterben : : Gleich wie Jacob feinem Bru⸗ 
Der fein Guth und auch das auffere Sehen übergab / was der mit 
ihm thun würde; Alfo übergab auch Chriftus dem Zorn GOt⸗ 
tes unfer Leben / und ließ es willig: Aber der Name JEſus 
gieng vorher /und führete unſer natürlich Sehen durch den Tod 
hindurch / und nahm es wicder zu fich / und triumphirete mit un⸗ 
ſerm Natur⸗Leben über und durch den Tod. 

9. Und wie Efau feinen Bruderin folher Demuth und Ein⸗ 
ergeben entgegen lief] undihm umb den Hals fiel und Eüffete / 
undingroffer Erbärmde an feinem Halfe weinete : Alſo auch 
imgleichen / als die Effenf des Zorns GOttes / Die füffe Liebe im 
Namen JEſu / indem Blute Ehrifti Eoftete / fo ward fie tranf- 
mutiret/ und in folche groffe Erbarmde über das menfhliche 
Geſchlechte gewandelt / wie Zeremias im Geifte davon deutete / 
da er in dieſer Figur ſpricht: Ephraim mein gefrautes Kind / 
mein Herg bricht mir / daß ich mich feiner erbarınen mug ; da er 
von diefer Erbaͤrmde redet. 

10, Und als £fau dem Jacob an feinem Halfe weinete / 
hub er feine Yugen auff / und fahe die Weiber mit den — 

ern 


e 


574 Wie Jacob zu Eſau kam / da alles Cap.sr: 


dern und ſprach: Wer find diefe bey dir ? Jacob antwortet: 
Ss feynd Rinder / die GOtt deinem Ancchte befcherer bat} 
und Die Maͤgde tratten herzu mit ihren Rindern / und neige⸗ 
ten ſich vor ihm: Lea tratt auch herzu mit ihren Kinderen / 
und neigeten ſich vor ihm / darnach tratt Joſeph und Rahel 
herzu / und neigeten ſich auch vor ihme. 


Die innere Figur ſtehet alſo: 

Als GOttes Zorn die Menſchen in der Finſternuͤß gefangen 
hielt / fo wurden fie im Zorne nicht vor GDtfesjheilig Bild er» 
kant: Als aber im Leyden Ehrifti die Siebe in der Menfchheit 
Durch den Zorn brach/ dag der Zorn verwandelt ward / fo fahe fie 
der einige GOtt wieder an in feinem Bilde / und ſprach zu dem 
Damen JEſu / wer find diefe welche bey dir ſeynd ? UndIEfus 
antwortet GOtt und ſprach: Das feynd Kinder/ Die GOtt dei⸗ 
nem Kncchtebefcheret hat. 

ıı. Dann allhie ftellet fih Chriftusals ein Knecht GOttes 
mit feinen in ihme im Glauben gebohrnen Kindern dar/als mit 
uns armen Evz Kindern: Und cs fratten durch den Tod Chriſti 
zuerft herfuͤr vor GOTTES Angefichte die Maͤgde mit ihren 
Kindern / das ift / der gewefene fündige Menfch / der ftellet fich 
erſtlich in GOTTES Angefichte / welche Jacobs Mägde an» 
deutet. 

ı2. Hernac fo drang hergu die Bundes-Linea mit der geiſt⸗ 
lichen Lea / als das erſte gefchaffene Bild aus dem Limo der Er⸗ 
den / darinnen die s.Nägelsmahlder Wunden Eprifti ſtunden / 
die wurden dem einigen GOtt gezeiget / daß er Der Maͤgde Kin⸗ 
der darinnen ſollte annehmen / die neigeten ſich alle vor GOtt. 

13. Hernach ſo kam Joſeph mit feiner Mutter / als das Bild 
von dem himmliſchen Welt⸗Weſen / und neigete ſich vor Dem ei⸗ 
nigen Gott / welcher über ſte war zornig geweſen. 

14. Dieſes ſoll inan nicht mit zertheileten Figuren oder Bil⸗ 
den verſtehen / ſondern wie die Eigenfchafften der Menſchheit 
durch das Leyden Chriſti ſind in einem einigen Bilde / als in 
Chriſti Menfehheit im Reiche der Wiederbringung / als im 
Himmelreich vor GOtt oifenbahr worden. Der Leſer ſoll un⸗ 
fern Sinn eigentlich verſtehen: Denn wir fehreiben allhie im 
Anſchauen aller 3. Principien / wiedas fey zugangen / und noch 
heut mit der neuen Gebuhrtzugehet: Unfere Erklärung duldet 
Eeine Unterfcheidung der Figur oder Kreatur / wir verſtehens 
in einer Creatur. 

15. Unſere 


Ze — 


Cap.sı. Leyd in Freud gewandelt ward. 55 


15. Unſere hertzliche Betrachtung iſt dieſes / daß wir ſehen 
und verſtehen / wie wir arme Eva Kinder durch Chriſti Leyden 
und Tod hindurch fuͤr GOttes Angeſichte geſtellet werden / und 
wie am erſten die Seele mit dem Leibe der Suͤnden muͤſſe durch 
den Tod gehen / und in der Aufferſtehung wieder für GOtt tret⸗ 
ten mit dem Seibe/da dergeib vom Limo der Erden vor GOtt wie 
freinbde geachtetift: Darumb wird er inder Figur in der Maͤg⸗ 
de Geftalt præfiguriret / daß alsbald in demſelbenLeibe die Naͤgel⸗ 
mahl und das Leyden Chriſti vor GOtt geſtellet wird / aus wel⸗ 
chem Tod Chriſti wieder das ſchoͤne in Adam geſchaffene Bild er⸗ 
ſcheinet / wie die gantze Figur mit Jacob alſo ſchoͤne auff einander 
ſtch bildet / und der Geiſt Damit gedeutet hat. 

16. Und Eſau ſprach ferner zu Jacob: Was wilſt du mit 
alle dem Heere / dehm ich begegnet bin? Er antwortet: Daß 
ich Genade finde vor meinem Herrn. Sſau ſprach / ich habe 
genug mein Bruder/behalt was du haft; Jacob antwortet: 
Ach nicht! Habeich Benade finden vor dir / fo nimm mein 
Öefchende von meiner Hand : Denn ich fahe dein Ange⸗ 
fichte / als ſaͤhe ich GOttes Angefichte / und laß dirs wohlge⸗ 
fallen von mir : Nim̃ doch den Seegen von mir an / den ich 
dir zubracht habe / denn GOtt hat mirs befeheret / undich 
habe alles genug ; alfo nöthiger erihn daß ers nahm. Diefes 
iſt num die gar fchöne Figur da der Geift mit fpielet / wie Chri⸗ 
ſtus mit feiner Chriſtenheit vor GOtt erſcheinet / als mit feinem 
erworbenen Guthe / ſo ſpricht der Vatter zum Sohne / wo wilſt 
du mit dieſen deinen Kindern / welche mir taͤglich begegnen / in 
dem fie zu dir kommen / hin ? Und Chriſtus ſpricht: Ach Hera 
daß ich Genade bey dir mit ihnen finde. Und der Vatter ſpricht; 
Sie ſeynd dein erworbenes Guth / behalt was du haſt / ich habe 
ohne das genug und alles. 

17. Chriſtus aber ſpricht: Ach nein / mein HErr / nimm doch 
den Seegen an / den mir GOtt in meinen Kindern beſcheret hat / 
den ich dir habe zubracht: Denn GOtt hat fie mir beſcheret / und 
ich habe alles genug / under noͤthiget GOtt feinen Vatter / dag 
er das Reich von ihn wieder annimmt; Und iſt eine wahre Figur / 
wie Ehriftus/ nachdehm er zur Nechten GOttes figet/ und herr⸗ 
fhet über feine Feinde / werde das Reich feinem Vatter wieder 
überantworten / da alsdenn auch wird der Sohn dem Vatter 
unterthänig ſeyn mit ſambt feiner Chriſtenheit / wie die Schrift 
ſaget: Welches der Geift in diefer Figur gewaltig pr=figuri- 
ret / und im Bilde fürgeftellet, 

a8. Die⸗ 


776 Wie Jatob zu Eſau kam / da alles Cap. 6x 


18. Dieſes iſt eine ſchoͤne Figur / da Jacob zu ſeinem zornig⸗ 
gewefenen Bruder Eſau komt / und ſiehet wie ihme Eſau umb 
ven Hals faͤllet und weinet / daß er ſaget: Ich ſahe dein Ange⸗ 
ſicht / als ſaͤhe ih GOttes Angeſicht: Welches ung andeutet / 
daß der Grimm GOttes im Reiche der Natur in Adams Seel 
und Leib war zu einem Feinde worden /als die feurifche Seele 
felber / welche indes Vatters Eigenfihafft in der ewigen Natur 
innen ſtehet. 

„29 Als aber dieſe groſſe Liebe und Demuth im Blute Chriſti 

hindurch drang / ſo ward dieſer Grimm / als die feuriſche Seele 
wieder in GOttes klares Angeſichte verwandelt / und bekam 
wieder das Auge der Liebe GOttes: Alſo iſt uns auch vom Efau 
zu verfichen; als ihn der Genaden- Bund in der Figur Chriſti 
in Jacobs Demuth anblickete / fo ward fein Fluch und Boßheit 
durch Chriſti Geift in Siche gewandelt) dag er nicht mehr der 
war / von dehme die Schrift faget : Efau habe ich gehaſſet: 
Denn im Reiche der Adamiſchen Natur war der Haß GOttes 
in ihm offenbahr / und war felber der Haß / und davon ſaget die 
Schrift: Efauhabe ich gehaffet. Alfolange nun der Haß in 
ihme das Negiment hatte/ ſo war erin GOttes Haffe / und fel> 
ber ver Haß; als ihn aber der Genaden-Bund in Jacob ans 
blickete und Jacobs Demuth in feinen Haß drang / fohuberan 
zu jammern und zu weinen / und ward GOttes klares Angeficht 
in feinem Haffe offenbahr /dager in groffer Erbaͤrmde Jacob 
umb feinen Halß fiel und weinete. 

20. Welches andeutet die Buſſe des armen Sünders/ wenn 
ſich die boßhafftige Seele / welche in GOttes Haſſe gefangen lie⸗ 

et / zu GOtt wendet / ſo gehet erſtlich dieſe Erbaͤrmde und Reue 
Aber die begangene Suͤnde an / wenn der Geift Chriſti die Seele 
ruͤget / ſo weinet ſte alsdenn / und reuet ſie / daß ſie iſt eine ſolche 
Boßheit geweſen / und gehet ihr zuhand die Sonne auff / daß der 
Has Gottes in das Angeſicht der Liebe gewandelt wird / da aus 
einem haͤßigen Geiſt ein Engel wird. 

21. Und ob ſchon die Schrifft an einem Orth ſaget: Eſau 
habe die Buſſe mit Thraͤnen geſuchet / und doch nicht gefunden / 
ſo giebet uns aber dieſer Text viel ein anders zu verſtehen / als 
nemlich / daß ja Eſau uñ alle verderbte Adams-Kinder / die Buſſe 
in ihrem eigenen wollen / lauffen und rennen nicht finden / ſonſt 
ſtuͤnd es ins Menſchen Macht die Genade zu erreichen / ſondern 
die Genade und das Goͤttliche Erbarmen wuͤrcket die Buſſe: 
Aber der Menſch muß ſein Wollen dem Goͤttlichen Wuͤrcken 
ginergeben, ! 22. Dit 


Eapor. Leyd in Freud gewandelt ward. 577. 


22. Der ſeeliſche Wille muß ſich gegen der verheiſſenen Ge⸗ 
nade wenden; alsdenn wird ihme die Goͤttliche Sonne in ſeinem 
Willen erſcheinen / uud den Haß der Boßheit zerſchellen / alsdenn 
greiffet die Seele nach der Genaden⸗Sonne / fo gehet das Buſſe⸗ 
würden in der Genaden⸗krafft an / ſo giebet alsdenn der Zorn 
GOttes in der Seelen feine ſtrenge Gerechtigkeit dem Geiſte 
Ehrifti ; fo faget alsdann Chriftus zu feinem Vatter: Ich habe 
deren Feinenverlohren / die dirmir gegeben haft. 

23. Die Schrift faget: GOtt wil / daß allen Menſchen ges 
holffen werde; und Chriſtus iſt kommen zu ſuchen und ſeelig zu 
machen das verlohren iſt / und hat nicht Gefallen am Tode des 
Suͤnders. So ſpricht die Vernunfft: Sp SOtt denn wil / daß 
allen Menſchen geholffen werde / und nicht das Boͤſe wil; kan es 
ihnen denn nicht allen helffen ? Warumb bleiben fiedenn ver⸗ 

ſtocket / ſo er die Berſtockung nicht wil? 

24. Reſp. Die Seele ſtehet im ungruͤndlichen Willen GOt⸗ 
tes in dem ewig-fprechenden Worte: Sie iſt cin Funde vom 
Göttlichen Sprechen / da fich der Ungrumd / als das ewige Eine / 
in Die Scieng / Berftand und Erkaͤntnuͤß der Unterſchiedligkeit 
außſpricht / fie ift im Sprechen in Natur und Ereatur kommen / 
und hat nun den Gewalt zum wieder Außſprechen / als ein Bild 
nach ihr. 

25, Auch fpricht fie in ihrer Wiffenfchafft aus die Wunder 
der Göttlichen Bermögenheit in Gutem und Boͤſem / fte fpriche 
fih in ihrem eflentialifhen Sprechen aus der ewigen Scieng fele 
ber in Boßheit: Da fie foll fprechen GoOtt / fo spricht fe in ihr) 
Noth: Da fie foll inihrer Scieng in das ewige Eine einſprechen / 
als in GOttes Siebe und Weißheit / fo fpricht ſte ſich in Schied> 
ligkeit / als in die Vielheit / und führet die Scieng ihres Vermoͤ⸗ 
gens / welche im ewigen ſprechenden Worte innen ſtehet / aus der 
rTemperatur, in einen eigenen Willen / welcher ſich von dem eini⸗ 

gen Willen GOttes abbricht / und in eine Selbheit eingehet. 

26. Darumb fo verwandelt fie den ewigen Willen der Ein⸗ 
heit in ihr / ins Centrum der Schiedligkeit / darinnen dereinige 
Gott feinen einigen Wien im Ausfprechen des Worts in Na⸗ 
tur und Peinligteit zur Göttlihen Findligkeit und Empfind- 
lichkeit einführet / als in ein eſſentialiſch geiftlich Feuer und aus 
dem Feuer im ein Liecht / dadurch der Ungrumd majeſtaͤtiſch und 
würcende wird ſo fpricht fich Die falfche Seele nur in einen 
Feuer⸗quaal. 

27. Denn ihr Wille zum Sprechen / welcher in GOtt im Un⸗ 

Dh grund 


578 Wie Jacob zu Eſau kam / da alles Cap. 61 


grunde ſtehet / welcher ſich durch die Begierde ins Feuer⸗ſprechen / 
als in Eigenſchafften einfuͤhrete / der gehet nicht wieder zuruͤcke in 
Ungrund /als in das ewige Eine: Soer aber wieder zuruͤcke als 
in das ewige Eine / als in GOtt / eingehet / fo wird die feuriſche 
Scientz auch majeſtaͤtiſch und liechte / ſo iſt die Seele ein Engel 
GoOttes / als ein Bild der ewigen Goͤttlichen Scientz. 

28. So aber der Wille im Feuer bleibet / als ein magiſche 
Feuer⸗quelle / ſo iſt die Seele nur derſelbe Feuer-quell: Wer ſoll 
nun demſelben Feuer-quelle rathen / weil er ſeinen Grund im 
Abgrund hat / und iſt ſelber fein Grund ? Die Krafft der Mas 
jeſtaͤt ſcheinet durch ihn / aber die Begierde ſchleuſt ſich ein und 
machet ſich ſinſter / alſo daß das Liecht darinnen nicht mag offen⸗ 
bahr werden / (wie Joh. x. ſtehet:) Das Liecht ſcheinet in der 
Finſternuͤß / und die Finſternuͤß hat es nicht begriffen / ſi wohnen 
ineinander / wie Tag und Nacht / die Seele machet ſich in ihrer 
infaglichen Begierde zur Finfternüß. 

29. Dasewige Eine /als EHE / iftinihr / und fie begreiffee 
ihn nicht / fie machet fich zum zornigen GOtt / da GOttes Wort 
im Zorn fpricht/und ſich in Natur und Ereatur formet/fie wuͤrc⸗ 
tet in ihrer Selbheit Boßheit: Stünde fie aber in ihrer Wuͤrc⸗ 
kung einen Augenblick ſtille / fo erſuͤncke ſie wiederumb in das 
ewige Eine / als in GOtt / fo würde die Göttliche Scientz im Liecht 
in ihr anheben zu wuͤrcken / ſo kaͤme ſie zur Buſſe / wie denn mit 
den Bußfertigen alſo geſchiehet. Und davon ſaget Chriſtus: Es 
ſey denn daß ihr wieder umbkehret / und werdet als ein Kind / ſonſt 
werdet ihr GOtt nicht ſchauen. 

30. Der ſeeliſche Wille / welcher in GOttes Offenbahrung 
feinen Grund und Urftand hat daraus er. ein würdend Leben 
worden ift /der ſoll und muß fich wieder in feine Mufter/ daraus 
er kommen iſt / einwenden / ſo ift er allda als ein Kindın Mutter⸗ 
feibe ; alsdenn ſchauet er infeiner Mutter/ GOtt / als den Un⸗ 
grumd aller Weſen / und wird in feiner Mutter neu⸗gebohren / 
das iſt / die Mutter giebet ihme die Liechts-Krafft / undinders 
felben Krafft befomt er die Vermoͤgenheit zur Buſſe⸗wuͤrckung / 
alsdenn gebichret der ewige ungründliche Wille GOttes / der cin 
DBatter aller Wefen heiffer/feinen einigen Sohn / als feine Liebe⸗ 
krafft in und durch die feclifche Scientz ; als indem Particular des 
gantzen Willens GOttes / denn der Grund der Seelen / und 
Gottes ewig fprechendesg Wort ift ein einiger Grumd/ une 
getrannt. 

38. Und wie wir erkennen / daß ſich daſſelbe einige a 

gebah⸗ 


Kap.cı. Leyd in Freud gewandelt ward. 579 


gebährende und fprechende Wort im Himmel /alsin der Krafft 
Des Liechts in Heiligkeit auffpricht / als die heilige Weißheit: 
Alfo auch fpricht fich Daffelbe einige Wort inder Hölleder Fin⸗ 
ſternuͤß in Flamme der Peinligkeit als in hoͤlliſchen Eſſentz / dar⸗ 
nach ſich GOtt einen zornigen GOtt und ein verzehrend Feuer 
nennet / aus; denn auffer dem einigen Worte oder Sprechen! 
GoOttes ift nichts : Alfo auch vonder Seelen / fo wohl Engel 
und Teuffeln zu verfichen ift. 

32. Zn der gelaſſenen Scele ſpricht GOtt der Vatter den 
heiligen Namen JEſu / als die Genade und das Erbarmen aus/ 
Das ift/ er gebichret Chriſtum in ihr/ und führet den Adamiſchen 
böfen gebohrnen Willen / durch Chriſti Scyden und Tod durch 
wieder in das ewige Eine/dader Sohn dem Vatter das Reich 
der ſeeliſchen Natur wieder überantwortet. 

33. Wil aber die Seele von ihrer Wuͤrckung der Boßheit nicht 
ſtille fteyen/fo foricht der Batter durchs Wort in der Seelen hoͤl⸗ 
liſche Pein / und der Seelen Begierde impreſſet und faſſet ſich dar⸗ 
innen / und ihre Impreſſion macht die ewige groſſe Finſternuͤß als 
eine Klufft zwiſchen GOtt / und da doch kein frembder Sprecher 
verſtanden wird / welcher von auſſen in die Seele einſpraͤche / ſon⸗ 
dern das Wort / das die Seele ſelber iſt / ſpricht ſich alſo in Boßheit. 

34. Aber das gute Sprechen / als die Göttliche Vermögen» 
heit / hat ſie in Adam verlohren / und ift aber aus GOttes Er> 
barmen wieder aus Genaden im Paradeiß / als ein eigen Cen- 
trum der Seelen / eingefprochen worden / und ſtehet nun jeßt in 
der Seelen als ein eigen Cent um oder Principium , und fpricht 
immerdarin die Seele ein / fie fol von ihrer falſchen Bildligkeit 
fill ſtehen 7 fo wil fich daffelbe Gute wieder in der Seelen offen» 
bahren ; fo aber die Seele von ihrem gottlofen Sprechen nicht 
ſtill ſtehet / fo mag fich das gute Einfprechen in der Seelen nicht 
offenbahren / fo mag fie auch nicht befchret werden. 

35. Darumb ſo ift dasder Schluß / daß Gott in der falſchen 
Seelen Sprechen nicht fan gut feyn / und in der gelaffenen 
Seelen Willen / kan er nicht böfe ſeyn; in fich felber ift er wohl 
gut / aber nichtinder Seelen. 

36. GH wird allein GOtt genannt / da feine Siebe außge⸗ 
ſprochen und würcflich und empfindlich erfannt und offenbahr 
wird / davon die Schrifft auch faget/ als: Das Wort welches 
GH iſt / iſt dir nahe / alsnemlich in deinem Munde und Her⸗ 
Ken: Item / das Reich GOttes iſt inwendig in euch: Bey den 
Heiligen biſt du heilig / und bey den Verkehrten biſt du verkehrt. 

Dh 37.38 


580 Wie Jatob zu Eſau kam / da alles Eap.sı) 


37. Im Himmel heiſſet er GOtt / und in der Hoͤllen heiſſet er 
Zorn / und iſt doch im Abgrund beydes im Hinnel und im der 
Hölle nur das ewige Eine / als das einige Gute. 

38. Und fan man weiter oder fichfer von GOttes Willen 
nichts reden / ale nur blog in feiner Offenbahrung Durchs Wort / 
da fih das Wort in Natur und Ereatur einführet: Allda wil 
GOtt durchs aufgefprochene Wort Böfes und Gutes / wie die 
Scien& jedes Dinges im geformten Worte iſt / alfo iſt auch GOt⸗ 
tes Willen darinnen: Daſſelbe außgeſprochene Wort iſt in den 
Engeln engliſch / in den Teuffeln teuffliſch / in Menſchen menſch⸗ 
lich / in Thieren thieriſch / und bleibet doch in ſich ſelber in ſeinem 
ewigen Sprechen in dem Einen nur GOtt / als ein einiges heili⸗ 
ges Wort/ein Grumd und Wurtzel zu allen Weſen. 

39. Darumb lieget das Helffen an der Seelen Willen / ob fie 
ihr wil laſſen helffen / ob ſte wil in ihrem Willen ſtille ſtehen; 
nicht dag ſte ihr das Helffen nehmen koͤnne: Nein / es iſt ein Ge⸗ 
naden⸗geben / allein die Goͤttliche Sonne ſcheinet in ihr im Ab⸗ 
grund / und lieget an ihr / ob ſie ſich mit ihrem Willen dehn fie aus 
Gott hat / wil wieder einen Augenblick in ihre Mutter / als in 
GOttes ungruͤndlichen Willen einerſencken / fo wird fie dus 
Koͤnnen erlangen. 

40. Denn das Koͤnnen hat ſeinen Gaumen gegen der Seelen 

auffgeſperret / und ſpricht: Komm her zu mir: gleich wie die 
Sonne den gantzen Tag in alle Kraͤuter einſcheinet / und giebet 
ihnen Krafft / und mangelt nicht an der Sonnen daß die Diſtel 
eine Diſtel wird / ſondern an dem erſten Ente, daraus ſte eine 
Diſtel wird. 

42. Alſo auch wird eine falſche Seele aus dem Ente GOttes 
Zorns in dem Fluche und aus angeerbier Boßheit /fo wohlaus 
wuͤrcklicher Boßheit eine Diftel / in dem fich der Wille /als die 
ſeeliſche Sciengf in eine Diftel ſpricht; und aus folchem falfchen 
Grunde wachfen deñ mehr Difteln/wie GOtt im Moyſe fpricht : 
Er wil ſtraffen die Sünde der Eltern an den Kindern ins dritte 
und vierdte Glied / und Ehriftus fager > Einarger Baum kan 
nicht gute Früchte bringen. 

a2. Alfo fehen wir dag das Berderben aus der Seelen komt / 
und fehen daß GOttes heiliger Wille nicht mag in der falfchen 
Wuͤrckung offenbahr werden: So lange der Seelen Wille Boͤſes 
wuͤrcket / ſo formet ſich GOttes Sprechen in ihr im Zorn; wert 
ſie aber anhebet von ſolcher Wuͤrckung ſtille zu ſtehen / ſo wird 
Gottes Liebe⸗krafft in ihr offenbahr: den fo fie nicht mehr wuͤrcket / 

fo wuͤrcket der Ungrund in ihr als das Eine, 43. Denn 


Cap.61. Leyd in Freud gewandelt ward. 581* 


43. Denn GOtt würdet von Ewigkeit in Ewigkeit / aber 
anders nichts als nur fin Wort / und das Wort iſt GOtt / als 
eine Hffenbahrung des Ungrundes :z So num die Seele nicht 
mehr eigenen Wilten ſpricht / fo wird in ihr der ungründliche 
Wille ſprechende: Wo die Creatur ſtille ſtehet / da würdet GOtt. 

44. Sol num die Creatur mit GSOtt würden / ſo muß ihr 
Wille in GOtt eingehen / alsdenn fo würdet GSOtt mit und 
durch die Creatur / denn die ganze Creation, himmliſch / hoͤlliſch 
und irrdiſch ift anders nichts als das wuͤrckende Wort / das Wort 
iſt ſelber Alles. 

45. Die Creatur iſt ein compactirter coagulirter Brodem 
des Worts / und wie ſich das Wort aus dem freyen Willen aus⸗ 
hauchet / da es der freye Wille aus dem Ungrunde in Grund fuͤh⸗ 
ret: Alſo auch fuͤhret der freye Wille der Engel und Seelen das 
ort in einen Grund / und derſelbe Grund iſt die Creatur / als 
ein Feuer⸗quell zu feinem Wiederaußſprechen; und aus demſel⸗ 
ben Wiederaugiprechen gehet nun Böfes und Gutes / und nach 
demſelben wiederauggefprochenem Weſen und Kräfften hat vie 
Seele ihr Gerichte. 

46. Denn das iſt das Gerichte / daß das Boͤſe vom Guten ge⸗ 
ſchieden werde / und ein jedes Ding ſein eigen Principium beſitze: 
Welche Seele nun hoͤlliſche Quaal außfpricht / als Fluch / die 
mas in Ted / daß fie nicht mehr GOttes Wort im Boͤſen und 
Guten führe/ fondern nurdas Böfe/ alfodag ein jedes in dem 
feinen oleibe. 

“47. Und darumb dag in dem Loco diefer Welt durchs Wort 
Boͤſes und Gutes ausgeſprochen wird / fo ift dem Loco ein enda 
liher Scheide⸗ tag beſtimmet / da aufhören fol Gutes und Boͤ⸗ 
fes in einer Stätte zu fprechen ; und wird den Gottlefenihr Lo- 
cus bereitet ſeyn / da VBöfesgefprochen wird in feine Ewigkeit? 
auf dag das Gute erkannt / und in dem Guten die Freude offen» 
bahr werde ; auch dag erkannt werde was Böfes und Gutes fen / 
auch was schen und Tod fey / und die Kinder GOttes fich freuen 
mögen. 

48. Dennwürde das Böfe nicht erkannt / fo würde die Freu⸗ 
de nicht offenbahr 2 So aberdie Freude offenbahr wird / fo wird 
das ewige Wortinder Freude gefprochen/ zu welchen Ende fich 
das Wort mit der Natur in cin Gefchöpff eingeführet bat. 
40 Und diefes ift der wahre Grund / da alles Wahnen und 
Mepnen darinnen erkañt wird/ und alle Sophiſterey zu Grunde 
lieget / und aller Streit sin Ende hat: Wer diefes recht ſiehet und 
7 Bb 3 vera 


’ 


532 Wie Jacob zu Eſau kam / da alles Eap.sr! 


verſtehet / der hat umb nichts Feine weitere Frage / denn er fiehet 
daß er in GOtt lebet und iſt / uñ ergieber ſich GOtt / daß der ferner 
durch ihn wiſſe / wo le / und ſpreche was uñ wie er wil / er ſuchet nur 
Die Staͤtte der Riedrigkeit / auff daß GOtt in ihme allein hoch ſey. 

50. So lange aber der Lucifer im Menſchen Das Regiment 
hat / fo dringet die Creatur empor / und wil ſelber fein eigen Gott 
ſeyn / und das iſt auch Wunder / ſo wohl als GOttes Weißheit in 
Der Liebe im Wunder ſtehet / alſo auch in der Ichheit und Eigen» 
heit der Creatur. 

51. Ein jedes Dieng iſt in ſeinem eigenen Principio, darin⸗ 
nen es lebet / gut / aber dem andern iſts ein Widerwille: Jedoch 
muß es alſo ſeyn / auff daß eines im andern offenbahr werde / und 
Die verborgene Weihheit erkannt werde / und in der Schiedlig⸗ 
keit ein Spiel ſey / damit der Ungrund / als das ewige Eine fuͤr 
ſich und mit ſich ſpiele. 

52. Darumb ſollen wir die Schrifft lernen recht verſtehen / 
wie GOtt Gutes und Boͤſes wolle / als nemlich / nicht in ſich fel= 
ber iſt der Schluß / ſondern im außgeſprochenen Worte / als in 
der Natur und Creatur: Gott haſſete Eſau in der verderbten 
Natur in Eſaus Natur ſelber / Eſau war das Bild des Haſſes 
ſelber; aber in GOtt ſelber / als in dem eingeſprochenen Gena⸗ 
den⸗bunde liebete er ihn. 

53. Darumb ſtellet er das Bilde Ehrifti/ als feinen Bruder 
Jacob neben ihn / und ließ fie beyde aus einem Saamen kommen / 
anzudeuten / daß Chriſtus follte Efau und die verderbte Adami⸗ 
sche Natur im Hafle GOttes zur Buffe ruffen / und neu gebaͤh⸗ 
ren /wie Jacob Efau zur Buſſe brachte /dag er feine Boßheit 
fincken lieg / und jaͤmmerlich weinete /und von dem böfen Willen 
gegen Jacob außgieng. 

54. Darumb it dieſes der Schrifft Verſtand / daß der irr⸗ 
diſche Adam im Reiche der verderbten Natur in ſeinem digenen 
Willen die Buſſe nicht findet noch finden kan / denn es iſt keine 
Vermoͤgenheit darinnen zum Guten / aber die eingeleibte Gena⸗ 
de in ihme erwecket dieſelbe / wenn ſich der Wille zu ihr wendet: 
Denn / ſo der eigene Wille koͤnte Buſſe wuͤrcken und fromm wer⸗ 
den / ſo doͤrffte er der Genade nicht. 

ss. Die decreta der Schrifft gehen allein auff die zwey Reiche / 
als die VBerſtockung gehet auff den falſchen Willen; der falſche 
Wille verſtocket ſich felber / GOttes Zorn in des Willens eigenem 
Weſen verſtocket ihn; nicht von auſſen einfahrende / ſondern in des 
Willens eigenem Weſen offenbahrende. Der Wille iſt R 

u 





Cap.6r. Leyd in Freud gewandelt ward. 583 


und derſelbe GOtt im Willen fuͤhret ſich in Verſtockung ein / auff 
Arth / wie er ſich in der Hoͤllen / in Finſternuͤß und Pein einfuͤh⸗ 
ret: Alſo auch von dem Reiche der Genaden zu verſtehen iſt. 

56. GOtt wil im Menſchen allein Gutes in dem Reiche fi» 
ner Genaden / wo fich der freve Wille in die Genade ergiebet / fo 
wil GOtt Gutes in dem Willen durch Die Genade. 

57. Daß man aber ſagen wolte / der Menſch koͤnne ſeinen 
Willen nicht gegen dem Guten wenden / als gegen der Genade / 
das iſt ein Ungrund: Stehet doch die Genade im Abgrund der 
Creatur in allen gottloſen Menſchen / und darff der Wille nur 
von der falſchen Wuͤrckung ſtille ſtehen / ſo hebet er an ſeines ei⸗ 
genen Willens in Abgrund zu erſincken. 

58. Denn was ſtille ſtehet / das ſtehet mit dem ewigen Einem 
ſtille und wird mit den Einem ein Weſen / denn es gehet in ſein 
Nichts. Musß doch der falſche Wille umb weltlicher Geſetze 
willen aus Furcht der Straffe von unrechten Wercken ſtille ſte⸗ 
hen / warumb denn auch nicht umb GOttes Gebott willen ? Kan 
er ſeinem weltlichen Herren gehorſamen / und an einem Ende / wo 
er ihn hin haben wil / ſtille ſtehen / warumb auch nicht GOtt? 
So ihm doch das Koͤnnen alsbald gegeben wird / ſo er den Willen 
nur zum ſtilleſtehen fuͤhret. 

50. Daß aber der gantzfalſche gottloſe Wille nicht ſtille ſtehet / 
und ſich zu der Genade wendet / iſt die Urſache / daß er ſchon eine 
gebohrne Diſtel iſt / in dem die Genade zu tieff innen lieget / und 
der Grimm GOttes zu ſtarck in der Natur iſt. Die Genade 
zeucht ihn und weifet ihme feine Falfchheit /aber er verach⸗ 
tet die Genade / und würcket als eine Diftel in ver Sonnen 
Krafft; diefer iſt GOtt ein guter Geruch zur Verdamnuͤß des 
Zodes in der Hoͤllen / auff daß die Genade vom falfchen Willens 
unterfihieden würde. 

60. Aber die Bernunfft-Sshlüffe welche lauten / daß GOtt 
in ſich ſelber / ſo viel er GOtt heiſſet / habe beſchloſſen / daß ein 
Theil der Menſchen / und zwar der groͤſſeſte Hauffe / ſolle und 
muͤſſe verdammet werden / und daß er ſie aus eigenem vorgeſetzten 
Willen verſtocke; iſt falſch / und hat weder in der Schrifft / noch 
im Liechte der Natur einen Grund / ſo man die Schrifft recht bew- 
trachtet / und nicht blind anſtehet. 

6. Denn in GOtt / ſo viel er GOtt heiſſet / iſt kein Fuͤrſatz 
noch anfaͤnglicher Wille / Er iſt ſelber der Wille des Ungrundes 
als ein Einiger / und wil in ſich ſelber nichts als das Gute / und 
darumb ſo iſt er auch ſelber . wollende Gute / denn das 


b 4 Gutt 


* 





384 Wie Jacob zu Eſau kam / da alles Cap.or 


in das cr will das ift die Gebuhrt feiner Krafft / als fein 
ohn. 

62. Gott wil in ſich ſelber nichts als fein Gutes / das er ſelber 
iſt / offenbahren / und das moͤchte nicht geſchehen / ſo ſich nicht die 
einige gute Krafft mit dem Außhauchen in Begierde zur Naͤtur / 
and in Schiedlichkeit als in die Scientz cinführete/denn fo das 
Gute einig bliebe / fo ware Feine Wiſſenſchaͤfft. 

63. Nun aber macht ich wicht das Gute / als GOtt in fich fels 
ber boͤſe oder ſchiedlich fondern die Scieng / als das Fiat oder die 
Begierde zur Schiedlichkeit / die führer fih in die Natur und 
Creatur ein/ und aus der Scienk urſtaͤndet Böfes und Gutes / 
und nicht aus GOtt oder In GOtt in feiner Dreyheit. 

64. Dann allda iſt kein Decret: dann waͤre ein Rathſchlag 
darinnen / fo muͤſte auch eine Urſache zum Rathſchlage darinnen 
ſeyn / und alsdann wieder ein Urſach zu demſelben / und muſte et⸗ 
was vor GOtt ſeyn oder nach GOtt / darumb er ſich berath⸗ 
ſchlagete. 

65. So aber iſt er ſelber der Ungrund und das Eine / und iſt 
ein einiger Wille / der iſt er ſelber / und der iſt allein gut / dann ein 
einig Ding Fan ihme nicht widerwertig ſeyn / dann cs iſt nur 
Eines / und dat mit nichts zu friegen. 

66. Darumb iſt das eine Thorheit der Vernunfft / dag fie vom 
Zwange der Unvermeidlichkeit redet / und verſtehet nicht das 
Myſterium Magnum oder daß fie ſaget / GOtt wolle aus feinem 
Vorſatze den boͤſen Willen / welchen er verſtocket hat / nicht mit 
der Genade ruͤhren. 

67. Dieſer blinden Vernunfft weiſe ich eine Diſtel / welche die 
Sonne einen gantzen Tag ruͤhret / und giebet ihr Liecht und 
Krafft / fie bleibet doch eine Diſtel; alſo auch der gottloſe Wille: 
Ihme ſcheinet die Goͤttliche Sonne den Tag ſeines Lebens / aber 
fein Grund iſt ein Ens der Diſtel. 

68. Sonſt fo ihn GOtt aus Fuͤrſatz verſtockte / ſo haͤtte die 
Gerechtigkeit kein Gerichte in ihme / dann der da thut was er 
thun muß / der lebet ſeinem Herrn nach ſeinem Willen: So aber 
Gott nicht gottloh Weſen gefaͤllet / (Plalm. 5.) fo komt das Boͤſe 
aus der Wurtzel / und in die Wurtzel der Wiſſenſchafft aus dem 
Grunde der Natur zur Creatur / und durch Zufaͤlle; und umb 
de zwillen hat GOtt feinen Willen offenbahret / und Geſetz und 
Evangelium gegeben / das iſt / ſeine Straffe und ſeine Genade 
offenbahret / autf daß ein Scheide⸗tag mit Gerechtigkeit möge 
gehalten werden / und ſich teine Creatur möge entſchuldigen. 
09. Und 





 Kap.sı. Leyd in Freund gewandelt ward. 585 


69. Und die Hiftoria fager weiter: Nachdehm £fau das Ge⸗ 
ſchencke von Jacob genommen/habe er gepprochen zu feinem 
Bruder Jacob : Laß uns fortsiehen und reyfen / Ich wil mie 
dir ziehen : Jacob aber fprach zu ihm: Mein Herz / du er⸗ 
kenneſt daß ich zarte Rinder beymir habe / darzu Dieb und 
fäugende Kuͤhe / wann fie einen Tag übertrieben wuͤrden / 
wirde mir diegange Heerde fterben : Mein Her? ziehe vor 

aleinem Knechte hin / ich wil mählich hernach freiben/ darnach 
das Vieh und Die Rinder gehen koͤnnen / biß daß Ich komme zu 
meinem Herrn in Seir. Diefer Text feheine nur ein aͤuſſer⸗ 
liche Geſchichte zu ſeyn / aber der Geiſt hat auch ſeine innere Fi⸗ 
gur darunter / dan Jacob ſtehet in Chriſti Figur; und ſtehet alſo: 

70. Als Chriſtus durch fein Leyden und Tod des Vatters 
Zorn im Reiche der Natur verföhnete / fo ſprach der verfühnete 
Zorn: Nun wollen wir auff / und mireinander forfreifen / ver⸗ 
ſtehet indes Menſchen Leben aber die Liebe ſprach: Der Menſch 
iſt zu zart und unvermoͤgend / und koͤnnen uͤbel in GOttes Wee⸗ 
gen gehen / ich wil bey ihnen bleiben biß ans Ende der Welt / 
(Matth. 28.) und ſie maͤhlich fuͤhren / nachdeme fie gehen koͤnnen / 
auff daß ſie nicht in Anfechtung und Irrthum gerathen / und an 
der Genade blind werden. Gehe du voran mein Herr/ich wilfte 
fein ſanffte führen unter meinem Creutz⸗Joche daß fie nicht ſter⸗ 
ben / dann fo fie num jetzt follten indes Vatters firengen Gercch > 
tigkeit geführet werden) fo Fönnen fie noch nicht s Ob fie wohl er⸗ 
loͤſet find / ſo leben fie aber noch im Fleiſch und Blut /ich wil mit 
ihnen hernach kommen zu dir in Seir / das iſt / in GOttes Ge⸗ 
rechtigkeit. 

7x. Und Eſau ſprach: Somilich doch bey dir laſſen etliche 
vomdold das bey mir iſt. Erantwortetimas ifts vonnsthen/ 
lag mich nur Genade vor meinem HErrn finden : Das if / GOtt 
der Vatter ſprach / fo wilich doch etliche meiner ffrengen Gerech⸗ 
tigfeit / Sebott und Geſetze bey Dir laſſen; Aber Chriſtus 
frrah : Was iſts vonnöthen ? Laß mich mit diefen erlöfeten 
Kindern nur Genads bey dir finden / dann fie koͤnnen die Geſetze 
nicht erfüllen. 

22. Alſo 308 des Tages£ fan ſeinen Weeg wieder nachSeir) 
das iſt / alſo tratt GOttes Gerechtigkeit in fein eigen Priocipium, 
und Jacob zog gen Suchoth / und bauete ihm ein Haus / daher 
heiſſet die Staͤtte Suchoth. Dieſes iſt in der Figur ſo viel ge⸗ 
ſaget / Chriſtus fuͤhrete feine Chriſtenheit / als feine Kinder / nicht 
gen Seir / das iſt / in die Proba — Gerechtigkeit / obwohl 
5 Die _ 


a — 2 3 


586 Wir Jacob zu Eſau kam / ꝛc. Gap.sı, 


Die Genade in ihnen offenbahr worden; ſondern errichtete ein 
Haus / als die Ehriftliche Kirche auff Erden auff/und machete fei> 
nen Kindern Huͤtten / das iſt / Chriſtliche Ordnungen /darinnen 
ſie koͤnten wandeln; und daher heiſt ſie eine Chriſtenheit / wie Ja⸗ 
cobs Stätte Suchoth hieß: Alſo auch heiſſet die Staͤtte der Chri⸗ 
ſtenheit ſuchet / ſo werdet ihr Chriſtum finden / welcher alle Tage 
in die ſer Huͤtten bey feinen Kindern iſt / biß ander Belt Ende. 

73. Und der Text ſaget weiter im Moſe:: Darnach zog Ja⸗ g 
cob gen Salem zu der StadtSichems / die imgande Canaan 
lieget / nachdeme er aus Meſopotamia kommen war / und 
machete ſein Laͤger vor der Stadt / und kauffte ein Stuͤck 
Ackers von den Kindern Hemor / des Vatters Sichems / umb 
xoo. Groſchen / daſelbſt richtete er feine Hütten auff / und 
richtete daſelbſt einen Altar zu / undrieffan den Namen des 
ſtarcken Gottes Iſrael. In dieſem Text fpieletder Geift recht 
mit der zukuͤnfftigen Chriſtenheit; dann Chriſtus fuͤhrete feine 
Kinder nach feiner Auffer ſtehung zu Salem / das iſt in das Heyl 
vder zu der Salbung des Geiſtes / wie Jacob feine Kinder zu 
Salem führete/ aber zu der Stadt des Sichems / das iſt / unter 
Die Heyden. 

74. Undmachete fein $ager für der Stadt / dag iſt / Chriſtus 
follte feine Wohnung bey ven Heyden machen/und ſeinen Tempel 
und Lehre neben ver Heyden Gößen-Tempel feßen / und die 
Stätte feiner heiligen Ehriftlichen Kirchen von den Heyden 
darzu erfauffen / das iſt mitfeinem Blut von GOttes Gerech⸗ 
tigkeit darzu erkauffen / wie auch geſchehen iſt / und ſeinen Altar 
allda unter den Heyden auffrichten / und von dem Namen des 
GOttes Iſrael / das iſt / von Chriſto predigen. 

75. Denn der Name Sichem deutet an / daß die Chriſtliche 
Kirche wuͤrde muͤſſen in Elend und Truͤbſal ſtehen; Wie Jacob 
ſeine Wohnung nur vor der Stadt Sichem bauete / alſo muͤſſen 
auch die Kinder Chriſti nur frembde Gaͤſte in dieſer Welt ſeyn / 
und nur als Hauſgenoſſen der Heyden / Gewaltigen und Kinder 
dieſer Welt; ob ſie wohl ihre Wohnungen / als den Tempel Chriſti 
in ſich haben / welchen ihnen Chriſtus hat mit ſeinem Blut er⸗ 
kauffet / fo find fie doch aͤuſſerlich nur frembde Gaͤſte und Pil⸗ 
grams-$enthe / und wohnen nur auſſen vor der Stadt dieſer 
Welt / als in einer indifchen Huͤtten / im Fleiſch und Blur, 


Das 


Cap. 62. Bon Dina /Jacobs Tochter / ꝛtc. 397 


Das 62. Capittel 


Von Dina Jacobs Tochter / welche er von Lea zeuge⸗ 
te / wie fie ſey von Hemors Sohn geſchaͤndet wor⸗ 
den / und wie Jacobs Soͤhne Sichem und alles was 
Männlich it geweſen in diefer Stadt / darum erwuͤr⸗ 
get / und Dina wieder genommen haben / was bey diſer 
Figur zu verſtehen ſey. Genel. 34. 


Die Pforte der Chriſten Kriege / um die Babyloniſche 
Hurerey / jest hoch zu betrachten. 


2. Oyſes ſpricht: Dina aber / Lex Tochter / die 

fie Jacob gebohren hatte/ gieng heraus die 

Töchter des Landes zu feben/ und da die 

she Sichem / Hemors Sohn des Hethiters / 

oder des Landes Herr war / nahm er fieund be 

fehlieff fie / und ſchwaͤchete fie / und fein Hertz hieng an ihr / 

und hatte die Dirne lieb / und redete freundlich mit ihr: Und 

Sichem forach zu feinem Datter Hemor: Nim mir das 

Mägdlein zum Welbe. Der Sefer wolle jaacht haben auffdie= 

fe Figur / und dem Text im Moyfe recht nachdencken und ihm in 

die Augen fehen/ ſo wird er unfern Sinn und hechtheuren Bes 

griff/ uns ausgöttlicher Gnade eröffnet / wolverfichen / und 

die Schriften des erſten Buchs Moyſis lernen mitrechten Au⸗ 
gen anfchen. 

2, Lea / Jacobs Weib) gebahr dem Jacob ſechs Söhne 
als den halben Stamm Iſrael / und ausihr kam Juda / als die 
Wurtzel Davids/aus weicher Chriſtus nach unferer Menfchheif 
offen bahr ward: hernach gebahr fie dieſe Dinam / eine Tochter/ 
mit welcher Figur der Geift die Chriſtenheit gewaltig prrfigu- 
riret / daß nach Ehrifti Himmelfahrt nach dem Wercke menſch⸗ 
licher Erlöfung werde die rechte wahre Chriftenheit gebohren 
werden / gleichwie Jacob erſtlich die 12. Erkvätter gebahr / here 
nach aber würde aus Lea / das ift/ aus der Mutterder Chri⸗ 
ftenheit / eine Tochter fleifglicher cägenen Siebe gebohren wer⸗ 
den/ welche Tochter würde ausfpaßiren / und die Töchter des 
Landes / unter welchen fie cin Fremdling feyn follte/ befehen 
wollen. Das ift fo vielinder Figur: 

3. Wenn die Chriſtenheit würde gebohren werden/ dag ihre 

66 Zahl 


% 


588 Wie Dina ſey von Hemors Cap. 62. 


Zahl groß ſeyn wuͤrde / ſo wuͤrden ſie in eigene Liebe gehen / und 
die Fleiſches⸗Wolluſt ſuchen / und würde ihr Hertz nach den Ge⸗ 
wohnheiten und Sitten der Voͤlcker richten / und vonder Nie— 
Drigkeit und Demuth ausgehen / und wollen die Geylheit und 
Hoffart der Töchter des Landes / das ift / der Voͤlcker befuchen / 
fo würden fte alsdenn dieſe Tochter Dinam gebaͤhren / und für 
GoOtt in Fleiſchlicher Wolluſt geiftliche Hurerey treiben/ und 
würden mit der Heyden Gewonheiten huren / und würden fich 
aber fchön und geſchmuͤckt darſtellen wie eine Zungfrau voll 
Brunſt / welche außlauffet fich fehen zu laſſen / dag ſie Buhler 
uͤberkomme / wie Dina thäte / welche auch alfo auffpasircte. 

4: Alfo auch würde fich die Chriſtenheit ſchmuͤcken / und mit 
groſſem Geprängemit Kirchen und Schulen ſich ſchmuͤcken / und 
gleiſſende anſehnliche ſcheinheilige Kleider anthun / auff daß fie 
ein Anſehen vor den Toͤchtern des Landes / als vor fremden 
Voͤlckern / haͤtte / und würde aber voll Brunſt der eigenen Siebe 
amd Fleiſches⸗Sucht unter ſolchem Habit ſeyn / und ein Huriſch 
Her haben / gleichwie eine Hure von auſſen gleiſſet / ſich 
ſchmuͤcket / und wil durchaus eine zuͤchtige Jungfrau genennet 
ſeyn: Alſo auch würde dieſe geſchmuͤckte Chriſtenheit wollen heilig 
genennet feyn / aber ihr Hertz würde nur mit der fleiſchlichen 
Wolluſt buhlen. - 

8. Sie würden wohlden Schmuck der Töchter des Sandes bes 
fehen / welcher Schmuck anders nichts ift / ale die heydniſche 
Weißheit und Philofophia, und würden diefelbe in Chrifti 
Reich ziehen] und unter Ehrifti Purpursmantel in denſelben 
Rechten und Gewonheiten leben / und fich damit ſchmuͤcken / und 
wuͤrden darbey gang vergeffen / dag ihre Hüften und Wohnun⸗ 
gen auſſer der Stadt diefer Bölder Gewohnheiten fey / gleich» 
wie Jacob auffer der Stadt des Hemors wohnete; und auch 
Ehriftus fagte/ fein Neich wäre nicht von diefer Welt. 

6. Diefe Chriftenheit aber wuͤrde ihr Hertz indas Neich die⸗ 
fer Welt fegen/und nur alfe in einem Jungfräulichem Schmuc⸗ 
ke mit vielen Kicchen / Prieftern und Geremonien unter Jungs 
fraͤulichem Anſehen prangenz aber mit ſolchem Ausgehenvon 
der Einfalt und Demuth Chrifti / würden fienur inder Welt 
ſpatzieren / und den fleiſchllchen Buhlen ſuchen / wie Dina thaͤ⸗ 
te / welche ein Bilde der fleiſchlichen Chriſtenheit iſt / welche 
allezeit nach den rechten Kindern Chriſti gebohren wird / wie 
Dina nach den x2. Erkvättern gebohrenward. Das ift: 

7. Wenn die Chriſtenheit bey einem Volck offenbahr a. gt» 

ohren 








Cap.62. Sohn geſchaͤndet worden / 389 


bohren wird / fo gebiehret fie an ſolchem Orthe / erſtlich die 12. 
Ertzvaͤtter / als den Grund der Apoſtoliſchen Lehre; wenn fie 
ſich aber wieder mit den heydniſchen Weiſen und mit Fleiſches⸗ 
Luſt vermengen / ſo gebichret ſolcher Orht eine Dinam / als 
eine Hurerey mit Chriſto / als einen Schein⸗Chriſten / das 
Hertz aber wird zur Hure / und alsdenn gehet dieſe Hure aus 
ſpatzieren / und beſuͤchet der Voͤlcker Sitten. Das iſt: 

8. Sie ſuchet wieder in dem heydniſchen Grunde / und ver- 
miſchet fich mit den Heyden) undwirdvon der heydniſchen Phi- 
lofophia gefihwängert / undgebichret ein Huren⸗ kindt / welches 
halb Chriſtlich und halb Heydniſch iſt / als eine neue Seit oder 
Lehre / welche mit dieſer Boͤlcker erſten Gewohnheit / in der fie 
find entſproſſen / nicht gantz in Forma uͤbereintrifft; und da fie 
dach in ihrem Hergen nichts befjers ſeynd. 

9. Und alsdenn empoͤren ſich dieſe Voͤlcker wider die fremde 
Meynung / und ſchreyen im Zorn / dieſer hat unſere Schweſter 
Dinam geſchaͤndet / und hat Se zur Hure gemacht / und erzuͤr⸗ 
nen ſich uͤber der neu⸗erfundenen Meynung / wie die Soͤhne 
Jacobs uͤber Sichem / und lauffen mit Streit und Schwerd / 
mit Sturm und mit Fluchen / wider ven Schaͤnder ihrer Schwe⸗ 
ſter Dinæ / und ermorden ihn / und nicht allein denſelben / ſon⸗ 
dern auch alle Mannſchafft die bey ihm wohnet / wie Jacobs 
Soͤhne den Hemorrhiten thaͤten: Alſo ung dan der Unſchuldige 
mit den Schuldigen leiden / anzudeuten / daß fie alle miteinan⸗ 
der nur in ſolcher göttlichen Hurerey leben: Dan die Hure um 
welcher willen fie ſich rächen / iſt ihre Schweſter / und aus ihnen 
gebohren / gleichwie Dina ihre Schweſter war / und aus einer 
Mutterherfam, 

10. Wir fehen allhierdas Bilde der ftreitenden Chriftenheit 
gewaltig / wie die Ehriftenheit gang halsftarrig in Meynungen 
wuͤten werde / und darzu in groſſer Blindheit / und nicht wiſ⸗ 
fen werum ? und würde ſich nicht ſehen / das fie in ihrer eigenen 
Hurerey alſo wuͤte / und nicht um die Krafft der wahren Thri⸗ 
ſtenheit / als um das rechte Chriſtliche Leben / ſtreite / ſondern 
nur um ihre gefaſſet Meynungen / als um ihre Schweſter Dis 
nam / welche von ihnen ausſpatzzieret / und ſich in fremder Mey⸗ 
nung vergaffet / fo ſchelten ſte die Meynung für eine Hure} 
und ſehen aber nicht / wiefteihrer Schwerter Hertze / darinnen 
die Huren⸗Luſt ſtecket / helffen koͤnnen / gleich wie Jacobs Soͤh⸗ 
ne nicht dahin fi ahen / wieſſte dem übel fönten helffen / dag ihre 
Scqhweſter wäre bey Ehren blieben 5 und ob fish gleich Hemer 

Bb7 und 


E 


590 Wie Dina fey von Hemors Kap. 62. 


und Sichern anbotten/ fie woltendie Morgengabe geben / und 
ihre Schwefter ehligen und lieben / und ſich beſchneiden laffen / 
undein Volck mit ihnen werden/ und ihnen auch alle Liebe) Treue 
und auch Freundtfchafft anbotten / noch halffdas alles nichts. 

ır. Und ob fie ihnen gleich auch zufagten / fo fie fich würden 
beſchneiden laſſen / und ein Bold mit ihnen werden / fo wolten 
fie ihme ihre Schwegtergeben / noch wurden fie rafende mit more 
den und tödten / anzudeuten / daß diefes cine Figur fey auff die 
Fünfftige Chriſtenheit welche aus dieſem Stamme entfichen 
folte / wie wir dieſes für Augen fehen dag es alſo gehet / dag 
man nur um die ausgelauffene Meynung ftreitet / und einander 
darum ermordet und toͤdtet und doch nur eben auch um der 
Meynung der falfchen Hurerey Willen/ welche die Tituls 
Ehriftenheit hat angenommen darinnen fie eben auch nur in 
Gleißnerey und Hurerey pranget/ und fehen nicht auff das / 
wie ihrer Schwefter möge geholfen werden / welche in frembde 
Meynungen ift gerahten / fondern fle greifen zum Schwerd / 
und wollen die neue Meynung tödten / und reiffen ihre Schwe⸗ 
fter / welcheigefhwängertift mitanderer Meynung / mit ihrem 
Hurenkinde/ mit Gewalt wieder aus Hemors Haufe) und 
toͤdten Hemor und Sichem / ſambt ihrer Manfchafft. 

12. Und ob fie ſich gleich wollen mit ihnen / als mit dem wah⸗ 
ren Chriſtlichen Grunde vereinigen / als mit den Haubt⸗Ar⸗ 
tickeln Chriſtlicher Lehre / jo yülffts doch nichts / fie wollen doch 
wieder alleTreue undZufage nur morden/und ihre Meynungen/ 
welche fie haben in gute fette Baͤuche und heydniſche Menſchen⸗ 
Tage gefaffet / erhalten / wie ſolches jego mit den Streiten und 
Meynungenvor Augen ift. 

13. Die Menſchen der eigenen Liebe haben ihr Chriftenthumb 
in cin fleifehlich Meich eingefügret / und mit Gefegen/ Cere⸗ 
monien und Meynungen ſchoͤn gezichret / und Ehrifti Durpurs 
Mantel darüber gedecket / und leben doch in eitel Geiftlicher 
Hurerey darumter mit gleiffendem Scheine: Ihr Hertze aber 
gebicyret ſtaͤts dieſe wellüftige Dinam / welche ausläufft von der 
Einfalt und Demuth Ehrifti/ und buhlet mit den Göttern der 
Fleiſches⸗Luſt / als mit Hoffart und Geitze / und eitel eigen» 
Ehre und wolläftigem Leben / gang wieder den wahren Chrifte 
lichen Grund. 

14.Dieweilaber Chrifti Geift noch allegeitin feiner Chriſten⸗ 
heit wohnet / fo erwecket er offt Menſchen / welche alfo den 
Schlaff und die Hurerey der Titul⸗Chriſtenheit in * 

#> 


Gap. 62. Sohn gefchändet worden. jyx 


Sodomitiſchen Leben erkennen und fehen / und fih von ihnen 
abwenden / und in ver Schrift / fo wohl im Ficchte der Natur 
forſchen / ob auch diefer ihr Heifiplicher Grund vor GOtt be> 
ſtehe / und wenn fie ſehen / dag er falſch ift / fo faffen fie fich in 
andern Grund / und fraffen die Hurerey der Titul-Chriftenpeif. 

15. Und wenn diefes die Gleigner inihren QBollüftigen Eh> 
ren hören und ſehen / daß fie Dadurch geſchaͤndet werden / und dag 
ihr GOtt Maofim offenbahr wird / fo ſchreyen fie: O Ketzer da/ 
diefer ſchaͤndet unſer Schwefter Dinam / als unfere Meynung / 
und machet. die Kirche zur Hure / und ob ihnen gleich jener dar 
beutet feines Grundes und Meynung Rechenſchafft zugeben / 
und ſich mit dem wahren Chriſtlichen Grunde zu chligen/ und 
ihre Schweſter Dinam / als den erſten wahren jungfräufichen 
Ehriftlihen Grund zu ehlichen / und ein Hertze und Willen in 
dem Chriſtlichen Grunde mit ihnen zu ſeyn / das alles huͤlfft 
nichts / ſie reiſſen ihre Schweſter/ als den Chriſten-NRamen von 
ihm / und behalten lieber Die befleckte Magd / deren die Wars 
heit hat ihre Schande auffgedecket mit ihrem Huren-kinde bey 
ſich / als daß fie ſehen / wie ihrer Schweſter Schande zu helffen 
ſey / das ſie in Ehe ſtand Chriſti komme. 

16. Sie dencken wann ſie nur ihre Meynungen mit Gewalt 
koͤnnen wieder zu ſich reiſſen und erhalten / und ob gleich die Hu⸗ 
rercy in der Meynung entbloͤſſet iſt / daß ſie geſchwaͤchet und ge⸗ 
ſchaͤndet iſt / noch wollen ſie ihre Dina fuͤr eine Jungfrau geach⸗ 
tet haben: und ob gleich ihre Schande der Hurerey am Tage⸗ 
licht ſtehet / ſo wollen ſie doch dieſelbe mit Mord und Schwerd 
erhalten / wie fuͤr Augen iſt / und die jetzigen Streite anders 
nichts inhalten / als das offenbahr worden iſt / daß Dina iſt zur 
Hure worden / als die Titul⸗Chriſtenheit die vor GOtt nur Hu⸗ 
rerey treibet / und ihr jungfraͤuliche Zucht und Reinigkeit ihres 
Gewiſſens verlohren hat; ſo ſtreiten jetzo die Bruͤder dieſer Di⸗ 
naͤ um fie / wollen ihre Ehre mit Schwerd nnd morden erhalten? 
und alle dieſe ermorden / welche ihre Dinam ſchaͤnden. 

17. Dieſe Dina iſt anjetzo anders nichts / als die ſteinerne Kir⸗ 
chen und groſſen Pallafishaufer ihrer Diener / da man den Nas 
men Chriſti innen fuͤhret / und aber dadurch nichts als eigen 
Ehre / Wolluſt und fette Tage ſuchet / wie man vor der Welt 
mag geehret werden. 

18. Denn der rechte Apoſtoliſche Tempel / iſt der Tempel 
SESU Chriſti / als der neue Menſch / der in Gerechtigkeit 
und Reinigkeit vor GOtt lebet / welcher in Demuth und der 

Ina 


F — 9 


592 Wie Dina ſey von Hemors Cap. 62 


Einfalt Chriſti wandelt / und deſſen Diener ſeynd dieſe / welche 
den Frieden in der Liebe Jeſu Chriſti verkuͤndigen / welche dahin 
arbeiten / daß die gefehwächte Dina nit Sichem gechligt werde/ 
und dag Hemor und Sichem mifihren Maͤnnern auch Chriſten 
werden / welche das Schwerd in der Scheiden laſſen / und lehren 
mit dem ſanfftmuͤhtigen Geiſte JESU Chriſti / und zeigen an 
vor das Mord⸗ſchwerd den Geiſt der Reinigung / wie dieſe ges 
ſchwaͤchte Dina möge wieder zu Chriſtlichen Ehren kommen / 
und ihrem Bräutigam vermaͤhlet werden. 

29. Siehe du Ehriftenheit :Diefes hatdir der Geift 
in der Figur bey den 12. Ertzvaͤttern dargeſtellet und ge: 
deutet] daß du folches thun wuͤrdeſt / nicht daß dur es thun 
ſolleſt: Wiewohl diefer Streit kommen muſte / auff 
daß die wahren Kinder Chriſti geuͤbet und offenbahr 
wuͤrden / ſonſt ſo kein Streit entſtanden waͤre unter den 
Chriſten / fo hätten ſich alle gottloſe Menſchen vor Chri⸗ 

en koͤnnen darſtellen / aber der Streit machet ſie offen⸗ 
yahr / daß dem Maul-⸗Chriſten fein falſcher Grund un: 
ter Augen geſtellet / und er von den wahren Kindern 
Chriſti entſchieden wird / welches auch wird ein Zeugnuͤß 
am Juͤngſten Gerichte uͤber ſie ſeyn. 

20. Das wahre Chriſtenthum eines Menſchen ſtehet in dem 
inwendigen Grunde der Seelen im Grunde des Menſchen / nicht 
in die ſer Welt Gepraͤnge und Weſen / ſondern in der Krafft der 
Wolthaͤtigkeit im Geiſt und Gewiſſen. 

21. Der Streit damit ein wahrer Chriſt ſtreitet / iſt allein 
der Geiſt der Gerechtigkeit / welcher die Falſchheit im Fleiſche 
und Blute von ſich abwirfft / und alles gerne leidet und duldet 
um Chriſti willen / der in ihm wohnet / auff daß er nicht ihm ſel⸗ 
ber lebe / und gefalle / und ein Wolgefallen an ſich ſelber habe / 
und mit dem irrdiſchen Lucifer prange / ſondern daß er GOtt ſei⸗ 
nem Schoͤpffer in Chriſto IESU gefalle. 

22. Er hat um nichts in dieſer Welt zu ſtreiten / denn es iſt 
auch nichts ſein eigen: Denn er iſt in Chriſto nicht von dieſer 
Welt / ſondern wie die Schrifft ſaget / Unſer Wandel iſt im 
Himmel; Alles darum und damit er ſtreitet / das ſtreitet er um 
den irrdiſchen wolluͤſtigen fleiſchlichen Lucifer im ſterblichen 
Fleiſch und Blute: Dan Chriſtus ſagte / ſein Reich waͤre nicht 
von dieſer Welt / alſo iſt auch eines Chriſten Reich / ſo vieler 

ein 


m. & — 


Cap. 62. Sohn gefchändet worden / ꝛc. 593 


ein Chriſt iſt / nicht von diefer Welt/fondern in Chriſto InGDff, 

23. Darum / fo iſt aller Chriſten Streit nur um die Dina/ 
als um die fleiſchliche Hurerey: Einem Chriſten gebuͤhret ana 
ders nichts /als nur im Geifte und Krafft zu ſtreiten /widerden 
Weeg der Ungerechtigkeit und Falfchheit. 

24. Der äuffere Krieg dehn die Chriften führen/ift heydniſch / 
und gefihicht um des thierifchen ſterblichen Menſchens willen z 
denn die Ilnfterbligkeit kan man sicht mit Schwerd und Gewalt 
erhalten oder erlangen / fondern mit Gebette und Eingehen in 
Die GOttes-Furcht: Aber der irrdifche Lucifer ſtreitet um den 
Bauch / und um Weltliche Ehreumd Wolluſt / in welchen Fein 
Chriſt iſt / fondern ift nur die geſchwaͤchte Dina/ da man um ſtei⸗ 
nerne Haͤuſer und zeitliche Güter Erieget/und Damit an Tag gie⸗ 
bet / daß die geiftlihe Sungfraufchafft im Geifte Chriſti iſt zu 
einer Hure worden / welche um das Reiche dieſer Welt buhlet. 

25. Höret ihr alle, die ihr euch Apoftel Chriſti nennet / hat 
euch Chriſtus zum Kriege und Streit geſandt / daß ihr ſolt um 
zeitliche Guͤter / und äufferlihe Macht und Herzligkeit ſtreiten? 
iſt das euer Gewalt (Joh. 20.) da er euch des Geiſtes Schwerd 
gab / befahl er euch das? Hat er euch nicht geſandt feinen Frieden 
zu verkuͤndigen / dehn er uns bracht hat? Was wird er zu euch ſa⸗ 
gen/ wenn er wird ſehen / daß euer Apoſtoliſch Hertz hat einen 
Harniſch angezogen / und dag ihr euere Weltliche Könige und 
Fuͤrſten habet zum Schwerd und Kriege gereiget / und habetihe 
nen dasauschriftlicher Freyheit vergönnet/wird er auch euch in 
feinem Dienfte alfo finden? Thut ihr das als Chrifti Jünger ? 

26. Seydihr nicht Apofteldes Zorns GOttes worden ? Wo 
wollet ihr mit eurer Schande hin ? Sehet ihr nicht / daß ihr ſeyd 
an Ehrifto / der euch den Frieden Ichrete / zu meineydigen Hu⸗ 
ten worden ? Wo ift eure Chriftliche Jungfrauſchafft? Habe 
ihr Die nicht mit Dina in weltlicher Wolluſt verprange ? Was 
wird Chriftus zu euch fagen / wenn er wird wiederkommen / wels 
cher auff Erden nicht hatte / da er fein Haubt hinlegte / wenn er 


‚ wird euern Pracht und Herzligkeit in ſolchen Pallaft-häufern 


fehen / welche ihr habet in feinem Namen auffgebauet / darum 
ihr auff Erden habt Kriege geführet ? 

27. Wen habt ihr umden Tempel JESU Chriftigeftrita 
ten? Habet ihr nicht allegeit um euere Dallaft-häufer / und um 
euer eigen Geſetze gefiritten / Darinnen ihr habt in Meynungen 
gelebet / und um die Meynungen difputiree * Was darf Chris 
ſtus derer ? Chriſtus beut ſich feinen Kindern lebendig ſelbſtaͤndig 

dar 


394 Wie Dina ſey von Hemors Cap 62 


dar / daß er wil in ihnen wohnen / und wil ihnen ſein Fleiſch zu 
einer Speiſe geben / und ſein Blut zu einem Tranck / was darff 
er Meynungen / daß man um ihn ſtreite / wo und wie er ſey? 

28. Wenn ich einen rechten Chriſten ſehe / ſo verſtehe ich daß 
Chriſtus allda innen wohnet und iſt / was machet ihr denn mit 
euren aͤuſſerlichen Gottes-dienſten? Warum dienet ihr ihme 
nicht in euren Hertzen und Gewiſſen / ſo er doch in euch gegen⸗ 
waͤrtig iſt / und nicht im Gepraͤnge aͤuſſerlicher Dinge: Ihr habt 
des heiligen Geiſtes Schwerd zu rechte / mit dem ſolt ihr ftrei= 
ten / brauchet euch der rechten Apoftolifchen Kirchen Gewalt / 
und nicht des Schwerds der Hände. 

29. Der Bann ift euer Schwerd; Jedoch dag erin Krafft 
des heiligen Geiftes im Goͤttlichen Eyfer geführet werde wider 
den Gottlofen/ und nicht dahin gerichtet ſey Menfihen Tandt 
Damit zu beſchuͤtzen / daß man muͤſſe eure Geiſtliche Hurerey in 
Meynungen eine zuͤchtige Jungfrau heiſſen / wie ihn die Baby⸗ 
loniſche Kirche lange Zeit nur zu ſolchen Gewalt gebrauchet hat. 

30. Alle aͤuſſerliche Ceremonien ohne den inwendigen Grund / 
das iſt / ohne Chriſti Geiſt und Mitwuͤrckung / iſt eine Hurerey 
vor GOtt / daß ſich ein Menſch ohn den Mitler Chriſtum wil 
zu GOtt nahen: Dan Niemand Fan Chriſto dienen als ein 
Chriſt / dag Ehrifti Geift felber im Dienftemitwürdker: Wie 
wilaber diefer Chriſto dienen / der in einer Handt den Kelch Chri⸗ 
fi traͤget und in der andern Hand das Schwerdder eigenen 
Rache? Ehriftus foll bey den Chriſten durch feinen Geift die 
Sünde tilgen] und nicht des Vatters Feuersfhwerd im Ge⸗ 
feße der ſtrengen Gerechtigkeit. 


31. D ihr Kinder gevt und Simeon / der Geiſt hat von euch 


an Jacobs Ende gedeutet/ dag eure Schwerder mördliche Ach» 
ten feynd / daß Ehriftus nicht in eurem Rath fey / wie Jacob 
fagte: Meine Seele] das ift / ver Bund und die Genade Chriſti 
fey nicht in euren Kirchen/ noch in euren Rath. Ließ nur daffelbe 
( Gen. 49. ) da der Raͤth der Pharifter undder Schrifft-gelehr= 
ten / welche fich ohne Göttlihen Ruff zu Hirten einfegen / damit 
angedeutet wird. 

32. Alle geiftliche Hurerey komt daher / dag Ehrifti Diener 
weltlichen Gewalt befigen/ fo heuchelt einer dem andern / der Ge⸗ 
ringere auffer dem Gewalt heuchelt dem Gewaltigen / auff dager 
ihn auch erhebe / und zu Ehren und fetten Tagen bringe / damit 
faͤllet der Eyfer⸗Geiſt / und wird die Wahrheit in Luͤgen verwan⸗ 
delt / und dem Eyfer⸗Geiſt der Mund mit der Gewalt geſtopffet / 
und ein Menſch an Gottes ſtatt geehret. 33. Dieſe 


Cap.6ꝛ. Sohn gefchändet worden / ꝛc. 595 


33. Diele Hiftoria/wie Simeon und Levi find in die Stadt ge⸗ 

gangen zu Hemor und ſeinen Kindern / und haben in dieſer Stadt 
alles erwürget / was männlich geweſen iſt / iſt gar wohl zuver⸗ 
ſtehen / daß es eine Figur ſey / mit dehr der Geiſt deutet / daß es 
in der Figur auff die kuͤnfftige Zeit geweiſet / und alſo ſey be⸗ 
ſchrieben worden / als eine Figur. 
34. Auch lautet die Hiſtoria / daß ſich Hemor ſambt feinem 
Sohne Sichem / und der gansen Stadt / alles was männlich 
geweſen iſt / habe laſſen beſchneiden / und waͤren Juden worden / 
und Hätten fie dieſe 2. Brüder Simson und Levi erft hernach er= 
mordet / welches wahrlich eine ſchwere Figur iſt im Verſtand / 
da die Vernunfft dencket / obs auch alfo gefchehen fey I dag =. 
Manneine gantze Stadt ermordet hatten? Weil es aber cine 
Sigurift /undift eben von Simeon und Levi geſchehen / als von 
dem Stamm und Wurtzel des Levitiſchen Prieſterthums / und 
deutet auff die zukünfftige Ehriftenheit / fo ift diefes darunter 
zuverjichen. 

35. Diefe 2. Brüder willigten von che darein / dag fü ft fie fi 
würden laffen beſchneiden / und ihre Gefege annehmen / daß fie 
ihnen wolten ihre Scywefter geben / uud hernach als es gefchahe/ 
fo erwürgeten fie diealle / die Unſchuldigen mitden Schuldigen: 
Dieſes iſt eben das / was Ehriftus zu den Pharifeern ſagte: 
Wehe euch Pharifter / ihr umziehet Sande und Waſſer / zu 

machen einen Juden- genoffen / und wenn ers wordenift/ je 
ai ihr ein Kind der Höllen aus ihm / gweyfältig mehr als 
ihr ſeyd. 

30. Alfo auch von den Chriftlihen Leviten zu fagen wäre) 
das fie Voͤlcker bereden/ daß fie fich tauffen laſſen / und ſich 
‚ Chriften nennen / und wenn das gefhehenift/ fo ſtecken ſte das 
Mord-fchwerd in ihre Hertzen / dag fie lernen andere Voͤlcker / 
welche nr ihres Ramens und Meynung ſind / mit Worten 
ermorden / fie verſluchen und verdammen / und geben alle Urs 
ſache / dag ein Bruderden andern verfolget / läftert / verdam⸗ 

*met / undihmfeind und gram wird / und verfichet doch nicht / 
warum. Das heiffetrecht / dieſer Levit hat mir feine Schweſter 
zum Weibe verheiſſen / daß ich bin ein Chriſt worden / und nun 
ermordet er mich mit falſcher Lehre / und nicht allein mich / ſon⸗ 
dern alle mein Geſchlechte / die ihme nur zuhören / und feine Laͤ⸗ 
ſterung für Göttlich annehmen / und ihme glauben daß es recht 
ſey / daß ein Menſch ſolle alfo das ander richten und verdam⸗ 
men / welches doch Chriſtus ernſtlich verbotten hat / und fich der 


Menſch 


b 


39€ Dina von Hemors Sohn geſchaͤndt. C.52 


Menſch dadurch nur ſelber richtet / ſiutemahl er ſelber thut / 
was er an andern richtet. 

37. Alſo wird das Mordſchwerd in viel unſchuldige Hertzen 
geſtochen / daß ſie durch die Leviten unſchuldig ermordet werden: 
Weil aber ver Simeon und Levi zuſammen genommen wird / 
und ſie auch Jacob / als er an ſeinem Ende von ihnen weiſſagete / 
zuſammen nimt / und heiſſet fie moͤrderiſche Schwerder / fo 
hats die Deutung / daß fie fie nicht allein mit dem Schwerde 
des Mundes wuͤrden ermorden / fonder fie würden fich auch in 
Weltliche Gewalt fegen /umd ſie umb der Wahrheit willen leib⸗ 
lich tödten / und würdens eben denen thun / welche auch unter 
der Befihneidung und unterm Evangelio wären / welche fie erſt⸗ 
lich yatten zur Beſchneidung oder zur Tauffe beredet. 

38. Wie es denn alſo unter den Ehriften ergangen iſt / daß 
man ſie hat erſtlich zur Tauffe beredet / hernach wenn ſie haben 
über eine Zeit ihre Greuel geſehen / daß ſte aͤrger als Heyden le⸗ 
ben / und ihnen nicht wollen inrallem Veyfall geben / fo iſt die 
Verfolgung mit Feuer und Mordſchwerden angangen / und 
haben ſte mit ihren unſchuldigen Kindern ermordet / beydes an 
Leibe und Seele / welches dieſe Figur beym Simeon und Levi 
gewaltig præßguriret / ſonſt ware das eine grobe Mordthat von 
Kindern der Heiligen / dag ſie wolten Leute zu ihrem Glauben 
bereden / und ihnen Treue zuſagen / und ſte unter ſolchem Schei⸗ 
ne hernach alle mit einander / den Unſchuldigen mit den Schul⸗ 
digen ermorden / und da ſie ſich doch haben alſo hoch vor ihme 
gedemuͤtiget. 

39. Darum ſoll man dem alten Teſtament / ſonderlich dem 
erſten Buch Moyſts / wohl in die Augen ſehen: dan es hanget 
der Deckel Moyſts dafuͤr / es iſt allezeit was mehrers unter dem 
Texte angedeutet: Wiewohl wir den Tert in einer Geſchichte 
wollen auch ſtehen laffen / und daran gang nicht zweifeln / wel⸗ 
ches GOtt bewuſt iſt / der cs alfo hat laffen aufzeichnen. 

40. Dan der Tert faget: Daß fie find in die Stadt einge— 
fallen / und alle Mannfchafft ermordet / und alle ihre Kinder 
und Weiber gefangen genommenn / und haben alles geplündert 
wasinihren Häufern iſt gewefen / welches / ob es wohl andeu⸗ 
ter / daß folches 2. Mann nicht hatten tuhn mögen / fo bezeuget 
doch Jacob felber / daß ihrer nichtmehr gewefen find; da cr zu 
Simeon und Levi fagte: Ihr habet mir Unglüde zugerichtet/ 
daß ich ſtincke für den Einwohnern diefes Sandes ; welches wohl 
recht in der Figur ſtehet dag das Mordſchwerd der “lee 

olche 


© wor 


E.63 Gott heiffer Jac. gen Bethel ziehen etc. 597 


ſolche Unruhe in der Welt anrichtet / daß die Chriſtenheit fuͤr 
Den boͤſen Mordtpracticken bey fremden Voͤlckern ſtincket / dag 
ſie ſagen: Waͤre das GOttes Volck / ſo waͤren ſie ja nicht ſolche 
Tyrannen / Schänder und Spoͤtter / und feinden fie umb deß⸗ 
willen auch an / und morden ſie als ein unruhig boͤſes Volck / das 
nur in der Religion zancket / und einander darum ermordet / ſo 
muß ja Feine Gewißheit bey ihnen ſeyn / und ihr Gottesdienſt 
falſchlſeyn / fagen ſie: Um welches willen die Gewaltigen Mor» 
genlander von ihnen gewichen find / und fich einer Schre der 
Bernunfft unterworffen/ wie an den Tuͤrcken zu fehen ift/ dehme 
ferner nachzufinnen ift. ä 


Das 63. Capittel. 


ie GHDtt Jacob von dannen habe heiffen ziehen) was 
fich allda begeben] und wie hernach Rahel Benjamin 
babe gebohren / und über der Gebuhrt fey geftorhen/ 
und wie Iſaac fey geitorben / und was darbey zuver⸗ 
ſtehen ſey. 


Uber das 35ſte Cap. Geneſ. 


x. 88 nun Simeon und Levi die Mordthat begangen 
hatten / ſprach GOtt zu Jacob : Mache dich auf 

und zeuch gen Bethel / und wohne daffelbit / und 

mache daſelbſt einen Altar / dem GOtt der die 

erfchien / Da du floheft vor deinem Bruder Sſau. 

Da ſprach Jacob zu feinem Haufe und zu allen die mit ihme 
waren: Thutvon euchdie fremden Götter / ſo unter euch) 
ſeynd / und reiniget euch / und ändert euere Rleider/ und 
laſſet uns aufffeyn und gen Bethel ziehen / daß ich daſelbſt 
einen Altar mache dem GOtt / der mich erhörer hat zur Zeit 
meines Trübfals / und iſt mit mir geweſen auff dem Weege 
dehn ich gezogen bin. Da gaben ſie ihm alle fremde Goͤtter die 
unter ihren Händen waren / und ihre Ohrenſpangen / und 
er vergrub fie unter eine Eiche / die neben Sichem ftundes 
Und fiezogen aus / und es kam die Surcht GOttes über die 
Städte die um fie her lagen / daß fie den Söhnen Jacob nicht 
nachjachten: Alfo kam Jacob gen Lußin Lande Canasan | 
die da Bethel heiſſet / ſamt alledem Dold das mitihme war) 
und bauer daſelbſt einen Altar / und hieß die Stätte *—9 
ar⸗ 





598 Wie Gott Jacob geheiſſen Cap 63. 


darum daß ihm Gott daſelbſt offen bahr ward / da er flohe fuͤr 
ſeinem Bruder. Dieſe Hiſtoria prafiguriret abermahl gewal⸗ 
tig die zukuͤnfftige Zeiten / wie es beydes mit Iſrael und auch 
mit der Chriſtenheit gehen wuͤrde: Dan als Levi und Simeon 
die Mordthat hatten begangen / und alle Mannſchafft zu Sichem 
erwuͤrget / auch alle Weiber und Kinder geſangen und alles ge⸗ 
pluͤndert / ſo fuͤrchtete ſich Jacob vor den Leuten des Landes / ſo 
hieß ihn GOtt von dannen ziehen gen Bethel / und einen Altar 
allda machen. 


Dieinnere Figur ſtehet alſo: 

2. Wenn die Menſchen / beydes die Juden und hernach die 
Chriſten wuͤrden in fleiſchlicher Hurerey und unzuͤchtigem Leben 
zunehmen und boͤſe werden / ſo wuͤrde GOttes Geiſt von ihnen 
weichen / alsdenn wuͤrden ſie eine geiſtliche Hurery und Abgoͤtte⸗ 
rey anfahen / und in den Meinungen irre werden / und würden 
einander in die Haar fallen / und je einer zum andern ſagen / er 
ſchaͤnde feine Schweſter Dinam / das iſt / feinen Gottes⸗dienſt / 
und wuͤrden uͤber einander fallen / und einander mit Krieg ermor⸗ 
den / toͤdten / pluͤndern und rauben / und ihre Laͤnder in Verwuͤſtung 
bringen und in Elendt; und alsdenn wenn ſte in ſolchem Elende 
und Truͤbſahl ſtecken wuͤrden / ſo wuͤrde ſte die Furcht und Schrec⸗ 
ken ankommen / wie allhie Jatob uͤber die Mordthat ſeiner Kinder / 
denn der HErr wuͤrde ihr boͤſes Gewiſſen rühren / und fie wieder 
zur Buſſe ruffen / wie er Jacob und ſeinen Kindern thaͤte / da er 
fie hieß von der Stätte dieſer Mord-that wegziehen / und hieß 
Jacob ihme / als dem HErrn einen Altar zu Bethel machen / 
das iſt / in der Niedrigkeit der GOttes-furcht. 

3. So deutet der Geiſt allhie / wie ihnen alsdenn GOtt wuͤrde 
wieder Propheten und Lehrer ſenden / die ſie wuͤrden von ihrer 
Abgoͤtterey und gottloſem Leben abmahnen / wie allhie Jacob 
die feinen vermahnete / fie folten die fremden Götter und die Hof⸗ 
farth der Ohren⸗Ringe von ihnen wegthun / und war fie dan 
alfo würden den Zorn des Heringefehen haben/ welcher ihr Sand 
verderbet/ und ihrer viclauffgefreffen um ihrer Hurerey / Hofs 
farth und Abgöttifchen Lebens willen / fo würden fie alsdenn den 
Propheten / welche fie darum ftraffeten/ folgen/ und ihre Goͤtzen / 
als Abgoͤtterey / für GOtt bringen und von ſich wegthun / und 
wuͤrden wieder den Tempel GOttes in ihnen ſuchen / fo würde 
GoOtt wieder feinen Altarinihnen aufbauen / und fie würden 
ihme wieder rechte Dpffer / als ihre Seele / auffopſſern / und 
wuͤr⸗ 


Cap.s 3. gen Bethel zu ziehen! :c. 599 


wuͤrden ihre Kleider / das iſt / ihre Hertzen reinigen / wie Jacob 
allhie ſeinem Volck befahl / ſolches wuͤrden auch die Propheten 
und bey den Chriſten die rechte Apoſtel und Lehrer befehlen. 

4. Und ſehen allhier weiter eine gewaltige Figur / wie Jacob 
habe ihre Goͤtzen und Ohrenſpangen genommen / und bey Sichem / 
da die Mord⸗that geſchahe / unter eine Eiche begraben. O du 
groſſer wunderlicher GOtt! was deutet das an? Anders nichts / 
als daß dieſe ihre Irrung und Abgoͤtterey ſambt ihren Kriegen 
und Streiten ſolten alſo eine zeitlang im Zorne GOttes vergra⸗ 
ben liegen. 

5. Und weil der Geiſt eine Eiche andeutet / darunter dieſe 
Goͤtzen und Hoffarth ſey hinbegraben worden / fo iſt uns die Fi⸗ 
gur klar: Denn eine Eiche iſt magnetiſcher anziehender Art / 
und machet zaͤhe und hardte in ihrer Eigenſchafft / darzu ſchwartz / 
tunckel und finſter. Dieſes deutet nun an / daß die vorige Ab⸗ 
goͤtterey / Suͤnden und Laſter / welche ſie getrieben haben / wer⸗ 
den allda im Hunger-grimm des Zorns GOttes in Turba 
magna, alsunterder grofjen Eiche im Spiritu Mundi, als im 
verborgenen Myfterio eine zeitlangftille fichen. 3 

6. Und was ſie denn wuͤrden auffs neue fündigen / Das würde 
dieſe magnetiſche Eiche alles zus fich ziehen / und zudem Schage 
Der vorigen Abgötterey und Hoffarth bringen / big dag derfelbe 
groß werde / und ihn die Erde unter der Eichenicht werde mehr 
bedecken können / fo werde diefeihre alte und neue Hurerey und 
Abgötterey mit einander vor dem Zorne und Gerichte GOttes 
blog werden / undihr Maaß vollfeyn. 

7. Und würden fievor diefen Greueln vor GOtt ſtincken / umd 
welches willen der Geiſt GOttes fuͤr ihnen wuͤrde ſein Antlitz 
verbergen / und ihnen den Leuchter ſeines Angeſichts wegneh⸗ 
men / daß ſie wuͤrden in eitel Irrthuͤmen lauffen / und wieder auff 
den Weeg ſolcher Hurerey tretten / und dieſelbe mit ihrem boͤſen 
Eyfer uͤber Dina ihre Schweſter / welche doch eine geſchaͤndete 
Hure iſt / mit Morden und Rauben vertretten. 

8. Wie denn ſolches bey den Juden und Chriſten alſo geſchehen 

iſt / daß ſte hernach im Eyſer ihrer Abgoͤtterey und Hurerey ha⸗ 
ben die von GOtt geſandte Propheten und Diener JEſu Chriſti 
ermordet und getoͤdtet / daß ſie nur haben mögen in ihrer Hoffarth 
und Sodomitiſchen Hurerey leben / biß fie GOtt hat alſo in ihrer 
Hertzen verkehrten Sinn gegeben / daß ſie gantz boͤſe vor ihm 
worden ſind / ſo iſt das Maaß voll geweſen / und die greuliche 

Straffe erfolget / wie an den verſtoſſenen Juden / welche | 
ol⸗ 


‚600 ir Gott Jacob geheiffen Cap.63. 


ſolcher Greuel willen find von ihrem Sand und Königreich ver— 
trieben worden / fo wohl auch bey den Ehriften / welche in ven 
Morgenländern Die befte Chriſten gemefen / und jego den Alco⸗ 
ran an Ehrifti ſtatt haben muͤſſen / undihre Sünder greulich zu⸗ 
vor im Zorne verwuͤſtet worden / zu ſehen iſt. 

9. Alſo gehet es auch jetzt dir / du ſtreitende Babylon und 
Titul⸗Chriſtenheit voller Abgoͤtterey und Ohren-ſpangen der 
Hoffarth / welche eine lange Zeit ſeynd unter der Eichen gelegen / 
und der Magnet derſelben Eiche hat alle deine Greuel / Abgoͤtte⸗ 
rey und hoffaͤrtiges boͤſes Leben an ſich gezogen / daß ſie die Erde 
nicht mehr bedecken kan / und jetzo bloß vor GOttes Angeſichte 
ſtehet / darumb auch dein Gericht vorhanden und nahe iſt. 

20. DiePropheten ruffen dir / und ſtraffen dich / aber du raſeſt 
umb deine Schweſter Dina’ als umb dein erbauetes fleiſchliches 
Reich voller Hoffarth / Abgoͤtterey und fleiſchlicher Liebe / und 
mordeſt deine Brüder umb deiner Schweſter Hurerey willen/ 
als umb der Phariſeiſchen Hurerey willen / und ſieheſt nicht wie 
du ſollſt deiner Schweſter Hurerey helffen / daß ſte in Eheſtand 
kaͤme / und zeuchſt nur deine Schweſter mit ihrem Huren-Einde / 
welche doch vor GOtt und aller Welt in Schanden ſtehet / wieder 
zu dir / und wilſt man ſoll ſie Jungfrau heiſſen. Gaͤbeſt du fie 
Sichem zum Weibe / und lieſſeſt ihn ſich beſchneiden / und lebteſt 
mit in Frieden / ſo wuͤrde deiner Schweſter Hurerey zu⸗ 
gedecket. 

zz. Aber dein Brimm) O HErr [der machts daß es 
alſo gehet / denn der Miſſethat iſt zu viel / und die Erde 
kan ſie unter der Eiche im Spiritu Mundi nicht mehr be— 
decken] fie fteher vor deinem Angefichte bloß : Darumb 
fliehet ihr weiſe Kinder aus —— ihr Untergang 
and ernſtes Gerichte iſt herbey kommen / das Magß iſt 
voll / der Zorn brennet an / die Sünde hat den Verſtand 
getoͤdtet / daß fie der Verſtand nicht mehr ſiehet / und 
dieſe Kinder daran blind ſind / und immerdar ſagen: 
Hie guͤldene Zeit / es wird gut werden / und uns nicht alſo 
gehen: Deine Propheten ſind fuͤr Thoren und unſinnig 
in dir geachtet / biß dir geſchehe / und du dir ſelber thueſt / 
was ſie dir geſagct haben. J 

12. Siehe doch nur und laß abe umb die Hure zu kriegen / daß 
dir der HErr mit Jacob ruffe / und Dich wieder zu deinem — 

Alta 


Sap.sz: gen Bethel zu ziehen! etc. sor 


Altar in Ehrifto JEſu führe. Thue weg die Goͤtzen / als die 
Meynungen / und bauedein Herk zum Altar im Tempel IEfir 
Chriſti / ſo wirftu von dem Morden weggeführet werden / und 
| wird die Furcht GOttes über die Männer kommen / welche 
‚dir wollen nachjagen / wie beym Jacob zu ſehen iſt. Wirſt dıe 
aber nicht ablaffen umb die Hure zu Eriegen /fo wirft du mit 
ſambt der Huren zu ſchanden und verwuͤſtet werden. 

13. Lerne fie doch nur Eennen/fie giebet Sichem Urfach zu 
Buhlſchafft / denn ſie lauffet aus ihrem Harfe / und ſuchet Buh 
ler: Siehe nur ihre Hoffarth an / reiß ihr die Ohren⸗ſpangen 
vom Halſe damit fie pranget / fo wird ſie nicht mehr alſo ſtoltzi⸗ 
ren: Fordere ihre Abgoͤtter von ihr / vergrabe ſte mit Jacob: 
Baue ſelber den Altar in dir / und fuͤhre deine Kinder zum Opffer; 
heiß ſie nicht umb Dina ſtreiten / ſondern laß Dina den Mann 
nehmen der ſie beſchlaffen hat / oder wirſt vergeblich umb ihre 
Jungfrauſchafft kriegen / denn es iſt offenbahr allen Voͤle⸗ 


kern / daß ſie gehuret hat. 

14. Mercke was dir geſaget iſt / es iſtZeit / ihre Schan⸗ 
de kan nicht mehr zugedecket werden / denn ſie hat das 
Hurenkind gebohren: Sieheſt du das nicht / und ken⸗ 
neſt du die Hure mit dem Kinde nicht / fo biſt du blind. 

15. Sie ſitzet in hohen Ehren der Menſchen / undgruͤſſet ſich 
felber ; dieſe iſts mit der du buhleſt / und verlaͤſſeſt denen GOtt 
und ſeinen Altar IEſum Chriſtum in dir. Erbarme dich doch 
nur über dich felber / und befiche dein Elend / wie dir iſt die Hure 
an ftattdes Altars GOttes in deine Seele gefeffen/ und hat dir 
Leib und Seele eingenommen /undreutjet auff dir / als auff ih⸗ 
rem Thier / ſie führet dich an ihrem Seile / und du ſteheſts nicht / 
du fageft esfey recht alfo. O du böfesThier voller Hoffarth deiner 
Huren ! wie wird dich ver HErr mit ſambt der Huren zu Boden 
werffen/wieinder Offenbahrung zu ſehen iſt 

16. Eine treffliche ſchoͤne Figur deutet der Geiſt allhie weiter 
an / wie ſich GOtt habe dem Jacob offenhahret / nachdem er den 
Altar zu Bethel hatte gemachet / und die Staͤtte EL Bethel / als 
eine engliſche Wohnung geheiſſen/ da GOtt in Engels Geſtalt 
mit Jacob umbgieng / wie es die hohe Zunge giebet / wie GOtt in 
Engels Geſtalt mit ihm im Geſichte geredet / als in der Engels⸗ 
Geſtalt der zukuͤnfftigen Menſchheit Chriſti / und ihme ange— 
deutet / wie er nicht mehr Jgcob / fondern Iſrael / das iſt ein groſ⸗ 
fer Baum oder Hauffe Völker heiſ en ſolte / den GOtt ge⸗ 

c guck 





3 


602 Wie Gott Jacob geheiffen —— 


ſeegnet hatte / daß er alle dieſe Lande ſolle beſitzen / und ſolle alſo 
groß werden / daß auch Könige ſollen von feinen genden kommen / 
da er auff das kuͤnfftige Koͤnigreich Iſrael und Chriſti deutete / 
wie es gehen ſollte. | 

17. Undalsver HErrmit Jacob geredet hatte/fnrichtete JZas 
cod andemfelben Orthe ein fteinern Mahlauff/ welches andeurct 
den Tempel Chrifti / fo wohlauch den Tempel zu Serufalem im 
Fuͤrbilde Ehrifti/ fo wohl die Chriftlichen Kirchen bey den Chris 
Teen /wieman vondem Worte des HErin werde einen Orth und 
Mahl aufbauen /daman zuſammen Eommen werde/ die ABune 
der des groſſen Gottes zu verkündigen) und ihn allda anguruffen/ 
und das Tranck⸗opffer des Gebeths allda auffzuopfferm. 

18. Und der Geiſt ſaget weiter: Alſo fuhr GOtt auff von 
ihme / da er mit ihme geredet hatte / das iſt / als er ihme war in 
ſichtbahrer Geſtalt im Bilde Chriſti erſchienen / ſo verbarg er 
ſich wieder in den koͤniglichen Orth / davon er ſich wolte hernach in 
feinem Samen in dieſer Figur in der Menſchheit offenbahren 
und fichtbar machen. 

19. Und Jacob hieß die StätteBethel/als eine Erniedrigung 
der Gottheit indie Menfchheit/da der Göttliche Altar offenbahr 
worden / da man GOtt Lob opffert: So deutet der Geift beym 
Jacob von dieſem Bethel auff das zukuͤnfftige Bethlehem / da 
Ehriftus ſollte Menſch gebohren werden / wie dann dieſe Stätte 
Bethel trefflich viel bey den Altvaͤttern angezogen wird / welches 
alles auff das zukuͤnfftige Bethlehem deutet / da der rechte Altar 
Chriſtus follte gebauet und auffgerichtet werden/ auff welchem 
Jacob und feine Bätter und feine Kinder hatten im Glauben 
und Fürbilde geopfert ; Und unterdeffen fuhr GVtt in ficht> 
bahrem Bilde von ihnen auff/big auff die beſtimte Zeit / daß diefer 
Altar zu Bethlehem auffgerichtet ward mit der Gebuhrt Chriſti. 

20. Und der Geift im Moyſe redet alsbalde gan tunckel in 
dieſer Figur darauf und ſpricht: Und fie zogen von Bethel / 
da er dann den Aufzug aus der Figur Chrifti andeutet / daß 
man wuͤrde von diefer Figur aufgehen zur Gebuhrt Chriſti / und 
ſpricht: Da noch ein Feldweeges war gen Sphrath / da gebahr 
Rahel / und es kam ſie hart an über der Gebuhrt. 

21. Diefesgeldmwerges deutet an die Zeit fo noch zwifchen dem 
Altar Epriftifey/als sinSeldweeges war Adam vom Altar GOt⸗ 
tes aufigangen/ das ift / aus der geiftlichen Welt in die irrdiſche / 
da es Rahel / als die menfhliche Natur nun hart ankomt wieder 
den Ertzvatter Benjamin / das iſt / einen Chriſten zu a 

a 


‚Caps. gen Bethelzuzichense! 603 


dag auch deralte Adam indiefer Gebuhrt muß fterben und une 
ergehen / wie Rahel ftarb als ſit den Benjamin gebahr. 

22. Welcher Benjamin andeutet / dag / wann wir GOttes 
Altar in uns auffrichten/ Chriſtus in uns wohnet/ alsdann 
fo wird Benjamin / das iſt / unfer legter Menſch gebohren / fo 
ftirbet die alte Mutter / welche das Reich der Natur bat am 
Menſchen gebohren / und wird ver neue geiftlihe Menſch of> 
fenbapr. 

23. Diefer Benjamin wird erft gebohren nach dem Außzuge 
Jacobs aus Mefopotamia/ als der Geift hatte die Figur beyan 
Eſau und Jacob in ihrer Zufammenkunfft von Chrifti Leyden 
amd Uberwindung perfiguriret/ und war eine Figur des Apoftels 
Matthiz/ welcher erft nach Chriſti Himmelfahrt und Vollen—⸗ 
dung feines Leydens zumXpoftelgemwehler ward an Judas ſtaͤtte. 

24. Auch iſts die Figur / wie der Menſch muͤſſe vonche in 
Chrifti Leyden und Tod eingehen / und das der Altar Chriftus 
mäffe vonche inihme auffgerichtet werden / che vie menfehliche 
Natur aus Chrifto gelohren werde 2 Dann Zudas muß fich 
porsche in feiner Falſchheit und VBerrätherey imalten Adam mie 
Reue uͤber die begangene Sünde erhenden /undanfeinem Bera 
mögen verzagen umd fterben / alsdenn wird erft Benjamin / als 
die neue Ereatur in Chrifti Geifte gebohren / und Matthias/als 
per erfte gefihaffene Adam zum Apoftelerwehler. 

25. Dann Matthias war fhon vor Chrifti Seyden gebohren / 
und war bey Ehrifto /aber er ward erft ein Apoftel als Chriſtus 
in ihme war der Sünden abgeftorben / und fich Judas erhencket 
hatte: Alfoift auch der Adamiſche Menſch / welcher ſoll ein Apoſtel 
oder Chriſt werden / ſchon vorhin gebohren / ehe Chriſtus in ihme 
leidet; Aber Chriſtus muß vonehe in ihme vom Tode auffer⸗ 
ſtehen / und muß ſich Judas / als der Schlangen Wille / ponehe 
im Tode Chriſti ſeines boͤſen Willens erhencken und ſterben / 
alsdann wird erſt Adams Menſch ein Chriſt; nicht der hiſtoris 
ſche Menſch durch eine zugerechnete Genade / da Judas unter 
Chriſti Purpur⸗mantel noch lebet / iſt ein Chriſt / wie Babel von 
ihrer Tochter Dinz Jungfrauſchafft alſo fein unter der Dede 
fpielet / daß das fchöne Töchterlein mag ihre Hurerey freibenz 
amd bey ihrem Buhlen dem Sudas fein fanffte fchlaffen / und der 
Buhlſchafft pflegen. 

26. Groſſe Dinge find in diefem Terte prxfiguriret / dann der 
Text ſaget: Da esihr aber fauer ward über der Gebuhrt Ben⸗ 
jamins/ fprach die a zu ihr ; Fuͤrchte dich nicht / 

c2 dann 


oh Wie Got Facobgeheiffen Cap.az. 


dann diefen Sohn wirft du auch haben. Da ihr aber die 
Seele außgteng daß fie fterben muſte / hieß fieihn Benont: 
Das iſt: Sie ſahe auff den inwendigen Grund / auff die neue Ge⸗ 
buhrt / was er in Chriſto ſeyn wuͤrde / und achtet des Namens der 
auffern Creatur nicht. 

27. Dañ Benont iftein gantz geiftlicher Name auff englifce 
Arth / dann Nie ſprach im Geiſte / als fie die Wehemutter daruͤber 
troͤſtete / fie würde dieſen auch haben: Ich habe ihn nicht mehr 
in der Welt / das aufferevergehet ; und deutet auff ven engli> 
ſchen neuen Namen ; aber fein Batter hieß ihn Benjamin / als 
mit der Belt Naine /daf er follte ſtehen wie ein Chriſt müffe 
unterm Creutz Chriſti in Schmertzen gebohren werden / dahin 
auch feine Mutter ſahe / als wolte fie fagen: Durch Schmertzen 
kommen wir ans Leben / als meines Schmertzens Sohn. 

28. So ſaget der Geift : Alſo ſtarb Raͤhel / und ward be⸗ 
graben an dem Weege gen Ephrat/ die nun heiſſet Betlehem: 
Und Jacob richtete ein Mahl auff uͤber ihrem Grab / daſſelbe 
iſt das Grabmahl Rahel biß auff dieſen Tag. Diefes ifteine 
heimliche Figur / daß Nahelfey ander Stätte geftorben und be> 
graben worden ; und deutet an/ daß fie allda durch die Gebuhrt 
Chriſti folle aufffichen I denn Ehriftus follte allda gebohren 
werdet: 

29. Auch deutets an / daß / wenn wir würden gen Bethlehem 
zur Gebuhrt Chriſti fliehen / ſo wuͤrde Benjamin / als der neue 
geiſtliche Menſch aus Rahel / als aus der Mutter des alten Ada⸗ 
miſchen Menſchen im Geiſte Chriſti gebohren werden : Un» 
alsbald würde die Mutter ihr Gebuhrt⸗Recht dem Beifte Chris 
ſti übergeben / und ihres Natur-Rechts fierben ; da alsdenn 
würde die geiftliche ewige Gebuhrt anheben /und Eva unterge⸗ 
ben: Denn allda richtet Jacob das Grabmahl auff / und ſpricht 
der Geift : Es ift Das Grabmahl big auff den heufigen Zag / 
anzudeuten / daß esauff das Künfftige deute / und daß diß Grab: 
mahl ſollte bleiben / und Chriſtus allda gebohren werden / da Ra⸗ 
hel ſey geſtorben. 


30. Wir ſehen in dieſer Hiſtoria der Geſchichte Jacobs klar / 


daß der Geiſt mit dieſer Auffzeichnung eine Figur habe / darun⸗ 

ter er deutet. Den Rahel war mit Benjamin Hoch ſchwanger als 
Jacob von Laban zog / als fie auff den Goͤtzen ſaß / da ſte ihr Bat» 

ter ſuchete / ſagte ſie / es gehet mir nach der Weiber Weiſe / ich 

kan nicht vor dir auffſtehen. Nun ſaget aber der Text / wie Ja⸗ 

cob ergt habe feine Huͤtten vor Sichem auffgeſchlagen und I 

gewoh⸗ 


Cap.sz. gen Berhel gu ziehen / etc. Sog 


gewohnet / und hernach ſey er erft gen Bethel gezogen / fo habe 
Be. gebohren / daß es ſcheinet zu ſeyn / als rede der Geiſt gang 
in der Figur / denn die Geſchichte gehen alle ganz ordentlich in 
der Figur Chriſti einander nach / wie ſichs mit Chriſto hat zuge⸗ 
tragen / darauff wehl zu ———— 

32. Ferner ſaget der Geiſt Moyſis: Und Iſrael zog aus / 
und richtete eine eHuͤtte uff jenfeit dem Thurn £der ;und 
es begab fich da Iſrael im Sande wohnete / gieng Ruben hin / 
und ſchlieff dey Bilha ſeines Vatters Kebs⸗ weibe / und das kam 
vor Iſrael. Welch eine Figur iſt dieſes / die wohl tieff verborgen 
iſt —* die Umbſtaͤnde machen fie ſonnenklar. 

Iſrael ift jenfeit des Babylonifchen groffen Thurns ge> 
are und hat allda bey denfelben Kindern gewohnet / welches 
wohl mag ein ziemlicher Weeg von Ephrath Bethlehem feyn ges 
weſen / aber der Geift hat allyie feine Figur / darunter er deutet: 
Das iſt / als Jacob die frembde Goͤtzen hatte von feinem Bold ge> 
than / und ſte ſambt ihren Hhrenfpangen vergraben / und den Als 
far des HErrn gebauet / und fi zu GOtt gewendet / und fie in 
Ruhe faffen / fo hat fich der natürliche fleiſchliche Menſch wieder 
zur Luſt der Kinder Babel gewendet / wie denn der Tert füget : 

33. Jacob fey dahin gezogen / und habe allda gewohnet / ſo habe 
ih Ruden zu feines Vatters Kebsweibe geleget / als zu Biiha / 
Rahels Magd/der Mutter Dan und Naphthali/und eine Blut⸗ 
ſchande begangen / welche aͤrger war / als die mit Sichem und 
Dina: Aber der Geiſt hat alſo mit dieſer Geſchichte eine Figur 
dargeſtellet auff das Zukuͤnfftige / wie cs gehen würde / wie ſich 
Iſrael wuͤrde von Goͤttlicher Ordnung abwenden vom Altar ih⸗ 
zes GOttes / und ihres Vatters Gottesdienſt in natürliche 
Hurerey vermifchen / als in die heydnifche Gögen=opffer / wie 
beym Jerobeam zu fehen if; und deutet der Geift darmit an/ 
va * erſte Adamiſche Menſch nur werde fleiſchliche Begier⸗ 

haben. 

34. Damm Ruben war der erſte Sohn Jacobs von Lea / als 
von der / aus welcher auch die Linea Chriſti entfproß/ anzudeuten / 
Daß die jenigen / welche ſich wuͤrden Juden und Chriſten nennen / 
und auch aus ſiden Stamme gebohren ſeyn / würden GOtt 
verlaſſen: und mit ihres Vatters Kebsweibern / als mit der Ab⸗ 
goͤtterey und Menſchen⸗Findung und Tandt der Phariſeer und 
Schrifftgelehrten / und mit ihren Geſetzen buhlen / und des wah⸗ 
ren GOttes und ſeines Gebottes in ihren Sertzen vergeſſen / und 
ihnen dieſe Hurerey in ihres Hertzens Luſt einbilden. 

er; 35: Dem 


56 Wie Ruben mit feines Batters Cap.sz. 


35. Denn Ruben war wohl Jacobs erſter Sohn / wie auch 
Adam der erfte Menfch war /aber in Ruben war nicht die Linea 
Ehrifti offenbahr /wie auch nicht in Adam /fondern in Abel und 
33 Juda ward fie offenbahr/und wie Adam im Spiritu Mundi mif 
GoOttes Kebs-weib / durch welche er feine Frucht gebähret/huret / 
und fich in das Weib / alsindie Mutter der äuffern Natur/ ein⸗ 
begab / und fich zu ihr legte/ und mit ihr Hurerey trieb / und das 
Heilige himmlische Ehe-bett der Keufchheit beſudelte: Alfo auch 
Fund diefe Figur Rubens mit feines Datters Kebs-weib für der 
Figur Ehrifti vorgebildet / denn Chriſtus follte diefe Adamifche 
Hurerey wieder ins himliſche Ehe⸗bett einführen amd des Men» 
Shen Blutfchande zudecken / darumb ward es allhie mit bey der 
Figur Rahels / als bey der neuen Wiedergebuhrt / prxfiguriret. 

Der Ehriftenheit Figur fteher alfo: 

36. Diefes Kebsweib ift in der Chriftenheit nichts anders 
andeutend /als die fleinerne Kirchen) die feynd ja GOttes Kebs⸗ 
weib / darinnen fein Wort und Teſtamenta gehandelt werden / 
in welchen GOtt feine Kinder gebaͤhret / darinnen man ſoll mit 
GoOtt wuͤrcken / und fein Hertz zu GOtt wenden: Aber Ruben / 
als der Adamiſche Menſch / verlaͤſſet GOtt / und buhlet mit den 
ſteinern Kirchen / und treibet Hurerey mit ihr / und hat fie in die 
Siebe in feine Arme gefaſſet / und gehet in fie ein/ und heuchelt mit 
ihr / und dencket cs fey genug wenn er nur da hineingehe und Pres 
digt höre/und die Abfolution und Sacramenta brauche/ und glau⸗ 
be dehme daß es alfo fey/ was allda gelchret wird / und tröftet fich 
deſſen dag er gerne dahin gehe / und das für recht halte/ und 
dehme beyfall gebe was allda gehandelt werde / und decket alfo 
Ehrifti Purpur-Mantel über fich / und gehet wieder aus der 
Kirchen wie er hinein gegangen ift; gehet wohl zwantzig oder 
Hreiffig Jahr hinein / biß an fein Ende/ und freibet Hurerey mie 
der Kirchen/ und dencket er thue GOtt einen Dienft/wenn er nur 
unter andern allda erfcheine) fige/ und Predigt höre/und wenn er 
hinaus Eomt / weiß er nichts davon/ was es gewefen ift. 

37. Hat auch unter folchem Gehör fein Herk Daheim / oder 
In feinem Gewerb/ oder führet feine Augen indie Geftalt ſchoͤner 
Weiber und Männer / und in ihre hoffartige Kleidung / und 
füllet fein Hertz mit Imagination voll Brunft/und huret weid⸗ 
Lich mit diefem oder in diefem Kebs=weibe / der Kirchen. 

3. Und das noch mehr ift / wenn der Prediger offte Sünden 
und Safter ftraffet / auch offte wohl aus Affecten Dornen füct/ fo 
faſſet man daffelbe ein / und kitzelt fich Die u 

ung 


 Eap.63. Kobssweib Hurerey getriebenhc. 607 


und erdencket darinnen fpisfündige Ehrenrührung / wie man 

Leuthe wil damit hoͤhnen /fpigen und dornſtechen / uno hält eg 

für das Beſte / das man gehoͤret hat / und ſetzet diefen Lucifer an 

GOttes Statt / und buhlet ſtattlich in der Hurerey / als in der 
Brunſt die ſes Kebs-weibes. 

39. Und die allergroͤſſeſte Hurerey in dieſem Kebs-weibe iſt 
dieſes / daß man das Hertz ſo gantz von GOtt auff die Diener die⸗ 
ſes Kebs-weibes fuͤhret / uno Hurerey mit ihnen treibet/undfie 
mit Geſchencke uno Gaben ehretidag fie oft boͤſe / gottloſe / hoffaͤr⸗ 
fige/geigige Leuthe welche nur den Elenden außſaugen / und mit 
Gewalt drängen, loben / und groffe Denckzettel und Lobe⸗brieffe 
machen) und fie ftattlich tituliren / hoch anzichen/ groffe Gottes⸗ 
furcht und Liebe ihnen zumeffen / ſie in. ihren Gefchlechten und 
Stämmen hoch feren / und dermaffen Gaudeley umb Geldes 
willen freiben/wie einander Gauceler/und Dasgchsweib® Dis 
tes / als die Kirche / mit Heucheley und Lügen fhanden. Das 
heiffet erfi recht : Ruben iſt zu feines Batters Kebs-weibe gekro⸗ 
chen / und hat mit ihr gehurers Denn fie find es / welche bey dieſem 
Kebs⸗ weibe wohnen follen/ und ihre Pfleger ſeyn: Aber ſte fuͤllen 
dieſes Kebs-weib voll ihres falſchen fleiſchlichen Saamens / und 
gebaͤhren Huren⸗kinder in GOttes Kebs⸗weib / daß alſo die falſche 
Fleiſches-Luſt ihre Hertze gang in fie einführet/ und dencket / 
es gelte vor GOtt / und ſey recht alſo: Ihre Suͤnden werden alſo 
durch die Gifft des Geldes zugedecket / und bilden ihnen dieſe 
Heucheley ein / daß fie dencken / fe ſeynd beſſer als andere / und le⸗ 
ben alfo in ſolchen hoffaͤrtigen Gedancken / in ſolcher Kirchen⸗ 
Hurerey immer hin. 

40. Und alſo gebaͤhret Ruben aus feines Vatters Kebs-weibe 
der Kirchen einen Hauffen Huren-Einder / ſtoltze / hoffürtige / 
ruhmredige / gierige Leuthe / welche die albere Mutter der De⸗ 
auch und Einfalt JEſu Chrifti / als die Lineam Chriſti / welche 
in dieſem Kebs-weibe verborgen lieget/ und follte offenbahr und 
gebohrn werden / nur beflecken / und die Hurerey über fie ziehen: 
Und alfo ift GOttes Kebs⸗weib als die Kirche zur Huren gemacht 
worden / und alfo fehe gefchändet / dag ihre Schande vor Iſrael 
kommen iſt / als vor die Augen aller Kinder GOttes / welche fie 
anpfuyen / und für eine unreine geſchwaͤchte Hure halten ; dar» 
innen ſolche Hurerey /neben allen Pracht und Hoffarth getrie⸗ 
ben wird / dader Zeuffel mit der Imagination und falfchen Luſt 
darinnen mehr im folcher Suft Ichret und regieret/ als der Geift 
Chriſti / umd iſt mehr eine hoffär race Hure/und ein finfter Thal 

als ein Tempel JEſu Chriſti. Er4 41. Und 


608 Wie Ruben mit feines Batters Cape 5: 


41. Und das noch greulicher ift / fo werden faft eitel Affecten 
und Schmähungen darinnen getrieben und gelehret/da man ein» 
ander umb Meynungen willen / die ihme doch ein jeder hat felber 
gemachet / fchändet/ verfolget / und für ketzeriſch außſchreyet / und 
füet ſolchen Gifft in dieſem Kebs-weibe der Kitchen aus / dadurch) 
Die Einfallt geirret / und folche Gifft der Schmähung in ihre 
Hertzen fleigen und wachfen/dag in der Kirchen nichts alsStreit / 
Zanck / Verachtung / und Gottes⸗laͤſterung gelehret und getrieben 
wird / daß ein Bruder den andern umb ſeiner Meynungen willen 
verachtet / verketzert / und dem hoͤlliſchen Feuer giebet / dadurch alle 
Liebe / Wahrheit und Eintraͤchtigkeit verliſchet. 

42. Die groͤſſeſte Unzucht / dafuͤr ſich auch der Himmel und die 

Elementa anjetzo entſetzen / welche in dieſein Kebs-weibe der Kir— 
chen getrieben wird / iſt dieſe: Daß man auch der heiligen Kinder 
Gottes / als der Propheten und Apoſtel / und ihrer Nackkom⸗ 
men Schrifften nimmt 7 und diefelben zum Deckmantel ſolcher 
Hurerey brauchet und falſch anzichet / und verbittert / und eitel 
Secten und Schwärmereyen daraus machet und einander da> 
mit ſchaͤndet / ſchmaͤhet / ver folget / auch zu Krieg un Blutvergieſſen 
Urſache Dadurch giebet; und wird aus der Bibel eine eitele uns 
zuͤchtige Hure gemachet/ da ein jeder Hurerey mit ihr freibet/ 
und Meynungen daraus fauget/ md desandern Meynung das 
nit verachtet/und ihn ſchmaͤhet und verdammet / und nehmen doch 
ihr Dieng alle aus der Bibel : Alfo machen fie ihres Vatters 
Kebs⸗weib / als die heilige Dropheten und Apoftelalle zu Huren / 
amd huren fälfchlich mit ihnen / und freiben nur Unzucht und 
Hoffarth mitihren Schrifften / und lehren den Sayen ihre ins 
zucht und Schmähen/ das ein Chriftden andern aus der heifigen 
Schrifft lernet ſchmaͤhen / uñ ſeine Schmähung mitden Schriff⸗ 
ten der Heiligen zu beſchoͤnen. Dieſes heiſſet recht: Ruben / du 
biſt meine erſte Krafft / aber du biſt auff mein Bette geſtiegen / 
und haft daſſelbe mit Unzucht beſudelt / du haft mein Kebs-weib / 
als mein geformtes Wort / zu deiner Hurerey gebrauchet / und aus 
der Kirchen meiner Kinder ein Huren-haus gemachet / und haſt 
mein Ehe⸗bette / das ich in der Kirchen habe / da ich meine Kinder 
zeuge / beſudelt. 

43. Dieſes deutet der Geiſt GOttes bey der Deutung des 
Ertzvatters Jacob klar an (Geneſ. 49.) da er von dieſer Kirchen 
und ihren Opffern alſo ſaget: Ruben mein erſter Sohn / du 
biſt meine erſte Krafft und meine erſte Macht / der Obriſte im 
Opffer / md der Obriſte im Reich: Er fuhr leichtfertig dahi * 

wit 


Cap.s3. Kebs⸗weib Hurerey getrieben. 609 


wie Waſſer; du jet nicht der Obriſte feyn ; denn du bift auff 
Deines DattersLaͤger geſtiegen / und daſelbſt haſtu mein Bette 
beſudelt mit dem Auffſteigen. 

44. In dieſem Texte —*— der Geiſt klar: Dann Ruben 
deutet an die Ordnung der erſten Kirchen / als die Krafft daraus 
fie gebauet worden / die iſt die erſte Krafft ver Chriſtlichen Ge— 
meine / und iſt GOttes Kebs⸗weit/ bey welcher er wohnet: Aber 
ihre Diener ſeynd in GOttes Ehe⸗-bette geſtiegen / haben dag 
Kebsweib an ſich gezogen / und in ihre Gewalt genommen / und fie ſte 
mit Menſchen⸗ Tand undFleiſches⸗ Ehren un Wolluſt geſchwaͤn⸗ 
gert / und ſaget klar; Du biſt ver Obriſt im Opffer / und im Reiche: 
Dann alſo ſollte es ſehn /wañs die Hurerey nicht thaͤte: Weil aber 
Ruben mit der Kirchen Hurerey treibet / ſo ſaget er: Du ſollſt nicht 
der Obriſte ſeyn: dann er fuhr leichtfertig dahin wie Waſſer / 
und zeiget damit an / wie ſie ſich wuͤrden in eigene Liebe und Flei⸗ 
ſches⸗Luſt / darzu in Leichtfertigkeit begeben / und deßwegen von 
ED verworffen werden. 

45. Alfo deutet der Geiſt unter die ſerFigur / wie diß Kebs⸗ weib / 
als die Kirche wuͤrde mit ihrer erſten Krafft / als ihrer eigenen 
Kinder geſch aͤndet werden / daß von der Kirche wuͤrde geſaget wer⸗ 
den / ſie ſey ein geiſtliches Hurenhaus; da man den Tempel IEſu 
Chriſti von ihr muß unterſcheiden: Dañ der Geiſt ſaget: Du ſolſt 
nicht der Obriſte ſeyn / weder im Opffer noch im Reiche: Alſo hat 
ſte den rechten Goͤttl. Gewalt durch die Hurerey ihrer Diener ver⸗ 
lohren / und ſtehet jetzt recht als eine Veſchaͤmte / welche ſey zur Hu⸗ 
ren worden / welcht von Ifrael lgeſchmaͤhet wird wegen der Unzucht / 
die mit ihr getrieben wird / welche faſt von jederman angepfuyet 
wird / da eine jede Parthey der anderen Kirchen vor cin Huren⸗ 
haus außſchreyet / wie genug vor Augen iſt / undalle Buchladen 
ſolches Geſchreyes vol ſeynd / und man jego im Sturme fichet / 
das Huren⸗haus einzuſtuͤrmen. 

46. Den Rindern GOttes aber wird dieſes geſaget; daß die 

Kirchen Niemand Fein Leyd thun / und And von der erſten Chriſt⸗ 
lichen Krafft guter Meynung halben geſtifftet worden; und mie 
ren ſehr gut und nuͤtzlich / und doͤrfften keiner Umbſtuͤrtzung / wann 
nur Kuben von feiner. Hurerey ablieſſe / damit er ie ſchaͤndet: Daß 
ihre Diener renoviret wuͤrden / und nicht ohne Salbung des 9, 
Geiftes fich zu Dienern diek sKchs-weibes GOttes auffwuͤrfſen / 
wie dann geſchicht / nur umb zeitlicher Ehren und Wolluſt wil⸗ 
fen / welche der Kirchen fo viel nuͤtze ſeynd / als dem Wagen das 
fuͤnffte Radt / ohne daß ſie ohne das mit fuͤnff Raͤdern an ihrem 

Cc5 Wagen 


510 Wie Ruben mit feines Dattersizc. E67, 


Magen fahren / da das fünffte in der Lufft fihwebet / und in Ab> 
grumdder Hölleneinfähret mit ihrem Zancke. 

47. Das fleinerne Hausder Kirchen] hat keine gröffere Heiz 
ligkeit in fich felber als andere Häufer / dann es wird von Stei⸗ 
nen gebauet /wie andere Haͤuſer / und iſt GOtt darinnen nicht 
Fräfftiger alsinandern Häufern: Aber die Gemeine/welche da 
hinein gehet) und allda zuſammen komt / und fich mit ihrem Ge» 
bethe allda in einen $eib in Chriſto / deſſen Fürbilde die Kirche 
iſt / verbindet/ die hat den heiligen Tempel JE fu Ehrifti in fich. 

48. Ihr Lob⸗Geſang ift die Wiege des Kindleins JEſu Chri⸗ 
ſti / da das Kindlein JEſu mit einhelliger Stimme gewieget 
wird in der Menſchen Hertzen / und nicht im Begriff der Kirchen 
welche ſtumm iſt. 

49. Ihre Diener ſind nichts mehr als alle andere Menſchen / 
aber die Krafft ſo in der Salbung des Heil. Geiſtes geuͤbet wird / 
die hat den Gewalt im Opffer / und iſt der Schluͤſſel. 

50. Wer da wil wuͤrdig in die Kirche gehen / der ſoll den Tem⸗ 
pel JEſu Chriſti in ſich mit hinein bringen / oder ja in ſolchem 
Fuͤrſatz ſeyn / daß er ihn wil mit heraus in ſeinem Hertzen brin⸗ 
gen / ſonſt hat er mit feinem Ein-⸗ und Außgehen / nur eine geiſt⸗ 
liche ſchein⸗ heuchleriſche Hurerey begangen / und iſt nichts heili⸗ 
ger wen er heraus gehet / und hätte für fein Hoffarth-prangen 
Der ſchoͤnen Kleider fo gut am Marckte geftanden/da ihn auch die 
Leuthe hätten gefehen / und hätte vielleicht nicht manches froms 
mes Herke damit geirret. 

sı. Dieſes haben wir bey der Erkaͤntnuͤß dieſer Figur an⸗ 
deuten wollen / daß ein Chriſt nicht auffden Schein der Kirchen 
ſehen foll / fondern denden daß die Kirche nur cin Fürbilde 
Chriſti ſey / und dag nicht dag ein Chrift fey/ der nur indas Fürs 
bild eingehet und fich darzu befennet ; fondern das ift ein Chrift / 
der in Chriſti Menſchwerdung / Leyden un Tod gant eingehet/und 
in Ehrifti Tode feiner Heucheley abftirbet/und aus Ehrifti Tode} 
eines neuen Willens und Gehorfams auffftchet/ und nach ſei⸗ 
nem inwendigen Grund in Chrifto lebet undift / welcher felber 
der Tempel Ehrifti wird / in dehme Chriſtus mit feiner Krafft 
wuͤrcket / und dadurch die Sünde im Fleiſche toͤdtet: Diefer ift 
ein Ehriftin Chriſto / und mag recht in das Fürbilde Chriſti eine 
gehen / und fein Chriſtenthumb darinnen uͤben / der wird GOttes 
Wort hoͤren / und in feinem Hertzen bewahren. 

52. Und ob eine Kuh⸗ſchelle den Namen GOttes in ihrem 
Halle andeutete /fo wird ihme Ehriftus in ihme felber a; 

aber 





| 
i 
j 


Cap.64. Über das 36.und 37.Cap.Gen. 611 


aber fein Toder magden andern vom Tode auffwecken / noch ein 
Blinder den andern den Weeg weiſen / anderft fallen fie beyde in 
vie Gruben / foricht Ehriftus. 

53. Ferner ſetzt der Geift Moyfts in feiner Figur den Ertz⸗ 
vatter Iſaac mit feinem Tode / und fprigt: Und Jacob kam 
zu feinem Datter Iſaac gen Mamre in die Haubt⸗Stadt / 
die heiffer Hebron / da Abraham und Iſaac Srembolinge 
innen geweſen find/und Iſaac ward 180. Jahr alt / und nahm 
ab und ſtarb / und ward verſamlet zu ſeinem Volck. Dieſes 
iſt eine Figur / wie Chriſti Kinder in dieſer Pilgramfchafft nur 
frembde Kinder feynd / und in der Welt nichts eigenes haben / 
und Fommen endlich alle wieder zu ihrem erſten Batter der fie 
erfchaffen hat / wie Jacob wieder zu feinem Batter vor ſeinem 
Ende kam: Alfo auch feynd wir in dieferPilgramfchafft in diefer 
irrdiſchen Kirchen nur Haufgenoffen und frembde Kinder / dann 
wir müffen endlichen in unfer rechtes Batterland eingehen! als 
in die englifche Kirche Ehrifti. 


Das 64. Capittel. 


Uber das 36. und 37. Cap. Genef. Iſt der Anfang der 
gank fihönen Figur mit Sofeph Jacobs Sohn: 
was darunter zuderfichen fey ? 


8. As 36. Cap. Gen. ift das Gefchlecht-Negifter des 

gewaltigen Stammes Efau / wie ihm GOTT 

cr Yhabe groß Reichthum / und viel Kinder und Kin 

des=Finder gegeben / und feßetder Geift ein groſ⸗ 

fes Regiſter / und befchreibet feine Kinder und 

Kindes-Einder / wiegroffe Fürften aus ihnen feynd Fommen / 

und der Welt Herzligkeit beſeſſen: da er von Jacob nichts ge> 

genwärtigesvon Weltlicher Herzligkeit faget/fondern faget nur 
von dem zukünfftigem Reiche in Ehrifti Figur. 

2. Damwir klar fehen /wie Eſau in der Figur des Reichs der 
Natur fiche / und wie ihm ſey der Natur Herzligkeit zugefallen/ 
und ereingroffer Fürfte worden / und viel fürjtfihe Stämme 
gezeuget/ und wie ihn GOtt geſeegnet / und groß gemachet hat) 
und wie der Heil. Geiſt mit beſonderm Fleiß fein Geſchlechte 
auffgezeichner hat/ anzudeuten / dag wir die Figur mit Jacob 
und Efau follen lernen recht verftehen /und nicht fo blind hinan 
fahren / und Efau in Abgrumd verdammmen / wie allzuviel ge: 


Er 6 ſchicht: 


Si2 Uber das 36. und 3 7.Cap.Gen. Cap. 64. 


ſchicht: denn wir ſehen / wie ihm fein Vatter Iſaac habe eine fette 
Wohnung auff Erden angedeutet / dehm GHDtt viel zeitlichen 
Seegen geben wolte: Aber feine Figur in Adams Natur muß 
untergehen und Ehriftus in ihm aufffichen/ auff dag von Eſau 
die SAU wegkomme / / under imE. als cin Engel beftcyen bleibe 4 
darzu ihme Chriftus in Jacobs Figur helffen wolte. 

3. Auch: giebet der Geiſt Moytis dem Efau einen Namen!/ 
und heiffet ihn den Edom / der feine Wohnung auff dem Ge— 
birge Seir gehabt hat / darunter der heimliche Verſtandt liegets 
Denn Sdom deutet in der hohen Zungen einen Rohtfaͤrbigen 
an / als der durch das rothe Blut JSESU CEHRISTT infeis 
nerharten Bürgichten Natur folte roth gefarbet werden. 

4. Undfagtder Geiſt weiter: Die zwey Brüder haben fich 
von einander gefchieden / das deutet anden natürlichen Ada⸗ 
miſchen Efau/der fol fich init feinem Willen von Jacob / das ift/ 
von Chriſto ſcheiden / denn der natürliche eigene Wille ſoll nicht 
GOtt ſchauen: auch deutets an / wie ſich Böfes und Gutes iam 
Meiche diefer Welt fcheiden wuͤrde / und ein jedes ſein Principium 
beſitzen. 

5. In dieſem Namen der Kinder Eſau lieget in der Nature 
ſprache ihr Reich der Welt / wie ſie ſich haben ausgetheilet biß 
ans Ende der Welt / davon an einem andern Orte / weil es 
zu viel Raum nehmen wolte/ auch die Zeit des deutens nicht 
vorhanden iſt. Den unfern anug. 

6. Das 37. Eap. von Joſeph ift nun die allerfchönfte Figur 
von den Reugebohrnen Menſchen aus dem alten Adam / welcher 
ein Fuͤrſt über Das Reich der Natur / und auch ein Herz über 
alle feine adamifche Glieder / als Brüder des Kindleins JZESU 
an ihme / iſt / wie Joſeph cin Fuͤrſti in gantz Egyptenlandt ward / 
und ein Herr uͤber alle ſeine Brüder und gantzes Geſchlechte⸗ 
und zeiget uns in ſeiner Figur in der Hiſtoria gewaltig an / wie 
ein Menſch ein ſolcher Joſeph werden muͤſſe / wie es mit ihme 
zugehe / und wie die Welt mit ihme umgehe / ehe er zum Fuͤrſten 
uͤber ſein Adamiſch Reich feiner Natur geuachet werde / daß der 
neue Menſch das Regiment und den Gewalt uͤber feine irrdiſche 
Glieder befomme/ wie der Teuffel im Grimme GOttes den cd» 
len Sinien Zweige in GOttes Krafft/ daraus der züchfige Jo—⸗ 
ſeph waͤchſet und gebohren wird / zuſetzet / und ihn indie Grube 
der Finſternuͤß in Fleifch und Bluth zuvor hinein fürget und 
verbirget / dap ihm Feine Krafft foll zugehen / und alfo verder⸗ 


hen muͤſſe. 
7. Wie 





Cap. 64. Don Zofeph Jacobs Sohn. 13 


7. Wie Joſephs Brüder mir Joſeph thaͤten / alfo thun auch 
Die irzdifche Glieder des alten Adams dieſem Lilien Zweige der 
neuen Wiedergebuhrt in der Keuſchheit des Geiſtes Christi] 
Darbey der Teuffel gefchäfftig iſt und immerdar die Böfe Thiere 
voll Fleiſches Luſt und Brunft in Fleiſch und Blut erwecer) 
das ſie wollen das Regiment haben, 

8. Auch führet der Teuſſel des Potiphars Weib / als ums 
züchtige Menſchen / von auſſen zu ihme / welche das züchtige An⸗ 
geſicht des inwendigen Grundes wollen beflecken / daß dans irrdi⸗ 
ſche Fleiſch ſoll an der Welt Hurerey und Unzucht aller Leicht⸗ 
fertigkeit anbeiſſen / und mit Iwagination an ſich ziehen / und 
den neuen Joſeph zu Potiphars Weib ins Huren⸗bette ziehen / 
welcher alſo gewaltig davon reiſſen und dringen muß / daß er ſein 
Kleid / als fein Weſen mug fahren laſſen / und blog in Geift 
und Krafft darvon fliehen / dag ihme feine keuſche Jungfrau⸗ 
ſchafft vor GOttes Angeſichte moͤge bleiben. 

9. Und fo Joſeph alſo ringet / und ſich nicht laͤſſet Fleiſch und 
Blut / darzu die ſchnoͤde Welt halten und uͤberwaͤltigen / ſo wird 
fie ihm gar gram werden / und in Todt verrahten / daß er nicht 
wil mit ihr Unzucht treiben / alsdenn wird Joſeph / als der rin⸗ 
gende Menſch indie Gefaͤngnuͤß / das iſt in Spott und Vera 
achtung um feiner Zucht und Gottes-furcht willen geworffen / 
und muß ſich unters Creutz Chriſti / unter ſein Joch in Chriſti 
Leyden und Todt verbergen / und wie ein Gefangener im Elende 
ſchweben / da ihn die Welt von ſich ausftöffet / als einen der nicht 
werth ſey daß ihn die Erde trage / ihn als einen Gefangenen, 
weicher umb Hurerey willen gefangen und verachtet werde / 
echten / nicht gerne mit ihm umgehen weil ihn die Obri⸗ 
ſten / als Potipyars Weib ſchmaͤhen und der Unzucht beſchul⸗ 
digen. 

ı0. Welches Weib abermahl die falſche Hure der Gleißner 
im geſchmuͤckten Haufe der Chriftenheit andeutet/ welche / wenn 
fie Joſeph mit ihrer Hurery nicht koͤnnen fahen und halten / und 
er ihnen entreiſſet / fo ſchreyen fie ihm faͤlſchlich nach / behalten 
auch fein Kleidt zum Zeichen / und beſchuldigen ihn der Unzucht? / 
als Abaötterey/ und fihelten ihn für einen Träumer und 
Schwaͤrmer / wie Joſeph geſchahe. 

ır. Und wan das der Herz hoͤret / ſo glaͤubet er dieſem Poti⸗ 
phars Weibe / als dem geſchmuͤckten Gleigner im Haufe der 
Gleißnerey: Alfo wird Joſeph vom Hern in Verdacht gezogen/ 
und wird ven ihm verworffen md in die Gefaͤngnuͤß des Eiendes 

Ci 7 ges 


— 


61a Uber das 36. und 37. Cap. Gen. Cap.64. 


geſtoſſen / alda mug er als ein Schuldiger / und doch nicht Schule 
diger / im Elende und Verachtung ſchweben. 

12. Aber ſolche Verachtung / Verſtoſſung und Elend iſt ih⸗ 
me gut / dan damit wird er von der Welt Hoffahrt / Hurerey 
und aller ihrer Falſchheit / welche feinem Fleiſch und Blut moͤch⸗ 
ten zuſetzen / und die neue Gebuhrt verhindern / abgezogen / und 
alſo waͤchſet das edle Perlenbaͤumlein unterm Creutz Chriſti in 
der Welt Elende / und wird groß und ſtarck. 

13. Auch fuͤget GOtt ſolchem Joſeph unterdeſſen noch from⸗ 
me Leuthe zu / welche ihn pflegen und nehren und ſeine Unſchuld 
erkennen / und ſich freundlich zu ihm tuhn / und ſeine Keuſchheit 
amd Gottes-furcht betrachten / und ſich feiner annehmen / biß der 
inwendige Fuͤrſt in GOttes Kraff tuͤchtig zum Regiment iſt: 
alsdan ſo fuͤhret ihn GOtt aus dem Gefaͤngnuͤß / und gibet ihme 
den Scepter ſeines Regiments / daß er muß ein Fuͤrſt in ſeinen 
Wundern ſeyn / und in Goͤttlicher Erkaͤntnuͤß in Gottes Wun⸗ 
dertaht regiren / wie Joſeph uͤber Egyptenlandt / in welchem 
Bilde dieſe Feder auch gebohren iſt / und gar nicht ans 
derſt / welches der Vernunfft verborgen iſt. 

14. Dieſes iſt alſo die Summa der Erklärung über Joſephs 
Hiſtoriam / weil fie aber fo gar reich iſt / fo wollen wir eine 
gründliche Erklarung über den gansgen Text machen / dem lieb» 
habenden Sefer / welcher gedencket auch ein Zofeph zu werden / 
zu einer Anleitung : wird es ihme Ernſt feyn / und dig fleifig 
leſen / und fich felber in diefer Figur betrachten und kennen lernen? 
fo wird er fehen / weß Geiſtes Kind diefe Schrifften ges 
ne hat: daner wird diefe Feder in feinem Hergen 

nden. 

15. Der Zertfaget alſo: Jacob wohnet Im Lande da ſein 
Vatter ein Frembdling innen geweſen war / nemlich im 
Lande Cangan / und das ſeynd die Geſchlechte Jacobs: Jo⸗ 
ſeph war 17. Jahr alt / da er ein Hirte des Viehes ward mit 
ſeinen Bruͤdern / und der Knab war bey den Kindern Bilha 
und Silpa / feines Vatters Weibern / und brachte für ihren 
Vatter wo ein boͤſe Geſchrey wieder fie war. Iſrael aber hatte 
Joſeph lieber dan alle feine Bruͤder Darum daß er ihn im 
Alter gezeuget hatte / und machteihm einen bundten Roc 
Da nun feine Brüder ſahen / daß ihn ihr Datter lieber Hatte] 
dan alle feine Brüder / waren ſie ihm feind / und konten ihm 
fein freundlich Wort sufprechen, 5 

it 





Cap. 54, Don Joſeph Jacobs Sohn. 61) 


Die innere Figur ſtehet alſo: 

16. Jacob hatte ſeine fleiſchliche natuͤrliche Liebe auff Rahel 
geworffen / weil fie ſchoͤn war / weil aber in Jacob die Linea Chriſti 
im Bunde lag / fo ward Rahel verſchloſſen / daß nicht fein Saame 
in natuͤrlicher Fleiſches Art in ihr offenbahr wuͤrde / biß Jacob 
und Rahel alt worden / und ſie beyde nicht mehr nach fleiſchlicher 
Liebe einander liebeten / ſondern nur eine Frucht ihres Saamens 
begehrten / darum dan Jacob und Rahel GOtt baten / daß er 
ſie wolte eroͤffnen und fruchtbar machen / und als dieſes geſchahe / 
fo ward aus dieſem Jacobs Saamen eine Linea / und bildete eine 
Sigurder reinen natürlichen recht Adamifchen Menſchheit / ge⸗ 
bohren in der Figur /wie Chriffus würde die Adamiſche Menſch⸗ 
heit/ inihrer erftgehabten Zucht / Reinigkeit und Gottes- Furcht 
wieder gebähren. 

17. Danin Lea / als in der Einfalt und Niedrigkeit/ ent⸗ 
fproffe die Linea Chrifti / und in Raheldie Linea des erſten Ada⸗ 
michen Menſchen in feiner Unſchuld / alseine Figur derfelben/ 
welche Figur ſtundt / wie ein Chrift in Chrifti Bilde und in 
Aams Bilde zugleich fechen würde / und was ein Ehrift in dies 
fer Welt von innen und auffen feyn würde /wie er einChrift were 
denmüffe. Darumfagtder Tert: Jacob habe Joſeph lie⸗ 
ber gehabt als alle feine Kinder ; denn Urfach war dieſes / 
das Zofeph war aus Jacobs eigener natürlichen Linea / der na⸗ 
türlichen Siebe gegen Rahel entfproffen / darinnen fich die Sinen 
in der Siebe. Ehrifti im Bunde hat mitte eingegeben und offen 
bahret / und ſtundt auffrecht inder Figur einer neuen Wieder⸗ 
gebuhrt / wie ein wahrer Chriſt ſtehen wuͤrde / nach dehm Chri⸗ 
ſtus wuͤrde im Fleiſch menſchlicher Natur offenbahr werden. 

18. Und darum ward Joſeph in ſeinem Gemuͤhte alſo genei⸗ 
get / daß er das Falſche nicht konte verſchweigen / wan er etwas 
Böfes hoͤrete von ſeinen Brüdern / das fagte er feinem Vatter 
an. Diefesverdrog feine Brüder / und haſſeten ihn / und hiefs 
fen ihn einem Verrähter / und neidetenihn / denn der Geift? 
welcher die Boßheit und Falfchheit ftraffet / war in ihme offen» 
bahret: Denn EHriftus folte die Welt um die Sünde ftraffen; 
weileraber nun im Bilde eines Ehriften ſtundt / fo fügte ers 
feinem Batter an ;aus welchem der kommen ſolte / der die Belt 
ſolte ſtraffen: Und ſehen allyier gar eben wie Fleiſch und Blut 
alſobald im Fuͤrbilde der Chriſtenheit / ſey dem Fuͤrbilde gram 

geweſen / und ihme nicht moͤgen ein freundlich a ai 
3 


616 Uber das 36. und 37. Cap.Gen. Cap. 4. 


Denn es verdreuffet die Schlange im Fleifch und Bluth/ wenn 
Ehrifius komt nnd wil ihr den Kopff zerfretten. 

19. Darzu ſehen wir gar ſchoͤn / wie jich der Geift Gottesim 
Joſeph geoffenbahret / und ihme die Figur feiner Conſtellation 
gedeutet / daß er koͤnte Träume und Geſichte verſtehen / auff 
Arth / wie die Propheten im Geiſte CHriſti Gefichte ſahen/ 
und fie deuten Eonten / alfo auch Joſeph. 

20. Da ihm denn im Gefichtegezeiget ward/ wie er folte ein 
Fuͤrſt über feinen Vatter und alle feine Bruͤder werden / wel» 
ches recht den inwendigen Menſchen im Geiſte Chriſti andeutet / 
welcher ein Fuͤrſt über feines Vatters adamiſches Haus wird / 
in welchem Bilde der Joſeph auch aͤuſſerlich ſtundt; und darum 
ſo ward auch aͤuſſerlich die Figur neben ihn geſtellet / mit dem 
Haffe feiner Brüder / wieder Hauffe der Welt würde das neue 
Kind in Eyrifti Beifte anfeinden / verachten und ihme gram 
werden/ und wie es eben von denen geſchehen würde/ welche 
auch Ehriften wären / und fich Chriſti ruͤhmeten und auch int 
inwendigen Grunde foldye wären; wie der adamifche Menſch 
Chriftum von auffen fo gar nicht kennen / und unwiſſende Chris 
ſtum in feinen Brüdern und Gliedern verachten werde. 

21. Anzudeuten/ dag Ehriftus indiefer Welthabeden Spott 
in Gottes Gerechtigkeit auff fih genommen / dag er fich wolle 
nicht allein in feiner Menſchlichen Perſon laffen verfpotten / 
und Adams Spott tragen/ daß er iſt vom Bilde Gottes gewi⸗ 
chen / fondern daß er fich auch wolle laffen in allen feinen Blies 
dern und Kindern verfpotten / daß er auch den adamifchen Spott 
wolleinihnen tragen / und fie feinem Bilde ahnlich machen, 

22. Darum muften Jacobs Kinder / die auch in Chrifti Li- 
nea waren) nach ihrem natürlichen adamifchen Menſchen das 
Bilde eines Chriften-Menfihen in Joſeph fpotten und anfein= 
den / anzudeuten / wie ein Ehrift ven andern im Eyfer üben 
wuͤrde / und feinen Neben-Chriften um Natürlicher Meynung 
willen verachten / wie es jeßo und allezeitin der Ehriftenheit als 
fo ift ergangen / daß eine Parthey die ander um natürlicher Ge⸗ 
fee und Meynung vermepnter Gottes-dienft halben verachtet 
und anfeindet. 

23. Wie Joſeph von feinen Brüdern um der Erkaͤntnuͤß ſei⸗— 
ner Geſichte willen angefeindet ward: Alſo wird noch heute die 
göttliche Weihheit / welche ſich in Gottes Kindern offenbahret / 
von dem natuͤrlichen Adam vernichtet und angefeindet / welche 
Anfeindung alle miteinander aus ven Pharifzifchen Geſetzen / 

aus 





ci: 
9 


Ki Cap. 64. Bon Joſeph Jacobs Sohn. 617 


aus dent Kebs-weibe Chriſti der Skeinern Kirchen und ihrez 
Diener herkommen / welche das Kebs-weib E.Hrifti felber alfa 
ſchaͤnden / wiefür Augen ift / und Chrifti Kinder damit pers 
achten. 

24. Denn neben dem Kebsweibe Chriſti der Kirchen iſt der 

Babplonifche Thurn der hoben Schulen gebauct / da kommen 
die verwirrete Sprachen her / daß man Chriſtum in feinen Kin⸗ 
dern nicht verſtehen kan / wenn ſie in der Einfalt Chriſti die Ge⸗ 
ſichte Joſephs deuten / ſo verachtens die ſelbe fremde Sprachen / 
denn ſie haben auff dem Thurne andere Zungen bekommen aus 
der compaction der fenfualifchen Zungen] da fich jeder Senfus 
der Buchſtabiſchen Geifter hat in eine Formirung einer fonders 
lichen Zungen / eingefuͤhret. 

25. Und die Hoͤhe des Thurns giebet dieſer ſenſualiſchen Zum: 

gen Unterſcheidt der Sprachen / daß ſie einander im Verſtande 
nicht verſtehen / welche Höhe die Hoffarth der eigenen Liebe 
andeutet / für welcher ſich Die 5. Vocales verbergen / daß fie die 
Kraft Gottes (in Gottes Kindern in der Einfalt Joſephs) 
nicht verfichen / ſondern heiſſen ihn einen Traͤumer / Zeichene 
deuter / Schwaͤrmer / Entyufiaften und Narren. 

26. Alfo wird der Geift Ehriſti in feinen Kindern am flatt 
unſerer Adamifchen Schuld verachtet ; und alfo erfüllet Chrie 
fins in feinen Kindern GOttes Gerechtigkeit / und wirdder al 
te Menſch auch hiedurch getödtet / und iſt dem Joſeph (Ehrifti) 
gut / daß es ihme alſo gehe / ſonſt wuͤrde er nicht in die Welt⸗ 
gruben geworffen / und den Midianitern verkauffet / daß er zu 
Pharao kaͤme und ein Fuͤrſt wuͤrde. 

27. Darum ſoll ihme ein Chriſt den Haß (Joſephs) ſeiner 
Bruͤder nicht laſſen ſchwer ſeyn / ſondern vielmehr dencken: Ach / 
day dur auch in Joſephs Grub egeworffen wuͤrdeſt / damit du von 
dem Suͤnden⸗hauſe weggefuͤhret wuͤrdeſt / und kaͤmeſt auch in 
Joſephs Gefaͤngnuͤß / daß du Urſache haͤtteſt von der Welt zu flie⸗ 
hen / und unter Chriſti Creutz-Fahne auch möchte dieſer F Fuͤr⸗ 
ſte / der diegöttlihe Geſichte mit Joſeph in feinem Worte ver 
Krafft verſtehet / offen bahr und gebohren werden/ dag in dir auch 
möge die Göttliche Keuſchheit Kofepys (der reiten Zungfraus 
hart) offenbahr werden/ daß du auch möchten ein ſolch Gottsa 
fuͤrchtiges züchtiges Hers befommen: Das ſoll eines Chriſten 
Wunſch ſeyn / und nicht wie er moͤge aus dem Thurn zu Babel 
in den fremden Sprachen groß werden / welchen Unterſcheid 
doch nur die Höhe (als Die Hoffart) urſachet / N 
»_ 





613 Nber das 36. und 37. Cap. Gen. Cap. 54. 


der nicht in Siebe / / Sanfftmuth / Demuth undin der Einfalt 
Chriftiverftehen wil/ in deme wir doch [eben und find. 

23. Darum wird. dir jeßo | DO du arme verwirrete 
Chriſtenheit durch ven Schaden Joſephs geſaget / daß 
du doch wolteſt deinen Schaden fehen | wo der herkom⸗ 
me / anderſt nirgends als aus dem Neide deiner Brit: 
der / welche auch in Chriſti Linea find / wie Joſephs 
Brüder : Mercde es nur) vom Thurn zu Babel] von 
den Titulen und Hochheiten deiner Brüder ] welche in 
ihrer Hoffarth der verwirreten Sprachen find in eigene 
Liebe eingegangen! daher Fomt dein Schade: Mercke 
es doch nur / daß aller Streit und Zwenfpalt in der 
Welt daher font. 

29. Du aber ſprichſt: Dieſer Thurn macht mich hoch / daß ich 
in fremder Art der Sprachen über Joſeph reuthen und ihn ban⸗ 
digen mag / daß er muginder Gruben liegen: alfo bin ich Herz 
in Ehrifti Reiche auff Erden. 

30. Höre merd es / wir hahen einen Wächter hören 
fagen: Es kommen die Midianiter / und nehmen Jo: 
ſeph mit fich / und führen ihn zu Pharao / da folldeine 
Untreu und Ungerechtigkeit offenbahr werden / wie 
wilſtu denn für Joſephs Augen beſtehen? Die Zeit iſt 
nahe. 

Oder meyneſtu / Joſephs Schaden werde nicht geeyffert 
werden? Siehe / in der Theurung deines Elendes / wenn Die 
wirft hungern und dürften / fo muftu wieder zu ihm fliehen. Der 
hohe Thurn wird dir weder Troft noch Rettung geben; Die Zeit 
iſt gebohren daf — Schaden geeyffert werde | 
und die Hurerey Rubens mit Jacobs Kebs-weibe für 
Iſrael komme. * 

32. Was figeftu lange und heuchelſt die / und ſprichſt: Noch 
lange nicht: Siehe / es ift fiir den Augen Iſraelis / daß 
Du mit dem KRebs:weibe hatt eine lange Zeit gehuret/und 
Die Lineam Chriſti beflecket. Iſrael wil das nicht mehr 
dulden / du wirt mit Ruben aus dem Oberzambte des 
Opffers und Regiments verworffen/das hat die Stim⸗ 
me des Waͤchters gefaget. 

33. Als 








' Gay. 64. von Joſeph Jacobs Sohn. 619 


33. Als Joſeph die zwey Träume gehabt / einen von feiner 
auffgerichtefen Barbe die da ſtundt / und feiner Brüder Gar— 
ben fich für ihme neigten : Den andern von der Sonne und 
Monde und den xx. Sternen / welche fich vor Joſeph hatten ge> 
neiget / entſtundt alsbald der Neid unter ihnen / nnd meyneten 
er wuͤrde ihr Herr werden / und weil ſie die aͤlteſten waren / ſo 
— fie über ihn zu herrſchen. 

34. Da man denn ficher/ wiees dem Auffern Menfchen nur 
RUE um das Neich diefer Welt zu thun geweſen / welches 
eben auch der Schaden Adanıs ift / dag er das Innere verlieh / 
und nach dem Xeuffern trachtete. 

35. Joſephs bundter Rod / welchen ihn fein Vatter marhes 
te / deutet an / wie ſich die innere Krafft GOttes wieder durch den 
Auffern Menſchen wuͤrde offenbahren / dadurch die Menſchliche 
Natur würde bundt (das iſt / mit GOTT gemiſchet) ſeyn/ 
als das innere geiſtliche Reich mit dem aͤuſſern. 


Die Geiſtliche Figur ſtehet alſo: 

36. Joſeph mit ſeinem bundten Rock war ein Juͤngling / dar⸗ 
zu noch zart und jung / und hatte noch nicht der Welt Witz und 
Liſt / und ſagte in Einfalt die Wahrheit denn feine Seele war 
noch nicht von auſſen mit der Liſt der Luͤgen beflecket / und der 
Geiſt GOttes hub an ihn zu treiben / denn ſein bundter Roct 
war eine Figur des innern. 

37. Diefe Figur præfiguriret uns num das Bilde einesanr 
fangenden rechten Ehriften-Menfchens / wie er feyn muͤſſe / 
wenn ihn GOttes Geiſt ſolle treiben / als nehmlich / er muß fein 
Hertz zu GOtt ſeinem Vatter wenden / und ihn Hertzlich lernen 
lieben / wie Joſeph gerne bey feinem Vatter war / und ihme 
anſe igte was UÜbels unter feinen Kindern geſchahe. Alſo mug 
ein anfahender Chrift auch alle feinen und der feinigen/ fo wohl 
auch der ganzen Ehriftenheit Schaden / täglich vor GOtt brin= 
gen; Wie Daniel die Sünde des Bolds Iſrael für GOTT 
beichtete / und Joſeph den Schaden feiner Brüder vor ſeinem 
Batter: Alfo auch beichtet ein wahrer Chrifi tüglich das Elend 
und die Sünde feines Volkes im berslichen Mitleyden/ daß 
fich doch GOtt ihrer erbarmen wolle / und fie für groſſem Ubel 
und Sünden behüten. 

38. Und wenn diefes gefchicht / ſo wird fein Herk gar einfaͤl⸗ 
tig / fromm und gerecht / denn er begehret keine Liſt / fondern wil 
Daß es recht und wohl zugehe/ und iſt ihme alles a 

147 


620 UÜber das 36. und 37. Cap.Gen. Cap. 64. 


der / denn er beichtet ſtaͤts das Unrecht des Volcks vor GOet: 
alſo wird ſein Gemuͤth gantz einfaͤltig / und ſuchet keine Liſt / 
ſondern ſetzet feine Hoffnung zu GOtt / und iebet in Einfalt 
und Niedrigkeit ſeines Hertzens vor GOtt und der Welt / und 
iſt wie der zarte junge Knabe Joſeph / denn er hoffet immerdar 
das Gute von GOtt feinem Batter. 

39. Wenn nun der Menſch ſo weit komt / ſo iſt ſchon Joſeph 
gebohren; ſo bekleidet GOtt ſein Vatter ſeine Seele mit dem 
bundten Rocke / als mit goͤttlicher Krafft / ſo hebet alsbald der 
Geiſt GOttes in ihme am mit der Seelen zu ſpielen / wie mit 
Joſeph: Denn der Geiſt GOttes ſiehet durch die Seele / und 
mit der Seele (wie Joſeph im Geſichte der Träume zukuͤnffti— 
ge Dingeim Vorbilde ſahe / da der Geiſt alfo nit feiner Seelen 
ſpielcte:) Alſo ſpielet auch alsbald der Geiſt GSOttes mit der 
Seelen eines neuen Joſephs mit der innern geiſtlichen Welt / 
daß die Seele Goͤttliche Geheimnuͤß verſtehet / und in das ewi⸗ 
ge Leben ſiehet / und erkennet die verborgene Welt / welche 
am Menſchen noch ſoll offenbahr werden; wie dieſer Feder 
auch geſchehen iſt / davon fie ihren Geiſt der Wiſſen— 
ſchafft hat. 

40. Adern nun dieſer Menſch anhebet von göttlichen Din⸗ 
gen und Geſichten von der verborgenen Welt goͤttlicher Geheim⸗ 
nuͤß zu reden nnd die Wunder GOttes auszuſprechen / und 
ſolches ſeine Bruͤder / als die Kinder der aͤuſſern Welt hoͤren / 
in denen die verborgene geiſtliche Welt noch nicht offenbahr wor= 
den / ſo halten ſie es vor Tandt und Schwaͤrmerey / und halten 
ihn fuͤr Naͤrriſch / daß er von den Dingen ſaget / die ſie nicht 
verſtehen und begreiffen mögen / halten es für Einbildung und 
Gedichte: Item / für einen Aſtraliſchen Trieb / und was des 
Dinges mehr iſt / ſonderlich ſo er ihre boͤſe Wercke ſtraffet und 
offenbahret / wir Joſeph thaͤte / fo feinden ſte ihn an / und goͤn⸗ 
nen ihm nicht ſein Leben / wie Joſeph geſchahe. 

ar. Wenn nun dieſes geſchicht / fo ſtehet ſich die Vernunfft 
wie gantz irre / und weiß nicht die Weege GOttes / daß es GOt⸗ 
tes Kindern alſo gehen muͤſſe. Sie dencket du ſucheſt GOTT / 
under fuͤhret dich in Noth: Alſo gehet denn dieſer Menſch irre/ 
wie Joſeph in der Wuͤſten irre gieng / als ihn ſein Batter zu 
ſeinen Bruͤdern ſchickte / daß er ſehe wie es zugienge. 

42. Alſo gehet es auch mit GOttes neuen Kindern / wan fie 
Gottes Geiſt ſchicket / daß fie muͤſſen um Joſephs — 

eye 


Cap. 64. von Joſeph Jacobs Sohn GE) 


eyffern / und fie die Belt allenthalben darum haffet und ver> 
folget/ ſo dencken ſie denn in der Vernunfft dieſer Welt / Gehe⸗ 
ſtu auff GOttes Weegen / warum gehet es dir denn alſo / Daß 
Du nur der Welt Rarı wirft? Da hebet ſich alsdenn das Ges 
muͤͤhte an zu gremen/ und weis nicht wie ihm geſchiehet / denn 
es hoͤret allenthalben das man ihn für thöricht und gottloß 
ſchildt / uno ihn anfeinder/ denn das anfahende Gemuͤth im 
Fileiſch und Bluth / verſtehet den göttlichen Proces nicht / wie 
die Vernunfft muͤſſe zum Narren werden / und wie Ehriſtus 
alſo gantz willig des Teuffels und der Welt Spott im Menſchen 
ſelber auff ſich nehme und wie GOttes Gerechtigkeit und A> 
dams angeerbte Schuldt muͤſſe allezeit erfuͤllet werden mit Ley⸗ 
den; wie ein Chriſt muͤſſe in Chriſti Figur ſtehen. 

43. Und wenn es nun alſo zugehet / ſo gehet die Vernunfft 
in groſſer Traurigkeit und Verlaſſenheit recht mit Joſeph in der 
Wuͤſten iere/ und iſt ihr allenthalben bange und muß doch 
feines Batters Gebott und Willen verrichten: Aber GOTT 
verlaͤſſet nicht feinen Joſeph / ſondern fenderihme einen Mann 
zu /der ihm troͤſtet ] und den Weeg zu feinen Brüdern weifer / 
wie Joſeph geſchahe / als er inder Wuͤſten irre gieng. Das iſt: 

44. Er ſendet ihme auch einen eyferigen Chriſten zu / wel⸗ 
cher feine Weege erkennet / und ihn troͤſtet / beſtaͤndig in GOt⸗ 
tes Weegen zu verharren / dadurch dieſer neue Joſeph wieder 
Muth und Krafft empfaͤhet / und auff den rechten Weeg kom⸗ 
met / und durſtig zu feinen Brüdern gehet / und ſtehet was fe 
thun / was ihr Vorhaben iſt. Das iſt: 

45. Er ſtellet Hnen GOttes Gebott und Willen unter Au⸗ 
gen / wie Joſeph das Gebott ſeines Vatters / und wenn ſie ihn 
ſehen / daß er wil mit GOttes Wort ſie ſtraffen / ſo ſchreyen 
ſie: Sehet der Traͤumer und Schwaͤrmer komt / und wil uns 
viel einreden / er ſchaͤndet unſere gute Gewonheit / darinnen 
wir Ehre und gute Tage haben / was ſoll uns dieſer ſtraffen? 
Er iſt nicht von der hohen Schulen kommen / und wil uns [che 
ren und ſtraffen: laſſet uns einen Rath haften / wie wir ihn 
mögen aus dem Weege räumen daß er getoͤdtet werde ;- mas 
fol uns der elende Menſch wollen Ichren und flraffen ? Wer ift 
er? Er ift doch ein Laye / was fol uns diefer einreden ? Er iſt 
richt darzu beruffen/ und iſt nicht feines Ambts: Ermilnur 
alfo ausbrechen und ihme einen Namen machen / wir wollen “ 
äh alfo ſchweigen / dagerfollaller Welt Narı werden: Wir 

wollen ihme ſeine Eyes ind Gefaͤngnuͤß legen / und ſchaffen dag 
127 





u © a m >> = [ 





- 


622 UÜber das 36. und 37. Cap. Gen. Cap. 64. 


er verfolget und gehaffet werde / einem andern derung wil an⸗ 
fechten zum Erempel / dag er daheime bleibe/ / und feines 
weltfichen Standes warte; und uns / Die wir vonder Obrig⸗ 
£eiteingefeget find / laſſe in göttlichen Dingen richten / die wir 
in hohen Schulen ftudiret und folchesgelernethaben. 

46. Alfo nehmen fte den arınen Joſeph / welcher aus feines 
DBatters Befehl zu ihnen komt / und binden ihn mit Spott 
und Schande/ und fchreyen ihn falfchlich aus rauben ihm ſei⸗ 
nen bundten Rock vor allen Brüdern / den ihm GOtt fein Bat > 
ter hatgemachet / wie Jacobs Söhne Zofeph thäten/ und hals 
ten ſtaͤts Rath wie fie ihn wollen tödten / und gar aus dem Wee⸗ 
geräumen/ wie Joſephs Brüder thäten. 

47. Uber gleichwie Ruben / der altefie Bruder / folches 
wehrete / und nicht zulaffen wolte/ daß fte Joſeph tödten ſolten / 
und damit er auch nicht wider ihren Nahtthäte/ fprach er: 
Sehet es ift eine Grube in der ABüften / dahinein wollen wir 
ihn werfſen / und dieſen bundten Roc dem Vatter ſchicken / dag 
er dencke / ein wildes Thier habe ihn zerriſſen: Alſo imgleichen 
erwecket denn GOTT in ihrem Raht den Ruben / als den aͤlte⸗ 
ſten Bruder / welcher Macht hat den falſchen Phariſæiſchen 
Rahtſchlaͤgen zu wehren / als etwa einen frommen Gotts⸗ 
fuͤrchtigen Herrn welcher dem Mord⸗Raht der Pharifzer 
widerftehet. 

48. Und ob er fich wohl nicht gank wider ihren Raht leget / 
fo widerftehet er doch der thätigen Verfolgung / und faget: 
Toͤdtet ihn nicht / werffetihn nur indie Gruben / und ziehet ih⸗ 
ine feinen bundten Kock aus / daß er nicht mehr Träume habe / 
auff daß er ihn möge vom Mord⸗ſchwerd erretten. 

49. Sie aber nehmen ihn (tie Jofephs Brüder den Jo> 
ſeph) und zichen-ihme den bundten Rock aus/ und werfen 
ihn in die Gruben der Wuͤſten / und nehmen feinen bundten 
Rock / und tuncken ihn in Bocks⸗blut / und fchicken ihn alfo feinem 
Baͤtter; das iſt fo viel geſaget: Sie ziehen ihme mit ihrem Laͤ⸗ 
ſtern feine Ehre aus / und nehmen feine Wort und Lehre / und 
machen falfche Auszüge daraus / und beſudeln fie mit Bocks⸗ 
blut / das iſt / mit falſchen Verſtande / und ſchicken ſolche Schmaͤhe⸗ 
brieffe unier die Leute / und für feinen Vatter / als fuͤr die gantze 
Gemeine / und ſchreyen / Sehet dieſer beſudelte Rock iſt die ſes 
Mannes / und morden alſo den Geiſt ſeines Vatters im Rocke / 
als in ſeinem Namen / ſchaͤnden und laͤſtern ihn faͤlſchlich und 
ſagen / er ſchaͤnde mit ſeinem bundten Rocke das Blut Chriſti 
un 


Cap. 64. von Joſeph Sucobs Sohn. 623 


und betriegen alfo feinen Batter / als die gange Gemeine mit 
tem falfhen Borks-blut / darein fie ihme haben feinen Rock gea 
tuncket dag die Gemeine dencket / ein wildes Thier habe Joa 
feph zerriffen / das iſt / ſte dencken der Teuffel habe diefen Mena 
ſchen befeffen / und fey ein falſcher Menſch. 

so. Alfo wird der Vatter / als die Gemeine und Obrigkeit 
durch Joſephs Brüder) als durch diefe / welche auch ſollen den 
Weeg GOttes lehren / mitdem beſudelten Rocke betrogen / dag 
fie dencken / der Teuffel Habe diefen Menfchen gefreffen und fein 
Hertz beſeſſen: Alfo wird der arme Jofeph hinunter indie Gru⸗ 
be der Wuͤſten geworffen/ und ligetim Elende / als ineiner 
Gruben da fein Waſſer innen ift/daerja nicht mag ertrincken / 
und aber auch fonften Eein Labſall hat / fondern fißet gang vera 
laſſen von aller Welt) und wartet was doch GOtt nun mitihme 
machen wil/dieweil er ihn alfo bey den Menfchen verwirffer, 

51. Allda hat er nun keine Hülffe bey einigem Menfchen / 
auch feine befte Freunde halten ihn für thoͤricht fein Name iſt 
als eine&ule unter den Bögeln/dan alfo muß er durch das Gerich⸗ 
fe GOttes gehen / und vor allen Menfchen zu fpotte werden s 
wan er foll zur Befchaulichkeit göttlicher Heimligkeit kommen / 
ſo muß er vonche gerichtet werden / und der Welt in ihr Gerich⸗ 
te kommen / dag fie feine angebohrne Sünde richten / und alſo 
vor GOtt auffopfern/ dag er alfo durchs Gerichte GOttes in 
Enrifti Figur hindurch dringe / und zu göftlicher Beſchauligkeit 
in fich ſelber komme. 

52. Alfo gans muß ein rechter wahrer Chrift von diefer 
Belt Luſt und Ehren vonche abgefondert werden / und gan 
naͤrriſch und zum Kinde feiner eigenen Bernunfft in ihme 
werden/ auch Aufferlich vor närrifch geachtet werden; wie ihn 
dan die Welt für naͤrriſch achtet / wan er zeitliche Ehre und 
Gut um der Hoffnung des ewigen Guts/ das ernichtfichet / 
werläffet. 

53. Und wan es dan alfo mit dem armen Joſeph gehet/ dag 
er in der Grube des Elendes liget / fo laſſen fich feine Brüder 
noch nicht genügen / dag ſie ihn haben indie Grube geworffen / 
fondern ziehen ihn auch heraus / und verfauffen ihn ven Midia⸗ 
nitern / dag er von ihnen weg in freinde Sande geführet werde? 
daß ift / ſie nehmen ſeinen Namen und Sehre / und ficken fie in 
fremde Sande / dadurch der bundte Rock Zofephs durch göttliche 
Schickung bekannt wird. 

54. Aber ſie meynen es faͤlſchlich / und verkauffen alſo Joſeph 
zum 


"or 


824 Uber das 36. und 37. Cap. Gen. Cap.64, 


zum Spott und Dienftbahren Knechte / day er folle der Welt 
zu ihrem Spotte dienen wie dein Joſeph von feinen Brüdern 
geſchahe / unddiefer Feder auch gefibehen it. 

55. Alfo wird alsdan Joſeph in Egypten geführet und zum 
Knechte verkauffer / aber GOTT iſt mit ihme / und gibet ihme 
Berftand md Weißheit / dag er zum Hausshalter feines Herrn 
gefeget wird / dag fein Hera nichts ohne ihn anfahet / fondern 
ihm alles vertrauet: Alfo auch war der Geift Joſephs /ob wohl 
zwar ſchmaͤlicher Art in fremde Sande verkauffet wird / da man 
Die Perſon nicht kennet 4 fo fehen die Weiſen dem Geifte in feine 
Augen und kennen ihn / dag ihm GOtt hat ſeine Weißheitund 
Geiſt gegeben / und nehmen feine Schrifften und Lehren / md 
richten ihr gantzes Leben darnach; fo ſitzet Joſeph im Regenten⸗ 
ainbte des Pharao Hoffmeiſters / und regiret ſein gantzes Haus. 

56. Aber hiemit iſt Joſeph noch nicht durchs Gerichte gegan⸗ 
gen / dan in dieſem Regiment ſtehet ihme erſt die groͤſſeſte Gefahr 
feines Lebens zu: Dan allda iſt erſt des Hoffmeiſters Weib in 
Unzucht gegen ihm entbrandt / als die falſche Secten / welche fich 
ia feinen Geiſt wollen vermiſchen / und ihr Ding zu zeitlicher 
Ehre und Kunſt darmit ſchmuͤcken: Und wan fich Diefer Joſephs⸗ 
Geiſt nicht mit ihrem Menſchen-Tandt miſchen wil / ſo ſchreyen 
fie erſt Ach und Wehe uͤber ihn / und bezuͤchtigen ihn der Un— 
zucht / als falſcher Schrei und verklagen ihn vor dem Hoffmei⸗ 
fer / das ift /vor der Obrigkeit. 

57. Allda muß Joſeph erft in Kercker / und gefangen fiken/und 
recht probiret werden / biß ihn GOTT heraus zeucht und fuͤr 
Koͤnig Pharao ſtellet / ſo wird erſt ſeine Weißheit und GOttes⸗ 
furcht offenbahr / daß erkannt wird / daß ihm ſein Verſtand iſt 
von GOTT gegeben worden / und alſo wird fein Verſtand zum 
Regenten über Egyptenlandt geſetzet / welcher nicht allein frem⸗ 
de Voͤlcker regieret / ſondern auch feine Brüder muͤſſen endlich 
in ihrer Theurung / wenn der rechte Verſtand göttlicher Er# 
kaͤndnuͤß bey ihnen theuer wird / zu ihm kommen /umd er erneh⸗ 
ret fle auch mit feiner Weißheit: Und alfo hat ihn GOTT zu 
ihrem Batter voran geführet / dag fie hernach müffen kommen / 
und bey fremden Völkern ihres Bruders Joſephs Weißheit 
fuchen und genieffein. 

58, Denn alfo hat auch Ifraeldie Propheten verfolget / biß 
fie ſind in Finſternuͤß und Abgötterey in ihres Fleifches Luft ge» 
zahten/ und alledas jenige / davon ihnen die Propheten gefagt 
tzatten / über fie kaun; Alsdenn wenn fie im Hunger = = 

ee 





Cap 64. von Joſeph Zucobs Sohn, 62% 


Elende ſaſſen / und ihr Sande voll Greuel war / fo fucheten fie 
der Propheten Schriften herfür / und erfanntenerft/ daß ihre 
Rede wahr war/ und dag ſie ihnen hatten Unrecht gethan / und 
ſchmuckten ihre Graͤber / und fagten: Hattenwir bey unſerer Vaͤt⸗ 
ter Zeit gelebet / wir hätten fie nicht wollen toͤdten: Aber der 
Hoͤchſte hat fein Gerichte alfo (dag er am Haufe Iſrael anfan⸗ 
get zu plagen) und feinen Zorn in den Kindern der Gnaden [e> 
ſchet; dan das Blut der Heiligen in Chrifti Kraft hat allezeit 
dem Zorne widerflanden/ dag Iſrael nicht iſt auffgefreſſen 
worden. 

59. Zofeph ward um zo. Silberling verfaufft/ und Chria 
ſtus um 30/ anzudeuten / daß die Menſchheit Chrifti höher und 
vollkommener fey / als der andern feiner Kinder / dieweil er 
mit von Manncs-Saamen empfangen ward / und in der na⸗ 
tuͤrlichen Tindtur von des Liechts Eigenfhafft entſproß; die 
adamiſche Seele aber von des Feuers Eigenfchafft / daraus dag 
Liecht feinen Urftand und Offenvahrung nimt: Alfo dag in Chri⸗ 
fo des Lichts Eigenſchafft des Feuers Eigenfchafft / als die 
Adamiſche Serlefin fih nahm und fich das innere verborgene 
wieder heraus wendete / welches in Adam zwar zugeficgelt war 
worden / und am Liechts⸗leben verofich. 

60. Darum weilein Chrift unter Chriſto iſt / und in Chris 
ſto wieder in GOTT offenbahr wird / fo ſtehet die Figur Chrifte 
in 30. Zablen / und eines Chriſten in 20. Zahlen in dieſer Figur 
fürgefichlet; denn ein Chrift wird verfauffet in Menſchen⸗ 
Handenzu leyden: Chriftus aber mufte nicht in Menſchen 
Handen allen leyden / fendern fih auch vom Grimme GOttes 
eineracben / davon er Blut fihwiste. 

6r. Und iſt dieſe gange Figur mit Joſeph gewaltig præfigit⸗ 
riret/ wie ein Chrift in feiner Figur vor GOtt und der Welt fie» 
het; denn die gaͤntze Geſchichte Joſephs gehet dahin, wie Adanr 
ein Ehrift werde / wieer müffe im Proceß CHriſti / in EHriftt 
Figur geftellet werden / und ein Bild Chrifti werden / und wie 
ihn GOTT in Chrifti Preces im Reiche Chriſti wieder erhöhetf 
und zur Rechten GOttes feet / wie Joſeph zur Rechten des 
Königs Phargo geſetzet ward / nach dehme er in Chrifti Proceg 
geftanden / und hindurch geführet ward, 


>» Dar 


42 Br 43 a ET a a aa a Eu Fe a FL  ] 
A ’ 


626 Bon Juda und Thamarl und was E. 65. 
Das 65. Gapittel. 


Bon Juda und Thamar: Eine heimliche Figur von 
Adam und EHrifto: darinnen dienene Wiederge— 
buhrt trefflich prefiguriret wird. 

Uber das 38. Cap. Geneſ. 

SEnn man die Hiftori Joſephs nach der aͤuſſern 
Bernunfft betrachtet / fo ſpricht die Vernunfft: 
Warum fichet Joſephs Hiftoria nicht nachein= 
ander in ver Bibel/ da ſie doch nacheinander 
geſchehen iſt? Barum feget Mofes diefe Figur 
mit Juda und Thamar darzmwifchen? So wir aber dieſe Hiſto— 
ri mit Juda und Thamar / und denn Joſephs Figur mit rech— 
sem Verſtande anſehen und betrachten / fo ſehen wir dag ſie der 
Heilige Geift mit groffen Sleiffe hat alfo gar rechtin die Ord⸗ 
nung gefeset. 

2. Denn Zofephift das Bild eines Ehriften / wie cin Ehrift 
an diefer Weck vor GOtt und der Welt ſtehe / wie erin Chriſti 
Proceß und Figur geftellet werde: Aber die Hiftoria mit Juda 
amd Thamar ift num eine Figur / wig ein Chriſt aus Adams 
Bilde nach der Menfchheit iin Reiche der Natur müfte entſproͤſ⸗ 
ſen / als aus dem erften adamifchen Bilde / und wie daffelbe 
adamifche Bilde böfe ſey / und fterben müffe / welches der Zorn 
Gottes tödtet/ und wie doch das erfte Recht beftchen muͤſſe / 
daß ein Ehrift nach Menfchlicher Natur und Eigenfchafft eben 
nur das Adamifche Bilde fey / und kein fremdes / und wie fich 
Chriſtus in diefem adamifchen böfen Bilde offenbahre/ und die 
Boßheit todte; und doch diefer Zeit einem Chriſten äufferlich 
anhange / diefes prefiguriretder Geift allhie gewaltig. 

3. Denn allyier fehen wir eine gewaltige Figur mit Juda / 
in welchem dieLinea CHriſti ſtundt nach der Ordnung der Ge⸗ 
ſchlechte daraus EHriftus folte offenbahr werden : Diefer 
Juda 308 von feinen Brüdern hinab / und thaͤte fich au ei⸗ 
nem Mann von Odollam / der hieß HIRA / und Juda 
ſahe allda eines Cananiters Mannes Tochter / die hieß 
SIAA / und nahm ſie / und da er fie beſchlief / ward fie 
ſchwaͤnger / und gebahr einen Sohn / den hieß er GER / und 
fieward abermahl ſchwanger / und gebahr einen Sohn / den 
bir ſie OWAIT ; fiegebahr abermahl einen Sohn / den ie 

e 


9 





* 





Cap. 65. dieſe Hiftoriaprefiguriret. 62% 

ſie SELAH und fie war zu CHESIB / da fieihn gebahr 3 
und Juda gab feinem Sohn GER ein Weib / die hieß THA⸗ 
ITAIR: Averer war boͤſe für dem Herrn / Darum toͤdtete ihn 
der Herr / da ſprach Jude zu Onan / lege dich zu deines 
Bruders Weib / und nimm fie zur She / Daß du deinem Bru⸗ 
der Saamen erweckeſt: Aber da ONAN wuſte daß der Saa⸗ 
me nicht ſein eigen ſeyn ſolte / wenn er ſich zu ſeines Bruders 
Weib iegte / ließ ers auff die Erde fallen und verderbts? 
auff DaB er feinem Bruder nicht Saamen gabe; das gl 
dem Herrn übel] das er thät / und toͤdtete ihn auch. 


Die Figur ſtehet alſo: 

4. Juda ſtehet allhie in der Figur Adams / in dem der Gena⸗ 
den-bund vom Weibes Saamen war wieder in Adam einge⸗ 
ſprochen worden / ſo ſtehet er in derſelben Figur / wie der Gena⸗ 
den⸗bund im boͤſen Adam ſtundt / was Adam allda war: gleich⸗ 
wie in Juda die Linea Chriſti / als der Genaden⸗bundt / in der 
Bewegnuͤß ſtundt / als ein Ziel biß auff Mariam / alſo auchi in 
Adam biß auff Judam. 

5. Und Thamar ſtehet in der Figur der Even / in welche 
GOTT bat feine Verheiſſung / als das Wort zur Wiederge⸗ 
buhrt / dag des Weibes Saamen in Krafft des Wortes folte 
der Schlangen den Kopff zertretten / eingefprochen / fo ſtehet fie 
als eine irrdiſche Eva / inder im inwendigen der Genaden-bund 
ſtundt / und auswendig die verderbfe Eva war / welche in dieſer 
Figur Aufferlich ſtehet als cine Hure / aus welcher doc) die Linea 
EHrifti/ mit dem Perez ihrem Sohne entfproß / gleichwie aus 
der Eva der Abel / ob Eva gleich war irrdiſch worden / und fe= 
hen allhie das Bilde gar eben / wieder Geift indiefer Figur mie 
dem alten und neuen Adam / fo wohl mit der alten und neuen 
Era ſpiele F 

6. Denn Adam war aus ſeines Vatters Haus gegangen mit 
feiner Luſt wie Juda zu den Cananitern / und hatte ihme in 
feiner Luſt-begierde das Cananitiſche Weib der 4. Elementen 
genommen / mit der zeugete er 3. Söhne / der erſte hieß Ger / als 
eigen Begierde / da das Reich der Natur des Menſchen in eige⸗ 
ner Begierde ſtundt als in eigenem Willen / und dieſer Sohn war 
die erſte Welt vor der Suͤndfluth / dieſem gab der Vatter ſei⸗ 
nen Namen / anzudeuten / daß er in des Vatters Natur lebete. 

7. Den andern Sohn Dieb fie Onan / den nennete feine 
Mutter ge deutet an, die andere Ken dr Suͤndfluth / 

Dd denn 


me, 
8 


28 Bon Juda und Thamar / und was C.65. 


denn die Natur des Vatters im Menſchen ſprach zu GOtt; O 
nein / mein Herr / ertraͤncke mich nicht mehr / und die Mutter 
alsdas Weib dieſer Welt im Spiritu Mundi im ausgeſprochenen 
Worte und Leben / gab ihrem Sohne diefen Namen: Denn 
GOTT hatte feine Genade in ſie eingeſprochen / daß dieſer ihr 
anderer Sohn als die andere Welt / nicht ſolte mit Waſſer er> 
trencket werden: darum ſtehet dieſer Name in der hohen Figur 
alſo / und heiſſet Onan / denn der Geiſt verbirgets in der hohen 
Zungen / und heiſſet ihn Oman / oder Onein! 

8. Den dritten Sohn hieß fie Sela / und ſte war zu Chefib / 
da fie ihn gebahr. Chefib deutet in der hohen Zungen anelır 
Aushauchen/ und wieder Einfaffen/ das iſt / dieſer Sela 

deutet an die Zeit der Offenbahrung des Geſetzes / da ſich Der goͤtt⸗ 
liche Wille im Worte / durch das ausgeſprochene Wort hat offen⸗ 
bahret / und in ein Geſetze oder Gebott eingefaſſet. 

9. Dieſe 3. Söhne deuten an die z. Zeiten / von Adam Fig 
auff Chriſtum: Ger ift die Zeit vor ver Suͤnd⸗flut in eigener 
Suft und Begierde: Gnan iſt die andere Zeit nach der Suͤnd⸗ 
flut; diefer Sohn / alsdie Welt nach. der Sauͤnd⸗-fut hatte 
GHttes Gerichte und Straffe erkannt / die hebet an vor GOt 
zuflehen: Onein Herz / ftraffe uns nichtmehr alfe! 

10. Die dritte Zeit ift die Zeitdes Geſetzes / alseine Offen» 
bahrung der Sünden und heiffet billih Sela: Dan diefer 
Sohn faget / ich habe meine Seele wieder indem ‚Herren ges 
funden / aber er warnoch nicht der / welcher Thamar / das ift 
Die verborgene Eva / in welcher der Genaden-bund Ing / ehligen 
koͤnte / er konte nicht den MWeibes-Saamen erwecken: dan Chri— 
ftus war im Gefege noch verborgen / fo follte Thamar warten 
bif Sela groß würde) das ift / das Geſetz follte auff die Erfül- 
fung der Zeit warten / aber nichts defto weniger ward Thamar/ 
das ift die neue Eva/ welche unter den Suͤnden⸗deckel verbor= 
gen lag / durch den Geiſt im Bunde geſchwaͤngert / undgebahr 
die Lineam Chriſti / der aͤuſſren Thamar oder Erenverbor- 
gen: wie dieſe Figur mit Juda und Thamar ausweiſet. 


Die innere Figur ſtehet alſo. 
ır. Juda gab ſeinem erſten Sobne ein Weib / die hieß Tha⸗ 


mar / aber er war boͤſe vor dein Herren / darum toͤdet iin der. 


‚Herr: Das ift im innern Berfinnde fo wich geſaget / GOTT 
gabder erſten Welt / als dem erſten Sohn Ger dieſe Thamar / 
als den verheiſſenen eingeleibten Bund Im a 

| er 








Cap. 65. dieſe Hiftoriaprefiguriret. 6 
Aber fie ſahen nur auff die aͤuſſere Exa / und trieben Hurerey mit 
ihr / alſo blied Thamar bey dieſem Sohne unfruchtbahr / und ges 
baͤhr nur die aͤuſſere Evam in ihrer Hurerey: Alſo war Ger} 
als die ; SleifäyesBegisıde böfe vor dem Herrn / darum toͤdtete 
ihn der Her mit der Suͤnd⸗fluth. 

x2. Als nun diefer Sohn getoͤdtet war / fo fprach der Geift 
GOttes zum andern Sohnenadh der Sündzilut: Nim du dei⸗ 
nes Bruders Weib / und erwecke in Thamar einen Saamen 
aus der Linea des Bundes / das iſt / tritt du in den erſten Bund 
von Weibes-Saamen / und führe deinen Willen in Gehorſam 
Gottes / und wuͤrcke in der verheiſſenen Genade: Aber der andert 
Sohn / als die andere Welt wollte ſich auch nicht mit ven goͤtt⸗ 
lichen Willen ehligen und in der Genade wuͤrcken / ſondern 
ſchuͤtteten ihren Saamen auff die Erde / das iſt / ſie ſatzten ihre 

Begierde in irndifche Dinge und wollten Einen Saamen in der 
innern Eva im Genaden-bunde erweden] fondern führeten ihren 
Saamen nur in irrdiſche Gefaͤſſe / und gebahren Kinder der 
Fleiſchlichen Souuft wie an den Kindern Nimrods / und bald 
— an Sodom und Gomorra zu ſehen iſt. 

Weil ihnen aber GO TT hatte den Genaden-bund mit 
Hain angedeutet / dag er ſie nicht wollte mehr mit Waſſer toͤd⸗ 
ten] da fie fägten: O neim Herr) födte ung nicht mehralfe ; 
und fie hatte gcheiffen vor ihm wandeln und ihme Frucht gebaͤh⸗ 
ren / und ſie hren Saamen nur indie Eitelkeit führeten/und vor 
dem Herrn verſchuͤtteten / und nicht Thamar / als den inmwendt> 
gen Genaden-bund ehlichen wollten / ſondern hureten nur mit 
Ber irrdiſchen Eva] und verſchuͤtteten ihren ſecliſchen Saamen 
für der innern Eva im Bunde / ſo toͤdtete der Herr dieſen Onan 
auch / mit Sodom und Gomorra / und mit den Heyden / als 
fie Iſrael aus ihren Laͤndern vertrieb und toͤdtete: Dan dieſelbe 
Heyden wollten nicht das Weib im Bunde ehlichen ſondern 
ehlichten ihre eigene Vernunff und macheten ihnen Goͤtzen / por 
denſelben ſchuͤtteten ſie ihren Glaubens⸗ ſaamen recht auff die 
Erden / darum toͤdtete ſie der Herr auch / wie Onan. 

14. Und der Geiſt redet weiter in der Figur unter einer aufa 
ferlichen Sefehichte/ und fpricht: Da fprach Juda zu feiner 
Schnur THamar / bleib eine Witwe in deines Darters Hau⸗ 
ſe / biß mein Sohn SEla groß wird / dan er gedschte/vielleiche 
möchte er auch ſterben wie feine Bruͤder: Alſo gien THamar 
hin und blieb in ihres Vatters Hauſe. In der erſten Welt vor 
der Suͤnd⸗ fluht / ſo wohl in der Welt nach der Suͤnd⸗fluht / 


Iches 


630 Bon Juda und Thamar / und was €. 65. 


lebete die Welt frey / ohne göttlich Gefege : dan fie waren mit 
dem Bunde der Genaden verchliget/ und follten unter dom Gna> 
den⸗bunde leben / als unter der Verheiffung des Weibes-Saa- 
anens/ dieſer Weibes-⸗Saame hat ſich mit ihnen verchliget/'wie 
Judeæ Söhne mit Thamar : Aber fichureten nur mit der irrdi⸗ 

ſchen Eva / alfo blieb das rechte Weib im Bunde inihnen un: 
fruchtbahr. 

25. Als ihnen aber GOTT das Gefeke gab /fo verhieß er die⸗ 
fen Weibe im Genaden-bunde unter dem Gefege den rechten 
Sela: Aber fie/ als des Weibes Saamen im Bunde / follte 
after dem Gefeße eine Witwe bleiben / biß Sela groß würde / 
dDas iſt / biß das Geſetz feine Zeit erreichet hatte / indeß follte das 
Weib im Bunde in ihres Vatters Hauſe / unter dem Geſetze 

verborgen bleiben als eine Witwe in ihrem Stande: denn das 
Seſetze ſollte unterdeſſen regieren. Sie aber / als das heilige 
Weib der Genaden follte ſtille feyn / daß nicht der Zorn GOttes 
etwan (um diefer hohen Genade willen / welche er den Men 
ſchen gab / da fie verfelben nicht achteten / noch fich derfelben an⸗ 
nahmen und darinnenlebeten) Iſrael auch toͤdtete wie Juda 
dachte der Herr wollte Sela auch tödten. 

26. Und ſehen in diefer Figur recht / daß nicht dem Sela als 
dem Geſetze dig Weib im Bunde gegeben ward) ob das Ge⸗ 
ſetze gleich lange darauffwartete / fo mochte doch Sela dig Weib 
Im Genaden-bunde nicht ehligen/ fondern Juda / das iſt / GOt⸗ 
tes Wort und Krafft muß ſich wieder zu dieſem Weibes⸗Saa⸗— 
men im Bunde legen / und denſelben erwecken / dag die ſes Weib 
ſchwanger ward / und den Weibes-⸗Saamen gebahr / welches in 
Marien erfuͤllet ward / wie wir die Figur mit Juda und Tha— 
mar ſehen / wie fie Juda / als fie vor der Thuͤr ſaß und auff 
ſeine Verheiſſung wartete / daß er ihr wollte Sela geben / ſelber 

habe geſchwaͤngert / denn das Geſetze konte die rechte Thamar 
- Ian Bunde nicht ſchwaͤngern / ſondern das Wort im Bunde mu— 
ſte fich bewegen / und Thamar ſchwaͤngern. 

17. Denn allhier ſehen wir die allergewaltigſte Figur des 
gantzen Alten Teſtaments: Da ſtehet Juda in der Figur in der 
Linea des Bundes / wie ihm fein Vatter Jacob andeutete / 
und Thamar als fine Schnur / aus welcher die Kinder des 
Bundes aus Judæ Linea follten Saamen erwecken / ſtehet in 
‚Her Figur der äuffern und innern Eva; Innerlich deutet fiean 
Die Mutter des Genaden-bundes / in welcher das eingeleibte 
Genadenzwort ſtundt / und aufferlich ſtehet Ne in der Fi— 

gur 


Cap. 65. Die Hiftoriaprehguritef. 63% 
gur der verderbten Evz / in welcher der Bund im Ins 
nern lag. 

18. Nun follten die Lineen , fo aus diefem Bunde waren ent⸗ 
ſproſſen / göttlihen Saamen fan / und Früchte In GOttes 
Reich bringen: und das konten fie nicht thun / denn die eigene 
Macht war verlohren: darum muſte ſich das erſte ewig-fprechen» 
de Wort/ das den Bund hattein Eva / alsin Weibes-Saas 
men eingeſprochen / felber wieder in diefem-eingeleibten Gena= 
Den=bunde im Weibes Saainen bewegen / und diefes Weib fel> 
ker ſchwaͤngern / daß fie Chriſtum gebahr / gleichwie Jude ſei⸗ 
ne Schnur in diefen Fürbilde ſchwaͤngerte. 

29. Der Text Moyſis lautetalfo: Da nun-viel Tage ver⸗ 
lauffen waren / ftarb des SUHA Tochter / Judæ Weib 
und nachdehm Juda ausgetrantet hatte/gieng er hinaufffei= 
ne Schafe zu feheeren / gen Thimnath mit feinem Hir⸗ 
ten HIRA von SOPELLMN: Da ward der Thamse 
angeſaget / fiehe dein Schwäher gehet hinsuffgen Thimnath 
feine Schafe zu fiheeren: Da legte fiedie Wittwen-Kleider 
von fich Die fie erug / deckte fich mit einem Mantel / und ver> 
hullete ſich und jaste ſich vor die Thüre heraus an ders: 
‚Weeg gen Thimnath; dem fie fahe daß Sela war groß wor⸗ 
den / und ſie war ihm nicht zum Weibe gegeben. 


Die innere Figur fiehet alfo: 
20. In Zuda lag die Wursel des Bundes/ welche auffs 
Ziehl drang/ da fie follte mit Ehriflo offenbahr werden / fe 
Kunde Juda allyie in diefer Figur an flatt des Soͤttlichen 
Worts / welhes Wort GOTT dem Adam zum verſtaͤndigen 
Leben einſprach: fo ſaget allhie der Text; dem Juda ſey ſein 
Weib / als des Suhaͤ Tochter / geſtorben. Dieſes Weib ſtarb in. 
Adam: denn es war die Mutter der himmliſchen Gebuhrt in 
der Himmliſchen Welt Weſen / um welche Adam traurete / und 
als ihn nun GOTT hatte zu dieſer Welt geordnet / fo hoͤrete 
fein Traurenauff: denn er Dachte er wäre num daheime / und 
gieng aus dem Paradeig hinab, die irrdiſche Früchte zu ge⸗ 
nieffen/ fo wohl der Thiere / fo fpricht allhie ver Geift: Er 
habe feine Schaͤflein geſchoren / welches mit Zuda wohl mag alſo 
geſchehen ſeyn: Aber ver Geiſt yatallpie die allerheimlichfte Fi⸗ 
gur / darunter er Adam hat: denn der Geift faget allhier/ / Juda 
habe feinen Hirten Hira von Bdollam mitgenommen. 
21, Diefer Hira iſt in der Figur der Cherub/ welcher in der 
22.4 indie. 


°;2 Bon Juda und Thamar / und was. 65. 


irrdiſchen Begierde und thierifchen Kleidung des Menſchen 
ſtecket / den nahın Adam mitte / alserausdem Paradeiß gieng/ 
wie Schäflein diefer Welt zu ſcheeren: denn derfelbe war fein 
Hirte] verftchet die irıdifche Begierde: denn dieſelbe huͤtete 
sun der Thiere und Schafe / und fihor fie auch / / daß Adam 
Kleider und Nohtturfft hatte. 

22, Und der Geift heiffet die Stätte Thimnath / da Juda 

feine Schafe hatte: In der Haubtszungen lieget dieſer Ver— 
ſtand im Senfu gang offenbayr: denn Thimnath iſt anders 
nichts als das ausgefprochene Wort / in feinem mächtigen Wie⸗ 
derausſprechen / und deutet anden Geiſt diefer Welt in den E> 
lementen / darinnen das Auffere Eödtliche Leben ſtehet / darin- 
nei hatte Adam feine Schäflein / und hat fie auch noch darinnen 
in feinen Kindern. 

23. Dein in diefer Stätte iſt Sela gebohren / alsdas Be» 
fee der Natur / weiches dem Menſchen die Gerechtigkeit gebeut / 
auff welches Befeze Thamar / als der Bund der Genaden lange 
Zeit unter der Jugend Sela wartete / ob das Geſetze koͤnte mit 
dem Genaden⸗bunde verehliget werden: aber cs Eonte nicht feyn / 
daß GOttes Gerechtigkeit aus dem Geſetze häfte mögen genug 
geſchehen / und daß Thamar als die Genade im Bunde und das 
Seſetze moͤchten in die Ehe kommen. 

24. So deutet nun der Geiſt allbier klar / als ſich GOttes 
Wort hat mit den Geſetze in der Welt ofſenbahret hat Thas 
mar; dasift/ der Genaden:bund feine Wirtwen- Kleider beys 
feite geleget und hat ſich an den Weeg des Worts im Gefege / 
geſetzet da unter dem Geſetze der Geiſt der Propheten aus der 
Linea Judæ / vom Reiche Eprifti fürüber gieng / diefen Geiſt 
swolteder Gensden-bund zum Gemahlhaben denn es war der 
rechte / aus deme Die Propheten unter Dem Gefege auf Chris 
ſtum deuteten. 

25. Aber Thamar / das ift/ der Genaden-bund verhüuͤllete 
fein fchönes Angefichte vor dem irzdifchen Adam / und ſchaͤmete 
ſich der Ungeſtalt des irrdiſchen Menfchen / Das die Kinder des 
Gefeßes/ fo wohldie Propheten / von auſſen alſo irrdiſch waren: 
gleichwie Thamar ihr Antligvor Juda verhuͤllete: Weilaber 
Die Zeit da war / daß der Bund follte offenbahr werden ; fo ftel= 
Tete fich der Geift des Bunds vor Sela / als für das Gefese / 
Denn die Genade follte Adam wieder in ſich nehmen / gleichwie 
Thamar Saamen von Juda ihrem Schwäher annahm / und 


fich ſchwaͤngern lieg, 
awäng 26. Aber 








Cap 65. bie Hifteriaprzfguriret. 633 

26. Ader das heilige Antlitz des Genaden-Bundes in feiner 
Krafft blieb Adam im Geſetze noch verborgen / jo wohl auch den 
Propheten biß auff Chriſtum / gleich wie ſich Lhamar vor ihrem 
Schwaͤher Juda mit ihrem Angejichte verhuͤllete / daß er ſie nicht 
kannte: Alſo auch ſtund der Bund der Genaden im Geſetze / aber 
init verhaͤlletem Angeſichte. Und der Geiſt redet weiter im Moſe 
und ſpricht: 

27. Da ſie nun Juda ſahe / meynete er es waͤre eine Hure) 
denn ſie hatte ihr Angeſicht verdecket / das iſt / als die Kinder 
im Geſetze den prophetiſchen Geiſt von Chriſto hoͤreten re⸗— 
den / ſo dachten ſie / er ware in ihrem Geſetze / und des Geſetzes 
aber cr hatte fein Angeſicht verhuͤllet wie Thamar / und Juda 
machte ſtich zu ihr am Weege / und ſprach: Lieber laß mich 
bey dir liegen: Denn er wuſte nicht daß es feine Schnur war } 
das iſt / Adams Natur im Geſetze ſprach zum prophetiſchen Gei— 
ſte vonder Genade / lieber laß mich zu dir / Liege bey mir / ich wil 
dir Saamen meiner Natur geben / und er erkannte nicht / dag 
GOtt in dieſem Geiſte ware und begehrete ſich auff crea⸗ 
tuͤrliche Arth mit ihme zu miſchen: Er erkennete auch nicht / daß 
dieſer prophetiſche Geiſt der eingeleibte Geiſt im Bunde im 
Menſchen ſelser waͤre: So gar blind war die Adamiſche Natur 
am Bunde. | 

28. Die Adamiſche Natur dachte / es wäre eine Hure / die 
ſtellete ih alfo im prophetifchen Geiſtt fuͤr ſie; darumb haben 
gar offtdie Juden die Propheten getödtet: Dann fie meyneten / 
fte göreten einen ſalſchen Huren-Gelft reden : Aber allyie mit 
Juda war Die Figur /wie ſich ſollte Die erſte Adamiſche Natur 
mit dem Bunde Ber Genaden miſchen / wie der himmliſche Ens 
wuͤrde den Adamiſchen menſchlichen wieder in ſich nehmen / und 
wie es der Menſch ſelber nicht ver ſtehen würde / was GOtt mie 
ihm thun wuͤrde. 

29. Die Adamiſche Natur wurde ſich zwar in ihrer Luſt nach 
himm liſchen Ente fahnen / aber fie wiirde ihn nicht kennen; ob 
fie denſelben gleich wurde ſehen / fe würde fie dencken / das iſt mei⸗ 
nes gleichen / ich wil mit ihm huren / alfo frembde iſt dem Adam 
das Paradeiß worden. 

30. Und als ſich Thamar mit verdecktem Angeſichte für Juda 
auff den Weeg ſtellete / under zu ihr fprach : Schlaff bey mir⸗ 
fo ſprach Thamar zu Juda; was wilt dir mir geben / daß die 
bey mir liegeſt; Sr ſprach / ich wil dir einen Ziegenbock vork 
der Heerde fenden I fie — ſo gib mir ein ur 

} p) u 


634 Von Juda und Thamar und was C.65. 


daß du mir es fendeft ; er ſprach / was wilt du für ein Pfand 
daß ich Dir gebe ? Sie antwortete / deinen Ring / und deine 

Schnur / und deinen Stab / den du in den Haͤnden haſt: Da 
gab er es ihr / und lag bey ihr / und ſie ward vor ihme ſchwan⸗ 
ger; Und ſie machte ſich auff und gieng hin / und legte den 
Mantel ab / und zog ihre Wittwen⸗Kleider wieder an. 

3r. Allhie fpielet der Geiſt nun ger ſchoͤne in der Figur / wie 
Adams Natur mit der fuͤrgeſtelleten neuen Even im Bunde 
buhlet / und fie doch nicht kennet und wieder Bund mit Adams 
erſten rechten Natur buhlet / wie ſie in frembder Geſtalt zuſam⸗ 
anen kommen / wen Adams Natur ſpricht: Schlaff bey mir/und 
wil dieſe Evam im Bunde nur auff eine kleine Wolluſt haben / 
wie die Adamiſche Natur in ihrer Selbheit alſo thut / daß fie nur 
mit falſchem Schein mit der neuen Eva buhlet / und ihr Hertz iſt 
weit von der recht ehligen Bermaͤhlung / und nahet ſich nur mit 
einer heuchleriſchen Hurerey zu ihr / wie im Ambte der Phari⸗ 
ſeer geſchicht: So ſpricht dieſe Eva zu der Adamiſchen Natur / 
was wilt du mir geben: So verheiſſet die Adamiſche Natur ei⸗ 
nen Bock / das iſt / einen thieriſchen Willen voll Brunſt der 
Heucheley. 

32. Aber dieſe Eva / als Thamar / ſpricht; gib mir indeß dei- 
nen Ring / Stab und Schnur zu Pfande: Der Ring iſt die See— 
fe / welche aus dem Wort GOttes kam; Die Schnur iſt der 
Spiritus Mundi, als der aͤuſſere Geiſt; und der Stab iſt der Leib: 
Dieſes wil die neue Eva / als die Linea Chriſti im Wunde zum 
Pfande haben / und dieſe Kleinode muſte Adam dem Genaden— 
Bunde / als des Weibes innern Saamen in der eingeleibten 
Genade von der himwliſchen Welt Weſen zum Pfande geben. 

33. Als dieſe theure Eva im Saamen Dariz ſollte bey Adam 
ſchlaffen / und Adams Saamen inihre heilige Gebuhrt einnch- 
nen / gleich wie Juda / in welchem Die Linea des Bundes lag/ 
muſte Thamar / welcheim Bilde der neuen Even /als der himm⸗ 
liſchen Welt Weſen ftund / diefe Kleinode/ als feinen Ring / 
Schnur und Stab geben / welche beyde in der Figur ſtunden / 
wie Chriftus follte aus Adams Natur in Marien) da die rechte 
Thamar oder neue Eva innen lag / offenbahr werden. 

34. Undals Thamar den Ring / Schnur und Stab kriegete 
zum Pfande/ fonahm fiediefelben / und legte fich zu ihine/ umd 
fragte nichts nach dem Ziegenbocke / fondern behielt diefe Kleino- 
Ber / und gieng damit davon / und tratt wieder in ihren vorigen 
Wittwen⸗ſtand / und verbarg fich für Juda / dag ernicht wuͤſte 
wer fie waͤre / und wo fie fey hin kounnen. 35.Dies 





. . A .,®, >. ®_ E .- 

Cap.65. dieſe Hiftorinprefiguriset.. 635: 

35. Dieſes iſt nun die gar fchöne Figur / wie fich der Geift int 
Bunde mit der himmliſchen Welt Weſen / als mit der neuen- 
Ehe oder Even / mit Adams verblichenem Weſen / auch von der 
bimmlifchen Welt Weſen / welches Weſen im Falle verblich / 
wieder menget und einiget; wie GOtt Menſch wird / und Menſch 
GoOtt wird /und wie ſich dieſes Bild im neuen Goͤttlichen Saa⸗ 
men empfangen / alsdenn wieder fuͤr dem irrdiſchen Adam ver⸗ 
birget/dag Eva muß wieder ihre Wittwen⸗Kleider anziehen und 
tragen /daf der edle Saame in diefer Welt nicht erfannt werde] / 
wie bey den Kindern Chriſti zu fehen ift / welche aus Ehrifto 
nach diefem inmwendigen Grunde gefhwängert fepnd / wie fie 
nach der Hochzeit des Sammes / als dieſes Göttlihen Beylaͤ⸗ 
gers oder Zufammenfägung / welche zwar in groffer Freude der 
Seelen getcyiehet/wieder in den Stand der. Traurigkeit fresfen] 
undin diefer Welt verlaffen feyn als eine arnıe Wittwe. 

36. Und wie Thamar nichts nach dem Ziegenbod fragte) ſon⸗ 
dern wolte cin befäntlih Pfand haben: Alfo fragef auch der Geiſt 
im Bunde nichts nach Aufferlihem Gepränge/ da man ihm wil 
Gaben opffern : Er wil Leib / Scel und Beift zum Dfande haben. 

37. Er ſtellet die Juͤdiſche Opffer in diefer Figur nuf gleich 
einer Hurerey vor GOtt für / denn gleich wie Juda mit Thamar - 
hurete/ undnurdie Hurerey meynete / und einen Bock darumb 
geben wolte : Alfo auch ſtunden die Priefter des Geſetzes / und 
buhleten in Schein» Heucheley mit GOtt / mit Thieres-⸗Bluth 
und Fleifch/ welches zwar eine Figur des innern war/und es ihm 
GoOtt gefallen ließ: Aber GOtt wolte nicht ihre Opffer annch> 
men /er vermengete ftch auch nicht mit den Opffern / fondern mit - 
dein Glauben in Leib / Seel und Geiſt des Menſchen / und ſehen 
deſſen allhier ein trefflich Exempel. | 

38. Juda hatte drey Söhne mit dem Lananitifchen Weibe 
gezeuget/ aber die Bundes-Linea ‚weile in ihm lag/ wolte nicht - 
auff das Eananitifhe Weib und ihre Kinter dringen / ſondern 
in dieſer Hurerey Judz und Ihamar eröffnete fie fich mit dem: 
Deres / welchen Thamar von Juda aus dieſem Benfchlaff em⸗ 
pfieng / mit welcher Figur ihm G Ott des Menſchen Elende fürs - 
ſtellete / und ftellete feinen Bund der Genaden mit Eröffnung - 
diefer theuren Bundes-Linea , welche auff das Zichl Chriſtum 
drang /in diefe Hureren Iudz und Thamar / als in den irrdi⸗ 
ſchen Adam und in die irıdifche Evam / aber in den inwendigen 
Grundihres Weſens: Anzudenten/ dag auch die Kinder GOt⸗ 
tes inihrer verderbten Natur nur Hurerey vor GOtt treiben / und 

Dd 6 daß 


536 Bon Juda und Thamar / und was E.65. 


dag ihr Eheftand nur eine Hurerey und beſudeltes viehiſches 
Weſen vor GOtt ſey / und gar nichts tüchtiges oder reines darin⸗ 
nenvor GOtt fey :Darumb offentahrete ſich Die Linea des Bun⸗ 
je in diefer Hurerey Judz und Thamar / anzudeuten / daß aus 

ieſer Bundes⸗Linea follteChriftus kommen / und ins Mittel dit» 
fer Hurerey eintretten / un der falſchen Huren-Begierde und irr⸗ 
diſchen Schlangen den Kopff zertretten / und unſere fleiſchliche 
unreine viehiſche Empfaͤngnuͤß mit feinem himmliſchen jung» 
fraͤulichem Saamen reinigen / und wieder in ihme ſelber ins Pa⸗ 
radeiß⸗-Bild wandeln. 

39. Auch offenbahrete GOtt die Liveam ſeines Bundes darum 
indiefer Hurerey JIudz und Thamar / auff daß fein Grimm in 
unferer menfchlichen Unreinigkeit nicht Leib und Seele anzuͤnde 
und verfehlinge/fondern dag der Bund der Genaden dem Zorn in 
unferer Unreinigkeit entgegen ſtund / auff daß GOtt nicht Iſrael 
in ihren Greuelen und Unreinigkeit in feinem Zorne auffraͤſſe. 

40. Weil denn in Juda die Linea des Bundes zur Offenbah⸗ 
rung und Fortpflansung lag / und Iſrael nach der Adamiſchen 
Natur auch unrein war / fo ſtellete ihm GOtt feinen Genadens 
Bund mit der erften Fortpflantzung aus dem Stamme Ifraclis 
in cine ſolche Figur / auff daß ihm Abrahams / Iſaacs undJacobs 
Glaube in dem erſten Zweige aus ihnen / als in Juda und ſeinen 
Kindern in ſeinem Grimme entgegen ſtund / und allezeit der 
Glaube Abraͤhams / als der Geiſt Chriſti in Abrahams Glauben 
ein Mitler ſey zwiſchen GOtt und des Menſchen Unreinigkeit. 

41. Eine ſolche Figur ſehen wir auch beym Königlichen Pro» 
pheten David mit der Bethſaba / auff welche auch die Linea des 
Bundes mit Salomon drang / und ob ſchon David ihren Mann 
Uriam toͤdten ließ / und Falſchheit trieb / daß er nur Bethſaba 
zum Weibe bekam / welches in menſchlicher Natur vor GOtt ein 
Greuel war und groffe Sünde; aber der Geiſt hatte auch feine 
Sigur alfo mit David / dieweil GOtt feinen Genaden- Bund 
von Chriſto mit ihm verneuerte / fo jteilete GOtt die Lineam ſei⸗ 
nes Bundesin Davids Ungerechtigkeit in das Weib /dag er hat 
mit Unrecht in Hurerey an fich gegogendurh Morden ihres Ehe⸗ 
mannes/ anzudeuten ! das alledes Menſchen Weſen vor EOtt 
eitel und böfe fey / und daß er wolle unferer Sünde und Unrei⸗ 
nigfeit mit feiner Genade felber zu huͤlffe kommen / und feine 
Genade in unfere Suͤnde einführen /und fie mit der Genade 
tödten / fo ſtellete ihme GOtt in David dieſes Bild für zur Bere 

oͤhnung auffdie Zukunfft Chriſti / welcher / als er ſich in Die Figu⸗ 
ren 








? 


Cap.s 5. dieſe Hiſtoria preſguriret. 637 


ren eingab / aller Menſchen Sünde auff ſich nahm / und die Hure⸗ 
rey Judæ und Thamar / fo wohl Davids und Bethſabæ / als As 
dams und Evz wieder reinigte / und ſich zu ihnen ins Ehe⸗bette 
legte/wie zuguda und Thamar/auhDavid un Bethſaba / in deh⸗ 
nen die Bundes⸗Linea in ihren böfen Fürhaben offenbahr ward. 

42. Dann allyie ward das alte Sprihwort erfuͤllet: Wo 
GHtttine Kirche hinbauet / alldahin bauet auch ver Teuffeleine 
Capellt. GOtt hatte in Juda und David eine Kirche feines 
Bundesgebauct/ darneben bauete auch der Teuffel in GOttes 
Zorne in Menfchen-$uflfeine Eapelle ;aber die Kirche GOttes 
widerſtund ailegeit der Capelle des Teufels. 

43. Dann allyier in dieſer Figur ſtellete ſich des Weibes 
Saame cin/ wie er wolte in des Menfchen Unreinigkeit der 
Schlangen den Kopff zertretten: Allda war das Bild GOttes 
Zorns /unddas Bildder Genaden in einer Figur dargeftellet/ 
als Adams fleiſchliche Hurerey mit feiner Eva und allen ihren 
Toͤchtern / und dann des weiblichen Saamens von der him̃liſchen 
Welt Weſen / welcher ſich mit dem Worte der Genaden ins 
Mittel ſtellete. 

44. Noch viel eine trefflichere Figur ſehen wir an dem hoch⸗ 
weiſen Koͤnige Salomon / welcher eben in der Figur Judæe ſtund⸗ 
wie Juda Jacobs Sohn war / welcher die Verheiſſung empfieng / 
und Jacob gaͤntzlich in Chriſti Figur ſtund: Alſo empfieng auch 
David Die Verneuerung des Bundes der erſten BVerheiſſung / 
und Darid zeugete dieſen Salomon auc von unrechter Ehe/wies 
wohl er fie inine zum Weibe nahu fo fund doch das Unrecht und 
der Mord hinter ver Thür. 

45. Diefer Salomen ward begabet mit hoher Göttlicher 
Weißheit / und drang auch die Linea des Bundes auff ihn /aber 
er ward endlich ein ſolch unerſaͤttlicher Buhler / daß die Schrifft 
von ihme ſaget / er habe 700. Kebs⸗weiber und 300. Ehe⸗weiber 
gehabt / und ſich mit heydniſcher Koͤnige Toͤchtern gemiſchet / und 
ſie zu Weibern genommen / und habe den heydniſchen Weibern 
vergoͤnnet ihre Gösen-Bilder zur Abgoͤtterey für Jeruſalem 
auff ven Höhen auffzurichten. 

46. Zn diefer trefflihen Figur deutet der Geift /daf der 
Menſch von GOtt abgefallen / und nur abgöttifch ſey dag Adanz 
mit allen feinen Kindern in eigener Natur ein ſolches vichiſches / 
hurifches und abgöttifches Geſchlechte ſey; und ſtellet darneben 
in diefem Könige Salomon die Lineam feines Bundes unter 
dieſe heydniſche / abgöttifche / huriſche Kebs⸗weiber / welche in ci= 

Dd7 gence 


638 Don Juda und Thamar / und was €: 65, 


gener Natur vor GOtt nur ein Greuel waren : anzudeuten/ dag 
ſich Chriſtus aus diefer Bundes-Linea follte mitten unter die 
Heyden ftellen/und die Abgötterey von ihren Hergen reiffen/und 
fie alle zu Eprifto bekehren. 

47. Auch anzudeuren / daß GOtt der Heyden Weife unter 
der Gedult derFigur Chriſti trage / und daß er mir den Juden nur 
ein Fuͤrbild des Tempels Chriſti habe dargeſtellet / daß ſie / die 
Juden / in ihrer Natur eben nur ſolche abgoͤttiſche Hurer waͤren 
als die Heyden / ohne daß ſte in ihrem Geſetze das Fuͤrbild Chriſti 
hatten mit ihren Opffern / darauff der Bund ſahe; wie GOtt Juden 
und Heyden von Adams Greueln und Abgoͤtterey erloͤſen und reis 
nigen wolte / und daß ein Volck vor ihme waͤre als das ander / und 
keines nicht beſſer / ſondern alle miteinander nur der boͤſe Adam: 
Darumb ſtellets ihme der Geiſt in Salomons Figur in der Li- 
nea des Bundes fuͤr Augen / auff daß er ſich aller erbarme umb 
Chriſti willen / welcher dieſe Lineam erfuͤllen ſollte. 

48. Und wird den Lehrern zu Babel hiemit angedeutet / welche 
ein Theil wollen Salomon wegen der heydniſchen Goͤtzen ver⸗ 
dammen / daß fie eben unter der Decke nur ſelber liegen / wie die 
Juden unter Chriſti Fuͤrbilde / und ja ſo wenig die Schrifften 
verſtehen als die Juden / und eben auch nur in abgoͤttiſcher zaͤncki⸗ 
ſcher Hurerey vor GOtt ſtehen / wie Salomon mit feinen Kebs⸗ 
weibern / und die Juden. 

49. Dann Salomon hatte auch das Gefetze / aber mit dem 
Hertzen hurete er endlich mit den heydniſchen Weibern und 


Bösen: Alfo auch Babel welche fich ein reines Kind nennet/ 


führet ja den Namen Ehrifti / und ftreitet Hefftig darumb in 
Meynungen/ und alledie Meynungen darinnen fie zanden/find 
Salomons heydnifche Weiber und Goͤtzen / und keine Zanck⸗ 
meynungiftetwasbeffer. 


so. Dann Chriſtus ſteckt in keiner Zanck⸗ meynung / fondern 


in der Linea ſeiner Genaden iſt er mitten unter uns getretten / 
und fo wir ihn annehmen / ſo nimt er auch uns in ihme an / und 
darff keines Streites noch Meynung / ſondern nur das einige 
wil er von uns haben / daß wir in ihme bleiben / fo wiler in ung 
bfeiben/ und dag wir uns in ihme lieben / wie er uns in fich liebet/ 
auff dag wir alle dem Zorne GOttes in feiner Liebe vereiniget 
werden / und daß feine Genade und Liebe uns allefambt/ die wir 
zu ihn kommen /von unfern Sünden und abgöttifchen Greu⸗ 
ein abwafche / und aus Juda / Thamar / David / Salomon und 


allen Kindern der Juden / Heyden und Chriſten eine reine — 
af. 


Cap.65. dieſe Hiſtoria prefiguriret. 639 


frau mache / die er ihme ſelber zubereitet durch ſeine Liebe in ſei⸗ 
nem Blute / die er in Genaden zu uns gewandt hat / daß wir ihn 
in derſelben Liebe erkennen / und mit ihm ein Leib und Geiſt wer⸗ 
den / alsdann iſt Adam wieder geholffen. 

51. Weiter redet der Geiſt Moyſis im Texte alſo: Uber drey 
Monden ward Juda angeſaget / deine Schnur Thamar hat 
gehuret / darzu ſiehe / fteift von der Hurerey ſchwanger wor⸗ 
den; Juda ſprach / bringet ſie her / daß ſie verbrannt werde: 
Und da man ſie herfuͤr brachte / ſchickete ſie zu ihrem Schwaͤ⸗ 
ber / und ſprach: Don dem Manne bin ich ſchwanger / deſſen 
dieſes iſt / und ſprach: Kenneſt du auch weß dieſer Ring / und 
dieſe Schnur / und dieſer Stabift? Juda erkannte es und 
ſprach: Sie iſt gerechter dann ich / dann ich habe ſie nicht ge⸗ 
geben meinem Sohne Sela / Doch beſchliff er ſte nicht mehr. 
Dieſes iſt nun eine gewaltige Figur / wie die Hurerey vor GOtt 
ein Greuel ſey / und wie GOtt dem Menſchen feine Sünde un 
ter Augen ſtellet / und deutet uns dieſes allhier an / daß die Ada⸗ 
miſche Hurerey und Greuel vor dieſem Genaden-Bunde offen⸗ 
bahr ſeynd / und daß der Menſch in ſolchen Greueln des hoͤlliſchen 
Feuers ſchuldig ſey / wie Juda ſeine Schnur Thamar zur Ver⸗ 
damnuͤß des Feuers urtheilete / und nicht erkannte daß er der Hu⸗ 
ren⸗Mann ſelber ſey / welcher in gleicher Verdamnuͤß ſtund. 

52. Auch ſtellet allhier der Geiſt in dieſer Figur die falſche 
Gerichte der Menſchen dar / daß ſie eben daſſelbe thun / was ſte 
richten / wie allhie Juda die Hurerey Thamar zum Feuer ver⸗ 
dammete / und ſeinen Fall ſahe er nicht / daß er eben der Schuldi⸗ 
ge ſelber war / anzudenten / daß ſich auch Chriſtus hätte in der 
Welt Gerichte in dieſer Bundes-Linea eingeſtellet als ein ge—⸗ 
rechter Richter / welcher das Ungerechte vom Rechten fcheiden 
wolte / und der Welt Hurerep und Abgötterey verdammen ; 
Aber hingegen fehen wir indiefer Figur wie Thamar das Pfand) 
als den Ring/ Schnur und Stab fürs Gerichte / und für 
das ſchwere Urtheil Juda ſtellete und dem Juda fein gefälletes 
Urtheil darmit niederlegte / und feinen Zorn ftillete / daß er fich 
mufte erbarmen / und ihr recht laffen. 

53. Alfo auch Fund dieſe Figur vor GOtt im innern Grunde 
beym Juda und der Thamar/mit Adam und Eva: Dann Adam. 
hatte ſich in fleifchliche irrvifche Luſt eingeführet / und mit feiner - 
weiblichen Eigenfchafft vurdy Imagination auff viehifche Art ge⸗ 
huret / und die himmliſche magiſche Art der Göttlichen Ehe ver⸗ 
geſſen / darumb ihme auch das himmfifche Weib ſtarb / * vn a 

en 


640 Bon Juda und? hamar / und was Cap.65. 


deſſen ſtatt das irrdiſche thieriſche auffwachete / mit welcher er 
nun viehiſcher Arth nach Hurerey trieb. Dieſes ſtellete GOtt 
in ihme als in Adam ſelber in ſein Gerichte / und wolte Adam 
zum Tode verdammen / als ihn dann GOttes Gerechtigkeit vers 
dammete. 
54. Aber die wieder-eingeleibete Eva im Bunde der Genas 
den / welche fih hatte in Eva /als in des verblichenen Weibes 
ES aamen von der himmliſchen Zelt Weſen eingeleibet / tratt fire 
BHttes ftrenges Gerichte/und [prach zu GOttes Gerechtigkeit 
Siehe) ich Lin von den Mann gefchwangert worben/ dehme dies 


ſes iſt / das iſt: Siehe / ich habe Adams Seele / Geiſt und Leib 


zum Pfande genommen / da ich mich wieder mit ihme vermiſche⸗ 
te / und bin mit ihm vermaͤhlet / und habe des Vatters Natur im 
auffgewachten Zorne in meine Liebe eingenommen / und bin ſetzo 
des Menſchen Natur hwanger/und wurde einen Gott-⸗Menſch 
gekühren. 

ss. Und da des Vatters Eigenfchafft inter Seelifchen Natur 
im Zorne erkannte / daß ſie der Vatter hatte ſelber wieder in die 
Genade / als in die ncue Evam im Bund eingeſaet: So ſprach 
der Zorn des Vatters inder Seelen / als ihm die Genade entge— 
gen tratt / zu dieſer neuen Even: Du biſt gerechter / als ich / dan 
ich habe die Unreinigkeit Adams geurſachet / dag er iſt irrdiſch 
worden / uud vor mir gehuret hat; und ich habe der neuen Even 
nicht Sela zum Manne gegeben / das iſt / ich habe das Wort 
zur neuen Wiedergeburt nicht durchs Geſetze und im Geſetze / ge⸗ 
geben: Darum hat Thamar / das iſt / Die neue Eva unter der 
Zeitdes Geſetzes mit Juda und feinen Kindern umb die ſeeliſche 
und menfchliche Natur gebuhlet / und Sela / als Das Geſetze / 
laffen in der Figur ftchen/und hat [ich Die Genade der neuen Evaͤ 
im Bunde iinmerdar mit GOttes Kindern vermifchet / als an 
den Heiligen) fonderlich an den Propheten zu fehen iſt / welche 
auswendig unter dem Geſetze lebeten und daſſelbe tricben / und 
Doch immerdar fich mit der neuen Eva in der Genade miſcheten/ 
und nicht dem Geſetze / fondern der Genade lebeten. 

s6. Undistdiefesdie gewaltige Figur an dieſem Orte) wie 
der Bund der Verheiſſung inQuda/und die erwedung des Bunte 
des im Weibes⸗Saamen immerdar ſeynd gegeneinand: r geftan= 
den / und miteinander in Liebe gebuhlet auffdiezuftinfftige Ofa 
fenbahrung im Sleifhein Chrifte... 

57. Dan dieſe Figurbeym Juda und Thamar iff im inwen⸗ 


digen Grunde anders nichts als Daffelbige / ud Aufferlich wird 
der 


ww“ > =. 
en RE: 


* 


Cap. cz. dieſe Hiſtoria prebguriret. 641 


der huriſche boͤſe Adam mit ſeiner fleiſchlichen Eva in die Figur 
geſtellet / als auswendig der Menſch der Suͤnden mit einer ſuͤnd⸗ 
lichen Figur / und inwendig die Vermaͤhlung der neuen Ehe Ar 
ver Wievergebuprt. 

58. Und der Geiſt redet weiter im Morfe und fpricht: Und 
da Thamar gebaͤhren ſolte / ſiehe du wurden Zwillinge in 
ihrem Leibe erfunden / und als fie jegt gebahr / thaͤt ſich eine 
Hand heraus: Da nahms die Wehemuůtter und bandt einen 
rohten Fadem darum und ſprach: Der wird der erſte heraus 
kommen: Da aber der feine Handt wieder hinein zog / kam 
fein Bruder heraus / und ſie ſprach: Warum haſtu umb dei⸗ 
nen Willen ſolchen Riß geriſſen / und man hieß ihn Peres. 
Darnach kam ſein Bruder heraus / der den rohten Fadem um 
feine Handt haͤtte / und man hieß ihn Serah. 

59. O du wunderlicher groſſer GOtt / der du fo tieff und hoch 
bift /wie gar einfaͤltig und Kindiſch modelſtu uns deine Weiß⸗ 
heit fuͤr! Was iſt doch alle Kunſt und Witz der menſchlichen 
Hochheit vor dir / der du dich alſo ſehr erniedrigeſt / und deine al⸗ 
lertieffeſte Weißheit und Hochheit in kindiſche Einfalt ſtelleſt / 
deſſen ſich billig aller Menſchen Hochheit und eigene Witz ſchaͤ⸗ 
men ſolte / wan ſie die ſo groſſe Geheimnuͤſſen Gottes in ſolcher 
Kindheit ſiehet ſtehen. 

60. O Welt / wie naͤrriſch biſtu! daß du dich im blinden Le⸗ 

en erhebeſt / und ſteckeſt doch noch in der Huͤlſe / und ſieheſt 
nicht was du biſt / und verſteheſt nicht die göttliche Einfult: Wie 
wilſtu dan die göttliche Tieffe ergreiffen ? Dlag abvon deiner 
Witz und lege dich zur Einfalt/ auf Das du doch einen Kinders 
Berjtand Eriegeft / und vor Gott nicht ummeifer / als die Thie⸗ 
re ſeynd / geachtet werdeſt / die doc) in ihrem Kleite und Stan⸗ 
de bleiben / wie fie Gott geſchaffen hat. O Welt! warm 
ſchlaͤffeſtu ins Teuffels Arm / der dich in ſich pleget und ſeuget / 
und fuͤhret dich in feinen Willen und Leben in feiner Macht? 
Ach fiche doch! 

61. Dieſe gewaltige Figur præfiguriret uns nun dieſes mit 
dieſen Zwillingen / da ſich des einen Handt hat heraus gethan / 
m welche die Wehe-mutter einen rohten Fadem gebunden / und 
gemeynet er werde der erſte ſeyn / und er aber ſeine Handt wie⸗ 
der hinein getahn hat / und ſein Bruder ſey heraus kommen: 
Wie Chriſtus in dieſer Bundes-Linea die menſchliche Natur 
angenohmen hat / ſo hat ſich die menſchliche Natur nach Adams 
Recht und eigenem Willen in dieſe Welt zum erſten — * 

ahn 


642 Von Juda und Thamarlıc. Cap. 65. 


tahn und offenbahret / / um welche Adamifche Natur in der 
Menfchheit Chriſti muſte diefer rohte Fadem mit feinem Blut⸗ 
vergieſſen gebunden werden. 

62. Als diſes geſchahe / ſo muſte ſich die Menſchliche Natur 
mit ihrem Rechte wieder hinein tuhn / das iſt Adams heraus⸗ 
gewanter Wille muſte wieder hinein in Mutter⸗Leibe / als ins 
Wort eingewendet werden / undalsdan fo komt der inwendi⸗ 
ge neue Adam heraus / deme gehet die adamiſche Natur nach mit 
dem rohten Fadem. So ſpricht dan die Mutter zum neuen A⸗ 
dam in Chriſto: Warum hatteſtu um deinen Willen ſolchen 
Riß getahn ? Um deinen Willen ſagt die Mutter / und nicht 
um deinet willen / ſondern um das / daß ſich dein Wille empor 
winde / und Adams Wille hinten nachgehe / ſo hat der Wille 
im Bunde der Genaden das feſte Schloß des erſten Principii,als 
das Reich Gottes Zorns mit Gewalt zerbrochen: dan der gute 
Wille war in Adam / in Todt und in die Hölle eingefchloffen / 
und in Ehrifto rigerden gewaltigen Riß durch Todt und Hölle 
im Reiche der ewigen Natur hindurch / und wandte fich wieder 
heraus ins natürliche Leben / daß Gottes Reich ins Menſchli⸗ 
she Leben wieder offenbahr ward. 

63. Diefes ftellete der Geift bey Thamar in der Bıuntdes-Li- 
nea fuͤr und modelte ihme fiir den Riß Chriſti durch Todt und 
Hölle. /.wie dag zugehen folte;. und mit dieſer Fuͤrmodelung 
- ward der Hurenswille Thamars und Zudz geheilet/ und ihre 
Huren⸗Kinder in der Linea CHriſti im Bunde der Genaden 
gechliget. 

64. Bey Efau und Jacob ſtundt die Figur / wie Adam nach 
der Natur das Reich gebühret Hätte / und wie ers hatte verſcher⸗ 
zzet und fey darum in feinem Natürlichen Willenvon GOT⸗ 
Tes Reiche verftoffen worden / und wie Chriftus ihmefey zu 
hülffe commen. Allhie ſtehet nun die Figur / wie Chriftus ha= 
be das Keich eingenommen / und habe Adam zurück gewandt I. 
und fich in Adam heraus gewandt / alfo dag num Adam Ehriftus 
heiſſet / und ſchicket fich trefflich wohlin die Figur Joſephs / und 
ſtehet billich und recht zwifchen der Hiftoria Joſephs. 

65. Denn Joſeph ift die Figur eines Chriftens.und diefes mit 
Juda und Thamar iſt eine Figur / wie ein Ehrift aus Adams 
Natur urſtaͤnde / und wie Adams Natur wieder hinein gekeh> 
ser werde/ und CHriſtus heraus gefehret werde / und wie diß 
Bilde eines Ehrifien-Menfchen in diefer Welt Aufferlich mit 
dem iradifchen Adam bedecket fen / daß man das wicht oe 


1 


J 
EL 
⸗ 


C.66 Joſeph wird dem Potiphar verkauft 643 


und wic alfo EHriffus in Adam feine Schuldt aufffich nehme / 
auch wie Adam müffe mit diefem rohten Fadem gezeichnet wer- 
den / welches Zeichen recht das Pfandt bey Thamar iſt das ihr 
Juda gab; und wollen den Leſer dieſes in Liebe ermahnet 
haben / unſere Erklärung dieſes Textes nicht zu ver- 
werffen / ſondern ihme nachzudencken / und in die Aus. 
gen zu ſehen / ſo wird er wohl ſehen wer der Erklaͤrer ge⸗ 
weſen ſey / iſt er aber deſſen werth. 


Das 66. Capittel. 


Die gar ſchoͤne Figur von Joſeph: wie er ſey dem Po⸗ 
tiphar verkauffet worden / was ſich mit Joſeph 
habe zugetragen / und von der Keuſchheit 
und Gottes⸗furcht Joſephs. 


Genel. 39. 
Oſeph ward hinab in £Egypten geführer/ und Po⸗ 
tiphar ein Egyptiſchermann des Pharaonis Kaͤm⸗ 
merer und Hoffmeifter kauffete ihn von den Iſ⸗ 
2 maeliten / die ihn hinab brachten: und ver HERR: 
war mit Joſeph / daß er ein gluͤckſeeliger Mann 
ward / und war in ſeines Herrn des Egypters Hauſe; und 
ſein Herr ſahe / daß der HErr mit ihm war; denn alles was er 
thaͤt / da gab der HErr Gluͤck zu durch ihn / alſo daß er Gena⸗ 
de fand vor feinem Herrn / und fein Diener ward / der ſetzete 
ihn über fein Haus ! undalles was er hattel thaͤt er unter 
feine Hände: Ind von der Zeit an / da erihn überfein Haus 
und alle feine Güter gefeger hatte/feegnete der HErr des Egy⸗ 
pters Haus um Joſephs willen / und war eitel Seegen des 
Herm / in allen was er hatte zu Haus und zu Selde/ da⸗ 
rum lief ers alles unfer TJofephs Handen was er hatte / und 
er nahm ſich Feines Dinges an / weilerihn hatte / denn daß 
er aß umd tranck: und Joſeph war huͤpſch und fehön von. 
Ungefichte. 

2. Die Hiftoria prrfiguriret ung einen wahren Chriſten⸗ 
Menfchen / wie er ſey / und was er inder Weltfey/ auch was 
ſein Ambt ſey / das iſt / wenn Chriſtus in ihme offenbahr wird / 
ſo iſt er nicht mehr ſein eigen / daß er thue was er wolle / auch 
hat er in dieſer Welt nihtsmehr zum Eigenthum / daß er kan 

mit 


644 Wie Joſeph ſey den Cap. 65. 


mit Wahrheit ſagen / Mein / oder Ich / Ich bins / Ich hab es 
es iſt mein eigen / ich mag darmit thun was meinem Fleiſche und 
eigenen Willen luͤſtert / ich mags brauchen zu meinen Ehren und 
Wolluſt / daß ich dadurch in der Welt hoch ſey: Nein / das al⸗ 
les hat ein rechter Chriſt nicht in Gewalt. 

3. Denn er herrſchet wohl in dehme mit Nechte / das er mit 
Rechte und Wahrheit hat und beſitzet / aber nur als ein Diener 
ſeines Herrn Chriſti. Denn ein Chriſt iſt ein Chriſt in Chri⸗ 
ſto / und iſt zum Chriſtlichen Leben und zum Gehorſam des 
Glaubens durch das Bluth Chriſti um Chriſti zo0. Silberling 
erkauffet worden davon hat ihme fein Herr Chriſtus Joſephs 
20. Silberlinge eingethan / und ihn darüber zum Berwalter 
gefeget/ Bag erfolldamitwerben/ biß daß er auch 30. Silber» 
Eingedarans mache / die ſoll er zum Mahl⸗zeichen frines Herrn 
Chriſti in fih tragen / als einen Schaß feines Chriſtenthums. 

4. Dieweil aber fein Herr Chriſtus um 30. Silberling zum 
Tode verrathen und verkauffet ward / und Joſeph um zo. Sil⸗ 
berling zum leibeigenen Snechte von feinen Brüdern verkauffer 
ward / fo ſtehet im dieſen beyden eines Chriſten Figur / als nem⸗ 
lich Chriſtus / wenn derfelbe im Menschen offenbahr wird/ zei⸗ 
get dem Menſchen an die 30. Silberling / darum er verfauffet 
ward zum Leyden und ſterben / dieſes ſein Leyden und Sterben 
zeucht er ihm an / in welchem die Figur der 30. Silberlinge / als 
wie er iſt verrahten und verkauffet worden} eingepffetzet ſtehet: 
Allda wird der Menſch ein Chriſt in Chriſti Leyden und GStera 
ben / und ſtehet in Chriſti Figur / und verleuret das Recht ſeines 
natürlichen eigenen Willens / fo wohl das Reich dieſer Welt. 

5. Denn in Chriſti Tode ſtirbet er nach feinem innern geiſtli—⸗ 
chen Menſchen dieſer Welt abe / und iſt nach demſelben innern 
Menſchen nicht mehr in der Welt / ſondern in Chriſto in Gott / 
als im Reiche Gottes / wir geſchrieben ſtehet: Das Reich Got⸗ 
tes iſt inwendig in euch; Item / Prüfer / ob Ehriftus habe ei⸗ 
ne Geſtalt in euch gewonnen; Item / Ihr ſeyd Tempel des H. 
Geiſtes / der in euch wohnet; Item / ihr ſeyd Chriſti Knechte / 
und ſollet eſſen das Fleiſch des Menſchen Sohns / ſo bleibet er 
in euch / und ihr in ihme / und ohne ihn habet ihr kein Leben: 
gleichwie ein Kraut und Graß / ſo woll alle irrdiſche Dinge ohne 
der Sonnen Krafft Fein Leben noch Wachstuhm eder Wuͤrk⸗ 
kung in ſich hat ; alſo auch der Menſch ohne die göttliche Son⸗ 
ne / welche fih hat durch Chriſtum in feinen Chriften offenbah— 
ret / hat kein Leben oder Seeligkeit auſſer Chriſto in N 4 

. un 


Cap. 66. Potiphar verbauffet worden. 645 


—* * 
a 


Bi: 


6. Und wie nun Chriftus iſt um 30. Silterling verfauffer 
worden drin Leyden und Tode / welche 30. Silberlinge andeu⸗ 
ten die 30. Jahr Eyriflivor feiner Zauffe / cheer ins Ambt und 
göttliche Regiment nach der Mienfchheit eintratt) da er feinen 
Menſchlichen Willen Gott übergab / und der creatürliche ei⸗ 
gen Wille in ihme auffhoͤrete: Alfo auch muß ein Chriſt / wenn 
er das in Wahrheit worden iſt / ſeines eigenen natuͤrlichen Wil⸗ 
lens um 20. Silberinge aus Ehriſti 30. Silberlingen zumKnech⸗ 
te Gottes in Chriſto vertauffet werden / zum Dienſte und Ge⸗ 
horſam feines Heran / derinihme lebet: denn feine verlauffene 

ahre der Adamiſchen natürlichen Zeit dieſer Welt / find in und 
mit Chriſto um zo. Silberlinge verkauffet worden: Alfo hoͤret 
die adamiſche Zeit ſeines natuͤrlichen Willens in ſolchem ver⸗ 
kauffen in Chriſti Leyden und Todt auff / und wird er von ſeinem 
Herzn / welcher in ihme iſt vom Tode aufferftanden / und über 
Ben Todt herrſchet und regieret zum Ambtmann in Chriſti Guͤ⸗ 
ter eingeſetzet / dieſelbe durch en iſt / alsin feines Herrn 
Krafft / welcher in ihme iſt / in dieſer Welt nach demfelben Rei- 
che Chriſti zu verwalten. 

7. Gleichwie Joſeph von feines Batters Haufe weggenom⸗ 
men ward / und ward erſtlich in die Grube geworffen / darin⸗ 
nen er verderben folte/ und ward hernach wiederron feinen Bruͤ⸗ 
dern um 20. Süberlinge zum Dienſte eines Leibeigenen Knechts 
ver kauffet: alſo wird auch ein Chriſt / erſtlich von feines Bat 
ters Hauſe / als von der adamiſchen Natur genommen / nnd wird 
in die Gruben / als in Chriſti Leyden und Tod eingeworffen / 
und verleuret allda die Adamiſche Erbfchafft des Reiches dieſer 
Belt / und wird mitfeinem Willen und Semühte Davon weg⸗ 
geführet/ allda muß er frines Batters Haus / als alle Eigen 
heit] ſamt dem natürlichen seben / feinen Brüdern in feines 
Vaͤtters Haufe / das iſt der Gewalt GOttes im Regiment 
diefer Welt übergeben / und fich larfen in die Gruben des Todes 
feines natürlichen Willens einwerffen / und ſich allda innen dem 
Zevde Chriftiübergeben/ undgerne wollen des Willens dieſer 
Welt / als feines adamiſchen Hauſes abfterben / und alles ger⸗ 
ne leyden / was ihme feine Bruͤder dieſer Welt thun. 

8. Als denn ſo er alſo in der Gruben Chriſti lieget / und ſich 
dem Tode Chriſti hat übergeben / dag er willig wil alles um 

Chriſti willen verlaſſen / und des Todes ſeines eigenen Willens 
erfterben/ fo zeucht ihme Chriftus fin Herz in ihme ſtine Auf⸗ 


erftehung vom Tode gn / und machet ihn in ihme lebendig mit 


ſeiner 


646 Wie Joſeph feydem  Lap. 66. 
feiner Kraft / und zeucht ihn aus des Todes Bruben mit Joſeph / 
und führer ihn in ſeinen Dienſte wie Joſeph in Dienſt des Pha⸗ 
raonis Hoffmeiſters / ſo gehet alsdenn alles gluͤcklich in ihme zu: 
Denn die göttliche Krafft regieret ihn / er bekomt nun jetzo goͤtt⸗ 
lichen Verſtand und Weißheit / und weiß wie er ſoll mit ſeines 
Herrn Guͤtern umgehen / das iſt ſo viel in der Chriſtlichen Fi- 
gur geſaget: 

9. Wan ein Menſch alſo in ſolchem Proceß ein Chriſt wirdy 
ſo hat er alles / was er von zeitlichem Gut hat und vermag / ſo 
wol ſeinen eigenen Willen / Gott uͤbergeben / der fuͤhret ihn 
erſtlich in Chriſti Bildnuͤß ein / und machet ihn Chriſto aͤhnlich / 
und nimt ihme aber nichts von deme / was er hat zuvorhin im 
Ruautur⸗recht gehabt / als da ſeynd die Verwaltung zeitlicher Gü= 
ter / ſondern er nimmet ihme feine Gewalt der eigenen Natur / 
als den böfen eigenen Willen / welchen Adam hat. von GOtt in 
eine Ercatürliche Selbheit eigenes Wollens und Werckens in 
irrdiſche Dinge eingeführet / damit Adam GOTZ feinem ‚Her: 
ren das Regiment in ihme entzog / und ihme das Weſen diefer 
Welt zum Eigenthum machete / gleich als hätte ers gemachet / 
md wolte darinnen nicht Gottes Diener und feiner Mitszweige 
Pfleger ſeyn / und ihnen feine Krafft/ Willen und Weſen ges 
ben; fondern fagte: Mein / das iſt / es iſt mein eigen / ich wils 
alleine für mich behalten / und in Mir folls ruhen / und wolte 
nicht darmitte in das Leben ſeiner Bruͤder wuͤrcken / und ihnen 
auch von feinem Leben und Krafft geben / und entzog ihnen auch 
durch die Meinheit die Krafft im Reiche der Natur / als die Ge⸗ 
waͤchſe der Erden / wolche GOTT in gemein gab / und wolte 
nur ſeinen eigenen Leib fuͤllen / und damit groß geachtet / und 
ein Herz feiner elenden verſchmachteten Mit⸗zweige feyn/ denen 
er doch faͤlſchlich den Safft / damit fie folten ihr Leben ſtaͤrcken / 
entzog / und in eine Meinheit einführete: Diefen Gewalt nim⸗ 
net Gott einem Chriften/ und machef ihn wieder zum Pfleger 
feiner Brüder / als zu einem Haushalter feines Herrn; Er lafe 
fet ihn in feinen gehabten Zeitlichen Gütern / fo fern er diefelben 
im Natur-recht mit Recht und Wahrheit beſitzet / ſitzen / und 
machet ihn zu einem Joſeph darinnen. 

10. Dieſer Joſeph ſpricht nun nicht das iſt Meine / das Dorff / 
Stadt / Landt / Fürſtenthum / Königreich / und Keyſerthum: 
Item das Haus / Acker / Gelt / Gut / Vieh / Weib und Kind 
iſt meine; Sondern er ſpricht mit gantzem Hertzen und Gewiſ⸗ 
ſen aus einem neuen guten Chriſtlichen Willen: Es iſt alles 

mei⸗ 


SER 
Fir 


Er 


Cap. 66. Potiphar verkauffet worden. 647 


meines Gottes und feiner Kinder: Er Hatmich zum Verwalter 
und Hauschalter darein geſetzet / daß chs ſoll dahin wenden / da 
er es hin haben wil / ich ſoll mich und ſeine Kinder / als die Noth⸗ 
duͤrffigen damit naͤhren / und ſoll ihr Pfleger ſeyn / und ihnen 
auch meine Krafft und Verſtandt Goͤttlicher Gaben geben / und 
ſie damit unterrichten / pflegen und zum guten regiren: Gleich⸗ 
wie mich Gott mit ſeinem Geiſte regiret / alſo ſoll auch ich / der 
ich ſein Ambtman in diefer Welt bin / mit meinem Berſtande 
und Ambte meine Mitglieder in ſolcher Krafft regiren und ihrer 
pflegen / denn alles / daruͤber ich herrſche / iſt nicht meine / ſondern 
Gottes undihrer / ich aber ſoll ihnen than wie Gott mir thut. 

1x. Dieſem giebt Gott Joſephs Verſtand und MWeigheit/ 
und regiret durch ihn das Haus dieſer Welt / er fey in was 
&tandeer wolle / fo figeter darinnen in GOTTes Ambt / und 
iſt nur ein Diener des Ambts / und ein Pfleger Göttlicher 
Ereaturen : Denn ſeines geht Chriftlichen Willens Regiment 
iſt im Himmel) er wandelt zugleich im Hummel und auff Er= 
den / wie die Schrift faget: Unfer Wandel ift im Himmel: 
Denn nac dem innern Grunde feiner Seelen und Geiftes ift er 
in Ehrifte in Gott / als in dem ewigfprechenden Worte / aus 
welchem fich Adams Wille hat abgewandt / und heraus in dieſe 
Welt gedrähet / welchen Willen ihme CHriſtus hat wieder hi= 
neingedrahet ins ewige Wort: alfo regiret er nun jetzo mit 
dem wiedereingekchrten Willen durch das Auffere ZBefen dieſer 
Welt / als in dem geformten ausgefprochenen Worte als ein 
Diener und Werkzeug des ewigsfprcchenden Worts in feinen; 
Geheimnüffen der Weißheit / als in fichtbarlichen Ereatürli- 
chen Worte. 

12, Darum wird dir/ O du Regiererin im Ambte Joſephs 
diefer Welt / in allen Ständen / angefaget und unter Augen 
geſtellet daß du im deme du dich einen Joſeph nenneft / jeßo 
nicht regireft als cin Joſeph / nicht als ein Chrift / ſondern als 
ein Kind der Sternen und Elementen / du regireſt anderſt nicht 
als die Brüder Joſephs / welche nicht wolten / daß Gott den Fo» 
fep hatte zum Regenten erkohren / ftewoltens felber ſeyn / che 
swolten fie Joſeph tödten / che fie woltenerfahren was Gott mit 
Joſephs Geſichten thun wolte; fte wolten nicht leyden das Jo⸗ 
ſeph ihr Unrecht dem Vatter anſagte / ſondern wolten tuhn was 
ſte recht dauchte: Dan ſie fprachen bey ſich ſelbſt / wir ſind die 
aͤlteſten und ſollen regieren / was wil uns der Kleineſte einrevden? » 
wir beſttzen das Regimentvon rechtswegen im Natur⸗recht; * 

er 


643 Wie Joſeph ſey dem Cap. 66. 


fer iſt die Gewalt / wir wollen Joſeph hinweg räumen / und ihn 
indie Brube wertfen/ fo thun wir was wir wollen. : 

23. Alfo auch thuſtu / du Regirerin der Chriſtenheit in aller 
Ständen) die Sternen und der böfe abgewandte Adam in feis 
nem eigenen Willen regiret durch dich in Gottes Ambte im 
Reiche diefer Welt / du yaft nur ven Mantel Eprifti darüber 
gedeckt / daß man dich nicht foll kennen / dag du der böfe Adam 
biſt / und regireft mit der Stern-Witze / umd durch des Zeus 
fels Liſt / in eiteleigener Selbheit eigenes Wollens / zu deiner 
Pracht eigenen Macht / und heffartigen Herzligfeit. 

24. Höre: biſtu ein Chriſt? fo biſtu mit Chriſto des falfchen 
Hans Willen / und Des Teuffels Hoffart geſtorben: So du 
aber heydniſch wilſt undlebeft / was ruͤhmeſtu dich dan eines 
Chriſten? Warum Eriegeftu um Sandt/ Städte und Doͤrffer / 
fo du nicht mit Joſeph zum Negenten von Gott darzu biſt einiges 
ſetzet und. beruffen biſt ? Was machchzu Dir in Chriſti Reiche das 
sand leib-eigen fo du Doch cin Furſt und Diener in Gottes 
Ambt biſt / und ihme dieneft ? 

15. Biſt du ein eigener Herr auff Erden / und thuſt was 
dein eigen Wiile wil / ſo thuſtu nicht was Gottwilf auch re— 
gireſt dur nicht aus dem Himmel / ſondern aus der Welt / und 
wit der Welt Macht: Woher niniſtu aber das in Ehrifti Secich / 
und aus was Gewalt / daß di in Gottes Ambte dem Elenden 
feinen Schweiß an dich zeuchſt / und ihme feine Krafft nimmeſt / 
und laͤſſe ſt ihn darben ? Item / daß du ihn mit deiner Laſt quaͤ— 
leſt / daß du nur magſt viel Reichthum befigen / und groſſe hauf— 
fen Eigentuhm machen / mit welchem du dich gewaltig macheſt / 
unddeinen Sinn in Hoffahrt fuͤhreſt: Woher nimſtu das in 
Chriſti Reich / dag du wilft beffer feyn als deines Leibes Glied⸗ 
maffen ? und da wir doch in Ehrifto nur einer ſeynd / als ein ci> 
iger Baum in viel Zweigen und Aeſten / und Ehriftus alleine 
iſt unſer Safft und Krafft / und pfieget unfer in gemein den 
Ambtman als den Aſt / anderſt nicht als Die Zweige Darauf 
die Frucht waͤchſet. 

16. Du Gewaltiger im Ambte Gottes / weiſtu nicht / daß du 
in deinem Ambte ein AR im Baume Chriftibift / und dag auff 
Beinen Zweigen fol die Frucht wachfen ? So du nun den Zwei⸗ 
gen deinen Safft entzeuchſt / und ſie nur mit Bewegen treibeſt / 

was koͤnnen ſie dir für Fruͤchte gebaaͤhren ? Sie verdorren doch 
str an dir und bringen Feine Fruͤchte / daran biſt du nun Schuld / 
zaf der Aſt / Der du im Ambte Gottes biſt / ohne Frucht ſtehet / 
was 





— —— 


Kap. 66. Potiphar verbkauffet worden. 649 


— 
* 
* 





F— EEE — — 





—— 


was nutzeſtu nun deinem Herren der dichacpflanket hat / wir⸗ 
ſtu nicht abgehauen und ins Feuer Gottes Zorns / als ein dir» 
res Holt eingeworffen werden ? Seyd ihr nicht die groffen Baͤu⸗ 
ne im Walde der Welt / welche ohne Frucht mit iyren Zweigen 
ſtehen? was tragen fie für Früchte ? anders nichts als Laub / wel⸗ 
ches vom Winde abfaͤllet und verfaulet / und wieder ohne Fruͤch⸗ 
te in die Erde gehet? Was dienet nun ein Baum ohne Fruͤchte 
dem Leben? anders nichts als nur zum Feuer / oder zu einem 
Gebaͤu einer Wohnung. 

17. Alſo auch biſtu nur in deinem Ambte ein Gebaͤu einer 
Wohnung darinnen Gottes Kinder wohnen ſolten: aber aus 
Deinen Stamme wachſen ſie nicht / dus biſt nur ein Ambt-⸗ mann 
des Geſtirns / und dieneſt dem Reiche der Schiedlichkeit ins 
Boͤſe und Gute / wie daſſelbe zerbricht und bauer / alſo auch du; 
Was ein Ambtmann bauet / das reiſſet der ander nieder:wer aber 
in Chriſti Geiſte in dieſem Ambt dienet / der wuͤrcket mit Jofeph/ 
dag eitel Seegen in feinem Ambt iſt / daß feine Zweige viel Fruͤch⸗ 
fein CHriſti Reiche bringen. 

18. Ihr Edlen und Gewaltigen unter CHriſti Namen / 
woher komt euch das in CHriſti Reich / daß ihr unter einem 
Chriſtlichen Namen ſolche ſeyd? Euer Ambt iſt GOTTes / ſo ihr 
als ein Joſeph darinnen regiret / als Diener Chriſti / fo iſts 
recht / und GOTT gefällig: Woher komt euch aber in CHriſti 
Reich der Adel / und die Leibeigenheit? Iſt das nicht heydniſch? 
Worinnen ſtehet ſein Grund? Anderſt nirgends / als in des 
Teuffels Hoffart und eigenem Willen. 

19. Wer hat euch im Anfange gepflantzet? EuereFuͤrſten und 
Koͤnige / welchen ihr gedienet habet: zu was Ende iſt das geſche⸗ 
hen? Darum daß die Hoffart mit einem auch ſchoͤnen Rocke ums 
geben ſey / und man nicht von den hohen Aembtern Gottes ſagen 
moͤge ſie waͤren mit einem gemeinen Kleide bekleidet / ſondern 
dag fie unterſchieden würden von der Niedrigkeit und Einfalt / 
und das war auch eben Surifers Fall. 

20. CHriſtus aber hatte auff Erden nichfda er fein Haube 
hinlegte / weder Haus / noch was anders; alfo hat auch ein Chri⸗ 
fie nichts zum Eigenthum / was er aber hat / das hat er Ambts⸗ 
halben / und dienet darinnen feinem Herrn: weraber anderſt 
darinnendienet / der dienet der adamiſchen Eigenheit / und nicht 
CHriſto / und ift Fein Chriſt / fondern nur cin Titul-Chrift x 
Er aber iftcin Kind der Naturdes Reichs diefer Welt / in wel⸗ 
ches innern Grunde die Helle ſtehet / und dienet dem Meiche der 

&: Fin⸗ 


650 Mie ofephfey vom ap. 66. 


Finfternäß s äufferlich aber dienet er dem Fürbide GOTTes 
nach Siebe und Zorn / da alles mit einander im Streite fteyet auff 
ven Tag der Scheidung / und Herwiederbringung deſſen was 
vor dieſem gewefenift. 

zr. Denn in dieſer Zeit gehet alles in freven Willen / was num 
Fein Geſetze hat / das hat auch kein Gerichte: was aber Geſetze 
bat / das hat fein Gerichte in ſich: Darum weil der Menſch / 
fonderlich ein Chrift/ ein Gefege hat dag er nicht mehr. fein 
eigenift/ daß er iſt einem andern untergeben / als Chriſto / und 
er aber ihme nicht wilunterworffen ſeyn / fo iſt das Gerichte in 
dem Geſetze und verdammet den eigenen Willen und feine Eis 

enheit. 

22. Richt heben wir die Aembter auff / die find GOttes / fo 
wohl auch die Ambtleuthe find GOTtes Knechte / wir unterſchei⸗ 
den nur was ein Diener Chriſti / und denn ein Diener der Nas 
tur in menſchlicher Eigenheit ſey: Iſt einer in einem adelichen 
Ambte im Reiche Chriſti / fo iſt fein Ambt adel: Er aber iſt 
ein Diener unter dieſem adelichen Ambte / und wird wegen des 
Ambts billich geehret / man nimmet ihm nicht die Ehre / die ſein 
Ambt traͤget / aber alle Eigenheit um Reiche E.Hrifki iſt der 
böfen Ndamifhen von GOTT abgewandten Natur : denn in 
CHriſto ift kein Adel/ fondern allefamt find wir nur Kinder 
und Diener.  * 

23. Unfer adamifcher Adelift in Adam verlohren / was einer 
aber indiefer Welt in Chriſti Neiche Adelift / das iſt er feinem 
Ambt adel / als ein König und Fürft ift feinem Ambt adel/ 
deme er dienet; dienet eraber darinnen nicht Chrifto / ſondern 
nur feinem Ambts-Adel umd feiner Eigenheit / und fpricht: 
Meinifidie Gewalt und das Neich / der nimt Gott feinen Ge> 
walt / und machet eine Eigenheit daraus | und wird.ein Sucifer 
unter Gottes Ambt. 

24. Gleichwie $ucifer/ welcher auch ein Thron-Fürfte und 
König in Gottes Ambt war sals erihme aber das Ambt zur Ei⸗ 
genheitimachete / foward er verftoffen / und Eriegete ein ander 
ſein gehabtes Ambt im Neiche Gottes: Er aber blieb wohlein 
Fürft in feinem Ambte / aber nicht in Gottes Liebe / fondern im 
feinem Zorn / darinnen muß er ihme auch nun dienen: Alto auch 
mitden Aembtern in diefer Welt zu verſtehen ift. 

25. Denn ein gottlofer Fürft und Edeler / bleibet wohl in dent 
Ambte / aber erdienet GOttes Liebe nicht / fondern dem Zorne/ 
wie jego gefchicht / da dir Fuͤrſten dem Zorne Gottes mit Mor⸗ 

den 


Cap. 66, Potiphar verkauffet worden. 651 


den und Berwüften Landes und Seuthedienen/als in Rache / und 
in Gewalt der Eigenheit / darinnen Gottes Zoriyauch creatürs 
lich wird: das thun ſie aber nicht Chriſto in Chriſti Ambte / ſon⸗ 
dern dem Zorn Gottes / der die falſche Titul-⸗Chriſtenheit mit 
feinem Zorn · Ambte dadurch ſtraffet. 

26. Denn in Chriſti Ambte iſt nur Liebe und Gerechtigkeit / ſo⸗ 
wohl Demuth und Gottes⸗furcht in der Eigenheit: Aber das 
Ambt batden Gewalt das Boͤſe vom Guten zu ſcheiden als eine 
Dienerin Gottes / aber nur mit Gerechtigkeit / umd nicht mit 
eigenem Willen 5 Der da ſaget / Du folft nicht toͤdten / der ſa⸗ 
get auch zum Ambtmann / daß er ohne das Ambt Niemand toͤd⸗ 
ten foil / noch unrecht thun. ’ 

27, Denn das Ambt fodert ein recht Gerichte / alsdenn toͤd⸗ 
tet Das Ambt das gottlofe Weſen / und fiyeidets vom Guten / 
und der Ambtmann ift frey von dem Geboth des Tüdtens ; was 
= 9 ſeinem Willen thut / da gehet das Gerichte auch uͤ⸗ 

er ihn. 

28. Bey Pharaonis Kaͤmmerer Potiphar haben wir eine 
gewaltige Figur; welcher Joſeph uͤber ſein gantzes Haus ſetze⸗ 
te / und ihm allen Gewalt gab in feinem Regimente zu herr— 
ſchen: wie Gott feine Ambtleute habe in fein Haus diefer Welt 
eingefeßet/ daß ſte ſollen in creatuͤrlicher Art das thun und vera 
richten / was GOtt in ihnen geiſtlicher Art thut. 

29. Denn Potiphar nahm ſich nichts an / und ließ Joſeph 
das Regiment verwalten: alfo auch ſeynd alle Ambtleute im 
Heichediefer Welteingefeget/ das lite follen aufferlih GOttes 


Regiment verwalten / wie CHriſtus ein Gleichnuͤß giebet vom 


Schaffner / den fein Herr uͤber alle ſeine Güter ſetzete / und fern 
uͤber Land zog / und uͤber eine lange Zeit wieder kam / von ſeinem 
Schaffner Rechenſchafft zu fodern / da er hatte die Aembter aus⸗ 
getheilet / und einem 5. Pfund / dem andern 4. Pfund / dem 
dritten 3/ dem vierdten 2 / und dein fuͤnfften x. Pfund / gegeben / 
damit ein jeder ſolte werben und Nus ſchaffen; und da der / fa 
nur ein Pfundt gehabt / nichts gewonnen hatte / hieß er ihme 
Haͤnde und Fuͤſſe binden / und ihn in die Finſternuͤß hinaus 
werffen / und hieß auch die jenigen Mörder umbbringen/ und 
ihre Stadt angünden / welche / nachdehm ihr Her: weggezogen 
war / und ihnen hatte feine Güter eingethany alsbald hatten int 
Haufe angefangen zu rauffen und zu fchlagen / zu fauffen und zu 
ſpielen / und feine Botten/ die er zu ihnen gefendet/zu toͤdten / wel⸗ 
ches alles Gleichnuſſe auf ſeine Ambtleute im Hauſe dieſer Welt 

Ee— ſeyndl 


- 


’ , 
652 ie Sofephfeyden Gap. 66. 
- feynd / wie er die boͤſe Haushalter wil mit höllifchem Feuer ſtraf⸗ 
fen/ md ihre Stadt / alsihr gebauetes Reich in eigener Wol⸗ 
luſt zu ihren eigenen Ehren verbrennen / und fie ewiglich von 
feinem Angefichte vertilgen: Den andern aber/ welche in feinem 
Dienfte waren treu geweſen / gab er vollen Gewalt über fein 
Haus) und gabihnen auch das Regiment und das Pfund deſ⸗ 
ſen / ver es hatteindie Erde verborgen / und fein befohlen Ambt 
nicht hatte wollen treiben. 

30. Alfo ift allen Gewaltigen in Aembtern folches wohl zu bes 
trachten / daß fie follen in GOttes Ambte wuͤrcken / und wohl 
haushalten / und nicht dencken / wie fie nur auff Adel und 
Hochheit trachten / und wie ſie wolleniyren Bauch und Wolluſt 
mit freffer und fauffen füllen / und wie fie wollen dem Elenden 
feinen Schweiß mit Unrecht abdringen / und auff ihre Hoffart 
und Pandetirerey wagen / umd den Elenden und Intern mit Ge⸗ 
walt zwängen und drangen. Diefe alle miteinander find die bö> 
fe Ambtleuthe und die Mörder / welche der Her: hieß umbbrin⸗ 
gen / und ihre Stadt mit Feuer GOttes Zorns anzünden. 

3r. Aber jego iſt die Welt voll folcher Ambtleuthe / 
welchen ihr Herr hat ſchon lange Zeit viel Botten ge: 
fandt/ aber fie haben fie nur gehönet und verachtet: 
Darım ſo iſt auch nun die Zeit der Ankunft des Herin/ 
dennfie haben ihme auch anjetzo feinen Sohn ermor: 
det | als dierechte Wahrheit ſeines Worts | und in 
- eitel einen Luſt gewandelt ; darum fo follen diefe Haus: 
halter Rechenſchafft von ihren Aembtern geben. 

32. Weiter faget Monfes von Joſeph / und fpricht > Und 
es begab fich nach dieſer Geſchichte / Daß feines Herrn Weib 
ihre Augen auff Jofeph warf / und fprach : Schlafbey mir ; 
Zrieigertefichs aber / und fprach zu ihr : Stehe/ mein 
Herr nimt ſich nichts an vor mir was im Hauſe iſt / und al⸗ 
les was er hat / das hat er unter meine Haͤnde gethan / und 
hat nichts ſo groß in dem Hauſe / das er vor mir verhohlen 
haͤtte / ohne dich / indehme du ſein Weib biſt: Wie ſolte ich 
denn nun ein ſolch groß Ubel thun / und wider Gott ſuͤndi⸗ 
gen? Und ſie trieb ſolche Wort wider Joſeph täglich / aber 
er gehorchete ihr nicht / daß er nahe bey ihr ſchliffe / noch um 
ſte waͤre. Dieſes iſt nun das mächtige Bilde / wie es mit Got⸗ 
tes Kindern gehet / wan ſie haben das Goͤttliche Regiment in der 
neuen WiedergekuhrterlangefY indehme ſie nun muͤſſen in * 

cm 





Cap. 66. Potiphar verkauffet worden. 657 


fein Fleifch-haufe und adamiſchen Gefaͤngnuͤß mit ihrem heili⸗ 
gen gefeegneten Regiment wandelen 5 wie Die Seele habe diefed 
unzuͤchtige Huren- Weib im Geiſte dieſer Welt in vichiſcher 
Begierde in Fleifch und Blut / zur Ehe genommen: Welch hu⸗ 
riſch Weib nun gegen dein züchtigen Zofeph ſtehet / und ihn im⸗ 
merdar wil zu ihrer Buhlfchafft treiben und zieyen/ daß das 
neue Jungfrauen-Kind foll wieder mit der fhierifchen Huren 
buhlen / wie Adam thäte / auß welcher Buhlſchafft ihme die 
irrdiſche Eva entſtundt / mit der er hernach gleich allen Thieren 
buhlete. 

33. Dieſe buhleriſche Eva ſtecket nun den Kindern Gottes 
noch in Fleiſch und Blut / und iſt die animalifihe Seele / als der 
ſterbliche Geiſt voller boͤſer Luft und Unreinigkeit / darinnen der 
Teuffel ſein Schlangen⸗gerecke noch ſtecken hat / um deſſen wil⸗ 
lender? erben und verweſen muß / auch muß dieſer viehiſche 
Geiſt zerbkechen und wieder gantz in feine Mutter eingehen / da⸗ 
raus er im Anfange gegangen iſt. 

34. In dieſer Huren ficht nun der Teuffel das edele Jung⸗ 
frauen⸗kind taͤglich an / als den zuͤchtigen Joſeph in Chrifti 
Geifte mit himmliſcher Geiftlicher Leiblichkeit umgeben / als 
mit Ehrifti Fleifch und Blut. Diefes Jungfrauen=Eind iſt nun 
das Weib in Apocalypfı ‚das auff dem Monden ſtehet / alsauff 
diefer irzdifchen Huren / und hatzwolff Sternen in ihrer ron 
auff dem Haubte / welches Weib der Drache in der irrdiſchen 
Huren ftäts verfihlingen wil/ wan fie das heilige Kind / als 
den edelen Joſeph gebähret/ alsdie Zucht und göttliche Neiniga 
keit welches dem Drachen in Fleiſch und Blut wehe tuht / daß 
er follfein Reich übergeben / und deswegen / den groffen Waf— 
ſerſtrahl der Irrdigkeit auff Ne fcheuft / das Kind fambt der 
Mutter zu toͤdten. 

35. Aber die Erde komt dieſem Weite zu huͤlffe / Das ift] 
Die irrdiſche Begierde in Sleifch und Bluty perretihren Rachen 
auff / und verſchlinget des Drachen Strahl infich / dieweil es 
ihres gleichen iſt / auff daß dem Jungfrauen-kinde nichts ſchade; 
wie dem Joſeph des Potiphars Weibes unzuͤchtige Drachen-hu⸗ 
ren⸗Strahlen nichts ſchadeten / indehme er von ihr drang / und ſei⸗ 
nen Willen nicht in ſte eingab. 

36. Und dieſes iſt erſt die allergewaltigſte Proba der Kinder 
Gottes / daß / fo bald fir zur neuen Gebuhrt kommen / fo komt 


der Teuffel und beweget die Fleiſchliche Hure in Fleiſch und 


Blut mit allerley falſcher — und Einbildung / da bildet 
e3 er 


654 Don Joſephs Bottesfurcht Cap. 66, 


er in dieſe Hure ein der Welt Ehre und Heriligkeit : Item / 
Reichthum und Wolluſt diefes Lebens: Item / er modelt cin 
Das groffe Elend und Verlaffenheit / darinnen die arıne Geele 
muß inder Welt Spottund Schande ſtehen: Item / die groffe 
Anwuͤrdigkeit der Seelen: Item / den Geitz daß ſie dencket / es 
wird ihr an zeitlichem Gute fehlen / und werde in groß Elende 
Zommen. 

37. Den Gewaltigen und Rechen modelt der Teuffel in diefe 
hres Fleifhes Schlangen Hure ein ihren Mel und Hochheit / 
groffe Ehre und Macht : Item gut effen und trincken / und 
wie fie das mit Macht und Liſt können zu wege bringen: Item / 
AUnzucht und Seichtfertigfeit; Daß / wo fie alfo folten in die De= 
muͤhtigkeit treiten/ fo würden fievor der Welt ihr Anſehen ver⸗ 
liehren / wer wolte fie fürchten und ehren / fo fie fich nicht felber 
einpor wendeten ? 

38. Diefes alles fepnd die Worte der Potipharifhen Huren 
an Sleifch und Blut / welche der Teuffel in der Schlangen ein» 
geſchmeiſtem Gifft mit feiner Imaginarion räge macht / damit er 
Die arme in Fleiſch und Blut gefangene Seele plaget / und fie zu 
ſolcher und dergleichen Unzucht und Sünden reitzet: Und diefe 
Hure im Sleifche fpricht immerdar zur Seelen ; Schlaf nur 
bey mir/ buhle nur mit mir / du wirſt noch wohl feclig werden / 
xflege nur deiner Luſt mit mir; und thut ſolches täglich / dag fie 
Kr moͤge den Joſeph in Luſt bringen / als das neue Kind / da 
die Seele follanbeiffen/ und das neue Kind mit feiner fehönen 
Crone befudlen. . 

39. Dan diefe Hure fchämet fich vor dieſem neuen Kinde / fie 
af gleich als eine befudelte Sau gegen der Sonnen zu gleichen s 
Wenn fie höret von der Welt Uppigkeit reven / da erfreuet fie 
ſich / wenn manaber von folcher Zucht und Reinigkeit redet / fo 
ſchaͤmet fie ſich und pefudelt der heiligen Kinder Rede mit deu 
vbigen Greueln / und erachtet fie / denn fie weiß das / fo Jos 
feph das Regiment behaͤlt / dag fie ſterben muß. 

40. Aber der fromme und züchtige Joſeph / als der innere 
neue Menſch foricht zu diefer Huren: Siehe / mein Herr hat mir 
all fein Ewiges Gut und ganze Reich Ehrifti verfrauet / wie 
folte ich denn fo übel vor ihme thun / Ich ſchlaffe nicht bey dir / 
du bift deines Heron Weib / als des Geiſtes diefer Welt / Ich 
wilnicht nahe um dich feyn / noch bey dir liegen, 


41. Und Moÿſes fpricht weiter : Ss begab fich der Tage ' 


einen daß Joſeph in das Haus gieng feine Geſchaͤffte zu 
thun / 


Bay: 66, und Keufchbeit. 655 


thun / und war kein Menſch des Befindesim Haufedarbey / 
und fie eewiſchte ihn bey feinem Kleide / und ſprach: Schlaff 
bey mir; £r aber lie das Kleid in ihrer Hand und tlohe/ 
und lieff zum Hauſe hinaus: Da fie nun ſahe daß er fein 
Kleid in ihrer Hand ließ / und hinaus flohe / rieff ſie dem 
Gejindeim Hauſe / und ſprach: Siehe / er hat uns den He⸗ 
braͤiſchen Mann herein gebracht / daß er uns Zzu ſchan⸗ 
den mache: Er Fam au mir herein / und wollte bey mir 
ſchlaffen / Ich rierf aber mit lauter Stimme) und da er 
böretedaß ich ein Geſchrey machte / undrieff / da ließ er fein 
Kleid bey mir / und ſiohe / undlieff hinaus. Diefesift num 
die Figur / wieder Teuffel durch dieſes Huren-⸗Weib der See= 
len mit Gewalt zufeget / zumablen wenn der Teuffel mercket 
daß die Seele allein ift / dag fih der Geift GOTTES nicht in 
ihr beweget/ fo lauffet er gar mit Sturme an fie / und ergreifs 
fet fie in ihrer Lebens Eſſentz / und wil fie in ſolche Hurerey zwin⸗ 
gen / daß nur das edle Jungfrauen-kind möge beſudelt werden / 
—— Doch möge mis der Schlangen⸗Krafft mit der Seelen 
buhlen 

42. Auch iſt die ſes die gewaltige Figur der huriſchen und un⸗ 
zuͤchtigen Welt / wie die ſchoͤne Eræe⸗Toͤchterlein in des Teuffe ls 
Trieb der zarten Jugend nachrennen / und fie mit heuchliſchen 
Geberden / mit falſcher Brunſt an ſich ziehen / welche ſich ſchmuͤc⸗ 
ken und zieren / als ſaͤſſe ein Engel unter ihrem Schmucke / und 
manches frommes Kind / welches deſſen niemahls begehret hat / 
an ſich ziehen / und gleich mit des Teuffels Ketten anfaſſen / und 
um Ehre und Zucht bringen. 

43. Und ob ein frommer und güchtiger Joſeph wäre / der in 
diefe Saͤubaͤlge und Zeuffels Cloack-haͤuſer nicht wollte ein= 
gehen / denſelben ſchreyen fie aus / und bezüchtigen ihn der Un⸗ 
zucht / als hätte er fie wollen betriegen / und rauben ihme feine 
Ehre / und feynd doch eben felber diefelbe Brunſt-hengſte / wel: 
che Zucker ausſtreuen / und Galle zu freſſen geben / welche freim- 
den Männern fo lange Zuger ausftreuen als fie Geld im Veut- 
tel haben / big fie vie um Haab/ Ehr und Gut bringen / daß fie 
2 nicht mehr zu geben haben / alsdenn ſchaͤnden ſie die / und 

laſſen ſie ohne Rock / wie Potiphars Weib den Joſeph / zu Hau⸗ 
fe geben; fo hat der Teuffel die Seele / und die Hure den Roc 
zu Pfande / in welcher Huren anders nichts regieret / als die 
Schlange mit ihren Jungen ; und wer fich zu ihnen thut / der 
wird von der Schlangen — Denn die Slange ſchmeiſ⸗ 

ſet 


856 Von Joſephs Gottesfurcht ap. se! 


fet ihme ihr Gerede in geib und Seele / und vergifftet ihn alſo 
ſehr / daß er fein Herg an die Hure hänget / und ihr nachlauffet/ 
als wire er anftevefte angebunden. 

44. Diefes Ungezieffers ift anjego die Welt voll bey Hohen 
and Riedrigen / und darum ſo ift anjetzo auch die Schlan⸗ 
ge felber ſchwanger / und wird ihr Gerecke aus ſchuͤtten / 
welches der Eyfer GOttes verzehren wird: Denn Jo— 
ſeph mit ſeinem Regenten⸗ambte lieget anjetzo recht im 
Kercker / und regiret Potiphars Werd in ihrer Brunſt / 
die fie zu Joſeph trug. Weil fie aber Joſeph nicht 
konte betriegen | fo hatte fie fich felber in Fofephs Re⸗ 
giment gefeget/ und regiret das Haus diefer Welt / 
amd hat aus dermalfen viel Huren-Finder gezeuget] 
welche jeto an ihrer ſtatt regiren; und darum fo Fomt 
das Gerichte ihrer Hurerey | und zerſcheitert fie] daß 
man fagen wird: Gie iſt gefallen) Sie iſt gefallen! 
Babel) die Mutter der groffen Hurerey / und eine 
Behauſung aller Teuffelund unreinen Geiſter worden] 
fie iſt ewig in Abgrund verfiegelt. 

45. Hingegen fehen wir nun auch in dieſem Bilde die groffe 
Zucht und Reinigteit Joſephs / welcher / als er mit Gewalt 
gehalten und gezogen ward / doc) von dieſer Huren flohe / und 
lieber fein Kleid und guten Namen im Stiche ließ / daß er nur 
ein gut Gewiſſen behielt. 


Die heilige Figur ſtehet alſo: 


46. Wenn dieſes zuͤchtige neue Jungfrauen-Kind im Geiſte 
Chriſti dieſe Hure in Fleiſch und Blut ſiehet zu ihr nahen / daß 
ihre Begierde dieſe Keuſchheit anfaſſet / ſo fleucht er aus dem 
Hauſe / das iſt dig Jungfrauen⸗-kind verbirget ſich in fein Prin- 
cipium, und mag auch der Seelen nicht nahen / dieweil die 
Scele von dieſer Huren Gifft beſudelt wird / daß ſie in Luſt ge— 
bracht wird: Alſo gewaltig bewahret ſich die Goͤttliche Reinig⸗ 
keit vor der Eitelkeit des Teuffels. 

47. Dan in dieſem neuen Kinde ſtehet der ſchoͤne Carbunc⸗ 
Eeljiein der hoͤchſten Liebe GOTTes in dem Namen IESU, 
welcher fich nicht mehr laffer befudeln / denn er ift einmahl durch 
Todt und Hölle durchgedrungen im Menſchen; Er wil nun 

rein 


Eap.66. und Keuſchheit. 657 


rein feyn / amd den Stuhl GOttes befigen / davon die Schrift 
gewaltigredet/ daß / welcher Menſch einmahl die Suͤſſigkeit 
der zufünfftigen Welt gefchmäcket hat / umd wieder davon wei= 
het / daß dieſe Seele keine Vergebung ewiglich mehr habe: das 
ift anders nichts / als wo das edle Jungfrauen-Find aus der 
Seelen in ihrem. in Adam verblichenem Weſen einmahlwieder 
auffs neue gebohren wird / und die Seele wieder davongang 
abweichet/ und ſich mit ihrem Willen davon ſcheidet / daß es 
noch einmahl verbleichet / dehme ift Eein Rath mehr ewiglichz 
Denninder Gebirhrtdiefes Jungfrauen-Kindes wirdder Seele 
der Vorſchmack der ewigen Freuden gegeben das gefchicht in der 
Hochzeit des Sammes / den Unſern bewußt. 

48. Darum verbirget fich diefe edle Jungfrau mitihrem ſchoͤ⸗ 
nen Stein gar leichtlich vor der Seelen / aberdie Ehe mitder 
Seelen bricht fienichtabe / Die Seele breche fich denn felbft von 
ihr / da doch groß Flehen und Jammern gefchichet gegen der 
Seelen / fo fie lich wieder befudelt / wie im Büchlein von der Poe- 
mtentz ausgefuͤhret worden ift/ und auch dem Joſeph nicht leicht⸗ 
lich wiederfahren fan: Denn die Seele wird in Chrifti Arm 
erhalten und gefaffet / wie Matth. 10. ſtehet: Meine Schaͤflein 
findinmeiner Handt. 

49. Alfo verfichen wir in diefer Figur / wie GOttes Kins 
dern inihreminwendigen Grunde alfo ein Eeufches zuͤchtiges reis 
nes Hertze gegeben werde / und wie fie muͤſſen alfo gewaltig pro= 
biret werden / che ihnen Das Regiment göttlicher Beſchaulich⸗ 
keit gegeben wird/ dag fie koͤnnen My teriom Magnum fehauen. 

so. Und Moyſes fpricht ferner : Und Des Dotiphars Weib 
legte fein Kleid neben ſich bif fein. Herz beim Fam / und 
ſagte zu ihm eben dieſelbe Worte. In dieſer Figur fehen wir 
nun der Welt Untreu / wie ſie in Falſchheit ihren Chriſtlichen 
freuen Dienern lohnet: Joſeph ſtundt ihrem gantzen Haufe 
treulich fuͤr / und gieng alles gluͤcklich durch ſeine Handt: Als 
er aber nicht wollte mit dieſer Huren buhlen / und ſich mit iger 
verunreinigen / fo trachtete fie ihme nach Leib und Leben / auch 
wie fie ihme mochte feine Ehre faͤlſchlich ſtehlen / weil fe ihme die⸗ 
ſelbe nicht konte mit Liſt und Teuffliſcher Begierde nehmen. 

51. Dieſes iſt nun die Figur / wie cin wahrer Chriſt ſolche 
grauſame Feinde hat / und iſt allenthalben ısit Feinden umge— 
ben / und ob er gleich im zeitlichen Gluͤck ſtehet / und von vielen 
Menſchen Gunſt und guten Willen hat/ fo ſoll er doch nicht 
ſicher ſeyn: Dan der Teuffel trachtet ihme ſtaͤts nach / wie er ihn 

Erz mag 


658 Von Joſephs Gottes⸗furcht Cap. 66. 
mag fellen / denn was er ſelber in Fleiſch und Blut bey GOttes 
Kindern nicht thun kan / das richtet er durch ſeine Werckzeug 
zu / daß die Kinder GOttes faͤlſchlich verrahten werden / ud 
eben nur um ihrer GOttes furcht und Frommigkeit willen. 

52. Denn ſo in GOttes Kindern die neue Himmliſche Eva 
gebohren wird / fo wil dieſe der Teuffel in der irrdiſchen Eva 
nicht leiden dern eine Hure und eine zuͤchtige Jungfrau / 
ſtehen uͤbel nebeneinander. 

53. Auch ſo haben die Kiuder GOttes keine groͤſſere Gefahr / 
als wenn ſie zu weltlichen Ehren erhaben werden / dann der 
Teuffel iſt ein Geiſt der Hoffart / und ſetzet ſich ſelber mit ſeiner 
Luſt in die weltliche Hochheit in hohe Aembter: dan erwil noch 
zmmerdar ein Fuͤrſte dieſer Welt ſeyn / wie ihn dan Chriſtus 
auch alſo heiſſet; und er es auch iſt / nach der Eigenſchafft der 
Eitelkeit / Falſchheit und Boßheit / und ſetzet feinen Stuhl 
alle zeit gerne dahin wo groſſe Aembter und Ehren ſeynd / wo 
Maͤcht und Gewaͤlt geuͤbet wird / darein flicht er ſich / auff daß er 
möge mit im Regiment der Welt ſitzen. 

54. Darım leidet er nicht gerne dag ein Joſeph neben ihm 
figen ſoll / jondern Reiche / Edele/ Eigenschrige / welche nur 
nach zeitlicher Ehre und Wolluft erachten / welche ihren Bauch 
taͤglich füllen / und doll und voll ſeyn / und nur nach Liſt trach⸗ 
ten / wie ſie moͤgen dem Elenden ſeinen Schweiß abdringen und 
in Hoffart wenden / welche ſich ſchmuͤcken / und an allen Orten 
gleiſſen / da man in ſolcher Zierheit einen Wolgefallen an ſich 
ſelber hat da man einander groſſe Ehren⸗-titul zumiſſet / da 
das Haus voll geſchmuͤckter Huren unter zuͤchtigem Schein 
ſtecket / allda iſt der Teuffel ein froͤlicher Gaſt innen / dan es gehet 
ihm nach feiner Eigenſchafft und Willen, 

55. Schicket aber GOTT cinen Joſeph darzu / welcher ger> 
ne wil nach GOttes Willen leben und thun / fo gehet es ihme 
wie Joſeph / und Daniel welchen ftefälfchlich zur Loͤwen⸗Gru⸗ 
ben brachten / und den Joſeph in Kercker / aber des Teuffels 
Reich Pr doch endlich zu ſchanden wie beym Joſeph und 
Daniel. 

56. Darum wil einer ein Joſeph ſeyn / und wilauch in Welt⸗ 
lichen Aembtern und Ehren ſitzen / ſo muß ers mit groſſem Ern- 
ſte und mit Demuth feines Hertzens feyn / und ſtaͤts bethen / 
und dem Teuffel widerſtehen / daß er mit ſeinem Stuhl der 
Hoffart nicht koͤnne bey ihme wohnen; wo nicht / ſo bleibe er ja 
davon / oder wird zu Grunde in ſolchen Aembtern gehen. J 

&os 


Cap. 66. und Keuſchheit. 659 


Joſeph nicht mit Chriſto gewapnet / welcher den Teuffel uͤber⸗ 
wunden hat / ſo laſſe er ja die hohe Aembter unbetretten / dan 
der Teuffel leidet ihn nicht darinnen / weil er ihme zuwider iſt / 
er muß entweder ein rechter Joſeph und Daniel ſeyn / oder muß 
der Welt Sinn haben / wiler die Welt regiren. 

57. Dan dieſe Welt hat zweyerley Aembter / als GOttes und 
des Sathans Ambt / eines in GOttes Liebe / das ander in 
GOttes Zorne / als nach der Eigenfchafft des Liechts / und der 
Finſternuͤß / welche in der Natur die ſer Welt neben und in ein⸗ 
ander regiren / und ſind zwey Reiche / als eines iſt Chriſti 
Reich / das ander des Sathanus. 

58. Darumb / biſtu nicht gewapnet und GOtt gantz ergeben / 
daß du auff den Fall kanſt mit Jofeph drinen Rock / darzu Ehre 
und Gut um der Gerechtigkeit und GOttes willen verlaſſen / 
und den Zeuffel mit göttlicher Krafft überwinden ; fo dringe 
Dich in kein Ambt / du werdeft dan ordentlich beruffen / fo ſtehe⸗ 
ſtu doch entweder in Joſephs oder in der Welt Stuhl. 

59. Du muſt in einem Ambte entweder GOtt oder dem Teuf⸗ 
fel dienen / dan zween Herrn Fanftu zugleich nicht dienen: dan 
Eigenheit und Gelaffenheit iſt zwey: Welcher GOTT dienst 
der ift in GOtt gelasfen/ und fichet in allen Dingen auff die 
Mahrheit und Gerechtigkeit / dieſelbe wii er fordern: Wer aber 
der Eigenheitdienet/ der fichet auff Gunft und der Welt Hoch⸗ 
heit / daß es alles ihme zuftatten fomme. Diefer iſt im Dienfte 
des böfen Adams / in dehme der Teuffel feinen Stuhl hal / und 
huͤlfft ihme recht fprechen. 

60. O du MWeltzrichter / verlaß dich hicht auff den Thurn zu 
Babel / auff Welt⸗ſchluͤſſe/ auff Menſchen⸗Satzungen / ſeine 
Spitze reichet nicht in Himmel / er iſt nur die Hoͤhe der Ber⸗ 
wirrung des Streits und falſchen Verſtandes; GOTT ſiehet 
Dir ins Hertze / er pruͤfet deinen Willen / die Geſetze verfreften 
Dich nicht vor GOTT / wan du nach denfelben richteft / und dein 
Hertz weiß doch viel ein anders / dencke nur anderft nick] als 
dag dur dem Teuffel das Recht ſprichſt / und ihme unter einem 
gleiffenden Mantel dieneft : Das Recht ift GOttes und GOtt 
felber / aber das Unrecht ift des Teuffels und der Teuffel ſelbſt: 
Welchem Herın du dieneſt / der wird dir lohnen / er wird felber 
dein Lohn ſeyn / das haſtu in deinem Ambte zugewarten. 

61. Und Moyſe s ſaget weiter: Dia nahm ihn fein Her? 
und legte ihn ins Gefaͤngnuͤß / da des Königs Gefangene? 
innen Ingen : Und er lag allda im Gefaͤngnuͤß aber der Her? 

Ee6 war 


660 Bon Joſcphs Gottesfurcht Cap. 66; 


war mit ihm / und neigete feine Hulde zu ihm / und ließ ihn 
Genade finden por dem Ambemsii über das Gefängnüß/ 
daß er ihm unter feine Hände befahlalle Gefangene im Ge⸗ 
faͤngnuͤß / auff Daß alles was da gefchabe / durch ihn geſche⸗ 
ben mufte/ dan der Ambtmañ über das Gefaͤngnuͤß nahm 
fich Feines Dinges an: dan der HErr war mit Jofeph /und 
was er thäte/da geb ver HErr Glüc zu. In diefer Figur 
fehen wir nun die endliche und feßte Proba mit Gottes Kinderny 
wie fie muͤſſen Ehre und Gut verlaffen / auch das Leben in Ge— 
fahr feßen / und fich gan in GOTT laffen / wasder immer mit 
ihnen thun wolle / dan fie müflen alles um GOttes willen ver= 
laſſen / und die Welt übergeben / und werden als ein Gefange⸗ 
ner / welcher des Todes wartet / und ſich auffkeinen Menſchen 
mehr verlaffet / oder einigen Troft von einer Ereatur weiß zu 
empfangen, fondern fich blog auff den lauteren GOTT und 
feine Genade verläffet/ alsdan ift ein Menfch durch alle Proben/ 
und ſtehet jetzo und wartet auff das Gebott feines Heran / worzu 
ihn GOTT haben wil. 

62. Dan er ſpricht zu GOTT gantz inniglich: Hera / wilſt 
Su nic) im Gefaͤngnuͤß und Elende haben / daß ich foll im fürs 
Fern fißen/ fo wil ich gerne allhie wohnen: Führeftu mich in 
die Hole / fo wilich auch mit / dan du bift mein Himmel: Wan 
ich nur Dich habe / fo frage ich nichts nach Himmel und Erden / 
und wan mir gleich Leib und Seele verſchmachtet / noch biſtu 
mein Troft/ich ſey wo ich wolle / ſo bin ich in Dir und dus in mir / ich 
habe alles genug wan ich dich habe / brauche mich worzu dur wilſt. 

63. In dieſer endlichen Proba wird der Menfch wieder GOt⸗ 
125 Bilde / dan ihme werden alle Dinge gleich und eines / cr 
wird mit Glück und Ungluͤck nit Armuth und Reichthum / 
nit Freud und Leyd / mit sicht und Finſternuͤs / mit geben und 
Tod allem eines: Er iſt ihme felber wienichts / dan erift allen 
Dingen in feinem Willen todt/ und ſtehet inder Figur/ wie 
BOT in allem und durch atlesift/ und iſt doch dem allem ein 
Nichts / dan es begreiffet ihn nicht / und das alles wird dach 
durch ihn effenbahr / und er iſt felber das Alles / und hat doch 
wihts/ dan das Etwas iftvor ihme in feinem Begriffe auch als 
eiamichts/ dan es begreiffet ihn nicht: Erift allen Dingen wie 
codt / und iſt doch felber das Leben aller Dinge / erift Eines und 
doch auch Nichts und Alles: Alſo auch wird ein Menſch nach 
feinem gelaffenen Willen; war er fich gang in GOTT ergibet } 
fo faͤllet ſein Wilze wieder in den ungruͤndlichen Willen = 

f 3 


Cap. ss. und Keuſchheit. 661 


tes / daraus er im Anfang kam / und ſtehet alsdan in der Form 
als ein Bilde des ungruͤndlichen Willen GOttes / in welchem 
GOTT wohnet und wil. 

64. Dan fo die Creatur nichts mehr wil ohne was GOTT 
durch fie wil/ fo ift fie ihrer Selbheit todt / und ſtehet wieder 
im erften Bilde / als in dehme / darinnen fie GOTT in ein Seben 
formirete: Dan / was iſt das Leben der Creatur / anders nichts 
als ein Fuͤncklein vom Willen GOttes; welche Creatur nun 
dem Willen GOTTes ſtille ſtehet / derer Leben und Wille iſt 
GOTT / der ſie treibet und regiret. 

65. Was aber ſelber wil und laͤuffet / das trennet ſich vom 
gantzen Willen GOttes / und führer ſich in Eigenheit / darin⸗ 
nen doch keine Ruhe iſt / dan es muß in eigenem Willen und 
Rennen leben / und iſt ein eitele Unruhe: Dan die Unruhe iſt 
das Leben des eigenen Willens: dan wan der Wille nicht mehr 
ihm ſelber wil / fo kan ihn auch nichts mehr peinigen / fein Wol⸗ 
len iſt ſein eigen Leben: Was aber nur in und mit GOtt wil / das 
iſt Ein Leben mit SG DEE. 

66. Es iſt beſſer nichts wiſſen / als ſelber wollen: dan was 
nichts weiß / deſſen Willen vergehet mit dem creatuͤrlichen Le⸗ 
ben / und hat fern Streit ein Ende / und hat mehr Feine Quaal / 
als uns an den unvernuͤnfftigen Creaturen zuverſtehen iſt. 

67. Dan das iſt aller Berdamten Quaal / daß fie wollen; 
Als / ſie wollen Eigenheit / und in ihrem Wollen gebaͤhren ſich 
Geſtaͤltnuͤſſe als Widerwollen oder Widerwillen / da die 
Willen ſtreitig find / daß ein einiges Ding zugleich in vielen 
offenbahr ift / Darinnen feindet es Jich felber an; war esaber 
mit dem ewigen Einem nur Eines iſt / fo mag feine Feindung 
darinnen ſeyn / und iſt auch Feine Mügligfeit zur Feindung 
darinnen. 

68. Darum iſt das des Menſchen letzte Proba / wan er GOtt 
in allen Dingen ſtille ſtehet / ſo wird ihme aus der Finſternüß 
cin Liecht / aus dem Tode ein Leben / und aus der Traurigkeit 
eine Freude; dan GOTT iſt in allen Dingen in und mit ihme / 
und ſecgnet ihn / wie Joſeph im Gefaͤngnuͤß; fein Gefaͤngnuͤß 
ward ihm zur Freude / dan er ward auch ein Regent uͤber die 
Gefaͤngnuͤß in der Gefaͤngnuͤß / er war als cin Gefangener) 
und Doch als ein Herzder Gefangenen: er regirete die Gefaͤng⸗ 
nuͤß / unddie Gefangenen / und war ein Batterund Dfleger der 
Betruͤbten; fein Herr nahm ſich nichts an/ und lieg es ihm 
wohlgefallen was Joſeph thaͤte / denn es war vor ihme alles wohl⸗ 
gefaͤllig und recht. Erz 69. Al⸗ 


662 Von Joſephs Gottes-furcht. Cap. 66. 


69. Alſo verſtehet uns allyier teuer: wan der Menſch gantz 
INGOTT gelaffen iſt / ſo wird GOTT fein Wille / und nimt 
ſich GOTT nichts um das an was der Menſch thut / esiftih- 
me nicht zuwider / dan GOttes Wille thut es in ihme ſelber / 
und hoͤret alle Sünde auff: und ob GOttes Zorn⸗Wille ſich in 
ihme bewegte / und brachte Feuer vom Himmel vom HErrn / 
wie mit Elia / fo iftallesrecht vor GOTT / dan er thuts nicht / 
ſondern GOTT durch ihn / er iſt das Werckzeug / durch dehn 
GOTT ſpricht und thut. 

70. Und wie nun GOTT / indehme er GOTTiſt / nichts als 
nur Gutes wollen kan / ſonſt waͤre er nicht GOTT fo er ſelber 
etwas böfes wolte : Alfo auch Fan in eines folden Menfchens 
Rollen nichts als nur Scegen und Gottes Wollen ſeyn / wie 
vom Joſeph gefüagetwird/ GOTT ſey mit ihme in allem feinem 
Thun geweſen / und habe alles durch feine Hand gefeegnet : Alto 
gehet dem Frommen das Liecht auff in der Sinfternüg / und wird 
ihme aus der Nacht ein Tag / und aus dem Unglüde cin Gluͤcke / 
aus der Welt Fluch und Boßheit ein Paradeiß / und gehetih- 
me wie ©. Paulus ſaget: Denendie GOTT lieben/mürfenalle 
Dinge zum befien dienen. 

71. Dan Joſephs Gefangnüß bracht ihn für König Pharao / 
und fegte ihn auffden Stuhl über Sand und Leute / und machte 
ihn zum Herren über Vatter und Brüder / und zu einen Pfle⸗ 
ger und Ambtmann des Königes/ und zu einem Negenten © Dt: 
tes / Durch welchen GOTT groffe Sand und Königreiche regi> 
rete / wie beym Daniel vergleichen zu fehen ift. 

72. Darum foll ein Chrift die Anfechtung lernen ertragen / 
wan ihn GOTT in Zofepbs Grube und Gefaͤngnuͤß wirfft / 
und in allem feinem Thun GOTT vertrauen / und fich gans in 
GHITT ergeben / fo wird er in fich mächtiger werden als vie 
Melt und Hölle ift / denn diefe alle werden an ihme endlich f 
nach dehme er iſt in allen Proben beſtanden / zu Spotte. 


Das | 


® 


C.o7. Erklär. des Sch. uũ Bed. Träum. 667) 


Das 67. Capittel. 


Wie Kofepb im Gefaͤngnuͤß des Königs Pharaonis 
Obriſtem Schenden und Becker jedem feinen Traum 
erklaͤrete / was darbey zu verſtehen ift. 

Genef. 40. 

I. Ndieſem Capittel ftellet der Geift eine Figur dar’ 
wie der Geift GOttes durch des Menſchen Geift 
fehe / und des Menſchen Beift in fein Sehen ein⸗ 
führe / dag er Eönne verborgene Dinge verftchen > 

Denn Träume zu erklären / iſt anders nichts / als 
die Figur fehen und verftchen / wie fich der Spiritus Mundi in 
des Menſchen Eonftellation in eine Figur faffe mit dehnen Din⸗ 
gen/ welche in des Menſchen Leben fhon in der Würdung 
fichen/ oder ja in der Konstellation durch groffe Conjunctionen 
in eine Figur gefaffet find / da die Wuͤrckung noch nicht vorhan⸗ 
den / und doch natürlich eingemodelt iſt / da des Menfchen Geift 
durch göttlichen Gewalt an dem Vorbilde erfennet / was er vor 
eine Mürdung habe / auch mag das durch die fleiſſige Betrach- 
tung der Aftronomiz inder Aftrologia verstanden werden / dar⸗ 
innen die natürliche TBürkung prefiguriret wird / was natuͤr⸗ 
lich durch dieſe Kraͤffte gewuͤrcket und figuriret wird. 

2. Weit aber Joſeph ein Knabe war / amd ich folcher Kunſt 
von auffen nicht befliſſen / fo iſt zuverſtehen / daß ihn der Beift 
GDttes hat mit feinem Schen indie Bilderder Traͤume einges 
führet / und dag der Geift GOttes hat die Träume durch Jo⸗ 
ſephs Geift bedeutet / wie auch beym Daniel geſchehen iſt; Dan 
Zräume zu deuten / ift anders nichts als ein magiſch Bilde des 
Geftirns indes Menfchen Eigenfchafft zu verfichen. 

3. Dan ein jeder Menſch trägetdas Bilde feiner Conſtella⸗ 
tion / als ein magiſch Geftirne in fich / und wenn nun die Zeit 
komt / daß ſolches magiſche Bilde / von dein obern Geflirne ans 
"gezündet wird/ fo gehet es in feine Würdung: alsdenn bes 
ſchauet ſich der Aſttaliſche Geiſt in den Elementen ſelbſt was 
er vor cine Figur hat. } 

4. Weil aber Die Elementa unverftändig ſeynd / und nur ein 
thierifeh Corpus geben in ihrer Figur / ſo kan fich der Aftralifche 
Geift anderft nicht beſchauen / als etwan in dergleichen irrdi⸗ 

ſcher Ereataren Forme / es fen denn dag ſich der ſeeliſche ei 
N mitte 


6 Wie Joſeph des Pharao. Schencken C.o⸗ — 


mitte in die Wuͤrckung des Aſtraliſchen Geiſtes eingebe / ſo 
wirds in Menſchen⸗Form und in rechter natuͤrlicher Geſtalt fürs 
gemedelt: Denn die Seele hat alleine rechte menfchlihe Aus 
gen / der Aſtraltſche Geiſt aber Hat nurcinen thieriſchen Schein? 
und ſiehet auff Art der Thiere. 

5. Weil aber auch ein groſſer Unterſcheid iſt zwiſchen einer 
falſchen Seelen / welche ſich nur täglich in Thieres-Geſtalt bil⸗ 
det und thieriſch wil / und zwiſchen einer goͤttlichen Seelen / da 
der Geiſt GOttes inne offenbahr iſt / fo ſeynd auch die magiſchen 
Einbildungen un Aſtraliſchen Geiſte unterſchiedlich: Denn 
einem Thiere traumet von Phantaſey / alfo auch einem Thier⸗ 
Menſchen / wicwehl ſich aber doch gleichwohl die Bildnuͤß der 
Conſtellation gewißlich mit einmodelt / es ſey in Boͤſem oder 
Gutem / in welchem ſich der Aftralifche Geiſt ſelber quaͤlet / 
wenn er ſich alſo beſchauet / was natuͤrlich fuͤr eine Wuͤrckung 
in ihme ſtehet: weil er aber nur ein Thier iſt / ſo fuͤhret er in ſei⸗ 
nem Bilde mit ſeiner Begierde gemeiniglich das Modell in ein 
Phantaſeyiſch Bilde / und machet ihme aus Freude Leyd / und 
aus Leyd Freude / aber die Seele kraͤncket ſich in ſolchem Spie⸗ 
gel und Vorbilde / davon dem Leibe offte groſſe Unruhe entſtehet. 

6. Wo aber ein rechtes wahres Geſichte im Menſchen ge⸗ 
ſehen wird / das geſchiehet durch der Seclen Einmodelung / 
wenn ſich dieſelbe mitte in die Figur durch ihre Imagination ein⸗ 
bildet / ſo ſtehet das Bilde im rechten menſchlichem Verſtande / 
wiewohl ſich Doch der Aſtraliſche Geiſt immerdar in irrdiſche 
Formen bildet / daß ſelten ein gantz vollkommen Geſichte er⸗ 
ſcheinet / wie das Werck an ihm ſelber ſeyn ſoll / auch veraͤn⸗ 
dert offte des Menſchen felbft » Einbildung / was ihme der 
Menſch bey Tage einbildet / die magifche Form / daß die Figur 
nach feiner Einbildung ftehet. 

7. Die rechten Gefichteaber feynd dieſe wandes Menfchen 
Wille in GOTT ruhet / foift GOTT in des Menfchen Willen 
offenbahr / fo fichetdie Seele mit GOttes Augen aus ihrem in⸗ 
wendigften Grunde, da Ile im Worte GOttes inmen flehet; 
fo gehet das fprechende Wort mit der Seelen in das magiſche 
Bilde der Conkellation,fo kan fich der Aftrafifche Geift nicht in" 
die Phantafey bilden / fondern mug im Bilde inder Figur ſte⸗ 
hen wie die Conftellation ift / fo fichet die Seele was der Höchfte 
hat fürgebildet/ was gefchehen foll : auch fofpricht das Wort 
Gottes als der Grund der Seelen / Die Figur in der See— 
Ion aus] daß es dig Seele verſtehet / wie es allhie Joſeph Be 


us 


3.7. und Beckers Traum erklaͤret. 665 


auch Daniel außgeſprochen und gedeutet hat: Alsbald beym Jo⸗ 
ſerh nur die Figur Des Geſichtes angeſaget ward/ fo ward der 
Geift GOttes mit in der Stimme des Anfagers/ und deutet in 
Joſeph das Gefichte / denn alſo find auch aller Propheten magi- 
ſche Geſtchte. 

8. Denn nachdehm GOtt den Propheten einmahl iſt in laute 
bahrer Stimme erſchienen / und fie zu Propheten berufſen / wie 
den Samuel : So iſt er ihnen hernach in wagiſchen Geſichten 
erſchienen / und hat ihnen geantwortefauff ihre Fragen. 

9. Der rechte prophetifche Grund des magifchen Schens und 
Berftandes ift alſo: Einjeder Prophet iſt ein Zienldarinnen 
eine Zeit eingeſchloſſen ift / fo iſt er deſſelben Reichs Mund / das 
iſt / wenn daffelte Reich hat vie Tarbam in ſich erwecket und ge⸗ 
bohren / ſo iſt er der Mund des inwendigen Grundes / der da auß⸗ 
ſpricht die Eitelkeit in der Turba, und auch Die Genade GOttes / 
welche ſich hat uͤber das menſchliche Elende erbarmet / und Deu 
Grimm der Turbæ widerſtehet / das iſt / er offenbahret den er⸗ 
weckten Grimm GOttes / und ſtraffet das Reich umb ihrer Ei—⸗ 
telkeit und Abgoͤtterey willen / und troͤſtet ſie mit der eingewan⸗ 
den Genade wieder. 

10. Denn ſein Geiſt ſtehet in der Figur / in das ewige 
fprehende Wort GOttes / Daraus das Leben außgeſprochen 
ward / und in cine Creatur gieng / wieder eingewandt / als ein 
Werdzeng des Geiſtes Gſttes / dadurch der Geift GOttes 
fpricht und deutet : Denn der prophefifche Geiſt Fönte in eige⸗ 
ner Macht nicht die Eünfftigen verborgenen Dinge deuten / ſo 
nicht der Geift GOttes durch ihn ſaͤhe und das Wort GOttes 
mit durch fein Wort indie magifche Figur gienge / Die der Pros 
phet fiehet. . 

21. Denn der Prophet weit das jenige mas er deufet/nicht zu⸗ 
vorhin in eigener Gewalt / fondern wenn fid) das Wort mit in 
Die Figur einmodelt / fo fichet der prophetifige Geift dur) GOt⸗ 
tes Sehen / wiedas Wort GOttes mit derFigur fürüber gehet: 
Allda fpricht das Wort durch den prophetiſchen Geift Die Figur/ 
aus / wie allhie beym Joſeph gefhahe /als ihme des Koniges 
Kämmerer ihre Traͤume fagten / fo ftellete das Wort die Figur 
wiees gehen follte / in Joſephs Verſtand / daß Joſeph erkannte 
wasihre Gelichte waren, 

12. Zuvorhin abervoufte er es nicht; aber im Außſagen des 
Zraumes modelte fich das Wort des Berftandes in Joſephs Ders 
ſtand / daß ers wuſte: Denn Joſephs Geiſt fund ineiner a 

2 


656 Erklär. des Sch. ui Beck. Traum. C.67 


fen Figur wieder eingemandt ins Wertt / auff Art wie die neue 
Wiedergebuhrt in ChriſtiGeiſte wieder eingewanet fchet : Alfo 
auch der andern Propheten/durch welher Mund GOttes Wort 
aus dein inwendigen Grunde / durch ihren Mumd vie Wunder 
GOttes in der Natur / als im geformten cereaturlichem Worte 
außfprach und deutete. 

13. Bey dieſer Figur Joſephs / indehme er Göttliche Wiſſen⸗ 
ſchafft kriegte / und die verborgene Dinge deuten konte / ſehen wir 
nun / tie der eingewandte in GOtt gelaſſene Geiſt des Men⸗ 
ſchen / wenn er alles eigene verlaͤſſet / wieder das Goͤttliche Auge 
zum ſehen und Verſtand bekommet / daß er vielmehr hinwieder 
bekomme / als er hatte verlaſſen / daß er viel reicher iſt / als er zu⸗ 
vorhin in der Seinheit war: Dann in dem eigenen Willen hat 
und faſſet er nur ein Particular / aber in der Verlaſſenheit komt 
er in das gantze / als in alles; denn aus dem Wort GOttes iſt 
alles worden. 

24. So er nun in daffelbe kemt / fo komt er inden Grund / da 
alles von Ewigkeit innen gelegen iſt / und wird aus einem Ar⸗ 
men ein Reicher / wie denn Joſephs Figur außweiſet / daß aus 
einem armen Gefangenen ein Fuͤrſt ward / und eben nur durch 
das Goͤttliche Wort / das ſich hatte in ihme offenbahret / da ſich 
das Wort wieder in ſeiner Verlaſſenheit außſprach / fo ſprach es 
den Joſe ph in ein koͤniglich Regiment / d durch welchen das Wort 
Gottes in Egypten wolte regieren / und ſolchem Königreich 
Verſtand geben. 

15. Weiter ſehen wir in dieſer Figur Joſephs / wie den Kin⸗ 
dern GOttes endlich muß alles zum beten dienen / alles was fie 
muͤſſen unrecht leiden / das wird ihnen im Aufgange in citel 
Freude verkehret ; denn in Trübfallernen fie erkennen / was fle 
ſeynd / wie fie fo ſchwach uñ elend in der Eigenheit feynd/wie ihnen 
der Tod und das Elende fo nahe iſt / und wie es umb aller Menſchen 
Troſt und Hoffnung / indehm man ſich auff Menſchen wil ver⸗ 
laſſen / und ſich nen Gunſt troͤſten / fo ein gantz unbeſtaͤu⸗ 
dig Weſen ſey / wie der Menſch feine Hoſſnung muͤſſe zu GOtt 
wenden / wann er gedencket durch Menſchen-Gunſt aus der 
Zrübfalerlöfet zu werden/fo müjfen ihme endlich doch der Mens 
ſchen Gunſt und Rath zu ftatten kommen. 

16. Aber ſo er wil Menſchen Gunſt und Kath pflegen] fo ſoll 
er feine Hoffnung in GDtt ſetzen / ob ihn GOtt wolte durch 
menfchlihe Mittel tröften/ und vom Elende erlöfen /undfeine 
Hoffnung garnichtin der Menſchen Gunft fogen / — en 

tt 


-€.8. Bon Pharaenis Traͤumen /rc. 667 


Gott ſehen / was er wolte durch Mittelwürden : Und ob ſichs 
anlieſſe als hätte GOtt feiner vergeſſen / wie mit Joſeph / welcher 
muſte zwey Jahr im Gefängnüg bleiben / fo foll er dennoch 


denden / GOtt wil mich allhie haben /wil er mich aber durch— 


Mittelan einem andern Ort haben / fo wird er Mittel darzu ge⸗ 
ben/ und es zu feiner Zeit wohl ſchicken / wie allhie zu ſchen iſt. 

17. Das Verbrechen des Koͤniges Kaͤmmerer / indehme ſie zu 
Joſeph ins Gefaͤngnuͤß geſetzet wuͤrden / war ein Mittel dadurch 
GOtt wolte Joſeph für den König bringen: Aber es geſchahe 
nicht balde / indehme Joſeph hoffete / der Weinſchencke des Koͤni⸗ 
ges wuͤrde ihme beym Koͤnige gut in Worten ſeyn / und ihme ſei⸗ 
ne Unſchuld anſagen / fo vergaß der Weinſchencke feiner/ und lieg 
Joſeph im Kercker figen/ dag alfo Joſeph muftegant an — 
lichen Mitteln verzagen / und zu GOtt fliehen / und als er das 
thaͤte und an allen Menſchen-Mitteln verzagte / und ſich bloß 
auff GOtt verlieh /fo muſten eben diefelben Mittel /auffwelche 
Joſeph hatte gehoffet / und doch auch in langem Verzuge daran 
war verzaget/wicder herfür brechen) un ihme zu ſtatten kommen. 

18. In dieſem follein Kind GOttes fernen / dag alles waser 
von GOtt bitter / daß ihm foll zu ſtatten kommen durch Men: 
ſchen / dag er nicht foll feine Hoffnung auff Menfchen ſetzen / fon: 
dernauff GOtt / fo gefigicht ihme endlich das jenige / was er von 
GOtt gebethen hat / daß ihme ſollte durch Menſchen Mittel zu 
ſtatten kommen; wenn das Gemuͤthe an Menſchen Mitteln 
verzaget / und ſich wieder in GOtt erſencket / ſo bricht GOttes 
Huͤlfft durch Menſchen Mittelyerfür. Alſo wird das — 
the geuͤbet / daß er lernet GOtt vertrauen. 


Das 68. Capittel. 


Von den Traͤumen des Koͤnigs Pharao / wie Joſeph 
aus dem Gefaͤngnuͤß geholet / und für den Koͤ— 
nig geſtellet worden und zu grogen 

Ehren Fommen ſey. 


Genef. 41. 


2 OOſfes fpricht : Und nach zweyen Jahren hatte 
Dharao einen Traumjmwieer ſtunde am W affer! 
und fahe aus dem Waſſer steigen fieben ſchoͤne 

fette Rühe/ und giengen an der Weideim Gras 
fe : Nach diefem ſahe er andere ſteben Kühe aus 
dem 


/ 


.* 


68 Bon Pharaonis Traͤumen / und wie C58. 


dem Waſſer auffſteigen / die waren heßlich und mager / und 
tratten neben die Kuͤhe am Ufer des Waſſers / und die magern 
und heßlichen fraſſen die ſteben ſchoͤne fette Kuͤhe; da erwaͤch⸗ 
te Pharao. Und er ſchlieff wieder ein / und ihm traumete aber: 
mahl / und ſahe daß ſteben Aehren wischfen aus einem Halnı 
voll umd dicke / darnach fahe er fieben dünne und verſengete 
ehren auffgehen / und die fteben Dünme und versengete Aeh⸗ 
ren verfehlungen die fieben Dice und volle Aehren. Da er⸗ 
machte Pharao) und mercket daß es ein Traum mars und de 
es Morgen ward / ward fein Geiſt bekuͤmmert / und ſchickete 
sus/ und ließ ruffen alle Wahrfager in Egyten/ und alle Wei⸗ 
fen / und erzehlet ihnen feine Träume ; aber da war Feiner 
der ſte dem Pharao deuten konte / ic. 3 

2. Diefe Traume wurden Pharaoni von Gott fürgeftel> 
let / darumb konte fie Eein Magus und Natur-kuͤndiger deuten s 
Dannder Magus Naturalis hat nur Gewalt inder Natur / nur in 
dehme was die Natur in ihrer Wuͤrckung bildet; Er kan nicht 
in das eingreifen / und darinnen rathen / wasdas Wort GOt⸗ 
tes modelt und bildet : Aber der Prophet hatGewalt darinnen zu 
deuten : Dann er iſtein Göttlicher Magus , wie allhie Joſeph. 

3. Bey den Egyptern war die wagſſche Kunſt gemeine: Als 
fe aber in einen Mißbrauch und Zauberey gebracht ward / ward 
He außgerottet / wiewohl fie bey den Heyden verblich big auff das 
Reich Chriſti / big die Göttliche Magia auffgieng / fo gieng die 
natürliche bey den Chriften unter / welches im Anfang wohl gut 
war daß fie untergieng / denn der heydniſche Glaub verlofch dar⸗ 
mit / und wurden die magıfchen Bilder der Natur / welche fie vor 
Goͤtter ehreten/ damit ausder Menfchen Hertzen gereuttet. 

4. Als aber der Epriften Glaube gemein ward / ſo Famen an⸗ 
dere Magi auff/ als die Secten in der Thriſtenheit / welche ſich au 
ftatt der heydniſchen Gösen-Bilder für Götter einſetzeten / und 
trieben gröffern Betrug als die Heyden mit ihren magifchen 
Bildern. 

5. Denn die Heyden fahenauff den Grund der Natur Vers 
mögenheit und Würdung : Diefe aber fegeten fich über den 
Grund der Ratur/ blog in einen hiftorifchen Glauben) dag man 


glauben follte / was fiefichteten. 


6. Wie den auff heute folcher Magorum die Titul⸗Chriſtenheit 
voll iſt / da kein natuͤrlicher Berſtand / weder von GOtt noch der 
Natur mehr bey ihnen iſt / ſondern nur ein leeres Geſchwaͤtze von 
einem uͤbernatuͤrlichen magiſchen Grunde / darinnen ſie ſich 9 

N 


E63. Joſeph außm Gefaͤngnuͤß geholet. 669 


ben zu Abgoͤttern / und Goͤtzen eingeſetzet / und verſtehen doch we⸗ 
der die Goͤttliche noch natuͤrliche Magiam, daß alſo die Welt 
durch fie ſtock blind iſt worden; daraus der Zanck und Streit im 
Glauben iſt entſtanden / daß man viel vom Glauben ſaget / und 
eines hin / das ander her zeucht / und machet einen Hauffen Mey⸗ 
nungen / welche allefainbt ärger find als die heydniſchen Bilder / 
welche doch in der Natur ihren Grund hatten : Diefe Bilder 
aber haben weder in der Natur /noch im übernatürlichem Goͤtt⸗ 
lichen Glauben Eeinen Grund / ſondern feynd ſtummeGoͤtzen / und 
ihre Diener ſeynd Baals-Diener. 

7. Und wie es hoch noth und gut war / daß bey den 
Chriſten die Magia Naturalis fiel/ da der Glaube von 
Ehrijto offenbahr ward : Alfo thut es jeßo vielmehr 
von nöchen/ daß die Magia Naturalis wieder offenbahr 
werde /auff daß doch der Titul⸗Chriſtenheit ihre ſelb⸗ 

emachte Goͤtzen durch die Natur offenbahr und er: 

annt werden] daß man in der Natur erkenne] das auß⸗ 
gefprochene geformte Wort GOttes | ſo wohl die neue 
Wiedergebuhrt / und auch den Zall und Verderbung / 
damit der Streit und die gemachten übernatürlichen 
Goͤtzen möchten untergehen) daß man doch ander Nas 
tur lerne die Schrift verſtehen / weil man ja den Geiſt 
GoOttes in der Göttlichen Magia des wahren Glaubens 
nicht frauen wil / fondern fegt nur den Grund auff den 
Thurn zu Babeljin die Zaͤnckerey und gemachte Goͤtzen⸗ 
Meynungen / als in Menſchen-Satzungen. 

8. Nicht ſage ich / daß man die heydniſche Magiam ſoll wieder 
ſuchen und pradiciren / und die heydniſchen Goͤtzen wieder anneh⸗ 
men; ſondern dag es noth thut / daß man lerne den Grund der 
Natur ſorſchen / als das geformte Wort GOttes nach Liebe und 
Zorn / mit ſeinem Wieder⸗außſprechen / daß man nicht alſo blind 
am Weſen aller Weſen ſey. 

9. Denn die Vaͤtter des erſten Glaubens ſind nicht alſo blind 
am Reiche der Natur geweſen / ſondern haben an der Natur er, 
kannt / dat ein verborgener GOtt fey / welcher fich Durchs Wort 
feines Außhauchens und Informens mit der gefhaffenen Welt 
hat fichtbahr gemacht/ und haben am Gefchöpff GOtts Wort er, 
kannt / welches jest vielmehr noth thut / auff daß die Mey⸗ 

nungẽ⸗ 


« 


670 Bon Pharaonis Traͤumen / und wie E,6g, 


nungs⸗Goͤtzen möchten ans Liecht kommen und erkannt werden/ 
das man doch fehe/ was der Glaube ſey / wie er nicht nur eine 
Meynung und Wahn fey/ fondern ein Goͤttlich Weſen / welches 
Weſen in dem ichtbahren Menfchen den äuffern Augen verbors 
gen ift/wieder unfichtbahre GOtt in dem fichteahren Weſen diea 
fer Welt verborgen ift. 
xo. Daß nun die Magi Naturales dem Pharaoni feine Traͤu⸗ 
me nicht deuten Eonten/ war diefes die Urfache / dag die Träume 
Pharaonis aus dem Gentro der Natur herrühreten / welches Die 
heydnifchen Magi nicht verftunden : dann ihr magifcher Grund 
im Verftande war nur in der Würdung und Figur des Ge⸗ 
ſtirns und in den Elementen : Sie verftunden nicht den Grund 
der ewigen Natur / daraus die Natur diefer Welt ihren Ur> 
fprung hat / und darinnen fie ſtehet: Aber die Traume Pharao- _ 
nis hatten ihren Urſtand aus der ewigen Natur / und werden 
Buchs Wort GOttes imein ſichtbahres Bild in die äuffere Nas 
Eur der Zeit / und in die auffere Figur des Menfchen gefteller. 
xx. Dei die fieben fette Kuͤhe im Srafe deuten im inwendigen 
Grunde an die fieken Eigenfchafften der ewigen Natur im hei= 
Üigen guten Wefen/ als im Reiche des Himmels/da die Göttliche 
Krafft wefentlich ift / und diefieben magerc heßliche dürre Kühe/ 
deuten an im inwendigen Grunde / die ficken Eigenfchafften der 
ewigen Natur im Grimme Gottes / als im Neichedes Hungers 
und Durftes / da die Natur ohne Goͤttlich Weſen der guten 
Krafft GOttes iſt / und die fieben dicke und fette volle Aehren / fo 
wohl die ſteben dürre verfengte Aehren / deuten auch daffelbe an. 
22. Dapaber Pharaoni diefer Traum zwenfach erfihlen/ das 
deutet in dieſer Figur an: Erftlich den Grund der ewigen Natur 
in ihren fieben Eigenfchafften/ was GOtt dadurch zeigen wolte : 
Zum andern wegen ver andern Erfcheinung deutet es anff den 
menſchlichen Grund / welcher in feinem Weſen aus den fieben 
Eigenfcyafften feinen ereatürlichen Urftand yat. Mehr deuters 
en den zweyfachen Menſchen nach dem ÄAuffern Leibe und dem 
aͤuſſern Geift / und denn nach dem innern feelifchen Geifte / und 
nach dem innern heiligen Wefen der Göttlichen wefentlichen 
Krafft / und ſtehet inder Figur eines heiligen Göttlichen Men: 
Then / welcher von Göttlicher Krafft voll und ſchoͤne ift / der im 
rechten himmliſchen Grafe nes Weſens der wefentlichen Weiß⸗ 
heit GOttes gehet und wendet. 
23. Und zum andern zeigets an einen gottlofen Menſchen / 
welcher an folchem Goͤttlichen Weſen verdorret / mager und 1 
i 


©. 63. Joſeph außm Gefängnüß geholet. 677 


lich ift / und iſt doch eben derſelben Natur Eigenfchafft als der 
Goͤttliche iſt: Aber er ift feines guien Weſens verderben und 
verdorret /der Grimm der ewigen Natur in den fieben Eigen» 
ſchafften hat ihme fein Werfen verzehret / daß er nur als ein hun⸗ 
geriger Feuer⸗Geiſt iſt. 

x4. Alſo ſtellete der groſſe GOtt dem Pharao fuͤr / was in der 
Egypter Figur auff dißmahl ſtunde / dann er wolte ſte heimſu⸗ 
chen: Erſtlich zeigete er ihnen ſeine groſſe Genade / in dehme 
er ihnen mit Joſeph einen Propheten und weiſen Fuͤrſten gab / 
welcher fie ſollte regieren: So zeigete er ihnen in dieſem Geſichte 
an / daß in ſeiner Genade in dem Reiche der innern und aͤuſſern 
Natur / in den ſieben Eigenſchafften eitel Seegen und Gut ſey/ 
fo fie würden darinnen wandeln / fo würden jte ſeyn als die ſteben 
fette Kühe und Aehren: 

ıs. Wo aber nicht / fo würde fein Zorn über fie kommen / und 
Bas Gute an Leib und Seele an ihnen verzehren / und fie mager / 
duͤrre und heglich machen / wie den Zeuffeln gefchahe /als aus den 
Engeln Teuffel wurden, da ihr Gutes / als die wefentliche Goͤtt⸗ 
liche Weißheit an ihnen verblich / und ihre fieben Eigenfchafften 
der ewigen Natur / alfo heßlich / mager und duͤrre ward / wie die 
fieben dürre Kühe umd die ſteben verfengete Aehren / da keine 
Krafft mehr innen war. 

16. Und wie die fieben dürre Kühe und ficben duͤrre Aehren 
die gute fette Kühe und Achren verſchlungen /und doch nur viel 
magerer und heplicher waren als zuvorhin / daß man ihnen nicht 
Eonte anſehen / dag fie diefelben haften in fich gefreffen: Alſo 
deutet hiermit der groffe GOtt auc an / day der gottlofe Menfch 
mit feinen Neben Eigenfchafften der Natur im Zorne GOttes 
angezündet/an ihme das gute un ſchoͤne Bild GOttes verſchlinge / 
in dehme er in eigene Begierde ſich einfuͤhret / in welcher falſchen 
Begierde die Natur peinlich wird und in Unfriede tritt / und doch 
hernach nur heßlich / greulich und duͤrre wird / als ein geitziger 
Hund / ob der gleich viel friſſet / ſo verzehret ihn doch ſeine geitzige 
Natur in ſeinem Neide/ auch fein Fleifih das er nicht hat / was er 
andern Hunden nicht gönnet. 

17. Alfo ftelletediefes der groffe GOtt den Egyptern für mit 
fieben guten fetten Jahren / und mit fieben dürren Jahren / wels 
he die ſieben verſchlungen dag man dieguten nicht mehr era 
Fannte / darımlergoc gar gewaltige Dinge prefiguriret wora 
den / wie hernach foll gemeldet werden. 

18, Daß aber ven Pharao dieſes Geſtchte bekummerte / und er 3 

IE 


373 Bon Pharaonis Traͤumen / und wie C.8. 


doch nicht verſtund / und ihme ſolches auch ſeine Weiſen nicht deu⸗ 
ten konten / deutet an / daß es ihme Gott wolte durch ſeine Krafft in 
Joſeph ſelber deuten / und daß die Zeit ſolcher Heimſuchung ſchon 
vorhanden ſey / darum ward Pharao in ihme ſelber alſo errägetz 
daß er es gerne haͤtte gewuſt. 

19. Daß es ihme aber die Weiſen im Liechte der Natur nicht 
deuten konten / deutet an / daß die Werde Gottes dem natürs 
lichen Menſchen / ohne die Gnade / verborgen ſeynd / daß er nichts 
von Gottes Weegen weiß oder verſtehet / es offenbahre ſich dan 
Gott durch ihn / dan dieſes war eine Bewegung der ewigen Na⸗ 
tur durch die aͤuſſer Natur / darum kontens die Natur⸗weiſen 
nicht verſtehen. 

20. Als nun dieſes Niemand dem Könige deuten Eonte / ges 
Dachte der Schende des Konigs an Joſeph / wie er ihm hatte ſei— 
nen Traum erklaͤret / und fagte foiches vor Pharao : Und allyie 
in diefemGefichte Pharaonis hat Gott auch dem Joſeph geruffen/ 
und das jenige was ervor zwey Jahren hatte durch Menſchen⸗ 
hülffe begehret / erfüllen und ihn gewehren wollen. 

21. Da fandte Pharao hin und ließ Joſeph ruffen / und 
lieſſen ihn eilend aus dem Loche / und erließ fich beſcheren / 
und 209 andere Kleider an / und kam hinein zu Pharao. Da 
fprach Pharao zu pmerlitic hat ein Traum getraͤumet / und 
4: Niemand der ihn deuten Ean: Ich aber habegehöret von 
dir fagen/ wan du einen Traum hoͤreſt / fo kanſtu thn deu⸗ 
ten: Joſeph antwortet Pharao und ſprach: Das ſtehet bey 
mir nicht / Gott wird doch gutes dem Pharao weiſſagen; 
Und Pharao ersehleteihme feine Träume. 

22. Diefe Figur / indehm Kofeph andere Kleider angezogen 
und ſich befcheren laffen/ als er für den König tretten folte/ deutet 
uns dieſes an / daß Bott dem Joſeph anjetzo das Kleid feines 
Elendes habe ausgezogen? und habe ihme anjetzo das Kleid der 
Weißheit angezogen / daßer ihn jego wolle an einem anders 
Orthe haben als zuvor / und dag er ihn wolte mit dem Kleide der 
Weißheit für Pharao ſtellen unddem Pharaoni zum Pfleger 
geben: Dan der Geift Moyfis feget die Figur trefflich genau 
undeigentlich / als hätte er geoffe Luſt darinnen zu fpielen. 

23. Und ſehen weiter wie Joſeph zum Könige fagte/ dag es in 
feiner natuͤrlichen Macht nicht ſtuͤnde / folche verborgene Dinge 
zu wiſſen / fondern daß cs ihme allein Gott gebe zu wiffen / daß 
er weder Kunſt noch magifche Bilder darzu doͤrffte fonvern Gott 
würde Pharao durch ihn gufes deuten. * 

24. Dar⸗ 


C. 68. Joſeph außm Gefaͤugnuͤß geholet. 673° 


24. Darum ſol ein Magus ſeinen Willen Gott ergeben / und 
feinen magiſchen Glauben / Damit er wil die Figur der Natur 
in ihren Geftaltenforfchen / in Gott faſſen / dag er das Work 
Gottes ergreiffe / und mitte in die Figur der Natur einführe 7 
fo iſt er ein rechter göttlicher Magus , und mag den innern Grund 
mit göttlicher Krafft bewaltigen / ımd die Natur in eine Figur 
bringen: Wer anvderft hierinnen bandelt/ der iftein falfcher Ma- 
gus, wieder Teuffel und feine Heren folche ſeynd. 

25. Und iſt mit nichten zu dencken / als ob ein Chriſt nicht 
dörffte den Grund der Nafıır angreiffen/ daß er nur müffe ein 
Klotz und ſtummes Bilde inder Wiſſenſchafft ver Gcheimüffere 
der Natur ſeyn / wie Babel fpricht / man dörffe es nicht forfchere 
und wilfen /es wäre Sünde / welche allemiteinander eben fo viel 
vonder Sünden Grund verfichen/ alsder Topff vom Töpffer. 

26. Wan fie follen fagen wie es Suͤnde ſey und wie ma 
Gott erzuͤrne / fo haben fie ja nichts zur Einwendung / als Bil» 
der der Meynungen / welche das Ggwiffen in folhe Bilder eina 
ſchlieſſen das ſich das Gewiſſen für ihren Bildern fürchtet f 
und der Sünden Grund durch die fieben Eigenfchafften der Ma» 
fur / wicihrefette Kühe / mager und Dürze gemachet werden 
erkennet es nicht. 

27. Oihr Bildermacher | wie draͤuet euch der Zorn 
Gottes im innern Grunde enerereigenen Natur mitden 
fieben duͤrren Kuͤhen und Aehren: Joſeph iſt aus dem 
Gefaͤngnuͤß / und deutet dom Pharaoni Gottes Rath. 
28. Die Zeit iſt ſchon da / da die Figur Pharaonis 
um Wercke ſtehet / euere Bilder der falſchen Magiæ wer⸗ 
den durch Joſephs Erklaͤrung der Geſichte vor der gan⸗ 
tzen Welt offenbahr: Brechet abe die Bilder / und be⸗ 
thet zu Gott / daß er euch den Verſtand der Geſichte 
Pharaonis gebe | fo möger ihr der ſieben guten Kihe 
und Aehren in euch theilhafftig werden. 

29. Wo nicht / ſo muͤſſen eure Bilder der falſchen 
Magix alle zu ſolchen duͤrren Kühen und Aehren wer— 
den / als ſie dan im innern Grunde meiſtentheils ſchon 
alſo worden ſeynd / und aͤuſſerlich anjego m Freſſen 
find] und freſſen immerdar die ante Zeit und Jahre in 
ſich; dan fie haben Die siebe | a a 

J 


674 Bon Pharasnis Träumen/und wie E63, 


Gerechtigkeit / une und Öottesfurcht fait alle in 
ſich gefreſſen und in Abgrund verfihlungen / und jetzo 
freſſen fie nun auch alle aͤuſſerliche Nahrung in ſich: Sie 
haben das Silber in ſich gefreffen / daß nichts als nur 
Das magere Kupffer noch da iſt / noch findfiealfo hun: 
gerig / daß fie am Kupffer liegen nagen / als ein Hund 
am harten Beine | und wollen gerne mehr davon fref: 
ſen / und haben dochnichts mehr daran. 

30. Darum ſeynd ſie alfo hungerig / daß fie einan— 
der vor Hunger felber würgen und auffteffen / und ıhr 
Landindie Thenrung bringen : Aber hiemit werden fie 
dem Zorne Gottes in den fieben Eigenſchafften der Na: 
tur Seibeigen gemacht | gleich wie in der theuren Zeit 
Sofephs dem Könige Pharaoni ganz Egypten Landt 
eigen ward. 

31. Diefer Zorn Gottes wil hernach euch Saamen geben / 
Sar ihr muͤſſet Bilder und Gößen ſaͤen / und diefelben wieder in 
such freſſen / wie ihr ſchon lange Zeit gethan habt / und muͤſſet 
ſeine Leibeigene Knechte ſeyn / wie Egypten dem Pharaoni. 

32. Das laß dir O Egypten der Chriſtenheit durch 
Zeferhe Erklärung im Geifte der Wunder der fechftem 
Siegels-Zahl geſaget ſeyn / es giltdir / wache auff und 
werde ſehend / die groſſe Theurung in Leib und Seele 
iſt sorhanden / oder du muſt verſchmachten. 

33. Du ſteheſt jetzo in Feiner andern Figur dor Gott] 
als die fieben heßliche hungerige / verdorrete mage: 
re Kuͤhe und Kehren: der Seegen Gottes ii von die in 
rLeib und Seele geWichen] dag du nur nach Gut und zeit: 
licher Rahrung achtzeſt / und deffen doch nicht fatt wirft. 
Je mehr du wirft hungern/ und an Beinen augen / Je 
hungeriger wirft dir werden / biß du alle deine gute Kuͤ— 
he im Gewiſſen in Leib und Seele / mit Land und Leuthen 
in dich friſſeſt / und deine Geſtalt alſo heßlich wird / daß 
dich die Fuͤrſten der innern und aͤuſſern Himmeln nicht 
anſehen moͤgen / und dich zum Berdamnüß des Todes 
helffen urtheilen / faget der Geiſt der Wunder in Jo⸗ 
ſephs Deutung. 34. Schaue 


€. 58. Zofeph aufn Gefaͤngnuͤß geholet. 679 


34. Schaue dich nur recht an / biſtu nicht alfo heßlich und 
hungerig / betrachte dich in allen Tugenden / du bift rafendea 
blind für groffem Hunger / denn das dich folte feegnen / das has 
ſtu in Abgrund verfchlungen / und Deiner Bögen-diener Heu⸗ 
cheley an die Stättegefegets die Gerechtigkeit / Wahrheit / Lie⸗ 
be/ Glaube / Demut / Keufihheit und Gottes-furcht wäre dein 
Seegen / daß du wieder fett wuͤrdeſt / aber du haſt alle dieſe Ei⸗ 
genſchafften verſchlungen / und deine Goͤtzen an die Staͤte geſetzt / 
und mit Chriſti Purpur-Mantel bedecket / nun find in dir die 
böfen hungerige Geftalten des Freffers auffgewachet. 

35. Die erfte Eigenfchafft des Freffens mit CHriſti Mantel 
bedecket / iſt Hoffart / als Begierde der eigenen Macht unter dem 
demuͤhtigen Mantel Chriſti / wollen mächtig und ſchoͤn ſeyn / 
wie Lucifer unter feiner ſchwartzen Kappen / welcher noch im⸗ 
merdar meynet / er fey der mächtigfte / Da er doch vor Gott nur 
ein Herrinder Phantafen ift. 

36. Die andere Eigenfchafft deines Hunger mit Chrifte 
Mantel bedecket / iſt der Geitz / als der Sreffer / der fich felber 
friſſet / der dem andern feinen Schweiß und das Fleiſch von Beis 
nen friſſet / und an ſich zeucht / und doch nichts hat / und lieget 
immerdar als ein Gifft / und ſaͤuget ſich ſelber aus: Dieſer hat 
Die Wahrheit / Gerechtigkeit / Gedult / Siebe) Hoffnung / 
Glauben und Gottes-furcht alles in fich gefreffen / und iſt doch 
nur als cineitel Hunger: Er hat jetzo alles Silber vom Kupffer 
gefreffen/ und fichetdoch nur aus als hätteer nichts gefreſſen / 
denn man fichetsnicht an ihme: Erifthungeriger als zuvor / er 
hat die gute Zeit in fich gefreffen / und triffet noch immerdar aller 
Vorrath / welchen Gott aus Gnaden gicber / und wird Doch 
alle Tage hungeriger mit freffen/ umd ob er Fonte den Him⸗ 
mel freſſen / fo wolte er auch die Hölle in fich freſſen / und bleibet 
doch mır cin Hunger. 

37. Die drite Eigenfihafft deines Hungers mit Ehrifti Man⸗ 
tel bedecket / iſt der Neid / als ein Sohn des Geitzes / Die Hofa 
farth iſt ſein Großvatter; dieſer ſticht und wuͤtet in dem Hun⸗ 
ger / wie ein Gifft im Fleiſche / er ſtichtin Worten und Werc⸗ 
ken / und vergifftet alles / er leuget und treuget / und iſt nim⸗ 
mer ſtille: Je mehr der Geitz gierig wird zu freſſen / je groͤſſer 
wird dieſer fein Sohn / der Reid / er wil alles allein beſttzen / 
und hat doch keine Staͤtte / weder im Himmel / Welt / oder 
Hoͤlle / da er Ruhe haͤtte: Er kan weder im Himmel noch in der 
Hölle bleiben / ſondern ſtehet mir im Hunger des Geitzes / und 
iſt des Geitzes Leben. 5f2 33. Die 


z4 


675 Bon Pharaonis Traͤumen / und wie E.68- 


38. Die vierdte Eigenfchafft Des Hungers unter Chriſti 
Mantel bedecket / iſt der Zorn / Derift des Neides Sohn und 
der Geitz iſt ſein Großvatter / was der Neid nicht kan todt ſte— 
chen / das wil der Zorn todt ſchlagen: Er iſt alſo boͤſe / daß er 
ſeine Gebeine zerſchlaͤget und zerboͤrſtet: Ihn duͤrſtet immerdar 
nach morden / dag nur fein Vatter und Großvatter / als der 
Geitz / Neid / und die Hoffartraum hat / erzerbricht Leib und 
Seele in ihrer Art der Fettigkeit / und verwuͤſtet Land und Staͤd⸗ 
te / noch iſt er ſo boͤſe / koͤnte er er ſtoͤrete den Himmel und die 
Hoͤlle / und hat doch nirgends keine Ruhe. 

39. Dieſes ſeynd die vier Elementa des Hungers / welche die 
ſieben fette Kühe und Aehren Pharaonis in ſich verſchlingen 
and freſſen / und ſeynd doch wie vorhin / und jetzo bat fie Io: 
ſeph in Phargonis Traum geſehen und offenbahret / 
daß ſie in der Welt ſind offenbahr worden / und ſeynd 
fuͤr die Augen der Waͤchter geſtellet / welche im Raht 
des Urtheils ſitzen was doch mit dieſen duͤrren / heß— 
lichen Kuͤhen mehr zu thun ſey / dan Gott hat ihnen die 
fieben fette Kuͤhe ſeiner Genaden⸗-offenbahrung gegeben / 
aber ſie freſſen alles in ſich / und werden nur hungeri— 
ger/ alſo ſehr / daß die Hölle in ihren vier Elementen 
wohnet/und das Reich der Teuffelin ihrer Figur ſtehet. 

40. D Egypten der Ehriftenheit ! du hoffeſt auf 
Gutes] und begehreft doch nur Böfes zu wuͤrcken; es 
komt dir Fein gutes] du ſterbeſt dan diefes Hungers abe/ 
oder zerbörfteft dich felber in diefem Hunger. Wovon 
folldır gutes von Joſeph gedeutet werden / fodu nur 
je mehr alfo hungerft ? die Natur gebähret in dir nur 
ein folches] wie dein Hunger und Begierde ift/ du darffit 
auff nichts hoffen / du befehreft dich dan / und zieheft 
zofepbe neuen Rock an / fo wird dir der Herz feinen 

eiftgeben/ daß du wirft deine Bilder ſehen und ver: 
stehen | und diefelbe weatuhn / und mit Sofeph vor 
Gottes Ungefichte ſtehen / wie Joſeph fir dem Ange: 
ſicht Pharaonis / und wirst Einen die Wunder Got: 
tes fehen und fie deuten. 

A. Ep wird dich alsdander Hera mit Jofeph über 
das 


E.68. Joſeph außm Gefaͤngnuͤß geholet. 677 


das Reich feiner Geheimnuͤß fegen / daß du wirſt den 
Magiſchen Grund des Glaubens recht verſtehen / und 
wirſt nicht mehr in Bildern der aͤuſſern natuͤrlichen Ma- 
six forschen / wie du lange Zeit getahn haft | fonderndir 
wirft den innern Grund fehen | and mit Jofeph über 
Egypten herrſchen / dasift / über die Geheimnüffen / 
und wirſt darinnen dem Herrn dancken | und in ſeinem 
Brunnen ſchoͤpffen / und Waſſer des Lebens trincken. 
42. Dan das Wort das du nun verſtehen und lernen ſolſt / iſt 
dir nahe / als nemlich in deinem Munde und Hertzen / du biſt 
Gottes geformtes Wort / du muſt dein eigen Buch / das du ſelber 
biſt / lernen leſen / fo wirſtu aller Bilder loß / und ſieheſt die 
ſtaͤtte / welche heiſſet: Hie iſt der Herr; Als dan wirſtu dein 
geben der Tugenden wieder bekommen und wieder fett werden / 
amd den Mantel Ehrifti wegtuhn / und ſagen: Hie ftehet der 
Mann der in Chrifti Fußſtaffen wandeln / und ihme in ſei⸗ 
nem Leben und Bilde gleich aͤhnlich nachfolgen wil. 

43. Die ſe gantze Hiſtoria aritdenTäumen Pharaonis ſeynd eiıf 
Bilde / da der Geiſt unter einer aͤuſſerlichen Geſchichte fuͤrbil⸗ 
det den Grund des Menſchen / wie ihn Gott hat alſo gut ges 
ſchaffen und in feine Fettigkeit gefeget / und wie er durch des Sa⸗ 
thans Neid und Gifft alfo verderbet / und in ein ſolch heßlich 
Bilde gewandelt werde. 

44. Mit Rofeph aber ftellei nun der Geift die Figur dar / wie 
ein Menſch muͤſſe wieder durch die neue Geburt aus folder Ge⸗ 
fingnügausgrünen‘/ und wie er wieder würde für Gott geſtel⸗ 
let / und wie ihme Bott feinen Geift gibet und zum Regenten in 
Gottes Haufe macht/ wie er ll himmliſche Früchte ſamlen im 
Glauben und guten Gewilfen / für die Zeitder Anfechtung wars 
die Theurung / als Gottes Zorn / die Seele fichtet. 

45. In welcher Sichtung alsdan diefelbe Früchte zur Speife 
gehören / dag die Seele inder Buſſe beſtehet und ihr Perlena 
Bäumlein mit feinen Aeſten darinnen wächfer / zunimt / und 
gute Früchte traͤget. | | 

46. Diefelben Früchte find alsdan die Erklärung des Jo⸗ 
ſephs / wie er Pharaoni Gottes Raht andeutet / undihn lehre⸗ 
te: Alſo bringet die neue Gebuhrt ſolche gute Fruͤchte und Leh⸗ 
re / welche dem Neben-⸗menſchen Gottes Weege verkuͤndiget / 
und ihme mitWeißheit fuͤrſtehet / wie Joſeph dem Pharannisund 
ſehen ſolches in dem Rahte Joſephs / nach deme er hatte Pharaoni 

5f3 feis 


878 Bon Pharasnis Traͤumen / und wie. 68. 


feinen Traum gedeutet / ſo ſprach er zu Pharao: Der König 
ehe fich um nach einem Elugen und weifen Manne / welcher 
harao Kornhaͤuſer baue/ daB man Vorraht auffſchuͤtte / daß 
man in der Theurung Nohtdurfft habe welches der Geiſt heim⸗ 
lich in des Menſchen Figur darſtellet / dag fih ein Menſch ſoll 
nach weiſen Gottsfuͤrchtigen Menſchen umſehen / welche helf» 
fen den goͤttlichen Schatz und Vorraht famlen mit weiſem Ver⸗ 
ſtande / mit Lehren / Leben und Bethen / auff daß dadurch ein 
göttlicher Schatz und Vorraht geſamlet werde. 

47. Wan alsdan die Zeit der Sichtung und des Hungers 
Pomt/ daß Gettes Zorn darmitauffgehalten werde / und nicht 
alfo bald Leib und Seele / Sand und Voͤlcker alfo mager mache 
amd aufffreffe/ daß etwas im Vorraht ſey / Davon GOTT ſag⸗ 
te / er wolte wol tuhn dem Gottsfuͤrchtigen ins zooofte Glied / 
Derfelbe Vorraht ſoll währen biß ins tauſenſte Glied. 

48. Und Moyſes ſpricht weiter: Dieſe Rede Joſephs ge⸗ 
fiel Pharao und allen feinen Knechten wol ; und Pharao 
For.cy zu feinen Anechten : Wie Eönten wir einen folchen 


Mam Finden) in deme der Griſt Oottes fev / umd ſprach zu 


Joſeph: Weil dir Bott ſolches alles hat kund getahn / iſt 
Zeinerfo verſtaͤndig und weiſe / als du / du ſolſt uͤber mein 
aus ſeyn / und deinem Worte ſoll alle mein Volck gehorſam 
ſeyn / allein des Koͤniglichen Stuhls wil ich hoͤher ſeyn / als 
du. Und weiter ſprach Pharao zu Joſeph: Siehe / ich ha⸗ 
be dich über ganz Egypten⸗land geſetzet / und taͤht feinen 
Ring von feiner Hand / und Eleider ihn mir weifler Seyden/ 
und hieng ihm eine Güldene Retten an feinen Hals / und 
ließ ihn auff feinem andern Wagen fahren / und ließ vor ihm 
Her ausruffen: Diefer ist des Landes Vatter / und fegteihn 
uͤber gang -Egyptenlande. Und Pharso fprach zu Tofeph : 
Ich bin Pharao / ohne deinen Willen foll Yiemand ſei⸗ 
ne Hand oder feinen Fuß raͤgen in gang Egyptenland / und 
nennete ihn den geheimen Raht / und gab ihm ein Weib Aß 
nath / Die Tochter Potiphars / des Priefters zu On. 

49. Dieſes iſt nun die allerſchoͤneſte Figur der gangen Bibel? 
Danirgendsihres gleichen ift von einem Menfchen / und ftchet 
än der Figur eines probirten Ehriften / welcher ift in allen Pros 
ben beſtanden; welchen der Geift Chriſti mit fich hat durch fein 
Leyden / Tod / Hölle/ Gefängnüg und Elende hindurch gefuͤh— 
ret / wie ihn der einige GOTT / als dergroffe König für ſich 
ſtellet / und feine Weißheit / welche er hat in Chriſti Proceß 

; empfana 


E.68. Joſeph außm Gefaͤngnuͤß geboler. 679 


/ empfangen / probiret {wie erihn in Freuden annimt / und dig 
Zeugnuͤß von ihme gibet: Es ift Niemand fo weile cisdu / dir 
fern Schen hat fe verborgentlich in Gedult koͤnnend urch Tod und 
Hoͤlle zu GOTT einfuͤhren / als du. 

50. Und wie ihme GOTT vollen Gewalt über fein Reich gi⸗ 
bet / und ihni in feiner Liebe zu feinem Gehuͤlffen machet / wie ein 
Raht des Koͤnigs dem Koͤnige huͤlfft ſein Koͤnigreich regiren; Als 
fo auch ſetzet ihn GOTT in fein Reich ein / und regiret durch ihn? 
und gibet ihme feinen Siegel⸗ ring / als die Menſchheit ud Gott⸗ 
heit in der Liebe Jeſu Chriſti an feine Seele / und laͤſſet ihn auff 
dem andern Wagen nad) ihm fahren / das iſt; wo Gottes Geiſt 
gehet / deme gehet ein folcher Menſch allzeit nach / und darff der 
Teuffel / Tod und Hölle feinen Gewalt an ihn nicht mehr ruͤh⸗ 
ven s denn er bekomt alſo den Gewalt uͤber Teuffel / Tod / und 
Hölle / und auch über fein ſterblich Fleiſch und Blut / wie Jofeph 

uͤber Egyptenland. 

51. Und wie Joſeph als bald auszog und bauete dem Könige 
Kornhäufer/ Vorraht auffzuſchuͤtten: : Alſo auch bauet ein ſol⸗ 
cher Menſch / welcher nach ſeinem inwendigen Grunde im Reia 
che Gottes figet / GOTT feinem Herm viel ſolche Menſchen · 
haͤuſer / als Menſchen Seelen / in welche er den goͤttlichen 
Uberfluß / den i ihm GOTT in Chriſto Jeſu gibet / als die Goͤttli⸗ 
ehe Erfäntnügund Wa heit ſchuͤtte mit guter Unterrichtung? 
Schr und Leben / das fich feine Lehre ausbreitet / und groß wird 
wie Sand am Meer : alfo unzählich breitet fich fein Perlen» 
Baͤumlein aus / dag viel hundert taufend Seelen Davon effen ? 
wie von Joſephs Vorraht in der Theurung. 

52. Und alsdann wird ihm die Tochter Potiphars / das iſt 
des Prieſters Tochter zu On / als die wahre Chriſtenheit zune 

Gemahl gegeben / derer er fell pflegen und fie lieben / und mit 
ihr diefe 2. Söhne zeugen / alsallezeit auffdiefem Weege reiſig 
ſeyn / und dan mit gewaſchenem Hertzen wandeln / wie Joſeph 
fuͤr der theuren Zeit in Egypten mit feinem Weibe / den Ma⸗ 
naſſe und Ephraim zeugete / und ihme mit dieſem Namen 
fuͤrſtellete / wie ihn GOTT haͤtte in dem Hauſe ſeines Elendes 
laſſen groß wachſen / und viel gegeben. 

53. Alſo auch tuht alsdan ein Kind Gottes ſeinen Schatzka⸗ 
ſten auff wan die Theurung komt / daß Gottes Zorn die Welt 
ſichtet / wie Joſeph feine Korn⸗ haͤuſer / und theilet ſeinen Mit⸗ 
zweigen aus feinem Schatz-kaſten mitte / daß ſie nicht in ſolcher 
Theurung verderben. 

E14 Das 


580 Wie Jacob ſeine Soͤhne in Egyptenl. C.s⸗ 


Das 69. Capittel. 


ie dieſe Theurung ſey durch alle Sande geganaen / 
und wie Jacob feine Söhne in Egyptenland nach 
Getreyde ſchickete und wir fie find fuͤr Joſeph 
fommen / und wie er ſich habe gegen ihnen 
erzeiget was darbey zu verſtehen fey. 
Genel. 42. 


x Jeſes 42. Capittel Genef. mit Joſeph und feinen 
Brüdern iſt nun eine Figur / wie GOTT einen 
folchen befchrten Chriften / welcher hat muͤſſen 
mit Edrifto in feinen Proceß tretten und nun 
überwunden hat / endlich auch feine Feinde ſchen⸗ 

Het welche ihn haben in Ehrifti Proceß mitihrem verfolgen und 

falſchen verrahten einbracht / und wie ihnen ihre Sünde auch un⸗ 

ter Augen geſtellet werden / wie fte auch in Angſt und Noht eins 
geführet werden / und wie fie endlich aus lauter Gnade vonder 

Dein und Strafe erlöfet werden / und wie ihnen GOTT fo 

gnaͤdig wird / in deme fie fich bekehren / und nicht allein Die Srtaffe 

erlaͤſſet / ſondern auch mit ſeinem Seegen begabet / wie allhie 

Joſeph ſeine Bruͤder. 

2. Aber darneben wird auch in dieſer Figur fuͤrgeſtellet / wie 
ſich GOZT ſo ernſthafft gegen der Sünden erzeiget / wie allhie 
Joſeph gegen ſeinen Bruͤdern / und da es doch GOTT nicht Ernſt 
iſt / daß er den Bußfertigen Suͤnder wil ſtraffen nach der Schaͤrf⸗ 
fe / ſondern er ſtellet ſich harte gegen der Seelen in ihrem Gewif⸗ 
ſen / auff daß die Suͤnden auffwachen und erkannt werden / und 
daß die Buſſe deſto groͤſſer werde / daß der Menſch in ſolchem 
Schrecken fuͤr der Suͤnde demuͤhtig werde / und gantz von Suͤn— 
Den ausgehe und ihr gram werde / weil er erkennet / daß die 
Suͤnde ein ſolch ſchrecklich Gerichte in ſich hat. 


Die Hiſtoria lautet alſo: 


3. Da aber Jacob ſahe / daß Getreyde in Lgypten feil war / 
ſprach er zu ſeinen Söhnen / was ſehet ihr euch lange um / 
Siebe / ich höre es ſey in Egypten Getreyde feil/ ziehet hinab / 
und kauffet uns Getreyde / daß wir leben / und nicht ſterben: 
Alſo zogen hinab ro. Brüder Joſephs / daß fie in Egypten 
Getreyde Faufften: Aber Benjamin Joſephs Bruder lies 


I ⸗ 


Cap.69. nach Getreyde ſchicket ꝛc.. 681 
Jacob nicht mit hinab ziehen I dan erfprach: £s möcht ihm 
ein Unfal begegnen. | 

4. Diefes ift nun erftlich eine Figur / dag war fich der Menſch 
in Görtlichem Zorne in folher Theurung / da ihme Gerechtig⸗ 
keit mangelt / "be findet / wie Jacob mit feinen Kindern in der 
Theurung/ fo fpricht der Batter im Gewiſſen zur Seelen: Was 
harreftir fange und ſieheſt dich um ? gehe hinab in die Buffe / da 
Gerechtigkeit im Tode Ehriſtt feil iſt / da Chriſtus Gerechtigkeit 
fuͤr deine Suͤnde giebet / ſo du dich nur hertzlich zu ihm wendeſt: 
Alſo ergibet der Vatter feinen Willen in des Suͤ nders Buſſe 
und Umkehren. 

$- Aber Benjamin / Joſephs Bruder das iſt / die Menſch⸗ 
heit Chriſti giebet er ihnen nicht bald mit / er gibet ihme von ehe 
ſeine fuͤndliche Brüder / das iſt er gibt ihm von ehe in ſein Ge⸗ 
wiſſen ſein Schrecken / und verbirget den Troft in feiner Gna⸗ 
de/ als den rechten Benjamin Fofer 96 Bruder por den Eigen⸗ 

ſchafften der Suͤnden / und ſchicket die Eigenſchafften der Suͤn⸗ 
den / als diefe / darinnen die Sünden feynd gewuͤrcket worden / 
Bee der Senade / ſolch Getreyde ben Joſeph / als bey Chriſto zu 

auffen. 

6 Der Souͤnder muß ſelber dran / und mit Ernſt ins Leyden 

nd Tod Chriſti eingehen / und feiner Suͤnden vor der Genade 
im Kaͤrker Des Zorns GOttes abfterben / und fich in Joſephs / 
als in Chriſti Erbarmen auff Genade einwerffen / nicht nur 
drauſſen bleibeirf ſtehen und jagen Ben Chriſto iſt Genade feil / 
und ſich mit der Genade kitzeln amd troͤſten: Nein / das erquic⸗ 
ket nicht die arme Seele / dur muſt hinab: im Egypten sieben. zu 
deinem beleydigten Bruder / we —* du haſt mit deinen Suͤn⸗ 
den in dir / in die Grube geworffen-/ und muſt ihme in groſſer 
Demuht unter Augen tretten / ob du ihn wol nicht bald wirft 
kennen / biß er ſich Dir wird in feiner Erbaͤrmde zu erkennen ge⸗ 
ben / allda muflıin Chriſti Macht und Herrligkeit / die er in 
feiner Aufferſtehung hat erlanget / Getreyde für vie arme Seele 
dauffen / daß ſie lebe und nicht ſterbe wie Jacob zu feinen Kin⸗ 
dern fügte. 

7. Und Moyſes ſaget weiter Alſo kamen die Kinder Iſ 
raels Getreyde zu kauffen / ſamt andern die mit ihnen sogen] 
dan es war im Lande Cangan auch theuer: aber Joſeph war 
der Regent im Lande) und verkauffte Getreyde allem Volcke 
am ande. Da nun ſeine Bruͤder zu ihme kamen / fielen fie 
xor ihm nieder zur Erden auffihr as I und erfahre fie = 

15 % 


58: Wie Jacob ſeine Soͤhne in Eghptenl. C.6s. 


und kannte ſie / und ſtellete ſich fremde gegen ſie / und redete 
hHart mit ihnen / und ſprach zu ihnen: Woher komt ihr? Sie 

ſprachen / aus dem Lande Cangan / Speiſe zu kauffen; Aber 

spicrwol er fie kennete / ſo kannten ſie ihn Doch nicht. 
8. Dieſes iſt nun der erſte Stand / wan ſich die arme Seele zu 
Chriſto wendet / von ihme Speiſe zu holen / fo fiehet er der Scea 
len in ihren Willen / gantz in ihre Eßentz / ob der freye Wille 
ſſich gegen ihme habe gerichtet / und fo er nur umgewendet ſtehet / 
ſo kennet er ihn / aber er ſchrecket vonehe das Gewiſſen / und 
ſtellet ſich fremde und hart gegen der Seelen / wie gegen dem Ca⸗ 
naneiſchen Weiblein / und verbirget der Seelen feine Genade 
biß ſte ihre Buſſe ausfhütter / und vor Chriſto ihr Antlitz beu⸗ 
get / und alle ihre Schuld bekennet / und ſich gantz zur Gruben 
Des Gerichts beuget / und ſich in Gottes Zorn und Straffe einer⸗ 
giebet/ als dem Sterben ihrer Selbheit. 

9. Alsdeñ ſtehet Chriſtus in ſie ein / und faſſet fie zwar mit dem 
ernſten Bande Gottes Zorns / aber ſeine Liebe und Genade ver⸗ 
birget ſich nur darinnen / ſie iſts / welche dem armen Sünder feine 
Suͤnde ruͤget / und ſtoͤret / daß er erſchrickt / und ſich vor Gott 
fürchtet > wan die Seele ſtehet und zu Bott ruffer / fo ſpricht 
Ehrifius im Gewiſſen / Wer biſtu? fiche dich nur an /ob du auch 
aneiner wehrt bift/wie allhier Joſeph thate/de er fagte: Aber ſeyd 
ar? und ſtellte ſich Hart und fremde. 

zo. Und Joſeph gedachte an die Träume) die ihme von ihnen 
getraͤmmet hatten / und ſprach zu ihnen: Ihr ſeyd Kundſchaffter / 
und ſeyd kommen zu ſehen wo das Land offen iſt; das iſt / Chris 
ſtus gedencket an ſeine Barmhertzigkeit / und an ſein bitter Ley⸗ 
Den und Sterben / amd ſpricht zur Seelen: Du biſt ein Kunde 
ſchaffter / und komſt zu mir / und wilſt nur ſehen / wo die Pforte 
meiner Genade offen iſt: aber das ſoll dich nicht helffen / du muſt 
anderſt dran / du muſt vonehe in die Pforten meines Leydens und 
Todes eingehen / anderſt biſtu nur ein Kundſchaffter / und wilſt 
ſehen / wo die Pforten meiner Genade offen ſtehet / daß du dieſelbe 
moͤchteſt zu einein Deckmantel uͤber dich decken / es muß Ernſt ſeyn 
mit dir; dan duwilſt nur mein Verraͤhter ſeyn / und meine Ge⸗ 
Bade in deinem Munde fuͤhren. 

ıx. Und Joſephs Brüder antworteten ihm / und fprachene 
Nein mein Herr / Deine Anechte find kommen Speife zıx 
aufn) wiralle And eines Mannes Söhne / wir findreda 
Uch / und Deine Ancchtefeynd me Rundfchaffter geweſen. Das 
kinder Figur ſo viel / ehe ſich dis Eigenſchafften der Bi in 

14 


Mu 


C.69.nach Getreyde ſchicket ꝛc. 683 
ihrer Eitelkeit recht erkennen / wenn ihr der Zorn Gottes unter 
Augen / alsinihre Eſſentz tritt / fo dendet die Seele / es gefchehe 
ihr unrecht / dan fie dencket / fo fte fich des Verdienftes Jeſit Chri⸗ 
fti tröftet/ undan Chriſtum glaubet / dager Gottes Sohn fey/ 
und habe für die Sünde bezahlet/fo koͤnne ſie nicht für einen goͤtt⸗ 
lichen Kundſchaffter und ungerechten Heuchlergetcholten werden/ 
fie fen jadurch Ehrifti Rechtfertigung gerecht / dieweil fir es glatte 
bet / daß es ihr fen zu gute geſchehen. 

12. Aber gleich wie Joſeph zu feinen Brüdern prah: Nein; 

fonvern ihr ſeyd kommen zu befehen / wo das Sand offen iſt; Alſo 
auch ſchuldiget der Geiſt Chriſti der Seelen Eſſentien: dan er 
pruͤfet ſie / daß ſie noch nicht zerſchellet ſeynd / und noch eigene 
Begierde in ſich haben / und wil nur alsbald zur Genade / als. 
zur offenen Pforten greiffen/ welches der Seelen nicht gilt / fie. 
mug vonche in Chriſti Leyden und Sterben eintreffen / und von» 
ehe daffelbe durch ernſte Buffe und Umkehrung ihres Willens / 
anziehen: alsdan mag fie durch die offene Pforten durch Chriſti 
Runden und Zod in feiner Aufferſtehung eingehen. 
13. Weiter fagten Joſephs Brüder : Wir deine Knechte 
find zwoͤlff Bruͤder / eines Mannes Söhneim LandeLanaan/ 
und der jüngfteift noch bey unferm Vatter / aber der eine iſt 
wicht mehr vorhanden. Joſeph ſprach zu ihnen; Das iſts / 
Das ich euch gefagt habe! Kundſchaffter ſeyd ihr / Daran wil 
ich euch prüfen bey dem Leben Dharsonis: Ihr ſollt nicht 
von dannen kommen / es Eommedan euerjüngiter Bruder 
ber / ſendet einen unter euch hin / der euren Bruder hole /ihe 
ober follt gefangen feyn : Alſo wil ich präffen eure Rede / ob 
ihr mit Wahrheit umgehet oder nicht; dan wo nicht / ſo feyd 
ihr bey dem Leben Phaͤraonis Rımdfchaffter/ und ließ fie 
keyfammen verwahren drey Tagelane. 


Die innere theure Figur ttchetalfor 


24. Wan fi, alfo die Seele zu Chriftonahet/ und wilals> 
Bald feine Aufferfichung anziehen / fo fpricht der Geiſt Chrifti 
in die feelifche Eſſentz / das ifts./ das ich euch gefaget habe / deine 
Effentien ſeynd Kundfchaffter bey.dem Leben GOttes / Daran wil 
ich fie pruͤffen / ob ſie auff redficher Bahn zumir kommen / wo 
ſie mir ihren juͤngſten Bruder / als den rechten Joſephs⸗Bruder / 
Das iſt / die eingeleibte Lineam des Genaden-bundes in ihrer in 
Adams verblichenen Himmliſchen Weſenheit / mit bringen | 
As den eingeleibten ig geſchehen / alſo 


—* 


684 Wie Jacobſeine Soͤhne in Egyptenl. C. 69 


daß ſich die ſeeliſche Eſſentz mit ihrem inwendigſten Grunde zu 
mir und in mich einwende / ſonſt kommen ſie nur als Heuchler 
und Kundſchaffter ver Genaden-Pforten. 

15. Das heiſſet recht den juͤngſten Bruder holen: dan dieſel⸗ 
be eingeleibte Genade in der Berheiffung im Paradeiß geſchehen / 
iſt der Seelen juͤngſter Bruder / welchen fie mit der Sünden 
verbirget und zudecket / und im Anfange ihrer Buſſe daheimen 
laͤſſet beym Leben GOttes. 

16. Darum ſaget der Text Moyſis gantz heimlich: Er wolle 
fie beym Leben Pharaonis daran pruͤffen / Das heiffet in der Fi— 
gur beym Leben GOttes / bey welchem dieſer juͤngſte Sohn da—⸗ 
hinden blieb) den mug cin Bußfertiger Menſch mit zur Genas 
Den Pforten bringen / fonft muß er 3. Tage verfchleffen und ge= 
fangen liegen / big er ihn bringet / wie Joſephs Brüder: Das 
aft / fonft muͤſſen die 3. Principiaim Menfchen fo lange im Zor⸗ 
ne GOttes gefangen liegen / und können nicht Göttliche Speife 
Zauffen / fie yaben dan diefen ihren jüngften Bruder /das iſt / 
Die Pforten mit /Darinne Ehriftus im Menfchen in demfelben 
Bilde vonder himmliſchen Welt Weſen / welches in Adam vers 
Klich / vom Tod auffltchet / darinnen er fein Wohnhauß ha⸗ 
ben mag. 

17. So wird ein Menſch beym Leben GOttes gepruͤfet wan 
er ſich zu GOTT wendet / ob er ſich gantz und gar zu ihm wende / 
und dieſen eingeleibten Genaden-Grund mit bringe / darinnen 
ſich Chriſtus wil und ſoll offenbahren: wo nicht / fo ſpricht Io» 
ſeph / das iſt / Chriſtus zur Seelen Eſſentien: Ihr ſeyd an 
GOttes Leben nur Kundſchaffter / und forſchet nur die Recht⸗ 
fertigung des Menſchen von Leyden und Verdienſt Chriſti / dns 
ft / ihr lernet nur die Hiſtori / und nehmet den theuren Bund 
GOttes in euren Mund / und heuchelt euch ſelber mit Chriſti 
Genugthuung / und bleibet doch nichts ale nur Kundſchaffter der. 
Genaden: Aber das ſoll euch nicht gelten und nichts helffen / ob 
ähr gleich Chriſti Reich erkundſchafftet / mein Zorn und meine 
Gerechtigkeit im Eyfer ſoll euch Doch mit allen 3. Principien 
gefangen halten / fo lange ihr den innerſten Grund eures We⸗ 
ſens nicht mitbringet / das heiffet alle ız. Söhne Jacobs für 
‚Zofephjdas ift/ für IEſum ſtellen / und ihme mit Leib und Ser» 
ie | von innen und auffen/ aus allen feinen Kräfftenzugufe 
ſallen / und fich in ſeine Genadeergeben. 

38, Dann es heiſſet nicht die Gerade koͤnnen nehmen / ſondern 
fd in dis Genade erſencken / daß ſich ihme die Genade 
—J nut. 


E.69. nach Getreyde ſchicket ꝛe⸗ 685 


dan des Menfchen können nehmen ift verlohren / der eigene 
Wille iftvon GOtt abgetrannt / er muß ſich gaͤntzlich in GOtt 
erſencken und vom Willen ablaffen / daß ihn GOtt wieder in 
feine Genadenimt. 

19, O Babel! wie trifft dich das? Dur bift bey dem Schen 
GOttes mit deiner Heucheley nur ein Kundſchaffter der Genas 
Ben GOttes / du fücheft nur vie Genaden-Prorten / wie dw 
möchteft mit eigenem Willen ohnedeinen inwendigen Benjas 
min in Chrifti Reich eingehen 5 ja du wilſt ein von auſſen ange⸗ 
nommenes Genaden⸗-kind ſeyn / dehme feine Suͤnden ſeynd 
durch Chriſti Verdienſt vergeben / und bleibeſt doch nur Babel 
und Fabel / und wilſt nicht ein Chriſt in Chriſto ſeyn / du wilſt 
in Himmel einfahren / aber das gilt dir nicht: Joſeph / das iſt/ 
Chriſtus haͤlt dich im Zorn GOttes gefangen in Leib und Seele 4 
du gebeſt ihm denn Benjamin / als deinen inwendigen Grund / 
fo führe der Himmel in dich / und ftehet Ehriftus in dir aus ſei⸗ 

nem Grabe / das du felber bift / won Tode auff / alsdan hat deine 
Kundſchaffterey ein Ende. | 

20. O ihr hohen Schulen] und alle die ihr wollet GOttes 
Diener ſeyn / und den Weeg GOttes Ichren / und darum zanca 
ket / was ſeyd ihr ? Sehet euch Doch in dieſer Figur an: Ans 
ders nichts als Kundſchaffter GOttes / ihr forſchet immer / und 
lieget doch nur im Gefaͤngnuͤß: GOTT wils alſo nicht mehr 
haben: dan er pruͤffet ſelber der Menſchen Gedancken / und iſt 
ſelber allen Dingen gegenwaͤrtig / ſein iſt der Verſtand / ſein iſt 
das Wiſſen vom Reihe GOttes / ohneihn wiſſet ihr nichts. 

21. Eier Kundſchafften und Wiſſen huͤlfft euch nicht ing 
Reich GOttes / ihr Eönner nicht darinn einfahren / es fahre dan 
in eurem Leben aus /dasift/ es werde dan in euerem Leben offen 
bahr / dag ihr GOttes Kinder in Chriſto in feinem Leyden / 
Tod und Aufferſtehung in ihme ſelber ſeyd / nicht durch hiſtori⸗ 
ſchen angenommenen Glaubens-Schein / ſondern effentiali- 
ter/ wie die Rebe am Weinſtock: ihr muͤſſet ein Zweig am 
Baum ſeyn / ihr muͤſſet Chriſti Leben / Fleiſch und Bluth wuͤrck⸗ 
lich und weſentlich in dem inwendigem Grunde in euch haben ? 
und Chriſtus ſeyn / font feyd ihr alle miteinander nur Kunds 
ſchaffter / Forſcher nnd hiſtoriſche Chriften / und nicht beſſer 7 
als Juden) Tuͤrcken und Heyden, 

22. O ihr einfaͤltigen Menfchen j Taffet euch doch weifen 3 
gehet nur vom Thurnder verwirreten Sprachen aus / fo moͤget 
Sr bald zu recht kommen / en zur Rechten * 

ur? a 


686Wie Jacob fein Söhne in Egyptenl C.69 
tes incuch / er ſitzet allda / ſchlieſſet nur euren Willen auff / das 
iſt: ergebet ihm nur denſelben / er wird ihn wohl auffſchlieſſen / 
euer Buſſe muß Ernſt ſeyn / oder ſeyd alle miteinadder nur 
Kundſchaffter. 

23. Gaffet nicht mehr / es iſt Zeit: Sie iſt wahrhaf⸗ 
tig gebohren / euer Erloͤſung nahet ſich: Der Bräuti: 
gam ruffet ſeiner Braut / ja ins Gefaͤngnuͤß Joſephs 
Br ihr in diefer Theurung | fo ihr nicht wollet/ 

men. 

24. Und Moyfes fpricht weiter; Am dritten Tage aber 
forach er zu ihnen: Wollerihr leben / fo thut alfo / Denn ich 
fürchte GOtt: Seyd ihr redlich / ſo laſſet eurer Brüder eis 
nen gefangen Kegen in eurem Befüngnüß / Ihr aber ziehet 
bin / und bringet heim / was ihr gefauffer habet für den 
Hunger / und breinget euren juͤngſten Bruder zu mir / fo wil 
ich euren Worten glauben daß ihr nicht ſterben mäffer. 
Und fie thaͤten alfo. | 


Die Figur ſtehet alſo: 


25. Wan fich die Seele zu GOTT naher / und wil Buſſe 
thun / und ift aber ihr inwendiger Grund noch gantz inder Ei— 
telkeit verfihloffen / dag das Gemühte noch an der Eigenheit 
hanget / fo ie aber nicht wil von der Buſſe ablaffen / und mag 
Doch auch der irzdifchen Begierde noch nicht lop werden / und 
bleibet im Gebethe / ſo laͤſſet GOtt der Batter der Scelen Effen-- 
rien / ja aus der Gefüngnüß feines Zorns/ dag dem Gemüthe 
wieder wehlwird/ gleicheinem der aus der Gefängnüg ift erle⸗ 
diget worden / fo fpricht das Gemuͤthe auch / Mirift gar wohl 
worden in meinem Gebethe diefer Buffe. 

26. Denn GSttes Zorn hatdie Natur aus feinem Gefaͤng⸗ 
nuͤß gelaffen / daß fie foll mitgroffer Arbeitzu GOtt dringen > 
denn inihrer Gefaͤngnuͤß kan ſie nicht; denn ihr iſt bange umd 
ſtehet nur ihre begangene Suͤnde / welche ſte immerdar zuruͤcke 
treiben / daß ſie ſich vor GOtt fuͤrchtet / und ſchaͤmet: Aber wenn 
fie der Zorn loß laͤſſet / ſo krieget fie Krarft zum Gebethe / und 
Buſſe⸗-Wuͤrckung. 9 

27. Aber ver Zorn GHttes hält fie noch immerdar an einem 
Bande /gleichwie Zofeph feinen Bruder gefangen behielt/ biß fie: 
ihme den leuten Bruder auch brachten: Alfo muß die arme See⸗ 
can einem Bande der Gefaͤngnuͤß des Todes bleiben Inn TE 


* 


8.69. nach Getreyde ſchicket / rtc. 687 


ſie den letzten Bruder / als den inwendigſten Grund außſchuͤttet / 
und fuͤr GOtt tritt / und ſaget: HErr ich wil umb Chriſti und 
meiner Seeligkeit willen alles verlaſſen / und meinen Willen 
dir gantz ergeben / wirff mich in Tod oder Leben / in Schande oder 
Spott / in Armuth oder Elende / wie du wilſt / fo wil ich an dir 
bleiben / ich wil nicht mehr vor dir heucheln / und dir meinen Wil⸗ 
len nur halb geben / wie ich gethan habe. 

28. Alsdañ ſo der Ernſt alſo in die Practica gehet / daß GOtt 
erkennet / daß es Ernſt iſt / fo wird auch ver letzte Bruder loß ge⸗ 
laſſen / das iſt / fo wird auch das legte Band des Zorns GOttes 
log; Aber unter diefem / che esalfo gehet / muß die Seele an ei⸗ 
nem Bande gefangen liegen. 

29. Aber nichts deftomweniger fpricht GOtt zu den andern 
koßgelaffenen Lebens⸗Geſtaͤltnuͤſſen Nun zichet hin mit dehme/ 
was ihr jeßo in diefer Buffe bey mir gekauffet oder befommen/ 
und bringets heim / das ift/ beſudelts nicht wieder / lebet davon / 

und genieffet diefer jest gefchenckten Genade / und führets zu 
GoOttes Ehren ein / daß es mit der Wuͤrckung vor GOtt komme. 

30. Moyſes ſpricht weiter: Sie aber ſprachen unterein⸗ 
der / das haben wir an unſerm Bruder verſchuldet / daß wir 
ſahen Die Angſt feiner Seelen / da er uns flehete / und wir wol⸗ 
ten ihn nicht erhoͤren / darumb kom̃t nun dieſe Truͤbſal über. 
uns. Ruben antwortet ihnen und ſprach: Sagte ichs euch 
nieht / da ich ſprach; Verſuͤndiget euch nicht an dem Knaben/ 
und ihr woltet nicht hoͤren: nun wird ſein Blut gefordert; 
Sie wuſten aber nicht daß es Joſeph verſtund: Dam er redete 
mit ihnen durch einen Dolmetſcher / und er wandte ſich von 
ihken und weinete; da er ſich nun wieder su ihnen wandte / 
und mit ihnen redete / nahm er aus ihnen Simeon/ und band- 
ihn vorihren Augen. 

32. Diefe Figur ift nun der Ernſt der Buſſe / da der Menſch in 

ſeiner Buſſe vor GOttes Augen ſtehet / wañ er zu GOtt flehet / de. 
ihme ſein Gewiſſen ui die Suͤnde auffwachet / wie alhie den Bruͤ⸗ 
dern Joſephs / ſo ſpricht er in ſich / das habe ich mit meiinen Suͤnden 
verdienet / daß ich habe Chriſtum in mir / und auſſer mir in mei⸗ 
nen Mitgliedern helffen creutzigen und ihn verſpottet / und fein: 
Flehen inmeinenneben-Chriften nicht geachtet / ſondern habe ſie 
verhöhnet und zum Verdamnuͤß gerichtet / jet trifft michs nun? 
da ich mich wil zu GO T Twenden / und wil Buſſe thun / jetzt 
halten mich ſeine Seufftzen und Thraͤnen auff / die ich ihm habe 
heraus getrieben zu meiner Wolluſt / Spoͤtterey und Haaren € 
i 


638 Wie Jacob feine Söhne in&gyptenl.E 69 


beet ſtehe ich nun hie /umd der Himmel wird mir im Gewiffen 
ifern. 

32. Sofprihtdann GOtt im Gewiſſen / haft du es doch wohl 
gewuſt / darzu habe ich dir mein Wort laſſen ſagen / du wuſteſtes 
wohl / daß du unrecht thaͤteſt / aber dein boͤſer Muthwille muſte 
regiren:: Jeizt wilſt du nun Genade haben / und der Teuffel 
fpricht : Es iſt umbfonft / die Genade ift weg / der Himmel iſt 
zu/ die Hölle offen / Laß nur abe/ duerlangeſt nichts. 

33. Aber die groffe Varmhertzigkeit in der Genade Chriſti 
im inwendigen Grunde deinget hindurch mit feinem Jammer 
und groffer Erbaͤrmbde / wiewohl ſie auff jeko noch ihr Augeficht 
der Liebe verbirget / dag fie die Seele nicyt kennet / und machet die 
betrübte Seele voll Jammer / Das fie in fic) vor GOtt flehet und 
weinet/ und fich aller Boßheit ſchuldig gibt / und hebet in ſolchem 
angezündeten Jammer an igre Sünde bitterlich zu beklagen und 
zu bereuen / uñ iſt aus ſo voll Schande vor Chriſti Augen / daß Ne 
ihr Angeſicht vor GOtt verbirget / und weiß nicht was ſie ſoll für 
Jammer anfahen: Dann fie ſiehet in ſich mit Aagen / daß fie 
GOttes ſtrenge Gerechtigkeit in ihrem Leben bindet und haͤlt / 
wie die Bruͤder Joſephs ſehen muſten / daß ihr Bruder umb ihrer 
Saͤnden willen vor ihren Augen gebunden ward. 

34. Dann obwehl Chriftusin der Seelen Eſſentz in dem in⸗ 
wendigen Grunde der cingeleibten Genade raͤge iſt / und jicalfo 
zerfchellet / daß fie ihre Suͤnde fichet amd bereuet / noch ftelleter 
fich gar frembde gegenter Seelen / und wil ſie mit feinem Liebe⸗ 
Strahl beruͤhren /wie ich Joſeph frembde ftellete/als verftiinde cr 
nicht ihre Sprache/umd redete durch einen Dolmetſcher zu ihnen. 

35. Derfelbe Dolmetſcher ifts eben / der die Seele in folche 
Reue bringet/fonft Eönte fie nicht : Dañ fie hatin eigener Macht 
nichts mehr als nur dieſes / daß fte ihrem ungründlichen übernas 
zuͤrlichen Willen gegen Gott/als in das daraus er kom̃en ift/mag 
wenden / uñ allda ftille fechen/welches ihr aber ſehr ſchwer iſt / und 
doch möglich ; eg fen dann / daß ihr Wille ſich habe gantz von der 
eingeleibten Benaden- Pforten abgebrochen / und des Teuffels 
Girft ergeben. / dag der Wille des Ungrumdes der Seelen feyin 
eine Figur einer falſchen Diftel gegangen / und ſey ganz gifftig / 
fo ifts ſchwer / und gelanget zu Feiner Reue /fondern iſt leichtfer⸗ 
rig und verſtocket / und begehret ſich keirmahl umbzuwenden / es 
reuet fie auch keine Boßheit / ſondern erfreuet fich derſelben / alſo⸗ 
Lunge fie den Leib traͤget / alsdann iſts umb fie geſchehen: Wo 


aber noch ein Fuͤncklein Goͤttlicher Begierde iſt / da iſt noch a | 
. 30. An⸗ 


———— 





E.69: nach Getreypefihidetiie. 689 


36. Und Moyſes fpricht weiter: Und Joſeph thaͤt Befehl daß 
man ihre Saͤcke mit Getreyde füllese und ihr Geld wiedergäs 
be / einem jeglichen In feinen Sack / darzu auch Zehrung auff 
den Weeg / und man thaͤt ihnen alſo. Und fie luden ihre Waar 
suff ihre £felund sogen von dannen. Da aber einer ſeinen 
Sid! auffthaͤt / daß er feinem Zfel Sutter gebein der Herber> 
ge / ward er gewahr feines Geldes / das oben im Sade lag / 
und fprach zu feinen Brüdern; Mein Geld iſt mir nieder 
worden/ fiehe in meinem Sadeiftes : Da entfiel ihnen Das 


Herge umd erſchracken untereinander / und ſprachen: War⸗ 


Und hat uns GOtt das gethan? 

37. Dieſes iſt nun die liebreiche Figur / wie GOtt dem bußfer⸗ 
tigen Suͤnder / wann der in feinem Willen alles uͤbergiebet / und 
gedencket an GOtt beftändig zu bleiben / nichts nimmt; er nimmt 
fein Geſchencke noch was anders von ihm / er nimmt ihme auch 
nicht fein zeitlich Guth / wann er es nur GOtt uͤbergiebet und 
die Meinheit verläffer : Alsdenn füllet ihme GOtt feinen 
Sack / und giebet ihmedas Geld /daser den Armen und Elenden 
giebet in feinem Seegen /alles wieder /und legers ihme oben an 
in feine Nahrung / dag der Dienfch fichet / Das es ihme GOtt hat 
wieder in feinem wunderlichen Seegen befeberet. 

38. Davor fi) ein Menfch offt verwirndert wie es zugehet / 
das ihme zeitliche Nahrung auff folche wunderbahrlihe Weiſe 
zufaͤllet [da er es doc nicht hat alfo geſuchet / oder etwas Davon 
gewuſt / und fich gleich Darüber entfegei / ob ers auch foll anche 
men / dencket auch wohl / es geſchehe ihme zur Verſuchung / wie 
allhie Joſephs Bruͤder dachten: Joſeph verſuchte ſie alſo / daß 
er Urfache zu ihnen haͤtte. 

39. Auch iſt dieſes das innerliche Seſchencke Chriſti andeü⸗ 
tende / daß / wenn der arme Suͤnder fein Hertz vor GOtt aus⸗ 
ſchuͤttet zur Bezahlung der Genaden / und SOtt gicbet was cr 
hat / ſo fuͤllet ihm GOtt mit der Genade Chriſti den Sad ſei⸗ 
nes Hertzens voll / und giebet ihme noch eine gute Zehrung / als 
Verſtand und Weißheit auff den Weeg feiner Pilgram⸗ſtraſſen / 
da er ſoll durch dieſes Janmerthal wieder heim in fein Vatter⸗ 
land reyſen. 

40. Aber mit dieſer Reyſe auff dieſer Pilgram⸗ſtraſſen / in⸗ 
dehme dem Adamiſchen Menſchen ſein Sack gefuͤllet wird mit 
himmliſchem Gute / wird dem Reiche des Zorns GOttes / fo wohl 
der Irrdigkeit das ihre (daß fir am Menſchen haben) geraubet / 
wie in dieſer Figur zu ſehen iſt. 

4, Dann 


N; 

—* 

— Zi 
u; 


890 Wie Jacob fein Söhne in Egyptenl. C. 69 


41. Dann als Jacobs Soͤhne heim kamen zu ihrem Vatter / 
und ihme ſagten wie es ihnen waͤre ergangen/ und ihre Saͤcke 
außſchuͤtteten / und das Geld wieder funden / und wolten auch 
Benjamin mitin Egypten haben / fo fprach Jacob: Ihr berau— 
bet mich meiner Rinder / Joſeph ift nicht mehr vorhanden / 
Simeon iftnicht mehr da / Benjamin wolf ihr hinnehmen : 
Es gehet alles über mich, 

42. Allhie fechet Jacob ihr Vatter in der Figur der Äuffern 
Natur Eigenheit/wie fich die Natur beflaget/ wer ihr ihr Necht/ 
und was ſie ans Liecht gebohren hat /geraubet wird; und Khet 

jagt trefflich fchöne in der Figur/ dann die Auffere- Natur fpricht/ 
wenn fie die Göttliche Gaben in fich ſtehet / dadurch fie das Recht 
ihrer Eigenheit verleuret / ich werde meiner Macht beraubet: 
Joſeph / alsder inwendige Grund des Himmelreichs / den ich im 
Paradeiß hatte / verift nicht mehr vorhanden / fo wilmir auch 
dieſes Geſchencke meinen Gewalt/als meine Kinder / das ift / die 
Eigenfchafften meiner Natur nehmen: Es schet alles über mich/ 

ich muß mich laffen berauben. 

435. Kuden aber ſprach zu feinem Vatter: Wenn ich dir 
Benjamin nicht wiederbringe / ſo erwuͤrge meine zwey Soͤh⸗ 

ne; Gib ihn mirin meine Sand [ich wildir ihn wiederbrin⸗ 
sen. Dasift/ GOtt tröfter die Natur /und fpricht: Gib mir 
Deine Geftältnüß / als deine Kinder in meine Hand / Ich wil fie 
nur in Egypten zu Joſeph / das ift / zu JEſu führen / und wil ſie 


dir wiedergeben / du ſollt nichts verliehren / wo nicht / ſo toͤdte 


meine beyde Soͤhne an dir / das iſt / toͤdte das erſte und andere 
Principium. 

44. Welches auch geſchaͤhe / fo die Natur ihrer Geſtalt be⸗ 
raubet würde / fo müfte in der Natur des Menfchen GOttes 
eich in der Liebe / und auch GOttes Reich inder Feuers⸗macht 
auffhoͤren: Alſo gar heimlich ſpielet der Geiſt GOttes in der 
Figur der Wiedergebuhrt / welche Erklaͤrung die Bernunfft 
wird frembde anſehen / aber wir wiſſen was wir allhier 
ſchreiben / den unſern verſtanden. 

45. Und Jacob ſprach: Mein Sohn Benjamin ſoll nicht 
mit euch hinab ziehen / dem ſein Bruder iſt todt / und er iſt 
allein uͤberblieben: Wenn ihn ein Unfall auff dem Weege 
begegnete / da ihr auff reyſet / würdet ihr meine graue Haar 
mit Hergenleid in die Brube bringen. Das ift : Die Na» 
zur ift bloͤde / wenn fie follin Tod Chriſti eingeben / und " 

Id: 


| €. 70Wie Far. Söhne wegen der Theur.etc. c9 1 


ſich fuͤrm ſterben / und wil nirgends dran / fie entſchuldiget ſich 
ihres gehabten himm liſchen Joſephs / als des Himmels⸗Bildes/ 
welches / weil fie das nicht begreiffen mag / fo ſpricht fie / Es iſt 
todt; wenn nun diefen meinen Schens-Geftalten auff dieſem 
Werge auch Unheil wiederführe / fo müfte ich mit Hertzenleid 
zergehen/ und haͤtte mein Leben ein Ende. 


Das7o. Capittel. 


Wie Jacobs Söhne wegen der Theurung yeieder in 
Egyptenland zu Joſeph ziehen nach Getrende | und 
DBenjaminmitnehmen/ wie fie Joſeph ließ in fein Haus 
führen und von feinem Tiſche Effen fürtragen : 
Was darbey zu veritehen it. 


Genef. 43. 


x. EI Jeſes gantze Capittel prefiguriret uns nun das 

gar ſchoͤne Bild / wie erſtlich die Auffere Natur in 

EEE ſolchem Procchl Vann ſie ſoll ihren Willen drein 

a geben / daß ihre Schens-Efleng in Egypten / das 

iſt / in Tod Chriſti foll eingehen / gar blöde und 

zaghafft iſt / und doch endlich darein williget / daß alleihre Sehens» 

Geſtaͤlte ins Sterben ihrer Selbheit / als in das rechte Egypten 

auff Goͤttlich Vertrauen eingehen mögen / dag fie der Wille 
GoOttes mit ſich darein führe. 

2. Und dann wie ſich die Lebens-Geſtaͤlte vorm Joſeph / das 
iſt / vor GOttes Angeſichte fuͤrchten / dieweil fie in ſich das boͤſe Ge⸗ 
wiſſen fuͤhlen wie Jacobs Söhne ſich vor Joſeph fuͤrchteten dan 
fie dachten immerdar / GOtt würde fie umb Jofephs willen ſtraf⸗ 
fen / dafuͤr ſie erzitterten. 

3. Und zum dritten / wie GOtt mit den Geſtaͤlten der feelis 
Shen Natur erftlich fo freundlich umbgehe/ und ihnen erftlich 
Himmel-Brod von feinem Weſen gebe / und doch noch in fremb⸗ 
ver Geftalt ; wie Joſeph feine Brüder zu Gafte ladete/ und von 
feinem Tifch fpeifete / dag fie affen und runden und frölich wur 
den / und ſie hernach in Friede ziehen lich : Und aber alsbafd mit 
der ſchrecklichen Berfuchung hernach Fam / indehme er ließ ſei⸗ 
nen Becher in Benjamins Sad legen / und ihnen nachjagen und 
ſie zuruͤckholen / welches alles gewaltig in der Figur des bußfer⸗ 
tigen Suͤnders ſtehet / wie es mit ihme gehet / biß ſich GOtt ihme 
in der Liebe zu erkennen giebet. 

4 Moy⸗ 


692 Wie Zar. Söhne wegender Their E.70. 


4 Moyſis Worte folgen alfo : Diefe Theurung aber druͤcke⸗ 
te das Land /und da es verzehrer war was fie für Getreyde 
aus Egypten gebracht hatten / fprach Ihr Vatter au ihnen: 
Ziehet wieder hin und Fauffer uns ein ivenig&speife s Da ant⸗ 
wortete ihme Juda / und jprach: Der Mann band uns das 
Hart ein / und ſprach: Ihr ſollt mein Angeſicht nicht ſehen / es 
dann euer Bruder mit euch; Iſts nun / daß du unſern 

ruder mit uns ſendeſt / fo wollen wir hinab ziehen und dir 
zweiten kauffen: Iſts aber dad du ihn nicht fendeit/ fo zie⸗ 
hen wie wicht hinab / dann der Mann bat gefüger zu uns: 
Ihr I mein Angeficht nicht ſehen / euer Bruder fey dann 
mit euch. 


Dieſe Figur ſtehet alle: 


5. Die Seeele des Menſchen ſtehet in drey Principien/ als in 
der ewigen Feuers-⸗Natur / und in des ewigen Liechts Feuers⸗ 
Natur) als in dem Liebe⸗Feuer / welches in Adam verloſch / dar⸗ 
umb jetzt nun der Streit iſt:: Und zum dritten ſtehet fie im Spi- 
ritu Mundi, im Reiche dieſer Welt / als in der Sterbligkeit und 
Wiederbringung. 

6. So verſtehet uns num recht / wann der innere ſeeliſche 
Grund / als die ewige Seele aus des Vatters Eigenſchafft des 
Worts GOttes wieder zuruͤcke wendet / und ſich nach ihrem 
Perlein / als nach dem andern Prineipio der engliſchen Welt Ei⸗ 
genſchafft umbſiehet / fo wird fie gewaͤhr / daß es in Adam verloh⸗ 
ren iſt worden: Daraus entſtehet ihr Jammer und Wirder⸗ 
kehren / und fo balde fie wiederkehret / fo giebet ihr GOtt feine 
Genade wieder ein / aber ihr unerkanut und unverſtanden / und 
begehret daß ſich Die innere Feuer-Seele / als Das Centrum der 
ewigen Natur / ſoll mit der im Paradeiß eingeſprochenen Ge⸗ 
nuden⸗ Stimme / welche gantz einverleibet ward / wieder zu GOtt 
wenden. 

7. In welcher Goͤttlichen Begierde dieſe groſſe Unruhe in 
der Seelen entſtehet / daß ſte alſo in die Buſſe gehet / wann fie 
ſtehet daß fie hat ihr Vermoͤgen verlohren / fo kan / inag / noch ſoll 
fie auch in keinem andern Weege ihr erſtes gehabtes Perlein 
wieder erlangen und zu Goͤttlicher Hulde kommen / ſie wende ſich 
dann mit ihrer Feuers-Macht gang wieder in den eingeleibten 
Genaden-Grund / und ergebe ſich dehme. 

8. Und wenn nun dieſes die aͤuſſere ſterbliche Seele / als die 
Natur des dritten Principii des Reichs dieſer Welt ſiehet / fo iſt 

ſie 


E.70. rung wieder zu Joſeph ziehen! ꝛc. 693 


fie zaghafft / wie Jacob über feinen Kindern / und dencket immer⸗ 
dur ſie werden umb Leib und chen /umb Guth und Ehre kom⸗ 
men / ihre Lebens-Geſtaͤlte werden ihrer Aufferlihen Macht) 
welche fie in diefer Welt Haben / beraubet werden. 

9. So mag auch) die innere feurifche Seele ihren inmwens 
digen Grund/ alsden rechten Benjamin richt erheben / und mit 
in Egppten für Joſeph / das ift /in Die ernfte Buſſe für IEſum 
bringen. Die auffere Seele vom Spiritu Mundi werde dann das 
hin gebracht und gang übertäubet /dag fie auch endlich darein 
wiiliget / daß lich die feurifche inwendige groffe Seele ſoll alfo in 
allen dreyen Princeipien bewegen/und den inwendigſten Grund / 
als Joſephs Bruder / als die eingeleibte Genaden⸗Pforte / ſambt 
allen aͤuſſerlichen Eſſentien der aͤuſſern Seelen erheben / und 
mit in die Buß-wuͤrckung vor den rechten Joſeph oder IEſum 
bringen. 

10. Dann der fenrifchen Seelen wird von Jofeph/ das ift / 

von JEſu gedraͤuet / daß / wo fie inihrer Zunahung nicht den in= 
wendigfien Grund mitbringet / als den Bruder Zofephs oder . 
Ehrifti/welcher in feiner Offenbahrung der Tempel Ehriſti wird / 
fo ſoll ihr Band an GOttes Zorn nicht log werden / ihr Bruder 
Simon follim Gefüngnüg bleiben / big fie auch Iofephs Bru⸗ 
der/als den inwendigften Grund/ erhebet und mitbringet. 

ır. Auch follen ihre Säcke nicht mit himmliſchem Manna 
gefüllet werden zu ihrer Speife/ das iſt ihre Glaubens-Begier- 
de ſoll leer und yungerig bleiben, und nicht mit Goͤttlicher Kraft - 
lan werden / fie bringe dann den rechten Tempel Chrifti/ als 

dierechte Saͤcke mit / darein der himmliſche Joſeph feine Speife 
einfüllet. 

12. Diefes fichet num in diefem Texte in der Figur/ wie es den 
alten Adamiſchen Menſchen / als ven alten Jacob dündet gar 
ſchwer feyn/ dag er foll alle feine Lebens⸗Kraͤffte mitin Egypten / 
das iſt / für Zofeph oder JEſum in die Burfe einführen laſſen / 
zumahl weiler fichet/dag er follfeinen Willen brechen/ und dar⸗ 
umb alles Zeitliche verlaffen / wie der alte Jacob alle feine Kin 
der umb diefer Speife willen mufte verlaffen. 

13. Es gieng ihme ſchwer ein / und doch drückete ihn die Theu⸗ 
rung und Hunger / daß er esendlich willigen mufte / daß alle ſei⸗ 
ne Söhne in Egpgten zogen / und auch fein jüngfter Sohn mit⸗ 
zog / und er allein war / als einer welcher kein Kind hätte : : Aifo 
gang muſte fich die Auffere Natur verlaffen/ das fte in fich ift/ als 
hätte fie Erinen Gewalt mehr zu irrdiſchen Dingen / und Ann, 

Selb⸗ 


694 Wie Zac. Soͤhne wegen der The €. 70. 


Selbheit der innern Seelen / welche im Zuge GOttes ſtehet / uͤber⸗ 
geben / daß Die innere Seele den aͤuſſern Seelen-willen mit in 
die Umbwendung nimmt / alsdenn bleibet der alte Jacob / das ift/ 
der alte irrdiſche Adamifche Leib allein in feinem Haufe in Trau⸗ 
ren / und weig nicht wie es nun ihme gehen werde/ dieweilfein 
Geift mug mit in die Umbwendung gehen/ fo dencket der irrdiſche 
Lucifer in ihme / alsdie fleifchliche Begierde : Hiermit wirft du 
umb zeitliche Ehre und Guth kommen / undder Welt Narı wer⸗ 
den z Diefes wird nicht zu deiner Luſt dienen. 

14. Aber die groffe Theurung/als die Suͤnde / drüdetdasars 
me Leben in allen dreyen Principien/ dag fihs muß auffmachen/ 
und in Egypten / das ift/in die Buffe gehen/und Göttliche Speiſe 
ſuchen / und von dem rechten Haufhalter Joſeph oder JEſu bit⸗ 
ten und begehren / und in ſolcher Bitte und Begierde auff ſein 
Angeſicht der groſſen Demuͤthigkeit vor Joſeph oder JEſu fal- 
len / und von ihme Speiſe begehren. 

xs. Daß aber Jacobs Soͤhne muſten zweymahl in Egypten 
nach Getreyde ziehen / und zum erſtenmahl wohl Getreyde em⸗ 
pfiengen / und aber dadurch in Noth kamen und gepfaͤndet wur= 
den / hat im innern dieſe Figur : Wann ſich der Menſch zum 
erſtenmaͤhl in die Buſſe wendet / fo ſtehet erſtlich vor ihm die 
ſchreckliche Figur feiner Sünden / daun fie wachen ihme auff / 
und das Gewiſſen ſtehet in GOttes Zorn. 

19. Wie die Brüder Joſephs zum erftenmahl vor Joſeph 
ſtunden / da er ſie nur fürKundfihaffter hielt : Alfo auch ſtehet der 
Menfch vor EHtt /als cin Kumdfchaffter Böttliher Genaden; 
denn er dencket / erwilauff dißmahl in die Buſſe eingehen / dag 
ihme jollen die alte Sünden vergeben werden; aber er hat feinen 
Willen noch nichtalfo Hart bezwungen, / dag der Wille gedencke 
fein lebtag / weil der Leib währet / in folcher angefangenen Buſſe 
zu bleiben / fondern er gedencket nur alſo einmahl die Sünde im 
Gewiſſen zu filgen / und dic alte Sünde in Bug und Neu zu er⸗ 
ſaͤuffen. 

17. Und es komit auch darzu / daß fein Gewiſſen / ob es gleich 
erſtlich geſchreckt wird / endlich befriediget wird / und daß ihme 
Goͤttliche Speiſe vom himmliſchen Joſeph in die Saͤcke ſeiner 
Begierde gegeben wird / daß ihn der Zorn GHttes laffet hinzie⸗ 
hen; aber der Zorn GOttes in ſeiner Gerechtigkeit nimmt 
ein Pfand vom Gewiſſen und behält dieſes / ob der Menſch an 
dieſer eingeladenen Speife wolte bleiben / und daran genug ha⸗ 
Sen; wo nicht / fo habe er fein erftes Recht in Seel und ei 

20 


Be 


Cao rung wieder zu Joſeph ziehen / ꝛc. 695 


18. Wie es uns armen Menſchen dann alſo gehet / daß wir dit 
erſte Speiſe / welche uns der himmliſche Joſeph in der Buſſe gie⸗ 
bet / gar leichtlich wieder verzehren / und wieder in groſſe Hungers⸗ 
noth und Elende des Gewiſſens kommen und wieder darben 
muͤſſen / und eben darumb / daß wir nicht zum erſtenmahl unſern 
Benjamin / als den allerinwendigſten Grund mitbringen / daß 

unſer Wille nicht gantz gebrochen iſt / daß wir gedencken biß an 

unſer Ende in der Buſſe und Goͤttlicher Gelaſſenheit zu bleiben: 
Wann daſſelbe in der erſten Buſſe geſchaͤhe / ſo koͤnte GOttes 

Gerechtigkeit im Zorne kein Pfand von uns nehmen / ſondern 

muͤſte uns gantz frey laſſen. 

19. Diefespzfiguriret nun dieſe Figur / daß Jacobs Kinder 
muſten zweymahl nach Speiſe in Egypten zu Joſeph ziehen / 

amd zum andernmahl ward ihnen erſt Joſeph offenbahr / und 
zumprittenmahlnahmen fie Weib und Kind / Haab und Guth / 

ſambt ihrem Batter mit : Dasift / wann der Menſch durch die 
Sünde) dieerfte Göttliche Speife hatverzehret /dag er muß im 
Gewiſſen wieder hungern und Darben / dag ihn das Gewiſſen 
drücker und anklaget / wie ein hungeriger Bauch nach Speife 
Elaget / fo dencket er wieder an die erfte Buſſe / wie ihme ift Ges 
nade wiederfahren. 

20. Aber fein inwendigfter Grund / als das Band GOttes 
Zorns Flaget ihn an umd verdammet ihn/ dag er die Genade nicht 
hat bewahret / es ſchilt ihn für einen meineydigen treulofen Mens 
fen / welcher GOttes Genade hat geſchmaͤcket / und wie es ihme 
fey aus lauter Barmhersigkeit gefchehen / und hat es umb Flei⸗ 
ſches⸗Luſt willen alles wieder verderbet und verlohren / ſo ſtehet er 
alsdann wie einer der nicht wehrt ſey / daß er den Himmel ſolle 
anſchauen / und daß ihn die Erde trage / daß er hat ein ſolches wie⸗ 
Der umb ſchnoͤde Fleiſches⸗Luſt willen verſchertzet / und dencket wie 
er doch mit dem armen Zoͤllner und Suͤnder / und mit dem ver⸗ 
lohrnen Sohn dem Saͤu⸗hirten wolle wieder umbwenden / und 
zu GOttes Huld koumem alsdann iſts erſt ein rechter Ernſt / da 
ziehen Jacobs Soͤhne alle miteinander zum andernmahl in E⸗ 
gypten in die Buſſe / himmliſch Getreyde zu kauffen / fo muß der 
alte Adamiſche Jacob / als der Leib / daheime bleiben in Truͤbſal. 

21. In dieſem Ernſt wird erſt Benjamin / als der inwendige 

Grund mit genommen: Jetzo wird der erſte Willegebrochen / 
und gehet nicht mehr in ſolchem Fürfage wie zum erſtenmahl / 
und kommen jetzo nicht mehr Kundſchaffter fuͤr Joſeph / ſondern 
ernſthaffte hungerige Menſchen / als ein hungeriges Leben / ff 
es 





696 Wie Zar. Söhne wegen der Theu⸗C.70. 


a es aus allen Kräfftennach Goftes Barmhertzigkeit / nad der 
Speife Jeſu Chriſti hungert. 

22. Allhie gehet nun der Ernſt in Zittern und Furcht an / und 
dieſes iſt der rechte Auszug nach himmliſcher Speiſe / da das Ge⸗ 
wiſſen in Aengſten ſtehet und die Bernunfft an ihrem Vermoͤ⸗ 
gen verzaget / und dencket: Ach! Gott iſt uͤber mich erzuͤrnet: Wo 
ſoll ich Genade ſuchen / ich bin ihrer nicht wehrt / ich habe fie mit 
Fuͤſſen getretten / ich muß mich vor Gott ſchaͤmen: In welche 
Tieffe ſoll ich gehen da ich mein Antlitz darff vor Gott auffhe⸗ 
ben / und ihme meine Noht klagen? 

23. So komt alsdan das arme Gewiſſen in Noht und Zittern 
fuͤr Gott / und hat nicht viel Beichte oder Wort / dan es achtet 
ſich zu unwuͤrdig ein Wort vor Gott zu ſprechen / ſondern trit 
für fein Angeſichte / und beuget ſich zu Grunde / und erſtncket al⸗ 
ſo in ſich ſelber in die allerlauterſte und tieffeſte Barmhertzigkeit 
Gottes in Chriſti Wunden / Leyden und Todt ein / und hebet 
aus ſeinem allerinwendigſten Grunde an zu ſeufftzen und in die 
Genade zu flehen / und ſich gaͤntzlich zu ergeben / wie Joſephs 
Bruͤder zum andernmahl alſo für Joſeph kamen / und vor ihme 
niederfichlen. 

24. Undals fie Joſeph alfo fahe / daß ſie alleda waren und als 
fo deinuͤhtig vor ihm ſtunden / ſo erbarmte er fich alfo fehr in fich 
über fie / daß er auch Fein Wort mochte ſprechen / fondern wandte. 
ſich / und weinete. Und dieſes iſt die Stätte/ da der inwendige 
in Adam verblichene Grund von der Himmlifchen WeltWeſen / 
in welhen GOTT fein Wort der Genaden im Paradeik wieder 
ein fprach zu einem Banier und Zichl/ wieder in diefer Erbärm> 
de lebendig wird /da Chriſtus warhafftig im Menfchen in dieſem 
Grunde gebohren wird/ und jetzo auch alsbald durch fein Leyden 
vorm Tode im Menſchen auff ſtehet / und allda zur Rechten feines 
Vaͤtters / welche Rechte die feurifche Seele aus des Vatters Eis 
genfehafft im Wort der ewigen Natur iſt / figet / und die Seele 
in dieſem Grunde vor Gottes Zorn vertritt / und dehn mit Liche 
erfüllet. 

25. Und allhie hebet ein Chrift an ein Chriſt zu ſeyn / denn er 
ifts in CHriſto / und iſt nicht mehr ein Kundſchaffter und Maul⸗ 
Ehrift/ fonderniminwendigften Grunde; undallhie wird Si- 
meon loß / undijt nichts mehr verdamliches an dieſem / der da 
alſo in EHrifto JEſuiſt: Obgleich der aͤuſſere Leib in dieſer 
Welt iſt / und der Eitelkeit unterworffen / fo fchadet ihme num 
nichts mehr / fondern alle Fetzle / die er nun im Fleiſche An 

muͤſſen 


-&. 70. rung wieder zu Joſeph ziehen / ꝛc. 897 


muͤſſen ihme zumbeften dienen : Denn er hebet nun an das Ge⸗ 

ſchaͤffte des Fleiſches zu tödten/ und den alten Adam immerdar zu 
creutzigen / denn ſein gantzes Leben wird nun ein eitel Buſſe /und 
Chriſtus in ihme huͤlfft ihme nun Buffe würden / und fuͤhret ihn 
nun zu ſeinem herrlichen Mahl / wie Jofeph ſeine Bruͤder / als 
ſte wieder zu ihm kamen / da er hieß zurichten / und gab ihnen von 
ſeinem Tiſche. 

26. Alfo ſpeiſet nun CHriſtus die bekehrte Seele mit feinem 
Fleiſch und Blut / undin Diefer Vermaͤhlung iſt die wahrhaffti⸗ 
ge Hochzeitdes Lammes: Wer allhie iſt ein Saft geweſen / 
der verſtehet unſern Sinn / und Fein anderer] fondern al⸗ 
leſambt ſeynd fie nur Kundſchaffter / ob ſte gleich meynen fie ver⸗ 
ſtehen es / ſo iſt doch kein rechter Verſtand von dieſem Mahl in 
keinem Menſchen / er ſey denn darbey geweſen / und habs ſelber 
geſchmecket / denn es iſt der Vernunfft ein gantz unmuͤglich Ding 


zu ergreiffen ohne Chriſti Geiſt in ihme ſelber / welcher ſelber die 


Speiſe bey dieſem Joſephs-Mahl iſt. 

27. Und wird dir Babel in deiner Kundſchaffterey durch J0> 
ſephs Mahl gefaget / dag du die Chriſtenheit betreugeſt / in deh⸗ 
me du fie mit dieſem Mahl zur Aufferfichung der Toden weiſeſt / 
du irreſt: Allhie muß ein Ehrift effen das Fleiſch des Menſchen 
Sohns / oder er hat kein Leben in ihme: In der Aufferſtehung wird 
GOTT ſeyn Alles in Allen. Allhie ſitzet Chriſtus zur Rechten 
GOttes im Menfchen/ und vertritt ihn mit feinem Leibe umd mie 
finem unſchuldigen vergoffenem Blut / das decket erüber die 
Seele / und floͤſſets in fte wenn ſich Gottes Zorn errägen wil/ we⸗ 
gender Begierde des Fleifhes. 

28. D du armer alter Jacob der Eundfhafftenden Chriſten⸗ 
beit ! laß doch deine hungerige Söhne / welche gar mager für 
groſſem Hunger im Gewiffen find 7 zu Sofephzichen / halt fte 
Doch nicht mehr in deiner Furcht auff: Was ift doch deine Furcht? 
du meyneſt / folldiefer Grund ans Liecht der Welt kommen / ſo 
werdeftu deine Söhne verlichren / welche du liebeſt: Wer find 
aber deine Söhne ? Esift deine eigene Ehre / indehme du ver= 
meyneſt an E.Hrifti ſtatt auff Erden zu figen. Item / es ift dein 
Lucifer der fleifchlichen Ehren / du haft Sorge/ dein Anfehen fals 
fe / und man würde ein Apoftolifch Leben von dir fordern / und 
Dich im Proceß Chriſti fuchen / fogefäller dir bag / daß du in 
Sleifhes-Ehren und Welluft / in Kundſchaffterey lebeft/ und 
deinen Bausch ehreſt / umd die arme Ehriftenheit unter einem 


Sg 


Deckel fuͤhreſt. 


29. O 


= 


PO SR Milan * — * 
598 Wie Jac. Söhne wegen der Theu⸗ C. 70: 

29. O du armer alter Jacob / betruͤbe dich doch nicht alſo um 
zeitliche Dinge: Sicht doch / wie es dem alten Jacob ging / als 
er ſeine Söhne lieg alle von ſich zu Joſeph zichen/ wie ihn Joſeph 
ließ zu ſich Holen 7 und ihme ſambt feinen Kindern fo viel gutes 
thaͤte und in der Theurung ernährete / und in ein beffer Sande 
einſetzete: Alfo wird dirs auch gehen / fo du wirft deine Söhne 
laſſen zu Joſeph ziehen: Wirſt du fie aber. von nun an laͤn⸗ 
ger aufhalten / fo muſtu ſambt deinen Kindern erhun—⸗ 
gern / and in Elend verſchmachten / faget der Geift ver 
Wunder durch Joſephs Mahl. Er 

30.0 Iſrael mercke dieſen Text gar wohlles trifft. dich) 
und hat dich ſchon getroffen / ohne daß du in deinem hun⸗ 
gerigen Elende noch blind biſt / und warteſt des 
Schwerds der Turbæ, das ſoll dich auffwecken / fo wilſt 
du es haben. 

312. Ein jeder dencket / wan num drey Theil der Menſchen 
untergingen / ſo wolte ich mit denen übrigen gute Tage haben / 
und alsdan wolten wir fromm werden / und ein gerechtes from⸗ 
cs Leben führen: Item / man gaffet immerdar / wo doch dns 
Heyl her kommen werde/ davon man alſo viel ſchreibet: und ſa⸗ 
get / und dencket / das Heyl werde von auſſen indie Fleiſches⸗Luſt 
einfahten / man gaffet immerdar nach einem irrdiſchen Reich 
Chriſti. —— 

32. O Iſrael / wuͤſteſtu dieſe jetzige Zeit darinnen du 
blind lebeſt / du thaͤteſt im Sacke und in der Aſche Buſſe: 
du ſieheſt nach dem Signat⸗ſterne / und er iſt ſchon er⸗ 
ſchienen / er leuchet wer Augen hat der mag ihn fehen / 
ift er doch ſo groß als die Welt iſt noch wil man blind 
ſeyn. Den unſern genug. ** 

33. Und als Jacobs Kinder mit ihrem Vatter wegen Benja⸗ 
minsvielgeredet / und ihme denſelben verhieſſen wieder zu brin⸗ 
gen / fpracy er zu letzte: Muß es dan ja alſo ſeyn / fo tuhts / und 
nehme von des Landes beiten Fruͤchten in eure Saͤcke / und 
bringe dem Manne Geſchencke hinab / ein wenig Balſam 
und Honig und Würze, und Myrrhen / und Datteln) und 
Mandeln] nehmer aucy ander Belt mit euch / und das Belt 
das euch oben in euren Saͤcken wieder worden iſt / bringet 
sich wieder mit euch / vielleicht iſt ein Irrthum da geſchehen; 
derzu nehmet euren Bruder / machet euch auff und kommet 

wie⸗ 


⸗ 


# — 


# €. 70. rung wieder zu Joſeph sichen! ie. 699 


gr 
r 


u in 


wieder su dem Mann; aber der Allmaͤchtige Gott gebe euch 
Barmhertzigkeit vor dem Manne / daß er euch laſſe euren ans 

dern Bruder / und Benjamin: Ich aber muß ſeyn wie einer 

der ſeiner Kinder gar beraubet iſt. 

34. Dieſes iſt nun die Figur / wie oben erklaͤret iſt / und ſe⸗ 
hen aber noch gar ein ſchoͤnes Bilde darinnen / wie Jacob ſeine 
Söhne hie von den koͤſtlichen Früchten des Sandesmit nehimen / 
und Joſeph bringen; in welchem der Geiſt in der Figur fuͤrmo⸗ 
delt / wiedie Epriftliche Kirche / war fie ich in ſolcher Truͤbſal 

und Geiſtlichen Hungers⸗noht ſtehet / und fett auffden Weege 
der Buſſe iſt / ſoll ſolche gute Früchte mitte bringen vor Battzals 
Hoffnung / Glauben und goͤttliche Zuverſicht / nicht wilde Fruͤch⸗ 
te als Geitz / eigen Luſt und Heucheley / ſondern einen Fuͤrſatz zur 
Waͤhrheit / Gerechtigkeit / Keuſchheit / Liebe und Sanfftmuht. 
35. Alſo muß der alte Menſch ihme einen Vorſatz nehmen / 
daß er in ſolchem Willen wil zu Joſeph wandeln / das iſt / zu 
Chriſto: alsdan uͤbergiebet er alle feine Söhne auff dieſer Vil⸗ 
gram ⸗ſtraſſen / und ſpricht: Nun bin ich aller meiner Söhne be⸗ 
raubet / ich habe nichts mehr in wolluͤſtiger fleiſchlicher Begierde / 
ich Habe von allem mitte in Gottes Willen gegeben. 

36. Auch fehen wir in diefer Figur / wie Jacob hieß das Unrech⸗ 
te Geld / das fichatten in den Saden wiederbragt/imit.nchmen/ 
und wieder erftatten zalfo muß auch cin Menſch / welcher wil ein 
wahrer Chriſt werden und ſeyn / alles Unrecht wieder von ſich 

thun; alles was er hat mit Liſt und Unrecht an ſich gezogen / das 

ſoll er wieder geben / oder ja den Armen geben. 

37. Dan was er den Elenden Nothleydenden giebet / das gie⸗ 

bet er Joſephs hungerigen Brüdern / und der himmliſche Joſeph 
nimts in feinen hungerigen Brüdern und Mit⸗glieder n an / und 

giebts ihme vielfaͤltig wieder / wie Joſephs Haußhalter ihnen das 
Geltin Saͤcken / das fie hatten zum erſten mahl wieder heim⸗ 
bracht /wicdergab / und fagte / gehabt euch wohl / eures Vatters 
Gott hat euch einen Schag beſcheret. 

38. Alles Unrechte muß ein Menſch von ſich tuhn / wil er zur 
Hochzeit Jeſu Chriſti eingehen: Es gilt nicht heuchlen und troͤ⸗ 
ſten; es muß Ernſt ſeyn; Und dieſes iſts chen das die Menſchen 
vom Weege Gottes auffhaͤlt / und dag fie auff die Gleißneriſchen 

Weege tretten / und ihnen ſelber heucheln / dag ſie ſollen vom 
Unrecht und Wucher ablaffen/ und das Falſche wiedergeben; So 
haben fie Chriſti Purpermantel über den Schalck gedecket mit 
ar Genugtuhung / daß nur der Dieb darunter leben mag. 


632 39. 9 


700 Wie Jac. Söhne weger der Then C. yo: 


39. Odu arme Chriſtenheit / wie hat dich der Antichriſt mit 
dieſer Decke betrogen / O fliehe von ihme es iſt Zeit: die Decke huͤlfft 
keinem Schalck und Ungerechten / ſo lange er das iſt / ſo iſt er des 
Teuffels Knecht. 

40. Ein Chriſt iſt eine neue Creatur in ſeines Hertzens Grunde / 
ſein Siun ſtehet nur wohl zu thun / nicht zu ſtehlen / ſonſt wäre 

Chriſtus ein Dieb im Menſchen. Laß nur den Mantel Chriſti 
fallen / und gieb wieder / was du geſtohlen haſt / und gewuchert 
mit unrechte / und wirff die alten Hadern alle von deiner See⸗ 
fen / und tritt nackend und bloß unter das Creutz da Chriſtus an 
hanget / und ſihe feine Blutstrieffende Wunden an / und faſſe 
ſein Blut in deine hungerige Seele / ſo biſtu geneſen / und wirſt 
von aller Noht erloͤſet werden / anderſt huͤlfft dich kein troͤſten der 
Genugtuhung: Aller Troſt iſt nur dieſes / daß ſich ein Chriſt troͤ⸗ 
ſtet / er werde in ſolcher Buſſe in Chriſto Jeſu einen genaͤdigen 
Gott erlangen / und das ſoll auch eben fein Troſt ſeyn / daßer 
nicht verzage. 

41. Die Genugtuhungdamitfich der Ungerechte tröftet / umd 
ſpricht: Meine Wercke gelten nichts / Chriftus hats gethan / 
ich Fan nichts thun; und bleibet unter ſolchem Troſt in Suͤnden / 
das iſt eben des Teuffels Fiſch-hamen / da er mit Chriſti Mantel 
ſeine Fiſche faͤnget. 

42. Ehrifius hatte nur den Purpur⸗mantel um / da er in ſei⸗ 

nem Leyden ſtundt; da er aber am Creutz hieng / hatte er ihn nicht 
mehr / viel weniger in feiner Aufferſtehung: Alſo ſoll auch ein 
Menſch dieſen Mantel alleine umnehmen / wenn er in Chriſti 
Leyden und Todt indie Vuſſe eingehet / in der Buſſe iſt er alleine 
guͤltig / und ſonſt nirgend nicht / daß ſich die arme Seele darein 
wickele / wenn ſie ſich in ihren Suͤnden vor Gottes Angeſichte 
ſchaͤmet. 
— 43. Alles was anderſt lehret und glaubet / das iſt Trug und 
Fabel und Babel: Alle Lehrer / welche anderſt lehren / die ſeynd 
nur des Bauchs und des Teuffels Fiſcher-Knechte / und ein Trug 
der Welt / vor denen huͤte ſich ein Menſch: Denn welcher ein 
Lehrer ſeyn wil / der ſoll auch ein wahrer Chriſt ſeyn / daß er in 
Chriſto auch moͤge alſo leben: anderſt iſt er der Dieb und Moͤrder / 
der anderswo hinein in den Schaff⸗ſtall ſteiget / von deme Chri⸗ 
ſtus ſaget. 

44. Und Moſes ſpricht weiter; Da nahmen ſie die Geſchenc⸗ 
keund das Gelt zweyſaltig mit ſich / und Benjamin / und 
inachten ſich auff 7 und zogen in Egypten / und tratten für 

Joſep h 





€. 70. rung wieder zu Joſeph ziehen / ꝛc. 701 

Joſeph: da fahe fie Joſeph mit Benjamin / und ſprach zu- 
feinem Haushalter/ führe dieſe Maͤnner zu Haufe / und 
ſchlachte und richte au / Denn fie ſollen 3 zu Mittag mit mir eſ⸗ 
fen. Und der Mann thaͤte wie ihm Joſeoh gefager hatte / un® 
fuͤhrete die Maͤnner in Joſephs Haus. 

45. Diefes iſts nun / Das der Verhaͤler unter dem Mantel 
berfür muß / und fen unrecht Gut wiedergeben / und für dag 
Angefichte des himmliſchen Joſephs retten / und mit feiner Ich⸗ 
heit / ohne eigen Können nacket und blog kommen / und den rech⸗ 
ten Benjamininihmemitbringen/ fo nahet fich Joſeph zuihmer 
und ficher ihn an / und befihlet feinem Haushalter / als dem Gei⸗ 
fe der Kraft / dag er dieſe Menfchen fell in fein Haus führen 
als in feine Menſchheit: Allda folldas Lamb Gottes zugerichtet 
werden / und fol diefer Menſch oder die Sebens=Eflentien der rech⸗ 
fen Seelen an Joſephs Zifche mit ihme zu Mittage (das ift Mit⸗ 
tage /alsim hohen Gnaden⸗Liechte / da das Lichte am Mittag in 
der Seelen ſcheinet) mit Zofeph effen / und allhie werden Joſepys 
Brüder verföhnet / wenn fiemit Zofeph / dasift mit Ehrifto von’ 
feiner Speife eſſen. 

46. Diefesift das Abendmahl Apocal. 23. Hie thut mand den 
Mantel weg / und wird ein Bruder Joſephs / und darff Feines‘ 
Tröftens mehr] fondern ein Chriſt ſeyn in Chriſto / der mit Chri⸗ 
ſto feiner Sünden geſtorben / und in ihme lebendig worden / und 
in ihme aufferſtanden iſt / und mit ihme lebet / mit ihme an ſeinem 
Tiſche iſſet / und nicht mehr ein Knecht der Suͤnden iſt / der ich 
abermahl fürchten müffe ; fondern der ein Sohn im Haufe iſt / 
dehme das Erbe gehoͤret / vermöge der Schrifft. 

47. Und als ſie nun Joſephs Haußhalter hatte in Joſephs 
Haus gefuͤhret / fuͤrchteten fie ſich noch / und redeten mit ih⸗ 
me vor der Thuͤre von dem Gelde | das fie in den Saͤcken 
funden hatten : Er aber rröftetefie / undfprach : Ich habe 
euer Belt finden / und iſt mir worden: Euer Gott bat euch al» 
ſo einen Schatz befcheret in euere Saͤcke: Und er führete Si⸗ 
meon heraus zu ihnen / und fuͤhrete fie in Joſephs Haus / 
und gab ihnen Waſſer daß ſie ihre Fuͤſſe wuſchen / und gab 
ihren Eſeln Futter: Sie aber bereiteten das Beichende äu / 
biß daß Joſeph Fam auff’den Mittag: denn ſie hatten gehoͤ⸗ 
ret / daß ſte daſelbſt das Brod eſſen ſolten. 

48. Dieſes iſt num die Figur des betruͤbten Menſchen / welcher 
nun in Joſephs Haus eingehet / und das Unrechfe /da er hat viel 
Unrecht gethan / und nicht wiederzugeben hat / mit feinem Her⸗ 

633 hen 


D u © * 
702 Wie Jac. Soͤhne wegen der Theu⸗C. 70. 
gen vor Joſephs Haufe in wahrer Beichte und Bekaͤntnuͤß wie⸗ 
dergiebet / und gerne wolte mit der Hand wiedergeben / ſo er es nur 
vermoͤchte: Zu die ſein ſpricht Joſephs Hauſhalter / fürchtet euch 
sicht mehr / ich habe cs ſchon in euerer Buſſe empfangen/Chriftus: 
hats fire euch in feinem Blute bezahlet und erftattet / fo dag alles 
hin iſt / und nichts mehr vorhanden / und ihr in Armuth und E> 
lende ſeyd / fo behaltet das wenige / das ihr haber / euer Leben zu 
friſten; ob ihr es wohl zu unrecht habet / und in diefer Welt nichts 
Eigenes haben ſoltet / ſo hat euch doch GOTT einen Schatz be⸗ 
ſcheret: Nehmet Waſſer und waſchet eure Fuͤſſe / das iſt: Rei—⸗ 
niget euerer Haͤnde und Fuͤſſe Wandel / uͤnd thut nicht mehr 
uͤbel / und behaltet nicht was unrecht iſt / ſondern nur das weni⸗ 
ge / das ihr noch zu rechte habet / damit ihr nicht koͤnnet das Uu— 
rechte bezahlen. 

+9 Richt alfo verftanden / daß er nicht folte von dem feinen } 
daser neben dem Bucher zu Mech te hat/ wollen das unrecht wie⸗ 
der erftatten / wenn er das vermag; Wir reden von dem Armen/ 
der nichts als nur ein Stuͤcke Brod für fein Sehen noch hat: Fein 
Einſchlieff gilt vor Gott / das Gewiſſen muß rein ſeyn worden? 
oder du biſt ein Dieb: Denn die Figur ſtehet allhier darbey: da 
ter Haushalter ihren Eſeln auch hakte Futter gegeben / das deu—⸗ 

tet auff den irrdiſchen Leib das ihme CHriſtus wil durch feine 
Haushatter laſſen Futter und Speiſe geben. 

50. Dieſe Haushalter allhie / ſeynd fromme Leuthe in der 
Welt / welche ihn doch ſollen helffen pflegen / daß er lebe / und ob 
er gleich waͤre zuvorhin ein falſcher Menſch geweſen / und waͤre 
nun von Hertzen fromm worden. 

5x. Nicht wie die falſche Welt richtet / welche einen Mangel 

auff einen bekehrten Menſchen weiß / den er hat gehabt / und ihn 
noch immerdar vor unrecht ſchilt und verdammet / welcher Teuf⸗ 
feley die Welt voll iſt / daß ſo man einen Menſchen ſiehet / der 
umgewand iſt / daß man ihm alle alte Stuͤcke / welche doch ein je⸗ 
der Menſch in Fleiſch und Blut an ſich hat / fürwirffet / und ihn 
darnach richtet / und ſehen nur auff das / was er geweſen iſt / und 
nicht auff das / was er nun worden iſt. Allhie ſaget Chriſtus: Rich⸗ 
tet nicht / ſo werder ihr nicht gerichtet. X 

52. Da nun Joſeph zum Haufe eingieng / brachten ſie ih⸗ 
me zu Hauſe das Geſchencke in ihren Haͤnden / und fielen vor 
ihm nieder zu der Erden: Er aber gruͤſſete fie freundlich / und 
ſprach: Gehet es eurem Vatter dem Alten wohl / von dem ihr 
mir ſagetet / lebet er noch? Sie antworteten: Es gehet Ka 

necha 


nr 


* 


€. 70. tung wieder zu Joſeph — ꝛc. 703 


Rnechte unſerm Vatter wohl / und lebet noch / und nei igeten 
fich / und fielen vor ihm nieder. 

53. Diefes iſt num der Stand / da die Seele lauterlich für 
Gottes Augen trift/ und hat ihre Geſchencke indas Leyden und 
Todt Chriſti eingewickelt / und traͤgets in ihren Händen mit der 
Figur der Naͤgel⸗mahl Chriſti vor Gott. Als da iſt: Der Wille 
zur Gerechtigkeit / Wahrheit Keuſchheit / Liebe / Sedult / Hoff⸗ 
nung / Glauben / Sanfftmuth; Dieſes iſt nun im Willen der 
Seelen? und dieſes giebet die Seele dem himmliſchen Joſeph / 
und fället vor ihme nieder in Demuth. 

54. Diefer Joſeph aber gruͤſſet die Seele / das iſt / Er ſpricht 
fein Gnaden-Wort in ſie / und redet freundlich im Gewiffen mit 
ihr von ihrem alten adamiſchen Jacob ihres Leibes / und ſpricht: 

lebet er noch / das iſt / weil er noch lebet / und nicht gar tod iſt / fo 

ſoll ihm wol Rath werden; davon wird die Seele erfreuet / und 

| frriht; Es gehet deinem Knechte meinem Vatter nach wohl und 
lebet noch. 

55. Und Joſeph hub ſeine Augen auff / umd ſahe feinen 
Bruder Benjamin / feiner Mutter Sohn | und fr ich: 
das euer juͤngſter Bruder da ihr mir von fageret/ und fer ni 
weite: Gott ſey dir genaͤdig mein Sohn ; und For ch eylet 3 
denn ſein Hertz enr brand ihm gegenſeinem Bruder / und ſuch⸗ 
te wo er weinete / und gieng in ſeine Kammer / — te 
daſelbſt 7 und da er ſein Angeſicht gewaſchen hatte / gienger 
heraus! und hielt fich feſte / und ſpraͤch: leget Brod uf. 

56. Dieſes iſt nun das ſchoͤne Bild 7 wie oben gemeldet / da 
Benjamin / das ift / der inwendigfte Grund / darinnen die 
Genaden⸗Porte des Paradeifes innen lieget / vor Chriſti Au⸗ 
gen offenbahr wird / in welchem ſich die groſſe Erbaͤrmde anzuͤn⸗ 
det ; So ſpricht Gott in Chriſto die lebendige Erbaͤrmde ein]. 

wie allhie Joſeph in Benjamin] da er ſagte: GOtt ſey dir gnaͤ⸗ 
Dig mein Sohn. Dieſes Weinen des himmliſchen Joſephs / zuͤn⸗ 
det dig verblichene Paradeiß⸗Bilde wieder an mit diefer weinen⸗ 
ven Demuth Chriſti / dag aus Chriſti Weinen in dieſem Bilde 
die ewige Freude auffgehet: alsdenn leget Chriſtus Brod auff/ 
das dieſes Bilde mit ihm eſſe. 

57. Und Moyſes ſpricht weiter: Und man trug Joſeph be⸗ 
ſonders auff / und ihnen auch beſonders / und den Sgyptern 
die mit ihm aſſen auch befonders : Denn die Sgypter doͤrf⸗ 
Fen nicht Brod effen mit den Hebreern / den es iſt ein Greuel 
vor ihnen: und man ſatzte fiegegen ihm / den Erſtgebohrnen 


NER 


z 


704 Wie Jar. Söhne wegen der Then. 70° 


nach feiner erſten Gebuhrt / und den Juͤngſten nachfeinet 
Jugend / deß verwunderten fie ſich untereinander / und man 
trug tönen eſſen fir von feinem Tifche: aber dem Benjamin 
ward 5. mahl mehr denn den. andern./ und ſie truncken / und 
wurden truncken mit ihm. 

58. Dieſe Figur iſt nun der allerheimlichſte Grund und hoͤch⸗ 
ſte Geheimnuͤß zwiſchen Gott und Menſchen: ob es wohl auſ⸗ 
ſerlich ſcheinet zu ſeyn / als haͤtte ſich Joſeph alſo wollen vor feinen 
Bruͤdern verbergen / daß er auch ein Hebreer aus ihrem Her⸗ 
kommen fey; fo hat doch der Geiſt allhie eine ſolche tieffe Geheim⸗ 
nuͤß dargeſtellet / daß es keine Vernunfft ſehen mag. 

59. Denn Joſeph ſtehet an dieſem Orthe in der Figur Chriſti / 
der hat beſondere Speiſe / davon ſte nichts wiſſen / wie beym Ja⸗ 
cobs⸗Brunnen zu ſehen iſt / da ihn feine Juͤnger zum eſſen mah⸗ 
neten / da ſagte er / Er haͤtte eine Speiſe / davon fte nichts wuͤ⸗ 
ſten / daß er thaͤte den Willen deß der ihn geſandt hatte: deñ des 
heydniſchen Weibleins Glaube war ſein Speiſe. 

60. Chriſtus nach dem ewigen Worte der Gottheit iſſet nicht 
vom Weſen des Himmels / wie eine Creatur / ſondern des Men⸗ 
ſchen Glaube und ernſtes Gebethe / und das Lob Gottes der See⸗ 
len des Menſchen iſt ſeine Speiſe / welche das ewige Wort / das 
Menſch ward / iſſet / als ein beſonders / das keinem Menſchen/ 
auch ſonſt keiner Creatur gebuͤhret / und das auch nicht eſſen kan / 
und in deme er den Glauben und Gebethe / ſamt dem Lobe GOt⸗ 
tes von unfern&eelen iffet/fo wird der Menſchliche Glaube ſamt 
nem Gebete und Lobe Gottes im Worte der Krafft mefentlich/ 
und iſt nie dem Weſen der himmlischen Seibligfeit E.Hrifti 
ein Weſen / alles nur der einige geib CHriſti / ugleich Gott und 
Weſen: als Gott} Menſch / und Weſen / gank eines. 

61. Diefes Weſen / weldyes mit feiner von unsangenomener 
Menfchheit Ein Weſen iſt / darinnen er hat fein Blut vergoffen/ 
weiche zugleich Göttliche und Menfchliche Weſenheit ift / als 
äbernatürlich Fleifch und Blut / und denn auch von der menſch⸗ 
lichen Ereatur / Fleiſch und Blut / aufgenommen die Irrdigkeit 
unſerer Menſchheit / giebet er nur-dem Menfchlichen Glauben 
wieder zu effen undzu trinken. 

62. Denn der Glaube in feiner Hungers-Begierde iſt der 
Mund / der es in lich empfahet und einnimet / in welchem Im- 
preffen/ Faffen oder Einnehmen / der Glaube / Chriſti Fleifh und 
Blut iſſet und trincket / welches Eſſen und Trincken in das in⸗ 
wendige Paradeiß- hilde / welches in Adam verblich / ei as 

? riſto 


C. 70. rung wieder zu Joſeph ziehen ꝛc. 705 
E.Hrifto wieder lebendig wird / eingefaſſet und behalten wird: 
Alda das menſchliche Paradeiß⸗weſen / und Chrifti Sleif und 
Blut gantz ein Wefen ift / und ewig bleibet. Welcher inwendia 
ge Menfih nun nicht mehr Adam fondern Ehriſtus heiffer / als 
ein Glied am $eibe und Weſen Chrifti/ darinnen der Tempel des 
heiligen Beiftes ift / und Gottes heiliges Wort alda innen we= 
ſentlich ift/ und ift eine Form der unbildlichen Gottheit) als das 
gebildete Wort Gottes / ein Ebenbilde Gottes. 

63. Diefes gebildete Wort / oder Ebenbild Gottes / iſt nun 
der Weſentliche Glaube und Chriſtus felber im Menfchen / der 
im Menfchen bleibet/ der des Menschen geben und Liecht iſt; das: 
iſt ver Tempel des H. Geiſtes / der in uns wohnet/ wie S. Pau⸗ 
lus ſaget: Wiſſet ihr nicht / dag ihr Tempeln Gottes ſeyd / daß 
der Geiſt Gottes in euch wohnet. Derſelbe weſentliche Glaube 
iſt auch der Rebe am Weinſtock Chriſti / welche Krafft den gan⸗ 
tzen Menſchen durchdringet wie die Sonne ein Kraut. Nicht 
daß ſolche Gewalt bey dem Leben des Menſchen ſtuͤnde / daß er 
koͤnte Gottes Weſen in eigener Krafft nehmen / Nein-es wird 
ihm aus Genaden gegeben / gleich wie fich die Sonne dem Kraut 
aus ihren Willen giebet / das Kraut aber darumb nicht fagen 
Fan: Ich bin die Sonne) darumb / daß die Sonne in ihm würdet; 
alfo auch fan der Menfch nicht fagen : Ich bin Ehriftus / weil 
Ehriftus in ihm wohner und würdet / als in feinem Ebenbilve 
oder geformten Worte Gottes. 

64. Diefes ift nun eben die Figur / daß man Jofeph beſonders 
aufftrug / und ſeinen Brüdern auch befonders / Day noch ein Un⸗ 
terfcheid fey zwiſchen Chriſto und feinem Effen/ und zwifchen 
dem Menfchen/ und feinen Effen / nicht nach der ereatürlichen 
Menfchyeit Ehriftivon uns / ift ein Unterfcheid / fondern zwi⸗ 
fehen dem ungeformbten cwigfprechenden Wort in ihme / Dader 
ganze Gott würdlich und gebaͤhrlich innen iſt / nicht eingeſchloſ⸗ 
fen/ fondern außſprechende in voller AUmacht / nicht creatuͤrlich / 
ſondern goͤttlich. 

65. In uns Menſchen aber / ſo viel der Menſch in der Habhaff⸗ 
tigkeit in eigenem Weſen von Bott und Ceriſto in ſich hat / iſt 
das Wort geformet und weſentlich / und dieſes geformte weſent⸗ 
liche Wort iſſet wieder von dem geformten Worte GOZTTes / als 
von EHrifti Fleifh und Blut / darinnen doch auch Das unge 
formte Wort ſambt der gangen Fülle der Gottheit wohnet . 

66. Aber der Menfhlichen Ersatur nicht in eigener Habhaff⸗ 
tigkeit und Eigenheit / wie in Chrifts Sf ’ fondernalstin Ge⸗ 

835 Kap 


706 Wie Zar. Söhne wegender Theu⸗C.70 


faͤſſe und Wohnhaus Gottes / auff Art im Gleichnuͤß wie ein. 
Feuer ein Eifen beſitzet / und durchsluͤet daßes gantz feuriſch iſt / 
und hat doch das Feuer nicht in eigener Moͤcht / oder Gewalt / 
dan ſo das Feuer verliſchet / ſo bleibet das Eiſen ein finſter Eiſen⸗ 
oder wie die Sonne ein Kraut durchdringet / and fich im Kraute 
mit auffzeucht / und weſentlich wird / und doch der Sonnen Geiſt 
an eine Krafft im Kraute bleibet undiſt / umd das Corpus des 

rauts nicht zur Sonne wird: alfo auch zwifchen GOTE umd 
Menfchen zu verftchen ift. 

67. Daß aber Mofes faget ; Und man trug den Egyptern auch 
befonders auff (denn die Egnpterdurfften nicht Brod effen mie 
den Hebreern / hat auch feinegigur/ob es wohl mag an ihme felber 
Aufferlic alſo ſeyn geweſen / daß fie nicht haben doͤrffen mit ihnen 
eſſen / welches wir in feinem Werth ungetadelt laſſen / ſo wohl auch 
alles andere wir laſſen es in einer Geſchichte ſtehen / aber wir 
wollen nur den Verſtand deuten / warum es der GeiſtGottes hat 
fo genau auffzeichnen laſſen. 

68. Wenn wir nun dieſes forſchen wollen / ſo muͤſſen wir be⸗ 
trachten einen natuͤrlichen adamiſchen Menſchen / was Geſchlechts 
oder Namens der ſey / er ſey gleich ein Heyd / Tuͤrcke / oder Maul⸗ 
and Titul⸗Chriſt / oder Jude / ſie ſeynd allhie alle gleich / keiner 
anderſt: Dieſe alle doͤrffen nicht eſſen mit einem rechten Chriſten / 
als mit Joſephs Bruͤdern; Warim? Sie haben keinen Mund 
zu ſolcher Speiſe / ihr Mund iſt ihnen noch verſchloſſen / und koͤn⸗ 
nen die Speiſe des Leibes Chriſti nicht genieſſen / fie ſeynd ein 
Greuel darfuͤr / und haben wieder einen Eckel dafür / wie man 
das ſiehet / daß es den Juden / Tuͤrcken und Heyden eine greuliche 
Rede iſt / dag ein Chriſt ſaget: Er fe CHriſti Fleiſch / und 
trincke ſein Bluth. 

69. Alſo iſts jezund der Titul-Chriftenheit ein Greuel / da die 
eine Part die weſentliche Nieſſung des Leibes Ehrifti nicht glau⸗ 
bit / ſondern wils allein Geiſtlich haben:: Die ander Part wil 
den Mund des Adamiſchen ſterblichen Menſchens voll haben / 
und mit demſelben faſſen / undijb keine rechte Wiſſenſchafft oder 
Berftand in Feiner Partey / und ſitzen ja zu Tiſche / aber wie die: 
unwiſſenden Jofiphs- Brüder/ welche Joſcph nicht kañten / da ja 
ihr Glaube iſſet / aber ihr Verſtand kennet Joſeph in feinem. 
Mahl nicht. 

70%. So ſpricht nun die Bernunfft s Weil die Juden / ZTuͤrc⸗ 
ken / und unwiſſende Heyden keinen Mund zu ſolcher Speiſe 
haben / und Chriſtus ſaget: Wer nicht iſſet das Fleiſch des Fe 

chem 


i - y 
C. 70. rung wieder zu Joſeph ziehen / ꝛc. 707 
ſchen Sohns / der habe fein Leben in ihm / fo müffen fie alleſamt 
verdamt ſeyn ? OIſrael wie blind biſtu allhier / und weiſſeſt ſo 
wenig als ſie / oder Joſephs Bruder von Joſeph wuſten. 

72. Die Tuͤrcken / Juden und fremde Voͤlcker / welcher Begiet⸗ 
de uñ Gebeth zudem einigen Gott gehet / haben wohl einen Mund / 
aber nicht alſo wie ein rechter Chriſt: Denn wie die Begierde als 
der Mund iſt / alſo iſt auch die Speiſe in Munde ſie begehren des 
Geiſtes Gottes / alſo iſt auch ihr eſſen / auff Arch wie vor Chriſti 
Menſchheit im Batter und Sohn /alsim Wort. 

72. Ein wahrer Ehrift aber hat einen eingefleiſchten Mund: 
Denn die fechfche Begierde / oder vichnehr der wefentliche Chris 
ſtus / als Jungfrau Sophia hat einen Mund des wefentlichen 
Worts / jene aber / des unweſentlichen Worts: Sie begehren 
" Gottes des Batters Eigenfchafft als des einigen EHffes / und 
den empfahen fe auch zaber allhie iſt Die Genade nicht offenbahr. 

73. Weil aber der Ratter hat die Menſchen feinem Sohn 
Chriſto gegeben wie Chriſtus füget / und hat die Gnade in Chri⸗ 
ſto offenbahret / und beut ſte alleine in Chriſto an / und daß auſſer 
Chriſto Fein Heyliſt: ſo giebet er ihme auch der ernſten anruffen⸗ 
den Gebethe/ welches Ehriftus von feinem Batter annimmt / 
und in ſich faſſet / und iſſet / und er erfuͤllet ihn mir feiner Menſch⸗ 
heit / Senden Tod / und Blutvergieſſen / und find alfo mit ih⸗ 
rem Geiſte in Chriſto wefentlich / aber in ihnen / als ihnen ſelber 
verborgen 

74. Denn fie begehren nicht hinwieder das Fleiſch des Wiens 
ſchen Sohns: darumb haben fie in ihrer ©: heit Einen Mund 
zu Chriſti Fleiſch und Blut / denn ſte haben keine Begierde dar 
zu / aber mit ihrem Geiſt ſind ſte weſentlich in Chriſto: Aber ihre 
inwendige in Adam verblichene Paradeiſt ſche Menſchheit dar⸗ 
innen die eingeleibdte Gnade im Paradeiß innen lieget / bleibet 
ihnen verborgen / und ohn ein beweglich Leben. 

75. Denn Chriſtus — nicht weſentlich darinnen / wie in 
einem wahren Chriſten: Ihr Glaubens-Weſen aber iſt in Chri⸗ 
ſto verbergen auff den Tag der Wiederbringung deſſen / das ver⸗ 
lohren iſt in Adam / da ihr Paradeißz-bilde / welches in dieſer Zeit 

nicht offenbahr wird / wird ihres Glaubens Weſen in Gottes ge⸗ 
ſchenckter Genade welhe gehet von cinem auffaile rauf Chriſti 
Geiſt anziehen: Dann dieſelbe eingeleibte Genade / als das eiu⸗ 
geſprochene Wort / ſtehet auch in ihnen / und ſaͤhnet ſich nach Chris 
fi Weſenheit. 

7. Weilaber ihre We fenheitim Ban auffer diefer Stätte’ 

&g 6 u; 


708 Wie ac. Söhne wegen der Then: E. 70. 


in Chrifto ift / da Chriftus in fich ihren Glauben an GOtt cr? 
füllet / fo wird auch ihr wefentlicher Glaube in GOtt das einge? 
leibte Wort im Paradeiß-bilde / ſamt demfelben in. der Offen 
bahrung Zefu Chriſti anziehen / und hiemit auch den gangen 
Menfchen. 


77. Denn die Schrifftfagetzaus Genaden feyd ihr feelig wor> 


den / und daſſelbe nicht aus euch felber / nicht durch euer Wiſſen / 
ſondern durch GOttes Erbarmen: Nicht liegets am Wiſſen / dag. 
das Wiſſen Chriſtum nehmen koͤnte / ſondern es lieget am Gebeth / 
als an der Genade / welche CThriſtum gibt den Unwiſſenden in ih⸗ 
rem Glauben inGott / ſowohl als denWiſſenden in ihrer Begiera 
de / ihnen beyden geſchichts aus Genaden. 

78. Denn Adam gieng auß dem einigen GOtt in cine Selb- 
heit in die Unwiſſenheit / und fuͤhrete uns alle mit ſich in dieſelbe 
Unwiſſenheit / aber die Genade kam wieder auß demſelben eini— 
gen GOtt / und beut ſich allen Unwiſſenden an / den Heyden als 
den Juden. 

79. Bey den Juden aber ſtund das Bild der Gnaden in der 
Figur / wie die Genade wolte die Menſchen wieder anuchinen, 
Nun aber hatten die unter der Figur / als die Juden nicht mehr 
Theil an der Genade / als die jenigen/ bey Denen fid) das Bilde 
nicht yatte.offenhahret / den das Fürbilde fahe auff Chriſtum: 
Die Juden drungen mit ihrem Glauben und Gebeth durchdas 
Sürbilde in die einige Genade/ welche in Gott war/ welche Gott 
Adam und feinen Kindern fehendete :.Die Hepdenaber / welche 
das Geſetze nicht hatten / und glaubeten aber ohne Beſchneidung 
in die einige verheiffene Genade Gottes / die drungen ohne Fürs 

. bilde indie Gnadc ein. 

80. Denndas Können ward einem Volck als dem andern ge⸗ 
geben / fein Bold konte auß ihm ſelber / ſendern die Genade nahm 
den Willen fur das Koͤnnen / und gab ihnen gleiches Vermoͤgen / 
den Juͤden als den glaͤubigen Heyden: Aber der Unglaube und 
nicht⸗ wollen war beydes bey den Juden und Heyden ihr Berdam⸗ 
un / daß Nie ihren Willen in der Selbheit und Verſtockung be⸗ 
—— und hureten andern Goͤtzen nach: Alſo war nicht die 

eſchneidung und die Opffer der Juden Seeligkeit / ſondern die 
Genade / welche ſich mit ſolcher Figur auff die MenſchheitChriſti 
dar ſtellete / da die Genade wolie die Figur erfüllen ; die kuͤnfftige 
Erfüllung war ihre Seeligkeit. 

81. Alſo auch anjetzo / die Chriſten haben die Figur der Gena⸗ 
den unter dem Evangelio jn der Erfüllung: Nicht in — 

Fa» 


C.70. rung wieder zu Joſeph ziehen / ꝛe. 709 


Vermoͤgen koͤnnen fie die. Erfüllung nehmen / ſondern die Gena⸗ 
Den-erfullung beut ſich ihnen an; ſo ſie ſich wollen darein erge⸗ 
ben / ſo wird ihnen der Mund in die Genade gegeben. 

82. Die andern aber fuͤhren ihren Willen gegen der Genade 
Gottes / welches eben auch der Chriſten Genade iſt und nichts 
mehr / aber vie wefentliche Genade im Bildeder Erfitllung ken⸗ 
nen fienichts Aber Die Genade nimt ihren Willen mit der Bes 
gierde in ſich / und giebet der Begierde Inder Genade einen Mund] ' 
welcher der Creatur verborgen iſt / auf den Tag der Offenbahrung 
Jeſu Chriſti. 

83. Darumb iſt zwiſchen ihnen kein anderer Unterſcheid / als die 
weſentliche Bewegung im Paradeiß⸗bilde / da das Paradeiß⸗ 
Bilde noch nicht hat Eyriftum im Weſen angezogen / wie bey den 
wahren Chriſten / und doch ihr Slaube in der Genade Gottes im: 
Chriſto weſentlich iſt / aber nicht in des Menſchen Eigentuhm / 
ſondern in GOtt / der alle 8 Ding erfüllet / und durch alles iſt und 
wohnet: Alſo iſt den glaubigen Juden und Tuͤrcken die weſentli⸗ 
liche Genade nahe und in ihnen / aber ihrer Creatue nach uner⸗ 

riffen. 

R 84. Siehaben Chriſtum in ſich / aber fie ergreifen ihn nicht] 
ihr Wille gehe dan in Die wefentliche Genade Chriſtiein / alsdau 
fo offenbahret ih Chriſtus in ihrer Creatur / wie auch In denChris- 
ſten; aber den glaͤubigen Juͤden und andern Voͤlckern iſt die Ge⸗ 
nade inChriſto beygeleget / dan fe ſchwebet durch ſie / und ihr Wil⸗ 
le zu Gott iſt darinnen / und wandelt darinnen. 

85. Ein Titul-⸗Chriſt ohne goͤttlichen Willen iſt weiter das 
von / als ein glaͤubiger Jude / Tuͤrck und Heyde / und wer der ſey / 
welcher fein Vertrauen in GOtt ſetzet / und SOtt feinen Willen 
uͤbergibet; dieſer iſt viel naͤher / und wird den Titul⸗Chriſt vers 
dammen / darum daß er ſich des Wiſſens ruͤhmet und der Genas 
de troͤſtet / und bleibet aber nur in ſeinem boͤſen Willen auſſer der 
Genade / und wil ſeinen Schalck in Gottes Genade verſetzen. 

86. So ſprichſt du: Die fremde Voͤlcker find nicht auff Chri⸗ 
ſtum getauffet / fo ſind ſite auch nicht Kinder der Henade des Buns 
dis. Relp. Wo die Beſchneidung ift die Seeligkeit allein gewe⸗ 
ſen / ſo ifts auch die Tauffe / dan einesift wie das ander ;aberG Ott 
fordert einen Juden / der iuwendig im Hertzen beſchnitten waͤre. 
Die Beſchneidung war nur das Bilde / wie Chriſtus wolte die 
Suͤnde abſchneiden (welche Chriſtus erfuͤllet hat: Alſo auch tau⸗ 
chet der Geriſt Chriſti mi dieſen Bunde in das Paradeiß-Bilde 
indie cingele ihte Benade/ und zůndet cin Moder anm 

63.7: 87, Er 


710 Wie Jar. Söhne wegen der Theur. C.70. | 


87. Er fordert aber einen Glaubens-Ens, der des Eintaus 
chens fühig ift/ welcher Font von den Eltern / und durch das ernſte 
Gebete derer /die mit den Wercke umbgehen / anderſt wird der 
Bund verachtet / und iſt keine Beſchneidung des Hertzens und 

Geiſtes: Dann die Gewalt damit der Heil, Geift tauffet / ſte⸗ 
het nicht bey Menſchen / ſondern in GOtt. Wer feinen Bund 
verachtet / und nicht mit Ernſt mit befihnittenem Hertzen treibet/ 
den tauffet er in feinem Zorn / wie SE. Paulus vom Abendmahl 
Chriſti ſaget dag es der Goftlofe zum Gerichtfeempfahe. 
88. Nicht hat ein goftlofer Prieſter den Gewalt mit dem Heil 
Geiſt zu tauffen / er hat nur das Waſſer / und iſt des Ambts felber 
unfähig 5. aber der Ens des Kindes und der glaͤubigen Eltern / 
und derer /fo da fordern das Werck / ihr Ernſt und Gebeth reis 
chen den Bund init ihrer Glaubens- Begierde dem Täuffline 
e var. 
e 89. Der gottloſe Driefter aber ift nichts mehr nüß darbey / 
als der Zauffftein der das Waſſer hält ; alfo führer er nur das 
Maffer nd die Ceremonien / welches cin Tuͤrck thun Eönte ohne 
Glauben. 

90. Ein Frembder aber fo die Tauffe nicht hat und davon 
wicht weig/ wird in ſeinem Glauben im Hertzen beſchnitten / und 
der Heil. Beift tauchetin feine Glaubens- Begierde/ und tauffet 
ihn auff die Offenbayrung JEſu Ehrifti/ du fein Glaube fell. 
auch den weicntlichen Bundin der Genade anzichen, — 

9%. O Babel] wie blind biſt du! wie haben ſich deine 
Ordens-leute an Ehrifti Statt geſetzet. Aber fie dienen 
nicht alle Ehrifto) fondern ihnen felber / zu ihren fleiſch— 
lichen Ehren. DO Babel kehre umb / die Thür ist offen / 
du wirſt ſonſt außgeſpeyet: Die Zeit iſt gebohren / over 
du wirſt instiecht geſtellet und probiret werden / ſo ſteheſt 
du in Schande vor allen Voͤlckern. 

92. Mehr hat der Geiſt GOttes in dieſem Texte noch cine 
gewaltige Figur / indehme Jofeph-Lieh feine Brüder gegen ihme 
nach der Ordnung ihrer Gebuhrt fegen /und lieg feinem Bruder 
Benjamin fuͤnffmahl mehr auftragen als den andern. Dieſes 
pizfigurirct uns erſtlich den Unterſcheid im Reiche Ehrifti / wie 
. fieinder Wiedergebuhrt ungleich ſeyn würden/wie St. Paulus 
Davon faget / ſie werden einander mif Klarheit übertreffen wie 
Sonne) Mond und Sternen. 

93. Denn allda wird nicht gelten ein geweſener König/ Sn 

Her 





— 


E. 71. Wie Joſeph ließ feinen Bruͤdernc. 7178 


Herr) Edeler oder Gelehrter/fondern welcher die groͤſſeſte Krafft 
in ſich hat / welcher Die Genade m Namen ISſu amlauterlich- 
ſten in feinem Ringen der Buſſe wird erreichet haben / der wird 
der groͤſſe ſte allda ſeyn: Denn dieſe Ordnung deutet uns nur an⸗ 
wie ſie in Goͤttlicher Hochheit werden ungleich ſeyn / als in der 
Krafft / wie die Engel in Krafft und Schoͤnheit einander übers 
treffen. 
Daß aber Benjamin fuͤnffmahl mehr Eſſen fuͤrgetragen 
ward/ deutet in der Figur auff den innern Menſchen / denn Benz 
jamin ſtehet in derſelben Figur / weil er Joſephs Bruder iſt / und 
Jo ſeph allhier in der Figur Chriſti ſtehet; fo gebuͤhret demſelben 
innern Menſchen von ſeines Bruders Chriſti Speiſen / aus fti> 
nen fuͤnff Wunden zu eſſen / das iſt / die theure Figur allhie an⸗ 
deutend / wer das ſehen mag. 

95. Daßaber der Geiſt ſaget: Sie truncken und wurden alle 
truncken / deutet an / daß im Reiche Chriſti eine allgemeine 
Nieſſung und Freude iſt / und in demſelben Fein Unterſcheid iſt / 
Das ſie ſich im ſolchem Unterſcheide werden allein Einem GOtt 
erfreuen: Denn ihre Trunckenheit deutet allhie die ewige Sreu- 
de an / da wir in ſolcher Krafft gleich wie truncken ſeyn werden 
fo wird der innere Menſch aus der ſuͤſſen Genade / welche in 
Chriſti fuͤnff Wunden iſt offenbahr worden / trincken und eſſen } 
und ſich der feuriſchen Seelen hiemit einergeben / welche in ihrer 
Feuers⸗ Elſentz wird in dieſer Suͤſſigkeit den Triumph der Goͤtt⸗ 
lichen Frendenr:ich exwecken / und hiermit die edle Braut ihren 
Braͤutigam / als die Seele / hertzen wird. 

Das 71. Capittel. 

Wie Joſeph ließ feinen Vruͤdern ihre Saͤcke füllen! 
und das Geld oben in. ihre Saͤcke einlegen | ſowohl 
auch feinen Becher in Benjfamins Sad | und ließ: 
ihnen nachjagen / und fie Diebitallg ziehe: 

Was darbey zu verſtehen. 

Genel 44. Fr y 

Oyſes fpricht : Und Tofeph befahl feinem Hauſ⸗ 
¶ halter / und Sprach : Gülle den Mennern ihre: 
“a Side mit Speiferfo viel fie führen moͤgen / und 
Ikge jeglichem fein Geld oben in feinen Sack / 
und meinen flbern Becher lege oben in des: 
jüngjten Sand mit dem Gelde vor des Getreide; Der u ne 
altre 


T. 






„12 Wie Zofeph ließ feinen Bruͤdern C.71 


yilter thaͤte alfo wie ihm Joſeph gefager hatte. Des Mor: 
ns da es Hecht war; lieſſen fie die Männer ziehen mit ihren 
Eſden / da ſte aber zur Stadt hinaus waren / und nicht ferne 
kommen / ſprach Jofeph zu feinem Hauſhalter: Buff / und 
jage den Wänmern nach] und wenn du fie ergreiffeft/ fo fprich 
zZu ihnen:: Warumb habt ihr Gutes mit Boͤſem vergolten 
iſts nicht das / da mein Herr aus trincket / und damit er weiß⸗ 
ſaget / Ihr habet uͤbel gethan: Und als er ſie ergriff / redete er 
mit ihnen ſolche Worte. 

2. In dieſer Figur ſtehet nun ein Chriſt / wenn er das in rech⸗ 
ten Ernſt worden iſt / im Bilde in der Proba auffChriſti Pilgram⸗ 
ſtraſſe / in dieſer Welt / wie ihn GOtt nun uͤbet und laͤutert / denn 
dieſes iſt der Proceß auff Chriſti Pilgram⸗ſtraſſe / wie ſich GOtt 
und auch die Welt gegen der creatuͤrlichen Vernunfft des Men⸗ 


ſchen ſtellet: Denn in dieſem Bilde ſehen wir / wie GOtt den 


bußfertigen Menſchen / wenn ihme das recht Ernſt wird / feine 
Säcke / als das Gemuͤthe und das Gewiſſen in des Lebens Ei⸗ 
genſchafft mit ſeiner Genade fuͤllet / und leget ihm den Kelch des 
Heyls / als den rechten ſilbern Becher / als den Kelch Chriſti / dar⸗ 
aus er in ſeinem Leyden tranck / oben in die Saͤcke der eingefuͤlle⸗ 
ten Genaden / daraus ein Chriſt auch trincken muß / und Chriſto 
in ſeiner Schmach nachfolgen. 


3. Denn der Becher Joſephs / daraus er tranck / dadurch er 


weiſſagete / iſt in dieſer Figur nichts anders / als der Becher 
Chriſti ſeines Teſtaments vor ſeinem Leyden / aus welchem er 
mit ſeinen Juͤngern tranck / und dadurch von ſeinem ewigen 


Reich weiſſagete / daß / wer aus dieſem Kelche wuͤrde trincken / der 


wuͤrde mit ihme auff das ewige Leben weiſſagen. 
4. Aber dieſe Figur deutet den groſſen Ernſt an / wie dieſer 
Becher werde GOttes Kindern eingeſchencket werden / was der 


Wein ſey / den ſte daraus trincken muͤſſen: Denn erſtlich ſchicket 
Zoſeph feinen Hauſhalter hernach / und läſſet ihnen fagen /ſie 
haͤtten ihme den Becher geſtehlen / und ſtellet ſich hart gegen fie / 
und da fie Doc) unſchuldig waren; Alſo auch wenn einemChriſten 
ſeine Saͤcke mit dieſer Speiſe gefuͤllet werden / ſo wird ihme 


Chriſti Becher darzu geleget: Dieſen nun ficht der Grim GOt⸗ 
tes in der menſchlichen Natur nach feiner Seelen und nach dem 
ſterblichen Leibe an / und fpricht zum Gewiſſen: Du haſt diefen 
Becher nicht aus Natur: Nccht zu rechte / du haft ihn aus GOt⸗ 
tes Haus/ Genade und Krafft geftohlen/das Himmelreich leydet 
hierinnen Gewalt / und du haft Gewalt gethan / und dieſen get 

her: 


» 





€ 71. ihre Säcke füllen I2c. 713 


cher zu Dir im Deinen Sad gezogen / du haft die Genade nicht 
zu Natur-Recht / dur wilft mit diefem Becher in Friede auff die⸗ 
jer Straffen hinwandern.. 

5. Aber nein/ es gilt dir nicht / wilft du Chriſti Genade in dir 
mitnehmen / fo muft du auch fein enden / Sterben / Spott und 
Berfolgung und Elend auff dich nehmen/ und Dich immerdar laf> 
fen in der Welt für einen falſchen Menfchen fchelten / und vor 
der Pharifzifchen Heucheley lajfen für einen Schalt achten / 
welcher ihnen habe ihren Becher geſtohlen / uñ in ſeine Gewalt ges 
unommen / in dehme er nicht wil mehr vor die groſſe Babyloniſche 
Hure / welche einen Becher voll Heucheley und Laͤſterung hat 
eingeſchencket / niederknien / und aus ihrem Becher ſauffen; ſo 
ſchilt ſie ihn fuͤr einen Schalck / der ihr habe den Becher und Ge⸗ 
walt geſtohlen / und rennet ihme nach / und wil ihn morden / ver⸗ 
dammet ihn zum zeitlichen und ewigen Tode / und ſchilt ihn ohne 
unterlag für einen Treuloſen / welcher den Becher geſtohlen hat. 

6. Das iſt / wenn ein wahrer Chriſt den Becher Chriſti er⸗ 
reichet / und daraus trincket / o kommt der Zorn GOttes in der 
fleiſchlichen boͤſen Natur / ſo wohl der Teuffel / und die boͤſe Welt / 
und ſetzen ihme auffallen Seiten zu / daß er dieſen Becher in ihrer 
Wohnung hat) und wider fie weiſſaget / daß ſie den Becher der 
Hurerey und des Greuels in ſich haben / daß er das offenbahret / 
und nicht wil mit ihnen aus ihrem Becher der Heucheley und 
Laͤſterung ſauffen. 

7. Da muß alsdenn ein Chriſt feinen Sad der Genaden- 
BHttes niederlegen für ihre Fuͤſſe / und fich laffen in ihre Schaͤn⸗ 
dung und Schmähung binden und fangen / da nimmt man ihme 
offt Leib und Leben / Ehre und Guth / und fteller ihn mit feinem 
Becher für ihr Urtheil ; allda mug ein Chrift aus feinem Becher 
Chriſti Spott / Creutz / Leyden und Zod trincken / und Chriſto 
mitdiefem Becher nachfelgen./ und nicht alfo mit ven gefuͤlleten 
Saͤcken der Genaden Ehrifti in Frieden durch dieſe Welt heim 
in fein ewig Vatterland ziehen: Er muß Chriſti Bild aͤhnlich 
werden / und ihme in ſeinem Weege / dehn er in dieſer Welt hat 
gewandelt / nachfolgen: Dieſes iſt in dieſer Figur gewaltig præ— 
Aguriret, 

* Deñ Joſephs Brüder ſtunden jetzo in der Figur eines bes 
kehrten Chriſten / dehme GOtt hat Chriſtum angezogen / und 
den Creutz⸗ becher mit der Genade mit eingeleget / und darzu oben 
in Sad / anzudeuten / daß / fo die Genade Eprifti/ welche einem 
Chriſten geſchencket wird / ſoll würden / und Frucht a fi ſo 

g*! Isa 


e ” 
W 


7 14 Wie Joſeph ließ feinen Brüdern C.71. 


geſchichet es nicht in friedlichen Stillftande / da cin Menſch in 
guter Ruhe / in guten Ehren-Tagen ſtzzet / ſendern imStreit umb 
dieſen Becher / denn er lieget oben im Saͤcke der Genaͤden / und 
muß allezeit der Streit umb den Becher vorher gehen. 

9. Denn Chriſtus ſaget / des Menſchen Sohn iſt nicht kom⸗ 
men daß er Friede auff Erden anrichte / ſondern Streit und 
Verfolgung / day eines wider das ander ſey / und das verfolge. 
Item , Er habe cin Feuer angezuͤndet und wolte dag es brenne. 
Eben dieſes iſts / daß den wahren Chriſten allezeit muß wider⸗ 
ſprochen werden / auch ihre eigene Hauſgenoſſen im Fleiſch und 
Blut muͤſſen ihre Feinde ſeyn / auff daß der geſaͤete Perlen⸗ 
baum beweget werde / und Frucht wuͤrcke. 

10, Gleich wie ein irrdiſcher Baum muß in Hitze / Kälte und 
Wind / ingroffen Anſtoͤſſen /in Widerwaͤrtigkeit ſtehen / das 
durch der Safft aus der Erden in Baum gezogen wird / daß er 
bluͤhet und Frucht trägst: Alſo muß auch die arme Seele in 
ſolchen Anſtoͤſſen und Widerwaͤrtigkeiten / in Spott und Elende / 
die Krafſt aus der geſchenckten und dargebottenen Genade / als 
aus dem Acker und Worte GOttes in ſich ziehen mit ernſtem 
Betten und Wuͤrcken / und dadurch Fruͤchte des Glaubens ge⸗ 
baͤhren / als gute Lehr und Wandel. 

11. Denn dadurch ſpeiſet die Seele den Geiſt Chriſti 7 umd 
Chriſtus ſpeiſet hinwieder die Seele aus dem Sacke der weſent⸗ 
lichen Genade / als mit ſeinem Fleiſche der weſentlichen Weißheit 
GOttes / und giebet ſich alſo eines dem andern ein Fl einer im⸗ 
mer ſtaͤtswaͤhrenden Wuͤrckung. 

12. Und ſehen hierbey / wieder Gottloſe auch GOtt in feiner 
Genaͤden⸗wuͤrckung dienen muß / denn er iſt ſein Sturm⸗wind; 
und fein Fluchen und Laͤſterung über GOttes Kinder / iſt die 
His und Kaͤlte damit GOtt fein Perlen-baͤumlein in feinen 
Kindern beweget / daß es nach himmliſchen Sufft hungert / und 
den in ſich zeucht / und wächfet und dieſes iſt das Chriftus fagte: 
Er wäre kommen auff Erden Streit anzurichten: Dann Chri⸗— 
ſti Reich iſt ein Streit wider Hoͤlle und Teuffel / Chriſtus ſtrei⸗ 
tet ohn Unterlaß in feinen Kindern und Gliedern / mit dem Sa⸗ 
tan umb das Reich. 

13. Dann im Berta Menfchen lieget noch der Schlangen 
‚Grund /als eine Wohnung des Satans /darinnen Der Satan 
dem Reiche Chriſti widerftehet : Alfo widerſtehet auch hinwie⸗ 
der das Reich Ehrifti inder Genade mit dem Becher dem Reiche 
des Satans / und wehret dieſer Streit immerdar / weil der irr⸗ 
diſche Leib waͤhret. 14. Dann 





—— 


Er. ihre Saͤcke füllen / ꝛe. 75 


14. Dann alſo würdet GOttes Zorn in der Liebe / auff daß 
die Kebe / als das ewige Eine und Gut ſchiedlich/ empfindlich / 
und findlich werde / dann im Streit und Widerwillen wird ihme 
der Ungrund / als das ewige Eine / welches auſſer der Natur und 
Creatur iſt / offenbahr. 

15. Und hat ſich GOtt mit feinem heiligen Worte der Kraͤff⸗ 
ten darumb in Natur und Creatur / darzu in Pein und Quaal / 
in Liecht und Finſternuͤß eingefuͤhret / auff daß die ewige Krafft 
feines Worts in der Weißheit mit ſeinem außgeſprochenen Wor⸗ 
te ſchiedlich und emp findlich werde / dag eine Wiſſenſchafft ſey. 

16. Daun auſſer dieſemn wäre die Wiſſenſchafft des ewigen 
Einen nicht offentahr/ und waͤre auch feine Freude; und ob fie 
waͤre / ſo wire fiei ihr Doch felber nicht offenk ahr: Alſo offenbahret 
fie ſich durch Einfuͤhrung in Natur durch die Schiedligkeit des 
Sprechens / da ſich das Sprechen in&igenfchafften einführet/und 
Die Eigenfeh afften in Widerwillen / fo wird durch die Widerwil⸗ 
fen das ewige Gut / welches ich im Wort des Spreche us mit in 
Schiedligkeit fuͤhret / ſchiedlich / creatuͤrlich / und bildlich. 

17. Sonſt wann das Boͤſei im Widerwillen fein nuͤtz wäre / 
fo würdecs SH als das ewige KRISE Gut / nicht zulden ſon⸗ 
dern zunicht machen: Aber alſo dienet es zur Offenbahrung der 
KHerzligeeit @Httes und zur Freu ih / und if cin Werck⸗ 
zeug GOttes / Damit er fein Gutes bNich inachet] auff daß das 
Buteerfannt werde: Dann / ſo Erin Boͤſes wäre / ſo wirde das 
Gute nicht erfannt. 

18.. Wann kein Zorn⸗Feuer wäre/ fo möchte auch Fein Liecht⸗ 
feuer ſeyn / und wäre ihr die ewige Siehe verborgen / dann es wäre 
nichts Das da fönte gelicher werden : Alfo hat diefiche GOttes 
eine Urſach zu lieben / dann fie liebet die Verlaſſenheit / als die 
Schwachheit / auff Das lic auch groß werde. 

19. Daum BHttes Siebe kommt alleinden Schwachen De> 
müthigen und Berlaffenen zu huͤlffe und wicht dehme / was in 
Feuers⸗Macht faͤhret: Nicht ver Macht der Eigenheit/fondern 
der Unmacht und Verlaſſenheit; was niedrig / unachtſahm / de⸗ 
muͤthig und verlaſſen iſt / in dehme wuͤrcket dee Liebe und wehnet 
darinnen. 

20. Dann die Liebe iſt in ihrer ſelbſt-Eigenſchafft anders 
nichts / als die Göttliche Demuth aus dem Grunde des SL 
Die Siche ſuchet noch begehret nichts als nur das Eine / dann 
iſt ſelber das Eine / als das ewige Nichts / und doch durch Alles 
und in Alemlaher der Selbheit eigenes wollens iſt ſie re 

Aka 


16 Wie Joſeph ließ feinen Brüdern C.71. 


21. Darumb iſt vor GOttes Liebe alles thoͤricht und boͤß ge⸗ 
achtet / was in eigenem Vermoͤgen ſelber wil / ob es wohl nuͤtzlich 
iſt / dadurch ſich das Nichts-wollen offenbahret / ſo iſt es aber doch 
vor dem Nicht-wollen nur eine Phantaſey / als ein Spiel eines 
ſelbſt-Treibens / und ſich ſelber-quaͤlens. 

22. Dan was nichts wil / als nur das daraus cs iſt gegangen / 
das hat in ſich ſelber keine Quaal: dann es iſt ihme ſelber nichts / 
ſondern iſt nur demfelben / daraus es iſt kommen; es ſtehet dem 
Macher da / der eshafgemachet / er mages laſſen ein Ichts oder 
ein Nichts fen : Alſo iſt es mit dem ewigen Einen ein Ding: 
Dannes quaͤlet fich nicht/ es liebet fich nicht / 65 fuͤhlet fich nicht 
in eigenem Willen: dann cs hat keinen eigenen Willen / ſondern 
4a Gangen ergebe, 

.Wie wir ſehen / daß Die vier Elementa in fich felber in 
folgen Willen fechen / ihrer ſeynd vier und doch nur eines : 
Dann die vier ſtehen in einem Grunde / und der Grundift weder 
Hitze noch Kälte] weder feuchte noch trocken; Er iſt das einige 
Element / cin unempfindlich Leben: Aber alſo wäre es ihme ſel⸗ 
ber nicht offenbahr: Darumb hat es GOtt beweget / und aus ſich 
ſelber außgehauchet / und aufigemwichelt/ daß cs ihme felber wi⸗ 
derwertig fey / und immer in Streite fiche / auff daß das Eine im 
Ber Vielheit offenbahr fi 

24. Aber hierinnen zerbricht Feines das ander/ daß es auffhoͤ⸗ 
re / und ein Richts fey/ fendern welches uͤberwaͤltiget ift / das fle> 
ſtet dehme ſtille / das es hat uͤberwaͤltiget / die Hitze der Kaͤlte / und 
die Kaͤlte der Hitze / und iſt kein eigen Beſitzen noch Wollen / ſon⸗ 
dern ein Element wil dem andern / daß das andere offenbahr 
werde / und ſo es offenbahr wird / ſo giebet ſichs dem ſtaͤrcke ſten im 
Weben / und iſt alſo ein Streit / und doch die groͤſſeſte Liebe unter 
ihnen: Dann von wegen des Liebe⸗Ningens entſtehet ihr Streit 
und Wollen oder Bewegung. 

25. Darumb iſt ihme der Menſch wegen ſeines eigenen Wol⸗ 
lens ein ſelber-Feind; gäbe er feinen Willen GOtt / und lieſſe 
ſich GOtt / fo wolte GOtt durch ihn / und mit ihm / und wäre fein 
Wollen GOttes Wollen: Dieweil er aber ſein ſelber⸗Wollen 
liebet / und nicht dehn / der ihm das Wollen hat gegeben / ſo iſt er 
zweyfach ungerecht. 

26. Eines wegen des eigenen Wollens / daß er nicht wil dem 
un und Grunde ſeines Wollens ſtille halten / und mit ihme 
ein Ding ſeyn / wie die vier Elementen ihr Wollen alle in den 
Grund eingeben / daraus ſie gehen / und nur demſelben wallen 
und wollen. 27. Zum 





R 
n 


&.71: ihre Säcke füllen / ꝛtc. 717 


223um andern / daß er feine Liebe von der Liebe des Ungrundes 
abbricht / ſich ſelber liebet / und die Lebe / die ihm ſeine Liebe hat 

gegeben / verlaͤſſet / und ſelber wil / lauffet / rennet / ſorget / und nach 
viel trachtet / und ſich von der Einheit abbricht: Darumb lauf⸗ 
fet er in eigenem Wollen in den Beftälten der Natur und vier 
Elementen / fo wohl inder Vielheit der Effeng des Geftirns ins 
eitel Unruhe. 

28. Unddie Unruhe führer ihn in Angſt / und die Angſt ftehet 
An Begierde feines Wollens/ und die Begierde einfaflet fich und 
beſchattet ſich / dag fe in fich finfter iſt / und fich felber nicht ſchau⸗ 

er mag: Darumblauffer der eigene Wille in eitel finſterer Angſt / 
und quaͤlet fich in der Begierde / amd ſuchet die Siebe in der Bea 
gierde / und findet doch darinnen nichts als Bilde der vier Ele» 
mente / welcye die Begierde felber machet; alfo dienet der Wille 
feinen Bildern und liebet dir Bilde in fich / und das ift die gröf- 
fefte Thorheit welche die Natur erbohren hat / und ift doch das 
Werckzeug dadurch die höchfte Weißheit offenbahr wird. 

29. O ihr Menfchen) die ihr euch weife nennet / und Ehre von 
einander nehmet / wegen enerer eigenen Liebe und eigenen Wol⸗ 
fen; Wie toll feyd ihr vor dem Himmel ! euer eigene Ehre / die 
ihr gelber ſuchet / iſt ein Stand vor der einigen Liebe GOttes; 
wer aber den andern ſuchet und ehret und ihn lieber der iſt ein 
Ding mit dem Gantzen: Dann fo sr feinen Bruder ſuchet und 
liebet / fo fuͤhret er feine Liebe in feines Leibes Glieder / und wird 
von dehme geliebet / geſuchet und gefunden / der den erſten Men⸗ 
ſchen aus ſeinem Worte machete / und iſt mit allen Menſchen 
nur ein Menſch / als mit dem erſten Adam nur einer in allen ſei⸗ 
nen Gliedern / ſowohl auch mit dem andern Adam Chriſto nur 
Einer. 

30. Dann GOtt gab dem Menſchen nur einen Willen / daß 
er nur das wollen ſollte / was GOtt wolte: GOtt wolte die Welt 
und die Cregturen / die wolte er durch und aus feinem Worte / 
die ſollte der Menſch auch durch daſſelbe Wort wollen / wie es 
das Wort wolte / alſo ſollte es auch der Menſch wollen: GOtt 
ſchuff durchs Wort / und aus dem Worte alle Ding in feine 
Gleichheit / je eines das andere zulieben: Alfo follte auch der 
Menſch feine Gleichheit lieben. 

31. Denn alle Menſchen find nur der einige Menſch Adam ; 
Gott ſchuff ihn allein/und das ander Schaffen ließ er dem Men⸗ 
ſchen / daß er ſollte fein Wollen in GOtt laſſen / und mit GOtt 
die andern Menſchen aus ihme ſelber in die Gleichheit gebaͤhrt 

a 


N 


718 Wie Joſeph ließ ſeinen Brüdern C.71 
da es aber nicht geſchach / fo verfluchte GOtt des Menſchen gege⸗ 
bene Gewalt / daß ihme das Wollen der Creaturen widerwertig 
ſey / dieweil er fie zum Mißbrauch wolte / und wolte nicht mehr 
ein Herr der Creaturen ſeyn / ſondern mengete auch feine Liebe 
in ſie / davon ihn die vier Eleinenta fiengen / und auch zum Thiere 
nach dem Leibe macheten: Alſo laufſet er nun jetzt im Wollen 
des Fluches. 

32. Denn er iſt GOttes Bild / und bildet aber feinen Willen 
in thieriſche Bildung / und zerruͤttet die Ordnung GOttes / wie 
dieſelbe iſt im Worte der Schoͤpffuug gewefen : Er drucket 
nieder das rechte wahrhafftige Wollen GOttes / und ſetzet fein 
Wollen an die Staͤtte / er iſt mit ſeinem Wollen ein Feind aller 
Creaturen / und alle Creatuͤren find fein Feind. 

33. Darumb muß das Goͤttliche Wollen im Menſchen nun 
wieder in folcher Angft im Wiederwollen gebohren werden / und 
muß fich das rechte Göttliche Wollen der neuen Wiedergebuhrt 
Jajfen von allen Creakuren anfeinden : Darumb dag der Menfch 
in ſeinem Libe cin thieriſch Wollen träger / da das thierifche 
Wiederwollen ſambt dem Fluche darinnen offenbapr ift-: So 
feindet nun das geben im Fluche / das gehen im Friede an / und 
wil das nicht in fich leyden. 

34. So aber das thierifche Wollen im Fleifche möchte gang 
gebrochen und getödtet werden / fo hörete ver Fluch auff / fo Eönte 
ihn Eeine Ereatur mehr anfeinden. f 

35. Weil aber dieſes nicht ſeyn mag / fo muß der Menfch im 
Streite ftehen/ und viel Böfes laffen von auffen in fich wollen / 
‚auch viel Böfts aus ihme felber in das/ fo auffer ihme ift/wollen : 
Und ſtehet alfe im Streite zwifchen Böfem und Gutem / und in 
Voͤſem und Gutem /und lebet im Streite der Elementen / und 
auch im Streite feines eigenen Wollens/ das ihme GOtt gab, 


36. Dann er ſchuldiget fich immerdar / es gefchehe ihm un⸗ 


recht / und iſt doch felber cin unrecht Wollen / denn Das rechte % 
Wollen daser in der Wiedergebuhrt krieget / iſt nicht fein eigen I 
natuͤrlich Wollen / ſondern es iſt das Wollen der Genade J 
Gottes / welche in feinem Wollen offenbahr wird / weldhes” 
Wollen fein natürlich Wollen täglich toͤdtet und den Menfchen 
durh GOttes Werckzeug mit den Kindern des Zorns unter Au⸗ 

gen ſchilt. 
35. Moyſes redet weiter und ſpricht: Ste antworteten ih⸗ 
me / warum redet mein Herr ſolche Wort? Ss fey ferne von 
Deinen Rnechten ein folches zu tuhn: Siehe das Belt / — 
wire 





Cap.7r) ihre Saͤcke fuͤllen / / 719 


wir funden oben in den Saͤcken haben wir wieder bracht zur 
Dir aus dem Lande Cangan / wie folten wir denn aus deines 
Herrn Haufe aeftohlen haben Silber oder Gold ? bey wel⸗ 
—* er funden wird unter Deinen Rnechten der ſey des To⸗ 
s: darzu wollen auch wir meines Herrn Anechte feyn Er 
— I ja es ſey wie ihr geredet habet / bey welchen erfunden 
wird / der fey mein Knecht / ihr aber folt ledig ſeyn. 

38. Diefes ft nundie Figur / wie Nch das Gewiſſen begehret 
zu rechtfertigen /wenn es vom Grimme GOttes Zorns afrleabkfs 
fen wird/dag esentweder GOtt mit Plagen in der Natur / auch 
offte in Berbergung der Genaden oder dur) die. böfe Welt ſchilt / 
und für unrecht darftellet / fo wil ſichs immerdar rechtfertigen / 
als geſchehe ihm unrecht. 

39. Denn ſo ſichs einmahl hat zur Genaden gewendet / und 
vom gottloſen Weege abgebrochen / ſo dencket es nun / es ſolle ih⸗ 
me nichts Ubels wieder führen? GOtt ſey es ſchuldig zu beſchuͤ⸗ 
tzen / und die Welt tuhe ihme unrecht / wenn ſie es fuͤr falſch ſchilt / 
es doͤrffte nunmehr den Straffen und Plagen nicht unterworffen 

ſeyn / und miſſet ihme Froͤmmigkeit und Gerechtigkeit zu / da⸗ 
mitte es GOtt ſeine Genade ſtielet / und ihme a as 
zurechnet / als ſey es nicht mehr ander Sünden ſchuldig. 

40. Vermiſſet fih auch wohlgegen der Welt/ wenn ihm die 
Welt noch wil Sünden und Laſter zumeffen / fo er derfelben 
ſchuldig ſey / fo wolleer des Todes oder dergleichen feyn / wie Jo⸗ 
ſephs Brüpder thaten welche nichts von Diebſt all wuſten / und 
verftunden aber nicht / dab alle ihre Ungerechtigkeit faınbt dem 
Diebſtall Joſephs / da ſte ihn ihrem Datter ſtahlen und verkauf⸗ 
feten / in den Säden der Gaben Joſephs / als vor Joſephs Au= 
gen offenbahr ſtunde / daß ofen) ihren Diebſtal wufte und er= 
kennete / darum er fie auch für Diebe fehelten lieg / und ihnen als 
Dieben nachjagen ließ / und fie wieder zuruͤcke holete / und für 
Recht ſtellete. 

41. Aber an ſtatt ihres Diebſtals ihrer begangenen Suͤnden / 
darum ſie ihr Leben hatten verbrochen / ließ ihnen Joſeph feinen 
ſilbern Becher in ipren Sack zu der Gabe einlegen / und ließ ſte 
Des Diebſtals des Bechers beſchuldigen / welches fie nicht geſte⸗ 


hen wolten. 
Die Figur ſtehet alſo: 


42. Wenn ein Menſch alſo / wie oben gemeldet / ein wahrer 
Chriſt wird / daß ihme GoOtt ſeine Genade giebet / ſo leget er ih⸗ 
me 


720 Wie Joſeph lieh feinen Brüdern Cap.7r: 


me feine Genade verborgentlich in feinen Sack des Leibes / in des 
Sebens Eſſentz / und leget ihme darzu denCreutz⸗ becher Chriſti / und 
ſchuldiget ihn nun nichtmehr im Gewiſſen / wegen feiner vielfalti⸗ 
gen begangenen Suͤnden / denn er hat fie mit der Genaden⸗Verge⸗ 
bung getilget / und ihm ſeine Genade in den Sack ſeiner Suͤnden 
eingefuͤllet für feinen Hunger der armen Seelen; aber er beſchul⸗ 
diget ihn nun des Bechers Chriſti / dag er an deinfelben fchuldig 
fey/ als an Ehrifti Spott / $eyden und Tod / dag er hat Chriſtum 
mit feinen Sünden ans Ereuß gebracht / dag er nunmehr des 
Ereug:bechers Chrifti fchuldig fey / und garnicht gerecht ſey. 

43. Denn wenn ihme GHLE die Tod-Suͤnden durd die ce 
nade vergiebet / foläffet er diefen Becher Ehrifti oben in die Ge> 
nade legen/ dieweil Chriftus ift ein Selb-fchuldiger feiner Süns 
Den worden/ amd diefelbe auff ſich genommen / fo iſt diefer Menfch 
nun am Becher des Creutzes Chrifti (da Chriftus den Zorn 
GoOTTes im Menfhenmufte ſchmecken und austrincken) ſchul⸗ 
dig: GOttes Gerechtigkeit fordert ihn nun ins Leyden / Spott und 
Tod Chriſti / dag er ſoll mit Chriſto ſterben / und ſich in ſeinen 
Spott eingeben / und mit Chriſto leyden. 

44. Weiler aber es nicht thun kan / und zur ſolchem Leyden im 
Zorn GOttes zu ſchwach iſt / fo hat ihm die Genade dieſen Bes 
cher mit eingethan / daß er ſoll aus Chriſti Uberwindung trincken / 
und von Chriſti Leyden und Todte weiſſagen / und denſelben ver⸗ 
kuͤndigen. 

45. Aber Gottes Gerechtigkeit / welche den Menſchen nun in 
Proceß Chriſti fordert / als in Chriſti Leyden und Todte / und ihu 
aber in feinem Wandel und Willen nicht allemahl darinnen fine 
Det / die fchildt ihn für.einen Dieb / welcher Chriſti Ereußsbecher 
nur als ein Dieb im Sacke ſeines Lebens⸗Eſſentz traͤget / und for⸗ 
dert von ihme den Diebſtall / fo er anderſt wandelt als im Pro⸗ 
ce; Chriſti. 

46. Denn Ehrifiushatdie Menfchenin fein Leyden und Tor 


eingenommen / und der Gerechtigkeit des Zorns Gottes entiwandt? - 


und ſie mit ihrem ſchuldigen ewigen Tode in ſeinen unſchuldigen 
Tod eingefuͤhret / und iſt ihrer Suͤnden und Boßheit in ihme ſel⸗ 
ker abgeſtorben / und in dieſen Abſterben Chriſti fordert nun Got⸗ 
tes Gerechtigkeit in Zorn einen Ehriften-Menfchen. 

47. Sp eraber auffen wandelt/ und nicht darinnen / fo ſpricht 
die Gerechtigkeit: Du biſt ein Dieb / und haft diefen Becher 
Chriſti mit unrecht in deinem Sacke / Ich wildich für mein Ges 


richte ſtellen und netbeilen/ wie Joſeph feinen Brüdern thäte / da 


er fie liß zuruͤcke fürs Urtheil feines Gerichts holen. 48. Dar⸗ 


he 


Cap.rı. ihre Säde füllen! ꝛc. ER 


48. Darum fo hat ein Chriſt / welcher unter Ehrifti Creutz⸗ 
fahne wandelt / keine Entfchuldigung / wenn ihn GOtt durch 
feinen Haushalter/ als durch die Kinder diefer Welt /inder Ge⸗ 
rechtigkeit feines Zorns ergreiffen laͤſſet / umd für eien Dieb und 
Ungercchten fchelten; Item / für einen Fremden) Neuling] En⸗ 
thufiaften/ Narren/ und dergleichen / da man ihme alle feine 
Maͤngel des natürlichen fündlichen Sleifches aufmutzet / und ihre 
ohn unterlaß für falfch und unrecht fchilt / undihn zur Berdam⸗ 
nüß des zeitlichen und ewigen Todes urtheilets ob er diefes wohl 
nicht vor ver Welt / und der Welt fchuldig ift/ fo iſt ers aber dem 
Spott / Leyden und Tode Ehriftifhuldig nach zu tragen / als ein 
Chriſt / undift ſchuldig ven gangen Proceß Chrifti auff fich zug 
nehmen / und Ehrifto darinnen nachzufolgen / und in Chriſto 
alles zu leyden / Chriſtum in ſeiner Schmach / Berachtung/seydere 
und Tode gantz anzuziehen / und ihm ſein Creutz und Spott nach⸗ 
zu tragen /auffdag er in Chriſti Reich eingehe / als ein Glied an 
Chriſti Leibe / das mit ihme gelitten habe / und täglich im Tode 
re feiner würdlihen Suͤnden sem Zorn GOttes abgeftors 

en ſey. 

49. Dennalle Suͤnden / Laſter und Unwahrheiten / welche ihme 
zu unrecht vonder Welt zugemeſſen werden / welcher er aͤuſſerli⸗ 


chen im ABercke nicht fehuldig ift/die leyder er im Proceß Chriſti / 


als ein Chrift / und trincket alfo hiemit aus dein Creutz⸗becher 
Chriſti / welcher unfchuldig hat für feine Sünde gelitten. 
so. Denn / ifter derfelben in feinem Seben gleich wicht ſchuldig 
worden /foift er dererdoch in der angeerbten Suͤnden fhuldig / 
undhat fiemit in dem Saamendarauser ift herkommen / an⸗ 
geerbet / fie liegen in feinem Grunde; Er kan fih vor GOtt im 
Proceß Ehrifti nicht entſchuldigen / er iſt aller adamiſchen Suͤn⸗ 
den ſchuldig. 
51. Aber das iſt fein Troſt / daß ſte Gott durch die Kinder ſeines 
Zorns in dieſer Welt offenbahret / und alſo als einen Fluch durch 
die Kinder des Zorns ans Creutze Chriſti hefftet / und in ſolcher 
Offenbahrung im Blut und Tode Chriſti in ihme erſaͤuffet / in 
deme er GOtt ſtille haͤlt wie Chriſtus feinem Vatter / und laͤſ⸗ 
ſet ſich der Suͤnden ſchuldigen / welche er nicht hat gewuͤrcket / ſon⸗ 
dern ihme nur angeerbet ſeynd / und alſo werden ſie von ihme ge⸗ 
nommen / und dem Zorn Gottes in ſein Gerichte gegeben / daß er 
fieurtheile. 
s2. Denn alfo in folher Figur verſoͤhnete auch Joſeph feis 
nen gerechten Zorn gegen feine Brüder; Sie waren alle an ihm 
| 5h fchul⸗ 


— 
x 


.„yr ’ ” ’ [2 e 
327 Wie Joſeph ließ feinen Brüdern E. 71. 
ſchuldig / aber er forderte nicht ihre Schuld / ſondern ſchuldigte fie 
nur feines Vechers / denn er hatte ihnen ſchon alle ihre Schuld 
vergeben : Alleine am Becher wolte er fte nicht unſchuldig halten / 
und da fie doch aus Recht nicht daran fehuldig waren: Erhatte 
ihn aber zur feinem Geſchencke ihnen eingeleget / und fie daran 
ſchuldig gemacht. 

53. Mfpauch hat uns Gott ſeine Genade aus lauter Liebe ge⸗ 
geben / nachdehme wir ſchon des ewigen Gerichtes ſchuldig waren / 
und hat uns aber Chriſtum mit der Genade in unſere Saͤcke des 
Lebens eingeleget / mit ſeinem Leyden und Tode / mit ſeinem Creutz⸗ 
becher / daran haͤlt er uns nicht unſchuldig / wir find alle daran 
ſchuldig / und haben dieſen Becher nicht zum Natur⸗recht / ſon⸗ 
dern er iſt uns eingeleget worden ohne unſer Wiſſen; Darum ſo 
koͤnnen wir uns nicht anderſt entſchuldigen / wir ergeben uns dent 
wieder dem Zorn Gottes / ſo ſchuldiget uns der Tod / Hoͤlle / und 
Zorn Gottes / und haͤlt ung in ſich gefangen; So führt ung Chris 
ſtus aus dem Tode aus: Jetzt mag nun der Menfchgreiffen zu 
welchem er wil. 

54: Daß aber Joſeph ließ den Becher in Benjamins ſeines Bru⸗ 
dern Sack ſtecken / hat dieſe Figur / das Chriſtus im inwendigen 
Wenſchen / als in ſeinem Paradeiß-Bruder wohne / und dieſen 
Creutz⸗becher in ſeiner Hand habe / daraus die ſchuldige Seele 
ſambt dem Leibe / trincken muß / er ſtecket ihn in ſeines Brudern 
Sack / dan derſelbe inwendige Grund iſt ſein Bruder / aber die 
andern Bruͤder muͤſſen daraus trincken / dieſer Bruder Chriſti 
haͤlt ihn nur in ſich / denn er iſt Chriſti Glied und Wohnung. 
55. Darum ſagte Joſephs Haußhalter; Bey welchen der 
Becher funden wird / der ſey mein Knecht / ihr aberfolt ledig 
ſeyn / als der inwendige Grund der rechte Joſephs-als Chriſti 
Bruder: der iſt Chriſti Knecht welcher ſeinem Herrn und Bru⸗ 
der dienet / und den Becher in ſeinem Sacke halten muß: Die an⸗ 
dern LebensGeſtaͤltnuͤß der Natur ſind frey / und können Chriſto 
nicht den Becher halten. 

56. Denn ſie ſeynd nicht der rechte Sack darzu / ſondern der 
Grund von der himmliſchen WeltWeſen iſt ver Sack darein der 
H. Becher Chriſti gehoͤret / welcher dem Grunde der Natur das 
raus ſchencket: Darum muſte Joſephs Bruder des Bechers be⸗ 
ſchuldiget werdẽ / daß er in der Figur des innern Menſchen ſtund / 
darinnen ſich Chriſtus mit feinem Creutz⸗becher wolte offenbah⸗ 
ren / fo ſolten die andern Brüder / als die arme Seele / ſamt dem 
Leibe / ledig werden / und non Schuld erlöfet ſeyn. 

* 57: Da⸗ 


2 nn u AT TEE ERTL 


Cap. 71. ihre Säcke füllen! sc.‘ 72 

57. Darum ſaget Joſephs Haushalter / der iſt mein Knecht / 
der den Becher hat / der ſoll mir dienen / ihr aber ſollet ledig ſeyn 
Das iſt / Chriſtus iſt in dieſem inwendigen Benjamin Joſephs 
Bruder / und dienet GOtt mit Uberwinden des Todes und Zorns 
GoOttes im Menſchen / fo werden die andere Bruͤder / als das na⸗ 
türliche Leben alle von Schuld und Pein ledig / und ſtehet trefflich 
in der Figur. 

58. Moyſes ſpricht weiter; Und ſie eileten / und legten eite 
jeglicher ſeinen Sack abe auff die Erden / und ein jeglicher that 
ſeinen Sack auff / und er ſuchete / und hub am Groͤſſeſten 
an biß auff den Juͤngſten; da fand ſich der Becher in Benja⸗ 
mins Sad: Da zerriſſen ſie ihre Kleider / und luden ein jegli⸗ 
eher auff ſeinen £fel / und zogen wieder in die Stadt. 

- 59. Als Adam war indie Sünde gefallen / fo forderte ihn das 
Geſetze und Gebott wieder zuruͤck / und ſchuldigte ihn ver Suͤn⸗ 
den und Diebſtals / daß er von unrechter Frucht mit falſchem 
Munde hatte geſſen / ſo muſte er wieder umkehren indie Stadt 
als in die Erde / daraus der Leib war gegangen / und allda ſeinen 
Sack niederlegen in Die Erde: Allda ſuchte GOTTES Gerech⸗ 
tigkeit in allen natuͤrlichen Cigenſchafften / als die Wahrheit und 
Gerechtigkeit / die vor GOTT gilt / als das Hinmels-Bilde/und 
fieng vonder erſten Geſtalt der Natur an / big auff diejuͤngſte 
und letzte / als biß auff den eingeleibten Genaden⸗grund nach deng 
Falle / und konte dieſen Becher des Heyls in keiner natuͤrlichen 
Eigenſchafft finden / ob gleich der Leib gar zu druͤmmeren gieng in 
dem Suchen / biß auff denſelben juͤngſten Bruder im eingeſproche⸗ 
nen Genaden⸗Worte / allda lag der Becher Joſephs und Chriſtĩ 
innen: dieſes præfiguriret der Geiſt in dieſer Figur gewaltig. 

60. Moyſes ſpricht weiter: Ind Juda gieng mit ſeinen Bruͤ⸗ 
dern in Joſephs Haus / deñ er war noch daſelbſt / und fie ftehlen 
vor ihme nieder auff die Erden: Joſeph aber ſprach zu ihnen: 
Wie habet ihr das tuhn doͤrffen / wiſſet ihr nicht / daß ein ſol⸗ 
cher Mann wie ich bin / es errahten koͤnte? Juda ſprach / was 
ſollen wir ſagen meinem Herrn ? Wie ſollen wir reden ? und 
was koͤnnen wir ung rechtfertigen? Bott bat die Miſſethat 
deiner Knechte funden: Siehe da wir und der / bey dem der 
Becher funden iſt find meines Herrn Knechte; Er ſprach a⸗ 
bet: das ſey ferne von mir ſolches zu tuhn / der Manmn bey 
dem der Becher funden ift / der foll mein Knecht ſeyn / ihr aber 
ziehet hinauff mit Frieden au eurem Vatter. 

Dh Die 


724 Die Joſeph ließ feinen Bruͤdern etc. C71. 


Die innere Figur ſtehet alſo: 


61. Als GOtt die Menſchen wegen Per Suͤnden ſchuldigte / 
und ihnen dieſe in ſeinem Zorn bey der Suͤndfluth / auch Sodom 
und Gomorrha inter Augen ſtellete / daß ſie hatten im Haufe Jos 
ſephs / das iſt / im Genaden⸗ bunde geraubet / und den Bund übers 
tretten / ſo gieng Juda mit ſeinen Bruͤdern / das iſt / Moyſes mit 
Den Kindern Juda und Iſraelis in Offenbahrung des Geſetzes / 
Da ihre Sünde offenbahr ward / wild Gott den Becher von ihnen 
forderte / hinauff in Joſephs Haus / das iſt / das Geſetze gieng in Jo⸗ 
ſtphs Hans; Denn Juda und Ifracl konte es nicht halten / fo 
gings indie Genade / allda tratt ihnen der Bund der Genaden / als 
der rechte Joſeph / unter Augen / und ſprach: Weil ihr nun Rauͤ⸗ 
ber und boͤſe ſeyd / meynet ihr ich koͤnte euer nicht entrahten ? fie 
aber konten ihme nicht antworten / ſondern muſten ſich in ſein 
Recht ergeben. 

62. Denn Iſrael konte weder den Bund noch das Geſetze hal⸗ 
ten / ſo muſten fie nur vor ihme niederfallen / und ſich feiner Er⸗ 
baͤrmde ergeben: Iſrael wolte ſtch nun GOtt zum eigenen Knecht 
ergeben / aber er wolte fie nicht haben mit ihrem Gefegesdienen / 
ſondern er wolte nur dehn Haben zum Knechte / in welchem der Be» 
‚cher lag: Er wolte nicht nur äufferlichen Gottes⸗dienſt in der Fi⸗ 
gur Ehriftimitdem Geſetze haben / fondern er wolte Benjamin, 
als den intern Grund / won der himmlifchen Welt Weſen zum 

Knechte habens Des Gefeges Diener aber / als der natürliche 
Menſch folte im Frieden wieder heim in fein Batterland ziehen / 
und die geſchenckte Genade in feinem geben mit nehmen zur Spei⸗ 
fe; Diefes ftellet der Geift Gottes alfo unter dieſer Geſchichte in 
eihe Figur auff das Künfftige. 

‘63. Unter en Figur deutet nunder Geift mit Juda / wel⸗ 
cher Bürge für Benjamin war / gar heimlich. an / wie, diearme 
Seele nicht könte vD mit dem Bunde der Genaden wieder heim 
ziehen in ihr Batterlandy fte Hätte denn Benjamin / das iſt / Chri⸗ 
ſtum im Weſen in ſich: Denn Juda entſchuldigte ſich trefflich / er 
doͤr ffte nicht heim konmen / er braͤchte deun Benjamin mitte / o⸗ 
der er wolte ſelber zum Knechte da bleiben. 

64. Alſo ergibet ſich die arme Seele GOtt / wenn fie GOttes 
Gerechtigkeit heiſſet mit dem Wunde heimgehen / fo wil fie nir> 
gends hin / ſite habe dan Benjamin das iſt / Chriſtum weſentlich 

"bey ihr / ſte koͤnne ſonſt GOtt nicht ſchauen / wie ſich allhier Juda 
in dieſein Bilde entſchuldigte / welcher ſprach / fo er Pa 
u 


C. 72. Wie fich Zofeph offenbahretelzc- 723 
und Benjamin nicht mitbrächte/fo würde er feines Batters graue 
Haar / weilfeine Seele an Benjamins Seele hieng / unter die 
Erde bringen. 

65. Das ift / fo der adamifche Menfch folte ohne Chrifti Leben 
und Weſen wieder ins Paradeiß gehen / fo würde er ſeinen Dat» 
ter / als die Lebens⸗Natur in die ewige göttliche Verborgenheit 
bringen / dan das Leben der menſchlichen Natur nach goͤttlicher 
Eigenſchafft wuͤrde nicht offenbahr: das iſt / es koͤnte nicht im 
Himmelreich leben. 

66. GDtt hieß die Seele wohl mit dem Geſetze heimgehen ins 
Paradeiß / aber es konte nicht ſeyn / fie haͤtte dan Chriſtum im 
geben und Weſen in ſich / fo dorffte ficheimgehen inserfte Bat⸗ 
terland. 


Das 72. Capittel. 


Wie ſich Joſeph fuͤr ſeinen Bruͤdern offenbahrete: 


Was darbey zu verſtehen ſey. 
Geneſ. 45. 


1. Oyſes ſpricht weiter: Da konte ſich Joſeph nicht 

F aanger enthalten np allen) Die um ihn herſtun⸗ 

Sen / und er rieff: Laffet jederman von mir hin⸗ 

zusgehen / und ſtund kein Menſch bey hm/ da 

ich Joſeph mit, feinendrüdern bekennete / umd er 

werete la it / daß es Die Egypter und das Geſinde Pharao hoͤ⸗ 

reten / und ſprach zu feinen Bruͤdern: Ich Din Joſexh; lebet 

mein Vatter noch ? Und feine Brüder konten ihm nicht ant⸗ 
worten / ſo erſchracken ſte vor ſeinem Angeſichte. 

Die innere Figur ſtehet alſo: 

2. GO gab Iſrael das Geſetze / und hieß fie dadurch wieder. 
heim ins Paradeiß gehen / wie dan die Figur mit dem gelobten 
Sande / darcin fie gehen ſolten / und aber lange Zeit nicht konten / 
big dag fie Joſua hinein führete /allda ftund als ein Fuͤrbilde der 
rechten Einführung durch Jeſum; und unfer dem Geſetze hatten 
fie auch den paradeilifchen Genaden-bund/fo wohl die Propheten? 
* fie auff GOttes Erbarmen-führeten. 

. Aber fie konten durch derer keines wieder in ihr erſtes ada⸗ 
unit paradififch Batterland zur Ruhe kommen: GOttes Ge⸗ 
rechtigkeit ſchuldigte ſie ohn as: und forderte das Pe 

3 319 


726 Wie ſich Joſeph fir Gap. 72. 
und Vermoͤgen / daß ſie ſolten dem Geſetz und Bunde vollen gehor⸗ 
ſahm leiſten. 

4. Als es aber nicht ſeyn konte / daß fie weder das Geſetz noch 
der Bund konte einfuͤhren / ſo offenbahrete ſich der himmliſche 
Joſeph aus dem Bunde / dan er konte ſich nicht länger enthalten 
wegen der Menſchen Elende / und führete feine groſſe Erbaͤrmde 
durch den Bund ins Geſetze / welche Erbaͤrmde Joſephs groffes 
Weinen andeutet / da er ſich fuͤr ſeinen Bruͤdern nicht mehr kon⸗ 
fe enthalten / und weinete / daß es auch die Egypter und das Ge⸗ 
finde Pharaonis hoͤreten / welches andeutet / daß dieſes Weinen / 
als die Erbarmung GOttes durchC hriſtum auch ſolten die Egyp⸗ 
ter / das iſt / alle Heyden und Voͤlcker hoͤren und annehmen / wie 
dan auch geſchahe / da Chriſti Weinen und Erbarmen unter alle 
Voͤlcker ſchallete / daß ſie es alle in ihre Hertzen nahmen / und ſich 
zu die ſen Joſeph wandten / welcher ſie alle annahm / und das Ge⸗ 

ſetze font dem Bunde erfuͤllete. 

5. Daßaber Joſeph rieff / laſſet jederman von mir hinaus ge⸗ 
hen / als er ſich mit ſeinen Bruͤdern bekennete / daß kein Menſch 
ſolte bey Ah ſtehen / iſt dieſes andeutend: da ſich Jeſus Chriſtus / 
als die hoͤchſt Erbarmung SOttes aus dem Bunde offenbahrete / 
ſo muſte das Geſetz mit allen Ceremonien / ſambt dem Bunde 
auffhoͤren und weg gehen / auch aller Menſchen Koͤnnen und Ver⸗ 
moͤgen / ſamt allem Wollen / Lauffen und Rennen muſte hi— 
naus gehen. 

6. Dan es tratt der hervor aus dem Bunde und Geſetze / welcher 
den Vund und daß Geſetz erfuͤllete / und ſtellete ſich an Statt des 
Bundes und Geſetzes zwiſchen und in GOtt und Menſchen ins 
Mittel / als ein Gott-Menſch und Menſch-GOtt / der allein fol- 
te Adam ins Paradeiß fuͤhren und die Suͤnde tilgen: Es ſolte 
Niemand mit ihm ſeyn / cr allein wolte und ſolte ſich der Menfch« 
Heit offenbahren zu einem Liechte / Johan. 8.) und zu einem neu⸗ 
en $chen. 

7. Und ift die Figur / wie der bußferfige Menſch zu GOtt 
kommen muß / dan er muß alles von ſich wegtuhn zalle ſeine Werk⸗ 
ke und Tuhn koͤnnen nicht an der Spitze ſtehen / er muß nur gantz 
indie Gelaſſenheit und Verlaſſenheit gehen / und ſich von aller 
Creatur Troſt und Huͤlff abwenden / daß er bloß und allein fuͤr 
die allerlauterfte Erbarmung GOttes in Chriſto Jeſu trette. 

8. Keine Heucheley oder Menſchen Troſt / damit man ihn ki⸗ 
zzelt / gilt ihme wor dieſem Angeſichte Joſephs / ſondern cine gan⸗ 
HeBerlaffenheit aller Creaturen / da alles verlaſſen iſt big gr 

oſſe 





P7 


. — \ j > 
C. 72. feinen Brüdern offenbahrete / ꝛc. 727 
bloffe Seele / die muß ſich vor diſem Angefichtdes himmliſchen 
Joſephs in alle ihrem Willen in fich erſencken / und fich ihme gan 
frey laſſen / und nichts ohne ſeinen Willen wollen / und keinen an⸗ 
dern Mitler oder Mittel an die ſpitze ſtellen / es gilt alles nichts. 
9. Das gantze Creatuͤrliche Leben muß gelaſſen und ſeines 
Willens verlaſſen ſeyn / auff daß der creatuͤrliche Wille wieder 
von dem uncreatuͤrlichen Willen eingenommen und gereiniget 
werde / daß GOttes und des Menſchen Wille ein Wille werde / 
alsdenn iſt GOtt alles in allem in ihme / nach der innern und aͤuſ⸗ 
ſern Welt / in ieder Welt nach ihrer Eigenſchafft / als nach dem 
ewigſprechenden Worte in ver Seelen / und nach der animali⸗ 
ſchen Seelen im Spiritu Mundi , in allem / als ein Werckzeug 
Goties. 
10. Wenn nun dieſes geſchicht / fo ſpricht der himmliſche Jo⸗ 
ſeph in feiner Erkarmungs Ich bin IfSſus in dir / umd eroͤffnet 
ihme Das inwendige Auge / daß er ihn in einem Augenblicke 


kennet / und ſpricht der Seelen freundlich ein / und ſaget: Lebet 


mein Batter/ das iſt / des Vatters Natur noch in der Seelen: 
iſt noch ein Athem des göttlichen Lebens in ihr. 

zı. Bordiefer Offenbahrung erſchrickt nun der Seelifhe ei⸗ 
gene Wille / dag er ineigener Macht Fein Wort mehr reden oder 
in der Selbheit fprechen kan / dan in dieſem Schracke gehet die Ei⸗ 
genheit des Wollens zu Grunde: Dan es gehet mit dieſer Ein⸗ 
blickung GOttes Wollen auff/und toͤdtet der Seelen eigen Wol⸗ 
len / gleich wie Joſephs Bruͤder alſo ſehr vor ſeinem Angeſichte 
erſchracken / daß fie kein Wort mehr ſprechen konten / all ihr 
Vermoͤgen entfiehl ihnen / als verſtummeten ſte: Alſo wird auch 
der Gottloſe am Juͤngſten Gerichte vor GOttes Angeſicht er» 
ſtummen / und zum ewigen Tode erfihreden/ dag fein Schen wird 
eineitel Angſt ud Schrad des boͤſen Gewiffens feyn / welches 
ihn ewig tagen wird. ET | 

12. Joſeph aber fprach zu feinen Brüdern : Trettet Doch 
ber zu mir: und fie tratten herzu / und er ſprach: Ich bin Jo⸗ 
fepb euer Bruder / denihr in Egypten verfauffer habet: und 
nun hekiimmert euch nicht] und dencket nicht / daß ich darum 
zuͤrne / daß ihr mich hieher verkauffet habet / denn um euers 
Lebens willen hat mich GOtt fuͤr euch her geſandt. 


Die heilige Figur ftehetalfo: 
23. Wan Chriftusmit feiner Offenbahrung die Seele alfo er⸗ 
ſchrecket / daß der Seelen eigener = lle im Todt feines Wollens 
5h4 und 


728 Wie ſich Jofephfie Cap. 72. 
ans Könnens erfchricket / fo fpricht er fein Genaden-wort in fie 
sin / und gibet ihr Krafft / und fpricht in ver Seeliſchen Efleng ; 
Tritt doch her zu mir / und hebe dein Angeficht auff vom Schrade 
des Todes / gehe in meiner Krafft zu mir und in meinem Wollen / 
ach zoͤrne nicht mehr mit dir / daß ich bin in deinen Tod verkauffet 
worden? GOtt hat mich euch zuvor hergefandt / Daß ich euch foll 
än eurem Hunger des Elendes/ als im Hunger GOttes Zorns 
ernehren / big ihr des irrdiſchen Leibes loß werdet / in welchem der 
Surf Hunger und göttliche Thenrung im Zorne GOttes inne 
eget. 

24. Denn um euers Lebens willen hat mich GOtt in euere 
Menfhheitund Seele gefandt / denn es wird in eurem Sleifche 
roch 5. Jahr theure Zeit ſeyn / das ift / der göttliche Hunger wird 
noch in eueren s. Sinnen der irdischen Vernunft bleiben/ fo hat 
mich GOtt zuvorher/che diefe Welt auffpöret/zu euch und in euch 
gefandt / auffdag er euch in euren irrdiſchen fünff Sinnen erret⸗ 
te mit einer gewaltigen Errettung / da meine Krafft der Then 
rung inden 5. irrdiſchen Sinnen die die arme Stele errettet und 
ſpeiſet; GOtt hat mich euerer Natur zum Vatter geſetzet / und zum 
Herrn und Fuͤrſten / daß ich fiefollregiren / wie Joſeph über E⸗ 
gyptenland: Ich bin ein Herr worden über all euer Haus / und 
was ihr habt und ſeyd / daß ich euch in euerer Thenrung mit göftli= 
cher Speiſe meines Fleiſches und Bluts ernehren ſoll / ſeyd nicht 
mehr verzaget / Ich bin bey euch in der Noht des irrdiſchen Le⸗ 
bens / ich wil euch erretten und zu Ehren machen. 

15. Und Joſeph ſprach weiter: £iler num und ziehet hinauff 
zu meinem Vatter und ſaget ihm: Das laͤſſet dir Joſeph dein 
Sohn ſagen / GOtt hat mich zum Herin in gantz Egypten 
geſetzet; komme herab zu mir / ſaͤume dich nicht / du ſolſt im 
Lande Goſen wohnen / und nahe bey mir ſeyn / und deine 
Rinder und Kindes⸗kinder / dein klein und groß Vieh / und 
alles was du haſt / Ich wil dich daſelbſt verſorgen / denn es 
ſeynd noch 5. Jahr theure Zeit / auff daß du nicht verderbeſt 
mit deinem Hauſe / und allem dem / das du haſt. 

16. Siehe / eure Augen ſehen / und die Augen meines Bru⸗ 
Vers Benjamin / daß ich muͤndlich mit euch rede / verkuͤndi⸗ 
get meinem Vatter alle meine Herrligkeit in Egypten / und 
alles was ihr geſehen habt / eilet und kommet hernieder mit 
meinem Vatter hieher. Und er fiehl feinem Bruder Benjamin 
um den Hals / und weinete / und Benjamin weinete auch an 
feinem Halſe / und kuͤſſete alle feine Bruͤder / und weinete über 

fie: darnach redeten ſeine Brüder mit ihme. 17. Die⸗ 


E.72. feinen Bruͤdern offenbahteteläc. 729 


7. Diefes ift nun die Figur / daß / wenn die Seele des Hiis 
Kifen Joſephs Angeficht hat gefehen / dager ſie hat getröftet umd 
wieder erfreuet / fo fpricht nun das Göttliche Wort in ihr s eile 
nun / und bringe auch deinen Vatter / das iſt / deine Natur und 
dein gantzes Leben mit alledeinem Wandel in deinem Stande zu 
mir / und du ſolſt mit deinem aͤuſſern Leben nahe bey mir woh⸗ 
nen / und ich wil dich nehren und pflegen / ſambt alle deme / daruͤ⸗ 
ber du biſt geſetzet: Zeuch mit alle deinen Sinnen und Wercken 
herab in Egypten / das iſt / in die Niedrigkeit und Demuth zu 
mir / daſſelbe Sand wil ich dir zur Wohnung eingeben / das ift.} 
in der NRiedrigkeit und Demuth ſoll deine Wohnung ſeyn; allda 
magſtu in deinem zeitlichen Stande / mit zeitlicher Nahrung / 
in zeitlicher Haabhafftigkeit bey mir wohnen: Eure Augen ſollen 
meine Güte allda ſehen dag ich euch wohlthun wil in der Theu⸗ 
rung eurer Irrdigkeit. 

18. Dan das Land Goſen / deutet an eine Fettigkeit vom See⸗ 
gen GoOttes in dieſer Irrdigkeit: Alda innen ſehen eure Augen? 
und auch die Augen meines Bruders Benjamins / als des in⸗ 
wendigen neuen Menſchens / dag ich muͤndlich / das iſt eſſenta⸗ 
Uter in euch / mit euch rede: Denn ſo der Menſch zur neuen Ge⸗ 
buhrt kout / fo redet Chriſtus eſſentialiter, das iſt wuͤrcklich in 
ihme / und die Augen der Seelen ſamt dem inwendigſten Grun⸗ 
de / in welchem Chriſtus / als das Wort / weſentlich iſt / ſehen 
und empfinden daſſelbe. 

19. Aber die aͤuſſere fuͤnf Sinne moͤgens in dieſer Irrdigkeit 
noch nicht gantz ergreiffen / ſondern ſte wohnen nahe darbey: Die 
inwendige Augen ſehen durch die aͤuſſere Sinnen / wie die Son⸗ 
ne ein Glaß durchſcheinet / und das Glaß doch nur ein Glaß blei⸗ 
bet; alſo bleibet auch die aͤuſſere Natur dieſe Zeit der fuͤnff noch 
theuren Jahre der irrdiſchen Eſſentz in ihrem Rechte / biß Die 
Seele den Leib verlaͤſſet / alsdenn ſoll am juͤngſten Tage auch der 
rechte Adamiſche Leib der fuͤnff Sinnen wiederkommen zu der 
Seelen / aber die Grobheit des irrdiſchen Thieres hat keine Staͤt⸗ 
te mehr: denn alles zeitliche ſcheidet ſich ins Myfterium Magnum, 
daraus es iſt gegangen. 

20. Daß aber Joſeph feinem Bruder Benjamin um den Hals 
fiehl und weinete / und ſie alle kuͤſſete / iſt dieſes in der Figur: 
Wan Chriſtus in dem inwendigen Benjamin / als im Bilde und 
Weſen von der himmliſchen Welt Weſen / welches in Adam ver⸗ 
blich / wieder offenbahr wird / ſo kuͤſſet der H. Name Jeſus / als 
GOTTes groſſe Liebe / den eingeleibten Genaden⸗grund / und 
| N 945 durch 


ru H (ed 4 7 
730 Miefich Zofephfir Kap. 72. 
durchdringet dig Bilde mit feiner weinenden Liebe / als mit GOt⸗ 
tes groſſer Suͤßigkeit / als den Tempel Chriſti / und kuͤſſet hie⸗ 
durch der creatuͤrlichen Seelen Eſſentien, und dringet auch mit 
der weinenden Liebe durch ſie / alsdan kriegen fie ihr Leben wie⸗ 
der / und reden mit GOtt iM Chriſto Jeſu. 

21. Dan in dieſer Rede oder Stimme wird die Seele alle— 
in von GOtt erhoͤret / Dan in dieſem Kuß wird der Seelen ihr 
Gehoͤr wiedergegeben / daß ſie GOttes Wort hoͤret und lehret; 
dan der Seelen Sinne ſtehen nun im Worte des Lebens / und 
hoͤren was der Herr in ihnen durch Chriſtum / aus dem inwendi⸗ 
gen Grunde redet; und das iſt das Chriſtus ſagte: Wer aus 
GOtt iſt / der hoͤret GOttes Wort; und zu den Phariſfaͤern ſag⸗ 
te er: Darum hoͤret ihr nicht / dan ihr ſeyd nicht aus GOtt. 

22. Wan die jetzige Zanck⸗Babel den Kuß Chriſti in ſich haͤt⸗ 
te / ſo wuͤrde ſte ſich mit Joſephs Bruͤdern zum himmliſchen Jo⸗ 
ſeph wenden / und in groſſer Demuth und Niedrigkeit mit Joſeph 
zeden / und würde GOttes Wort in Joſephs Liebe hören / und 
demuͤhtig mit ihme reden / fie würde nicht um zeitliche Ehre und 
fette Baͤuche / um Herrſchung zancken / und das Sand Gofen ver» 
wuͤſten auff heydniſche Arth. 

23. O Babel! deine Schand iſt vor den allerhoͤchſten 
äns Gerichte geſtellet worden | du biſt derſelbe Anti— 
chriſt / von deme ©. Panlus gefaget hat: Du ruͤhmeſt 
Dich GOttes Wortes im lehren und hören/ und dein 
Grund iſt nicht aus GOtt / fondernaus dem Thurn zu 
Babel: Du wilſt mit Buchſtaben ohne das lebendige 
Wort in die GOttes Wort lehren / aber die Schafe 
hören deine Stimme nicht / dan fie komt nicht aus den 
Kuß Joſephs. 

24. Und Moyſes ſpricht weiter: Und da das Geſchrey kam 
An Pharaonis Haus / DaB Joſephs Brüder kommen wären/ 
gefiel es Pharao wohl / und allen ſeinen Knechten; und 
Pharao ſprach zu Joſeph: Sage deinen Brüdern) Thut ihme 
alſo / beladet euere Thier / ziehet hin / und wenn ihr komt ins 
Land Cangan / fo nehmet euren Vatter und Geſtnde / und 
komt zu mir / ich mil euch Güter geben in Egyptenlandt / 
Daß ihr eſſen ſolt das Marck im Landes und gebeut ihnen / 
Thut ihme alſo: Mehmet zu euch aus Egyptenland Wagen 
an euren Rindern und Weibern / und fuͤhret euren Vatter / 
und komt / und ſehet euren Hausrath nicht an / denn die Bü» 
der des ganzen Landes Sgypten ſollen euer ſeyn. Dieſe 


— 


C. 72. feinen Brüdern offenbahrete / c. 73 


Dieſe Figur ſtehet alſo: 


25. Wenn Jofeph / als Chriſti Schall in der Seelen erſchal⸗ 
let / ſo dringet dieſer Schall in GOttes des Vatters Eigenſchafft / 
denn die Seele iſt in ihrer Ratur aus derewigen Natur im Wor⸗ 
te / aus des Batters Feuers⸗Eigenſchafft: alſo wird fie wieder 
im Vatter / von deme ſich ihr Wille hatte abgebrochen / offenbaht: 
und der ſpricht in ihre $ebens-Effeng eins denn es gefaͤllet ihme 
wohl / daß die Seele iſt in Chriſto offenbahr worden / und heiſſet 
die Seele mit allen ihren Eigenſchafften durch Joſephs / als Chri⸗ 
ſti Geſchaͤffte / wieder in das Paradeiß einſuͤhren: Er giebet ihr 
Wagen undalles was fie bedarff darzu / welche Wagen find ſein 
Geiſt im Worte der ſie fuͤhret / und giebet ihr das gantze Egyp⸗ 
tenlandt / das iſt / das ganze Paradeiß oder Himmelreich zun 
Eigenthum: dieſes præfiguriret der Geiſt GOttes unter dieſer 


Hiſtoria gewaltig. 


26. Und die Rinder Iſrael thaͤten alſo / und Joſeph gab ih⸗ 
nen Wagen nach dem Befehl Pharaonis / und Zehrung auff 
den Weeg / und gab ihnen allen einen jeglichen ein Feyer⸗kleic/ 
aber Benjamin gab er drey hundert Silberlinge / und fin 
Feyer⸗Kleider / und ſeinem Vatter ſandte erdarbey zehen E⸗ 
ſel mit But aus Sgyptenlandt beladen / und zehen Sſelin mit 
Getreide und Brod und Speiſe feinem Vatter auff den Weeg 
Alſo ließ er feine Brüder / und fie zogen hin / und er ſprach zu: 
ihnen: Zancket nicht auff dem Weege. 


Die Figur ſtehet alſoe 


27. Chriſtus nimt den Borrath / ſo wohl die Wagen / als den 
heiligen Geiſt vom Batter / den er ſeinen Kindern ſendet / wie 
Joſeph die Wagen und Geſchencke vom Pharao nahm / und gie⸗ 
bet ihnen Zehrung auff den Weeg ihrer Pilgrams⸗ſtraſfen / als 
ſeinen Leib und Blut zur Speiſe und Trauck. 

28. Das Feyer⸗kleid / welches Joſeph jederm Bruder gabf iſt 
den Tempel Chriſti andeutend / darinnen die Seele feyret und⸗ 
ruhet und Joſephs fuͤntf Feyer⸗ kleider die er ſeinem Bruder Beu⸗ 
jamin gab / ſeind die fuͤnff Wunden Chriſti da ver innere: 
Menſch in GOttes Liebe feyret: aber die drey hundert Silter⸗ 
linge die er Benjauin gab / ſind die Gaben des Worts aus die⸗ 
fer groſſen Liebe / da dieſer Benjamin ſoll mit wechfelmund han⸗ 
delß und feinem Hern und Bruder / dem himmliſchen Joſeph 

ah 6 wich 


732 Wie Joſeph Wagenund Cap. 72. 


viel gewinnen / denn mit Belde Handelt man: Alfo foll auch der 
inwendige Benjainin mit feinen Gaben der drey hundert Sil- 
‚berlinge / als mit ven Gaben Chriſti handeln / das iſt / lehren 
und GOttes Wunder verfündigen / denn er ift Chrifti Knecht 
und Schülffe / ja fein rechter Bruder. 

29. Aber die xo. Efel mit Gut aus Egyptenland beladen / 
‚welche Fofeph feinem Batter ſchickte / deutetin der Figur an die 
20. Gebottim Gefegeder Natur / welche Jofeph hatte mit Gut 
beladen / dasift / Chriftus Hat fie mit feiner Genade beladen / 
und ſchickte ſie GOttes Gerechtigkeit im Gewiſſen / davon die 
arme Natur zu zehren hatte. 

„zo. Aber die zo. Eſelin mit Getreyde / deuten an die zo. Ge⸗ 
ſtaͤlte des ſeeliſchen und natürlichen Feuer⸗lebens / auff welche 
Chriſtus der Seelen Speiſe ladet / wenn ſie in ſeinem Proceß 
ſtehet: Das Brod und die Speiſe auff dem Weege / deuten an 
das Wort GOttes / davon der arme alte Adam eſſen muß / dag 
er leben mag. 

32. Dieſes giebet Chriſtus ſeinen Kindern und Bruͤdern auff 
den Weeg ihrer Pilgram⸗ſtraſſe / wan ſie im Proceß Chriſti 
wieder heimwandern / daß ſie Zehrung haben / und davon die Na⸗ 
tur / als der alte Vatter iſſet / und befiehlet ihnen ſie ſollen auff 
dieſein Weege nicht miteinander zancken / ſondern in Liebe und 
Friede heim ins Paradeiß ziehen. 

32. DIfrael! wo iſt jetzt dein Friede ? Es ſiehet als haͤtteſtu 
allen Vorrath Joſephs verzehret / und muͤſſeſt jeko darben / die⸗ 
weil du alſo ſehr um dieſe Speiſe zanckeſt / und haſt ſolch Mor⸗ 
den darum angerichtet. Warlich du haſt unterwegen deinen 
Bruder Benjamin gemordet / darum ſteheſtu im Streit / und 
wilſt nicht heim ziehen / du fuͤrchteſt dich / aber die Theurung wird 
dich fort treiben / oder du verhungerſt. 

33. Alſo zohen fie hinauff von Egypten / und kamen ins 
Land Canaan zu ihrem Vatter Jacob / und verkuͤndigten 
ahm / und ſprachen: Joſeph lebet noch / und iſt ein Herr im 
ganzen Egypten⸗ Lande / aber fein Hertz dachte gar viel ein 
anders / denn er glaubte ihnen nicht ; Da ſagten ſie ihme alle 
Worte Joſephs / die er zu ihnen geſagt hatte / und da er ſahe 
die Wagen / die ihm Joſeph geſandt hatte / ihn zu führen / 
ward der Geiſt Jacobs ihres Vatters lebendig / und Iſrael 
frac): Ich hade genug daß mein Sohn Joſeph noch lebet / 
ich wil hin / und ihn ſehen I ehe ich ſterbe Sp 
P } 


—n DT 


Cap. 72. Geſchencke zu Jacob fchickete. 733 


Diefe Figur ſtehet alſo: 
34. Als Chrifti Apoftel mit diefem Geſchencke waren bela⸗ 
den / fo giengen fie damit in ihres Batters Haus / als inter die. 
Brüder im Reiche der Natur in ihrem Unglauben / und verkuͤn⸗ 
digtenihmen die groffe Herrligkeit / und das Geſchenck Jeſu Chris 
ſti / das er ihnen haͤtte gegeben / das ſie ſolten ihnen bringen / a⸗ 
ber ihr Hertz glaubte das nicht / dag dieſe einfaͤltige Maͤnner / 
Die Apoſtel / von GOtt durch dieſen Joſeph mit ſolchem groſſen 
Gute beladen / waren geſandt / biß ſie ſahen die Wagen des H. 
Geiſtes / der das Geſchencke in groſſer Krafft und Wundertaht 
fuͤhrete / und hoͤreten die kraͤfftige Worte JEfuChriſti mit Wun⸗ 
der und Thaten aus ihrem Munde; da ſprach Iſrael; Jetzt hab 
ich gnug / nun kan ichs glauben / ich wil auch mit zu Chriſto / auff 
daß ich ihn ſehe / wie der alte Jacob ſagte: Ich habe gnug daß mein 
* Joſeph noch lebet / ich wil hinauff / dag ich ihn fehe / ehe dan 
ich ſterbe. 


35. Alſo auch fahren dieſe Wagen aus GOttes Kindern bey 
den Unglaͤubigen an / welche erſtlich nicht wollen glaͤuben: wan 
fie aber dieſe Wagen und das Geſchencke in ihnen fuͤhlen / ſo fas- 
gen ſie auch / ich habe gnug / ich wil mit in Egypten in die Buſſe 
gehen / auff daß ich auch meinen Heyland ſehe und erkenne: dan 
ihr Geiſt wird auch lebendig / wie Jacobs Geiſt. 

36. Wo find jest dieſe Wagen im der Lehrer Munde / da der 
Heilige Beift darauf faͤhret / und Iſrael ſein Herge rühret / daß 
fein Geift lebendig wird ? Ja faget Babel: Der Geift Ehrifts 
wuͤrcket jetzo nicht fo Fräfftigin unfern Worten / wir haben num _ 
die Erfäntnüß vom Reiche Chriſti / es darff es nicht / wirfellen 
nur glauben die Worte / ſo uns Ehrifti Apoſtel haben hinterlafa - 
ſen / es iſt gnug. 

37. Sonſt fo wir ſolten alſo kraͤfftig lehren / fomüften wir - 
auch alſo armſehlig leben / wie Chriſti Apoſtel / und die Welt ver⸗ 
laſſen: Es darff es nicht / Chriſti Reich muß jetzo im Anſehen (in 
Pracht und Herꝛrligkeit) ſtehen. 

38. O Lwie wird dich der arme Chriſtus / welcher auf Erden 
nicht hatte da er fein Haubt hinlegte / unter Augen ſchelten / daß 
du haſt feinen Bund genommen in falſchen Mund; ver Ernſt iſt 
niemahls noͤhtiger geweſen / als eben ietzunder / da alle Wagen : 
umgeſtoſſen / amd in groſſer Berwirrung ſeynd. 


867 DM: 


734 Wie Jactob mit allen feinen Kin- €. 77: 
Das 73. Capittel. 


Wie Facob mitallen feinen Kindern) und allen die bey 
ihme waren fambt allem Viehe / fey in Egypten 


gezogen. 
Geneſ. 46. 


I. Oyſes pricht &: Iſrael 308 hin mit allem das er 
hatte / umd da er gen Berſaba kam / opfferte er 
Opffer / dem GOkte feines Datters Iſaac; Und 

Gott ſprach zu ihm des Nachts im Gefichte : Jacob / 

Tacob; £r fprach: Hie bin ich ; Und er fprach : Ich bin 

Sott / der GOtt deines Datters Iſaac / fürchte dich nicht in 

Sgypten hinab zu ziehen: Denn daſelbſt wil ich Dich zum 

groſſen Volck machen) Ich wil mit dir hinab in Egypten zie⸗ 

hen / und wil auch dich herauff fuͤhren: und Joſeph ſoll ſeine 

Haͤnde auff deine Augen legen. 


Die innere Figur ſtehet alſo: 


2. Jacob muſte in der groſſen Theurung und Hungers⸗noht 
mit allem Heer was er hatte / in Egypten ziehen / und machte 
ſich auff / als er von Joſeph hoͤrete / als ihn Joſeph ließ durch ſei⸗ 
ne Soͤhne fordern / als er ſahe die Schenckung und die Wagen 
Joſephs / allda ward ſein Geiſt lebendig / und machte ſich auffe 
Alſo iſts auch in der Figur der neuen Gebuhrt / wenn der adami⸗ 
ſche Menſch die Stimme des Himmliſchen Joſephs in ihme hoͤret 
ſchallen / und ſiehet die Wagen des heiligen Geiſtes in ihme / ſo 
machet er ſich auff mit allen ſeinen Kraͤfften / und zeucht in Egyp⸗ 
ten der Buſſe. 

3. Und wan er gen Berſaba / das iſt / in die Zerſchellung ſeines 
Hertzens und Seelen komt / fo opffert er fein Leib und Seel / mit 
allem was er hat / dem GOtt feines Vatters auff / das iſt / er er⸗ 
giebet ſich mit ſeinem Leben und allem das er iſt / in das Wort ein / 
das ihn in Adam geſchaffen / und aus ſich gemachet hat; welches 
iſt der GOtt feines Vatters: ſo ſpricht alsdan daſſelbige Goͤtli⸗ 
che Wort in ihme / das iſt / es ſpricht wuͤrcklich und kraͤfftig in ihme. 
Des Rachts im Geſichte / heiſſet allhie in der Verborgenheit des 
Menſchen / dagich GOtt der Vernunfft und Creatur verbirget / 
und aus feinem Principio in das Leben Troſt und Krafft ein⸗ 
Gerät / und ruffet ihm mit ſeinem Namen / wie Jacob / das iſt / 

* — 


Eap. 73. dern ſey in Egypten gezogen. 733 
er faffer feinen Namen ins Wort feines Sprechens / welches iſt 
das Buch des Lebens / Dader Kinder GOttes Namen eingefaffer 
oder gefchrieben werden. 

4. Und warn ihn dieſer Menfch in. der-Krafft empfindet/ fo 
fpricht er wieder ins Wort ein: Hie bin ich / Herr / mache aus 
mir / was du wäilft / ich, ſtehe für dir / und daffelbe inwendige 
Wort GOttes fpricht in Krafft / Ich bin GOtt / der GOtt dei⸗ 
nes Batters / das iſt / es giebet dem Menſchen in dieſer ſprechen⸗ 
den Krafft Goͤttliche Erkaͤndtnuͤß / daß es der Menſch verſtehen 
lernet / daß GOtt in ihme wuͤrcket und was EDEL iſt. 

5. Weilaber der Leib ein finſterer Thal / darzu in ungerechter 
Neiglichkeit iſt / ſo ſpricht das Wort in die arme Seele: Fuͤrchte 
dich nicht / wan du in Egypten / als in die Buſſe / eingeheſt / und 
aus dem Sande Canaan / als aus der Welt Wolluſt / Falſchheit 
und Ungerechtigkeit ausgeheſt: ob ſie dich gleich werden feinden 
und verfolgen / ſo fuͤrchte dich nicht / Ich wil mit dir in Egypten / 
das iſt / in deine Umwendung und Goͤttlichen Gehorſam ziehen / 
ich wil dir helffen Buſſe wuͤrcken / und in deinem Egypten / das 
iſt / in deiner Bußwuͤrckung / dich ſeegnen / und deine neue Ge⸗ 
buhrt zu einem groſſen Baum machen / welcher viel guter Fruͤchte 
in Goͤttes Reich bringen foll / wie er zum Jacob ſagte: Ich wil 
dich in Egypten zum groſſen Volck machen / und wil dich auch 
wieder herauff bringen / das iſt / du ſolſt nicht als ein Todter oder 
Abgeſchiedener von dieſer Welt bleiben: ob du gleich in Egypten 


in die Buſſe zeuchſt / und im Gemuͤhte die Weltverläffeft / ſo wil 


ich dich doch aus der Angſt und Truͤbſal wieder heraus ziehen / und 

in deinem Stande laſſen / fo derſelbe recht iſt. das geſchicht alfoz 
6. Wann der Menſch in diß Egypten zeucht / ſo muß er ſein 
Land / als alle feine zeitliche Fleiſches⸗Luſt / verlaſſen und GOtt 
Abergeben / und nichts mehr für eigen halten / ſondern gedencken / 
daß es nicht fein eigen ſey / daß er deſſen Diener ſey / daß er GOtt 
und ſeinen Mitgliedern darinnen diene / nnd ſein Hertz alſo rich⸗ 
te / wie ein Pilgram der da reiſet / und in der Welt nirgends da⸗ 
heime iſt / er muß ſich mit Jacob auff Joſephs / das iſt / auff des 
H. Geiſtes Wagen fetzen / wo ihn derſelbe in dieſer Theurung 
hinfuͤhren wil / ſo zeucht GOtt in und mit ihme / und ſeegnet ihn / 
daß er viel Goͤttliche Fruͤchte wuͤrcket / und ſein Name im Wort 
GOttes ſehr groß wird. 
7. Aber GOtt ſtoͤſſet ihn darumb nicht aus dem zeitlichen 
Beſitz / er fuͤhret ſeinen Geiſt wiederumb herauff indie Wuͤrck⸗ 
ang feiner Haͤnde Arbeit / als jn ſeinen weltlichen Stand / 
E 


36 Wie Jacob mit allen feinen Kin» C.73. 


er GOttes Wunderthat / auch ihme ſelber / und ſeines Leibes 
Gliedern / als feinem Naͤchſten / darinnen dienet: Es wird ihme 
nichts genommen / als nur die Ungerechtigkeit und Unwahrheit: 
GOtt machet ihn nun in feinem Stande zu ſeinem Diener/ er 
mag ſein Viehe / Haab und Gut wohlbehalten und mitnehmen 
zu feiner Nothdurfft / wie Jacob that/ aber das Falfche muß er 
wegthun. 

8. Und wann er dieſes thut / ſo ſpricht GOtt: Joſeph ſoll ſei⸗ 
ne Hand auff deine Augen legen / daß du ſeheſt / das iſt / Chriſtus 
ſoll mit ſeiner Genaden⸗Hand in dein an GOtt blindes Geſichte 
greiffen / und ſeine Hand der Goͤttlichen Sonnen auff deine Au⸗ 
gen legen / ſo wirſt du in Goͤttliche Beſchauligkeit und Erkaͤnt⸗ 
nuͤß in dir ſelber kommen / daß ſich deine Vernunfft verwundern 
wird / woher dir ein ſolch Liecht und tieffe Erkaͤntnuͤß komt. 

9. Jacob iſt mit fiebengig Seelen in Egypten kommen / mit 
allen feinen Kindern und Kindes: Findern / Davon Ihr fechs und 
fechzig aus feinen genden kommen waren/ welche mit ihm zogen / 
dann Fofeph hatte zween Söhne in Egypten gezeuget. 

zo. Diefe Zahl ſechs undfechzig iſt eine groffe.geheime Zahl / 
fo wohl die Zahl fiebensig / welche eine Zahlder groffen Babel 
iſt: Und die Zahl ſechs und ſechzig iſt des Thieres und der Huren 
Zahl / von welcher Iſrael und ein jedes Kind GOttes ung aus» 

iehen. 
ız, Dieſer Außzug Iſraelis iſt eine wahrhafftige Figur und 
Bild des letzten Außzuges des Volckes Iſraelis / als der rechten 
wahren Chriſten / welche auch aus die ſen Canaan / als aus Ba⸗ 
bel / außziehen ſollen im Ende des Thieres und der Huren Zahl / 
welcherSianat:Stern mit dem Wagen Joſephs / ſchon 
erſchienen ſind 

12. Dann die groſſe Theurung bey Jacobs Zeiten] 
als die groſſe Sungers:noth umb himmlifihe Speiſe / 
Die iſt vorhanden / und nicht allein ein Geelenshunger 
nach Simmels:brod / fondern auch eine gar. groffe heff⸗ 
tige * von der Welt her faitunerhörtelmprefbon - 
* ball zur Eigenheit/ als zu Geitz / Wucher und. 

offahrt. 

23. —— im Grimm GOttes nach der Eitel⸗ 
keit die zu verſchlingen I it ſo groß | daß er.anjeko der 


Simmels: Kräffte impreflet / daß aller Borrath und 
Seegen 





C.73. dern ſey in Egypten gezogen. 737 
Seegen verſchwindet / und der Menſchen Gemuͤthe alſo 
hungerig nach Eitelkeit it) daß gar feine Ruhe auff 
Erden für diefer Begierde iſt. 

14. Esift dasdritte Principium , als der Spiritus Mundi des 
Reiches in den vier Elementen mit impreflet / davon aller See» 
gen verſchwindet / und andeffen Statt ein unerfattliher Geitz⸗ 
hunger entitandenift : alſo dag das Thier und die Hure / ſambt 
ihren Anbethern / alfo hungerig nach Hoffahrt / Geitz / Reid / 
Zorn / Ungucht und Hurerey / und thierifcher Wolluſt iſt und 
alfo hart in folcher Begierde impreſſet / daß die Zeit da iſt/ 
dag diefes Thier ſambt der Huren zerbörften muß. 

15. Ind alsdann fo wird Jacobs Geift lebendig / und 
glaubet / daß Joſeph ein Fuͤrſt in Egyptenlande / als in 
der Bekehrung it; allda wird Joſeph feinen Brüdern 
offenbahr werden/fo müffen fie fich ſchaͤmen ihrerFalſch⸗ 
heit / daß fie haben Joſeph untertretten / und mit fügen 
ins Elende verfauffer. 

16. Dan Joſephs Angefichte in der Wahrheit] folt 
gang Iſrael und Egypten beſchauen: Dann Iſrael 
muß aus Canaan aufziehen] und Babel in der 70. Zahl 
verlaffen: Uber ver Hunger zu Babel ſpricht: Ich wil 
mir vonehe meinen Sack füllen/dag ich auff dem Weege 
Zehrung habe; und weiß nicht ] dat; Joſeph hat Iſrael 
Zehrung / darzu Wagen und Kleider gegeben | daß fie 
nur ſollen ihr Viehe nehmen / und ſonſt ihre Wohnung 
und Vorraht dahinten laſſen. 

17. Die Zehrung / welche anjetzo Iſrael in Vabel einſamlet / 
gehoͤret alle der grimmen 1mprelſion des Zorns GOttes / der ſoll 
ſie alle verſchlingen wann fein Feuer brennet: GOtt hat ſeinen 
Kindern ſchon Zehrung durch Joſeph zuvor hin geſchicket / ſte wer⸗ 
den wohl genug haben / ſo ſie nur nicht zancken auff dieſem Weege: 
Es ſind ihnen Feyer⸗Kleider bereitet / daß ſie von dieſer Unruhe 
des Treibers feyren ſollen. 

18. Aber Babel dencket / noch lange nicht / Iſrael muß mir 
dienen / ich wil fie baß plagen: Aber die Suͤndfluth / und das 
Feuer zu Sodom uͤberfaͤllet fie ploͤtzlich daß Fein Er: 
retten da iſt; Wer da wacher / der fey munter [daß er 
nicht einſchlaffe / dann der Braͤutigam zeucht —— 

hinten 


738 Wie Jacob mit allen feinen Kin- E.73. 


hinten nach wollen die tolfen Jungfrauen ihresampen 
fhmücen: aber esift zu fpät / der Hunger zu Babel er: 
greiffet und friſſet fie im feinen Schlund. 

‚19. Moyfes fpricht weiter: Und er ſandte Juda vor ihme 
bin zu Joſeph / Daß er ihn anweiſete zu Goſen / und Famen in 
das Land Goſen: Da ſpannete Joſeph ſeinen Wagen an / 
und zog hinauff feinem Vatter Iſrael entgegen gen Goſen: 
Und da er ihn ſahe / ftel er iym umb feinen Half / und weinete 
lange an feinem Halfe da fprach Iſrael zu Joſeph: Ich wil 
sum gerne fterben/ nachdem ich dein Angeſichte gefehen habe / 
daß du noch lebeft, 


Diefe Figur ftebetalfe : 

20. Juda deutet an den eingeleibten Bund GOttes im Men» 
ſchen / als die Goͤttliche Genade in Chriſto / diefe ſchicket Iſrael / 
das iſt / der gantze Menſch vorher zu dem himmliſchen Joſeph / 
und vereiniget ſich mit ihme / daß der himmliſche Joſeph in der 
eingeleibten Genade das Reich der Natur im Menſchen / als den 
alten Jacob und Adam zu Goſen / das iſt / auff dem Weege der 
Umbwendung / indie Ruhe Chriſti einfuͤhret / daß er ans rechte 

Ziel komt / da er Speiſe fuͤr das hungerige Gewiſſen findet / als 
den rechten Weeg zur Sceligkeit / da recht gelehret wird / und 
Unterweiſung iſt / da iſt Goſen vorhanden / da die Seele im Fet⸗ 
ten ſitzet / und ſich in der fetten Weide Chriſti weides. 

21. Und wenn das der himmliſche Joſeph Chriſtus fichet/ day 
der alte Jacob / das iſt / der Adamiſche Menſch hat feinen Juda zu 
ihme geſchicket / und hernach kommet / ſo ſpannet er ſeinen Wa— 
gen an / das iſt / ſeine Wuͤrckung mit einem kraͤfftigen Gegen-zug / 
und zeucht dem natuͤrlichen Menſchen entgegen / und wann ſte 
ſich zuſammen nahen / ſo faͤllet die ſer Jo ſeph diefem Jacobs: Adam 
umb ſeinen Halß / das iſt / er faſſet ſeine Begierde und Luſt / und 
erfuͤllet fie mit feinen Thraͤnen / welche er in feinem Leyden hat 
vergoffen / und in feiner Uberwindung hat durch den Tod indie 
ewige Freude geführet. 

22. Mit diefen Freuden Thränen zündet er die Seele des 
alten Jacobs⸗Adams an / daß Jacob vor groffer Freude am 
Halſe Joſephs / das ift/ in Chrifti Freuden-Thränen/ lange wei⸗ 
net / und feine innerfiche Freude mit den Thränen Chrifti 
uiſchet: Mit welchen Freuden Thränen der alte Jacobs⸗Adam 
mächtig getröftet / und in fich erquicket und geſtaͤrcket wird / dag 
es 5 dag fein himmliſcher Joſeph in ihme noch lebet / daß 

er 





B L 


C.73. dern ſey in Eghpten gezogen. 739 


er in der Theurung der Suͤnden nicht iſt geſtorben / oder gantz 
von ihme gewichen. 
234So ſpricht dann der natuͤrliche Menſch: Nun wil ich 


gerne ſterben / und alle mein Recht und Willen uͤbergeben / da ich 


nun meinen lieben Sohn Joſeph erkannt und geſehen habe; das 
iſt / weil ich empfinde / dag der neue Menſch in Chriſto iſt in mir 
offenbahr worden / ſo wil ich nun gern meines Willens der Eitel⸗ 
keit in ſeiner Liebe⸗Krafft ſterben / wie Jacob zu Joſeph ſagte. 

24. Joſeph ſprach zu ſeinen Bruͤdern und ſeines Vatters 
Haufe: Ich wil hinauf ziehen / und Pharao anſagen / meine 
Bruͤder und meines Vatters Haus iſt zu mir kommen aus 
dem Lande Cangan / und find Viehe⸗hirten / denn es find Leute 
die mit Viehe umbgehen / ihr klein und groß Viehe / und alles 
was ſie haben / haben fie mitgebracht; Wann euch nun Pha⸗ 
rao wird ruffen / und ſagen: Was iſt euer Nahrung ? So ſollt 
ihr ſagen: Deine Knechte find Leute die mit Viehe umbgehen/ 
von unſerer Jugend auff bißher / beyde wir und unfere Däfter/ 
auff daß ihr wohnen moͤget imLande Goſen / dann masDiehes 
hirten ſeynd / das iſt den Egyptern ein Greuel. 


Die innere Figur ſtehet alſo: 


25. Wann der himliſche Joſeph / Chriſtus / ſich hat der See⸗ 
len und Adamiſchen Menſchen offenbahret / Das ſie fegnd zuſam⸗ 
men kommen und haben einander empfangen und angenommen / 
fo dringet daſſelbige kraͤfftige Wort in Chriſti Geiſte / das ſich 
hat im Menſchen offenbahret / wieder in des ewigen Vatters Ei⸗ 
genſchafft / als in das ewige Sprechen des Vatters / das heiſſet 
dann allhie: Ich wil Pharao anſagen / daß meine Bruͤder / ſambt 
meines Vatters gantzem Hauſe iſt zu mir kommen. 

26. Dann Pharao ſtehet allhier in der Figur GOttes des 
Batters/ welcherder ewige König iſt / dehme ſaget Chriſtus / als 
das Wort der Siebe und Genaden an / dag feine Bruͤder / als die 
Eigenſchafften des menſchlichen Lebens / aus und mit aller Krafft 
ſind zu ihme kommen / das iſt / das Wort Chriſtus / welches vom 
Vatter kommen iſt in unſere Menſchheit I ſpricht durch feine 
Krafft das natürliche menſchliche Lebens-Wort in das ewige 
Wort des Vatters ein / das heiſſet allhie dem Koͤnige anſagen. 

27. Dann Chriſtus iſt auch des Vatters Hauſhalter uͤber 
die Menſchen / wie Joſeph Pharaonis: Dann alſo wird der 
Menſch wieder in GOtt offenbahr / wann ihn Chriſtus in des 
Vatters Wort einſpricht und anſaget / ſonſt moͤchte der — 

i 


740 Wie Jacob mit allen feinen Kin- E73. 


nicht GOtt erreichen z Dann das menfchliche geben ift auch aus 
GOttes des Vatters Wort kommen: Dann der Geift GOttes 
ſprach durch und aus des Vatters Wort im Menfchen/Jon.r. 

28. Aber cshatfich / nachdehme esin eine Ereatur kam / und 
natürlich ward/von GOttes Liebe⸗Sprechen abgewandt/und im 
Zorn⸗Sprechen offenbahret / die Kraft des $iche- Sprechens 
war ihme verlofchen / als dasander Principium die heilige Ge⸗ 
bährung oder Wuͤrckung Göttliher Kräffte / und vermochte in 
eigener Kraft und Macht nicht wieder in Das Sich Sprechen 
eingehen / daß es hätte mögen Göttliche Liebe⸗krafft fprechen oder 
gebäahren/es hatte fich von GOttes Liebe getrannt/und in ein na⸗ 
tuͤrlich Sprechen der Selbheit und Eitelkeit eingeführet. 

29. Diefes jammerte GOtt / und führete fein Liebe-ſprechen⸗ 
des Wort wieder in das creatürliche gebildete Wortder Seelen 
und Menfchheit ein / das ift num diefer Joſeph / welchen GOtt 
hat zuvorher gefandt / daß er das menſchliche geben foll wieder in 
das ewig-fprechende Wort einführen oder einfprechen/ / und dar⸗ 
innen vortem ewigen Könige offenbahr machen / der führet das 
menſchliche Wort in des Batters Eigenfchafft im Wort GOt⸗ 
tes / und verfühnet dasabtrünnige menschliche Wort indes Bat: 
ters Zorn-fprechen mit feiner Siebe / das iſt er verwandelt den 
Zorn im menfchlichen Lebens⸗wort in feine Liebe⸗ thraͤnen in die. 
Göftliche Freuden-reich / und offenbahret das menſchliche Leben 
würclich in GOtt / das heiffet allhie wie Joſeph fagte : Ich wil 
zu Pharaofagen: Meine Brüder und meines Vatters gantzes 
Haus iftzu mir aus dein Sande Canaan kommen. 

30. Dann Ehriftus iſt unfer Bruder worden: Das Wort 
Ber Siche ward Menfch und wohnete in uns: Es nahm Adams 
Natur anfic ; darumb heiſſet ers in diefer Figur feines Bat- 
ters Haus/ als den erften Adam und feine Kinder/ heiffet er feine 
Brüder ; alfo gang heimlich redet der Geift Moyſis in der Fi- 
gur Ehrifti/ fonft hätte er an diefem Ort wohlgefaget: Mein 
Vatter iſt zumir kommen / foer nicht eine andere Figur darun⸗ 
ter hätte. ? 
32. Erfaget/aus dem Lande Canaan / und find Vichehirten / 
alfo wolte er für Pharao fagen/ auff das fie möchten im Sande _ 
Gofen wohnen das iſt in dieſer Figur fo viel z Ehriftus zeiget 
am Norte des Batters mit feinem $iebesfprechen.an/ daß feine 
Brüder aus der Eitelkeit der Cananiter / aus wildsthierifcher 
Eigenſchafft find zus ihme kommen / dag fie von ihrer Jugend 
auff / ſint Adams Zeit her / nur find Biche-hirten geweſen / das — 

A 


— 
C.73. dern ſey in Egypten gezogen. 741 


das menſchliche Lebens⸗wort / hat muͤſſen in dieſem fleiſchlichen 
Cangan wohnen im Fleiſch und Blut / und hat muͤſſen der thie⸗ 
riſchen Eigenſchafft des Fleiſches huͤten und pflegen. 

32. Dann die animaliſche Seele im Spiritu Mundi im Men⸗ 

ſchen hat viel hundert Thiere / die ſie hat in ſich mit der falſchen 
Luſt erwecket und offenbahret; dieſer Thiere muß nun das menſch⸗ 

liche Lebens⸗wort von Adam her immerdar huͤten / und muß init 
ſolchem Viehe umbgehen / und dieſe Thiere pflegen: So ſagte 
nun Joſeph / auff daß fie möchten mit ihrem Viehe im Sande Go⸗ 
ſen wohnen / das iſt / in einer beſondern Staͤtte / und nicht bey 
Pharao; dann die Viehe ⸗ hirten faget der Geiſt / wären vor den 
Egyptern ein Greuel: das iſt / die thieriſche Eigenſchafft im 
Menſchen iſt vor GOtt ein Greuel / darumb fuͤhret Ehriſtus 
nur den inwendigen Paradeiß⸗grund / dieſe Zeit der Thiere fuͤr 
Gottes Angeſichte: Aber die Thiere fuͤhret er in Goſen / das iſt / 
in das außgeſprochene creatuͤrliche Weſen dieſer Welt /ineine 
geſeegnete Staͤtte GOttes. 

33. Der thieriſche Menſch kan nicht fuͤr Pharao / das iſt / in 
GOttes Majeſtaͤt und heiliger Krafft wohnen : Joſeph oder 
JEſus laͤſſet ihn in der auſſern Natur / im Reiche dieſer Welt / 
und ſetzet ihn in einen Seegen / daß er nahe bey GOtt wohne / 
aber ein Principium iſt der Unterſcheid / wie zwiſchen Zeit und 
Ewigkeit. 

34. Und Joſeph ſagte mit Fleiß / er wolte ſagen: Sie haͤtten 
klein und groß Vieh mitgebracht / anzudeuten / daß der gantze 

enſch mit allen ſeinen Wercken waͤre in die Genade und fette 
geſeegnete Wohne vor GOtt gebracht worden / daß Chriſti Kin⸗ 
der mit allen ihren irrdiſchen Wercken gen Goſen geſetzet wer⸗ 
den / als in eine Genaden⸗ſtaͤtte. 

35. Und ſaget zu feinen Braͤdern; Wann euch Pharao wird 
fragen/was iffeuer Nahrung ? So folltihr fagen : Deine Knech⸗ 
ge find Biche-hirten von Tugend auff geweſen / das ift fo viel: 

Wann euch GOttes Geift wird forſchen /undprobiren in Sinn 
md Gemüthe was ihr fegd / ob ihr Engel und GHttes Diener 
ſeyd / fo demuͤthiget euch vor GOtt / und ſaget nicht vor euch vor 

GDLtes Augen /wir figen in deinem Ambte/ und find Herren; 

Item, Gewaltige der Welt / Neiche / Edele /Schoͤne / Gelehrte} 

Berftändige / und dergleichen ; duͤncket euch nicht felber vor 

GoOtt gut zu feyns ſaget nicht / wir find deine liche Diener in deis 

ner Krafft/fondern ſaget: Wir deine Knechte find Viehe⸗hirten 
von Adam her / wit huͤten unſere thieriſche Eigenſchafft —* 
br 





#. 


722 Wie Jac.mit allen ſeinen Kind.ꝛc. C.73. 


Wercks deiner Wunder / die du gemachet haſt / wir koͤnnen nicht 
vordir/ Oheiliger GOtt / beſtehen: Denn wir find untuͤchtige 
und unverſtaͤndige Biehe⸗hirten deiner Wunder / laß uns nur 
Genade finden / daß wir moͤgen in dieſem Goſen fuͤr dir wohnen. 
D HErr / wir wiſſen nicht was wir fuͤr dir thun ſollen / gebeut dat 
und lehre uns / wie wir dieſe deine Heerde weiden ſollen / dann 
wir ſind deine Knechte / und wollen vor dir dienen als deine 
Dieheshirten. 

36. In dieſem Spiegel beſchaue dich / du ſchoͤne Welt / was du 
in Deinen hohen Ständen und Aembtern biſt / alleſambt vom 
Kaͤyſer an big auff den Bettler und Beringften/nur Biche-hirs 
gen; Einjeder iſt nur ein Bicheshirte/ denn er verwaltet nur ein 
Ambt des thierifchen Menſchens / und hat unter feiner Both⸗ 
maͤßigkeit nur über Ihiere zu herrſchen / und nichts mehr : Dann 
über den innern Goͤttlichen Menfchen Ean Eein weltlich Ambt 
herrſchen / er muß in feinem Ambte nur einen Hauffen Thiere 
hüten / fie regiren und ihrer pflegen / hingegen pflegen fie ihn 
wieder. 

37. Mit dieſem Bichehirten-Ambte ſtoltzitet nun der irrdi⸗ 
ſche Lucifer / als haͤtte er cin englifh Negiment / und ift doch vor 
GH nur ein Bichehirte/ und nichts mehr, 

38. Darumb hat GOtt fein Geheimnuͤß mit folchen einfäftie 
gen Viche-hirten fürgebildet/ dag der Menſch fehen foll / was er 
in feinem Ambte und Stande iſt; auch dag fich nicht fein Grimm 
erhebe/ und dieſe Hirtenverderbe/ fo hater ſie ihme allefambt in 
feiner Fürbildungnurals Vichchirten fürgemodelt/ auff daß er 
feine Benade möge über des Menfchen Unverftand atiggieflen. 

39. Hierinnen befchet euch nun ihr Gewaltigen/ Edelen / 
Reichen / Gelehrten /allemiteinander / wie euch der Geiſt GDt- 
tes mit den theuren Ertz⸗ vaͤttern nur in Viehehirten ambts⸗ weiſe 
in feiner Geheimnuͤß · Offenbahrung für ihn ſtellet; Ihr ſeyd für 
ihme alle miteinander nichts anders als ſtine Dicheshirten /der 
Kaͤyſer als fein Diener) der Edele als fein Unterer [einer wie der 
ander: Einerhütet in dieſem thierifchen Ambte / der ander in 
einemanderen. 

40. Aber der Pharifzus wird fügen : Ichhüteder Schäf: 
lein Chriſti. Wehe dehme / der feine Schäfflein einem Wolfſe 
vertrauet: Lehret er was gutes aus Chriſti Geiſte / ſo iſt daſſelbe 
nicht aus feiner Gewalt / ſondern der Ertz-hirte Chriſtus thuts 
durch ihn; Er aber gehet nur mit Thieren umb / und traͤget ſelber 
ein Thier unter ſeiner Heerde an ſich / welches auch muß gehuͤtet 
werden / oder der Wolff friſſet es. 41. Alſo 


3.74. Wie Jacob für PharasgeftHetric. 743 

41. Alfo hat GOtt alle Aembter ins Hirten-Ambt gefeget/ 
Das je eines des andern hüten und pilegen foll/ und findaber nur 
alle ſambt Hirten vor ihme / welche des Viehes huͤten: Chriftus 
iſt allein der Hirt der Seelen / und feiner mehr. 

42. Es ſoll einer ſein Schaͤflein Chriſti / das er in ſich hat / 
keinem irrdiſchen Viehehirten / ſondern allein dem Hirten Chris 
ſto vertrauen / dann in allen aͤuſſerlichen Hirten⸗Aembtern ſind 
Woͤlffe / welche auff das Schaͤflein Chriſti zielen / und das freſ⸗ 
fen wollenz Unter dem Hirten⸗ambte mager wohl gehen / aber er 
ſehe ſich nur fuͤr des Hirten Hunden vor daß ſie ihn nicht beiſſen. 

43. O Welt in deinen hohen Staͤnden! wan du dich doch nur 
betrachteteft/ / was du in deinen Ständen biſt vor dem Himmel / 
und ſetzteſt deine Stände nicht ſo hoch in GOttes Liebe / fie ſtehen 
nur in ſeiner Wunderthat / im Boͤſen und Guten, 

44. Wan GoOtt hat einen weltlichen Staͤndt wollen in feiner 
Liebe fuͤrbilden / ſo hat er Viehehirten darein geſetzet / oder ja ge⸗ 
ringe / arme / verachtete und unanſehnliche Leute: Siehe an Ha⸗ 
bel / Seth / Enos / Noa / Abraham / Iſaac / Jacob / Joſeph / 
Mofen / David: Item „die Propheten und Apoſtel und alle Hei⸗ 
ligen / durch welche fich GOtt hat jemahls offenbahret / fo wirftu 
das ſehen / das vor ihme keine Hochheit nichts gilt /fteift nur ein 
Spiegelder Wunder im Böfen und Guten / zugleichein Spiel 
GoOttes Siebe und Zorn / eine Fürmodelung der englifchen Herze 
ſchafften in Liecht und Finfternüg / in Himmelund Hölle, 


Das74.Capittel. 


Wie Jacob für Pharao geftellet ward mit den 5. jüng: 
sten Brüdern Joſephs; und wie Jacob den Pharao 
ſeegnet / auch wie Joſeph bat dem Pharao gantz E⸗ 
gypten eigenthinnlich erfauffet: Was allhier zu 
verſtehen fey. 


Genel. 47. 


I. OHyfes Spricht : Da Fam Joſeph / und fagte 

Pharao an) und fprach: Mein Vatter und mei⸗ 
ne Brüder / ihr Elein und groß Dieh / umd alles 

was fie haben / feynd Eommen aus den Lande 

Cangan / und fiehe / fie find im Lande Goſen: 

und er nahm feiner jüngsten Brüder fuͤnff / und ſtellete fie für 

Pharao: De fprach Pharao zu feinen Bruͤdern: Was 1 ge 

is 


744 Wie Jacob fuͤr Pharao Cap. za. 


Nahrung? Sie antworteten : Deine Knechte find Viehe⸗hir⸗ 
ten / wie und unfere Dätter/ und fagten weiter zu Pharao: 
Wir find kommen bey euch zu wohnen im Lande) dan deine 
Rechte haben nicht Weide fuͤr ihr Diehe/ fo hart druͤcket die 
Theurung das Land Canaan / fo laß doch nun deine Knechte 
im Lande Bofen wohnen: Pharao fprach zu Joſeph: Es iſt 
Dein Vatter und find Deine Brüder / die ſind zu dir Eommen / 
Das Land Egypten ftehet Dir offen / laß fie am beften Orte des 
Landes wohnen / laß fieim Lande Bofen wohnen / und fo du 
weiſt daß Leute unter ihnen jeynd Die tuͤchtig ſeynd / fo fee fie 
über mein Dieb. 

Diefeinnere Figur ftehet alfo: 

2. Wan Chriftus feine Brüder umd ven alten Vatter Adam 
in GOttes Kraft offenbahret / daß fte find mit allem ihrem We⸗ 
fen zu ihme kommen / und fichihme gang ergeben haben / fo nimt 
er indes Lebens Eigenfchafften fünff ver jüngften Brüder / und 

ſtellet fie für GOtt / das iſt / er nimt die fünff Sinnen des Men⸗ 
ſchen / welche immerdar die juͤngſten in des Lebens Eigenſchafft 
ſind und bleiben / dan ſie gebaͤhren ſich immerdar neu / und ſtellet 
dieſe mit ſeiner Lebens⸗Krafft für GOtt. 

3. Dan dieſe ſind es / welche ſollen GOttes Diener in der Lie⸗ 
be ſeyn; Dieſen giebet Chriſtus Raht ein / und ſaget: Wan ihr 
fuͤr GOttes Antlitz kommet / daß der Geiſt GOttes in euch fuͤr⸗ 
über gehet / und euch pruͤfet und ſichtet was euer Ambt und 
Wuͤrckung vor Gott ſey / fo demuͤhtiget euch / und ſaget vor 
GH: Deine Knechte find nur Viehe-hirten / und find in der | 
Theurung des Elendes in unferm groffen Hunger zu dir kom» | 
men / bey euch im Sande GOttes zu wohnen / dan wir haben in | 
unſern eigenen Kräften in dem adamifchen Reiche der Natur 
wicht ABeide und Speife für das arıne elende Leben:So laß doch 
nun / 9. HErr/ deine Knechte im Sande Gofen/,als in deinen 
Borhöfen/ wohnen] daß wir effen vom Thau des Ammels/und 
in unferm Ambte dir dienen. 

4. Sofpricht alsdan der ewige Batter zu Chriſto als zu feis 
nem Haushalter: Siehe / dasift dein Batter Adam / und find 
Deine Brüder nach der Menfchheit / die find zu dir Fommen : Das 
sand Egypten ſtehet dir offen ; das ift / das Himmelreich ; ſamt 
dem Keicheder Natur ſtehet dir offen / du bift mein Haushalter 
im Reiche der Genaden / und auch im Reiche der Natur menfch> 


licher Eigenfchafft / Tag fie am beſten Drte im Reiche der * 
den 











‚Eap-74: geſtellet ward / etc. 745 


den und im Reiche der Natur wohnen; und fo du ſieheſt / daß 
Männer unter ihnen ſeynd / welche tuͤchtig ſeynd / Die feße über 
mein Biche das iſt / welche unter ihnen tüchkig feynd / Die mache 
zu Ambtleuten im Reiche der Natur / dag fteüber meine Erras 
turen herrſchen / das iſt / ſetze fie in das Apoſtoliſche Ambt / daß ſte 
meine Heerden weiden / welche du inwendig in ihnen mit deinem 
Stabe weideſt; laß ſie aͤuſſerliche Suten ſeyn / und die Eigen⸗ 

ſchafften der Natur / als meine Schafe oder Viehe weiden und 
regiren. 

5. Alle geiſtliche Hirten in dieſer Welt ſitzen in dieſem Ambte 
des Batters/ fo wohl auch die Weltlichen / welche nur durch Chri⸗ 
ſtum ſeynd eingeſe tzet / durch weiche Chriſtus inwendig ſelber herr⸗ 
ſchet und regiret / die ſind alleſambt GOttes Ambtleute. 

6. Welche aber ohne den Ertz-hirten Chriſtum einſttzen in 
Aeubler/ die And alleſamt nur im Sande Canaan in der Theu⸗ 
rung des Zorns GOttes / und ſeynd nur freſſende Wölfe, einer 
wiederander / er fen geiftliches oder weltliches Ambts / er ſey E= 
Del oder Unedel / Fuͤrſt oder Vogt / Priefter oder Köfter / einer 
wiederander: Alleswasauffer GOttes Geift im Ambte heri= 
ſchet / das hersfhet der Selbheit und dem Gerichte GOttes: Wer 

nicht gedencket in feinem Ambte GOtt zu dienen / und fein Ambt 
zu verwalten als ein Hirte GOttes / der dienet dem Luciſer. 

7. Mofes fpricht weiter: Joſeph brachte auch ſeinen Vatter 
Jacob hinein / und ſtellete ihn fuͤr Pharao; und Jacob ſeeg⸗ 
nete den Pharao; das iſt / Chriſtus ſtellet auch das adami⸗ 
ſche Bilde vor GOtt / nicht allein die fuͤnff Sinnen / ſondern 
den gantzen Menſchen / und der ſeegnet SoOtt / das iſt / er danc⸗ 
ket GOtt / und bringet ihme Fruͤchte zum Lobe Gottes als 
einen Seegen: So ſaget dan GOtt in feiner Wuͤrckung: 
Wie alt biſtu? Und erfpricht / 230. Jahr iſt die Zeit meiner 
Walfahrt / wenig and boͤß iſt die Zeit meines Lebens / und 
langer nicht an die Zeit meiner Däfterimihrer Walfahrt: Und 
Jacob feegneteden Pharao / und gieng heraus von ihme. 

8. Alfo bekennet und beichtet der adamiſche Menfch vor GOtt 
feine böfe Zeit in der irrdiſchen Begierde / und füget es fey nureine 
Walfahrt / als ein frätes wandern und quälen in ſtaͤter Muͤhe 
und Unruhe / dadurch der Menſch GOttes Wunder wuͤrcket. 

9. Und Moyſes fpricgt weiter: Es war aber kein Brod in 

allen Landen / denn die Theurung war faſt ſchwer / daß das 
Land Egypten und Cangan verſchmachteten vor, der Theu⸗ 
zung; und Joſeph brachte alles ra zuſammen das in, £= 


gypten 


746 Wie Joſeph dem Pharao gang Cap. 74 
gypten und Lanaanfimden ward / um, das Getreyde das fie 
Faufften/und er thaͤt alles Geld in das Hau Pharao: Da nım 
das Geld gebrach im Sande £gypten und Cangaan / kamen slle 
Egypter au Joſeph / und ſprachen: Schaffe uns Brod / war 
um laͤſſeſtu ums vor dir ſterben / darum Daß wir ohne Geld 
ſeynd? Joſeph ſprach: Schaffet euer Diehe her/fo wil ich euch 
um das Diebe geben / weilihr ohne Geld feyd ; Da brachten 
jte Joſeph ihr Vieh / under gab ihnen Brod um ihre Pferde 
und Schaafe / Rinder und LEſel; alſo ernehrete er fie mit Brod 
diß Jahr umb allihr Diehe. 

10. Diefe Figur iſt fehr mächtig / undhatgroffen Verftand / 
wiewohl ſie ihme der thieriſche Menſch voll Geitz und Wucher ein» 
bildet / als ſey ſie für ihn / ſo iſt aber doch die wahre Figur gantz wi⸗ 
der ihn / gleich wie das Gleichnuͤß im Evangelio vom ungerechten 
Haushalter ſaget / Der Herr habe ihn gelobet / daß er alſo kluͤg⸗ 
lich getahn hatte. 

ıı. Diefe Theurung in Egypten und Cangaan / da alles Sand 
war verfchmachfet / prafiguriret den armen gefallenen Menfchen 
in Leib und Seel / welchen der Zorn Gottes hat ausgedorret/ daß 
er verfchmachtetift. Denn Egypten deutet ander Seelen Natur/ 
und Canaan des Leibes Natur: Der groffe Worraht des Getrey⸗ 
des / dehn Joſeph famlete/ und inder Theurung verfauffte/deutee 
andas Göttliche Genaden-wort; Das Geld der Egnpter und Ca⸗ 
naniter / darum ſie das Getreyde beym Joſeph Fauffeten / deutet 
an das erentürlihe Wort GOttes menfchlichen $ebens ; Das 
Viehe das ſie auch dargaben ums Brod / da fein Geld mehr war/ 
deutet an die bildfiche Eigenfchafft indes Menfchen geben, 


Die Figur ſtehet alfo: 

ı2. Wander Menfch in Seelumd $eib in diefe Theurung und 
indiefe Hungerssnoth ir GOttes Zorn und Ausdörrung Fomt/ 
fo hat er kein Labſal noch Troft/ dan fein Gewiſſen dörret ihn alfo 
in GOttes Zorn aus / fo muß er zum himmlifchen Joſeph ge⸗ 
ben / und dieſer Genaden-fpeife kauffen. 

13. Erftlich / weildie Seele fambt dem Leibe noch ein wenig 
Krafft und Troft in fich empfindet / ob fisgleich das Gewiffen na⸗ 
get) fo gibet fie diefem Haushalter SEfu Chrifto gute Wort / 
und bethet zu ihme / und Fauffet um creatuͤrliche bildliche Worte 
von Jo eph Speiſe; das deutet nun das Geld an / weil dieſe Wort 
nur wollen in der Einbildligkeit dem Gewiſſen ein wenig Troſt 
und Krafft geben / ſo kauffet die Natur der Seelen und des Leibes 

immer⸗ 








— 


C.7 Egypten eigenthuͤmlich erkauffte. 747 


immerdar umb ſolch Geld / Genade / und giebet dieſem Joſeph 
ein gutes Geſchwaͤtze mit einem einbildlichen Weſen und einem 
figurlichen Gebeth aus Gewohnheit / und lebet alſo von ſolcher 
— in Hoffnung. 

4. Wan aber die Angſt des Gewiſſens dieſe Hoffnung aus= 
——— daß ſolch kaltes Gebeth und hiſtoriſcher Glaube nichts 
mehr helffen wil / daß das Gewiſſen ſchreyet / du muſt im Zorne 
GOttes verſchmachten / esift kein Gebeth mehr Das vor GOtt 
gilt; Alsdan komt die arme Seele zu dieſem Jo ſeph / und ſpricht: 
Was laͤſſeſtu mich verderben Darum daß ich mein Gt Bebeth und 
Glauben nicht für dich bringen kan / damit ich moͤchte Speiſe für 
mein Leben befommen: Siehe meine Krafft ift dahin / ich ver> 
mag nichts / ich habe nicht mehr Worte / damit ich koͤnte Deine 
Genade erreichen. 

15. So fpricht alsdan der himmliſche Joſeph zur Seelen: 
Bringe deine Thiere / als Pferde/ Ochfenund Efelyer zu mir; 
fo wil ich dir Speife darum geben s das iſt / bringe alle deine irr⸗ 
diſche natuͤrliche Begierde und Bilder / falſches Vertrauen auff 
die Creaturen / als auff eigene Witz und Liſt in Falſchheit / zu mir / 
und aͤbergib mir dieſelbe alle / daß du ledig Davon ſeyeſt / fo wil 
ich dir Speiſe geben dag dus lebeſt / und wil auch deine Bildlig— 
—* der Gedanden fpeifen. Diefes ift alfo der Eingang dieſer 

igur. 

16. Und Moyfes fpricht weiters Dadas Jahr um war / ka⸗ 
men fie su ihm im andern Jahre / undfprachen zu ihm: Wir 
wollen unferm Herrn nicht verbergen / daß nicht allein das 
Geld / ſondern auch alles Viehe dahin iſt zu unſerm Hera / 
und iſt nichts mehr uͤbrig fuͤr unſerm Herrn denn unſer Leib 
und unſer Feld; Warum laͤſſeſtu ung vor dir ſterben und un⸗ 
ſer Feld / kauffe uns und unſer Land um Brod / daß wir und 
unſer Land leibeigen ſeynd dem Pharao / gib uns Sasmen 
daß wir leben und nicht fterben / umd das Feld nicht verwuͤſte. 
Diefesift nun der rechte Ernft / da der Menſch alles uͤberg giber? 
und fich felber gang ergiebet. 


Die Figur ftehet alſo: 

17. Wenn der Menſch alfp in der Gewiffens-thenrun g ſteh et 
dag nicht allein die Worte welche er vor GOtt ſaget / nicht mehr 
gelten wollen / daß er möchte Troft empfahen / fordern das auch 
endlich diefes dahin faͤllet / wan er fich b at aller bildlichen Be⸗ 
gierde entſchlagen / und dieſe Welt in der Begierde verlaſſen / ſo 

iz ſpricht 


* LE 7: 


748 Wie Joſeph dem Pharao gang C. 74 


fpricht denn Die arme Seele zum himmliſchen Joſeph: Ach mein 
Herr / was ſoll ich für dich bringen / daß ich deine Genade möge 
erlangen: Siehe / mein Gebeth empfindet Feine Krafft / und ob 
ich gleich habe die Welt verlaffen / und habe meinen thierifchen 
Willen übergeben / fo ftche ich doch in groffem Hunger vor dir / 
ich habe nichts mehr / als nur meinen Leib und Seele: Mein Her 
nim̃ es doc von mir zu dir / ich ergebe mich dir gang zum Eigen» 
thum: Gib mirdeine Genade / daß ich in dir möge feben / ich wil 
nich dir gantz mit Leib und Leben übergeben / und wildein Knecht 
im Gehorſam ſeyn. Gibdu mir nur Saamen/das ift/ gib du mir 

ur Willen und Gedancken / und für das Land meiner Natur / und 
fa meinLeben deinen Knecht ſeyn / daß ich mir ohne deinen Willen 
nichts mehr ſey / ſondern daß ich deinLeibeigen und dein Knecht ſey. 

18. Alſo iſt denn ſeiner genug / wenn er hat Leib und Seel 
mit Willen und Gedancken / und allem dem das er hat und iſt / 
gang dieſem Joſeph übergeben / daß er iſt als ein leibeigener 
Knecht Gottes / der nur hofſet was ihm fein Herz geben wil/ da 
alles Vertrauen auffdie Eigenheit gang übergeben ift; fo ift die 
Vernunfft recht getoͤdtet undhat der Teuffel feinen Stuhl im 
Menſchen verlohren; Denn er hat in der Gelaffenheit nichts eige> 
nes / und der Teufel kan anderft nicht dem Menfchen beykom⸗ 
men / als in der Begierde zur Eigenheit. 

19. Und Moyſes ſpricht weiter: Alſo kauffete Joſeph dem 
Pharao das ginge Sgyptenlandt / denn die Egypter verkauff⸗ 
ten ein jeglicher ſeinen Acker: Denn die Theurung war zu 
ſtarck uͤber ſie / und ward alſo das Landt Pharaoni eigen / und 
er theilete das Volck aus in dieStüdte von einem OrthEgyp⸗ 
gen biß ans ander/ausgenommen der Priefter Feld / das kauf⸗ 
fete ea nicht / denn es war von Pharao für die Priefter verord⸗ 
net / daß fte fich nehren folten von dem benanten dss erihnen 
gegeben Hatte] darum dorfften fie ihr Feld nicht verfauffen. 


Die Figur ftehet alfo: 

20. Chriſtus kauffet um feine Genade auff eine folche Art / 
wenn ſich der Menſch in diefer Hungerssnoht zu ihine nahet/feine 
gantze Natur mit allen Geftülten / und bringet alles was am 
Menſchen iſt wieder indes groflen Pharaonis/ als in GOttes⸗ 
Haus’ und machets GOtt feinem Batter wieder untertyunig. 

21. Dennin Adam ſeynd alle Menfchen treulog worden / und 
ſeynd in Eigenheit des Willens eingegangen, aber Chriſtus ers 
kauffet ihm die menfihliche Eigenheit wieder zu ſeinem Eigen⸗ 

thum / 





\ 
| 


J 


W 
En; 


- 


E.74. Egypten eigenthuͤmlich erkauffte. 749 


thum / und uͤbergiebet dieſe wieder GOtt feinem Vatter / und 
deutet recht an die Chriſtenheit / welche Chriſtus hat mit ſeiner 
Genade durch den Schatz feines theuren Bluths erkauffet / und 
zum Eigenthum gemachet / und hat nun ſeine Aembter ausge⸗ 
theilet / darinnen ihme die Chriſten dienen / und fein eigen find. 

22. Daß aber der Prieſter Feld nicht verkauffet ward / und 
da ß es Pharao nicht wolte kauffen / ſondern ließ es ihnen vor ei⸗ 
gen / das deutet an den innern Menfchen / welcher der Prieſter⸗ 
liche Tempel Chriſti iſt; dieſen kauffet GOTT nicht wieder zu⸗ 
ruͤck / er wil daß ihn der Menſch zum Eigenthum habe: Er bes 
gehret nur das Reich der Natur zum eigenen Knechte; aber den 
eingeleibten Genaden⸗grund / als den Tempel Chriſti laͤſſet er 
der Seelen zum Mahl⸗ſchatze / denn es iſt die Staͤtte GOttes / 
darinnen GOTT im Menſchen wohnet: Es Fan fie fein Menſch 
wicder verkaufen / verpfaͤnden / noch mit ſchweren vertenffen / 
denn fie gehöret zumewigen Einen / und nicht zur Ereatur Habs 
hafftigkeit / ſondern ift ein gefipendter Genaden⸗grund / da Ehri⸗ 
ſtus fein Ambt darinnen treibet / es iſt ſein Wohnhaus. 

23. Da ſpach Joſeph zu dem Volcke: Siehe / ich habe heut 
gekauffet euch und euer Feld dem Pharao / ſiehe / da habet 
ihr Saamen / und befaͤet das Feld / und von dem Getreide 
ſolt ihr den Fuͤnfften Pharao geben: Dier Theil ſollen euer 


ſeyn zu beſaͤen das Feld zu eurer Speiſe / und für euer Haus 


und Kinder; Siefprachen / laß unsnurleben / und Genade 
für dir finden / wir wollen gerne Pharao Leib-eigen ſeyn; Alſo 
machte Joſeph ihnen ein Gefege biß auff den heutigen Tag uͤ⸗ 
ber der £gypter Seld / den Fuͤnfften Pharao zu geben / aus= 
gengmmen der Priefter Feld / das ward nicht eigen Phsrsont. 
24. Diefe Figur iſt ein rechtes Bilde der Chriſtenheit / wels 
che Chriſtus hat mit feiner Liebe in feinem Blut erkauffet / da er 
per Chriſtenheit feine Genade und Gerechtigkeitanbeut zu geben 
fir ihre irrdiſche Bildlichkeit / daß fie ihme nur folldiefelbe übers 
geben Fund ſo das geſchiehet / fo fpricht Eriftus: Siche Hich habe 
heut / dasift / von nun an biß in Ewigkeit gekauffet alle euer irr⸗ 
diſche Bildung mir geib md Secle ; Ich habe euch mir zu ewigen 
Seibeigenen Knechten und Dienern mit meiner Genade von 
Hunger GOttes Zornserfauffet / ſehet / da habet ihr Scamen/ 
Das iſt / da habet ihr mein Wort / damit befüet den Acker euers 
Gewiſſens in Leib und Seel / dag dieſer Saame Frucht trage] 
und von dieſer Frucht ſolt ihr den Fuͤnfften Phargoni / das iſt / 
GoOtt / wiedergeben: Denn 4. — ſollen euer Speiſe ſeyn / 3* 
33 iſt/ 


75° Wie Joſeph dem Pharao can C.74. 
iſt / dieſer Saame ſoll euere 4. Elementa des Leibes / fo wohl die 4. 
Eigenſchafften des ſeeliſchen Feuer-lebens erquicken / und ſollet 
die ſen Saamen des Goͤttlichen Worts vierfach zur Erquictung 
cuers Lebens behalten / aber den Fuͤnfften ſolt ihr GOtt geben. 

25. Der Fuͤnffte deutet allhier gar heimlichen an die Fuͤnffte 
Geſtalt des natürlichen Sehens / als das Liebe-feuer im Liecht / 
welches aus den 4. Eigenfchafften erbohren und offenbahr wird / 
darinnen fichder uncreatürliche übernatürliche GOtt offenbah> 
ret: Diefelbe Geftalt gebährer nun die Göttliche Freude und das 
LobGOttes / darinnen die Seele ein Engel iſt / und SOtt lobet und 
dancket / daß er ſite hat aus dem Feuer-quall der Peinligkeit er— 
rettet / und hat fich ſelber mit ſeiner Liebe und Genade in ihren 
Feuer⸗quall eingegeben / und ſie in ein Liebe⸗ſeuer und Goͤttlich 
Liecht gewandelt. 

26. Dieſen Quell der Liebe / als die fuͤnffte Eigenſchafft des 
Lebens / darinnen die Seele ein Engel wird / gibet ſte nun GOtt 
wieder mit groſſem Lob und Danckſagung / dan ſie gibet die fünffa 
te Geſtalt Chriſto wieder zu ſeiner Wohnung;: Dan das iſt feines 
Worts Wohnung / darinnen das Reich GOttes in uns iſt / und 
da wir Tempel des heiligen Geiſtes ſind / der in ung wohnet: Und 
dieſe fuͤnffte Geſtalt im Lob GOttes fordert Chriſtus wieder von 
ſeiner Chriſtenheit / daß ſte dieſe ihme geben ſollen / daß er das Lob 
GOttes / als die Fruͤchte der Liebe ſeinem Vatter in das Haus 
der Goͤttlichen Krafft einſamle. 

27. Aber der Prieſter Feld / das iſt / den inwendigen Grund 
von der himmliſchen Welt Weſen / den kauffet er nicht mit ſeinem 
Blut / dan derſelbe hat niemahls die Turbam der Zerſtoͤrung an⸗ 
genommen / ſondern iſt nur im Fall Ade verblichen und in Un— 
zrund gangen / daß ihn die Seele nicht mehr zur Habhafftigkeit 
hatte / dan er war in der Seelen als wie todt / und da doch in GOtt 
nichts ſtirbet; aber die Seele war blind daran / auff Art wie 
GoOtt / als das ewige Eine durch alles iſt / und begreiffet ihn doch 
nichts als nur dieſes / deme er ſich mit in fein Weſen einergichet / 
da er ſich wil offenbahren. 

28. Dieſes verblichene Bilde oder Weſen iſt der Prieſterliche 
Acker / da GOtt ſein Wort und Saamen imParadeiß wieder ein⸗ 
ſprach oder ſaͤete / der wird nicht mit Chriſti Blut erkauffet / wie 
Die abgewandte Seele / ſondern er wird mit dem himmliſchen En- 
ze, mit Chrifti Fleiſch und Bluterfuͤllet / daß er Ehrifti Fleifch 
und Blut iſt / da der hohe Prieſter Chriſtus inne wohnet: Es iſt 
ſein ewiger Sitz / darinnen GOtt IM Menſchen offenbahr iſt / * 





4 
i 


©. 74. Egypten eigenthuͤmlich erfauffte. 757 


erift die Rebe an Chrifti Weinftorke / welche Gottes und nicht 
des Menfchen Eigentuhm ift. 

29. Wohlift fie im Dienfchen / aber nicht inder Habhafftig⸗ 
keit der feurifchen Seelen Eſſentz; fie hat ein ander Prinsipium 
als die Seele / und ift doch in der Seelen / und durch die Secle/ 
und ausder Seelen / auff Art wie das Liecht aus dem Feuer iſt / 
welches durch das Feuer / und in dem Feuer /und aus dem Feuer 
feine Offenbahrung hat/ aus welchem Liecht und Feuer eine Lufft / 
undausder Lufft ein Waͤſſerlein urftändet ; und daffelbe Waͤſ⸗ 
ferlein deutet an das Weſen diefes inwendigen Grundes/ welches 
dem Feuer wieder Nahrung / Speife / Glaſt und Schen gibf. 

30. Alfo auch von der Seelen zu betrachten iſt / alsihr das 

göttliche Liecht verlafch/fo erbahr fich diefes Weſen aus und inihr 
nicht mehr / fondern blich verblichen oder erlofchen ; fo hatte Die 
Seele keine göttliche Speife mehr für ihren Feuer⸗quell / dan fie 
hatte ihre Begierde heraus ins dritte Principiumgewandt / und 
war überwunden worden vom irrdiſchenLucifer und vom Sathan / 
als des Grimmes Eigenfchafft / nach der finftern Welt Eigen» 
fchafft/ im Loco dieſer Welt. 
.. 32. Diefer abgewandten Seelen Fam die Genade zu huͤlffe / 
diefe ward durch Chrifti Blut erkauffet / dan der Käufer tratt 
mit feinem@enaden-gelde in dig verblichene Bilde ein / und nahm 
es. an fich/ und fate fich der Seelen darinnen zum hohen Prieſter 
und Schrer. 

32. Und diefes Bilde war num diefes Priefters- Feld das er nicht 
kauffete / dan es war vorhin GOttes: GOtt fegete nur feinen ho= 
hen Prieſter Chriſtum darein / daß erdarinnen die arme Seele 
folte fpeifen und Ichren / dag fe nicht folte von der Eitelkeit eſſen / 
—— Bilde beſudeln / vertunckeln / und wieder zunichte 
machen. 

33. Und diefes iſts auch eben in der Figur bey Joſeph / dag er 
das Prieſter⸗feld nicht kauffete / auch fo ifis die Figur beym Mo⸗ 
fe undder Leviten / dag te ihr Feld und Acer behielten / und doch 
nur als Schen befaffen / welches alles den inwendigen Menfchen 
von der himmliſchen Welt Weſen andeutet/ welcher GOttes Ace 
ker iſt darein GOtt fein Genaden-wort / als Chrifti Geift eins 
füet / welcher Acker oder Wefen allein dem hohen- Pricfter Chri⸗ 
ſto gehöret zu befigen/ und nicht dem ereatürlichen Schen/ ſondern 
das creatürlihegeben empfaͤhet Krafft davon; es hats wohl in 
ſich aber es ift mit der Natur nicht ein Ding / gleich wie das 
Licht / und Die peinliche Quaal des Feuers nicht ein Ding iſt. 
314 34. Die 


ae 


* mi + a 2 _ 
752 Wie Jofephdem Pharao gang C. 74: 
34. Diefe Figur beym Joſerh /da er hat Vharae Egypten zum 
Eigenthum ertauffet / und fie zueigenen Knechten gemachet / iſt 
anders nichts andeutend / als daß uns Chriſtus werde von GOt⸗ 
tes Sorninter Iheurung unſers Verderbens / durch feine Gena⸗ 
de zur Leibeigenheit durch fein Blut erfauffen/ und werde uns ſein 
Wert zum Saamen geben/dag wir damit fein erkaufftes Gut / als 
unſer natürlich Sehen befaͤen. 

35. Und daron ſollen wir nun von dieſer Frucht ihme den 
Fuͤnfften / als die Liebe⸗gebuhrt / die fünffte Eigenſchafft des Le⸗ 
bens wiedergeben: dan in der fünfften Eigenſchafft ſtehet der 
Glaube / denfelten follen ihme feine Kinder wicderoeben : dieſes 
tamlet erin ſeines Batters Scheuren ein zum ewigen Lobe / und 
zur göttlichen Offenbahrung feiner Winter. 

36. Da$ aber die irndifchen Menſchen haben einefolche Leibei⸗ 
genheit gemacht / und einander vor $eibeigen halten/ und einander 
darinnen quaͤlen / marteren /umd den Schweiß außſaugen zu ih» 
rer Pracht und Hoffart/ das iſt ein Bilde des Zorns GOttes/ 
welcher ih auch nach der himmliſchen Figur bildet. 

37- Denn alle Dinge muͤſſen ih nach der Ordnung des Worts 
GoOttes bilden / es bilde ſich gleich ein Ding ins Boͤſe / als in Got⸗ 
tes Zorn / nach der Hillenseigenfhafft/ oder ins Gute Fin Hims 
mel/ ins Reich Chrifti / denn bey den Heiligen ift das Wort hei= 

> His /umd ben den Berkehrten/ iſts m GOttes Grimm offenbahr > 
was für ein Bold das iſt /einen ſolchen GOtt hatesauch / ſaget 
die Schrift. » 

38. Die irrdifchen Menfchen feken dar das Bilde.im Zorne 
GoOttes / indeme fie einander mitder $eibeigenheit quälen) mars 
teren /plagen / und daffelte für recht halten } fe itsim Grimm 
Der Natur in GOttes Zorne recht / und ift eine Figur der Hoͤllen / 
und iſt auch eine Figur des Reichs Chriſti der himmliſchen $eiber» 
genheit:Denn alles was der irrdiſche Menſch mit Dein und Quaal 
thut das thut Chriftus in feinem Reiche mit feinen Kindern / in 
Freude I Liebe / Demuth und Kraft. 

39. Der irrdiſche Menſch nimt feinem Bruder feine Arbeit} 
Atem ſeinen Willen und feinen Schweiß Jund Nahrung : Chri⸗ 
fius nimt auch feinen Kindern ihren böfen Willen /umd auch ihre 
Arbeit / indene fiein GOtt würden / und mit groffer Dein in 
groffen Aengften dahin dringen; diefe ArbeitnimtC Hriftusauch 
alle von ihnen Fund ſamlet fte in feinen Schatz ⸗ Kaſten⸗ Er durch⸗ 
forſchet auch ſeiner Kinder Leib und Seele / wo nur ein Fuͤncklein 

Hl das ihme würden und dienen kan und wil / das m 
3 


E. 74. Egupten eigenthuͤmlich erfauffte. 753 
thiget er e göttliche Hoff=dienft / als in Weinberg Chrifti. 

40. Erentzeucht ihnen auch offtedie Genaden⸗ ſptiſe / und läfz 
fet ſie datnach Hungern und jamanern/ und laͤſſet fie im Elende is 
tzen / und quälet fie / dag-fie nrüffen in groſſen Aengſten / in Jam⸗ 
mer / Furcht und Zittern? fuͤr ihme InGötrlicher Arbeit würden: 
denn der alte Adams⸗Eſel wil ungern das göftliche Arbeiten. 

41. Darumb wirder offte gezwungen] dag die Straffe und 
Draͤuung immer hinter ihme heriff/ da ihme Chrifti Geift ine 

ewiſſen mit der Höllen und GOttes Zorn draͤuet; gleich wie 
auch die irrdiſchen Herrn auff Erden mit ihren Untern thun / wel⸗ 
He wohlinder Figur Chrifti ſtehen / aber das Auibt iſt ungleich. 

42. Chriftus ſamlet ſeinem Batter / durch das Würden ſei⸗ 
ner Kinder viel hunmliſcher Früchte ein welche der Menſch wird 
wieder bekommen und dieſelbe ewig genieffen; Aber ein weltli= 
er Herr famlet durch der Armen Arbeit und Schweiß nur 
Geld und Gut in feinen Kaften / zu frinen eigenen Ehren/ welche 
Arbeitder arme Mann in diefer Welt nicht mehr genieffen kau: 
Aber Ehriftus iſt doch fein sohn / indeme er der Figur GOttes 
Zornes allbierim Elendedienen muß. 

"43. Aber am Ende / dadie indifchen Aembter ſollen auch in 
ihre Scheure eingeſamlet werden / in ihres Herrn Schatz⸗kaſten / 
deme fie damit haben gedienet / da werden ungleiche Behalter 
ſeyn / es wird mancher ſehr viel dem Reiche GOttes Zorns haben 
eingeſamlet / und davon wird ihm in Ewigkeit wieder ſeine Spei⸗ 
ſe gegeben werden / als der Fluch des Bedraͤngten; Item die 
Marter/ Furcht / Pein und Unruhe der Armen / das ſie allhie 
mit ihrem Treiben durch Den Untern würden das wird ihnen 
nach dDiefer Zeit auch zur ewigen Speift gegeben werden: Denn 
was ciner alliyie ausfäct/ das wirderin ewigen Leben in ſeincr 
Scheure finten. 

44. Alle Aeınbter diefer Welt ſind GOttes / und alle Ambt⸗ 
leuthe vom Keyſer big auf den Geringſten / find GOttes Ambt⸗ 
leuthe: aber fie dienen ihme ungleich / einer dienet ihme in feiner 
Liebe als cin Diener Ehrifti/ der ander dienet ihme in ſeinem 
Zorn / als ein Diener der Hölen. 

45. Alles was feine Eigenheit indiefen Aembtern ſuchet / und 
nicht gedenket GOtt und feiner Ordnung / und Den Menſchen 


darinnen zu dienen / das dienet dem Zorne GOttes / und ſamlet 


in die Hölle. 

46. Dan alle Schaͤtze der Fuͤrſten und Gewaltigen ſollen zer 
gemeinen bruͤderlichem Nuse geſamlet ſeyn / zu Unterhaltang 
sis ur 


754 Wie Joſeph dem Pharao gantz E74: 
der guten Ordnungen und Aembter / auch der Elenden und 
Schwachen / daß gleichwie ein Haus⸗wuͤrth mitdem feinen wuͤrc⸗ 
ket und arbeitet / und doch den Nutz zu ſich zeucht / und aber alle 
feine Diener und Helffer Damit verſorget / ſpeiſet und naͤhret / 
und das uͤbrige zu einer gemeinen Nohtdurfft fuͤr ſich / ſein Weib 
und Kinder / und worzu er deſſen moͤchte duͤrffen / oder fuͤr arme 
Leuthe laͤſſet liegen: Alſo iſt auch der Aembter ſamlen: es ſoll al⸗ 
les zum gemeinen Nutz geſamlet ſeyn / oder iſt cin Schatz des 
Zorns GOttes / und wartet des Urtheils GOttes. 

47. Daß aber der Gewaltige anjetzo alſo zu feinen eigenen Eh⸗ 
ren / zur Wolluſt und Hoffart ſamlet / und den Elenden deßhal⸗ 
ben deſto ſehrer quaͤlet und ausſauget / daß er nur damitte moͤge 
Hoffart treiben / und den armen Untern hält Ms einen Hund / 
und in ſeinem Hertzen ſaget: Sie ſeynd mirs ſchuldig / ich habe 
es erkaufft oder ererbet / ich habe es zu rechte / das geſchiehet alles 
miteinander im Zorn GOttes / ſie dienen in ſolcher Eigenſchafft 
3 nur dem Sathan / als in der Figur GOttes Zorns / keiner 
beſſer. 

48. Alle Eigenheit gehoͤret indie Hölle / mache es wie du wilt— 
Es gilt vor GOtt Fein ſcheinlich Abreden / du ſamleſt indie Hoͤl⸗ 
ke: GOtt fordert des Hertzens Grund / und wil getreue Ambtleute 
haben. 

49. Aber der Elende ſoll wiſſen / daß er in ſolchem Zwang und 
Dienſte / fo er das ohne Murren in Treuen tuht / auch feinem 
Herren Epriffo dienet; Dan GOtt zeucht ihn Damit von diefer 
Welt weg / daß er ſeine Hoffnung in das künfftige feßet/ und in 
diefer Dienftbarfeitder Hande) ſamlet er ihme mit feinem Gebe⸗ 
the in dieſem Sammer Haufe feinen himmliſchen Schaß / daß fo 
er in derfelben Zeit diefer Drangfal in Wolluſt des Fleiſches 
ſtuͤnde / er nichts gutes fanlen würde; Darum müffen denen die 
Gott lieben alle Dinge zum beften dienen. 

50. Alſo ſoll man die Figur unter Jofephs Befchichte verftchen; 
wiswoldie Sefchichte mit groſſem Fleiß iſt nach der innern Fi- 
gur befchrieben worden / nach Eingebung des Beiftes GOttes / 
welcher allegeit mehr auff Chriſti Reich deutet / als etwan auff ei⸗ 
ne Hiftori einer fchlechien Geſchichte. 

52. Dandie Bibliſchen Geſchichte ſtehen nicht nur chen dar 
windar / daß man ſoll der alten Heiligen schen und Thaten fehen/ 
wie Babelmepnet: Nein >: Das Reich Chriſti ift uͤberal damit 
abgebildet / ſowohl auch das Neich der Höllen: die ſichtbare Fi⸗ 
gitr weifet immmerdarauff die unfichtbare / welche in dem geiſt⸗ 

Eichen Menfchen offenbapr werden folk, 52. Moy⸗ 





E.74. Egypten eigenthuͤmlich erkauffte. 755 
r 52. Moyſes vollendet nun allhie die Figur mit der neuen Wie⸗ 
dergeburt unter Joſephs Geſchichte / und ſpricht ferner: Alſo 
wohnete Iſrael in Egypten im Lande Goſen / und haften es 


‚ innen / und wuchſen und mebreten füch fehr / umd Jacob les 


> 


* 17. Jahr in £aypten / daß fein gantzes Alter war 147. 
Jahr. 

53. Da nun die Zeit herbey kam / daß Iſrael ſterben ſolte / 
rieff er ſemem Sohn Joſeph und ſprach zu ihm: Habe ich 
Genade vor dir funden / ſo lege deine Hand unter meine 
Huͤfften / daß du die Liebe und Treue an mir thuſt / und be⸗ 
grabeſt mich nicht in Egypten / ſondern Ich wil liegen bey 
meinen Vaͤttern / und du ſolſt mich aus Egyptenland fuͤhren / 
und in ihrem Begraͤbnuͤß begraben ; er ſprach / Ich wil tuhn 
wie du geſaget haſt; Er aber ſprach: ſo ſchwere mir / und er 
ſchwur ihm; da neigete ſich Iſrael auff dent Bette zu den 
Haͤubten. 

54. Diefes iſt nun eine gantz heimliche Figur; und deutet auff 
die Aufferſtehung der Todten / da die Seele ſoll wieder zum Leibe 
kommen / und der Leib wird rein und heilig ſeyn: Dan das Land 
Canaan/ welches auch voll Greuel der Heyden war / deutet an 
den irrdiſchen Leib; und Egypten / da Pharao wohnet / und Jo⸗ 
ſeph Haushalter iſt / deutet an die Seele welche in Gottes Wort 
wohnet / als bey dem ewigen Koͤnige. 

55. Und ſehen in dieſer Figur gar fein abgebildet / wie Adam⸗ 
Seele ſich hat mit der Luſt / in das irrdiſche Canaan des irrdiſchen 
Leibes gewandt / und ven GOtt abgewandt / ſo muſte nun die See⸗ 
le wieder in Egypten in die Buſſe zum Joſeph / als zu Chriſto / 
und zum König Pharao / als zu GOtte; und allda wird fie ange⸗ 
nommen als ein Genaden⸗kind zur Leibeigenheit / daß fie wolte 
GoOtt gehorſam / und fein Knecht und Diener ſeyn / und muſte 
das irrdiſche Canaan / als den Boͤſen Leib mit ſeinem Willen und 
Geſchaͤfften verlaſſen / wie Iſrael muſte Canaan verlaſſen. 

56. Aber nachdem er fterbenfolte/ ſo wolte er feinen Leib im 
Lande Eanaan haben / daß er alldahin begraben würde: Das 
deutet an / daß der irrdiſche Leib muͤſſe in feine Mutter die Erde 
begraben werden / und wieder in ſeine erſte Mutter kommen; und 
deutet an / daß die Seele ſolle wieder aus Egypten / als aus der 
Dienſtbarkeit des Buſſe-quaͤlens zum Leibe in die Ruhe kom⸗ 
men / dan aus Canaan muſten die Heyden vertrieben werden / als 
Iſrael wieder darein zog:Alſo auch muͤſſen die Greuel in der Ei⸗ 
genſchafft des Leibes verzehret / und alle falſche Begierde getoͤdtet 

316 wer⸗ 


75 6Joſeph erkaufftdem Pharao dasLand. E.74 


werden / ehe die Seele wieder zum Leibe komt / und darinnen woh⸗ 
nen wird. 


57. Und iſt gewaltig abgebildet / wie ſich der Seelen Wille 


in dieſer Zeit folle und muͤſſe von irrdiſchen Canaan als von der 
Sit des Leibes abbrechen/ und wieder zu GOtt durch ernſte Buſ⸗ 
fe eindringen / da dan die Seele recht in Egypten / als cin armer 
Dienftbarer Knecht in viel Angft und Qualen ſeyn mug; aber 
am Ende / wander Leib fterben foll/ fo begehret lie auch mit aus 
dem Dienftshaufe / als ausder Quaal der Buffe/ und wil wieder 
in das erfte adamifche reine Bilde das GOtt ſchuff / wie Jacob 
wolte bey feinen Bättern liegen / da er doch haͤtte in Egypten fo 
gut gelegen: Aber der Geiſt ſtund in der Figurder Wiederbrin⸗ 
zung / wie der gantze Menſch ſolle wieder in das erſte von GDLE 
geſchaffene Bilde gehen. 

58. Daß aber Jacob einen Eyd von Joſeph forderte / daß er ihn. 
wolte wieder in Canaan zu ſeinen Vaͤttern begraben; deutet an 
den Eyd / welchen Gott mChrifte mit dem Menſchen gemachet hat 


dah ſtch Gott hat mit ſeinem Worte der Liebe mit dem Menſchen 


verleibet / und verteufſet / als einen ewigen Eyd / dieſen Eyd for⸗ 
derte Jacob von Joſeph / als von der Figur Chriſtt / und begeh⸗ 
zete er ſolte ſeine Hand unter feine Huͤffte legen und ſchweren. 

59. Diefesift nun die Figur / wie Chriftus folte feine Hand / 
das iſt / feine Kraft und Wiacht als das ewige Wort / welches die 
Handift die alles gemachet hat / in des Menfchen Efleng / im: 
Lib und Seel einlegen / und nicht allein darein / fondern auch 
unter die Hüffte/ als unter Menfchen Gewalt / und ſich den 
Menſchen zum Eigentuhm geben und darein ſchweren / dasift / 
fich alfo verbinden / daß er wolle den ganken Menfhen/ wan er 
allhie deg zeitlichen Todes abgeflorken ift/ wieder in das erſte Erb⸗ 
land / darinnen Adam in der Unſchuld wohnete / als ins Para⸗ 
deis einfuͤhren / und den Leib und die Seele mit ſeinem Eyde in 
GoOtt begraben / als in die göttliche Ruhe. 

60. Dieſes deutet die Figur Jacobs an / da der Text ſaget / 
Iſrael habe in Egypten lange Zeit gewohnet / und ſich allda ge⸗ 
mehret > Und als Jacob habe ſollen fterben/fo habe er nach ſeinem 
Tod wieder ins Land Cangan zu ſeinen Vaͤttern begehret; daß. 
ein Chriſt oder Kind GOttes muͤſſe in diß Egypten / als in die 
Buſſe und Ausgang des irrdiſchen Willens gehen / und die Zeit 
ſeines zeitlichen Lebens darinnen bleiben / und viel guter Fruͤchte 
in ſolchem Lande zeugen / und alsdan ſo ſol ihn Chriſtus / als der 
Anunliſche Joſeph wieder in ſein rechtes Batterland zur Ruhe 

ana 


C.75. Jacob fergnet Joſephs Söhnel 1. 757 


einführen / als in das Rechte gelobte Sand / da Mitch und Honig 
der göttlichen Krafft innen fleuſt. 2 

6x. Und ift die gantze Geſchichte aller s. Bücher Moſis eben 
nur diefe Figur; der Ausgang aus Cangan / nnd der wieder-Ein⸗ 
zug in Cangan /iftnurdiefes: Wieder rechte adamiſche Menſch 
erde wieder mit groffem Heer und erworbenen Gute / in goͤttli⸗ 
her Würdung gefihehen/ ins ewige gelobte Sand einzichen / und 
wie er diefe Zeit muͤſſe ein dienſtbahrer Knecht des Zorns GOttes 
in diefem Egypten ſeyn / der ihn in feinem Zorn⸗ambte durch ſei⸗ 
ne Diener werde quaͤlen / martern und peinigen / und immerdar 
fuͤr Leibeigen halten / biß ihn der rechte Joſeph durch den zeitlichen 
Tod ins Paradeiß in die Ruhe wieder einfuͤhren werde. 


Das 75. Capittel. 


Wie Jacob die zween Soͤhne Joſephs vor ſeinem Ende 
geſeegnet / und den Juͤngſten dem Aelteſten vor geſe— 
Ber habe / was darbey zu verſtehen ſey. 


Genef. 48. 
Y. Oyſes fpriht: Darnach ward Joſeph geſaget 


fiehe dein Vatter iſt kranck: und er nahm mis 

Ach feine beyde Söhne) Manaſſe und Ephraim; 

Da ward Jacob angefüger: fiehe dein Sohn 

Joſeph komt zu Dir; und Iſrael machere fich 
ſtarct / und faste fich im Bette / und fprach zu Tofeph: Der 
Almöchtige GOtt erfihten mie zu Lus im Sande Canaan / 
und ſeegnete mich und ſprach zu mir; Siehe / ich wildich 
achten laffen und mehren] und wiLdich zum Hauffen Volcks 
machen / und wil DIE Land zu eigengeben Deinem Saamen 
nach Mr ewiglich: So follen nun Deine zween SoͤhneSphraim 
und Manaſſe / die dir gebohren ind in Egyptenland / ehe ich 
herein kommen bin au die / mein ſeyn / gieich wie Ruben und 
Simeon / welche du aber nach ihnen zeugeſt / ſollen dein ſeyn / 
und genennet werden wie ihre Bruͤder in ihrem Erbtheil. 

2. In dieſer Figur ſtehet nun der Ertz-⸗ vatter Jacob wieder im 
Ziel des Bundes / darsin ihn GOtt in Mutterleibe geordnet 
hatte; alser hatte feinen Lauff inder Welt vollendet mit der Fi⸗ 
gur vom Reich Ehrifti und feiner Chriftenheit/ fo bildete fich fein: 
Seift wieder in das Ziel des Bundes’ und ſeegnete durch das Zick 

377 des 


758 Kacob feegnet Joſephs Söhnel Cap. 75. 
des Bundes feine Kinder und Kindesskinder/und deutete auff die 
zukünfftige Zeit wie es mit ihnen gehen folte / dasift/ Er redete 
aus der Wurtzel / und deutete an die Aeſte und Zweige diefes 
Baums / welhen GOtt im Paradeig wieder nach dem Abfalle 
gepflantzet /und mit Abraham offenbahr gemachet hatte : fo ſtund 
Sacob im felben Stamme / und deutete aus dem Geiſte diefes 
Baumes auff ſeine Aeſte und Zmeige/fonderlich aber mit Joſephs 
beyden Soͤhnen / welche beyde er wieder zuruͤcke in feine Wurtzel 
einſetzte / daß ſte ſolten ſeine Soͤhne ſeyn wie Ruben und is 
meon. 


Dieſe Figur ſtehet alſo: 


3. Jacob ſprach zu Joſeph: Der Allmaͤchtige GOtt er⸗ 
ſchien mir zu Lus in Sande Canaan / und ſeegnete mich / und 
ſprach zu mir: Siehe ich wil dich wachſen laſſen und meh⸗ 
ren / und wil dich —— Volcks machen / und wil 
dig Sand zu eigen geben deinem Saamen nach dir ewiglich. 
In diefer Figur redet nun der Geift nicht allein von der Erb> 
ſchafft des auffern Sandes Cangan; fondern auch von der Erb> 
ſchafft des Neihs Ehrifti/ unter diefem Cangan verflanden / 
denn er faget: GOtt habe ihme und feinen Kindern diß Sand zum 
ewigen Befig gegeben / welches fie anjetzo eine lange Zeit nicht in⸗ 
ne over erblich gehabt haben: da denn in dieſer Figur / das Reich 
Chriſti verftanden wird /welchescwig währen foll. | 

4. So nahm nun Jacob die 2. Söhne Joſephs / und ſetzte ſie in 
ſeine Wurtzel / in die Erbſchafft dieſes Reichs ein / und darzu in 
feine erſte Krafft / wie Ruben und Simeon feine erſten Söhne / 
welches andeutet / wie Joſephs / das iſt / Chriſti Kinder im Glau⸗ 
ben und Geiſte / welcher Natur doch vom verderbten Adams⸗ 
Saamen kommen ift/ wieder durch den Glauben in die erfte 
Wurtzel des Bundes GOttes eingepflantzet werten follen: Denn 
Adam hatfeine Zweige und Kinder mit fich in das Reich GOttes 
Zornsgefeget; aber der Bund unddie Genade nimt dieſe adami⸗ 
ſche Zweige / und feßet fie wieder zuruͤcke ins Bilde GOttes ein / 
deffen Figur Jacob mit Joſephs Söhnen allhier darſtellet. 

5. Und Iſrael ſahe Die Söhne Joſephs / und fprach / wer 
find die? Joſeph antwortete feinem Vatter: £s find meine 
Söhne) die mir GOTT gegeben hat. Das iſt / der Ge⸗ 
naden=bund war frembde gegen der verderbten Natur / und 
fprach : Wer find dieſe Kinder der Natur in ihrer Selbheit / ha> 
ben fie fich Doch von GOtt abgebrochen: Aber Joſeph inder Fi⸗ 

gur 


— 


C.75. und ziehet den Juͤngſten vorr. 7359 


gur der Menſchheit Chriſti ſprach: Es ſind meine Kinder die mir 

Gott in dieſer Welt Reich gegeben hat / und der Bund der Ge— 
naden in Jacob ſprach: Bringe fie her zu mir / daß ich fie ſeegne 
Das ift / dag ich fie mit der Genaden falbe / das ift / Chriſtus ſol⸗ 
le fie zu GOtt führen / dager fie wieder fergnete. 

6. Und Mofes fpricht ; dan die Yugen Iſraelis waren dun⸗ 
Eel worden vor Alter ; das ift / die Natur in des Batters Ei» 
genfchafft der feclifihen Ereatur war verdunckelt und veraltet / 
und folches darum / daß fich der ſeeliſche Ens hatte in die Zeit ges 
bildet / denn alles was in der Zeit lebet / das veraltet und vers 
dunckelt: aber der Bundin Jacob veraltet nicht / der Bund wol⸗ 
fe die Söhne Joſephs mit der zufünfftigen Offenbahrung der 
Krafft im Namen Jeſu ſeegnen; und Zofeph welcher im Bilde 
der Menfchheit Chrifti ſtund / ſolte ſie zu dieſem Segen führen z 
dan die Menfchheit Eprifti fünret Adams Kinder zum Seegen 
GoOttes / wie allyie Joſeph feine Söhne zum Bunde Gottes in 
Jacob. 

7. Moſes fpricht weiter; SEr aber kuͤſſete fie/ und hertzete fie/ 
und ſprach zu Joſeph: ſiehe ich habe dein Angeſicht geſehen/ 
Das ich nicht gedacht haͤtte / und ſtehe GOtt hat mid) deinen 
Sgamen ſehen laſſen uñ Joſeph nahm fie von ſeinerSchooß / 
und neigete ſich zur Erden gegen feinem Angefichte.Das iſt fo 
viel in der Figur: Als Joſeph im Bilde der Menfchheit Chriſti 
feine Söhne zu ſeinem Vatter als fürn Bund GOttes brachte? 
fo nahm fie der Bund indie Arme oder auf die Schooß feiner Bes 
gierde als in GOttes Eflens / und füffete fie mit dem Kuffe der 
Liebe / welche GOtt in Chriſto wolte offenbahren / und des Bat 
ters Gerechtigkeit im Wort der Macht fprach zur Seelen EL 
ſentien / fiche du wareſt vor mir vertunckelt / und nun habe ich 
wieder dein Angeſicht durch die Liebe und Genade Gottes geſehen / 
das ich nicht dachte: denn ich dachte die Seele in der ſtrengen 
Macht GOttes Zorns zu halten / dieweil GOttes Auge mit ih⸗ 
rem Abwenden in ihr war weggangen / fo war ſte in GOttes Ge⸗ 
rechtigkeit von GOtt getrannt: Nun aber habe ich wieder der 


Seelen Angeſicht / durch GOTTes Liebe in der Genade GOt— 


tes geſehen / und fiche GOttes Liebe Hat mich den Saamen dieſes 
Genaden-bumdes fehen laſſen. 

8. Und der Geift Moyſis fpricht : Und Tofeph nahm fie 
von feiner Schooß / und neigete fich zur Erden vor feinem 
Angefichte ; das iſt als das Wort Menſch ward/fo nahm Chri⸗ 
ſtus dir Seele von der Schooß des Vatters / als aus des Date 

ters 


2 [I ” 
760 Jacob feegnet Joſephs Söhnel E.7 5. 
ters Natur in fich / und tratt in creafürliche Art mit der anges 
nommenen Menfchheit für GOtt den Batter / und neigete / das 
iſt / demuͤthigte ſich mit der angenommenen Seele / als GOtt und 
Menſch in einer Perſon / biß zur Erden / das iſt / biß in den Tod / 
und tratt gegen GOttes Angeſichte mit unſerer angenommenen 
Seele / das iſt / Er fuͤhrete der Seelen Willen durch die einge— 
fuͤhrete Krafft der Gottheit wieder zuruͤcke in die gelaſſene Des 
muth fuͤr GOttes Auge. 

9. Und Moyſes ſpricht weiter: Da nahm ſie Joſeph beyde / 
Ephraim in ſeine rechte Hand gegen Iſraelis lincke Hand 
und Manaſſe in feine lincke Hand gegen Iſraelis rechte 
Hand) und brschte fie zu ihm. Diefes iſt nun die theure Fia 
gur des groffen Ernftes GOttes / wieder Menfch ſey wieder ges 
ſeegnet worden :z Denn Ephraim war nicht der Erftgebohrne / 
fondern Manaſſe: Aber Jacob legte feine rechte Handauff des 
Juͤngſten Haubt; Joſeph aber nahm Ephraim in feine rechte 
Hand und Manaffe in feine linde Hand) auffdag er mit dem 
Erfigebohrnen für Jacobs rechte Hand ſtunde / und mit dem an— 
dern für Jacobs linde Hand / aber Jacob wendete ven Willen 


Sofephs mind, 
Diefe Figur ftchet alfo : 

10. Das Wort ward Menſch / verſtehet das unnatuͤrliche un⸗ 
creatuͤrliche Wort GOttes offenbahrete fich in dem creatuͤrlichen 
Worte GOttes der Seclendes Menfchen/und nahm an fich das 
verblichene Lichts-bilde / und machete es in fich, lebendig / und 
ftellete esin GOttes linde Hand / als indes Vatters Zorn cin / 
Das heiffet allyie / er ſtellete den jüngften Sohn als Ephraim für” 
Jacobs / als vor GOttes linde Hand / und nahm ihn aber in fei> 
ne rechte Hand. 

11. Dann Chriſtus nahm den eingeleibten Genaden⸗bund in 
dem verblichenen Himmels⸗bilde / welcher eingeleibter Genaden⸗ 
bund im Menſchen der juͤngſte / als der neue Menſch war / in ſei⸗ 
ne rechte Hand / als in die höchfte Siebe in Namen JEſu ein / 
und traͤtt mit dieſem neuen Menſchen aus dem Genaden-bunde 
fuͤr GOttes lincke / als fuͤr GOttes ſtrenge Gerechtigkeit im 
Zorne / daß er moͤchte die Seele / als die erſte Gebuhrtverföhnen/ 
und die Seele / als die Erſtgebohrne / nahm Chriſtus in ſeine 
lincke Hand / das iſt / er nahm das erſte Principium „welches zu⸗ 
vorhin hatte das Ober⸗recht und den Gewalt gehabt / und ſtellete 
es unten an / daß feine Gewalt / als der eigene Wille / ſollte hin⸗ 


tennach gehen / uñ in die Demuth für GOttes richte Hand 
E 12. Dañ 





C.75. und ziehet den Züngitenver. 761 


z2. Dam diefe zween Söhne Joſephs deuten allbierecht air 
den innern geiftlichen Menſchen / als die feurifche Seele / welche 
der aͤlteſte Sohn iſt; und den Geiſt der Seelen / als des Liechtes 
Krafft / weichesden andern Sohn andeutet / als die zwey Princi- 
pia : Diefes fleilete Jofeph / das iſt / Chriſtus / für GOtt / und 
nahm den Geiſt / als das andere Principium, in feine Nechte J 
als in feine Liebe / und ſtellete ihn mit feiner Liebe für GOttes 
Lincke / als für einen Zorn / dann cr ſollte der Schlangen den Kopff 
zertretten; und die Seele ſtellete er für GOttes Rechte / daß ſie 
ſollte GOttes Scegen von GOtt empfangen / das iſt / daß ſich 
ſollte GOttes Liebe aus der Seelen ofſenbahren; aber dieſes 
mochte nicht ſeyn: Dann Moyſes ſpricht: Aber Iſrael ſtreck⸗ 
te feine rechte Hand aus / und legte fie auff Ephraims des 
jüngsten Haubt / und feine lincke auf Manaſſe Haube / und 
thaͤte wiſſcutlich alfo mit feinen Haͤnden / dann Manaſſe war 
der Erſt⸗gebohrne. 

13. Das iſt in der Figur ſo viel: GOtt wolte nicht mehr tes 
erſten Gebuhrt / als der feuriſchen Seclen / das Regiment geben/ 
dieweil ſie hatte ihren Willen von GOtt abgewandt / ſondern 
legte feine Hand der Krafft und Ailmacht auff den andern / als 
auff des Liechtes Bild / welches in Chriſto in feiner Liebe wieder 
lebendig ward: Dieſem gab er nun den Gewalt der Goͤttlichen 
Krafft / daß die Seele unter Ehriſto ſey / dann im Liechts-bilde 
wird Chriſtus verſtanden / und auff ihn legte GOtt die Hand ſei⸗ 
ner Allmacht und Genade; und auff die Seele legte er feine 
Lincke / dag fie foll ein Knecht ſeyn / und ein Diener der Ge⸗ 
naden. 

24. Alfo ward die erfte Gebuhrt hinten nach / als in die Une 
terthaͤnigkeit / und die andere empor ins Regiment gefegets und 
allhier iſt die Figur davon Chriftus ſagte: Vatter / die Menſchen 
waren dein / das ift/fie waren aus deiner Natur Eigenſchafft / aber 
du haſt ſie mir gegeben: dañ der Vatter gab Chriſto den hoͤchſten 
Seegen und Gewalt / dadurch die feuriſche Seele ihr Regiment 
des eigenen Willens verlohr. 

ı5. Und Moyſes ſpricht: Jacob thaͤt wiſſentlich alſo / das iſt / 
der Bund G ttes wuſte es in Jacob / daß es GOtt alſo haben 
wolte: Mit feinen leiblichen Augen konte Jacob die ſe beyde Kna⸗ 
ben nicht wohl erkennen vor Alter / aber mit den Augen des Bun⸗ 


des GOttes ſahe er ſie / und kannte ſie / dañ GOttes Geiſt in ihme 


thaͤt dieſes. 
26. Und er ſeegnete Joſeph und ſprach: GOtt / vor dehme 
mei⸗ 


. : . © 

762 Jacob ſeegnet Joſephs Söhnel CE. 75: 
meine Vaͤtter Abraham und Iſaac gewandelt haben / GOtt / 
der mich mein lebenlang ernehret hat biß auff dieſen Tag; 
Der Engel / der mich erloͤſet hat von allem Ubel / der ſeegne die 
Knaben / daß ‚fie nach meinem und nach meiner Dätter A⸗ 
brabams und Iſaacs Namen genennet werden / daß ſte wach⸗ 
ſen und viel werden auff Erden. 


Dieſe Figur ſtehet alſo: 


17. GoOtt der Liebe ſeegnete den eingeleibten Genaden-bund / 
aus welchem ſollte Chriſtus / als der himmliſche Joſeph / kom⸗ 
men / wie allhie Jacob mit ſeinem Seegen an Joſeph anfieng / 
und ſeegnete Joſephs Soͤhne durch Joſephe: Alſo ſeegnete GOtt 
auch durch den Namen JEſu die Seele und den Geiſt / dann 
GOtt hat ihme den Namen JEſu zu einem Genadensthron 
fuͤrgeſtellet md durch denfelben Genaden » thron fergnete er 
Chriſti Kinder und Glieder nach der Menſchheit /und machte 
allhie in den Worten des Seegens zwifchen den Kindern keinen 
Unterſcheid / anzudeuten / dag die Seele foll mit dem Geiſt in 
Ehrifto gleicher Genaden und Gaben genieffen ; allein den Ge⸗ 
walt gab er ver neuen Wiedergebuhrt aus dem verblichenen 
Himmels-bilde / dag die Seele folldurc Krafft der neuen Wie— 
dergebuhrt würden / und fich mit derfelben aufibreiten und groß 
werden Das ift/ dag der feelifche Baum mit feinen Aeften fol 
aus dieſem Seegen wachfen. 

18. In den Worten dieſes Seegens iſt ein ſolcher Verſtand: 
der eingeleibte Genaden-bund in Krafft des Wortes ſprach die 
Krafft aus / und faffete in Jacob feinen Leib / Seel und Geift in 
eines / und ſprach fich dadurch aus auff vie Kinder Joſephs: 
GOtt vor dehm meine VaͤtterAbraham und Iſaac gewandelt has 
ben / das iſt / durch den Willen / welchen meine Batter zu GOtt 
gerichtethaben/ mit dehme fie haben vor GOtt gewandelt: Item, 
durd die Kraft GOttes die mich mein lebenlang ernähret haf 
biß auff Diefen Tag: Irem , der Engel der mich erloͤſet hat von 
allem UÜbel / der ſeegne die Knaben. Das ift/ er ſeegnete fie durch 
Göttliche und menſchliche Krafft Durch den Engel des groffen 
Raͤths in Chrifto JEſu / welcher Engel don Menfchen erloͤſet 
hat von allem Ubel / dag fie ſollten nach dieſem Namen als Kinder 
des Bundes GOttes genennet werden/und in diefer Krafft wach» 
fen und groß werden. 

19. Da aber Joſeph ſahe dag fein Vatter die rechte Hand 
auff Ephraims Haube legte / gefiel es ihm übel/und faffete ſei⸗ 

[1447 


nd 


C.75. und ziehet den Juͤngſten vor. 763 


nes Vatters Hand / daß er fie von Ephraims Haubt auff 
Manaſſis Haubt wendere/nmd fprach zu ihm : Nicht fo mein 
Vatter /diefer ift der Erſtgebohrne / lege deine rechte Hand 
aufffein Haube : Aber fein Datter weigerte fich/ und ſprach: 
Ich weiß wohl mein Sohn / ich weiß wohl, dieſer ſoll auch 
ein Volck werden/und wird groß feyn/ aber fein juͤngſter bru⸗ 
der wird gröffer denn er werden / und fein Saame wird ein 
groß Dold werden. 

20. Mit der äuffern Figur deutet der Geift auff ihre Nach 
kommen / welher Stamm den andern würde in Gröffe und 
Macht übertreffen/ aber mit der innern Figur von der Umbwen⸗ 
dung und neuen Gebuhrt des Menfchen ſiehet er auff den innern 
Grund /wieder innere und juͤngſte Grund der eingeleibten Ge⸗ 
naden in Chrifto würde gröfler ſeyn / als ver Grund des erſten 
geſchaffenen Adamiſchen Menfchens. 

21. Das ſich aber Joſeph dieſes weigerte / und nicht gerne wolte 
daß der Juͤngſte dem Aelteſten vorgeſetzet ward / iſt dieſes in der 
Figur: Joſeph ſtund in der Figur der neuen Wiedergebuhrt / 
wie ſich in der Menſchheit Chriſti ſollte der inwendige Grund / 
als das ewig⸗ſprechende Wort durch unſere Seele heraus wen⸗ 
den / und der Seelen ihren Gewalt des eigenen Willens nehmen / 
und das wolte die erentürliche Seele nicht / daß ſie ihren Gewalt 
verluͤhre; fie wolte nicht gerne ans ſterben ihres eigenen Willens/ 
fonderr ihr erſt Natursrecht behalten. 

22. Wie wirdas an Chrifti Menfchheit Jalsander menfchs 
lichen Seelen ſehen / als fie jegt ihrer Selbheit fterben follte /und 
ihr Natur⸗recht übergeben ; fo fprach Chriftus am Delberge / 
Vatter iſts möglich / daß iſt / die menfchliche Seele in ihme aus 
des Batters Eigenſchafft im Worte ſprach: Vatter iſts moͤg⸗ 
lich / ſo gehe dieſer Kelch von mir / iſts aber nicht moͤglich / ich trincke 
ihn denn / ſo geſchehe dein Wille: Wie auch allhie Joſeph in dies 
fer Figur nicht gerne daran wolte / daß der Letzte dem Erſten 
vorgezogen wuͤrde. 

23. Der Text ſaget: Es gefiel ihm uͤbel; dem natürlichen 
Menſchen gefaͤllet es übel / daß er foll fein Natur⸗ recht überges 
ben/ und faffen das Reich ver Demuth in ihm herrſchen / cr wolte 
lieber felber Herz ſeyn / aber fein eigener Wille hat es verſchertzet / 
dag er wird hinten angeſetzet / denn es ift nicht möglich daß er 
GOttes Kind werde] er trinde denn den Kelch) Davon er des eige— 
nen natürlichen Willens erfterbe : Darumb fügte Chriftus 
Vatter / dein Wille gefchehe / und nicht mein natuͤrlicher * 

wilder 


764 Jacob feegnet Joſephs Söhmel C.75. 


miſcher menſchlicher Wille / ſondern GOttes Wille in meinem in» 
wendigen Grunde der geſchehe / und nicht meiner Adamiſchen 
Seelen Wille: Es ſoll und muß in GOtt gelaſſen ſeyn / das erſte 
Natur-recht muß hinten nachgehen / und Chriſtus vorher / ſonſt 
iſt keine Seeligkeit. 

24. Mit dieſem Vilde ſpielete der Geiſt GOttes bey Den Kin⸗ 
dern der Heiligen / wie ſich das neue eingeleibte Genaden⸗-reich 
wuͤrde empor ſchwingen / und wie das Reich der Natur wuͤrde 
hintennach geſetzet werden / denn ſo Chriſtus im Menſchen auff⸗ 
ſtehet und gebohren wird / ſo muß Adam Knecht und Diener ſeyn. 

25. Und deutet darneben / daß das Reich der Natur auch wür= 
de groß ſeyn / aber das Reich der Genaden noch gröffer / wie wir 
de ein Gleichnuͤß an einem groffen vicl-aftigen Baum haben / 
welcher durch die Natur viel Zweige und Aeſte zeuget / und dis 
Natur darinnen gewaltig ift/ aberder Sonnen Krafft iſt darin⸗ 
nen viel gewaltiger: Dann ſo diefe nicht mitwuͤrckete / fo Eönte 
der Baum nicht wachſen / auch keine Frucht tragen: Und ſchen 
klar daran / daß ſich der Sonnen Krafft muß empor winden / ſoll 
der Baum warhſen und feine Frucht reiffen und nuͤtz ſeyn: Alſo 
auch im Menfchen. 

26. Der Menſch iſt die Natur / und die Natur zeugetihn daß 
er in Form und Geftalt der Ereaturen komt / aber ver Verſtand 
muß in ihme herfuͤr kommen / welcher die Natur regieret und pfle⸗ 
get. Die Natur wil wohl daß ihre Begierde erfuͤllet werde / aber 
der Verſtand herrſchet über die Natur. 

27. Nun iſt aber die Natur cher als der Verftand/ die Natur 
gehetvorher / wann aber der Werftand kommt / fo muß fie hinten 
nachgehen: Alfo auch ın Dieter Figur beym Jacob und Joſeph 
vonder neuen Wiedergebuhrt zu verfichen ift / daß / wann der 
Göttliche Verſtand wirde im Menfchen wieder offenbahr wer⸗ 
den / fowürde die Natur hintennach gehen. 

28. Alſo feegnete er lie des Tages und fprach : Wer in Iſrael 
wi jemand feegnen/ der ſage: EOtt ſetze dich wie Ephraim 
und Manaſſe. In dieſem Texte iſts Sonnen-klar was der Geift 
in Diefer Figur deutet : Dann Ephraim und Manaffe wurden 
wi eder zurück indie Wurtzel Jacobs) das ift/ in Genadensbund/ 
welchen GOtt in ihme hatte offenbahret/ cingefeget 7 und wurden 
mitder Gebuhrt des Natur-rechts verwechfelt Jals der Juͤngſte 
ward vor den Ackteften gefeget : Alfo ſoll auch ver Seegen und 

Wunſch ſeyn bey den Kindern GOttes / daß ſte GOtt wolte aus 
dem boͤſen Adamiſchen Willen der Selbheit wieder zuruͤck in den 
para⸗ 


— 


— * Ei: i BEL 
C.75. und ziehet den Juͤngſten vor. 765 
paradiſiſchen Bund ſetzen / und wolte ſie verwechſelen / und das 
Genaden⸗reich in ihnen herfuͤr bringen / und über das Reich ver 
Ratur der erſten Adamiſchen Gebuhrt ſetzen: Wenn dieſes um 
Menſchen geſchicht / ſo iſt er wieder ein Kind GOttes in Chriſto / 
und ſtehet im Seegen GOttes. 

29. Liebe Rabbini und Meiſter der Buchſtaben / lernet doch 
nur die Figuren des Alten und Neuen Teſtaments verſtehen / und 
zancket nicht umb die aͤuſſere Huͤlſe der Woͤrter; ſehet auff den 
Haubt⸗grund warumb der Geiſt GOttes alſo redet / und war⸗ 
umb er ſolche Bilde darſtellet / und dencket ihme nach was dieſes 
andeute / daß der Heil. Geiſt in allen Figuren Chriſti immerdar 
den Juͤngſten vor den Aelteſten ſetzet / fahet an Cain und Habel 
an / und fahret durch aus / fo komt ihr zur Ruhe / und nimmt euer 
Streit ein Ende. 

30. Die Zeit des Streits iſt ans Ende / Ephraim ſoll 
über Manaſſe herrſchen / wo ihr dns nicht thut / fo wird 
euch die Sonne mit ihrem Auffgange verblenden / daß 
ihr muͤſſet ewig blind ſeyn. Ihr wollet warlich nur mitdem 
Auge des Reichs der Natur ſehen / und das Auge der Genaden 
verachtet ihr; aber Ephraim bekomt das Natursrecht der erſten 
Gebuhrt: Wie wollet ihr wider euren Vatter Jacob ſtreiten? 
Ihr ſeegnet nicht recht / dann ihr ſetzet Manaſſe vorne an / und 
Ephraim hinten nach / eg iſt vor den Augen des Allerhoͤch⸗ 
ſten offenbahr worden / der hat Ephraim wieder herfuͤr 
geſetzet: Das Reich der Natur in menſchlicher Selb⸗ 
heit ſoll Knecht werden] und das wollet ihr nicht | aber. 
der Zürfag des Höchften gehet für firh/ und follet ihr 
gleich darumb alle zu Grunde gehen] fo iſt Fein auffhal⸗ 
tenmehr. 

31. Als nun Jacob Joſeph umd feine Soͤhne hatte gefeegnet / 
fo feset er ein gang heimlich Bild der Ehriftenheit auff Erden 
dar; dann alſo fpriht Moyſes: Und Iſrael ſprach zu Joſeph / 
ſtehe / ich ſterbe und GOtt wird mie euch ſeyn / und wird 
euch wiederbringen in Das Land euerer Vaͤtter: Ich babe 
dir ein Stuͤck Landes gegeben auſſer deinen Bruͤdern / das ich 
ante meinem Schwerd und Bogen aus der Hand der Amort> 
ter genommen babe. 

32. Ob nun wohl mag eine Aufferlihe Figur allhie darbey, 
ſeyn / welches denn allemahl ift/ fo ift dieſes doch vielmehr eine 
innerliche Figur von der Ehriftenheit: Dann was konte Jacob 

wege 


766 Jacob ſeegnet Joſephs Söhnene. C.75. 


weggeben / das er ſelber nicht in Beſitz hatte: Er hatte Sichem 
nicht im Beſttz / wie es die Gloſſen bey dieſem Texte erklaͤren 
wollen / welche nur auff aͤuſſerliche Dinge ſehen / ſo hat er ſie 
auch nicht koͤnnen dem Joſeph beſonder gegeben haben / denn Jo⸗ 
ſeph hats nicht bewohnet / ſondern iſt mit allen ſeinen Kindern 
und Kindes-kindern in Egypten geſtorben. 

33. Darzu ſagte Jacoby er haͤtte es mit feinem Schwerd und 
Bogen aus ver Hand der Amoriter genommen / welches ſonſt 
irgend zu erweiſen iſt / und doch wohl mag eine üufferliche Ge— 
ſchichte darbey feyn / weiler fpriht 3 Erhabe es Joſeph als dent 
Fuͤrbilde der Chriſtenheit gegeben/und habe es mit dem Schwerd 
genommen / ſo iſts eine Figur und heimliche Rede. 

34. Denn Jacob fagte : Siehe ich fterbe/ und ihr follet wie» 
der in diß Land kommen / GOtt wird eüch darein bringen. 
Diefes deutet erftlich nur auff Chriſtum / welcher aus Jacobs 
Grumde/dehn GOtt in ihm hatte / follte Eoinmen; wenn derfelbe 
wuͤrde nach unferer Menfchheit fterben/ fo würde GOtt Iſrael 

wieder ins Sand des Bundes GOttes bringen/und der Bund habe 
ein Stüde Sandes in dieſer Welt/das zu allen Zeiten würde eine 
Wohnung der Ehriftenheit auff Erden feyn / ob gleich daffelbe 
Stüd Land mit Manaffe und Ephraim würde offt von einen 
Orte zumandern verwendet werden. 

35. Daffelbe Sand ſtuͤcke oder Ehriftlihe Wohnung bat 

Ehriftus mit feinem Bogen und Geiftes Schwerd gewonnen / 
amd den Fürften diefer Welt in feinem Siege abgefchlagen / dag 
die Ehriftenheit dieſes folle zu allen Zeiten auff Erden haben: 
Da mir den ſehen / daß diechriftenheit werde den geringfien@icg 
auff Erden haben / daß ihr Reich nur einem eroberten Stüd 
Landes verglichen wird / daß alfo der Name Chriſti aͤuſſerlich 
erkanntund befannt wuͤrde ſeyn. 

36. Mehr iſts die treffliche Figur von Iſrael / welches mit Ja⸗ 
cob / das iſt / mit Außgehung des Reiche Chriſti würde fterben/ 
das iſt / daß die Juͤdiſche Policey wuͤrde untergehen / aber GOtt 
wuͤrde ſie in der letzten Zeit wieder in diß Land / als in den wahren 
Bund in Chriſto einfuͤhren / denn er hat ihnen auch dieſes Stuͤck 
Land zuvor behalten / daß fie daſſelbe ſollen wieder beſitzen / 
welches Babel nicht glaubet: aber ihre Zeit iſt nahe / 
denn der Heyden Zülle ift am Ende, 


Das 


Us 


C.76. Wie Jacob feine Söhne ſeegnet. 767 


Das 76. Capittel. 


Wie Jacob alle feine Söhne vor feinem Ende berief 
und ihnen andeutete uñ weiſſagete / wie ihre Geſchlechter 
wuͤrden auffgehen / und was jedes Zuſtand ſeyn wuͤrde 
damit er die Wurtzel des Baumes Abrahams ſambt 
feinen Aeſten und Frucht außſprach / was jedes Stand 
und Ambt ſeyn wuͤrde und wie fie ſich würden halten / 
amd wie Chriftus würde aus dem Stamm Juda ge: 
bohren werden : Auch wie lange ihr Reich un: 
term Geſetze währen follte. 


Geneſ. 49. 


1. Oſes ſpricht: Jacob berieff ſeine Soͤhne und ſprach / 
D verſamlet euch / daß ich euch verFündige was euch 
begegnen wird in Eünfftigenzeiten: Komt zu hauff 
und hoͤret zu ihr Rinder Jacobs / und hörek euren Vatter 
Iſrael. In dieſem Capittel lieget der gantze Verſtand / wie es 
mit den Kindern Iſraels in kuͤnfftiger Zeit unter dem Geſetze 
fo wohl hernach mit der Chriftenheit gehen werde : Denn der 
Geiſt hat in dieſem Eapittelaufigefprochen und figurlich darge- 
fiellet den Baum Ifraelis mit feinen Aeſten / Zweigen und Frucht / 
beydes nach dem Reiche der Natur und nach dem Reiche der Ge: 
maden / und darunter auff alle Stände / Orden und Aembter / bey 
Juden und Chriften gedeutet/ fonderlic wird das Antichriftifche 
Keich bey den Juden und Chriſten darunter gewaltig prefiguri- 
ret / wo daſſelbe herkomme / und wie es müffe wieder zu Grunde 
gehen / und Doc, lange Zeit biß auff die Offenbahrung Chriſti 
währen würde. 

2. Dann Ifraclfprach allyier unter diefer Deutung den gan⸗ 
gen Adamiſchen Baum aus / wie derfelbe anfänglich gut gewefen 
und wie cr verdorben/ auch wie ihme würde wieder gcholffen 
werden / und wie das Reich der Natur in GOttes Zorne würde 
äufferlich regiren / und Doc das Reich der Genaden mit durch 
den Zorn würden / dadurch fich der natürliche böfe Menſch wuͤr⸗ 
de äufferlich erzeigen als wolte er GOtt dienen / und würde aber 
nur cine falfche Gleißnerey und Schein⸗heucheley ſeyn / alſo lan⸗ 
ge biß Chriſtus aus dem Bunde GOttes würde herfuͤr brechen / 
und dem Satan ſein gleißneriſch Reich zerſtoͤren. 

3. Und 


nt SE 
783° Wie Jacob allefeine Söhne C.76. 


3. Und heket anan Ruben / als ron der erfien Krafft menſch⸗ 
lichen Lebens / und deutet bik auf Benjamin den letzten / unter 
welchem die Chrifienheitgewaltig prefsuriret ift / was ihre Ei> 
genfhafft fiya mrerbej au fa werbenhir Beiten der Weltbarune- 
ter gewaltig fuͤrgebildet: Der $efer wolle darauff merden und 
den Sinn darein ſchwingen / ſo wird er unfer Erklärung un ecch⸗ 
ten Grund finden. 

L Das Teſtament Rubens. 

4. An Ruben fieng cr an und fprach : Ruben mein erfter 
Sohn | Du bijt meine Krafft und meine erite Macht] ver 
Obrifteim Opfer] und der Obrifteim Reich: Erfuhr leicht⸗ 
fertig dahin mie Waſſer; Du ſollſt micht der Obrifte feym/ 
Denn du bist auff Deines Ditters Läger geſtiegen / daſelbſt 
haſt du mein Bett befudelt mit deinem Aurfiteigen. 


In der Figur fiebets alfe: | 
5. Der Get im Bunde fprad aus die menſchliche Natur 
AMamsjals die erfeKrafft des erſten Saamens zur Wirder-fort> 
Flansung / wie denn aud Ruten die erſte Kraft Jacobs war; 
und deutet an / wieder nafürlühe erfie Adamiſche Menſch ſollte 
zer Obriſte im Opfer GOttes ſeyn / das iſt / et ſollte ihme rechte 
Früchte aus ihme gebaͤhren / welche GOtt lobeten / umdin ihrer ° 
Kraft dic hĩmmliſche Freude vernchreten : Erfelite ipıme Krafft 
un? Wieder⸗ auf ſprecqung durd das eingepflanzet W Wort 91: 
tes gebaͤhren: Das kifft GOtt epfferen /wenn das creafüre ° 
liche menfhliche Wert | welches GOtt in cine Ercatur formete / 
als das menſchlicht verfiindlise Sehen wieder SOttes Wert aus 
fi auffpricht / und in heilige Bilde formet. 
6. Welche Fermung in ver Gebährung der himmlifchen mer- 
ara Vera at@ichet/ als auff Art / wann das einge> 
rfiant im Menſchen fi in den Gefang ver Göttlichen 7 
Freuteureich bildet / und in dem heiliaen reinen Clement vor? 
GOtt ice / in welchet Bildung over beiliger Begierde die hei= 
lige Weifpeit GOttes mir tingttildet / und in Wunder figuriref & 
wird/tadurd das cwige C Eine formlich und ſchitdlich / als innter⸗ 
erkannt wird: Dirfes deiſſct Dit gespftrt/iauff Art wie 

























ſcdicden 

die Zweige und Acht: dem Baum feine Früchte gekaͤhren / dadurch 
der Baum erfannt und effendabt wird/dager gut iſt: Alſo 
folte das creatürlige arformte Wertjals der Menſch / dem ewige? 
Iprechenden heiligen Wort GOttes / welches Wert der Simm 
IR / dem Pr ni gute Ftuͤchte / als das Leb GOttes ra 





C76.vor ſeinem Ende geſeegnet. 769 
7. Das heiffet Adam war der Oberſte im Opffer /daner war 
das erſte ausgeſprochene Wort das GOtt in ſein Bilde ſprach / 
und war auch der Oberſte im Reiche / dan ihme gebührete die 
ewige Herfhung: Er war aus dem Ewigen ins Ewige geſchaf⸗ 
fen ; Erwar das Bilde GOttes / darinnen Das Wort GOttes 
nach Zeit und Ewigfeit gebildet war. 

8. So ftellet ine nun der Geiſt im Bunde mit dem Stammt 
Sfraclis/ aus welchem der neue Baum ausden alten entſprin⸗ 
gen felte/ foldyes für/umd deutet beydes von dem adamiſchen / und 
denn auch von dem neuen Baume derWirtergebuhrt ; und fpricht 
ferner von dererften Kraft in Adam und Jacob) als vom Reiche 
der Natur / der erften Bildung : 

9. Erfuhrleichtedahin wie Waſſer; wie wir das an Adam 
und allen natuͤrlichen Menſchen prüfen / wie Adam von feiner 
Herzligkeit / berdes vom Göttlihen Keiche / und auch vem Opf⸗ 
fer GHttes ſey plöglich und leichtfertig dabin gefahren / und fen 
in eigenen Willen getretten/und habe GOttes Willen verlajfen/ 
und ſich von Göttliher Bildung in irrdiſche Bildung mit det Be⸗ 
gierde und Luſt einge fuͤhret / davon er thieriſch und boͤß ward. 

10. Davon ſagte nun der Geiſt im Bunde durch Jacob: Dig 
ſolſt nicht der Oberſte ſeyn / das iſt / die erſte Bildung ſoll nicht 
Das Regiment behalten / weder in der Herrſchung des Reichs als 
natuͤrlicher Gewalt / noch im Opffer GOttes / ſondern der ander 
Adam / Chriſtus / aus Juda ſoll es ſeyn / und ſolches darumb / 
denn du biſt auff deines Vatters Läger geſtiegen / daſelbſt Haft 
Du mein Bett beſudelt mit deinem auf ſteigen. 

Dieſe Figur ftchet alfo: 

1x. Adam hatte feines Vatters keuſches Ehe⸗bett in ſich / als 
feine Eva noch ungemachet war/er mar Mad und Weib / und doch 
derer Feines / ſondern ein rechtes Ehe⸗bett GOttes / GOttes 
Wort in ſeiner Ehe in beyden Tincturen, als des ers und 
Liechts in Krafft wuͤrckete / deñ er ſtund im BildeG Dttes/in deme 
GPL wuͤrckete / wie in den heiligen Engeln. Die Fortr Aantzung 


ſtunde in einem Bilde / gleich wie GOtt ein einiges Weſen iſt? 


alfo auch ward eraus demſelben Wefen aller Weſen in ein ti> 
niges Bilde geſchaffen: Denn die Spermatiſche Ratur un? Art 


- war in ihme das Verbum Fiat, welches ihn hatt: ins Bilde GOt⸗ 


mer 


tes forwiret / darinnen die eigene Siehe lag / als in der ſtaͤtswaͤhh⸗ 
renden Conjundtion der beyden Eigenfchafften der einigen Tin- 
&uralsdieKrafft vom heiligen magischen Frust und Liechte / wel⸗ 
ches geiſtlich iſt und Das wahre Leben. 

Kt 12. In 


7790 Wie Jacob alle feine Söhne 6, 


12, In diefem Bilde war er der Oberſte im Opffer/umd im 
Reiche: Denner hätte können GOtt opfferen / beydes geiftfich 
und creatürlich/auff Art wieder Baum felber ohnezuthun eines 
andern feine Hefte und Früchte gebähret/und die ſchoͤne Bluͤth im 
lieblichem Geruche und Krafft / mit fehönen Farben nach) feiner 
Art aus ſich wirffet / und wie ihn GOttes Wort hat aus fic) ges 
worffenundgebkohren : Allerdiefer Gewalt lag auch in ihme. 

13. Aberder eigene Wille fuhr leichtfertig dahin / und führes 
ie fich in thieriſche Eigenfharft/ in falfche Luft und Begierde 
ein / umd flieg mit thierifcher Luft und Begierde ein in dig 
heilige Ehesbett GOTTES in welche Luft ihn der Satan 
einführete / alsder Grund der finftern Welt nach der Bildung 
der Phantaſey / fo wohl der Teuffel mit der Fürftellung der 
monttrofifchen thierifehen Eigenfchafft / auch der gift und Wis 
der Schlangen) als des Grundes des erften Principii, daß der ci= 
gene Wille Jich Barein ſchwang un damitinficiret ward/und feine 
Krafft der Bildung nach Seele und Leib monftrofifch machte / da⸗ 
von die thieriſche Imagination in Adam auffwachete und anfieng. 

14. Und allhie flieg er auff feines Batters / alsauff GOttes 
Ehebett / und befudelte das mit vichifcher / fo wohl teufflifcher 
falfcher Imagination, welche Luft er in GDttesKebs-weib/als in 
den himmliſchen Sperma von der himmliſchen Welt Weſen ein» 
führete / davon GOttes Geiſt /als das heilige Wort in diefem 
himmlifchen Welt⸗Weſen von ihme wich: Das ift / der eigene 
Mille des Menfchen trannte fich vom Willen des Worts: 
Jetzt ward er in des Teuffels Gifft leichtfertig/ und verlohr das 
Königreich und Prieſterthumb / als ven fürftlichen Thron / und 
warddarüber unmaͤchtig und an GOTT blind / und fiel nieder 
in Schlaf / und lag zwischen GOttes und diefer Welt Reich in 
Ohnmacht: 

15. So jaget nun Moyfes : Und GOtt ließ ihn ineinen tieffen 
Schlaf fallen/und machte ein Weib aus ihme / und brachte fie zu 
ihme / und gab ihm ein thierifch Ehebett für ein yirälifches : da er 
jetzo nun mag ineigener Luſt darinnen buhlen / welches vor dem 
Hinmeldoch nur ein befudeltes Ehe=bett ift/aber unter GOttes 
Erbarmen in göttliher&evult getragen wird / dieweil das Gefaͤß 
dieſes Ehe⸗bettes verweſen und ſterben muß / und Chriſtus ſich in 

diefes Ehe⸗bett ins Mittelieingegeben hat / als ein Erloͤſer von 
dieſem monfrofifchen Bilde / welches er in ſich wil neu gebaͤhren. 

16. Dieſes gewaltigeBild ſtellet nun der Geiſt GOttes beym 
Ruben auch dar / welcher Jacobs erſte Krafft war / da ſich 55 

gierde 





C.76. vor ſeinem Ende geſeegnet. 771 


gierde Rubens auch in das Adamiſche Bild modelte / und hin⸗ 
gieng / und zu ſeines Vatters Kebs-weibe legte / und in Falſchheit 
mit ihr buhlete / wie der freye Wille der Seelen in Adam mit 
GOttes Kebsweibe in ihme mit falſcher Luſt buhlete / und zum 
Ehe⸗brecher GOttes ward / wie Ruben thaͤte. 

17. Und umb dieſes willen hat Adam / als die erſte Krafft des 
natuͤrlichen Menſchen / in allen Menſchen das koͤnigliche Prie⸗ 
ſterthumb verlohren / daß der natürliche Menſch in eigener Krafft 
nicht mehr kan GOtt opffern; Er verſtehet auch nichts mehr von 
GOttes Wort oder Reich / es iſt ihme eine Thorheit / und Fans 
nicht mehr begreiffen: Denn er ſtehet in einem vergiffteten 
menftrohfchen Bilde / welcher in dieſer Adamiſchen Eigenſchafft 
GoOttes Reich nicht erben kan / und hat das Reich GOttes vers 
lohren / und iſt nur eine Figur dieſer Welt und der Hoͤllen / ein 
Monftrum des Bildes GOttes / und fol nicht mehr der Oberſte im 
Opffer und Reiche ſeyn / ſondern Chriſtus in der neuen Gebuhrt 
in ihme hat das Reich im Opffer und Regiment bekommen. 

18. Der natuͤrliche Menſch / als die erſte Krafft / muß Knecht 
werden / und das monftrofifhe Huren-bild ablegen/ und wieder 
neusgebohren werden ; die Seele durch Ehrifti Geift / und der 
Seib durch die Putrefadtion der Erden / davon er am Ende der 
Tage foll geſchieden werden/und wirder ins Bild GOttes forıni- 
ret werden. 


I. III. Das Teftament Simeons und Levi. 


19. Die Bruͤder Simeon und Levi / ihre Schwerder find 
mörderifihe Waffen : Meine Seele Eomme nicht in ihren 
Rath / und meine Ehre fey nicht in ihren Rirchen ; Dennin 
ihrem Zorn haben’ fie den Mann erwuͤrget / und in ihren: - 
Muthwillen haben fie den Ochſen verderbet ; verflucher fey 
ihr Zorn / daß er fo hefftig iſt / und ihr Grimm; daßer fo ſtoͤr⸗ 
rigift: Ich wil fie sertbeilen in Jacob /und zerſtreuen in 

ſrael. 
ze In diefem Zeftament nimmt der Geiſt gang wunderlich 
zween Brüder zuſammen / und ftelletihre Figur darin cın / wel⸗ 
ches wohl zu mercken ifts Wie ſte denn auch der Geiſt Moyſts 
um 34. Cap. zufammen nimmt /alser faget : Simeon und Levi 
hätten ihre Schwerder genommen und wären dürftig in die 
Stadt gegangen/umd Sichem fambt Hemor feinen Batter / und 
in der gangen Stadt alles was männlich geweſen erwuͤrget / und 
Weib und Kind gefangen genommen / und alles geplündert / 

J Kt welches 


—* — e X 
772 Wie Jacob alle ſeine Söhne C.76. 
welches wohl eine That und ein Raub von zween Knaben moͤchte 
geweſen ſeyn: Aber der Geiſt hat am ſelben Ort / ſo wohl auch 
an dieſem ſeine Figur / wie dann auch Jacob ſagte / Er wolle 
ihnen ſagen / wie es hernach nach dieſer Zeit mit ihnen gehen 
werde. 

21. Bey Ruben ſtellet der Geiſt für die Adamiſche verderbte 
Natur / wie die erſte Krafft des Menſchen habe GOttes Prieſter⸗ 
thumb und Koͤnigreich / als das Himmelreich verſchertzet / und 
GHttes Ehe-bette beſudelt / und ein Huren-bette Daraus ge— 
machet: In dieſer Figur aber ſtellet nun der Geiſt GOttes die 
gewaltige Figur dar / wie diefelbe erſte Krafft des Menſchen dan⸗ 
noch würde begehren ihr Prieſterthumb und Herrſchafft zu er⸗ 
halten / und was fie für Prieſter und Regenten würden in dieſer 
Welt ſeyn / im Reiche der eigenen Natur. 

22. Denn aus dem Stamm $evifam das Prieſterthumb uns 
ter dem Geſetze / und von diefemredet allbieder Beift/ und nim⸗ 
met Simeon mit darzu / als die weltliche Herrſchung / und faget 
von beyden / als von einem / ihre Schwerder ſind moͤrderiſche 
Waffen /meine Seele komme nicht in ihren Rath / und meine 
Ehre ſey nicht in ihren Kirchen; das iſt / GOttes lebendiges Wort / 
welches er feine Seele heiſſet / ſoll nicht in dieſer irzdifchen Welt⸗ 
Herrſchaft als in des Menſchen erſten natürlichen eigenen Krafft 
ſeyn / ſein heiliges Wort ſoll nicht in ihren Rathſchlaͤgen ſeyn / 
darinnen ſie nur zeitliche Wolluſt und Reichthumb ſuchen: So 
ſoll es auch nicht in ihren Kirchen und Prieſterthumb ſeyn / in 
dehme ſie nur mit dem Munde heucheln / dann er ſaget: Meine 
Ehre ſey nicht in ihren Kirchen. 

23: Seine Kirche aber iſt das wahre Bild GOttes von der 
himliſchen Welt Weſen / welches in ihrer Mörderen / durch der 
Sclangeweingeführete Gifft in Adam verblich) und in Chriſto 
wieder gebohren wird : Weil ficaber nur in dem Monſtto der 
Schlangenvor GOtt heucheln wolten / und haften nicht GOttes 
Kirche in ihnen / ſo faget der Geiſt: Meine Ehre fey nicht darinnen. 

24. Dann nicht aus dem natürlichen Adam follte GOttes 
Ehre mit Chriſto JEfu kommen /fondernaus GOtt und feinem 
heiligen Worte : Dieſes follte die heilige Kirche GOttes im 
Menſchen feyn/alsdas Bild von der himmlifchen Welt Weſen / 
welchesin Adam ſtarb / und in Chrifto wieder gruͤnete / in dieſem 
fellte GOttes Ehre erfcheinen / wie dag $eben Fünte durd) dert 
Tod grünen /diefes wor GOttes Ehre : Aber diefe Ehre follte 
ter eigene Adamifche Wille / welcher sin Moͤrder ward /undin. 

* ihme 





Lau 


8.76. vor ſeinem Ende gefeegnet. 773 


ihme das himmliſche Bild ermordete/nicht haben / dieſe Ehre ſoll⸗ 
te in feinem Mord⸗willen nicht erſcheinen. 

25. In dieſem Bilde ſtehet klar die Figur / welche in Apoca- 
lypũ fuͤrgemahlet wird / von dem groſſen ſieben-koͤpffigen Dra⸗ 
chen / darauff die Babyloniſche Hure reuthet / da der Drache und 
die Hure auch für cin Bild prafiguriret werden / und iſt eben die⸗ 
ſes an dieſer Stelle beym Simeon und Levi / und deutet in der A—⸗ 
damiſchen verderbten Krafft in dem monſtroſiſchen Bilde an das 
Regiment der Natur ineigenem Willen / ſambt dem Sectiriſchen 
heuchleriſchen Prieſterthumb. 

26. Die ſieben Koͤpffe des Thieres ſeynd die fichen Eigen- 
fHafften der Natur / welche feynd aus der Temperatur außge⸗ 
gangen/und fieben Köpffe / als cinen fiebenfachen Willen bekom⸗ 
men / davon das Leben in Streit / Elend / Krandpeit und Zer- 
brechen kommen ift ; und die Hure auff dieſem Thier ift nun Die 
Seele / welche befudelt ift als eine Hure/ und tritt mit dieſem 
Huren-bilde für GOtt / und heuchelt ihme. 

27. Aber der Wille des fichen-Eöpffigen Thieres giebet der 
Huren Jalsder Seelen feine Kraft / dag die Seele voll Morde» 
rey / Hoffahrt/ Huren⸗luſt / und eigener Ehre ſtecket / und in dies 
fer Kirche und Mörderey wil GOttes Ehre nichtfepn. 

23. Diefe Figur und magifhe Deutung beym Simeon und 
Levi prefigariren uns die geiftliche und weltliche Herrſchafft / bey⸗ 
des in jedem Menſchen ſelber / damit er fich regiret / als in geiſt⸗ 
lichen und natuͤrlichen Dingen z und zum andern auch die Ambts⸗ 
verwaltung der geiſtlichen uñ weltlichen Aembter / als in Kirchen⸗ 
und Welt-Aembtern: Alles was in der eigenen Adamiſchen 
Kraft auffer der neuen Wiedergebuhrt darinnen herefchet / das 
traͤget dieſes Bild in fich/ als das Mord-ſchwerd / da man einan⸗ 
der mit Worten toͤdtet und verdammet. J 

29 Ale Schmaͤh⸗buͤcher / da man einander umb Goͤttlicher 
Gabe und Erkaͤntnuͤß willen laͤſtert und mit Worten toͤdtet / 
ſeynd dieſe Mord-ſchwerdter Simeons und Levi. Lem, alle une 
gerechte Urtheil der Welt Gerichte ſind eben auch dieſes / und 
GOttes Ehre und Willen iſt nicht darinnen. 

30. Der Geiſt nimt fie eben nur darumb zuſammen unter ei⸗ 
ne Figur / daß dieſe beyde Aembter die Adamiſche Natur regiren; 
Sie regiren die Welt / als das geformte außgeſprochene Wort 
Gottes; Ihnen iſt der Gewalt vom Reiche der Natur gegeben/ 
aber fie ſollen von dieſem Regiment Rechenſchafft geben: Den das 
Gerichte Gottes iſt in deſtis DICH Apecalypfıs wirfft 

3 die 


“ 


774 Wie Jacoballefeine Söhne C.76. 


die Falſchheit diefer Bildnüg hinunter inden fenrigen Pfuhl der 
mit Schwefel brenner / und verfiegelt das Thier und die Hure 
in Ewigkeit / und giebet das reich und den Gewalt ſambt dem 
Priefterthumb Ehrifto/und feinen aus ihme gebohrnen Kindern, 

31. Der Beift Moyfis fpricht : In ihrem Zorne haben fie 
den Mann erwuͤrget / und in ihrem Muthwillen haben fieden 
Ochſen verderbet. Der Mann deutet an den innern geiftlichen 
Menfchen / welchen Adam in allen feinen Kindern durch feinen 
Zorn / als durch das erſte Principium ‚das Reich GOttes Zorns/ 
welches Adam mit der $uftsbegierde in ihme erweckete / mordete/ 


als das wahre Bild GOtkes; und deutet ferner auff die Zukunfft 


Ehrifti / welchen die Leviten mit den Simeoniten / als weltliche 
Herrfhafft / als die Pharifzer und heydniſche Herrſchafft toͤdten 
würden : Dann Jacob ſagte / er wolle ihnen verkuͤndigen / was 
ihnen in kuͤnfftigen Zeiten begegnen wuͤrde. 

32. Darumb ſiehet dieſe Figur auch auff den kuͤnfftigen Mann 
Chriſtum / welchen Die Leviten würden tödten in ihrem Neide 
und Zorne/ wie auch geſchehen ift / und umb vegwillen follte feine 
Ehre nicht mehrin ihrer Kirchen feoyn : Dann nach folden Er= 
wärgen Ehrifti/ifkihnen ihre Kirche genommen/ undder Tempel 
zerſtoͤret worden / und haben ihre Opffer auffgehöret/in welchen 
zuvorhin Die Figur von Chrifto als GOttes Ehre fund. 

33. Aber der Ochſe / welchen fie in ihrem Muthwillen haben 
verderbet /deutet an den Auffern Menfchen aus dem Limo der 
Erden / welchen fie mit der Begierde der Eitelkeit verderbet ha> 
ben / daß er iſt alſo grob / thieriſch und elende worden/dag er ift aus 
dem himmliſchen Paradeiß⸗-bilde / in cin zerbrechliches geſetzet 
worden / welches aus Muthwillen geſchehen iſt. 

34. Mehr deutets auff den zukuͤnfftigen Muthwillen der Le— 
viten mit ihrer weltlichen Herrſchafft / wie ſte würden mit ihrem 
Moͤrd⸗ſchwerdern wuͤrgen und toͤdten / da fie Doch nichts mehr 
an GOttes Kindern verderben koͤnnen / als nur den Ochſen / als 
den thieriſchen Menſchen: Welch Mord = fhwerd bey dieſem 
Geſchlechte unter den Juden und Ehriften immerdar gegangen 
iſt welcyesdie Kinder GOttes wohl mercken follen/dag der Geift 
GoOttes im Bunde fagte / feine Seele foll nicht in ihrem Mord» 
rath ſeyn / noch feine Eyre in ihren Kirchen / umb welcher willen 
fie viel Menfchen morden und verderben / welche ihren Secten 
und Muthwillen nicht glauben wollen. 

35. Zumahl bey jegiger Zeit /da man nur umb die Kirchen 


ftreitet/ und einander darumb ermordet; und Land und — it 
ihr em 


— 
————— —— — 


C.7c. vor ſeinem Ende geſeegnet. 775 


ihrem Muthwillen verderbet / da man doch nur im Muthwillen 
lebet / und nicht GOttes Ehre meynet und dadurch ſuchet / ſondern 
nur eigen Ehre / Macht und Gewalt / und maͤſtet dadurch den 
Ochſen als den Bauch⸗GoOtt / bey dehnen allen iſt nicht GOttes 
Wort und Ehre / ſondern wie Jacob ſagte: Verfluchet ſey ihr 
Zorn / daß er fo hefftig ift / und Ihr Grimm | daß er fo ſtoͤrrig 
It ; denn ſie thun alles aus Muthwillen und Zorn/ und darinnen 
treibet fteder Zorn GOttes: Darumb lauffen ſie nur im Fluche 
mit dem Mord⸗ſchwerdte. 

36. Und ſpricht weiter: Ich wil fie zertheilen in Jacob / 
und zerſtreuen in Iſrael; welches ihnen denn auch begegnet iſt / 
daß fie ſeynd unter alle Voͤlcker zertheilet und zer ſtreuet worden / 
und nunmehr weder Stadt / Land noch Fuͤrſtenthuub haben ; 
auch deutet der Geiſt auff die Zertheilung des irrdiſchen Lebens / 
da dieſer Zorn und Muthwillen mug gang zertheilet / und der 
Leib wie Aſche zerſtreuet werden: Denn der Fluch zerboͤrſtet 
und zerſtreuet beydes ihre Herrſchafft und Prieſterthumb / ſambt 
ihren Leib und aͤuſſern Sinnen und Leben. Denn es iſt vor 
Gott alles nur cin Fluch und citel. 

37. Dennvder Grift Jacobs ſpricht: Ich wil ſie zertheilen in 
Jacob. Das ift / Durch dem Bund Jacobs / als durch Chriſtum / 
und wil ſte zerſtreuen in Iſrael / das iſt / ducch das neue Gewaͤch⸗ 
fe aus dem Bunde ſoll der Adamiſche Baum jzerſtoͤret / getheilet 7 
und ſeine Wercke mit Leib und Sinnen zerſtreuet werden / und 
des Teuffels Wercke zunichte gemachet werden: Auch ſoll die ſes 
ihr Prieſterthumb und Herrſchafft noch alſo zerſtoͤret / zertheilet 
und zerſtreuet werden / wie die Spreu vom Winde / wenn auff- 
gehen wird das Reich Chrifti mit feinem Prieſterthumb / da 
Ehriftus alleine herrſchen wird / fo nimmt dieſes alles ein Ende / 
welches Babel frembde anfichet. 


IV. Das Teftament Juda. 


38. Juda du biſts; Dich werden deine Brüder loben : Det: 
ne Hand wird Deinen Seinden auff Dem Halfe feyn/ für dir 
werden Deines Datters Kinder fich neigen : Juda iſt ein jun⸗ 
ger Loͤw / Du bift hoch kommen mein Sohn durch groflen 
Sieg / Er hat nieder gekniet und füch gelägert / wie ein Löwe / 
and wie eine Loͤwinne / mer wil fich wider ihn aufleben ? £s 
wird das Scepter von Juda nicht entwendet werden / noch 
ein Meister von feinen Fuͤſſen / biß daß der Held Fomme/ 
und Demjelben merden die Dölcker anhangen ; Er wird fein 

Kt 4 Fuͤllen 


776 Wie Jaeoballefeine Söhne C.76. 


Fuͤllen an den Weinftoc binden / und feiner £felin Sohn an 
den edlen Reben: Er wird fein Kleid im Dein waſchen / und 
feinen Mantel imlDeinbeer-blur : Seine Augen find roͤth⸗ 
Ucher dann Wein / und feine Zaͤhne weiffer dann Milch. 

39. Bey den erſten drey Soͤhnen Jacobs deutet der Geiſt von 
dem verderbten Adam und ſeinen Kindern / wie ſie ſuͤr GOtt 
waͤren / und was ihr Reich auff Erden ſeyn wuͤrde: Allhier aber 
beym Juda faͤhet er an vom Reiche Chriſti / als von Chriſti Ders 
fon und Ambte zu deuten / und ſetzet Chriſtum in die vierdte Knie/ 
welches cin groß Geheimnůuͤß iſt / dañ in der vierdten Eigenſchafft 


der Gebaͤhrung der Natur / wird das Feuer / als des Feuers Urs 


ſtand verſtanden / aus welchem das Liecht ſeinen Urſtand nimmt / 
dadurch der Ungrund majeſtaͤtiſch wird / darinnen auch der Ur⸗ 
ſtand des Lebens verſtanden wird / vorab die Seele wird allda 
nach ihrer Eigenſchafft verſtanden. 

40. Weil dann dieſer ſeeliſche Grund in Adam war gefallen 
und verderbet / ſo hat auch GOtt ſeine Figur mit dem neuen Leben 
darein geſtellet / und ſtehet die Figur in dieſem Teſtament der 
zwoͤlff Erk-vätter / wie der Anfang des Lebens ſey / und wie die 
nee Gebuhrt durch das verderbte Feuer-leben im Liechte wieder 
außgruͤne: Auch werden im Teſtament Zuda ale Umbſtoaͤnde 
angedeutet / wie das neue Leben in Chrifto werde dureh Die Seele 
außgruͤnen / und über des Todes Stachel herrſchen. 

4r. Jacob ſagte: Juda du bifts/dich werden deine Brüder 
loben; Hiermit ſiehet er aͤuſſerlich auff das Juͤdiſche Koͤnigreich / 
welches in kuͤnfftiger Zeit ſolte angehen / uñ innerlich ſiehet er auff 
das Reich Chriſti / welches beydes die Juden und Heyden wuͤrden 
annehmen / und Chriſtum für Dt und Menſch loben und chren. 

42. Und ſpricht weiter: Deñ deine Hand wird deinen Fein⸗ 
den auff dem Halſe ſeyn. Mit dieſem verſtehet er nicht die Auf 
ſerliche Feinde der Juden / ſondern wie die Hand / als die Gena= 
den⸗Krafft Chriſti / wuͤrde dem Satan und Schlangen⸗gifft und 
Willen im Fleiſche und Blute eſſentialiter wuͤrcklich auff dem 
Halſe ſeyn / und in feinen Glaubens-Kindern immerdar derſel⸗ 
ben Schlangen den Kopff zertretten. 

43. Item : Vor dir werden deines Vatters Kinder fich 
neigen das iſt /vordiefen Chriſto aus Zudz Stamm / würden 
ſich alle & Dttes- Kinder neigen/ biegen/und ihn anbethen / als ci» 
nen Gott-Menſch und Menfih- Gott. 

44. Item: Juda iſt ein juͤnger Loͤwe; das iſt / ein Brüllen 
wider den Teuffel / und Zerbrecher des Todes und der Hoͤllen / als 

ein 


C.76. vor ſeinem Ende geſeegnet. 777 


ein munterer junger friſcher Loͤwe maͤchtig von Krafft iſt. 

45. Rem: Du biſt hoch kommen mein Sohn / durch groß 
ſen Sieg; das ift/ nachdem er hat über GOttes Zorn / über Tod} 
Simde/ Zeuffel/ und Hölle gefteget/ fo iſt er als cin Menſch⸗ 
Gott zur Rechten der Krafft GOttes geſeſſen / und herrſchet über 
alle ſeine Feinde 

46, tem: Er hat niedergekniet / und ſich gelaͤgert wie ein 
Loͤwe / und wie eine Loͤwinne / wer wil ſich wider ihn auff⸗ 
lehnen? Das iſt / er hat ſich mit ſeiner hoͤchſten Liebe ſo hoch ge⸗ 
demuͤthiget / und in angenommener Menſchheit in den Spott 
und Verachtung des gefallenen Menſchen eingegeben / und iſt in 
GoOttesZorn niedergekniet / und hat laffen das natuͤrliche menſch⸗ 
liche Leben zerbrechen / und gar gedultig feine ſtarcke Loͤwens⸗ 
Macht darein gegeben. 

47. Das aber der Text ſaget / wie ein Loͤwe / und wie eine 
Loͤwinne: So deutet der junge Loͤwe das Goͤttliche Wort in der 
Seelen an / und die Loͤwin deutet den Namen JEfu in dem aller⸗ 
innerſten Grunde von der himmliſchen Welt Weſen an / als die 
edle SöwinneSophiz ,tasift/der rechte Weibes-Saamen von 
der Adamiſchen Sicchts-Tin&ur, welche in Adam verblich/ und in 
Diefem Loͤwen wieder in Göttlicher Krafft lebendig ward /und ſich 
wieder zum Loͤwen / als zur Seelen gefellete. 

48. Item: Wer wil fich wider ihn aufflehnen ? dasift / wer 
fan ſich wider dieſen Loͤwen und himmliſche heilige Loͤwin auff> 
Ichnen / welche GOtt über und durch allesift ? Wer wil —3 
die Macht nehmen / der ein Anfang aller Krafft und Macht ift ? 
Wo iſt ein Held der da ftreiten mag da Fein höhere Krafft it ? 

49. Item : Es wird das Scepter yon „udn nicht entwen⸗ 
det werden / noch ein Meiſter von feinen Fuͤſſen / biß daß der 
Held komme / und demſelben werden die volcker anhangen. 
Dieſer Verſtand iſt zweyſach / als aͤuſſerlich vom Koͤnigreich Ju⸗ 
da / daß der Juͤdiſche Scepter ihres Koͤnigreichs ſollte waͤhren / 

und ſie ein Koͤnigreich ſeyn / biß dieſer Held / als der Loͤwe mit der 
Loͤwin / als Chriſtus / das iſt / dieſer Bund Menſch wuͤrde: welches 
auch alſo geſchehen iſt / daß ſie haben ihr Koͤnigreich behalten / ob 
es gleich iſt offte gantz vertilget worden / biß auff Chriſtum / da 
bat es gantz auffgehoͤret / und iſt ein anderer Meiſter / der ſte regie⸗ 
ret / denn ſie muͤſſen ſint der Zeit dienſtbahre Leute ſeyn: Dann 
der Held hat ihr Koͤnigreich eingenommen / und iſt damit unter 
die Heyden getretten / und fie auch zu ſich beruffen. 

50. Der innere Grund iſt int daß das Königreich a 

mi 


7738 Wie Jacob alle feine Söhne C.70. 


mit ſeiner herrſchung uͤber Suͤnde / Tod / Teuffel und Hoͤlle nicht 
wuͤrde auffhoͤren / noch ein anderer Herrſcher oder Meiſter von ſei⸗ 
nen Fuͤſſen / das ift/vom Bunde GOttes kommen / biß die ſer Held 
Chriſtus wuͤrde wieder zum Gerichte kommen / und ſeine Feinde 
ſcheiden; ſo ſoll er das Reich ſeinem Vatter wieder uͤberantwor⸗ 
ten / da alsdenn wird GO TTſeyn alles in allem: Dero— 
wegen die Juden vergebens auff einen andern Meiſter hoffen / 
wiewohl er ihnen auch kommen wird in der Zeit der 
Offenbahrung / welche nahe iſt / da das Reich Chriſti 
wird offenbahr werden allen Voͤlckern. 

51. Item : Demſelben werden die Voͤlcker anhangen: 
Dieſes iſt nach feiner Menſchwerdung geſchehen / und 
wird vielmehr in ſeiner Offenbahrung geſchehen / daß 
ihme werden die Voͤlcker anhangen und erkennen / wenn 
Babel fein Ende nimt | alsdann wird dieſes erſt gang 
erfuͤllet / welches Anhangen anjeso die Bilder und 
Secten zu Babel auffhalten / daf die frembde Bölder 
fi) am Zancke der verwirreten Spracheirärgeren / und 
davon bleiben. 

52. Wenn aber der Thurn zu Babelumbfäller / fo 
follen ihme alle Voͤlcker anhangen / ehren und dienen : 
welches Unhangen die vermennte Ehriftenheit hat auff⸗ 
gehalten mit dem Antichriſt / welcher iſt lange Zeit an 
Chriſti ſtatt als ein irrdiſcher Gott aefeffen ;wann diefer 
auffhoͤret / ſo wird das Reich Chriſti ganz offenbahr / 
welches man jetzo nur in Bildern fiehet ; den Unſern ver= 
fanden. 

52. Item : £rwird fein Füllen an den Weinftock binden / 
und feiner Efelin Sohn an den edlen: Reben. O du armer) 
krancker / elender Adam / verftündeft du diefes recht / fo waͤreſt du 
aus allem Streite erloͤſet. Wer iſt das Fuͤllen / und der Eſelin 
Sohn? Das Füllen iſt die menſchliche Seele: Denn der junge 
Loͤwe deutet an die Krafft des Goͤttlichen Worts in der Geelen]; 
das Füllen aber ift die natürliche Seele / die follte Chriftus an 
feinen Weinſtock der Göttlichen wohlſchmeckenden Liebe binden / 
als das ewig-fprechende Wort woltediefes Fuͤllen / als das crea⸗ 
türliche Seelen: Wort / ver Seelen Efleng und Wefen an ſich 
binden / und mit ihr vermaͤhlen; Und die Eſelin iſt nun der innere 
Paradeiß-Menſch / as der Goͤttliche Menſch vom Ente des in 

nern 


C.76. vor ſeinem Ende geſeegnet. 779 
nern Grundes / von der himmliſchen Welt Liechts-weſen / als 
Jungfrau Sophia. 

54. Dieſe Eſelin / welche muß den aͤuſſern Laſt des thieriſchen 
Menſchens auff lich tragen / ſollte Ehriſtus / das iſt / as Wort / an 
den Namen JEſu / als an GOttes felb-ftändiges Weſen anbin⸗ 
den / als an die alleredelſte Reben / welche den ſuͤſſen Wein der 
Liebe GOttes gebaͤhret. 

55. Und dieſe Eſelin iſt der Tempel GOttes / da das Reich 
GOttes im Menſchen iſt offenbahr worden / es iſt Chriſtus in 
uns / welcher als eine Eſelin im Menſchen ſelber des MenſchenLaſt 
und Suͤnde auff ſich nimmt / und durch den jungen Loͤwen toͤdtet. 
5. Dieſer innere / neue / geiſtliche heilige Menſch iſt recht der 

Eſelin Sohn / denn durch die Seele muß er offenbahr werden / wie 
ein Liecht durchs Feuer offenbahr wird / ſo verſtehet man / daß das 
Liecht des Feuers Sohn iſt / und aus dem Sterben der Kertze 
durchs Feuer offenbahr wird: Alſo auch im Grunde der Seelen / 
welche auch ein Geiſt⸗feuer iſt / zu verſtehen iſt. 

57. O du arme Chriſtenheit! verſtuͤndeſt du doch nur dieſes 
recht / und druͤngeſt dahinein / daß du auch mit dieſer Eſelinne / 
welche in Adam verblich / an der Füllen edlen Reben ſtuͤndeſt / 
was duͤrffte cs ſtreitens ? iſts Doch nur eine einfaͤltige Eſelinne 
die Chriſtum und Adam auff ſich traͤget / als Chriſtum in ſich / 
welcher ihre edle Rebe iſt /als ihr Safft und Krafft / und Adam 
auff ſich als eine Laſt. 

59. O du Babyloniſche Hure du haͤlteft mit deineen Drachen⸗ 
thiere dieſe Eſelin auff / Das die arme Ehriſtenheit muß dein bö= 
ſes Thier tragen / darauff du Hure reutheſt / aber deine Zeit iſt 
nahe / daß du in Abarund des hoͤlliſchen Feuers geheſt / 


ſaget der Geiſt der Wunder. 

59. Item: £rwirdfein Kleid in Wein waſchen / und ſeinen 
Mantel mWeinbeer⸗blut: das iſt / Chriſtus wird unſer Menſch⸗ 
heit / als das Kleid der Seelen in dem Wein feiner Liebe waſchen / 
das beſudelte Adamiſche Fleiſch / von dehme wiler den irrdiſchen 
Koth und Schlangen⸗gerecke / das Adam hat mit ſeiner Begierde 
und Luſt impreſſet / davon der aͤuſſere Menſch cin Thier ward/ 
mit der Liebe abwaſchen / und das Schlangen-gerecke der Erden 
laſſen / und am Ende durchs Feuer GOttes verbrennen. 


60. Und feinen Mantel in Weinbeer⸗blut. Der Mantel iſt 
die Decke / welche das gewaſchene Kleid zudecket / und iſt eben der 
theure Purpur⸗mantel Chriſti / als Chriſti Spott / Marter und 

Kk6 Leyden / 


780 Mie Jacob feine Söhne ſeegnet. E.76. 


Leyden / da er unfern Mantelder Sünden darmitin feinem Blut 
wuſch / das iſt / das rechte Weinbeersblut ) da er feinen Mantel 
innen wuſch / den er uns nun umb unſer Kleid decket / als umb uns 
ſere Menſchheit / dag uns GOttes Zorn und ver Teuffel nicht 
rühren mag. 

61. O Menſch! bedencke dieſes: Diefer Mantel wird nicht 
dem Thiere und der Huren uͤbergedecket / wie Babellchret / fon= 
dern dem gewaſchenen Kleide / das in rechter wahrer Buß iſt mit 
GOttes Liebe gewaſchen: Dieſem Kleide der Seelen wird der 

Mantel Chriſti / welcher in feinem Weinbeer-blut iſt einmahl 
gewaſchen worden / uͤbergedecket / und nicht Huren Buben} 
Beigigen/Wucherern/Ungerechten/Störrigen/ Hoffärtigen : fo 
lange fie folche find / fo haben fie nur den Mantel der Babyloni⸗ 
fhen Huren umb / und bekommen nicht diefen heiligen gewafche> 
zen Mantel Eprifti über ſich: Heuchle wie du wilft/ fo kriegeſtu 
ihn nicht / du ſeyeſt dann zuvor gewafchen; Dein Tröften gilt dir 
nicht / du muſt mit Ernſt daran / dag deine Efelin lebe / und dein 
Süllen am Weinſtock Chrifti effenrialiter angebunden ſey / an⸗ 
derſt biſt du ein Glied der Huren auff dem ſteben-koͤpffigen Dra= 
En; und wann du gleich koͤnteſt durch die Thronen fahren / ſo 
waͤreſt du doch nur ein Kind des Drachens. 

62. O Baͤbel / Babel! was haft du gethan ? daß du dieſen 
Mantel Haft den Thieren uͤbergedecket / und biſt ſelber nur dar⸗ 
unter ein Wolff geblieben. 

63. Item: Seine Augen find rother denn Wein/ und feine 
Zähne weiſſer dern Milch, Seine Augen ſeynd nun die feuer⸗ 
flammende Liebe / welche durch des Datters Zorn dringen / und 
durch die feuriſche Seele fehen/darinnen des Vatters Zorn in der 
ſeuriſchen Seelen ein fiecht-flammende Liebe⸗feuer ift worden ; 
fo ift der Seelen Eflenß dadurch ein ſuͤſſer wohl⸗ ſchmeckender 
Goͤttlicher rother Liebe⸗wein worden / da eine Eigenſchafft in der 
ſecliſchen Eſſentz die andere in groſſer Liebe-begierde ſchmecket / 
. und des Baͤtters Zornes Eigenſchafft in einen lauteren guten 
Beat quillet. 

Und ſeine Zaͤhne ſind weiſſer denn Milch. Dieſe weiſſe 
ah find die Begierde des innerigeiftlihen Menſchen / da das 
heilige Wort mitinder Begierde diefer Zähne iſt; welche weiffe 
Zähne ver himliſchen Begierde den Leib und das Weinbeer-blut 
Chriſti faſſen / eſſen und trincken / denn es iſt der geiftliche Mund / 

dehme Chriſtus ſein Zeftament geordnet hat/ day er foll mit dies 
fen weiſſen Zähnen fein Fleiſch eſſen md fein Blut — 

ie» 


E.77. Erklärung desTeftaments$acobsıc.781 


Diefes deutetder Geift im Bunde durch Jacob hell und Elar am. 

65. Denn das Teftament Zuda gehet durchaus auff Chriſtum/ 
auff feine Perſon / Ambt und Reich: denn aus Juda folte Chris 
ſtus nach der Menſchheit kommen / auswendig ſtehet die Figur 
des Vorbildes / und inwendig in der Geiſtlichen Figur ſtehet 
Chriſtus klar. 


Das 77. Capittel. 


Weitere Erklaͤrung des Teſtaments Jacobs] von den 
andern acht Sohnen / wie beydes das Judiſche Regi⸗ 
ment oder Reich auff Erden / und auch die Chriſten— 
heit darunter fuͤr gebildet ſey wie es mit ihnen gehen 
wuͤrde. 

Geneſ. 49. 


= Enten erften 3. Soͤhnen Jacobs wird in der Fi> 

gur das Neich der verderbten Natur / alsder ada⸗ 

miſche Menſch fürgebilder / was er fey; und ben Ju⸗ 

da wird Chriſtus fuͤrgebildet / welcher kommen fols 

te/umd den adamifigen Menfchen in fein Reich brin⸗ 

gen : Aber ben den andern 8. Soͤhnen Jacobs wird nun die Figur 

der weltlichen Admbter und Stände fürgebiloet / wie der ada⸗ 

miſche Menſch wuͤrde das Ober⸗Regiment führen / und wie auch 

immerdar die innere Figur vom Reiche Chriſti wuͤrde darbey 
ſtehen. 

2.- Denn allhie wird in der aͤuſſern Figur erſtlich vorgebildet / 
wo ein jeder Stamm werde ſeine Wohnung haben / und was ſein 
Ambt in Iſrael ſeyn werde: Aber darneben ſtehet immerdar die 
Figur / wie der aͤuſſere und innere Menſch werde beyeinander 
ſtehen; wie das Reich der Natur und das Reich der Genaden 
werden beyeinander wohnen / und wie ſich die 7. Eigenſchafften 
der Natur im Zorne GOttes nach dem erſten Principio werden 
auch auswickeln / und in die Figur zu Goͤttlicher Beſchaulich⸗ 
Feit einführen: Darauf wolle ver Leſer acht haben) denn wir wol⸗ 
len die innere und Auffere Figur erklären. 


V. Das Teftament Schulone. 
3. Sebulon wird am Anfuhrr des Meers wohnen/ und am 
Anfuhrt der Schiffe/ und reichen an Sidon. Dig iſt erſtlich 


Die aͤuſſere Figur / wo dieſer Stamm im Gelobten Lande woh⸗ 
$Ez nen] 


782 Erklaͤrung des Teftaments Jacobs E77: 


nen werde/ aber der Geiſt hat auch feine innere Figur / darauf 
er fichet. 
4. Dann Sebulon heiffet inder Natur-fprache im Senfu eine 


Luft die zu GOtt gehet / die bey dem Guten wohnet; und deutet 


allyie an /wie der Adamifche Menfch würde nahe bey GOtt woh⸗ 
nen / und wie er würde vonder Göttlihen Beywohne / Luſt und 
Erquidung haben : Dann Jacob zeugete Sebulon von Lea / wels 
ehe fonft unwerth war / weil fie bloͤde und nicht fo Ichöne wie Ra⸗ 
helwar / welche Lea ihre Hoffnung zu GOtt fuͤhrete / daß er fie 
wolte feegnen / daß fie fruchtbahr wuͤrde und ihrsin Manne Ja⸗ 
cob Kinder gebähre- 

5. Als ſie nun Sebulon gebahr / fprach fiel GOtt hat mich 
wohl berahten / das ift/ ich Habe meine Begierde zu ihme gewandt / 
under hat fiemirerfüllet : Nun wohnet fein Wille bey meinem/ 
und hie ß ihn Beywohnung / dasift/ GOtt wohnet bey mir) nun 
wird auch mein Mann in Liebe bey mir wehnen ; und deutet an 
wie dannoch die Genade GOttes infeinem Erbarmen werde bey 
den armen adamifchen verderbten Sleifhes- Kindern welmen/ 
und ſie in ihrem Elende nicht verlaffen. 

6. Mehrfichetsauffden Bund / daß die Kinder des Bundes 
inihrer adamifchen Natur auch nur werden eine nahe Beywoh⸗ 
nung in der Hoffnung feyn / daß der auſſere Menſch nicht wuͤrde 
das Reich Chriſti ergreiffen / ſondern wuͤrde eine nahe Bey⸗ 
wohnung ſeyn / da Chriſtus wuͤrde im innern Grunde wohnen / 
als in der Geiſtlichen Welt / und Adam in dieſer Zeit / und doch 
eine Beywohnung ſeyn wuͤrde. 

7. Dann als der Geiſt hat mit Juda Chriſtum im Fleiſche ge— 
wieſen / ſo weiſet er nun allhie daß unſer aͤuſſerer Menſch nicht 
Chriſtus ſeyn werde / ſondern eine Beywohnung Chriſti; Chri⸗ 
ſtus wuͤrde den innern Grund beſitzen / wie er auch ſaget: Mein 

Reich iſt nicht von dieſer Welt. Darumb ſoll der aͤuſſere toͤdliche 
Menſch nicht von ſich ſagen / Ich bin Chriſtus; Er iſt eine Bey 
wohnung Chriſti / gleich wie die aͤuſſere Welt nur cine Beywoh⸗ 
nung des Reichs Chriſti ift / denn Chriſtus iſt die innere Geiftfis 
che Welt / in der aͤuſſern ſichtbahren verborgen / wie der Tag in 
der Nacht verborgen iſt / und doch eines bey dem andern wohnet. 


VI. Das Teſtament Iſaſchar. 
3. Iſaſchar wird ein Beinern Sſel ſeyn / und ſich laͤgern zwi⸗ 
ſchen die Grentzen / und er ſahe Die Ruhe daß fie gut iſt und 


Das Land das es luſtig iſt / Er hat aber feine Schultern ge⸗ 
neigt 


E.77. vondenandern acht Söhnen. 783 


neigt zu tragen / und iſt ein Zinßbarer Knecht worden. In 
dieſem Zeftament Zfafchar deutet der Geiſt auch erftlich auff die 
aͤuſſere Figur diefes Stammes wo fie folten wohnen / als mitten, 
im Sande / in guter Ruhe / aber doch Zingbahr feyn : Aber die 
gewaltige Figur fichet auff den inwendigen Grund / alsauff die 
menfchliche Natur. 

9. Dennals Sca den Iſaſchar gebahr / fo ſprach ſie / GOtt 
hat mir gelohnet / dag ich meine Magd meinem Manne hab geges 
ben / undhieg ihn Ifafchar / alseinen Göttlichen Sohn oder Ges 
gengabe: denn ſie hat Rahelder Dudaim ihres Sohns gegeben 4 
dag fie ließ Jacob diefe Nacht bey ihr ſchlaffen / davon fie dieſes 
Sohns ſchwanger ward / fo hieß fte ihn eine Gegengabe GOttes. 

10. Aber der Geiſt ſaget in disfer Figur / Er wird ein Bei⸗ 
nerner Efel ſeyn und fich lagern zwischen die Grengen / wel- 
ches Äufferlich mitihrer Wohnung wohl alfo war / aber in der 
Innern Figur fpriht er x Der Menfh fovon GOtt erbetten 
iſt / iſt wohl eine Babe und Sohn / aber feine adamifche Natur i 
Doch ein beinerner Laſt-Eſel / welcher den adamifchen Sad traͤ⸗ 
get; aberer wohnet mit feinem Gemuͤht zwifchen den Grensen 
als zwifchen Gottes umddiefer Welt Reich ; fein Gemüht drins 
getindie Grentze Gottes / undder Leib wohnstinder Melt. 

11. So muß das Gemüth ſeyn wie ein beinerner Bienfthahrer 
Eſel / welches ob es wohlinciner guten Ruhe und Wohnung an. 
der Grentze Gottes ſitzet / ſo muß es doch den Laſt der Sünden: 
und des Todes in dem irrdiſchen Sad fragen / und ift Fein ab» 
kauffen mit dem Dudaim für den Tod des irrdiſchen Menfchen ;, 
auch huͤlfft kein von Gott erbitten / daß dadurch der beinerne E⸗ 
ſel zur Goͤttlichen Freyheit koͤnte kommen / er muß ein Eſel bleiben? 
biß ihn Chriſtus in ſich in die ewige Ruhe einfuͤhret: Der adas 
miſche Schade iſt zu groß / der Eſel muß den Sack um Tode Chris 
ſti laſſen / anderſt wirder feiner nicht loß. 

ı2. Er ſetzet aber die Urſachen darzu / warumb er ein beinerner 
Eſel bleiben muß) denn er ſpricht: Er ſahe die Ruhe daß fie gut 
aſt / und das Land daß es luſtig iſt / das iſt / daß das Gemuͤht noch 
immerdar werde in der Fleiſches⸗-Luſt ruhen wollen / und werde 
der irrdiſchen Luſt begehren zur pflegen / deßghalben muß das Ge— 
muͤht ein Dienſtbahrer Eſel und Knecht Gottes Zorns ſeynz und 
ſcheidet alſo den natuͤrlichen adamiſchen Menſchen vom Bundes⸗ 
Saamen / als von der Perſon Ehrifti/ daß der natuͤrliche adami— 
ſche Menſch in feiner angebohrnen Natur nur dieſer Eſel mit dem 
Sacke ſey / biß Chriſtus fein Reich in ihme beſitzet; da huͤlfft we⸗ 

der 


784 Erklärung des Teftaments Jacobs E.77. 


der Bund noch bitten / Adam bleibt indiefer Welt ein Efel / biß 
der Sack weg ift / fo heiſſet er alsdann eig neues Kind in Chrifto/ 
welches neue Kind in diefer Zeit der inwendigfte Grund iſt: Aber 
der beinerne Efel ift des neuen Kindes Werckzeug / darauffder 
Sack getragen wird / dann die Dienftbahrkfeit des Zorns Gottes 
währet fo lange der Sad vorhanden ift. 


VII Das Teftament Dan. 

13. Dan wird Richter feyn in feinem Volck / wie ein ander 
Geſchlecht in Iſrael: Dan wird eine Schlange werden auff 
dem Steige / und eine Natter auff dem Weege / und das Pferd 
in die Ferſen beiffen / daß fein Reuter zuruͤck falle: Herr ich 
warte suffdein Heyl. Diefes ift eine gewaltige Figur von dem 
anfferlichen Gewalt der menfchlichen Aembter im Neiche diefer 
Welt / und iſt alfo mächtig prafiguriret / daß cs ſchroͤcklich zu le= 
fen iſt fo man feine Figur recht anſiehet / und ſtehet Doch vor 
Gott in eigener Figur alfo: Der Geift fpricht ; Dan wird 
Richter feyn in feinem Volcke / wie ein ander Geſchlecht in 
Iſrael. 

In der Figur ſtehets alſo: 

14. Dan ſtehet in der Figur aller aͤuſſerlichen Ambte> 
verwalter vom höchften Gewalt / biß auff das Negiment des 
menfchlichen eigenen Lebens; So fpricht der Geift von ihme / er 
wird in eigner Macht ſeyn / wie ein anderer Menſch un: 
ter andern: Bor Gott iſt er nichts groͤſſer in ſeiner Natur ge— 
achtet als ein Knecht / dann er dienet GOtt in feinem Ambte / 
alsein anderer Knecht feinem Herrn; das Ambt ift GOttes / dar⸗ 
innen er als ein Richter figet. Das Ambt iftder Gewalt /under 
ſelbſt ift vor GOtt wie ein anderer Menſch. 

15. Aber der Geiſt ſpricht: Dan wird eine Schlange wer⸗ 
den auff dem Weege / und eine Natter auff dem Steige; das 
iſt / dieſe Richter in GOttes Aembtern werden Gifft aus dem 
Gewalt ziehen / als eigenen Willen / und von ſich ſagen Mein 
iſt die Gewalt / ich bin das Ambt; das heiſſet auff dem Weege / 
dann der Weeg den ſie gehen ſollen iſt GOttes / als die wahre Ge⸗ 
rechtigkeit / fo ſpricht Dan: Das Land / Item, die Stadt / das 
Dorff / das Gut / das Geld iſt mein / es iſt mein eigen / ich wil 
es zu meinem Nutz und Ehren brauchen / und in dieſem Ambte 
leben wie ich wil, 

16. Und 


—9 





E.77. von den andern acht Söhnen. 785 


16. Und diefelbe Ichheit if die Schlange und gifftige Natter 
auff dem Steige / dann fie gehet eitel ſchaͤdliche Schritte auff 
dem Steige der Gerechtigkeit; fie machet die Gerechtigkeit zur 
Meinheit/ daß ſie thue was fie wolle: Sie ſpricht / ich bin ein 
Herr / die Stadt / Landt / Dorff/ Sewalt / iſt mein / ich mag 
mit den Leuthen tuhn wie ich wil / ſte ſind mein; und ſauget alſo 
aus GOttes Richter⸗Ambt eitel Gifft / und quaͤlet dadurch den 
Elenden / und ſticht mit dieſer Gifft in dem Weege des Ambts 
um ſich / wie eine Natter und Schlange. 

17. Dann der Geiſt ſpricht: Er wird das Pferd in die Fer⸗ 
ſen beiſſen / daß ſein Reuther zuruͤck falle; das iſt / er wird das 
Pferd / als das Ambt darauff cr reuthet / indie Ferſe / als in 
die Gerechtigkeit beiſſen / daß die Gerechtigkeit / als der Reu⸗ 
ther⸗Gottes / dehn er führen ſoll / zuruͤck falle / under als der 
rReuther Gottes an ſtatt der Gerechtigkeit regieren moͤge; dar⸗ 
auff ſpricht der Reuther der Gerechtigkeit in ſeinem Ambte: 
Herr) ich warte auff dein Heyl / das iſt / biß du den rechten Reu⸗ 
ther Chriſtum ſendeſt / welcher wieder uͤber dieſe Natter und 
Schlange reuthen ſoll. 

18. Als Rahel dem Jacob kein Kind gebaͤhren konte / entruͤſtete 
fie ſich wider Jacob und ſprach zu ihm: Schaffe mir Kinder / 
wo nicht / ſo fterbeich : Jacob aber ward zornig auff Rahel 
und fprach / Bin ich doch nicht GOtt / der dir deines Leibes 
Frucht nicht geben wil ; Sie aber ſprach / ſiehe / da iſt meine 
Magd Bilha / legedich zu ihr / daß ſie auff meinem Schooß 
gebaͤhre / und ich doch durch ſie erbauet werde: Und ſie ga 
ihm alſo Bilha ihre Magd zum Weibe / und Jacob legte ſich 
zu ihr: alſo ward Bilha ſchwanger / und gebahr Jacob einen 
Sohn; Ba ſprach Rahel GOtt Hat meine Sache gerichtet / 
und meine Stimme erhoͤret / und mir einen Sohn gegeben: 
darum hieß ſie ihn Dan. 

19. Dieſes iſt nun die gewaltige Figur beym Teſtament Ja⸗ 
cobs / da er von Dan fo ſchrecklich weiſſagete / daß er wuͤrde cine 
Schlange werden; und deutet in der rechten Figur an des Men—⸗ 
ſchen eigenen Willen / welcher ſich nicht wil laſſen GOtt richten 
und fuͤhren / und immerdar wider GOtt murret / wie Rahel wider 
den Jacob murrete / daß es ihr nicht gieng wie fie wolte / und tro⸗ 
tzete Jacob / er ſolte ihr Kinder ſchaffen oder fie wolte ſterben / dar⸗ 
uͤber Jacob erzuͤrnete. * 

20. So ſtellet nun der Geiſt die Figur dar mie Bilha / Rahels 
Magd / welche ſie Jacob zum Weibe gab / welche die ſen Dan graue 

wel⸗ 


735 Erflärung des Teftaments Jacobs E77, 


welcher folte ein Kichter und Schlichter ſeyn des Zorns und 
Streits zwifchen Jacob und Rahel) da der eigene Wille bey Nas 
hel mit Gewalt wolte Kinder haben. 

21. Und prefiguriret uns dieſes / daß das weltliche Nichter-ambt 
von Gottes Magd / das iſt vom Neiche der Natur feinen Urs 
fand habe; daß GOtt den Menſchen unter kein Kichter-Aınbt 
gefhaffen hate / fondern der eigene murrende / wiederwertige 
Wille des Menſchen / wehher nicht wil GOtt gehorſamen / und 
fich feinen Geiſt nicht wil richten und führen larfen / der hat es 
verurfachet/daß Dan / als der Gewalt zu richten ift in der Schooß 
Rahel / als in die Freyheit der Natur gebohren worden. 

22. Darum fellet der Geiſt im Bunde mit Jacob / ſo ein ſtren⸗ 
ge Urtheil daruͤber und ſpricht: Dieſer Dan / das iſt / dieſes 
Richter-ambr wird zur Natter uñSchlange werden auff dem 
Weege der Gerechtigkeit / und das Recht / als fein Pferd in die 
Ferſen beiſſen / dag fein Keuter als das Recht und Gerechtigkeit? 
zu boden falle / alsdann folle die Natur auf Gottes Heylwarten/ 
als auffdas Hecht Chrifki durch die Liebe da dann Dans Ambt 
aufhören fol, 

23. Welches dir Babel wohl zubedencken wäre / weil du dich 
Chriſti ruͤhmeſt / ob auch dein Heyl in dir ſey / daß du dich felber 
richteteft und nicht müffeft Richter Haben? welche deine Ungerech⸗ 
tigkeit müffen richten / in welcher du Erin Chriſt biſt / weil du nur 
ſtaͤts mit Rahel murreft und deinen Willen ſucheſt / darum fo 
muß dich auch die Netter und Schlange Dans wohl ftechen: 
dann deine Voßheit urfaches das) als dein eigener Muhtwille : 
Darum hat dich auch GOtt unter den geſallenen Reuther Dan ge> 
geben / daß du muſt alſo Leib⸗eigen und als ein gezaͤhmetes Rotß 
einher gehen / daß dich die Schlange ſticht mit ihrem Gifft⸗ſtachel/ 
als mit der Gewalt der felb-genommenen Eigenbeit, 

24. Aber daß der Reuther Dan mug zurück fallen deutetan 
daß diefer Dan mit feinem Ambte foll im Gewiffen der Chriſten / 
wan fich die zu Chriſto wenden und Buß tuhn / zuͤruͤck fallen / dann 
in der Buß hoͤret Dans Regiment auff / der Reuther GOttes 
Zorns fallet zur uͤck. So iſt auch cin jeder Chriſt ſchuldig von Her⸗ 
tzen alles zuvergeben / wan die Buß und die Erkaͤntnuͤß der Suͤn⸗ 
den komt / und das Richter-Ambt iſt das Sünden-Ambt / dag 


Das Recht vom Unrechten ſcheidet / und gehet allezeit über das Fal⸗ 


ſche / aber die Schlange beiſſet offte das Pferd in die Ferſen / als 
Gunſt / Hochheit / Geſchenck und Gaben: dieſe machen Dan zur 


Natter und Schlangen. 
a5. Und 





E. 77. vondenandern acht Söhnen. 787 


25. Und ſehen aber Elar/ daß Dan / als das Richter-⸗ambt 
bey Iſrael / in dem murren und Widerwillen feinen Urftande 
bat / und Dan nur ein Schliter des Streitsift/ und nicht wie 
er meynet / eineigen Herz feines Ambts / fondern ein Scheide> 
mann / wieRahel ſagte: GOtt hat meine Sache gerichtet / ale 
nemlich mit diefem Dan / ihrer Magd Sohn / und nicht ihrem 
eigenen Sohn / anzudeuten/ dag ein Kind GOttes feines Rich⸗ 
ters bedarff/ es richtet fich felber und lepdet mit Gedult. 


VIII Das Teftament Gap. 


26. Gad geruͤſtet / wird das Heer führen und wieder her⸗ 
umb führen. Diefe Figur prefiguriret nicht eben dieſes / daß die 

Kinder Gad follen eitel Heerführer ſeyn / wie denn auch nicht 
Dans Kinder eitel Richter / ſondern es fteilet die geiſtliche Fi> 
gur dar / welche auch bey Sea zu fehen ift / welche ihre Magd auch 
Jacob gab / da fie aufpörete zu gebaͤhren / und alfo wolte eilen / 
und es Rachel zuvor tyun : Denn Gad ward won Silpa geboh> 
ren / umd folte Dan zuvorkommen / denn fie ſprach Ruͤſtig / 
wende dich ihmevor / und wieder herum zumits und deutet an 
die menſchliche Fürfichtigkeit / als Liftigfeit und falſche Klug 
heit / die mit allen Liſten dem Rechte und Gercchfigkeit Zuvor» 
kommen würde / and würde fich über alle Wahrheit und Recht 
Fhmwingen. 

27. Denn Bad undDan find beyde vonden Mägden/und find 
in der Figur wie ein Streit; denn Rahel und Lea wolfen je eine der 
andern zuvor kommen / darum war ihr Weeg ein eitel Contrari- 
um: Alfo ftehet auch diefe Figur: Wenn Dan wil richten / ſo 
komt Gad mit feiner liftigen Geſchwindigkeit / und wifchet ihme 
aus feinem Ambte mit fcheinlichen Reden / auch mit Lügen und 
Berdrehen: denn er drähet alle Wahrheit wieder herum) uhd 
feet feine gefchwinde gift in das Necht der Wahrheit / fowird 
alsdenn der Richter blind vor feiner Geſchwindigkeit. 

28. Dieſes deutet der Geiſt gewaltig auff Iſrael / wie fie uns 
ger einander [eben würden / und wie nur dereigene Gewalt mit 
Dan / unddie Geſchwindigkeit mit Bad würde die Welt regie: 
ven : Aber diefes find beyde nur der Mägde Kinder /und nicht dee 
Freyen /undihre Yembter follen cin Ende nehmen. 


IX, Das Teftament Alfer. 


29. Dom Affer komt fein fett Brod / und er wird den Ra 


Bigen zu gefallen tuhn. Als Silpa / Lex Magd hatte Bad ge⸗ 
bohren? 


88 Erklaͤrung des Teſtaments Jacobs C. 7? 


bohren / als den ruͤſtigen / liſtigen / allezeit geruͤſten auff allerley 
liſtige Anſchlaͤge wider das Recht Dan) fo ſpricht Moyſes / 
9— fie Jacob den andern Sohn / da ſprach Lea: Wohl mir / 

enn mich werden ſeelig preiſen die Töchter / und hieß ihn Aß⸗ 
ſer / und Jacob ſprach im Teſtament / von Aſſer komt ſein fett 
Brod; und er wird den Rönigen zu gefallen leben. Allhier 
nimmt Jacob al s der Geiſt im Bunde / dieſe zween Brüder ragt i in 
eine Figur : Denn Gad hat die Gefchwindigfeit / und Aſſer 
nimt fein fett Brod von dem Könige / und Lea fagt bey feiner Ge⸗ 
buhrt / mich werden ſeelig preif fen die Töchter. 

30. Allhie ſtehet nun die Figur / was das fuͤr eine Deutung 
ſey: Gad richtet | feinen Werg mit Liſten aus/ und Aſſer mie 
Heucheley beyden Koͤnigen und Gewaltigen / davon er fette Ta> 
ge und olluft betomt: Das find die jenigen/ welche follen in 
Henbtern ſitzen und richten / die tuhn alles ven HErrn und Kös 
nigen zur gefallen / dag fie von ihnen ‚gefobet werden/ und dag fie 
ihr fett Brod davon haben / und deutet’ der Geiſt bey dieſen dreyen 
Soͤhnen gewaltig / was für Leute wuͤrden die Welt regieren / als 
mit Dan die Schlange / als eigener Wille / und nit Gad die Liſt 
und Trug) und mit Aſſer die falſche Heucheley / welche allezeit 
bey den Koͤnigen ſitzet / und um ihr fett Brod dienet / und nur 
nach Lob und Ehren der Menſchen trachtet. 

31. Darum ſaget der Geiſt: Don Aſſer komt fein fett Brod. 
Wehm komt das fette Brod? den geſchwinden liſtigen Koͤpffen / 
welche den Heuchlern ihre Sachen ins Recht ſetzen; der Heuch⸗ 
ler ſitzet beym Könige / und lobet ihn in feiner Eigenheit / und ſa⸗ 
get / thue was du wilſt / es iſt alles gut: und wenn es der Koͤnig 
wolte gerne im Schein des Rechten haben / daß es auch gelobet 
werde / ſo komt Gad mit ſeinem geſchwinden liſtigen herumgedre⸗ 
heten Rechte / und ſetzet dem Koͤnige ſeinen eigenen Willen ins Na⸗ 
tur⸗recht / daß cs ſcheinet recht zu ſeyn / deme gibt Aſſer des Königs 
fett Brod: alſo leben fie alle drey in der Schlangen und beiſſen 
das Pferd in die Ferſe / und ſind alle drey der Maͤgde Kinder / 
als ug des eigenen Willens. 

32. Dan iſt der Hberzambts-verwalter: Bad ift fein Naht 
im Berichte / als die Zuriften find / und Affer find feine Edeie 
Raͤhte: Dieſe hat der Geiſt in ihrem Teſtam gt mit denen Din 
gen verſehen / die fie hernach treiben würden: Denn der Teftaror 
fagte nicht: Ihr follet folche feyn / fondern/ ihr werdet folche wer⸗ 
den / und zeiget trefflich an was das Regiment auf Erden in eige⸗ 
em Willen der Menſchlichen Natur ſeyn wuͤrde. 

x. Das 





ne DE u Pl ERS EEE RB 


i 
\ 





E77. vondenandernacht Söhnen 785 


X. Das Teftament Naphtalim. 

33. Naphtalim iſt ein ſchneller Hirsch / und giebet ſchoͤne 
Reden. Naphtalim iſt der ander Sohn Bilya / Rahels Magd / 
dehn ſie nach Dan gebahr / und iſt ein rechter Bruder Dans: 
DiehferBruderRaphtalim iſt num bey dem Richter und Koͤnige / 
und deutet an die irrdiſche Weisheit vom Geſtirn / welche mit 
gierlichen ſchoͤnen Reden das Richter-ambt ſchmuͤcket / dag Dan / 
Gad und Affer weife verfiändige Herren genannt werden. 

34. Aberer komt auch nur von dein Streite zwifchen Rahel 
und Jacob: Denn Nahel ſprach / als ihn Bilha ihre Magd ge> 
bahr / GOtt has es gewandt mit mir und meiner Schweſter / und 
ich werde es ihr zuvor thun: das deutet in der Figur an / daß dieſe 
weiſe Reden des Naphtalims in dieſem Richter⸗ambte würden 
alle Sachen koͤnnen biegen und wenden / daß der eigene Wille 
ein Richter aller Sachen bleiben würde dag alfo Niemand we⸗ 
gen dieſer vier Regenten der Maͤsde Söhne! würde können et⸗ 
was aufbringen / fondern fie würden in Sfrael das Regiment 
haben und die Welt regieren / undesallen Menſchen zuvor thun. 

35. Aber fie ſeynd nur alle vier der Mägde Söhne : Und Sa> 
ra ſprach zu Abraham / ſtoß der Magd Sohne hinaus / denner 
fell nicht erben mit meinem Sohne Iſaac / und Gott lieg ihm 
das gefallen / undbefahl Abraham das zufhun Janzudeuten/dag 
dieſe Aembter nicht follen das Reich Chrifli erben noch beiten / 
fondern ihre Endfhafft haben / wenn Chriſtus als der freyen 
Sohn / wuͤrd das Reich einnehmen / fo würden allediefe Stän= 
de außgeſtoſſen werden; und er alleine / in feinen Kindern und 
Gliedern regieren. 

36. In dieſem Spiegelbefiche dich num du Eluge / hochweiſe / 
zu Welt /indeiner Klugheit / Wohlredenheit / Gunſt / 

Macht und Ehren / und ſiehe worinnen du ſitzeſt und wehme dus 
die neſt: beſchaue dein fett Brod/ Item das Lob der Könige / des 
nen du dieneſt / und was duthuſt und vor haſt / wie du in deiner 
Figur vor Gott und dem Reich Chriſti ſteheſt; Deine Wolre—⸗ 
denheit gilt vor Sott nichts / deine Klugheit und Liſtigkeit auch 
nicht / wirftu nicht recht rahten / und die Wahrheit ſagen und 
thun / und deinem Ober-herren recht weifen und fuͤhren / ſo huͤlf⸗ 
feſtu deinem Oberen dieſe Natter und Schlangen im Teſtament 
Den gebähren / und bift felber nur diefelbe Matter und Schlans 
ge / welche das Recht und Gerichte in die Ferſe beiget/ fo wirft 
du auch der Schlangen Ende und Sohn im hoͤlliſchen Feuer dafür 
bekommen. xl. Das 


Br 


790 Ertlärungdes Teftaments Jacobs — 


‚XL Das Teſtament Joſephs. 


37. Joſerh wird wachſen: Er wird wachſen wie an einer 
Oualle: Die Töchter tretten einher im Regiment / und wie: 
wohl ihn die Schügen-erzürnen / und wieder ihn kriegen und 
verfolgen / fo bleibet doch fein Bogen feit / und die Atme ‚eis 
ner Haͤnde ſtarck durch die Hände des Mächtigen in Jscob ; 
Yus ihme find Eommen Hirten und Steine ın ad / von 
Deines Datters Bott ift dir geholffen / und von den Allmaͤch⸗ 
rigen biftu gefeegnet mit Seegen oben vom Himmel herab / 
— —— die unten lieget mit Seegen an 

rüjten und Böuchen ; Die Seegen deines Datters gehen 
ftärder / als die Seegen meiner Dor-£ltern nach Wunſch der 
Hohen in der Welt/ und follen Eommen suff das Haubt 
Zofepbs / und uff den Scheitel des Wazir unter feinen 


38. In diefem Teftament Zoferhs ftellet nun der Geift im 
Bunde mit Jacob die Figus dar / was ein rechter göttlicher Re⸗ 
gente ſey / in deme der Geiſt Gottes regiere / der nicht der Magd 
Sohn ſey / ſondern der Freyen / welcher in ſeinem Ambte Gott 
und feinen Brüdern dienet / der aus der Wahrheit und Gerech⸗ 
tigkeit regieret / und die Ohren⸗ jucker und Heuchler nicht um ſich 
duldet / der nicht eigenen Nutz und Ehren ſuchet / ſondern Got⸗ 
tes Ehre und feiner Bruͤder Nutz: Einen ſolchen hat der Geiſt 
mit Joſerh trefflich prefigurirct. 

39. Denn Joſeph war nicht ein eingedrungener Regent / ſon⸗ 
dern cin rechtberuffener / nicht um Liſt und kluger Rede willen / 
dag er koͤnte das Röglein beym Schwantze herum drehen und die 
Einfalt bereden / es ſey der Kopff: da die Heuchler ſolcher Re⸗ 
genten frresen I Zacsift der Kopff / dag ſie nur ihr fett Brod zu 
Hofeeffen mögen: Er fage nicht mit gefhickten fcharffen Reden 
ins Kichter-ambt / fondern durch göttlichen Ver ſtand: fo er 
hätte wollen heuchlen und buhlen / fo hätte er wohl können bey 
Potiphar ein Kegentfepn: alleine es folte nicht ſeyn; dan in ih⸗ 
me ſtund die Figur eines wahten Chriſten⸗ Menſchen wie der⸗ 
ſelbe ſcin Leben / und auch fein Ambt regieren würde / und wie 
der gufe Quell⸗brunn Chriftus würde ducch ihn ausquellen / und 
durch ihn richten und regieren. 

40. Denn Zacob hub das Teftament an und ſprach: Joſeph 
wird wachſen / er wird wachſen wie ameiner Ouelle/ dag iſt / 


feine Weißheit wird in Gottes Kraft wachfen/ und auf ihme 
aufs 





A —— 


«+; 


E77. vondenandernacht Söhnen 797 


ausqucllen dag er weiſen Raht finden wird; tem die Töchter 
frerten einher im Regiment / das ift / feine weiſe Worte und 
Rahtſchlaͤge gehen daher / wie ein ſchoͤne Tochter in ihrer Zunge 
fräulichen Zucht und Tugend. / 

41. Item / und wiewohl ihn die Schügen erzörnen / und 
wider ihn Eriegen / und ihn verfolgen / fo bleiber Doch fein 
Bogen fefte/ und die Arme feiner Hände ſtarck / durch die 
Hände des Mächtigen in Jacob; das ift/ wiewohlihn der 
Zeuffelmit feiner Rotte anficht und ihn verachter / daß er nicht 
kigene Ehre und Nus ſuchet / und feine Pfeile durch falfche Leute 
auf ihn fcheuft / welche ihme Luͤgen unterm Schein der Wahre 
heit beybringen / fo bleibet doch feine Weisheit unter göttlichen 
Arın/ und fein Wille zur Gerechtigkeit] wie ein fefter Bogen ftes 
hen durch die Beywohnung des mächtigen Gottes. 

42. Item / ausihme feynd Eommen Hirten und Steinein 
Iſrael / das iſt / aus ihme / aus feiner Weißheit kommen ans 
dere weiſe / gerechte / verſtaͤndige Regenten / als treue Raͤhte / 
welche neben ihm Hirten und Seulen im Regiment ſind: Denn 
wie der Fuͤrſt iſt / alſo find auch feine Rahte/fprihtiman : Wenn 
die Raͤhte ſehen / dag der Fuͤrſte die Gerechtigkeitliebet / unddag 
ihme mit Heucheley nicht gedienet iſt; dag bey ihme nur fromme / 
wahrhaffte und verſtaͤndige weiſe Leute gelten / fo befleißigen fie 
ſich auch auf Weißheit und Gerechtigkeit / dag ſie ihme darinnen 
gefallen / ſo hat das Land gute Hirten. 

43. Item / von deines Vatters GOtt iſt dir geholffen / 
und von dem Allmächtigen biſtu geſeegnet; das iſt / von dem 
Bott Abraham / weldher Abraham halffı haſtu Weißheit und 
Verſtand bekommen / undder hülfft dir wider deine Feinde / und 
wider ihre Pfeile / und von dem Allmächtigen biftu gefeegner 
mit Seegen oben vom Himmel herab / mit Seegen vonder 
Tieffe die unten lieget / mit Seegen an Brüften und Bäus 
chen / das ift/ vonder Warte des Heeren folftu Gut/ Ehre und 
Pahrung empfahen/der wird dich an Leib und Seel / an Haab und 
But / undin allendeinen Weegen fegnen / und dirgnug geben/ 
dag du der Liſt / und Trug mit verfehretem Rechte nicht wirft 
bedoͤrfſen du wirft nichts von Eigenheit dörffen fagen/ und wirft 
doch vicl und genughaben. 

44. Denn ein Gottsfürchtiger der die Eigenheit verlaͤſſet / 
Ber Friegetim Reiche Chrifti alles dafür / der Himmel und die 
Belt ift fein/ da fich der Gottlofe dargegen mus mit einem 
Stuͤcke behelffen / welches er doch inder Liſt nur geftohlen hat / 

und 


792 Erklaͤrung des Teſtaments Jacobs. C.777 


und mit Trug an ſich bracht / und nichts mitnimmet von hinnen 
als nur die Hoͤlle / und ſeine falſche Ungerechtigkeit / und den 
Fluch elender Leute / welche er hat auff Erden gemartert / die ha⸗ 
ben ihme mit ihrem Sluche das Hoͤlliſche Feuer angezuͤndet / das 
nimt er mit. 

45. Item / die Seegen deines Vatters gehen ſtaͤrcker / denn 
Ole Seegen meiner Vor⸗Eltern / nach Wunſch der Hohen in 
der Welt / und ſollen kommen aufdas Haubt Joſephs / und 
auf die Scheittel des Nazir unter ſeinen Bruͤdern; das iſt / 
Jacobs Seegen ging darumb ſtaͤrcker als feiner Voraͤlteren / 
daß in ihm der Glaubens⸗Ens war ausgegruͤnet / und in viel Ae⸗ 
ſte und Zweige kommen: Dan die Frucht erzeigete ſich mehr / 
als bey Abraham md Ifancz Denn Abraham zeugefe nur ci> 
nen Zweig aus der Bundes-Linea, als den Iſaac / alſo zeu⸗ 
gete Iſaac auch nur einen Zweig aus der Bundes»Linea, als 
den Jacob / dahin fahe ver Geiſt; Weil Jacob hatte zwölf 
Soͤhne gezeugek/ welche allefaınbt in der Wurtzel der Bundes- 
Linea ftunden / nnd wuchſen daraus als Zweige/ (in Juda aber 
fund der Stamm / ) fo fagte er / feine Seegen gingen ftärder; 
wie cin Baum / welcher ift vom Stamme in Aeſte gewachfen. 

46. Daß er aber faget : Nach Wunſch der Hohen in der 
Welt / darunter deutet eran die Gluckfeligkeit des gebenedey> 
ten Seegens / wir ihnen die Neichen dee Welt nur Hochheit und 
Güter wuͤnſchen alfo empfahen diefe im Seegen Gottes zeitliche 
undewige Güter ; diefe follen durch Den Scegen Jacobs kommen 
auf das Haubt Joſephs / dasift / auf feine Kinder / daß fie fol= 
len in dieſem Gewaͤchſe gute Früchte fragen: Dann das Haube 
deutet an die Bluͤt und Früchte dieſes Baͤums. 

47. Item / und auff Die Scheitel Des Nazir unter feinen 
Brüdern ; das iſt / der Seegen foll nicht allein aus der Bundes= 
Linea aus dringen / Dat diefelbe unter Jacobs Kindern allein im 
Seegen ſtuͤnde als der Stamm Juda / ſondern auff die Schei- 
tel des Nazir / alsauffven Grund der natürlichen Wurtzel des 
adamifchen Baumes iniynenallen/ dag fie allefamt follen feyn/ 
wie cin fruchtbahrer Baum; aber von ihren Ständen und weltlis 
chen Aembtern / darinnen ſie wurden Fünfftig böfe leben / feet er 
die Figur beym Dan / und den vier Brüdern vonden Mägden 
Jacobs Weibern/ wie endlich die Schlange würde das Regiment 
in der adamiſchen Natur führen/ und wie ihre Rachkommen würs 
den inden Aembtern leben / was fireine Welt darinnen entftes 
hen würde / wie felches bey den Juden und bey den Ehriften er⸗ 


gangen iſt. ZiL Das 


Al 


ni 
> 


Cap von den andern acht Soͤhnen ꝛc. 793 


XII. Das Teſtament Benjamins. 


48. Benjamin iſt ein reiſſender Wolff / des Morgens wird 
er Raub treffen / aber des Abends wird er den Raub austhei⸗ 
len. Benjaminift Joſephs leiblicher Bruder gewefen / und der 
Geiſt ſaget doch von ihine. Er ſey ein reiffender Wolff /weiger 
des Morgens werde Raub freſſen: In dieſem Teſtament Ben⸗ 
jamins iſt die allerheimlichſte Figur der gantzen Schrifft / und iſt 
Doch in ihrem Bilde in der Auswicklung im Wercke die aller of: 
fenbahrlichfte Figur / welche alfo Elar in der Erfüllung fichet / 
dag mar cs mit leiblichen Augen files / und doch auch Daran mit 
Der Bernunfft gank blindift. 

49. Diefe Figur it erfüllet / und iſt noch im Wercke / 
und ſoll auch noch erfuͤllet werden / ſie iſt alſo heimlich / 
und doch alſo offenbahr als der Sonnen⸗ſchein am Ta⸗ 
ge / und wird doch nicht verſtanden: Aber den Magis und 
Weiſen iſt fie bekant / weiche zwar viel davon geſchrie⸗ 
ben | aber noch niemahls recht ausgewickelt haben / weil 
die Zeit des Abends / da der RaubBenjamins ſoll ausge⸗ 
theilet werden / noch iſt ferne geweſen / aber nun nahe iſt! 
ſo ſollen wir etwas hiervon entwerffen / und den Unſern den Gift 
geben nachzudencken / und doch auch den Unweiſen ſtumm bleiben / 
weil ſie im Finſtern ſitzen / und ihren Rachen nur nach Raub 
auffſperren. 

50. Die zween Brüder Jofeph und Benjamin find das Bilde 
Der Chriſtenheit / undeines Chriſten⸗Menſchen / welcher in ſei⸗ 
ner Figur zweyfach ſtehet / als der adamifhe Menſch / welcher in 
feiner Ratur ift Benjamin / und der neue Menſch aus dem 
Bunde in Chrifti Geifte ift Jofeph andeutend ; und ſtehet die 
Figur / wie Epriftus habeden adamiſchen Menſchen an ſich ge= 
Rommen/ dag dieſer Menſch Halb adamifch und halb himmliſch 
ſey / und gang in einer Perfon allda ftche / welche nicht mag ge⸗ 
trennet werden. 
sr. Alſo auch figuriret er indiefem Bilde die Chriftenheit für 
wie fie werde Chriſtum annehmen und Chriften werden / da in 
Ihnen würde Chriftus umd auch der boͤſe Wolf Adam regieren / 
das iſt / war fie würden den Glauben annehmen / fo wuͤrden fie 
alfo gierig und eyferig feyn als ein Wolff / und würden die Hey⸗ 
den mit Gewalt an ſich ziehen / und würden fie aber fretzen / das ift/ 
wo man nicht wuͤrde wollen uͤberall gleiche Meynung mit ihnen 

st haltıny 


794 Erklärung des Teftaments Jacobs E. 77: | 


halten /fo würden fie anheben andere Meynungen zq verdam⸗ 
men / auch mit Krieg und Schmwerd zu verfolgen/ wie cin gorniger 
Loͤwe oder Wolff beiffet und auffriffet/ alfo wuͤrden fie im Ep: 
fer um fich freffen mit Bannen und Schwerd / und folches da> 
rum / nicht dag fte in Ehrifti Geiſte alfo eyfern würden / fondern 
aus dem Wolffe des böfen Adams / welcher ſich würdein geiftlis 
hen und weltlichen Ständen allezeit über den Geiſt Chriſti 
fhwingen. s 

52. So würdeihr Eyfer nur aus dem freffenden Wolffe ſeyn / 
Da man mehr umgeitliche Güter und um fette Tage und weltlis 
He Ehren würde unter Chrifti Namen eyfern / als um tie Lie— 
be / Wahrheit und Geeligkeit: Sie würden nicht in Ehrifti Sie> 
be⸗Krafft eyferen fondern in des freffenden Wolffes : Auch 
würden fie einander in dein Eyfer ihrer Gewohnheiten / darin 
nen fie doc nur vor Gott heuchlen würden / felber als geitzige 
Woͤlffe auffreffen ; Alfo würde auswendig der Wolff regieren/ 
amd aber doch inwendig Inden wahren Kindern würde Chriftus 
regieren! auswendig Benjamin / als der natürliche Adam wels 
her zwar auch ein Chrift ift / aber erft nach feiner Aufferftc> 
Hung / wenn er des Wolffes loß iſt und inwendig Jo ſeph / wel» 
cher unter dem Wolffe verborgen iſt. 

53. So deutet nun der Geift Tacobs im Bunde GOttes auff 
Die Zeit / wie esgehen würde salsinder erſten Chriſtenheit wuͤr⸗ 
den fie eyfern / und nach GOtt in Ehrifti Beifte hungern / und 
fich doch muͤſſen verbergen / und vor den Feinden werkriechen/ wie 
ein Wolff deme mannachtrachtetalsein Feind. 

54. Wenn fie aber würden groß werden / und Königreiche 
befißen /das ift/ wein Ehrifti Name würde unter der Gewalt 
des Dans kommen / dag aus der Chriftlichen Freyheit würden 
Gefeg and Ordnungen werden / und ihre Orden würden unter 
weltlichen Gewalt und. Herafchung kommen: ſo würde diefe Chri» 
ftenheit ein Wolff werden / welcher nicht mehr wuͤrde in der Liebe 
EHrifti richten und fahren/ fondern wer ihre Bauch⸗orden nicht 
wide alle gut heiffen / den würden fie mit Bann) Schwerd/ 
Geier und Racha freffen / und würden-um Chriſti Namen / 
und um ihre Aufffäge Krieg anrichten / und die Völder mit Ge» 
waltzur Bekäntnüg Chrifti zwingen / und um fich freffen wie 
ein Wolff / und immerdar nach Raub jagen / und doch nur mei⸗ 
flentheils fremder Voͤlcker Gut und Gewalt meynen. 

55. Alfo würde diefer Wolff Benjamin des Morgens / als in 
ſeinem Auffgang / Raub freffen / und gegen den Abend Rene er 

iefen 


a 4 








E, 77. überdie gange Zeit ver Welt: 79% 
dieſen gefreffenen Raub wieder austheilen ; dasift / gegen dem 
Ende der Welt / wenn fich Joſephs Regiment wird wieder en = 
por ſchwingen / dag Chriftus ganz offenbahr werden wird / und 
dieſer Wolff auffhören wird / fo wird Benjamin als die heili= 
ge wahre Chriſtenheit / den Raub Ehrifti/ welchen Chriftus dem 
Tode und der Höllen abgedrungen hat / austheilen. 

s6. Diefes Austheilen ſoll noch kommen / und it 
ſchentkommen / und iſt doch nicht da | und wiewohl es 
wahrhaftig da ift / und daran iſt die gantze Welt blindy 
auffer ven Kindern der Scheimnüß : Die Zeit ifE/ und 
iſt nicht/ und ift doch wahrhafftig da diefer Haub Ehri- 
ſti und auch des Wolffs Raub foll durch Joſephs 
Handt in Benjamins Handt gegeben [und ausgerheiler 
werden. 

57. Das laß die Babel ein Wunder ſeyn / und doch 
auch Fein Wunder : denn du haft nichts / und ſieheſt 
nichts/ darum du dich Fönteft wundern ; gleichwie ein jun» 
ges Baͤumlein aus einem Saamen wächfet/ und ein groffer 
Baum wird /der viel fhöne Früchte bringet /daman fich ob dem 
Korn oder Saamen folte wundern / wie ein fo föftlicher Baum/ 
und fo viel guter Fruͤchte find in einem einigen Korne verborgen 
geweſen / die man nicht erkaunt noch gefehen hat Darob (weil 
man nur eine WWiffenfchafft davon hat / daß es möglich fey / aus 
Dem Korn cin Baum zu werden) manfich nicht wundert s dan 
man fichet nicht wie das zugehet / oder wo die groffe Krafft gewe⸗ 
gen iſt: alſo auch jeßund | manfichet wohl das Korn zum 
Baum aber die Bernunfft verachtet das / und glaubet 
nicht daß ein folcher Baum darinnen liege/ davon fo viel 
auter Früchte kommen follen | dag dadurch Benjaming 
Reich am Ende ver Zeit eine Yustheilung des Raubes 
genannt werden foll. 

58. Aber Joſeph muß von ehe ein Regent in Egyp⸗ 
ten werden / alsdenn Fomt Benjamin zu ihme / fo giebt 
ihm Zofeph fuͤnff Feyerkleider / und fünf mahl mehr 
Speife von feinem Tifihe als den andern | wenn die 
Theurung dastand verfehmachtet/und die Seele Jacobs 
hungert / fo wiſſe das GOtt Iſrael dadurch in Eayp- 
ten / als in die Buſſe kehren ſo iſts alsdenn die Zeit 

2 


der 


796 Erklärung des Teftaments Jacobs C.77 


der Berfuchung | und führet Benjamin fein Raub⸗ 
ſchwerd im Munde: Aber Joſephs Angeſicht ſchlaͤget ihn / | 
Daß er inein groß Schrecken komt ] und Furcht des To⸗ 
des / um deß willen / daß der filberne Becher Joſephs 
in feinem Sade funden worden / deffen erfich fcbamt} 
uñ das Raub⸗ſchwerd famt den Woltfe-zähnen von fich 
fallenläffer : Allda fich Joſeph ihme famt allen Einen 
Brüdern offenbahret / und davon wird ein folche Freu: 
de] daß der Wolff Benjamin eın Lamm wird / daf er ſei⸗ 
5 Wolle gedultig von fichgiebet. Diefes iſt der Rede 
nde. 

s9. Das Teftament Jacobs tft eine Figur der gantzen Zeitder 
Welt / won Adam big ans Ende; daron wollen wir eine furge 
Figur entwerfen / dem Leſer / dehme die Geſchichte bekandt ſind / 
nachzuſinnen. 

60. J. Ruben iſt an dieſem Orte / weil er der erſte war / in die 
Figur der erſten Welt geſetzet welche im Natur⸗ recht ohne Ge⸗ 
ſetz lebete / die hat Prieſtertuhm und Königreich im Natur ⸗recht / 
und ſolte im oberſten Opffer / und in der gröffeften Herrſchung 
ſeyn / aber er fuhr leichte dahin wie Waſſer / und ward verſtoſſen. 

61. II. Simeon faͤhet an unter Noa / nach der Suͤndſut / 
und hielt Levi bey ſich / das war Sem: Aber das Schwerd Ham 
und Japhets war Simeon : alfo gingen zwey in einem Weſen / 
als geiftlich Rollen / und fleiſchlich Wellen / big an Moſen / da 
fHeideten fich das weltliche unddas geiftliche inz. Stände. _ 

62. II. Levi fährt unter Mofean/ welcher mit dem Prieſter⸗ 
tuhm / das Schwerd Simeons und Levi im Geſetze führete und 
fehr ſcharff darmit ſchnitte. 

63. IV. Jude faͤhet an unter den Propheten / und offenbah⸗ 
ret ſich mit Ehrifti Menſchwerdung / da diefer Scerter anfieng. 

64.V. Sebulon mit feiner Beywohnung fegte ſich in die Mit: 
te alsins Reich Chrifti ein / das mar der Anfang Der Chriften: 
heit / die wohnete am Ufer des Meers / alsbepden Heyden / und 
faffen doch gut : dan es war eine neue Sich. ’ 

65. VI. Iſaſchar ift die Zeit / da ſich die Chriſtenheit in Ku: 
be / als in Macht und. Herrſchafften einſetze te welche doch immer: 
Dar muſte den Saft der Heyden tragen / und zinsbar ſeyn / un 
ſeyn als ein beinerner Eſel zur Laſt /dan fie trugen noch das Creut 
Chriſti / und waren noch Chriſti Bilde aͤhnlich / etwan im 300 
Zahr nach Chriſto. 66. VII 





C.77. uͤber die ganke Zeitder Welt. 797 


65. VII. Mit Danfieng fi ich an der Chriftenheit gewaltiges 
Reich / da fie Könige’ Paͤbſte / groffe Biſchoͤffe und gewaltige 
praͤchtige Kirchen und Stiffter ordneten / allda ward die Natter 
und Schlange auff dem Weege Chrifti in menſchlicher Ehren / 
in Chriſti Reiche gebohren / da man anfieng um der Kirchen 
* Anſechen und Herrligkett zu diſputiren / und Menſchen 
in Ehrifti Reich und Aembter zur erhöhen und an Chrifti ſtaͤtte 
zu ſetzen / und fie an Chriſti ſtelle zuehren; fo wurd Chriſtus 
nicder gedruckt / und ſatzte ſich die Natter und Schlange in Chriſti 
Richter⸗ambt / dan allda ward der H. Geiſt verworffen und wur⸗ 
den die Coneilia am die ſtelle gefeget / und war der Antichrift ge⸗ 
kohren : So ſprach zu der Zeit der Geiſt Chriſti / Herr / ich ware 
te nun auffdein Heyl; danallyie mug nun mein Name des An⸗ 
tihrifts Deckel ſeyn / biß du mich nieder wirft aufflöfen unter 
Joſerhs Zeit. In dieſer zeit iſt die Wahrheit gewaltig in die 
Ferſen gebiſſen worden / daß der Reuther in Chriſti Geiſt muſte 
zuruͤck fallen. 

67. VIII. Mit Gad / welcher der Heerfuͤhror ſeyn folte / faͤ⸗ 
het an die Zeit der hohen Schulen bey den Chriſten irgend vor 
800. Jahren / da man den Antichriſt geruͤſt mit Krafft und 
Heer mach tin Chriſti Stuhl ſetzete / und mit ſchwaͤtzen / diſpu⸗ 
tiren und * draͤhen verthaͤdigte / da man den Schwantz zum 
Kopf machete / und die Krafft Chriſti in Menſchen⸗ſatzungen eins 
zwans / und ein weltlich Keich aus Chriſti Reich machete. - 

68. IX. Mit Aſſer faͤhet an die Zeit / da man dem König dem 
Antichriſt zu gefallen lebte / da er GOtt auff Erden ward / da 
kamen von den hohen Schulen die Heuchler / welche diefem Ko— 
nige ums fette Brod/ als um gute Aembter / Pradenden und 
Biſchoffthuͤmer heuchleten und feine Sache lobeten / und ihmt 

alles zu gefallen tähten / und Chriſtum mit dem Antichriftauf 
ein weich Küffen ſetzeten / und alſo das Bildein Apocaiypfianbes 
theten / etwan vor 6oo. Jahren und naͤher. 

69. X. MU Napthalim faͤhet an die Zeit der groſſen Wun⸗ 
der / da mar iſt mit hohen Reden und tieffſinnigen Gedancken 
vom Rahte Gottes umgangen / als man hat geſehen daß dieſer 
auff Chriſti Stuhl nicht Chriſtus in der Krafft iſt / ſo hat mans 
tieff geſuchet / daß man ihme moͤge einen Mantel umdecken mit 
ſchoͤnen anſehnlichen Schluß⸗reden / da kam die ſcharffe Logica 
auff da man diſputirete; Eine Part ſagte er waͤre Chriſtus in 
Krafft und Gewalt / die ander ſprach darwieder / da ihn die Part 
ſeines Anhanges mit hohem — in das Blut Chriſti eiuſe⸗ 


Beie} 


798 Erklärungdes Teftam. Jacobs ic. E. 77. 
tzete / undallen Gewalt zulegte/ und heilige Nede daraus mache» 
te / fo legte fich ver Geiſt Ehriftiim mwendigen Grunde darwi⸗ 
der / und ſagte / Er waͤre der Antichrift 5 diefe Zeit hat ges 
waͤhret biß auff unſere Zeit / darinnen wir leben. 

70. XI. Mit Joſeph faͤhet an die Zeit / da Chriſtus wieder 
vffenbahr wird / da er die Schlange oder Natter Dan mit dem 
Antichriftiihen Stuhl mit alle Macht und Eigenheit des 
Reichs Ehriftiauff Erden mit feinem Antlig erfchredier und zu 
bodem wirfft / da fich Zofephs Brüder muͤſſen ſchaͤmen der grof> 
fen Untreu / die fie an Joſeph getahn haben / im deme fie ihn has 
ben indie Gruben gewerffen / und darzu ums Geld verfauffete 
Alda wird aller gift / Heucheley und falfcher Trug offenbahr / 
und wird dureh das gegenwaͤrtige Antlig Jofephs zu boden ge> 
worffens und ift die Zeit/dn gefaget wird: Sieift gefallen 
Sie ift gefallen Babylon / und eine Behaufung aller Teu⸗ 
fel / undaller greulichen Thier und Bögelworden; und 
allda waͤchſet Jofeph in feiner Krafft] und retten feine 
Töchter einher im Schmucke / und gehet fein Seegen an. 

71. XI. Mit Benjsmingehet die Zeitdes Abends unter Jo⸗ 
ferhs Zeit an / dan er follalldaden Raub der erften Chriſtenheit 
wieder austheilen: Er gehöret in die erſte und legte Zeit 
fonderlich in die erfte Zeit Jofephs I da ſich Chriſtus 
anhebet zu offenbahren / fo iſt er erftlich hurtig als ein Wolff 
geweſen / undhat weidlich um fich gefreffen/als er anhub den Anti⸗ 
chriſt zu beiffen und zur freffen / aber er war dißmahl noch ein 
Wolff; Wan aber Jofephs Angeficht bloß wird / fo ſchaͤmet er 
ſichs auch! als ein Wolff der gefangen iſt / und hebetan ein Lamm 
zu werden / und feine fette Rolle zugeben. 

72. XII. Dieſes ist alfo das Zeftament Jacobs in feiner wah> 
zen Figur) da der Beift auff die Zeiten gedeutet hats und der 
Geiſt Moyſis fprigt: Da Jacob alle dieſe Reden vollender 
hatte / thaͤte er feine Fuͤß zuſammen auffs Bett und vers 
ſchied; anzudeuten / daß / wan dieſe feine Weiſſagung würde 
alle erfuͤllet ſeyn / fo würde GOtt die ausgewickelte Ratur im 
Streit der Zeit wieder in ſich ruffen / und zuſammen indie Teui⸗ 
peratur ziehen / ſo wuͤrde dieſe Zeit ein Ende haben und der Streit 
auffhoͤren. Dieſes haben wir dem Liebhaber der Wahrheit ein 
wenig entwertfen wollen / er wolle ihme im Geifte Gottes / wel⸗ 
cher alle Dinge auch indie Tieffe der GOttheit forfchet / weiter 


nachfor ſchen / ſo wird er unfern Grund in Wahrheit fehen. 
Das 


C.78. Von des Ertzvatters Jatobs Begreꝛc. 799 


Das 78. Capittel. 


Von des H. Ertzvatters Jacobs Begraͤbnuͤß im Lande 
Canaan: Was darbey zu verjtchen iſt. 


Geneſ. 50. 


5. As Begraͤbnuͤß Jacobs / daß ihn Joſeph ſolte wies 
der in Canaan nach feinem Tode führen / und zu 
ſeinen Vaͤtern begraben / und daß Joſeph iſt mit 
groſſem Heer / mit allen Kindern rast) und vie⸗ 
len Egyptern dahin gezogen/prafigur iret uns den 

N Auszug Chrifti ausdiefer Welt / da der adamiſche 

Menſch nach feinem Tode foll wieder aus diefem Egypten und 

Qualhauſe in fein erfles Datterland ins Paradeiß einge efuͤhret 

werden / da ihn Chriſtus wird einfuͤhren. 

2. Daß aber auch viel Egypter mit dahin zogen und Joſeph 
beywohneten / deutet an / daß Chriſtus / wan er wird ſeine Braut 
heimfuͤhren ins Paradeiß / wird viel Fremdlinge darbey haben / 
welche ihn in diefer Zeit nach ſeiner Perſon und Ambte nicht er= 
kannt haben / und feind doch in ſeiner Siche in ihme auffgewach⸗ 
fen / welche alle mit Chriſto ins Paradeiß gehen werden /undihe 
me beywohnen. 

3. Ihr Trauren und Weinen deutet an die cwige Freude / die ſie 
werden im Paradeiß empfahen / wie dan die Magia allezeit mif 
Zrauren umd Weinen) Freude prefiguriret. Ditfes Grabmahl / 
und was darbey zu verſtehen iſt / das iſt forne beym Abrahaut 
erklaͤret worden. 

4. Moſes ſpricht in dieſem Capittel ferner: Die Brüder Jo⸗ 
ſephs furchten fich / nach dem ihr Datter geftorben war / und 
Iprachen: Joſeph möchte uns geam ſeyn umd vergelten alle 
Soheit die wir an ihm gethan haben; darum lieſſen ſte ihm 
fagen : Dein Datter befahl vor feinem Tode und ſprach / alfo 
folt ihr Joſeph fagen : Lieber vergib deinen Brüdern Die Mif> 
ſetaht und ihre Sünde / daß fie fo uͤbel an dir getahn haben ; 
Lieber / fo vergib nun die Miſſethat uns den Dienern des 
Göttes deines Datters: Aber Joſeph weinete da fie folches 
mit ihme redeten; und feine Brüder gingen hin und fiehlen 
vor ihm nieder / und fprachen : Siehe / wir find Deine Knech⸗ 
te; Joſeph ſprach zu ihnen / Fuͤrchtet euch nicht / denn ich 
bin unter EOtt / ihr gedachtet es boͤſe mit mir zu machen 7 

sta aber: 


80o Von des Erkvatters Jacobs "E72; 
aber GOtt gedachte es gut au machen / daß er thaͤte wie es 
jest am Tage iſt / zuerbalten viel Volcks. So fürchtet euch 
nicht / ich wil euch verforgen und eure Rinder und er troͤſtete 
ſie undredeie freumdlich mit ihnen. 

5. Diefe Figur iſt ein mächtiger Troft der Brüder Joſephs; 
weil aber Joſeph im Bilde Eyrifii ſtehet / und feine Brüder in 
Der Figur der armen bekehrten Sünder / fo müflen wir diefe Fi⸗ 
gur aud) alfo deuten z das iſt / wan der arme fündige Menfch / 
welcher groffe Sünden hat begangen / ſich hat zur Buſſe gewen⸗ 
det und Genade erlanget/und etwan wieder einen Fehl⸗tritt thit / 
fo fichet er immerdar in Zurcht und Zitteen vor GOttes Gena⸗ 
Den / und dencket / GOtt werdeihme wieder die erſte begangene 
Suͤnde zurechnen und an dieſem Fehl-trittlirfach nehmen ; und 
Eehet derowegen in groffen Mengften/ und hebet wieder an die er» 
Fe begangene Sünde zu beichten/ und fället aufs neue dem. Herrn 
zu Fuſſe / und gehet wieder in die ernſte Buffe/ und beweinet ſei⸗ 
neerfte Miſſethat / wie David thaͤte da erfagte: Hera rechne 
mir nieht zu die Suͤnde meiner Jugend. 

6. Aber mit ſolcher neuen Buß / und ernſter Klage / wenn 
ſich der arıne Menſch wieder alſo gantz eruſthafftig und demuͤtig 
vor GOtt erzeiget / wird der himmliſche Joſeph in ſolche groſſe 
Erbaͤrmde gefuͤhret / wie allhie Joſeph / daß er die arme Seele im 
Gewiſſen troͤſtet / ſie ſolle ſich doch nicht fürchten / es ſolle ihr ihre 
begangene Sünde nicht allein nicht zugerechnet werden / ſondern 
es ſolle ihr noch zum allerbeften gereichen / wie Joſeph fagte / ihr 
gedachtet es boͤß zu machen / aber GOtt gedachte es gut da⸗ 
durch u machen : Alfo vergiebet GOtt in Ehrifto nicht allein 
die begangene Sünde dem demühtigen bekehrten Menfchen/ fons 
dern cr verforget auch noch darzu ihn umd feine Kinder mit geitlis 
chem Sergen und Rabrung / und wendet allesinsbefte /wie Jo⸗ 
ſeph feinen Brüdern thäte. 

7. Endlich begchrete Zofeph durch einen Eyd / daß / fo er ſtuͤr⸗ 
be / fie feine Gebein ſolten mit aus Egypten zu feinen Vaͤttern 
führen / welches uns andeutet den Eyd GOttes im Paradeiß / 
daß Chriſtus GOtt und Menſch wieder zu feinen Brüdern kom⸗ 
men wolte / und ewig bey ihnen bleiben / und ihr hoher-Prieſter 
und Koͤnig ſeyn / und ihrer mit ſeiner Liebe-krafft pflegen und bey 
und in ihnen wohnen / wie Joſeph bey feinen Brüdern / und fie 
als ſeine Reben und Glisder ewig mit feiner Kraft und Safft 
verſorgen / Amen , j 

8. Die 


F 


N 


| 


8.78. Begraͤbnuͤß im Sande Canaan. 368 


8. Dieſes iſt alfo eine ſummariſche Erklärung über das er⸗ 
ſte Buch Moyſis aus rechtem wahren Grunde und goͤttlicher 
Gabe / welches wir in mitwuͤrckender gliederlicher Kebe und 
Pflicht unſern lieben Mitbruͤdern / ſo dieſes leſen und verſtehen 
werden / gantz treulich mitgetheilet haben. 

9. Und vermahnen den Leſer dieſes / ſo ihme etwan an etlichen 
Oertern unſer tieffer Sinn wolte dunckel ſeyn / daß er es nicht 
nach Art der boͤſen Welt / verachte / fondern fleißig (fe und zu 
GHttbethe / der wird ihme wohl die Thuͤr feines Hertzens eroͤff⸗ 
nen / daß ers wird begreiffen und ihme zu ſeiner Seelen Seelig⸗ 
keit nutz machen koͤnnen / welches wir dem Leſer und Hoͤrer in der 
Siebe Chriſti guß den Gaben dieſes Talents von Grund der Sera 
len wuͤnſchen / und empfehlen ihn in die wuͤrckende fanffte Siebe 
Sefu Chriſti. Datumıı, Seprembr. Anno 1623. vollendet. 


Sobet den Herrn in Zion! und preifetihn alle 
Voͤlcker: Denn feine Macht und Krafft 
gehet Durch und uͤber Himmebund 
Erden. Halleluja! 


if st Kurtzer 


Son Kurger Ertractder hoch ſinnlichen 


Kurtzer Ertract der hochſinnli⸗ 
hen Betrachtung des Mylterii Magni , 
wie Die fichtbahre Welt ein Außfluß und Ge 
genwurff Göttlicher Wiſſenſchafft und Willens ſey: 
Wie alles Ereatürliche geben feinen Urſtande ge: 
nommen habe und wie das Göttliche 
Aus⸗und Eingehen fen. 


Lles finnliche und empfindliche Leben 
und Weſen iſt kommen von dem 
r Myfterio Magno, als von dem Aus= 
ug und Gegenwurff göftlicher: 
Wiffenfchefft / darinnen uns zwey 
zuverftehen find / als der freye Wil⸗ 
le des Ungrundes / und das weſent⸗ 

J liche Ein in dem Willen / wie dieſe 
beyde ein Gegenwurff des Ungrun⸗ 
des / als ein Grund goͤttlicher Offen⸗ 
SO: bahrung find/ wie ſie Zwey und Doch 
nic Eines md ducaus vie Zeit und fichtbahre Welt ſamt allen: 
Ereaturen gefleffen/ und inein Geſchoͤpffe gangen find. 

2. Daseinige Ein ift die Urfache des Willens / das den Wil: 
len urfachet daß er etwas wil/ und da er Doch nichts hat das er 
wollen fan / als nur fich felber zu einem Grumd und Stätte ſei⸗ 
ner Ichheit: Er hat nichts das er faſſen kan als nur das Ein. 
darinnen faſſet er ſich in eine Ichheit / auff daß der Wille etwas 
habe / darinnen und damiter wuͤrcket / welches Wuͤrcken kein fichta 
bahr Weſen wäre / ſo es nicht durch den Willen ausgienge. 

3. So iſt nun der Ausgang ein Geiſt des unfichtbahren Wil⸗ 
leus und Weſens / und eine Offenbahrung des Ungrundes durch 
den Grundder Einhett: durch welchen Ausgang ſich der Wille 
des Ungrundes / dem Ungrunde entgegen wirfft / als ein Myſteri- 
umder Allwiſſenſchafft / mit welchem Ausgange die Urſach undUr⸗ 
ſtand aller Schiedligkeit der Einheit des einigen ungruͤndlichen 
Willens durch feinen eigenen Grund ſeiner eingefaſſeten Selb» 
heit verfianden wird /auch der ewige Anfang der Bewegnuͤß und 
Urſache des Lebens / welche Bewegnoͤß ein immerwaͤhrende Luſt des- 
Wilens iſt: Dannder Wile ſchauet alſo Die Einheit durch die 


Be⸗ 














J 
— 


Betrachtung des Myſterũ Magni. 8So⸗ 
Bewegnuͤß und Urſache des Lebens / wie vie Einheit durch Bes Wil⸗ 
lens Bewegnuͤß in unendlicher Vielheit ſtehet / auff Art uns 
Weiſe / wie das Gemuͤhte eine Einheit und Quell⸗ brunn der Sin⸗ 
nen ſey / da eine ſolche Tieffe der Vielheit aus dem einigen Gemuͤth⸗ 
entſpringet / welche unzaͤhlbahr find. 

4. Mit ſolcher dreyfachen Einheit betrachten wir das We— 
fen GOttes: als mit der Einheit den einigen GOtt / mit dem 
Willen den Batter und mit der Infaſſung des Willens zur 
Stätteder Selbheit / als das ewige Etwas das da würdet / oder 
damit der Wille würdet/den Sohn oder Krafft des Willenssund 
mit dem Ausgang den Geift des Willens umd der Krafftrund mit 
dem Gegenwurff verfichet man die Weißheit der Verftändnüg / 
daraus alle Wunder und Aßefen find gefloffen-/ undewig flieffen.- 

5. Aus der Bewegnüßdiefesunfichtbahren wärdlichen We—⸗ 
ſens / aus dem Ausflug der ewigen Wiſſenſchafft iſt ausgefloſſen 
das Verſtaͤndnuͤß / da ſich denn die Luſt geſchauet / und in eine 
Begierde zur Bildligkeit eingefuͤhret / in welcher Begierde 
Der natürliche und creatuͤrliche Grund alles Lebens und alter 
Weſen entftanden find / da die Vegierde den Ausfluß der’ 
Wiſſenſchafft in Eigenfchafft gefaffer und eingefchlejfen hat) da⸗ 
ber zweyerley Willen find entjtanden / als eineraus goͤtt licher 
Scieng oder Wiffenfcharftz der ander aus der Eigenfchafft der‘ 
Matur da fich die Eigenfchafften haben in eigenen Willen ein⸗ 
gefuͤhret / und ſich mit der Eigenheit und eigenem Willen impref= 
ſet / und rau / ſcharff / ſtachlicht / und hart gemachet / dag aus 
ſolchen Eigenſchafften ſind aus der Wiſſenſchafft / Widerwillen 
und Feindſchafft wider ſolche Eigenſchafften eatifanden ; wie am 


den Eigenſchafften der Teuffel / ſo wohl an der rauen-Erden/ 


Steinen / Creaturen / zu ſchen it / wie ſich die Eigenſchafften 
haben von der Einheit abgewandt / und ſind in eine impreflon 
gegangen: Deßwegen ſie auch in dieſer Zeit den Fluch / als das 
fliehen goͤttliches Willens dulden / und in ſolcher Impreflion ſte⸗ 
hen muͤſſen / biß auff den Tag der Wiederbringung. 

6. Weil uns denn nun fuͤrnehmlich des Menſchen Gemuͤth zu 
betrachten iſt / welches ein Bilde oder Gegenwurff Goͤttlicher 
Wiſſenſchafft iſt als ein Gegenwurff goͤttlicher und Natuͤrli⸗ 
her Verſtaͤndnuͤß / da aller Weſen Grund in dem Ein Sarin= 
nen lieget / und ſich mit dem ausgehenden Willen vom Gemuͤth 
ſchiedlich machet und offenbahret / daß wir klar erkennen / daß das 
Gemuͤht ein Quell-brunn zum guten und boͤſen iſt / und die 
Schrifft uns auch ſolches as / ihme der Fall und das 

VRBe— 


804 Kurker Extract der hochſinnlichen 


Verderben aus der Begierde zur Eigenheit der Eigenſchafften 
eutſtanden iſt / fo iſt uns das allerhoͤchſt von noͤhten / daß wir 
lernen verſtehen / wie wir moͤgen wieder aus der angenommenen 
Eigenheit / darinnen wir Marter / Roht und Quaal haben / in die 
Sinheit) alsinden Erund und Herkommen des Gemühtes kom⸗ 
men | darinnen Das Gemuͤht in feinem ewigen Grumde ruhen 
möge. 

— Kein Ding kan in ihm ſelber ruhen / es gehe dan wieder in 

das Ein / daraus es gangen iſt: das Gemuͤht hat ſich von der 
Einheit gewant in eine Begierde zur Empfindlichkeit zu probi= 
ren die Schiedligkeitder Eigenfchafften / dadurch iſt in ihme die 

Schiedligkeit und Widerwillen entſtanden / welche nun das 
Gemuͤht beherrſchen / und davon mag es nicht entlediget werden? 
es verlaſſe dan ſich ſelber i in der Begierde der Eigenſchafften / und 
ſhwinge ſich wieder in die allerlauterſte Stille / und begehre feines 
Wo llens zu ſchweigen / alſo daß der Wille fich über alle Sinnlig⸗ 
keit und Bildligfeit inden ewigen Willen des Ungrundes vera 
teuffe / aqus deme er aus dem Myfterio Magno ift anfänglich ent= 
ſtanden / daß er in ſtch nichts inehr wolle ohne was GDLE durch 
ihn wil /fe ifter in dem tieffeſten Grimdeder Einheit: Und iſt es 
⁊ denmtaß er mag eine kleine Weile darinnen ſtehen ohne Beweg⸗ 
nuͤß eigener Begierde / fo ſpricht ihme der Wille des Ungrundes 
aus zoͤttlicher Bewegnuͤßein / und faſſet feinen gelaſſenen Wil⸗ 
fen / als fein Eigentuhm in ſich ein / und fuͤhret darein das Ens 
der ewigen Infaßlichkeit ver Staͤtte GOttes als das wefentlis 
she Ein, 

8. Und wie nun der Ereigen GOttheit Wille durch den Ewi—⸗ 
gen Geiſt ewig ausgehet und einen Gegen-wurff des Ungrundes 
machet: Alſo wird auch der gelaſſene Wille des Gemuͤhts mit 
zoͤttlicher Einſaßlichkeit mit Gttes Willen immerdar mit 
ausgefuͤhret und erleuchtet: Und alſo herrſchet das menſchli⸗ 
= Gemüt in GOttes Willen / in göttliher Erfäntnüg und 

iffenfchafft/ über und durch alle Ding: davon Mofes fagte] 

er folte herafchen über alle Ereaturen der Welt. Gfeich wie * 
GoOttes Geift durch alles schet und alles probiret / alfo auch 
mag das erleuchtete Gemuͤth über und durch alle Eigenfchafften 
ses natürlichen Sehens herrſchen /_ und die Eigenſchafften be> 
waͤltigen / und der Bernunfft einfuͤhren die hoͤchſte Sinnligkeit 
aus Goͤttlicher Wiſſenſchafft wie dan S. Paulus ſaget: Der 
Geiſt forſchet alle Denge / auch die Tieffe der GOttheit Ind mit 
ſolcher Einführung Goͤttljches Wijſlens wird por Menſch wieder 
mit 








HM 


Betrachtung des Myſterii Magnı.- 805 


mit Gott vereiniget / und im Gemuͤth neu⸗gebohren / und hebet 
an der Eigenheit der falſchen Begierde zu erſterben / und mit neu⸗ 
er Krafft gebohren zu werden. 
9. Alſo hanget ihme alsdann die Eigenheit im Fleifche an/aber 
mitden Gemüth wandelt er in GOtt / und wird in dem alten 
denſchen ein neuer Geifiliher Menſch goͤttlicher Sinnen und 
Willens gebohren / welcher die Luſt des Fleiſches taͤglich toͤdiet / und 
Durch goͤttliche Krafft die Welt / als das aͤuſſere geben/ zum Him⸗ 
mel machet; und den Himmel / als die innere Geiſtliche Welt / zum 
ſichtbahren Welt machet / alfodag GOtt Menſch / und Menſch 
GoOtt wird / bißg der Baum in feinen hoͤchſten Stand Eommet} 
und feine Fruͤchte aus dem MyſteriodMagno, aus goͤttlicher Scientz 
gebohren hat / alsdann faͤllet die aͤuſſere Schale weg / und ſtehet 
alda ein geiſtlicher Baum des Lebens in SOttes Acker. 





s!> Folgez 


Folget das Regiſter der Summa⸗ 
rien / in dieſem Buch verfaſſet. 


Cap. 1. 
as der geoffenbahrte Bott fey/und vonder Dreyheit. Pag.z 
Cap. 2. 
Vom Wort oder Hertz Gottes. 9 
Cap. 2. 
Wie aus dem ewigen Guten ein Böfes worden. 12 
Cap: 4. * 
Von den dreyen Principien / als won Gottes Siche undzorn. 18 
Cap. 5 
Von den fünff Senfibus oder Sinnen. \ 23 
Gap. 6, 
Vom iRefen der Seibligkeit/ die ſieben Geftaltender Natur, 28 
Gap. 7. 
Bender Heil. Drevfaltigkeit und Göttlichem Weſen. 33 
Gap. 3. 
Bon Erfhörffung der Engel und ihrem —— 37 
Cap. 9 
Vom Faͤll Lucifers mit ſeinen ER 43 
Gap. 10 
Bon Erſchafſung Himmels und der aͤuſſern Welt: 45 
Cap. IT. 
Von Heimligfeit der Schoͤpffung. 62 
Cap —— 
Von den ſechs Tag⸗ wercken der Schöpffung. 6 
| Cap. 15 
Bon Erſchaffung des vierdten Tages. 75 


Lan » 








Regiſter. 


Cap. 14. 
Bon Erſchaffung des fünfften Tages. Pag. 8a 
Cap. ı5. F 
Von dem ſechſten Tage⸗werck der Schoͤpffung. a 
Say. 16. 
Vom Unterfiheiddes hunfifchen und irdischen Menſchens. 90 
Cap. 17. 
Vor dem Paradeiß 5 
Cap. 18. 
Sem Paratififchen Regiment. 10% 
Eur. 194 
Von Erbauung des Weibes. IE 
Cap. 20: 
Dem Elagfichen und elenden Fall des Menſchen 128 
Cap. 21. 
Bon der Iwpreſſion und Urſtand des thieriſchen Menſchens. 126: 
Cap. 22% 


Vom Urſtand der wuͤrcklichen Sinden / und Erwerfung Gottes: 


Zorns. 129 
Cap. 2% ’ 
Wie Gott Adam und ſeiner Eva nach dem Fal wieder geruffen. 


146 
Cap. 24. 

Vom Fluch der Erden / und wie des Leibes Kranckheit entſtan⸗ 

den. 158 
Cap. 25. 

Wie Gott Adam aus dem Paradeiß getrieben. 165 
Cap. 26. 


Von des Menſchen Fortpflantzung in dieſer Welt. 174 
Cap. 


Regiſter | 


Cap. 27. 
Bon Cains und Habels Opffer / auch von der wahren und fal- 
ſchen Kirchen. Pag. 188 
Cap. 28. 
Ben Sains Bruder⸗mord / als der Antichriſtiſchen Schein⸗ 
tirch. 208 
Cap. 29. 
Wie fich per Adamiſche Baum in Aefte und Zweige — 
21 
»Eap. 30. 
Von der Linea des Bundes. 232 
Eap. 31. 
Bon der Wunder⸗Linea aus Henoch. 244 
Cap. 32. 
Vom Bunde zwiſchen Bott und Roh. 255 
Cap. 33. 
Bom Anfang der andern Monachiæ / und vom Bund Goties mit 
Rah. 266 
Eap. 34. 
. Wie Noch feinen Sohn Ham verfluchet. 274 
Cap. 35. 
Wie fi der menſchliche Baum durch Nochs Kinder habe auß⸗ 
gebreitet. 272 
Cap. 36. 
Bon der Antichriſtiſchen Babyloniſchen Hure aller Zungen / 
Voͤlcker / ꝛc. 209 
Cap. 37. 
Don Abraham md feinem — wie die Zundes⸗ Linea 
fortgepflanget. 8. 318 
wenn Anfang des ee mie Abraham Loth era 
rettet. 33% 


Cap, 











Regiſter 


Cap. 39. 
Wie Gott Abraham im Geſichte erſchienen / und mit ihm den 
Bund beſtaͤtiget. Pag. 337 
Cap. 4% 
Von der wunderlichen Fürkildung Des Geiſtes Gottes nit Has 
gar. 345 
Enp. ann 
Von des Bundes Siegelder Beſchneidung / und von der Tauffe. 
365 
Gap. 42. 
Fon den drogen Männern / welche Abraham in Hain Mamro 
erſchienen. 379 
Gap. 43. 
ir Gott dem Abraham den Untergang Sodom und Gomorræ 
angedeuttt. 388 
Cap. 44. 
Wie Loth ſey aus Sodom gangen / und vom Untergang So⸗ 
doms. 402 
Cap. 4% 
Wie Bott Abraham wunderlich geführet/und in der Berfuchung 
beſchirmet. 413 
Cap. 46. 
Von Iſaacs Gebuhrt und Iſmaels Außſtoſſung. 418 
Cap. 47. 
Vom Bunde Abimelechs und Abrahams / ſambt deſſen Bedeu⸗ 
tung. 429 
Cap. 48- 
Wie GottAbraham verſuchte / und die Figur von Chriſti Opffer. 
438 
Cap. 49. 
Von Sara Tod / und Abrahams Erb-begraͤbnuͤß. 452 
Cap. jo. 


ic Abraham feinen Knecht außſchicket / feinem Sohn Ifane 
cin Weib zunehmen, 458 


Cap. 


Megifter. 


Cap. st. 
Wie Abraham habe ein ander Weib genommen / und ſechs Soͤh⸗ 
ne gezeuget. Pag. 473 
Cap. 52. 
Die Hiſtoria von Iſaac / auch wie Eſau und Jacob gebohren. 
585 
2 Gay. 53. 
»Wie Eſau feine erſte Gebuhrt umb ein Linſen⸗gerichte seta, t. 
ox 
Eap. 54. 
Wie Ifanc ſey in der Theurung zu Abimelech gezogen. 508 
Cap. ss. 
Wie Jſaac unwiſſend Jacob an Eſaus Stätte geſeegnet. 414 
Cap. 56. 
Wie Jacob von ſeinen Eltern in frembde Lande geſchicket / und 
ihm der Herr erſchienen. 524 
Cap. 57. 
Wie Jacob zu Laban kommen / und vierzehen Jahr umb feine zwo 
Toͤchter gedienet. * 532 
Cap. ss. 
Wie Gott Jacob bey Laban mit vielen Kindern und vielen Reichs 
thumb gefeegnet. 540 
ap. 59. 
Wir Jacob ſey von Laban gezogen. ei 
Cap. 60. 
Wie Jacob dem Efau init vier hundert Wann entgegen gezo⸗ 
gan. 557 
j Cap. Gr. 
Die Jacob und Efau zuſammen fommen, 571 
Cap. 62. 


Wie die Dina von Hemors Sohn geſchaͤndet worden. = 


Cap * 


s 











Regiſter. 


Cap. 63. 
* Gott Jacob geheiſſen nach Bethel zu ziehen. 2a8.597 
Cap. 64. 
Den Joſephs Hiſtoria / und deren ag über das 36. und 37» 
Gap. Geneſ. Gr 
Cap. 6 JF. 
Die Hiſtoria von Juda und — was dieſelbe praſzuriret. 
626 
Cap. 66, 
Wie Joſeph dem Potiphar verkaufft werden. 643 
Cap. 67. 
ie Jofeph im Befängnügdes Pharaonis Schenke und Weder 
ihre Traͤum erklaͤret. 663 
Cap. 68. 
Wie Joſeph fuͤr Pharao geſtellet / und zu groſſen Ehren kom⸗ 
men. 667 
Cap. 69. 
Wie die groffe Theurung durch alle Sand gegangen / und Jacob 
feine Soͤhne nach Egypten geſchicket. 689 
Cap. 70 
Wie Jacobs Soͤhne nach Egypten ziehen / und Benjamin mit⸗ 
nehmen. 9 
Cap. 71. 
ie Jofeph feinen Brüdern ließ ihre Säde füllen / und feinen 
Becher in Benjamins Sad itgen. JIk 
Cap. 72. 
Wie jih Joſeph vor kinen Brüdern offenbahret. 725 
Cap. 7 
Wir Jacob mit feinen Kindern in Egypfen gejogem. 734 
car. 74 


Wie Incob für Pharao geſtellet / und ihn goſeegnet. Pe 3 
* 


Regifter: 
Cap. wg 
Wie Jacob vor feinem Ende die zwey Söhne Soferhs geſeegnet. 


Pag. 757 
Cap. 76, * 


Wie Jacob alle ſeine Soͤhne vor ſeinem Ende geſeegnet. 767 
Eap. 77. 


Weitere Erklärung des Teſtaͤments Jacobs. 782 
Cap. 73 
Don Zacobe Begrabnüß. 799 


e N DE, 






% 
ae 
> WA” 


€ 
* 
J 
a 
« 


ee 
— 
— — 9 

— —— 

IE ? ER 





4 h J 
4 
I] ] 
2 — 
A 
























III AS ER. NL 

| RS | 1 \ AS 

Id — 1, 4 
- I Fa 





N 


| 


















— 

— 
7 
⸗ 
⸗ ⸗ 


— 


























F 




































A ae 
ll £ NG, af |, | "I, EN) 
| NH PETER _ \ L L MM 7 IY, 
nam ff} Nee 1% — * 





\ 


R 
N 









” 
N ” S 
NN 
\ N 
IN N 
\ 


a rn an 










ALT) 
ER. —— 
4 — 





— 
































Andentung der Titul- Figur der 
SIGNATURA RERUM, 


In einiger Charadteriftnur/ damit fich die Bottheit abges 

bildet und mit demfelken auch alle Creatur bezeichnet / dag 
feine Gegenwart in allem ſey / und doch eine jede Creatur ihr bes 
fonder Zeichen) Figur und Geftult habe / damit fie als cin beſon⸗ 
deres ABunder des himmliſchen oder irrdiſchen Myfterii erfcheine, 
Das iftdas in feiner Sphera und Mercurialifchem Raͤde der 
Natur / das durch alle 3. Principiagehet/ undim Dritten durch 
alle Reiche der Mineralien Vegerabilien und Animalien durch 
Himmelund Erden. Wovon den Nachforſcher Göttliher Ge⸗ 
heimnuͤß die Wunder⸗tieffe gezeiget wird 


In diefem Buche 


Eap.1.0.16.17.18.0.2.0.11.12.13.15.27.C.3.0.12.13. 24- 
15. 16. 17. 19. 20. 22. 23. 27. 29. 30. 39.c. 4. v. 1.15.16.17. 19 
21. 22. 23. 26. c. 8. v. 22. 38. 39. c. 13. v. 1. 2. 3. 21. 24. c. 14. 
v. 16. 18. 26. 27. 28. 29. c. 16. v. XI. 


Und weiter in dieſen: 


Drey Principüis. Cap.x. v. 1x. 12. 13. c. 2. v. 8.9. 10. 13. t. 4. 
v.50.52.53.0.5.0.23.6.6.0.10. c. 8. v. 23. 23. c. 9. v. 31. 
(.25.9.22.24. 

Dreyfach Leben Cap. 1.0.33. 6.2.0. 14.15.16. 27.28. 34,35, 
36. 37. 40.41.42. 61.70.71.72.6.3.0.9.10, 11. 14.23.04, 
v. 14. biß 17. c. 9. v. 11.12.13. 15.19. 21.22. 34. 35.37.38, 
€. 6.0. 50. 51. 65. c. 8. 0.18.19, 6.9.0.89. 97.98. & 19, 
v0. 41.42.43. 

40. Sragen x. Stage. 0.03.94. 204. 40ſte Frage. v. 4. 5. 

x. Theil der Menſchwerdung Chriſti. Cap. 5. v. 23. 

2. Theil der Menſchwerdung Chriſti. Cap. 4.0.6. 

Sechs Puncten. Cap. x. v. 45.48.49. 


Die Druckfehler in diefem Buche der Signatura 
Rerum find diefe: 


Foliozr. Linea zı. nach Schrack dele; nach die Sremdeadde ; 
F. 37. L. 10. nach Sonnen dele ( 

E. 60. L. 26. für dadurch liefeda doch 

F. 63. L. 29.fürkiegen liefe legen 

F. 65. L. 17. fuͤr und liefe aus 

F. 89. L. 40. nach Empfindligkeit adde: 

F. 91. L. 4. fuͤr Bewaltige lieſe Gewaltige 

€, 176. L. 1. fuͤr zeicht lieſe Sp zeuͤcht. 


SIGNATURA 
RERUM, 


Das iſt: 


Bon der Gebuhrt und Be⸗ 
zeichnung aller Weſen: 


Wie alle Wefen aus einem Einigen Myfterio 
urſtaͤnden; und wie fich daffelbe Myfterium yon Ewigfeit 
immer in fich felber erbähre/und wie das Gute ins Boͤſe / und 


das Böfe ins Gute verwandelt werde. 
: Item: 

Wie die aͤuſſere Eur des Leibes durch feine Gleichheit 
müffe geführet werden. Was jedes Dinges Anfang auch 
Zerbrechung und Heilung fey. 

Darbey / Sleichnüß-weife / der Stein der Weifen zur 
zeitlichen Cur mit dem Eckſtein der Weißheit Ehrifto/ zur ewi⸗ 
gen Eurder neuen Wieder⸗gebuhrt eingeführet wird. 

Eine fehr tieffe Pforte der ewigen und auch anfänglichen 
aufferlihen Natur und ihrer Geftaltnüffen. 

Befchrieben durch 
a c:0:2.B 6 BAM:B, 
fonft genañt Teutonicus Philofophus. 


N Y 
ae 
| — SS 
DU 
Zu Amfterdami 
Gedruckt lim Jahr Chriſti 1682 


Mia 


N 





Vorrede des Autorisan den Weifheitzliebendendefer. 
2. IIIIIUPAN, Em Menfchen / welchen GOtt 
Z 7 ’)). in fein Bild und Bleichnüß ges 
x fchaffen hat /ift in aller feinen 










) nüglicher / als daß er fich ftäts 
betrachte / was er fey/ x wovon 
ibm Gutes und Boͤſes herkom⸗ 






und Gutes einfuͤhre In wel⸗ 
cher Betrachtung 4. er auch die 
\ Guram zu Leib und Seele fin» 


den und erlernen. mag ; und s. wieerfichdarsu ſchicken ſoll / 


daß das Heyl in Leib undSeel möge eingeführte und eroͤffnet 
werden. Auch lernet er 6. in ſolcher Betrachtung ſeinen 


Schoͤpffer kennen / und werden ihm 7. die Geheimnuͤß der 


groſſen Wunder GOttes bekant und offenbahr: Welches 
nicht allein eine Erkaͤntnuͤß der groſſen Wunder GOttes im 


Menſchen erwecket / ſondern auch 8. eine hertzliche Beglerde 


und Zuflucht zu Der Liebe und Genade GOttes / in welcher 
Begierde dns Bild GOttes in fich felber durch GOttes Wil⸗ 


len=geift / welcher in.der Begierde gegen Bott felberfährer ? 


ihme 9. felber offenbahr wird) gleich wie fi) GOtt in feiner 
ewigen Begierde mit dem Weſen fo in Der Begierde geurjkän 
det / mit feinem Geifte felber geoffenbahrer bat. fee; 
z. So dann GOtt dem Menſchen in eine Bleichnüß nach 
ihme aus feinem ewigen und zeitlichen! Defen gefchaffen/und 


ihn zum Herin und Regierer. feines Geſchoͤpffes geordnet 


hat / auch alles unter feine Fuͤſſe gethan: So iſt dieſes nicht 


zu dem Ende geſchehen / Daß er ſey als ein unverſtaͤndig Dieb / 


ꝰ bung / die er treiber nichts 


me / zeund wie erfich in Boͤſes 


Be 


fondern er ſoll die Wunder GOttes in feiner Schöpffung und - 


den groſſen GOtt in feinem dreyfaltigen einigen Weſen recht 
erkennen lernen / auff daß er wiſſe / wie er fein Leben halten 7 
und vor GOtt in dieſem feinen befohlenen Ambt auff Erden 
führen foll/ damit er das zeitliche und ewige Heyl und die 
Erbſchafft / darzu ihn GOtt gefchaffen hat 1 möge erlangen. 

3. Aus folcher Betrachtung nun habe ich mir fürgenoms 
men diefe Geheimnuͤß fo ver Geiſt GOttes dem Menſchen 4 
welcher fich mit rechtem Ernſt darein giebet / offenbahret / 
und ihn gleich als in ein Kiebe-fpiel feiner Wunder einführet 7 
auffzuſchreiben / unddern liebhabenden gottfürchtigen Leſer 


und Sucher der Weißheit GOttes Urſache zu geben ober dan 


Dusch möchte in Bewegung oder in Begierde/ als in einen 
432 ; Huss 


x” 


Hunger nach dem edlen Perlein / welches Föftlicher iſt als die 
sufterelbeit/gedrscht werden / dadurch x.die 1 WunderEOttes 
in ans offenbahret / 2. fein heiliger Tame in uns und von uns 
gepreiſet und erkañt / z und desSatans Reich aud) alfo offen⸗ 


dahr u gehindert warden möchte: Auf de Doch der) Nenſch 


amöchte GOttes Willen gegen ihm erkennen lernen / auch 
von dem umuͤtzen Streit / davon die bruͤderliche Uneinigkeit 
entſtehet / außgehen / und der Lebe⸗wille GOttes gegen uns / 
ſonn eitelStreit gezogen wird / dadurch erkañt / und offenbahr 
werde daß verStreit ein nichtig und hoch⸗ ſchaͤdlich Ding/und 
nichtin GOttes / ſondern des Teuffels Willen ui Begierde ur⸗ 
ſtaͤnde / davon das edle Bild Gottes außgehet / und in die wah⸗ 
re Erkaͤntnuͤß GOttes / ſeines Willens und Weſens eingebet, 

4. Ob num zwar die Vernunfft nur ſchreyet / Schrifft und 
Buchſtaben her / ſo iſt doch der aͤuſſere Buchſtabe allein nicht 
genug zu der Erkaͤntnuͤß / wiewohl er der Anletter des Grun⸗ 
des iſt / es muß auch der lebendige Buchſtabe / welcher OOt⸗ 
tes ſelbſtaͤndiges außgeſprochenes Wort und Weſen iſt / in 
der Leiterin Des außgeſprochenen Wortes im Menſchen fel- 
ber eröffnet und gelejen werden / in welchen der Heil. Beift 
Ver Leſer und Offenbahrer felber ft. Deromegen dann mein 
Vorhaben iit den währen Grund aller Weſen /nach meiner 
Erkaͤntnuͤß uñ Gaben / wie es der Geiſt des Verſtandes in mir 
ſelber eroͤffnet Hat / in Eigenſchafft auffziſchreiben / und für 
ein kurtz Memorial und Ubung zu behalten / damit / ſo jemand 
luͤſterte nachzuforſchen / derſelbe ſolchen Nutz in ſich ſelber 
befinde und erfahre. 

5. Es iſt aber meht meine Meynung den Menjchen im un⸗ 
verſtandene unnuͤtze Kunſt / darzu er nicht von SOtt beruf: 
fen noch begabet / einzufuͤhren / weil ich ſte auch ſelbſten nicht 
in der Praxifiihre und treibe / ſondern nur die Moͤgligkeit aller 

inge nebenſt der Praxi der neuen Gebuhrt anmelde/und den 
von Gott darzu begabten zu den aͤuſſern Dingen Anleitung 
gebe: Diemweil doch ja die Seit der Eröffnung aller Heimlig⸗ 
Feiten nahet amd anbricht. j 

6. Würde fich aber jemand auff einen Vorwitz begeben / 
und ſelbſt in Unheil eingehen/ ehe er darzu geſchicket / und den 
spahren Verſtand nebenſt Goͤttlichem Willen erreichet haͤtte / 
der gebe ihme ſelber die Schuld / daß er unſerem treuen Rath] 
ſo bierinnen — nicht folgen wollen. —— 
Goͤttlichem Rechte Seegen undSchug/mich ab« dem Leſer 
in eine Ginft und Liebe ginipfehlende, Geben im Monath 


Februario Anpo x622. 
u Zacob Böhme, 


A 


Pag.5 
DE SIGNATURA RERUM. 


Das 1. Capittel. 


Wie alles tum und ohne Verſtand iſt was von GOtt 
geredet wird ohne Erkaͤntnuͤß der Signatur: und im 
menſchlichen Gemuͤth die Signatur nach 
dem Weſen aller Weſen lieget. 


I. 
— Bin AIA les was von GOtt geredet] ge⸗ 
NS > T A ſchrieben oder gelehret wird/ vh⸗ 







IN ne die Erfanfnüßder Signatur, 
EZ das ift ſtum und ohne Verſtand / 
IN dann es kommt nur aus einem 


— 
biſtoriſchen Wahn /-von einem 
a 9) andern Mund/ daran der Geiſt 
ohne Erkaͤntnuͤß ſtum iſt: So 
) ihm aber der Geiſt Die Signatur 

N) eröffnet/ jo verftchet er des an⸗ 

‚ vern Mund/un verfichet ferner? 

wie ſich der Geiſt aus der Eſſentz 

durchs Principium im Hall mit 

der Stimme hat offenbaͤhret. 
Dann daß ich ſehe / dag einer von GOtt redet / lehret / predi⸗ 
get und ſchreibet / und gleich daſſelbe höre und leſe / iſt mirs noch 
nicht genug verſtanden / ſo aber ſein Hall / und ſein Geiſt aus ſei⸗ 
ner Signatur und Geſtaͤltnuͤß / in mein eigen Geſtaͤltnuͤß einge⸗ 
het / und bezeichnet feine Geſtaͤltnuͤß in meine / ſo mag ich ihm in 
rechten Grunde verſtehen / es ſey geredet oder geſchrieben / ſo er 
den Hammer hat / der meine Glocken ſchlagen kan. 

Daran erkennen wir / daß alle menſchliche Eigenſchafft aus 
einer kommen / dag fie nur eine einige Wurtzel und Mutter ha= 
ben / fonft fönte cin Menfch den andern nit im Hallverftehen.. 

. Dann mit dem Halloder Sprache zeichnet fich die Geſtalt 
in eines andern Geſtaltnuͤß einjein gleicher Klang fanget und be⸗ 
weget den andern / und im Hall zeichnet der Geift feine eigene 
Geſtaltnuͤß / welche er in der Effeng gefchöpffet hat / und hat fie im 
Principio zur Form bracht daß man im Wort verſtehen Fan / 
worinnen ſich der Geiſt geſchoͤpffet im Boͤſen oder Guten / 

3 und 


6 De Sıcnarura Cap.:. 


und mit derfelben Bezeichnung gehet er in einesandern Mens 
(chen Geſtaltnuͤß / und wecket in einem andern auch eine folche 

Forme in der Signaturauff / daß alfo beyder Geſtaltnuͤß in einer 
Form miteinander inqualiren/ alsdann ift EinBegrieff/ Ein 
Wille / Ein Geift/und auch Ein Verftand. 

. Und dann zum andern verſtehen wir / daß die Signatur oder 
Sefaltnäf kein Geiſt ift /fondern der Behalter oder Kaften des 
Geiſtes darinnen er lieget / dann die Signatur ftehet in der Eſſentz / 
und iſt gleich wie eine Laute die da ſtille ſtehet / die iſt ja ſtumm 
und unverſtanden / fo man aber darauff ſchlaͤget / ſo verſtehet man 
die Geſtaltnuͤß / in was Form undZubereitung fie ſtehet / und nach 
welcher Stimm ſie gezogen iſt: Alſo iſt auch die Bezeichnung der 
Natur in ihrer Geſtaltnuͤß ein ſtumm Weſen / ſie iſt wie ein 
zugericht Lauten⸗ſpiel / auff welchem der Willen⸗geiſt fchläget / 
welche Seyten er trifft / die klingen nach ihrer Eigenſchafft. 

" 6. Im inenſchlichen Gemuͤthe lieget die Signatur gantz kuͤnſt⸗ 
lich zugerichtet / nach dem Weſen aller Weſen / und fehlet dem 
Menſchen nichts mehr / als der. kuͤnſtliche Meiſter der fein In⸗ 
ſtrument ſchlagen kan / das iſt der rechte Geiſt der hohen Macht 
der Ewigkeit; ſo aber derſelbe im Menſchen erwecket wird / daß 
er im Centro des Gemuͤthes raͤge wird / fo ſchlaͤget er das Inſtru⸗ 
ment der menſchlichen Geſtaltnuͤß: Alsdann fo gehet die Ge⸗ 
ſtaltnuͤß mit dem Hall im Worte vom Munde aus: Wie dann 
ſein Inſtrument in der Zeit feiner Menſchwerdung gezogen iſt / 
alſo lautet es / und alſo ift feine Exkaͤntnuͤß 2: Das Innere offene 
bahret fich im Halle des. Wortes / dann das ift des Gemüthes na⸗ 
türliche Erkäntnüg feiner felbft. 

7. Der Menfch hat zwar alle Geſtaltnuͤſſe aller drey Welten 
in ihme liegen / dann er ift.ein Bild GHttes oder des Weſens 
aller Weſen / allein in feiner Menfhwerdung wird die Ordnung 
in ihme geftellet =. Dann allda find drey Werckmeiſter in ihme/ 
welche feine Geſtaltnuͤß zurichten / als das. dreyfache Fiat, nach 
den drey Welten / und find im Ringen umb die Geſtaltnuͤß / und 
wird die Geſtaltnuͤß allda nach dem Ringen ßguriret / welcher 
Meiſter das Obere Regiment behaͤlt / und in der Eſſentz befomt / 
nach dehme wird das Inſtrument gezogen / ud die andern liegen 
verborgen / und gehen mit ihrem Hall hinten nach / wie ſich ſolches 
klar beweiſet. 

8. So bald der Menſch zu dieſer Welt gebohren iſt / ſo ſchlaͤ⸗ 
get fein Geiſt fein Inſtrument / ſo ſiehet man am aͤuſſern Hall 


und Wandel ſeine inſtehende Geſtaltnuͤß im Guten er t 
i ann 


Cap.t. Rerum 7 


Dann wie fein Inftrument lautet / alfogehen auch die Sinnen 
aus der Effeng des Gemuͤthes / und alfo führet der äuffere Willens 
geift mit feinen Gebaͤhrden /wie man das an Menfchen und 
Thieren fichet / wie alfo ein groffer Unterfcheid der Gebährung 
ſey / daß ein Bruder und Schweſter nicht thut als der ander. 

9. Ferner iſt uns zu erkennen / daß ob gleich alſo ein Fiat das 
Ober-Regiment behaͤlt / und die Geſtaltnuͤß nach ihm Aguriret / 
daß ihm doch gleichwohl die andern zwey einhalt thun / ſo nur ihr 

Inſtrument geſchlagen wird / als man dann ſfolches ſiehet / daß 
mancher Menſch / auch manches Thier / ob es ſehr boͤß oder gut 
geneiget iſt / doch von einem Gegen⸗hall zum Boͤſen oder Guten 

beweget wird / und der offt ſeine ingebohrne Geſtaltnuͤß ſincken 
laſt / wañ ihm der Gegen ⸗ hall auff feiner verborgenen Lauten oder 
Geſtaltnuͤß ſchlaͤget / wie man ſiehet / daß ein doͤſer Menſch doch 
offt von einem guten zur Reue feiner Boßheit beweget wird / waũ 
ihme der Fromme mit ſeinem liebreichen Geiſte ſein verborgen 
Inſtrument ſchlaͤget: Desgleichen geſchiehet es auch mit dem 
Frommen / ſo ihm der Boͤſe mit dem Geiſt ſeines Grimmes ſein 
verborgen Inſtrument ſchlaͤget / ſo wird im Frommen auch die 
Zorn-geftaltnüg erwectet / und iſt je eines wider das ander ge 
ſetzet / daß eines des andern Artzt ſeyn ſoll. 

x0. Dann wie die Geſtaltnuͤß des Lebens iſt / das iſt / wie die 
Ebens⸗geſtaͤltnuͤh in Zeit des Fiats in der Menſchwerdung figu- 
riret wird / alſo iſt auch fein natürlicher Geiſt z denn er urſtaͤndet 

‚aus der Eſſentz aller drey Prineipien / und einen ſolchen Willen 
fuͤhret er auch aus ſeiner Eigenſchafft. 

11. Nun aber mag ihm ver Wille gebrochen werden date 
wann ein Stärcderer über ihn komt / und wecket fein innere Ge⸗ 
ftaltnäg auff mit feinem eingeführten Hall⸗und Willen⸗geiſt / 
ſo verleuret ſein Ober⸗Regiment das Recht und die Gewalt / wie 
wir ſolches an der Sonnen Gewalt ſehen / wie fie mit ihrer Macht 
eine bittere und ſauere Frucht in eine Suͤſſigkeit und Liebligkeit 
qualificiret: Deßgleichen auch wie ein guter Menſch unter ei⸗ 
nem böfen Hauffen verderbe / auch ein gutes Kraut auff einem 
boͤſen Acker nicht feine rechte Tugend genugſam erzeigen fan =- 
Dad es wird in dem guten Menfchen das verborgene böfe Inſtru⸗ 
ment erwecket / und in dem Kraut auch eine widerwertige Eſſentz 
von der Erden / daß offt das Gute in ein Boͤſes / uñ das Boͤſe in ein 
Gutes verwandelt wird. Und wie es nun in der Gewalt der Qua⸗ 
litaͤt inne ſtehet / alfo bezeichnet ſichs im aͤuſſern in feiner aͤuſſer⸗ 
lichen Forme und Geſtaltnuͤß / fo * der Menſch in ſeinen en 

4 den 


8 De Sıcnarura Cap. 


den / Willen undSitten/auch mit derForm der Glieder / die er al: 
fo zu derſelben Geſtalnuͤß hat und gebrauchen muß: Seine inne⸗ 
re Geſtaltnuͤß zeichnet ihn auch in der Geſtaltnuͤß des Angeſichts / 
deßgleichen auch ein Thier / item, ein Kraut und auch Baur: 
me /ein jedes Ding wieesin fich ift /alfo ift cs aueh auswendig 
bezeichnet. 

12. Dann ob es gleich geſchiehet / daß ſich offt ein Ding vom 
Boͤſen ins Gute / und vom Guten ins Boͤſe verwandelt / ſo hat 
es Doch feinen aͤuſſerlichen Character, dag man das Gute oder 
Boͤſe / das ift/ die Berwandelung fennet : Dann den Menfchen 
kennet man hierinan feiner täglichen Übung / item , an feinem 
Wandelund Worten / dann das Ober-Inſtrument wird immer 
geſchlagen / welches am ftärdkeften ift gezogen. 

23. Alfo auch ein Thier / fo das böfe iſt / und iſt aber mit Ge⸗ 
waltgebandiget / und zuanderer Eigenſchafft gegogen worden / 
laͤſſt feine erfte inftchende Geſtalt nicht leichtlich mercken/diefelbe 
werde dañ erraͤget / fo gehet fie für allen andern Geftalten herfür. 

24. Alfo ifts auch mit den Kräutern der Erden/fo cin Kraut 
vom böfen Acker incinen guten verfeget wird / Eriegets zur hand 
einen ftärckern Leib / auch lieblichern Geruch und Kraft / und er⸗ 
zeiget die innere Efleng imaͤuſſern. 

15. Und ift fein Ding in der Natur das gefchaffen oder ge> 
bohren ift/ es offenbahret feine innerliche Geftalt auch aufferlich/ 
denn das innerliche arbeitet fFäts zur Offenbahrung/ als wir fol- 
ches ander Kraft und Geftaltnüß diefer Welt erfennen/wie fich 
das einige Wefen mitder Außgebaͤhrung in der Begierde hat in 
rinem Gleichnůß offenbahret/wie es fich hat in fo viel Formen und 
Geſtaltnuͤß offenbahret / als wir folches an Sternen und Ele= 
menten / fowohlan den Ereaturen/ aud) Baumen und Kräutern 
ſehen underkennen. 

16. Darumb ift in der Signatur der gröfte Verſtand / darin⸗ 
nen fich der Menfch (als das Bild der gröften Tugend ) nicht 
allein lernet felber kennen /fondern er mag auch darinnen das 
Refen aller Wefen fernen erkennen/ dann ander aufferlichen 
Geftaltnüg aller Ereaturen / an ihrem Trieb und Begierde / 
item, an ihrem außgehenden Hall; Stimm und Sprache/kennet 
man den verborgenen Geiſt / dann die Naturhat jedem Dinge 
feine Sprache ( nach feiner Efen& und Geftaltnug ) gegeben / 
dann aus der Eſſentz urftändet die Sprache oder der Hall/ und 
derſelben Efenk Fiat formet Der Eſſentz Qualität /in den außs 
gehenden Halloder Kraft / den lebhafften im Hall / und den eſ⸗ 

:Dila- 


Cap.2. Rerum. 9 
ſeutialiſchen im Ruch / Krafft und Geſtaltnuͤß: Ein jedes Ding 
hat feinen Mund zur Offenbahrung. 

17. Und das ift die Matur- fprache / daraus jedes Ding aus 
feiner Eigenſchafft redet / und fich immer felber offenbahret / und 
darſtellet worzu es gut und nuͤtz fey / Dann ein jedes Ding offen» 
bahret feine Mutter pie die Effeng und den Willen zur Geftalt> 
nuͤß alſo gibt. 


Das 2. Capittel. 


Von der Widerwertigkeit und dem Streit in dem 
Weſen aller Weſen. 


O dañ der Geſtaltnuͤßen fo manch un vielerley ſend / 
da je eines einen andern Willen aus ſeiner Eigen⸗ 
ſchafft herfuͤr bringet als das ander / ſo verſtehen 

* wir hierinnen die Widerwertigkeit uñ den Streit 

indem Weſen aller Weſen / wie je eines das ander 

feindet/ vergifftet und toͤdtet / das iſt / ſeine Eſſentz und den Geiſt 
der Eſſentz uͤberwindet / und in ein andere Geſtaltnuͤß einfuͤhret / 
davon Kranckheit und das Wehethun entſpringet / wann eine 

Eſſentz die andere zerbricht. 

2, Unddann verftehen wir auch hierinnen die Artzney / wie ei⸗ 
188 das andere heilet und zur Gefundheit bringet und ſo dieſes 
nicht waͤre / ſo waͤre keine Ratur / ſondern eine ewige Stille / und 
kein Wille / dann der Widerwille macht die Bewegligkeit und 
den Urſtand des Suchens / daß die widerwertige Quaal die Ruhe 
et und fich in dem Suchen nur felbft erheben? undinchrente 
zündet 
3. Undift uns zu verſtehen / wieder Artzt in der Gleichheit ei⸗ 
nes jeden Dinges ſtehe / danni in der Gleichheit ſtehet des Willens 
Er fuͤllung / als ſeine hoͤchſte Freude / dann ein jedes Ding begeh⸗ 
vet einen Willen feines gleichen/und mit dem Widerwillen wird 
es gefrändet / fo esabereinen Willen feines gleichen befomt/fa 
erfreuet Jiehs in der Gfeichheit / und erfindet darinnen in die 

Ruhe / und wird ausder Feindſchafft eine Freude. 

4. Dann die cwige Natur hat nichts/ als nur eine Gleichheit 
aus fich mit ihrer Begierde gebohren / und ſo nicht eine immer⸗ 
waͤhrende Br rinſchung waͤre / ſo waͤre in der Natur ein ewiger 

Sriedesaber alſo wuͤrde die Natur nicht offenbahr / im Streit 

wird ſie offenbahr / daß ſich ein * Ding erhebet / und m 

% 5 uB. 


% 


10 Ds Sıcnatura Cap. 


zen Streit flichen in die ftille Ruhe / und damit nur aus fich ſel⸗ 
ber in ein anders laufft / und den Streit nur dadurch erwecket. 

5. So finden wir Klar im Liecht der Natur / daß der Wider⸗ 
gwertigkeit nicht. beffer mag gerathen werden/un hat keinen höhern 
Artzt als die Freyheit / das iſt das Liccht der Natur Yals des Gei—⸗ 
ſtes Begierde; und dann finden wir / daß der Eſſentz nicht mag 
beſſer gerathen werden als mit der Gleichheit / dann die Eſſentz iſt 
ein Weſen / und ihre Begierde ſtehet nach Weſen / fo begeh⸗ 
ret ein jeder Geſchmack nur ſeines gleichen / und ſo er dehn be— 
komt / fo wird fein Hunger erfuͤllet und geſtillet / und hoͤret auff 
zu hungern / und erfreuet ſich in ſich ſelber / davon erſincket die 
Kranckheit in eine Ruhe in ſich ſelber / dann der Hunger der Wi⸗ 
derwertigkeit hoͤret auff zu qualificiren. 

6. So dann das menſchliche Leben in drey Principien ſtehet / 
als in dreyerley Eſſentz / und auch einen dreyfachen Geiſt aus je⸗ 
der Eſſentz Eigenſchafft hat / als nach der ewigen Natur / nach des 
Feuers Eigenſchafft / und zum andern nad) des ewigen Liechts / 
und der Goͤttlichen Weſenheit Eigenſchafft / und zum dritten / 
nach der aͤuſſern Welt Eigenſchafft / ſo iſt uns beydes deſſelben 
dreyfachen Geiſtes und auch der dreyfachen Eſſentz und Willens 
Eigenſchafft zu betrachten / wie ſich cin jeder Geiſt ſambt ſeiner 
Tſſentz in Streit und Kranckheit einfuͤhre / und was feine Eur 
und Artzney fey. 

7. Wir verſtehen / dag auſſer der Natur eine ewige Stille. 
und Ruhe ſey / als das Nichts / und dann verſtehen wir / daß in 
Dem ewigen Nichts / ein ewiger Wille urſtaͤnde / das Nichts in 
Etwas einzufuͤhren / daß ſich ver Wille finde / fühle und ſchaue / 
dann im Nichtswäre der Wille ihmenicht offenbahr / fo erken⸗ 
nen wir aber /daf fich der Wille felber fische / und in ſich felber. 
finde / und fein Suchen ift eine Begierde /und fein Finden ift der. 
Begierde Weſen / darinnen fich der Wille findet... Er findet 
nichts als nur die Eigenfchafft des Hungers/ welche er felber ift / 
Die zeucht er in fich / das iſt / er zeucht fich felber in fich / und findes 
ſich felber in ſich / und fein in fich Zichen macht in ihme eine Be⸗ 
ſchattung oder Finfternüß / welche in der Freyheit als im Nichte. 
nicht ift / dann der Freyheit Willen befchattet fich felber mit der 
Begierde Wefen dann die Begierde macht Weſen / und nicht 
Der Wille, 

8. So dann der Wille alfo mit feiner Begierde muß im fin» 
Kern ftchen / fo iltdas feine ABiderwertigkeit / amd ſchoͤpffet ihme 
das fich einen andern Willen vonder Finſternuͤß aufzugeben er 


Cap. 2. RERuN. It 
der in die Frepheit /als in das Nichts / und mag doch auffer fich 
nicht die Frepheit erreichen / dann Die Begierde gehet aus fich/ 
und machet Quaal und Finſteruuͤß / fo mug der Wille ( verftcher 
der andere gefchöpffte Wille) in ſich gehen / und iſt doch kein ab⸗ 
trennen; dann in ſich fuͤr der Begierde iſt die Freyheit als das 
Nichts / fo mag doch auch der Wille nicht: ein Nichts ſeyn / dann 
er begehret ſich in dem Nichts zu offenbahren / und mag doch auch 
feine Offenbahrung geſchehen /als nur durchs Weſen der Bes 
gierde/ und jemehr Der wiedergefaſſte Wille der Offenbahrung 
begehret / je mehr und ſtrenger zeucht die Begierde in ſich / und 
macht in ſich drey Geſtalten. 

9. Als das Begehren / das iſt Herbe / und gibet Haͤrtigkeit / 
dann es iſt ein Einſchlieſſen / davon Kaͤlte urſtaͤndet / und das 
Ziehen machet Stachel oder Ruͤgung in der Haͤrtigkeit eine 
Feindung wider die herbe an ſich gezogene Haͤrtigkeit; das Zie⸗ 
hen iſt die andere Geſtalt / und eine Urſache des Bewegens und 
Lebens / und raͤget ſich in der. Herbigkeit und Haͤrtigkeit / welches: 
die Haͤrtigkeit als das Einſchlieſſen nicht dulden mag / und dero⸗ 
wegen viel hefftiger an ſich zeucht den Stachel zu halten / und 
wird doch der Stachel dadurch nur ſtaͤrcker. Alſo wil der Stachel 
uͤber ſich und quericht / und mag das doch nicht vollbringen / dann 
die Herbigkeit / als die Begierde haͤlt ihn / ſo ſtehet er gleich einem 
Triangel und Creutz-rade / das (weil er nicht von der Staͤtte 
weichen kan) draͤhend wird / davon die Vermiſchung in der 
Begierde entſtehet / als die Eſſentz oder die Vielheit der Be⸗ 
gierde dann das Draͤhen macht eine Immer- wirrung und 
— die Augſt als das Wehe / die dritte Geſtalt ent⸗ 

ehet. 

zo. Dieweil aber die Begierde / als die Herbigkeit dadurch 
nur ſtrenger wird (dann von der Ruͤgung entſtehet der Grimm 
und die Ratur / als das Bewegen) ſo wird der erſte Wille zur 
Begierde gantz ſtrenge und ein Hunger / dann er iſt inſeinem 
harten ſtachlichten duͤrren Weſen / und mag davon auch nicht 
eutfliehen / dann er machet ſelber das Weſen / und beſitzet das 
auch / daun alſo ſindet er ſich jetztaus dein Nichts in Etwas / und 
Das Etwas iſt doch ſein Widerwille / dann es iſt eine Unruhe / 
und der freye Wille iſt eine Stille, 

11. Das iſt nun der Urſtand der Feindſchafft / daß die Natur 
wider den freyen Willen laufft / und ſich cin Ding in fich ſelber 
ſeindet: Und verſtehet allhie das Centrum der Natur / mit 


dreyen Geſtaltenz Im Urſtand / als im erſten Principio ifts 
4.6 Geiſt / 


Fe) De Sıcnatura Cap.z. 


Geiſt; im andern ifts Siebe s und im dritten Principio ifts We⸗ 
fen / und heiſſen die z. Geftälte im dritten Principio, Sulphur, 
Mercurius , und Sal. Dig verftehet alfo: 

12. Sul iſt im erſten Principio der freye Wille oder die Luſt in 
dem Nichts zu Etwas / es ift in der Freyheit außer der Natur ; 
Phur ift die Begierde der freyen Luft / und machet in fich in den 
phurals in der Begierde ein Weſen / und daſſelbe Weſen ift ſtren⸗ 
ge wegen des Anziehens / und führer fich in drey Geſtaͤlte ein / wie 
oben gemeldet / und fort in die vierdte Geftalt / als auf Fewer: 
Sm plur wird der ewigen und auch der aͤußern Natur Urftand 
verſtanden / dann die Härtigkeit ift eine Mutter der Schärffe 
aller Wefen und ein Behalter alles Weſens; aus dem Sul/ als 
aus der Freyheit Luſt / wird die finftere Angft ein ſcheinendLiecht / 
und im dritten Principio als im aͤuſſern Reich / iſt das Sul das 
Oehle der Natur / darinnen das Leben brennet und alles waͤchſet. 

13. Nun iſt aber das phur als die Begierde nicht von dem Sul 
getrennet /esift ein Wort / undift auch im Urſtand ein Weſen / 
und ſcheidet fich aber felber in zwo Eigenfchafften / als in Fremd 
und Leid /in Liecht und Finfternüß / dann es macht zwo Welten/ 
als ein finſtere fewer⸗Welt in der Strengheit / und eine liechte 
Fewer⸗Welt in der Luſt der Freyheit / dann die Luſt der Freyheit 
iſt die einige Urſache / daß das Fewer ſcheinet / dann das uͤrſtaͤnd⸗ 
liche Fewer iſt finſter und ſchwartz / dann im Fewer-Schein / 


wird im Urſtand die Gottheit verſtanden / und im finſtern / ale, 


in der Angſt-quaal / wird der Urſtandder Natur verſtanden / und 
verſtehen ferner den Artzt hierinnen. 


14. Die Quaal iſt der freyen Luſt / als der ſtillen Ewigkeit 


Artzt / dann die Stille findet ſich darinnen im Leben / ſie fuͤhret 


ſich durch die Angſt-quaal in der Begierde ins Leben / alß in die 
Frewdenreich / day nehmlich das Nichts ein ewig Leben iſt wor= 


Den: umd das ſichs funden hat / welches im der Stille nich 


feyn kan. 

15. Zum andern finden wir / als wie das Sul daß ift / der 
Freyheit Luſt / der Begierde/ alsder ängftlichen Natur Arst ſey / 
dann der Glantz der Freyheit vom angezuͤndeten Fewer auß 
der Natur / leuchtet wieder in der finſtern Angſt / und erfuͤllet 
die Angſt mit der Freyheit / davon der Grimm erliſcht / und das 
Draͤhende Radt ſtill ſtehet / und an ſtatt des Draͤhens in Schal 
änder Eſſentz wird. 


16. Diefesift nun die Geftalt des Beift-Ichens / und des Efe 


ſentialiſchen Lebens: Sul ift der Urſtand des Frewdenlebens / und 


phus. 


Cap. 2. Rerum 73 


phur ift der Urftand des Effentialifchen Lebens; die Luſt ift ver: 
und außer der Natur / welche das rechte Sul ift / und der Geiſt 
wird inder Natur offenbahr / als durch die Quaal / und ſolches 
in zweyerley Geſtalt: als nach der Freyheit Luft in einer Frew⸗ 
den⸗quaal / und nach der Angſt-begierde Luſt / nach herbe ſtach⸗ 
licht feindig⸗bitter vom Stachel / und nach der Angſt des Rades 
ganz mördifch und feindig / und wohnst ein jede Eigenfchaffi in 
fich ſelbſt / und find doch in einander: Hierinnen wird Gottes Lie⸗ 
be und Zorn verftanden / fie wohnen in einander / und keins bes 
greifft das ander / und ift doch eins des andern Artzt: verfiche. 
durch die Imagination, Dann das Ewige ift Masifch. 

17. Die andere Geftalt inder Natur/ift inder Ewigkeit das. 
Rad mit den ftachlichten bittern Eflentien , dann allda entftchet 
die Eſſentz / verftchet mit der Verwirrung / dann das Nichts iſt 
ftille ohne Bewegen / aberdie Wirrung macht.das nichts beweg⸗ 
lich:im dritten Principio aber als im Reich in der Efieng un Quaal 
der Auffern Welt / heiffet die Geftalt Mercurius,die ift feindig und 
gifftig/ und iſt die Urſach des Schens / und Raͤgens / auch die Urs 
fach ver Sinnen / als da fich ein Blick in der Unendligkeit ſchoͤpf⸗ 
fen (und dann auch hinein verteuffen mag/ da auf einem einigen/ 
die ungründliche und unzahlbahre Bielheit urftänden mag. 

18. Diefe Geftaltift die Unruhe und aber der Sucher der Ru⸗ 
he / und mit ihrem Suchen machet fie Unruhe. Sie macht lid: 
felbft zu ihrem eigenen Feinde/ ihre Artzney iſt zweyerley "dann 
ihre Begierde ift auch zweyerley / als nach der $uft der Freyheit / 
und nach der Stille und Sänffte: und dann auch im Hunger: 
nach dem Auffteigen der Unruhe / und des fich felber findens. Die. 
MWurselbegehret mit denn erften Willen nur Frewde / und Fan 
die auch anderſt nicht erreichen als durch die feindliche Auaal 
dann im ftillen Nichts mag Eeine Freude entfichen / ſte muß nur 
* Bewegung und Erhebung entſtehen / daz fie das Nichts. 

indet. 

19. So begehret nun das Gefundene / wieder in den Willen. 
des ſtillen Nichts / daß es darinnen Frewde und Ruhe habe / und 
das Nichts iſt feine Artzney / denn des Suchers oder Finders Artz⸗ 
ney iſt der Grimm oder die Gifft / das iſt fein gefunden Leben / als 
wir dieſes ein Exempel an der gifftigen Gall haben / auß welcher 
im Leben Fremd und Leid entſtehet / darinnen wir alſo zweyerley 
Willen verſtehen / als einen zum grimmigen Fewer und aͤngſtli⸗ 
hen Quaal Leben / zum Urſtande der Natur / und einen zung. 
Liechtleben / als zur Frewde der Natur / dieſes alles nimt ſeinen 
Urſtand alſo aus dem ewigen Nichts, A7 40. Des 


# 


24 DeSrsnwatrura Cor 


20. Des erſten Willens Arge ift die Luſt der Freyheit / fo er 
die erlangt/ fo macht er die Frewdenreich in fich / und des andern 
als der Natur Wille Artzt und Helfer / ifEder Grimm in der 
hungrigen Begierde ; und hierinnen verftehet man Gottes Siebe 
und Zorn / und wie in jedem Leben Boͤſes und Gutes im Centro ſey / 
und wie kein Frewde ohn Leid Urſtaͤnden moͤge / und wie eins des 
andern Artzt ſey. — 

21. Und verſtehen allhie den dritten Willen der aus dieſen 


beyden als aus ſolcher Elentz / als aus der Mutter / ſeinen Urſtand 


nimt / als den Geiſt / welcher dieſe beyde Eigenſchafften in fich.hat/, 


und iſt ein Sohn der Eigenſchafften / und auch ein Herz derſelben /, 


dann in ihme ſtehet die Gewalt / er mag erwecken welche Eigen⸗ 
ſchafft er wil die Eigenſchafften ſtehen in der Eſſentz / und find 


gleich wie ein zugerichtet Leben / oder wie cin Inſtrument mit 


vielen Stimmen welche ftille. ſtehen / und er der, Geift als der 
Außgang ift das wahre Leben / er mag das Inſtrument ſchlagen 
wie er wil / in der böfen oder guten / nach Liebe oder Zorn / und 
wie er ſchlaͤget / wie das Inſtrument lautet / ſo wirds von feinen: 
Gegen-hall/ als von der Gleichheit angenommen. 

22. Wird die Stimme der Liebe. als der Sreyheit Begierde 
gefchlagen/fo wird ver Hallvon derfelben Freyheit iind Liebe⸗Luſt 
eingenommen / dann es iftihr Geſchmack und ihres Willens Be⸗ 
gierde aͤhnlich / cin gleiche Luft faͤngt die andere: alſo auch im glei⸗ 
chen won der Feindſchafft md Widerwillen; wird das Inſtru—⸗ 
ment nach der Begierde zur Natur geſchlagen / als im Grimm 
Zorn und bittern Falſchheit / fo nimmts auch derfelbe Gegen⸗hall 
and grimmige Begierde ein / dann es iſt ſeiner Eigenſchafft uud 
eine Erfüllung feines Hungers / darinnen wir daun die Begier⸗ 
de der Liecht⸗ und auch der finftern = Welt verſtehen / zweyerley 
Quaal und Eigenſchafft. 

23. Die Begierde der Freyheit iſt ſanfft und liechte / und wird 
Gott genannt / und die Begierde zur Natur macht ſich in ſich fin⸗ 
ſter / duͤrre / hungrig und grimmig: die wird Gottes Zorn genannt / 
und die finſter⸗Welt / als das erſte Prineipium ; und die Liecht⸗ 
welt das ander Principium, iſt zwar kein abtheilich Weſen / ſon⸗ 
dern eines haͤlt das andere in ſich verſchleſſen / und eines iſt des 
andern Anfang und Urſache auch Heylung und Artzney / welches 


erwecket wird / das krieget das Regiment / und offenbahret ſich in. 


auſſern mit feinem Character, und macht eine Geſtaltnuͤß nach 
feinem Willen im aͤuſſern nach ſich / wie man ſolches an einem er⸗ 


zuͤrneten Menſchen oder Thier ſihet / ob gleich der RT 


V 


* 


fi 
4 


Cap. 2) Rerum. 15 


und Thier nicht in der innern Welt feynd/ fo hat doch die äuffere 
Patur eben diefelbe Geftältnüge/ dann fie ur ſtaͤndet von der i in⸗ 
nern / und ſtehet auff der innern Wurtzel. 

24. Die dritte Geſtalt iſt die Yenftligkeit/die urſtaͤndet inder 
Natur von der erfien ũd andern und ift der er ſten iD andern Be⸗ 
halter oder Erhalter/ fie ift in fih das ſcharffe Fiat, und die ander 
Geftalt hat das Verbum, als die Eigeuſchafft zum Worte / und fie. 
ſtehet indreyen Eigenſchafften / und nacht aus fich mit den dreyen 
die vierdfe / als das Fewer inder Auß⸗Gebuhrt Falsim dritten: 
Principio wird fie Saloder Sal genant/ nach ihrer Materia, aber: 
in ihrem@eift hat fie viel Geſtaͤlte / dann fieift die Fewer⸗wurtzel / 
die groſſe Angſt / ſie urſtaͤndet zwiſchen und aus der Herbigkeit / 
und Bitterkeit / in dem ſtrengen in ſich ziehen / ſte iſt die Weſen⸗ 
heit des Ingezognen / als die Leibligkeit oder Begreiffligkeit vom 
Sulphur iſt fie ſchweflicht / und vom Mercurio ein Blitz / ſie iſt in 
ſich ſelber peinlich als eine Schaͤrffe des Sterbens/ und das vom 
ſcharffen Anzichen der Herbigkeit. 

25. Sie hat zweyerley Fewer in ſich / ala ein kaltes und ein 
hitziges / das kalte urſtaͤndet von der Herkigkeit / von ſcharffen 
Anziehen / und iſt ein finſter ſchwartz Fewer und das hitzige ur⸗ 
ſtaͤndet vom Stachel des Treibens in der Angſt / in der Begierde 
nach der Freyheit / und die Freyheit iſt auch ſeine Anzuͤndung / 
und des falten Fewers iſt der wuͤtende Stachel ſeine Erweckung. 

26. Dieſe drey Geſtalten ſeynd in einander als eine / und ſeynd 
auch nur eine / theilen ſich aber durch den Urſtand in viel Geſtaͤl⸗ 
te / und haben doch nur eine Mutter / als den begehrenden Wil⸗ 
len zur Offenbahrung / der heiſſet Vatter der Natur und des We⸗ 
ſens aller Weſen. 

27. Nun iſt der Aengſtligkeit oder des Saltz⸗ geiſtes Hunger gu: 
betrachten / und dann auch feine Erfättigung oder Erfüllen. Die 
Angft hat in fich zween Willen, vom Urftand des erſten Willens 
aug der Freyheit zur Offenbahrung feiner felber : als der erfte 
Wille ift zur Naturns und der ander widergefafte Wille / iſt des 
erften Sohn) dergehet auß der Offenbahrung wiederin ich in‘ 
die Freyheit / dann er iſt in der Natur ein ewig Schen worden / 
und befigtdoch nicht die Natur effentialifch / ſondern wohnet ins; 
ſich / umd durchgehet die Natur ſcheinlich / und der erſte Wille 
gehet auß ſich / dann er iſt die Begierde der Offenbahrung / ex; 
ſuchet ſich aus ſich / und faſſet aber die Begierde in ſich / er begeh⸗ 
ret das Innere aus ſich auszufuͤhren / alſo hat er zwo Eigen⸗ 
Ha ten 

28. Mig: 


T6, DeSıcenartura Cap.z. 


28. Mit dem in fih Suchen macheter das Centrum der Na—⸗ 
tur / dann es iſt gleich einer Gifft/ ein Wille der fchredlichen 
Erhebung gleich einem Blis und Donnerfchlage/ dann diefe Bes 
gierde begehret nur Angft / und fchrecklich zu ſeyn / fich in ſich zu 
finden/aug dem Nichts in Etwas : und dieandere Geftalt gehe. 
als ein Schrad oder erbohrner Hall auß fich / daunn es iſt nicht 
des erften Willens Begierde im fchrechlichen Tod zu bleiben/ fon» 
dern fich nur alfo aus. dem Nichts auß⸗zu führen / und fich felber. 
zu finden.. x 

29. Undverftchen mit dem Centro in fich / mit der erhebenden 
Grimmigkeit / mit dem grimmen Willen zur Natur / die finftes 
re Welt / und mit dem Außgange auß ſich zurOffenbahrung / die. 
aͤuſſere Welt: und mit dem andern Willen auf dem erſten / der 
wieder in die Freyheit eingehet / die Liecht⸗welt oder Freudenreich / 
oder die wahre Gottheit. 

30. Der finſtern Welt Begierde iſt nach) der Offenbahrung / 
alß nach) ver aͤuſſern Welt / diefelbe Weſenheit in fich zu ziehen / 
und den grimmen Hunger Damit zu ftillen; und der Auffern ABele: 
Begierde ift nach der Effeng oder geben / welches von der Pein 
und Angft entſtehet; Ihre Begierde in fich iſt das Wunder ver, 
Ewigkeit/ ein Myfterium oder Spiegel / oder das Gefundene. 
des erften Willens zur Natur. 

3x. Diefer Auffern Welt Begierde.ift Sulphur, Mercurius 
und Salz dann ein ſolch Wefen iftsinfich / als.cin Hunger nach» 
ſich felber/und ift auch fein eigen Erfüllen; dannSul begehret phur; . 
und phur begehret Mercurium, und diefe beyde begchren Sal, dann 
Sal iſt ihr Sohn / dehn fie augbrütenin ihrer Begierde /umd wird 
hernac ihr Wohnhaus / und auch Speiſe; eine jede Begierde 
begehrt nur die Weſenheit des Saltzes nach feiner Eigenfiyafft 7’ 
dann das Saltz tft vielerley / ein Theil ift Schaͤrffe der Kälte | 
und ein theil Schaͤrffe ver Hige: Item ein theil Schwefel/ und- 
ein tyeil Salniter: vorm Mercurio ; diefe Eigenfchafften ſind wohl 


ineinander alseine / aber ſie fcheiden fich Doch eine jede in fich ſel⸗ 


ber wohnende / dann fie find unterfchiedlicher Eſſentz / und ſo ei⸗ 
ne in die andere eingehet/ fo iſts Feindſchafft / und ein Schrack / 
ols wir dig am Donner und Wetterleuchten verfichen. 

32. Dasgefchicht wann fich die groffe Angft / als aller Saͤl⸗ 
ke Mutter / verfichet die dritte Geſtalt verRaturimpreffet / das 
geſchicht vom Anblice der Sonnen / dag fie die hitzige Fewers> 
geftalterweckt / fo ift fie durchdringend als des Fewers Eigen=- 
ſchafft iſt und wann ſie den Salniter erreichet / fo zuͤndet ſie N 

an 


‚Cap. 3. Rerum. 17 


an / und der Salniter ifrin fich der groffe Schrack im Mercurioy 
alsder Blis oder Stachel/der führt in die Kalte/ als in die talte 
Schaͤrffe des Salß-geiftes / diefelbe Kälte erſchrickt alfofehr vor 
dem Blitze des Fewers/ und rafft ich augenblicklich in ſich davon 
wird ein Donnerkeil Schauwer oder Blitz / welcher im Schracke 
ſchlaͤget / und der Schrack fahret unterfich / dann er ift fchwehr 
vonder Kaͤlte / und der Salnitrifche Geift ift leichte vom Fewer / 
der führer den Donner oder Hallauericht / wie man pas 1m Ge⸗ 
witter und Donner höret. 

33. Bald darauf gehet der Wind oder der Geift auf alle 
vier Geftalten gegen einander / dann fte feynd alle vier in Durch» 
dringenden Schracke angezündet / fo folget Darauf Hagel und 
Regen / der Hagelrafft fich zufammen in der Kälte/ inder Ei⸗ 
genfchafft des kalten Salg-geiftes/ dann der Grim̃ zeucht an fich/ 
und macht das Waſſer zu Eife / und das Waſſer urftänder von 
der Sanfftinuth / als von der Begierde des Sicchts / dann es iſt 
der Sanfftinuth Wefenheit / das zeucht der Falte Saltz-geiſt zus 
ſammen dag es tröpflich wird / und fältauffdie Erden / dann vor 
der Zufammenszichung iſts nur wie ein Nebel oder Rauch / oder 
als ein Dampf. 

34. Alfo ſehen wir dieſen Grund eigentlich am Donner und 
Wetterleuchten / dann der Bligoder himblitzen gehetallegeit vor⸗ 
her / das iſt der angezuͤndete Salniter: darauff ſolget der Schlag 

Am Schrack der Kaͤlte / wie ihr dan ſehet / ſo bald ein Schlag geſchi⸗ 
het / ſo iſt die Herbe Kummer geoͤffnet / fo gehet ein kühler Wind/ 
und offt gar zwirblicht und draͤhend / dann die Geſtaͤlte der Nas 
tur ſeynd erweckt / und ſeynd als ein draͤhend Rad / und alſo fuͤh⸗ 
ren fieauchihren Geiſt ven Wind. 


Das 3. Capittel. 


Vom groſſen Myſterio aller Weſen. 


*. Unſtiger Leſer / mercke ven Sinn recht / wir ver⸗ 
ſtehen nicht mit ſolcher Beſchreibung einen An— 
ſang der Gottheit / ſondern wir zeigen euch die Of⸗ 
fenbahrung der Gottheit durch Die Natur) / dann 
GoOtt ift ohne Anfang / und hat einen ewigen Ant» 

fang / undeinewig Ende / das ift er felber / und die Natur der 

innern elf in gleichem Wefen von Ewigkeit / wir geben euch, 


diß vom Goͤttuchen Wefen zuverfichen. * 
Auſ⸗ 


28 De SINATRA Cap. 3. r 


2. Auſſer der Natur ift GOtt ein Mylteriu r, verfichet indem 
Nichts/ dan auſſer ver Natur ift das Nichts/ das ift ein Auge der 
Ewigkeit / ein ungruͤndlich Auge / das in nichts ftchet oder Jihet/ 
dan esift der Ungrumd/ und vaffelbe Auge ift ein Wille / verftchet 
sin Sahnen nach der Offenbahrung das Nichts zu finden. — 

3 Nuniftabernichts vor dem Willen / da der Wille etwas: 
möchte finden / da er eine Stätte feiner Ruhe haͤtte / fo gehet er in 
ſich felber ein / und findet ſich durch die Natur ſelber. 

4. Und verfichen im Myfterioauffer der Natur im erften Wil⸗ 
ken zwo Geftalten/als die erfte Beftalt zus Natur/zur Offenbah⸗ 
zung des Wunder⸗Auges / und die andere Geftalt wird aus der 
erften erbohren / Die iſt cine Begierde nach Tugend und Krafft/ 
und iſt des erften Willens Sohn / feine Begierde der Frewden⸗ 
reich: alſo zu verſtehen: 


ir fen 


Zur 


5. Die Begierde. ift außgehende / und das Ausgehen ift des . 


Willens oder der Begierde Geiſt / dann er iſt cin Weben / und 
Die Begierde macht eine Geſtaltnuͤß im Geiſt / als Formungen 
der Unendlichkeit des Myſterii. 

6. Und dieſelbe Geſtaͤltnuͤß iſt die ewige Weißheit der Gott⸗ 
heit / und verſtehen hierinnen die Dreyheit der einigen Gottheit / 
deſſen Grund wir nicht ſollen wiſſen / wie der erſte Wille im Un⸗ 
grunde von Ewigkeit urſtaͤndet / welcher Vatter heiſſet / alleine die 
ewige Geburt erkennen wir / und unterſcheiden die Gottheit / was 
put und alleine antrifft die Gottheit / oder das gute vonder Natur. 

7. Und zeigen euch Das Arcanum der groͤſten Heimligkeit / nem⸗ 
lich wie ſich der Ungrund oder die Gottheit mit dieſer ewigen Ge> 
baͤhrung offenbahre / dann Bott iſt Geiſt / und alſo ſubtile als 
ein Gedancke oder Wille / und die Natur iſt ſein leiblich Weſen / 
verſtehet die ewige Natur; und die aͤuſſere Natur dieſer ſichtbah— 
ren greifflichen Welt / iſt eine Offenbahrung oder Auß-gebuhrt 
des innern Geiſtes und Weſens in Boͤſen und Guten / das iſt / ei⸗ 


“, 
3 


ne Darſtellung und figuͤrliche Gleichnuͤß der finſtern-Fewer⸗ und » 


Liecht-Welt / und wie wir euch oben gezeuget vom Urſtand des. 
Donners und Wetterleuchtens mit dem Schawerfchlagen/alfo iſt 
und ſtehet die innere Natur der innern Welt auch inder Gebaͤh⸗ 
rung / dann die aͤuſſere Gebuhrt nimmt ihren Urſtand von der 
innern / die innere Geburht iſt der Creatur unbegreifflich / aber 
die aͤuſſere iſt ihr begreifflich / jedoch begreiffet ein jede Eigen⸗ 

ſchafft ihre Mutter darauß ſie iſt erbohren worden. 
8. Als die Seele begreifft die innere ewige Natur / und der 
Seelen Geiſt / als die edle Bildnuͤß nach GLLLergreifft * — 
uhrt 


Cap. 3. Rerum 19 


burht der Engliſchen Liecht-Welt / und der Syderifche und Ele» 
mentiſche Geiſt /ergreiffer ver Sternen und Elementen Geburt: 
und Eigenſchafft. Ein jedes Auge fihet in feine Mutter daran. 
esift erbahren worden; 

9. So Wollen wir euch nun die Gebaͤhrung aller Weſen auß 
allen Müttern und Anfüngen darſtellen / wie eine Gebaͤhrung 
auß der andern gehe / und wiecine der andern Urſache ſey / und 
ſolches auß aller dreyer Muͤtter Augen und Sehen. 

10. Es ſolls Niemand für unmoͤglich achten / ſintemahl der— 
Menſch iſt eine Gleichnuͤß nach und in GOtt / cin Bilde des We⸗ 
fens alles Weſen / und ſtehet doch nicht in der Creatur fontern: 
in Gottes Macht / dann in dem klaͤreſten Liechte ſtehet allein das 
Sehen aller Weſen. Een — 

11. Wir haben oben gemelt / wie die Auß⸗gebuhrt / als das 
Weſen dieſer Welt in 3. Dingen ftehe /alg im Sulphur, Mercu- 
zio und Sal. Nun muͤſfen wirs recht darſtellen / was cs ſey / fine 
temahl es alles von einem Urſtand herruͤhret / und dann wie ſein 
innerliche Scheidung geſchehen / daß auß einem Anfange viel An⸗ 
faͤnge werden / daß iſt nun zuverſtehen / wie vorne vom Centro 

aller Weſen gemeldet. —* 

12. Dann Sulphur ſtehet im ewigen Anfange in zweyen Ges 
ſtalten / und auch im aͤuſſern Anfange dieſer Welt alſo: als im 
innern ſtehet die erſte Geſtalt / als Das Sul in der ewigen Frey⸗ 
heit. Es iſt die Luſt des ewigen Ungrundes / als ein Wille oder 
Urſtand zur Begierde / und der ander Urſtand iſt die Begierde / 
welche die erſte Bewegung iſt als ein Hunger zum Etwas] umd 
im ſelben Hunger iſt der ewige Anfang zur Natur der Gebaͤhre⸗ 
rin / und heiſt Sulphur, als eine Faſſuͤng der Freyheit als des 
Guten / und eine Faſſung der Begierde als des ſtrengen in ſich Zie⸗ 
hens mit der Begierde. 

13. sul iſt im innern Gott / und Phur iſt die Natur / dañ es macht 
einen Schwefelgeiſt / wie diß an des aͤuſſern Schwefels Eigen⸗ 
ſchafft zu ſehen: Sein Weſen iſt ein duͤrre in ſich gezogene Ma- 
teria,umdift als peinlich oder außdringend fewriger Eigenſchafft. 
Er zeucht hart in ſich / und vertruͤcknet als ein duͤrrer Hunger / und 
feine peinliche Eigenſchafft dringet aͤngſtlich auß ſich: der Urſtand 
iſt dieſes / daß er in zweyen Anfaͤngen ſtehet / als inder Begierde 
Eigenſchafft / welche ein Einziehen iſt / und in des Liechts oder der 
Freyheit Eigenſchafft / welche außdringende iſt / zur Offenbah⸗ 
rung durch die Begierde oder Natur. 

1. Die Begierde / als das Anziehen gibt die Haͤrte / und 9 

rſache 


20 Der Sıcnatura Cap.z, 


Urfachedes Feuers / und die Freyheit iſt eine Urfäche des Feuers 
ſcheines oder Liechtes / Sulift Liccht/und phur macht Feuer. Je⸗ 
dach) mags im Sulphur alleine nicht zum Feuer und Liecht gebracht 
werden/fondern im Mercurio uñ endlich im Sal, welches der rechte. 
Leib iſt / doch nicht des Schwefels / fondern der Efleng / Und des 
Waſſers. 

15. Und verſtehen alſo / daß in der erſten Begierde / welche in 
der Luſt der Freyheit entſtehet / alles ſubſtantialiſch und weſent⸗ 
lich wird und worden iſt. Aus welchem die Schoͤpffung der Welt 
ergangen iſt / dann man findet hierinnen der Erden / ſo wohl aller 
Metalle und Steinc&igenfchafft/fo wohl des Geſtirnes / und den 
Urſtand der Elementen / alles aus einer Einigen Mutter / das iſt 


die Luſt uñ die Begierde daraus alles gegangen iſt uñ noch gehet. 


16. Dann Mercurius wird im Sulpbur erbohren / er iſt das 
Scheiden / als Liecht und Finſternuͤß von einander/das brechende 
Rad und Urſache der Theilung / oder der Vielheit. Er ſcheidet die 
finſtere Weſenheit'von der Liechts-Weſenheit / als die Metalle 
von der groben / herben / finſtern / ſteiniſchen und irrdiſchen / dann 
der Begierde Eigenſchafft gibt und macht finfter Weſen / und 
Der frenen Luſt Eigenſchafft macht liechte Weſen: als Metalle) 
und alles was ſich dehme gleichen. 

x7. Mercurius hat im Anfang in ſeiner Gebuhrt drey Eigen⸗ 
ſchafften / als Zittern in der Strengheit / und Angſt von der har⸗ 
ten Impresfion der herben harten Begierde / und das Ausdringen 


der Vielheit / als das eſſentialiſche Leben / dann die Begierde zeucht 


alſo harte in ſich / und das Ziehen macht das Bewegen oder Sta⸗ 
chel des Zittern / und das ingepreſſete iſt Angſt: ſo aber die Frey⸗ 


heit darinnen mit ergriffen iſt / fo wil fie das nicht / allda entſtehet 
der Urſtand der Feindſchafft und das Scheiden / daß ſich eine Ge⸗ 


ſtalt von der andern ſcheidet / und zweyerley Willen entſtehen. 
18. Dann die Luſt der Freyheit begehrtt wieder in das Stille / 


als ins Nichts / und dringet wieder aus der Finſternuͤß der: 


Strengheitder Begierde in ſich felbft / alsindie Freyheit auffer 


dem Grimm der Feindfchafft / und hat fich nur alfo im ſtrengen 


Impreffen im Mercurio gefchärffet/ das fie ein bewegend fühlend 


geben ift / und daß ihre Freyheit geſchaͤrffet iſt / daß ſte ein Glantz 


iſt / welches in der Frepheiteine Freudenreich iſt und gibt. 


19. Und follet uns alfo verftehen / daß fich das Geiſt-reich / als 


ver Geift und das Weſen alfo fheidet. Das ABefen bleibet in. 
der Impreflion ‚und wird materialifch / das ift/ nicht GOtt / ſon⸗ 
dern Gold oder ein ander Metall/nach der Eigenſchafft der Re 

te 


Cap. 3. Rerum. 2? 


Faſſung im Sulphur de» Steine / oder Erden ausder Begierde 
ſelbſt Eigenfchafft !als nach dem erſten Sud im Mercurio,, dantt 
es mag fein Metallerbohren werden. ohne den Salniter/ welcher 
iſt der Schrack im Mercurio, welcher auchim herben impreſſen 

materialiſch wird / und in der Scheidung ſich theilet / ein Theil in 
einen Schwefel / ein Theil in Salniter / und ein Theil in Saltz⸗ 
ſchaͤrffe / da doch in dieſem allem kein leiblich Weſen ſeyn mag / 
ſondern nur der Geiſt des Weſens / das Weſen gehet alſo aus 
dem Tode durchs Sterben / welches geſchiehet in der groſſen Angſt 
des Impreſſens / da eine ſterbende Quaal iſt / welches das mercu- 
rialiſche Leben iſt / allda geſchiehet der ſalnitriſche Schrack als ein 
auffahrender Bliß; dann die Freyheit / als der ewigen Luſt Ei⸗ 
genſchafft / ſcheidet ſich allda in ſich ſelber / und iſt doch das inge⸗ 
zogene Weſen aus der Luſt der Freyheit mit im Begriff des Ina 
zichens in der herben / ſtrengen / finſtern Angſt blieben. 

20. So nun der Grimm alſo ſtrenge in ſich gehet / davon der 
ſalnitriſche Schrack erhebend wird / ſo ergreifft er der freyen Luſt 
Weſenheit in ſich / davon entſtehet der Schrack / dann der Grim̃ 
ergreifft allda die Sanfſtmuth / das iſt eben als goͤſſe man Waſſer 
ins Feuer / ſo gibts einen Schrack / ſo er ſtirbt der Grimm der groſ⸗ 

fen Angſt / und gehet auff mit den Schrads die Freude und der 
Schrack iſt aus dem Mercurio oder aus der Angſt des Todes / und 
wird auch materialifch / veraͤndert ſich aber von der Freyheit in 
Weiß / das iſt Salniter/ fo nun das Feuer / als die grauſame 
Angfe-fhärfe wieder darein komt / ſo erſchrickt der Salniter / und 
gibt einen Stoß / dann die erſte Eigenſchafft fuͤrm Tode wird 
wirderumbangezünder / mit dem Schwefelsgeift / wie ihr dig am 
Pulver genug ſehet / welches dieſer Eigenſchafften Materia iſt. 
21. Ferner iſt uns zu erkennen das Sterben mit der Anzuͤn⸗ 
dung des Feuers / welches alles im Schracke geſchiehet / dann es 
iſt ein Schrack zum Tode und zum Leben / ein Theil ſencket ſich in 
Todtes Eigenſchafft / als des Grims vonder ſtrengen Begierde / 
und das ander Theil / als von der ſanfften Luſt oder Rebe Weſen⸗ 
heit / ſtehet auff in Freudenreich. 

22. Weil aber in der freyen Materia auch ein Ertoͤdten geſchicht / 
wiewohl es kein Tod iſt / ſondern eine Erloͤſung vom Griume / 
dann der Freyheit Materia wil vom Grimm frey ſeyn / ſo ſencket 
ſich dieſelbe Materia unter fich / Das iſt Waſſer / und iſt nicht des 
Grimmies Eigenſchafft / aber der Grimm haͤlt das in ſich gefan⸗ 
gen aber es ſcheidet ſich in der Eſſentz und Quaal von einander / 
des Grimmes Weſen gibt Erde um Steine / und der en 

eſen 







22 DrSıcnatura Cap. 3. 


Weſen ift Waſſer / welches mit des Feuers Anzuͤndung / durch 
die Toͤdtung aus der Sanfftmuth des Lichts urftändet. 
23. Weil aber daſſelbe Waſſer im ſalnitriſchen Schracke fich 
auch, fcheidet und vorin Salniter alles untereinander iſt / fo be> 
komts in der Scheidung mancherley Eigenſchafft / und iſt des 
Waſſers vielerley / und dieſelbe vielerley Eigenſchafft gibt in je⸗ 
der Eigenſchafft auch ein leiblich oder coͤrperlich Weſen / als nach 
Der erſten Scheidung des Mercurii im Sulphur; dann in der Er⸗ 
toͤdtung im ſalnitriſchen Schracke werden und entſtehen zwey 
Ding / als ein Leben und cin Leib des Lebens / verſtehet ein eſſen⸗ 
tialiſch Leben / und ein ſtummer unfuͤhlender Leib / deßen Mate⸗ 
ria iin Schrack erſtorben iſt. Alſo iſt vielerley des Waſſers / und 
vielerley des Lebeſis / und vielerley Des Corpus oder Materia ‚wie 
ein jeder Corpus iſt / alfo ift auch fein efentialifcher Geift«- --; 
24. Diefes mug man nuu vom erſten Urſtand betrachten/ 
als vonder Freyheit Luſt / und zum andern von der Begierde zur 
Natur oder Offenbahrung Des Ungrundes. 
25. Erſtlich gebaͤhret ſich im ſalnitriſchen Schracke / durch das 
Augſt ⸗ ſterben / in Schwefel⸗ waſſer vonder Angſt / das gibt einen 
Sch wefel wie für Augen iſt / und alles was ihme gleich iſt. 
26. Zum andern gebaͤhret ſich von der herben ſtreugen in ſich 
ziehenden Eigenſchafft ein Saltz⸗ waſſer / ſeine Materia iſt Saltz / 
ſo das durch das Feuer oder Hitze wieder geimpreſſet wird / ſo 
wird Saltz daraus / und alles das was ſcharff und anziehende iſt / 
es ſey in, Kraͤutern oder Baͤumen / dann der Schweſel und des 
Saltzes iſt fo vielerley als man Unterſcheid des Schwefels und 
Feuers findet in allen Creaturen / Kraͤutern und Baͤumen / auch 
alles was lebet und waͤchſt das hat Schwefel und Saltz / dann die 
geſaltzene Eigenſchafft zeucht an ſich und erhaͤlt das Cotpus, und 
der Schwefel hat in ſich das Oehle oder das Liecht / darinnen die 
freye Luſt zur Offenbahrung ſtehet / davon das Weſen entſtehet. 
27. Zum dritten gebaͤhret ſich durch den ſalnitriſchen Schrack / 
aus Eigenfchafft des bittern ſtachlichten Ziehens / in der erſten 
Impteſſion im Geiſt sine irrdiſche Eigenſchafft des Waſſers / 
ſeine Materia iſt Erden / dann dieſe Urſtaͤndet von der finſtern 
Weſenheit / da fich die Finſternuͤß ſelber impreſſet in der erſten 
Begierde / darinnen die Finſternuͤß eutſtehet / wie forne gemel⸗ 
det worden / fo gebaͤhret ſie aus ihrer Eigenſchafft in der Impref- 
fon einen Dunftoder Rauch / welchen der Schrack im Salniter 
ergreifft / ſo erſchrickt oder ſtirbet ſein Weſen / und faͤllet unter» 
ſich / das iſt die Materiader Erden / wiewohl die — nicht 
inig 











ap- 3- Rerum. 27 


Einigift/ ſondern hat alles in ſich wasim Schrade ift corpora- 
liſch worden das gruͤnet alles durch den Tod der Erden / nach 
Dehme es alles untereinander in der Schöpffung ift auffeinen 
Klump getrieben worden / wievor Augen ift. 

28. Mehr ift uns das höchfte Arcanum zu betrachten /als von 

himmliſcher Weſenheit / und dann die edlen Steine und Metal⸗ 
len / warvon dieſes feinen Urftand nehme / fintemahlalle Ding 
aus einer Mutter kommen / welche ift der Ewigkeit Luſt und 
— Begierde zu feiner ſelbſt⸗Offenbahrung. 
29. Was nun anlanget das unzerbrechliche Weſen oder Leib⸗ 
digkeit) das urſtaͤndet auch in der erſten Begierde zur Natur / 
‚aber in der Impreflion der freyen Luſt / und gehet mit durch alle 
Geſtaͤlte biß in die hoͤchſte Schärffe/ allda gehets wieder in fich7 
als tin Leben aus dem Feuer. Das ewige Feuer ft magifch und 
ein Geiſt / und ſtirbet nicht / die Freyheit ift fein Anzünden/aber 
die ewige Natur ift feine Schärffe / daſſelbe Wefen verleurerdes 
grimmes Eigenfhafft im Liechte / es iſt im ſelben Feuer auch alg 
ein Sterben /esiftaber kein Sterben / ſondern ein anderer Ein⸗ 
gang anderer Quaal / als aus einer peinlichen Begierde in eine 
Liebe-begierde / es gibt auch Geiſt und Weſen vom Feuer⸗geiſt / 
und vom Liechte der Sanfftmuth Weſen / dann das dem Feuer 
erſtirbet / oder durch den Tod erſinckt / das iſt Goͤttlich Weſen / 
und geſchiehet auch durch den ſalnitriſchen Schrack der Goͤtt⸗ 
lichen Freudenreich / da die Eigenſchafft in Freuden der Sanfft⸗ 
muth zittert / und durch den Tod des Feuers / welches GOttes 
Zorn heiſſet / erſinckt und dann erliſchet / daß GOtt alſo in einem 
ſanfften Liechte wohnet / und feine erſte Eigenſchafft zu des Liechts 
Anzündung iſt Feuer und Grimm der ewigen Natur / und gibt 
die finftere Belt. 

30. Es theilen fich die Eigenfchafftender erſten Mutter in der 
Luſt und Begierde/ auch im falnitrifhen Schradeder Freuden 
reich in unterfihiedfiche Theile / wie in der äuffern Welt zu ſehem 
es gibt auch Waſſer /aber einer Eräfftigen Eſſentz / und gleicht fich 
nur einem Geift einerlichlichen Begierde / das iſt das Waſſer / 
davon uns Chriftus faget/ daser ung wolle zu trincken geben / 
und wer Daffelbe würde trinken / dehme würde es in einen Quell⸗ 
brunnen des ewigen Sebensquellen / fo behaͤlts auch im Schrade 
des Zerfprengens die feurige@igenfchafft/welche Himmel heiſſet / 
in welcher die Wunder der Goͤttlichen Freudenreich erkannt und 
offenbahr worden / und in der waͤſſerigen Eigenſchafft das Gruͤ⸗ 
nen oder Paradis / dann in der feurigen entſtehet das ewige Se 
nen 


24, De Sıcnatrura (Cap. 


ment / und iſt das wahre Wefender Göttlichen Seiblichkeit / dar» 
innen alles ſtehet was IN GOtt mag erkannt werden / wiein 
unſern andern Schriften von Goͤttlicher Offenbahrung genug in 
einem ordentlichen für ſich gange iſt erfläret worden / vonder 
Goͤttlichen Weißheit / und der Goͤttlichen ewigen ungründlichen 
Geburth. Jetzt wenden wir uns zur auffern Welt Weſen / als 
zur. Offenbahrung des Ewigen/ als zuden Metallen / Kräutern 
und Baͤumen / ſo wohl Menfchen und Thieren. 

31. Wirfehendab die Metalla ein ander Corpus haben / als 
die lebendigen Ereaturen / oderals die Erde und Steine ſeynd / 
fo fraget die Vernunfft / wie doch jedes Dinges Urftand fey / ſtu⸗ 
temahl im Aufange iſt alles auß einer Mutter entſtanden / und 
die Ewigkeit doc keinen zeitlichen Anfang hat?da muͤſſen wir a⸗ 
bermahl die Mutter der erſten Gebaͤhrerin betrachten / da ſich und 
wie ſich ein Weſen vom andern ſcheidet: Als das anfaͤngliche vom 
ewigen / die Zeit vonder Ewigkeit / und ſtehet doch eines im an⸗ 
dern / ſcheidet ſich aber in zwey Principia als in GOttes und dieſer 
Welt Reich / und iſt doch alles GOttes. 

32. Weilaber Chriſtus den Teufel einen Fuͤrſten dieſer Welt 
nennet / wir auch ſagen koͤnnen / in was er ein Fuͤrſt ſey / auch ſa⸗ 
gen koͤnnen / das dieſe Welt nicht fein Eigenthumb ſey / under die 
aͤrmſte Creatur in dieſer Welt ſey / und auch gar nicht in dieſer 
Weilt: So ſehet auff den erſten Grund / auff die Mutter / welche 
alle Creaturen fo wohl Erden / Steine und alle Metallen hat ges 
bohren/ihre Eigenfchafft ſtehet im Geiftlichen Sulphur, Mercu- 
rio und Sal, und ift alles was fich hat angefungen in und auß ih⸗ 
rer Impreflion entftanden/ und anfanglic darauff mit der erften 
Geftaltder Mutter/als mit dem herben infich Ziehen/als durchs 
Fiat in ein Gefchöpff gegangen/und gibt vielerley Weſen und Geiſt 
ach der erften Eigenfchafft der Scheidung. 

33. Als erſtlich feynd die hohen Geiſter / welche ſeynd auß der 
freyen Luſt im Begehren / indes Fewers Eigenſchafft / als auß 
dent Centro aller Weſen erſchaffen worden / und hatten die Ei> 
genſchafften beyder ewigen Welten in ſich: welche aber nach ihrer 
Corporirung mitihrer Begierde in der freyen Luſt Eigenſchafft 
blieben / und ihren Willen auß dem Fewer ins Liecht einfuͤhrten / 
die wurden Engel; und die andern / ſo ihre Begierde wieder ins 
Centrum / als indie ſtrenge Eigenſchafft / einfuͤhrten / die wur⸗ 
den Teuffel / als außgeſtoſſenen auß der freyen Luſt guß demLiech⸗ 
te / wie in andern Schriften gemeldet. 

34. Darumb haben die Teuffel weder GOttes Reich noch die⸗ 

ſer 


Cap. 3. Rerum 29 


fer Welt Reich im Beſitze / dann im Anfange der Schöpffung ift 
diefe Welt auß den beyden innern&igenfchafften gefchaffen wora 
den. So hat der Teuffel anjetzo nur das Theil des Grimmes im 
Beſttze / das ander nutzet ihm nichts: alſo iſt er in der Welt und 
auch nicht / dann er hat nur das cine Theil darinnen im Beſttze / autß 
dem andern iſt er außgeſtoſſen worden. 

35. Nach Erſchaffung der hohen Geiſter / hat GOtt dieſe ſicht⸗ 
bare Welt mit Sternen und Elementen / als eine Außgebaͤhrung 


auß der ewigen Mutter aller Weſen erſchaffen / das alles iſt auß 





dem ewigen Anfange gegangen / und hat einen zeitlichen Anfang 
genommen / dann allhie iſt uns zu betrachten / dag ſich die ewige 
Gebaͤhrerin habe beweget / und ihre Geſtaltnuͤß entzuͤndet / da dan 
eins im andern iſt corporlich worden. Nachdehme aber GOtt die 
Erde hat geſchaffen / fo iſts uns alſo zu betrachten: 

36. Die erſte Begierde zur Natur impreſſet ſich / und fuͤhret fig 
mit der Impreſſion in drey Geſtalten {als in Sulphur, Mercurium 
und Sal/ und wird in der Impreflion alles erheblich und beweglich / 
welches im ftillen Nichts nicht if / und treibet fich big in die 
hoͤchſte Angſt / biß an den Salnitriſchen Schrad/da dann des Feu⸗ 
ers Urſtand iſt / ſo gehet die Quaall in ſich wirrend / als ein Sud 
eines Waſſers vom Feuer / dann die ſtrenge Begierde zeucht an 
ſich / und die feuriſche dringet auß / das iſt im Sulphur. 

37. So iſt das herbe Ziehen ein grimmig Stachel als ein Zer⸗ 
brechen / und wird doch von der Skrengheit gehalten / daß es nicht 
weichen kan / ſo iſts und machts peinlich/gleich als draͤhende oder 
ſuͤdende / welches doch nur Geiſt ohne Weſen iſt / das geſchicht im 
Mercurio, und iſt die Geſtalt Mercurii felber; alda iſt das Schei⸗ 


den der zweyerley Willen / als einer bleibet / und iſt daſſelbe aͤngſt⸗ 





liche Weſen / als der von der Begierde Urſtaͤndet; der ander / wel⸗ 
cher auß der Luſt der Freyheit entſtehet / ſcheidet ſich wieder in ſich 
in die Freyheit / und iſt doch kein Abtrennen / oder voneinander 
Weichen: und gehet alſo miteinander durch des Feuers Anzün- 
dung / durch den Salnitrifchen Schrad. Allda gefchicht mit des 
Feuers Anzündung das Sterbenim Grimm des Feuers / da die 
Quaal erſtirbet / und iſt doch fein Todt / fondern eine Gleichheit 

des Todes / und iſt doch der wahre ewige und zeitliche Tod alfo. 
38. Allda ergreift die Freyheit fish felber in fich / und der Tod 
oder Schrack falltmitten indie Freyheit / als unmächtig/ und 
gibt fich frey / fo wird der Geift als die Quaalmaterialifch/ ( vers 
ſtehet die gar feharffe ſeuriſche Angſt-quaal) und behalt nur eitt 
eſſentialiſch Würden / gleich einer El Begierde / gr 
UL 


26 De Sıenatrura Cap. 3. 


ins Feuers Anzündung im Salnitrifchen Schrade / ſcheidet fich 
jede Eigenfchafft in ſich und wird die gantze Materia zu einem 
Particular, als zu Metalle/ Steine und Erven. 

39. Das höchfte Metalle als Gold urftändet von der Frey» 
heit/ welche mit im Schrac und im herben impreflen ergriffen 
iſt it aber nicht von der andern Materia frey/ dann cs wird alles 
switeinander zu gleich ergriffen. Weil aber die Freyheit mit den 
Sul over Liechts Eigenfchafft mit darinnen ergriffen wird / fo ift 
das Sul augdringende zur Offenbahrung feiner felber / wieder 
Freyheit Luſt Eigenfchafftift / dannenher komts / daß die Me⸗ 
talle wachſen / und die groben harten Steine nicht / welche zu 
harte in der Impreflion aus der grimmen Weſenheit ſind ergrif⸗ 
fen / und des Suls zu wenig in ſich haben; was aber anlanget die 
edlen Steine mit ihrem Glantze und groſſen Tugend / dieſelben 
haben ihren Urſtand im Blitze des Feuers / da ſich Tod und Leben 
ſcheidet: Als da ein Theil wegen der finſtern Weſenheit unter⸗ 
ſich gehet / und das andere wegen der Freyheit überfich / und fich 
Doch allesim Schrade in Wefeneinführet/fo wird derſelbe Blick 
auch materialiſch / darumb find fic hart und fchielicht als cin Auge / 
Dan alfo ift auch des Auges oder Schens Urftand im Leibe / wann 
ſich das Leben anzündet/ als nach der Ewigkeit recht / und find 
darumb fo groffer Krafft und Tugend / daß ſie der Gottheit fo 
nahe find/ und tragen den eingeleibten Namen der Göttlichen 
Krafft in fich/ wiedann auch das Gold der Göttlichen ABefenheit 
oder himmlifchen geibligkeit nahe iſt fo man den erflorbenen 
Seib möchte auflöfen / / und zu einem fliegenden webenden Geifte 
machen / welches allein dur GOttes Bewegen gefchehen kan / 
fo würde man das fehen was es ſeyn würde/ welches keine Ber» 
nunfft glaubet oder verftehet / ohne Göttlich ſehen. 

40. Auch find ung ferner zu betrachten Die andere Metallen 
und Mineralien / welche gleichfals ihren Urftand alfo nehmen / 
aber im falnitrifchen Schrad ſcheidet fich jede Eigenfchafft / wie 
wir dann fehen/daß des Feuers und giechts&igenfchafft vielerley 
ft / und ſolches alles von der erften Imprefüon, davorder Im- 
preffion der Freyheit Luſt und die Begierde in einander flehen / 
als wie ein Chaos ein Anblick groffer Wunder / daalle Farben 
Kraft und Tugenden in diefem einigen Chaos oder Wunder⸗ 
auge liegen / welches Chaos, ® Dtt felber ift / als das Weſen aller 
Weſen / der offenbahret fich alfo im Particular mit dem Auge der 
Ewigkeit. Eine jede Materia ift cin Weſen nach dem Geifte / 
Daraus fie erbohren iſt worden / und fo man die im Feuer * 

zuͤnde 











DEREN ET fm 


En er. 


Cop. 4. ReruMm 27 
zuͤndet / ſo gibt fie auch ein ſolch Liecht wieder Geiſt im Weſen iſt. 


41. Alſo iſt uns auch von den Metallen zu gedencken / was fuͤr 
ein Geiſt in jedem iſt / einen ſolchen Glantz hat es auch / und auch 


einen ſoichen Leibrgleich wie das Gemuͤhte die Sinnen vom obere 


ſten biß auffs nidrigſte ſchwinget / und das nidrigſte biß auffs 
oberſte durch die Sinnen ergreifft; Alſo hat ſich auch das ewige 
Gemuͤht von der hoͤchſten Majeſtaͤt biß in das allernidrigſte / als 
in die groͤſte Finſternuͤß offenbahret / und iſt dieſe Welt mit Son⸗ 
ne / Sternen und Elementen / ſamt allen creatuͤrlichen Weſen 
anderſt nichts als eine Offenbahrung der Ewigkeit des ewigen 
Willens und Gemuͤths / und wie es im Anfange worden iſt / alſo 
ſtehets noch in feinem Sud und Wachſen / alſo treibets noch zit 
Liecht und Finſternuͤß / zu Boͤſem und Gutem / und ſtehet alles in 
dieſen erſten dreyen Geftalten/ als im Sulphur, Mercutio und 
Sal, als je ein Grad nach dem andern. 

12. Dann alſo ſeynd auch die Chore der Geiſter / itemder 
Sternen / der Baͤume / der Kraͤuter und aller Geſchlechte / was 
je worden iſt / fo wohl auch die innere himuliſche Chore mit ihren 
Unterſchieden. 


Das 4. Capittel. 


Von der Geburth der vier Elementen und Sternen in 
der Metallen und creatuͤrlichen Eigenſchafft. 


1.4 9 Je oben gemeldet / ſo gehen alle Ding aus einer 
Einigen Mutter / und ſcheiden ſich in zwey We⸗ 
ſen / nach der Ewigkeit Recht / als in ein toͤdliches 
und untoͤdliches / in Leben und in Tod / in Geiſt 
und Leib. Der Geiſt iſt das Leben / und der Leib 

iſt der Tod / als ein Haus des Geiſtes: wie die heilige Dreyfal⸗ 

tigkeit in der Gebuhrt ſtehet / alſo auch die Aus⸗gebuhrt; im Him⸗ 
mel iſt auch Weſen und Geiſt / wie wir die Figur an der aͤuſſern 

Welt ſehen / da vier Elementen ſeynd / und iſt doch nur ein Eini⸗ 

ges / das theilet ſich in vier Eigenſchafften / als in Feuer / Lufft / 

Waſſer und Erden / wie oben gemeldet. 

2. Dann die Schoͤpffung dieſer Welt iſt uns alſo zu betrach⸗ 
ten / daß ſich das gantze Weſen der Ewigkeit im Loco dieſer Welt 
habe beweget / und iſt die gantze Geſtalt angezuͤndet und erraͤget 
worden / und ſolches in der Begierde zur Offenbahrung / allda hat 
ſich die Gebaͤhrung im Schracke des entzuͤndeten Feuers in vier 

Barꝛ Theil 


28 DeSIGNATURa Cap. 


Theil geſchieden / als in Feuer / Waſſer und Erden / und die Lufft 
iſt fein webender außgehender Geiſt / wie im sulphur zu betrach⸗ 
ten iſt / Ber ſtehet in dieſen vler Dingen. | 
3. In gleichen iſt auch das Geftirne alfo aus der erften Mut⸗ 
fer erbohren/ und ift alles wie ein Leib zuſammen / amd urſtaͤndet 
alles vom innern Geiſt / gleich als ein Hand oder Fuß vom ine 
nern Centro heraus waͤchſt / und im Centro als in dererften | 
Wuͤrckung ſchon feine Geſtaltnuͤß hat / und nur alfo in eine For⸗ 
me waͤchſt / wieder Geiſt iſt. 
4. Die erſte Mutter aller Dinge / als die Luſt mit der Be⸗ 
gierde fuͤhret ſich fuͤrnehmlich in ſieben Geſtalten ein / und bleibet 
Doch nur in dreyen ſtehen / offenbahret ſich aber in ſtebenerley 
Geſtalten. 
5. Als die erſte Geſtalt iſt herbe als ein ſtreng in ſich ziehen | 
die iſt cine Urſach der Kaͤlte un desSaltzes / und aller Leibligkeit. 
6. Die andere Geſtalt iſt ver Stachel / als das Ziehen over 
Bewegung / und urfachetdas Fuͤhlen / Stechen / Wehethun / Be⸗ 
wegen der Bitterkeit / und Feindligkeit / der Freuden und des 
Leydens. 
7. Die dritte Geſtalt iſt die groſſe Angſt in der Iwpreſſion, 
Die urſachet zwey Willen /als x.Einen zum Feuer / zur hoͤchſten 
Schaͤrffe / und 2. £inen zum Sterben im Feuer / da der freyen 
Viſt Wille dem Grimme im Feuer erſincket / und wieder in ſich 
gehet / und einen Glantz in des Feuers Schaͤrffe macht. 
8. Die vierdte Geſtalt iſt nun das Feuer ſelbſten / als das 
erſte Principium imLeben / mit welchem ſich die finſtere und Liecht⸗ 
Welt ſcheidet / auch im ſelben Schracke alle materialiſche Schei⸗ 
Bunggefchiehet / und ſich die Leibligkeit anfaͤnget / und die Viel⸗ 
faͤltigung nach des erſten ewigen Gemuͤhtes Eigenſchafft / als | 
sach der Weſenheit / ein Toͤdliches / und nach dem Feuer-⸗quaal 
ein Lebendiges. 
9. Die fuͤnffte Geſtalt iſt nun die andere Begierde / welche | 
nach der Scheidung geſchicht / und ſolches nach zweyen Eigen⸗ 
ſchafften / als nach der Freyheit Luſt / aus dem Liechte / wel⸗ 
ches die hoͤchſte Liebe⸗begierde iſt / und zum andern / nach des 
Feuers Luſt / welches ſein Leben ſeiner Eſſentz in der Liebe im 
Sicchte fuͤhret / davon die Freudenreich und alles rechte Leben ur⸗ 
ſtaͤndet: die Liebe gibt das Weſen / dann ſie iſt ausdringende 
umd gebende / als ſich felber/vann GOtt gibt ſich ſelber allem We⸗ 
fen s und das Feuer iſt nehmende / dann es darff Weſen in feinem 
grimmigen Hunger / ſonſt erloͤſche es / fo beſtuͤnde auch er 
mehr 








Cop. 4.  Rerum 25 
mehr der Glantz des Liechts / und die Begierde der $iche / dann 
das Feuer macht daß das Liecht begehrend ist / als das Freudene 
reich / dann fo das Feuer erlifcht / ſo wird das Liecht finfter / fo 
wird ans Siebe Angſt / wie in den Teufeln zur erfinnen ift. 
. Die fechite Geſtalt entſtehet vom drähenden Rade vorm 
Feuer / da die Vielfaͤltigung der Eſſentz entſtehet / aus des Mer- 
curii Eigenſchafft / im ſalnitriſchen Schrack: mit des Feuers 
Anzündung wird eine Geſtalt in die ander eingefuͤhret / ſo nun 
die Liebe-begierde durch alle Geſtaͤlte dringet / fo werden alle Ge⸗ 
ſtaͤlte ganz begieriggge eine nach der andern / dann das liche Kind 
(als Venus ) it in allen. | 
21. Allyiegehetander Geſchmack / Ruch / Hören Sehen 
ud Kühlen! auch Reden: dann das Liecht ſchleuſt einander 
—  Principiam anderer Quaal auff / und erfülletalles /allda grüne 
das Leben im Tode [als Siebe im Zorne / und ſcheinet das Sicht in 
der Finſternuͤß / allhie hergetder Bräutigam feine Braut / und 
widerftchet GOtt felbft feinem Zorn / als dem Grimme der Nas 
fur. Und in diefer Geſtalt entſtehet alle Sprache / Verſtand 
und Sinnen / unddasvechte wahre Leben aller Creaturen / ſo 
wohl auch inden wachfenden / als Baͤumen und Kraͤutern / in 
jedem Dinge nad) feiner Eigenſchafft / rc. 
| 12, Diefiebende Seſtalt entſtehet aus den andernallen /un® 
iſt der andern Leib) Wohnhaus over Speife/dann diefe aefhicht 
alſo: Wan die andern Geſtaͤlte im Durchdringen einander inner 
Liebe Begierde koſten / ſo wird in jeder Geſtalt ein Hunger oder 
Begierde nach der Liebe / als nach dem Liechte / ſo iſt ein jeder 
Hunger oder Begierde ausdringende / nad) dem Dingedaser 
begehret / und denn harte in fich giehend des begehrenden Dinges 
Eigenfchafft: Alfo wird aus den zweyen Ein Aßefen/als aus dem 
Hunger/ und aus deme wasder Hunger begehret; danndiefer 
Hunger fichet nicht im Tod / er ſchleuſt nicht mehr in Tod ein/ er 
fey dann gar zu groß daß die Einbildung im Hunger zu groß ifts 
und fo dann der Hunger nicht daffelbe Ding erreichen mag / fo 
erjticket er/wie manchmahl ein Kind alfo in Mutterleibe erftickt/ 
fo diefe Geftalt in einerandern Geftalt entzündet wird / von ei⸗ 
nem aufferlicden Dinge zueffen / davon die Mutter alfo in Luſt 
entzündet wird / und ſo ſie das nicht Erieget / fo kan es das Kind- 
auch nicht kriegen / jetzt erſtickets im Hunger / oder wird auff ein 
Glied verderbet / aus welchem der Hunger urſtaͤndet. 
13. Der erſte Hunger im Centro vorm Feuer iſt ein geiſtlicher 
Hunger / der macht die mie und der Hunger der J 
3 uſt 





30 DESIGNATURA Cap.4. 


Luſt macht die liechte Welt / die ſeynd beyde nur Geiſt / biß ſie 
miteinander durchs Feuers Anzuͤndung gehen / alsdann ſeynd 
fie dem Geiſt abgeſtorben / und ſeynd ein Gleichnuͤß des erſten 
Geiſtes / als eine Offenbahrung des ungreifflichen Geiſtes / wel⸗ 
cher GOtt in Lieb und Zorn heiſt / in zweyerley Quaal. 

14. Alſo ſtehet nun ein jedes in ſich ſelber unabgetrennet / als 
GOtt in der Zeit / und die Zeit in GOtt / und keines iſt das an⸗ 
der / komt aber aus einem ewigen Urſtande. Alſo gibt der zeitliche 
Geiſt⸗hunger einen zeitlichen Leib / und der ewige Geiſt⸗hunger 
einen ewigen Leib / die ſeynd beyde in einander / und iſt keiner 
Der ander. ’ 

15. Die fieben Geftälte machen ihnen einen Leib nach ihrem 
Hunger aus ihrer felbft-Eigenfchafft / darumb lieget im Leibe 
alles das/ was der Geiſt inallen Eigenfchafftenhat. Mehr ift 
uns zu erkennen / dag doch inder Schöpfung dieſer Welt ift eine 
Entfcheidung gefcehehen/dann das fihet man an Sonn und Ster⸗ 
nen /fo wohlanallen Ereaturen / auch an Metallen / und Steis 
nen / auch Erden / dann daffelbe ift die Offenbahrung GOttes. 

16. Man ſtehet am Firmament ſieben Planeten / und in der 
Erden ſtebenerley Metallen / welche fix ſind / alſo auch nur ſteben 
Planeten / welche fix ſind in ihrer Eigenſchafft / das ander ſeynd 
Mineralia minora, alſo auch die Sternen / und wie das planeti⸗ 
ſche Rad ſein Inſtehen hat / alſo iſt auch die Geburth jedes Dings. 

17. Die Gottheit als das Göttliche Liecht / iſt das Centrum 
alles Lebens; alſo auch in der Offenbahrung GOttes / als in der 
Figur / iſt die Sonne das Centrum alles Lebens; im hoͤchſten 
Leben haben ſich die hoͤchſte Dinge geanfaͤnget / und fort je eins 
aus dem andern biß auffs niedrigſte / in jedem aͤuſſerlichen Dinge 
ſeynd zwo Eigenſchafften / eine aus der Zeit / die ander aus der 
Ewigkeit: die Eigenſchafft der Zeit iſt offenbahr / und die ander 
iſt verborgen / jedoch ſtellet ſte auch ein Gleichnuͤß nach ſich in je⸗ 
des Ding. 

18. Was aus der Freyheit Luſt ſeinen Anfang hat / das ſtehet 
mit der Wurtzel in einer himmliſchen Eigenſchafft / und mit dem 
Leibe in einer irrdiſchen / aber das Ewige ſtehet in der Zeit / und 
offenbahret ſich mit der Zeit. Sulphur iſt auff einem Theil im in: 
nern himmliſch / und nach dem Leibe irrdiſch / jedoch bringt er ein 
himmliſch Gleichnuͤß nach dem ewigen aus lich herfür / das da 
fir und beftändig ift / als am Golde zu fehen ift; viel mehr ifts am 
Menfchen Seibe zuverftchen/ wann der nicht wäre im Mercurie 
en des Begierde verderbet worden / dann im Sulphur fichet * 

geiſt⸗ 





Cap. 4. ‘ Rerum 48. 
geiftliche Menſch Jals der himmliſche / und im Mercurioder leib⸗ 
liche / als die Gleichnuͤß des Göttlichen / alfo ift auch die metallia 
fehe Eigenfihafft im Salphur am edfeften und hoͤchſten / dann es iſt 
der hoͤchſte Geiſt. 

19. Diß verſtehet alſo / im himmliſchen iſt auch eine Eigen» 
ſchafft eines Sudes / wann die Freyheit in der hoͤchſten Begierde 

ergriffen / und entzuͤndet wird / darinnen die Freuden⸗reich ent⸗ 
Foyer. Diß geſchicht im himliſchen Sulphur, da es im himmliſchen 

AMerecurio als im ewigen Worte zu Weſen wird / welches ein 
geiſtlich Weſen iſt; ſo aber dieſelbe Geiſtlichkeit geluͤſtet ſich in 
einem Gleichnuͤß zu offenbahren / beydes nach des Geiſtes / und 
nad der Weſen Eigenfähafft / nach der Dreyheit der Gottheit / 
nach dem tödlichen und untödfichen Weſen / fo ift vaffelbe Bild 

mit den Sternen und Elementen dargeſtellet / und letzlich am 
Menſchen / welcher ein lebhafft Bild des gangen Wefensift/ 
nad) der Göftlichen und Auffern Welt: Auch ift die innere und 
äuffere Belt mit den Metallen in einem tödlichen Bilde darge⸗ 
frellet/ als ein Gleichnüg der lebendigen himmlischen Weſenheit. 
20. Im Sulphur ift der Anfang / dann Sul ift des Liechts oder 
der Freyheit Luſt / die ſaͤhnet fich zur Offenbahrung / und. fan an⸗ 
doerſt nicht geſchehen / alsdurch Feuer: indem Phurentflcher die 
Begierde als cin ſtrenge Einziehen / die machet die finftere irrdi⸗ 
ſche Eigenfchafft / und die Strengheit des Geiftes / als die feuri⸗ 
ſche Eſſentz: In dieſer Strengheitentftchet Sarurnus, der iff das 
ingepreffete s und Mercurius der iftdie Begierde des Hungers ; 
und der Wuͤtter / und Zerbeecher Mars, derift der Grimm ine 
Hunger) eine Urfache des Zorns: dieſe drey ſeynd des Phars ‚al& 
der freyen $uft Begierde Eigenfchafft. 

21. Der freyen Luft Eigenſchafft gebichret das Weſen in den 
oͤbern drey Geſtaͤlten / als im Saturno, Mercurio und Marte, dann 
ſie gibt ſich ſelber in jede Eigenſchafft ſo machet ihnen die Eigena 
ſchafft im Hunger des Mercurii eine leibliche Geftaltnüß; So 
aber die freye Luſt im ſtrengen Begehren / auch ein Hunger wird / 
ſo macht ſie auch drey Geſtaltnuͤß nach ſich / als Jupiter, der iſt 
der Luſt Urſtand / und Venus, die iſt der Luſt Begierde / und Luna 
iſt der Luſt Leib. Und nach der Eigenſchafft des Liechts machet 
fie O. Dieſes alles iſt Geiſt: Nun wird aber in jeder Geiſte in 
ſeinem Hunger auch ein Weſen / beides nach den toͤdlichen und un⸗ 
toͤdlichen / ein fixes und ein unfixes / eine Figur nad) den himm⸗ 
liſchen / und eine Figur nach dem irrdiſchen. 

22. In der ſaturniniſchen — macht die Begins der 

217°) 





A. 


EEE ZT NT 





u2 Da Sıonarura Cap.4.- 


freyen Luſt / nach des Saturni felbft-Cigenfchafft Bley / und 
ach der wäfferigen im Sarurno Sals / und nach der irrdifchen. 
De im Saturno, Steine und Erden / und was fich dehme 
gleicher. 

23. Aber nach der Freyheit / oder freyen Begierde nach ihrer 
felbft -Eigenfchafft/in deine fie fich dem Saturno,als der Begierde / 
einergibt/ machet fie im Sarurno Gold / nach der Begierde des 
Kechts / allda ſcheidet fich der Geiſt und der Leib: der Geift ihrer 
Begierde ift Sol; und der Leib iſt Gold/ verftehet im Saturno ift 
der güldene Leib nach der freyen Begierde Eigenfchafft/ und nicht 
nad des Saturni Eigenfchafft / feine Eigenſchafft ift in ihme 
felber Bley / Salt und Erden /aber er hält das guͤldene Kind in 
fich verfchloffen als ein ſchwartzer Rabe / nichtin feiner grauen 
Geſtalt / fondern in einem tunckeln Glafte/ erift eingroffer 
Herr] aber feine Herrſchafft wegen des güldenen Kindes fo er im 
Bauche hat / ſtehet nicht in feiner eigenen Gewalt. Er iſt nicht 
DBatter des Kindes /fondern Mercurius der arbeitet das Kind / er 
aber gibt ihm feinen trauer-Mantelumb/ dag ernicht Fan Freud 
mit dem güldenen Kindehaben/ er aber macht dasfchöne Kind 
leiblich / dann er ift fein Fiat oder Schöpffer / und halts unter 
feinen Mantel verdeckt und verborgen / den $eib kan er ihm aus 
feiner Eigenfchafft nicht geben/ dann er iſt der freyen Begierde 
Weſen im hoͤchſten Gradver Seibligkeit im firen Tode/da es doch, 
Kein Tod iſt / fondern eine Einfchlieffung/ und im Gleichnüß eine 
Darftellung der Gottlihen himmliſchen Weſenheit. 

24. Mercurius ift der Werckmeiſter diefes Kindes / welches 
Saturnus verdecft: wann er das in feinen Hunger bekomt / fo 
wuͤrfft er ihm den fehwargen Mantel weg / imeinem fremden 
Feuer / und doch nicht fremden / und freuet ſich in ihme: Aber cr 
aft zu boßhafftig im Feuer⸗grimm / er verfchlinget das Kind/ und 
machts gans zu feiner Eigenfchafft. Wann ihn im Feuer am 
Hefftigfien hungert / fo muß man ihm Sol geben/ (ift fein Weib) 
daß fein Hunger geftillet wird / alsdann wann er fatt ift / foar= 
beitet er in der Materia des Kindes mit ſeinem eigenen Hunger 
oder Feuer / und füllet feine fatte Begierde aus Solis Eigen 
ſchafft / welche er zuvor in fich hat geffen/ und nehret das Kind / big 
es alle vier Elementen mit dem Geſtirne an fich bekomt / under 
hoch ſchwanger wird des Kindes/ alsdann gehörets in ein fremd 
euer und auch nicht fremd /ift ein ernſt Feuer: fo gibt ihm der 
Datter die Seele / alsden Feuer-Geiſt; und feine erfte Mutter/ 
welche Mercurius in feinem Hunger in fich affe/ welche fir * 

voll⸗ 








NET IT ae 


u u re Are Me ae 


Cap 4i naRzRumn 327 
vollkommen war / der Seelen Geift / alsdas Liecht-leben: alsa 
dann ſtehet der Tod auff/ (ift die Tinctur, welche den Leib tingiret) 
und ift das Kind gebohren / und ift hernach ein Eigenes / und ein 
Kind der Frepheit/ und fragetnichts mehr nach feinem Werck⸗ 
meifter / es ift beſſer alsfein Batter / aber nichts beffer als feine“ 
Mutter / in welcher Saamen er lag/ che der Vatter in ihm 
wuͤrckete. Es trift der feurigen Efleng feines Vatters / als der 
Schlangen auff ihren Kopff/ und gehet frey durch den Tod ine: 
Feuer. Berfichefta allyie michts/fo biſtu nicht in die hoͤchſte Wiß⸗ 
sie der Spagirey gebohren. 
25. Ferner feyndunsdie Grad zu betrachten / masdie Frey⸗ 


heiit / als die ewige $uft/ den andern Geftalten im Sulphur-hunger- 


gebe/in der andern Planeten Eigenfhafft: Die Geftaltnüß der” 
Geburth iſt als ein drähend Rad / Das macht. Mercurius im: 
Sulphur., 

26. Die Geburth des höchften Grades wendet ſich umb / als’ 
die Begierde / dann diefe Welt iſt rund / alſo auch die Geburth; 
nach deme die Freyheit ihre höchfte Luſt als einen güldenen Hun⸗ 
ger dem Saturno gegeben / und den Mercurium zıun Werckmeiſter 
geſetzt: fd faſſet fie ſich in ſich / in ihrer Begierde / nach der Ei⸗æ 
genſchafft der Sanffimuth; dann die erſte Faſſung zum guͤldenen 
Kinde geſchicht nach der Eigenſchafft der Freudenreich / dieſe aber 
aus Guͤte und Sanfftmuth untergibt fih Lunz , damresift ein: 
Sincken wegender Sanfftmuth / den ergreiffet auch Mercurius „, 
und arbeitet darinnen. Diefer Leib iſt Silber/ und komt von der” 
erften.Impreshion , da fich gelb und weig im Feuer fcheidet / als: 
die Farben der Tugend fo entſtehet Luna aus der Gelben / und: 
transınutiret fih in Weiß wegen der Göttlichen Sanfftmuth 77 
und darumb dag ſein Urſtand aus Solis Farbe ift/ fo hungert ihn⸗ 
ohne Unterlaß nach Sof, und nimtder Sonnen Blank in ſich 


zeucht dehn an ſich / und ſcheinet darmit. 


27. Wienundas Obere iſt / alſo iſts auch in Metallen /dars- 
umb iſt das Silber der naͤchſte Grad beym Golde / und wie das 
Gold erbohren wird / alſo auch das Silber -Venus gibt ihm ſei⸗ 
nen Mantel umb / weiches der Mercurius nicht [enden mag / weil 
er der Werckmeiſter iſt / und gibt feinen auch darzu ; aber das 
Silber hat weder Venerisnsc Mercurii Eigenſchafft danıress 
behält die Eigenfchafft feiner Mutter / als der Sanfftmuthin 
der Freyheit / und wird ausgebruͤtet / wie das Gold. Wegen der 
Sonnen hat der Mond himmliſche Eigenſchafft / aber wegen 
feiner eigenen Geſtalt ang der Begierde Eigenſchaſſt / iſt er faſt 

ht 323 —2 


34 DeSronatura (apa: 


irrdifcher Eigenfchafft/ er iftein Sad und Behalter des irrdi⸗ 
{chen und himmliſchen Wefens / wieder Auffere geib des Men— 
ſchen welcher in Adanı vorm Fall dem Silber zu vergleichen 
war: Als er aber in der Luſt erftarb / fo lebte an ihme nur die irr⸗ 
Difche Eigenfchafft / darumb Hungert ihn alfo immerdar nach So- 
is Glantz / er wolte gerne wieder mit Luna aus der Sonnen 
(einen / aber er bekomt nur einen irzdifchen lunarifchen Glan / 
darinnen treibet er Hoffarth / es fey dann daß er wieder aus Solis 
Glantz / das iſt aus GOttes Krafft im himmliſchen Mercurio 
gebohren werde ſo iſt er wider das güldene und filberne Kind in 
Göttliher Wefenheit/alleine diefe Zeit mit dem irrdiſchen Mon» 
de / das iſt / mit dem irrdiſchen Sleifche bedeckt und bekleidet. 

28. Das Haus des Silbers iſt auch Saturnus: Er iſt auch die 
Urſache der erſten Faſſung / aber er wendet ſeine Begierde nur 
auff das guͤldene Kind / und laͤſſet dem Silber ſein Kleid / und 
ſaſſets in feine ſteinigte irrdiſche Eigenſchafft / und läfts den Mer- 
eurium ausbrüten. 

29. Die Begierde der freyen Luſt iſt fir und unfinckende : was 
die Eigenfchafft der Begierde allein anlangt / die führet ihren 
Willen vom Leibe wieder inden Kopff indie Sinnen und mache 
Zupiter, das iſt am Jade wieder auffiwerts unterm Saturno;, 
unter der farurnifchen Kraft / fein Metallift Zinn. / und ift der 
dritte Grad / dehn der Srepheit $uftinder Begierde aus fich in die 
Begierde der Strengheit als ins Fiat giebt. 

30. Alfo zuverftchen/ der Freyheit Luſt gehet aus fich / als ein 
Gewaͤchſe / und giebet je einen Grad nad) dem andern aus fich 
änder Ordnung / aber Mercurius macht das Rad / dann er iſt der 
Werckmeiſter;ʒund wie dieewige Geburth in fich im himmliſchen 
Mercurio , als im ewigen Worte in des Vatters Gebährung 
ſtehet / alfo ifts auch mit ver Bewegung des Batters in ein Ges 
ſchoͤpffe gegangen / und gehetalfo in feiner Ordnung wieman 
am Rade der Planeten ſiehet / dann die Ordnung ſtehet recht als 
ein Menfch in feiner Ordnung fichet. 

31, Erftlich iſt in ihme der rechte güfdene Göttliche Menſch / 
welcher die Gleihnüß der Gottheit iſt; darnach iſt in ihme der 
Menſch der himmliſchen Weſenheit / alsder innere heilige Leib 
vom Feuer und Liechte in der Tinctur erbohren / der gleichet dem 
reinen Silber / ſo er nicht wäre verderbet worden; Zum dritten 
iſt in ihme der elementiſche Menſch vom reinen Element / der 
gleichet dem Iupiter; Zum vierdten der Mercurialiſche / iſt der 
gruͤnende oder Paradiſuſche; Zum fuͤnfften Ba 

Feuer 








| 
| 
; 
| 
| ’ 


Cap.4. Rerum, 35 
Feuer / als der Seeliſche nach des Vatters Eigenfchafft > Zune 
fechften der Venerifche nach der Äuffern Begierde / und nad des 
Warfers Eigenfcharft ; Zum fiebenden der Solarifche nach der 
Sonnen Eigenfchafft / als nach der äuffern Welt / als ein Sea 
hender der Wunder GOttes. Und ift doch nur der einige Menſch⸗ 
iſt aber in der innern und Auffern Welt zu gleiche. Alfo iſt auch 
die Gleichnuͤß ver ficben Metallen / mit einer Eigenfchafft nach 
der innern Welt / und mit der anderen fichtbahren und greiflicheis 
nach der aufferen Welt. . 

32, Vom love gehet das Rad umb / fogehet ausder Schei⸗ 
dung Mercurius mit einem zerbrochenen Metall / nach feines: 
Geiſtes Eigenſchafft / aufwendig ift er Queckfilber / und inwene 
dig ein Paradififch Würden. Er ift in feiner geäftlichen Eigen- 
ſchafft / der Unterfcheider der Worte / Stimmen und Spradenz 
Es ſtehet geſchrieben / GOtt habe alle Dinge durch fein Worg 
gemacht; der himmliſche ewige Mercuriusift fein Wort / das der 
Vatter in Entzündung feines Liechtes ausfpricht/ und das Aus⸗ 
gefprochene ift feine Weißheit / und das Wort iſt der Arbeiter 
und Macher ver Formungen in der auggefprochenen Weißheit. 

33. Was nun der innere Mercuriusin GOttes Krafft im in⸗ 
nern thut / das thut auch der Auffere Mercuriusin der aͤuſſertz 
Krafft / in dem gefchaffenen Weſen / erift GOttes Werckzeug⸗ 
damit er äufferlich wuͤrcket zum Tod und zum Leben / in jedenz 
Dinge nach feiner Eigenfchafft / er bauet und zerbricht: nach des; 
Saturni Eigenfihafft bauet er / und nach feiner eigenen Eigen 
ſchafft unterfcheideter / und zerbricht im Saturno die Härte / als: 
das Eingefägloffene / und eröffnets zum geben / eroͤffnet die Far⸗ 
ben / une macht Geſtaltnuͤße / und führet in ſich eine himmliſche 
und auch eine irrdiſche Eigenſchafft:in der irrdiſchen führet er aus: 
der erften Begierde zur Natur / alsaus dem Sarurno den Mer- 
tem ,. als die Grimmigkeit der Impreflion ,. dann er ift feine 
Seele / darinnen der Mercurius lebet / er gibtihme die feurige 
Eſſentz / und ftchet unterm Iupiter in der Ordnung am Rade wie⸗ 
der auffwerts / dann er führetden Feuer-geiftim Sulphur , it3: 
allen Planeten und Geftalten/ und giebet jedem Dinge feine: 
Quaal / undden wehren Geiftdes Lebens. 

34. Mars ift in dererftenImpreflion die groffe Angft / und 
urſachet dag fich der Freyheit Sicbeswille von ihme ſcheidet / und 
das Abgeſchiedene heiſſet GOtt / und die Angſt oder der Feuer⸗ 
quaal heiſſet GOttes Zorn / als der Grimm der ewigen Natur 
and wie ſich GOttes Liebe im — un Sg —— 


- 


3% Dr Sıenatura Cana. 


von der ewigen Natur grimmen Eigenfchafft ſcheidet / als der 
Himmelvonder Hoͤlle / GOtt vom Teufel: alfo im gleichen ge> 
ſchichts auch in der Auffern Natur⸗geburth. 

35. Die Liebe gehet vom Grimmeaus/ und iſt eine Demuth 
der Sincken / alfoifts auch inder Schöpffung in eine Ordnung 
getretten; darumb ſtehet Venusam Rade herumb an Martis Li⸗ 
nien unter der Sonnen / dann alſo iſt die Scheidung in der Na= 
tur / und alſo gehet eines aus dem andern / fein Metall iſt Kupfer / 
der Urſtand iſt dieſes / dag die Liebe eine Begierde iſt / und begeh⸗ 
ret doch nur Liecht und Freude: Dann die Materia wird aus der 
Begierde Eigenfchafft/ fo aber die Liebe Begierde in der Impref- 
dien foll corporlicy werden / ſo muß fie ich dem grimmen Fiat, 
als des Martis Begierde im Feuer / oder inder feuriſchen Eigen» 
ſchafft einergeben / dann die faturnalifche Eigenſchafft nimt alles 
In ihre Gewalt / und machts corporlich. 

36. Darumb ift der Veneris Metall dem Golte nahever- 
wandt wegen ihrer felbft Eigenſchafft aus der Freyheit / aber 
Mars macht es zu grimmig und zu ſproͤde / weil ſichs aus des 
Martis Feuer ſcheidet / ſo behaͤlts ein groß Theil des Martis Ei⸗ 
genſchafft an ſich. 

37. Des Martis Metall iſt Eiſen / dann er iſt im Sulphur der 
Grimm / in welchen ſich das Feuer anzuͤndet und urſtaͤndet: 
Sein Urſtand mit der Materia iſt in der Strengigkeit der Bes 
gierde / das Kupffer ſcheidet ſich in der Gebaͤhrung aus dem Ei⸗ 
fen / dann es urſtaͤndet aus Venus Willen / und iſt ein Unterſcheid 
zwiſchen ihnen / wie mit Leib und Seele / dann Marsift Veneris 
Feuer⸗ſeele / und macht dag Venus corporlich wird / ſonſt gibt 
Venus nach ihrer ſelbſt⸗Eigenſchafft in der Ertoͤdtung im ſalni⸗ 
triſchen Schracke nur Waſſer: Dann ihr Feuer iſt nur ein Lachen 
oder Liebe⸗ feuer / was ſie ohne andere Einfluͤſſe alleine iſt /darum- 
Fan fie aus eigener Gewalt kein corpotlich Weſen gebaͤhren / das 
harte oder zehe waͤre / ſie iſt nur das Weib zu ihrem Kinde ohne 
sine creatuͤrliche Seele / Mars iſt ihre Seele / und Saturnus macht 
ihren Corpus, Solis Geiſt mag den Martem und Venerem tingi- 
zen / und in die hoͤchſte metalliſche Vollkommenheit / als in Gold 
verwandeln / welches im Siber fo leichtlich nicht geſchehen kan / 
es werde daun wieder in die erſte Materi gebracht / da Saturnus, 
Mars und Mercurius im Sulphur untereinander ſind / ſo kans ſeyn / 
Venus empfaͤhet ihre Zaͤhe vom Saturno, und ihre Roͤthe vorm: 
arte als vom Feuer. 


38 . Run iſt doch Veneris Begierde nur hefftig nach Sol, —* 
nah, 











Copa °° Rerum 37 


nach ihrer erften Mutter / daraus fiein ihrer Geburth in ihrem 
erften Urftand entfpringts dann aus GOtt entſpringt die Liebes: 
Alfo ifts auch in der Figur in der Ausgeburth. Veneris Bes 
gierde gehet in Solem in die Sonne / und empfühetder Sons 

nen Eigenfchafft in ihrer Begierde / und fcheinetaus Sole; fie hat 
einen eigenen Schein vor allen Planeten und Sternen / dehn 
Hit fie aus ihrer Mutter / und inihrer Mutter Krafft ſtehet 
ihre Freude/ als das Lachen das fie in fich hat / ſie iſt in ihrer felbft> 

Eigenſchafft / was fie pur alleine ahneder andern Planeten Eis 

genfchafft iſt eine wahre Tochter der Sonnen/ (verſtehet im:Sul- 

phure) da alles untereinander ift / darumb ſtehet ſie zunächft uns 

fer der Sonnen / als ein Kind der Sonnen./ nicht dag die Sonne 

habe den Sternerbohren Dann er ift auch mit gefihaffen / aber. 
im Sulphur aufferder Schöpffung / nur bloß in der Gebaͤhrung 
ifts alſo / beydes im Himmliſchen und Irrdiſchen. 

39. Dann GOtt der Vattergebähret durch fein Herz die Lie⸗ 

- be / fo deutet die Sonne im Gleichnuͤß fein Hertz an / dann fie iſt 
eine Figur in der Auffern Welt / nach dem ewigen Herzen GOt⸗ 
tes / welches allen eben und Weſen Krafft gibt. 

40, Und verſtehets doch nur recht. Gleich wie alle Dinge von. 
Gottes Wort und Herzen / (welches ift der Göttliche Sulphur), 
inder Geburth der heiligen Dreyfaltigkeit aufgehen / und offene 
bahren fich in und durch das außgegangene Weſen / welches iſt 

Gottes Weißheit / und dringen aber wieder aus demſelben Auß⸗ 
gange in und gegen dem Hergen und Krafft / und ſaͤhnen ſich heff⸗ 
tig darnach / wie S. Paulus ſaget: Alle Creatur ſaͤhnet ſich mit 
uns vonder Eitelkeit loß zu werden. 

41. Alſo iſt auch das aͤuſſere Weſen in der aͤuſſern Geburth 
der Metallen/ Planeten / Sternen und Creaturen / ein jedes 
Ding ſaͤhnet ſich nach feinem Centro,als nach ſeiner erſten Mut⸗ 
ter / daraus es iſt gegangen / als nach der Sonnen im Sulphur 5, 
dann fie iſt die Tingirung aller Weſen / was die erſte Begierde. 
mit der Impreflion im Saturno in des Martis Grimme böfe. 
macht / das machtdie Sonne wieder gut/ gleich wie die Göttliche 
Sonne den Zorn oder Grimm GSttes tingiret / daß aus der 
grimmen Eigenſchafft des Zorns Gottes eine Freudenreich wird / 
alſo tingiret die aͤuſſere Sonhe den aͤuſſern Sulphur , als Satur-- 
num und Martem, daß cine licbliche Temperansjalsein Grünen. 
und Wachſen in allen Metallen und Ereaturen ift/ darumb iſt 
Die Sonne das Centrum, welches die Vernunfft nichtglauben, 

wil / verſtehet indem planetariſchen Rade / und in allen wachfene. 
Zen und lebendigen Dingen. B37 Das 


38 De Sıenarura Co; 


Das 5. Capittel 


Vom Sulphurifihen Sterben / und wie der geſtorbene 
geib wieder lebendig / und in feine erfte Heralig: 
keit gefeßet werde. 


x. Lles geben und Bewegen/ mit VBerftand / Bernunffe 
und Sinnen / beydes in den lebendigen und wachen» 
den Dingen / ſtehet im Urftand.im Sulphur, als in 
der Natursbegierde / und in der Freyheit Luſt⸗be⸗ 
gierde. 

2. In der Ratur Begierde entſtehet der Tod und das Ein— 
ſchlieſſen / und in der Freyheit Begierde entſtehet das Auffſſchllieſ⸗ 
ſen und Leben / dann der Freyheit Begierde tingiret der finſtern 
Natur Begierde / daß die grimme Natur ihr eigen Recht ſincken 
laͤſt / und ſich der Freyheit Begierde einergibt / alſo waͤchſt das 
Leben ie Tode / dann ohne Liecht iſt Fein Leben; fo das Liecht in 
der Eſſentz des Sulphurs erliſcht / ſo iſts ein ewiger Tod / dann 
Niemand Fan lebendig machen / es bewege ſich dann GOTT 
in der Luſt⸗begierde im ſelben Tode / dann der Tod kan kein Leben 
in ſich nehmen / es offenbahre ſich dann die erſte Begierde als 
der freyen Luſt Begierde / in der Begierde zur Natur / darinnen 
das Einſchlieſſen als der Tod erbohren wird. 

3. Darum da der Menſch im Sulphur erftarb/fo konte ihn Nie⸗ 
mand lebendig machen/ es gienge dann die freye Luſt /als die Bes 
gierde zum ewigen Leben wieder in fein Phur , als indie Gebuhrt 
der menfchlichen Eigenfchafft / und bewegte den eingefchloffenen 
Tod / als das Centrumder Natur) und gabe fich felber wieder ing 
Centrum ein/ als in die ſeeliſche Eigenfchäfft / und inder Seelen 
Weſenheit und Scibligkeit. Und das iſt alfo gefchehen. 

4. Wir wiffen/ dag der rechte Sulphur ift eine Gebährung 
aller Geiftligkeit) oder Leibligkeit; fo viel fein erfter Urſtand iſt / 
Da er himmliſch iſt / ſo ift er die Bebährung des Weſens aller. 
Weſen / dann alles lieget in diefer Gebuhrt / was die Ewigfeit 
und Zeitin fich ift /hat und verinag. Nun iſt esaber nach dem 
Reiche diefer ABelt auch irzdifch/als eine Figur des Ewigen / dann 
in ihme ſtehet die Zeitund Creatur / alles deſſen / was fichtlich 
und unſichtlich iſt. 

5. Nun ift ver Menſch ſambt allem Leben / nach dem Reiche 
dieſer Welt aus dem aͤuſſern Sulphur erſchaffen und erbohren 
worden der Menſch aus dem Innern und BT: ae 











Cap. ;. Rerum 35 
Auffere Ereatur alleine aus dem Aeuſſern dann der Menfch ift 
GoOttes Bild und Gleihnüß / und die andern Creaturen find 
eine Sleihnüß nad) der Figurigung in der innerlihen Gebaͤh⸗ 
zung in GOttes Weißheit / als in dem außgefprochenen oder 
——— him̃liſchen Weſen / nach beyden ewigen Principien. 

Nun war aber der Menſch gut und gantz vollkommen / nach 
uñ * allen dreyen Welten erſchaffen / als ein Bild der@ottheitz 
in dehme GOtt wohnet / uñ war eben pas Weſen ſelber / was GOtt 
nach der Ewigkeit und nach der Zeit in allen drey Welten iſt / aber 
eine Creatur mit Anfang nach der Creatur / und der erſtarb nach 
dem him̃liſchen und Goͤttlichen Weſen durch Luſt / da ſich die innere 
Luſt / welche im Centroals im Feuer erbohren ward / darinnen 
das Leben in der Goͤttlichen Weſenheit ſtund / das iſt das Weſen 
der Goͤttlichen Sanfftmuth anzuͤndete / darinnen die Freuden⸗ 
reich oder Engels-⸗geſtalt ſtehet | die wendete ſich von der innern 
Luſt der Frenheit und Emigfeit in der Zeit als in die Außgebuhrt / 
in die Planetifhe Eigenſchafft / aus dem reinen Goͤttlichen Ele⸗ 
ment / in die vier Elementen / alſo behielt die innere Goͤttliche 
Weſenheit oder innere Leibligkeit keinen Fuͤhrer oderLeben mehr? 
das war das Sterben / dann das Seelen-feuer aus des Vatters 
Eigenſchafft / wendet fih von desSohnes@igenfchafft/in welchem: 
alleine das Göttliche Seben ſtehet. 

7. Alfo blieb der Seelen Eigenfchafft bloß / nur alleine mit 
ihrem Willen in dem Auffern Sulphur,und der innere verblich un® 
blick in der ewigen Unbewegligkeit ftehen / als in einem ewigen: 
Nichts) darinnen Fein Berbringenimehr war. 

8. Alfo lebete der Menfch mit feinem äuffern. Seibe nur blog 
alleine der Zeit / das edfe Gold der himliſchen Seibligkeit / welches 
den auffern Seib follte tingiren / war verblichen / alfo blieb der 
auffere $eib bloß allein im geben der Natur⸗begierde ftchen/als in 
der Seelen Feuers⸗ Eigenſchafft / verſtehet in Martis Geftalt und 
Eigenſchafft / als im Grimm GOttes / welcher im Sulphur der 
Grimm als die Eigenſchafft des Zorns GOttes und finſtern 
Welt iſt; weil aber der aͤuſſere Leib aus der Zeit geſchaffen war 7 
fo bekam auch zu hand die Zeit als das Geſtirne / mit den Ele⸗ 
menten / das Regiment in ihme / dann die Göttliche Eigenfchafftr 
als die Begierde der Gottheit / welche die Zeit regieret und tingi- 
ret / daß ein heilig Leben in der Creatur aus der Zeit war / die war 
verblichen / feine eigene Liebe in Goͤttlicher Begierde ward zu 
Waſſer: Alſo herrſchete Feuer in einem Waſſer / und war am. 
GHttes Willen und Begierde bleich und todt / und wuſte ſich die 
Seelt mit dem Sonnen ⸗ liechte behelffen. Sg 


40 Ds Srenatura Cops. 


9. Sodann die Zeit Anfang und Ende hat/und fich der Wille 
mit der Begierde hat dem zeitlichen Führer einergeben / ſo zer⸗ 
bricht der Zeit Regiment ihren gemachten Geift / fo erſtirbet und 
vergehet auch der Leib und das ifts/vag GOtt zu Adam ſagte / cr 
follte nicht vondem Baume oder Gewaͤchſe des Erkaͤntnuͤh Boͤ⸗ 
fes und Gutes effen./ von beyden Eigenfchafften /oder er würde 
ſterben / wie auch geſchach ser ſtarb im Sulphur,das Sulam Reiche 
GOttes / als Die Luſt der Freyheit GOttes / aus: welcher das 
Goͤttliche Liecht ſcheinet / und in welcher die Goͤttliche Liebe / als 
Das Liebe⸗Feuer brennet. 

10. Nun war ihn doch Fein Rath / GOttes Begierde gienge 
dann wieder in den verſtorbenen Sulphur, das iſt in fein todes 
Sul, als in die erfforbene Weſenheit cin /und zündete daffelbe 
wieder an mit dem Liebe⸗Feuer / welches in Ehrifto geſchach / allda 
fund der yimmlifche Leib / darinnen GOttes Liecht fcheinet / wie⸗ 
der auff: Sollte es aber geſchehen / ſo muſte die Liebe-begierde 
wieder in des entzuͤndeten Zornes Begierde eingehen / und den 
Zorn mit der Liebe leſchen / und uͤberwinden / das Goͤttliche Waſſer 
muſte wieder in das brennende Seelen⸗feuer eingehen / und den 
grimmen Tod im herben Fiat, als in der Begierde zur Natur /. 
lefchen / daß fich die Siche-Begierdeinder Seelen wieder anzuͤn⸗ 
dete / welches GOttes begchrete. 

22. Dann des Menſchen Seeligkeit ſtehet in dehme / daß er in 
fich Habe eine rechte Begierde nach GOtt: Dan aus der Begierde / 
quillet die Liebe aus / das iſt / nann die Begierde GOttes Sanfft⸗ 
muth in ſich empfaͤhet / ſo erſincket die Begierde in der Sanfft⸗ 
muth in ſich / und wird weſentlich / das iſt alsdann him̃liſche oder 
Göttliche Weſenheit oder Leibligkeit / und darinnen ſtehet der. 
Seelen Geift ( welcher im Zorne / als im Tod verſchloſſen las) in. 
der Liebe GEttes wieder auff / dann die Liebe tingiret den Tod und 
An Finſternuͤß / dag fie der Göttlühen Gonsen Glaus wieder. 

ahig iſt. 

12. Wie nun das im Menfchen gefchicht/ alfo ift auch die. 
Tranfmurirung der Metallen / der Sulphur lieget im Saturno, 
werfchloffen/als im Tode / und iſt doch Fein Tod / fondernein ve- 
getabilifch Schen / dann der Auffere Mercurius iſt das Leben dar⸗ 
innem, 

13. Soll der merallifche Leib zur hoͤchſten Vollkommenheit 
kommen / fo muß er dem aͤuſſern Führer / als den Elementen ab⸗ 
ſterben / und wieder in einen ſolchen Sulphur tretten als er war }, 
da er noch nicht die vier Elementen in ſich hatte / ſondern lag nur 

In Element in Einem. 24Run 





Cp.5 Rerum 48 


14. Nun kan ihn aber Niemand in einen folchen geib bringen? 
als der / der ihn gebohren hat / der ihn den vier Elementen geges 
ben hat / der kan ihn alleine wieder nehmen / derihn zum erſten 
hat cörperlich gemacht / der mug ihm wieder in ſich fchlingen / und 

in ſich in einen andern $cib trranfmuriren / das iſt der Sulphur , 


der den Mercurium, als feinen Werckmeiſter / m fich hat / der muß 


ihn dem — — im Frat wieder nehmen aus: ſeinem 
Bauche / und in ſein eigen Feuer einfuͤhren / und mit ſeinem eige⸗ 
nen Feuer die vier Elementa von ihme ſcheiden / und in eines 


ſetzen / gleich wie GOtt wird am juͤngſten Tage in ſeinem eigenen 


Feuer das Weſen der vier Elementen vom reinen Element in der 


Inz uͤndung ſcheiden / auff daß ſich die ewige Leibligkeit im reinen 


Element anhebe / und wie ſich im Sterben des Menſchen die vier 
Elementen vom rechten Menſchen (der das Element GOttes 
ift ) ſcheiden / und der himuiliſche Leib in ſich alleine bleibet / alſo 
gehet es auch zu in der Tranfm-tirung der Metallen. 


PROCESSUNS 


*D Leib lieget im Saturno ‚in einer unachtbahren Ge⸗ 


ſtalt verſchloſſen / nicht gang in Saturni Eigenſchafft in 
tunckler Farbe / gezeichnet mit dein Mercurio feinem Vatter / und 
mit Sole feiner Mutter / und mit dem Satarno bekleidet / und mit 
Martis Leben offenbahr: Aber feine Mutter wird an. ihme von 
auffen nicht erkannt / man erzürne dann feinen Werckmeiſter 
mit feiner eigenen Voßheit / welches man doch auch nicht thun 
kan / man nehme dann eine frembde darzu / davon feine eigene era 


zürnetwird: Alsdann /fo fein Zorn ergrimmet / fo wird er alſo 


hungerig und durftig / und kan doch in fich Fein Sabfall finden / ſo 
greifft er feinen Werckmeiſter an/ der ihn gemacht hat / und ſtrei⸗ 
tet wider feinen Schöpffer / wieder irrdiſche böfe Menſch wider 
GOtt / alfo lange big er fich felber frift und verzehrt / wie ein 


Gift vom Feuer den Leib verzchret/man komme ihm dann zu 


huͤlffe und flille feinen Hunger: So kan doch diefen ſchrecklichen 

Hunger Niemand ftilln / als GOtt felber der ihn gemacht hatz 

und fo der ihme nicht zu rechter Zeit zu hülffe komt / fo verzehret 

= Hunger im Grimm den $eib/ und ſetzet ihn in die ewige Sins 
ernüß. 


16. Diefer Hunger begchret nihts als nur GOttes Barm- 


hergigfeit / daß cr möchte aus der Hoͤllen Angſt erlöfet werden ;fo 


kan er aber dieſe in fich felber nicht erreichen/dannerift im Zorne . 


GoOttes verfehloffen / fo ift feine liebe Mutter Die ihn im Anfang, 
ſugete 


* 
AR“ 


42 De Sıcnartura Caps, 


fäugete / auch in Tod gefchloffen: Se ihn aber GOtt feine Ge⸗ 
nade erzeigek/ und gibt ihm wieder von feiner Liebe / fo erfchrickt 
der Zorn vor der Liebe / und ift ein Schrad groffer Freuden / daß 
er wieder feiner lieben Mutter Süffigkeit Eoftet / alsdann er= 
kennet er fich/ dag er ift fo boͤſe geweſen und reuet ihn feine Boß⸗ 
heit / und wil fich bekehren / und den alten Adam tödten/ und von 
fih wegwerfen: Alfobalde nimt ihn der Künftfer vom frembden 
Zorn weg/mit ſambt dem alten Adam / uñ leget ihn in ein fanfftes 
Bette / dann der alte Adam ift kranck und wil fterben / fo ift fein 
eigen Werckmeiſter in den alten Adam über der Siebe GOttes 
(welche der Zorn zerbrach) über her und wilein junges Kind 
machen / und freuet fich über dem Kinde / fo wird der alte Adau 
frand und ſchwach / gang finfter und ſchwartz / und erftirber / 
fo gehen die Bier Elemente von ihme aus mit ihren Farben / fo 
laͤſt ihn der Werckmeiſter immer hinfahren /undarbeitet immer 
an dem neuen Leibe / der da ſoll vom Tod auffſtehen / und Niemand 
ſiehet ſeine Arbeit / denn er arbeitet im Finſtern. 

17. Der Kuͤnſtler aber nimt ſich der Arbeit nicht an / ſondern 
gibt nur dem Werckmeiſter ſeine eigene Speiſe / biß er ſtehet daß 
ſich das vegetabiliſche Leben in dem finſtern Tode mit neuer Far⸗ 
be aus der ſchwartzen erzeiget / alsdann ſo iſt der neue Menſch 
fertige So komt der Kuͤnſtler und bringet die Seele / und gibt 
dieſelbe dem Werckmeiſter: davon erſchrickt der Werckmeiſter / 
das cin ander Leben in ihn komt / und floͤſſet die Seele dem neuen 
Leibe ein / und gehet in ſich in Zorne / ſo ſtehet der neue Menſch in 
groſſer Krafft und Herrligkeit aus dem Tode auff / und zertritt der 
alten Schlangen im Zerne GOttes den Kopff / und gehet Durch 
den Zorn / und der Zorn kan ihme nichts thun. 

Biſt du dareimaebohren/ 
So haſt du ein Werck außerkohren. 


Das 6. Capittel. 


Wie ſich ein Waſſer und Och! gebaͤhre / und vom Unter⸗ 
ſcheid des Waſſers und Oehls / und vom vegetabili- 
ſchen geben und Wachſen. 

1. Lles Leben / Wachſen uñ Treiben ſtehet in zweyen Din⸗ 
gen / als in der Luſt / und in der Begierde; die Luſt iſt 

ein freyer Wille / und gegen der Natur zu achten als 
ein Nichts/aber die Begierde ift alsein Hunger : In 
der Begierde entftchet der treibende Geift/ 1J * 

n ⸗ 





Cap. 6. | Rerum. 43 
natürliche / und in der Luſt der übernatürliche / der doch der Nas 
tur ift /aber nicht aus feiner felbft-Eigenfchafft / —— aus 
der Begierde Eigenſchafft. 

2. Die Begierde iſt das Treiben der Eſſentz als ein Hunger) 
und die Luſt ift des Hungers Weſen das er in ſich faſſet / dann 
die Begierde iſt nur ein hungriger Wille / und iſt der natuͤrliche 
Geiſt in ſeinen Geſtalten / aber die Luſt iſt aus der Freyheit / 
dann Gott iſt Begierde⸗loß / was fein eigen Weſen / fo viel als 
er GOtt heiſſet / anlanget: Dann er darff nichts / cs iſt alles 
fein/ undift felber alles. Aber einen Luſt-willen hat er / undift 
felber derſelbe Wille / ſich in der Luft zu offenbahren / fo mag doch 
auch in der freyen affect⸗ loſen Luft Feine Offenbahrung geſchehen / 
dann fie iſt ohne Begierde) ſte ift als wäre fte nichts gegen der Nas 
tur / und iſt doch alles: Aber nicht nach der Begierde/als nach der 
Natur /fondern nach der Erfüllung der Natur: Sieift die Er⸗ 
füllung der hungrigen Begierde/alsder Natur / ſie gibet fich frey⸗ 
willigin Hunger der Natur / dann fie ift ein Geift ohne ABefen 
und Begierde/ gang freyals ein Nichts/ aber die Begierde macht 
fie in fich zum Weſen / und foldes nach zweyen Eigenfchafften 4 
als eine nach der ewigen Freyheit / die da frey iſt von der Quaal / 

und die andere nach der Begierde / welche ein vegerabilifch Leben 
gibt/ als cin Wachſen oder fich aufgeben. 

3. Das freye Wefen ift undgibt ein Oehl / und der Begierde 
Eigenfchafft gibt ein geben des Dehls: Das Oehl ift ein Liecht / 
und der Begierde Eigenſchafft gibt dem Liechte cine Eſſentz / als 
die feurige Eigenfchafft/ dag das Liecht ein Schein ift / wie mar 
am Feuer und Liecht ſtehet /und die freye Luſt bleibt doch in fich 
ein freyer Wille / gibt aber feine Sanfftmuth / als eine freye Gea 
laffengeit in die Begierde /auff daß fie zum Weſen und Schein 
fonume > Ihr Wille ift allein gut / er hat fein andere Begierde / 
als nur gut /fanffte und lichlich ſeyn / es ift auch Feine andere 
Mögligkeit darinnen / dann er ift alsein Nichts / Darinnen kein 
Rühren oder Quaal ſeyn mag/fendern iſt die Sanfftmuth felber. 

4. So er dann nicht ein Nichts ſeyn kan wegen deß / daß er 
eine Urſache und Anfang der Begierde iſt / ſo gibt er ſich frey / als 

ſich der Sonnenſchein frey gibt in alle Eigenſchafft / ſo faſſet die 
Bcgierde dieſelbe freye Luſt als den Schein des Ungrundes der 
Ewigkeit in ſich / und macht in ſich nach ſeiner Eigenſchafft We⸗ 
fen : alſo viel der Eigenſchafft i in der Begierde iſt / alſo viel iſt auch 

des Weſens. 
Alſo wann ſich die freye Luſt in Hunger der Begierde * 
ergibt 


44 DESIGNATURA Cap.6. 


ergibt / ſo macht die Begierde aus der freyen Luſt Eigenſchafft 
eine Gleichheit nach der Freyheit / das iſt als waͤre es nichts / und 
iſt doch / das iſt ein Waſſer und Oehl. Weil aber die Begierde / 
das iſt / der Hunger mit der freyen Luſt erfuͤllet wird / ſo macht er 
feine ſelbſt⸗ Eigenſchafft im Weſen der Freyheit auch zu Weſen: 
ScinWeſen iſt Waſſer / und der freyen Luſt Weſen iſt ein Oehl: 
Alſo entſtehet zweyerley Eigenſchafft in einem einigen Geiſte / 
als eine feuriſche nach der Begierde Eigenfchafft / und eine freu⸗ 
denreiche oder Liechts⸗Eigenſchafft nach der Freyheit. 

6. Die feuriſche gibt in ihrem Weſen Zals in ihrem Waffer 
eine Schärffe vonder fErengen Begierde / die ift gefalgen / oder 
ein Salz / und von der feurifchen Angft cin Schwefel /Daraus 
inder Imprefionumd Schöpffung der Welt feynd Steine / Er⸗ 
den und Metalle worden / fo wohl Elemente und Sternen /alles 
nach den Geftalten in der Begierde; und die Dlitetifche gibt ihre 
Sanfftmuth als eine Siebes$uft darein: Die feuriſche impreflet 
mit der Begierde / und macht geibligkeit / und die Dlitetifche gibt 
ſich in ihrer Sanfftmuth aus/und macht das vegerabilifche Leben 
als ein Grünen und Wachfen in der feurifchen Impreflion: dar= 
zu muß das Feuer feine Effent und Treiben geben / als den wuͤ⸗ 
tenden Stachel im Zichen der Begierde / welcher das Zerfäjeis 
den in der Leibligkeit iſt / als der Unterfcheider / und Urſache der 
Eſſentz und Vielheit. 

7. Die Weiſen haben dieſe Geſtalt Mercurium geheiſſen / von 
dem aͤngſtlichen treibenden Rade / welcher alles Lebens und Be⸗ 
wegens Urſache iſt / und ein Werckmeiſter der Olitetiſchen und 
waͤſſerigen Eigenſchafft. 

8. Alſo iſt ung zu entſtnnen und zu finden das groſſe Myſte- 
rium, wie in allem Dinge ſey ein Oehl / Schwefel und Salt / wie 
esurftände : Dann GoOtt hat alle Dinge aus Nichts gemacht / 
und daſſelbe Nichts iſt er ſelber / als eine in ſich wohnende Liebe⸗ 
Luſt / darinnen kein Affect iſt / es wäre aber alſo die Liebe-Luſt 
nicht offenbahr / ſo er einig in der Stille ohne Weſen bliebe / und 
er Eeine Freude noch Weben darinnen / fondern eine ewige 
Stille, 

9. Als er fich aber in Weſen einführet/durd die Begierde / ſo 
wird feine Stille ein Wefen und würcende Krafft und ſolches 
mit zweyen Eigenfchafften / als in einem Oehle / in welchem die 
wuͤrckende Krafft ein guter Geift ift / nach der Eigenfchafft der 
Liebe⸗Luſt / welcher den Grimm der Begierde im Schwefel / Saltz / 
ad dem gifftigen Metcurio entgegen ſtehet / amd feinen biſt 

Hum⸗ 


EU u De 








Cap 6. Rerum 45 
Hunger mit der Siehe Sanfftmuth ftillet und heilet; was Mer- 
eurius zerbricht mit feinem wirtenden Rade feiner feldft-Eigena 
ſchafft / das heilet die Luſt der giche des Oehls wieder / und alfo ift 
Boͤſes und Gutes in jedem Leben. 

10. Und iſt doch kein Boͤſes in keinem Dinge / das Gute oder das 
Liebe⸗Oehl verſchmachte dann in ſeiner eigenen Luſt / das geſchicht 
in den Geſtaͤlten der Impreflion des Hungers der Begierde: Als 
fo ſich der Hunger-Geiſt in feinen eigenen Geſtalten nach ſich 
ſelber zu fehr impreſſet / und nach feiner feloft eigenen Offenbah⸗ 
rung zu fchr hungert / ſo kan er die freye Luſt nicht in fich fahen / 
welche feinen Hunger ſaͤnfftiget dann der Natur Eigenſchafft 
fol ſchlecht nad) ver freyen Luſt Eigenfihafft / als nach GOttes 
Liebe-⸗weſen gerichtet feyn / umd feinen Hunger nach der Siebe 
richten / fo empfühetder Hunger die Liebe in ſich / und macht dic» 
felbe in fich zum Weſen / fo ift der Hunger nicht mehr ein ver- 
ſchmachter finfterer Hunger /verin fich felber ſticht und wuͤtet 


als ein gifftiger Mercurius, fondern wird eine Siebe-Begierde 


aus dem Hunger/ die heiffet GOttes Natur) und die hungerige 
feurige heiſſet GOttes Zorn / und in der auffern Natur heiſſets 


ein Fetier. 


1xx. Aber in der Welt Eigenſchafft / da die Begierde in der 
freyen Luſt Eigenfchafft qualificiret / heiſſet dieſe Begierde die 


Goͤttliche Begierve/darinnen die feurige Siebe brennet / und dar 


aus die Freuden⸗reich gehet / dann darumb gibt fich die freye Luſt 
in die ſtrenge Begierde ein/dag fie aus fich mag eine feurige Siebe/ 
als eine Freuden⸗reich geben) welchesin der ftillen Luſt nicht ſeyn 
möchte: Dann was ſtille ift /da ift eine Freude oder Bewe⸗ 
gen innen. 

12. So offenbahret fich nun die freye Suft/als GOttes Eigen» 
Schafft / durch die feurige Eigenfchafft / und die feurige machet die 
freye Kiſt / als der Luſt Weſen / als das Oehl / welches in der Im- 
prefion der Begierde urſtaͤndet / gu einem Schein oder Glan / 
dann die Strengheit gibt den ängftlihen fchielichten Blitz / als 
einen Schwefel-Geift/ und die Sanfftmuth des Oehls gibt ihre 
Siebe darein/undvertreibetdas Eingezogene/als die Finfternüg/ 
undoffenbahret die ewige Freyheit / als das Nichts / das iſt nun 
Das Sehen. 

13. Dañ wañ der Feuer⸗glantz des Liechts Süfftgfeit ſchmaͤ⸗ 
cket / ſo greiffet die Feuers-begierde nach der Sanfftmuth: So iſt 


Die Sanfftmuth der freyen Luſt / als ein Nichts / gantz unbegreiff⸗ 


lich / jetzt begreifft der Hunger der Begierde ſein ſelbſt-Weſen / 


und 


m An 


45 DESIGNATURA Cap.G. 


und verfehlingets in fich /und machets zum Nichts/ das ift die 
Finſternuͤß / die ijt des Hungers Weſen / die verfchlinget der 
feurifhe Hunger durch des Liechts oder der freyen Luft Eigene 
ſchafft / wie man dann fichet/ fo bald das Liecht fcheinet /fo nimts 
der Finfternüg ihren Gewalt / darumb iſt GOtt über alles We⸗ 
fen ein HErr: Dann er iſt die ewige Krafft und Liecht / wie wirs 
am Gleichnuͤß der Sonnen ſehen / daß fie ein Herr der Finſter⸗ 
nuͤß und alles Weſens iſt / und alles regieret was in dieſer Welt 
waͤchſet / lebet und webet. 

14. Mehr iſt uns zu entſinnen die mancherley Saͤltze / wie 
dieſelben im Urſtande ſich ur ſtaͤnden / und ſcheiden in viel Eigen⸗ 
(haften: Im Urſtande der Impreſſion, als im Verbo Fiat ent⸗ 
ſtehen zweyerley Salia,das erſte iſt geiſtlich / und gibt die Schaͤrffe 
in der freyen Luſt Weſen / welches iſt eine Entſcheidung oder 
Schaͤrffe der Krafft; das ander Saltz iſt die Schaͤrffe der Im- 
preflion nach der herben Strengheit Eigenfchafft / das ift die 
Angft in der Impreſſion, als Schwefel / und die weſentliche Eigen⸗ 
ſchafft iſt Waſſer. Das Warfer iſt die ſtumme toͤdtliche Eigen⸗ 
ſchafft des Saltzes: und die ſchweffeliſche von der Angſt iſt des 
lebendigen Saltzes Eigenſchafft / dan fie hat den Stachel der 
Bewegligkeit/ als den Mercurium in ſich / der des Lebens Geſtalt⸗ 
nuͤß macht / und iſt doch eben der Schwefel nicht das Saltz / ſon⸗ 
dern er iſt die Angſt in der Impreſſion, welche auch corporlich 
wird. 

15. Das Saltz iſt die Schärffeim Schwefel mach der Herbig: 
keit / und macht dag die Angſt lieblich wird/alfo wohne das Saltz 
im Schwefel / und ift des Schwefels Scharffe / und erhält den 
Schwefel im leiblichen Wefen / fo wohl auch den Geift des 
Schwefels / daß er nicht zerftäubet. Das Salt impreſſet die 
Krafft der Angft / und das geimpreflete schen ift das mercuriali- 
ſche geben / derfelbe ift der Angſt / alsdes Schwefels/ geben / und 
fcheidet die Materiam nach den Geftalten zur Natur /und die 
Materia der freyen $uft in zwey Weſen / als in ein waͤſſeriges 
und inein Dlitetifches cörperliches. 

16. Das cörperliche ift zweyerley /nach der Finfternüg und 
Liecht. Mach der ffrengen Begierde Eigenfhafft machts in der 
soäfferigen einen Sand oder fteinichte Art / davon Die Steine 
ähren Urftand haben : Verſtehet aus der fulphurifchen / als aus 
dem Schwefelswaffer. Die andere Eigenfchafft nad der Ertoͤd⸗ 
Kung im falnitrifchen Schrade iſt gemein Waſſer das da fleuſt: 
Das ander cörperlicheiftver metalliſche Leib / aus per en suft 

igen» 


ee 17 u re re v— 


n 
i 
3 
n 





Cap. 6. Rerum. 47 


Eigenfchafft/ inder eingepreffeten Geftalt ; und aus der waͤſſeri⸗ 
gen (da der Schwefelim Waſſer iſt) machts Bäume) Kräuter / 
und alles was da wächfet in der irzdifchen Eigenfchafft/ als inder 
ertödteten oder todten Weſenheit / welche doch cin ſtum̃ Leben hat / 
als ein vegetabiliſches. 

17. Die Olitetiſche Eigenſchafft iſt auch zweyerley / nach der 
Impreflion , als ein Theil dringet wieder in der Freyheit Luſt / 
vom Grimme der Impreſſion frey zu feyn / die ift der gute Geift / 
als das Liecht im Oehle; Das andere Theil aber ergibt fich mit 
in die Angft des Schwefels / und bleibe in der Seibligkeit / und 
eineignet fich in jedem Dinge nad) des Dinges Saltzes Ei- 
genfchafft / als in einem feuͤrigen Salße ift cs feurig / und in ei⸗ 
nem bittern Saltze ift es bitter/ in einem herben / herbe / und fo 


orf. 

' 18. Die erſte Eigenfchafft nach dem Sicht ift in allen Dingen 
füffe /und die andere Eigenfchafft des Oehls iſt nad) der Geſtalt / 
als nach dem Geſchmacke des Dinges / es fey gleich füffe / fauer / 
herbe over bitter / oder wie das ſey / als man das in Kräutern er⸗ 
kennet: In manchem ift einebittere Gifft / und in manchem eis 
ne Heilung der Gifft ; fo ihm aber die giftige Eigenfchafft / 
durch den Mercurium im Dehleder Sanfftmuth gebrochen wird/ 
fo eineignet fich auch das Oehl der Liebe des Liechts / dann beyder 
Urftandiftaus einem Willen/ aber in der Impreflion wirds vers 
ändert /gleich als wie fichder Zeuffel/ alserein Engel war / in 
eine gifftige Engels-Eigenfchafft verwandelte /und Adam aus 
einer himmliſchen in eine irrdiſche. 

19. Alles was da wächfet/ lebet und webet in diefer Welt/ das 
ſtehet im Sulphar ‚und im Sulphur ift der Mercurius das Leben / 
und das Saltz ift im Mercurio das leibliche Weſen feines Hun⸗ 
gers / wiewohl der Leib mancherlen ift / als nach Eigenfchafft des 
Schwefels und Sales / nach derfelben Eigenfchafft ift auch das 
eingepflangte Dehli welchesinder Krafft mit auffwäachfet / dann 
das Oehl macht die Krafft in jedem Dinge ; indem Dehle der Im- 
preflion ‚als indem eingepreſten Oehle ift das andere Ochle/ als 
Das geiftliche / welches ein Liecht gibet / aber es führet einander | 
Principium, es nimt feine andere Auaalan fich / alsdie Luſt der 
Liebe / es iſt Göttliche Weſenheit / darumb ift GOttes eigen We⸗ 
ſen allen Dingen nahe / aber nicht eſſentialiter in allen Dingen / 
es fuͤhret ein ander Principium, und aneignet ſich doch gegen allen 
Dingen / ſo ferne das Ding der Goͤttlichen Eigenſchafft in ſich 
hat / ſo empfaͤhet es Krafft von Goͤttlicher Eigenſchafft / * fi 5 

glei 


43 DESIGNATURA Cape. 


gleich ein wachfendes oder [chendiges/wie man dann Kräuter umd 

Bäume /fo wohl Ereaturen finder / inwelchen etwas von Goͤtt⸗ 
Sicher Krafft inne lieget / damit man in der magifchen Eur Fan 
der falſchen Magiz, als dem verderbten böfen Oehle wiverftehen / 
und in ein Gutes tranfmutiren. 

20. Ale Schärffe des Geſchmacks ift Salk les fey was es 
wolle indiefer Welt / nichts aufgenommen s und aller Geruch 
gehet aus dem Schwefel; und in allem Bewegen tft Mercurius 
ein Unterſcheid / beydes im Geruche/Krafft und Geſchmacke: Ich 
werftche aber in meinem Mercurio das Rad der Gebuhrt alles 
Weſens / wie forne gemeldet / nicht einen todten / ſondern einen le⸗ 
bendigen / als ſtaͤrckeſten / nach Eigenſchafft der truckenen Gifft. 

21. So gebuͤhret nun dem Kuͤnſtler und Medico, ‚daß er ſol⸗ 
eheDinge wiſſe / ſonſt mager keine Kranckheit curiren / er treffe es 
dan ohngefaͤhr / wann er nicht weiß / wormit das Oehl im Coͤrper 
vergifftet iſt / und was der Mercurius fuͤr einen Hunger in der 
Kranckheit habe / wornach ihn hungert. 

22. Dann ſo er das Saltz nach der Eigenſchafft feines Hun⸗ 
gers (wornach er begierig iſt) mag bekommen / mit einem ſolchen 
Oehle wie er gerne haͤtte / fo iſt die Kranckheit bald ſtuͤndlich das 
hin: Dann er ſetzet ſein Oehl wieder in die Eigenſchafft der Lie⸗ 
be des Liechts / davon das Leben wieder anhebet helle zu ſcheinen. 

23. Dann jede Kranckheit im Coͤrper iſt anders nichts / als cine 
Verderbung oder Vergifftung des Oehls / daraus des Lebens 
Liecht brennet und ſcheinet: Dann wann des Lebens Liecht im 
Oehle helle ſcheinet und brennet / fo vertreibets alle gifftige Ein— 
fluͤſſe und Wuͤrckungen / gleich wie der Tag die Nacht vertreibet. 

24. Dann ſo das Oehl daraus das Leben brennet / mit einem 
gifftigen Mercurio. oder Sal angeſtecket wird / es geſchehe gleich 
vom Geſtirne oder Saltze der Speife / als von einer widerwerti⸗ 
gen Quaal /davon ein Ekel im Ochlentftchet /welchen das Oehl 
immerdar wil außſpeyen / darguder Mercurius huͤlfft / fo ängftet 
fich der Mercurius im Schwefelsfeuer je länger je ſehrer / und ar⸗ 
beitetimmerdarden Ekel außzutreiben / erhebet fich aberin folcher 
ſtrengen Arbeit nur in fich felber/und zündet feine innere Geſtalt⸗ 
nuͤß immer fehrer an/davon das Oehl tundeler undgifftiger wird/ 
big endlich das Oehl gang wäffericht und iradifch wird/ fo erlifchet 
das Liecht und auch dasFeuer / fo fähret Mercurius mit dem 
Schwefel:geifte davon / als gleich warn man eine Kerge außles 
ſchet / fo fähret Mercurius mit dem Schwefel⸗geiſte im Todes⸗Ge⸗ 
ſtancke davon / biß er auch verhungert / eine zeitlang mag er ſich 

im 





XCp6. ° Rerum | 49 


im Syderifchen Leibe / welcher mit außfaͤhret / behelffen wann aber 
der Mercurius im Geifte der groffen Welt ſeine Eigenfchafft ver» 
zehret und verhungert / alsdann ifts mit dem zeitlichen Leben 
gank aus. 

25. Dann fo bald das Liecht des Schens- Orchles außliſcht / ſo 
füilet der elementifche Leib dahin in die Purrefadtion , als wieder 
in das Fiat, daraus erift worden, fo hat dieſe Zeitinder Creatur 
ein Ende /das iſt der Tod oder Abſterben / und daraus ift keine 
Erledigung oder Wicderfommen/ es bewege fich dann noch ein» 
mahl in ihme der himmliſche Göttliche Mercurius , welches doch 
auch nicht geſchehen Fan/es ſey dann eine gute Eigenfchafft des 
Dehls / als aus Goͤttlicher Wefenheit in ihme geweſen / in derfels 
ben Eigenfchafft / fo ver Göttlichen Liebe faͤhig ift / zünder fich 
alleinewieder das Liecht an. 

26. Danmdie Göttliche Wefenheit/ oder derfelbe himmliſche 
Mercurius tranfmutiret das verftorbene Oehl wieder in feines/ 
und wird deſſen Leben; dann der Auffere Mercurius ‚ der den Leib 
hat geführet/ komt nicht wieder / et ift nur eine geitlang ein Spie⸗ 
gel des Ewigen geweſen: Er wird aber in eine andere Quaal 
tranfmuririt/ dann mit feiner Erftidung tritt er wieder in das 
Myfterium, daraus erim erſten mitder Welt Schöpffung ift ge⸗ 
gangen / und der Leib gehet auch in daſſelbe Myfterium. 

27. Alfo ſtehets noch zu einer andern Beiwsgung der Gottheit/ 
als zueinem Scheiden / da das Böfe / darinn der Tod war / vom 
Guten gefinieden werde / und das Verbum Fiat das wieder gebe 
undherfür bringe / das ihme iſt im Sterben wieder heimgefallen. 

28. Dem Medicoift dieſes zu wiſſen / daß in dem allerſtaͤrcke— 
ften Mereurio „der am allergifftigſten iſt / die höchfte Tinctur lies 
get / aber nicht zu des Mercurii ſelbſt⸗Eigenſchafft / die muß ihme 
gebrochen werden/dann feine ſelbſt⸗Eigenſchafft / als vom Centro 
an / iſt das angftliche Giffteleben / er hat aber eine andere Eigen» 
ſchafft in ſich / alsein Oehl vom Lichte / davon er. alfo ſtarck und 
maͤchtig iſt / das iſt ſeine Speiſe und Erhaltung / ſo daſſelbe mag 
von ihme geſchieden werden / das iſt eine Tiogirung und cin maͤch⸗ 
tig Anzuͤnden aller tunckeln Leben /dasift / aller Kranckheiten: 
Dann im felben Oehl lieget das freudenreiche geben / und iſt ein 
Hunger nach Leben / als daß es das ſchwache anzuͤnde und in die 
Höhe führe. | 

29. Man wird in einer Kroͤkten oder Matter / oder dergleichere 
gifftigen Wuͤrmen oder Thieren die hoͤchſte Tinctur finden / fo 
man die in ein olitetiſches Weſen bringet I und den Grimm des 
C Mer- 


30 DESIGNATURA Can: 
AMercurii davon ſcheidet: Dann im Gifft und Liecht ſtehet alles 
aͤuſſerliche und innerliche geben / als wir ſinnen / daß GOttes 
Grimm und Zorn⸗feuer / eine Urſach der Goͤttlichen Freuden⸗ 
reich iſt: Alſo auch in gleichen im aͤuſſern zu erkennen iſt / dann 
alles Leben iſt ohne den gifftigen Mercurium ſtum̃ und ein Ekel / 
und gleich als todt geachtet. — 

30. Mexcurius iſt ein Anzuͤnder des Feuers / fo ſtehet alles bes 
wegende schen im Feuer / und ob gleich eine Ereatur im Waſſer 
wohnete / fo ift Doch das Feuer fein Sehen /als die Gifft-galle / 
darinnen der Mercurius das geben führet /aber daffelbe Waſſer 
in der Galle iſt eine Gifft / darinnen ein Oehl verborgen ift / in 
welchem das Leben im Mercurio brennet und ſcheinet / deſſen haſt 
du ein Gleichnuͤß: 

31. So in einer Creatur ein ſtarcker gifftiger Mercurius ift / 
trockener Art / die iſt ſtarck / kuͤhne und maͤchtig / die hat auch ein 
helles Oehl in ſich / ob ſte gleich mager vom Leibe iſt / dann die feu⸗ 
riſche Eigenſchafft des Mercurii verzehret die waͤſſe riche; So 
aber ſein Fettes angezuͤndet wird / ſo gibt es ein helles Liecht: 
Vielmehr wird das ſeyn / ſo die waͤſſerige von der Olitetiſchen 
Eigenfchafft geſchieden wird. 


Das 7. Capittel. 


ie Adam im Paradeiß / und Lucifer ein fehöner Enz 
gel war / und wie fie durch Imagination undEr: 
hebung ſeynd verderben. 


PROCESSUS. 


x. SIr wollen dem Laboranten welcher ein ernfter 
Sucher ift/ nachzufinnen Urfache geben/umd fo er 
unfern Sit ergreiffet/fo wird er den edlen Stein 
der Weiſen wohl finden/ift er aber von GOtt 
darzu erkohren / und ſtehet anderft fein geben im 

himmliſchen Mercurio , anderſt ſeynd wir doch ihme Mytterium, 

uͤnd wollens im Gleichnuͤß darftellen / am alleroffenbahrlichften/ 
und doch heimlich. 

2. Als Adam im Paradeiß gefchaffen war/hatte erden himmt = 
liſchen Mercurium zum Führer, fein geben brannte in einem reis 
nen Oehle / darumb waren feine Augen himmliſch / und fein Ver⸗ 
ſtand übertraff die Natur / dann fein Liecht fehlen im Dchle der 
Göttlihen Weſenheit / die Aufferliche waͤſſerichte RUE: 

ar 





Cap.7. ReruMm y 


war in feinem Oehle nicht offenbahr / er war Iliaßrifch) das iſt / 
Englife und ward im Sail Cagaftrifch/ das iſt / die waͤſſerichte 
in der toͤdtlichen Eigenſchafft ward in ihrem Oehle offenbahr,und 
drang durch / alſo ward der Mercutius in ihm ein Angft=gifft/ 
welcher zuvoren in feinen Dchle cine Erhebung der Freuden⸗ 
Teich war. 

3. Dann der Salnitrifge Schra in der Impreflion in der 
Kälte! als nad) Sarurainifcher Eigenſchafft / ward dadurch erhe⸗ 
bende / und kriegete das Regiment als cine Ealte Gifft / welche i in 
der Imprefion des Todes entſtehet / Davon die Finſternuͤßz im 

Oehle des Liechts erbohren ward / und Adam des Goͤttlichen 
Liechts erflarb ; Zu welchem ihn Dev Teufel durch die Schlange 
fuͤhrete / das iſt Durch der Schlangen Eſſentz und Eigenfhafft. 

e 4. Dann in der Schlangen war das Reich des Sriunnes / 
und auch das auffere Reich offenbahr / dann fte war liſtiger dann 
alle Thiere auff dem Felde / unddiefen Sift begehrte Heva / dann 
die Schlange beredete ſie dag ihre Augen würden auffgethan 
werden / und ſie wuͤrde ſeyn als SOtt / und Boͤſes un Gutes wiffen/ 
welches auch des Teuffels Wille war) daß er wolte boͤſes wiſſen / 
und im Entzůnden zur Wiſſenſchafft im Mercurio verdarb und 
finfter ward / dann er gieng in dei feurigen Grund mit der Ima- 
gination , nad) feinem Wiſſen / und Adam gieng in den Ealten 
Grund in die Impreflion , in die außgebohrne wäfferige Eis 
genſchafft im Salniter , da beyde Reiche in der Scheidung fle= 
hen / nach feiner Wiſſne und Begierde. Er begehrete den waͤſ⸗ 
ſerigen Mercurium zu probiren im Schmacke / in welchen die 
tödtliche Gift ift / und Sucifer die feurifihe / welche Staͤrcke und 
Macht gibt] davon entſtund ihn die Hoffahrt / als aus dem feu⸗ 
rifchen Mercurio : Aber das Scht der Sanfftinuth der Goͤttli⸗ 
chen Weſenheit verlieffen fte alle beyde $ucifer amd auch Adanı. 

a 5. Nun iſt uns der Schlangen, welche Adam mit ihrer gift 

betrog / nachzuſtnnen wie fie gewefen / und was ihre Sift fey / dar⸗ 
nach Adam und Heva geimaginirct : Warumb fie vom verbot⸗ 
tenen Baum / derda böß und gut war / geffen / und wie fie daran 
den Tod geffen / und wasihr Heyl und Wiederbringung natuͤr⸗ 
lich und eigentlich ſey / was Boͤſes und Gutes fey / welches die 

Eigenſchafft des ewigen Lebens / und dann die Eigenſchafft des 

eroigen Todes ſey / was die Cur ſey / damit man die mit Adam 

eingefuͤhrte Kranckheit / und denſelben Tod wieder zum zeitlichen 
und ewigen Leben bringen koͤnne. 

6 Der Leſer habe gcht — Sinn / dann die Macht ihme 


dieſel⸗ 








s2 De Sıcnatura Cop7% 
dieſelbe indie Hände zu geben) haben wir nicht / es fEchet alleine 
Gott zu: Aber die Pforte fol ihm allyie offen ſtehen / wil er 
eingehen / wo aber nicht / ſo huͤlfft ihn der Kitzel nichts. 

7. Der Teuffel war ein ſchoͤner Engel / und die Schlange das 
liſtigſte Thier / und der Menſch die Gleichheit derGottheit. Nur 
ſeynd ſie doch alle drey durch Imagination und Erhebung verdor⸗ 
ben / und haben von SOtt den Fluch erlanget für ihre falſche Liſt. 

8. Alles was ewig iſt / komt urſtaͤndlich aus einem Grunde / 
als Engel und Seelen / aber die Schlange nicht aus dem ewigen / 
ſondern aus dem Anfange / als wir euch dieſes haben vorne zu 

erſtehen gegeben / wie ſich mit Der Entzuͤndung des Feuers im 
Salnitriſchen Schraͤcke zwey Reiche ſcheiden / als die Ewigkeit 
und die Zeit / und wie die Ewigkeit in der Zeit wohne / aber nur 
in ſich ſelber / aber der Zeit alſo nahe ſey / als Feuer und Liecht in⸗ 
einander find / und doch zwey Reiche machen / oder wie Finſter⸗ 
nuͤß und Liecht ineinander wohnen / und keines das ander iſt. 

9. Alſo iſt uns in gleichem zu ſinnen von dem anfaͤnglichen 
gifftigen Mercurio im Zeufei / fo wohl im Menſchen / als auch im 
Der Schlangen / wie ein Oehl verderbe / und Doch hiemit nicht 
even BGOTZES Welen verderbe / fondern gehet in fich als 
ins Nichts / und der creafürliche Mercurius , welcher mit Anfang 
Der Ereaiur in der Creatur entjtchet / oder erbohren wird / gehet 
aus ſich / das iſt / aus dem Ewigen indie Zeit/ als in Anfang der 
Creatur / er begehret nur feiner / das iſt des Anfangs / wil ein 
Elgenes ſeyn / und verläftidie Ewigkeit / in welche er mit feiner 
Begierde ſollte gantz gefchloffen feyn und feinen Hunger darein 
führen/ fo würde feine Gifft-Quaal nicht offenbahr. 

10. Denn was nach dem ewigen Nichts als nach der ftillen 
ſanfften Freyheit GOttes hungerig iſt / das wird ihm felber nicht 
vffenbahr / ſondern es wird inder ftillen Ewigkeit offenbahr /als 
in GOtt: Denn werfen der. Hunger ift/deffen ift auch das Weſen 
dm Hunger / ein jeder Hunger oder Begierde machet ihm in fich 
Weſen / nach des Hungers oder Begierpe-Eigenfchafft. 

xx. So machte ihme der Teufel in ſich Finſternuͤß / dann 
er gieng mit feiner Begierde in ſich / in die Eigenſchafft des Cen- 
tri zur Begierde / und derließ die Cwigkeit / als das Nichts / das 
iſt / die Luſt der Liebe: Alſo entzuͤndete er ſich in ſeinem gifftigen 
Mercurio, das ift / in den Geſtalten zum Leben in ſich / und ward 
ein aͤngſtlicher Feuer-quaal in Finſternuͤß / gleich als ein Holtz 
verbrennet / und zu einer Kohlen wird / die nur glimmet und kein 

recht Liecht mehr hat / auch kein Oehl oder Waſſer / alſo 
ihme 





wa Hr Rear Mm 3; 


ihme / alfo quellete in feiner felbft-Eigenfhafft nunmehr als il? 
feinengebens-Geftalten nur eine ſtachlichte feindige Eigenſchafft 
da eine Geſtaltnuͤß die andere anfeindet / und doc alſo erbichret, 

12. Ingleichem war auch die Schlange /aber nicht ans ihrer 
feldft-Erhebung alfo worden fondern als GOtt ſprach: Es 
schen herfuͤr allerley Thier / ein jedes nach feiner Eigenſchafft / ſo 
giengen aus aller Eigenſchafft ver Natur / wie die in der Schet⸗ 
dung offenbahr ward / als ſich SOtt zur Schoͤpffung bewegte 4 
herfuͤr Thiere: Dann der Teufel wolte uͤber die Liebe und 
Sanfftmuth GOttes heriſchen / und ſetzte feine Begierde auch in 
Zorn / das iſt / in die ſtrenge Macht / da das Gifft⸗leben urſtaͤn⸗ 
det / als ins Fiat der grimmen Eigenſchafft / aus welcher Geſtaſt⸗ 
nuͤß find Nattern / Schlangen / Kroͤten und andere gifftige Wuͤr⸗ 
me gegangen / nicht daß der Teufel dieſelben habe gemacht / das 
kan er nicht / alleine wie die Begierde in der Impreſſion des Fiats 
war / alſo ward auch die Creatur in Böfen und Guten. 

13. Dann in der Impreffion des Fiars im Urſtande Des aͤuſ⸗ 
fern Mercurii, als des Lebens / Das ihme in ſich felber offenbahr 
wird /wardie Scheidung /da ih GOtt und die Welt ſcheidet / 
als GOtt in Jich / und die Welt aus ſich / alseine Gleichnuͤß des 
Ungrumdes / oder ein Spiegel ver Ewigkeit. Allda hat ſich der 
innere Grinun / davon ſich GOtt einen gornigen / eyferigen GOtt / 
und ein verzehrend Feuer nennet / inänfferen Figuren / als in ei⸗ 
nem Gleichnuͤß der innern Gebuhrt im Centro offenbahret / als 
wie die ewige Luſt / welche er ſelber iſt / die Begierde zur Natur 
der ewigen Offenbahrung / erwecket und urſachet / und ich ſelber 
in die Begierde einergibt / und den Grimm der Begierde zur 
Freudenreich machet. 

14. Alſo iſts auch mit der Schlangen Witze: Im hoͤchſten 
Mercurio iſt die hoͤchſte fenärffefte Probaaller Dinge: Se giffti⸗ 
ger ein Ding iſt / je ſchaͤrffer probiret es ein Ding / dan der ſchaͤrfe⸗ 
feſte Geſchmack und Geruch ſtehet in der groͤffeſten Gifft / als in 
einer ſterbenden Quaal / uñ wie ſich das ewige Liecht aus des Vat⸗ 
ters Schaͤrffe erbiehret / daß es den Schein bekomt / und mit feiner 
eigenen Quaal durch die Schaͤrffe aus der Angſt⸗quaal außgehot / 


wieder in die Freyheit / als ins Nichts / allda das Liecht von des 


Feuers Quaal uñ Eigenſchaft auch eine Begierde wird / welches iſt 
Die Begierde der Goͤttlichen Siebe und der Freudenreich / in welcher 
Begierde der Mercurius das ewige Wort / oder der Urſtand der 
Ewigkeit oder Gottheitrecht betrachtet /und genannt wird. 

35. Und daſſelbe Ausgehen vom Ben (verſtehet vom ewigen, 
3 


magı= 


34 De SıcnarurA Cap.7. 


magifhen Beift-feuer)ift ein Außgebaͤhren / als des Worts der 
Krafft / Farben und Tugenden / und dieſelbe Begierde deffelben 
Mercurii oder Worts faſſet auch in fich in Vie Begierde die Krafft/ 
und machet jie wefentlich /dasift die Sanfftmuth und die Siebe / 
welche den Grimm des ewigen Batters / als der ewigen Natur 
Begierde mit der Liebe lefchet / und in Freudenreich verwandelt/ 
allda der Name GOttes von Ewigkeit urjtander. 

16. Diefelbe ingefaffete Weſenheit giebet zwo Eigenfchaffe 
ten / als cine Dlitetifche / das iſt / himmliſch Weſen / eine Urs 
ſache des Liechtes⸗ſcheins; und eine Eräfftige von der Bewegung 
der ewigen Impreflion , oder Begierde des Vatters nach der Ge⸗ 
buhrt des Sohnes / daraus die Göftligye Lufft / als die Krafft 
durch den Schein des Liechtes / aus demſelben Liebe-ſeuer auß⸗ 
gehet / welches der Geiſt GOttes iſt. 

17. Alſo auch imgleichen wiſſet dieſes / daß ſich die ewige Liebe 
(verſtehet das Weſen als die himmliſche Weſenheit) hat in die 
Schoͤpffung mit dem Verbo Fiat eingegeben / des Vatters Zorn / 
als die Geſtaltnuͤß der ewigen Natur in die hoͤchſte Freuden⸗ 
reich zu ſetzen / und Bleichnüffe der ewigen Gebahrung darzu⸗ 
Stellen / und wo die Natur des Grimmes am fehreften ift erha⸗ 
ben worden durchs Fiat, allda hat fich auch Die Begierde gegen 
Der Freyheit am meiften geeiniget / tom Grimme log zu ſeyn / 
und in die Freudenreich zu ſetzen / davon die groffe und tieffe 
itine ift entſtanden / aͤuch die edlefte und höchfte Tinctur; vera 
ſtehet die Begierde des grimmen Hangers empfühet das jenige 
in fich / darnach fie hungert / als die Freyheit / dann es feynd im 
Anfang alle Ding gut geſchaffen / auch der Teufel war gut / weil 
er ein Engel war / ſo wohl auch die Schlange. 

18. Weil aber der Teufel in vie hoͤchſte Feuers-begierde ein⸗ 
gieng / ſo wieche GOtt aus ihme / als ein Liecht in einer Kertzen 
weichet oder verliſchet / ſo lebte er hernach nach ſeiner eigenen 
Begierde. Dieweil er aber wuſte / daß in der Schlangen eine 
ſolche hohe Tinctur war / und die Schlange aus dem Anfang der 
Zeit war geſchaffen / ſo ſchloffe er mit ſeiner Begierde in die 
Schlange / und nahm der Schlangen Tindur ein / und fuͤhrete 
feine Begierde durch die Schlange gegen den Menfchen / ihn in 
Luſt der Schlangen Eigenschaft einzuführen dannder Schlan⸗ 
gen Tin&ur war von beyden Urſtaͤnden /als aus den toͤdtlichen 
Mercuriovom Sterbenim Feuer /als von der Kalte in der Im- 
preffion „und dann auch vonder grimmigen. Die kalte Impref- 
Gon ift irrdiſch / die urſtaͤndet vom Grimme / als vom Sterben 

im 








Cap.7. Rerum 55 
im Grimme in der Impreſſion: Und die feuriſche urſtaͤndet von 
dem lebendigen Gifft des Mercurii, in welcher Eigenſchafft das 
Geiſt-leben ſtehet. 

19. Alſo ward Adam und Heva inficiret mit des Teufels Bes 
gierde durch die Schlange : Als durch irrdiſche toͤdtliche Eigen» 
fhafft der Schlangen / und denn geimmige / giftige / lebendige 
Eigenſchafft des grimmes GOttes nach des Teufels Eigenfihaffe 
ſelber / und ward in feinem Goͤttlichen Dehle [das iſt / in der him̃⸗ 
liſchen Wefenheit angeftedet. 

20. Allda verlofch ihm das Göttliche Liecht / das aus dem Goͤtt⸗ 
lichen geibe der himmliſchen Weſenheit ſchien: Dann der Fluch 
gieng über die Seele. So ift GOttes Fluchen ein Fliehen: 
Als / die Göttliche Krafft / welche im Leibe war / wiche in 
fich felber in ihr Principium , und ward fein heilig Oehl (darins 
nen die Krafft GOTTES hatte gewohnet/ und ein Freuden⸗ 
reich als das Paradeiß hatte gemachet) ein Gifft: Dann das 
irrdiſche Theil nach Ertoͤdung des Waſſers / als die cagaſtriſche 
Eigenſchafft ward offenbahr /und kriegete zuhand der Mercurius 
als die Kaͤlte in der Todes⸗ geſtalt / das Regiment / da er zuvor im 
himmliſchen Mercurio, als in der Goͤttlichen Krafft gleichwie 
verſchlungen ſtund. Klo ſtarb Adam in GOtt / und Ichte dem 
Tod / da wer Noth / daß ihn wieder gebaͤhre SOtt / und darumb 
ward die Schlange verflucht/ das ſie dem Teufel in Gehorfai 
gedienet hatte. 

zr. Alſo verſtehen wir/wasinder groͤſſe ſten Angſt / als in dem 
ſtaͤrckeſten Mercurio verborgen lieget / als ein Oehl / das alle 
Kranckheit ringiret aber die kalte Gifft / als die Todes-qunalf 
muß alle weg umd in eine fenrige gefeget werden / die des Lichte 
begierigift / dann GOtt ſchuff im Anfang alles gut / aber durch 
fein Fluchen oder Fliehen wards böfe. 

22. Dann als GOttes Liebe⸗Begierde in der auffern Welt 
Quaal wohnete/umddie durchdrang/als die Sonne cin ABaffer } 
oder das Feuer das Eifen / fo war die auffere Welt ein Para⸗ 
deiß / und grünete die Goͤttliche Eſſentz durch die irrdiſche / das 
ewige Leben durch das toͤdtliche: Als fie aber GOtt verfluchte 
umb des Menſchen willen / ſo ward das toͤdtliche offenbahr am 
Menſchen / und auch an der Frucht / davon der Menſch eſſen ſoll⸗ 
te / welche Eigenſchafft zuvor allein am Vaume des Erkaͤntnuͤßes 
Gutes und Boͤſes offenbahr war / daran Adam und fein Weib 
verſuchet worden / ob ihre Begierde wolte indie Ewigkeit / als in 
Bo Weſen eingehen / oder * Zeit Weſen / in das leben⸗ 


* ꝛige 


*8 

46 De SıcnaTrura Cap.7 
dige oder tödliche Oehle in welcher Quaal der Seelen Beift le⸗ 
ben / das iſt / brennen wolte. 

23. Alſo ward durch GOttes Fluchen oder Fliehen / der himli⸗ 
ſche Leib verſchloſſen / und der Zorn⸗quaal offenbahr / und lieget 
noch alſo verſchloſſen: weil aber der Menſch aus der Ewigkeit / 
an einem Theil in Leib und Geiſt geſetzet ward durch den ewigen 
Mercurium, das iſt / durch das Wort der Goͤttlichen Krafft / fo 
konte Niemand den Gifft:tod auffſchlieſſen / und den tödlichen 
Mercurium zerbrechen / und wieder in die LiechtesJuaal / als in 
Quaal der Goͤttlichen Freudenreich einſetzen / als nur eben der 
— Mexcutius, als die Krafft und das Wort des Lebens 

elber. 

24. Dann der Schlangen gifftige irrdiſche Eigenſchafft war 
in Menſchen offenbahr und raͤge worden / darumb als ſich Got⸗ 
tes Wort des Menſchen Verderbens erbarmete / uñ ſich ſeiner wie⸗ 
Der annahm / ſprach er: Des Wetbes Saamen ſoll der Schlan⸗ 
gen den Ropff zertretten / und du (verſtehet der Schlangen 
Gifft oder Feuer) wirſt thn indie Ferſen ſtechen. 

25. In dieſem lieget nun der Stein der Weiſen / wie des Wei⸗ 
bes Saame der Schlangen den Kopff zertrette / Das geſchicht im 
Geiſt und im Weſen / zeitlich und ewig. Der Schlangen Stich 
iſt GOttes Zorn⸗ſeuer; und des Weibes Saame iſt EOttes Lie» 
be⸗feuer / das muß wieder erwecket werden / und den Zorn ditrch⸗ 
ſcheinen / und dem Grimm ſeine Macht nehmen / und ihn in die 
Goͤttliche Freudenreich ſetzen / fo ſtehet die todte Seele / welche 
in GOttes Fluche verſchlungen lag / auff / wann der gifftige Mer- 
eurius, welcher Gottes Zorn gleichet / mit der Liebe tingiref wird / 
fo wird aus der Todes Angſt im Mercurio die hoͤchſte Freuden» 
reich / und eine Begierde der Siebe / welche felber wieder Liebes 
Weſen in ſich machet / als einen himmliſchen geib aus dem irrdi⸗ 
fchen / wann der Mercurius in himmliſche Quaal gefezet wird / fo 
begehreter nichtmehr das irrdiſche toͤdliche Leben / nicht vier Ele= 
menten / fondern nur Eines /da die vier innne verborgen liegen / 
gleich als verſchlungen / wie das Liecht die Finfternüß in fich vera 
Ichlungen haͤlt / und doch in ſich ift/aber im Liechte nicht orfenbahr/ 
wie GOtt in der Zeitwohnet / und die Zeit ergreifferihn nicht / 
fie werde dann in die Ewigkeit entzuͤcket / daß das Göttliche Liecht 
order darinnenin ihrer Quaal ſcheinet / alsdann wird die Zeit 
mitihren Wundern in der Ewigkeit offenbagr. 

26. Alſo ift auch der Procels der Weifen mit dem edlen Steiner 
dieſem iſt nicht näher nachzu ſinnen / als gleishwie Das ewige 

- Wort 








p m. ®, a 
Cop...» Rerım? 3% 7, 
ort als der himmliſche Göttliche Mercurius in der Göttliche 
Krafft ift Menſch worden / und den Tod ertödtet/ und den Zorn 
im Menſchen / alsden Mereurium indie Göttliche Freudenreich 
geſetzet hat / da ihme der menfihlicheMercurius der zuvoren inGot⸗ 

tes Zorn / als in Todes Quaal verſchloſſen lag / wieder mit ſeiner 
new⸗entzuͤndeten Begierde / welche nun Glauben im H. Geiſt 
heiffet / Göttliche Wefenheit / als Ehrifti Leib in fich gesicht / und 
fih in Goͤttlicher Kraft und Sicchte über GOttes Zorn und der 
Schlangen Gifft ſetzet / und dem Zornalsder Todes⸗Gifft mie 
dem Leben der Goͤttlichen Freudenreich den Kopffgertrittz das 
iſt der Zorn war Herz / und im Liecht warder Knecht der nun 
mus eine Urfache der Freudenreich feyn / wie uns foldesgant 
helle und klar gans offenbahr im mercurialifchen Leben zu er⸗ 
Finnen ift und gegeiget wird. 

27. So mercket nun den Proceßs und finnet ihn mach / thr lie⸗ 
ben Kinder der Weifen / fo werdet ihr zeitlich und ewiggenug 
haͤben / thut nicht als Babel/ welche fig mit dem Steineder 

Weiſen kitzelt und tröftet / und fich deß rühmet/ behaͤlt aber einen 
groben Mauerſtein / im Giffte und Tode verſchloſſen / fuͤr den 
edlen Stein der Weiſen. Was iſts / daß Babel den Stein hat / 
und er lieget in Babel noch gantz verſchloſſen? Iſt eben als ob mir 
ein Herr ein Sand ſchenckete / das wäre ja meine / ich aber koͤnte cs 
nicht einnehmen / und wäre ein arın Mann dabey / und rühmete 
mid) Doch der Herrſchafft / hatte alfo den Namen und nichedie 
Maͤcht / alfo gehers Babel mit dem edlen Steine der neuere 
Wiedergebuhrt in Chriſto Jeſu. 

28, In dem holdſehligen Namen JESUS CEHNISTUS 
haben wir denganken Proceß inne liegen/was und wie die Wie⸗ 
dergeburth aus dent Tode ins Sehen fey / weldyes in der Natur⸗ 
Sprache Elar verftanden wird dannder Name JESUS if 
die Eigenfchafft der freyen Luſt der Ewigkeit / welche ih ins Cen- 
trum der Gebährerin/ als ins Batters Eigentchaffteinergibet 7 
und im Centro in des Vatters Eigenfepafft / alsins Vatters 
Feuer zueinem Worteder ewigen Krafft figuriret. Verſtehet? 

29. Der Vatter / alsdes Vatters Feuers-Geftaltnäge figu⸗ 
tiren die Göftlihe Stimme in der Luſt der Freyheit in ich ef- 
Sentialiter , das ift/ des Vatters Feuers-Eigenfchafft macht ſich 
im Göstlichen Weſen der ewigen Siebe zu einem Mercurioder 
Sreudenreich/ dann des Batters Eigenfchafft ift der Feuers⸗ 
auaal/ und des Sohns / alsder ewigen Luſt Eigenſchafft / iſt dic 
Liebe⸗ quaal / und waͤre doch auch Feine Begierde der Liebe / — 

Es 


sg DE Sıenarura Cap. >; 


fie nicht des Vatters Feuer anzuͤndete / und beweglich machte / 
als begierlich: vom Feuer entſtehet die Begierde, 

30. Dieſe heilige Begierde gebaͤhret der Vatter aller Weſen 
durch feinen Feuers⸗quaal / das iſt nun ſein Hertz der Liebe / wel⸗ 
ches in feinem Feuer den Schein und Glantiz gibet / allda erſtirbet 
von Ewigkeit in Ewigkeit der Grimm in des Feuers Eigen⸗ 
ſchafft / und wird in eine Liebe⸗begierde transmutiret. 

31. Mercke alſo / es heifſet der freyen Luſt Eigenſchafft allhie 
in des Feuers Eigenſchafft / Chriſtus / das heiſſet in der Natut⸗ 
ſprache ein Durchbrecher; Dem Grimme feinen Gewalt neh⸗ 
men ; ein Schein des Liechtes in der Finfternüf > eine Transmu- 
ration, Da die Liebe⸗Luſt über die Feuer⸗luſt / als übern Grimm 
herrſchet: das Liecht Über die Finfternüß, 

32. Allhie zertritt des Weibes Saame/ (verftchetdie freye 
Luſt / in welcher keine Quaal iſt) dem Grimme der ewigen Nas 
tur / als derewigen Begierde den Kopff/ dann des Fetters Eigens 
ſchafft wirdrechtder Kopff genannt / dann es ift die Urſache des 
ewigen Lebens / und die Freyheit / als die freye Luft / oder das 
Nichts wird recht das Weib genannt / dann im Nichts / als in 
der Freyheit aller Miaal / ſtehet die Geburth der H. Drey⸗einig⸗ 

keit der Gottheit. 

33. So gibt num das Feuerr Leben / und die freye Luſt gibt ABes 
ſen ins Leben / und im Weſen iſt die Geburth / da der Vatter als 
der ewige Grund fein Weſen / als fein Hertz aus dem Ungrunde in 
ſich ertichret/ das iſt / aus denn Ungrunde in fich in einen Grund: 
Der Sohn wird des Vatters Grund: Alſo bleibet der Vatter in 
fich / was feine Eigenſchafft alleine anlanget der Grund der 
ewigen Natur: und der Sohn bleibet im Vatter der Grund der 
Krafft und Freudenreich / wie ihr an Feuer und Liechte ein Gleich⸗ 
nuͤß ſehet / und alſo tingiret der Sohn den Vatter mit der Frey⸗ 
heit] als mit dem Nichts) und der Vatter tingiret das Nichts / 
das es ein ewig Leben in ihme iſt / und nicht mehr ein Nichts 4 
fondern ein Hall oder Stimme der Offenbahrung der Ewigkeit. 

34. Alfo ihr lichen Wellen / merckis allhie was der Grund 
fey / wie ihr singiren wollet / firchet wicht den Sohn auffer 
dem Battery Damit ihr tingiren wolf / es muß ein Corpus ' 
ſeyn: Der Schlangen-tretter Tieget vorhin darinnen / danır 
nicht auffer der Menſchheit hat des Weibes Saamen der 
Schlangen den Kopff gertretten / fondern in der Menſchheit. 
Der Quaal der Goͤttlichen Luſt / (verſtehet die Siebe) offen» 
hahrse fich durch cine Erweckung in menſchlicher Elſentz / und 

mar» 





4 


Cap. 7. Rerum 54 


ward im menfchlichen Schen offenbahr/ und tingirete den Grimme 
des Todes mit dem Blute der Böttlichen Tin&ur, allda ward 
ausdem Grimme des Todes cine Quaalder Göftlichen Liebe und 
Freudenreich / alfo zertratt die Liebe dem Zorn / und der olitefi> 
ſchen Gifft tu Mercurio den Kopff / und nahın dem Grimme ders 
Gewalt /undfegteden Grimm indichöchfte Freudenreich / allda 
ward der Zorn und der herbe Falte Tod in einer feurigen Siebe 
ſchaw getragen / da hieß es: Tod wo iftdein Stachel? Höfe 
wo ift dein Sieg? Bott feylob der uns den Sieg gegeben hat. 

35. So ſtehet nun dem Weifen der da fuchen wil/ gu/ dag er 
den gangen Procels mit ver Menfchheit Ehriftivon feiner Er= 
Öffnung in dem $eibe feiner Mutter Maria/ biß zu feiner Auf⸗ 
erfichung und Himmelfahrt betrachte / fo wird er wohl das 
Dfingft-feft finden mit dem freudenreichen Geifte/ damitcr mag 
tingiren /curiren / und heilen was zerbrochenift / fagenwir mig 
Grund der Wahrheit / als wir hoch erkannt haben. Pe: 

36. Der Lilien Zeit zu einer Roſen welche wird blühere 
im Meyen wann der Winter vergehet / dern Gottloſen 
zu einer Blindheit / und dem Sehenden zu einem Liecht. 

37. GOtt ſey ewig Danck / der uns die Augen ver⸗ 
goͤnnet / daß wir dem Baſiliſcus durch ſein gifftig Hertz 
ſehen / und ſehen den Tag der Wiederbringung alles 
deſſen was Adam verlohr. 

38. So wollen wir nun zum kroceſs Chriſti greiffen / und mie 
ihme aus der Ewigkeit in die Zeit gehen / und aus der Zeit in die 
Ewigkeit / und der Zeit Wunder wieder in die Ewigkeit einfuͤh⸗ 
ren / und das Perlein oͤffentlich darſtellen / Chriſto zur Ehre? 
und dem Teufel zum Spotte: Wer da ſchlaͤffet der iſt blind / und 
wer da wachet / der ſiehet was der Meyen bringet. 

39. Chriſtus ſprach: Suchet / fo werdet ihr finden] klopffet any 
fo wird euch auffgethan. Ihr wiffet dag Chriftus im Gieichnuͤß 
von Berwundeten und Samariter andeutet / wie er ſey unter die 
Moͤrder gefallen / welche ihn geſchlagen und verwundet / auch 
ſeine Kleider außgezogen und davon gegangen / und ihn laſſen 
halb tod liegen / bißg der Samariter kam / welcher ihn verband und 
Oehle in feine Wunden goß / und ihn in feine Herberge einfuͤhrte. 
Das iſt eine offentliche Darſtellung des menſchlichen Verderbens 
im Paradis / ſo wohl der Berderbungder Erden im Fluche Got⸗ 
tes / da das Paradis von ihr wiche. 

40, Wiltu nun ein Mazus ſeyn / fo muſtu derſelbe Samariter 

C6 wer⸗ 


co DESıcnarura Cap. 7⸗ 


ewverden / ſonſt kanſtu das Verwundete und Zerbrochene nicht 
heilen: dann der Leib / den du heilen ſolſt / iſt halb todt und ſehr 
verwundet / darzu iſt ihm fein recht Kleid außgezogen / daß du den 
Mann den du ſolſt heilen / ſchwerlich kenneſt / du habeſt dann des 
Samariters Augen und Willen / daß du dadurch anders nichts 
ſucheſt als den Schaden des Verwundeten wieder zu bringen. 

41. So ftehe / das ewige Wort offenbahrete fich in Adam mit 
Goͤttlicher lebendiger Weſenheit / mit dem himmliſchen Mercu- 
xio: Als aber das Seelen⸗feuer in Adam durch des Teufels Infi- 
eiren den Willenzgeift in Adam vergifftete / und in irrdiſche toͤd⸗ 
fiche $uft durch der Schlangen Eigenfhaffteinführete/ ſo wich 
der himmliſche Mercurius vonder himmliſchen ABefenheit/ das 
iſt / der Seelen Wille gieng davon aus mit ſeiner Begierde / und 
fuͤhrete feinem Hunger ins irrdiſche tödliche Weſen / als in die 
Ehgenfchafft des Falten Mercurii , der da hatte Steine und Er⸗ 
den gemacht/ diefen wolte Adams Geiſt probiren/ und die Wiße⸗ 
ne im Boͤſen und Guten haben. 

42. Alſo fieng ihn zu Hand derſelbe Mercurius der vier Ele⸗ 
menten in feine Gifft/ und qualificirrein ihme / und beraubete ihre 
der Göttlihen Eigenſchafft / flach und verwundete ihn mit der 
Hitze und Kälte/ und machte ihn halb todt / und zoch ihm das 
Engels- Kleid aus) als das Kleid im reinen Element/ da die him⸗ 
liſche Quaal durch die vier Elementa durchdrang / und fie tingi⸗ 
rete in Adams Leibe / da durffte er kein ander Kleid / dann Hitze 
und Kaͤlte waren in ihme als gleichwie verſchlungen / gleichwie 
der Tag die Nacht in ihme verfehlungen halt / uͤnd dadurch die 
Nacht im Zage wohnet / ift aber nicht offen: alfo giengs mit dem 
Menſchen / als ihn der Nacht Eigenschaft und Quaal ergriff / 
fo herzfchete fie inihme. Und alſo giengs auch der Erden / als jie 
GOtt verfluchte. 

43. Wilſtu nun ein Magus ſeyn / ſo muſtu den Verſtand ha⸗ 
ben / wie du kanſt die Nacht wieder in Tag transmutiren / dann 
Die Nacht als der Finſternuͤß Quaal/ift Todes Angſt⸗quaal / und 
Des Zuges / als des Lechtes Quaal / iſt das Leben / und ein Schein 
im Leben; Dieſen Schein hat Chriſtus in der Menſchheit wieder 
angezuͤndet und ven Menſchen in ſich wieder lebendig gemacht: 
Wilſtu nun tingiren / fo muſtu das Verſchloſſene / des im Tode 
der Nacht verſchloſſen lieget / wieder in den Tagtransmutiren / 
dann der Tag iſt die Tinctur, und lieget doch Tag und Nacht in⸗ 
sinander als Ein Weſen. 

44. Nun ſpricht die Vernumſſt / wie fahe ichs an das ichs 

thun 





Cap. 7 BERN So 
thun mag?&o fiche den Proceßs an / wie es GOtt mit der Menſch⸗ 
eit anfieng / als er dieſelbe wolte tingiren. 
45. Chriſtus kam in dieſe Welt in der verſchloſſenen menſch⸗ 
lichen Geſtalt / und fuͤhrete in den Schluß des Todes / des Lebens 
Tinctur, als die Gottheit: Er kam indie Welt als ein Gaſt / in 
unſerer armen Geſtalt / Er ward der Unſere / auff daß er uns in 
ihme tingirete. Was thaͤte er aber ? Lebete er in Freuden ? Hielt 
er ſich als ein Herr ? Nein / er gieng in Tod und ſtarb / und legete 
die Nacht⸗quaal in ihme durch uns ab. Wie machte ersaber? Er 
nahm unſere Seelen und Leibes⸗Eſſentz an die Göttliche Effeng / 
und reiste unſere Eſſentz mit der Goͤttlichen / dag unfere Eſſentz 
wieder in die Göttliche Eſſentz mit ihrem Willen und Begierde 
eingieng: So ward das himmliſche kiat wieder in der Menſch⸗ 
heit raͤge / dann die Menſchheit eineignete ſich wieder in die Frey⸗ 
heit / als in die freye Luſt der Gottheit. 
46. Als dieſes geſchach / ſo ward der Menſch Chriſtus verſucht / 
wohl viertzig Tage / alfolange als der Erſte Adam im Paradis 
einig und alleine war und verſucht ward / da ward ihme die irr⸗ 
diſche aͤuſſere Speiſe entzogen / ſo muſte die Menſchheit mit ih⸗ 
rer Begierde von GOttes Weſen eſſen: Allda ward ihm alles dag 
jenige dargeboffen / darinnen fich Adam vergaffet/ und darein 
imaginiret hatte / and darinnen als im Zode der Nacht gefangen 
worden ift/ das hielt ihme jetzt der Teufel / als ein Fuͤrſt dieſer 

Welt / in des Todes Eigenſchafft fuͤr / wie ers Adam hatte durch 
die Schlange fuͤrgehalten / daran ſich Adam und ſein Weib ver⸗ 
gafften / und darein mit der Imagination eingiengen. 

47. Nun ſiehe / was thaͤte Chriftus/alser ſollte dieſen Kampff 
der Probirung ausſtehen / als die menſchliche Effeng ſollte mit 
ihrer Begierde wieder in die Gottheit eingehen / und von Gottes 
Brod / das iſt / von Goͤttlicher Weſenheit eſſen: Er gieng an 
Jordan / und lieg ſich von Johanne tauffen. Womit! Mit Waſ⸗ 
fer im Jordan / und mit Waſſer im Wort des Lebens / als mit 
Goͤttlicher Eſſentz / die muſte unſere ſterbliche Tſſentz in der aͤuſ⸗ 
fern Menſchheit Chriſti tisgiren / davon der Goͤttliche Hunger 
in der menſchlichen Efleng entſtund / daß er begehrte GOttes 
Brod zu eſſen: Darumb nahm ihn der Geiſt GOttes / und fuͤh⸗ 
rete ihn in die Wuͤſten / allda ſtund ihm des Vatters Eigenſchafft 
im Grimme durch den Fuͤrſten im Grimme entgegen; Allda 
ward ihme GOttes Brod / und auch GOltes Zorn-brod/ nach 
des Todes Vegierde / dargebotten / jest ward verſucht / ob nun 

nach dieſer Tingirungder Tauffe / die Seele / welche aus des Bag, 
C7 terg 





62 Der Sıconarura Co” 


ters&igenfchaffterbohren und gefehaffen war / wolte wieder in die 
Liebe-Begierde / als in das Nichts außer aller Quaal eingehen. 

48. Was wird aber dem Mago hierinnen angedeutet ? Mylte- 
zium wird ihm angedeutet: wil er mit Chriſto Wunder fyun/ 
und den verderbten geib tingiren zur neuen Geburth/ ſo muß 
er ihn von che tauffen / ſo huͤngert ihn nach GOttes Brod/ und 
derſelbe Hunger hat in fich Das Verbum Fiat „als den Werckmei—⸗ 
fer zur neuen Gebährung / das iſt der Mercurius: ich rede aber 
nicht von einer Priefter- Tauffe. Der Künftler folls magifch ver» 
ſtehen es mug GOtt und Menfch zuvoren wieder zuſammen 
kommen / che du tauffeft 7 wie in Chriſto geſchach / die Gottheit 
gieng vonche wieder in die Menfchheit/ aber die Menfchheit Forte 
fe fie alfobald nicht ergreiffen / big fie durch Die Tauffe gereißet / 
und der Hunger / als der erſtorbene Mercurius in der menfchlis 
chen Eſſentz / am himmliſchen Theil wieder erraget ward: Da 
gieng das menfchliche Effen wieder an / als der Mercurius wieder 
Goͤtkliche Eigenſchafft und Willen empfieng/ ſo aß der innere 
Mercurius (verſtehet menſchliche Eigenſchafft) im Geſchmack des 
Goͤttlichen Wortes / wieder von GOttes Weſen / und die vier 
elementiſche Eigenſchafften / aſſen von der Nacht Eigenſchafft / 
alfo lange big der menſchliche Mercurius fein Leben empor 
ſchwang / und die vier Elementa in eins transmutirete, und das 
Leben den Tod tingirete, welches am Creutze geſchach. So gien⸗ 
gen die vier Eigenſchafften von ihme / das iſt / Er ſtarb der Zeit / 
als der Nacht ab / als den vier Elementen / und ſtund auff dem 
reinen Element / und lebte der Ewigkeit. 

49. Dieſen Proceſs ug der Magus auch halten mit ſeinet Al- 
ehimi ‚ fragſtu wie ? Ich gebe dirs wohl nichtgar ins Maul / we⸗ 
gen des Goftlofen/ der es nicht wehrt iſt. Mercke nur auff die 
Zauffe/ daß du den erſtorbenen Mercurium, der in der himmli⸗ 
ſchen Weſenheit verſchloſſen / und in Onmacht lieget mit ſeiner 
eigenen Tauffe taͤuffeſt / deſſen Weſen er in einem Dinge iſt / du 
muſt aber fein Goͤttlich Waſſer haben / und auch das Irrdiſche⸗ 
dann der irrdiſche Mercurius kan ehe das Goͤttliche nicht anneh⸗ 
men / der Goͤttliche Mercurius empfahe dann ſeine Krafft / davon 
er raͤge und hungerig wird / alsdan ſuchet der hinnnliſche / und 
findet aber nicht Goͤttlich Weſen umb ſich zu feiner Speiſe / fo 
ſetzet er ſeinen Willen durch die Begierde des Todes in ſich / als 
ins Verbum Fiat, das ihn gemacht / und aus ſich erbohren hat / 
und hungert ihn daſſelbe / ſo eineignet ih GOttes Weſen in ihn / 
und wil in ihme zur Freudenreich werden. | 

50 Alla 








Cap.7. Rerum 63 


so. Allda entflehetder Anfang des neuen Seibes ausder Goͤtt⸗ 
lichen Wefenheit/ weichen die Begierde auffgeucht / und wann 


das neue Leben erbohren wird als der Tag / fo fterbendievier E⸗ 


lementen: Alsdann lieget der neue Leib im finftern Tode vers 
fhloffen / und am dritten Tage fichet ervom Tode auff, Danız 
die Nacht wird im Grabe verfchlungen / alsdanngehet die Mora 
gen⸗Roͤthe auff: Verſtuͤndeſtu dieſes / fo yätteftu das Perlein. 

5x. Aber mein Vornehmen iſt anderſt: Ich wil dir Chriſtum 
darunter weiſen / und auch diß Perlein / darumb ſols keiner fin⸗ 
den / ohne der Chriſtum lieb hat. 

52. Du ſageſt: Nenne mir die Tauffe / und ich hab dir ſie ſchon 
genannt. Ein jeder Hunger iſt cine Begierde nach feiner Eigen⸗ 
ſchafft: Gibſtu aber dem Hunger des Todes wieder des Todes 
Eigenſchafft ſo waͤchſt der Tod: gibſtu ihm aber Himmlifche Ei> 
genſchafft / ſo nimts der Tod nicht an / dann die Hoͤlle iſt wider 
den Himmel / ſo muſtu dem Tode den Tod und Zorn GOttes ge⸗ 


. ben und in demſelben Zorne / gib ihme himmliſch Weſen / als die 


Tauffe / ſo wird die Tauffe den Tod im ſich verſchlingen / alsdann 
ſtirbet der Zorn im Tode durch die Tauffe / aber nicht balde / du 
muſt von ehe den Proc ſs Chriſti halten / und muſt den Getauff⸗ 
ten laſſen predigen / das iſt / mit ſeiner eigenen Goͤttlichen Ge⸗ 
ſtaltnuͤß und Farben laſſen blicken / ihn hefftig verfolgen und pla⸗ 
gen / und keine Ruhe laſſen / dann alſo wird der rechte Mercurius 
wuͤrckende. 

53. Wann nun er hat laſſen alle ſeine Wunder durch den 
alten Adam ſehen / alsdann fo muſtu den Alten und Neuen Men⸗ 
ſchen in GOttes groſſen Zorn werffen / und den Alten toͤdten / ihn 
ventiliren / und an die Lufft ans Creutze hangen / und wieder ab⸗ 
nehmen / und in die kutrefaction liegen / als ins Grab. Allda 
wird Chriſtus vom Tode auffſtehen und ſich ſehen laſſen / aber nur 
die feinen kennen ihn / er gehet alſo in himmliſcher Geſtalt / bißg⸗ 
weilen auch in ſeiner eigenen umb / biß ans Pfingſtſeſt / dann 
allhie wird nun an ihme verſucht die hoͤchſte Vollkommenheit / ob 
er nun wil in Engels Geſtalt beſtehen / und allein eſſen von Goͤtt⸗ 
lichem Weſen / und aͤlsdann komt der heilige Geift / und gehet 
mit ſeiner Krafft aus dem gantzen Corpore, aus Leib und Seele 
aus / der tingiret alsdann das erſtorbene und zerbrochene / wie am 
Pftngſttage zu ſehen / da S. Petrus mit ſeinem himmliſchen 
Mercurio 3000 Seelen auff einmahl cingirete / und aus dem Tode 
aufloͤſete. * 

54, Lieben Sucher / alhierinnen lieget dns Perlein / ui 


n 


64 DESIGXATURA Cap. 
Das Univerfal, fo föntetihr auch tingiren wie &. Petrus: aber 
ewer geigiger Tod hält euch auff undverfchloffen. Dieweil ihe, 
nun Geis und zeitliche Ehr in Wolluſt ſuchet / euch damit inder 
Nacht Eigenſchafft zu gebaͤhren / ſo verbirget ftch auch das Perlein 
für euch. Jedoch wird der Tag wieder ſcheinen / wann der 
grimme Zorn GHDttes wird im Blute der Heiligen er: 
füllet / gefänfftiget und ein tiebesgeben werden: Und die 
Zeit iſt nahe. 


PROCESSUS. 


55 E In jedes Geſchlechte haͤlt ſich in ſeiner Gebaͤhrung und 
Fortpflantzung zu dem ſeinen / das Maͤnnlein zum 
Weiblein / und das Weiblein zum Maͤnnlein. Nun ſprach aber 
GoOtt zu Adam und Heva nach dem Falle / des Weibes Saamen 
ſoll der Schlangen den Kopff zertretten / er ſagte nicht des Man» 
nes: hierinnen lieget die Tauffe der Natur / das Maͤnnlein hat 
den Feuer⸗Geiſt / und das Weiblein den Waffer-Geift zur Tin- 
ctur, ſo iſt aber Mercurius ein Feuer⸗leben / und macht ihme ei⸗ 
nen Leib nach ſeinem Hunger und Begierde / ſo iſts nur umb das 
zu thun mit dem Anfange / dag man dem Feuer-hunger / eine liebe 
Jungfraw aus ſeinem Geſchlechte zum Genoſſen gebe / auff daß 
ſein grimmig Hunger in eine Liebe verwandelt werde / alsdann 
moͤgen ſie beyeinander in ihrem eigenen Ehebette ſchlaffen. 

56. Nun iſt der Teufel ein Feind der Ehe / der komt alsdañ mit 
freuden-Begierde / und ficht dieſe Ehleute an / er darff ihnen aber 
mit der Handt nichts thun / ſondern mit einer falſchen Sreuden= 
begierde plaget er fie / ſo ſie aber ihre Begierde in ſeinen PWillen 
ſetzen / und daß ſeine Begierde ſie uͤberwindet / ſo werden die 
zwey einander gram / und gebaͤhren ein falſch Kind / dann Chris 
ſtus ſprach: Ein boͤſer Baum bringt boͤſe Fruͤchte / und ein guter / 
gute Fruͤchte. 

57. Darumb fſoll ſich der Kuͤnſtler vor fremden Zorn huͤten / 
und Doch den zweyen Eheleuten Creutze zurichten / dann er iſt ihr 
Feind und Freund / auff daß die zwey in ihrem Ehebette in ihrer 
Libe / ihre Begierde zu GOtterheben / und alſo mit ihrer Begier⸗ 
de GOttes Weſens in der Begierde ſchwanger werden / alsdann 
werden ſte in ihrer Vermiſchung ein ſolches Kind machen / das 
werden ſie (verſlehet die Mutter / als das Weiblein) in ihrem 
Bauche auffziehen / biß es zeitig wird. 

58. Ir deſſen ſoll ſich die Mutter huͤten / dag ſie auſſer — 

> 





1; 





Ep F’ RERUM 65 
Ehegatten feine Liebe zu einem andern trage / auch nicht in fremde 
Dinge imaginire / ſonſt macht fe dem Kinde ein Anmahl. E$ 
muß nur fchlechts in einer Liebe geblichen ſeyn / big Daß das Kind 
vollkommen werde nach feinem Leibe / weiches gefihicht am vierd⸗ 
ten Monden: Jedoch nach deme die Eltern einer Eigenſchafft 
ſeynd / alsdann hebt ſich im Kind in der Eſſentz Streit und Wi⸗ 
derwillen an / wann das Kind ſoll ſein Seelen Leben bekommen: 
So gehet aber die Eſſentz im Ringen / ſo muß der Kuͤnſtler der 
feclifchen / als des Feuers Eigenſchafft zu huͤlffe kommen / biß der 
Seelen⸗geiſt fein Leben bekomt / alsdann laͤſt er ſich in des Wei⸗ 
bes Geſtalt und Glantz ſehen / ſo meynet der Kuͤnſtler er habe das 
Kind / es ſey gebohren: aber es gehoͤret noch eine Zeit darzu / biß 
Die Seele ſtarck wird / alsdann laͤſſet ſie ſich im rothen und weißen 
Roͤcklein ſehen. 

59. Aber esift noch ein wunderlicher proceſs dahinter / wann 
das Seelen⸗Leben erbohren wird / ſo wirfft die neue Seele / das 
vegetabiliſche Leben der Eltern / (welches dem Leibe und der El⸗ 
tern Vegita iſt angeerbet / darinnen der Leib des Kindes gerann 
und wuchs biß zur Seelen Zeit) hinweg / und ſtirbet das Leben 
der vier Elementen / und gehet das Leben im Element auff / ſo iſt 
das Kind im finſtern Tode verborgen / ſo meynet der Kuͤnſtler es 
ſey todt / aber er ſoll Gedult haben biß das Kind gebohren wird. 


Eigentlicher Proceſs in der Figurirung des 
magiſchen Kindes. 


60. G Hrifti Sauffauff Erden iſt ein warhafftig Fürbild/ wie 
er das neue Kind in Mutter-leibe nach der Empfaͤngnuͤß 
( wie oben gemeldet ) genehret werde / und ein vegerabilifch Leben 
bekomme und auffwachfe / biß zur Zeit des rechten Seelen und 
Geift-lebeng / und wie das Kind aus der Eltern ETent entſtehet / 
und in Anzündung des rechten / als feines eigenen Lebens / der 
Eltern Vegira und Würden wegwerffe / und wie eineigen Ge⸗ 
wächfe / als eine neue eigene Wuͤrckung / nach des jetzt neuen ent⸗ 
zuͤndeten Geiſtes Eigenſchafft entſtehe / da das Kind edler wird 
als ſeine Eltern / verſtehet nach ihrem aͤuſſeren Leben. 
6r. Es moͤchte aber ein grober Sophift über vi Büchlein kom⸗ 
nen / und fremden Verftand fchöpffen / in deme ich ſchreibe von 
einer Seelen in dem vegerabilifchen Leben / der ſoll wiſſen / daß 
wir nicht in Metallen / Steinen und Kräutern / das Bilde Got⸗ 
tes verfichen / das in eine Gleichheit nach GOtt — J— 
en⸗ 


66 DESIGNATURA Cap.7. 


ſondern wir verſtehen die magiſche Seele / wie ſich die Ewigkeit / 
als die Gottheit in ſeiner Gleichheit / nach dem Model der Weiß⸗ 
heit / in alle Dinge einbildet / und wie GOtt alles erfuͤllet / fo 
perfichen wir Summum Bonum, den guten Schatz der in der 
aͤuſſern Welt Weſen / als im Paradiß verſchloſſen lieget. 

62. Als Chriſtus in feiner Kindheit / in menſchlicher und in 
Goͤttlicher Eigenfchafft suffwuchs / biß er zwölf Jahr alt war 
gienger mit Maria feiner Mutter auffs Feſt zu Serufalem/umd 
begab fich in den Zempel unter die Schrifftgelehrten / fragte fie / 
und hoͤrete ihnen zu und gab Antwort auff die Fragen der Ges 
Ichrten: Alsaber fine Eltern wieder heimgiengen / und meyn⸗ 
ten er waͤre unterden Gefchrten / fo blieb er fuͤrſaͤtzlich dahinden 
bey ven Gelchrten / und folgte nicht dem Fürfage feiner Eltern / 
fondern dem Göttlihen Willen / biß fie wieder zu ruͤcke kamen 
und ihn ſuchten / und als feine Mutter zu ihm ſagte: Mein Sohn / 
warumb haſtu uns das gethan? Siehe / dein Vatter und ich ha⸗ 
ben dich mit Schmertzen geſuchet / ſo ſprach er: Was iſts daß ihr 
mich geſucht habt / wiſſet ihr nicht daß ich ſeyn muß / in dehm das 
meines Battersift ? Und er gieng doch mit heim / und war ihnen 
unterthan. 

63. In dieſer Figur haben wir das Bilde der innern und aͤuſ⸗ 
fern Welt Willen / wie die ineinander / und wider ein ander / 
und doch eins ſind / gleich wie in Chriſto zwey Reich offenbahr 
waren / eines wuͤrckete in GOttes Willen / und brach den aͤuſ⸗ 
fern Welt: Willen feiner Eltern / in deme Chriſtus wider ſeiner 
Eltern Willen dahinden bliebe / darüber ſie bekuͤmmert worden/ 
welches der Göttliche Wille in Ehrifto wohl wnfte ; und das ans 
der Reich / als feiner Eltern Willen) brach den Göttlichen Wil⸗ 
len / daß er mit ihnen heim gieng/und war ihnen nach ihrem Wil⸗ 
ken untertham. 

64. Diefe Figur geigetdem Mago an) daß er in ſeinem Bors 
haben / welches er gedencket zu zwingen / wird zween Willen fin⸗ 
den: Einen der ihme nicht wird unterthänig ſeyn / als der Goͤtt— 
liche Wille / und fo ich fein felbft=eigener Äufferliher Wille wird 
sccht drein ſchicken / und wird nur das liebe Jefulein mit Marin 
mit Vegierde und Schmergen ſuchen / und nicht irrdiſche Wols 
luſt / fo wird ihme der Böttlihe Wille umterthänig werden / 
and mit ihme heim gehen / und ſich laffen brauchen nach feinem 
Gefallen. 

65. Zum andern zeigets ihme an die zweyerley Würdung 
und Willen in allen Dingen / und fo er wil ein Magus ſeyn / er 

£ 14 





2 in 


Cap. 7: REerun. 67 
der guten Eigenfhafft Willen und Wefen nach feinem Willen] 
aus dem inner ins auffere Echren/ daß er zuvoren muß des inte 
nern / als des Böttlihen Willens fühig ſeyn / fonft mager den 
innern Willen nicht ins Auffere transmuriren / gleich wie Chris 
ſtus nicht feiner Mutter äufferlichen Willen gchorfam war/ biß 
fie ihn mit Schmertzen ſuchte / und ihren Willen in GOttes 
Willen einmwandt/und in feinem Erbarmen mit GOttes Willen 
rang; wie Jacob die gange Nacht / big ihn der Herz ſeegnete / 
fo ſprach GOtt zu ihme: Du haſt mit GOtt und Menſchen ges 
rungen / und haſt obgelegen oder geſieget. 

66. Alſo ſoll der Magus auch wiſſen / daß er feinem Fuͤrhaben 
nicht erſt doͤrffe den rechten Willen zur Bollkommenheit von auſ⸗ 
fen einpflantzen / er iſt vorhin ſchon in allen Dingensallein er muß 
nur einen Goͤttlichen begierlichen Willen nach des Dinges Ei⸗ 
genſchafft / in das Ding damit er wil handeln / einfuͤhren / der 
mit dem Goͤttlichen Willen ringet / wie Jacob / und den einge⸗ 
fuͤhrten Willen gegen Gottes Willen ſeegnet / daß ſich der Goͤtt⸗ 
liche Wille in den Hunger oder gegen-Begierde einergebe / und 
den unvollkommenen Willen / der gegen ihme in ſein Erbarmen 
eindringt / vollkommen machet / alsdann heiſt es / du haſt mit 
GoOtt gerungen / und biſt obgelegen: fo bekomt dein Fuͤrnehmen 
einen transmutirten Leib der Da himmliſch und irrdiſch iſt. 

67. Das mercke / es iſt der erſte Anfang zur Tauffe / alſo biſtu 
geſchickt zum tauffen / und anderſt nicht / du tauffeſt ſonſt nur mit 
Waſſer der aͤuſſern Welt / aber der rechte Magus tauffet mit 
aͤuſſern und innern Waſſer. Wann er eine rechte Goͤttliche Be⸗ 
gierde in ſich hat / foift GOttes Willen in feiner Tauffe das erſte 
glimmende Moder im Mercurio, daß das Leben den Tod anzuͤn⸗ 
det / als den in Tod geſchloſſenen Mercurium, daß er Goͤttliche 
Begierde krieget / alsdann hebet der Mercurius an nach Goͤttli⸗ 
chem Weſen zu hungern / und thut ſein erſt Wunderwerck / und 
macht das Waſſer zu Wein / wie Chriſtus nach ſeiner Tauffe 
taͤthe / das iſt in dem todten Corpore die erſte Tingirung in Krafft 
der Tauffe / daß die Vegita oder das wuͤrckliche Leben eine andere 
Eigenſchafft bekomet / als einen Hunger der Liebe / damit ſie ih⸗ 
ren Braͤutigam / als den Feuer-quagal hertzet / daß er in ihrer 
Siebe entzündet wird / und feinen kalten todes-⸗Grim̃ und Willen 
in einen feurigen Liebe⸗willen verwandelt / ſo wird aus dem toͤdli⸗ 
chen Waſſer ein Wein / eine Schaͤrffe eines Feuers und Waſſers 
Geſchmacks / aus welchem endlich ein Oehle zu einer andern Tauf⸗ 
fe wird/durch des Kuͤnſtlers Arth / alles nach deme er im V — 

Di 


53 DESIGNATURaA Cap. 7. 
iſt / und feinen Anfang nimt; nach deme der Magus die Jungfrau 
dem jungen Befellen zugelegt hat / ſo wird Chriſtus als der Braͤu⸗ 
tigam mit ſeiner Braut in die Wuͤſten gefuͤhret / und vom Teufel 
verſuchet. 

68. Allhie iſt die Proba, da der Kuͤnſtler von GOtt probiret 
wird / was er mit ſeiner Tauffe fische / dann allhie iſt der Stand 
im Paradis / ob der Braͤutigam nicht zu boͤſe fey/dann die Jung⸗ 
frau wirfft ihre Liebe in ihn / und verſuchet ihn. Nimt er die mit 
Begierde ans und gibt feinen Willen drein / ſo gibt ſie ihm ihre 
Hertz und Willen zur eigen: Das ift / die himmliſche Tinctur, dit 
gibt ſich in die Fin Zorn GOttes entzůndete (als in Fluch der Er= 
den / da ſie SOtt verfluchte) als in den in Tod eingeſchloſſenen 
Mercurium, welches der Braͤutigam iſt. Dei des Weibes Gans 
me / als die himmliſche Tinctur muß der Schlangen / als dem in 
Todes Eigenſchafft gifftigen Mercurio, den Kopff zertretten / und 
ſeine Gifft in Wein verwandeln / alsdann nimt die Jungfraw 
den Saamen des Brautigams in ſich / und che nicht. 
609. Die Wuͤſten iſt der irrdiſche aͤuſſere Leib da der Mercurius 
verſuchet wird / wann der Teuffel vor dein Mercurio ſtehet und pla⸗ 
get ihn / und er greiffet ihme in ſeine feurige Eſſentz / ſo muß ihme 
die Jungfrau zu huͤlffe kommen / und ihme ihre Liebe geben; iſts 
nun / daß der Mercurins von der Jungfraͤuli⸗hen Liebe iſſet / das 
iſt GOttes Brod / ſo mag er vor dem Teuffel beſtehen / und tretten 
endlich die Engel zu ihme und dienen ihm: Den Teuffel wird der 
erleuchtete Magus wol verſtehen / wer der ſey. 

70. Hiemit mag der Magus in der Verſuchung / weil die gantze 
Ehe in des Teuffels Verſuchung ſtehet / acht auff ſein Fuͤrhaben 
geben / wo nicht nach viertzig Tagen die Engel erſcheinen / 
fo ift fein Fürhaben umbſonſt / darumb fol er aber zuſehen / 
daß er nichteinen zugrimmen Teuffel laffe verſuchen / und auch 
nicht einen zufchwachen/ das der Mercurius leichtfertig werde / 
un begehre in feiner eigenen giftigen Todes-Eigenfchafft zu bleie 
ben / und verſchlinge die Tauff als ein Wolff / und bleibe der alte, 

71. So bald er die Geſtaͤltnuͤß der Engel ſihet / fo führe er 
Chriſtum auß der Wuͤſten / und laſſe den Bräutigam wieder ſei⸗ 
ne eigene Speiſe eſſen / und ſchaffe den Teuffel ab / daß er ihn 
nicht mehr plage / alßdann wird Chriſtus viel Wunder und Zeis 
chen thun / deſſen ſich der Kuͤnſtler wird verwundern und erfreuen. 

72. Allda hat er nichts zu thun / die Braut iſt im Braͤutigam / 
ſie ſeynd ſchon ehlich / er darff ihnen nur das Bette zu richten / fie 
werdens ihnen wohl ſelber waͤrmen: der Braͤutigam N. er 

rau 





TE 


a2 


⸗ 





8 


Cap. 7. Rerum 65 
Braut / unddie Brautden Bräutigam / das ift ihre Speiſe und 
Zeitvertreiben/ big fie ein Kind zeugen: oder aber wilder Kuͤnſt⸗ 
ler ja fo fleiſſig ſeyn und den zwey Ehleuten das Bette waͤrmen / 
fo fehe er ja und erzuͤrne fie nicht in ihrer Siebe / was er anfühet 


das muß er treiben s alleineder Braͤutigam ift wunderlich / Er 


hat immer zweyerley Willen / als einen irrdiſchen Hunger nach 
GOttes Zorn / undeinen Hunger nach friner Braut / fo mug 
man ihme immerdar feiner eigenen irrdiſchen Speife geben / aber 
nicht in feinen Bauch / ſondern maziſch / dag er nur feinen Wil—⸗ 
len-hunger ſtille: Seine Speife iſt feine Mutter die ihn erbiehret / 
wie forne gemeldet. 

73. Summa / das gantze Werck / davon man fo wunderlich viel 
redet / ſtehet in zweyen Dingen / in einem himliſchen und in einem 
irrdiſchen: Das him̃liſche ſoll das irrdiſche in ſich zu einem him̃li⸗ 
ſchen machen / die Ewigkeit ſoll die Zeit in ſich zur Ewigkeit ma— 
chen; der Kuͤnſtler ſuchet das Paradiß / findet ers / ſo hat er den 


groſſen Schatz auff Erden / aber ein Toder wecket den andern 


Todten nicht auff / der Kuͤnſtler muß lebendig ſeyn / wil er zum 
Berge ſagen / Hebe dich / und ſtuͤrtze dich ins Meer. 

74. Wann ſich die Leibwerdung des Kindes anfaͤhet / fo faſ⸗ 
ſeſts erſtlich Saturnus, fo iſts finſter und unwerth / und wird ver⸗ 
ſpottet / daß ein ſolche Geheimnuͤß in ſolcher albern Geſtalt ver⸗ 
borgen lige: da gehet Chriſtus in einer einfaͤltigen Geſtalt auff 
Erden / als ein Gaſt / und hat nicht in dem Saturno fo viel Raum 
und Eigenes / da er ſein Haubt hinlegte / er gehet als ein Fremder / 
als waͤre er allda nicht daheim. 

75. Nach deme faſſets der Mond / da werden die himmliſche 
und irrdiſche Eigenſchafft vermenget / und entſtehet das vegetabi⸗ 
liſche Leben: ſo frewet ſich der Kuͤnſtler / aber es ſtehet allhie noch 
in Gefahr. 

76. Nach dem Monden faffets Iupiter, der macht einen Ver⸗ 
fand im Mercurio als ein leiblich Wohnhaus / und gibt ihme ſei⸗ 
nen guten Willens und in dem lupiter wird fein vefchloffen Leben / 
als der Mercurias, lebendig / der faffets mit feinem Rade / und 
treibets big in die höchtte Angft; fo ergreiffets Mars , und gibt dem 
Mercurio die Seele) und im Schracke des Martis entzündet fich 
Das höchfte Leben / und ſcheidet ſich in zwey Weſen / als auf der 
Liebe in einen Leib / und auß dem Feuer in einen Geiſt: So ſincket 
der Liebe Leben im Feuerſchracke unter ſich / und laͤſſet ſich ſchoͤne 
ſehen / aber es iſt Venus ein Weib / ſo dencket der Kuͤnſtler er habe 
den Schatz: aber der hungrige Mercutius verſchlinget die Venus 

in 


70 De STIGCNATURA Cam. 


in ſich / ſo wird auß dem Kind cin ſchwartzer Rabe / fo angſtet 
Mars den Mercurium in ſich / biß er ſchwach wird / und ergibt ſich 
Dem Tode: So gehen die vier Elementa von ihme auß; alßdann 
nimt die Sonne das Kind in ihre Eigenfchafft/ und ſtellets dar 
in einem Jungfraͤulichen Leibe im reinen Element: dann in Mar- 
tis Eigenſchafft zuͤndet ſich das Liecht an / ſo iſt das rechte Leben 
gebohren / und ſtehet im reinen Element / kein Zorn noch Todt kan 
das zerbrechen. 

77. Wunderlich iſts vor den Augen der Vernunfft / daß Gott 
einen ſolchen Procefs mit der Wiederbringung dee Menſchen in 
Chriſto gehalten / daß er fich in folcher armſehligen und verachten 
Geſtaͤlt hat in Menſchlicher Eigenfhafft offenbapret/ und fich 
laſſen verfpotten / hoͤhnen / geißlen / creutzigen und tödten/ hat 
ſich laffen begraben / und iſt auß dein Grabe aufferftanden / und 
hat wohl viertzig Zage auff Erden gewandelt/ nach feiner Auffer= 
ſtehung / che er iftin fein unfichtbahr Reich eingegangen. 

73. Die Bernunfft iftalfe blind / dag fienichts von der ewi⸗ 
gen Gebuhrtverfichet: Sie weiß nichts vom Paradig/ wie Adam 
im Paradig gewefen / und wie er gefallen / und was der Fluch der 
Erden ſey. So ſte das verſtuͤnde / fo wäre ihr der ganze Proceſs 
offenbahr: wie die ewige Gebuhrt in ſich ſelber iſt / alſo iſt auch 
der Proceſs mit der Wiederbringung nach dem Falle / und alſo 
iſt auch der Proceſs der Weiſen mit ihrem Steine Philofophorum, 
es iſt kein Punct im Unterſcheid darzwiſchen / denn es iſt alles auß 
der ewigen Geburth geurſtaͤndet / und muß alles eine Wieder⸗ 
bringung auff einerley Weiſe haben. 

79. Darumb ſo der Magus wil das Paradiß im Fluche der Erden 
wieder fischen und finden / ſo muß er erſtlich in der Perſon Chris 
ſti einher gehen / GOTT mug in ihme / verſtehe im innern 
Menſchen / offenbahr ſeyn / dag er das Magiſche Sehen hat 
er muß mit ſeinem Fuͤrhaben umbgehen / wie die Welt mit 
Chriſto gethan hat / ſo kan er das Paradiß finden / da kein Todt 
innen ift.. 

80. Iſt er aber nicht felber inderfelbigen Gebuhrtder Wieder⸗ 
bringung / und gehet nicht ſelber in dem Weege / darauff Chriſtus 
auff Erden gieng / daß er alſo in Chriſti Geiſt und Willen einher 
gehet / ſo laſſe er das Suchen nur bleiben / er findet nichts als 
nur den Todt und Fluch GOttes / melde ich ihme treulich / dann 
das Perlein / davon ich ſchreibe / iſt Paradiſiſch / das wirfft Gott 
fuͤr keine Saͤwe / ſondern gibts ſeinen Kindern zum Liebe⸗ſpiel. 

8x. Und ob wohl an dieſem Orte möchte alfo viel en 

en 


& 


- 
y 


— >, 


we 


Cap.8} Rerum Sr 


den / daß die Vernunfft offene Augen bekäme/ fo iſts doch nicht zu 


4 


thun / dann der Gottlofe würde dadurch nur ärger / und hoffaͤr⸗ 


tiger: darumb weiler des Paradifes nicht werth ift / auch nicht 


darein kommen Fan) fo wird ihme auch kein himmliſch Kleinod 
gegeben / und darumb verbirgets GOtt / geftattet auch dehme 
nichts davon zu redenals magifch / dehme er esoffenbahret / dar⸗ 
umb kommt Feiner dDarzu/er werde dann felber ein Magus inChri⸗ 
ſto / das Paradiß ſey dann in ihme im innern Menſchen offen» 
bahr / ſo mag ers finden/ fo er aber darzu gebohren und von GOtt 
erkohren ift. 


Dass. Capittel. 


Vom Sulphurifchen Sude der Erden: Wie das Wach: 
fender Erden fey / und auch die Scheidung der Ger 


ſcchlechte: Eine offene Pforte der werfen Sucher. 


x. Er $efer betrachte nur das / was vornen vom Cen- 
troder Gebährung aller Weſen geſchrieben iſt / ſo 
kan er allhie leichtlich fort kommen. Alles das was 
corporlich iſt / es ſey ein Geiſt oder Leib / das ſtehet 
in einer Sulphurifigen Eigenſchafft / der Geiſt in 

ſolcher geiſtlichen / und der Leib auß dem Geiſt in einer ſolchen 

corporlichen Eigenſchafft. 

2. Dann alle Ding ſeynd von dem ewigen Geiſt geurſtoaͤndet / 
als ein Gleichnuͤß des ewigen: das unſichtbare Weſen / welches 
Gott und die Ewigkeit iſt / hat ſich in feiner eigenen Begierde in 
ein ſichtbares Weſen eingefuͤhret / und mit einer Zeit offenbah⸗ 
ret / alſo daß er ſey in der Zeit als ein Leben / und die Zeit in ihme 
als ſtumm. Gleich wie ein Meiſter wit feinem Werckzeuge fein 
Werck macht / und der Werzeug ift am Meifter ftumm / und 
ift doch das Machen / der Meifter führet das nur: 

3. Alfo feyndalleDing in Ziel Maaf und Gewichte nach 
der ewigen Gebährung eingefchloffen/ die lauffen inihrer Wuͤrc⸗ 
tung und Gebährung nach der Emigfeit Recht und Eigenfchafft/ 
amd Aber dieſes groffe Werd hat Gott nur einen Einigen Mei⸗ 
fer und Schniger geordnet] der das Werd Fan allein freiben / 
Dasift fein Ambtmann /alsdie Seelder groffen Welt / darinnen 
alle Dingligen/als die Vernunfft. Uber diefen Ambtmann hater 
ein Bilde feines gleichen auß ihme geordnet / der dem Ambtmann 
ſuͤrmodelt was er machen ſoll: Das iſt der .. * 

Ot⸗ 


77 De Sıcnartura Cap.®! 


Gottes eigen Regiment / damiter den Ambt⸗maun regieret. 

4. So zeiget nun der Verſtand dem Ambtmañ was jedes Dinges 
Eigenſchafft ſey / wie die Entſcheidung und die Gradus auß einan⸗ 
der gehen / dañ im Snlphurifchen Leibe ſtehen und ligen alle Dinger 
und Mercurius iſt des Sulphars Leben / und das Saltz iſt die Im- 
preſſion, daß das Corpus nicht zerftäubet) daß der Seift in ei⸗ 
nem greifflichen Weſen erkannt wird. Des Mercurii Eigenfchafft 
ift indem Sulphur , gleich als ein Sieden eines Waſſers / der Sui- 
phur ift daſſelbe Waſſer / parinnen der Mercurius ſeudet / und 
macht immerdar zwo Geſtaltnuͤß auß dem Waſſer / als eine Oli⸗ 
tetiſche lebendige /auß der Freyheit der Goͤttlichen Krafft Eigen⸗ 
aa und eine tödliche / auf der Zerbrechung im Feuer im 

Salnitriſchen Schracke. 

5. Die olitetiſche iſt in Steinen / Metallen / Kraͤutern / 
Baͤumen / Thieren und Menſchen; und die Toͤdliche iſt in der 
Erden / im Waſſer / im Feuer und Lufft: alfo iſt die Oliteti⸗ 
ſche Eigenſchafft in dieſen 4 Geſtalten / als in Erden / Waſſer / 
Feuer und Lufft / als ein Geiſt oder Leben: Und dieſe vier Eigen— 
ſchafften ſeynd als ein toder Leib / in welchem das Oehle ein Liecht 
vder Leben iſt / darauß die Begierde als das Wachſen entſtehet / 
als ein Gruͤnen auß diefer tödlichen Eigenſchafft / als das vegera- 
bilifche Leben / ein Grünen und Wachſen auf dem Tode, 

6. Nun moͤchte aber die olitetifche Eigenſchafft auch Fein Leben 
ſeyn / fo ſie nicht in der Angſt des Todes waͤre: die Angſt machet 

ſie quaͤllende oder beweglich / daß fie wil aus der Angſt fliehen und 
dringen / unddringetaug / Davon das Wachſen entftchet. 

» 7. Alſo muß der Todt eine Urfache des Lebens ſeyn / daß das 
Leben beweglich fey / fe ift der Mercurius das rechte bewegliche $e= 
ben. In der tödlichen Eigenfehafft ift er böfe/ und heiffet das Leben 
des Todes | der Höllen / und des Zorn Gottes; Und in der Dlite- 
tiſchen Eigenfchafftiftergut/ aus Gewaltder Sanfftmuth und 
Freyheit Gottes: Und iſt des Ambtmanns Werckmeiſter / damit 
der Ambtmann sn vegerabilifihen Leben die gradus unterſcheidet / 
* lebendige von dem toͤdlichen / die him̃ liſche Weſenheit / vonder 

oͤdlichen oder irrdiſchen / und ordnets in zwey Reiche / als das 
ER im olitetiſchen in cin himmliſches / als in ein Liecht / und das 
gödliche in die Finſternuͤß. 

8 Diefe zwey Neiche ftehen ineinander im frätem Streite / 
und iſt cin ſtaͤtiges Ringen in ihnen / als ein füdend Waſſer beym 
Feuer / ein jedes ſeudet in feiner Eigenſchafft / als das olitetis 
{che in Freuden und Sanfftmuth / und das toͤdliche in Ang der 

Fine 


ep. RR ERUM: 73 


Einfternüß / und iſt doch eines des andern Urſache / das Liecht iſt 
Ber Finſternuͤß als der Angſt ihr Todt / Sterben und Verderben: 
dann im Liechte hat die Angſt keine Gewalt / ſondern ſte wird in vie 
Erhebung der Freudenreich tranfmutiret / und wird der Freuden 
Urſachte / ſonſt waͤre keine Freude / dan die Sanfftmuth iſt alleine 
ſtille; aber die Quall der Angſt machẽt fie erhebende / als ein La⸗ 
chen: So iſt die Angſt als die Finſternuͤß der olitetiſche Eigenſchaft 
Tod und Berderken / dan fe fie in der Olitetiſchen Eigenſchafft 
Das Regiment bekommt / ſo nimbt fie das Corpus ein / und macht 
aus dem Hhle eine Bifftzquaal/ als einen finftern Geift und Leib / 
ganz irrdiſch /als Adam ward / da er in das Voͤſe imaginirte. 

9. Und iſt uns doch nicht zu erkennen / daß die Dfitetifche Ei= 
genſchafft ein Gifft-quall an ſich nehme / ſondern der Mercurius 
als das Feuer-Leben / führet ſich in die Angſt / und vergifftet der 
Zeit Weſen / was der aͤuſſere Mercurius in feiner eigenen Begier⸗ 
de ſelber machet / das iſt / er gehet vom innern Olitetiſchen Weſen 
aus / ſo bleibet das innere in ſich unbeweglich ſtehen / und ſcheidet 
ſich derzeit Weſen und Geiſt vonder Ewigkeit Weſen undGeiſt / 
undiſt doch Fein Abtrennen / ſondern bleiben 2 Principia in einem 
Weſen / du doch 2 Weſen ſind / aber eines ergreiffet das ander 
nicht / gleichwie die Zeit nicht die Ewigkeit ergreiffet / dann alſo 
erſtarb auch Adam und Heva / der Steliſche Mercurius gieng aus 
der Ewigkeit Weſen mit feiner Imagination in der Zeit Weſen / 
als indie Angſt⸗quaal / da verlohr der Ewigkeit Werfen ihrenFuͤh⸗ 
rer / und dehn brachte Chriſtus mit dem Goͤttlichen Worte oder 
Mercurio herwieder / fo kriegte der Ewigkeit Weſen / welches in 
Adam war von dem Seeliſchen Mercurio verlaſſen worden / wies 
der das Leben / und alſo wiſſen wir / daß in dem aͤngſtlichen Mer- 
curio der Ewigkeit Weſen / gleich als im Schluſſe des Todes / 
verborgen lieget. 

10. Und das iſt unſer Schreiben und Lehren / wie man den giff⸗ 
tigen Mercurium mit feiner Begierde koͤnte dahin bringen / daß 
er mit feiner Begierde wieder inder Ewigkeit Weſen /alsindas 
Derfchleffene eingehe / und der Ewigkeit Weſen wieder zu einen 
Leibe annehme / und mit demfelben der Zeit Weſen tingire und 
in Eines bringe / daß das gange Corpus der innern und auffern 
Welt nur Eines ſey / daß nur ein Wille im Geiſt ſey / als ein $ie= 
be⸗hunger / fe machet ihme derſelbe Hunger auch nur einerley 
Weſen / ſo iſſet ein jeder Geiſt von ſeinem Weſen oder Leibe / alſo 
mag hernach kein boͤſer Wille mehr darein kommen. 

ır. Alſo verſtehen wir / daß Freud und Leyd / Siebe und Feind⸗ 
ſchafft / alles durch Imagination m Luſt urſtaͤnde / dann in der 

Luſt 


- 


74 DE SICNATURA Cap. 8. 


Luſt gegen GOtt / J als gegen der freyen Siebe / entftchet das Freu⸗ 
den⸗reich mitten in der Zodes-Angft: und fo die Begierde aug der 
freyen Liebe außgehet in die Todes-Angſt / alsin die Quaal der 
Sinfternüß / fo wird die Begierde mitder Todes: Quaalgefuͤllet / 
alfo qualificiret auch der Mercurius in Todes⸗Qugal. 

2. Alfo fagen wirmit Grunde: Daß fein Ding fo böfe ſey / 
es lieget ein gutes darinnen / aber die Boßheit iſt deßen wicht fa= 
hig: Item in dem gifftigften Mercurio lieget das gröfte Perlein⸗ 
Kleinod; fo demſelben mag fein gifftiger Wille im daffelbe einges 
fuͤhret werden /fo offenbapret er felberdas Perlein / dan er trans- 
mut ret ſich ſelber / wie in der Erden zu ſehen iſt / da der Mercurius 
ſein Perlein ſuchet / und im groben Steine zu Golde und andern 
Metallen machet / alles nach deme wie dersulphur anjedemOrt iſt. 

13. Dann es iſt ein ſtaͤtiges Ringen in der Erden / die Ewig⸗ 
keit ſaͤhnet ſich durch die Zeit der Eitelkeit loß zu werden / und in 
ihrem Saͤhnen ergibet ſie ſich dem Mercurio als ihrem Leben und 
Werckmeiſter ein / und wann es der Mercurius in ſeinen Hunger 
bekombt / ſo wird er freudenreich / und machet dieſelbe freye Luſt 
in ſich leiblich das iſt Gold und Silber neben andern Metallen 
und guten Kräutern / alles nachGewalt jedes Orts: Wieder 
Sudanjedem Ort iſt / ſo iſt auch das Metall /allesnac der Ei> 
genſchafft der ſteben Geſtaͤlte der Natur / welche Geſtaltnuͤß an 
einem Orte Primas ift/nach derfelben Eigenſchafft waͤchſt auch ein 
Metaͤll / auch Kräuter und Bäume. 

24. In dieſem iſt dem Medico zu mercken / und den Unterfcheid 
kennen zu lernen / was in jedem Dinge / damit er curiren wil / 
fuͤr eine Eigenſchafft die ſtaͤrckſte ſey / ſo er das nicht weiß / ſo wird 
er offt ſeinem Patienten den Todt geben: Auch iſt ihm zu wiſſen / 
daßer des Patienten Eigenfchafft erkenne 4 und welcher Geſtalt 
Eigenfhafft unter den fieben Geflalten der Natur der Mer- 
euriusim Sulphur fcy / dannein fol) Saltz machet er auch? So 
ihme nun der Medicusein widerwertig Salß eingibt / fo wird 
Der Mercurius davon nur fehrer erzuͤrnet und wird gifftiger: So er 
aber feineigen Salß nach feiner Eigenſchafft (darnach ihn hun 
gert) mag befommen / fo erfreuet er fich / und laͤſſet feinen Gifft⸗ 
quaal in Martis Feuer finden. 

15. Aber der rechte Medicus hat cine andere Cur / er fuͤhret ſei⸗ 
ten Mercurium , damit er wil deriren / von che aus der Todes⸗ 
Angf in die Freyheit/ der mag curiren / das ander iſt gefaͤhr⸗ 
lich und ungewiß / trifft ers ja / fo iſts ein Slüd und unbeſtaͤndig 
Weſen / und mag keine Kranckheit auß dem Grunde ausfuͤhren / 
dann der aͤuſſere Mercurius iſt verſchloſſen / er fan nicht weiter 

ein⸗ 





 Cap.8: RæRuM. 73 
eingreiffen als in die vier Elementa indas toͤdliche Weſen / in 
Dem ſyderiſchen Leibe vermag ersnicht ; aberfo er umbgewenvet 
und die in Liebe eingeführer wird / wie oben gemeldet / fo greiffet 
er die Wurtzel und den Grund an / und renoviret biß an die Goͤtt⸗ 
liche Krafftan das and rTrincipium. 

16. Deßen haben wir ein ſchoͤn Exempel an der bluͤhenden Erden / 
an den Kräutern: Dann in der Erden iſt der Mercarius irztifch 
und gifftig / weil ihn aber die Sonne tingiret / ſo greifft er nach 
Der Sonnen Krafft / nach ihrem Liechte / und fuͤhret das in feine 
hungerige / feurige Martis Begierde / in ſein Saltz / als in ſein 
corporlich Weſen ein / als in Sulphur der ſeine Mutter iſt / und 
fuͤhrets mit ſeinem Drehen in der Eſſentz umb / als ob ers mit koch⸗ 
tes ſo greiffet als dann die Freyheit als die hoͤchſte Krafft nach ih⸗ 
zer Eigenſchafft / als nach der ſolariſchen / und ergreiffet den Mer- 
curium mitte. 

17. So nun der Mercurius in ſich das himmliſche ſchmaͤcket / 
ſo wird er alſo begierig nach der Krafft der Liebe / und zeucht die⸗ 
ſelbe in feine Beglerde / davon transmutiret er ſich / und fein Saltz / 
fo wohl ſeine Mutter den Sulzhur, in eine liebliche Quaal / und 
ſo nun die Freyheit / alſo in ein bewegend Leben mit dem Mercu- 
rio eingefuͤhret wird / ſo iſt ſte freudenreich / und in ihrer Freude 
auffgehende / als ein Schein aus dem Feuer / und dringet durch 
Den Schwefel⸗geiſt im Saltze aus: alſo iſt das Wachſen der 
Wurtzel / und davon bekomt die Wurtzel einen ſolchen lieblichen 
Geruch un Schmack: Dann im Urſtand iſt des Saltzes Schaͤrffe 
in der erſten Impreflion vom Saturno, eine Schaͤrffe der Todes⸗ 
Angſt / und aͤllhie wird es zu einer lieblichen Krafft / dann aller 
Geſchmack in Kraͤutern iſt Saltz. 

18. Alſo verſtehet weiter mit der Wurtzel in der Erden: wann 
die innere Krafft von der Freyheit in des Mercurii Eigenſchafft / 
‚welcher anjego te-nsmutiret iſt / alfe aus ſich zur Offenbahrung 
der Gottheit dringet / fo dringet der Sonnen Krafft gegen der 
Göttlihen Krafft / undeineignet fich mir groffer Begierde indie 
hoͤchſte himmliſche Tin&ur ‚und zeucht die mit ihrer Begierde ge⸗ 
gen ihr / als aus dem irrdiſchen Leibe in einen Solariſchen. 

19. Alſo zeucht die Sonne die Krafft aus der Wurtzel aus 
‚der Erden / und der freudenreiche Mercurius gehet mitauff/ und 
zeucht immer der Sonnen Krafft in fich von oben / und von unten 
zeucht er feine Mutter /alsden Schwefelausder Erdenan ſich; 
allda gehen alle fieben Geftälteder Natur in der Freudenreich im 
Ringen mit auff/ ein jede wildie oberftefeyn / dann alfo ifts im 

DD x Gr: * 


67 De SıcnarTura Cap. 3, 


Geſchmacke / als inder Gebaͤhrung der Natur] und welche Ge · 
ſtaltnuͤß in der Creatur die oberſte wird / nach deren Seſchmack 
wird das Saltz im Schwefel / ein ſolch Kraut waͤchſt aus der Er> 

den / es fey gleich was es wolle: Wiewohl anjetzo cin jedes Ding 
aus ſeiner Mutter urſtaͤndet / ſo hat doch alles alſo ſeinen Urſtand 
genommen / und nimt ihn noch alſo / dann es iſt der Ewigkeit 
Recht alſo. 

20. Nun iſt der Halm oder Stengel zu betrachten. Wann das 
Kraut oder der Zweig aus der Erden ſiehet / fe komts anfünglich 
im untern mit weiſſer Geſtalt / und weiter hinauff mit brauner / 
und oben mit gruͤner Farbe / das iſt nun ſeine Signatur, was im 
innern in der Eſſentz für eine Geſtaltnuͤß in der Quaal ſey. Die 
weiſſe Farbe des Zweigleins iſt aus der Freyheit der Liebe-Luſt / 
und die braune iſt die irrdiſche vom Saturno vonder Iwpreſſion, 
und vom Grimme des Martis; und die gruͤne welche oben ausfaͤh⸗ 
ret / iſt des Mercuriiin Jovis und Veneris Geftalt. 

21. Dann Jupiter ift Krafft/ und Venus ift Siche-begierde/ die 
eylen gegen der Saunen) als gegen ihrer Gleichheit / under 
Himmel) der aus dem Mitteldes Waſſers ifi erſchaffen / zeucht 
ihm fein blawes und grün-farbes Roͤcklein an / nach der Sternen 
Macht. Dann der Sternen⸗Geiſt nimt das neue Kind auch an / 
und gibt ihm feinen Geiſt und Leib / und erfrewet ſich darinnen: 
jetzt gehen die Geſtaͤlte im Ringen / und Mercurius iſt der Werck⸗ 
meiſter und Entſcheider / Laturnus impreſſet / und Jupiter iſt die 
liebliche Krafft im Sulphur, Mars iſt der Feuer-quall / als die 
Macht im Sulphur, Venus iſt das Waſſer / als die ſuͤſſe Begierde / 
Mercurius iſt das Leben / Luna der Leib / und Sol das Hertz / als 
das Centrum da alle Geftalte hindringen. 

22. Alſo dringet die aͤuſſere Sonne in die Sonne ins Kraut / 
und die innere Sonne dringet in die aͤuſſere / und iſt ein eitel Ge⸗ 
ſchmack und lich haben / eine Eſſentz die ander. Saturnus macht 
ſawer / Jupiter macht lieblichen Geſchmack / Mars macht bitter von 
feiner peinlichen Arth / Venus macht füffe / Mercurius unterfihei= 
det den Geſchmack / Luna faffets in ihren Sad und brütets / dan 
fie ift iradifcher und himmliſcher Eigenſchafft / und gibt ihme das 
Menftruum, darinnendie Tindur lieget : Alfo ifts einTreiben im 
Geſchmacke / cin jede Geſtalt eylet dem füffen Waſſer und der 
Sonnen nach / Jupiter iſt freundlich / und gehet mit der Liebe⸗be⸗ 
gierde oben aus im ſuͤſſen quall-Waſſer / darinnen wuͤtet Mars, 
uͤnd dencket er ſey Herr im Haufe / weil erden Feuer-Geift im 
zulphurt fuͤhret / deſſen erſchricket Mercurius, dag ihme Mars —F 

ruhe 








— , 


Cap. 8. Rerum. 9— 


ruhe machet / und Saturnus machet den Schrack nach feiner ſtren⸗ 
gen Impreſfion leiblich / das feyn? die Knotten am Halme/ und 
iſt der Schrack Salnitriſch / nach der dritten Geſtaͤlt der Natur 
in der erſten Impreſſion zum Geiſt-leben / als in der Angſt-ge⸗ 
ſtalt / davon der Sulphur uͤrſtaͤndet und im Schracke gehet Mer- 
eurius im Salniter auff die Seiten / und nimt in fich mit vie 
Venus, alsdie Liebe-begierde davon wacfen Zweige und Afte 
am Halme / Stengel oder Baume / und was das dann ift/Kräuter/ 
Baͤume oder Halmen / und iſt jeder Aſt alsdann gleich dem gan⸗ 
Ben SGewaͤchſe 

23. Alleine die Sonne nimt dem Marti immer mehlich ſeinen 
Gewalt / davon der Salniter erliſchet / und Mars feine bittere 
Eigenfchafft verlichret : Alsdanergibet fi) Jupiter und Venus in 
Monden-Sacke der Sonnengang ein / fo nimt die aͤuſſere Gon> 
ne die innere Sonne gang ein / verſtehet die innere Sonne iſt ein 
Sulphurim Mercurio, und iſt der BöttligenKrafft Eigenfchafft 
aus der Freyheit GOttes / die ſich allen Dingen einbildet / und 
allen Dingen Krafft und Leben gibet. 

24. Wann nun dieſes geſchicht / Das Jupiter in der Venus fish der 
SonnenGSewalt hat einergeben / fo treibet Jupiter nicht mehr über 
ſich / fondern Mars und Mercurius drähenden Halın von unten 
auffimmerfehrer indie Höhe. Jupiter bleibet obenin ser innern 
und aͤuſſern Sonnen Krafft ftehen / allda ift die liebliche Conjun- 
ction mit der Zeit und Ewigkeit. 

25. Alda fieher fihdie Ewigkeit in der Zeitin einem Bilde / 
und allhie gehet auff das Paravig: Dann der Sulphur und das 
Saltz im Sulphur werden allhieim Paradiß transmutiret / und 
dic Paradififche Freude im Geruche und Geſchmacke dringet aus 
fi das iſt nun die Kolben ver Blumen / darinnen Pas Korn 
waͤchſet / der liebliche Geruchift aus einem Theil) als aus der 
Goͤttlichen Krafft / aus der Freyheit Paradiſtſch / und auff dem 
andern Theil nach der äuſſern Sonnen / und nach der aufffrn 
Welt / irꝛ iſch. 

26. Die himmliſche Eigenſchafft ſtellet ihre Signatur mit den 


ſchoͤnen — der Blaͤtlein an den Blumen dar] und die irr⸗ 


diſche mit dem Laube umb die Blumen: Weilaber dieſes Pc 
ver auffern Welt nur eine Zeit iſt / in welcher der Fluch ift / und 
Adam im Daradig nicht befiche: ıEonte / fo gehet die Daradififche . 
Eigenfhafit mit ihrer Signatur balde — und trans wutiret 
ſich in das Korn / das dain der Blume waͤchſt: Allda innen lieget 
Die Eigenſchaͤfft der innern und aͤuſſern Sonne / als der innern 
D;3 und 


78 De Stenarura Cap. 8. 
und Auffern Krafft / ein jede Eigenfihafft in ihrem Principio , 
dann Gott hat die Erde verflucht / darumb foll Niemand dencken / 
daß das aͤuſſere Goͤttlich ſey / alleine die Göttliche Krafft dringet 
durch / und tingiret das aͤuſſere / ann GOtt ſprach: Des Weibes 
Saame ſoll der Schlangen den Kopff zertretten und das ges 
ſchicht nun nach dem Fluch in allem Dinge das fich der GOttheit 
nahet / darinnen derMercurius eine @ifft iſt / deme zertritt Gott nit 
der innern und aͤuſſern Sonne den Kopff / und nimt ihme die giff⸗ 
tige Macht im Zorne. 

27. Wann ihrs doch woltet verſtehen lernen / lieben Herren 
and Bruͤder / womit ihr curiren ſollet / nicht mit dein zornigen 
Mercurio, der in manchem Kraute eine boͤſe Gifft-Quaal ift / 
ſondern mit dem innern Mercurio. Wollet ihr Doktor und Mei⸗ 
ſter heißen / ſo ſollet ihr auch wiſſen / wie ihr den Auffern Mercu- 
rium moͤget im Sulphur in die Liebe transmutiren / daß er von der 
Angſt⸗quaal erlediger wird) und in eine Freudenreich geſetzet 
wird / als das irrdiſche in ein himmliſches / der Tod in ein Leben / 
das iſt ewer Doctorat im rechten Verſtand / und nicht durch den 
Ambtman der Vernuͤnfft alleine. 

28. GOtkhat den Menſchen über den Ambtmañ geſetzet / und 
inden Verſtand / als in ſein eigen Regiment / geordnet / er hat 
den Gewalt die Ratur zu transmutiren / und das Boͤß in ein Gutes 
zu ſetzen / ſo er aber ſich ſelber zuvoren hat transwutiret / anderſt 
kan er nicht: alſo lang er im Verſtande todkiſt / alſo lange iſt er 
des Ambtmans Knecht und Diener / wann er aber in GOtt leben⸗ 
dig wird / ſo wird der Ambtman ſein Knecht. 

29. Ihr ſtoltzen Huͤtlein / laſt euch ſagen / die Hoffarth und 
eigen Ehre / auch die irrdiſche Fleiſches⸗-Luſt lieget euch in Weege / 
Bag ihr in den Geheimnuͤßen nicht Meifter/fondern blinde Kinder 
ſeyd / ihre wollet die Haͤnde nicht an die Kohlen legen / aber dag 
Geld nehmet ihr von den Elenden / und gebet manchem / daß es 
wohl beſſer waͤre er haͤt es nicht gekaufft / dafür ihr ſollet ſchwere 
Rechenſchafft geben 

30. Alſo iſts imgleichen mit dem ſulphuriſchen Sude in der Er⸗ 
den mit den Metallen. Die Krafft iſt in den Metallen ſtaͤrcker als 
in Kraͤutern / die Tinctur iſt mehr himmliſch als irrdiſch / ſo ihr der 
Kuͤnſtler zu huͤlffe formt / fo transmutiret fic ſich ſelber / als das 
irrdiſche in ein himliſches / welches doch an vielen Enden ohne des 
Künftlers Arth gefchicht/ wie man dann fichet/ wie der Mercarius 
im Sulphur in feinem Sude dic himliſche Tinctur ergreiffet/ das 
mit er fein gemacht Weſen / welches er im Sulphur — 

o 








B 
1J 


Cap. 8. ReErum. 79 


Gold und Silber transmutir.t / durch der Tinctur Gewalt / vers 
ſtehet durch das Theil der himmiiſchen Eigenſchafft / dann ausder 
Erden / oder aus der ertoͤdteten Eigenſchafft im Salniter / mag 
En werden / dann es iſt nichts Ares darinnen. 

Sp iſt uns dieſer Proceſs des Sudes in der Erden im Sul- 
a alfo zu betrachten. Wodas Erdreich aneinem Orte fulphu- 
riſch in fatarnalifcher Eigenſchafft ift / da die Sonne das ober» 
Regiment innen führet/da ift ein folher Sud. Die auffere Son⸗ 
ne hungert nach der innern / dieim Centro im Sulphur in ihrem 
eigenen Prineipio wohnet/ undihre Begierde gegenver 3: it ſetzet / 
dann die Zeitalsdie Creatur ſaͤhnet ſich nach der Ewigkeit / als 
nach der Frepheit von der Eitelkeit loß zu ſeyn / wie die Schrifft 
ſaget: Es ſaͤhnet ſich alle Creatur mit uns von der Eitelkeit loß 
zu werden. 

32. Allda gibet ſich die Freyheit in den ſolariſchen Hunger in 
Die Zeit / wann dieſes Mercurius ſchmaͤcket / ſo wirder Freuden⸗ 
reich / und draͤhet fein Rad in der Freude / ſo impreſſet Saturnus 
die Sanfftmuth / und Mars, welcher im mercurialiſchen Stade in 
der Imprefhion entſtehet / der gibet die Feuer⸗ſeele darein / dag es 
ein Treiben und Wachſen iſt / dann die Freyheit dringet in des 
Aercurii Eigenſchafft aus ſich / und Mercurius fi cheidet immer den 
Saturnum und den Martem darvon / dann er wil ein ſchoͤn Kind 
haben zu ſeiner Freuden: die Venus laͤſt er im Kinde bleiben / dann 
ſie iſt dem Kinde in Eigenſchafft verwandt / das Kupffer iſt dem 
Solde am naͤchſten wegen der Materia, ihme fehlet nur die Tin- 
ctur, Mars hats zu harte im Befis / mag der davon gebracht wer» 
den / ſo iſts Gold / welches der Artifta wohlverftehet. 

33.. Mars ift nach Venere dem Gold verwandt / dann er hat Ve= 
nus in feinem Grimme verſchlungen / und brauchet ſte zu ſeinem 
Leibe / er hat ſonſt in ſeiner ſelbſt⸗ Eigenſchafft kein leiblich We⸗ 
fen / dann er iſt nur Grimm / der ve rzehret / er m⸗ acht ihm den Leib 
aus Veneris Waſſer / das ſchlinget er in ſich unaSaturnus machts 
ihme leiblich / darumb beſudelt er ihm ſein Eiſen alſo mit Ruſte / 
das iſt feine Eigenſchafft als ein Freſſer feines Leibes / aber Venus 
iſt lieblich / undn nacht in ihme das wachen / er friſſe 3 was 
Veneris Eigenſchafft in ihme machet / dann Venus in farurnali- 
ſcher Eigenſchafft iſt des Marris Speiſe / darumb iſt dem Artiſten 
gu dencken / was im Marteliege / hat er nur die ſolariſche Tinctut, 
er darff nichts mehr darzu / daß er nur dem Aarti ſeine Gewalt 
mag nehmen / dann vonder Venus hat Mars ſeine Zaͤhe. 

34. Mars iſt im feiner ſelbſt⸗ ** chafft nur ſproͤde / gibet 

die 


% 


80 Dr Sıcnatura Cap.B. 


die Härtealsein Feuer thut / aber Saturnus ift das impreffen ale 
ler Dinge / Venus darff auch nur die Tin&ur , fo ift fie voill om⸗ 
men / darumb ſolls der Kuͤnſtler recht serftchen / wo die Möglige 
keit liege) alsim Sulphur, wo Saturnus den Sulphurim Bauche 
hat/ und Mercurius feine Garbe ſehen laͤſt / allda ik er im Willen, 
Fan aber nicht / dann Sarurnus haͤlt thn in fich zu hart gefangen/fo 
ihm aber der Kuͤnſtler zu yülffe komt / daß er fein Rad mag ſchwin⸗ 

gen / und gibet ihme ſeiner Mutter Speiſe / welche ſie im Centro 
verborgen hat / ſo wirder ſtarck / und wirfft Saturnum weg / und 
offenbahret das Kind / dann alſo iſts auch in der Erden / wo Mer- 
curiusin feiner Mutter / als im Sulphur lebendig iſt / dager nicht 
gehalten wird / daß er infeinem Hunger nur mag Venerem er⸗ 
reichen zu einer Speiſe / die Sonne wird bald ſcheinend werden: 
dann in Veneris Sanfftmuth blicket ſte herfuͤr / er kochet feine 
Speiſe mit feinem eigenen Feuer / er darff keinen Kuͤnſtler dars 
zit / welches dem Kuͤnſtler wohl zu mercken iſt / dann er hat ſeinen 
Martem in ſich. 

35. Wie nun der Sud in der Erden iſt / alſo iſt auch der uͤber 
der Erden. Wann die Frucht aus der Erden wächſt / ſo iſt ſie an⸗ 
faͤnglich herbe und bitter / auch ſawer und widerwertig / wie dann 
der Apfel auffm Baume dergleichen iſt / Saturn s hat im Anfange 
das Regiment / er zeucht es zuſammen / und Marcurius formiret 
es / und Mars gibet dem Mercurio das Feuer / welches Saturnus in 
fein kalte Eigenſchafft nimt / Venus gibet den Safft / und Luna 
nimt es alles in ihren Leib / dann ſie iſt Mutter / und nimt den 
Saamen aller Planeten in ihr Menſtruum ein / und bruͤtets / Ju- 
piter gibet Krafft darein / und Sol iſt der König darinnen: aber 
im —— sol ſchwach / dann die Materia iſt zu ſehr irrdiſch 
und kalt. 

36. Nun lieget das gantze Weſen mit ſeinem Sude im Leibe 
des Sulphuris, und im Sulphur macht der ſalnitriſche Schrack in 
Martis Rade nach jeder Eigenſchafft ein Saltz / dann der Schwe— 

fel verwandelt ih in Saltz / das iſt in Geſchmack / und in dem⸗ 
ſelben Geſchmacke in der ſulphuriſchen Eigenſchafft / iſt ein Ohle 
im Cemro verborgen / das urſtaͤndet von der freyen Liebe-Luſt / 
als aus der Ewigkeit / und offenbahret ſich mit einem aͤuſſerlichen 
Weſen in der Zeit / das iſt die Offenbahrung GOttes. 

37. Rum iſt in demſelben Ohle der Hunger / oder die Liebe⸗ 
begierde nach dem Weſen der Zeit / als nach der Oſſenbahrung 
der Gottheit. Dieſelbe Begierde greiffet in der Zeit Weſen wie» 
der nach ihrer Eigenſchafft / als nach der Sonnen / und der Son⸗ 

nen 









“ 
* 


"Cap. 8. Rerum 81 


‚nen Eigenſchafft greifft nach dem Shle im Centro der Frucht / 
und ſahnet ſich hefftig darnach / und ergibet ſich indie Frucht / und 
ſauget die Krafft in ſich / und gibet ſich in ihrer Freude aus / in 
die ſtrenge Eigenſchafft der Frucht / und fünfftiget fie alle mit der 
Liebe / welche ſie im Centro im Dhleser Sreypeiteinpfäher. Alſo 
wird eine Frucht / welche anfänglich fawer und herbe iſt / gan 
lichlig und ſuͤſſe / dag ſie der Menſcheſſen mag. Und alſo iſt die 
Reiffung aller Fruͤchte. 

38. Rum werdet ihr ander Signatur im aͤuſſern die inne re Ge⸗ 
ſtaltnuͤß ſehen / dann die Geſtaltnuͤh im Saltze / als in der Krafft / 
erzeigen ſich aͤuſſerlich. 

39. Der Farben ſeynd gemeine vier / als Weiß / Gelbe/ Roth 
und Gruͤnlich / nach welcher Farbe nun die Frucht / als ein Apfel / 
am meiſten Ggsiretit/ darnach iſt auch der Geſchmack im Saͤltze / 
als Weis / mit einer Klaren fubtilen Haut in efwa cin wenig 

tunckel / gibet Suffe / Die iſt Veneris Ei genfchafft iſt der fürje 
Geſchmack ſtarck und krafftig / ſo iſt Jupiter maͤchtig darinnen; ; 
ift cr aber ſchwach und eckel / (wift der Mond de ſtarckd arinnen; 
iſt ſie aber harte und etwas braun Farbt / ſo iſt Mars ſtarck darin⸗ 
nen; iſt aber die weiſſe Farbegrau- braun / foift Sarurnus Hard 
darinnen. Venus gibet weilfe Farbe Mars roth und bitter an 
Geſchmacke / Mars macht Veneris Farbe liechte / Mercurius gibet 
vermengte Farbe / und eroͤffnet im Marte die gruͤne / Inpiter nei⸗ 
get zur blauen / Laturnus zur ſchwartzen / faſt Graw: die Gone 
macht die gelbe Farbe / und gibet die rechte Suͤſſe im Saltz / und 
bunget den lieblichen Geruch herfuͤr / welcher aus dem Schwefel 
urſtaͤndet: Saturnus macht herbe und ſawer / und ſtelle t ſich eine 
jede Eigenſchafft im aͤuſſern dar / wie es im innern im Regiment 
iſt / auch an der Geſtaltnuͤß im Laube. 

40. Man kan eine jede Wurtzel / wie ſie in der Erden iſt / an 
der Signatur erkennen wozu ſie nutze iſt / eine ſolche Geſtaltnuͤß 
hat das Kraut / und an den Blaͤttern und Stengeln fiehet man / 

welcher Planet Herr in ver Eigenfchafft ift/ viel mehr * 
Blume: dann was für einen Sefämad das Kraut und Wurtze 
hat / ein ſolcher Hunger iſt in ihme / und eine ſolche A 
darinnen /dan cs hat ein ſolch Salk. 

41. Das ſoll der Medicus wiſſen / was für eine Kranckheit im 
Leibe ſey eutſtanden / in was für einem Saltze der Eckel im Mer- 
eurio ſey entſtanden / das er feinem Parienren nicht weiter neh 
mehr Eckel eingibt/ dann fo cr ihme das Krauteingibt / in welcher 
Senſchant der Mercurius vorhin einen Eckel hat empfangen / ſo 

D 5 gibt 


82 De Sıonatura Cap.s. 


gibt er ihme eine Gifft/ daß fich die Gifft im Eckel des Corporis 
im Mercurio fehrer entzuͤndet: Es fey dann dag er daſſelbe Kraut 
in Aſche verbrennet/ und ihme eingibet / foverleuretder Gifft 
des Eckels die Macht / dann dieſelbe Aſche iſt der Gifft des leben⸗ 
digen Mercurii ein Tod. Das finden wir in der Magia gewaltig. 

42. Der Medicus wiffe / dag alle Krandheiten vom Edel in 
der Geſtaltnuͤß der Natur entfichen/ als wann eine Geftaltim 
geben die oberfteift/ ſo ihr alsdann ein widerwertig Ding / das 
ihrer Eigenfchafft gang zuwider ift / mit Gewalt eingeführet 
wird / es feygleich vom Geftirneoder vonden Elementen / sder 
von den ficben Geftalten des Schens/ fontmtsderfelben obern 
Geſtalt / welche des Sehens Führer iſt / feine Stürde und Kraft 
in feinem Salße / fo hebetderfelben obern Geftult Mercurius aß 
zu qualificiren / dasift / zu hungern und zu eckeln / und fo cr nicht 
feiner ſelbſt⸗Eigenſchafft befomet/ verftchet der leiblichen Gea 
ftalt/ welche unter den fieben Eigenfchafften oder Geſtalten Pri- 
mas iſt im Corpore, fo entzündet er fich in feiner eigenen Gifft⸗ 
quaal nach feines Lebens Eigenfchafft / undtreibet fic) fo lange 
biß er feurig wird / fo erwecket er feinen eigenen Martem und ftis 
nen eigenen saturnum, welche ihn impreſſen / und das Fleiſch im 
Corpore im Gifft-feuer verzehren / und des Liechts Hhle gan 
verzehren / alsdann erliſcht des Sebens Liecht / fo iſts geſchehen. 

43. Mag aber die Geſtaltnuͤß des Lebens / darvon der Mer⸗ 
euriusim Eckel in der Angſt und Gifft⸗quaal entzuͤndet iſt / derer 
Eigenſchafft in feinen Hunger bekommen / deſſen der Geiſt und 
Leib Primasift / fo krieget er feine eigene natuͤrliche Speiſe davon 
er lebet / ſo erfrewet er ſich wieder / und laͤſt den Eckel von ſich / ſo 
zergehet der Eckel / und wird ausgeſpeyet; aber der Medicus ſoll 
acht haben / ob nicht daſſelbe Ding / das er dem Patienten wil 
eingeben / auch in feiner Eigenſchafft ſtarck im ſelben Weſen ſey / 
davon der Eckel im Leib iſt entſtanden. 

44. Als ich ſetze ein Exempel / Es wäre ein jovialifcher Menſch / 
der empfinge feinen Eckel von lunariſcher Eigenſchafft / nun wuͤ⸗ 
ſte der Artzt / wie er feinen Eckel habe / und richtete ihm eine Jos 
valiſche Cur nach feines eigenen Geiſtes oder Merecurialiſchen 
Hunger zu / das wäre nun recht: Es wäre aber des Monden 
Eigenſchafft ſtarck indem Saltze / das er dem Eckel wolte einge⸗ 
Ben: Jetzt gibt er ihme Eckel ein. So aber die Jovialifche Eur 
vom Monden frey waͤte / fo nimt der jovialifche Mercurius feine 
eigene Speiſe mitgroffer Begierde ein / und verlaͤſſet den Eck. 
Alſo iſts auch mit den Kranckheiten / welche im Sulniter als vom 

ra 





i 


(N) 
? 
, 


Cap. 8. Rerum 83 


Erſchrecken entſtehen / da gehöret nun wieder ein folcher Schrack 


| 


darzu wieder erſte war / ſo iſt die Eur ſchon dar; oder ein ſolches 
Kraut / da der Salniter in ſolcher Eigenſchafft inne lieget / wie 
er im ſelben Menſchen lieget. 

45. Ich weiß und wird mir gezeiget / das der Sophiſt mich 
tadlen wird / daß ich ſchreibe / die Goͤttliche Krafft ſey in derFrucht 
GoOttes Krafft eineigene ſich indie Gebaͤhrunge der Natur. Höre 
mein Lieber / werde nur ſehende / Ich frage dich / wie iſt das Pa⸗ 
radis in dieſer Welt geweſen ? iſts auch in der Natur offenbahr 
geweſen / iſts auch in der Frucht geweſen / iſts in der Welt oder 
auffer der Welt geweſen? Iſt das Paradis in GOttes Krafft 
geſtanden / oder in den Elementen ? Iſt die Krafft GOttes in der 
Welt offenbahr geweſen / oder verborgen ? oder was iſt der Fluch 
der Erden / und das Austreiben Adams und Evaͤ aus dem Para⸗ 
dis? ſo ſage mir / wohnet GOtt auch in der Zeit? iſt nicht GOtt 
alles in allem ?es ſtehet ja geſchrieben: Bin nicht ichs / der alles 
erfuͤllet? Item: Dein iſt das Reich / die Krafft und die Herr⸗ 
ligkeit / von Lwigkeit. 

46. Allhie beſtune dich und lag mich ungetadelt; Ich ſage nicht 
daß die Natur GOtt ſey / viel werriger die Frucht aus der Erden / 
ſondern ich ſage / GOtt gibet allem Leben Krafft / es ſey boͤß oder 
gut / einem jeden nach ſeiner Begierde / dann er iſt ſelber alles / 
und wird aber nicht nach allen Weſen GOtt genannt / fondern 
Nach dem Liechte / damit wohneter in ſich ſelber / und ſcheinet mit 
der Krafft durch alle ſeine Weſen / er eineignet ſeine Krafft allen 
ſeinen Weſen und Wercken / uñ ein jedes Ding nimt ſeine Krafft 
an nach feiner Eigenſchafft: Eines nimt Finfternüß / das andere 
Liecht / ein jeder Hunger begehret feiner Eigenſchafft / und das 
gantze Weſen iſt doch alles GOttes / es ſey boͤß oder gut: Dann 
von und durch ihn iſt alles / was nicht ſeiner Liebe iſt / das iſt ſei⸗ 
nes Zornes. 

47. Das Paradis iſt noch in der Welt / aber der Menſch iſt 
nicht darinnen / es ſey dann daß er aus GOtt wiedergebohren 
werde / fo iſt er nach derſelben neuen Wiedergeburth darinnen / 
nd nicht mit dem vier⸗elementiſchen Adam: Wann wir uns doch 
eines wolten lernen kennen / und verſtuͤndens doch an dem ge⸗ 
ſchaffenen Weſen. 

48. Schet im Saturno lieget ein Gold verſchloſſen / in gantz 
unachthahrer Farbe und Geſtalt / das wohl keinem Metall aͤhn⸗ 
lich ſiehet / und wann mans gleich ins Feuer bringet und gar zer⸗ 


ſchmeltzt / ſo wird man doch nichts age als ein unachtbahr ge 
D en 


84 De SıcnarTura Cap. 8 


fen mit keiner Geſtaltnuͤß der Zugend / big ver Kuͤnſtler darüber 
komt / und den rechten Procels mit ihme haͤlt / fo wird offenbahr 
was darimmen gemwefenift. 
49. Alfo auch imgleichen wohnet GOtt in allen Dingen / und 
das Ding weiß nichts von GOtt / er iſt auch Dem Dinge nicht 
offenbahr / und es einpfaͤhet doc) Krafft vonihme; aber esnimt die 
Kraft nach feiner Eigenfchafft von ihme / entweder von feiner 
Liebe / oder von feinem Grimme / und wovon cs nimt /alfo ſigni- 
ret ſichs auch im aͤuſſern / und iſt noch das Gute auch in ihme / aber 
der Boßheit gleich wie ganz verſchloſſen / wie ihr deſſen ein Exem⸗ 
pel an einem Dorn⸗ſtrauche habet / und an andern ſtachlichten 
Dingen mehr / daraus dech eine ſchoͤne wohlriechende Blinne 
waͤchſt / und zwo Eizenſchafften darinnen liegen / eine liebliche 
und eine feindliche / welche ſteget / die bildet die Frucht. 
so. In gleichein iſts auch mit dem Menſchen / er war cine ſchoͤne 
Paradis-⸗blume und Frucht geſchaffen: Aber feinedornichte Eis 
genfchafft erweckte ihme der Teufel durch die Schlange / verfichet 
Pag Centrum , ter grimmen Natur Eigenfihafft / welches in ſei⸗ 
ner Paradiſiſchen Quaal in ihme nicht offenbahr ward; alsaber 
fein Hunger in bie dornichte falſche Schlangen: Eigenfchafft/ afs 
in Tod eingieng / fo Drang bes Todes und der falfihen Schlangen 

Eigenſchafft indes Teufels Begierde In feinen Hunger ein/ und 
erfüllete Seel und Leib / alfo hub der falſchen Schlangen Hunger 
in ihme anzu gquslificiren / und wacheteder Zod in ihme auff/ fo 
verbarg ſich das Paradis in ihme / dann das Paradis trattinfich 
sin/ und der Schlangen Bifft indes Todes Eigenſchafft / woh⸗ 
nete auch in ſich / jet wares Feindſchafft. 

51. So ſprach GOtt zu ihme: Des Weibes Saame ſoll der 
Schlangen den Kopff zertretten / und ſie wird ihn mit der Todes⸗ 
gifft in die Ferſen ſtechen: Verſtehet / das verſchloſſene / und im 
grimmen Tod gefangene Paradis-Bilde / in welchem das Wort 
der Gottheit / als der Goͤttliche Mercurius regierte und wuͤrckete / 
verblich / gleich wie das Gold im Sarurso verblichen iſt / daß man 
nichts ſtehet / als ein unachtbahres Weſen / biß der rechte Kuͤnſt⸗ 
ler daruüber komt / und erwecket wieder den Mercurium in dem. 
verſchloſſenen Golde / fo wird der tode verſchloſſene Leib des Gol⸗ 
des im Sarucno wiederumb lebendig: Dann Mercurius iſt fein 
Lben / Der muss ihme wieder eingefuͤhret werden / alsdann blicket 
der tode Leib des Goldes herfuͤr / und uͤberwindet den groben Sa- 
turnum, darinnen er verſchloſſen lag und ıranßmuriret feinen 
unachtbahren gehabtenLeib in einen ſchoͤnen / herrlichen / guldenen. 
52. Alſo 


Ne 





F 


ri 
u.’ 


Cap. 3. Rzrum 85 


52. Alfo auch in gleichem der Menſch / der lieget jet nach ſei⸗ 
nem Falle in einer groben / ungeftalten / viehiſchen todten Bild⸗ 
nuͤß verſchloſſen: Er ſichet feinem Engel gleiche / viel weniger 
dem Paradis. Er iſt wie der grobe Stein im Saturno, darinnen 
das Bold verſchloſſen lieget: Es iſt ſeine Paradis-Bildnuͤß an 
ihme / als waͤre ſie nicht / iſt auch nicht offenbahr: Der aͤuſſere Leib 
iſt ein ſtinckend Cadaver, weiler noch indem Giffte lebet / er iſt 


ein boͤſer Dornſtrauch / aus deme doc) etwan ſchoͤne Roͤſlein 


bluͤhen / und aus den Dornen wachſen / und das Verſchloſſene 
offenbahren / was in dem grimmen gifftigen Mercurio verborgen 
liege / als lange biß der Kuͤnſtler / ver ihn gemacht hat / über ihn 
komt / und fuͤhret wieder den lebendigen Mercur um in fein vers 
blichenes und in Tod gefangenes Gold oder Paradis-Bildnuͤß 
ein / daß das verſchloſſene Bild / welches aus Goͤttlicher Sanfft⸗ 
muth und Liebe⸗Weſenheit erſchaffen war / wieder im Goͤttlichen 
Mercurio, als im Worte der Sottheit / weiches wieder in die vers 


ſchloſſene Menſchheit eingieng / gruͤnet: Alsdann transmutiret 


der Göttliche Mercurius den grimmen Mercurium in ſeine Eigen⸗ 
ſchafft: So iſt Chriſtus / der der Schlangen / als dem Gifft und 
Tode im Zorn GOttes den Köpffzertritt / (verſtehet der grim⸗ 
men Todes-macht) gebohren / und ſtehet auff cin neuer Menſch } 
in Heiligkeit und Gerechtigkeit / der vor GOtt lebet / gleich wie 
das verſchloſſene Gold aus der irrdiſchen Eigenſchafft herfür 
blicket. 

53. Und wird dem Kuͤnſtler von GOtt erkohren / hiemit klar 
angedeutet / wie er ſuchen ſoll / anderſt nicht / als wie er ſich hat 
ſelber geſucht / und in des klaren Goldes Eigenſchafft ſunden: 
Alſo iſt auch dieferProcefs, und nicht ein Fündlein anderſt / dann 
der Menſch und die Erden mit ihren Heimligkeiten / liegen in 
gleichem Fluche und Tode verſchloſſen / und bevörffen cinerley 
Wiederbringung. 

54. Aber dem Sucher wird diß geſagt / und wil ihn trewlich 
ge warnet haben / alſo lich ihme fein zeitliche und ewige Wohl⸗ 
fahrt iſt / daß er ſich ja nicht ehe auff die Bahn mache die Erde zu 
verſuchen / und das Verſchloſſene herwieder zu bringen / er ſey 
dann ſelber zuroren aus dem Fluche und Tode durch den Goͤttli⸗ 
chen Mercutium wiedergebohren / und habe die Goͤttliche Wieder- 
gebuhrt in voller Erkaͤntnuͤß / ſonſt iſts alles vergebens / es huͤlfft 
kein lernen / dann das er ſuchet / das lieget im Tode / im Zorn 
Gottes / im Fluche verſchloſſen / wil ers lebendig machen / und 
in ſein Erſtes ſetzen / ſo muß daſſelbe Leben in ihme zuvoren offen⸗ 

27 bahr 


89 Dr Sıenarura Capo. 


bahr fern : Alsdann mag er fagen zum Berge: hebe dich von dans 
nen / und ſtuͤrtze Dich ins Meer; und zum Feigenbaume ses wachfe 
hinfort auff dir keine Frucht / fo wirds geſchehen. 

55. Dann ſo der Göttliche Mercuriusim Geifte lebet und of⸗ 
fenbazr ift / fo alsdann der Seelen Willen: Geift inetwas ima- 
ginivet / fo gehet auch der Mercurius mit ihme in der Imagination, 
und entzuͤndet den in Zod gefaften Mercurium, alsdie Gleichnuͤß 
GOttes oder die Offenbahrung / damit fich der lebendige GOtt 
hat offenbahret. 

56. Ich weiß und ſehe es / dag der Spoͤtter in des Teufels 
Decke mich noch mehr verdaͤchtig machen wird/in dehme ich ſchrei⸗ 
be vom innern undaͤuſſern Mercurio , und verſtehe mit dem ins 
nerndas Wort GOttes / oder den Böttlichen Hall / als die Of⸗ 
fenbahrungver Ewigkeit des Ungrundes / und mitdem äuffern 
verftche ich den Ambtmañ in der Natur / alsden Werckzeug / 
welchen das innere / lebendige / Erafftige Wort oder Göttliche 
Hall fuͤhret / damit er machet und würdet: So wilmirsder So- 
phiſt uͤbel deuten und ſagen: Ich vermenge es in Eines / und halte 
die Natur für GOtt: wie mir zuvoren Babel auch gethan hat. 
Dehme ſage ich / er ſehe meine Wort recht an / und lerne es recht 
verſtehen: Dann ich rede bißweilen aus dem himmliſchen Mer- 
curio, und fehe einig denfelben / und dann gar baldeden Werck⸗ 
zeug des himmliſchen: Darumb habeerachtauff den Verſtand: 
Ich ſchreibe nicht heydniſch / ſondern Theoſophiſch / aus einem 
hoͤheren Grunde als der aͤuſſere Werckmeiſter iſt / und dann auch 
aus demſelben. 


Das 9. Capittel. 


Bon der Signatur ‚ tie das innere das aͤuſſere 
bezeichnet. 

I. Je gange äuffere fichtbahre Welt mit al ihrem 
Weſen / iſt eine Bezeichnung oder Figur der ins 
nerengeiftlichen Welt; alles was im inneren ift / 
und wiecsinder Wuͤrckung iſt / alfo hats auch ſei⸗ 
nen Character aͤuſſerlich: Gleich wie der Geiſt 
jeder Ereatur feine innerliche. Gebuhrts-Geſtaltnuͤß mit fei> 
nem Leibe darftellet und orfenbahret : Alfo auch das ewige Weſen. 
2. Das Wefen aller Weſen iſt eine ringende Krafft/ dann 
Das Reich GOttes ſtehet in der Krafft / und auch die Auffere 


Reitz und ſtehet fuͤrnemlich in fieben Geſtalten / da eine Ir die 
andere 


ww 


“ 
x 


Cap. 9. Rerum. re 


andere urfachet und machet / Feine iftdie erfte noch letzte / ſondern 
es iftdasewige Band : Darumb hat auch GOtt ſechs Tage zum 
Werden vom Menfchen geordnet / und der ſiebende Zag iſt die 
Vollkommenheit / darinnen die fechs ruhen: Ertl das Ce: trum, 
da die fechs mit ihrer Begierde hinlauffen : Darumb hieß ihn 
GOtt den Sabbath oder Ruhe-tag: Dann darinnen ruhen die 
ſechs Geſtalten der würdenden Krafft. Erift der Göttliche Hall 
in der Krafft / oder die Freudensreich / Darinnen die andern Ge⸗ 
falten alle offenbayr werden] dann er iſt Das gefaſſte Wort / 
oder die Göttliche Leidligkeit / durch welches alle Ding feynd zum 
Weſenerbohren und ankommen. 

3. Daſſelbe gefaſſete Wort hat ſich mit Bewegung aller Ge⸗ 
ſtalten mit dieſer ſichtbahren Welt / als mit einem fichtbahren 
Gleichnuͤß oſſenbahret / dag das geiſtliche Weſen in einem leib⸗ 
lichen begreifflichen offenbahr ſtuͤnde: Als der innernGeſtalt Bes 
gierde hat ſich Aufferlich gemacht / und ſtehet das innere im aͤuſſe⸗ 


. ven / das Innere halt das Auffere für ſich als einen Spiegel / 


darinnen es ſich in der Eigenſchafft der Gebahrung aller Geſtaͤlt⸗ 
nuͤß beſtehet; das Aufſere iſt feine Signatur. * 

4. Alſo hat auch ein jedes Ding / das aus dem Innern iſt ges 
bohren worden / ſeine Signatur. Die oberſte Geſtaltnuͤß / ſo im 
Geiſte des Wuͤrckens in der Kraft die oberſte iſt / die bezeichnet dag 
Corpus am meiſten / und die andern Geſtaltnuͤſſen hangen ihme 
an / wie man das anallen lebendigen Creaturen an Geſtalt des 
Leibes / und an Sitten und Gebärden ſiehet: Item, am Halle / 


‚Stimmen und Sprachen / fo wohl an Baͤumen und Kraͤutern / 


an Steinen und Metallen; als wie das Ringen in der Krafft 
des Geiſtes iſt / alſo ſtehet auch die Figur des Leibes dar / und al⸗ 
fo iſt auch fein Wille / alſo lange der Sud im Geiſt⸗-leben alſo 
ſeudet. 

5. So aber der Kuͤnſtler darüber komt mit dem rechten Mer- 
curio, darinnen der Sud ſtehet / fo mag er die ſchwaͤchſte Geftalt 


zu oberſt draͤhen / und die ſtaͤrckeſte zu unterſt / alsdenn bekomt 


der Geiſt einen anderen Willen / nach derſelben oberſten Geſtalt 
welche zuvor muſte Knecht ſeyn / die wird alsdenn Herr in den 
ſteben Geſtalten; gleich wie Chriſtus zu dem Krancken ſagte: 
Stehe auff / dein Glaube hat dir geholſſen / und er ſtund auff: Alſo 
in gleichem iſt dieſes auch / eine jede Geſtalt hungert nach dem 


‚Centro; und das Centrum iſt der Hall des Lebens / als der Mer- 
curius, derſelbe iſt der Werckmeiſter oder Formirer der K rafft / 
fo ſich derſelbe Hall im Hunger ver niedrigſten Geſtalt in der 


ringen» 


® 


83 Ds Sıcnarura Cap. 9. 


Tingenden Krafft einergibt/ fo ſchwinget er feine Eigenfchafft 
(verftehet verfelben Geſtalt Eigenſchafft) in die Höhe, Alſo hat 
ihme feine Begierde oder Glaube geholfen. Dann in der Bes 
gierde ſchwinget fich der Mercurius indie Höhe; Das war auch in 
Ehrifti Patienten alle. 

6. Die Kranckheit hatte fie eingenommen / und der Gifft des 
Todes hatte Jich im Mercurio empor gefhwungen. Nun hunger⸗ 
te aber die Geſtalt des Lebens im Centro jeßt als cine verſchmach⸗ 
tete und niedrige Eigenfchafft nach der Freyheit vom Ekel log zu 
ſeyn; weil aber in Ehrifto der Mercurius in Göttlicher Eigen— 
Schafft lebendig war / fo gieng der ſchwache Hunger in Chrifti 
ftarden Hunger nach des Menſchen Geſundheit ein: Jetzt em⸗ 
pfieng der ſchwache Hunger den ſtarcken in der Krafft / fo ſprach 
der Goͤttliche Hal in Chriſto: Sieche auff / ſchwinge dich in die 
Hoͤhe / dein Glaub / das iſt / deine Begierde die du in mich einge⸗ 
fuͤhret haſt / hat dir geholffen. 

7. Alſo ſchwinget ſich das Leben uͤber den Tod / das Gute uͤber 
das Boͤſe / und hinwieder das Boͤſe über das Gute / wie im Luci⸗ 
fer und Adam geſchach / und noch täglich geſchicht / und alſo figni- 
ret ſich ein jedes Ding / welche Geſtalt Primas wird / die nimt den 
Geſchmack fo wohl den Hall im Mercurio ein / und Aguriret das 
Corpus nach feiner Eigenſchafft: Die andern Geſtaͤlte hangen 
Der an als Mit⸗gehuͤlffen / geben zwar auch ihre Signatur darein / 
aber ſchwaͤchlich. 

8. Es ſind fuͤrnemlich ſieben Geſtaͤlte in der Natur / beydes in 
der ewigen und aͤuſſeren / dann die aͤuſſere gehen aus der ewigen. 
Die alten Weiſen haben den ſieben Planeten Ramen gegeben / 
nach den fieben Geſtalten der Natur / aber ſie haben viel ein an⸗ 
ders damit verſtanden / nicht nur allein die fieben Sternen / ſon— 
dern auch die fiebenerley Eigenfhafften in der Gebaͤhrung aller 
Weſen.Es iſt fein Dingim Weſen aller Weſen / es hat die fieben 
Eigenſchafften in fich ; dann fie find das Rad des Centri, die lir> 
fachen des Sulphuris, in welchem Mercurius denSud in der Angſt⸗ 
quaal machet. 

9. Die ſieben Geſtalten find dieſe: als die Begierde oder Im- 
preflion heiffet Sarurnus, im welche fich die freye $uft der Ewigkeit 
mit einergibet/ die heiſſet in der Impreflion Jupiter, wegen der 
lieblichen Krafft / dann die Saturnalifihe Krasft fehleuffet ein / und 
machet harte / Falt und finfter / und urfachet ven Sulphur ‚als das 
Geiſt-leben / verftehet das bewegliche Beift-leben / als das na⸗ 
tuͤrliche: Und die freye Luſt machet / daß ſich die Impreflion ſaͤhnet 

von 


\ 


Cap. 9. Rerum. 89 


von der finfteren herben Härtigfeit loß zu ſeyn / und heiffet gar 
gut Jupiter , als eine Begierde des Berſtandes / welche die Fine 
ſternuͤß eröffnet / und einen andern Willen darinn offenbahref, 

20, In denen zweyen Eigenfchafften wird GOttes Reich als 
der Urſtand fuͤrgemahlet / und dann GOttes Zorn-Reich / als 
der finftere Abgrund / welcher eine Urſache der Bewegnuͤß im Sa- 
turnoals in der Impreflion ift : Die Impreflion als der Saturnus, 
machetdas Nichts / als die freye Suft beweglich und empfindlich) / 
fo wohl findlich: Dann fie urſachet day Weſen wird / und Ju- 
piter ift die empfindliche Krafft aus der freyen Luſt zur Offenbah⸗ 
rung ausdem Nichts in Etwas / inder Impreflion des Sarurni » 
und ſeynd zwo Eigenschaften inder Offenbahrung GOttes nach 
Siebe und Zorn / als ein Modell der ewigen Geſtaͤltnuͤß / und ſeynd 
ein Ningen/ als eine Wider⸗begierde gegen einander; Eine 
machet Gutes und die andere Böfes / und da es doch alles gut iſt. 
Alleine wann man von der Angſt⸗quaal / und dann der Freuden⸗ 
quaal wil reden / fo unterſcheidet man / daß man verfiche was jeder 
Quaal Urſach fen. 

ır. Die dritte Geſtalt heiſſet Mars, das iſt die feurende Ei⸗ 
genfchafft in der Jmpreflicn Saturni, da fich die Impreflion in 
groffe Angft / als in einen groſſen Hunger einführet: Er iſt das 
Peinliche / oder die Urſache des Fuͤhlens / auch die Urſache des Feu⸗ 
ers und Verzehrens / auch des Widerwillens / als der Boßheit: 
aber im Jove, als in der freyen Luſt im Nichts urſachet er die feu⸗ 
rige Liebe-Begierde / daß die Freyheit als das Nichts begierlich 
wird / daß es ſich in Empfindligkeit / als in das Freuden-reich ein⸗ 
fuͤhret: In der Finſternuͤß iſt er ein Zeufel/als GOttes Grimm / 
und im Liechte iſt er ein Engel der Freuden / verſtehet ſolche Eis 
genſchafft: Dann da dieſe Quaal im Lucifer finſter werd / fc hieß 
er ein Teufel / weil er aber im Licchte war / ſo war er ein Engel: 
Alſo auch im Menſchen zu verſtehen. 

12. Die vierdte Eigenſchafft oder Geſtalt heiſſet Sol , als das 
Liecht der Natur / welches in der Freyheit als im Nichts feinen 
Anfang hat / aber ohne Glantz / und ſich mit der Luſt in die Be⸗ 
gierde der Impreflion des Saturni einergibt / biß in die grimmige 
Martis oder Feuers-Eigenſchafft / allda dringet vie freye Luft} 
welche ſich in der Impreflion in Martis Eigenſchafft Inder ver» 
zehrenden Angſt / und in Saturni Härte hat geſchaͤrffet / im Jupi- 
ter aus / als cine Schärffe der Freyheit / und ein Urſtand des 
Nichts) fo wohl der Einpfindligfeit. Und das Ausdringen aus 
des Martis Hige und Angft / und aus des Saruıni Härte ifl der 
Schein 


. 


& 


— 


90 De Sıcnatrura Capo, 


Schein des Liechtes in der Natur/ das gibet im Satarno Joveund 
Marteden Verſtand / als einen Geift / der fichin feinen Eigen 
ſchafften erkennet / was erift/ der dem Grimm wehret / und ihn 
aus der Angft aus Martis Eigenfhafft in Jovis Eigenfchafft 
einführet / alsaus Angſt ineine Liebe Begierde. 


13. Undin diefenvier Geftalten ftchetdie Geiftes-Gebuhrt / 
alsder wahre Geiftim innern und aͤuſſern / als der Geift der 
Kraftim Weſen / dieſes Geiſtes Weſen oder$eibligkeit iftsulphur. 
Ihr Kabbini und Meister | wann ihr doch verſtehen 
Föntet / wie treulich es euch offenbahrer und gegeben 
wird/ was euere Borfahren im Berftande haben ges 
habt /woran ihr jegt lange Zeit feyd blind gewefen] das 
macht euer Hoffart / das ttelfet euch GOtt als der höch- 
ſte Verſtand / durch albern ken ungegründeten 
Werckzeuge fuͤr welchen er felber gegründet hat] ob ihre 
* eins ſehen / und der peinlichen Quaal entrinnen 
woltet 

14. Die fuͤnffte Geftaltift Venus, der Anfangaller Leiblig⸗ 
keit / als des Waſſers / die entſtehet in Joris und Martis Begier⸗ 
de) als in der Liebe⸗begierde aus der Freyheit / und aus der Natur) 
als aus der Impreſſion Begierde im Saturno, im Marte, in der 
groſſen Angſt / von der Angſt frey zu ſeyn / und fuͤhret in der Be⸗ 
gierde feiner Eigenſchafft zwo Geſtaltnuͤß: Als eine feurige 
vom Marte, und eine waͤſſerige vom ove, verſtehet eine himm i⸗ 
ſche und irrdiſche Begierde. 

15. Die himmliſche entſtehet aus der himmliſchen von der 
Eineignung der Gottheitindie Natur zu ſeiner ſelbſt-Offenbah⸗ 
rung; und die irrdiſche entſtehet aus der Impreflionder Finfter> 
nuͤß im Marte, als in des grimmen Feuers Eigenſchafft: Dar— 
umb ſtehet dieſer Begierde Weſen in zweyen Dingen / als im 
Waſſer vom Urſtand der Freyheit / und im Sulphurvom Urſtan⸗ 
de der Natur nach der Impreſſion. 


16. Die aͤuſſere Gleichnuͤß des himmliſchen iſt Waſſer und 
oöhl / verſtehet nach der Sonnen iſts Waſſer / und nach Joveifts 
Ohl / und nach der harten Impreflion Saturniifts nach dem him⸗ 
lifchen nach Marte Kupffer / und nach Sole Gold / und nad) der 
irrdiſchen Impreflion nach der Finfternüg Eigenſchafft ifts im 
Sulphur Brief / dasift Sand: Nach des Martis Eigenfchafft eis 
ne Urſache aller Steine / dann alle Steine feynd Sulphur aus 

Saturni 


- 
* 
f 


| 


Cap.9. Rerum. 9% 
Saturni und Martis Gewalt / in Veneris Eigenſchafft / nach wer 
finftern Impreflion , verftehet nach dem irgdifchen Theil. 

17. Dihrlichen Weifen/wann ihr wuͤſſtet was im Kupfer fie 
get/ ihr wuͤrdet euere Dächer nicht fo edel decken / der Gewaltige 
verleuret offt fein geben umbs Knechtes willen / undden Herrn 
decket er aufffein Dach / darumb ift er blind / das macht in ihme 
feine falſche Venus-Begierde / daß er die im Saturno und Marfe 


faſſet / und fuͤhret die in Sole aus: Faffete er feine Venus=begierde 


im Jove , fo möchte er über den yungrigen Martem herrſchen / der 
in Venere lieget / und der Veneri im Sulphur hat fein Röcklein ans 
gezogen: Alfo geucht Mars auch allen feinen ienern / die ihn 
und Saturnum lieb haben / ſein Roͤcklein an/dat fie nur das Venus- 
Kupffer / und nicht fein Gold im Kupffer finden. Der @eift des 
Suchers führet in Sul, alsin Hoffarth / und dendet er habe Vene- 
zem ‚aber er hat Saturnum , alsven Geitz: Führe er im ZBaffer / 
alsinder gelaffenen Demut der Venerisaus/ fo würde ihm der 
Steinder Weifen offenbahr. 

18. Diefeihfte Geftaltift Mercurias, als das Leben und die 
Entfigeidung oder der Formerin der Siebe und Angft. Im Sa- 
turno und Marteifter an einem Theil irrdiſch nach der harten 
Impreflion , da fein Bewegen und Hunger cin ftachlicht] feindig / 
und nach dem Feuer ein bitter Wehe iſt / Und nach dem Waſſer in 
dem irzdifchen Sulphur ‚ als in der Ertödtung eine Gifft-quaal. 

19. Und nach dem andern Theil nach der Freyheit Luſt / iſt er im 
Jove und Venere die liebliche Eigenſchafft der Freuden: Itew, des 
Gruͤnens und Wachſens / und nach der Impreflion des himliſchen 
Saturni, und nach Dein Marte in der Liebe-Begierde iſt er ins 


Geiſte der Hall / verſtehet der Entſcheider des Halles / als des 


Thones: Item, alles Geſchreyes der Sprachen / alles was lau⸗ 
tet; durch feine Gewalt wird alles unterſchieden / Venus und sa- 
turnus fragen ihm feine Lauten / und er iſt der Lauten⸗-ſchlaͤger/ 
er ſchlaͤget auff Venus und Saturnus, und Mars gibet ihme den 
Klang aus dem Feuer / alfo freuet fich Jupiter in Sole. : 
20, Allyie fieget das Myfterium lieben Bruͤder / Mercurius. 
machet im Jove den Verſtand / dann er unterſcheidet die Sin⸗ 
nen / daß fie fliegende. ſeynd / er faſſet die Unendigkeit der Sinnen 
in feine Begierde / und machet fie weſentlich / das thut er im sul⸗ 
phur, und ſein Weſen iſt die mancherley Krafft des Geruches 
und Geſchmackes / und Saturnus gibet ſeine Schaͤrffe darein / daß 
es ein Saltz iſt. Ich verſtehe aber allhie das Krafft-ſaltz in dent 
vegetabilifihen Leben: Das Stein⸗ſaltz machet Saturnus im 
Waſſer! 


92 De Sıcnarura Capo. 


Waſſer / er ift ein himmliſcher und irrdiſcher Arbeiter / und ars 
beitet in jeder Geſtalt nach der Geſtalt Eigenſchafft / wie gefehries 
ben ſtehet: Bey den Heiligen biſt du heilig / und bey ven Ver⸗ 
kehrten biſt du verkehrt. 

21. In den heiligen Engelnift der himliſche Mercurius heilig 
und Goͤttlich / und in den Teufeln iſt er die Gifft und der Grimm 
der ewigen Natur nach der finftern Impreflion Eigenſchafft / und 
al,o fort durch alle Ding; wie ein Ding einer &igenfchafft ift/ alfo 
iſt auch fein Mercurius, als fein geben / inden Engeln ifter Tas 
Lob⸗geſang GOttes / und in den Teufelnifter das Fluchen und 
Erwecken des Widerwillens der bittern gifftigen Feindſchafft. 

22. Alſo auch im Menſchen und allen Creaturen zu verſtehen 
iſt / in allein dehme was lebet und webet: dañ der AuffereMercurius 
iſt in der auſſern Welt das aͤuſſere Wort / er iſt das aͤuſſere Ver- 
bum, und der Saturnus mit der Imprelſion ift fein Fiat, der ihm 
ſein Wort leiblich machet. Und im innern Reiche der Goͤttlichen 
Krafft iſt er das ewige Wort des Vatters / dadurch er alle Ding im 
aͤuſſern (ver ſtehet mit dem Werck-zeuge des aͤuſſern Mercurii) ges 
machet hat: Der aͤuſſere Mercurius iſt das zeitliche Wort / das 
außgeſprochene Wort / und der innere iſt das ewige Wort / das 
ſprechende Wort. 

23. Das innere Wort wohnet im aͤuſſern / und machet durch 
das aͤuſſere alle aͤuſſere Dinge / und mit dem innern die innere 
Dinge. Der innere Mercurius iſt das Leben der Gottheit / und 
aller Goͤttlichen Creaturen; Und der aͤuſſere Mercurius iſt das 
schen der aͤuſſern Welt / und aller Aufferlichen Leibligkeit in 
Menſchen umd Thieren / in Wachſenden und Gebaͤhrenden / und 
macht ein eigen Principium, als eine Gleichnuͤß der Göttlihen 
Welt / und das iſt dit Ofſenbahrung der Goͤttlichen Weißheit. 

24. Die fiebende Geſtalt heiſſet Luna , dasgefaffete Weſen / 
was der Mercuriusim Sulphur hat gefaffet / Das iſt sin leiblicher 
oder weſentlicher Hunger aller Beftalmüffen: Es liegen aller 
ſechs Geſtalten Eigenfchafft darinnen / undift gleidy als ein 
leiblich Weſen der andern allen. Diefe Eigenschaft iſt gleich 
als ein Weib der andern Geſtalten / dann die andern Geffalten 
werffenalleihre Begierde durch Solem in Luram : Dann in So- 
le werden fie geiftlich / und in Luna leiblih: Durumb nimt der 
Mond der Sonnen Schein anfich / undfiheinet aus der Son» 
nen ;was die Sonne in ſich im Geiſt-Leben iſt und machet / das iſt 
und machet Luna infich leiblich: Erift himmliſch und irrdiſch / 
und fuͤhret Das wachfende geben / er hat das Menftruum, u die 

Matti» 


| Cap 9: Rerum 93 


Matricem Veneris in fich / in feiner Eigenfchafft gerinnet alles 
was leiblich wird. Saturnus iſt ſein Fiat, und Mercurius ift fein 
Mann) der ihn ſchwaͤngert / und Mars ift feine vegetabiliſche 
Seele / und Die Sonne iſt fein Centrum iin Hunger / und nicht 
gang inder Eigenfihafft / dann er empfaͤhet von der Sonnen nur 
die weiſſe Farbe / nicht die gelbe oder rothe / als die majeftätifche : 
Darum liegetin feiner Eigenfchafft / in Metallen das Silber / 
und in Solis Eigenfiyafft das Gold. x 

25. Weil aber Sol ein Geift ohne Weſen iſt / ſo haͤlt Satur- 
nusder Sonnen ihr leiblich Weſen in fich zur Herberge / dann ex 
iſt das Fiarder Sonnen / er haͤlts in feinem finttern Kaſten vers 
ſchloſſen / und verwahret es nur / dann es iſt nicht fein eigen We⸗ 
fen / big die Sonne ihren Werckmeiſter den Mercurium zu ihm 
ſechicket / dehme gibt ers / und ſonſt keinem. 

26. Dasmerdetihr Weiſen: Es iſt Fein Tand oder Betrug / 
der Artiſta ſoll uns wohl verſtehen / er ſoll das verſchloſſene Klei⸗ 
nod im Saturno in die Mutter der Gebaͤhrung als in Sulphur ein⸗ 
führen / und den Werckmeiſter nehmen / und alle Geftälte ger> 
theilen / und die Viele der Hunger entfondern : welches der Werck⸗ 
meiſter ſelber thut / wann der Artiſta das Werck in die erſte Mut⸗ 
ter einfuͤhret / als in Sulphur: Aber er muß das boͤſe Kind den 
Me:curium vonehe mit ver philofophifchen Tauffe tauffen / daß 
er nicht ein Huren-kind aus Sole machet / alsdann führe erg in 
die Wuͤſten / und verſuche / ob der Mercurius nad) der Tauffe wil 
Manna in der Wuͤſten eſſen / oder ober wilaus Steinen Brod 
machen? oder ober wilals ein ftolger Geiſt fliegen / und fih vom 
Tempel ſtuͤrtzen / oder ob er wil Sarurzum anbeten / in welchen 
Der Tenfelverborgen figet /das follder Artifta mercken: Ob Mer- 
eurius das böfe gifftige Kind die Taufe annimt / ober won GOt⸗ 
tes Brod effenmag. Wo er alſo iſſet und inder Verfuchung bes 
ftehet / fo werden ihme nad) viergig Tagen die Engel erfcheinen / 
fo gehe er ans der Wuͤſten und eſſe feiner Speife / foiftder Ar- 
riſta zu feinem Wercke geſchicket / wo nicht / fo lagers ja bleiben / 
und halte fich noch zu unwürdigdarzu: Er muß den Berftand 
der Gchährung der Natur haben / oder es ift alle feine Mühe 
umbſonſt: Es fen dann dag ihme aus Genaden des Höchften cin 
Particular ſey gegeben worden / daß er kan Venerem und Martem 
tingiren/ welches das Fürgefte ift/fo ihme GOtt ein ſolches Kraͤut⸗ 
Sein geiget / da Die Tin&ur inne lieget. 

27. Der Lunarifche $eib der Metallen lieget im Sude der 
" Erden im Sulphure und Mercurio mit Vensris Kleide im Innern 


ub r 


J 


»4 De SIGNATURA Cap. 9. 


überzogen / undim äuffern mit Saturni Roͤcklein gekleider/ wie 
vor Augen ift/ undift einen Grad aͤuſſerlicher als der Solarifche 
$cib; nach Luna iſt Jovis Leib auch einen Brad anfferlicher nach 
Jove ift Veneris Leib auch einen Grad Aujferlicher & Aber Venus 
iſt ein ſchlimmer Vogel / ſie hat auch den innern solariſchen: Sie 
nimt des Martis Roͤcklein über ſich / und verſtecket ſich ſelber in 
Saturni Kaſten / aber fie iſt offenbahr und nicht heimlich. 

28. Nach Venere iſt Mars auch einen Grad aͤuſſerlicher 1 ıd 
näher zur Irrdigkeit; und nach Marteift Mercurii $eib/ alscin 
Partickel der andern allen / der irzdifchen Seibligkeit an einem 
Theil am näheften / und am andern Theil der himmliſchen am 
naͤheſten: Und nach Mercurioift Lunaamı irrdiſchen Theilgang 
irrdiſch / und am himmliſchen Theil gantz himmliſch; Er fuͤhret 
ein irrdiſch und himmliſch Angeſicht gegen allen Dingen: Dem 
Voͤſen iſt er boͤß und dem Guten iſt er gut / einer lieblichen Crea⸗ 
tur gibet er fein beſtes im Geſchmack / und einer boͤſen gibet er 
den Fluch der verderbten Erden. 

29 Nun dieſes alles / wie die Eigenſchafft eines jeden Dinges 
im Inneren iſt / alſo bezeichnet ſichs im aͤuſſeren / beydes in den 
Ichhafften und wachſenden Dingen: das werdet ihr an einem 
Kraute fehen/fo wohlan Bäumen un Thieren/auch an Menfchen, 

30. Iſt die Saturninifche Eigenfchafft feinem Dinge mächtig 
und Primas,foiftsinder Farbe ſchwartz / graulecht / hart un derbe/ 
ſcharff / ſauer oder geſaltzen am Geſchmack / bekomt einen langen 
mageren Leib / an den Augen graw / ſo wohl an der Blume 
tunckel / gar ſchlecht am Leibe / aber hart am Angriffe: Wiewohl 
Saturni Eigenſchafft ſelten an einem Dingealleine machtigift/ 
denn er erwecket mit feiner harten Impreſſion balde den Martem, 
der macht ſeine Eigenſchafft hoͤckricht un bucklicht / gantz knorrecht / 
und wehret / daß der Leib nicht lang waͤchſet / ſondern wirdäftig 
und wilde / wie an den Eichenbaͤumen und dergleichen zu ſehen iſt. 

31. Iſt aber Venus an einen Orthe im Sude der Erden dem 
Saturno am naͤheſten / ſo gibet der Sud im Sulphur Saturni ei⸗ 
nen langen ſtarcken Leib / dann fie gibet ihre Suͤſſigkeit in Sa- 
turni Imprefli ın, davon Saturnus gantz luſtig wird/ und fo Venus 
vom Martenicht verhindert wird / fo wirds ein groffer / langer / 
ſchlechter Baum Kraut/ Thier oder Menfch / was es dann ift. 

32. Iſts aber dag ihme Jupirerin Veneris Eigenfhafft am 
naͤheſten ift / daß Jupiter fFärcer im Saturnoift als Venus , und 
Mars unter Venere ift / fo wirds cin föftlicher Leib/ voll Tugend 
und Krafft/ auch guten Geſchmacks; Seine Augen find * 

un 


— | 
Cap.9. RerRnM. 95 


und etwas weißlicht / demuͤthiger Eigenſchafft aber gantz maͤch⸗ 


tig: Komts daß Mercurius zwiſchen Venus und Jupiſer inne iſt / 


und Mars zu unterſt / ſo wird dieſe Eigenſchafft im Saturno im 
hoͤchſten Gradgradiret / mitaller Krafft und Tugend / in Wors 
* und Wercken / mit groſſem Verſtande. 

3. Iſts in Kraͤutern / ſo werden fie lang / eines mitlern Leibes / 
führ — geſtalt / ſchoͤner Blumen / weiß oder blaw: Wo ſich 
aber die Sonne auch mitihrer Eigenfchafft darzu eindringet / fo 
neiget ſichs mit der Farbe offt wegen der Sonnen zur Gelben; ſo 
ſie vom Marte unverhindert iſt / ſo iſt das Univerfal gantz herzlich 
in dieſem Dinge / es ſey ein Menſch oder andere Ereatur / oder 


ein Krautder Erden / Das mag der Magus mercken / es wider⸗ 


ſtehet aller Boßheit und falſchem Eingriffe von Geiſtern / wie die 
auch immer ſeyn moͤgen / ſo ferne ein Menſch nicht ſelber falſch 
wird / und ſeine Begierde nach dem Teuffel neiget / wie Adam 
thaͤte / in deme das Univerſal auch gang war. 

34Mit ſolchen Kraͤutern iſt gut zů curiren und zu heilen ohne eis 
nige Kunſt des Artiſten / aber man wird ſie ſelten finden / auch unter 
vielen ſiehet fie nicht einer / dann ſie ſeynd dem Paradiß nahe / der 
Fluch GOttes verdecket dem boͤſen Auge das Sehen / daß es das 
nicht ſiehet / und ob ers fuͤrn Augen ſtehen haͤtte; Jedoch in einer 
ſolchen Conjunction der Planeten ſeynd ſie offenbahr / und mögen 
ſich nicht verbergen. 

35. Darumb liget in manchem Kraute und Thiere groſſe 
Heimligkeit / wann diß der Artiſta wuͤſte zu gebrauchen / und ken⸗ 
netees. Die gantze Msgia liget darinnen / aber wegen des Gott⸗ 
loſen iſt mir zu ſchweigen gebotten / der es nicht wehrt iſt / und 
billich mit der Plage damit er andere Fromme plaget / und ſich im 
Kothe ſudelt / geplaget wird. 

36. Iſts aber daß Mars in ſeiner Eigenſchafft dem Saturno am 
naͤheſten / und Mercurius einen Gegenſchein darein wirfft / und 
Veneris Gewalt unter Marte iſt / und Jupiter unter Veneris Ei⸗ 
genſchafft / ſo wird auß dieſer Eigenſchafft alles verderbet und 
vergifftet: Ein gifftig Kraut / Baum / Thier und was das ſeyn 
mag: faͤllet es in die verderbte Menſchliche Eigenſchafft / fo iſt 
dehme vollend zum Ubel geholffen; komt aber der Monde mit ſei— 
ner Gewalt auch darein / ſo iſt die falſche Magia in des Monden 
Menſtruo fertig / und die Zauberey offenbahr: Deffen ich allyie 
weiter gefhweigen foll/ und nur die Signaturanzeigen. 

37. Am Kraut ift die Blume etwas röthlich und fchielicht / 
iſt je aberzur Weiße geneiget neben der Rothen / das iſt Veneris 

Gewalt / 


6 De Sıonaruna Capo. 


41 

Gewalt / die etwas einen Einhalt darinnen thut / iſt ſie aber nur 
rothlecht und tunckel ſchielecht mit einer rauhen Haut am Sten⸗ 
gel / Laub und Bluͤthe / ſo iſt der Baſiliſcus darinnen zur Herberge: 
Dann Mars machet rauh/ und Mercurius iſt gifftig darinnen / 
der gibet ſchielichte Farbe / und Mars die rothe / und Saturnus die 
tunckele / das iſt eine Peſtilentz im Menſtruo des Monden; aber 
dem Artiſten iſts ein Kraut wider Die Peſtilentz / ſo er dem Mer- 
curio den Gifft nimt / und gibet ihm Venerem und Jovem zur 
Speiſe / ſo fuͤhret Mars die vegetabiliſche Seele in Sole aus / und 
machet aus feinem Grimmen-Fewer ein Liebe-Fewer / welches 
der Kuͤnſtler wiſſen ſoll / wil er ein Doctor genannt ſeyn. 

38. Dieſe Eigenſchafft ſigairet auch die lebendigen Creaturen 
beydes im Hall und im Angeſichte: Er gibet einen tunckelen 
Hall / etwas zur hellen Stimme geneiget vom Marte, ſchmeich⸗ 
lende und gang falſch / luͤgenhafft / gemein rothe Puͤncktlein in 
Augen / oder ſchielicht verdraͤhende unſtaͤte Augen: Alſo auch 
in Kraͤutern am Geſchmacke gantz eckel / davon ins Menſchen 
Leben / als im Mercurio, fo er das in ſich bekomt / eine quellende 
Gifftentftchet / und das geben vertunckelt. 

39. Auff diefer Eigenſchafft Krauter/ fol der Medicusacht 
haben / fie dienen gar nicht in Leib / fondern feyndgifftig / weg 
Namens ſte auch ſeyn mögen / dann es faͤllet offt eine ſolche Con- 
jundion der Planeten / und bereiten wohl manchmahl ein Kraut 
Das gut iſt / fo es dem Saturno und Marti unterworffen iſt. Alſo 
geſchichts auch offters / daß ein boͤſes von einer guten Conjun- 
&ion , fo es in ſeinem Anfange im Menſtruo ſtehet / mag von der 
Boßheit erlediget werden / welches man an der Signatur erkennet / 
darumb kan ihme der Medicus, welcher die Signatur verſtehet / 
am beſten ſelber die Kraͤuter ſamlen. 

40. Iſt aber Mars dem Saturno am naͤheſten / und Mercurius 
gar ſchwach / und Jup ter unterm Marte in der Eigenſchafft / und 
Venus einen Gegenſchein oder Einwurff mit ſeiner Begierde 
thut / ſo iſts gut: Dann Jupiter und Venus ſetzen Martis Grimm 
in Freuden / das gibet hitzige heilſame Kraͤuter / welche in allen 
hitzigen Kranckheiten und Schäden zu gebrauchen ſeynd / das 
Kraut wird auch rauh undein wenig ftachlicht / die Aftlein an 
Blättern / fo wohl der Stengel iſt ſubtil nad) Veneris Art aber 
die Krafft ift Martis und Jovis, vermenget und wohltemperiref/ 
gemein mit braumnlichten Blumen / außdringende in der Eigen» 
ſchafft und ſolches darumb / daß Mars mit feinem Brimm darin 
nen ſtarck iſt weil aber fein Grimm von Jove und Venerein 

ine 


7 \ $ 
eine freundliche Eigenfchafft verwandelt ift / fo ift der Grimme 
eine Freuden⸗begierde 

41. Der Medicus foll der hitzigen Kranckheit nicht Saturnum 
ohne dem Marte eingeben /nicht Kalte ohne Hitze / er zuͤndet ſonſt 
den Martem im Grimme an / dag er den Mercurium in der har⸗ 
ten Impreflion in des Todes Eigenſchafft erwedet. 

42. Einer jeden martialiſchen Krandheit / welche von Hitze 
and Stechen iſt / gehöret Mars zur Eur: Aber dasfoll der Me- 
dicus wifjen / daßer den Martem , den er wil eingeben / ſoll don⸗ 
ehe mit Jove und Venere gütigen / daß Martis Grimm in cine 
Freude gewandelt werde/ alsdenn wird er auch die Krankheit ing 
Leibe in Freude verwandelen / die Kälte iſt ihme gantz zuwider. 

43. ©o dir Medicus Saturnum in eine martialifche Kranck⸗ 
heit oder Schaden einig und alleine einführet/ fo erſchricket Mars 
vorm Tode /umd erſincket mit feiner Gewalt in Zodes-Eigen= 
Saft / ſo er dann das Feuer im Corpus iſt / fo wird des Lebens 
Seuer in dverelementifhen Eigenfihafft tödtlich / dan er erwecket 
alsbald dein Mercurium in der Falten Eigenſchafft; aber vor deh⸗ 
me fol fich verMedicus huͤten / daß er nicht in einer hitzigen Kranck⸗ 
heit / den rauen hitzigen Martem ‚in dehme der Mercurius gantz 
entzündetund brennendift] eingebe : Danner zuͤndet das Feuer 
im Corpore fehreran» Erfollden Martem und Mercurium von⸗ 
ehe gütigen und in Freude fegen / alsdann iſt er recht gut. 

44. Schigigerein Kraut iſt / je beffer iſts darzu / jedoch daß 
ihme der Feuer⸗grimm in Liebe verwandelt werde / ſo kan es auch 
den Grimm im Coͤrper in Freude verwandeln / als nach der 
Krankheit Eigenfchafft / dag es die Krandheit erfragen magz 
Dann einen ſchwachen Feuer im Leibe welches abgemattet iſt 
von der Hitze / und ſich mehr zur Kaͤlte als zur Gifft des Mercutiĩ 
neiget / da das Leben faͤhrlich iſt / dehme gehoͤret eine Cur mit 
ſubtiler Hitze / da Venus ſtarck innen iſt und Mars gar gelinde 
yon Veneris Gewalt / Jupiter darff auch nicht ſtarck allda ſeyn / 
er machet ſonſt den Martem und Mercurium zu ſtarck / daß er das 
ſchwache Leben / ehe es ſich erquicket / unterdruͤcket / und in die 
mercurialiſche Gift einführet. 

45. Ein Kraut in diefer obigen Eigenſchafft w achſt nicht 
hoch /iſt etwas rauh anzugreiffen / jerauer es iſt / je —— 
iſt Mars darinnen / das kan mehr außwendig gebraucht werden 
zu Schaͤden als inwendig / das ſubtile gehoͤret in Leib und treibet 
aus /je ſubtiler es iſt / je naͤher iſt es deim Leben im Leibe / welches 
der Medicus an ſeinem Saltze zu Br hat / dann keine — 

wilde 


98 De Sıanarura Caps. 


wilde Eigenfchafft gehöret in den Leib / der Leib fey dann mit ei⸗ 
ner geſchwinden Gifft angeltedet worden / da das schen noch 
frife) und ſtarck iſt / fo muß ein heftiger Widerſtand feyn/ jedoch 
daß Mercurius und Mars nicht im Grimme eingegeben werden / 
fondern in ihrer maͤchtigen Krafft: Mars in der groffen Hiße/ 
aber zuvor in Freude verwandelt / fo wandelt er auch den Mercu- 
rium nach fich. Jupiter gehöret zur Berwandelung des grimmiz 
gen Martis, aber er muß in Solis Eigenfchafft eingeführet wera 
den / alsdann iſt er recht darzır. u 

46. Eine jede lebendige Creatur nach ihrem Gefchlechte der 

obigen Eigenfchafft ift freundlich und lieblich / fo man mis ihre 
freundlich umbgehet; und fo man ihr zuwider thut/ fo wird Mer- 
curius in der Gifft⸗Eigenſchafft erwecket: dann Mars erhebet fich 
alsbald in der bittern Eigenſchafft / fo quillet der Zorn herfür / 
dann der Grundaller Boßheit lieget varinnen / fo esaber nicht 
erwecket wird / fo wirds nicht offenbahr / wie eine groffe Kranck⸗ 
heit im Leibe fieget / weil aber diefelbe verborgen und nicht ange» 
zündet wird / foift fie nicht offenbahr. 
47. Iſts aber daß Mercurius in der Eigenfchafft dem Saturno 
zu naͤheſt iſt / und nach ihme der Monde / und Venus und Jupiter 
unten und fchwach ſind /Mars fiche dann wo er wolle / fo iſts 
alles irrdiſch / dann Mercarius wird in der ſtrengen Impreſſion 
in der kalten Eigenſchafft / als in der Todes-geftalt gehalten/und 
fein Sulphur ift irrdiſch / komt Mars nahe darzu /fo ifts auch giff⸗ 
tig /macht aber Venus einen Begenfchein darein / fo wird dem 
Giffte gewehret: Iſt aber doch nurirrdiſch / gibet eine gruͤnliche 
Farbe von Veneris Gewalt. — 

48. Iſts aber / dag Venus dem Saturno in der Eigenſchafft ans 
naͤheſten / und der Mond vom Marte nicht verhindert wird / und 
Jupiter auch in eigener Gewalt gehet ſo iſts alles lieblich / die 
Kräuter werden fchlecht und weich im Angriff / weiffer Blume: 
es führe dans Mereurius aus der Sonnen Gewalt eine gemengte 
Farbe ein / als vom Marte halb roth / und vom Jupiter blaulcht ; 
amd ift in der Eigenfchafft ſchwach /umd in der Artzney wenig 
dienſtlich / doch auch nicht ſchaͤdlich / in der Creatur gibets ein lich» 
lich demuͤthig Leben / mit Feiner hohen Bernunfft: Komt aber der 
Mars darein/fo wird die Venus begierig un feuriſch zur Unkeuſch⸗ 
heit / die Ereatur wird fubtil/weiffer und weicher weibifcher Arth, 
40. Der fuͤrnehmſten Saͤltze ſeynd drey/ welche man zur Eur 
an ag gebrauchen / welche in das vegerabilifche chen gehören = Als 
J upitex, Mars und Mercnrins dieſe find Das wuͤrckende Leben / in 
welchem 


u = use 
Dt 


Cp.9 ':: Rerum. ‚„ 
welchem die Sonne der rechte @eift iſt / welche die Saͤltze würden- 
de macht. Fl — 
so. jovis Saltz oder Krafft / iſt liebliches guten Geruchs und 
Geſchmacks aus dem innern Urſtande / von der Freyheit der Goͤtt⸗ 
lichen Weſenheit / und vom aͤuſſeren von der Sonne und Veneris 
Eigenfhafft :Esift aber einig und aileine der Natur nicht ges 
nug mächtig / dann die Äuffere Natur feehetin Feuer und Angſt / 
als in Gifft / fo ift die jovialifche Krafft dem feurigen Gifft-leben 
enfgegen gefeget / das macht in der gifftigen Natur eine Tempe- 
rantz /als aus Feindfchafft eine Begierde der Sanfftmuth. 
gr. Das wartialiſche Saltz iſt feurig / bitter umd ſtreng / und 
das mercurialiſche Saltz iſt aͤngſtlich / gleich einer Gifft zur. Hitze 
und Kaͤlte geneiget / dan es iſt das Leben im Sulphur, und eineignet 
ſich nach jedes Dinges Eigenſchafft. In Jovis Saltze fo es dar⸗ 
ein komt / machets Freude und groſſe Krafft / ſo es aber in Martis 
Saͤltz kout / ſo machets bitter Stechen / Wuͤthen und Wehethun: 


Komts aber in Saturni irrdiſch Saltz / ſo machets Geſchwulſt / 


Angſt und Tod / ſo ferne ihme nicht vom Jove und Venere einhalt 
gethan wird. Venus und Jupiter ſeynd dein Marti und Mercurio 
entgegen geſetzet / daß ſie dieſe beyde temperiren / und ohne Martie 
und Mercarıi Gewalt / wäre weder in Jore, Venere noch Sole ein 
Leben / ſondern nur eine Stille. 

52. Darumb ſo iſt das Voͤſeſte fo nuͤtzlich als das Beſte / und 
äft eines des andern Urſache. Alleine dein Medico iſt zu mercken 
was er fuͤrhabe / daß er nicht dem Patienten die mercurialifche 
Gifft ſehrer entzünde/over.eine audere feindliche Quaal einführer 
Zwar er ſoll das martialiſche und mercurialiſche Saltz zur Eur 
gebrauchen: / aber ev follden Märtem und Mercurium vonche mif 
Venere und Jove verföhnen / daß die beyde Zuͤrner ihren Willen 
in Jovis Willen einergeben / dag Jupiter, Mars und Mercurius 
alle dreyeinen Willen inder Krafft befommen / alsdann ift Die 
Eur gerecht / und wird fich die Sonne des Sehens in diefer Ber⸗ 
sinigung wieder anz uͤnden / und den Ekel der Kranckheit auch alfe 
in der Widerwertigkeit im Saltze der Kranckheit temperiten 7 
und aus Mercurii Gifft / und Martis bittern Feuer einen froͤlichen 
Jupiser machen. 

53. Diefes iſt alfo nur auff die vegerabilifche Selen zu vers 
ftchen / als auff den äuffern Menſchen der inden vice Elementen 
lebet / und auff die enGbilifege oder fühlende Eigenſchafft. 

154. Ratio oder die Bernunfft dat ihre Eur auch mit ihrer 
Bleihheits Wieder Vernunfft m orten kan eine — 
1 2 htit 


109 De Stenarura Cap! 


heit in Senfibilia eingeführet werden / daß fich Die Vernunfft 
kraͤncket und quaͤlet / amd endlich in ſchwert Kranckheit und Tod 
einjühret 2 Alfo Kan fie auch mit dem Gegenfage deffelbigen 
Dinges curiret werden. Als ich fege ein Erempel: Es kaͤme eitt 
guter Mann in groffe Schuld/ Kummer und Noth / der Erändet 
ſich endlich zu todte: Sp aber ein guter Freund komt / und zahlet 
ihme die Schuld) fo ift die Cur mit der Gleichheit ſchon da: Alfe 
ifts in allen Dingen / wovon die Krandheit ift entftanden / der⸗ 
gleichen Cura schöret zur Geſundheit / folches ift auch in der 
mentalifchen Seelen. 

35. Dem armen Sünder iftfeine Seele in GOttesZorn vers 
gifftet worden / und iſt der Mercurius (verfichet den ewigen Mer- 
curium in der ewigen Natur Jin der feelifchen Eigenfchafft in 
dem feurigen Marte GOttes Zorns entzündet worden / der bren⸗ 
net nun in dem ewigen Saturno, als in der erfchresflichen Impres- 
Sion der Finſternuͤß / und fuͤhlet den Stachel des giftigen zoͤrni⸗ 
gen Martis : Seine Venus ift im Hauſe des Elendes gefangen / 
fein Waſſer iſt vertrucknet/fein Jupiter des Berftandes ift in die 
geöjte Thorheit eingeführet worden / feine Sonne ift verloſchen / 
und fein Mond zurfinftern Nacht worden. 

56. Dehme mag anderft nicht gerathen werden / als mitder 
Gleichheit / er muß nur wider ven mentalifchen Mercurium fänff> 
tigen z Er muß die Venus, verftchetdie Liebe GOttes nehmen / 
und in feinen gifftigen Mercurium und Martem cinführen/ und 
den Mercurium in der Seelen wieder mit der Siebe tingiren / fo 
wird feine Sonneinder Seelen wieder fiheinen /und fein Japi- 
ter fich freuen. 

57. Sprichft du nun / ich kan nicht / ich bin zu ſehr gefangen / 
ſo ſage ich: Ich kan auch nicht / dann es lieget nicht an meinem 

Wollen) Lauffen und Rennen / ſondern es lieget an GOttes Er⸗ 
barmen / dann ich Fan aus eigener Gewalt nicht dem grimmen 
Zorne GOttes feine Gewalt nehmen /derin mir entzündet iſt: 
weilfich aber fein liebes Hertz aus Liebe / und in Liebe hat wieder⸗ 
umb in die Menſchheit eingegeben / als in den gifftigen entzuͤnde⸗ 
ten Mercurium in der Seelen / und die Seele als den Gifftzquaal 
der ewigen Natur in des ewigen Vatters Ratur Eigenfchafft 
tingiret / ſo wil ich meinen Willen in ſeine Tingirung einwerffen / 
und wil mit meinem Willen aus der entzuͤndeten Gifft-quaal / 
aus dem böfen Mercurio in GOttes Zorne / in ſeinen Tod eingehen / 
und mit meinem verderbten Willen in ſeinem Tode in und mit 
ihm ſterben / und ein Nichts in ihme werden / ſo auf er me — 

werden: 





Cap.9. Rerum. For 


werden: Daun fo mein Wille cin Nichts ift/ fo iſt er in mir ung 
erwil/ fo kenne ich mich alsdann nicht mehr mir/ fondern ihm. 

sg. Wil eraber dag ich etwas ſeyn foll / fo mache ers; wiler 
aber nicht / fo bin ich in ihme todt / fo lebet er in mir wie er wil: fd 
ich alsdann ein Nichts bin/fo bin ich am Ende in dem Weſen / dar⸗ 
aus mein Barter Adam gefchaffen ward / dann aus dem Richie 
hat GOtt alles gemacht. 
59. Das Nichts iftdas höchfte Gut / dann es iſt feine Tatcba 
darinnen / fo kan mich nichts ruͤhren / dann ich bin mir felber 
nichts / fondern ich bin GOttes / der weiß was ic) bin / ich var es 
nicht / ſoll es auch nicht wiſſen. Und alſo iſt die Eur meiner See⸗ 
len⸗kranckheit / der es mit mir wagen wil / der wirds erfahren / 
was GOtt aus ihm machen wird. Als ich ſetze ein Exempel: 

60. Ich ſchreibe allhie / und ich thue es auch nicht / dann ich / der 
ich bin / weiß nichts / habe es auch nicht gelernet: ſo thue nun ichs 
nicht fondern GOtt thut in mir was er wil: Ich bin mir nichts 

bewuſt / ſondern ich weiß ihme / was er wil: Alſo lebe ich nicht 
mir / ſondern ihme / und alſo ſind wir in Chriſto nur Einer / als ein 
Baum in viel Aeſten und Zweigen / und die Frucht gebiehret er in 
jedem Zweiglein wie er wil / und alſo hab ich ſein Leben in meines 
gebracht / daß ich mit ihme verfoͤhnet bin in feiner Liebe. 

61. Dann fein Wille iſt in Chriſto indie Menſchheit in mich 
eingegangen / fe gehet nun mein Wille in mir in feine Dienfche 
heitein / und alforingiret mir fein lebendiger Mercurius , das iſt / 
fein Wort / alsder fprechende Mercurius meinen grimmigen boͤ⸗ 
fen Mersurium , und tranfmutiret meinen in feinen / und alfo ift 
mein Mars ein Siebe-feuer GOttes worden / und fein Mercurfus 
fpricht durch meinen / als durch feinen Werkzeug was er wil/ und 
alfo lebet mein Jupiter in Freuden GOttes / und ich weiß es nicht] 
mir ſcheinet die wahre Sonne / und ich ſehe fie nicht : Dann Ur⸗ 
fache ift diefes ; 

62. Ich febe mir felber nicht / und ſehe mir ſelber nicht / w 
weis mirfelbernicht. Ich bin ein Ding / und weiß nicht wa 
dann GOtt weiseswasihbin. So lauffe ich nun dahin / als 
ein Ding /wie michder Geiſt im Dinge treibet / und alfo lebe ich 
nach meinem innern Willen der doc) wicht meine iſt. 

63. Ich finde aber noch ein ander Leben in mir /der ich bin / 
nicht siach ver Gelaffenheit / fondern nach der Creatur diefer 
Welt / als nach der Gleichnuͤß der Ewigkeit : Duffelbe Leben 
ſtehet noch im Gifft und Streit / und ſoll noch zum Nichts wer⸗ 
den / als dann ſo bin ich gantz u Yale So iſt nun in .— 

3 en 


12 DeSıewmarura Cap$i 


ben Schen/ darinnen ich noch meine Ichheit empfinde / die Sünde 
und der Tod / und das foll zunichte werden / Denn in dem Leben / 
das GOtt in mir iſt / bin ich der Sünden und dem Tode feind/ 
und nach dein chen Das in meiner Ichheit noch iſt / binich dem - 
Nichts (als der Gottheit) fein. 

64. Alſo fireitet ein Leben wider das andere / und iſt ein ſtaͤter 

Streit in mir. Weil aber Chriſtus in mir gebohren iſt / und in 

mieiner Richtheit lebet / ſo wird Chriftus wohl nach feiner Ver⸗ 
heiſſung im Paradeiß gefihehen) der Schlangen / als meiner Ich⸗ 
heit / den Kopff zertretten / und den boͤſen Menſchen in meiner 
Ichheit toͤdten / auff daß der lebe / der er ſelber ift. 

65. Was foll aber Chriſtus mir dem boͤſen Menſchen thun / 
ſoll er ihn wegwerffen ? Nein / dan er iſt im Himmel / und verbrin⸗ 
get ſeine Wunder in diefer Welt / welche im Fluche ſtehet: Damit 
ſo arbeitet nun ein jeder in dem ſeinen / der aͤuſſere arbeitet in 
der verfluchten Welt / welche iſt boͤſe und gut / in den Wundern 
Gottes / als im Spiegel der Herrligkeit / welche an ihme noch fol 
offenbahr werden: Und der innere iſt nicht feiner ſelbſt / ſondern 
das Werckzeug GOttes / mit dehme macht GOtt was er wil / biß 
der aͤuſſere mit ſeinen Wundern im Spiegel auch in GOtt offen⸗ 
bahr wird werden: Alsdann iſt GOtt alles in allem / und er in 
ſeiner Weißheit und Wunderthat alleine / und ſonſt nichts mehr / 
und das iſt ver Anfang und das Ende / die Ewigkeit und die Zeit. 

66. So verſtehets nun recht; ſo gehoͤret nun dem aͤuſſern ſeine 
Cur von dem aͤuſſeren / als von dem aͤuſſeren Willen GOttes / 
der fich mit der ſtchtbahren Welt hat aͤuſſerlich gemacht / und dene 
innern von der innern Welt / welche GOtt alles in allem iſt / nur 
einer / nicht viel / einer in allem / und alle in einem. So aber der 
Innere durch den Aeuſſern dringet / und ſeinen Sonnenſchein 
durch ihn fuͤhret / und der Aeuſſere den Sonnenſchein des Innern 

annimt / fo wird er durch den Innern tinßiret / curiret und gehei⸗ 

t / und der Innere durchſcheinet ihn / gleich wie die Sonn das 

oder wie ein Feuer das Eiſen durchgluͤet. Jetzt bedarff 
er keiner andern Eur, 

67. Weil aber der Teufel im Grimme der ewigen Natur / als 
ein Feind der Seelen / der Setlen entgegen ſtehet / und feine giff⸗ 
tige Imagination immer nach der Seelen fuͤhret / fie zu ſichten / 
und der Zorn oder Grimm der ewigen Natur im auffern Meits 
ſchen offenbahr iſt welchen Adam erweckete / fo wird derfelbe 
Grimm offt vom Teufel und feinen Dienern erwecket / daß er im 
aͤuſſern Leibe qualificiret und brennet / alsdann erliſchet Das in⸗ 

vers 


m 


— — 


Cap. ꝙ. RERum. 10% 


nere Liebesfeuer im aͤuſſern Menſchen / wie ein gluͤend Eifen im 
Waſſer erliſchet / nicht im innnern alfobalde/ fondern im auffern z 
Es fen dann / daß der äuffere im Waſſer der Suͤnden bleibe lies 
gen / und daß die Seele / welche ſich zuvor hatte ins Nichts / als in 
die Freyheit ins Leben GOttes ergeben / mit ihrer Begierde in 
den aͤuſſeren ſuͤndlichen Menſchen eingehe / ſo verleutet ſie die ine 
nere Sonne / dann ſie gehet wieder aus Dem Nichts in das Et⸗ 
was / alsindie Auaal cin. 

63. Alſo muß der Auffere Seib alsdan eine auffere Eur haben / 


und ob gleich der innere Menſch noch in GOtt [cher / und die 


Seele aber in Auffern Grimm hafimaginiret / dag die Göttliche 
Tingirung nicht mehr im auffern iſt fo muß doch der aͤuſſere 


NMercutius, als das außgeſprochene Wort eine Tingirung von der 
aͤuſſeren aufgefprochenen Siebe umd Sicchte haben | es fey dann 


das der Willengeift der Seelen gan& wieder in den inneren 
verborgenen Menſchen eingehe / md wiederumb tranfimuriref 


werde /fomag die Eur wieder in den aufferen tingeführet wer⸗ 


den /als die durchfcheinende Liebe GOttes im Liechte / welches 
wohledelift. Aber das ift jet ein ſeltza m Kraut auffẽrden: Dañ 
Die Menfchen effen nur vom verbottenen Baume / darum 36 fo 
quillet in ihnen auff der Schlangen Sifft / im Grimme der ewi⸗ 
gen und Äufferen Natur / fo muͤſſe n ſie auch eine aͤuſſerliche Cur 
haben fuͤr ihren Schlan gen⸗gifft im aͤuſſern Mercurio. 

69. Es iſt wohl möglich / daz ein Menſch ohne Krandpeit le⸗ 
be / aber er muß die Göttliche Tirgiruing vom inneren Menfigen 


Durch den Aufferen führen / welchesin der Welt ſchwer it / dann 


der Auffere Menſch lebet mitten unter den Dornen des Grim— 
mes GOttes / die ſtechen auff allen Seiten auff ihn / und blafen 
ihme ven Grimm GOttes auff/ dag er im aufferen Menſchen 
brennet/fo mag alsdeñ die Tingirung der Liebe GOttes allda nicht 
bleiben; ſie iſt wohl allda / aber nicht in den aͤuſſeren entzün 
ten Greueln / ſondern fie wohnet in ſich ſelber / gleich wie das Li 






4 A - 
in der Finfternüg wohnet / und die Sinfternüg ergreiffets use 


weiß auch nichts davon / warn aber das Liecht in der Finſternuͤß 
offenbahr wird / ſo iſt die Nacht in Tag verwandelt. 

70. Alſo gehets auch mit dem Menfchen: von welchem Liecht 
der Menfch lebe ; von demfelben komt auch feine Eur s febet er ur 
der äufferen Welt / ſo muß auch die Auffere Guͤte und Siche/ als 
der aͤuſſere Ju piter und Venus mit der Sonnen feine Cur ſeyn 
oder bleibet im zornigen Marte und im gifftigen Mercutio, im 
irrdiſchen Mond / in der Impreſſion gefangen / als im irr⸗ 


diſchen 


104 De Sıenarura Capo. 


diſchen Sulphur , melcher ohne das im aͤuſſern Menſchen mit 
Adam erwecket und offenbahr worden ift ; umb welches willen der 
auſſere Menſch fterben/ verfaulen / und alfo auch ins Nichts / ale 
ans Ende / over beffer zu fegen in Anfang der Schöpfung ing 
Weſen / Daraus er mit Adam außgieng / eingehen muß. 


Das 10. Capittel. 


Bonder innern und Äuffern Curdes Menſchen. 


2. Er Liebhaber GOttes verftche Ins nur recht / wir 
gehen nicht auff einen hiftorifchen / heydniſchen 
Wahn /nur alleine auff das Liecht der Aufferen 
Natur / (uns fcheinen beyde Sonnen. Verſtehet 
Uns nur recht / und ſehet an / wie GOtt habe den 
Menſchen (als ihn ver Schlangen-und Teufels-gifft im Tode 
ſteng) curiret/ und wie er noch heute / die arme im Zorne GOttes 
gefangene Seelen curiret. Eben folchen Procefs foll auch der 
Medicus haften mit dem aufferen Eörper. 

2. An Adam verlaſch Das Göttliche Liecht und Die Liebe / die⸗ 
weil er in der Schlangen Eigenſchafft / als in Boͤß und Gut 
imaginirte/ alſo hub im Mercurio die Todes:gifftan zu qualifici- 
ren / und ward die Zorn-quanlim ewigen Marte brennende/ und 
die finjtere Impreflion der ewigen Natur Eigenfchafft nahm ihr 
ein / fein Leib ward in der finfteren Impreflion im Gifft des enfe 
zündeten Mercurii gu Erden/ und eine Feindſchafft wider Gott / 
es war umb ihn gefchehen / und war fein Rath bey Feiner Crea⸗ 
tur / weder im Hinimelnoc in diefer Welt / der grimmige Top 
hatte ihn in Seel und Leib gefangen. 

3. Nun wie machte es GOtt / daßer ihn curirefe/und wieder 
singirete / nahm er etwas frembdes darzu? Nein / Er nahm die 
Gleichheit und curirete ihn mit dehme / was in ihme war verdor⸗ 

als mit dem Goͤttlichen Mercurio, und mit der Goͤttlichen 
enere, und mit dem Goͤttlichen Jove , verſtehet / im Menſchen 
war das außgeſprochene Wort / das heiſſe ich den ewigen Mercu- 
rium im Menſchen / dann er iſt das rechte fuͤhrende Leben / er iſt 
dem Menſchen-bilde / das ED TTaus ſeinem Weſen in ein 
Bild nach Gott ſchuff / eingeblaſen / oder eingeſprochen worden / 
als in ein creatuͤrlich Bild / das war die Seele mit der Eigen⸗ 
ſchafft aller dreyen Welte: 
4. Als x. mit der Welt des Liechts und Verſtandes / das iſt 


Gott /und 2. mit der Feuer⸗welt / das iſt die ewige Nattır des 
Batters 





4 Cap.ıe. Rerum. 105 


Batters aller Weſen / und 3. mit der Liebe⸗welt / das iſt / die 
himmliſche Leibligkeit / dann in der Siche-begierde wird das We⸗ 
fen / als die geibligkeit. Die Begierde der Libe iſt Geiſt / und iſt 
das Here GOttes / als der rechte Göttliche Berſtand. Inder 
Liebe Weſen iſt der Mercurius GOttes Wort / und in der feuri— 
ſchen Natur iſt er der Grimm GOttes / der Urſtand aller Bea 
wegligkeit und Feindligkeit / auch der Staͤrcke und Allmacht: 
Die feurige Eigenſchafft machet das Liecht / als die Freyheit 
GoOttes begierig / auff daß das Nichts eine Begierde iſt. 

5. Dieſe Begierde iſt die Liebe GOttes / die hat Adam in ſich 
verleſchet / dann er ĩmaginirte nach Boͤß und Gut / das iſt / nach 
Irrdigkeit;die Irrdigkeit iſt aus dem Grimme und aus der Siebe 
Weſen / in ein Weſen gegangen / und ſolches durch GOttes Be⸗ 
wegen / auff daß die Wunder des Abgrundes und Grundes offen⸗ 
bahr würden / dag Gut und Boͤß erkannt und offenbahr würde / 
und das ſollte Adam als das Bild GOttes nicht thun dan GOtt 
pet ihn in fein Wild gefchaffen / er follte mit dene Wort. der Siebe 

ie Feuer⸗ und aͤuſſere⸗Welt tingiren / daß der Feine in ihme of> 
Baba: würde /gleich, wie der Tagdie Nacht in fich verſchlun⸗ 
gen hält. 

6. Aber mit der falfchen Imagination , hater die finftsre und 
gifftige mercurialifche Feuer⸗welt in ihme erwecket und offen» 
bahret / alfo ift ſein leiblich Weſen der finftern Impreflion in der 
giftigen mercurialifchen Eigenfchafft in das böfe Theil heimge⸗ 
fallen / und iſt Die Scels in der ewigen Natur in des Vatters 
Seuerszeigenfchafft als im gifftigen feindlichen Mercurio offen» 
bahr worden ) nach welchem ſich SOtt einen gornigen / cyferige 
GH / und ein verschrend Feuer nennet. 

7. Diefem. wieder zu. helfen / als dem Bilde GOttes / muſte 
 GOTZ vie rechte Eur nehmen /umd eben dieſelbe / deffen der 
Menſch war in der Unſchuld gewefen: Nun wie machte ers aber % 

Siehe Menſch / fiehe Menſch / eröffene deinen Derftand / dir 4 
wird geruffen. * 

8. Er fuͤhrete wieder derrheiligenMercurium it der Liebe Fam⸗ 
men / als in der feurigenLiebe mit der Begierde der goͤttlichen We⸗ 
ſenheit / oder nach goͤttlicher Weſenheit (welche Goͤttliche Leiblich⸗ 
keit in ſich machet) in das außgeſprochene Wort / als indie mercp- 
rialiſche Feuer⸗ſeele (verſtehet in die ſeeliſche Eſſeotz in Leibe Ma⸗ 
tie) ein / und ward ſelber daſſelbe Bild GOttes / er tingirete dem 
Bifftiels des Batters aller Weſen Grim̃ / mit dem Liebe⸗feuer / er 
nahm eben nur denſelben Merourium, den er Haste in Idam in ein. 

Ey; Dur 


206 Ds Stewarura Cap: to. 
Bild eingeblaſen / und in eine Creatur formiret/nur deſſen Eigen⸗ 
ſchafft nahm er / aber nicht in des Feuers / ſondern in der breñenden 
Liebe / er fuͤhrete mit der Liebe das Liecht der ewigen Sonne mit» 
der in die menſchliche Eigenſchafft / auff daß er den Grimm des 
entzuͤndeten Mercerii in der menſchlichen Eigenſchafft tingirete / 
und mit der Liebe anzuͤndete / daß der menſchliche Jupiter, als der 
Göttliche Verſtand wieder herfuͤr gienge, 

9. Ihr Medici verſtehet ihr allyie nichts / ſo ſeyd ihr ins Teu⸗ 
fels Gifft gefangen / ſehet doch die rechte Eur an / womit dem ent⸗ 
zuͤndeten Mercurio ins Menſchen Leben zu helffen ſey / es muß 
wieder ein Mercurius ſeyn /aber zuvor in Venere und Joveanges 
zündet; Er muß ver Sonnen Eigenſchafft haben durch Jovem- 
und Venerem erlanget: wie GOtt mit uns armen Menfchen 
thut / alfo muß der Äufferevergifftete Erancke Mercuriusmiteiner- 
folchen Aufferlichen Eurtingiret werden / nicht mitder finftern 
Impreffion Saturni mit Kaͤlte / ſte werde dann zuvoren mit Jove 
und Venere verföhnet / daß die Sonne im Saturno ſcheinet / ſon⸗ 
dern mit ſanffter Liebe / das iſt ſeine rechte Artzney / davon der 
Tod ins Leben verwandelt wird / das iſt nur eine gemeine Hand⸗ 
Eur / die der Laͤye mercken kan. 

10. Dem Do&or, wil er Door genannt ſeyn / gehoͤret der⸗ 
gantze Proceſs zu ſtudiren wie GOtt das Univerlalim Men⸗ 
ſchen hab herwieder bracht / das iſt an der Perſon Chriſti von 
feiner Eingehung indie Menſchheit / big zu feiner Himmelfahrt 
and Sendung des heiligen: Beiftes gantz Flar und offenbahr. 
Dieſem einigen Procels foll er nachgehen /fo mag er das Univer- 
fal finden / fo er aber aus GOtt wievergebohren iſt: aber die ei⸗ 
gen Wolluſt / weltliche Herrligkeit / Geitz und Hoffarth lieget 
euch im Weege. Lieben Doctores, ich muß euch ſagen / die Kohlen 
ſeynd zu ſchwartz / ihr beſudelt die weiſſen Hande damit / ſo ſchmaͤc⸗ 
ket euch die rechte wahre gelaſſene Demuth vor GOtt und Men⸗ 
ſchen auch nicht / ihr haͤttet ſonſt kein groͤßer Anſehen als andere 
Menſchen / darumb ſeyd ihr blind / das ſage nicht ich 
ſondern der Geiſt der Wunder in ſeiner Offenbahrung. 

xx. Dem begierigen Sucher aber / der dannoch gerne wolte 
ſehen / waͤße er die Weiſe ſich darein zu ſchicken / wollen wir An⸗ 
leitung geben / dann die Zeit iſt gebohren da Moyſes von 
den Schafen zu des HErren Hirten beruffen wird / das 
wird in kurtzem offenbahr ſeyn / wider alles Wuͤthen 
des Teufels / die werthe Chriſtenheit ſoll — 

vor 








* 


Cap. ro. Rerum. r07 


weil es anjetzo das Anſehen hat / als ſollte fie zu Grunde 
gehen / daß es aus mit ihr ſey / Nein / der Geiſt des Her— 
ven hat einen neuen Zweig aus feiner Liebe in menſch⸗ 
liche Eigenſchafft gepflantzet der die Dornen des Teu⸗ 
fels vertreiben wird und fein Kind Jeſum offenbahr 
machen allen Voͤlckern Zungen und Sprachen/und folz 
ches inder Morgenröche des ewigen Tages. 

12. Sehet doch die Eur recht an / lieben Brüder / wasthäte 
Gott mit ung da wirim Tode Fran lagen/ warffer das geſchaf⸗ 
fene Bilde / verſtehet das Auffere Theil als den auffern ververb> - 
ten Menſchen gar weg/ und machete einen gang neuen fremder 
Menſchen? Nein/dasthäteer nicht; ob er gleich Göttliche Eigen» 
fchafft in unfere Menſchheit einführete/ fo warff erunfere 
Menfchheit darumb nicht weg/ fonderner führete fie in Procels- 
zur Wiedergebuhrt, 

13. Was thäte er? Er lieh die äuffere Menſchheit / als das 
Auffere Waſſer / verftehet Veneris Weſenheit / weldesim Grin 

me des Todes verfchloffen lag/ tauffen mit dem Waſſer des ewi⸗ 
gen Weſens und mit dem heiligenGeifte/auff daß der Moder der 
in Ted geſchloſſenen aͤuſſeren Weſenheit wieder glimmend 

ward / als obein Feuer in einen Zunder faͤlt; hernach entzog er 
dem aͤuſſern Leibe feine aͤuſſere Speiſe / uñ fuͤhrete ihn in die Wuͤ⸗ 

ſten / und lie ihn hungern / fo muſte derangezuͤndete Funcke vom 
Feuer GOttes in GOtt imaginiren und von Goͤttlicher Weſen⸗ 

heit 430 Tage Manna eſſen / dehen Iſrael in der Wuͤſten Sina 
mit ihrem Manna ein Fuͤrbilde iſt: der Ewigkeit Weſen muſte 

der Zeit Weſen uͤberwinden / darumb hieß es eine Verſuchung 
vom Teufel. 

14. Und der Teufel als ein Fuͤrſte im Grimme GOttes / vers 
ſuchte allda die aͤuſſere Menſchheit / und ſtellete ihr alles das für / 
daran Adam war gefallen / und GOtt ungehorſam worden: da 
ward verſuchet / ob nım das Bilde GOttes wolte beſtehen / weil 
am innern GOttes Liebe-Feuer / und im Auffern die Tauffe des 
Waſſers des ewigen Lebens war / bie ward die Seele verfüchet / 
ob fie wolte cin König an der gefallenen Engel ftelle/ / und ein 
englifeher Thron ſeyn / und den außerwählten Stuhl GOttes 
im Königlichen Ambte befigen / von welchem Lucifer getrichen / 
und in die Finfternüß/ alsin Stuhl des Gifts und Todes ge= 
foffen worden: weiler aber beſtund / und daß die Scele ihren 
Willen alleine in GOttes und wi 

E cha 


108 DeSıcnarura Cap.re 


keiner irrdiſchen Speiſe / noch das irrdifche Neich boͤß und gut 
zum auffern Regiment / fo gieng forder der Procefs zum Univer- 
{al ‚als zur Wiederbringung alles deflen was Adam verlohr/ anf 
er machte Waffer zu Wein. 

15. Ihr Medici merdet diß / esgilteuch in ewrem Procefs, 
uhr muͤſſet auch alfogehen.: Gr machtedie Kranden gefund / ibe 
muͤſſet die Geftaltnüß in ewrem gifftigen Mercurio auch durch 
die Gewalt der Philofophifchen Zauffe geſund machen: Er machte 
Tode Ichendig / Sprachlofe redende/ Die Tauben hörende/ die 
Blinden ſehende / und die Außfägigen rein / dns allesmuß zu⸗ 
vorhergehen / daß. alle Geſtaͤlte im Mercurio rein / / geſund und 
lebendig werden/welches der Mercurius nach der Tauffe und Vers 
ſuchung alles felber macht / gleich wie der lebendige ſprechende 
Mercurius folches inder Perfon Chriftithäte. 

26. Der Künftler kans nicht thun / alleine Glauben muß da 
feyn : Dann Chriftus bezeugte auch / daß er zu Capernaum habe. 
mögen. menig Wunder thun / ohne ein wenig Siechen geſund 

emacht: Daũ der. Capernaiten Glaube moltenichtinden Goͤtt⸗ 
ichen Mercurium Chriſti eingehen: So ſehen wirs allda / dag, 
Die Perſon Chriſti / als die Creatur nicht habe koͤnnen die Wun⸗ 
der incigener Macht wuͤrcken / ſondern der Mercurius, als das 
lebendig ſprechende Wort in ihme: Dann die Perſon hat auch nr 
GOtt / als in das ſprechende Wort geruffen / und feine Begierde 
darein geſetzet / wie am Oehlberge zu ſehen / daß er gebehtet / daß 
ex blutigen Schweiß geſchwitzet / und beym Lazaro / als er ihn 
wolte auffwecken / ſprach er: Vatter / erhoͤre wich / aber ich weiß 
Bag du mich allezeit erhoͤreſt / ſeondern uuib der Umbſtehenden wil⸗ 
len ſage ichs / dag ſie glauben du wuͤtckeſt durch mich. 

17. Alſo ſoll der Kuͤnſtler ihme ſelber nichts zumeſſen / der 
Mercurius nach der Philoſophiſchen Tauffe thut ſelber dieſelben 

Wunder / ehe er das Univerfal offenbahret / dann es muͤſſen alle 
ſieben Geſtaͤlte der Natur criſtalliret und lauter werden / ſoll 

Das Univerfal offenbahr werden: und cine jede Geſtalt fuͤhret ei⸗ 
nen ſonderlichen Proceſs, wann fie ſoll aus des Grimmes Eigen⸗ 
ſchafft in das lautere klare Leben eintretten / und ih ins Cri⸗ 

ſtalliniſche Meer / welches vor dem Stuhl des Alten in der Offenz 

bahrung ſtehet / trans mutiren / und ſich ins Paradis verwandeln / 

Dann das Un’verfalift Paradiſiſch / und Chriſtus kain auch nur: 
darumb in die Menſchheit / daß er das Univerfalalsdas Paradis 

am Menſchen wieder eroͤffnete oder offenbahrete: Das ſprechende 

Mor in Chrifte / hat durch alle ſieben Eigenſchafften oder et 

. ala 


Cap.10 Rerum 103 


ſtaͤlte / durch das ausgefprochene Wortinder Menſchheit / Wun⸗ 
der gewuͤrcket / ehe das gantze Univerſal im Leibt der menſchlichen 
Eigenſchafft offenbahr / und der Leib verklaͤret ward. 

18. Alſo gehet es auch zu im philoſophiſchen Wercke / wann 
der. in Tod geſchloſſene Mercurius die Tauffe feiner Wieder-er⸗ 
quickung in der Siebe in fich empfähet / fo offenbahren ſich alle fies 
ben Geftälte in folcher Eigenfchafft / wie im Procefs Chrifti ges 
ſchehen ift/in feinen Wunderwercken / aber fie ſeynd in der Wuͤrca 
kung ihrer Eigenſchafft Offenbahrung noch nicht volllommen: 
Das UVniverlal iſt noch nicht da / biß ſie alle ſteben ihren Willen 
in einen geben / und ihre Eigenſchafft im Srimme verlaſſen / und 
davon mit ihrem Willen ausgehen / und der Liebe Eigenſchafft in 
ſich nehmen / ſie muͤſſen des Nichts Willen in ſich nehmen / daß 
ihr Wille ein Nichts iſt / alsdann beſtehet er im Grimme des 
Feuers / und iſt keine Tueba mehr darinnen. 

19. Dann ſo lange die Begierde des Grimmes in der Geſtalt 
iſt / ſo iſt ſte der andern Geflalt widerwertig / und entzuͤndet die 
andere Geſtalt mit ihrer Grimmen Eigenſchafft / das iſt / fie 
ſchlaͤget der andern ihre Signatut, daß die andere im Grimme er— 
wecket wird / fo zündet ſich alsdann der andern Hallim Mercurio 
der erften Geftalt Eigenſchafft an / und mag alfo Feine Geſtalt 
zur Vollkommenheit Eommen / daß ſie in die Siche eingienge. 

30. Darumb kan der Künftler nichts machen / ergebe danız 
den Beftalten eine Speife die fie alle gerne eſſen / Da feine Turba 
innen ift/ fo fönnendie Eigenfchafften auch nicht effen / weil ih⸗ 
nendas Maulin der Impreflion Satutni gefroren iſt / der Kuͤnſt⸗ 
ler muß ihnen vonche das Maul auffthun / und fie in ihrem Eyfer 
lebendig machen / daß alle Geſtaͤlte hungerig werden / ſo alsdann 
das Manna da iſt / ſo eſſen ſie alle zugleiche davon / fo wird das 
edle Senffkorn eingeſaͤet. 

21. Wann nun alſo der Mercurius vom Tode der Impreſſion 
Saturni auffwacht / und krieget Manna in den Mund feiner Ei—⸗ 
genſchafft der gifftigen Todes-quaal / ſo gehet der Schrack der 
Freudenreich auff / dann es iſt gleich als wie ſich ein Liecht in der 
Finſternuͤß anzuͤndet / Dann die Freude oder dic Liebe gehet mit⸗ 
ten im Zorne auff: So nun derMercurius den Anblick der Liebe 
im Marte ergreiffef / fo erfchricket der Grimm vor der Siebe / und 
iſt wie cine Transmutation, iſt aber nicht fir und befländig / und 
alsbalde diefes geſchicht / fo erzeigen ſich die englifchen Eigen» 
ſchafften im Blick. 


— PRO: 


zro DESICNATURA Cap.ıo) 


EBPROCESSUS 
In der Verſuchung. 


ir. REſus ward nom Geiftein die Wuͤſten gefuͤhret / da tratt 
— der Teufel zu ihm und verſucht ihn. 

Alsdie Seele Chriſti hungerte / fo fprach der Teufelzu Jeſu: 
Schleug das Centrum im Steine auff / das iſt /den geimpreffer 
ten Mercurium, und mache dir Brod/ iffeder Seelen Eigen 
ſchafft Wefenheit / was wiltuvom Nichts / als vom fprechenden. 
Worte eſſen ? Affe vom ausgefprochenen Worte / alsvon der Eis 
genſchafft Boͤß und But / fo biſtu ein Herzinbeyden: Das war 
auch Adams Biß / daran erden Tod aß / da ſprach Chriſtus JE⸗ 
fus: Der Wenſch lebet nicht alleine vom Brod / ſondern von ei⸗ 
‚nem jeglichen Worte / das durch den Mund GDttes gchet. 

23. Siche / warvon kam der Perſon Ehriftider Wille / dag 
er mit der Seelen Hunger nicht wolte vom Brod eſſen / das aus 
den Steinen konte werden / das er dad) haͤtte koͤnnen machen ? 
sder wie wäre es geweſen / wann der Hunger der menfchlichen- 
Eigenſchafft nach der Salbung der Taufe allhie in der Verſu—⸗ 
chung hätte vom Mercurio der Impreſſion des Todes geffen / als 
vom Sulphuredes ausgefprochenen Worts / in welchem der Zorn 
war / und die Siehe davan geflogen war / wie es dann in irzdifcher 
Eigenſchafft alſo iſt. 

24. Sichejder Wille und Begierde vom ſprechenden Wort zu 
effen, kam in der Seelen Eigenfchafft/ vom Bewegen der Gofts 
heit: Als ich derſelbe inder in Tod eingefehloffenen feelifchen EL- 

ſentz in Maria feiner Mutter/ in ihrer Effent oder Saamen 
beweget hatte / und der todten ſeeliſchen Eſſeiz den Blick des Au⸗ 
ges GOttes in der Liebe eingefuͤhret / und die Liebe im Tode offene 
bahret hatte / ſo begehrete nun eine Göttliche Eigenſchafft die ans 
dere / und die Begierde des leiblichen Hungers von GOttes Brod 
oder Weſen zu eſſen kam von der Tauffe; als das Waſſer des: 
Coͤrpers / welches in der Impreflion des in Tod eingeſchloſſenen 
Weſens / das Waſſer des ewigen Lebens im heiligen Geiſte /als 
des hiiligen Geiftes Leibligkeit / oder Weſenheit inder Zauffe 
Eoftete / fo gieng der Moderdes Göttlichen Hungers der bren⸗ 
nenden Begierde nah GOttes Weſen im Fleiſch auff/ als ein: 
Goͤttlicher Hunger / ein glimmend Moder Göttlicher Eigens 
ſchafft. ae, 
25, Jetzt mufte der Menſch Ehriftus in Leibund Seel er 
| anf 





Cap. 10. Rerum tre 


auff diefes verſuchet werden/ von welchem er eſſen wolte: auff 
einem Theil war das ausgefprochene Wort aus Liebe und Zorn 
für Leib und Seele geftellet/in welchem der Teufel wolte ein Here 
ſeyn / und darinnen allmächtig herrfchen ; und auff dem anderm. 
Theilward der Scelen und dem geibe das ſprechende Wort in der 
Siebe Eigenfchafft alleine fuͤrgeſtellet. 

26. Allhie gieng nun der Gtreitan/ melden Wamim Paras 
dis ſollte beſtehen: dann an einem Theil fegete GOttes Liebe⸗ 
Begierde / welche fich in der Seelen hatte offenbahret / barte am: 
Die ſeeliſche und leibliche Eigenfharft an / und führete ihre Bes 
gierde in diefeelifche Eigenschaft ein / die Seele follte davon eſ⸗ 
fen / und dem $eibe davon Manna geben; und auff dem andern 
Theil fegte der Teufel in GOttes Grimme⸗Eigenſchafft inder- 
Seelen Eigenfihafft an / und führete feine Imaginationin die 
Eigenſchafft des erften Principii, als ins Centrum der finſtern 
Welt / welches der Seelen Feuer⸗leben iſt. 

"27. Jetzt war der Streit umb die Bildnuͤß GOttes / ob ſie 
wolte in GOttes Liebe oder Zorn leben / im Feuer oder Liecht: 
Dann die Eigenſchafft der Seelen nach ihrem Feuer⸗leben / war 
des Vatters Eigenſchafft / nad ver Feuer⸗Welt: fo dann die 
Seele in Adam hatte die Liecht⸗Welt verleſchet / fo ward jetzt mit 
den Namen JEfudie Liecht⸗Welt wieder eingeleibet welches: 
geſchach in der Empfaͤngnuͤt Mariaͤ. 

28. Run ſtunds jetzt allhie in der Verſuchung / welcher Ei⸗ 
genſchafft der Menſch leben wolte / des Vatters im Feuer / oder 
des Sohns im Lechte der Liebe / jetzt ward die ganze Eigenſchafft 
der Perſon Chriſti verſuchet: der Teufel ſprach / als er auch zu 
Adam geſprochen hatte: Iß von Boͤſe uñ Gut / haſtu nicht Brod/ 
mache aus Steinen Brod / was hungerſtu lange in deiner ſelbſt⸗ 
Eigenſchafft⸗So ſprach die Goͤttliche Begierde: Der Menſch 
lebet nicht alleine vom Prod. Alſo ergab ſich der feuriſchen Seelen 
Eigenſchafft mit ihrer Begierde / in der Liebe / als in des ſprechen⸗ 
den Worts Eigenſchafftein / und aße die Feuer⸗Begierde in der 
Liebe⸗Begierde Manna. 

29. Oihr philoſophi, merckt diß wohl / als diß geſchach / ſo 
transmutirfe die Liebe die feurige Eigenſchafft in ihre Liebe-⸗Ei—⸗ 
genſchafft: Allhie gab der Vatter die Feuer⸗ſeele dem Some / 
verſtehet die feuriſche Eigenſchafft des ausgeſprochenen Mereurii, 
beim ſprechenden Mercurio im $icchte: Dann Chriſtus fprach her⸗ 
nach auch alſo: Batter die Menfchen waren deine / und du haft 
fie mir gegeben? und ich gebe innen das ewige Leben. 9— kei 


12 DeSıenarurA Capıd 


GOttes Liebe der verderbten Menſchheit das ewige Liebe-Leben 
gegeben / die Liebe hat ſich in Feuer-grimm gantz einergeben / und 
den Grimm der Seelen in eine Liebe der Freudenreich tranemu- 
tiret, 

30 So aber die fechifche und leibliche Eigenſchafft Hatte dem 
Zeufelin GOttes Grimme gefolget / und aus dem verfihloffenen 
Mercurio Brod gemacht / und gegeſſen / ſo waͤre der Wille wie⸗ 
der in ſeine Ichheit eingegangen / und haͤtte nicht moͤgen transmu- 
tiret werden; fo er aber indie Gelaffenheiteingieng / in das ſpre⸗ 
chende Wort GOttes / was das dann immer mitihmemachte / 
fo erfand der Wille aus feiner Ichheit Durch den grimmen Tod 
Des Zorns GOttes / als aus dem ausgeſprochenen Worte / wel⸗ 
ches der Teufel mit feiner Imagination vergifftet hatte / durch dee 
Grimmes Eigenſchafft hindurch / und gruͤnete mit einer neuen 
Liebe-Begierde in GOtt aus: Jetzt war der Wille Paradis / als 
ein Goͤttlich Siebergrünen i im Tode. 

3r. Alſo war jego der Liebe Willen demvergifften Mercurio 
der fechfchen Eigenſchafft im Zorn GOttes entgegen geſetzt / ſo 
kam der Teufel und ſprach: Du biſt der König der überwunden 
hat/ kom̃ und laß dich fehen in deiner Wunderthat / und führete: 
ihn auff die Zinnedes Tempels / und ſprach: Laß dich hinab / daß 
es die Leute ſehen /dann es ſtehet geſchrieben: Er hat feinen En= 
geln befohlen. über dir / fie follen Dich auff den Händen fragen/ 
daß dus deinen Fuß nichtaneinen Stein ftöffeft. Da wolte der 
Teufel haben / er follte wieder des Feuers Macht als ver Seelen 
Ichheit in ihrer felbft fenrifchen Eigenſchafft gebrauchen / und 
aus der Gelaflenheit ausgehen tn. ein. eigenes in ihren eigenen 
Feuers-Willen / wie er that/ und auch Adam fhate/ alser mit der 
Begierde in eigene Macht eingieng in bog und gut / und wolte of⸗ 
fene Augen in boͤſe und gut haben / wie Moyſes davon ſchreibet / 
daß fie die Schlange deſſen beredet hatte. 

32. Allhie kam jetzt das ſchoͤne geſchmuͤckte Thierlein wieder). 
und verfuchte es mit dem andern Adam auch / Dann GOtt ließ 
ihme das zu/ dieweiler ſagte die Feuers-Matrix habe ihn gezogen 
ec hätte nicht koͤnnen beftehen / allda follte ers verfuchen / dann er 
war doch gleich ſowohl ein Engel gewefen als die menfihliche See⸗ 
fe/ welche er verfuͤhret hatte: Aber die menſchliche Eigenſchafft in. 
Leib und Seele inder Perſon Chriſti / hatte ſich einmahl in die 
Gelaſſenheit aus ihrer Ichheit in Gottes Erbarmen eingeworf⸗ 
fen / amd ſtund in der Selaſſenheit / als in Goͤttlichem Willen 
ſtille / und wolte ſelber nicht fliegen / auch nichts thun / nn 

Dis. 





Cap. ıc. Rerum. 223 
GoOtt durch fie thate und fprach zum Teufel: Es ſtehet geſchrie⸗ 
ben: du ſollt EHtt deinen Herren nicht verſuchen. Iſt fo viel gere⸗ 
det / eine Creatur GOttes ſoll nichts wollen noch thun / ohne was 
GoOtt durch fie wil und thut / es ſoll kein anderer GOtt mehr 
ſeyn / der da regiere und wolle / als der Einige: die Creatur ſoll 
gehen und thun wie fie GOttes Willen⸗geiſt fuͤhret / fie fod 
weites Werck⸗zeug ſeyn / damit er alleine machet und thut was 
er wi 

33. In dieſer Proba war Adam auch nicht beſtanden / dann er 
gieng aus der Gelaſſeuheit in ein Eigenes / in einen eigenen Wil⸗ 
len / und wolte Boͤß und Gut / Liebe und Zorn probiren / von Boͤſe 
und Guteſſen. Allhie lieber Menſch / iſt der Stand vorm Ver⸗ 
fuch⸗ baume im Paradis geweſen / und erfuͤllet worden / was der 
erſte Adam nicht konte noch wolte in Gehorſam GOttes in der 
Gelaſſenheit thun. 

34. Als dem Teufel dieſes auch nicht gelingen wolte / daß ſich 
die Menſchheit wolte aus der Gelaſſenheit aus GOttes Willen 
begeben / fo fuͤhrete er die Menſchheit auff einen hohen Vetg / und 
zeigete ihr alle Reichthumb der Welt / alles was im ausgefpro> 
henen Norte lebete und webete / alle Herrſchafften und Macht 
inder auffern Natur / über welche er fich einen Für en nennet / 
hat aber mie das cine Theil im Grimme des Todes im Beftgey 
und fprach zu ihr: Cverfichet zur menfchlichen Eigenfchafft ) Se 
du niederfaͤlleſt / und mich anbeteft / fo wilich Dir das alles gebe. 

35. Die Menſchheit follte wieder ausder Gelaſſenheit in eine 
Begierde des Eigenthumbs cingehen/ und wollen ein Eigenes, 
beſitzen in der verfluchten Eigenfchafft / Boͤſe und Gut / das wäre 
dem Zeufelein gewänfchet Eſſen oder Spiel geweſen / ſo waͤre er 
König blieben / und wäre feine Luͤgen Wahrheit geweſen. In die⸗ 
ſem hats Adam auch verderbet / und iſt ins Eigenthumb einge⸗ 
gangen / und hat weltliche Herrſchafft begehret / und den Geitz / 
welches an Cain zu ſehen iſt / welcher des vergifften Mercurii Hertz 
iſt / als ſein Hungers⸗Begierde der ihme Weſen macht nach feines 
Hungers Eigenſchafft / nicht Manna ſondern Erden / wie an der 
wilden Erden zu ſehen iſt / was er in der Entzuͤndung oder Be⸗ 
wegung des Vatters in ſeiner Feuers⸗Eigenſchafft gemacht hat / 
in welcher Entzuͤndung / als im gifftigen Grimme tes ausgeſpro⸗ 
chenen Mercurii, der Teufel vermeynte ein Fuͤrſte zu ſeyn / iſts 
auch in dem Gottloſen in derſelben Eigenſchafft / ud auch im 
Regiment der Welt im Grimme: Aber Gott haͤlt ihn mit dem 

BENDFe und Liechte des dritten Principü gefangen daß er also 
sure 


114 DESIGNATURA Cap,ro 


Fuͤrſte im Regiment des ausgefprochenen Worts ift / ſondern 
ein Buͤttel des Richters / Er mug hinden nach ſehen; wo ſich Tur- 
ba Magna im Grimme entzuͤndet / da iſt er geſchaͤfftig / fo weit 
Turba Magna im Grim̃e gehet / weiter ift ihm der Pracht geleget. 

36. Diefes gantze Regiment in und überalles zu herrſchen in 
aller Eſſentz / als ein gewaltiger GOtt / wolte er der Menfchheit 
Ehrifti geben / die er doch nur im Theilder Turbz im Grimme 
GOttes befiset/ und nicht gang inder Beherrſchung hat) er follte 
nur feine Begierde darein fuͤhren / und kinen Willen in ihn ein⸗ 
führen fo wollte er ihme feinen Mercurium der Ereatur in die 
groͤſte Allmacht einfuͤhren / daß er ein Her über Gut und Böfe 
ſey / und alles in Gewalt habe / zu thun wie erwolles dann alſo 
verfcherkete cs auch Adam. 

37. Sein Mercurius gieng mit der Begierde in die Impreflion, 
Da Kalte und Higeentfichet / ein / und imaginirte darinnen / und 
alfo zu handt erhub ſich des Falten und yisigen Feuers Eigen» 
fehafft im Mercurio der Creatur / alfo drang auch zu yandt die 
auffere Hige umd Kälte / in den entzündeten Mercurium menſch⸗ 
licher Eigenfchafft ein: Alſo leydet der Leib Pein von Hitze und 
Kalte / welche Eigenſchafft zuvor / als er im freyen Willen Got⸗ 
tes in der Gelaſſenheit ſtund / nicht offenbahr war / und alſo herr⸗ 
ſchete in Adam Boͤſes und Gutes. 

38. Dann das Centrum des Grimmes / als der finftern Welt 
Eigenſchafft ward in ihme offenbahr / in einer gifftigen Todes— 
Eigenſchafft / wie dann der Mercurius im Menſchen noch auff 
heute alfo gifftig und ein Gifft-quallift / da er doch ja ins Lebens⸗ 
Liecht in eine folarifche Eigenfchafft verwandelt wird / aber der 
Gift und die Todes-Eigenſchafft hanget ihme an / und iſt feine 
Wurtzzel / wie man dann ſiehet: fo balde nur ein wenig auff feiner 
martialifchen feurifisen Eigenfchafft Signatur oder Geftaltnüß 
feines geftehleten Inſtruments gefihlagen wird / fo gehet feine 
böfe / gifftige / feurifche Eigenſchafft herfür (und zündet den Leib 
an / das er für Gifft des Grimmes zittert / und wil immerdar die 
entzuͤndete Gifft-quall in denſelben der ſie erwecket und entzuͤn⸗ 
det hat / eingehen / und in feiner Boßheit mit des Erweckers Boß⸗ 
heit inqualiren / und ringen in der gifftigen Eigenſchafft Rechte: 
alſo mug alsdann der Kib als cin Knecht zugreiffen / und des 
Giffts Wiilen vollbringen / und ſich mit feinem Gegenſatz rauf⸗ 
fen und ſchlagen / und ſich auch ſchlagen laſſen I es geſchehe num 
gleich mit Hand-griffen oder mit Worten / fo ifts alles in folcher 
Eigenſchafft und Begierde des giftigen Mercurii. 

39. Dane 


Cap. 10, Rerum. 115 

39. Dannenhero entſtehet aller Krieg und Streit / nehmlich 
vom Regiment GOttes Zorns im verderbten und entzuͤndeten 
Mercurio,des ausgeſprochenen Worts / der hat alſo in des Giffts 
Grimmes undder finſtern Welt Eigenſchafft fein Freuden⸗ſpiel 
im Menſchen. Darumb iſt der Streiter cin Knecht GOttes 
Zorns: Er iſt die Axt / damit der zornige Bawer den Dorn⸗buſch 
auff feinen Acker abhawet / er iſt das führende Werck des grim⸗ 
men Zorns GOttes / der Zorn GOttes nach feiner Feners Eigen⸗ 
ſchafft wil es haben / und nicht feine Liebe / und wer ſich nun laͤſt 
darzu gebrauchen / der dienet dem Zorn GOttes nach der finſtern 
und Feuer⸗Welt Begierde und Eigenſchafft / welche ſich im ſchwe⸗ 
ren Falle Adams in menſchlicher Eigenſchafft hat offenbahret/ 
and den Menfchen /alsdas Engels-Bilde/ in eine halb teunifche 
Laryam und Bildnuͤß eingefuͤhret / in welcher Eigenſchafft und 
Bildnuͤß feines Willens im ausgeſprochenen ereatürlichen Mer- 
eurio oder Lebens⸗Wort er nicht GOttes Reich befigen fan : ſon⸗ 
Bern mug mit und in Ehrifto in feinem Mercurio und Willen / in 
Gottes Liebe / als in vem heiligen fprechenden Mercurio und 
Worte des Lebens newerbehren werden / daß ein newer Gehors 
famer gank in GOttes Siebe gelaffener Wille / aus feinem crens 
tuͤrlichen Mercurio ausgehe/ der nichts wolle noch tyue/ ohne was 
der Mille des fprechenden Göftlichen Mercarii wil: Derin feiner 
Ichheit und Selbftheit im eigenen Willen wie todt ift / auff dag 
er des gröffen GOttes Werckzeug ſey / Damit er machet und thus 
was undwieer wil. 

40. Asdannift GOtt in ihme alles in allem / fein Wille und 
Thun / undein Zweig amgansen Baume / der vom Baume Got⸗ 
tes ſeinen Safft / Krafft und Leben holet / in ihme waͤchſet / lebet 
und ſeine Frucht traͤget / alsdann iſt der Mercurius des menſch⸗ 
lichen Lebens eine ausgebohrne oder ausgeſprochene Frucht / die 
auffin Paradis⸗Baume GOttes waͤchſet / hallet und ſchallet / und 
die Signatur in dem ſprechenden Wort GOttes ſchlaͤget / als Got⸗ 
tes Harpffen und Seilen⸗ſpiel in ſeinem Lobe / zu dem Ende iſt 
der Menſch geſchaffen worden / nichtdag er eben ſoll des Zorns 
und Todes Inſtrument nach des Teufels Willen ſchlagen: Der 
Teufel hatte ſich zum ſelben Lautenſchlagen begeben / der machet 
und huͤlffet das Spiel im Grimme als in der Finſter nuͤß treiben: 
Er iſt ver Werckzeug und der Lautenſchlaͤ zer im Grimme der 
ewigen Natur / welche ihr Verbringen alſo mit ihnen und in ihme / 
als ihren Werckzeug hat / das muß auch der Gottloſe Menſch 
chun/ wie S. Paulus davon ſaget: Der Heilige iſt GOtt ein: 

wu guter 


116 Dr SıcnaArtura Capıo 


guter Geruch zum $eben/ und der Gottlofe ein guter Geruch 
zum Tode. e 

41. Alles mas dalcher und webet / muß zu GOttes Herrlig⸗ 
feit eingeben / eines wuͤrcket in feiner Liebe / das ander in ſeinem 
Zorne/ esift alles indem unendlichen Weſen zur Offenbahrung 
des unendlichen groffen GOttes erbohren und gefchaffen worden: 
aus allen Eigenfchafften des Böfen und Guten feynd Ereaturen 
Durch den Willen des fprechenden Worts herfür gangen ; dann 
die Eigenfihafft der Finfternüg und des Feuers ift fo wohl mit 
un Sprechen geweſen / als die Eigenfchafft des Liechtes / darumb 
ſind boͤſe und gute Creaturen. 

42. Aber die Engel und Menſchen ſind in das Bilde der Liebe 
Gottes geſprochen worden / die ſollten ihren Willen nicht in das 
Feuers und Finſter-ſprechen eineigenen / und ihre Begierde nicht 
darein fuͤhren / auch nicht wollen ein eigenes ſeyn / ſondern in der 
Gelaſſenheit im ſprechenden Willen GOttes bleiben ſtehen ale: 
eine Forma des ſprechenden Willens / und keine Neigligkeit zu 
etwas fuͤhren / als nur bloß in das Sprechen / in welcher Figur 
fie da ſtehen / als ein Bilde des Ausſprechens / als ein geſprochen 
Wort / damit ſich das ſprechende Wort / als in ſeiner Gleichheit 
beſtehet / da es die ewige Wiſſenſchafft des ewigen Gemuͤths da⸗ 
mit offenbahret / und des Geiſtes Wille in ein Bilde ſtellet und 
darmit ſpielet / wie ihme ein Mahler ein Bild nach ſich mahlet / 
und ſich damit beſchawet was er iſt / wie ſein Geſtaltnuͤß iſt / oder 
wie ihme ein Muſteant ein koͤſtlich Seitenſpieloder Geſang zu— 
richtet / und ſpielet alſo mit feinem geben und Willen des Lebens / 
als mit dem Hal feines eigenen Lebens Mercurii in dem Thone 
des Geſanges / oder auff dem Seftenfriel/ wie es in feines Lebens: 
Mercutio annehmlich iſt / damit erfrewet fich des Lebens Mer- 
curius. 

43. Alſo im gleichen hat uns GOtt zu feinem Liebe⸗Spiel in 
feine Freude und Herrligkeit geſchaffen / da er fein ſprechendes 
ewiges Wort mit erhebet / oder in demſelben mit uns ſpielet / als 
mit ſeinem Inſtrument. 

44. Darumb / da ihme dieſes Seitenſpiel in ſeinem Halle von 
der grimmen Macht ſeines Zorns zerbrach / das iſt / da des 
Menſchen Bilde / wolte in eigener Macht in Boͤß und Gut ſpie⸗ 
len / in Siche umd Zorn zugleiche/ als in eigenem Willen/ und fich 
nicht laſſen brauchen zu deme e8 das fprechende Wort hat gefchaf> 
fen / undgieng aus der Gelaffenheit inein Eigenes / und welte 


fpielen wie es felber wolte/ bald gut / bald böf / ſo war dieſes en 
Fils, 


Cap.ıc :" Rerum 117 


ſtrument wieder die Siebe Gottesjin welcher kein Hall des Zorns 
offenbahr wird noch werden Fan / gleich wie im Feuers-liechte 
eine Peindes Feuers offenbahr iſt: Dann der Wille des menfch« 
lichen Mercurii-gieng aus dem Willen des Göttlichen fprechene 
den Worts aus in einen eigenen Willen:alſo fieler ins Gentrum » 
der Gebaͤhrerin aller Weſen / als in die Angſt / Gifft und Tod / 
da nahm ihn GOttes Zorn / als das Sprechen im Grimme ein: 
allhie war Noth / und der grimme Tod / darzu groſſer Spott] 
hätte nicht wieder geholffen GOtt / ſo laͤgen wir noch im Tod. 

45. Alſo mein lieber Leſer wird dirs klar fuͤrgeſtellet worime 
sen Chriſtus iſt verſuchet worden / als nehmlich: Ob die Seele / 
und der gantze Menſch / als das Bilde des ſprechenden Worts / 
un nachdehm GOtt hatte den Funden feiner Liebe wieder in 
menſchliche Eigenſchafft eingeführet / und fich wieder mit der 
Siebe in ihn einergeben / wolte wieder inihren erften Locum ein⸗ 
tretten und GOttes Seiten⸗ſpiel in feiner Siebe ſeyn / oder nicht/ 
ob fie nochmahls wolte ein Eigenes in eigenem Willen ſeyn / und 
thun was ſie in ihrein eigenem Sprechen im Entzuͤnden ihres Le⸗ 
bens Mercurii herfür brachte: Ob ſie wolte laſſen GOttes Wil⸗ 
len auff ihrem Inſtrument die Signatur ſchlagen / oder den Zorn 
GoOttes / wie zuvor geſchehen war: Allhie wards verſuchet / dar⸗ 
umb ſprach der Teufel / als der Lautenſchlaͤger im Zorn GOttes 
zu Chriſto: Er ſollte niederfallen und ihn anbethen / fo wohlte er 
ihme alle Reiche / Macht und Herrligkeit geben: Er ſollte und 
moͤchte thun was er wolte: Er ſollte in eigenem Willen ſpielen 
und leben: Er ſollte nur ihme dem Teufel ſeinen Willen geben / 
und von der Gelaſſenheit aus Gottes Erbarmen und Liebe⸗Wil⸗ 
len ausgehen / und ſo das geſchehen waͤre / ſo waͤre das ſchoͤne In⸗ 
ſtrument noch eins zerbrochen / ſo waͤre das menſchliche Spiel in 
Gottes Liebe und Wunderthat ausgeweſen; aber Chriſtus ſprach: 
Hebe dich weg Sathan / es ſtehet geſchrieben / du ſollt anbethen 
Gott deinen HErren / und ihme allein dienen: Da verließ ihn 
der Teufel / und Die Engel tratten zu ihm und dieneten ihm. 


Der wagiſche Procefs, 


46. © 1 Binde foll der Magus , wie oben nach der länge 
z wmeldet/ fein Fürhaben wohl bedencken / nicht mit dem 
Geitze des Teufels wollen dag irrdiſche Reich befigen / auch nicht 
Sem Tempel fliegen / viel weniger aus dein Steine wollen fein 
Sürhaben machen er folldendendaß er GOttes Knecht und Ges 
hilfe ſey / nicht ein eigener Herr / aus welchem wird cin Rarı & 
w 





























318 De Sıenuarturı Cap 


wil er den arınen Gefangenen in GOttes Zorisverfchloffenen / 
aus feinen Banden der Finſternuͤß / Parinnen erim Fluch der 
Erden verſchlungen lieget / helffen von GOttes Zorn erlöfen/ 
fo muß er dencken / wie ihn GOtt mit ſeiner Eingehung erloͤſet 
hat: Er muß die Verſuchung Chriſti recht gang inniglich be> 
trachten / nicht. mit auffern Handgriffen nachtappen / und denc⸗ 
Een ich habe einen todten Stein vor mir / er weiß noch fühlet 
nichts / ic muß mit Gewalt aniynfeßen/ auff daß ich ihn be⸗ 
zwinge / und ihm fein Kleinod / das erin fich verborgen hat / 
nehme, Derdasthutderift ein Narr / und wihfelber incigenen 
Willen eingehen / und iſt gantz ungeſchickt zum Werck / er lafle 
es nur bleiben / wir wollen ihn gewarnet haben, 

47. Wil er fuchen / fo bilde er ihm den Procels Ehrifti ein / 
wie GOtt das in Todt gefihloffene Univerfal habe wieder erboh⸗ 
zenin menſchlicher Eigenfhafft : dann GOtt nahm nicht den 
Menfchen wie erim Tod lag verſchloſſen / und führete ihn im 
Schmieltz⸗ofen ein / und zerfchmelgete ihn im Grimme / wieder fal⸗ 

ſche Magus thut / fondern er gab ihm zuvor ſeine Liebe in ſeine 
Menſchliche Eſſentz / und tauffete die Menſchheit / darnach fuͤhrte 
er ihn in die Wuͤſten / und ſtellte den Teufel gegen ihn / nicht in 
ihn / er ließ ihn von ehe viertzig Tage faſten und hungern / und 
gab der Menſchheit keine aͤuſſere Speiſe / er mochte von ſeines 
Lebens Mercurio eſſen / daß GOtt ſaͤhe / ob die Menſchheit wolte 
ihre Begierde in GOtt einfuͤhren: und als die Menſchheit ihre 
Begierde indie Gottheit einfuͤhrte und das Manna annahm) fo 
ließ erden Teufelüber die Menſchheit / der führte alle feine Luſt 
und Begierdein die Menfchheit / und verfuchte ihn ; verfteheftu 
alhienichts/ was foll ichdir dann mehr fagen ? biftu ein Thier/ 
fo.gebe ich dir nicht meine Perlein / esgehöret Gottes Kindern. 

48. GOtt muß Menſch werden / Menſch muß GOtt werden/ 
Himmel muß mit der Erden ein Ding werden / die Erde muß 
zu Himmel werden: wiltu auß Erden Himmel machen / ſo gib 
der Erden des Himmels Speiſe / auff daß die Erde des Himmels) 
Willen bekomme / auff dag derin Todt geſchloſſene Mercurius in 
der Erden einen hinmliſchen Willen bekomme / daß ſich der Wille des 
grimmigen Mercurii in die Liebe des himlifchenMereurii einergebe. 

49. Was wiltu aber thun? Wiltu den gifftigen Mercurium, 
der nur einen todten Willen in ſich hat / in die Verſuchung ein⸗ 
fuͤhren / wie der falſche Magus thut / wiltu einen Teufel zum an 
dern ſchicken / und einen Engel darauf machen / da muͤſte ich] 
aller Wahrheit lachen: Einen verdorbenen ſchwartzen Teufel 9. 
u 


> ——— He A nn 


Cap.ı» :: Rerum. 119 
ffu behalten ; wie wiltudie Erde durch den Teuffel zum Himmel 
machen diſt doch GOtt der Schöpffer aller ABefen / du muſt von 
Gottes Brodteffen / wiltu deinen Leibin himliſche Eigenſchafft 
auß der irrdiſchen tranſmutiren. 

50. Chriſtus ſprach: Wer nicht iſſet das Fleiſch des Menſchen 
Sohns / der hat kein Theil an ihme / und ſaget ferner: Wer das 
Waſſer / das ich ihm geben werde / trincken wird / dem wirds in 
einen Quell⸗bruñ des ewigen Lebens quellen: Alhierinnen liget das 
Perlein Der Wiedergebuhrt / es heiſſet nicht ſophiſticiren, fein 
Frucht das Weitzen⸗koͤrnlein bringt / es fake dann in die Erden: 
es muß alles wieder in feine Mutter darauß es worden iſt / ein⸗ 
gehen / ſoll es Frucht tragen. 

52. Die Mutter aller Weſen iſtsulphur, Mercurius iſt ihr Le⸗ 
ben / Mars iſt ihre Fuͤhlieng / Venus ihre Kebe / Iapiter ihr Verſtand/ 
Luna ihr leiblich Weſen / Saturnus ihr Mann. Du muſt den 
Maun mit dem Weibe gütigen / dann der Mann ift zornig / fo 
gib ihme doc) feine liebe Braut in feine Armen: aber ſthe zu / daß 
die Braut eine Jungfrau ſey / gantz zuͤchtig und reine: dann des 
Weibes Saame folle der Schlangen (als des Mannes Zorne) 
den Kopffzertretten. Die Jungfrau muß in rechter Liebe ohne ei⸗ 
nigen Falſch ſeyn / eine Jungfrau die noch keinen Mann im Zor⸗ 
ne nach ſeiner Mannheit beruͤhret hat / dann die klare Gottheit 
in reiner Liebe vermaͤhltt ſich auch alſo mit der Menſchheit: und 
als Maria ſagte / wir geſchehe wie du geſaget haft / dann ich bins 

Ses Herren Magd / fo nahm die Menſchheit die Gottheit ein/ 
deßgleichen die Gottheit die Menſchheit. 
| 52. Die flare Gottheit bedeutet im Philofophifhen Wercke 
die zuͤchtige Jungfrau: Die Menfchheit ift Mercurius ‚Sulphur 
\ und Sal, beyoeshinunlifch und irrdiſch / die himmliſche ift vers 
blichen / undals ein Nichts; die Todte im Grimme ift auffges 
wachet /undlebetdem Zorne: in den Eigenfchafften des Zorns 
ward die Menschheit in Adam und auch in Chriſto verfischet. 
53. Nun fprichftu / wormit? Mit einem gleichen Gegenfaß 
im Griumme / mit einem folhen Teuffel der allediefe Eigenfchafft 
J in ſtch hatte / als mit einem Fuͤrſten. 
54. Die Eigenſchafft im Sulphur wurde verſucht mit dee 
,  BleichheitdesSulphurs, im Sulphur oderauß fulphurifcher Eis 
genſchafft kam die Verſuchung / und der Geftälte waren drey: 


—— und feinen Hunger / als das Ftuer damit ſtillen oder 
ciſen. 


| 
| 
| 
| 
| 


alseine inder Impreflion,, dieheiffetder Philofophus Saturnum, 
die ſolte der Menſchliche Geiſt oder Wille eröffnen inVeneris Eis — 


i E73 5 


126 DeSrenarura Capıe. 


ss. Dieander Eigenfchafft war / er folte in feiner eigenen era 
weckten und eröffneten Venere auf Sarurni Eigenſchafft leben / 
und imeigenem Willen fliegen. 

56. Diedritte Eigenfchafft war / er foltefeinen Willen durch 
Lie erweckte Ficbesbegierde ins Centrum, als wieder in die Sul- 
phurifche Mutter/welche in der Impreflion in der Angft entftehet/ 
einführen: und das wolte er nicht thun / der erfte Adam hatte es a⸗ 
ber getan / darumb hat yn GOtt als er ihm helffen wolte / im 
Sulphur verfischet/ als in der erſten Mutter zur Menfchheit/ und 
einen grimmen Teuffel/ der im Sulphur entzündet war / laffen 
mit feiner entzündeten Boßheit im Sulphur verſuchen / verfteheftie 

das nicht / was foll ich dir dann mehr fügen ? Sulphuriftder Mut⸗ 
ter Leib / dahinein muͤſſen wir gehen / wollen wir neugebohren 
werden. 

57. Nicodemus ſagte wohl:Wie mag einer wieder in Mutterlei⸗ 
be gehen und gebohren werden / wann er alt wird ? Aber Chriſtus 
ſagte: Es ſey dann daß ihr umbkehret und werdet als die Kinder / 
ſonſt ſollet ihr das Himmelreich nicht ſchawen. 

58. Der eigne Wille muß wieder in die erſte Mutter die ihn 
gebohren hat / als in sulphur, eingehen / mit dem Willen verſte— 
het den Mercurium. Nun wer wil ihn aber deß bereden daß ers 
Ehut/danner iſt ein Eignes worden / und ſoll wieder in feine Mut⸗ 
fer eingehen / und ein Nichts werden Das dauchte Nicodemo wun⸗ 
derlich ſeyn / aber der Herr ſprach zu ihme: Der Wind blaͤſet wohin 
er wil / und du hoͤreſt ſein Sauſen wohl / du weiſt aber nicht von 
wannen er komt / oder wohin er faͤhret: Alſo iſt auch ein jeglicher 
der auß GOtt gebohren iſt. 

59. Sihe / wer beredete es dem Willen Chriſti in ſeiner Menſch⸗ 
heit / daß er wieder mit dem Willen in die Kindheit / gleich als 
wie in Mutterleibeeingieng / undaffe 40. Tage nichts / und wole 
te auch nichts /fondern bliebe in der Mutter gantz gelaffen ſtehen? 
thaͤte es BAER Gottheit / die da war in die Menfchheit eins 

angen ? 

60, Alfo gehet es auch zu im Philofophifchen Werck / darumb fo 
uns der. Artifta wohl mercken und recht verftehen : Er folldas böfe 
entronnene Kind/ das da ift auf der Mutter entflohen/und ift ing 
Centrum eingangen/ und wollen cin Eignes feyn/ im Saturno ſu⸗ 
chen / dann der Grin Gottes hats mit feiner Imprefhion indes To⸗ 
des Kammer eingefchloffen: Nicht haters zum Sarurno gemacht / 

ſondern er haͤlts im Sarurnifchen Tode verfchloffen, 
61. Das fol er nehmen und wisder in Mutterleibe in 


r 





j * 
Cp.1ı% ».: Rerum 12T 


undallda den Engel mit der Bottſchafft zu Marien ſenden / und ihr 
lafſen ankuͤndigen / ſte ſol einen Sohn gebaͤhren / def Namen ſoll 
ſie Jeſus heiſſen / und ſo die Mutter wird darein willigen / und den 
Namen Jeſus einnehmen / ſo wird die neue Menſchheit mit dem 
neuen Kinde in dem alten abtruͤnnigen im Zorn Gottes gefanges 
nen/in der Mutter anfahen/und wird erſtlich derTame Zefus ich 
in das gefiorbene Kind/ welchesim Saturno gefangen lag/einerges 
ben / und des böfen toden Kindes Willen zu ſich reisen z das iſt 
Die fchöne Braut’ die ihrem abtruͤnnigen Bräutigam ihren Der» 
len-crang fürhalt/ er foll fie nur wieder annehmen / fo wil ſie ihut 
wieder ihre Liebe geben. 

62. Nimt ſte nun der abtruͤnnige im Tode verſchloſſene Juͤng⸗ 
ling wieder an / ſo iſt der Attiſta geſchicket / und von GOtt zu ſei⸗ 
ner Vorhaben gewuͤrdiget: Jetzt wird die Braut den Braͤuti⸗ 
gam lieben / und eine Jungfrau einen Sohn gebaͤhren / deſſen alle 
Welt verwundert wird / das Weib wird den Mann umbgeben / 
aber er iſt ein Mann und nicht ein Weib / und hat der Jung⸗ 
frauen Hertze. 

63. Nun muß er verſuchet werden / ober wil in Jungfraͤuli⸗ 
cher Zucht / und in GOtt gelaſſenem Willen leben / dann er ſoll 
ein Ritter werden / und dem Teuffel ſein Raubſchloß / welches er 
in feiner Mutter hat / in ſieben Reichen zerſtoͤren: fo Ing dee. 
Zeuffel feiner Mutter Haus mit feinem Grimme anzuͤnden / und 
ae! Er wird fih nun wohl vorm Zeuffel mit Chrifte 
chuͤtzen 

64. Diß wird geſchehen / der Juͤngling mit ſambt dem Jungs 
fraͤulichen Hertze wird / wann der Verſucher komt und ihr an— 
greifft / ſich gantz in die Mutter ergeben / die Mutter wird ihn 
durch des Teuffels Grim̃ gantz in ſich verſchlingen; Er gibt ſich 
gantz auß ſeinem Willen auß ins Nichts. So dencket der Artiſta 
jetzt habe ich verlohren / dann er hat den Himmel verlohren / dann 
er fihet nichts / und dencket nicht darbey daß eine Jungfrau hat neu 
gebohren: aber er ſoll Gedult haben / was dem Kuͤnſtler unmuͤg⸗ 
Sich iſt / das iſt der Natur muͤglich / nach der Nacht wirds Tag / wan 
der Berfucher hat alle feine Verſuchungen vollendet / fo komt das 
Zeichen der Engel / fo muß der Teuffel der ihu verſuchte / weichen. 

65. Das ſoll der Artiſta wohl mercken / und den Teuffel abſchaf⸗ 
fen / und den Juͤngling mit ſeinem Jungfraͤulichen Hertzen in ſein 
Bette legen / und feiner vorigen Speiſe eſſen laſſen / dan eriftj 
ein Artzt ſeiner Geſchwiſter in ſeiner Mutter Hauſe: Er wird gro 
fe Wunder thun in allen ſieben Reichen feiner Mutter / das ſeyr 

5 








= 


122 "De Sıcnarura Capıo, 


Die ſteben Geſtaͤlte des Lebens / wie Ehriftus gethan hat. 

66. Alsim Satarno wird er die Zoden aufferwecken / verftehet 

In feinem vorigen Gefangnus /mwirder das todte Weſen das ihn 
gefangen hielt/ auffiween : Dann ex folldie Erden zum Himmel 
machen. Gleich wie ihme Die Jungfraw hatfeinen Willen aus 
dem Zormin die Liebe auffgewecket undzum Wunderthaͤter ge⸗ 
macht: Alfo foller mit feinem Willen / welcher in der Zungfrauen 
Hertz vereiniget ift / die Geftaltnüß in feiner Mutter Leibe / dar⸗ 
aus fie ihm und alle ihre Kinder gebohren hat / auffwecken / und 
mit der Zungfrauen und feiner Siebe» Begierde anzünden/ das 
geſchicht im Sulphure Sarırni des Fünglings eigenen leiblichen 
Eigenſchafft und in feiner Mutter. 

67. Darm vor der Vermählung der Jungfrauen lieget das 
himmliſche Weſen des Juͤnglings im Tode verfchloffen / dann da 
Gott die Erde verfluchte / fo verblich der him̃liſche Paradissleib/ 
fo nahm ihn die Impreflion Saturni ein/big zur Wiederbringung / 
da GOtt das Verborgene herwieder bringen wird / daß das Pa⸗ 
radis imausgefprohenen Wort wieder gruͤnet / oderder Artifta 
ſolches in einem Stuͤckwerck durch GOttes Zulaffen eröffnet. 

63. Im andern Neicheder Mutter/ als der Lunz, foller auch 
Runder würden/dann Jeſus fpeifete mit fünff Gerften-broven _ 
fuͤnff-rauſent Mann / das ift das Würden in der Weſenheit 
oder Seibligkeit. Er machte Warfer zu Wein. Diefes und der» 
gleichen gehöret alles in die lunarifche Eigenfchafft/ da der Ritter 
mit feiner Jungfrauen das Paradis eröffnet, und den Leib fpei> 
fet/ da nichts ift/ in der Auffere Mersurius nichts gewuͤrcket: alfo 
werden ſich die Geftaltnügen in lunariſcher Eigenſchafft / als waͤ⸗ 
zen fie Paradiſiſch / eroͤffnen. So dencket alsdann der Artiſta ich 
bin nahe darbey / aber er hat noch weit big zum Ende. 

69. Im dritten Reiche der Mutter / als im Jove machte Chris 
ſtus die Unmuͤndigen und Unverſtaͤndigen bloͤden ſaſt Unwiſſen⸗ 
den / wiſſende und verſtaͤndig / als aus armen Fiſchern und 
Zimmerleuten und dergleichen / machte er Apoſtel und die aller⸗ 
verftändigften Menſchen / deßgleichen aus armen unanſehnli⸗ 
hen Leuten / aus Weibern und albern Menſchen / machte er glau⸗ 

bige Gottfoͤrmige liebe Kinder / welcht das Univerſal ohne Kunſt 
in fich ergriffen. 

ı 90. Alfe gehets auch im Philofophifchen Werck zu: die im todte 
 serblichene Weſenheit / da der Mercurius gantz irrdiſch kalt und 
Krafftloß iſt / die fteiget in Krafft auff / als wäre das gantze We⸗ 

fen ein new Leben / deſſen ſich der Artifta verwundert / was —* 
as 


Cap. ro. Rerum 123 


Das fen / oder wie es zugehe ? ſich auch gleich Hoch erfreiwet / daß er 
Die Göttliche Krafft in einem halb todten Wefen vor fich fichet 
grünen/ undfoldesim Fluche GOttes: Er fichetallevier Ele- 
menta jedes befonder / und ſiehet wie fich die Weißheit GOttes 
darinnen fpiguliret/als ein Freuden⸗ſpiel / und ftchet alle Farben 
und den Regenbogen / darauff Ehriftus zu Gerichte figet/ in dem 
Ausgefprochenen Mercurio. 

71. Die Artiydiefes Scheins entftchet aus det Impreflion Sa- 
zurni,der gütige Jupiter laͤſſet fich alfo auff eine Arth fchen/gleich 
wie Gott wird die Weltverämdern/ und wieder ins Paradis 
zransmutiren/ dann das ift der Verſtand im ausgefprochenen 
Wert / gleich wie Chriſtus die albern unver ſtaͤndigen Menſchen 
hat in Göttlicher rechter himmliſcher Jovialifcher Berſtaͤndnuͤß 
verſtaͤndig gemacht. 

72. Im vierdten Reiche ver Mutter aller Wefen/ welches das 
mereurialifche am Rade der Raturdes Lebens iſt / hat Chriſtus 
die Tauben hoͤrende / die Sprachlofen redende / die Ausſaͤtzigen 
vom Gifft des Mercurii rein gemacht. Aller Gichtbruch / als Fran⸗ 
tzoſen und gifftige Rauden entſtehen aus dem ſaturniniſchen 
Waſſer im Mercurio, welches die Phlegma heiſſet / welches alles 
Chriſtus in Geſtalt des Juͤnglings und der Jungfrauen heilete: 
dann die ewige Jungfrauſchafft hatte ſich mit dem Juͤngling / als 
mit der Menſchheit vermaͤhlet. 

73. Dieſes geſchicht auch im Philoſophiſchen Wercke; der Ar- 
riſta wird ſehen / wie ſich der Himmel von der Erdenfcheidet / und 
wie ſich der Himmel wieder indie Erden fencket / und die Erden 
in eine Himmels Farbe verwandelt / wieder Mercurius Die Ma- 
teriam reiniget/ wie die gereinigfen Farben im Antimonio in 
feiner Eigenfchafft erfcheinen werden/ und wie das Wunder wei⸗ 
ter gehet. 

4 Im fuͤnfften Reiche der Mutter aller Wefen/ alsins 
Marte oder indes Grimmes Eigenfchafft tricebChriftus die Teu⸗ 
fel aus von den Befeffenen / und machte die Taubfichtigen in Dies 
fer Geftalt und Eigenfchafft geſund: diefes wird der Artiſta auch 
in dem philofophifchen Werd fehen/wieder Jupiter im Mercurio 
wird einen fihwarsen fihilichten Seuer-dunft aus der Materia 
über fich treiben/ welcher fich anleget/ als ein Ruß / dann er iftein 
Hunger des Gifftesim Mercurio, und gleichet wohl billich Bein 
Teufel / dann er iſt ſeiner Eigenfchafft. 

75. Im ſechſten Reiche der Mutter aller Weſen / als am Rade 
Des Lebens / Die Venus genannt / Es Chriftus feine Brüder 

2 und 


: — 
—F 


124 DE Sıcnartura Cap.ıoi 


and Schweftern nach der Menfchheit/ und wuſch feinen Juͤn⸗ 
gern die Fuͤße / und liebete ftebig in dic höchfte Nidrigkeit / und 
gab ſein Leben in des Grimmes Eigenſchafft fuͤr ſie in den Tod / 
uͤnd offenbahrete ſich unter ihnen / daß er Chriſtus wäre / und als 
ſie das gewahr wurden / daß der Koͤnig kommen waͤre / der dem 
eigenen Willen ſollte ſeine Macht nehmen / und dem Teufel ſein 
Reich zerbrechen / ſo ſchryen fie und ſagten: Wir haben keinen 
Koͤnig als den Keyſer; ſte nahmen ihn in finſterer Nacht in ihre 
Gewaͤlt / und bunden ihn / und fuͤhreten ihn für ihren Raht / ver⸗ 
ſpotteten ihn / geiſelten ihn / und ſchlugen ihn / und zogen ihm 
feine Kleider aus / und henckten ihn ans Creutze. 

76. Dieſes wird der Artiſta herrlich im philoſophiſchen Werck 
ſehen / dann fo balde der ſinſtere Feuersdunft von der Materia aus» 
faͤhret / als der Materix Teufel / ſo erſcheinet Frau Venus in ihrer 
Juͤngfrauſchafft gar herrlich und ſchoͤne Dann es deutet Chriſti 
$icb an] der ſich alſo gedemuͤtiget / und feine Liebe in unferer 
Menſchheit offenbahret / alsdann dendetder Artiftaer habe das 
Philofophifche Kind / er habe den Bratenz er tangetaber mit den 
Juden welche / als fie Chriſtum gefangen haften/ dachten / nun 


haben wir ihn / wir wollen ihn wohl halten: Alfo dencket er auch 


es ſey vollbracht / und nimt das Kind an / und wann ers in der 
Proba ſchawet / ſo hat er Venerem, ein Weib und nicht die Jung⸗ 
fraw mit der Feuer- wird Liechtes-Tinctur, und hat ſich laſſen das 
Weib betriegen. 

77. Nun ſiehe recht / was thun die Eigenſchafften / Saturnus, 
Mars und Mexcurius? Wann ſie das Kind / als den Ritter in Koͤ— 
niglicher Farbe ſehen und befinden / daß er Fein auffer Reich mit 
Krafft und Gewalt führef / als ſte thun / fondern wilnuralfo mit 
der Siebe in ihrer giftigen Feuers: macht herrſchen / dehn wollen 
fie nicht leyden: Dann Saturnus bedeutet die weltliche Herrſchafft / 
und Mercurius die geiftliche Herafihafft / als die Pharifeer / und 
Mars bedeutet den Teufel: die drey welten Chriſtum nicht unter 
fich leyden / dann er ſagte: Er waͤre ein König der Siebe /und 
Gottes Sohn / und wäre kommen fein Volck zu erretten von 
Sünden. 

78. So dachte der Teufel / das klingt uͤbel / du wirſt dein Reich 
verlieren; und die weltliche Obrigkeit dachte; Iſt dieſer cin Koͤ⸗ 
nig / und GOttes Sohn / ſo wird er unſere Macht auffheben / 
das ſchmaͤcket uns nicht; und die mercurialiſchen Prieſter dach⸗ 
ten: Dieſer iſt uns viel zu wenig / wir wollen einen Meſſiam ha⸗ 
ben / der uns in weltliche Herrligkeit einführe/ der ums eig 

elt 


Ey 


 Cap.ıt. Rerum. 125 


Welt hoch und reich mache / dag wir die Ehreder Belt alleine 
beſitzen: wir wollen den nicht annehmen / erift viel zu arın / wie 
möchten der weltlichen Obrigkeit Gunſt verlieren / uno muͤſten 
feiner entgelten/ wir wollen vieilieber in unferen Ehren und Ge— 
walt bleiben / und den bettel- König mit feinem Liebe⸗Reiche ab⸗ 
ſchaffen: In maſſen ſie noch heutiges Tages alſo geſinnet ſeynd / 
und ſeinen Botten alſo thun die er ſendet. 

79. Alſo gehet cs auch zu im Philofophifgen Werck: wann ſich 
Venus in den drey grimmen Geſtalten / als im Saturno, Marıaı 
undMercurio wit der Liebe / als in ihrer eigenen Geſtalt offenbaͤh⸗ 
ret / das fönnen fie nicht leyden / dann es iſt gang wider ihre ſtren⸗ 
ge finſtere Feuers Macht / zumahl wider den Gifft des Mercurii, 
die blitzen die Venus an / ſchieſſen ihren Strahl / als die mercu- 
rialiſche Gifft⸗ſtrahl auff ſie / wie die Dharifeer auff Chriſtum. 

80. Indeß halt Jupiter und Luna bey der Venere, und geben 
ihre Krafft der Veneri, dann in Jovis Krafft ſtehet Venus jetzt da / 
das verlachen die Phariſeer / und dencken wir ſeynd vorhin wei⸗ 
ſe / was ſoll uns Verſtand / wir wollen Macht und Ehre haben: 
und Luna bedeutet den Hauffen der Layen / welche an Chriſto hin⸗ 
gen} weils ihm wohl gieng; alſo haͤlt auch Luna im philofophi- 
ſchen Wercke an Venere in ihrem Glantze / weil ſte Saturnus, Mer- 
curius und Mars nicht angreiffet / ſo aber die Gewalt des SGrim⸗ 
mes komt / ſo wandelt Luna ihren Willen als die Farbe und ſtehet 
zu / ſtehet auff und ſchreyet mit das Crucifige,das wird der Artiſta 
ſehen / iſt er aber von GOtt zum Werck erkohren und es wehrt. 


Das 11. Capittel. 
Vom Lroceſs Chriſti in ſeinem Leyden / Tod und Auffer⸗ 
ſtehen: Vom Wunder des ſechſten Reichs in der 
Mutter aller Weſen / wie das Conſummatum iſt 
vollendet worden / und wie es im Philoſophiſchen 
Wercke in der Gleichheit zum Ende laufft. 


1. Ir ſollen wiſſen und betrachten / daß dieſer Welt We: 
fen ſamt dem Menſchen im zweyen Eigenſchafften 

ſtehet / als im Feuer und Liecht / das iſt / in Liebe und 
Zorn: ſo iſt nun das Feuer zweyerley / und das Liecht auch zweyer⸗ 
ley / als ein kaltes Feuer vonder Impreſſion, und ein hitziges 
Feuer vom Rade Mercurii im Sulphur, ſo wohl auch ein kaltes 


echt vom kalten Feuer / und ein waͤrmendes vom hikigen euer. 
i% * 


5 


ri 2. Das 


126 De Sıcwartura Cap.ım. 


2. Das Falte giecht ift falfch / und Das hitzige iſt gut/ nicht dag 
es falſch in feiner Eigenfhafft fey/ allein in der Impreflion im 
Falten Sulphur,wird es inter Schärffedes Grimmes eine falfihe 
Begierde / als cine falfche Liebe / welche wider die Sanfftmutf 
lauffet / dann ihre Begierde ift Sarurnus und Mars : fte führetihre: 
Senne in Martem aus/ verfichetihren Schein des Lebens / und 
das waͤrmende recht / welches auch feine Feuers⸗Schaͤrffe in der 
Impreflion in Sulphur vom Marte empfaͤhet / fuͤhret Kine Begier⸗ 
de wieder in die Freyheit / als durchs Sterben im Feuer / Durch 
die Angſt / es laͤſſet ig im Sterben des Feuers gantz frey dahin / 
und verläffet des grimmmes Eigenſchafft: Alſo ifts eine gemeine, 
Wohne und nichts Eigenes / gleich wie die Sonne ihren Schein: 
ins gemein gibet. 

3.Der Sonnen Schein ift weder hitzig noch Ealt/allein der Mer- 
eurins im Geiſte der groffen Welt / macht in Martis und Sarurni 
Eigenſchafft eine Hige darinnen / dann die Sonue zündet ihre 
Beaicrvde an / davon fie alfo hungerig/ begierig und qualificirende 
werden / daß alsdann cin Feuer im Liechte gefpüret wird / welche 
Hitze nicht des Sicchts ſelbſt⸗Eigenſchafft ift / fondern der Seelen 
der groffen Welt / die fhärffet auch das wonnefame giecht img. 
Blanze alſo / daß es dem Auge untraͤglich iff. 

4. Und iſt uns hoc) zuerfennen: daß ſo ein andere Feuer⸗be⸗ 
gierde / welche nicht dem aͤuſſeren Leben im Mereurio ahnlich ift / 
In dem frengen Grimme der Aufferen Natur herafchen molte/ 
daß es cin Widerwille wider das ftrenge/ Ealte/bittere und feuri⸗ 
ſche Kegiment und geben feyn würde dag ihr Grimm fich würde 
srheben/ und degen wollen gerne loß ſeyn / in maffen es dann 
auch geſchehen iſt / als fich die Göttliche Liebe-begierde mitihrer 
groffen Sanfftmuth / unter der falfchen/ Ealten und ſtrengen hof⸗ 
färtigen Feuers⸗begierde der Saturnalilten, Martialiten, und 
fonderlich der falfchen Mercurialiften hat offenbahret / das war 
ein groffer Gegenfag und Widerwille / daß da wolte die Siche in 
Tode des Gifftes herrſchen / und inne wohnen Das konten noch 
wolten fie nicht feyden / dann der Himmel war indie Hölle kom⸗ 
men / und wolte die Hölle mit der Siebe überwinden/ und ihr ihre 
Macht uchmen/ wie dann foldes in Chriſti Perfon zu fehen : Er 
fiebete fie / und thäte ihnen alles guts/ und heifete fie von ihren 
Plagen; aber daß er nicht aus ihrer grimmen Macht war ent⸗ 
ſprungen / daß er fagte: Er wäre von oben her kommen / und waͤre 
Gottes Sohn / das ſchmaͤckte der Falten hitzigen Feuers⸗macht 
Dicht / daß er wolte mit der Liebe uͤber ſie herrſchen. 

22 s. Ehen. 


Cap.ıt. Rerum. 127 
5. Eben alfo gehets auch zu im Philofophifchen Werck / wann 
die grimmen Geftälteder Irrdigkeit / als der auffere Saturnus, 
Mass und Mercuriusden himmliſchen Ritter mit der Zungfräus 
lichen Eigenfhafft unter ſich fehen / und ihn füblen / daß er eine 
andere Begierde hat als ſie / foerzürnen fie ſich in-fich ſelber; 
dann die Kebe⸗begierde / wann die den Feuer⸗ſchrack anblicket / 
erwecket ihren Feuer⸗ſchrack I fogehet der Grim aus der Aengſt⸗ 
lichkeit in die Liebe ein} davon entſtehet in der Liebe ein Todes⸗ 
ſchrack / weil aber kein Tod darinnen ſeyn kan / ſo erſincket die Siebe 
im Feuer⸗ſchrack / und gibet ſich in ihrer Begierde aus / und laͤſſet 
ihr Weſen / daß ſie in ihrer Begierde nach ihrer Eigenſchafft in 
Todes ⸗ ſchrack ſtehen / das iſt dem Tode eine Gifft / und der Hoͤllen 
eine Peſtilentz / und auff eine ſolche Eigenſchafft iſt dem Tode in 
der Menſchheit feine Macht genommen worden: dann Ehriftus 
als er im Schracke des Todes fein himmliſches Blut vergoffen / 
und im Zodclieh ’ fo mufteder Grimm GOttes das himmliſche 
Siebe- Werft en in ſich behalten. Allda ward die Feuerzbegierde in 
der entzuͤndeten Menſchheit in eine Liebe⸗begierde transmutiret / 
und aus der Todes⸗Angſt eine Freude und Staͤrcke derGoͤttlichen 
Krafft erbohren. 

6. Damit ich aber den Liebhaber moͤge gruͤndlich verfländigen? 
wie es mit Chriſto iſt zugangen / und wir es ingleichen im Philo- 
fophifchen Wercke zugehe / iſt esgang ein Proceis: Chriftus hat 
den Grimm des Todes überwunden in menſchlicher Eigenſchafft / 
und den Zorn des Vatters in eine Liebe in menſchlicher Eigen» 
fehafft verwandelt: Alfo hat auchder Philofophus einen ſolchen 
Willen; Erwildie grimme Erden zum Himmel machen / und 
den gifftigen Mercurium in Liebe verwandeln: So mercke er uns 
recht / wir wollen allhie nichts parabolifch ſchreiben / ſondern gan 
Sonnen⸗klar. 

7. GOtt wolte die Meunſchheit / nach dem fie war irrdiſch wor⸗ 
den / und hatte den gifftigen Mercurium im der Liebe Eigenſchafft 
erwecket / welche die Liebe hatte verſchlungen / und in ſich trans⸗ 
mutiret / wieder in Göttliche himliſche Eigenſchafft transmuri- 
ren / und aus der menſchlichen Erden Himmel machen / aus vier 
Elementen nur eines in einer Begierde / und den Grimm GOt⸗ 
tes in menfchlicher ( Eigenſchafft in Siebe sermandeln. 

8. Nun war fein Zorn eine Feuers⸗ und Srimme s Macht / und 
war im Menſchen entbraudt: deme nun zu widerſtehen / und in 
eine Liebe zu verwandeln / muſte Ernſt ſeyn: die Liebe muſte in 
Zorn eingehen / und ſich gang er Grinum einergeben / ne 


128 De Sıenatura Cape 


es nicht] Da GOtt im Himmel bliebe / und blickete die Menſch⸗ 
heit nur mit der Liebe an: Es konte nicht ſeyn / daß der Zorn und 
Grim̃ haͤtten darmit ihren Gewalt laſſen finden / und fich imdie 
Liebe einergeben; gleich wie das Feuer vom Liechte nicht beſſer 
wird/ es behaͤlt ſeinen Grimm für fich/ wann aber einſanfftes 
Weſen ins Feuer fahret / als Waſſer / fo erflirbet das Feuer. 

9 Alſo muſte himmliſche Göttliche Weſenheit / verſtehet himi⸗ 
liſch Waſſer / welches die Tinctur vom Feuer und Liccht in Blut 
verwandelt / in dns grimme Feuer GOttes eingehen / und des 
Feuers Speiſe werden / daß das Feuer GOttes aus einer andern 
Eflenk brennete / dann Waſſer haͤtte es nicht gethan. Das Feuer 
drennete nicht im ABaffer/aber die ſanffte olitetiſche Eigenſchafft 
vom Feuer und Liechte im Weſen Goͤttlicher Sanfftmuth in dee 
Liebe Vegierde / das thaͤte es. 

10. Das menſchliche Feuer⸗leben ſtehet im Blute / und dar⸗ 
innen herrſchet der Grinun GOttes: Nun muſte ein ander Blut / 
welches aus GOttes Liebe Weſen war erbohren / in das zornige 
menſchliche Blut eingehen / es muſte miteinander in Tod des 
Grimmes eingehen / und der Grimm GOttes muſte im Goͤttli—⸗ 
chen Blute erſauffen / darumb muſte die aͤuſſere Menſchheit in 
Chriſto erben / auff dag ſie nicht mehr in Grimes-Eigenſchafft 
lebete / ſondern daß des hinnnliſchen Blutes Mercurius, als das 
ſprechende Wort in der aͤuſſern Menſchheit alleine lebete / und in 
eigener Goͤttlicher Gewalt / in der aͤuſſern und innern Menſch⸗ 
heit regierete / daß die Ichheit in der Menſchheit auffhoͤrete / und 
der Geiſt GOttes alles in allem ſey / und die Ichheit nur fein 
Werckzeug ſey / damit er macht was er wil / und die Selbheit 
nur GOttes Werckzeug / und gantz in der Gelafſenheit ſey / dañ 
GOtt hatte nicht den Menſchen zum eigenen Herrn / ſondern zu 
feinem Diener geſchaffen / er wolte Engel im Gehorſam haben? 
und nicht Teufel in eigener Feuers⸗Macht. 

11. Und als ſich nun wolte ſeine Liebe in Tod begeben / und dem 
Tod ſeine Macht nehmen / ſo wurden die zwo Welte / als des 
Vaͤtters Feuer-Welt / mit der aͤuſſeren ſichtbahrer Welt / und 
Bann die Goͤttliche Liebe-Welt mit Goͤttlicher himmliſcher We 
ſenheit / das iſt / mit himliſchen Fleiſch und Blut / und dann mie 
des verderbten Menſchen Fleiſch und Blut in eine Perſon for⸗ 
miret; GOtt ward Menſch / und machte den Menſchen zu GOtt: 
Des Weibes / als der him̃li ſchen Jungfrawſchafft Saame / wel⸗ 
eher in Adam verblich / und dan des verderbten Menſchen Saas 
we im Zorne / als Marien Saa me / wurden in Eine u 

or⸗ 


. 


- 


— ZU. 


Cap. tr. Rerum 129 


formiret/die war Ehriftus/ und des Weibes als der Jungfrauen 
GHttes Saame / verſtehet dic himmliſche Weſenheit / ſollte der 
Schlangen / ver ſtehet dem Grimm GOttes im verderbten Men⸗ 
ſchen / den Kopff zertretten: der Kopff iſt die Macht GOttes 
Zorns / der Goͤttliche Menſch / verſtehet die Göttliche Eigen= 
ſchafft / ſollte die irrdiſche in ſich transmutiren / und die Erden 
zum Himmel machen. 

12. Als nun die Perſon alſo erbohren war / ſo ſtund der Him⸗ 
mel in der Erden des Menſchen. Nunhätte es die Menſchwer⸗ 
dung alſo nicht alleine gethan / es muſte hernach ein anderer Ernſt 
ſeyn / dann alldieweil Chriſtus auff Erden gieng / ſo war die 
Meuſchheit aus Marien Eigenſchafft nicht allmaͤchtig / ſondern 
Die Menſchheit aus GOtt / fie waren in zweyen brincipien gegen 
einander geſetzt / aber nicht verſchloſſen / ſondern alle beyde in⸗ 
einander offenbahr: Die Liebe wider den Zorn / und der Zorn wi⸗ 

der die Siebe. 

- 13. Nungaltes miteinander Ringen / aus deme kam auch die 
Verſuchung Ehrifti/ und als die Goͤttliche Welt ſiegete / ſo ka⸗ 
= hernac Die groffen Wunder durch Die äuffere menſchliche 

elf. 

14. Aber das alles konte es nicht vollbringen / es muſte ein 
groͤſſerer Ernſt ſeyn / die menſchliche Eigenſchafft / als das ausge⸗ 
ſprochene Wort / war in ihrer Selbheit noch im beweglichen 
Zorn raͤge: der menſchliche Sulphar muſte in himliſchen / als in 
das him̃liſche Theil trausmutiret werden / und dafuͤr entſatzte fig) 
die menſchkiche Selbheit / als der ausgefprochene Mercurius, als 
am Oehlberge die himmliſche Welt in der Liebe / mit dem Zorne 
in der menſchlichen Welt / als mit der Selbheit ung / daßd die 
Derfon Chriſti blutigen Schweiß ſchwitzte / da erzitterte eines 
fuͤrm andern / die Liebe fuͤrm rauen Tode / darein ſie ſich mit der 
Goͤttlichen Weſenheit ſollte und muſte gantz einergeben / und den 
Zorn in ſich laſſen verſchlingen / und der Zorn fuͤr feinem Tode / 
in deme er in der Liebe ſollte ſeine Macht verlieren. 

15. So ſprach die gantze Perſon Chriſti: Vatter /iftsmögs 
lich / fo gehe dieſer Kelch von mir / dach nicht mein / ſondern deine 
Wille geſchehe. Die Liebe⸗Welt in Chriſto fprach: Kan es nicht 
ſeyn ich frinde dann den Kelch deines Zorns in mich / ſo ge⸗ 
fchehe dein Wille und der Zorn fprach ; Iſts möglich fo 83 
fer Kelch ver Liebe von mir / auff dag ich im Grimme des Mene 
ſchen umb ſeines Ungehorfams willen quelle/wie Gott zu Moyſe / 
welcher im Geiſte Chriſti mit Chriſti Vorbilde vor GOtt 

55 ftundez 


130 Ds Sıcnartura Copırm 


ſtunde / ſprach: laß mich/ auff dag ich dig umgehorfam Volk 
auffreſſe. 

— der Name JEſus / welcher ji im Paradismitder 
Berheiffung vom ABeibes-Saamen hatte ins Zicldes menfchlis 
hen umd Goͤttlichen Bundes eingeleibet / der wolte ihn nicht laſ⸗ 
fen / dann die Demuth des Namens JEſu ſtellete fich allegeit in 
Grimm des Vatters infeine Feuers-Eigenſchafft / daß fein Feuer 
den halb⸗gifftigen Mereurium im Menſchen nicht möchte anzuͤn⸗ 
den / als nur zu Zeiten / wann Iſrael im Grimm und Ungehor⸗ 
ſam eingieng / wie bey Core / Datan und Abiram / und beym Elia 
zu ſehen iſt. 

17. Alſo auch allhie am Oehlberge; der Zorn wolte im Mens 
ſchen in Feuers Macht leben / und der Name JEſus ſtellete ſich in 
Zorn ein / und war allhier weiter kein Raht / als daß ſich der Na⸗ 
are JEſus in Goͤttlicher Liebe und himmliſcher Weſenheit deux 
Zorn gantz einergaͤbe zu verfehlingen:Der Sohn muſte und ward 
dem zornigen Vatter gehorſam / biß in Tod des Creutzes / ſagt die 
Schrifft-Die Liebe Demuth und Sanfftmuth lich ſich vom Zorne 
verſpotten / verſpeyen und annehmen / das iſt / die Juden muſten 
Das Recht GVttes ezeguiren / dann durch des Menſchen Selbſt⸗ 
thun war die Suͤnde begangen worden / und durch des Menſchen 
Selbſt⸗thun muſte der Tod und die Suͤnde getilget werden. 

18. Adam hatte feinen Willen in Gifft des aͤuſſern Mercarii 
eingefuͤhret: alſo muſte Chriſtus als die Liebe / ſeinen Willen auch 
in den gifftigen Mercurium einergeben. Adam ag vom boͤſen 
Baum / Chriſtus muſte vom Zorn GOttes effen / und wie es in⸗ 
nerlich im Geiſte zugieng / alſo auch aͤuſſerlich im Fleiſche. 

19. Und eben alſo gehet es auch im Philoſophiſchen Werck / der 

Diercurius im Philoſophiſchen Werck bedeutet die Phariſeer / der 
wil das liebe Kind nicht dulden / wann er das ſiehet / es gibt ihme 
ein Zittern und Angſt / fo erzittert auch die Venus vorm Giffte 
des zornigen Mercurii , fie ftehen ineinander / als wann ihnen ein 
Schweiß ausgieng / wie es det Artifta fehen wird. 

20. Mars ſpricht: Ich bin der Feuer⸗Herr im Coͤrper / Saturnus 
iſt meine Macht / und Mercurius iſt mein Leben / ich wil der Liebe 
nicht / ich wil ſie in meinem Grimm verſchlingen. Der bedeutet 
den Teufel im Zorn GOttes / und weiler das nicht thun kan / fo 
erwecket er Saturnum, als die Immpreflion,. bedeutet die weltliche 
Obrigkeit / und greiffet damit nach Venere, und mag fie doch auch- 
nicht in fich haben / dann fie iſt ihme cin Gifft zum Tode. 

ax, Diefts kan der Mezcurins viel weniger leyden / — 

be 


Cap. IT, Rerum 137 
Siebe nähme ihme das Regiment; wie bie Hohenpriefter dachfeny 
Ehriftuswürdeihr Regiment auffheben / dieweil er ſagte / Er 
waͤre GOttes Sohn. 

22. Alſo wird dem Mercurio über dem Veneris-Kinde bange / 
dann Venushat fich jest gang entblöget und freygegeben / ſte moͤ⸗ 
gen nunmachen was fie wollen / ſie wil dem Drachen in Rachen 
fahren / er foll ihn nur auffiperren / und das verficheeMars im 
Mercurio nicht / fondern ſie nehmen das fihöne Kind / und fchieen 
ihren Gifft⸗ ſtrahl auff das/ und binden es mit Saturnı Macht in 
ihre böfe Stricke / wie es der Artiſta ſehen wird/ wic fie Veneris 
Farbe umbgeben. 

23. Mars führetscerftlich in Mercurium, weil er das Leben iſt / 
als fuͤrn Hohenprieſter / der ſoll das ſhoͤne Kind examiniren und 
probiren; aber er iſt deme gramm / er mag ihme nicht ins Hertz 
greiffen nach ſeinem Liebe-⸗Willen / er urtheilet es nur von auſ⸗ 
ſen / daß es nicht ſeiner Eigenſchafft iſt / daß es mit ſolcher Ge— 
ſtaltnuͤß da ſtehet / wie er der Mercurius,und hat aber eine andere 
Krafft / Tugend und Willen. 

24. Weil aber im Kinde Veneris ein anderer Mercurius in ſei⸗ 
ner Liebe lebet / ſo kan er es nicht ermorden / ſondern fuͤhrets in 
Saturnum, wie die Juden Chriſtum von Caipha zu Pilato / der 
bedeutet Saturnum, der nimt das Kind auch an; weiler aber cin 
Herr der Imprefion , als der Finſternuͤß iſt / ſo fraget er nid ts 
nach der Eigenſchafft des Kindes / ſondern nur nach dem Regi— 
ment / er greifft Das Kind mit der finftern Iwpteſſion an / und 
zeucht ihme das fhöneVenus- Kleid aus / und in deme ſolches Luna 
mit dein weißen Glantz der Sonnen fichet / ſo verbirget fie fich 7 
wie die Singer Chriſti Rchen/und der gemeine Hauffeven Chris 
flo / welche fich hoch vermagen bey ihm zu ſtehen in Ercuß und 
Berfolgung /aberim Ernſt flichen fie / dann Luna ift unbeftän 
dig / ſie hat nicht Solis Herz in der Sichesflamme / und Saturnus 
mit feiner ſtachlichten Impreflion zeucht den Sulpher über das 
Kind / als die Mutter aller Weſen mit ihrem purpurfarben 
Kleide ihrer felbfi-Eigenfegafft / in welchem der Grimm Martis 
zur Herberge inne lieget. 

25. Wann das Mars,alsdes Teufels Geſindlein / ſo wohl Mer- 
eurius-al$ die cigene Hoffarth des Lebens ſiehet dag Venus ihr 
Königlich Kleidan hat / verftchetdes Sarurni und Mercurii Pur⸗ 
purkleid in Solis Farbe/ mit dem feurigen Martegemenget/umd in 

des Mercurii Sulphur⸗Farbe im Blitze als ein Glantz gegieret } 
dann alſo wird Dir Materia nach der Venetiſchen Eigenſchafft 
Te - Farbe/ 


_ 


132 Dr Sıenarura Cap. ız 


Farbe / darauff ver Attiſta mag acht haben / er wirds Flar alſo 
ſehen / wie geſagt. 

26. Wann Das Mars und Mercurius ſo wohl Luna ſehen / fo 
ſchreyen fie erucifige, hinweg / es iſt ein falfcher König in unſerem 
Kleide: Er iſt nur ein Menſch als wir ſeynd / und wil GOtt ſeyn / 
das iſt / ſie fuͤhren ihre gifftige Begierde durch das purpurfarbe 
Kleid auff das Kind zu / ſo wird der Artiſta ſehen / daß das Kind 
an ſeiner eigenen Geſtalt wird ausſehen / als waͤr es voll Strie⸗ 
men von den gifftigen Strahlen Mercurii und Martis, welche ſie 
dem Kinde durch die Impreſſion ſSaturni anhaͤngen / gleich wie 
Pilatus JEſum geiſelte; die ſtachlichte dorne Cron wird der Ar- 
riſta gantz ſcharff mit feinen Spitzen auff der Eigenſchafft des 
Kindes ſehen / auch fo wird er ſehen / wie ſich Venus nichts raͤget / 
ſondern nur ſtille ſtehet / und laͤſſet mit ſich machen. 

27. Verſtehets recht / wie Adam hat eine kalte falſche Liebe an 
fich genommen / und damit vor GOtt geglaͤntzet / als waͤre er in 
eigener Macht und Willen dannoch GOttes Kind / mit welcher 
er doch nur GOties geſpottet / dann alſo erſcheinet die Liebe⸗Be⸗ 
gierde / wann ſie in der Impreflion des Todes gefangen wird: Alſo 
muſte der ander Adam Chriſtus alles das auff ſich nehmen / und 
in ſelben Spott eingehen / ſich laſſen mit einem purpur=Kleide / 
als einen Koͤnig dieſer Welt bekleiden / und darinnen fpoften / 
dann Adam hatte das Purpur-Kleid der aͤuſſern Welt der eige⸗ 
nen Macht im Glantze der Selbheit angezogen / jetzt ward es all⸗ 
hie vor GOties Zorn ſchaw getragen / und das weiſſe Kleid / das 
Herodes Chriſto zu ſpotte anzog / iſt und bedeutet die kalte falſche 
Uebe / als ein Kleid der Falſchheit / darinnen der Menſch pran⸗ 
get / als waͤre er ein Engel: Zeucht alſo Chriſti purpur⸗Mantel 
auit einem weiffen Roͤcklein über ſich / und verdecket ſich mit Chri⸗ 
fti reinem ſchnee⸗weiſſen Kleide / als mit feinem Leyden und Tode / 
und behaͤlt aber von Mann der Falſchheit / als die falfche Liebe 
unter der Decke zur Herberge. 

28. Seat muſte Chriſtus dieſelbe Figur darſtellen / dann an 
feinem Leibe wards dargeſtellet / dann er ſolte den Mann der 
Falſchheit überwinden und toͤdten / der in Menſchlicher Eigen» 
ſchafft inne lag / fo ſtelte ihn GOtt gänzlich fuͤr / Chriſtus muſte 
Fich einen ſolchen laſſen ſchelten wie Adam war / der Unſchuldige 
muſte die Shuld auff ſich nehmen. 

29. Alſo gehets auch im Philofophifchen Werck zu / wann der 
Fluch Gottes Zorns / welcher in der Erden iſt / ſoll in die Liebe 
anaſmutiret werden. Dieweil Mercurius das Kind der Siebe für 

AR Sat 


Capın : Rerum 133 


Saturnum ftellet / und es Saturnus nicht kan und mag probiren / fo 
geucht er ihme das purpurfarbe Kleid an / mit den Strimen une 
ter dem Kleide / und ſchicket esfür Solis Glantz / welcher im Marte 
blicket / ſo zeucht ihm die Sonne ihre weiſſe Farbe an / als die Lu- 
nariſche / ſo vergehet die purpur⸗Farbe / und ſtehet das Kind in Lu- 
nariſcher albern weiffen Farbe / gang unachtbar ohne Glantz; die 
Sonne wolte gerne ſehen / dag dig Kind lieſſe feine güldene Far— 
be ſehen / dieweil ſte mercket / es ſey eine Solariſche Krafft im Kin⸗ 
de / fo gibet ſie dem Kinde die weiſſe Farbe auß der Eigenſchafft der 
ewigen Freyheit / das Kind ſoll die Krafft vom Feuers⸗Centro, als 
die Goͤttliche Macht / welche im Feuer raͤge wird / darein geben / 
fo wäre es der Sonnen ähnlich / und wäre ein Herz über den Sul- 
phur Martis und Mercurii, aber nur ein Her? der Auffern Welt 
Wefenfein Regierer im Grimme/ wie Solcin folcher ift, 

30, Aber Chriftus fprach zu Pilato: Mein Reich iſt nicht von 
Diefer Welt / und wolte Herodi in dieſem weiffen Kleide/ als er 
ihme das anzog / ſo wohl im Purpur⸗kleide nichts antworten / dann 
das Purpurkleid / fo wohl auch das weiſſe Kleid war alles falſch / 
und ihme nur zu Spott angezogen; dieweil es Adam hatte an⸗ 
gezogen / und darinnen im Falſchheit gepranget / fo mochte 
Chriſtus darinnen vor Herode kein Zeichen thun / ob er deſſen 
gleich begehrte: Es ward nur hiemit die Schande des Wiens 
ſchen / welcher ein Bild Gottes war/ und machte fich zu einem fal⸗ 
ſchen Könige) für Gottes Angeficht geſtellet gleichwie der arme 
Sünder feine Greuel vor GOtt beichtet und darftellet / wann 
er zur Abftineng greiffet. 

3x, Alſo ſtellete Chriſtus feinem Vatter die Greuel des Men⸗ 
ſchen in dieſem falſchen Kleide fuͤr / und ſtund vor ihme als ein 
Spott / und beichtete ſeinem Batter des Menſchen Sünde an ſtatt 
aller Menſchen / und als ihn ſein Vatter in dieſem Kleide durch 
ſeine Imagination erblickte / wolte er dieſes Kleides nicht / darumb 
muſte es ihme Pilatus wieder außziehen / und ſtellete ihn in ſei⸗ 
ner eigenen Geſtalt fuͤr die Juͤden / aber ſie ſchrien: Nur hin= 
weg / hinweg / er gehoͤret in Todt: dann alſo wolte es ſein Vatter 
haben / daß er ſich in ſeinen Grimm in Todt eingaͤbe / und dehn er⸗ 
ſaͤuffte. Und Pilatus urtheilete ihn zuar Tode / dann er wolte ih 
nicht fuͤr einen Koͤnig erkennen. 

32. Alſo gehet es auch zu im Philoſophiſchen Wercke: Saturnus 
mag das Kind nicht annehmen / dann es iſt nicht feiner Eigen⸗ 
ſchafft / ſo wils Mass und Mercutius auch nicht in feiner Eigen⸗ 

87 ſchalſt 


134 De Sıonarura Cape? 


fchafft haben / was thun fieaber ? Das Kind ift unter ihnen / fie 
wären dep gerne loß / nud Fönnen doch nicht / fie ergrimmen fich 7 
wie die Juden über Jeſum / uud nehmen das Kindin ihre Faſ⸗ 
fung / als in ihre falſche / gifftige / zornige Begierde / und wolle: 
es ermorden / und ftechen mit inren fiharffen Feuer und Gifft- 

ſtrahlen / durch die Materi des Kindes/ als mit drey fharffen Raͤ⸗ 
geln / der eine iſt Sarurnus , als die Impreſon der finſtern Welt / 

deutet den Grii der ſinſtern Welt an; Der ander iſt Mars, der 

deutet den Teuffel / als der Schlangen Eigenſchafft in Gottes 

Zorne an; Der dritte iſt Mercurius, der deutet das falſche Leben 
an als wieder Grimm GOttes iſt im außgeſprochenen Wort in 
Menſchlicher Eigenſchafft entzündet worden: Dieſe drey Nagel 
ſtechen ſie durch des Kindes Eigenſchafft. 

33. Alſo gibt ſich Venusals das Weſen der Liebe gantz in die 
drey Mörder ein/und gibt ihr Jovialifches-geben gang von ſich / als 
ſtuͤrbe ſie / und das Mercurialifche schen Menſchlicher Eigenſchafft / 
verſtehet des Kindes Krafft / faͤlt auch gantz in die drey Mörder in 
ſeiner Mutter Haus / als in das leibliche Weſen / darinnen der 
Juͤngling feine Jungfrau einnahm / darinnen GOtt Menſch 
ward. 

34. So ergibet ſich jetzt der himmliſche Leib / und auch der irr⸗ 
diſche in die drey Moͤrder ein / ſo erſcheinet das Bilde Johannis 
und Mariæ neben dem Creutze / als eine Figur / dann des Juͤng⸗ 
fings Leben hat ſich auffgegeben / und auch Das Jungfrauliche im: 
Juͤngling / fo theilen fich die zwo Eigenfihafften/ als die Gött- 
ũche und Menſchliche / in Geftalt jedes Krafft / welches der Ar- 

sifta, fo er Augen dazu hat / ſehen mag / ſo er den Verſtand bat. 

35. Undindiefem/ wann fid) Saturnus mit feiner Impreflion 
und finftern Schärffe /und Mars mit feinem Grimm / und Mer- 
äurius mit feinem Gifft ⸗ leben / in Veneris Eigenfchafft eindrän> 
gen / ſo draͤnget fih der Grimm indie Liebe / unddie Liebe in den 
Grimm eflentialitervermifcht / alsinqualirende ein. 

36. Jegterfchricht der grimme Zod vor der Liebe / dag cr alfo: 
ins Sterben in Unmacht faͤlt dann er verleuret des Grimmes: 
Macht / und die Liebe iſt und ſtehet im Quaal des Brimmes in To⸗ 
des-fhracke / als auch eine Unmacht / und gibt ſich gantz in Todes⸗ 
ſchrack auß / allda fleuſſet das himmliſche Weſen / als das himm⸗ 
ufche Blut von ihr indie Eigenſchafft des dritten Principii , als in 
des Juͤnglings. 

37. Allhie gibt die Jungfrau dem Juͤngling ihr —* zum 

igen⸗ 


Cap. rr. Rerum 13% 


Eigenthumb/und wird GOtt und Menfch eins: Dann der Jung⸗ 

frauen Blut auß Goͤttlicher Weſenheit erſaͤufft allhie mir ihrer: 
Liebe Weſen des Juͤnglings Blut / als die Selbheit / und die drey 
Moͤrder geben ihr Leben im Blut der Jungfrauen auff / ſo gehet 

das Gluten vom Feuer / und das Weißze vom Leben des Ritters 
miteinander auff / als aus dem Grimme des Lebens / und aus der. 
Liebe die Sanftmuth / und ſteigen beyde / als des Zorns Leben under 

Liebe Leben miteinander auff / als ein einiges Leben / dann im Tode 
werden ſie eins / der Todt erſtirbet in der Liebe / und wird in der 

Liebe zum Leben der Goͤttlichen Freudenreich /danı es iſt nicht ein: 
Sterben / ſondern ein frey Ergeben ſeiner Krafft / Macht und 

Willens) cine Tranfmuration : Der Jungfrauen Blut tranfmu- 

riret das Menſchliche an Gtt erftorbene / in ein himmlifches 7. 
des Juͤnglings geben erſtirbet / und das schen der Gottheit bleis 

Set fir /dannes fichet in feiner Eigenſchafft im Nichts: 

38. Und allhie / du lieber Sucher / wann dur fiheft das Roſtn⸗ 
farbe Blut des Zünglings auf dem Tode mit der Jungfrauen 
weiſſen Gluten auffgehen / fo wiffedag du das Arcanum Der ganz 
gen Welt Haft / undeinen Schaf in dieſem Jammerthal / der mit 
keinem Gold zubezahlenift: Dehn nim̃ und achte ihn herrlicher 
als den/der vom T de wird wieder aufferfichen. Biſtu auß Bott 
—— ſo wirſtu mich verſtehen was ich meyne. 

9. Danun das iſt das Bilde Chriſti / wie Chriſtus hat die 
Sant und den entzuͤndeten Zorn Gottes in Men ſchlicher Eigen⸗ 
ſchafft erſaͤuffet / es iſt nicht alleine ein Opffer / ſonſt haͤtte es Moy⸗ 
ſes vollendet / es iſt nicht ein bloß Wort-vergeben / wie Babel leh⸗ 
vet: Nein / nein / der Menſchliche Wille muß ang allen Kraͤff⸗ 
ten in die ſen Todt in diß Blut / als-in die hoͤchſte Tinctur einges 
hen: Der Purpurmantel denChriſtus muſte tragen / konte es nicht 
thun / das weiſſe heuchliſche Phariſæiſche Pfaffen⸗roͤcklein auch 
richt. Es hälfft Fein kitzeln noch heuchlen / weder troͤſten noch gute. 
Wort vor Gott geben / der Schalck muß inChriſti Blut ſterben / in 
der Junfrauen Blut muß er erſaͤuffet werden: des Weibes Saame 
mug der Schlangen den Kepff zertretten / der Wille muß gantz auß 
ſeiner Ichheit aufgehen (und werden als cin unverſtaͤndig Kinds 
undgank in GOttes Erbarınenins Sungfräuliche Blut Ehrifli 
eingehen / auff daß die Sünden und der vergifftete Mercurius in 
feinem Marte erfauffel auff dag der weiffe Löwe auffgche/ dann der 
Loͤwe / der jest in weiſſer Farbe erfcheinet / in Roſtnroth / das iſt 
der Mescurius des Lebens / als das außgeſprochene Wort / be: — 

tele 


136 De Sıonarura Cap, zr: 


Seele / welche zuvor ein grimmiger Teuffelin ihrer Selbheit im 
Sorn GOttes regirende war in den dreyen Geſtalten der Gifft> 
quaal / als im Sarurno, Marte und Mereurio, jetzt iſt ſſe der Weiſ⸗ 
fe Roſinfarbende Loͤwe / vom Hauſe David und Iſrael / im Bun⸗ 
de der Verheiſſung erfuͤllet. 


Das mercke. 


40. Damit wir aber dem Liebhaber genugthun / wollen wir 
ihre vollend den Grund zeigen / biß zur Aufferſtehung Chriſti. 
Als die Juden hatten Jeſum ans Creutze gehaͤnget / daß er hatte 
fein menſchlich / und himmliſches Goͤttliches Blut vergoſſen / und 
die Tarbam im Menſchlichen erfaͤuffet fo ſprach I3ESUS: 
Vatter / vergib ihnen / dann ſie wiſſen nicht was fie thun. 

ar, Als Jeſus in der Menſchheit den Todt zerbrach / und Die 

Selbheit wegnahm / fo warffe er nicht die Menſchliche Eigen⸗ 
ſchafft / darinnen der Todt und Zorn Gottes war / hinweg / 
ſondern Er nahm ſte erſt recht an / verſtehet: Er nahm erſt 
recht das aͤuſſere Reich ins innere ein: dann das aͤuſſere Reich 
iſt ein Wunder auß der ewigen Weißheit im ſprechenden 
Wort erbohren / und in eine Form geſprochen worden / als 
eine Offenbahrung der Gottheit in Siebe und Zorn / in Guten 
und Böfen. 
42. Alfo worte Jeſus nicht / daß das aͤuſſere Bilde der Wun⸗ 
der in der Gleichheit Gottes wergienge / fondern der Grimm} 
welcher im Menfien hatte die Liebe überwäliiget / der folte ver» 
geben werden / das iſt / er folte ins Nichts als indie Freyheit ge> 
gelen werden/ auff daß er in feiner ſelbſt⸗Eigenſchafft nicht offen⸗ 
bar wäre / erfolte Knecht werden / und nur eine Urſache der feu⸗ 
zigen Liebe und Freudenreich) es folte am Menfchen nichts vers 
gehen/ dann GOtt hat ihn in fein Bilde geſchaffen. 

43. Alſo ſoll der Philoſophus mercken / warn die drey Moͤr⸗ 
der/ als Saturnus, Mars und Mercurius im Roſinfarben Blut 
des Loͤwens erſauffen / ſo vergehen ſie nicht / ſondern imen wird 
vergeben / dasift) ihr Grimm wird in ein Liebe⸗Begierde tranf- 
mutiret/ als auß Venerein Solem , wanndie Seuersbegierde in 
Die Waffer-begierde eingehet / fo wird auf und in dem Waſſer 
ein Scheinals ein Glantz / dann Venusift weiß/unddie Feuer⸗be⸗ 
gierde iſt roht: Seht tranfmutiret fichs in cine Farbe / das iſt 
Gelbe / das ift weiß und roht in einer Farbe zugleich / ift die 
ginjeftätifche / dann wan Mereutius in bie Krafft der Freuden 


— 


-.— 





Cap.ıı. ReEeruMm. | 137 


tranſwutiret wird /-fo gehet die Multiplicationan: Ertranfmu- 
tiret feine Mutter / darinne er im Tode lag verfäploffen/ in Solem? 
Er machet das irrdiſche als himmliſch / in eine Eigenfchafft / wie 
die Jungfrau war / dann allhie verleuret auch die Jungfrau ihren 
Namen dann ſte hat ihre Liebe und Perle dem Ritter gegeben / 
der heiſſet allhie nun der Weiße Loͤw / wie die Schrifft ſaget / vom 
Loͤwen vom Hauſe Ifrael und Davids / der dem Teuffel ſolte fein 
Reich zerbrechen / und die Hoͤlle zerſtoͤren / das iſt / den Zorn Got⸗ 
tes zerbrechen / und in Liebe verwandeln. 

44. Dieſer Ritter oder Loͤwe iſt kein Mann noch Weib / ſon⸗ 
dern er iſt beydes / die Feuers⸗ und Liechts-Tinctur muß in Eine 
Fommen / als des Weſens / welches Venus iſt / und des Geiſtes / 
welches Mars im Mercurio iſt: Des Vatters Liebe und Zorn muß 
nur Ein Ding ſeyn / ſo heiſſet daſſelbe Ding die Freudenreich: alſo 
lange es zertrennet iſt / ſo iſt in dem Dinge nur Angſt und Quaal / 
und eitel Begierde / wann es aber in einem Willen brennet / ſo 
iſts ein Freuden außgehen auß ſich ſelber / und dieſe außgehende 
Eigenſchafft heiſſet der heilige Geiſt / als das Leben der Gottheit: 
Alſo wiſſet warumb der Jungfrauen und des Juͤnglings Blut 
muſte miteinander vergoſſen werden / auff daß der Feuer⸗Loͤwe 

ſtuͤrbe / welcher in Menſchlicher Eigenſchafft war offenbahr wor⸗ 
den / daß die Liebe der Jungfrauen ſeinen Grimm in ihrem Liebe⸗ 
Blute in ihre Eigenſchafft traaſmutirete / und ſie vom Juͤngling 
die Seele bekaͤme / dann in Adam verblich die Jungfrau / dann die 
Seele gieng ang ihrem Liebe Willen auß der Gelaſſenheit auß in 
ein Eignes / und ward GOtt ungehorſam. 

45. Allhie nimt die Jungfrau die Seele wieder in ſich ein / 
und gibet ihr ihren Perlenscrang/ als einem Ritfer/ und nennet 
fih in feinem Namen den weiffen Söwen oder Ritter. Olihr 
Menfchen-tinder / merckts doch / machet die Porten der Weltin 
eurem Herken auff / thut fie weit auff / daß ver König ver Ehren 
einziche/ der groffe Held im Streit/der dom Tod hatfeine Macht 
genommen / und die Hölle im Zorn GOttes zerbrechen / und aus 
der Welt das Paradeiß gemacht. : 

46. O ihr weiſen Sucher) wie thut euch der Her: feine Fen⸗ 
fter auff / warumb fchlaffet ihr in der Begierde der Vielheit / wel⸗ 
che im Grimme multipliciret wird ? Gehet doch nur indie Goͤtt⸗ 
liche Selaſſenheit ein / euch mag anjego zu Theilwerden / 
mas der Simmel vermag: Wo ihr werdet von enerer 
Selbheit außgehen / ſo folk euch die Erde zum ann 

werde 


3335 DESIGNATURA Cape 


werden | fagetder Geift der Wunder aber in eurem gott* 
loſen Wefen follet ihrs nicht erreichen. 

47. Und als JEſus durch fein Blut⸗vergieſſen den Grimme: 
GOttes im Menſchen Hat in die Siebe gegeben/ das der Batter 
Hatte die Liebe in menſchlicher Eigenſchafft in Grim eingenom» 
men /fo Ccheideten fich jetzt das Neich des Teufels im Grimme / 
und Das Reich der Liebe voneinander. Es ward getrennet / umd 
Diefelbe Figur hieng neben IEſu am Erenge : Als der gottlofe 
Spötter zur Lincken / der JEſum fpottete / und feines Blutver⸗ 
gieſſens nicht fähig war : und der zur Rechten / welcher von ſei⸗ 
nen Sünden umbwandte zu JEſu / und ſagte: HErzgedende 
meiner / wann du in dein Reich kommeſt / zu welchem JIEſus 
ſprach: Warlich du wirft heut bey mir im Paradeiß ſeyn. 

48. Alſo iſt uns recht zu betrachten / wann der Grimm GOt⸗ 
tes im Blut Chriſti erfäuffet wird / daß er feine Macht in Siebe 
verwandelt/ fo ift das Paradeiß wieder offenbahr/ dann als IE⸗ 
fus das menſchliche Blut das in Sünden verderbet war/ mit dem 
Jungfraͤulichen Blut in der Liebe tingirte/fo nahm die Jungfrau 
die Mannheit / als die Ichheit / in ihre Jungfraͤuliche Liebe ein: 
Das war das Paradeiß / und eine Huͤtte GOttes bey und in 
dem Menſchen / dag GOtt in der Menſchheit wohnet / und alles 
im allem in ihme iſt. 

49. Alſo gehets auch im Philofophifchen Werck: Wan Mars 
und Mercurius nach der Eigenfchafft der finftern Impreflion Sa+ 
gurni erfterben / ſo nimt fie Venus ihr Liebes-blut ein / und gibt 
ihre Siebe in die giftige Feuer-begierde ein / fie gibt ſich dem 
euer Martis im Mercurio gang ein/ gar zum Eigenthumb / weil: 
aber Mars und Mercurius ir der $iebe ummächtig werden / nach 
des Feuers und Gifftes Macht /fo tranſmutiret ſich die Liebe und 
der Zorn in Ein Weſen / in Eine Begierde / uñ allhie / wañ das Feu⸗ 
er / als die Feuers-Begierde / ihre Begierde in die Liebe eingibt / ſo 
ſpricht die Liebe: Du wirſt heute mit mir aus Deiner Feuers⸗angſt 
im Paradiß / als in Freuden ſeyn / das iſt / du ſollt in mich trans- 
mutiret werden. 

50. Und allhie krieget Venus die Seele im Philoſophiſchen 
Werck / daß Mars und Mercurius ihre Seele werden / und hoͤret 
der Streit auff / dann die. Feindſchafft iſt niedergeleget / und 
alfo beſtehet das Kiud im Feuer ohne wancken / dann Mars thut 
ihme nichts mehr / fo wohl auch Mercurius und Saturnus, dann 
fie ſeynd am Kinde.ander Natur Ende/da keine Turba mehr ift. 

52. Mescurins ift im Sarurno gar rein/er hat keine Gifft or 

j * avon 





Cap IT. Rerum. 179 


davon er im Waffer / alsim Saltze Saturnr Fönte Ruf machen / 
Das ſoll der Philofophus wohl mercken / fo wohl auch der Theolo- 
gus, daß im Paradig ein vollkommen schen ohne Wancken / auch 
ohne einige falſche Begierde ſey / und ein inumerwaͤ hrender Zagz- 
Da der Paradiß⸗menſch heile als ein durchſichtig Glaß fen in: 
dehme die Göttliche Sonne durch und durch ſcheinet / gleich wie: 
Das Gold durch und durch rein iſt ohne Mackel. 

52. Undals JEſus wuſte / daß es alles vollendet ward/ fo fühe 
er unterm Ereuse ftchen feine Mutter und Johannem feinen: 
Juͤnger / und fprach zufeinee Mutter: Weib fiche/ das ift dein 
Sen; und zum Juͤnger: Siehe / das Hi deine Mutter / und- 
alsbald nahm fie der Jünger zu ſich. 

53. Das ift das ſchoͤne Bild /wie Chriftus habe diefe Welt 
verlaſſen / als die menſchliche Ichheit / und ſey wiederumb zum 
Vatter eingangen / dann er ſahe feine Mutter nach diefer XBelt 7. 
und feinen Juͤnger / als feinen Better nach der aͤuſſeren Menſch⸗ 
heit von feiner Mutter her / und fagte doch zu feiner Mutter: 
Weib /fiche Das ift dein Sohn ;ich bin nicht mehr dein Sohn 
nach meiner Aufferen Menſchheit / / fe ift in GOttes Sohn trans- 
mutiret worden, und iſt nicht mehr inter Welt /fondern fie Ichet. 
GH ; Weil du aber noch inder Welt ſeyn ſollſt / fo nimm Jo- 
kannem, als der noch nicht tranſmutiret ift/ zum Pfleger an z und 
erg nimm dieſe Mutteran / und der Jünger nahm fie- 

ald zu fich. 

* Das iſt das Bild der Chriſtlichen Kirchen auff Erden— 
dieweil wir armen Heoz Kinder / nicht alſobald gang nach dem 
äufferen Menſchen tranſmutiret werden / ſondern muͤſſen auch in 
Tod / und verweſen / daß der Grimm im Fleiſche verweſe / und der. 
Geiſt in Chriſti Tod ruhe / biß zur allgemeinen Aufſerſtehuug 
und Tranſmutirung des aͤuſſeren Menfchen / indehme die Er=- 
den des Menfchen foll in Himmel tranſmutiret werden / und das 
Bildder Wunder Darinnen erfcheinen. 


ss. Als befahler feinem Fünger/ fich finer Mutter anzuneh⸗ 
men: Seine Mutter ift die Ehriftliche Kirche auf Erden / dar» 
innen die Kinder GEOttes gebohren werden nach dem Gifte / der- 
foller pflegen / und fie leiten und führen / biß daß die Zahl der 
Menfihheit aus dem Fleiſche vollendet werde | alstanır 
foll angehen der geiftliche Leib / und foll in Chrifti Tod / in feinsmz: 
Eingehen in Zorn /daerden Zorn in die Liebe trranfmutiret hat 
probiret werden / und das Reich mit der Quaal der Zinfternüß. 
von ihme geſchieden werde. s6.Aber: 

* 


140 De Sıcnatura Cap.ıı., 


56. Aber unter diefer Zeit / ob ſchon der Geift in Göttlicher 
Krafft tranſmutiret / und innerlich mit der Jungfraulichen 
Zauffe gefauffet wird/und das Bild Chriftiim inneren anzencht / 
als Venccis geib in der Siebe : So ifts doch deſſen Adam nicht 
fühig/ big er auch in die Tranfmuration Ehrifti eingehet / welches 
im Sterben gefhicht. So foll unterdeffen Johannes /als der 
Lehrer Chriſti an Ehriſti ſtatt / ſich der Aufferen Mutter nach 
dem aͤuſſern Menſchen annehmen / und die Schaͤflein Chriſti mit 
Chriſti Geiſt weyden und lehren. 

57. Und weiſet ung fein / wieder änffere Menſch nicht GOt⸗ 
tes Mutter ſey / dann Chriſtus ſcheidet ſich von ſeiner aͤuſſeren 
Mutter / und gab ſie Johannie; Er hatte die ewige Natur auß⸗ 
gezogen / als den Batter der ewigen Gebuhrt: Darumb thun die 
unrecht / welche die aͤuſſere Mutter Chriſti für GOttes Mutter 
ehren vnd anbethen. 

58. Die gantze wahre Chriſtenheit iſt Chriſti Mutter / die 
Chriſtum in ſich gebiehret / und Fohannes / als die DienerChriſti / 
ſeynd ihre Pfleg-⸗amme / die ſich der Mutter Chriſti annehmen / 
wie Johannes thaͤte. Er nahm ſich ver Mutter Chriſti baldan / 
und pflegete ihrer / als ihr Sohn / nicht als ihr Herz / dann Chris» 
ſtus ſprach auch zu ihme: Siehe / das iſt deine Mutter / alſo ſollen 
alle Juͤnger und Lehrer Chriſti thun / und ſich der armen Chri⸗ 
Bet annehmen / als Söhne mit groffer Demuth gegen der 

zutter / ihr mit Ernft und Sleiffe dienen / fein züchtig und de- 
muͤthig ihr pilegen / fie mit Chriſti Geift weyden und tröften. 

59. Nicht wie die Pfarfen zu Babel thun/ welche als die fetter 
reihen Herren / über fie reuthen / und wollen Herren über die 
Mutter ſeyn / und nur Ehreumd fette Baͤuche in Wolluſt fircheny 
und im Zand leben) diefe alle miteinander / wie fie dann immer 
des Namens ſeynd / die ſeynd alle nicht Zohanniten/ fondern feynd 
Die giſſtigen mercurialiſchen Pharifzer /in welchen eitel Angſt / 
Marter und Quaal iſt / da immer eine Eigenfchafft die andere 
qualet und anfeindet / und für falfch Halt und fie ſeynd doch nur 
alle ausciner Wurtzel / und haben alle einen Willen / nur daß ei⸗ 
ne Sarbe nicht gleiffet wie die andere. 

60. Dann Sarurous ift nicht als Jupiter , Jupiter iſt nicht als 
Mars, Mars als der Feuer-geiſt ift nicht als das Ficcht der Son» 
nen / uñ die Sonne ift nicht als Venus mit ihrem fanfften Waſſer⸗ 
quell / und Venus iſt nicht als Mercurius mit feinem Schalle / dann 
fie iſt ſanfft und ſtille und Mercurius lautet und ſchallet / ſo iſt 
Mercurius nicht als Luna, welche als ein alberer Leib / den —* 

allen 


Cap. ı1. Rerum 141 


allen Seib zur Offenbahrunggibt : Esift je einer anderſt als der 
ander /und haben nicht eine Eigenſchafft und Willen / und ſeynd 
aber im Centro des Weſens / als in Luna und Saturno,in des Lei⸗ 
bes und derSeelen Eigenfchafft alle eines Gebackes. 

61. Alfo feynd auch die parteyifchen Mercurialiten und Baals⸗ 
Diener in diefen Eigenfchafften getrennet / fte find die Pharifzer / 
welche JEſum in feinen Gliedern urfyeilen und verdammen. 
Sie zancken alle nur umb die Kirche / und der armen verlaffenen 
Mutter Chrifti wil keiner pflegen / fie fepnd unfinnig im martia- 
lifchen und mercurialifichen Zanck / und feynd nicht Sohanniten / 
gehen nicht in Ehrifti Geift zur Thür Chriſti in den Schaffftall 
ein/ fie feynd Woͤlffe / Loͤwen und Beeren / auch Füchfe und fluͤch⸗ 
tige Hafen / die da von der Mutter Tichen und fie verlaffen. 
- 62. Ihr Herkommen iſt aus Babel / da man zancket / greinet / 
und da man umb die Buchſtaben beiſſet / ein jeder wil Herr über 
die Buchſtaben ſeyn / und ſie ſetzen wie er wil / nur ihme zu Ehren / 
und zur Wolluſt dieſer Welt: Sie betrachten nicht daß die 
Mutter eine Wittib iſt / und daß ſte Chriſtus hat zum Pfleger ge⸗ 
ordnet / wieden Johannem>. 

63. O du werthe Mutter der Chriſtenheit laß dieſe 
Woͤlffe / Beeren und Loͤwen in ihrem Haſen-panier 
hinlauffen / nimm dich dieſer boͤſen Thier nicht mehr an / 
nimm ſohannem den Juͤnger Chriſti an / der dich die 
Liebe und Demuth lehret. O du werthe Mutter/biit du 
doch nur Eine / warumb laͤſſeſt du dich die Loͤwen zureiſſen 
und zerſtuͤcken /Chriſtus it dein Mann /dieſe alle ſind 
Frembdlinge / ſie gehen dann in deiner kindlichen Liebe 
einher / und demuͤthigen ſich unter die Mutter] und pfle⸗ 
gen der als Diener / ſonſt ſeynd ſie alle Woͤlffe / Beeren 
und reiſſende Loͤwen / ob ihrer viel tauſend waͤren / fo iſt 
keiner nicht beſſer als der andere: Er gehe dann in der 
Linea Johannis der ſich Chriſti Mutter annahm | eins 
her / und pflege der Mutter mit Ernſt in Chriſti Geiſt / 
hat er den nicht / ſo iſt er nicht von Chriſto beruffen zum 
Pfleger der Mutter / ſondern er iſt ein Mercurialiſt, 
ein Phariſæer / welche Chriſtus Otter-gezuͤchte und 
Schlangen⸗gerecke hieß / die IEſum creutzigen in feinen 
Gliedern. | 


64. Alſo 


142 DeSıcnarura Caım 


64. Alfo folk uns auch der Phlilofophus bey Ehrifti Mutter 
anercken /welcheer Zohanni befahlzu pflegen. Er muß auch ein 
Zohanniter werden / und wiffen dag er mit der Mutter umbges 
het / und daß ſein Werck in diefer Welt nicht gang himliſch wird/ 
er wird nicht das Paradiß alſo offenbahren / daß GOtt von An⸗ 
geſicht zu Angeſicht in feinem Werck erſcheine und offenbahr wer⸗ 
de; Rein / er bleibet in der Mutter / aber das Univerfal in der 
Mutter erreichet er / dann die Mutter Chriſti erreichet das auch / 
dann es ward zu ihr geſaget: Du biſt die gebenedeyte unter allen 
Weibern. 

65. Alſo komt auch der Philofophus biß zur der Benedeyung im 
die ſem Jamuer⸗thal / daß er kan feinen verderbtenLeib benedeyen / 
das iſt tingiren und von der Kranckheit erledigen / biß auff ſein 
Ziel ſeiner hoͤchſten Conſtellation nach Saturno, darumb ſoll er 
ſich fuͤrm Geige huͤten / er fuͤhret ſonſt die Turbamein. 

66. Bey dem Bilde Johannis und Chriſti Mutter / ſoll er 
wiſſen / daß GOttes Reich und dieſer Welt Reich in ſeinem 
Werck zwey ſind / und daß GOttes Reich in der Mutter ver⸗ 
ſchloſſen lieget / als in ſeinem Wercke / deſſen ſoll er pflegen / und 
ein Diener damit ſeyn / wicht ein Herr der Mutter / ſondern ein 
Allmoſen⸗geber / und nicht ein Schatz⸗ſammler und Geiß-halß/ 
es folls auch feiner erlangen noch unfern Sinn verftchen / der 
nicht wil ein Pfleger der Mutter ſeyn. Der Höchfte hat ein 
Schloß für den Berftand der Thorheit geleget / dag fte blind fey / 
biß fie müde wird zu fuchen /fage ich mit Grund der Wahrheit. 

67. Undals JEſus dem Johanni feine Mutter befohlen ; fo 
wandte er feine Begierde wieder in die Mutter menfchlicher Ei⸗ 
genfchafft/un fprach : Mich vürftet. Ihn dürftete nach denGlie⸗ 
deren menfchlicher Eigenfchafft / und thäte menfchliches Heyls 
begehren / alsdie Geſundheit feiner Glieder/ verftchet ſeiner Kin⸗ 
der / ſo in ihme ſollten gebohren werden; und die Juden gaben ſei⸗ 
ner Menſchheit Galle und Eſſig zu trincken / und als er das koſte⸗ 
te / wolte ers nicht trincken. 

68. Hier iſt abermahl das aͤuſſere Bild / wie es ſey im inneren 
zugegangen / den Namen JEſu / als die Liebe GOttes / welche 
war in die Menſchheit eingegangen / und ſich einvermaͤhlet / dehn 
duͤrſtete in dergiebesbegierde nach der verderbten Menſchheit / und 
wolte gerne das lautere Waffer der Menfchheit in fich ſchmaͤcken / 
aber der grimmige Zorn GOttes / welcher war in menfchlicher 
Eigenfchafft entbraiit/ gab fich mit der menfhlichen Eigenfchafft 
in den Durft der Liebe⸗begierde ein / und als ihn die SE 

c 





8* 


Cap.⁊ 1. Rerum. 247 


De koſtete / worte fie ihn nicht trincken / ſondern erfand in ihn / als 
gantz gelaſſen oder frey gegeben / und eineignete ſich gantz eſſen⸗ 
tialiter in Zorn GOttes / als ein voller Gehor ſam / und gantz ei⸗ 
genthuͤmblich frey ergeben. 

69. Das war nun ein Schrack des Grimmes / daß die Liebe in 
ihn kam / davon die Erde erzitterte / und die Felſen zerkloben / dann 
der Tod erſchrack alſo vorm Leben. Und allhie ſcheidete ſich des 
erweckten Grimmes Eigenſchafft ins Centrum, als ins erſte 
Principium ‚in die Feuer⸗wurtzel ein / und gieng aus dem Centro 
in menſchlicher Eigenſchafft nun auff der Hunger zur Wieder⸗ 
gebuhrt / aus dem Hunger zum Tode / ward ein Hunger zum Le⸗ 
benz Dann die Liebe tingirete den Zorn / daß aus der Feuer⸗ 
begierde zur finſtern Impreſſion eine Begierde des Lebens ward. 

70. Hie verſtehets recht: GOtt der Batter / der ſein liches 
Hertz hatte in die Menſchheit eingegeben / ihnen zu helffen / den 
duͤrſtete nach ver Dienfchheit/als nach feinem Hertze oder Worte 
der Krafft / und die Gottheit in der Menſchheit / als das Hertz 
des Vatters duͤr ſtete nach dem Vatter / und dic Liebe oder Liechts⸗ 
Eſſentz / duͤrſtete nach des Feuers Eſſentz: Dann in Adam war die 
Feuers⸗oder Seelen⸗Eſſentz aus der Liebe Weſenheit / darinnen 
das Paradiß ſtund / aufgegangen in ein Eignes und war GOtt 
unge hor ſam worden: Derowegen des Liechts und der$iche-Effeng 
und Weſen am Gruͤnen / das iſt / am vegetabiliſchen Leben / oder 
him̃liſchen Grünen und Fühlen der Paradiß⸗quagl / erſtarb / und 
der irrdiſchen Welt auffwachete. 

7x, Allhie fuͤhrete der Vatter die Seele / welche war in ſeinen 
Grimm eingangen / und ſich in feinem Zorn offenbahret / wieder 
indie Liebe / alsın das verblichene Paradig-bildein. Und allhie 
erzifterte die finftere IBelt in Todes-fchracke vormFeuer⸗ ſchracke / 


welcher in der Liebe im Tode auffgieng / als ein Freuden⸗ſchrack / 


fe em 


welherFreuden-fihrac in die verftorbenegeiber der Hoffer Iſrae⸗ 
fis(die auff den Mefliam hoffeten)eingieng/als ein Hall der Krafft 
@ Dttes] und fie vom Tode aufferweckete. 

72. Diefer Schrad zerriffe den Vorhang im Tempel / alsdie 
Dede Moyſis / welche vor dem Elaren Angefichte GHttes hieng / 
dag der Menſch nicht konte GOtt ſehen: Und derowegen ihme 
mit einem Opfer und Vorbilde diefes endlichen Anblickes / in 
dehme ſich GOtt in der Menſchheit offenbahrete/ dienen mufte, 
Diefer Schrad zerbrach das Vorbild im Opfer / und offenbahres 
te das klare Angefiht GOttes / und einigte Die menſchliche Zeit 
mit der Ewigkeit, 


73. Als 


544 De Sısnarura Capat. 


73. Alles was die Zuden JEfu von auſſen täten / das war 
ein Worbild des inneren/ wie es zwifchen GOtt und der Menfchs 
heit / als zwifchen der Ewigkeit und Zeifzugienge. 

74. Die Zuden gabenJEſu in feinem Durft Gall und Eſſig. 
Dieſe beyde Eigenfihafften ſeynd Mercurius im Sulphur Saturni, 
als in der Iimpreflion ‚ dasift eben das Bild der Seelen Eigen⸗ 
ſchafft / was fie in fich alleine auffer der andern Liebe-Geſtalt⸗ 
nuͤß ift. 

75. GHLE gab diefe Eigenfchafft der Scelen wieder in feine 
Liebe / den Tod ins Leben / das verblichene Liebe-weſen / welches 
das Wort GOttes in Marien Efleng und Saamen hat an ſich 
genommen/ und Ichendig gemachet in des Zorns Eigenfchafft/ in 
Die Seelen-Efleng / als ind Centrum der feuer - und finſtern⸗ 
Welt ein / davon die feelifche Feuer-umd finfter - Belt ein 
hoc) freudenreic) Paradiß⸗ leben ward / und allhie ſpottete der 
Kitter des Todes und der Höllen/ als der finftern Welt in der 
Seelen / und ſprach: Tod / wo ift Bein Stachel nun im Mens 
ſchen 7 Hoͤlle / wo iſt nun dein Sieg im Grimme der Gifft-quaal 
im außgeſprochenen Wort oder Mercurio ? Es iſt alles todt. 
Tod ich bin dir ein Tod / Hoͤlle ich bin dir ein Uberwinder / du muſt 
mir dienen zur Freudenreich / du ſollſt mein Knecht und Diener 
zur Freudenreich ſeyn / du ſollſt mit deinem Grimme die Flam⸗ 
me der Liebe anzuͤnden / und eine Urſache des Gruͤnens im Pa⸗ 
radiß ſeyn. 

76. Alſo auch imgleichen geben wir den Philofopho unſern 
Sinn und tieffen Grund in der Natur / der das verblichene We⸗ 
ſen der Erden / welches im Tode / als im Fluch GOttes verſchloſ⸗ 
ſen lieget / wil ſuchen und offenbahren: Es lieget ihme auch die 
Decke Moyſis dafür / es gehoͤret ein Ernſt darzu / daß der Bor⸗ 
hang zerreiſſe / daß er der Natur Angeſichte ſehe / anderſt iſt er 
nicht geſchickt darzu. 

77. Und wie es in der Menſchheit Chriſti zwiſchen GOttes 
Liebe und Zorn iſt zugangen / und die zwey in eines ſeynd trans-⸗ 
mutiret worden: alfo auch in feinem Wercke der Natur; der 
giftige Mercuriusim Sulphur Martis un Sarurni gibet fein Mord⸗ 
Menftruum als die gröfte Gift ver finftern Qunal/in Veneris Ei⸗ 
genſchafft / wann die Venus nach dem Feuer der Liebe duͤrſtet / fo 
giber Mercurius feinen Gifft in Veneris Durſt / und VenerisDurft 
gibet fich gantz dem Gifft ein / als ſtuͤrbe ſie / ſte gibet ihr begehrend 
Leben gantz auff / davon entſtehet die groſſe Finſternuͤß im philo-. 
fophifayen Werck / daß die Materia ſo ſchwartz wird / jr 

| "Raabe 





Cap. ıt. REerRuM. If 
Raabe / denn Venus hat ihr Leben uͤbergeben / davon der Glantz eut⸗ 
ſtehet: wie auch bey Chriſto zu ſehen iſt / dag die Sonne ihren 
Schein verlohren / und eine groſſe Finſternuͤß worden / wider den 
gemeinen Lauff der Ratur. 

78. Dann als ſich die innere Sonne in den Zorn / als in die 
Finſternuͤß GOttes einergab / fo konte die aͤuſſere Sonne / welche 
ihre Krafft und Glantz von der inneren / als ein Spiegel der in⸗ 
neren / empfaͤhet / nicht ſheinen: Dann ihre Wurtzel davon fie 
ſcheinet / war in die Finſternuͤß im Loco dieſer Welt eingegan⸗ 
gen / und wolte die Finſternuͤg im Fluch GOttes zum Liechte 
machen / als den Locum diefer Welt wieder zum Paradiß. 

79. Alſo muſte auch die Sonne der aͤuſſeren Welt / welche eine 
Figur der inneren allweſenden Sonuen iſt / mit ihrem Glange 
in der Finſternuͤß ſtille ſtehen / von der ſechſten biß in die neundte 
Stunde / das iſt die Zeit Adanıs im Schlaffe / da er war mit der 
Begierde ins Centrum der ewigen Natur / als in die Gebuhrt / da 
ſich die Liebe und Zorn in zwey Centra ſcheiden / eingangen / und 
wolte das kalte und hitzige Feuer probiren / welches ihn fieng / 
und in ihme qualificirte. 

80. Allhie ſind drey Stunden nach der drey⸗Zahl / und int 
Grabedrey Tage nach der Zeit / als nach der Menſchheit. Adam 
als er in GOttes Bilde ſtund / und weder Mann noch Weib war / 
fondern beydes / der ſtund 40. Tage im Paradiß ohne Wancken / 
und als er fiel / ſtund er biß an dritten Tage / als 40. Stunden 
im Schiaffe / biß daß ihme GOtt das Weib aus ihme machte 
oder bauete. 

81. Alſo muſte Iſrael am Berge Sinai 40. Tage verſuchet 
werden /ob fie wolten im Gchorfam GOttes unter Wunder und 
Zhaten leben / undals es nicht ſeyn mochte / fo gab ihnen GOtt 
das Gefege feines Bundes) als einen Spiegel/ deffen ſo im Bun⸗ 
de war verheiffen worden, fo gieng die Verſuchung dee Leibes 
40. Zahr über fie / daß der Leib muſte Manna eſſen / ob dein Men 
ſchen zu rathen ſey; und als der Leib auch nicht beſtehen konte / ſo 

fuͤhrete ſte Joſua durchs Waſſer mit dem Bunde des Spiegels / da 
muſte Iſrael des Bundes im Spiegel der endlichen Erfuͤllung 
mit den Opfferen pflegen / biß die Zeit der Wiederbringung ein⸗ 
tratt: ſo ſtund der Ritter des Streits 40. Tage in der Wuͤſten 
in der Verſuchung / und beſtund den erſten Stand Adams im 
Paradig: Und die drey Stunden am Creutze der Finſternuͤß / 
ſeynd die drey Stunden ber Verſuchung Chrifti/ als ihn der 

Teufel verſuchte. R 
G 82. Wie⸗ 


146 De SıenatrurA Cor 


82. Wiederumb ſeynd die 40. Stunden im Grabe Chrifti/ 
die 40. Tage Adams im Paradiß / und die 40. Tage Moyſis 
auffın Berge/ und die 40. Zageinder Wuͤſten / umd die 40. Tage 
nach der Aufferftehung vor Der Himmelfahrt feynd eben daffel= 
be: Als jetzt der Ritter hatte Adams Stand beftanden / fo ward 
die Seele in menfchlicher Eigenfchafft jeßt auch 40. Tage ver⸗ 
füchet / ob fie nunwolte vom Wort GOttes eſſen / und ingan 
gelaffenem Gchorfam im Willen GOttes leben / und feyn cine 
rechte Gleichnuͤß und Ehenbild der Göftlichen Kraft in der un⸗ 
grümdlichen Ewigkeit / nach der Drepheitder Gottheit. 

83. Alſo auch ſoll uns der Philoſophus imgleichen mercken / 
daß der Zeit Weſen auch in ſolcher Eigenfchafft ſtehe / dann der 
Menſch iſt aus der Zeit Weſen in ein Bild geſchaffen worden / als 
ein Außzug aller Weſen / ein gang Bild und Gleichnuͤß nach der 
Zeit und Ewigkeit/in derzeit uñ Ewigkeit einherrſchende und ins 
neſtehende / als ein Werckzeug des groſſen unendlichen GOttes / 
mit dehm er durch und mit ſeinem Geiſt machte was er wolte. 

84. Nun iſt der Menſch das Werckzeug GOttes / mit dehm 
er feine Verborgenheit offenbahret / beydes in feiner ſelbſt menſch⸗ 
lichen Eigenſchaͤfft / alsim Weſen und Bilde GOttes / und dann 
durch den Menſchen / als mit dem Werckzeuge in der Mutter aller 
Wefſen / als im Myſterio magno als in der Seelen der groffen 
Welt. 

85. Der Menſch hat den Gewalt / ſofern er als ein Werck⸗ 
zeug GOttes in Gehorſam GOttes gehet / wie ihn fein Geiſt 
fuͤhret / daß er mag die Erde / welche im Fluch GOttes ſtehet / in 
die Benedeyung einführen / und aus Tedessangft die hoͤchſte 
Freudenreich in der Aufferen Mutter / der Gebaͤhrerin machen / 
dann er felber thuts nicht /allein fein Wille arbeitet mit dem 
Berftande darinnen / und füget nur die Compacta zuſammen 
die zufammen gehören / als da Tod und Schen gegen einander 
ſtehet / die foller zufammen fegen / und durch cine folche Arth in 
eines bringen) als gleich wie GOtt die Zeit und Ewigkeit durch 
and indem Menfchen Ehrifto/ und durch ihn alle / welche ihren 
Willen darein ergeben /vereiniget. 

86. Er wird alles das jenige in feinem Wercke fehen / was 
Gott mit der Menfchheit hat getyan / als er fte wieder ins Uni- 
verfal brachte / als ing Paradig / er wird fehen/ wie der Grimm 
wird die fehöne Venus in fein ſtachlicht dornicht Weſen verſchlin⸗ 
gen / und wie ſich die Venus gantz einergibet / und wie der Grimm 
in der Venere auch erſtirbet und gang finſter und ſchwartz — 

a 





Tortt. ° Rerum 149 


als eine Kohle / dann allhie liegen der Tod und das Schen beyein⸗ 
ander im Tode/ alsim Gehorſam GOttes /fie halten ihme beyde 
ſtille /umd laffen den Geift GOttes nun aus und mit ihme mas 
chen wie er wil / der führefs wieder indencwigen Pillen GOt⸗ 
tes / darzu ers im Anfang hatte gefchaffen / ein : So ftchet das 
Weſen wieder am Anfange in der Ordnung als es GOtt ſchuff: 
Alleine im Verbo Fiat, als im Goͤttlichen Machen / in feiner Im- 
preſſion mus es ſtehen / biß auff den Scheide⸗ tag GOttes / da Ott 
wird die Zeit wieder in die Ewigkeit verwandeln. 

87. Und als JEſus den Kelch getruncken hatte / und ſchmaͤcke⸗ 
te im aͤuſſeren den Eſſig mit Galle vermiſchet / und im inneren in 
der Liebe Eigenſchafft / als in der Jungfrauen / den grimmen Zorn 
GOttes / fo ſprach der gantze Menſch Chriſtus: Mein GOtt 
warumb haft du mich verlaffen ? Dann GOttes ſprechendes 
Wort /ftund jest in menfchlicher Eigenfchafft ftille / fo ſchrye dte 
neu⸗ erbohrne Wefenheit / welche in Adam war erfiorben/ und in 
Ehrifto wieder lebendig worden / mit fambt der Seelen; Mein 
GOtt warumb haft du mich verlaffen / dann der Zorn GOttes 
war durch der Seelen Eigenfchafft in das Bild der Goͤttlichen 
Wefenheit eingegangen /und hatte das Bild GOttes in fich vers 
fhlungen. Jetzt fehrye das Bild in der Ereatur der Seelen: 
Mein GOtt warumb haft du mich verlaffen ? Dann das menſch⸗ 
liche Bild/das in Adam verblich/und in Chriſti Menfchwerdung 
wieder lebendig ward /follte dem Grimm GOttes in der Feuer⸗ 
ſeelen den Kopff zertretten uni feine Feuers⸗macht in Sonne ver» 
wandelen/ ſo verließ es nun jetzt das fprechende Wort GOttes / 
ſo fiel es in ſeiner Seelen Grim̃ ein / da fuͤhlete es GOttes Zorn: 
Dann das ſprechende Wort fuͤhrete es alſo durch den Zorn in 
Tod / und aus dem Sterben ins ſolariſche Leben / (verſtehet die 
ewige Sonne.) Gleich wie die Kertze im Feuer erſtirbet / und ge» 
het aus demſelben Sterben das Liecht und die Krafft / als das 
groſſe unfuͤhlende Leben aus / alſo ſollte und muſte aus Chriſti 
Sterben / aus ſeinem Tode die ewige Goͤttliche Sonne in menſch⸗ 
licher Eigenſchafft auffgehen. 

8. Aberdie Selbheit menſchlicher Eigenſchafft / als der eige⸗ 
ne Wille der Seelen in Feuers⸗macht zu leben / der muſte jetzt 
allhie ſterben / und im Bilde der Liebe erſauffen / und das Bild 
der Siebe muſte ſich auch in Grimm des Sterbens einergeben / 

auff dag alles in Tod einfiele und in GOttes Willen und Er⸗ 

barmen durch den Tod inder Paradig-quaalin der Gelaffenheit 

auffgienge/ dag GOttes Geift alleine ſey alles in allem. Der 

: 6: Hoͤllen 


143 DeSıenarura Capıt 


Höllen Auge mufte durch die Liebe fehen / gleich wie das Liecht 
aus dem Feuer feheinet/ und das Feuer aus der Finſternuͤß nimt 
ihren Urſtand aus der ewigen Vegierde. 

89. Und wie Adam das Ebenbild GOttes in finftere Todes⸗ 
geftalt verwandelte/alfo verwandelte GOtt das&benbild aus dem 
Zode durch feinen Feuer⸗grimm wieder ins Liecht / er zog das 
Ebenbild wieder aus Dem Tode / gleich wie eine Blume aus der 
wilden Erden wädhfet. 

90. Alfo auch im philofophifchen Werd wird Venus verlaffen? 
warn fie die drey grimmige Eigenfchafften in fichim Grimme 
einnehmen ihr Grimm /alsder Tod /verfchlingetihr Leben / das 
von verleuret fie die Farbe / und wird aber den drey Geſtal⸗ 
ten / im Grimme auchein Tod / dann fie erfäuffet mit der Siebe 
den Tod /alfo wird das Leben dem Tode / als dem Grimme ein 
Tod /und liegen nun beyde im Willender ewigen Natur /alsim 
Verbo Fiat ‚das gehet mit ihnen den Göttlichen Weeg aus / auff 
Arth wie es imAnfange der Schöpffung war ins Weſen gangen. 

gr. Dann im Anfang war das Paradif als das Univerfal 
offenbahr / und fchiene die Sicbe durch den Tododer Zorn: Alſo 
muß es wieder werden / dag Venus das Auge oder Schen im 
Grimme werde / alsdann wird aus dem Saturno, Marte und 
Mercurio tin Jupiter, Mais wird zur Sonnen / und Saturnus zum 
Monden / alſo leuchtet Mars mit der Sonnen aus dem Saturno 
än Luna aus Veneris Auge / und find alle fieben nur einer / fo hat 
der Streit ein Ende / und iftallesvollbracht / biß zur Aufferftes 
hung des Leibes. 

92. Und als JEſus den Kelch getruncken hatte und gefagetz 
Mein GOtt / warumb haft du mich verlaffen ? So ſprach er : Es 

aſt vollbracht; verſtehet das Werck menschlicher Erloͤſung / und 
ſprach ferner : Vatter / ich befehle dir meinen Geiſt in deine 
Haͤnde / und neigete ſein Haubt und verſchied. Allhie hat ſich nun 
das gantze Leben Chriſti ins Batters Begierde / als in Willen 
der ewigen Natur einergeben / und den Willen ſeiner Ichheit / 
als den creatuͤrlichen Glantz wieder ing Centrum, als in die erſte 
Mutter / daraus die ſeeliſche Creatuꝛ erbohren ward / als ins groſſe 
Myfterium der Ewigkeit einergeben / der Wille der Selbheit muſte 
gantz an der Natur Ende wieder eintretten / alſo daß die Selb⸗ 
heit gantz erſterbe / auff daß GOttes ewiger Wille und Geiſt in 
der FR heita in allein alleine ſey und thue / und die Crea⸗ 
tur hernach nur fein Werckzeug ſey / darinnen er alleine thue 
was er wolle. N 

93.Und 


= 


Cap.ıt. Rerum. 349 


93. Und alfo hat GOtt der Batter unfere Ichheit in Chrifti 
Tod und Eingehen wieder in feinen Willen eingenommen / und 
daß folches ſeyn koͤnte fo ringirete er zuvor die Menſchheit mit 
der Gottheit / auff daß ihme die Menfchheit in feiner Krafft ein 
—— Geruch und Opffer ſey / dann zuvoren war der Tod 
dafür. 

94. Allhie zerbrach die Siebe den Tod / und ſchloß das fefte 
Siegel auff / auff das der Wille wieder konte in das eingehen 
das er vor der Creatur gemefen war. 

95. Und alfo muͤſſen wir ihme auff feiner eröffneten Straffen 
alle nachfolgen / keiner mag GOtt fchauen / es werde Dann zuvor 
in ihme GOtt Menſch / welches in der Glaubens=-begierde ge⸗ 
fhicht / und alsdann muß der verderbte Wille} fo im Tod und 
Zorn GDttes begriffen ift / und in irrdiſcher Efleng blühet / und 
Frucht zum Tode bringet / gang erfterben / und indie freye Ge⸗ 
laſſenheit in GOttes Willen und Erkarmen einfallen. 

- 96. Alsdann if der eigene Wille mit und in Chriſto an der 
Natur Ende im groffen Myſterio GOttes J alsin GOttes Hätse 
den: GOttes Hände feynd die ewige Begierde / oder der ewige 
Wille / welcher unwandelbahr ift. Alfo ſtirbet der Wille der crea⸗ 
tuͤrlichen Selbheit / er gehet gang ins Nichts / auff daß er ihme 
nichts mehr / ſondern GOtt lebe. 

97. Und alſo gehets auch im Philofophifchen Werck; dann der 
Kuͤnſtler hat zuvor groſſe Wunder gefehen / welche der creatuͤr⸗ 
liche und natürliche Wille in Krafft Veneris hat gewuͤrcket / da ee 
vermeynet er waͤre nahe darbey / ſo ſtirbet ihme erſt die Natur in 
feinem Werde/ und wird ihme zur finſtern Nacht / es muͤſſen ſtch 
aller Geſtaͤlte Eigenſchafft und Macht aus ihrem Centro aufge» 
ben / und an der Natur Ende fallen / es gibet ſich alles frey / als ein 
todes Weſen / es iſt kein Verbringen mehr allda / es theilet ſich 
alles in der Crone in tauſend Zaf 

98. So iftsalsdan wieder im Myſterio, an der Natur Ende / wie 
es war che es ins Geſchoͤpff eintratt / verſtehet die eſſentialiſche 
Begierde / als der außgeſprochene Mercurius, der muß alfd wieder 
ans A feiner Selbheit gehen / und ins fprechende Abort ſich 
ergeben. 

99: Das leibliche Wefen bleibe im Centro der vier Elemen⸗ 
gen ſtehen / biß zum Gerichte GOttes / welches anjeso in dem 
Sterbenim Centre Solis ſtehet / als in der Compaction Veneris 
und Mercutii, welche Compaction im Tode gantz in eines faͤllet / 
als in einer Krafft Jovis , als ins Centrum der Freyheit. 

3 100. Dann 


150 Ds $Sıenarura Cap.ı. 


100. Dann allhie verliſchet die Begierde zu Kaͤlte und Hike; 
Aller irrdiſcher Wille und Begierde der Eigenſchafften erſtirbet / 
und iſt kein Hunger mehr nach irrdiſcher oder Todes Eigenſchafft. 


Das 12. Capittel. 


Von der ſiebenden Geſtalt im Reiche der Mutter / wie 
das ſiebende Reich / als das Reich der Sonnen | wieder 
eröffnet und febendig gemacht werde / im Gleich: 
nuͤh von Chriſti Aufferftehung dar: 
geſtellet. 

x Tg ss Shriftus des natürlichen Todes in menfhlicher 
Eigenfchafft ift geftorben / ift uns nicht alfo zuge> 
dencken / daß er ſey nach feiner feelifchen Creatur ge⸗ 
ſtorben / vielweniger nach der Gottheit / noch in der 
him̃liſchen Weſenheit / oder in der hĩliſchen Tindtur 

gerblichen / das kan nicht ſeyn; alleine der Selbheit / als der aͤuſ⸗ 

ſeren Welt Wille und Regiment / welche im Menſchen herrſche⸗ 
ie / dem eigenen Willen und eigenen Kraͤfften der Creatur Selb» 
heit / darinnen der Menſch GOtt ungehorſam ward / den gab ex 
gäntz ins Vatters Hände / als ins Ende der Natur in das groſſt 

Ayſterium des Vatters. 

2. Richt daß es ſollte todt ſeyn / ſeondern daß GOttes Geiſt dar⸗ 
innen alleine das Leben ſey / daß in Chriſti Perſon das Goͤttliche 
Regiment ſey / dag der ewige Batter in feiner Bildnuͤß / mit ſei⸗ 
nem ewigen Geiſte regiere und richte / darumb hat GOtt be⸗ 
ſchloſſen das letzte Gerichte durch dieſen IEſum zu halten. 

3. So thuts nun nicht alleine die Creatur Chriſti / ſondern 
Gott in feinem Ebenbilde durch die Creatur im Regiment feines 
ewigen Geiſtes aller dreyen drincipien / welcher alles Weſens 
Leben und Regiment iſt / in jedem Dinge nach ſeiner Eigen⸗ 
ſchafft. 

4. Alſo verſtehet ung / als Chriſtus geſtorben am Creutze / ſo 
iſt nicht der Name JEſus mit geſtorben / welcher den Tod zer⸗ 
brach / und mit der Siche das außgeſprochene Wort / als die Fora 
me der Gottheit / als das geformte Wort / als die Seele tingirete: 
Nein / das kan nicht ſeyn / die Ewigkeit ſtirbet nicht / alleine das 
Aukgeſprochene / welches wieder in der Begierde des Sprechens / 
als im Fiat ſtehet / das verwandelt ſich in feinem eigenen Spre⸗ 
chen / als in der eigenen Begierde / und führet feinen eigenen Hall 

—439 R 


Cap. ı2. Rerum. 251 


in eine andere Form und Quaal ein / alses das fprehende Mort 
hat in eine Form und Quaalgefprochen/ und mit dem Verbo Fiat 
in eine Form / Geltaltnüg und Willen geftellet / als $ucifer mit 
feinem Eöniglichen Throne/ und auch Adam folches gethan haben/ 
da fie beyde aus der Gelaſſenheit indie Selbheit eingiengen : das 
Werckzeug wolteder Meifter ſeyn. 

5. Das äuflere wuͤrckende und fühlende Leben / darinnen der 
Zorn GOttes brannte /das farb gan ab/ nicht daß es ſey ein 
Nichts worden / fondernes fiel ins Nichts / alsin GOttes Wil⸗ 
ken / in GOttes Würden und Fuͤhlen / gantz von der aͤuſſeren 
Welt Willen / welcher boͤß und gut iſt / ab / alſo daß es nicht mehr 
der Welt / als dem Geſtirne im Sude der vier Elementen Ichete! 
fondern des ewigen Vatters Natur im Sude des reinen Goͤtt⸗ 
lichen Elements: das geben der aufferen Welt ftarb. 

6. Alſo fiel zu Hand das rechte menſchliche Sehen wieder in den 
Orth ein] daraus cs Adam hatte außgefuͤhret /alsins Paradif / 
darvon Ehriftus zum Schecher fügte : Heute wirftu mit mir im 
Paradiß feyn. Es fielin Adams ſterben / als er dem Paradiß ab⸗ 
ſtarb / ein / und gruͤnete in Adams ſterben / als eine neue Creatur 
aus der alten aus / gleich wie der Halm aus dem Korne / und ſol⸗ 
ches in Gewalt und Krafft des ſprechenden Wortes / welches war 
aus Genaden wieder in die verblichene him̃liſche Weſenheit des 
Menſchen mit lebendiger Weſenheit eingangen / umd fich ins 
Centrum der feclifhen Natur / fo wohl in Grimme des Zornes 
und Todes im Fleiſch eingegeben, und den Zorn im Die Siebe ver⸗ 
wandeltjund das verderbte Blut im Zorne mit der Liebe ti agiret, 

7. Die Göttliche Tinctur tingirefe die menſchliche / die Soͤtt⸗ 
liche Sonne tratt in die menſchliche ein: Die Goͤttliche Sonne 
tratt in Adams Nacht / als in Adams Schlaff ein: GOttes 
Sonne mit dem Namen JEſu tratt mit Adams Seele und 
Menfchyeit in der Perfon Chriſti in Tod / verficher in Adams 
Tod ein. 

8. Da Chriſtus ſtarb / fo farb Adam in feiner Ichheit in 
Ehrifti Tod mit : Der Rame JEſus war in Chriſto / in Adams 
Menfchheit der Schlangen-tretter: Chriftus gieng cin in das 
Bild des erften Adams / alfodag der erite Adam in der Dienfch> 
heit Chriſti verfelbe Chriſtus und Schlangen-tretter ward / wohl 
nicht in derſelben Creatur / aber in derſelben Seelen und Leibes⸗ 
Eigenſchafft. 

. Der erfte Adam fiel nieder in Schlaff / als in Unmacht der 
Glitlſchen Welt / und ſtarb im Tode des Todes: Der andere 


G 4 Adam 


7152 Dre Sıconatura Cap.ız 


Adam giengin Tod des Todes ein / und nahın den Zod des Todes 
in ſich als in Adams Menfchheit gefangen : Er ward dein Tod 
ein Tod / und führete das Leben in die ewige Grepheit aus den | 
Zodeaus. Er fund in Göttlicher Allmacht in des erften Wams 
Werfen auf: GOttes Geift in dem fprechenden ewigen Wort 
führete Adam in Chriſti Menſchheit aus dem Todeaus. Adam 
ſtund in Chriſti Menſchheit auff / und alle Kinder Adams / fo 
Chriſti Reich theilhafftig werden / ſtehen alle in Chriſto auff / alle 
an Chriſti Fleiſch und Blut / Seel und Geifſt / aber ein jeder in 
feiner hiegehabten / und in Chriſti Tod geſtorbenen Creatur. 
Ein jeder iſt ein ſonderlicher Zweig / aber nur ein einiger Baum / 
der iſt Chriſtus in Adam / und Adam in Chriſto / nur einer / nicht 
zween / nur Ein Chriſtus in allen Chriſten. 

10. Alſo mag ich ſagen / ſo ich in Chriſto der Welt abgeſtor⸗ 
ben bin: Ich bin derſelbe Chriſtus / als ein Zweig am ſelben 
Vaume; Alldieweil ich aber in dem aͤuſſeren Menſchen noch in 
meiner Ichheit lebe / ſo muß ich auch mit dem aͤuſſeren Menſchen 
in Chriſti Tod ſterben / und in ihme aufſſtehen und leben: So 
lebe ich nun jetzt mit dem Willen des Glaͤubens im Gemuͤthe in 
Chriſto / und bin ein Chriſt im Willen des Gemuͤths in der Bes 
gierde des Glauben / und nehme Ehriftum in meinen Willen 
mit feiner Menfchheit cin / und werffe meinen Willen in feinen 
Tod ein / fo ift mein inwendiger Menſch in Chriſti Tod mit ihme 
geſtorben / und lebet nicht mehr der Schheit/ fondern bin in ihme 
gelaffen/ und liege in feinem Tode begraben. 

xx. Weil er aber iftin GOttes Willen aufferftanden / fo che 
ich in feiner Aufferftehung in ihme / aber meine Irrdigkeit in 
ihrer Schheit / lebet der iradifchen Welt big fie auch der Ichheit 
abftirbet/un gang in die Gelaſſenheit und Verweſeuheit eingehet / 
alsdann wird ſie Chriſtus durch meinen inneren Menſchen / dee 
jetzo in ihme lebet / auffwecken: Gleich wie er iſt aufferſtanden 
von den Toden / alſo ſoll auch ich / der ich in ihme folder Irrdigkeit 
abſterben / in ihme als im meinem erſten Vatter Adam in dem 
Namen JEſu / als ein Chriſt / in Chriſto auffſtehen. 

12. Mein in Suͤnden verdorreter Zweig am Baume ſoll in 
dem Namen JEſus Krafft und Safft zum Leben bekommen / in 
Ihme als in meinem Stamme / welcher ein Hertz und Krafft in 
meinem Batter Adam iſt worden / ſoll und werde ich mit meiner 
Menschheit grünen / und Früchte zum Lobe GOttes bringen: 
Mein Willenzgeift der anieso in Chrifti Menſchheit ift / undin 
Chriſti Beift lebet / der follin Chriſti Krafft dem duͤrren tr 

af 





9 
—* 
-Lap.I2. Rerum. 157 
Saagfft geben / daß er am jüngften Tage im Schallder Poſaunen 
des Goͤttlichen Halles in Chriſti Stimme / welches auch meine 
Stimme in ſeinem Hall iſt / wieder aufferſtehen / und im Baume 
Chriſto / als im Paradiß gruͤnen. 

13. In mir ſelber wird das Paradiß ſeyn / alles was GOtt 
der Vatter hat und iſt / das ſoll in mir erſcheinen / als eine Formz 
oder Bild der Goͤttlichen Welt Weſen /alle Farben / Krafft und 
Tugenden ferner ewigen Weißheit / ſollen in und an mir / als an 
feinem Ebenbilde offenbahr ſeyn / ich fol die Offenbahrung der 

geiſtlichen Goͤttlichen Welt ſeyn / und ein Werckzeug des Geiſtes 
GOttes / darinnen er mit ihme ſelber / mit dieſem Halle / der ich ſel⸗ 
ber bin / als mit ſeiner Signatur ſpielet: Ich ſoll ſein Inſtrument 
und Seiten⸗ſpiel feines außgeſprochenen Wortes und Halles 
ſeyn / und nicht alle ine ich / ſondern alle meine Mit⸗glieder in dem 
herrlichen zugerichteten Inſtrument GOttes / wir find alle Seiten 
in ſeinem Freuden⸗ſpiel / der Geiſt ſeines Mundes iſts der unſere 
Seiten ſeiner Stimme ſchlaͤget. 

14. Und darumb iſt GOtt Menſch worden / daß er ſein herrlich 
Inſtrument / welches er zu ſeinem Lobe machete / und ihme ver⸗ 
darb / und nicht nach feiner Freuden⸗- und Liebe-Begierde wolte 
klingen / wieder zu recht braͤchte / und den rechten Liebe⸗Hall wie⸗ 
der in die Seiten einfuͤhrte / ja der Hall der fuͤr ihm klinget / den 
hat er wieder in uns / als fein Inſtrument eingefuͤhret / er iſt der 
worden / der ich bin / und hat mich zu dehme gemacht das er iſt / alſo 
mag ich ſagen / daß ich in meiner Gelaſſenheit in ihm ſeine Dos 
ap umd Stimme feines Inftruments und Böttlihen Halles 

in / deffen erfreue ich mich nun in allen meinen Mitsfeiten und 
Stimmen / welche neben mir / als oĩn ewiges Werck ins Lob GOt⸗ 
tes gerichtet ſeynd. 

x5. Alſo wiſſets nun meine liebe Mit⸗ ſtimmen inn Lobe GOt⸗ 
tes / auff und in eurem Hall ſchalle ich mit meiner im Geiſt ges 
fihlagenen Seiten / und halle alfo in euch / daß alles was IEſus 
durch ven Chriſtum / als durch feine und meine Menſchheit ges 
than hat / das thut er noch heute in mir / und in allen meinen Mit⸗ 
gliedern: Er iſt meiner Ichheit in ſeinem Tode abgeſtorben / und 
ich ſterbe auch meiner Ichheit in ſeinem Tode ab / er iſt ſeiner 

Gelaſſenheit in GOtt ſeinem Vatter einergeben / und GOtt ſein 
Batter hat ihm mit dem Geiſt feines Mundes in ihme auffer⸗ 
wecket / und ziun Eöniglichen Bilde nach der Heil. Drepheit dar» 
gefteilet / durch und mit welchem G Dit alle Ding im Loco diefer 


Belt richten wil, g 
& 55 26. Alſo 


154 Ds: Sıonarura Capızs 


16. Alfo hat auch GOtt meinen Geift und Seel / durch feinen 
Geift in dem groffen Namen JEſu / in dem Chriſtus /in ihme 
aufferwecket: Alfodag ich immeiner Gelaſſenheit in ihme nicht 
darff fterben / dann er ift mir und für mic geftorben/ fein Tod 
in dem er ift vom Tode aufferftanden/ ift mein ewig geben wor⸗ 
den / fo lebeich nun in feinem Tode / als ein Sterbender / und ift 
doch Fein Zod mehr in ihme / fondern alfo fterbe ich meiner Ichheit 
und Sünden in ihme ab: ſintemahl meine Begierde und Wille 
aus meiner Ichheit in ihme eindringet / fo ſterbe ich täglich mei= 
ner Ichheit / biß ich dermahleins das Ziel meiner Ichheit werde 
erreichen / und meine Ichheit mit dem irrdiſchen Willen und Bes 

gierde der Ichheit gantz erſterben / alsdann ſoll meine Ichheit 
und alles was an mir iſt / das ſich ſelber ſuchet und liebet / in Tod 
Chriſti / als in die erſte Mutter / daraus mich GOtt ſchuff / ein⸗ 
fallen / und ſoll meine Ichheit ein Nichts werden / fo lieget als» 
dann meine Ichheit in Chriſti Tod in der Gelaſſenheit als ein 
Werckzeug GOttes / der mache ihme alsdann ein Inſtrument 
daraus wie er wil. 

17. Weil aber meine Seel und Geiſt anjetzo in ſeiner Auff⸗ 
erſtehung lebet / und fein Hall in mir iſt / nach der Gelaſſenheit 
in ihn / wie St. Paulus ſaget: Unſer Wandel iſt im Himmel) 
von dannen wir warten des Heylandes JEſu Ehriftisfo ſoll auch 
fein Hall / der in mir iſt / nachdehme ichs nach meiner Selbheit 
wicht inchr Bit fondern er alleine Jauch meinen geftorbenen Leib / 
den ich in ihme verlafle/ auffwecken / umd in fein erſtes Bild / dar⸗ 
zu er ihn ſchuff / ſtellen. 

18. Alſo lebe ich anjetzo in GOtt / und meine Ichheit weiß es 
nicht / dann ſie lebet nicht in GOtt / ſondern in ſich ſelber; GOtt 

‚st wohl in ihr / aber fie ergreiffet ihn nicht / und verdecket das 
Perlein / das ich in Chriſto bin + Nicht ich / ſondern er in feiner 
Menſchheit / in meiner Ercatur in ihme felber : Undalforede 
md ſchreibe ich vom groffen Myfterio aller Weſen / nicht dag ichs 
sm meiner Schheit hätte ergriffen / fondern er fchläget meine 
Signatur in meiner Begierde / welche in ihn eindringet wie er 
wil. Ich bin mir bekannt / aber nicht in meiner Schheit / ſondern 
in ſeinem Spiegel / welchen er aus Genaden in mich ſtellet / mei⸗ 
ne Ichheit dadurch in ihn / als in die Gelaſſenheit zu locken. Un» 
alfo wirds euch lichen Brüder / wieder aus feinem Spiegel / der 
er durch meinen Begriff in ihme euch‘ fürgeftellet / als feinen 
Werckzeug dargeftellet. 

9. Alfo gehet es auch zu im Philofophifchen Werch; Sulphut, 

Mech 





Cap. 12. Rerum. 155 


Mercurius und Sal find durch ven Fluch GOttes / in ihre Selb» 
heit /alsineincigen Würden und Leben getretten, Es würdet 
allesim Fluche und Zorne GOttes nad) des erften Principit Ei⸗ 
genſchafft / fo nicht GOtt hätte die Sonne / als einen Naturs 
Bott der äufferen Jichtbahren Welt darein ‚geftellet / welche alles 
wuͤrckende Leben / alles was waͤchſt und fich räget / tingiret / for 
wäre alles in der finſtern Todes-Imprefion, als im Abgrund 
der Höllen. 

20. Sollaber nun etwas vondiefer Selbheit / als vom grim⸗ 
men Tode crlöfet/ und wieder ins Univerfal gebracht werden / als 
in dic höchfte Bollfommenpeit /fo muß es feiner Ichheit gantz er> 
fterben / und in. die Stille als in Ted der Gelaſſenheit /an ver 
Natur Ende gehen ; Marsinuß die Feuers-und Srimmes-macht 
gar verlichren /fo wohl Mercurius fein Gifft-leben. Saturnus 
muß ihme felber ein Tod werden) alfodas der Artiltanichts fiehet 
als die groffe Finſternuͤß / fo erſcheinet alsdann das Liecht Inder 
Gelaſſenheit danıı St. Johannes ſaget: Das Liccht ſcheinet in 
die Finſternuͤß / und die Finſternuͤß hats nicht ergriffen. 

21. Das ift in ihrer Selbheit / alsineigenem ZBillen und 
Würden Fan jiedasnichtergreiffen / aberinder Gelaſſenheit 
fiheinet das Nichts alsdie Freyheit GOttes darinnen/ dan das 
Nichts / macht ich in feiner Luft ausder Freyheit inder Finfters 
nuͤß des Todes offenbahr / dann das Nichtswilnichtsin Nichte 
ſeyn / und fan nicht ein Nichts ſeyn / fo Fan fichsauch anderft 
nicht offenbahren als nach der freyen Luft Eigenfehafft das iſt 
nun fir / und in ihme auch als ein Nichts / dann es iſt feine Turba 
darinnen / der eigene Wille und Hunger iſt todt und im Nichts 7 
und die Luſt der ewigen Freyheit wird ſein Leben. 

z2. So ſich dann num Das hoͤchſte Weſen einmahl beweget / 
und iſt in ein ſichtbahr greifftich Weſen eingangen / fo figuriret 
es daſſelbe Weſen / ſo es wieder aus ſeiner Selbheit ausgehet ins 
Richts / wieder in ein ſolch Weſen / wie es vor den Zeitender 
Welt war weil aberdas Verbum Fiar noch heute im Schaffen 
des cörperlichen Weſens ſtehet / fo machts wieder cin fires voll» 
kommenes Weſen / als folches im philofophifehen Werck ge= 
ſchicht / da ein new Leben aus dem Tode auffſtehet /gleihwie ung 
GOtt in Ehriftei in ihme aufferwecket / fo wir der Ichheit abſter⸗ 


ben / und uns in ihn gaͤntzlich einlaſſen. 


23. Alſo auch wann der ausgeſprochene Mercurius im Sulphur 
Saturni feine Selbheit in Venerem ergibt / fo transmutiret ihre 
das Verbum Fiar wieder in ein Weſen nach der Luſt der Freyheit. 

56 Dir 


JF 
’ 
3 


356 DeSısonarura Caprz 


Der Tod ftehet in einem neuen Leibe ausder Finfternüf des Tos . 
des auff / im weiffer fchöner Farbe: abergleichwic einverborger 
ner Blans/ da man die Farbe nicht recht erkennen Fan/alfo lange  - 
biß fichs refolviret / und die Mareria wieder begchrend wird / fo 
gehet im Centro Saturni in Jovis und Veneris Eigenfchafft / die 
Sonne in allen fieben Beftalten auff/ das iftim Verbo Fiat, 
gleich als eine newe Schöpfung / und lauffen alter fieben Gr= 
frälte Begierde in Solis Glantz / als indie weiſſe und rohte Far⸗ 
be / vom Feuer und giccht/ das iſt die Majeſtaͤtiſche. 

24. Uno wie Chriſtus nach feiner Aufferſtehung viertzig Tage 
dm Myfterio aller dreyen Principien zugkeich wandelte in der Ei» 
genſchafft des erften Adams nach feiner Schöpfung vor feinem 
Schlafe / und vor feiner Heva /umd ſich feine Jünger lieg in ſei⸗ 
ner hiegchabten Eigenfchafft von der Auffern Welt ſehen un? 
mit ihnen aſſe (und feine angenommene Menfchbeitfchen lieh / 
daß er dieſelbe mit nichtenabgeleget hätte: Alſo foll uns der Arti= 
Kaverfichen/dasi im Philofophifiyen Werde mit nichten die erfte 
Materia vergehet / ſondern fie gehet in Eodihres Lebens / ihrer 
grimmen Eigenfchafft / und ſtirbet im Fluch GOttes / und ſtehet 
aber in ihrem gehabten Wefen / das fie vorm Fluch GOttes war] 
wieder auff / ver Fluch zerbricht nur darinnen / das erſte Leben 
ſtehet darinnen wieder auff / und darumb iſts fix / und beſtehet im 
Feuer / dann es iſt dem Regiment der vier Elementen abgeſtor⸗ 
ben / und lebet in der fuͤnfften Eſſentz / nicht dag ſie daſſelbe Leben 
habe / ſondern ſte ſtehet darinnen ſtille / aber der Geiſt des neuer⸗ 
bohrnen Weſens iſt mit ſeinem Gruͤnen ein vegetabiliſch Leben 

darinnen / ſein Glaft ſtehet darinnen / er zeiget den erſten Adant 
an der Unſchuld any der ſtunde auch in ſolcher Bollfommenbeit:. 

25. Und wie Chriſtus unſere verderbte Menſchheit / in welcher 
der Mercurius war zu Gifft worden / mit dem himliſchen Blute der 
ewigen Goͤttlichen Jungfrauſchafft und Weſenheit tingirete / 
davon die menſchliche Selbheit im Giffte erſtarb / und das gelaſ⸗ 
ſene Leben wieder aufſgieng: Alſo erſtirbet auch der gifftige mer- 
cuxialiſche / martialiſche und ſaturniniſche Wille und Begierde } 
un Blut Veneris im philofophifcyen Werck / und gehet mifeinans 
der in Tod / und ftchen miteinander in ciner Liebe in einem Wil⸗ 
Knauf. 

26. Darumb foll der Artiflaauff die Tinctur merden: Sie 
iſt edler in menſchlichen Brauche in diefem Jammerthal als der 
geid/verimder Tinctur auffſtehet / dann der Geiſt it das Sehen] 
Ber Leib iſt nur eine Figur dee Sehens, 

27.59 





5 


m: 


Cap. 12. ReruMm 157 


27. So iſt das Blutein Schäufe des Geiftes/das folder Ar- 
tifta wohl mercken / im Blut des Zünglings/warn fich feine Perle 
in die drey Morder etnergibt / dag ſie ihr Blut in und mit des 
Juͤnglings vergeuſſet / da der Ritter in der Hoͤllen ſtehet / und 
die menſchliche Selbheit uͤbergibet / da ſich der weiſſe Loͤwe auff 
feinem Rofinfarben Thier laͤſſet ſehen: Allda lieget das Heyl der 
Kranckheit / und der Tod des Todes. 

28. Der Leib wird im Blut der Liebe im Tode reſolviret / aus 
der irrdiſchen in einen himliſchen. Die Tin&ur gibet ſich in neuen 
Leib ein / und verlaͤſſet hernach / wann der Leib in Solis Glantz 
auffgehet / auch ihren Willen / fie ergibet ſich dein Leibe gantz ein 
in ſeine Eſſentz / und wird ſeine Zierheit / Glantz und Farbe / wel⸗ 
che der Artiſta nimmermehr ſcheiden kan / dann ſie ſeynd mitein⸗ 
der in der fuͤnfften Eſſentz / als im Myſterio des Verbi Fiats, und 
ſtehen zu Gottes Bewegung des endlichen Scheide⸗tags in dieſer 
Zeit / zu ſeiner ſelbſt⸗Offenbahrung / zu ſeiner Ehre und Wun⸗ 
derthat: hernach aber nach dieſer Zeit zur criſtalliniſchen Welt 
indem gläfernen Meer vor dem Stuhl des Alten in a pocalypſi. 


Kurtze Summa des philoſophiſchen Wercks. 


29. D Em Leſer möchte unſer Sinn gang ſchwer fürfallen } 

indehme wir alfo weitläufftig geyeyun Chriſtum dar 
unter anzeigen; deffen folklich Eriner verwimdern / wir ſuchen 
nicht Gold noch zeitlih Gut darmitte/ umd treiben nicht den 
Menfchen in vergebenen Borwig: Wirreden nur mitden Kin» 
dern die GOtt darzu erwaͤhlet hat / dann die Zeit iſt gebohren/ da 
das Verlohrne wicder funden werde: aber nicht alleine das Uni⸗ 
verfal zum Leibe dieſer Welt / fondern auch das zur Seelen. 

30. Der Proceſs iſt in allen beyden gar kurtz / und iſt nur einer 
Eigenſchafft / das verhaͤlt ſich alfo s Der Baum iſt ausgetheilet 
in ſieben Seſtalten (verſtehet dag Leben.) Nunaſt der Fluch Got⸗ 
tes in die ſteben Geſtalten kounnen / alſo feynd ſie un Streit und 
Widerwillen / und Erändet je cine Geſtalt die andere / und moͤgen 
nimuer eines werden / ſie gehen denn alle fieben in Zod / und ſter⸗ 
ben des eigenen Willens ab. 

zt. Run mag das nicht geſchehen / es komme danırein Tod in 
fie/ der ihnen allenden Willen breche / und ihnen ein Tod fey / 
gleichwie die Bottheit in Chrifto der menſchlichen Seltheit/ und 
den Sieben Geſtalten im menſchlichen Leben ein Tod war und 
war ihnen Doch zum Schen kommen: Alfa iſt dieſes auch; der - 

67 mchiche 


18 DeSronarura Capıza 


menfhliche Wille war in Chrifto in die ewige Sonne / als indie 

Gelaffenheit in GOtt verwandelt. Alfo müffen fich im philofo- 

phifchen Wercke alle Geftalte in eine / alsinSolverwandeln } 
aus fichen miß Eines werden / und bleibet dach in fteben / aber in 
einer Begierde / da eine jeds Geftaltder andern in Liebe begeh⸗ 
ret / fo iſt fein Streit mehr. 

32. Darumb dendeder Artiſta nur / wie er dem Tode mit den 
reinen Leben den Tod gebe / und wie cr das geftorbene und verblis 
shene Leben / welches himliſch iſt und im Fluch GOttes gefangen 
und verborgen. ftchet / möge auffwecken / daß es die Feuer⸗ſeele 
wieder in ſich nehme ; fo ers nur fo weit bringet / fo hats fein eigen 
machen in fich. 

33. Wann die Jungfraw ihren Braͤutigam / der ihr meins 
eydig ward/ wieder annimt / foift ex geſchickt darzu / anderſt gar 
in keinem Weege nicht / anderſt iſt alles umbſonſt: Es iſt auch 
kein andere Moͤglichkeit / dem himmliſchen Bilde nach GOttes 
Gleichnuͤß im Menſchen mochte nicht gerahten werden / nach deme 
die Feuer⸗ſeel in ihre Selbheit eingieng / es fuͤhrete dann GOttes 
Geiſt ſich ſelber in das verblichene Bild / als indie himmliſche 
Weſenheit / und gebe ſich wit demſelben in ihme auffgeweckten 
Bilde in das ſeeliſche Feuer ein / als in Grimmdes Todes und 
wuͤrde dem Tode ein Tod / als dem grimmen Zorn GOttes / daß 
er in der Liebe im Blut der himmliſchen Weſenheit erſoͤffe: Und 
ob wohl kein Abtrennen ſeyn mochte / auch kein Sterben / ſo war 
es doch ein Sterben des Grimmes / daß der Grim in eine Freude 
und Liebe verwandelt wuͤrde. 

34. Alſo iſt auch des Artiſten Werck durchaus nichtsanders f 
dann der Menſch iſt aus allen Weſen / aus Himmel und Erden 
geſchaffen worden / als er aber gantz irrdiſch ward / und der Fluch 
über ihn gieng / ſo gieng auch der Fluch über das irrdiſche Weſen / 
daraus der Menſch war; Alſo ward dem Menſchen der Himmel 
verſchloſſen / und ward auch der Himmel in der Erden / in Me⸗ 
tallen / Baͤumen und Kraͤutern in des Menſchen Speiſe / und 
was zu ſeiner Zierheit und Spiel gehoͤrte / verſchloſſen. 

35. Die Seele der Erden / als die Eigeufihafft vom Feuer des 
erſten Prineipii ift in ihrer Selbheit / alsin GOttes Zorn ein⸗ 
gangen / nun ſtehet der Himmel in ihr verborgen / ſo ſoll der Atti- 
Ha in ſeinem Werck die Seel im Fluche / und den Himmel wie⸗ 
der in Eines bringen / er mug die Seele wieder in Himmel ein⸗ 
fuͤhren / oder iſt anderſt keine Moͤglichkeit / ſo kan er nun die Scele 
in ihrer Boßheit wicht in Himmel bringen / dann ſie wil nicht / fe 


Cap. nz. Rerum 259 


nußer den Himmel in die Seele einführen/ und den Himmel der 
Seelen ganz einergeben/ dag die Seele vom Himmel eſſe / ſie wil 
oder wil nicht / fo mug der Himmel in der Seelen als wie todt 


werden /alfodag die Seele deg nicht kan log werden / wie hefftig 


fie fich darüber erzuͤrne / big ſie ſich daruͤber verweget in ihrem 
Grimme / und mit der Begierde in Himmel / als in das verbli⸗ 
chene Weſen einfaͤhret / und wil das ermorden / gleichwie die Ju⸗ 
den Chriſtum / und ſie alſo mit ihrer Begierde in das verblichene 
Bilde/ als ins himmliſche Weſen einfaͤhret / fo faͤlt das Bilde 
des himmliſchen Weſens dem Moͤrder in ſeinen Rachen: Alſo gi⸗ 
bet das himmliſche Weſen ſeine Begierde in den Moͤrder ein / ſo 
erſchrickt der Moͤrder vorm Liebe⸗Leben / und faͤhret im Schracke 
in der himmliſchen Weſenheit auff. 

36. Alſo empfaͤhet das verblichene Weſen wieder den Feuer⸗ 
ſchrack in ſich / und eine ignet ſich gantz ins Feuer⸗Leben / ſo muß 
das Feuer in der Liebe und Sanfftmuth brennen / und fein Recht 
im Centro verlaſſen: gleich als wie das Sicht aus dem Feuer 
ſcheinet / alſo und nicht anderft Erieget das himmliſche Weſen fein 
Leben / und wie ein Feuer ein Eifen durchgluͤet / Daß es ſiehet als 
wäre es eitel Feuer / und iſts auch / aber das Eiſen behaͤlt doch 
feine Subſtantz/ alſo wird auch das verblichene Weſen als der 
Hipl in der gifftigen mercuriakſchen / mactialiſchen Feuer⸗ 
feele offenbahr / und machtt aus ſieben Willen nur einen und 
bleiben Doch fieben/aber die Feindſchafft hoͤret auff. 

37. Alfe ift dig ein Univerfal , welches auch den Widerwillen 
aller Krandheit im menfhlichen Cörper in Einen Willen trans 
mutiret / dag das Wüten und Stehen] alsdie fieben Geſtalten 
des Sehens inihrer Feindfchafft einig werden / ſo hoͤret der Hun⸗ 
ger der Kranckheit auff / und ift der Procefs zum Univerfal wie 
ſorne gemeldet worden: Eine klare Andeutung zu melden ift nicht 
mein Fuͤrhaben /esiftflar genug. Wer nicht wileinen neuen in 
GOtt gebohrnen Menſchen dadurch firchen / und fich ſelber darzu 
machen / der laſſe meine Schrifften mit frieden. 

38. Ich Babe demſelben Sucher nichts geſchrieben / er mag 
auch unſern Sinn nicht gaͤntzlich ergreifſen / und wie er ſich auch 
immer uͤbet / er gehe dann in die Gelaſſenheit in Chriſto ein / all⸗ 
da mag er den Geiſt des Vnirerſals ergreiffen / anderſt iſts alles 
umbſonſt / und wollen den Vorwitz gewarnet haben / dahß er ſich 
nur nicht vergaffe / er richtet auff dieſem Weege gar nichts aus 
er trette dann ſelbſt darein / fo wirds ihme offenbahr ohne viel ſu⸗ 
chen / dann der Weeg iſt kindiſch. * 





> 


169 DESIGNATURA Capıza 


Das 13. Capittel. 


Von des Geiſtes und Coͤrpers Widerwillen / und von 
ſeiner Cur und Heilung. 

uf Eder Eörper iſt an ihm felber einftum und ale 

todt Weſen: Er ift nur eine Dffenbahrung des 

Geiftes der im Eörperift: Der Geift igniret jich 


mit dem Coͤrper / was der Beift in fich iſt im unbe⸗ 


9 greifflichen Würden das ift der Eorper im bee 

greifflichen und ſichtlichen. Es iftje eine Geſtalt unter den ficben 
Geftalten ver Natur dieoberfte/ die andern hangen derfelben an 
uñ geben ihre Mit⸗zeichen / nach dem eine jede in der Efleng ſtarck 
iſt / und wie die Geſtalten in ihrer Ordnung in jedem Dinge 
ſtehen / alſo figuriren fie das Corpus, ein jedes Ding und Creatur 
in feinem Geſchlechte / das iſt die Offenbahrung Goͤttlicher Weiß⸗ 
heit / in dem ausgeſprochenen Wort aus Liebe und Zorn, 
2. Kein Ding iſt / es hat ſeine Seele nach feiner Eigenſchafft 
in ſich / und die Seele iſt ein Korn zu einem andern Coͤrper. Alles 
was lebet und wächfet/ das hat feinen Saamen in ſich / GOtt hat 
alle Ding in fein Wort gefaſſet und in eine Form ausgefprochen? 
wie fich ver Wille in. der Begierde hat gefaſſet. Das Ausgeſproche⸗ 
ne iſt ein Modell des Sprechenden/und hat wieder das Sprechen 
in ſich / daſſelbe Sprechen ift ein. Saame zu einer andern Bild» 
nuͤß nach der erſten: dann beyde wuͤrcken / als das Sprechende 
und das Ausgeſprochene. 

3. Das Sprechende in ſich ſelber als in der Ewigkeit / und das 
Ausgeſprochene auch in ſich ſelber / als in der Zeit / das Sprechende 
iſt der Meiſter / und das Ausgeſprochene iſt der Werckzeug. Das 
Sprechende mahtdicNatur der Ewigkeit iñ das Ausgeſproche⸗ 
ne macht die Natur der Zeit / ein jedes macht in ſeiner Faſſung 
zwo Eigenſchafften / als Liecht und Finſternuͤß / darinnen ſtehet 
das Element aller Weſen / welches ſich in dem ausgeſprochenen 
in vier Elementa ſcheidet / aber im Sprechenden nur eines iſt. 

4. Das Element iſt in ſich ſelber weder heiß noch kalt / auch 
nicht trucken oder naß / ſondern iſt eine Luſt / als ein begehrender 
Wille / darinnen die Goͤttliche Weißheit die Farben des Unter⸗ 
ſcheids machet / alles nach der Begierde Eigenſchafft / in weſthem 
doch Feine Zahl noch Ende iſt / alle in in den vier Elementen iſt eis 
ne Zahl und Ende / dann ſie haben mit dem Ausſprechen / in dem 


fie find ein Eigenes worden / einen Anſang genommen / und I 
gefaf? 





Cap.13. Rerum. 167 


gefaffer in cin Modell einer Zeit/ das lauffetin fich alsein Uhr⸗ 
werd :esformet/bildet und zerbricht. 

5. Diefes Uhrwerck ftehet in fieben Geftalten oder Eigen⸗ 
ſchafften / (mie forne gemeldet) die machen in ſich einen dreyfachen 
Geift /als einen wachfenden / fühlenden und vernünfftigens der 
wachfende ftchet in den vier Elamenten / und der fühlende in der 
fieben Geftalten der Natur / und der vernünfftige im Geſtirne: 
Aber der Berftand komt alleine von GOtt / dann er urftändet 
ausder ewigen Natur. 

6. Alles Leben was in demausgefprochenen Wort fein Ziel 
hat / das ſtehet in Sale, Sulphure und Mercurio ‚dann darinnen 
ſtehen die Jieben Eigenfchafften alles Lebens diefer Welt / fo wohl 
der Grift des Wachſens / Fuͤhlens und der Bernunfft. 

7. Sulphur ift die Mutter aller Geiftligfeit und Leibligfeit ? 
Mercurius führet darinnendas Regiment / und Salift das Haus 
ihrer Wohnung / welches Merxcurius im Sulphur felber macht. 

8. Die Vernunft entſtehet im Oehle des Sulphuris , darein 
gibet das Beftien feine Begierde / als in die Effeng feiner Eigen 
ſchafft / daraus alsdann die Sinne und Gedancken entfichen/aber 
der Verſtand rühret her aus dem Oehle des Elements / als in der 
freyen Luſt im ſprechenden Mercurio. 

9.So uns armen Hevaͤ⸗Kindern dann anjetzo noͤthig zu wiſſen 
iſt / wovon ung Kranckheit und des Lebens Widerwille entftehet / 
was da in uns ſey / das uns ſelbſt zum eigenen Feinde machet / und 
ſich in uns ſelber plaget und aͤngſtet / fo iſt uns auch noch viel 
noͤthiger zu wiſſen die Cur / damit wir uns in unſerer Selbheit 
mögen euriren / und in das Ende der Ruhe einführen. Alſo wollen 
wirs entwerffen / obs jemand füftete darein zu tretten / und in die 
Proba zu fegen/ und wollendarftellen / wovon Biks und Gutes 
urſtaͤndet / und wie es urſtaͤnde / und dem Verſtaͤndigen Urfich 
geben zu ſuchen / und wollen anzeigen / wie der Wille zu Boͤſem und 
Guten urſtaͤnde / wie das Boͤſe des Guten Tod ſey / und hinwider 
das Gute des Boͤſen Tod ſey. 

10. Warn wir das mercurialiſche Leben betrachten was es ſey / 
fo finden wir / daß es im Sulphur ſtehe / dann Sulphur iſt ein duͤrrer 
Hunger nach der Materia, welcher eine ſtrenge ĩmpreſſion macht / 
und hat in feiner ſtrengen Imprefliondas Feuer / auch iſt in der 
Iwpreſſion das Oehle / daraus das geben brennet: Nun machet 
die Imprefion Kaͤlte / und der Stachel oder in ſich ziehen machet 
Hitze / das iſt nun ein kalt Feue r / und auch ein hitzig Feuer in ei⸗ 
nen Dinge: Die Kaͤlte machet in ſich hart und finſter / * * 

itzs 


162 De Sıconatura Capız 


Hitze machet in fich Liecht / und möchte doch Fein Liecht ſeyn / fo 
nicht das Dehle im Sulphur in der higigen Angſt erftürbe / gleich“ 
wie die Kerge im Feuer. 

ır. So ſeynd nun zweyerley Sterbenim Sulphur,, daraus 
auch zweyerley geben erbohren werden. Als erftlich zeucht die Im- 
preflion oder die Begierde in fich / ſchleuſt ein / macht hart / Falt 
und derb/ fo gibet die harter als das eingefchloffene/ einen Tod im 
eingefchloffenen Weſen / und ift im ſelben Geifte doch Fein Tod / 
fondern ein ftechend/ wütend/ und aͤngſtlich Falt Feuer⸗leben / das 
erbichret fich mit der Impreflion,uit iſt das Leben der Finſternuͤß. 

12. Zumandern/erbiehretfich in derfelben Angft in der ſtren⸗ 
gen Begierde/ das higige Feuer / dasverzchret das Weſen / wel⸗ 
ches die Kälte] alsdie Impreflion der Begierde zur Natur mas 
het. Alfo bleibet indem Feuͤer der Streit zwifchen der Kälte und 
Hitze: die Kaͤlte wilihr Lehen nad ihrer Eigenfchafft yaben/ und 
in dehme fie fich beweget zum geben / fo zuͤndet fie in ihr in der 
Imprefion die Hitze an / fonimtalsdann die Higeder Kälte den 
Gewalt/ nnd verschret der Kälte Weſen / fomagalsdann der 
Feuer⸗geiſt auch nicht beftehen / dann ohne Weſen erlifiheter / ſo 
mug er in fihinder Feuerangft- Begierde immer und ohne un⸗ 
terlaß erfterbensalfo lange er vonder Kälte Wefen zu zehren hat / 
fo gehet fein Sehen auff/ umd iſt doch nichts als nur ein ſtaͤtes 
Sterben und verzehren / und in feiner Verzehrlichkeit ift der 
gröfte Hunger nach ABefen/derfelbe gehet durch und mit der Vers 
zehrligkeit aus dem ſterben des Feuers aus ſich aus und wohnet 
im Nichts / fo magerdoc auch nicht im Nichts ſeyn / und kan 
auch nicht ein Richts ſeyn / fo zeucht ihn das Feuer wieder in fich/ 
Dann feine Begierde ſtehet felber wieder nach feiner Mutter / weil 
er aberift einmahlder Feuer-quaal erſtorben / ſo kan er nun nicht 
mehr im Feuer der Hite oder Kälte erfterben/ ſondern er gehet 
immer wieder vom Feuer aus/ und das Feuer geucht ihn doch wie» 
der immer in fich / undift affo des Feuers Leben / und das ift der 
Lufft / welcher im Feuer billih Wind heiffet/wegen der Stärde/ 
und im ausgegangenen billich Lufft heiffet / wegen des Lebens ſei⸗ 
ner Sanfftmuth. 

13. Und iſt uns im Sterben des Feuers das Oehle zu verſtehen / 
daraus das Feuer ſeinen Schein empfaͤhet / in welchem das rechte 
Leben verſtanden wird / dann das jenige das im Feuer⸗ſterben 
mit der Begierde zur Erledigung von der Feuers-quaal frey zu 
ſeyn / ausgehet / das iſt eine Begierde der Sanfftmuth / und ur⸗ 
ſtaͤndet im erſten Willen zur Natur / indehme ſich das ewige 
Nichts mit feiner Luft in eine Begierde einfuͤhret. 14. Die® 








Cap. 13. Rerum. 263 


14.Dieſelbe Luſt führet fich alfo durch den falten un hitzigen Tod / 
Durch beyde Sterben wieder indie Sreyheit als ins Nichts aus / 
und hat fich alfo in der frengen Impreflion durchs Feuer offen= 
bahret/ und in ein Principium eingeführet / und iſt dach nicht 
des Feuers oder der Kälte worden/ fondern alfo ift feine Offen» 
kahrung. 

x5. Weilfich aber die ewige Luſt zur Natur / mitder Natur 
in eine Begierde einführet/ fomag diefelbe Begierde weder in der 
Kälte noch Hitze ſterben / dann ſie urſtaͤndet nicht in Hitze noch 
Kaͤlte / ſondern im Nichts. Alſo iſt ſie / nach deme ſie vom Ster⸗ 
ben im Feuer ausgehet / wieder begehrend / als nehmlich ihrer Ei⸗ 
genſchafft ſelber / und impreſſet ſich / dann im Feuer hat fie die Im- 
pteſſion an ſich genemmen. 

16. Nun kan ſie in ihrer Impreſſion nichts faſſen / als ein We⸗ 
ſen nach ihrer Begierde / das iſt nun Waſſer / verſtehet nach der 
finſtern Impreſſion Eigenſchafft iſts Waſſer / und nad) dem 
Feuer iſts Oehle:uñ das jenige was in der falten Impreſſion gantz 
in der Haͤrte eingeſchloſſen wird / als eine Faſſung in des Grim⸗ 
mes Eigenſchafft / das iſt Erde. 

17. Alſo zeucht die grimme Feuers⸗begierde denſelben Lufft / 
Waſſer und Oehle immer in ſich / und ſchlinget es in ſich fo wird 
der Feuer⸗grim̃ im Lufft / Oehle und Waſſer / in einen Schein 
verwandelt: dann das Nichts begehret ſonſt anders nichts / als 
nur Krafft und Glantz / und alſo machet ſichs offenbahr / und fuͤh⸗ 
ret ſich in Weſen ein. 

18. Und der Geiſt der aus dem Fener-brennen im Oehlt / als 
im Liechte / vom Feuer und Liechte ausgehet / gibet Bernunfft und 
Verſtand / dann er iſt urſpruͤnglich im Nichts geurſtaͤndet / und: 
iſt die Begierde zur Natur geweſen / und hat ſich durch alle Eigen⸗ 
ſchafften der Natur durch Kaͤlte und Hitze / durchs Sterben im 
Feuer durchs Liecht ausgefuͤhret / und wohnet wieder im Nichts. 

19. Er iſt ein Probirer und Wiſſer aller Eigenſchafften / dann 
er iſt durch alle erbohren / und von allen ausgegangen: Er iſt als 
ein Nichts / und hat doch alles / er durchgehet Hitze und Kälte / 
und keines ergreiffet ihn / wie wir ſehen / daß das Leben der Crea⸗ 
tur in Hitze und Kaͤlte wohnet / und iſt das rechte Leben doch weder 
heiß noch kalt. 

20. Alſo ſollet ihr uns nun recht verſtehen; in der Ewigkeit iſt 
dieſe Gebuhrt Geiſtlich / aber in der Zeit iſt ſie auch Materialifch/ 
dann ich kan nicht von GOtt ſagen / dag er Sinfternüß und Feuer 
fey / viel weniger Lufft / Waſſer over Erde / aber in feiner * 


164 DESICNATURA Cop 


Degierde hat er fich alfo mit der Zeitim Loco dieſer Welt in fol 
Werfen gefaffet/ welches er im fprechenden Mercurio nad) den Eis 
genfchafften des Willens gefaffet / und mit dem ansgefprochenen 
Wort in ſolche Formung gebracht / nach den Eigenfchafften des 
Begierde in der ewigen Natur/alsim VerboFiar. 

21. Rum wird das ausgefprochene Wort/ als der ewigen 
Natur Eigenfchafft im Sulphur verftanden/ dann darin ift dag 
fiebenfache Rad ver Gebuhrt / welches im Geiſte / als in der erſten 
Faſſung zur Natur ein Geſtirne iſt / und theilet ſich aus dem Ge⸗ 
ſtirne in feiner felbfleeigenen Gebuhrt in ſieben Eigenſchafften / 
und aus den ſieben Eigenſchafften in vier Elementen. 

22. Daſſclbe Geſtirne iſt ein Chaos, darinnen alles lieget / 
aber verborgen / und iſt der erſte Leib / aber geiſtlich. Und das fies 
benfache Rad iſt die erſte Auswuͤrckung des Chaos, und macht 
den andern Leib / als die Vernunfft / der andere offenbahret den 
erſten / und iſt auch ein geiſtlicher Leib. Der dritte Leib iſt ein Ele⸗ 
mentiſcher / ein Kaſten der erſten beyden / und iſt ein ſichtbahrer 
greifflicher Leib. 

23. Der erſte Leib als das Chaos, oder erſte Geſtirne / welches 
geiſtlich iſt / das iſt das ausgeſprochene Wort aus der ewigen 
Faſſung / daſſelbe hat wiederumb ſein Sprechen in ſich / das iſt 
das wercurialiſche KadimsSulphur, mit den ſteben Geſtalten / 
Das ſpricht wieder aus ſich aus die vier RElementa: Alſo gehet eines 
aus dem andern. 

24. Das erſte vorm Chaos iſt die Luſt der Ewigkeit im Ins 
grunde / die faſſet in ſich einen Willen zur ſelbſt-Offenbahrung / 
das iſt alles GOtt: und der Wille faſſet in ſich in der Luſt eine 
Begierde / das iſt das Chaos oder erſtes Geſtirne / darinnen die 
ewige Natur ſtehet / welche ſich mit der Begierde zur Natur in 
ſieben Geſtalten einfuͤhret / wie forne gemeldet / und offenbahret 
alſo das Chaos als die ewige verborgene Weißheit GOttes / und 
mit der Begierde im mercurialiſchen Rade / wird das Element 
gefaſſet / als ein geiſtlicher Leib des mercurialiſchen Lebens. 

25. Nun iſt dieſes alles zweyfach / als die Begierde machet in 
ihrer Imprefion in ſich fſelbſt die Finſternuͤh / darinnen iſt die 
ſtarcke Macht der Anzuͤndung der Ratur / und iſt peinlich; und 
die freye Luſt zur Begierde / macht in ſich durch die Anzuͤndung 
der Begierde / Sicht) und Wallen. Das Liecht iſt Krafft und 
Glantz / und das Element iſt ſein Leib oder Weſen / da es doch auch 
nur Geiſtlich iſt / alſo iſt die Feuer-begierde in der freyen Luſt 
eine Freudeunreich / uñ in der Finſte rnuͤß iſts eine — = 

20. 


| 
| 
| 
| 


| 





Cap.r3. Rerum 163 

26. Aus dieſem ganken Weſen ijt der Menſch in GOttes Wils 
de geſchaffen worden / und verſtehet uns recht: Er ſtund nach und 
in der Schoͤpffung im Regiment des Eleinents / das mercurialis 
ſche Rad im Sulphur ſtund im Liechte und in der freyen Luſt der 
Ewigfeit/ aber er gieng mit ſeiner Begierde weiter aus ſich in 
die vier Elementa, als indie Schöpffung ins Centrum der Fine 


ſternuͤß / daraus Hige und Kälte urftändet. Seine Begierde war 


im Anfang indie Freyheit GOttes / als ins Element gewendet / 
da war er in GOtt gelaſſen / foregierte ihn GOttes Liebe⸗Wille 
mit der freyen Luſt Eigenſchafſt: Er aber gieng aus der freyen 
Luſt GOttes / aus der Gelaſſenheit aus in einen eigenen Willens 
welchen er im Centro zur Natur ſchoͤpffete / daraus die Pein und 
Quaal urſtaͤndet / als Hitze und Kaͤlte / ſo wohl herbe und bitter / 
und alle Eigenſchafften der finſtern Iwpreſſion. 

27. Allda fiel er ins ewige Sterben / als in die ſterbende Quaal/ 
tr welcher das mercurialiſche geben im Sulphar, im Giffte regies 
ret / Da je eine Geſtalt im mercurialiſchen Rad die andere anfein⸗ 
det / kraͤncket und zerbricht / da eitel Angſt Stechen und Wider⸗ 
willen iſt: Dann die freye Luſt erloſche in ihme / darinnen das hei⸗ 
lige Element als der Göttliche Leib ſtehet und wachten in dem⸗ 
felben reinen Element auff vier Elementa der äuffern Quaal / all⸗ 
da war das Bilde GOttes verflucht / das iſt GDttes Liebe Wil⸗ 
len / der indem Bilde feiner Gleichheit regierte / wiche vom Mens 
ſchen / fo fiel der Menſch ins Regiment der Natur; und weil die 
vier Elementa zeitlichen Anfang und Ausgang haben / und muͤſſen 
wieder ins Ende eingehen / ſo muß auch nun der menſchliche Leib / 
als der in den vier Elementen iſt gantz irrdiſch worden / wieder in 
Die vier Elementa einfallen / und darinnen zerbrechen. 

28. So iſt unsnunfeine Cara und Artzney zu entſinnen / wie 
er doch aus dem Sterben zu erlöfen / und wieder ins reine Ele» 
ment mit dem $eibe einzuführen fep/ und mit dem Geifte in Bote 
tes Willen Regiment. 

29. So iſt nunkeinanderer Raht / als daß er mit dem Geifte/ 
welcher im Chaos urſtaͤndet / und von GOttes Willen⸗Geiſte in 
das geſchaffene Bilde ward eingeblaſen / wieder aus ſeiner Selb⸗ 
heit / als aus eigenem natuͤrlichen Willen ausgehe / und gebe ſich 
wieder gantz und gar in den erſten Willen ein / welcher ihn im 
Anfang in ein Bilde formirte / er muß ſeiner Ichheit in ihme ſel⸗ 
ber gantz im Tode der finſtern Impreſſion, ſo viel er darinnen 
feinem eigenen Willen in eigener Begierde zum aͤuſſern viere 
Elementiſchen⸗ Leben Ichet / gang erſterben / und ſich ganz En in 

Da 


* 


16 De Sıeonartura Ca.ı 


GoOttes Willen einwerffen/ alsin GOttes Erbarımen/auff dag 
er nicht mehr ihmefelber lebe und wolle / fondern GOtt /alsden 
erſten Willen GOttes / welcher ihn in fein Bilde fchuff / dadurch 
fi GOtt in einem Bilde offenbahrte/ foift er mit dem erſten 
Geftirne / als mit dem Chaos der Seelen wieder im felben Bes 
griffe / darein ihn GOtt in fein Bilde fchuff. 

30. Weil aber die Ichheit / als der eigene Wille wieder dieſes 
ſtrebet / und mit nichten ſeiner Selbheit erſterben wil (verſtehet 
der Wille der aͤuſſern Welt / vom aͤuſſern Geſtirne und vier Ele⸗ 
menten) ſo muß man dem innern Willen des Geiſtes von GOt⸗ 
tes Speiß zu eſſen geben / daß er moͤge ohne Noht und Hunger 
nach dem aͤuſſern leben / dag erden Willen der irrdiſchen Ich⸗ 
heit immerdar toͤde und breche / big die Irrdigkeit / als der irrdiſche 
Leib / wieder ſich frey im Sterben ausgebe / und auch wieder in die 
Mutter / daraus er geſchaffen ward / eingehe / und ſeine Ichheit ver⸗ 
laſſe / auff daß der reine Leib des Elements / in welchem die Seel 
im gelaſſenen Willen wieder das rechte Leben in Gottes Willen⸗ 
geiſte anzuͤndet / und der verblichene Leib vom reinen Element 
wieder ein Gehaͤuſe der Seelen ſey / als ein Paradififch grünen, 

31. Und daß ſolches der eigene Wille der Seelen thun koͤnne / 
daß er ſich von ſeiner Selbheit abbreche / und willig ins ſterben 
der Selbheit eingehe / und in ſeiner Ichheit ein Nichts werde / fo 
ift der freye Wille GOttes / als die ewige Luſt zum Chaos der 
Seelen / welches ift der ewige Mercurius inder Krafft ver Maje⸗ 
ſtaͤt wieder in das verblichene Bild GOttes aus dem reinen Es 
lement / alsin das Jungfraͤwlich Leben eingangen/und zeucht den 
Willen der Seelen zu fich/ und gibt ihme aus Siebe und Genaden 
wieder dic him̃liſche geibligkeit vom reinen Efement zur Speiſe / 
amd daffelbe Waſſer im Element in der Tin&ur vom Feuer und 
Liechte / als vom ewigen geben / zum Trande /und hat ich in die 
Menfchheit eingebildet / und ſtehet allen Seelen entgegen mit 
voller Begierde /welche Seele ihrer Selbheit abſtirbet / und fuͤh⸗ 
ret ihren Hunger wieder in GOttes Erbarmen ein/die mag diefer 
Speiß genieffen/ davon fie wieder die erfte Ereatur in GOttes 
Liebe wird. 

32. Nunift uns zu betrachten / wie die armein GOttes Zorn 
gefangene Seele / auffer der en Speife in eitel Angft 
und Noht / und treibender Peinlebet. Gleich wie der äuffere irr⸗ 
diſche Leib in feinen Eigenfchafften/ in feinem Hunger in eitel 
Angſt / Noht und treibender Pein lebet / es fey dann dag ihm die 
Seele mit dem reinen Element alfo übertänbe und im er 

halte 





x - 


Cap. 13. ° Rerum. ©3267 


hafte/ dag er fein eigen Regiment vom Äufferen Geftirne und 
vierElcinentenim gifftigen mercurialifihen Rad nach der finſtern 
Imprefhon,wegen des Durchdringens vom Element nicht maͤch⸗ 
tig ſey / dag ihme das Univerfal widerfiche/ fo mag er in ftiller 
Ruhe ſtehen/ aber nur alfo lange als der innere den Auffern durche 
dringet und ihn tingiret. Anden vier Elementen ift Feine Voll⸗ 
fommenheit / big der Leib wicder ins reine Element transmutiret 
wird / fo mug er wieder indas eingehen) Daraus Die vier Elementa 
urftänden. 

33. Nun ift in diefer Zeitder vier Elementen eitel Pein und 
Quaal / die Seele vergaffer fich an dem auffern Geftirne / wel⸗ 
ches in fie eindringet/ davon ihr falfche Imagination entftchet 7 
und der Leib erwecket ihme das gifffige mercurialifche Rad / das 
von ihn Krankheit und Wehethun entftchet / fo muß die Seele 
mit der innern Vollkommenheit curiret werden / als von den 
fprechenden Wort / darinnen te in GOttes Handftchet/ das 
Fan die Seele alleine tingiren / undin Ruhe einführen] der irrdi⸗ 
fche Seib muß mit dem ausgefprochenen Mercurio tingiref und 
geheilet werden. 

34. So dann der Auffere Mercarius auch im Fluche ftehetals 
um Gifftsrade/ ſo muß er mitfeinem eigenen Liecht in feiner ei⸗ 
genen Mutter im Leibe des Sulphuris tingiref werden. Dem Mer- 
eurio muß fein eigener Wille und Hunger gebrochen werden/ dag 
* dem feindigen Hunger eine Liebe-Begierde werde. 

. Adie diefes nun gefchehen möge/ müffen wir die Gebaͤh⸗ 
aan im Sulphur betrachten / aus welcher Freude und Leyd ent⸗ 
ſtehet dann dem gifftigen Mercurio mag anderſt nicht wider⸗ 
ftanden werden/ und fan ihme nichts widerfichen als feine eigene 
Mutter die ihn gebiehret / in derer Leibe er innen lieget/ gleich wie 
der Kaͤlte nichts widerſtehen kan / als nur die Hitze / und die Hitze 
iſt doch der Kaͤlte Sohn / alſo auch muß dem gifftigen Mercurio 
mit feinem eigenen Kinde/das er in feinerMutter geibe aus Hitze 
und Kälte felber aus fich erbichret / widerfianden werden / gleich 
wie die Liebe aus dem Herken GOttes des Vatters / welches fein 
Sohn iſt / dem Zorndes Batters widerfichet davon der Vatter 
barınherkig wird / alfo auch imgleichen gehet es zu im mn 
chenen Wort oder Mercurio,dasverftchet alfo: 

36. Nicht dag man den falten Gifft des Mercurii mit anges 
zuͤndeter Hitze vertreiben und tödten ſoll und könne: Nein / ſon⸗ 
dern fo der kalte Gifft entzündet iſt / ſo muß die Artzney von ders 
selben Gleichheit — aber ſie muß vonder Kaͤlte / als vom an⸗ 

gezuͤn⸗ 


158 De SıcnatTura Cap.ız2 


gezündeten falten Grimme zuvor erlediget / ımd in Sanfftmuth 
gebracht werden / alsdann ftillet te auch den Hunger der Falten- 
Begierde inder Kranckheit des Coͤrpers. 

37. Dann fo. man der entzünderen Kaͤlte / entzündete Hitze 
eingibt/ fo erſchrickt die Kalte vor der. Hige/ und füllt in Unmacht/ 
als in Todesseigenfchafft/fo wird die Hitze in diefer Todes⸗eigen⸗ 
ſchafft gu einem Gifftelebenfals ein Angftzflachel / und tritt das 
mercurialifche Rad in Zraurigkeit/ als in Sucht oder in ci 
Dorren / da aller Freude vergeflen wird. 

38. Dannfoll das geben in feinem eigenem echte beftchen / 
fo muß Hitze und Kälte in gleichem Weſen fichen/dag es mitein⸗ 
ander concordire / und keine Feindfchafft oder Abweichen in kei⸗ 
nem ſey / Feines muß das andere übertreffen/fondern fie müffen in 
einen Wien lichen. 

39. Dann die entzündete Kälte begehret keiner Hitze / ſondern 
nur Bleichheit/ ein jeder Hunger begehret nur Gleichheit zu ſei⸗ 
zer Speife / fo aber der Hunger zuhart in Kälte entzündet ware/ 
fo gibt man ihme nicht wieder eine ſolche Eur / die alfo entzündet 
iſt / ſie ſoll zwar alfe hoch im Grade in der Kaͤlte ſeyn / aber der 
Gewalt mug ihr vonehe genommen werden / alſo daß ſie nur ey 
als die Mutter die ſie erbiehret / nicht nach der entzuͤndeten Gifft⸗ 
quaal / ſondern nach der Mutter Freude / alſo wird auch die Kranck⸗ 
heit als der Gifft in Angſt in eine ſolche Freude verwandelt 
werden. 

40. Alſo nimmt das Leben wieder ſeine erſte Eigenſchafft an 
ſich. Nicht der trauer Leib im Gegenſatz gehoͤret in die Cura, ſon⸗ 
dern ſein Oehl / das muß mit ſeiner eigenen Liebe beguͤtiget wer⸗ 
den / verſtehet mit einen ſanfften Weſen / das auch in dieſelbe Ei⸗ 
genſchafft gehoͤret: Dann die ſteben Geſtalten der Natur ſeynd 
din Centto nur eine / fo muß man daſſelbe Oehl alſo weit im Rad 
führen biß es in feine hoͤchſte Liebe- Begierde eingehet / alsdann 
iſts recht zur Eur / dann es iſt Fein Ding fo boͤß / es hat ein gutes 
in fſich / und daſſelbe gute wiederſtehet feiner Boßheit. 

4x. Alſo mags auch in derſelben Kranckheit dem angezuͤnde⸗ 
gen Grimm im Coͤrper widerſtehen: Dann fo der kalte Gifft 

im Eörper angezündet wird / fo tritt fein Gutes in Unmacht / und 
fo 08 nicht mag wieder die Gleichheit feines ABefens zum Bey⸗ 
Hand erreichen / fo bleibets in Unmacht / und verzchret fich an 
elsdann der entzündete Grinu / md fällt auch in Unmacht / fo 
iſt ver natürliche Tod in beyden / und hörct das webende geben im 
Coͤrper auf; ſo es aber dir Gleichheit bekommt / fo ſtaͤrckets fine 

wieder 





Cop. ı ° Rerum 169 
wieder / fo muß ber entzündete Hunger der Krankheit auff⸗ 
hören. 

42. Ingleichen darff die Hitze keiner kalten Eigenfchafft/ fon» 
dern die Gleichheit ( aber zuvor vom Grimme derfelben Gleiche 
heit entlediget/ und in ihre felbft yöchfte Freude und Güte eine 
geführet/ alfo dag diefelbe Gleichheit weder in Hitze noch Kälte 
gualihcire / ſondern in ihrer felbft eigenen Siebe Begierde / als in 
ihrem beften Geſchmack / fo wirds auch die Hitze im Körper in eine 
folche Begierde einführen. Alle Fäufen im Körper kommen von 
der Kälte: wannder Schwefel zu ſehr von der Hitze entzündet 
wird / ſo erſtirbet der Kälte Recht und Eigenfihafft/ und fritt ing 
Zrauren. 

43. Mercurius ift dns bewegende Leben in allen Dingen und 
feine Mutter ift Sulphur ‚fo liget nun das Leben und Zodt im Sul- 
phur, alsimringenden Mercurialifchen Rade. Im Sulphur ift 
Seuer / Sicht und Finſternuͤß / die Impreflion gibet Finſternuͤß / 
Kälte und Härte / darzu groffe Angft ; und von der Impreflion 
des Einziehens entfichet Mercurius, erift der Stacheldes Ein— 
ziehens / als die Bewegligkeit / over Unruhe / und entſtehet in Fer 
groſſen Angſt der Iwpreſſian, da in der Impreſſion Kaͤlte / als ein 
finſter kalt Feuer / wegen der Haͤrte / entſtehet und im Sta⸗—⸗ 
chel der Angſt / als in der Unruhe / ein hitzig Feuer / ſo iſt Mer- 
cutius das Rad des Bewegens / und eine Erweckung der 
Kaͤlte und Hitze / und iſt an dieſem Ort nur eine peinliche Quaal 
in Hitze und Kaͤlte / als eine kalte und hitzige Gifft-Angſt / und 
treibet als ein Rad / und iſt doch die Urſach der Freuden und alles 
Lebens und Bewegens: ſoll er aber von der Angſt erloͤſet / und in 
die Freude eingefuͤhret werden / ſo muß er durch den Tod durch⸗ 
gefuͤhret werden. 

44. So iſt nun eine jede Kranckheit und Wehthun / eine Todes⸗ 
Eigenſchafft / dann Mercurius hat ſich entweder in Hitze oder Kaͤlte 
zu ſehr entzuͤndet und verbrannt / dadurch das Weſen oder Fleiſch / 
welches er in feiner Begierde / als in ſeiner Mutter im Sulphur 
hat an fich gezogen / verbrannt ift worden/ dadurch die Irrdigkeit 
entftchet beydes im Waſſer und Fleiſch: Gleich wie die Materia der 
Erden und der Steine) als die Grobheit derſelben / anders nichts 
ift/als ein verbrannter Sulphur und Waſſer in desMercurii@igens 
ſchafft /da der Salniter im Schracke des Mercurialifchen Rades / 
davon die marcherley Saltze entftehen / verbrannt iſt: Davon 
komt der Stand und böfe Geſchmack. 
45. Sonjt fo Der Mercurius Darinnen im Dchledes Sulphurs 
H quali⸗· 


170 DrSsenatura Co.ız 


qualificirte / daß er durch den Todt der Impreflion von Hitze und 
Kalte möchte durchgeführet werden / fo ware die Erde wieder ein 
Paradeig und gruͤnete wieder die Sreuden- Begierde durd die 
Angft der Impreflion der Kälte, | 

46. Das iſts daß GOtt die Erden verfluschet hat / dann dent 
Mercurialifchen Rade ward fein Gutes (als wie Liebe⸗Begierde / 
welche inder Ewigen Freyheit entftchet/ und ſich mit dieſein Mer- 
eurialifchen Rade durch Kaͤlte und Hitze offenbahret / und durchs 
Heuer außgehet / und einen Schein des Liechts mache) entgogen/ 
und der Fluch darein geführet / das ift ein Slichen ver Lebe— 
Begierde. 

47. So ſtehet nan dieſer Mercurius alsein Leben im Sulphur 
feiner Mutter anjego im Fluche / als inder Angſt der Hitze und 
Kälte / und macherin feinem Schrade oder Salnitriſchen Sude/ 
ummerder Salt nach ſolcher Eigenſchafft wie er an jedem Orte / 
und in jedem Coͤrper entzuͤndet iſt / dieſelben Saltze ſind nun der 
Geſchmack in den ſteben Eigenſchafften. 

48. Wird nun der Mercurius zu ſehr in Kaͤlte entzuͤndet / ſo 
macht er im Salnitriſchen Schrack in feiner Mutter im Sulphut 
ein kalt harte impreſſend Saltz / davon Melancoley / Finſternuͤß 
und Traurigkeit im Leben des Feuers entſtehet / dann was fuͤr ein 
Saltz in jedem Dinge iſt / ein ſolch Glaͤntz des Feuers / und ein 
ſolch Schens-fchein vom Feuer iſt auch darinnen. 

49. Wird aber Mercurius in uͤbermaͤſſiger Hitze entzuͤndet / fo 
verbrennet er der Kaͤlte Weſen / und machet wuͤten und ſtechen / 
nach der Impreſſion, und nach des Stachels Eigenſchafft / davon 
im Sulphur groſſe Hitze entſtehet / und fo das Waſſer vertrocknet 
und verzehret wird / ſo hat alsdann der Begierde Hunger oder 
Stachel keine Speiſe / davon er mag ſeinen grimmigen Hunger 
ſtillen Jofo wuͤtet und reiſſet er im Saltze / als der Gifft Eigen⸗ 
schafft iſt / davon das Wehethun im Fleiſche entſtehet. 

50. So er aber wieder mag die Gleichheit bekommen in der Eis 
genſchafft / wie er im Centro feiner Mutter / als im Sulphurinne - 
ſtehet /verfiehet / wie ſte ihn im Anfange hat gebohren / als er in 
den zweyen Tincturen des Mannes und Weibes zum erſten mahl 
zum natürlichen Leben kau / ver ſtehet im Kinde / da ſich fein Le⸗ 
ben auge zundet / ſo wird er von aller Angſt erloͤſet / und tritt wie⸗ 
der in die Gleichheit der Hitze und Kaͤlte / und wiewohl es iſt / daß 
der Streit in manchem auß Mutterleibe mit komt / fo iſt doch der 
Streit nach des $chens Anfange erfi entſtanden: In des Lebens 


Anfang tritt das Leben in feine hoͤchſte Freude / dann Die aa 
ir 





4 


ECap.13- ; RéEeKuu. 178 


Der dreyen Principien werden in gleicher Concordant geöffnet / as 
ker Der Streit gehet alsbalde an umb die Uberwindung zwiſchen 
Finſternuͤß und Liecht. 

5x. Alſo iſt uns nun zu entſinnen / was doch dem Mercurio zu 
thüun ſey / fo er ſich in Hitze oder Kaͤlte ent zuͤndet haͤtte / dardurch 
er Kranckheit und Wehethun erwecket: So waͤre nun wohl gut / 
daß man die rechte Cur haͤtte / aber es wil leßder ſehr verdeckt blei> 
ben / wegen des Fluchs der Erden / auch der Menſchen Greuel und 
‚Sünden halben / dag ſie ihnen Diele Gifft im Mercurio mitihrer 
viehiſchen Unordnung ſelber erwecken / ſo thut doch aber dem ar⸗ 
men Gefangenen die Erledigung noht / und ſo man nicht mag das 
hohe Univerſal haben / welches das Centrum angreiffet / und des 
Lebens Rad in feine erſte Eigenſchafft einfuͤhret fo mug man 
auß dem Mercurialiſchen Sude der Erden / ſeine Frucht darzu 
nehmen: weil der Menſchliche Leib auch iſt irrdiſch worden / ſo 
mug man eine Gleichheit mit der andern concordiren / ein Saltz 
mitdemandern / als wie die Auzuͤndung im Saltze des Coͤrpers 
iſt; in was für Eigenſchafft der Schwefel entzuͤndet iſt / in Hitze 
oder Kalte / in Melancoly oder Sucht / ob der Schwefel im Coͤr⸗ 
per verbrannt waͤre / und in eine Faͤule gerathen / oder aber — * 
friſch und im kalten oder hitzigen Feuer brennete / eben ein ſolche 
Kraut / und ein ſolcher Schwefel gehoͤret indie Cur / damit it 
die Hige oder Kaͤlte / von einer frembden Macht / weldein fie 
komt / im Salniter / da das Saltz urſtaͤndet / erſchrecke / und ein 
toͤdlich Saltz gebaͤhre / und das Trauer-hauß mehr auffſchlieſſe. 

52. Aber in ſeiner wilden Yet) und Eigenſchafft / wie es auß der 
Erden Sude auswaͤchſet / iſts nicht genug: Es vermag die Wurtzel 
‚des entzündeten Mercurii im Schwefelnicht uͤberwaͤltigen / ſon⸗ 
dern zuͤndet fie ſehrer in ſolcher Quaal und Eigenſchafft an. 

53. Was du wilt daß dem Leibe wiederfahren ſoll / das muß 
Bon che deine wiederfahren / das den Leib curiren ſoll / fauler 
Kranckheit gehoͤret cin fauler Schwefel in die Eur / deßgleichen 

kalten und hitzigen. In welchem Grad des Feuers oder der Kalte 
Mercurius entzuͤndet iſt / und in welcher Geſtalt unter den ſteben 
Eigenſchafften der Natur / das iß / welches Saltz unter den ſieben 
Saͤltzen entzuͤndet iſt / eben ein ſolches Saltz gehoͤret in die Cur. 

54. Dann Kranckheit iſt ein Hunger / dieſer begehret nur ſeia 
ner Gleichheit: Nun iſt aber die Eigenſchafft deſſelben Lebens / 
welches in ſeinem Anfange feines Urſtandes iſt ing reuden geſtan⸗ 


den / die Wurtzel: Und die Kranckheit iſt ihr uͤber⸗ maͤſſiges An⸗ 


zuͤnden / davon die Ordnung zertrennet wird / ſo begehret die 
H 2 Wurtzel 


a 


172 DeSıonarura Cap. 13. 


Wurtzel in ihrem Hunger die Gleichheit / aber die Anzündung 
hat ihr die genommen / jetzt ift die Anzündung ftärder als die 
Wurtzel / fo muß man der Anzündung ihren Hunger ftillen / 
und ihr das eingeben was fie felber ift. 

55. Aber wie uns GHtt mit feiner Liebe curirete / und zur 
Geſundheit der Seelen brachte / als wir diefelbe im vergifften 
Mercurio feines Zorns entzündet hatten / alfo im gleichen muß 
arsch zuvoren diefe Gleichheit curiret werden / undim Mercuria- 
liſchen Nad umbgeführet / und von der Hige und Kälte entledi> 
get / zwar nicht davon genommen (das magnichtfeyn/ ware 
auch nichts nüge/ ) aber in feinchöchfte Frewde eingeführet wer» 
den. Alfdant wirds im Corpore, im Mercurio des Schwefels 
amd Galßes auch eine folche Eigenfchafft machen / dann die 
Wurtzel des Sebens erquicket fich wiederumb darinnen / und 
fuͤhret die erſte Begierde wieder in die Hohe, fo verſchwindet der 
Hunger im Zufall der Anzündung. 

56. So gehöret aber nun dem Medico zu wiffen / wie er mit 
den Medicamenten in der Gleichheit umbgehe/ daß er fienicht 
auch erzürne / undineine andere Eigenfehafft einführe / dann fie 
find eben in ihrer Eigenfchafft alsein menſchlich Leben / er muß 
fehen daß fie in ihrem Gradu bleiben / wie fie urfprünglich in ihrer 
Mutter gebohren find/ dann kein Ding vermag höher zu kommen / 
als es im Centro feines Urftands nach der Verborgenheit iſt. 

57. Soll es aber höher kommen / fo muß es eine andere Eigen» 
ſchafft an fich nehmen/ fo ifts nicht in feinem Gradu, und hat nicht 
feine eigene Tugend / fondern eine fremde / welches zwar wohl 
ſeyn kan /aber es hat fein Natur-recht verlohren/ darinnen feine 
Freude ftchet/ und kan in der Gleichheit feiner eigenen Natur 
nichts wuͤrckliches ausrichten. 

58. Darumb iſts nicht beffer / als dag ein jedes Dingin feiner 
angebohrnen Tugend gelaffen werde / nur daß manihme feinen 
Grimm in feine eigene Freude verwandele / dag feine eigene Tu⸗ 
gend nach dem guten Theilin die Höhe als ins Regiment einges 
führet werde / fo iftsin Gleichheit in allen Krandheiten mächtig 
genug ohne alle andere Einmifhung: Dann der Urfprung im 
Sehen begehret £eine andere Vielheit / fondern nurfeine Gleich 
heit] daß es in feiner Eigenfchafft ſtehen / leben und brennen 
möge. 

59. Die Krafft des Höhften hat allen und jeden Dingen 
nach ihrer Eigenfihafft eine fire Vollkommenheit gegeben / dann 
es ift alles ſehr gut geweſen wie Moyſes ſaget / ER 

Zug 


Cap. 14. Rerum, 173 
Fluch ift die Turba eingeführet worden / daß die Eigenfchafften 

im Streitdeg Mercurü ftchen / aber in jeder Eigenfchafft / in je⸗ 
dem Kraut / oder was das ſeyn mag / was immer oder je aus dem 
Sude der vier Elementen wächfer oder entfichet/ ijt auch ein fires 
verborgen / dannalle Ding/fo in den vier Elementen find/die find 
urfändlich aus dem eigen Element entfprumgen/ in welchen: 
fein Streit iſt / weder Hitze noch Kälte / fondern im gleichen Ge⸗ 
wichte aller Eigenſchafften in einem Liebe⸗Spiel / als es dann im 
Daradis alfo ift/ und daffelbe grünete im Anfang dieſer Welt 
vor dem Fluche durch) die Erde. 

60. Alto ifts auch noch in allen Dingen verborgen / und mag 
Doch durch Verſtand und Kunſt geöffnet werden / daß die erſte 
Zugend die entzündete Boßheit überwindet. Ob wir Menſchen 
wohl nichtden vollen Gewalt haben in eigener Macht zu fahren / 
fo gefihichts doch aber in GOttes Zulaffender feine Barmhertzig⸗ 
keit wieder in uns eingewendet / und das Daradis/ und deſſen 
Begriff im Menſchen wieder eroͤffnet hat. 

6r. Hat uns GOtt Macht gegeben ſeine Kinder zu werden / 
und über die Welt zu herrſchen / warumb nicht auch über den 
Fluch der Erden ? es folls einer für unmöglich halten / es gehoͤ⸗ 
ret nur ein Goͤttlicher Derftand und Erfäntnußdarsu : Wel⸗ 
cher foll blühen in der Zeit der Lilien / und nichfin Babel / de⸗ 
nen wir auch nichts getchrieben haben. 


Das ı4. Capittel. 

Vom Made Sulphuris, Mercurii und Salis: Bon der Ge: 
bährung Gutes und Böfes / wie fich eines ins ander 
verwandelt! und wie eines im andern feine Eigens 
ſchafft offenbahret/ und bleiben doch in der erften 
Schöpfung im Wunder GHDttes zu feiner 
ſelbſt⸗Offenbahrung und Serzlig: 


keit fteben. 
Iſt eine offenbahre Pforteder obangedeuten Befchreibung. 
I. In jeder fpricht: Zeige mir den Weeg zur Offen 


le bahrung des Guten. Höre liebe Vernunfft / du 
muſt felber ver Weeg werden / der Verſtand mug 

in dir gebohren werden / anvderft Ean ich ihn die 
nicht zeigen] du muſt dahin gchen/ daß dir der Ber» 
53 Fand 


ı 


4 


174 Ds Sicnarura Cap. 14. 


fand in Handgriffen/ damit ic nicht umgehe / geöffnet werde: 
ich Schreibe alleine in dem Geiſt des Schawens / wie die Gebaͤh⸗ 
zung zu Guten und Böfen ſeye / und eröffne den Brunn das 
Waſſer folder fchöpffen / den SOtt darzu verordnet hat /ich will 
allhie nur das Rad des Lebens / was es in ſich iſt / beſchreiben. 

2. Wann ich nun ſage vom Sulphure, Mercurio und ſSale, ſo 
ſage ich von einem einigen Dinge / es ſey geiſtlich oder leiblich / 
alle beſchaffene Ding ſind das einige Ding / aber die Eigenſchaff⸗ 
ken in der Gebaͤzrung dieſes einigen Dings geben Unterſcheide / 
Dan wann ich gleich einen Menſchen / oder Loͤwen / Beeren / Wolff / 
Hafen oder ander Thier / ſo wohl Wurtzel / Kraut / Holtz oder 
was es immer genannt ſeyn moͤchte / nennete / ſo iſts daſſelbe ei⸗ 
nige Ding. 

3. Alles was Coͤrperlich iſt / das iſt daſſelbe Weſen: die Kraͤu⸗ 
ter und Baͤume / ſo wohl als die Lebhafften / aber ein jedes in ſei⸗ 
nem Unterſcheid des erſten Anfangs / wie ſich die Eigenſchafft im 
Verbo Fiat in jedem Dinge imprimiret hat: Alſo ut auch daſſelbe 
Geſchlechte in feiner Fortpflaͤntzung / und ſtehet alles iin Saa⸗ 
men und Wiedergebaͤhren / und iſt gar kein Ding/ es hat ein fires 
in ſich 05 ſey verborgen over ofſenbahr / Dann es folkalles zu 
GHttes Heraligreit ſtehen. 

4. Was aus dem ewigen Fixen iſt geurftändet/ als Engelund 
Menfchen-Seelen /vie bleiben in ihrem firen Weſen ſtehen / un⸗ 

erbrechlich: was aber in dem unfiren/ als mit Bewegung der 
er geurſtaͤndet iſt / das gehet wieder in die erfte Bewegung / dar⸗ 
aus es feinen Urftand genommen hat und iſt ein Modell feiner 
hiegehabten Bildnuͤß / gleich einem Spiegel-glaft / als ein Bilde _ 
im Spiegel das unlebhafft iſt / dann alſo ifts von Ewigkeit ges 
wefen vor den Zeiten der Welt / welches der Höchste hat in ein 
Bilde ins begreiffliche natürliche Leben in die Zeif eingefuͤhret / 
zu fhawen die groffen Wunder feiner Weißheit / in einem crea⸗ 
tuͤrlichen Weſen / wie vor Augen ſtehet. 


5. Nun iſt uns die einige Muster zu betrachten / wie dieſelbte 


in ihrer Eigenſchafft fen / daraus die unzaͤhliche Vielheit ent⸗ 
ſtehet / und immerdar entſtanden iſt / und wie fie Leben und Tod / 
oͤſes und Gutes erbiehret / und wie alle Dinge moͤgen wiederumb 

in ihr Erſtes gebracht werden / als an den Ort / da es geurſtaͤndet 
iſt / zu welchem der Tod als das Sterben die groͤſte Geheimnuͤßziſt. 
6. Dann kein Ding das aus ſeiner erſten Ordnung / wie es 
die Mutter erbohren hat / getretten iſt / mag wieder zu ruͤcke gehen / 
und mit der angenommenen Ordnung in ſeine Wurtzeleintret⸗ 
nd 





ij ; 

Eap.I£. :- ReruMm 17$ 
Ten / es erſterbe dann wieder mit feiner angenommenen Hrdnung 
in feiner Mutter / alsdann ifis wieder am Ende/ undinden 
Loco daraus es geſchaffen ward] fo ſtehets wieder im Verbo Fiar, 
als im Ziel feiner Ordnung im ausgefprochenen Worte / und mag, 
wiederumb in das eingehen / das es im Anfangwar/ ehe es coͤr⸗ 
perlich ward: Allda iſts gut / Dann cs ſtehet wiederumb in deine 
daraus es gieng. 

7. So iſt uns nun der Anfang aller Dinge zu betrachten / dann 
wir koͤnnen nicht ſagen / daß dieſe Welt ſey aus Etwas gemacht 
worden / es iſt nur bloß eine Begierde aus der Freyheit Luft ge⸗ 
weſen / dag ſich der Ungrund / als das hoͤchſte Gut oder Weſen/ 
als der ewige Wille in der Luſt ſchawe / alsin einem Spiegel / ſo 
hat der ewige Wille die Luſt gefaſſet / und in eine Begierde einge⸗ 
führet / welche ſich hat imorelſet / und figurlich und cörperlich ge= 
macht / beydes zu einem Leibe und Geiſte nach derfelben Impreſ- 
fion Eigenſchafft / wie ſich die Impreflion hat in Geſtaltnuͤß ein⸗ 
geführet / dadurch die Moͤglichkeiten ſeynd in der Impreflion als 
sine Natur entftanden. | 

8. Dieſelbe Inipreflion ift die einige Mutter des Myfterii Of⸗ 
fenbahrung / und peiffet Natur und Weſen / dann fir offenbahret 
was im ewigen Willen iſt von Ewigkeit je geweſen: fo ijtuns 
doch zu entſinnen / daß in der Ewigkeit ſey eine Natur im ewigen 
Willen geweſen / als ein ewig Gemuͤhte / aber fie iſt in den Wil 
len nur ein Geilt geweſen / und ihr Weſen der Moͤglichkeit nicht 
offenbahret / als nur im Spiel des Willens / welches iſt die ewige 
Weißheit / darinnen alle Dinge in dieſer Welt ſeynd in zweyen 
Centris erkannt worden / als nach Feuer und Liecht / und dann 
zum andern nach Finſternuͤß und Weſen / welches alles iſt mie 
der Bewegung des ewigen Willens durch die Begierde im Wil⸗ 
ben in ein offenbahrlich Myſterium eingetretten / und ſich in sine 
offenbahrliche Moͤglichkeit eingeſghret hat. 

9. Das iſt nun das ausgeſprochene oder offenbahre Weſen aus 
der Ewigkeit in cine Zeit / und ſtehet in obgemelten Geſtalten / 
im Sulphure, Mexcurio und Sale, da zwar keine ven der andern 
getrennet und abweſende iſt / es iſt ein ewig Weſen / und Ägeriref 
ſich in die Eigenſchafften der Begierde nat der Möglichfritvder 
Offenbahrung / und ift uns alfo zu verfichen / daß eine Eigen 
ſchafft ohne Die andere nicht ſeyn koͤnte / fie ſeynd alleſambt nur 
dieſelbe einige Möglichkeit /fo wollen wir jego nur von ihren Uns 
terſcheiden reden / wie fich dieſelbe einige Möglichkeitin Gutes 
und Boͤſes / als in ſtillen Friede und in fräte Unruhe einführet. 

54 10. Wir 


176 De Sıcnarura Cap. 14. 


zo. Wir empfinden fürnehmlichen fieben Eigenfchafften is 
ver Natur/ damit dieſe einige Wiutter alles würdet / das ſeynd 
dieſe: Als erſtlich die Begierde / Die ift herbe / kalt hart und fin⸗ 
fer. Zum andern] Bitter) das iſt ver Stachel des herben harten 
inſichziehens / der if die Urfacheniler Beweglichkeit und Kebens. 
Zum dritten / Angſt / wegen des Wuͤtens in der Impreflion , da 
Die ingepreffete Härtigkeit wegen des Stachels in ein gerbrochen 
Angft und Wehthun komt. Zum vierdten / Feuer / da ſich der 
ewige Wille in dieſer Angſt-begierde in einen ängftkichen ſchie⸗ 
lenden Blig einführet/ als cine Staͤrcke und Verzehrlichkeit der 
Sinfternüg/ mit welchen die Haͤrtigkeit wieder verzehret/ und 
in einen cörperfichen webenden Geift eingeführet wird. Zum 
fünfften/des freyen Willens Yusgehung aus der Finſternuͤß / 
und aus dem Feuer / und in fich felber wohnen : Allda der freye 
Wille den Glans an fich genommen hat/dag er leuchtet und fchei> 
net als cin Liecht aus dem Feuer /umd die gewaltige Begierde des 
freyen Willens / welche er im Feuer gefehärffer hat / in deme er 
am Feuer des Weſens der Finſternuͤß der erften Geftalt ift ab» 
geftorben / und verzehret iſt / zeicht er ihme jeßt in des Liechts Be= 
gierde das Weſen aus den Feuer-ſterben / nach feinem Hunger 
in fich / das iſt nun Waſſer / und im Glan iſt es Tindur vom 
Feuer und Liecht / als eine Liebe⸗Begierde / oder eine Schoͤnheit 
der Farben / und allhie urſtaͤnden alle Farben / wie wir in den an⸗ 
Bern Buͤchern/ ſonderlich im dreyfachen Leben des Menſchen gantz 
ausgefuͤhret haben. Zum ſechſten / die Stimme und Klang / wel⸗ 
ches in der erſten Geftalt nur ein pochen oder Gethoͤn von der 
Haͤrte iſt / und im Feuer derfelben erftorben ift / und aber in der 
fünfften Geftalt inder Siche- Begierde / wieder aus den fterben 
Des Feuers im Licchtes-glantz in der Tinctar wieder in lichlicher 
Eigenfchafft / alsein Halleingefaffet wird / darinnen die fünff 
Senfus ‚als Hören/ Schen/ Fuͤhlen / Riechen und Schmäden in 
Der Tindtur des Sicchts vom Feuer entftchen. Zum fiebenden/das 
Menftruum oder der Saame aller diefer Geſtalten / welches die 
Begierde in ein geeiflich Corpus oder Weſen impreſſet / darinnen 
alles lieget: Was die ſechs Geſtalte Geiſtlich ſeynd / das iſt die 
ſiebende im Weſen. 


11. Das ſeynd alſo die ſteben Geſtalten der Mutter aller 


Weſen / daraus alles erbohren wird was in dieſer Welt iſt: Und 
uͤber dieſes hat der Hoͤchſte ſolche Eigenſchafften wie dieſe Mut⸗ 


ter in ihren ringenden Geſtalten iſt (verſtehet wie fie ſich mit dem 


Ringen in Eigenſchafften einfuͤhret) im ein Rad / nach dieſer 
Mutter 


Cap. 14: Rerum 177: 


Mutter eingeführt und geſchaffen / das ift gleich wie ein Gemuͤ⸗ 
te der Mutter/ daraus fie immer ſchoͤpffet und würdet: Das 
find Die Sternen mit dem planetiſchen Rade / nach dem Modell 
des ewigen Geſtirns / welches nur ein Geiſt / und das ewige Ge⸗ 
muͤht in der Weißheit GOttes iſt / als die ewige Natur / daraus 
die ewigen Geiſter ſind in ein Geſe choͤpffe gangen und deingetretten. 

12. liber dieſes hat der höchfte dieſes Nades Eigenſchafft i ine 
Weben / alsein schen in vier Ambtmaͤnner cingeführet/ welche 
in der Mutter der Gebaͤhrerin das Regiment fuͤhren / das 
ſeynd die vier Elementa , welchen das Rad des Gemuͤhtes / 
als das Geftirne/ Willen und Begierde gibt/ daß alfo dieſes 
gantze Weſen nur ein einig Ding iſt / und aber alſo proportioni⸗ 
ret / als ein Gemuͤth eines Menſchen; wie er iſt in Seelund 
Leib / alſo iſt auch dieſes einige Weſen: dann er iſt aus dieſem 
gantzen Weſen in ein Bilde nach der Ewigkeit und Zeit / aus E—⸗ 
wigkeit nach der Seelen] und aus Zeit nach dem aͤuſſern Weſen 
geſchaffen worden / als ein Gleichnuͤß und Bilde der Ewigkeit 
und Zeit / beydes nach dem ewigen Willen und Gemuͤth / und 
nach demſelben Weſen / ſo wohl auch nach der Zeit Gemuͤthe und 
Weſen. 

13. So iſt uns jetzt dieſes ſulphuriſche Rad aller Weſen recht 
wohi zu betrachten / wie ſich die Eigenſchafften in Gutes und Boͤ⸗ 
ſes einfuͤhren / und auch aus Guten und Voͤſem wieder aus» 
führen. 

14. Dielmpreflion oder Begierde] als die erſte Geſtalt zur 
Natur / welche auch das Fiar heiſſet und iſt / die Mifer der Be⸗ 

gierde Eigenfchafft nad) aller fieten Geſtalten Eigenſchafft in 
7 und impreffet fte/dag aus dem Nichts ein Weſen wird/nach 
den Eigenfchafften der Willen, Nun iſt ihre feldft-Eigenfchafft/ 
in deme ſie nur eine Begierde iſt / und ſich ſe lber impreſſet / nur 
finſter / und gibt Haͤrtigkeit / als ein Pochen / welches eine Ur⸗ 
ſache des Thones oder des Halles ift / welcher im Feuer / als in 
Der vierdten Eigenfihafft noch härter wird/allda die Grobyeit er⸗ 
ſtirbet / und in der fünfften Geſtalt / als in der Liebe-Begierde 
wieder gefaſſet wird / und in feiner felbft-Eigenfchafft wieder in 
der Liebe-Begierde ausgehet / und die ſechſte Geſtalt / als den 
Hall oder Thon aus dem Fcuer und Waſſer machet. 

ıs. Nun entſtehet dieſer Thon oder Hall welcher Merzurius 
heiſſet / in der erſten Geſtalt / alsin der Impreflion wegen des 
Willens und ver Begierde in fich Ziehens / dann das Ziehen 
— die Beweglichkeit] und den Stachel in der Hirkigkeit J 

9 welches 













178 Dre Sıenatura Cap.i4. 


welches man unterfcheidet / und vie andere Geſtalt heiſſet / ift 
eber ein Sohn der erſten / und in der erften. 

16.Diefelbe andere Geſtalt oder Eigenfchafft ift das Witten 
Stechen und Bitter-⸗wethun / dann die erſte iſt herbe/ und die 
ander ift das Sieben; als die Begierde in ein Weſen / daſſelbe 
Weſen iſt des erften Eigenfchafft / und das Steben machet darin⸗ 
nen die andere Eigenſchafft / als ein Bitter Stechen / welches 
Die Härte nicht leyden kan / dann fie wil ſtille ſeyn / und impreſ⸗ 
fer fich Degwegen ſehrer / den Stachel zu halten / dadurch Doch der 
Stachel nur gröffer wird / ſo wil alsdann die Harte/ als dic here 
bein fich/ und ver Stachel als die Haͤrte über ich: dannenher 
Die erjte Seindfchafft und Widerwille entſtehet / dann die zwo 
Geftälterwelche doch nur eine ſeynd / machen ſich zum ſelb ſt-Fein⸗ 
De / und waͤre doch auch Fein Weſen / weder Leib noch Geiſt / auch 
keine Dffenbayrung der Ewigkeit des Ungrundes / fo dieſes 
nicht waͤre. 

17. So aber nun der bittere Stachel nicht uͤber ſich kan / und 
die Haͤrtigkeit ihn auch wicht halten und einſchlieſſen kan / ſo ge⸗ 
rahten fie in ein Drehen oder Durchbrechen / gleich einem Raͤde 
welches in ſich gehet als cin ſchrecklich Weſen / da die zwo Eigen» 
ſchafften nur füreine erkannt werden / und bleibet doch eine jede 
an fich ſelbſt unveränvert/und gebahren aus fich die Dritte Eigene" 
ſchafft zwischen beyden / als Die groffe Angſt / aus welcher der 
Miile/verftepetder erfte Wille zur Natur / begehret auszugehen? 
wieder in die Freyheit / als ins Nichts / als in die ewige Ruhe / 
dann alſo hat er ſich jetzt allhier funden / und ſelber offenbahret 
und iſt doch kein Abtrennen oder Weichen. 

18. Und dieſe Angſt⸗geſtalt iſt die Mutter des Sulphuris, dan 
Der Stachel macht ſie peinlich / und die Herbigkeit impreſſet fie / 
Das ſie iſt als eine ſterbende Quaal / und iſt doch der wahre Urſtand 
zum Leben. Sie hat zwo Eigenſchafften in ſich / als nach der Im- 
preſſion oder Begierde iſt fie finſter und hart und nach des Wil⸗ 
kens Begierde / welcher von der Angſt wil frey ſeyn / und wieder in 
Die Freyheit eingehet / iſt ſie Geiſtlich und Sicchte / und der Sta— 
chel zerbricht ihr gefaſt Weſen / das die herbe Begierde in ſich 
faſſet / daß ihr Weſen hart und ſproͤde iſt / und gang ſchielicht als 
ein Blitz / und ſolches von der Finſternuͤß / und vonder Begierde 
Des Liechts / als zur Freyheit. 

19. Nun ſeynd dieſe drey Geſtaͤlte ineinem Weſen / gleich als 
ein wuͤtender Geiſt / und die Begierde impreſſet dieſe Eigenſchaff⸗ 
ten / daß nach jeder Eigenſchafft Weſen wird / als nach der herben 

finſtern 


— — — — — 


— 
— —— 


* . Pi 
en rigen 
EN DEDREEOR 








Capt4 -.: Rerum'.- 179 


finftern Begierde / als nach dem erften Urſtand wird irrdiſch 
Weſen /aus welcher im Anfang der groffen Bewegnuͤß ift Erde 
worden / und nad) der bitteen/wütenden Begierde wird das Trei⸗ 
ben im Wefen als ein Gifft / und impreſſet ich auch mit im We⸗— 
fer / davon die Irrdigkeit gang eckel und bitter ift / und die dritte 
Geſtalt / als die Angſt gibt eine ſchwefeliſche Eigenſchafft darein / 
und kan doch allhie noch kein Weſen ſeyn / ſondern es iſt nur ein 
geiſtlich Weſen / und die Mutter zum Weſen. 
20. Die vierdte Geſtalt in dieſem Weſen iſt das Feuer / das 


nimt feinen Urftand an cinem Theil aus der finftern harten Im- 


pteſſion, als von der Härte und vom wätenden Stachelin der 
Angſt / das ift kalt finſter Feuer / und das Wehe der groffen Kälte] 
und am andern Theil nimts ſeinen Urſtand im Willen-geiſte zur 
Natur / der aus dieſer harten finſtern Kälte wieder in ſich gehet / 
als in die Freyheit auſſer der Natur der ſtrengen Bewegnuͤß / 
und zuͤndet die Freyheit / als die ewige Luſt zur Begierde der Nas 
fur mir feiner Schaͤrffe / welche er in der Impreflion hat einpfan⸗ 
gen / an / davon fic beweglich und cin webender Schein if. 

21. Dann die Freyheit iſt weder finſter noch licht: aber von 
der Bewegnuͤß wird fie liecht / dann ihre Luſt faſſet ſich in die Be⸗ 
gierde zum Liechte / daß ſie im Liechte und Glantz offenbahr werde / 
und mag doch auch anderſt nicht geſchehen / als durch Finſternuͤß / 
auff dag das Liecht erkannt und offenbahr werde / und ſich das 
ewige Gemuͤth ſelber finde und offenbahre / dann ein Wille iſt 
nur ein Ding und Weſen / aber durch die Vielheit wird feine Ge⸗ 
ſtalt offenbahret / daß er unendlich und ein eisel Wunder iſt / da⸗ 
von wir mit einer Kinder-Zungen reden / nur als ein Funcke aus 
denſelben groſſen unendlichen Wundern. 

22. So verſtehet uns nun alſo: Die Freyheit iſt und ſtehet in 
der Finſternuͤß / und gegen der finſtern Begierde nach des Liechts 
Begierde / ſie ergreiffet mit dem ewigen Willen die Finſternuͤß: 
und die Finſternuͤß greiffet nachdem Liechte der Freyheit / und 
kan es nicht erreichen / dann ſie ſchleuſt ſich mit der Begierde ſel⸗ 
ber in ſich zu / und macht ih in ſich ſelber zur Finſternuͤß und 
aus dieſen beyden / als aus der finſtern Impreſſion, und aus des 
Liechts oder Freyheit Begierde gegen der Impreſſion, wird in der 
Iwpreſſion der ſchielende Blitz / als der Urſtand des Feuers / dann 
Die Freyheit erſcheinet in der Impreflion , aber die Impreilion in 
der Angſt ergreiffet fie in fich / fo iſts nur als ein Blis: weilaber 


die Freyheit unfaglich / undals ein Nichts / darzu auffer und vor 


der Impreflion ift/ uñ keinen Grund hat / ſo kan ſie die Impreſſion 
26 nicht 


# 


180 DESIGNATURA Cap. 14. 


nicht faſſen oder halten / ſondern ſie ergibet ſich indie Freyheit / 
und die Freyheit verſchlingt ihre finſtere Eigenſchafft und We— 
ſen / und regieret mit der angenommenen Beweglichkeit in der 
Finſternuͤß / der Finſternuͤß unergriffen. 

23. Alſo iſt indem Feuer eine Verzehrlichkeit / die Schärffe 
des Feuers iſt aus der ſtrengen Impreſſion der Kaͤlte und Bitter⸗ 
keit / aus der Angſt; und die Verzehrlichkeit iſt aus der Freyheit/ 
die aus dem Etwas wieder ein Nichts nach feiner Eigenſchafft 
machet / und verfichet uns ja recht; die Freyheit wil nicht ein 
Nichts ſeyn / dann darumb führer fich die $uft der $repheit in Nas 
tur und Weſen cin / daß fie wil in Krafft Wunder und Weſen 
offendahr ſeyn: Sie nimt alfo dur die Schärffe in der Falten 
und finftern Impreflion die Eigenfchafften an ſich / das fie die 
Krafftder Freyheitmag offenbahren/danı fie vergehretim Feuer 
das finftere Weſen / und gehet aus dem Feuer misden geiftlichen 
Eigenſchafften aus der Angſt der Impreſſion im Liechte aus / wie 
ihr ſehet / daß das aͤuſſere Liecht alſo aus dem Feuer ausſcheinet / 
und hat nicht des feuers Quaal und Pein an ſich / ſondern nur die 
Eigenſchafft: Das Liecht offenbahret die Eigenſchafften der Fin⸗ 
ſternuͤß / und nur in ſich ſelber / die Finſternuͤß bleibet in ſich ſin⸗ 
ſter / und das Liecht in ſich liecht. 

24. Die Freyheit (welche GOtt heiſſet) iſt des Liechts Urſache / 
und die Impreflion der Begierde iſt der Finfternüg und ver pein⸗ 
lichen Quaal Urfache. So verftchet nun in diefen zwey ewige 
Anfaͤnge / als zwey Priucipia, eines inder Freyheit im Liechte / 
Das ander inder Imprefhion in der Pein und Quaalder Finſter⸗ 
nuͤß / ein jedes in fich filber wohnende. 

25. Run mercket wohl derer Eröffnung Wefen nnd Willen? 
wie die Natur in fichen Eigenfchafften eingeführet werde: Dann 
wir.reden nicht vom Anfange/dannes iftin der Ewigkeit Feiner / 
ſondern alfo ift die ewige Gebährung von Ewigfeitin Ewigkeit 
in fich fe.ber / und dieſelbe ewige Gebaͤhrung hat fich nach der €» 
wigkeit Eigenfihafft durch ihre feldft- Begierde und Bewegnuͤß 
mit diefer fihtbahren Welt / als mit einer Gleichnuͤß des ewigen 
Geiftes in ein folch Gefchöpffe/ gleich einem Fürbild des Ewigen / 
an cine Zeit eingeführet/ darvon wir wollen hernach reden/un an⸗ 
zeigen was die Ereatur fey: Als nehmlich eine Gleichnuͤß der ewige 
Wuͤrckung / uñ wie fiedaffelbe Würden auch zeitlich in ſich habe. 

26. So verftchet uns num alfo vom Feuer / das Feuer ift das 
Principium aller $ebenjes gibtder Finfternüß Eſſentz und Quaal / 
font wäre keine Feindligkeit in ver Finſternuͤß / auch Erin 2 

0Ba 





Cap. 14. Rerum 181 


ſondern eitel Haͤrtigkeit / und harter / ſcharffer / bitterer/ rawer 
Stachel / als es dann in Wahrheit in der ewigen Finſternuͤß al⸗ 
fo iſt: Aber fo weit Das hitzige Feuer mag erreichet werden / fo 
ſtehet die finfter ſtachlichte Eigenfchafft/ im auffſteigenden begie= 
rigen Weſen / gleich einer ſchrecklichen Unfinnigkeit/ auff dag er⸗ 
kannt werde / was Weißheit und Thorheitfey / fo gibt das Feuer 
auch dem Liecht als der Freyheit Begierde/ / Quaal und Eigens 
fihafften ; Jedoch verfichet dietes : 

27. Die Freyheit / alsdas Nichts / hat in fich felber fein We— 
ſen / fondern die Imprefüon der firengen Begierde macht das erfte 
Weſen / das niut der Willen⸗geiſt der Freyheit / der ſich durch 
die Natur der Begierde offenbahret / in ſich / und fuͤhrets durchs 
Feuer aus / da dann im Feuer die Grobheit / als die Rawigkeit 
erſtirbet; das verſtehet alſo: 

28. Wann der Blitz des Feuers die finſtere Weſenheit errei⸗ 
chet / ſo iſts ein groſſer Schrack / davon das kalte Feuer erſchrickt/ 
und gleich wie erſtirbet / unmaͤchtig wird/un unterſich ſincket. Und 
dieſer Schrack geſchicht in der Anzuͤndung des Feuers im Weſen 
der Angſt: der hat zwo Eigenſchafften in ſich / als eine gehet unter 
ſich in die Todes Eigenſchafft / als eine Ertoͤdtung des kalten 
Feuers / davon das Waſſer / und nach der Grobheit die Erde 
entſtanden iſt / und der ander Theil gehet im Willen der Freyheit 
in der Luſt / als ein Schrack der Freudenreich über ſich / fo iſt dafs 
ſelbe Weſen im Schracke auch im Feuer getoͤdtet / verſtehet des 
Falten Feuers Eigenſchafft / und gibet auch einen Waſſer⸗quaal / 
verſtehet ſolche Eigenſchafft. 

29. Nun macht aber der Blitz / wann er ſich von der Freyheit 
und vom kalten Feuer entzuͤndet / in ſeiner Auffgehung ein Fr/mit 


Umbfaſſung aller Eigenſchafften / dann allhie urſtaͤndet der Geiſt 


im Weſen / und das ſtehet alfo: 7 Haſtu allhie Verſtand/ 
ſo darfſtu nicht mehr fragen / es iſt Fwigteit und Zeit: GOtt 
in Siebe und Zorn / darzu Himmel und Hölle, Das unter— 
heil alfo G iſt das erſte Principium, undift die ewige Nas 
Zur im Zorn als das Reich der Finfternüg in fich felber woh: 
nende / unddas DObertheil ( * mit dieſer Figur) iſt der Sala 
niter / das obere K uͤberm Zirckel iſt das Reich der Glory / 


welches im Schracke der Freudenreich in dem Willen der freyen 


Luſt in ſich aus dem Feuer im Liechts-glantze in Krafft der Frey⸗ 
heit ausgehet / und daſſelbe Geiſt-waſſer / das im Schracke der 
Freudenreich mit auffgehet / iſt der freyen Luſt Leiblichkeit oder 

87 Wefens 





132 Dez Sıewatura Cap. 14: 


Weſenheit / in welchem der Glanz vom Feuer und Lichte eine 
Tinctur machet Jalsein Grünen und Wachfen / und eine Offen» 
kahrung der Farben vom Feuer und $icchte. 

30. Diefe Geftalt des Scheidens zwifchen der lebendigen 
und toden Weſenheit iſt die fünffte Geſtalt / und heiſſet die 
Liebe⸗ begierde; ihr Urftand iſt aus der Freyheit / welche fich im 
Feuer hat in eine Begierde eingeführet/ als aus der Freyheit 
Luſt / in die ſchoͤne und feurifche Auffſteigen der Freudenreich / als 
einer Flamme der Liebe / die impreflet in ihrer Siebesbegierde auch 
die Eigenſchafften deſſen / was fte im Willen des ewigen Gemuͤths / 
welcher ſich Durch die Feuer⸗ſchaͤrffe wieder in ſich außfuͤhret / hat 
empfangen / als die erſten Eigenſchafften / ſo in der erſten Impres- 
Ron entſtehen / als von der Beweglichkeit und Raͤgung / und aus 
der Angſt wird die Freudenreich. 

31. Dann das iſt Freude / daß der Wille zur Natur von der 
finſtern Angſt erlediget und frey ift/fonft waͤre kein Wiſfen / was 
Freude waͤre / ſo nicht eine peinliche Quaal waͤre / und in ſeiner 
Liebe-begierde empfaͤhet er die erſten Eigenſchafften in ver erſten 
Imprefion, die theilen ſich in dieſer Begierde in fuͤnff Geftalten / 
als vom Feuer-blig in Schen : Den das Waffer der Liebe Frieget 
den Glan der Tintur, darinnen fichet das Sehen ; und von der 
Härte /als vom Durchdringen des Stachels in der Härte/ das 
Hören / das indemfelben Nichtsals in der Freyheit / ein Schaf. 
wird / welchen die Tinctur faſſet / und im Waſſer der Begierde 
augführet -undvom Stachel des Wuͤtens / das Fühlen) dag eine 
Eigenfihafft die andere fühler / dann wann alle Eigenſchafften 
nur eine wären / fo wäre fein Schen / Hören oder Fühlen / auch 
fein Berftand ; und vom inqualiren/ dag eine Eigenfchafftinder 
andern entftchet / aber mit anderer Eigenfihafft/ der Geſchmack 
Und vom Geift des Außgehens der Eigenfihafften (in dehme der 
Außgang jeder Eigenſchafft in die andere eingehet ) der Geruch. 

32. Dieſe fünff Eigenſchafften machen num in derLiebe-begier⸗ 
De / als in der fünfften Geſtalt zuſammen / die ſechſte / das ift der 
Thon oder Stimme als eine Hffenbahrung aller Geftälte in 
—— — / welches die feuriſche Liecht-begierde mit 

emnGeiſt⸗waſſer umbſchleuſt / als ein einig Weſen / das iſt nun 
des feuriſchen Willens / welcher ſich im Liechte außfuͤhret / ſein 
Weſen darinnen er wuͤrcket / und machet die ſiebende Geſtalt / 
als cine Wohne der ſechſe / aus welcher das Weſen und Regi⸗ 
ment diefer fichtbahren Welt ift erbohren/ und in cine Form nach 


der ewigen Gebuhrt Recht / eingefuͤhret worden, 
33. Nun 


Cap. 14. Rerum 183 


33. Nunmerdetsrecht/ wirverftchen hiemitnicht einen An⸗ 
fang der Gottheit / fondern die Offenbahrung der Gottheit. Die 
Gottheit wird hierinnen in Dreyfaltigkeit erkannt und offen 
bahret: Die Gottheit ift die ewige Freyheit auſſer aller Natur/ 
als der ewige Ungrumd aber fte führer ich ſelber alfo in Grund 
zu ihrer felbft-Offenbahrung / und zur ewigen Weißheit und 
Wunderthat ein. 

34. Derewige Batterwirdim Feuer offenbahret / der Sohn 
im Liecht des Feuers / und der Heil. Geift in der Krafft des Le⸗ 
bens und Bewegnüs aus dem Feuer im Liecht der Sreudenreich / 
als die auggehende Krafft in der Liebe-flamme / wir reden nur 
ſtuͤck⸗ weiß vom Gansen nach creatuͤrlicher Arth. 

35. Die Gottheit iſt gang uͤberall alles in allem / aber nur 
und) dem Liechte der Liebe und nach Dem außgehenden Geiſte der 
Freudenreich heiſſet er GOtt / und nad) der finftern Impreffion 
heiffet er GOttes Zorn und die finftere Welt / und nach dem ewi⸗ 
gen Geiſt⸗feuer / heiſſet ereinverzehrend Feuer. Wir geben euch 
nur das Weſen aller Weſen zu verſtehen / deſſen Urſprung in 
ſich nur ein einig Weſen iſt / aber mit feiner ſelb ſt⸗ Offenbahrung 
in viel Weſen eingehet / als zu ſeiner Ehr und Herrligkeit / und 
wollen euch nun anzeigen / was das rreatüurliche Leben und Regi⸗ 
ment in dieſem allweſenden Weſen ſey. 

36. So verſtehet uns nun recht / Sulphur „Mercurius und Sal 
iſt in der Ewigkeit alles Geiſt; als ſich aber SOtt mit der ewigen 
Natut / darinnen feine ſelbſt⸗Offenbahrung ſtehet / hat beweget / 
fo hat er aus dem geiſtlichen Weſen ein greiffliches und offen⸗ 
bahrliches gebohren / und nach den ewigen Eigenfchafften in ein 
Geſchoͤpff eingefuͤhret / das ſtehet auch im Geiſt und Weſen nach 
der Ewigkeit Recht; fo wilich nun von dem aͤuſſeren Reich re= 
den / als von dem dritten Principio-oder Anfange / dann in dieſer 
Welt iſt auch Licht und Finſternuͤß ineinander / wie in der Ewig⸗ 
keit / GOtt hat dieſe Welt mit der Sonne (als mit einem Natur⸗ 
Gott der äufferenKräfften)begabet/er aber regieret darinnen als 
ein Herz: Das aͤuſſere iſt nur fein zubereitetes Werd / das er 
mit der Gleichheit regieret und machet / als wieder Meiſter mit 
dem Werckzeuge ſein Werck machet. 

37. Sulphur iſt in der aͤuſferen Mutter / als im Myſterio des 
groſſen GOttes feiner Offenbahrung / die erſte Mutter der Crea⸗ 
turen / dann ſie urſtaͤndet aus Finſternuͤß / Feuer und Liecht / ſte 
iſt im erſten Theil nach ver finſtern Impreflion herbe / bitter und 
Angſt / und am andern Theil gegen der Gottheit / als ein Gleich⸗ 

nüg 


184 DeSıcnatrura Cop. 14 


nuͤß der Gottheit iſt fie Feuer / Liecht und Waſſer / Pas ſcheidet 
ſich im Feuer in zwo Eigenſchafften / als nach der Ertoͤdtung in 
Waſſer / und nach dem geben in Oehle / in welchem das wahre Le⸗ 
ben aller Ereaturen der Aufferen Welt ftchet. 

38. Mercurius ift Das Rad der Bewegligkeit im Sulphur, er 
iſt auff einem Theil nach der finftern Impreflion der Wuͤter / 
Stecher/und die groſſe Unruhe / und fcheidet ſich imFeuer in feiner 
Mutter als im Sulphur auch in zwo Eigenſchafften / als in zweyer⸗ 
ley Waſſer / dann in der Ertoͤdtung des Feuers wird alles zum 
Waſſer / als in ein lebendiges Freudenreiches nad) dem Liechte / 
welches im Schwefel Silber gibet / als in der ſiebenden Eigen⸗ 
fhafft ver Natur / welches der Krafftefeibift / und im Feuer ift 
fein Waſſer Queckfilber/ und in der Herbigkeit / alsinder Angſt 
der Finfternüßifts ein Nuf oder Rauch. Darumb ſo man fei= 
nen aufferen Waſſer-leib ins Feuer bringet / verftchet/ dehn er 
im Sulphur von der wäfferigen Eigenfhafft annimt/ fo fleugt 
er alsein Rauch daron / dann im Feuer ſcheidet fich jede Eigen⸗ 
genſchafft wieder ins erfte Weſen / daraus es urſtaͤndlich iſt kom⸗ 
men / da alle Dinge nur ein Geiſt waren; Und dann zum andern 
ſcheidet er ſich nach dem Waſſer der finftern Impreflion in eine 
Gifft-quaal/ fo es doch für Erin XBaffer mag verftanden werden / 
fondern für ein leiblich Weſen des Geiſtes /dann wie des Geiſtes 
Eigenſchafft iſt / alfo ift auch fein XBaffer / alfo wirds im Feuers 

rad. 
h 39. Im Feuer-ſchrack vom Salniter entftehen mancherley 
Saͤltze und Kräffte: Dannalle Eigenfchafften des Geiftes find 
in der groffen Bewegnüg des Weſens aller Weſen keiblich wor» 
den / und in einSichtiges Greiffliches eingegangen. 

40. Derfelbe Schrad gefchicht in des Feuers Anzuͤndung / und 
impreffet fich auch in der Ertödfung des Feuers ausdes Warfers 
Urftand / ein Waffer nach) des Schrackes Eigenſchafft in ſich / 
welches doch viel mehr Feuer als Waſſer iſt /aber fein toͤdtlich 
Weſen ift Doch ein Waſſer nach des Schrackes Eigenſchafft / es 
iſt der Begriff aller Eigenſchafften / es führer in feinem Begriff / 
als im Feuer⸗ſchrack alle Eigenfchafften in ſich aus/und ergreiffet 
Die Eigenfchafften des Liechts in ihren Kräfften/ und auch die Ei⸗ 
genfchafft der finftern Impreffion in ihren Kräfften / und macht 
alles feurig / ein Theil nach der Kalte und ein Theil nach der Hitze / 
meiftentheils aber nach dem unendlichen Mercurio , welcher aller 
Weſen geben iſt / in Boͤſen und Guten / in Liecht und Sinfters 


auͤß. 
41. Dit⸗ 





Cap. 14. Rerum. 185 


41. Diefer Salniter iſt aller Saͤltze Mutter / In wachfenden _ 
und lebhaften Dingen /als Kräutern und Baͤumen / und allem 
Weſen / was ſchmaͤcket und reucht/da ift er die ergte Wurtzel nach 
jedes Dinges Eigenfchafft. Indem Guten/ (welche in der Liebe⸗ 
begierde im Oehle des Schwefes wachfen) iſt er gut / kraͤfftig und 
lieblich / und indem Boͤſen / in des Schwefels Angft/ift er boͤß / und 
in der Finſternuͤß iſt er das ewige Schrecken und Zagen / und im⸗ 
mer gerne im Schracke wollen über die Pforten im Feuer aus⸗ 
fliegen / davon der Wille aller Teufel / und aller Hoffahrt über 
die Demuth ver Ihebesbegierde augzufliegen entftchet /_ und im 
Feuer iſt ſeines Weſens Proba, wie man fichet wie er ftöffet/ und 
ſich im Blitze verzehret / als cin ſchneller Gedancke; Dann fein 
Weſen urſtaͤndet nicht in der Ewigkeit Weſen / kans auch nicht 
erben / ſondern in der Entzuͤndung des zeitlichen Feuers / aber im 
ewigen Geiſt wirds empfunden wegen des Auffſteigens der Sreu> 
denreich : Aber nach dem Weſen der Ertödtung / als nad) dem 
Sale des Waſſers beftchet er im Feuer [dann dieſelbe Eigen» 
feharft urftändet aus der erften Begierde / als im Weſen der 
erfien Imprefion , weldye Eigenfiyafft die Weiſen Saturnum 
nennen / darumb ift das Sals mancherley. 

42. Alle Schaͤrffe im Geſchmacke iſt Saltz / der gute Ge⸗ 
ſchmack urſtaͤndet aus dem oͤhliſchen Saltz / ſo wohl auch der Ge⸗ 
ruch / welcher der außgehende Geiſt iſt / in welchem die Tinctur 
als im Glaſt der Farben erſcheinet. 

43. Alſo verſtehet uns recht: Der Salniter im Feuer⸗ſchrack 
iſt die Theilung der Eigenfchafften / da ſich Tod und Leben ſchei— 
det / als das Leben + welches mit der Liebe-begierde in ein Weſen 
und Regiment eingehet / und dann das Leben / welches in Todes⸗ 
ſchrack nach der kalten Eigenſchaft in der Ertoͤdtung des Schracks 
unter ſich ſincket als eine Unmacht / welches Gewicht gibet / und 
nach der Subtiligkeit Waſſer / und nach der Grobheit der 
Strengheit Erden / und nad) dem Sulphur und Mercurio Sand 
und Steine / und nach der Subtiligfeit im Sulphur und Mercu- 
rio, nach demfelben Waſſer auch Fleiſch gibet/und nach der aͤngſt⸗ 
lichen Finfternüß einen Rauch oder Ruf: Aber nach der öylis 
ſchen / alsnach der Liebe-begierde / cin fügfes geiftliches Weſen / 
nach dem Geiſte einen fieblichen Geruch /und nach dem Weben 
des Feuers und Lichts das Element / und vom Glaſt im Feuer— 
ſchracke mit dem Anblicke des Lichts / die edle Tinctur, welche alle 
öhlifche Saͤltze tingiret / davon der: liebliche Geſchmack und Ge⸗ 
ruch entſtehet. 

44. Der 


186 DE Sıcwnarura Cap.14. 


44. Der falnitrifche Schrad ift im Weſen der Sud / daron 
Das Wachſen und Aufdringen entftehet / dag im Weſen ein 
Waͤchſen iſt: Seine Imprefion als das Saltz /ift die Erhal— 
tung oder Zufammenziehung des Weſens / daß ein Ding im Coͤr⸗ 
per oder Begriff beſtehet / es haͤlt den Sulphut und Mercurium, 
ſonſt floͤhen fie im Feuer⸗ ſchracke voneinander. 

45. Alle Dinge ſtehen im Sulphur, Mercurio und Sale: Im 
ſalnitriſchen Feuer⸗ſchracke theilet ſich das Element in vier Ei— 
genſchafften / als in Feuer / Lufft / Waſſer und Erde / welches in 
ſich ſelber ver Feines iſt fondern nur cin Weben und Wallen / 
nicht als der Lufft / fondernals ein Wallın des Willens im Leibe / 
eine Urſach des Lebens im Weſen: Dann gleich wie der ewige 
Geiſt GOttes vom Vaͤtter / welcher ein Geiſt iſt / vom Feuer und 
Lichte außgehet / und iſt das Weben und Leben der Ewigkeit / alſo 
auch gehet der Lufft-geiſt vom ſalnitriſchen Schraͤcke im Feuer 
von der Angſt im Sulp ur im treibenden mercurialiſchen Rade 
aus allen Eigenſchaſtten / als ein erhebend Weben immer aus: 
Er iſt ein Sohn aller Eigenſchafften / und auch das Leben derſel⸗ 
ben / das Feuer aller Geſtaͤlte gibt ihn / und ninit ihn auch wieder 
zu feinem Leben in ſich / das Waſſer iſt fein Leib / darinnen er im 
Salniter das Sieden macht / und die Erde iſt feine Krafft / dar⸗ 
innen er feine Staͤrcke und Feuer-leben anzuͤndet. 

46. Es iſt nur ein einig Element / und das wickelt fich im fals 
nitrifchen Feuer-ſchracke in vier Theil aus /als mitder Entzüns 
dung gibts ein verschrlich Feuer der Finſternuͤß / und deffelben. 
Weſens /undim Schrack des Todes der Kälte und der Finfter> 
nuͤß / theilet ichs in zwey Weſen / als nach der Gubtilheit in 
Waſſer / und nach der Grobheit in Erde / und nach der Beweg⸗ 
nuͤß tes Schraͤcks im Wallen in Lufft / welche dem Element any 
aͤhnlichſten iſt /aber doch nicht gang im Weſen / dann das Ele- 
ment iſt weder heiß noch kalt / auch nicht treibende / ſondern 
wallende. 


Von der Begierde der Eigenſchafften. 


7. jede Eigenfchafft behält ihre erfieBegierde/dann eine 
Eigenfchafft ift anders nichts als ein Hunger / und der 
Hunger faffer fich felbften in cin ſolch Weſen wie er ift/ und im 
falnitriſchen Sude gibt er einen folchen Geift im die vier Ele— 
wienten : Dann im Element ift ver Urſtand des Sudes / aus 
welchem im Schrad vier Elemenca außgehen. 

48. Ein jeder geib ſtehet im inneren Weben im Element / und 

ins 





Cap.14. Rerum. | 187 


um Wachſen und Leben in vier Elementen/ aber das wahre Schen 
des Elements hat nichf eine jede Creatur / fondern nurdiehehen 
Geiſter / als Engel und Seelen der Menſchen / welche im erſten 
Principio ſtehen Jin dehnen ift das Element beweglich : Indem 
Leben des dritten Principui ftchets ftille / und iſt als-eine Hand 
GoOttes / da er die vier Blementa,als einen Außgang oder Werck⸗ 
zeug inne faffet und führet/ Damit er würdet und bauet. 

49. Nun ninmt jede Eigenſchafft der Natur ihre Speife in 
ihrem Hunger aus den vier Elementen : Wieder Hungerift / 
alfo nimt er auch. eine Eigenſchafft aus ven Elementen / dann die 
vier Elemenra feynd der Leib der Eigenfihafften / fo iffet ein jeder 
Geiſt von ſeinem Leibe: Erftlich feynd die fulphurifchen Eigen» 
ſchafften nad) der erſten und andern Impreflion , dis nach der fin⸗ 
ſtern / herben uñ Angftlichen Imprefion ‚und dann nach der Liebe⸗ 
Impreflion ein Licht / als nach Boͤſen und Guten, 

so. Der finſtere Hunger begehret Weſen nach feiner Eigen 
ſchafft / als irrdiſche Ding / alles was fich der Erden gleichet / und 
der bittere Hunger begehret bitter Stehen und Wehe /ein ſolch 
Weſen / gleich dem Gifft-auaal nimmt er auch aus den Ele» 
menten an fich/ und der Angſt⸗hunger begehret aͤngſt lich Weſen/ 
als ver Angſt im Schwefel: Irem, dir Melancoly / wie Begierde _ 
zum erben / und zum immer Trauren / und der Feuer-blitz nimt 
anfich Zorn / Aufffleigen der Hoffahrt / alles wollen zerbrechen / 
in und über alles wollen herrſchen / alles zu verzehren / und allein 
zu ſeyn: and nimmt die Bitterkeit / aus welchem der Blitz entſte⸗ 
ſtehet zum Reid und Haß / und die Herbigkeit zum Geitz / und 
Das Feuer zum Zorn, 


. 52. Allyie ift die wahre Begierde GOttes Zorns und aller 


Teufel / und alles deffen was wider GOtt und dte Liebe iſt. Und 
ein ſolch Weſen zeucht die ſer Hunger in ſich / wie das an den Crea⸗ 
turen ſo wohl an den Kraͤutern zu erkennen und zu forſchen iſt. 
52. Rum ift der Feuer-blitz der erſten Begierde als ver fin⸗ 
fern Natur Ende / und gehet im Feuer un das Sterben des 
erften Hungers und Willens: Dann das Feuer verzehret alle 
Grobheit der erften Gefalt/ und wirffts in Tod und allhie iſt 
das Scheiden der zweyerley Willen / als einer der zuruͤcke in des 
Todes Eigenfchafft wieder eingehet/ und ift cin Wille im Leben⸗ 
der finfteren Begierde > Als die Teufel dergleichen gethan han 
ben / welche im Feuer-blig im ſalnitriſchen Sud über Zeit und 
Ewigkeit herrſchen wolten / aber vom Geift GOttes zuruͤcke ges 
trieben / und aus der Liebe⸗begierde gantz als ein Ekel ler 
peye 


188 De Sıcnarura Cap.ı4, 


fpeyet worden: Alfo allyier auch gefchicht ver goftlofen Seelen 
des Mienfchen / darauff die Wahl folget. 

53. Allhie iſt das Zielder Genaden-wahl/ davon die Schrift 
faget : Daß GoOtt die Seinen kennet / und allhie ergreifft die 
ewige Luſt der Freyheit GOttes den Willenegeiſt / der im finftern 
Centro entſtanden iſt / und fuͤhret ihn durchs Sterben im Feuer 
ins Element. 

54. Im Salnitriſchen Schracke ift die Mögligkeit hinter 
ſich und für ſich: Gehet der Wille der Begierde hinter fich/ fo iſt 
er nad) Diefer Welt Reiche tradifch/ und nach dem ewigen Welt⸗ 
reiche in GOttes Zorn / und fan nicht GOtt ſchauen / er wende 
Dann wieder umb / und gehe ins Sterben im Feuer ein/und fterbe 
feiner Selbheit gang ab/ vnd gehe in der Gelajfenheit es ewigen 
Willens im ſalnitriſchen Schrad ins Element ein/als in die 
himliſche Weſenheit und geibligkeit/dag ver Hunger vom reinen 
Element effe/ ſo hat er auch ferner Feine andere Begierde / dann 
er iſt im Feuer dem ſtrengen finffern Hunger /welcher boͤß ift / 
abgeſtorben. 

55. Alſo entſtehet ans dem Sterben im Feuer das Licht / dann 
allhie wird die Freyheit angezuͤndet / daß ſie auch ein Hunger 
wird / und auch eine Begierde / das iſt num eine Liebe⸗begierde / 
ein $iebeshunger : In der aͤuſſeren Welt iſt das Licht der Son— 
nen in den vier Elementen / und iſt die thieriſche Liebe-begierde / 
als nach dem ſalphuriſchen Leibe und Weſen / Davon die Ver: 
miſchung und Multiplicatio entſtehet / als das vegetabiliſche Le— 
ken: Und von dem Mercurio im Salniter / darinnen das fenfi- 
biliſche Leben / darein das Geſtirne in den lebhafften die Ver— 
nunfft aus den Eigenſchafften des Salnitri gibet. 

56. Dann das gantze Geſtirne iſt anders nichts als ein Sal⸗ 
niter im Verbo Fiat, in der Bewegnuͤß des Weſens aller Weſen 
im Feuer⸗ſchrack / in den Eigenſchafften der Salien ergriffen / dar— 
innen alle Kraͤffte des Elements als eine Außgebuhrt ſtehen: 
welche in den vier Elementen / als ein ſalnitriſch Saltz immer 
fieden / und ihre Eigenſchafft in ihrer Begierde in den vier Ele— 
menten in Weſen der Eörper einführen / wie am Holtz / Kraut 
und Graß / und allen wachfenden Dingen zu fehen iſt. 

57. Alfo verftehet uns nun ferner vom andern Centro, wel⸗ 
ches im Sterben des Feuers im Liecht offenbahr wird/ damit lich 
der Ungrund der Freyheit GOttes in Grund der Natur einfüh> 
ret / fo wohl mit Ber innern Welt im Himmelreich in der Ewige 
keit / als mit dem Aufferen Reich in der Zeit. 

58. Die⸗ 





Cap. 14. ReruM. 139 


58. Diefes alles hat auch die Eigenfchafften der Begierde / 
und img den Urftand vom erften Principio ‚als vom erften Cen- 
gro, und ift kein recht ferben im Feuer / es ftirbet nur das finftere 
Weſen / der Willenzgeift gehet mit dem ewigen Willen zur Nas 
tur aus dem Feuersflerben im Sicht wieder aus. Es iſt nur eine 
Tranfmutation des Geiſtes / daß ein Hunger aus der Freyheit 
auffgehet / und derſelbe Hunger ift eine Liebe⸗begierde. 

59. Nach der Seelen des Menfchen zeucht er Weſen von 
Element GOttes /als im Goͤttlichen Salniter die Göttlichen 
Salia oder Kraͤffte in fich/ und nach der aufferen Welt-begierde 
zeucht er das Oleum aus dem Sulphur in fich /in welchem dag 
aͤuſſere Leben brennet: Alſo auch in den Wachfenden Metallifchen/ 
und was das ſeyn mag. 

60. Die Sonne macht die aͤuſſere Tranſmutation, und das 
Goͤttliche Liecht in den Secliſchen die innere / alles nach dehm ein 

Ding in ſeinem Gradu ſtehet / fo erreichet der Hunger eine Ei⸗ 
genſchafft: Denen in der Zeit / von der Zeit / und denen in der 
Ewigkeit / auch aus der Ewigkeit. 

61. Der Hunger aus der Ewigkeit Iffet von der Ewigkeit / 
und der vonder Zeitiffet vonder Zeit, Das wahre Sehen aller 
Greaturen iffet vom geiftlichen Mercurio ‚als von der fechften 
Geſtalt / da alle Säle im Wefen find /der Geift iffet von den 
fünff Senfibus , dann das find des Geiftes Seibligkeit / und der 
Leib / als das vegetabilifche geben / iffet vom Weſen des Sulphuris 
und Saltzes / dann Chrifius ſaget auch alfo : Der Menfc lebet 
nicht allein vom Bred/ fondern von einem jeglihen Wort /dag 
ausden Mund GOttes gehet. 

62. So iſt nun die ſechſte Geftaltder Natur / das außgeſpro⸗ 
chene geiſtliche Wort / und das fprechende Wort darinnen ift 
Das ewige QBort sin der erften Impreflion in der Finfternüß ifts 
das Wort GOttes Zorns / undinder äufferen Weltder gifftige 
Mercurins, als eine Urſach alles Schens und Raͤgens / alles Thons 
und Halles: So iſſet nun eine jede Eigenfchafft von ihrer Gleich⸗ 
heitin feinem Gradu , alsder Zeit Hunger von der Zeit /und der 
Ewigkeit Hunger vonder Ewigkeit/ beydes der Geift des Mer- 
curii und der Geift des Sulphuris , da ihr doch nicht zween ſeynd / 
fondern zwo Eigenfchafften. 

63. Alles wasrin einem Principio alleine arftändet / als vie 
Ereaturen der äufferen Welt / die haben nur cin Regiment / aber 
zweyerley Neigligkeiten vom Guten und Boͤſen: Was aber aus 
zweyen Principien urſtaͤndet als der Menſch / der hat auch zweyer⸗ 


ley 


190 DeSıcnaturä Cap. 14, 


ley Effen und Regiment / als vom finftern Centro , und vom 
aufferen Centro ;erflichei er aber feiner Selbheit / uUnd führet ſei⸗ 
nen Hunger in GOttes Reich / ſo mager vom Goͤttlichen Mercurie 
eſſen / als von den Goͤttlichen 5. Sinnen mit der Seele / und vom 
Element im Goͤttlichen Wefen / und ergreiffet Doch der aͤuſſere 
Menſch in dieſer Zeit nicht Das Goͤttliche Weſen leiblich / ſon⸗ 
dern nur durch Imagisarion,da der innereLeib durch den aͤuſſeren 
gehet / als die Sonne durchs Waſſer ſcheinet / und das Waſſer 
bleiber doc) Waſſer. 

64. Dann allhie lieget unſer Fall in Adam : Das Element 
durchdrang die 4.Elementa ganslich/un ward im Menfchen gang 
eines/ aber imFluch fcheidet ich das Element von der Seelen. 

65. Alſolebet Die arme Seele anjetzo nur im Gefaͤße der vier 
Elementen/es fey dann daß fie wieder ing Sterben des irrdiſchen 
Willens in die Goͤttliche Begierde eingebe / und im Element 
außgruͤne. 

66. Alſo iſt auch der aͤuſſere Leib im Fluche / und iſſet von der 
verfluchten Erden Eigenſchafft nur vom irrdiſchen Salniter / da 
immer ein Hunger der irrdiſchen Eigenfchafften wider den an— 
dern gehet / dann der Fluch iſt ein Ekel in allen Salgen/ und da⸗ 
ber komts / daß eine ſtaͤte Widerwertigteit im aͤuſſeren Leibe ent⸗ 
ſtehet / dann ein Hunger der Eigenſchafften empfaͤhet vom ans 
dern denEkel; ſoll nun demLeib gerathen werden / daß er des Ekels 
loß werde / ſo muß er vie Gleichheit des Ekels ( welche im Leibe 
alsein Sud iſt entſtanden) nehmen / und ins fterben des Feuers 
einfuͤhren / und in der Liebe-begierde vom Fluche der Eitelkeit 
aufführen. 

67. Das gehet nun anderft nicht zu / als wie das wahre Schen 
der finftern Eitelkeit abſtirbet. Des äufferen Lebens Ekel ent» 
ſtehet aus einer Eigenfchafft des Salges / das dem Oehle des Le⸗ 
beus zu wider iſt / alfo entzuͤndet fich der Etel alſobald in den vier 
Elementen/un hebet im Salniter als ein fremd schen an zufieden. 

63. Diefes frembde Leben vertundelt und zerbricht endlich 
das erſte wahre Leben / pihme nicht Widerſtand gefchicht / dem 
mag nicht beſſer gerathen werden / als mit der Gleichheit des ein⸗ 
gefuͤhrten Ekels / den das Leben hat an ſich genommen. 

69. So muß man der Cur das thun / das man dem Leben thun 
ſollte / daß es des Ekels loß werde. Die Cur muß vom ſelben 
Ekel / dehn fie in den vier Elementen auch von einer ſolchen fal⸗ 
ſchen Einfuͤhrung in ſich hat an ſich genommen / entlediget wer⸗ 
den / ſie muß ins Sterben der vier Elementen eingefuͤhret * 
| der 





Cap. 14. Rerum 198 


den / und ihr Geiſt muß auch in der fünfften Geftalt mit Veneris 
Begierde / als mit einen Lieblichen Weſen tiagiret werden/dag 
Der geiftliche Mercuriusin Jovis Eigenſchafft auffgehe. Verſte⸗ 
he / inallen vier Elemenien muß die Cur ihrer Kranckheit vonehe 
abſterben / ſie mug in die Faͤule aller vier Elementen eingefuhret 
werden: Im Feuer ſtirbet ſie ab der Irrdigkeit / undin der Faͤult 
des Waſſers Irrdigkeit / und im der Lufft-faͤule des Luffts Ekel 
amd Irrdigkeit: Alsdann fuͤhre mans in Venerem ein / und von 
Venere in ſoyem, jo wird Die Sonne in der Sicbesbegierde auff⸗ 
gehen / ſo mag mit dieſem dem Etel imLeibe widerftanden werden. 

70. Alle andere Curen / ſo rohe und unwiedersgebohren eine 
gegeben werden / alsda einer Kalte nimt / und wilder Hige wis 
verfichen / Deggleichen Der Hitze mit der Kalte / find nur ein wis 
Derwertiger Feuer⸗ſchrack / da ja das entzuͤndete Feuer auffhoͤret 
zu quälifieiren/aber der Schrack tritt in die Todes-angſt / und die 
Wurtzel des Ekels wird ein gifftiger Mercurius, es ſey dann daß 
die Hitze und Kalte zuvor mit Venere und Jove temperiret müs 
rei; So iſts ja eine Skillung des Ekels im ſalnitriſchen Sude: 
Aber dir Wurtzel des Ekels bleibet ſtehen / es ſey dann daß das Le⸗ 
ben ſtarck ſey / und feine Begierde mächtig aus dem Ekel auß⸗ 
führe / welches dem Medico wohl zu mercken iſt / daß die rohen 
Kräuter nicht die Wurtzel angreiffen / da der Etel im Centro in 
Des Lebens Geſtalt Eigenfchaift entftanden iſt / fie greiffen nur 
Die vier Elementa an) und ftillen etwas / aber der Ekel bleibet im 
der Wurtzel als eine verborgene Kranckheit fichen. 

72. Alfo auch mit den Aftris zu verfichen ift / welche im aͤuſſe⸗ 
zen Leibe ihren Sup als einen eigenen Leib in den vier Elemen=- 
gen haben /fo die Cur mag vom Efelder vier Elementen erlöfet 
werden/fo tällt auch das Geftirne in das Gute / und fuͤhret feine 
Begierde darein / fo wird ver Leib auch vom Ekel des Geſtirnes 
erloͤſet / dann die Schrifft faget : Es fähnet ſich alle Erratur nes 
ben uns / vonder Eiteteit log zu werden. So iſt der Fluch der 
Erden; darein das Geſtirne feine Begierde einwirffet / die Eitel- 
keit; ſo das numein rein geben in fich ſchmaͤcket / fo erfreuet ſichs 
auch darinnen/ und ftoffetven Ekel in ſich aus. 

72. Aller Eckel des öylifchen Lebens entftehetvon dem inneren 
Mercurio im inneren Sulphur : dann auch die Sünde urſtaͤndet 
daher / daß ver giftige Mercurius ( welcher die Urfache des Lebens 
iſt )Nich im Feuer: blis im Urſtand desSalnieri im zurück wenden / 
wieder indie Selbheit einfuͤhret / dann allda iſt der Urftand des 
Gifftlebens. * 
73. Ein 


‚192 De Sıcnatura Capıy 


73. Einjedes Seben / das ohne Mackel ſeyn wil/ das muß im 
Willen⸗geiſt zur Natur im Feuer des Eckels der erften Impref- 
fion des Grimmes abſterben / und mug im Willen-geiſt zur Na⸗ 
tur als cin gelaſſener Wille fich laffen durchs Sterben im Liecht 
der Siche ausführen zes ſey himmliſch oder irrdiſch / ſo muß eg den 
Procels halten oder komt nicht zur yöchften Vollkommenheit in 
feinem Gradu. 

74. Dann dag dem Menfchen nicht Eonte gerahten werden / 
das Siche-Centrum der Siebe Begierde gienge dann wieder in die 
Menſchheit ein / und führete das eigene Schen/ als die menfchliche 
Selbheit durchs sterben in fich aus / dasiftein gerecht Fürbilde / 
daß alles was da wilvom Ekel freg werden / als vom Fluch / das 
muß den vier Elementen im Eckelabfterben / und feinen Grad 
Durchs fterben des Feuers im Liechte ausführen: Alfo ift auch in 
per Erden der falnitrifhe Sud / da Metalla und gute Krauter 
und Bäume answachfen/ cine jede Eigenfcharft iſt begierig nach 
der Gleichheit /und fo fie die Gleichheit im Sulphur und Mercurio 
mag in der Liebe erreichen fo führe fie fich höher aus als fie in ih⸗ 
rem Gradu iſt / gleich wie fich die ewige Freyheit mit ihrer Luſt 
durch die ewige Natur durchs Feuer in Begierde einfuͤhret / und 
damit viel hoͤher / als in Krafft und Majeftat ausfuͤhret. 

75. Alſo iſt allen Dingen nachzuſinnen / dann alle Ding ur⸗ 
ſtaͤnden aus einem einigen Weſen / daſſelbe iſt ein Myfterium als 
ler Weſen / und eine Offenbahrung des Ungrundes im Grund. 

76. Ale Ding werden aus dem Myſterio Magno gebohren⸗ 
und gehet jeein Grad aus dem andern/und was nun für fich gehet 
in feinem Gradu,das empfaͤhet keinen Eckel / es ſey dann in Wach⸗ 

ſenden over Lebhafften: was aber in ſich in feine Selbheit cin» 
gehet / als eine eigene Luſt / das cempfähet im Durchgehen der Gra- 
duum einen Eckel / dann ein jede Geftalt der Naturaus dem 
Myfterio nimt feiner Eigenſchafft Weſen in feinen Hunger/und 
darinnen wird ftenicht gequaͤlet / dann esift ihre Eigenfchafft. 

77. So aber der Wille zurück indie Geburth der andern Eis 
genfhafften eingehet/fo empfaͤhet er die Luſt / und die Luſt macht ci> 
nen Hunger / und der Hunger nimt das fremde Weſen in fich; 
Jetzt iſt der Eckel und die Turba gebohren / dann derſelbe Wille 
iſt wider den Lauff der Natur in ein fremd Weſen eingegangen / 
das nicht feiner Eigenſchafft iſt / daſſelbe fremde Weſen hereſchet 
nun in dem fremden Willen / und uͤberwindet den Willen / jetzt 
muß cs der Wille ausſyeyen / oder wird vom fremden Weſen ſel⸗ 
ber ausgeſpeyet. 

78.So 


Cap. 17. Rerum 193 


78. So es dann auch nichtfeyn mag / fo hebet fich Zorn und 
Widerwillen an: dann die Eigenſchafften laufen zu ihrem Cen- 
tro der erſten Impreflion,, und ſuchen die Feuers-ſtaͤrcke und 
Macht/ davon im Körper die Kälte und Hise entftchet/ und 
ftchen in einander als Feinde / davon die erfte Mutter inihrer 
grimmigften Boßheit / nach der firengen Impreflion erwecket 
wird/ alsdann gehet der Streit der Uberwindungan] und wel⸗ 
he Eigenſchafft die Macht behaͤlt / die ſtoſſet die andere in Todes⸗ 
Eigenfhafft/ als indie Verzchrligkeit ins Haus des Elendes. 


Das ıs. Capittel. 


Bon dem Willen des groffen Myfterii in Gutem und 
Böfem : wo von ein guter und böfer Wille urſtaͤnde / 
und wie fich einer inanderneinführe. 


z; Ine jede Eigenfhafft nimt ihren Urſtand von der 

erſten / als von der Impreflion oder Begierde zur 

Natur / alsaus dem Myfterio Magno, und fuͤhret 

of ſich als ein Leben aus ſich / gleich wie die Lufft aus 

dem Feuer ausgehetzun alles was in cinem Willen 

für fich gehet / das iſt unhaltlich / dann cs gibt fich Feiner Eigen⸗ 

ſchafft ein; es wohnet vom erſten Urſtande an nur in ſich und 
schetineinem Willen aus. 

2. Und das ift ver wahre Weeg der Ewigkeit darinnen Feine 
Zerbrechligkeit iſt fo ein Ding infeiner felbitzcigenen Eigen» 
Schafft bleibet / dann das groffe Myfterium ift von Ewigfeit: So 
nun die Geftalt deſſelben aus fich gehet / und fich aus fich offenbah⸗ 
ret / fo ftchet diefelbe Geftalt mitder Wurtzel im Mylterio ver 
Ewigkeit. = 

3. So ſich aberdie Geftalt aus fich in eine andere Luſt einfüh> 
ret / daß zwo Eigenfhafften in einer wohnen follen / fo entſtehet 
daraus der Widerwide und Eckel danıı von Ewigkeit iſt im 
eben nurdas Elemeut geweſen / und die freye $uft der Ewig⸗ 
keit / welche mit ihrem Weben vom groffen Myfterio der Ewig⸗ 
keit iſt ausgangen als cin Geift / welcher Geift GOttes iſt. 

4 Als lich aber das groffe Myſterium einmahl beweget / und 
Die freye Luſt in Begierde des Weſens eingefuͤhret / ſo iſt in der 
Begierde der Streit angegangen / dann da ſeynd in der Begierde 
aus dem Element / welches nur Einen Willen fuͤhret / vier Ele- 
menta entſtanden / als viererley Begierde und Willen / welche in 

J tinenn 


* 


194 DESIGNATURA Cap.ry. 


einem einigen Leibe regieren / da iſt nun Widerwertigkeit und 
Streit / als Hitze wider Kaͤlte / Feuer wider Waſſer / Lufft wider 
Erde / ein jedes iſt des andern Tod und Zerbrechen. 

5. Alſo daß die Creatur / ſo in dieſem Regiment ſtehet / nichts 
als ein immer⸗ſterben und ein Streit iſt / ſie iſt eine Feindſchafft 
in ſich ſelber / und mag ihr nicht gerahten werden / ſie gehe dann 
wieder in einen Willen ein / welches auch nicht geſchehen kan / die 
Viele der Willen zerbrechen dann / und ſterben der Begierde / dar⸗ 
aus dic vier Elementa entſtehen / gaͤntzlich ab: alſo dag der Wille 
wicder das werde /als er von Ewigkeit gewefen ift. 

6. Darinnen wir Menfchen erkennen/ was wir im Negiment 
ter vier Elementen feynd / anders nichts als cin Streit und Wi- 
derwille / cin felbft- Feinden / eine Begierde des Eckels /eine Luft 
des Todes / dann die $uft fo aus der Begierde entſtehet muß ſter⸗ 
ben / follder Wille (der aus dem groffen Myfterio von Ewigfeit 
ausgegangen / welchender Geiſt GOttes ins Menfchen Bilde / 
als in die Gleichheit GOttes einbließ) vom Edel und Wider 
willen frey werden fo mug pie Begierde der vier Elementen 
ſterben / und der Wille wieder ins einige Element eingehen: Er 
muß wieder der Ewigkeit Recht annehmen / und in einem Ele» 
ment wallen / und ausgehen / in maſſen ihn dann GOtt auch alfo 
gefihaffen hatte / welchen erfich felber entgegen gefegt / und ins 
Regiment der vier Elementen eingeführet/ in welchem er ihme 
den Tod angeerbet / fowohlden Streitin des Lebens Geftalten/ 
davon ihm Krandheit / Eckel und Widerwillen entftehet: dann 
alles was in GOttes Willen lebet / das iſt entweder nicht in der 
eigenen Begierde geurftändet/ oderobs darinnen geurſtaͤndet iſt / 
fo iſts der eigenen Begierde wieder abgeſtorben. 

7. Aller Wille der in feine Selbheit eingehet und den Grund 
feines Lebens Geſtaltnuͤß fuchet / der bricht fich vom groffen My- 
fterio ab / umd tritt inein Eigenes / er wil ein eigen Regiment 
ſeyn / fo ifts alsdann dem erften Myfterio zuwider / dann daffelbe 
ift alleine alles / unddas Kind wird für boͤß erkannt / dann es ſtre⸗ 
bet in Ungehorſam wider ſeine eigene Mutter / die es erbohren hat: 
ſo aber das Kind ſeinen Willen und Begierde wieder in das ein⸗ 
fuͤhret / daraus es erbohren und geurſtaͤndet iſt / ſo iſts mit dem⸗ 
ſelben gang eins / und mag von nichts turbiret werden / daun es 
gehet in Richts ein / als nur in das Weſen daraus es iſt aus⸗ 

angen. 
8. Alfo verſtehe Menſch / was dir zuthun iſt / beſchawe Dich in 
dir ſelber / was du biſt / ob du in der Gelaſſenheit deiner Mutter 
(dar⸗ 


Ant Nr 
J 


J Be 
:@ 


ET EDEREE LS TEEN Care 
, er 


[ 


ER Det u 


Cap.ı5. Rerum. 195 


(daraus du im Anfang bift erbohren und gefchaffen worden) 
ftcheft / ob du mit demſelben Willen geneiget bift/ wonicht fo 
wiſſe dag du ein abfrinnig ungehorfam Kind biſt / und dich felber 
zum Feinde gemacht haft / in deme du biſt in eigene Begierde und 
Willen eingangen / und haft dich zum Eigenthumb gemacht / alſo 
kanſtu auch nicht in der erſten Mutter wohnen / ſondern in dir 
ſelber: dann dein Wille iſt in die Selbheit eingegangen / und 
alles was dich kraͤncket und aͤngſtet / das iſt deine Selbheit / du 
macheſt dich zum ſelbſt⸗Feinde / und fuͤhreſt dich ins ſelbſt⸗ 
ſterben ein. 

9. Wiltu nun aus dem ſterben wieder ausgehen / ſo muſtu deine 
eigene Begierde / welche ſich in fremde Weſen einfuͤhret / gantz 
verlaſſen / und in der Selbheit und eigenen Begierde werden als 
ein Nichts / auff daß du nicht mehr dir ſelber wilſt noch begehreſt / 
du muſt deine Begierde wieder gaͤntzlich mit der Gelaſſenheit in 
den Ewigen / als in GOttes Willen einfuͤhren / auff daß derſelbe 


Wille dein Wille und Begehren ſey: auſſer dieſem iſt = Rohe 


und Tod / cin immer⸗ſterben und verderben. sur 
zo. Dann Daher urſtaͤndet die Genaden-wahl/ in RR 


menſchliche Wille / welcher aus der Einigfeitder Ewigkeit ift 


in ein Eigenes als cigene Luſt und Begierde eingegangen: Go 
fich der wieder vonder Selbheitabbricht / und ins eigenen Wil 
lens fterben eingehet / amd feine Begierde alleine wieder in die 
erſte Mutter einführet/ fo crwählet ihn die erite Mutter wieder 
zum Kinde / und macher ihn mit dem einigen Willen der Ewig⸗ 
Feit einig: deraber inder Selbheif bleibet/ der bfeibet im ewigen 
Sterben / als in einer ewigen felbfi- Feindfchafft / unddas wird 
auch alleine Sünde genannt / darumb dageseine Feindſchafft 
wider Gott iſt / in deme die Creatur wilihr eigen Regiment ſeyn. 

11. Alſo kan tie in ihrer Selbheit / als in einem ſtreitigen Re⸗ 
giment nichts gutes wollen noch thun / und wie ſie ihr ſelber nichts 
als nur das Sterben und den Tod anthut / erwecket und qualifici- 
rende macht / alſo kan ſie auch ihren Mit-gliedern anders nichts 
thun: dann daher urſtaͤndet auch die Luͤgen / daß die Creatur die 


Einigkeit im Willen GOttes verlaͤugnet / und ihre Selbheit an 


die ſtelle ſetzet / daß ſie aus der Einigkeit ausgehet in die Begierde 
und eigene Luſt; erkennte fie / daß alles Weſen der Mutter ſey / 
die ſie gebohren hat / und hielte nicht das Weſen der Mutter fuͤr 
ihr Eigenthum / ſondern fuͤr gemeine / ſo entſtuͤnde nicht der 
Geitz / Neid) Streit und Widerwille / aus welchem der Zorn / 
als das Feuer der Zerbrechung entſtehet. 
—— 12. Alle 


196 De Sıcnatrura Cap.ıg 


z2. Ale Sünden entfichen ausder Selbheit/ dann dic Gelb» 
heit ſchwinget ſich mit der Begierde in ihr eigenes / fie machet fich 
zumGeitz und Reid / ſie zeucht in ihr felbfi-WBegierde fremdes We⸗ 
ſen an ſich / und machet des fremden Weſens Beſitzer auch zum 
Feinde gegen ſich / alſo dag Sünde mit Sünde / Eckel mit Eckel 
gewuͤrcket wird / und alles in⸗ und untereinander lauffet / als ein 
titel Grewel der ewigen Mutter. 

13. Alſo iſt uns in gleichem zu ſinnen von dem wiedergebohr⸗ 
nen Willen / der aus ſeiner Ichheit oder Selbheit wieder in die 
Gelaſſenheit eingehet / der wird der Selbheit auch zum Feind 
and zum Eckel / gleich wie die Kranckheit ein Feind der Geſund⸗ 
heit / und herwieder die Geſundheit ein Feind der Krandheit 
iſt / alfo ift der gelaffene Wille und auch der eigene Wille eine 
ſtaͤte Feindſchafft /ein immerwährender Krieg und Streit. 

14. Der eigene Wille ſuchet nur was zu feiner Selbheit die» 
net: und der gelaffene Wille forget ihme nichts / fondern führet 
feine Begierdenur einig allein in feine ewige Mutter / dag er mit 
ihr einig ſey / er wilnichts ſeyn /auff dag die Mutter in ihime als 
lein alles ſey: der eigene Wille faget zum gelaffenen Willen : 
Du biſt narrifch dag dur Dich dem Tod ergibeft / und möchteft wohl 
herzlich in mir leben / aber der gelaffene Wille fpriht: Du biſt 
mein Edel] Pein und Widerwille / und führeft mich aus der 
Ewigkeit in eine Zeitnur in Sammer und Elend ein / du Eränckeft 
mid) eine Zeit/ alsdann gibftu meinen Leib der Erden/ und die 
Seele der Höllen. 

15. Die rechte wahre Gelaſſenheit / iſt das ſterben des Eckels 
wider EOtt / wer ſeine Selhheit gaͤntzlich verlaͤſſet / und ſich mie 
Gemirtheund Begierde / Sinnen und Willen in GOttes Erbar⸗ 
men eingibt / in das Sterben JEſu Chriſti / der iſt der irrdiſchen 
Welt mit dem Willen abgeſtorben / und iſt ein zweyfacher 
Menſch / da der Eckel nur in ſich ſelber auch zum ſterben wuͤrcket / 
aber der gelaſſene Wille lebet in Chriſti Tod / und ſtehet immer⸗ 
Darin Chriſti Aufferſtehung in GOtt auff / und ob die eigene Be⸗ 
gierde ſuͤndiget / welche ja nicht anderſt thun kan als ſuͤndigen / 
ſo lebet doch der gelaſſene Wille nicht in der Suͤnde: dann er iſt 
der Sünden: Begierde abgeſtorben / und lebet durch Chriſtum in 
Gott / im Sande der Schendigen/ aber Die Selbheit leber im Sande 
des Todes / alsimimmersfterben in der immer-Feindſchafft wie 
ver GOtt. 

16. Der irrdiſche Menfch iſt im Fluche GOttes / und ein Ec⸗ 
kel vor GOttes Heiligkeit / der kan anders nichts ſuchen — 

kids 


Gap. 15: Rerum. 197 


Selbheit / dann er iſt im Grimm GOttes; und ob er etwas gutes 
thut / das thut er nicht aus feinen ſelbſt-Willen / ſondern der in 
GoOtt gelaſſene Wille zwinget ihn dag ers thun muß / was er ſel⸗ 
ber nicht gern wil / und ſo ers nun thut / ſo thut ers nur als ein 
Werck-⸗zeug des gelaſſenen Willens / nicht aus feiner Begierde / 
ſondern aus GOttes Willen / welcher den gelaſſenen Willen in 
feiner Begierde als einen Werck-zeug fuͤhrct. 

17. Darumb wer nun GOttes Reich ſchawen wil / und dahin 
gelangen / der muß ſeine Seele aus der Selbheit / aus der irrdi⸗ 
ſchen Begierde ausfuͤhren / gleichwie der Artzt die Cur der Kranck⸗ 
heit aus der peinlichen Begierde ausfuͤhret / und in eine Liebe⸗ 
Begierde einfuͤhret / ſo fuͤhret alsdann die Cur die Kranckheit im 
Leibe auch aus der peinlichen Begierde aus / und in eine Liebe— 
Begierde ein: die Kranckheit wird der Artzney Knecht / alſo auch 
im gleichen wird der irrdiſche boͤſe Wille / ſo der Seelen Wille 
curiret wird / des gelaffenen Willens Knecht. 

8. Der elementiſche und ſyderiſche Menſch ſoll nur der Werck⸗ 
zeug ſeyn / damit der ſeelen-Menſch im gelaffenen Willen ar⸗ 
beitet / dann darzu hat ihn auch GOtt geſchaffen: aber die Seele 
hat ihn in Adam zum Herren gemacht und eingeſetzt / und iſt in 
fein Gefaͤngnuͤß eingangen / und ihren Willen darein begeben: 
ſo ſie aber vor GOttes Kind ſoll erkannt werden / ſo muß ſie deme 
wieder abſterben / und in GOttes Willen in Chriſti Tod in der 

irrdiſchen Selbheit und Begierde gantz erſterben / und in GOttes 

Willen gantz new erbohren werden / und dem irrdiſchen Willen 
in der Selbheit den Gewalt nehmen / und über ihn herrſchen und 
ihn im Zwang fuͤhren / als ein Meiſter feinen Werck⸗zeug / ſo ver» 
leuret alsdann die Selbheit den Gewalt / und gehet auff die Luſt 
der Selbheit / als ein immer⸗Saͤhnen / die Selbheit ſaͤhnet ſich als⸗ 
dan immerdar nach den Geſtalten ihres eigenen Lebens / als nach 
eigenem Glantze / und nach der irrdiſchen Vielheit; Item nach 
Reide und Zorn / ob ſte die Vielheit nicht erreichen mag / und nach 
ruͤgen der Falſchheit: dieſes ſind die Lebens-geſtaͤlte der irrdiſchen 
Selbheit. 

19. Aber der gelaſſene Wide tritt als ein Ritter dieſer Schlan⸗ 
gen immer auff den Kopff / und ſaget: Du biſt vom Teufel und 
GOttes Zorn entſtanden / ich wil deiner nicht / du biſt ein Eckel 
vor GOtt; und ob der gelaſſene Wille bißweilen mit der falſchen 
Luſt gefangen wird / wann ſie ihn mit des Teufels Begierde und 
Einführung feiner Imagination überhäuffet und bewältiget/ fo 
ſchreyet doch der gelaffene Wille alfobald wieder in GOttes 

33 Hau / 


198 De SıownAaTura Cap. 17. 


Hall) daß ihn GOttes Wille wieder aus dem Eckel des Todes 
ausfuͤhret. 

20. Der gelaſſene Wille hat allhie in dieſer Huͤtten keine 
Ruhe / er muß immer im Streit ſtehen / dann er ſtehet in einem 
ſfalſchen Haufe zur Herberge: Er iſt wohl in ſich felber in Gottes 
Handt / aber außer ſich ſelber iſt er im Rachen und Schlund des 
Abgrundes GOttes Zorns im Reiche der Teufel / welche ſtaͤts 
neben ihme hergehen / und die Seele / als das Centtum begehren 
zu ſichten. Alſo auch im gleichen ſtehen ihme die guten Engel im 
gelaſſenen Willen / als in Gottes Begehren entgegen/ und ſchuͤt⸗ 
zen ihn vor der gifftigen Imagination des Teufels / fie ſahen auff 
die feurigen Pfeile des Boͤßwichts / wie S. Petrus ſaget. 

21. Dann alles iſt im Wuͤrcken und Begehren des Menfchen/ 
GOttes Kiebe und Zorn: Er ſtehet in dieſer Huͤtten / indiefer 
Zeit / in der Porte aus und ein. Beyde ewige Principia ſeynd in 
hme raͤge / wo ver Seelen Wille ſich hinbegibt / allda wird er ans 
genommen / und darzu wird er erwaͤhlet / er wird von beyden ge⸗ 
zogen / und fo der Wille der Seelen in der Selbheit bleibet/ fo iſt 
er am Bande GOttes Zorns: So er aber aus der Selbheit aus⸗ 
gehet / und ſein eigen Regiment verlaͤſſet / und ſich nur ſtaͤts in 
GOttes Erbarmen / als in Chriſti Leyden und Tod / und in feine 
Aufferftehung und Wicderbringung einwuͤrfft / und ſelber nichts 
wil / ohne was GOtt in und durch ihn wil / ſo iſt der Wille dem 
Leben und Begierde des Zorns GOttes abgeſtorben / dann er hat 
kein eigen Leben / ſondern lieget im Tode der Selbheit / ſo mag ihn 
des Teufels und Zorns GOttes Begierde nicht ergreiffen / dann 
er iſt als ein Nichts / und iſt doch in GOtt im Goͤttlichen Weſen 
in allem / er lebet / aber nicht ihme ſelber / ſondern ſeiner erſten 
Mutter der Ewigkeit: Er iſt wieder am Ziel / da er war che er 
eine Creatur ward / und in dem Willen darein ihn GOtt ſchuff / 
und iſt ein Inſtrument im Halle GOttes / auff welchemalleine 
Gottes Willen⸗geiſt ſchlaͤget zu feiner Ehr und Wunderthat. 

22. Alles eigenes Suchen und Forſchen in der Selbheit iſt ein 
vergeben Ding: Der eigene Wille ergreifft nichts von GDEL/ 
dann er iſt nicht in GOtt / fondernauffer GOtt in feiner Selb 
heit / aber der gelaffene Wille ergreiffts / dann nicht er thuts / 
ſondern der Geiſt in dem er ſtille ſtehet / deſſen Werck-zeug er 
iſt / der offenbahret ſich in Goͤttlichem Halle in ihme fo vieler wil. 

23. Und ob er in der Selbheitdurch Forſchen und Lernen viel 
kegreiffen mag / welches nihtohne ift / fo iſt aber doch fein Bes 
griff nur auſſen imansgefprochenen Wort / als in einer Form 

des 





Cap. 15: Rerum. 197 


des Buchftabens / und verfichet nichts won der Form des ausge⸗ 
forochenen Worts / wie das in feinem Grunde ftchet / dann er iſt 
nur inder Form von auffen gebohren/ und nicht in der Krafft der 
Allgebaͤhrerin welcher Grund werer Anfang / Infalfung noch . 
Ende hat. 

24. Welcher nun von innen aus dem forechenden Hal GOt⸗ 
tes im Willen⸗Geiſt GOttes gebohren iſt / der faͤhret im Grund 
und Ungrund uͤberal frey / und iſt an keine Form gebunden / dann 
er faͤhret nicht in der Selbheit / ſondern der ewige Wille fuͤhret 
ihn als feinen Werck-zeug / nad dem es GOtt gefaͤllet. 

25. Welcher aber alleine im Buchſtaben gebohren iſt / der iſt 
in der Form des ausgeſprochenen Worts gebohren / der fahret in 
der Selbheit / und iſt eine eigene Stimme/ Dann er ſuchet was er 
wil/ und ffreitet umb die Form / und lafferden Beift/ der die 
Form gemacht hat. . 

26. Ein ſolcher Doctor iſt Babel/der umb die Form des Worts 


zancket und greinet / und immerdar den eigenen Geiſt und Ber- 


fand in der Form einfuͤhret und ſchreyet: Hie Kirche Chriſti 
Und iſt nur ein eigener Hall / verſtehet nichts vom Geiſte der 
Form / welcher ungefaſſet / und ohne Ziel und Maſſe auff ſeinem 
zugerichten Inſtrument ſchlaͤget wie er wil / dañ nicht der Wahn 
und eigene Gedancke / welcher im ausgeſprochenen Halle ent⸗ 
ſtehet / iſt GOttes Wort / ſondern der im gantz gelaſſenen Wil⸗ 
len in Goͤttlicher Krafft im ewigſprechenden Wort in GOttes 
Geiſt entſtehet / der urſtaͤndet aus GOttes Halle / und machet die 
Form im Hertzen / als eine Goͤttliche Begierde / dadurch der See⸗ 
len Wille in GOtt gezogen wird. 

27. Der iſt der Hirte und Lehrer Chriſti / der durch Chriſti 
Thuͤr eingehet / das iſt / durch Chriſti Geiſt hallet und lehret: auſ⸗ 
ſerhalb iſt nur die Form als die Hiſtoria / daß es einmahl ge⸗ 
ſchehen ſey / daß man ſich deß alleine annehmen und troͤſten ſoll; 
aber dieſer Wille bleibet herauſſen / dann er wil ein Genaden⸗ 
angenommen Kind ſeyn / und nicht feiner Selbheit in der Gena⸗ 
den erſterben / und der Genaden Kind in dem gelaſſenen Willen 
werden. 

28. Alles was von Chriſti Genugtuhung / und ſich des Leydens 
Chriſti troͤſten lehret / ſo es nicht auch den wahren Grund lehret / 
wie man der Selbheit in Chriſti Tod abſterben ſoll / und ſich im 
gelaſſenen Willen gantz in Gehorſam GOttes / als ein neues 
Kind eines newer Willens einergibt / das iſt herauſſen und 
nicht im ſprechenden Hal GOttes / alsin Ehrifti Thür. 

X 34 29. Kein 


200 De Sıcnartura Cap.ız, 


29. Rein Heucheln noch Tröften huͤlfft nichts/fondern dem fal⸗ 
ſchen Willen und Begierde in Chriſti Tod abfterben/ und, in ihm 
im gantz gelaffenen Willen in Chriſti Aufferftchung auffftchen / 
und die irrdiſche Selbheit immerdar toͤdten und des Boͤſe das 
der irrdiſche Wille in Luſt einfuͤhret / daͤmpffen / als ein boͤſes 
Feuer das immerdar brennen wil. 

30. Nicht troͤſten und das Leyden Chriſti an die ſpitze ſtellen 
iſt ver wahre Glaube ; Nein nein / er iſt nur auſſen und nicht in⸗ 
nen / ſondern ein umbgekehrter Wille / der in Rewe feiner irrdi⸗ 
ſchen Boßheit eingehet / der deren nicht mehr wil / und aber befin⸗ 
det / daß er von der eigenen irrdiſchen Luſt gehalten wird / und ſich 
mit ſeinem umbgekehrten Willen aus dieſem Eckel und falſchen 
Begierde gang in GOttes Erbarmen mit groffer aͤngſtlichen 
Begierde in Chriſti Gehorſam / Leyden und Tod einwirfft / und 
der irrdiſchen Luſt im umbgekehrten Willen in Chriſti Tode gantz 
erſtirbet / der nicht wieder aus Chriſti Tod heraus wil / der immer 
ſchreyet: Abba, lieber Vatter / nim deines Sohns Gehorfau für 

mich in dich / laß mich nur in ſeinem Gehorſam in dir in ſeinem 
Tode leben / laß mich in ihme ſterben [ auff daß ich in mir nichts 
bin / ſondern in ſeinem Willen / in ſeiner Menſchheit in dir lebe 
und bin / nimm mich nur in ſeiner Aufferſtehung an / und nicht 
mich in meiner Unwuͤrdigkeit / ſondern mich in ihme: Laß mich 
in mir todt ſeyn / und gib mir ſein Leben / auff daß ich dein gehor⸗ 
ſamer Sohn in ihme ſeye / daß fein Leyyden und Tod mein 
ſey / und ich derſelbe Chriſtus der dem Tod hat ſeine Macht ge⸗ 
nommen in ihme / als ein Zweiglein feines Lebens / für dir ſey. 
32.Alfo und gar nichts anders iſt der wahre Chriſtliche Glau⸗ 
be / er iſt nicht alleine tröften / fondern cine immerwährende Be⸗ 
gierde :die Begierde erreichet das Leyden Ehrifti / welche immer⸗ 
dar gerne wolte gehorſam feyn/ wuͤſte ſie nur / wie ſie ſich vor 
ihme gebaͤhren ſolte / welche ſtaͤts vor ihme niederfaͤllet / und ſich in 
die hoͤchſte Demuth vor ihme einſencket / die alles gerne leydet und 
thut / nur daß ſie moͤge Genade empfangen / welche willig iſt das 
Creutz Chriſti auff ſich zu nehmen / und aller Welt in ihrer Selb⸗ 
heit Spott nichts achtet / ſondern immerdar in Chriſti Liebe⸗be⸗ 
gierde eindringet. 

32. Dieſe Begierde alleine waͤchſet aus Chriſti Tode / aus ſei⸗ 
ner Aufferſtehung in GOtt aus / und bringet Fruͤchte in Gedult / 
welche in GOtt verborgen ſind / davon der irrdiſche Menſch nichts 
weiß / dann er befindet ſich in ſeiner Selbheit. 

33 Ein wahrer Chriſt iſt ein ſtaͤter Ritter / und gehet gantz 

in 


Cap.ıs. Rerum 201 


in Chriſti Perſon im Willen und Begierde(wie er auff Erden iſt 
einhergangen) ein. Chriſtus wolte / als er auff Erden gieng / 
den Tod uͤberwinden / und die menſchliche Selbheit indie wahre 

- Gelaffenheit in Gehorſam GOttes einführen : das begehretauch 
ein rechter Chrift zu thun / erbegehret iimmerdar des Todes und 
Grimmes Bogheit abzufterben / und fi in Gehorſam einzuges 
ben/ und in Ehrifto in feinem Gchorfam in GOtt auffzufichen 
und zu leben. 

34. Darımb lieben Brüder /hütet euch vor Chriſti Purpers 
mantel den umbzunehmen / dann ohne einen gelaffenen Willen, 
ohne Rewe der Sünden/ und ohne Umbwendung des Willens/ 
wird er Chriſto nur zum Spott umgenommen: huͤtet euch vor 
der Lehre / die von eigenem Vermoͤgen lehret / und von Wercken 

der Rechtfertigung. 

35. Ein wahrer Chriſt iſt ſelbſt das groſſe und aͤngſtliche 
Werd / das immer in GOttes Willen-Begierde würdet und 
treiber wider Die eigene Luft der Selbheit / er wilimmerdar gerne 
thun / und wird aber doch viclfaltigvonder Selbheit gehalten: 
Er zerbricht die Selbheit als ein Gefäße / darinnen er gefangen 
figt/und grünet mit feiner in GOtt gelaffenen Begierde im Wil⸗ 
len⸗geiſt GOttes immer aus (als cine fhöne Blume ausder Era 
den ausgrünet) und würdet mit und in GOtt / was GOtt 
gefället. 

36. Darumb ſoll die wahre Chriftenheitwiffen / und anjetzo 
hoch zu Gemuͤthe führen/mwas ihr geſagt wird/dag fte vom falfchen 
Wahn des Tröftens ohne IImbwendung des Willens ſoll aus⸗ 
gehen / esift nur eine ausgefprochene Form der Wiedergeburth. 
Ein Chrift muß ein Geift mit Ehrifto werden / und Chriſti Wil⸗ 
len und Leben in fich führen: Die Form machet ihn nicht new / eg 
hülffet weder tröften noch gute Wort geben) fondern ein Sterben 
des böfen angebohrnen Willens / und eine Aufferftchung eines 
neuen Willens / der GOttes Kind / und aus Chrifti Tode ausge⸗ 
bohren ift / Fein anderer Wille srreichet Chriſti Erbfchafft/ meins 
vielwiſſen thuts auch nicht/der Bich-hirte auff dem Felde iſt Gott 
fo nahe als ein Doctor: keine Subtilheit im Zancke umb dem 
Weeg GoOttes huͤlfft nichts darzu / es iſt nur eine Verhinderung 
und Auffyalten. 

37. Der wahre Wille gehet in die Liebe GOttes und feiner 
Kindes cin] er ſuchet keine Forme / ſondern er faͤllet vor ſeinem 
Schoͤpffer zu boden) und begehret des Todes der falſchen Selb⸗ 
heit / er ſuchet das Werck der aeg gegen allen Menſchen / er 9 

5 nie 


F 


so: DsStonarura Cap.ız. 


nicht im Spottender Welt grünen / fondern in feinem GOtt/ 
fein ganges geben ift eine lautere Buſſe und eine immer⸗Rewe 
des Ubels das ihme anhanget: Erfuchet feinen Glantz / ſich da⸗ 
mit ſehen zu laſſen / ſondern lebet in Demuth: Er erkennet ſich 
ſtaͤts fuͤr unwuͤrdig und fuͤr einfaͤltig / ſein wahres Chriſtenthumb 
iſt ihme in ſeiner Selbheit immer verborgen. 

38. Er ſaget: Ich bin in meiner Selbheit ein unnuͤtzer Knecht / unñ 
habe noch nie recht angefangen Buſſe zu thun oder zu wuͤrcken / er 
iſt immerdar im Anfange Buſſe zu wuͤrcken / und wolte die Porte 
der ſuͤſſen Genaden immer gerne erreichen / er gehet dahin als ein 
aͤngſtlich Weib zur Geburtharbeitet / und weiß nicht wie ihme 
gefchicht/ver Herr verbirget ſich vor ihine/auff dasfein Würden 
gegen ihme groß werde: Er ſaͤet in Angſten und Thranen / und 
kennet nicht feine Frucht / dann fleiftin Gpttverborgens wie 
ein mühfamer Botte einen weiten Weeg nach dem Ziel/ dahin er 
begehret / lauffet: alſo auch lauffet er nach dein weiten Ziel feiner 
Ruhe / und findetder nicht / eserfcheine ihm denn fein Perlein in 
ihrer Schöne) und faſſe ihn in ihrer Liebe: fo die von feiner Selb⸗ 
heit wieder weichet / ſo gehet das achzen und graͤhmen mit fFüter 
Begierde wieder an/ undruffek ein Tag demandern/ der Tag 
Der Nacht / und die Naht dem Morgen / und iſt da keine Stätte 
der Ruhe in der irrdiſchen Selbheit/als nur im ſchoͤnen Sonnen» 
glans jeiner edlen Perlein/ wann ihmedie Sonne inder Sins 
ſternuͤß auffgehet/ fo weichet die Nacht / umd ift alles Aengſten 
dahin. 

39. Darumb liebe Brüder / hůtet euch fuͤrm Zancke und Ver⸗ 
achten / da man umb die buchſtabiſche Form zancket; ein wahrer 
Chriſt hat umb nichts zu zaͤncken / dann er ſtirbet ſeinem Ver⸗ 
nunfft-begehren ab / er begehret nur GOttes Wiſſen in ſeiner 
Liebe und Genade / und laͤſſet alles andere hinfahren / wasumb 
die Form zancket / dann Chriſti Geiſt muß die Form in ihm ſelber 
machen / die aͤuſſere Form iſt nur eine Anleiterin/ / GOtt muß 
Menſch werden / oder der Menſch wird fonft nicht GOtt. 

40. Darumb iſt ein Chriſt der einfaͤltigſte Menſch auff Er⸗ 
den / wie Eſaias ſagt: Wer iſt fo einfaͤltig als mein Knecht ? 
Alle Heyden begehren der Selbheit/ und reiſſen ſich umb den Ge⸗ 
walt und Ehre /aber ein wahrer Chriſt begehret der abzufterben/ 
er. ſuchet nicht feine/ fondern Chriſti Ehr: Alles wasumb die 
Selbheit / als umb eigene Ehre und Wolluft diefes Schens zanc⸗ 
ket / das iſt heydniſch und vielmehr als heydniſch / ja teufliſch / wel⸗ 
cher von GOtt ausgieng in ein Eigenes / es decke ſich mit Chriſti 


Deck⸗ 


Cap. 19. Rerum | 203 


Deckmantel zu als cs immer wolle / fo iſt doch der Mann der fal⸗ 
ſchen Selbheit daruntur zur Herberge, 

41. Wiil er ein Chriſt ſeyn / ſo muß er der Selbheit erſterben / 
Das ihme dieſelbe nur von außen / als ein Kleid dieſer Welt an⸗ 
hange / darinnen er ein Gaſt und Pilgram iſt / er muß immerdar 
dencken daß er nur ein Knecht in ſeinem hocherhabenen Ambt iſt / 
und darinnen GOtt diene als ein Knecht / und nicht ſelbſt-eige⸗ 
ner Herr. Alles was ſich ſelber herret / ohne GOttes Ruff und 
Ordnung / das iſt vom Teufel / und dienet dem Teufel in feiner ei⸗ 
genen Gewalt und Geſtalt / ſchmuͤcke dich wie du wilt / ſo gilts 
vor GOtt nicht / dein eigen Hertz klaget dich an / daß du ein fal⸗ 
ſches Gewaͤchſe biſt / dein Adel und Hochheit huͤlffet dich auch 
nichts vor GOtt / fo du damit nicht GOttes Ordnung treibeſt / 
Bein Ambt iſt nicht dein / ſondern GOttes / fo du falſch darinnen 
einhergeheſt / ſo iſts dein eigen Gerichte uͤber dich / und richtet dich 
zum Tode / du biſt ein Knecht / und ob du ein Koͤnig biſt / ſo diene⸗ 
ſtu / und muſt mit dem aller aͤrmſten in die Wiedergebuhrt ein⸗ 
gehen / oder du wirſt nicht GOtt ſchawen. 

42. Alle eigene genommene Rechte und Gewalt / damit der 
Elende gequaͤlet wird / die kommen alle von der Selbheit / wel⸗ 
ches Urſtand iſt in der ausgeſprochenen Form / welche ſich mit der 
Forme haben in eine Selbheit eingefuͤhret / und von GOtt aus⸗ 
gefuͤhret / was nicht in Knechts Ambte vor GOtt dienet / das iſt 
alles falſch / es ſey hoch oder niedrig / gelehrt oder ungelehret / wir 
find allzumahl nur Diener des groſſen GOttes / nichts fuͤhret 
ſich in Eigenes ein / es werde dann in GOttes Zorn in der Impre[- 
fion der Paturgebohren. 

43. Uñ ob ein Chriſt ſchon ein @igenes befiget/welches nicht falfch 
iſt / ſo iſt er aber nurein Knecht darinnen / alsein Außtheiler ſei⸗ 
nes Herren / und ein Berwahrer des Herren Wercks; Er han⸗ 
delt feinem Herren darinnen / undnicht feiner Selbheit alleine: 
alles was. er gedencket in der Selbheit einzuführen und cinfühs 
ret / das führet er in den Angftlichen Kaften des Geiges / Neides/ 
eigen Wolluſt des Fleiſches / als ineinvon GOtt abtrünniges 
Gefaͤſſe ein /als indie Impreflionder Natur / und fkielets feinem 
Herren/der ihn hat zum Verwalter eingefest/abs Erift ein Dich 
GOttes und feines Weſens / er befchöne fich wie er wolle. 

44. Ein wahrer Chrift erkenner fich für einen Diener GOt⸗ 
tes / deme befohlen ift / mit GOttes Wercken recht umbzugehen: 


Er iſt nicht fein eigen / dañ er iſt auch in dieſem irrdiſchen Werck 


dieſer Hütten nicht daheime / er ſuchet / pflantzet und bawet / ae 
530 et 


204 DeSıcnartura Cap.ıs. 


bet und thut was er wolle / fo foller allezeit wiffen dag ers GOtt 
thue / und davon ſoll Nechenfchafftgeven/ und daß er in dieſem 
Werck ein fremder Gaſt und Diener ſey / und ſeinem Herren 
dienet / und gar nicht anſehe den Lauff ſeiner Vorfahren / welche 
darinnen in Wolluſt des irrdiſchen Lebens gewandelt haben: 
Wer dieſes thut / der iſt noch ferne vom Reich GOttes / und kan 
fi) nit keinem Gewiſſen und Grunde einen wahren Chriſten 
nennen / dann er ſtehet nur inder Form der Ehriftenheit / und 
nicht im Geiſt Chriſti: Die Form ſoll zerbrechen und mit der 
Zeit auffhoͤren / aber der Geiſt bleibet ewig ſtehen. 

45. Ein wahrer Chriſt iſt im Geiſt ein Chriſt / und in ſtaͤtter 
Ubung ſeiner ſelbſt Form zu gebaͤhren / nicht alleine mit Worten 
im Schalle / ſondern in der Krafft des Wercks als eine ſichtbahre 
greiffliche Form / nicht waͤhnen und gute Wort aus der eigenen 
Selbheit geben / und in der Selbheit bleiben / ſondern ſterben und 
im Willen GOttes in der Liebe-Selbheit als ein Diener GOt⸗ 
tes / in GOttes Wunderthat ausgruͤnen / in GOttes Willen 
ſein Inſtrument helffen ſchlagen / und eine klingende Seite in 
GoOttes Seitenſpiel ſeyn / in GOttes Halle! als im Verbo Fiat 
ein immermachendes Wort / das in und mit GoOtt ſchaffet und 
wuͤrcket / was GOtt machet / ſchaffet und wuͤrcket / als ein Werck⸗ 
zeug GOttes. 

46. Darumb du wehrte Chriſtenheit beſchawe dich} 
ob du jetzt im wuͤrckenden WortGottes in feinem Bil: 
Jen wuͤrckeſt / oder ob du nicht nur in der Form der Chris 
ſtenheit ſteheſt und dein Eigenes in Falſchheit wuͤrckeſt: 
Du wirft dich finden wie du ein Eckel vor dem Hoͤchſten 
biſt worden] und dein Ausſpeyen vom Höchtten aus dies 
fer Form / die du in deiner Selbheit haft in feine ausge: 
ſprochene Form eingefuͤhret balde erfolgen wird] und 
ſolches darumb / daß du dich mit der wahren Form zur 
deckeſt / und bift ein falſches Kind darinnen / fo biſtu ges 
ſuchet / und in deiner eigenen Forme mit einem falfıben - 
Deckel befunden worden. Alſo wie da dich haft in eine 
falſche eigene Form unter die wahre Form eingeführet / 
alſo ſollſtu dich auch felber zerbrechen! darzu hülfft dir 
der Himmel] deme du lange Zeitin Gehorſahm gedienet 
haſt / amd dafuͤr it fenanifhalten: Dein Werck in 

( ’ 





Capıı3. Rrerum 205 


der Turba erfunden worden / die fol fich damit im Zer⸗ 
breiben ergößen / wie du dich in deiner abteinnigen 
Falſchheit in deiner eigenen Form unter dem Namen 
der wahren Form aufgezogen haft / amd vor GOtt mit 
Schein-heucheley geheuchelt haſt / und nur demirzdis 
ſchen Menſchen gedienet. 

47. Aber der Knecht des Herren wird geſuchet und ge⸗ 
funden werden / der HErr weydet ſeine Schaͤflein in ſei⸗ 
ner eigenen Form / und fuͤhret fie ein in ſeine Weyde / 
das ſollen alle Stoltzen und Fetten erfahren / was der 
Her: für ein Gerichte über den Kreiß der Erden führen 
wird /umdalle Gottloſe Hoffnung follzerbrechen / dann 
der Tagder Ein:ernde nahet fih: ein Schrecken vom 
Herren erfchüttet das Erdreich | und feine Stimme 
hallet an den Enden der Erden / und gehet auff der 
STEAN feiner Wunder: Niemand währet das] 
dann es iſt im Mathe der Wächter in ven Thoren der 
Tieffe beſchloſſen worden. 

48. Daͤrumb mag fich ein jeder fischen und finden / dann eg 
iſt die Zeit der Heimfuchung herbey kommen / auf dag 
er in feiner Liebe funden werde / dann die Turba hat allen falfchen 
Luſt in ihr funden/ und der höchfte Würder aller Weſen offene 
bahret die Turbam , alsdann wird aller falfcher Luſt offenbahr / 
und gehet cin jedes Ding in feinen ewigen Behalter ein: Dann es 
ift alles aus Luſt erbohren worden / alfo folls auch in der Luſt ſei⸗ 
ne Endſchafft nehmen / und eine jede Luſt ihr gemachtes Werck 
einernden/ dann darzu ſeynd alle Ding erfihienen / auff dag die 
Ewigkeit in einer Zeit offenbahr werde: Mit Wunderthat hat 
fichs indie Form der Zeit eingeführet/ und mit Wunderthat fuͤh⸗ 
ret ichs wicder aus der Zeit in ihren erften Locum cin, Alle Din⸗ 
ge gehen wieder in das ein / daraus fie gegangen find / aber ihr ci= 
gen Form und Modell; wie fie fich im ausgefprochenen Halle ha⸗ 
ben eingeführet / behalten fie / und wird auch ein jedes Ding von 
feiner Gleichheit eingenommen werden / undiftdas Ende aller 
Zeit: und wie fichalle Dinge im ausgeſprochenen Wort gebaͤh⸗ 
ren / alſo figniren fie fih auch in ihrer innern Geſtaltnuͤß / welche 
auch das aͤuſſere alſo ſigniren. 

49. Der eigene Wille machet eine Form nach feiner inſte⸗ 

37 henden 


206 DeSıovwarura Ca.ıy 


henden Natur / aber im gelaffenen Willen wird eine Form nach 
dem Modell der Ewigfeit gemacht; wie es vor den Zeiten des 
Welt in ver ewigen Weißheit GOttes im Spiegel ift erkannt 
worden / alfo figurivets der ewige Wille in ein Modell feiner 
Gleichheit zu GOttes Ehre und Wunderthat : Dan alles was in 
feine Selbheit eingehet / das formet fich felber ; was fich aber 
frey laͤſſet Das wird vom freyen Willen geforinet / fo mag doch 
feine eigene Form mit eigenem Willen/ das einige Weſen erben / 
dann wo zween Willen in einem ſtnd / da iſt Widerwille. 

so. So dann Gott ein einiger GOtt iſt / fo muß alles das} 
was in ihme leben wil / ſeinem Willen und Halle aͤhnlich ſeyn: 
Gleich wie ein Seiten⸗ſpiel mug in eine Harmoney geſtimmet 
feyn / ob gleich vielerley Seiten mit vielerley Klang darinnen 
nd: Alſo muß auch die wahre menfchliche Harmonia mit allen 
Stimmen inein $iebe-fpiel geſtimmet ſeyn / und welcher Willens 
geiſt nicht in das einige Seiten⸗ſpiel im Goͤttlichen Hall einge⸗ 
ſtimmet iſt / das wird aus die ſem Hall außgeſtoſſen / und in ſei⸗ 
nen eigenen Hall / als in ſeine wahre Mit⸗ſtimmen feiner Gleich⸗ 
heit eingefuͤhret werden / dann eine jede Gleichheit ſoll das ihre 
einnehmen. 

gr. Iſt einer ein boͤſer Geiſt allhie worden ſo wirder in die 
Wurtzel feiner Gleichheit eingeführet werden / dann ein jeder 
Hunger nimt feines gleichen in ih ein: Se ift doch die gantze Of⸗ 
fenbahrung der Ewigkeit mit diefer Zeit anders nichts als ein 
Hunger und Gebähren ; Wie der Hunger ift / alfo wird auch 
fein Weſen feiner Erfüllung / dann mit dem Hunger hat die 
Ereatur ihren Anfang genommen/und mit dem Hunger gehet fie 
in ihr Ewiges ein z Im Hunger gebichret fich der Geiſt ſambt 
dem Eörper/undim felben Hunger faͤhret der Geift in fein Ewi⸗ 
ges ein/ er breche dann feinen erſten Hunger / und führe fich in eis 
nen andern durch Sterben ein/ fonftift alles fo bald es gebohren 
ift/an feinem Ende ;aberder Todift daseinige Mittel / dadurch 
der Geift mag in eine andere Quaal und Form eingehen: So er 
ſeiner Selbheit abſtirbet / und ſeinen Willen im Tod zerbricht / ſo 
waͤchſet ein neuer Zweig aus dieſem aus / aber nicht nach dem er⸗ 
ſten Willen / ſondern nach dem ewigen Willen / dañ ſo ein Ding in 
fein Nichts eingehet / ſo iſts dem Schoͤpffer wieder heimgefallen / 
der machet das Ding wie es iſt im ewigen Willen erkannt wor⸗ 
den / ehe es zur Creatur geſchaffen ward / da iſt es im rechten Ziel 
der Ewigkeit / und hat Feine Turbam, denn es iſt an der Na⸗ 


tur Ends, 
5% Alles 


Cap.16, Rerum. 207 


52. Alles was in der Natur lauffet / das quälet fich / was aber 
der Natur Ende erreichet / das ift in Ruhe ohne Quaal/ und 
würcfet doch/aber nur in Einer Begierde. Alles was in der Nas 
sur Angft und Streit machet / das machet in GOtt eitel Freude / 
dann das ganke Himmelscheer ift alles in eine Harmoney gea 
richtet : Ein jedes Königreich der Engel in ein fonderlich Inſtru—⸗ 
ment/aber alles ineinander in Eine Mufica, allesin dem einigen 
Liebe-hall GOttes / eine jede Seiten Diefes Spiels erhebet und 
erfreuet die andere / und iſt ein eitel Siche- Hören / Schmaͤcken/ 
Fühlen Riechen und Sehen/alles was GDtt in fich felber ift/das 
iſt auch die Creatur in ihrer Begierde in ihme / ein Gott-Engel 
und ein Gott: Menfh/ GOtt alles in allem / und auffer ihme 
nichts mehr: Wie es war vor den Zeitendiefer Welt in feinem 
ewigen Hall / alſo auch bleibets in dem creatuͤrlichen Hall in ihme 
in feiner Ewigkeit / und das iſt ver Anfang und das Ende alles 


Dinge. 
| Das 16. Capittel. 


Von der ewigen Signatur und himliſchen Freude / war⸗ 
umb alle Dinge in Voͤſe und Gut find eing 
führer worden. 


3. Fe Echöpffung oder ganke Creation ift anders 
In nichts als eine Offenbahrung des allweſenden une 
gründlichen GOttes / alles was er in feiner ewi⸗ 
gen unanfänglichen Gebährung und Regiment 
ift / deſſen iſt auch die Schöpffung /aber nicht in 
der Allmacht und Krafft / fondern gleich als ein Apffel auff dem 
Bam wächfet / der iſt nicht der Baum felber / fondern waͤchſet 
aus Krafft des Baums: Alfo find alle Dinge aus Göttlicher 
Begierde entfprungen und inein Weſen gefchaffen worden / da 
am Anfange Fein Weſen darzu vorhanden war / fondern nur 
daffelte Myſterium der ewigen Gebährung / in welchem eine ewi⸗ 
ge Vollkommenheit iſt geweſen. 
2. Dann GH hat nicht Die Creation erbohren / daß er da⸗ 
durch vollkommen wuͤrde / ſondern zu ſeiner felbft- Offenbahrung / 
als zur groſſen Freude und Herrligkeit: Nicht dag ſolche Freude 
erſt mit der Creation habe angefangen ; Nein / dann ſie iſt von 
Ewigkeit im groſſen Myfterio geweſen / aber nur als cin geiftlich 
Spiclin ſich ſelber. Die Creation oder Schöpffung ift daffelbe 
Spiel aus fich felter/ als ein Modell oder Werckzeug er h 
eiſtes 


208 De Sıcnartura Capie 


Geiftes/ mit welchem er fpielet / und iſt eben als cine groffe Har⸗ 
money viclerley Sautensfpiel/ welche alle in Eine Harmoney ge» 
richtet ſeynd. 

3. Dann das ewige Wort oder Göttliche Halloder Stimme) 
welche ein Geiſt iſt / das hat fich in Fermungen als in ein auß⸗ 
gefprochen Wort oder Hallmitder Gebährung des groſſen My- 
fterii eingeführet / und wie das Freuden⸗ſpiel im Geiſte der ewi⸗ 
gen Gebaͤhrung in ſich ſelber iſt / alſo iſt auch der Werckzeug / 
als die außgeſprochene Form in ſich ſelber / welches der lebendige 
Hall fuͤhret / und mit feinem eigenen ewigen Willen ⸗geiſt ſchlaͤ⸗ 
get / daß es lautet und hallet / gleich wie eine Orgel von vielen 
Stimmen mit einer einigen Lufft getrieben wird / daß eine jede 
Stimme/ ja eine jede Pfeiffe ihren Thon gibt / und ift doch nur 
einerley Lufft in allen Stimmen / welche in jeder Stimme Haller 
Nach dehme das Anftrument oder Orgelgemacht tft. 

4. Alſo iſt in der Ewigkeit im gantzen Werck der Göttlichen 
Dffenbahrung nur ein einiger Geift / welcher der Offenbahrer im 
aufgefprochenen Hall fo wohl im fprehenden Hal GOttes iſt / 
welcher das Leben ift des groffen Myfterii und allesdeffen was 
daraus erbohren iſt / er iſt der Offenbahrer aller ABerde GOttes. 

5. Alle Engliſche Koͤnigreiche find als ein zugerichtet Werck / 
als eine Offenbahrung des ewigen Halles der Stimmen GOt⸗ 
tes / und find als cin Particular aus dem groſſen Myſterio, und 
find im Böttlichen ewig-fprechenden Wort/Halle over Stimme 
GoOttes doch nur Eines / dañ ein einiger Geift regierefdas : Ein 
jeder Engliſcher Fuͤrſt ift eine Eigenfchafft aus der Stimme 
Gottes / und träget den groffen Namen GOttes / gleich wie wir 
deffen ein Bildan den@ternen amFirmament haben / und an den 
Königreihen und. Herrſchafften auf Erden unter allen Geſchlech⸗ 
ten / da ein jeder Herz feines DObern Titul und Untern Namen und 
Aubt trüget/alfo auch die Sternen am Firmament / die find allen 
ſambt nur ein einig Regiment / und haben ihr Fuͤrſtlich Kegiment 
in Krafft unter ſich / da die groſſen Sternen den Namen und das 
Aubt der Geftaltnüffen im Myſterio der ſieben Eigenfchafften 
fragen /und die andern nach ihnen / als ein Particular der Häufer 
oder Abtheilung /dacin jedesiftalseine fonderliche Harınoney 
der Wuͤrckung gleich einem Koͤnigreich / und gehet doch allesin ei» 
ner. Harmoney/ gleich einem Uhrwercke / das ineinander gerichtet 
ift/va alles ineinander würdet/und behalten doch die groffen Fix⸗ 
ferne ihre fonderliche Eigenfehafften in dem Weſen der Wuͤrc⸗ 
bung / fuͤrnemlich die fichen Plansten nach den ſicbenEigenſchaſ 

en 


Cap. 16. Rerum . 209 


ten der Natur / als eine Nach-gebaͤhrerin des ewigen MyRterii,oder 
als ein Werckzeug des Geiſtes aus dem ewigen Myſterio. 

6. Diefe Gebuhrtdes Geftirns gebichret in den vier Elemens 
ten/alsin ihrem Leibe oder Weſen Freud und Leyd / und ittin fich 
ſelber doch alles ſehr gut / alleine die Verwandlung der Ereatur 
tomtausder Luſt / Dadie Creatur den Grimm des Feuersinden 
Eigenfchafften in die. Höhe führer /und aus der Gleichheit der 
Concordan& außfuͤhret. 

* KeinDing iſt boͤß das in der gleichen Concordang bleibet / dañ 
das dasallerböfefte mit ſeiner Außfuͤhrung aus der Concordantz 
machet / das machet auch das allerbeſte in ver gleichen Concor- 
dans: Was da Leyd machet / das machet auch in der Gleichheit 
Freude. 

8. Darumb fan eine Creatur ihren Schoͤpffer beſchuldigen / 
daß er die habe boͤß gemacht: Es iſt alles ſehr gut / aber mit ſei⸗ 
ner ſelbſt⸗ Erhebung und Außgehung aus der Gieichheit wirds 
boͤß Fund führer fich aus der Liebe und Sreudenzgeftaltnüß inein 
peinliche Geftaltnüg ein. 

9. König Lucifer fund nit feiner hoͤchſten Freudenreich im 
Anfang feiner Schöpffung/ aberer gieng aus der Gleichheit ang 
und erhub fich aus der Concordans in die Ealte finitere feuriſche 
Gebaͤhrung / aus welcher die hitzige Feuers⸗gebaͤhrung urſtaͤn⸗ 
det / er gieng aus feiner Ordnung aus / aus der Harmoneh / d darin⸗ 
nen ihn GOTT ſchuff / er wolte ein Herr über alle feyn: Alfo 
gieng er auch in die ſtrenge Feuers⸗ herrfchafft ein /und iſt nun 
ein Inſtrument inder ſtrengen Feuers⸗macht / auff welchem auch 
der allwefende Gift ſchlaͤget / und auff feinem Inſtrurꝛent hallet: 
Aber nach des grimmen Feuers Eigenſchafft / wie die Harmoney / 
als die Lebens⸗geſtaltnuͤß in jedem Dinge iſt / alſo iſt auch fein 
Hall oder Klang des ewigen Halles darinnen / in den Heiligen 
heilig / und in den Verkehrten verkehrt. 

10. Alles mu den Schoͤpffer aller Weſen loben / die Teufel 
loben ihn in der Macht des Grimmes / und die Engelund Mena 
ſchen loben ihn in der Mast der Siebe. 

ıı. Das Wefen aller Wefen ift nur cin einiges Weſen / aber 
es fcheidet fich in ſeinerGebaͤhrung in zwey Principia, als in Liecht 
und Finſternuͤß / in Freud und Leyd / in Boͤſes und Gutes / in Liebe 
und Zorn / in Feuer und Liecht / und aus dieſen zweyen ewigen 
Anfaͤngen / in den dritten Anfang / als in die Creation zu ſeinem 
eigenen Liebe⸗ fpiel/ nad) bepder ewigen Begierde Eigenfchafft. 

z2. Alfo gehet ein jedes Ding in feiner Harmoncy / und wird 

von 


210 DeSıcnaturA Cap.ı6, 


von einem einigen Geiſt getrieben / der ift in jedem Dinge wie 
des Dinges Eigenschaft ift/ und des ift das lihrmerck des groffen 
Mytterii ver Ewigkeit injedem Principio ‚nach des Princ pii Ei⸗ 
genfchafft/ und dann nach der inftehenden Geftalt des zugeriche 
geten Inſtruments derfelben Creatur / und in allen diefen An» 
aͤngen. 

13. Alles deſſen was seitlich iftfift der Tod das Scheide⸗ ziel / da 
das Boͤſe mag zerbrechen / was aber aus den ewigen Anfangen 
entftehet/ und in feiner Harmoney und gebens-geftältnüg in eine 
andere Figur eingehet/ das gehet aus GOttes Harmoncy / aus 
der wahren Ordnung / Dareines GOtt geſchafſen hat / aus / und 
wird ausderfilben Harmoney außgeſtoſſen in feine Gleichheit / 
als ein ungleiches Spiel oder Klang in ver groffen und ſchoͤnen 
gleich⸗ ſtimmenden Harmoney: Dann es iſt ein widerwertiges / 
es fuͤhret andern Thon / Klang und Willen / und alſo wirds in 
ſeine Gleichheit eingefuͤhret. 

14. Und darumb iſt dem Teufel die Hoͤlle zum Haus und 
Wohnung gegeben worden: weil es ſeines Lebens Geſtaͤltnuͤtzi in 
GOttes Zorn und in den Feuers— grimm der ewigen Natur ein⸗ 
geführethat : daß er das Inſtrument im ewigen Feuer GOttes 
ſey / und alſo ſchlaͤget der Zorn-geiſt fein Inſtrument / und muß 
dannoch zu GOttes Ehr und Wunderthat ſtehen und das Spiel 
in des grimmen Zorns Begierde und Eigenfchafft ſeyn. 

5. Der Zorn md Grimm G Dies iſt nun feine Frende/niche 
daß er zagete und fraurete oder in Unmacht lebete ; Nein / fons 
dern in groffer Stärde und Feuers-macht / als cin gewaltiger 
König und Herry aber nur imderfelben Eigenfcharft / dieer felber 
iſt / als im erftan Principio in der finſtern Welt. 

16. Alſo iſt uns in gleichen zu erkennen die Engliſche Welt / 
als das andere Principium ‚da GOttes Liecht und Klarheit in al⸗ 
lem Weſen erſcheinet / und der Göttliche Hall oder Stimme in 
allen Ereaturen in der groffen Freudenreich auffgehet: Dader 
Gift aus dem Görtlichen Hall eine Freudenreich / und groffei im⸗ 
merwehrende Liebe-begierde / in denſelben Creaturen / und in al⸗ 
len Goͤttlichen Engliſchen Weſen machet; gleich wie tm pein⸗ 
lichen Feuer ein Zittern der Angſt-quaal iſt / alſo iſt auch im⸗ 
gleichen im Liebe⸗und Liecht⸗feuer ein Zittern der Freuden⸗reich / 
als eine groſſe Erhebung der Stimme GOttes / welche alſo in 
den Engeln und dergleichen Creaturen / als in Seelen der Men⸗ 
ſchen eine groſſe Offenbahrung der Goͤttlichen Freudenreich 
machet. 

17. Die 





Cap. 16. Rerum. 211 


17. Die Stimme GOttes fuͤhret ihre Freude durch die Crea⸗ 
tur / als durch ein Inſtrument immer und ewig aus: Die Crea⸗ 
tur iſt die Offenbahrung der Stimme GOttes / was GOtt in der 
ewigen Gebaͤhrung feines ewigen Worts aus dem groſſen My- 
ſterio des Batters Eigenſchafft iſt / das iſt die Creatur in einem 
Bilde / als ein Freuden ⸗ſpiel / damit der ewige Geiſt ſpielet. 

18. Alle Eigenſchafften des groſſen ewigen AMyſterii der Ge⸗ 
baͤhrung aller Weſen ſind in den heiligen Engliſchen und menſch⸗ 
lichen Creaturen offenbahr / und iſt uns nicht alfo davon zu ge⸗ 
dencken / als ob die Creaturen nur ſtille ſtuͤnden / und ſich der. Herr⸗ 
ligkeit GOttes freueten / und nur in Freuden zitterten: Rein} 
ſondern gleic) wie der ewige Geift GOttes in dem groffen Myſte- 
io der Göttlichen Gebaͤhrung von Ewigkeit in Ewigkeit wuͤrc⸗ 
ket / und die unendliche und ungehlbahre Weiß heit GOttes im⸗ 
mer offenbahret; gleich wie die Erde immerdar ſchoͤne Blumen } 
Kräuter und Baͤume / fo wohl Metallen und Weſen gebiehret / 
und je einmahl herrlicher / ſtaͤrcker und ſchoͤner hervor bringet / als 
das ander; und wie bald im Weſen eines auffgehet / das ander 
unter / und eine immerwaͤhrende Nieſſung und Arbeit darmit iſt. 

19. Alſo iſt auch die ewige Gebaͤhrung des heiligen Myfterii 
in groffer Kraft und Wiederbringung / da je eine Goͤttliche Frucht 
der groſſen Liebebegterde neben ver andern im Soͤtt lichen Weſen 
ſtehet / und iſt als ein immer⸗Ningen / ein Bluͤhen der ſchoͤnen 
Farben / und ein lieblicher Geruch aus dem Goͤttlichen Mercutio, 
nach der Goͤttlichen Natur Eigenfchafft / ein Immer guter Ge⸗ 
ſchmack der Siebe aus Göttlicher Begierde, 

20. Alles das werfen. diefe Welt ein irrdiſch Gleichnuͤß und 
Spiegel ift/ dasift im Göttlichen Reich in groffer VBolltommens 


heit im geiftlichen Weſen; nicht nur Beift / als ein Wille oder 


Gedande/ fondern Wefen/ cörperlich Weſen / Safft undKrasft / 
aber gegen der äufferen Welt wie unbegreifflich: Dann aus dem⸗ 
felben geiſtlichen Wefen) in welchem das reine Element ift/ fo 
wohl aus dem finftern Aefen im Myfterio des Grimmes/ als 
„dem Urftand des ewigen lautbahren Weſens / daraus vie Eigen 
"fhafften entſtehen / iſt dieſe ſichtbahre Welt erbohren und ge= 
ſchaffen worden / als ein außgeſprochener Hall aus dem Weſen 
aller Weſen. 

21. Nicht iſt fie aus dem ewigen Weſen gemacht worden / ſon⸗ 
dern aus dem Außhauchen des ewigen Weſens / aus Liebe und 
Zorn/ aus Boͤſem und Gutem / als eine eigene Gebaͤhrnng eines 
eigenen Principii in der Hand des ewigen Geiſtes. 

22, Dar⸗ 


2123 De Sıenartura Cap. 16. 


22, Darumb alles was in diefer Weltift / das ift ein Fuͤrbild 
der Engliſchen Welt / nicht dag das Boͤſe / welches in diefer Welt 
neben dem Guten zugleich offenbahr iſt im Himmel offenbahr 
ſey; Nein / es iſt geſchieden in zwey Principia: Im Himmel iſt 
alles gut / was in der Hoͤlle boͤß fo wohl Angſt und Pein iſt / das 
iſt im Himmel gut und eine Freude / dann es ſtehet alles in der 
Liechts-quaal / und in der Hoͤilen ſtehet alles im Grimme in der 
finſtern Quaal. 

23. Die Hoͤlle / als die finſtere Welt hat auch ihre Gebaͤhrung 
Der Fruͤchte / und iſt eben ein ſolches Weſen und Regiment in 
ihnen als im Himmiel / aber auff Arth der grimmen Eigenſchafft / 
dann die feuriſche Eigenſchafft machet in der Finſternuͤß alles 
boͤſe / und im Liechte aues gut / und iſt in Summa in beyden ewi⸗ 
gen Welten alles eines. 

24. Aber Finſternuͤß und Liecht ſcheidet das / daß es als eine 
Feindſchafft gegen einander ſtehet / auff daß erkannt werde / was 
bög oder gut / Freud oder Leyd / fo wohl Liebe oder Zorn ſey: Es 
iſt nur der Unterſcheid / zwiſchen der Liechts-Liebe-begierde / und 
zwiſchen der finſtern Zorn⸗begierde. 

25. Im Urſtand der ewigen Natur in des Vatters Eigen» 
ſchafft im groffen Mylterio aller Weſen ifts gank eines: Dani 
doch in der Englifchen Welt auch eben daſſelbe einige Feuer / 
aber in anderer Qugal / alsein Siebesfeuer / welchesven Teufeln 
und der Hoͤllen eine Gifft oder Zorn⸗feuer iſt / dann das Liebe⸗ 
feuer iſt des Zorn⸗feuers Tod / Sterben und eine Feindſchafft / es 
nimt den Grimm den Gewalt / und das wil der Grimm nicht / 
and kan auch nicht ſeyn / dann wann kein Grimm waͤre / ſo waͤre 
auch kein Feuer / und auch Fein Liecht / wañ nicht der ewige Grim̃ 
waͤre / ſo waͤre auch nicht die ewige Freude: Der Grimm ver⸗ 
wandelt ſich im Liecht in Freude: Des grimmen Feuers Weſen 
nach der Finſternuͤß erſtirbet im grimmen Feuer / und gehet aus 
demſelben Sterben auff das Liecht-⸗und Liebe-feuer: Gleich wie 
das Liecht aus der Kertzen brennet / und in der Kertzen iſt das 
Feuer und Liecht ein Ding: 

26. Alſo iſt auch das groſſe Myſterium aller Weſen in der E⸗ 
wigkeit in ſich ſelber Ein Ding / aber in ſeiner Außwicklung und 
Offenbahrung tritts von Ewigkeit in Ewigkeit in zwey Weſen / 
als in Boͤſes und Gutes ein: Was einem Dinge böß iſt / das 
iſt dem andern gut /die Hölle ift ven Engin boͤß / dann fie find 
nicht darinn gefchaffen worden] aber den andern hoͤlliſchen Crea⸗ 
turen iſt ſie gut. 

27. Alſo 





Cap.16. Rerum. 213 


27. Alfo ift auch der Himmel den Höllifhen Erenturen böp/ 
dann er iſt ihr Gift und Zod/ ein ewig Sterben / und eine ewige 
Gefaͤngnuͤß. Darumb ifts eine ewige Feindſchafft / und wird 
GHttalleine ein GOtt nach dem Liccht feiner Liebe genannt: Er 
ifts wohl alles felber /aber nach der Finſternuͤß fpricht er: Ich 
bin ein zorniger epfferiger GOtt / und ein verzehrend Feuer ; eine 
jede Creatur follin ihrem Loco bleiben / darinnen fte iſt in ihrer 
Schöpffung ergriffen worden/und in ein Bild formiret/umd nicht 
aus derfelben Harmoney abweichen / oder wird zum Feinde des 
Weſens aller Weſen. 

28. Als dann die Hoͤlle ſo wohl ein Feind des Teufels iſt / dann 
er iſt ein frembder Gaſt darinnen / als ein Meyneidiger aus dem 
Himmel: Er wil ein Herz ſeyn in dehme / darinnen er nicht ges 
ſchaffen iſt worden. Die gaͤntze Creation ſchilt ihn für einen 
meyneidigen abgefallenen falſchen Geiſt / der aus ſeiner Ordnung 
iſt abgewichen / dann auch die Natur im Grimme fein Feind iſt / 
ob er wohl derſelben Eigenſchafft iſt / ſo iſt er doch ein Frembder 
und wil Her ſeyn / und hat Doch fein Königreich verlohren‘/ und 
iſt nur cin Haussgenog im Grimme GOttes. Derzureich war/ 
der ift zu arm worden/ er hatte alles als er in der Demuth ſtund / 
und nun hat er nichts / und iſt darzu im Schlund gefangen: Das 
iſt feine Schande / daß er ein Ki onig iſt / und hat fein Königreich 
in Hoffahrt verſchertzet: Die Königliche Creatur bleibet / aber 
Das Regiment iſt weg / aus einem König iſt ein Nac-richter 
worden: Was GOttes Zorn ergreiffet/ allda ift er Richter / ale 
ein Ambtmann GOttes Zorns / der dannoch thun muß was fein 
Kerr wil. 

29. Dieſem widerfpricht die Bernunfft ohne gnugfame Er⸗ 
kaͤntnuͤß / und faget : Gott iſt allmachtig und allwiffend / er 
hats gemacht / und mit ſeinem Werck gethan was er wil / wer wil 
mit dem Hoͤchſten hadern? Ja liebe Vernunfft / jetzt haft du den 
Braden / lerne vor erſt das AB Cim groſſen Myſterio. 

30. Alles was aus dem ewigen Willen ift/als das aus dem groſ⸗ 
fen ewigen Myfterio aller Weſen urſtaͤndet / (als da ſind Engel ur 
Seelen der Menſchen) das ſtehet in gleicher Waage / in Boͤſen 
und Guten / im freyen Willen/als GOtt ſelber: Welche Begierde 
in der Creatur in die Qualificirung auffgehet / und die andere 
übertrifft / veffen Eigenfchafft ift die Creatur ; gleich wie eine 
Kerze ein Feuer aus ſich erbichret/und aus dem Feuerden Wind 
. welchen Wind das Feuer wieder in fich ziehet / und doc wieder 

won ſich gibet: und wann dieſer Geiſt vom Feuer und Liecht auß⸗ 


gangen 


? 


214 Dr Sıcnarura Cap. 16. 


gangen iſt / ſo iſt er vom Feuer und Liecht frey: welche Eigen⸗ 
ſchafft er annimmet / deren iſt er. 
31. Das erſte Myſterium darinnen die Creatur ſtehet / iſt das 


allweſende Mylterium : une das andere im außgehenden Geiſt iſt 


ſein Eigenthumb / und ein eigener Wille. Hat doch ein jeder 
Engel ſeinen eigenen Geiſt / der aus ſeinem eigenen Myſterio, 
welches aus der Ewigkeit feinen Urftandhat/auggebohren wird: 
Warumb wird derſelbe Geift ein Verſucher GHftes / und ver⸗ 
ſuchet das Myfterium , welches ihn alsdanı im Grimme fünget / 
wie dem Lucifer gefchehen iſt: Er hatte den Zug zu GOttes 
Grimm und zu Gottes Liebe in fich / warumb bleibet der Beift 
(fo aus ven beyden erbohren wird) welcher die Gleichheit des 
Geiſtes GOttes ift / nicht in feinem Sitze in Gehorſam / als ein 
Kind vor der Mutter in Demuth? 

32. Sprichſt du / er kan nicht. Das iſt kein Grund; Ein je⸗ 
der Geiſt ſtehet an dem Orth da er geſchaffen iſt / in gleichem Ge= 
wicht / und hat ſeinen freyen Willen: Er iſt ein Geiſt mit dem 
allweſenden ewigen Geiſt / mag er ihme doch eine Luſt in dem all⸗ 
weſenden ewigen Geiſte ſchoͤpffen wie er wil / in GOttes Liebe 
oder Zorn / worein er ferne Luſt einfuͤhret / deſſen Weſen und Ei» 
genſchafft empfaͤhet er im groſſem Myſterio aller Weſen. Die 
Gebuhrt iſt in GOtt in Liebe und Zorn offenbahr / warumb nicht 
auch in der Creatur / fo aus GOttes Weſen und Willen / aus ſei⸗ 
ner Stimmeund Halle in ein Bild iſt erſchaffen worden? Wel⸗ 
che Eigenſchafft des Halles die Creatur in ſich erwecket / dieſelbe 
hallet und regieret die Creatur. 

33. GOttes Wille zur Creatur war doch nur einer / als eine 
allgemeine Offenbahrung des Geiſtes / wie ein jeder in der Ei⸗ 
genſchafft des ewigen Myfterii ergriffen ward: So ward dochLu⸗ 
cifer in guter Engliſcher Eigenſchafft ergriffen / das bezeugets 
genug / daß er cin Engel im Himmel war / aber fein eigener incot⸗ 
porirter Willen⸗ geiſt ſchwang ſich in die grimme Mutter / dieſel⸗ 
be in ſich zu erwecken / und damit ein Herz über alles Geſchoͤpffe 
zufepn: Nun iftdoch der Willengeift frey / Er iſt der ewige 
Urſtand / er thut was er wil. 

34. Darumb daß ſich ver Willenzgeift / der doch aus Liebe 
und Zorn / aus beyven ewigen Principien urftändet / hat dem 
Grimme eingegeben/mit welchem ſich der Grimm empor und ins 


Regiment geſchwungen / und aus der gleichen Harmoniaerhaben 


in eine Ungleichheit / fomufte er in feine Gleichheit eingetric» 
bon werden : das iſt fein Fall / undalfo ift auch aller böfen Men» 
ſchen Fall, 35. Nun 


Cap. 16. Rerum. 215 


35. Nun zeucht die eigene Bernunfft die Schrift an/da ge> 
ſchrieben ſtehet: Viel feynd beruffen / aber wenig feynd außer⸗ 
wählet. Irem: Jacob habich geliebet/ und Efau gehaffet, Item: 
Hat nichtein Töpffer Macht aus einem Thon zu machen was er 
wil ?ꝛc. Ich fage auch alfo/ dag ihrer viel beruffen find /aber 
wenig angerwählet : : Dann fie wollen nicht / fie Ihwingen ihren 
freyen Willen in GOttes Zorn / allda werden fie ergriffen / ſo 
werden ſie alsdann zu Kindern des Zorns erwaͤhlet / da ſie doch in 
Adam alle ins Paradiß und in Chriſto in die Wiedergebuhrt 
beruffen waren/ aber fte wolten nicht /der freye Wille wolte nicht, 
er ſchwang fih in Grimm GOttes / der ergriff ihn / alfo waren 
fie nicht erwaͤhlete Kinder: Dann Gottes Liebe erwaͤhlet ihr 
nur die Gleichheit / alſo auch GOttes Zorn / und ſtehet doch den 
Gottloſen / welche der Zorn GOttes ergriffen hat / die Pforte der 
Wiedergebuhrt offen: Der Menſch hat den Tod in ſich / dadurch 
er mag dem UÜbelabfterben / aber der Teufel nicht / dann er war in 
die hoͤchſte Vollkommenheit geſchaffen. 

36. Alſo iſts auch mit Jacob und Eſau: In Jacob war die 
Linea Chriſti im ringenden Rade empor geſchwungen / und in 
Eſau der Fall Adams. Nun war doch Chriſtus darumb in die 
Menſchheit verheiſſen / den Fall Adams zu heilen / und den im 
Grimme gefangenen Eſau / vom Grimme zu erloͤſen: Jacob be— 
deutet Chriſtum / und Efau Adam. Nun ſollte Chriſtus Adam 
vom Tode und Zorn / darinnen er war ergriffen / erloͤſen: Iſt 
aber Eſau in Suͤnden blieben / Das weiß ich nicht / auch ſaget das 
die Schrifft nicht; der Seegen gehoͤrete Eſau / das iſt Adam / aber 
er verſchertzete ihn mit dem Fall / ſo fiel der Seegen auff Jacob / 
das iſt auff Chriſtum / der ſollte Adam und Eſau ſeegnen / daß 
dem Adam und Eſau das Reich und der Seegen wieder aus Ge⸗ 
naden gegeben wuͤrden / und dem Eſau / ob er ſchon im Fluche er⸗ 
griffen ward / die Genaden-thuͤr in Jacob / das iſt / in Chriſto 
offen ſtuͤnde. 

37. So ſprach Jacob / das iſt / Chriſtus hernach / als er in A⸗ 
dams Seel undFleiſch eintratt: Komt alle zu mir her / ihr / die ihre 
muͤheſehlig und in Suͤnden beladen ſeyd / Ich wil euch erquicken. 
Item: Ich bin kommen die Sünder zur Buſſe zu ruffen; nicht 
ne der bedarff es nicht / fondern Eſau / der bedarff es: 
nd fo er ( Eſau) kommen iſt / fo faget Chriſtus: Es iſt Freude 
im Himmel über ihn / mehr alsüber neun und neungig Gerech⸗ 
ten / die der Buſſe nicht bedoͤrffen: Mehr als über neun und 
neuntzig Jacob / die in Chriſti Linea ſind im Centro des Lebens 
Auffgang ergriffen worden: Liber einen armen Sünder den der 


Zorn 


216 Ds Sıcnartura Cap.ı6, 


Zorn im Centro des Grimmes GOttes ins Sehens Anfang er> 
griffen hat der zum Berdammüg erwaͤhlet ift / iſt Freude / foer 
mit der Sünde des Todeswieder ins Sterben der Sünden ein» 
gehet/ mehr als über neun und neunsig Gerechten / die der Buſſe 
nicht bedürffen. 

38. Wer find aber die Gerechten ? Dann in Adam find wir 
alle Sünder worden : Refp. Das fi nd ſie / welche die Linea 
Chriſti in der Menſchheit ins Lbens Auffgang ergreiffet / nicht 
daß ſie nicht koͤnten fallen / als Adam / ſondern darumb dag ſie in 
Chriſti Willen⸗geiſt im ringenden Rade / da Liebe und Zorn in 
gleicher Waage ſtehet / ſind ergriffen / und zum Leben erwaͤhlet 
worden: Als dem Jacob / aus) Iſaac und Habel geſchach: Aber 
dieſe Linea ſollte Cains / Iſmaels und Eſaus Prediger und Leh⸗ 
rer ſeyn / und ſie zur Buſſe und Umbwendung aus dem Zorne ver⸗ 
mahnen/und dieſelbe Linea ſollte ſich in Adam / Cain / Iſmael und 
Eſau in ihren Zorn (der in ihnen entzuͤndet war ) eingeben / und 
dem Teufel den Stachel mit der Liebe zerbrechen / daß Cain / 
Iſmael und Efau eine offene Thür zur Genade hätten / fo fie 
wolten umbEchren und in Jacob fterben / das iſt / in Chriſti Tod 
eingehen/undder Suͤnden in Habel / Iſaac / Jacob / und Ehrifto 
abſterben / ſo ſollen ſte in der Außerwaͤhlung in Genaden einge» 
nommen werden. 

39. Jacob nahm Eſaus Stelle im Seegen ein / warumb ge> 
ſchach das? In Jacob war der verheiſſene Saame Abrahams 
und Adams / aus dieſer Lineafollte der Seegen auffden fündigen 
Adam und Efau Fommen : Zacob muſte mit GOttes Seegen 
erfüllet werden /dag er den zornigen Adam und Efau den Erſt⸗ 
gebohrnen feegene : Dann in unferm Sleifh und Seele follte 
der Seegen / als Chriftus / gebohren werden / auff daß des Wei⸗ 
bes Saame könte der Schlangen den Kopff zerfretten. 

40. In der Menſchheit muſte der Zorn erfi aͤuffet und geſtillet 
werden: Nicht ein Opffer thaͤte es / fondern ein Eingeben in den 
Grimm / daß die Liebe den Grimm erfänffete / Jacob in Ehrifte 
muſte Eſau in feinem Blute in der Liebe⸗krafft erfäuffen / auf 
daß Eſau auch ein Jacob in Chrifto würde /fo aber Eſau gen 
Bruder Jacob nicht hatte wollen annchmen/ und umb dikerfte 
Gebuhrt gezandet /dasift Adam in Sünden /der wil und kan 
Chriſtum nicht annchmen dann er foll und mu dem fündigen 
Fleiſche und Willen abflerben. Darumb hat Efan immer 
Streit wider Jacobgeführet: Dann Jacob follte ihn in Chriſto 
in ſeinem Blute erſaͤuffen / das wolte der boͤſe Adam in Eſau 
nicht haben / er wolte in ſeiner Selbheit leben / darumb ſt ritteer 
nit dem irrdiſchen Adam wider Jacob. 41. Als 


Cap. 16. -Rerun. 217 


41, As ihme aber Jacob mit feinem Gefchende entgegeit 
gieng / das iſt / da Chriſtus mit feinem Liebe-geſchencke in vie 
Menfchheit kam / da fiel Efau feinem Bruder Jacob umb den 
Half und weinete : Dann als Chriftus in die Menfchheit ein» 
gieng / fo weinete Adam in Efau / und reuete ihn feiner Suͤn⸗ 
den / und feines Vorſatzes / daß er Jacob tödten wolte; dann als 
Gottes Liebe in der Menſchheit in GOttes Zorn eingieng / fa 
reuete den zornigen Vatter unfere Sünde und Elende / und Ja⸗ 
cob mit feiner Demuth trieb: die weinende Zehren aus feinem 
Bruder Eſau / das iſt / die Liebe in ver Menſchheit Chrifti trieb 
das groſſe Erbarmen aus und durch den zornigen Vatter / daß der 
zornige Vatter mitten in ſeinem entzuͤndeten Grimme in der 
Menſchheit eine offene Thuͤr der Barmhertzigkeit uͤber Adam 
und alle ſeine Kinder auffſchloß / dann ſeine Liebe zerbrach in dem 
Zorn / welche ſich ſelber in Tod ſtellete / und den armen Suͤndern 
eine offene Porte in Tode zu feiner Genaden machete. 

42. Nun heiffets jego mit dent armen Sünder / welchen der 
Zorn zum Berdamnüß des ewigen Todes erwählet hat / daß er 
indenfelben Tod eingehe/und in Chriſti Tod der Sünden abſter⸗ 
be /fo erfäuffet fie Chriftus in feinem Blute / und erwählet ihn 
wicder zum Kinde GOttes. 

43. Allhie ift die Berufung ; Chriftus ruffet uns in feinen 
Tode in fein Sterben / das wilder Sünder nicht /da iſt nun im 
Sünder der Streit / zwiſchen des Weibes Saamen und der 
Schlangen Saamen/ welcher nun fteget/ der empfaͤhet das Kind. 
Nun mag der freye Wille greifen wo er hin wil: Beyde Porten 
ſtehen ihm offen: Viel / welche auch in Chriſti Linea ſind / werden 
durch Luſt / als Adam auch thaͤte / indie Boßheit eingefuͤhret / die 
find ja beruffen/aber in der Wahl beſtehen fie nicht / dann Die 
Wahl gehet über dehn/ der von Sünden außgehet / der wird auß⸗ 
erwählet/der der Suͤnden in Chriſti Tod abftirbet/und in Chriſti 
Aufferftchung auffftchet / der GOtt in Ehrifto annimt / micht 
alleine in Munde /fondern in Göttliher Begierde im Wille: 
und Gebähren / als ein neu Feuersgebähren. Das Wiſſen er⸗ 
greiffets nicht) allein die ernfle Begierde / und Zerbrechung des 
fündlihen Willens / die begreiffet es. 

- 44. Alfo ifts mit der Genaden⸗wahl / wie es die Vernunft 
erkennet / kein genugſamer Grund: Adam ift inChrifto erwählet/ 
daß aber mancher Zweig am Baum verdorret / iſt nicht des Bau⸗ 
mes Schuld / dann er entzeucht ſeinen Safft keinem Zweige / 
allein der Zweig gibet ſich mit Begierde zu ſehr aus h Mn 
auffe 


318 De Sıcnarura Rerum. Cap.16. 


lauffet in eigenem Willen / als von der Sonnen unddes Feuers 
Anzüntung wird erergriffen/cheer fich mag wicderumb in ſei⸗ 
ner Mutter Sarft erholen und erquicken. - Ylfo auch der Menſch 
verdirbetunterder Boßheit der Gefellfchafft auffböfen Bergen ; 
GOtt beut ihın feine Genade an /erfoll Buffe thun: Aber die 
Gefellfehafft und der Teufel/führen ihn auff den gottlofen Weeg / 
biß er allzuhart im Zorn gefangen wird / alsdann gehets ſchwer 
zu: Er wärcmwohlberuffen/ aber er ift böß / GOtt erwählet ihm 
nur feine Kinder: Weil er boͤß iſt fogehet die Wahl uͤber ihn 
hin / wird er aber wieder fromm / ſo faͤhet ihn die Wahl wieder. 

45. Alſo ſaget die Schrifft: Viel ſind beruffen / aber wann 
die Wahl in Chriſti Leyden und Tod / uͤber ſie hergehet / fo ſeynd 
fie derſelben ( wegen des eigenen gefaſten boͤſen Willens) nicht 
faͤhig / ſo ſeynd ſie alsdann nicht außerwaͤhlet / ſondern boͤſe Kin⸗ 
der / fo heiſſets alstann: Wir haben euch gepfiffen / und ihr habet 
nicht getantzet / wir haben euch geklaget / und ihr habet uns nicht 
getroͤſtet. O Jeruſalem / wie offt hab ich deine Kinder wollen 
verſam̃len / als eine Kluck⸗henne ihre Kuͤchlein unter ihre Flügel 
und du haft ſelber nicht gewolt: Es Inutet nicht; Du haſt nicht 
gekoͤñt / ſondern nicht gewolt: Und weil fie in Boßheit der Suͤnden 
bleiben / ſo koͤnnen fie auch nicht: GOtt wil das Perlein nicht 
für die Saͤu werffen / ſondern den Kindern / die ſich zu ihme nahen / 
dehnen gibt er das Perlein und ſein Brod. 

46. Darumb wer GO TT hbeſchuldiget / der verachtet feine 
Barmhertzigkeit / die er in die Menſchheit hat eingefuͤhret / und 
zeucht ihme das Urtheil ſelber auff den Halß / ja auff ſich in Leib 
und Seel. 

47. Als wil ich den Leſer treulich gewarnet und ihme fuͤr Au⸗ 
gen geſtellet haben / was mir der Herr aller Weſen gegeben has / 
er mag ſich von innen und auſſen in dieſem Spiegel beſehen / ſo 
wird er finden / wer er ſey: Ein jeder Leſer wird ſeinen Nutz 
darinnen finden / Er ſey gut oder boͤß: Es iſt eine faſt helle 
Porte des groſſen Myſterii aller Weſen: mit Gloſſiren und ei⸗ 
gener Witze ſolls keiner in ſeinem eigenen Grunde ergreiffen; 
Aber den wahren Sucher mags umbfahen / und viel Rutz und 
Fteude fiharfen / auch in allen natürlichen Dingen behuͤlfflich 
ſeyn / focr ftch wird recht darzu ſchicken /umd in Gottes-furcht 
ſuchen: welches doc) die Zeit des Suchens iſt. 

43. Damit eine sife bfühet über Berg und Thal / in 
allen Enden dr Erven : Wer da ſuchet der findet / 


men. Folget 


Folget das Regiſter der Summa⸗ 
rien / in dieſem Buch verfaſſet. 


Cap. Is 


Ver Se alles ſtumm undohne Berftand iſt / was von GOtt ge⸗ 
redet wird / ohne Erkaͤutnuͤß der Signatur ; und wie im 
menſchlichen Gemüthe die Sigoarur nach dem Weſen aller 


Weſen lieget. Pag 5 
Cap. 2. | 
Don der Widerwertigkeit und dem Streit in dem Weſen aller 
Weſen. 9 
Cap. 3. 
Vom groſſen Myfterio aller Weſen. 17 
Cap. 4 
Von der Gebuhrt der vier Elementen und Starnen in den Dies 
tallen und cmatürlihen&igenfchafften. 27 
Em. 2 | 


Vom folphurifchen Sterben und wieder geftorbene Leib wieder 
lebendig / und in feine erfte Herrligkeit gefeget werde. 38 


Cap. 6. 


Wie fich ein Waſſer und Ochlgebähre / und vom Unterfiheid des 

Waſſers und Oehls / und vom vegetabiliſchen Leben und 

Wachſen. 42 
Cap. 7- 

Wie Adam im Paradiß / und Lucifer ein fchöner Engel war / und 

wie ſie durch Imagination und Erhebung ſeynd verdorben. 50 
Cap. 8. 


Vom fulphurifchen Sude der Erden: wie das Wachſen der Er⸗ 
den ſey / und auch die Scheidung der Geſchlechte: Eine offene 
Pforte der weiſen Sucher. F 


Cap. 9. | 
Von der Signatur, wiedas Innere das Xeuffere bezeichnet. 86 


K 2 Cap. 


* 


* 


Regiſter. 
Cap. 10. 
Bon der inneren und aͤuſſeren Cura des Menſchen.  Pag.ro4 
| Gap. 11. 


Vom Procefs Ehrifti in feinem Leyden / Tode und Aufferfichenz 
Bom Wunder des fechften Reichs in der Mutter aller Abe» 
ſen / wie das Conſummatum iſt vollendet worden /und wie es 
an Philofophifchen Werde Inder Gleichheit zum Ende lauft. 

125 


Cap. 12. 


on der fiebenden Geftalt im Reiche der Mutter / wie das fiee 
bende Neich / als das Neich der Sonnen wieder eröffnet und 
kebendig gemacht werde / im Gleichnuͤß von Ehrifti Auffer⸗ 


ſtehung dargeſtellet. 150 
Cap. 13 “ 
Bon des Beiftes und Coͤrpers Widerwillen / und von feiner Eur 
und Heilung. 160 
Cap. 14. 


Vom Rade Sulpkuris, Mercurii und Salis: Wonder Gebaͤhrung 
Gutes und Boͤſes / wie ſich eines ins andere verwandelt / und 
wie eines im andern ſeine Eigenſchafft offenbahret / und blei⸗ 
ben doch in der erſten Schoͤpffung im Wunder GOttes zu ſei⸗ 
ner ſelbſt⸗ Offenbahrung und Herzligkeit ſtehen. 173 


Cap. 15: 


Bon dem Willen des groſſen Myfterii im Gutem und Voͤſem / 
wovon ein guter und boͤſer Wille urſtaͤnde / und wie ſich einer 


in andern einfuͤhre. | 193 
Cap. 16. ri; 

Bon der ewigen Signatur und himmlifchen Freude / warumb alle 

Dinge Ir Boͤſe und Gut find cingeführet werden. 307 


ENDE, 





RO 


Oder 


Chluͤſſel etlicher vor⸗ 


nehmen Puncten und Woͤrter / ſo 


in allen des Authoris Buͤchern zu 
finden / deutlicher erklaͤret. 


Geſchrieben im Monat Aprik , des Jahrs 1624. 
Durch 


Jacos Bönms, 
Sonſten Teutonicus Philofophus genannt. 


Rn " ur 


ce» 
SD 
Zu Amſterdam / 





Gedruckt im Jahr Chriſti / 1082. 


Berzeichnäßder Capitteln. 


3 Wie man HOLE aufferder Natur Creatur 
betrachten foll. n 

. Wieder einige GOtt Dreyfaltig ſey. 

. Dom ewigen Wort GOttes. | 

. Vom heiligen Namen JEHOVAH. 

. Von Goͤttlicher Weißhett. 

. Dom Myfterio Magno. 

. Dom Centroder ewigen Natur. 

» Bon der ewigen Natur und ihren ſieben Ei⸗ 


genfchafften. 

9. Erklärung der fieben Eigenfchafften der e⸗ 
wigen Natur. | | 

10. Vom dritten Principio,als von der fichtbas 
ven Welt I wovon fie entftanden / und 
was die Schöpffung fer. 

11. Bom Spiritu Mundi und den Elementen. 

12. Eine kurtze Formul von Göttlicher Offen: 
bahrung. | 

13. Erklaͤrung etlicher Wörter. 

14. Erklärungen unterfchienlicher Termino- 
rum. 

15. Erklaͤrung eines Schematis, und Dreyer 
Tafeln. 


ao. au Aw 






VORREDE 
An den Leſer dieſer Schrifften. 


SYS ftehet gefchrieben : Der na⸗ 
türliche Menfchverfteher nichts 
‚was des Beijtes Ift/noch vom 
Geheimnis des Reichs GOttes / 
es iſt ihm eine Thorheit / und 
IN Fansnicht begreiffen. Derowe⸗ 
Wgen wil ich den Chriſtlichen Lieb⸗ 
haber der Geheimnuͤſſen ver⸗ 
Is mahnet haben; fo er ſich wil auff 
diefe hohe Schriften legen / umd 
— => dieſelben leſen / forſchen und ver⸗ 
ſtehen / daß er nicht von auſſen zu leſe mit ſcharffem ſpeculiren 
und nachſinnen / er wird ſonſt in dem aͤuſſerlichen bildlichen 
Grunde allein bleiben / und nichts mehr als eine gemahlte 
Farbe davon erlangen / deñ die eigene Vernunfft ohne GOt⸗ 
tes Liecht Fan nicht in den Grund kommen / es tft ihr gar 
nicht müglich/ das Ingenium fey fo hoch und ſubtil als es im⸗ 
mer wolle/fo ergreiffts doch nur einen Spiegel-glaft davon: 
Denn Ehriftus fpricht : Ohne mic) Eönnet ihr nichts thun. 
Item : £rfey das Liecht der Welt / und dasLeben deriiTenfchen. 
2. Wileinerden Goͤttlichen Grund / als Goͤt tliche Offen⸗ 
bahrung forſchen / ſo ſoll er ſich zuworhin bedencken / zu was 
Ende er ſolches begehre zu wiſſen / ob er auch das jenige / was 
er moͤchte erlangen / begehre zu practieiren / und zu GOttes 
Ehre und feines Mächiten Wohlfahrt anzulegen: Ob er auch 
begehre der Irrdigkeit und eigenem YDillen abzujterben/ und 
in dehme Das er ſucht und begehret/ zu leben / und ein Geiſt 
mit ihm zu werden, 
3. Wo er nichtfolchen Vorſatz hat / daß / ſo ſich GOtt ihme 
mit ſeinem Beheimnüß offenbahrete / daß er wolle Ein Geiſt 
und Wille mit ihm ſeyn / und ſich GOtt gantz ergeben / daß 
Gottes Geiſt durch und mit ihme thue was er wolle / daß 
R4 GOtt 







224 Borrede an den $efer 


GSOtt ſein Wiſſen / Wollen un Würden 36 iſt er noch nicht 
geſchickt zu ſolcher Erkaͤntnuͤß und Verſtaͤndt nuͤß / denn ihrer 
viel ſuchen nur Geheimnuͤß / daß fie wollen vor der Welt hoch 
und anſehnlich geachtet ſeyn / nur zu eigenem Nutz / koömmen 
aber nicht zu ſolchem Grunde / da der Geiſt alle Dinge / ja 
auch die Tieffe der Gottheit forſchet / wie geſchrieben fteber. 

4. Es muß nur ein gantz gelaflener Menſch und uͤbergebe⸗ 
ner Wille ſeyn / darinnen GOtt ſelber for ſchet und wuͤrcket / 
welcher ſtaͤts in gelaſſener Demuth und Sinergeben zu GOtt 
dringet / und anders nichts ſuchet / als fein ewiges Vatter⸗ 
land / und ſeinem Naͤchſten damit zu dienen / ſo mags wohl 
erreichet werden / er muß es mit Buß⸗wuͤrckung und ernftern 
Bebeth anfahen / daß ihm das Verſtaͤndnuͤß von innen auff> 
gethan werde / alsdenn wird ſich Das Junere auch in das 
Zuffere einführen. 

5. Wenn er folche Schrifften liefet / umd aber nicht ver» 
ſtehen kan / ſo ſoll er fienicht balde wegwerffen / und für una 
maͤglich achten zu verftehen / er foll fein Bemäth zu GOtt 
wenden / und ihn umb Benad und Derftand bitten /und wies 
der lefen / fo wird er ſchon mehr darinnen fehen / biß er wird 
endlich indieTieffe durch Gottes Krafft gezogen werden/und 
in den uͤbernatuͤrlichen überfinnlichen Brund kommen / als 
in die ewige Einheit GOttes / allda wird er ımaußfprechliche 
wuͤrckliche Worte GOttes hoͤren / welche ihn werden zuruͤcke 
durch den goͤttlichen Außfluß heraus fuͤhren / bißauff die groͤb⸗ 
ſte Materiam der Erden / und wieder hinein zu GOtt / alsdenn 
forſchet der Geiſt GOttes alle Ding durch ihn und mit ihm / 
und alſo iſt er recht von GOtt gelehret und getrieben. 

6. Weil aber ein Clavis oder Schluͤſſel meiner Schrifften 
von den Liebhabern begehret wird / ſo wil ich ihnen gerne zu 
willen ſeyn / und eine kurtze Verfaſſung des Grundes darſtellen 
wegen der frembden Woͤrter / welche theils aus der Natur / 
als aus dem Senſu, genommen ſind / eines Theils auch fremb⸗ 
der Meiſter Worte ſind / welche ich nach dem Senſu probiret 
und gut befunden habe. 

7. Die Vernunfft wil ſich an Das ſtoſſen / wen fie von na⸗ 
tuͤrlichen Dingen manchmahl heydniſche Terminos und Woͤr⸗ 
ter zur Erklärung ſiehet / und meynet / man muͤſſe alleine Bib⸗ 
liſche Woͤrter brauchen / welche ſich doch allemahl zu gruͤnd⸗ 
licher Erklaͤrung der Sigenſchafften der Natur nicht ſchicken 


wollen / weil man den Grund nicht kan darinnen außſprechen / 


und 





diefer Schriften. 225 


und auch die weife Heyden und Juden den fieffen Grund der 
Natur unter folchen Wörter verborgen gehalten / weil fie 
wohl haben verjtanden / daß die Erkaͤntnůß der Natur niche 
jedermans Ding fey/ ſondern allein dehm zugehöre / welchen 
GoOtt durch die Natur habe darzu erfohren. 

8. Es darff lich Tiemand daran ftoflen/dann wann GOtt 
einem Menſchen feine Geheimnuͤß offenbahret / fo fähret ex 
ihn auch in einen Sinn / wie er dieſelben ſoll außſprechen / wie 
GOtt erkennet / daß es in jedem Seculo noth und beduͤrfftig 
iſt / die verwirrete Zungen und Meynungen wieder auff den 
Grund zu ſetzen: Und ſoll Niemand dencken / daß es ohnge⸗ 
faͤhr durch menſchliche Vernunfft geſchehe: Die Offenbah⸗ 
rung Goͤttlicher Dinge wird durch den mnern Grund der 
geiſtlichen Welt eroͤffnet / und in ſichtbahre Formen gebracht / 
wie es der Schöpffer offenbahren wil · 

9. Ich wil aber eine kurtze Erklaͤrung Goͤttlicher Offen» 
bahrung ſchreiben / fo viel ich in der Enge begreiffen mag / und 
die frembden Woͤrter erklaͤren zu mehrerer Verſtaͤndnuͤß der 
andern Buͤcher / und eine Summamdiefer Schrifften / als eine 
kurtze Formulam darſtellen / den Anfahenden sum Nachdenc⸗ 
—— Erklärung. Wird in den andern Buͤchern zuftn⸗ 
den ſeyn. —— 


226. Clavis oder Schlüffel 
-  EXPLICATIO TERMINORUM. 


Wie man GOT auffer der Natur und Creatur 
betrachten fol. 
a a I 

NE HF )) Oyſes fpriht: Der HErr unſer 
NZ GoOtt iſt ein einiger GOtt: Und 

2 am andern Orth ſtehet: Bon 
RO. thin/ durch ihn und in ihm find 
N WI alle Dinge. Item: Bin nicht 
















N f 


N 







NVA 

2. Darumb muß man fageı / 
daß er aller Ding Urfprung fey > 
SS Er ift die ewige + unmäplide 
Einheit) als zum Erempel: &o ich dencke / was würde im Orth 
diefer Welt bleiben / wenn die vier Elementa mit Dem Beftirne 
ſambt der Natur weg kämen und auffhörten/ dag Feine Natur 
oder Creatur mehr waͤre ? Antwort : Es bliebe diefelbige ewige 
Einheit / daraus Natur und Ereatur ihren Urfprung empfans 
gen. Alfo auch wenn ich dencke: Was iſt viel Hundert taufend 
Meilen über dem Geſtirne /oder was ift an dem Orth da Fein 
Geſchoͤpffiſt ? Es iſt die ewige / unwandelbahre Einheit/ welche 
iſt das einige Gute / das nichts hinter ihm oder vor ihm hat / das 
ihm etwas gebe oder nehme / oder Davon dieſe Einheit urſtaͤnde / 
es iſt allda kein Grund / Zeit nochStelle / und iſt der einige GOtt/ 
oder dus einige Gut / das man nicht außſprechen kan. 


Zernere Vetrachtung / wie diefer einige GOlt 
Dreyfaltig ſey. 

3. Te Heil. Schrift zeiget unsan/dafdiefer Einige GOtt 
Dreyfaltig fey / als ein Einiges Dreyfaltiges Weſen / 
das dreyerley Würdung habe / und doc, nur cin einiges 

Weſen ſey wie man ſolches an der aufigefloffenen Krafft an allen 

Dingen ſehen kan / wer das warnimmet. 

4. Sonderlich iſt ein Bild amFeuer / Liecht und Lufft / welches 
dreyerley Wuͤrckungen ſind / und doch nur ein einiger Grund und 
Weſen 


etlicher vornehmen Pundten &c. 227 


Weſen iſt / und wie man fichet/ daß Feuer / Liecht und Lufft / aus 
der Kertzen entſtehet / da doch die Kerge der keines iſt / und doch 
sine Urfach zus folchem iſt / alfo auch die ewige Einheit die Urſach 
und der Gruͤnd der ewigen Dreyheit / welche ich ausder ewigen 
Einheit ſelber offenbahret / und in ein Wollen oder Willen / Luſt 
und Außgang fuͤhret. 

5 Das Wollen oder Willen iſt der Vatter / als die Offen» 
—— oder Bewegung der Einheit / damit ſich die Einheit ſel⸗ 

erwil. m 

6. Die Luſt iſt Ber Sohn) als das jenige/ das der Wille wil? 
als feine Siebe und Wohlgefallen / wie bey der Tauffe Chrifti zız 
fchenift/da der Battergeugete: Match. 3. v. 17. Diefer iſt mein 
lieber Sohn / an den ih Wohlgefallen habe/ dehn ſollt ihr hören. 

7. Die Luſt ift die Einfaßligkeit des Willens da fich der Wil 
fe in der Einheit in eine Wuͤrckung und Stätte feiner ſelbſten 
mit einfuͤhret / dadurch der Wille wuͤrcket und wil / eine Empfind⸗ 

ligkeit und Krafft des Willens. 

8. Der Wille iſt der. Batter/als das Wollen; Und die Luſt iſt 
der Sohn / als die Krafft und Wuͤrckung im Wollen / damit der 
Wille würdet : und der Heil. Geiſt iſt der außgehende Wille 
durch Die Saft der Krafft / als ein Leben des Willens / und der 
Krafft / und der Luſt. 

9. Alle fen dreyerley Wuͤrckungen aus der ewigen Einheit: 
Abs die Einheit iſt das Wollen feiner ſelber / und die Luſt iſt ein 
wuͤrcklich Wefen des Wollens / und einerwige Freude der Ema 
pfindligfeitim Wollen/und der Heil. Geift iſt das Außgehen der 
Krarft / wie man cine Gleihnüg ſiehet an einem Krauf: 

10. Der Magnet als die effentialifche Begierde der Natur / 
als der Wille ver Begierde der Natur) faſſet lich in eine Eſſentz 
oder Wefen zu cinem Kraut/ und inder Saßligkeit der Begierde 
wird die Begierde empfindlich als wuͤrckende /undin derſelben 
Wuͤrckung entſtehet die Krafft / darinnen die magnetifche Be⸗ 
gierde der Natur / als der außgefloſſene Wille GOttes auff na> 
türliche Arth wuͤrcket. In folder wuͤrcklichen Empfindligkeit 

wird der magnetifche begierliche Wille erheblich und freuden= 
reich) / und gehet von der würcdenden Krafft aus / davon entſtehet 
der Wachsthumb und der Geruch des Krauts / und ſehen alfo die 
Abbildung der Dreyheit GHttes in allen wachfenden und leben⸗ 
digen Dingen. 

xı. Wann nicht eine folche begierliche Empfindligkeit und 
außgehende Wuͤrckung der Sp yi inder ewigen Einheit a7 


228 Clavis oder Schlüffel 


fo wäre die Einheit eine ewige Stille / als ein nichts / und wäre 
auch weder Natur noch Ereatur / auch keine Farbe noch Geſtalt⸗ 
nüg: Alfo auch in gleichem ware indiefer Welt nichts ohme dieſe 
dreyerley Wuͤrckung / und möchte auch Feine Welt ſeyn. 


Bom ewigen Wort GOttes. 
22. Je H. Schrift ſpricht: GOit habe alle Dinge durch 
fein Wort gemachet. Itew, das Wort ſey GOtt / Joh.x. 

Dieſes verſtehet man alſo: 

13. Das WoRT iſt anders nichts / als der aushauchende Wille 
aus der Krafft / eine Schiedligkeit der Krafft in Vielheit der 
Kraͤfften eine Zheilung und Ausfiug der Einheit / davon die 
Wiſſenſchafft urftändet / denn in einem einigen Weſen / darins 
nen keine Schiedligkeit ift / das nur eines iſt / da iſt feine Wiſ⸗ 
ſenſchafft / denn ob es waͤre / ſo wuͤſte es doch nur cin Ding / als 
ſich ſelber; wann ſichs aber zertheilet und von einander ſcheidet / 
fo gehet der ſcheidende Wille in Vielheit / und wuͤrcket eine jede 
Abſcheidung in ſich ſelber. 

14. Weil ſich aber die Einheit nicht mag treunen und außein⸗ 
ander weichen / ſo bleibet die Zerſcheidung im außhauchenden 
Willn in der Einheit/ und gibt die Zerſcheidung des Hauchens 
ar Unterſcheide / dadurch der ewige Wille/ ſamt der Luſt und 
Außgang in Wiſſenſchafften der unendlichen Formen oder Ver⸗ 
ſtaͤndnuͤß eingehet / als in eine ewige / empfindliche / wuͤrckliche 
fenfualifche Wiſſenſchafft der Kraͤfften / da in der Zertheilung des 
Willens) inder Zerfcheidung ein Senfusoder Form des Willens 
den andern ſchawet / fühlet / ſchmaͤcket / riechet und höret / und da 
3 dech nursine fenfualifhe Wuͤrckung iſt / alsdas groffe Freu⸗ 
den⸗band der Liebe / und das wolthuende einige Weſen. 


Vom heiligen Namen IFRLOVARH. 


25. Je alten Kabbinen bey den Zuden haben etlicher maſſen 
dieſes verftanden / denn fic haben geſagt / Diefer Name 
ſey der Allerhöchlte Name GOttes / dämit man die 

wuͤrckliche Gottheit im Senſuverſtehe / und es iſt wahr; denn in 

dem wuͤrcklichen Senfu lieget das wahre Leben aller Dinge / in Zeit 
und Ewigkeit / im Grund und Ungrund / und es iſt GOtt ſelbſt / 
als die Goͤttliche / wuͤrckliche Empfindligkeit / Findligkeit / 

Wiſſenſchafft und Liebe / als der wahre Urſtand in der wuͤrckli⸗ 

en Einheit / davon Die fuͤnff Sinne des wahren Lebens ent» 


Feringen. 
16. Jeder 


etlicher vornehmen Pundten &c. 229 


x6. Jeder Buchftab in dieſem Namen deutet an eine Krafft 
und fonderfihe Wuͤrckung / als eine Form in der würdenden 
Kraft. Das Liftder Ausilug der eigen ungerteennlichen Eins 
heit/ als die füffe Heiligkeit / der Grund Göftlicher Ichtheit. 
E if ein dreyfaches 1, da ſich die Einheit in emeDreyheit ſchleußt/ 
denn das I gehetins E,umd heiffet TE,als ein Hauchen der Einheit 
en fich felber. Hift das Wort oder Hauchen der Dreyheit Gottes. 
Oiftdie Circumfereng / alsder Sohn GOttes / dadurch) Das IE 
mit dem H oder Hauchen aupfpricht / verftchet aus der gefaffeten 
Luſt der Krafft. v iſt der freudenreiche Ausflug vom Hauchen / 
als der ausgehende Geift GOttes. A iſt das Außgegangene von 
der Krafft /alsdie Weißheit / ein Subjetum der Dreyheit / dar» 
innen die Dreyheit würdet / darinnen die Drezheit offenbahr 
iſt. Diefer Name ift anders nichts als ein Augfprechen der 
dreyerley Würdung in der H. Drepfaltigkeit in der Einheit 
Gottes/ Davon life reeiter in ter Erklärung der Tabellen von 
den dreyen Prineipien Goͤttlicher Offenbahrung. 


Von Goͤttlicher Weißheit. 


37. Je heilige Schrift ſpricht: Die Weisheit fer dag 
Hauchen Goͤttlicher Krafft/ ein Strahl md Odem 
des Allnächtigen. Item: GOtt habe alle Dinge durch 

feine Weißheit gemachet. Dit verftehet man alſo: 

18. Die Weißheit it das außgefloſſene Wort Goͤttlicher 
Krafft / Wiſſenſchafft und Heiligkeit ein Subjectum oder Ges 
gemmwurff der ungruͤndlichen Einheit / ein Weſen / darinn der hei⸗ 
lige Geiſt wuͤrcket / formet und bildet; verſtehet / er formet und 
bilder die Göttliche Verſtaͤndnuͤß in der Weißheit / denn ſie iſt 
das Leydende / und der Geiſt GOttes iſt in ihr das Thuende oder 
das Leben / gleich wie die Seele im Leibe. 

9. Sie iſt das große Myſterium Goͤttlicher Arth/ denn in 
ihr werden die Kraͤffte / Farben und Tugenden offenbahr: In ihr 
iſt die Schiedligkeit der Krafft / als der Verſtaud / ſie iſt ſelber 
der Goͤttliche Verſtand / als die Goͤttliche Beſchauligkeit / darinn 
die Einheit offenbahr iſt: Sie iſt das rechte Goͤttliche Chaos, 
darinnen alles lieget / als eine Goͤttliche Imagination, darinnen 
die Idea der Engel und Seelen ſeind von Ewigkeit in Goͤttlicher 

Ebenbildnuͤß geſehen worden; nicht als Creaturen / ſondern 

einem Gegenwurff / wie ſich ein Menſch in einem Spiegel beſte⸗ 

het: deßwegen die englifche und menſchliche Idea aus der Meike 
heit it gefloſſen / und inein Bilde formiret worden / wie Mopfes 
| 87 faget: 


230°. Clavisoder Schlüffel 


faget : GOtt ſchuff den Menſchen zu feinem Bilde / das ift/er ſchuff 
den Leib / und hauchete ihm ein den Odem Goͤttliches Ausflußes 
Goͤttlicher Verſtaͤudnuͤß / aus allen dreyen Principien Goͤttlicher 
Dffenbahrung. " 

Vom Myfterio Magno. 


20, As Myfterrum Magnum ift ein Subjedtum der Weiß 
heit / da dashauchende Wort oder die wuͤrckende wol⸗ 
lende Krafft Böttlicher Verſtaͤndnuͤß durch die Weiß⸗ 

heit ausfleuft darinnen auch die Einheit GOttes zu feiner Offen» 

bahrung mit ausjleuft / den im Myfterio Magno urftändet die 
ewige Natur/ und werden im Myfterio Magno allezeit zwey We⸗ 
fen und Willen verftanden. 

21. Alsdascine Wefeniftdie Einheit GOttes / als Göttliche 
Kraft / die außfliegende Weißheit. Dasander Weſen ift der 
ſchiedliche Wille / welcher durch das hauchende ausfprechente 
Wort entſtehet / welcher feinen Grund nicht in der Einheit hat / 
fondern in der Bewegligkeit des Ausflußes oder Aushauchens / 
welcher Jich ins eigen Wollen und in Begierligkeit der Natur 
einfuͤhret / als in Eigenfchafften biß ans Feuer und Liecht / da im 
Feuer das natuͤrliche Leben verſtanden wird / und im Liecht das 
heilige Leben / als cine Offenbahrung der Einhert / Dadurch die 
Einheit ein Liebe-Feuer oder Liecht iſt: amd an dieſem Ort oder 
Wuͤrckung nennet ſich GOtt einen lieben barmhertzigen GOtt/ 
nach der geſchaͤrfften Feuer⸗brennenden Liebe der Einheit / und 
einen zornigen eyferigen GOtt / nach dem feuriſchen Grunde 
nach der ewigen Natur. — 

22. Das Myfterium Magnum iſt das Chaos, daraus Liecht 

und Finſternuͤß / als das Fundament des Himmels und der Hoͤl⸗ 

fen von Ewigkeit gefloſſen und offenbahr werden iſt: Denn das 

Fundament/das wir jetzo Hölle heiſſen / als ein eigen Principium, 

iſt der Grund und Urſache zum Feuer in der ewigen Natur / wel⸗ 

ches Feuer in GOtt nur cin Liebe-brennen iſt / und wo GOtt 
nach der Einheit nicht offenbahr iſt in einem Ding / ſo iſts ein 
peinlich Feuer⸗brennen. Dieſes Feuer⸗brennen iſt nur eine Of⸗ 
ſenbahrung des Lebens und der Goͤttlichen Liebe / dadurch ſich die 

oͤttliche Liebe / als die Einheit / uͤber⸗inflammiret und ſchaͤrffet 
gu einer feuriſchen Wuͤrckung der Krafft GOttes. 

23. Dieſer Grund wird darumb Myſterium Magnum genañt / 

oder ein Chaos, daß daraus Boͤſes und Gutes ürſtaͤndet / als 

Liecht und Finſternuͤß / Leben und Tod / Freude und Leyd Be 

igke 





etlichervornehmen Pundten &c. 232 


ligkeit und Verdamnuͤß / denn es iftder Grund der Seelen und 
Engel/ und aller ewigen Ereaturen/ böfer und gute; Ein Grund 
des Himmels und der Höllen / und der ſichtbahren Welt / fambe 
allen dem was da ift/da alles ift in einem einigen Grundgelegen/ 
gleich wie das Bildim Baum / che esder Künftler ausfchnigee 
und formiret / da man vonder geiftlichen Welt doch nicht fagen. 
Fan / daß fie habe Anfang genommen) fondernift von Ewigkeit 
aus dem Chaos offenbahr worden; denn das Liecht hatvon Ewig⸗ 
feit inder Finſternuͤß gefchienen / unddie Finfternäg hats nicht 
begriffen/wie Tag und Rachfincinander/und doch zwey in einein 
find : Ich muß nur alſo abtheilig fchreiben / als haͤtte es alſo ei⸗ 
nen Anfang genommen / dem Goͤttlichen Grunde Goͤttlicher Of⸗ 
ſenbahrung nachzuſinnen / wie man ſoll Natur und Gottheit un⸗ 
terſcheiden zu mehrerm Verſtande / woher Böfes und Gutes 
kommen fey / was das Werfen aller Weſen fen. 


Vom Centro der ewigen Natur. 


24. It dem Worte Centrum verſtehet man den erſten An⸗ 
2% fang zur Natur [als den innerſten Grund/ da fich der 
eigene entſtandene Wille in cine Annemligkeit zur 
Ichtheit einführet / als in einnatürliches Wuͤrcken / denn die 
Natur ift nur ein Werckzeug GOttes / damit GOttes Krafft 
uͤrcket und hat doch eigene Bewegligfeit vom ausgefloffener 
illen GOttes: Sieift das Centrum,der Punct oder Grund 
der eigenen Annemligkeit zur Ichtheit / davon etwas wird / als 
daraus die ſieben Eigenfchafften urftänden. 


Bon der ewigen Natur /umd ihren fieben 
| Eigenſchafften. 
25. Je Natur iſt anders nichts / als Eigenſchafften der 
Annehmligkeit der eigenen entſtandenen Begierde / 
welche Begierde in der Schiedligkeit des hauchenden 
Workts / als der hauchenden Krafft entſtehet / da ſich die Eigen⸗ 
ſchafften ins Weſen einfuͤhren: So heiſſet daſſelbe Weſen ein 
natürlich Wefen/ und iſt nicht GOtt ſelber / denn GOtt durch⸗ 
wohnet wohl die Natur / aber die Natur begreiffetihunur fe | 
weit/ als fih die Einheit GOttes mit indas natürliche Weſen 
eingiebet / und auch wefentlich machet / als ein Liecht⸗Weſen 
roelches in der Ratur infich felber wuͤrcket und die Natur durch: 
dringet und penerriret/ fonftiftdie Einheit GOttes der Natur? 
als per begierlichen Annehmligkeit unbegreifflich. 
2 53 20, Die 







232 Clavis oder Schluͤſſel 


26. Die Ratur entftehet in denraufgefloffenen Wort&ättlichee 
Empfindligkeit und Wiſſenſchafften / und iſt eine ſtaͤtswaͤrende 
Bildung und Formirung der Wiſſenſchafften und Empfindts 
nuͤh: Was das Wort durch die Weißheit würdet} das bildet 
und formiret die Natur in Eigenfchafften. 

27. Ste ift wie der Zimmermann / welcher das Haus bawet/ 
welches das Gemuͤth hat zuvorhin in fich gemodelt; alfo auch al» 
hier zuverftehen / was das ewige Gemuͤth in der Weißheit GOt⸗ 
tes in der Goͤttlichen Krafft modelt / und in eine Ideam fuͤhret / 
das bildet die Natur in eine Eigenſchafft. 

28. Die Natur ſtehet in ihrem erſten Grund in ſieben Eigen⸗ 
ſchafften / und theilen ſich die Sieben in unendlich aus. 

29. Die erſte Eigenſchafft der Ratur iſt die Begierde / die ma⸗ 
chet Herbe / Schaͤrffe / Haͤrte / Kaͤlte und Weſen. 

30. Die andere Eigenſchafft iſt die Bewegnuͤß oder Einziehen 
der Begierde / die machet Stechen / Brechen und Schneidung der 
Härte ; die zerſchneidet die angezogene Begierde / und bringet fie 
in Vielheit / und ift ein Grund des bittern Wehes /und auch die 
wahre Wurtzel zum Leben / und iſt der Wulcanus zum Feuer⸗auffs 
ſchlagen. 

32. Die dritte Eigenſchafft iſt die Einpfindligkeit in der Zer⸗ 
brechung der herben Haͤrte / und iſt der Grund der Angſt und des 
natürlichen Willens / darinnen der ewige Wille wil offenbahr 
werden / das iſt / er wil ein Feuer und Liecht / als ein Blitz oder 
Glantz ſeyn / darinnen die Kraͤffte / Farben und Tugenden der 
Weißheit erfiheinen. In dieſen erſten drey Eigenſchafften ſtehet 
das Fundament des Zorns und der Hoͤllen / und alles deſſen was 
grimmigift. 

32. Dievierdte Eigenfchafft ift das Feuer / darlnnen die Eins 
Beit im Siccht erfcheinet / als in einem Liebe-brennen / und der 
Srimmift des Feutrs Eſſentz. 

33. Die fünffte Eigenfchafft ift das Liecht mit feiner Liebe⸗ 
—* } darinnen die Einheit in einem natürlichen Weſen mit⸗ 
wuͤrcket. 

34. Die ſechſte Eigenſchafft iſt der Schall oder Hall / oder die 
natürliche Verſtaͤndnuͤh / darinnen die fuͤnff Senſus geiſtlich 
wuͤrcken / als in einem verſtaͤndigen Natur⸗leben. 

35. Die ſiebende Eigenſchafft iſt das Subjectum oder Umb⸗ 
flug der andern ſechs Eigenſchafften / darinnen ſie wuͤrcken / 
wie das Leben im Fleiſch / und heiſſet billich die Siebende / der 
Grund oder die Staͤtte der Natur / darinnen die Eigenſchafften 
zn einem Grund ſtehen. 36. In 


etlicher vornehmen Pundten &c. 233 


36. In dieſen fieben Eigenfchafften mug man allemahl zwey 
Weſen verftchen. Als erftlich nach dem Abgrund. Durch folche 
Eigenfhafften verſtehet man das Göttliche Weſen / als den 
Goͤttlichen Willen / mit der ausflieffenden Einheit GOttes / 
welche mit durch die Natur austleuft / und lich in Annemligkeit 
zur Schärffeeinführet/ dadurch die ewige Liebe empfindlich und 
wuͤrcklich ſey / und daß fie etwas habe / das Da leydende iſt / darin⸗ 
nen Nie ſich möge offenbahren / und darinnen fie erkannt werde / 
davon ſie wieder geliebet und begehret werde / als die peinlich ley⸗ 
dende Natur / welche inder Liebe in eine ewige Freudenreich ges 
wandelt wird: Nenn lich die Liebe im Feuer im Liecht ofſenbah⸗ 
ret / fo überdanmee fie Die Natut / und durchdringet fie wie die 
Sonne ein Kraut / und das Feuer das Eifen. 

37: Das ander Weſen iſt ver Natureigen Weſen / welches 
peinlich und [endende ift / und ift der Werkzeug des Wuͤrckers / 
denn wo feine Leydenheit iſt / da iſt auch Feine Begierde nach der 
Erlöfung oder etwas Beſſers / und wo nun keine Begierde nach 
etwas Beffersift / allda inuen ruhet ein Ding in fich felber / und 
daruuib führet ſich die ewige Einheit durch ihres Ausflug und 
Schiedligfeit in Natur / auff dag freeinen Gegenwurff habe / 
darinnen fie fich offenbahret/ auff das ſie etwas liebe und wies _ 
derumb von dem Etwas geliebet werde / daß alſo ein emp findlich 
Wuͤrcken und ein Wollen ſey. 


Erklärung der ſieben Eigenſchafften der 
ewigen Natur. 

38. Je erſte Eigenſchafft iſt die Begierligkeit / gleich tinem 

Magnet, als die Einfaßligkeit des Willens / da der 

Wille etwas ſeyn wil / und hat doch Nichts / daraus 
er ihm etwas mache ; fo führet er ſich in eine Annehmligkeit feiner 
ſelbſten / impreſſet und faſſet fich felber zu einem Efwas / und das 
Etwas ift doch nichts / als nur ein magnerifcher Hunger / eine 
Herbigkeit / gleich einer Härte / davon auch Härte / Kälte und 
Weſen entfiehet. Diefes Impreflen oder Anzichen beſchattet ſich 
felber / und machet fich zur Finfternüß / welches auch der Grund 
der ewigen und zeitlichen Fin ſternuͤß iſt: Durch diefe Schärfe 
iſt im Anfang dieſer Welt entftanden Salg / Steine! Beine / 
und alles was deine gleichet. 

39. Die andere Eigenfchafft der steigen Natur entftchet aus 
der erſten / und iſt das Zichen oder Bewegen inder Schärffe 7 
denn der Maguer machet Haͤrte und die Bewegung — die 

Harte 


234 .  Clavisoder Schlüffel 


Haͤrte wieder / und ift einimmerwägrender Streit in fich flber/ 
denn was die Begierde faffet und zu Etwas machet / das zer⸗ 
fchneidet die Bewegnüß / Daß es in Form und Bildung kommet. 
Zwiſchen diefen beyden Eigenſchafften entftchet das bittere Wehe / 
als ein Stachel der Empfindligkeit: Denn ſo eine Bewegnuͤß in 
der Schaͤrffe iſt / ſo iſt die Eigenſchafft peinlich / und dieſes iſt 
auch die Urſach aller Empfindligkeit und Wehethuns; denn ſo 
Pe Schärfe und Bewegnuͤß waͤre / fomwäre feine Empfind⸗ 
igkeit. 

40. Diefe Bewegnuͤß iſt auch ein Grund der Lufft in der ſicht⸗ 
bahren Welt / welche durchs Feuer offenbahr wird / wie hernach 
ſoll gemeldet werden. 

42. Alſo verſtehen wir / daß die Begierligkeit ſey der Grund 
zur Ichtheit / daß aus Nichts Etwas wuͤrde / wie uns denn zu be⸗ 
trachten iſt / dag fie der Anfang dieſer Welt geweſen ſey / dadurch 
GHttalle Dinge habe ins Weſen gebracht / denn ſie iſt daſſelbe / 
durch welche GOtt ſprach: Es werde ; Sie iſt das Werden / das 
da gemachet hat da nichts war / als nur ein Geiſt: Sie hat das 
Myſtetium Magnum, welches geiſtlich iſt / ſichtbahr und weſent⸗ 
lich gemachet / wie an den Elementen, Sternen und Creaturen 
zu ſehen iſt. 

42. Und die andere Eigenſchafft / als die Bewegnuͤß iſt im An⸗ 
fang diefer Welt der —— oder Scheider in den Kraͤfften 
geweſen / damit der Schoͤpffer / als der Wille GOttes / hat alle 
Dinge aus dem Myſterio Magno in eine Form gebracht / dann 
ſte iſt das außgefloſſene bewegliche Wort / dadurch der uͤberna⸗ 
türliche GOtt hat alle Ding gemacht / und in Bildung gebracht. 

43. Die dritte @igenfchafft der ewigen Natur ift die Angſt/ 
alsdas Wollen: Das hat fich in Annehmligfeit zur Natur und 
Ichtheit eingeführet/ da der eigen Wille in der feharffen Beweg⸗ 
tigkeit ſtehet / fo Eomt er in Angft /als in die Empfindligfeit / 
dann auffer der Natur mager nihtempfindlich ſeyn; aber inder 
beweglichen Schärffe wird er empfindlich / und dieſe Empfind⸗ 
ligkeit ifidie Urfach des Feuers /aud) des Gemuͤths und der Sins 
nen / denn der eigen natürliche Wille wird Dadurch fliehende/ md 
fuchet Ruhe ; alfo gehet Die Schiedfigkeit des Willens von fich 
aus / und durchdringet die Eigenſchafften / davon der Schmad 
in der Schärffe urſtaͤndet / dag cine Eigenfihafft die andere 
ſchmaͤcket und empfindet / und iſt auch der Grund und die Urſach 
der Sinnen /dafeine Eigenfihafft in die ander eindringek / und 


die ander entzündet / dag der Wille erkennet / wovon die gt 
ı 


etlicher voruchmen Pundten &c. 275 


heit koͤmmet: Dennfonicht Empfindligkeit wäre / fo müfte ver 
Wille nichts von Eigenfchafften/ denn er wärenur einig / und 
alfo nime der Wille Natur in fich / in dehme er die ſcharffe Bes 
wegnůͤtz in ſich empfindet. 

34. DiefeBewegnüß ift in fich gleich einem drähenden indes 
Nicht daß ein ſolch Draͤhen fey / ſondern alſo ifts in den Eigen⸗ 
ſchafften / denn die Begierde zeucht in ſich und die Bewegnüg 
dringet aus ſich / fo Fan der Wille in folcher Angft weder in ſich 
noch aus ſich / fo wirds doch aus fich und in fich gegogen/ fo bleibets 
eine Geftalt / welche in fich und aus fich wil / das ift über fich und 
unter ſich / und Fan doch nirgend hin / fondern iſt eine Angft und 
das wahre Fundament der Hölkn und GOttes Zorns /da dieſe 
Angſt ſtehet inder finftern ſcharffen Bewegnuͤß. 

45. Aus dieſem Grunde iſt in der Schoͤpffung der Welt der 
Schwefel⸗ geiſt ſambt der Materia der ſchwefelichen Arth entſtan⸗ 
den / welcher Schwefel⸗geiſt das natuͤrliche Leben der irrdiſchen 
und elementiſchen Creaturen ift. 

4060. Die weiſen Heyden haben dieſen Grund etlicher maſſen 
verſtanden / dann ſie haben geſaget: Im Schwefel / Queckſilber 
und Saltz beſtuͤnden alle Dinge in dieſer Welt: Damit haben 
ſie nicht allein auff die Materiam geſehen / ſondern auff den Geiſt / 
Davon die Materia entſtehet / denn ine Grund beſtehet nicht im 
Salt / Queckſilber und Schwefel / fie meynen das nicht /fonderre . 
den Beift folcher Eigenfchafften/ darinnen ja alles beftchet / was 
in diefer Welt lebet / wächfet und ift/ cs ſey gleich ſpiritualiſch oder 
materialifch : Denn mit dem Sals deuten fie an die fcharffe ma- 
gnetiſche Begierde der Natur) und mit dem Queckſilber deuten fie 
andie Bewegnüg und Scheidung der Natur/dadurch jedes Ding, 
bezeichnet und gebildet wird : Und mit dem Schwefel haben fie 
‚das empfindfiche/wollende/wachfendegeben angedeutet : Denn inz 
Schwefel⸗geiſt lieget das Dehl / darinn das Feuer-leben brennetz 
und im Oehl lieget die Quinta Effentia ‚als der fulphurifihe Mer- _ 
curius, das rechte chen der Natur / welches ein Außfluß vonz 
Wort Göttlicher Krafftumd Bewegnuͤß ift/darinnen der Grund 
des Himmels verftanden wird / und inter Quinta Eſſentia lieget 
"Die Tinctur, als der paradififhe Grund / das aufgefloffene Wort 
Goͤttlicher Krafft / darinnen die Eigenſchafften in ver Gleich» 
heit liegen. 

47- Alſo verſtehen wir mit der dritten Eigenſchafft der Na⸗ 
tur /als mit der Angſt die Schärffe und Peinligkeit des Feuers } 
als das Brennen und verzehren! dann fo der Wille in folche 

Schaͤrfft 


236 Clavis oder Schläffel 


Schärffe gefeket wird / fo wil er immerdar die Urſach folder 
Schaͤrffe verzehren / Dann er dringet immerdar wieder nach der 
Einheit GOttes / als nach der Ruhe / und die Einheit dringet mit 
iprem Ausflug zu dieſer Bewegnuͤß und Schaͤrffe / und ift alfo 
eine ſtaͤtswaͤhrende Zufammenfügung zur Offenbahrung Goͤtt⸗ 
liches Willens / wie man dann im diefen dreyen / als im Salt 
Schwefel und Oehl allezeit cin Himmlifches findet in dem Irr⸗ 
diſchen / wer das recht verftchet / und dem Geift nachfinnet : denn 
in der Schärffe lieget die Seele eines Dinges / und in der Be» 
wegnüß lieget das wahre Leben der finnlichen Arth / undim Oehl 
des Schwefels lieget der Eräfftige Geift / welcher aus der Tinctur 
urſtaͤndet. Alfo liege allezeit in dem Irrdiſchen cin Himlifches 
verborgen / dann die unfichtbahre geiftlihe Welt ift in der 
Schöpffung mit außgefloſſen. 

48. Die vierdte Eigenfchafft oder Geſtalt der ewigen Natur / 
tft das geiffliche Feuer / darinnen das Liecht / als die Einheit / 
offenbahr wird /dann der Glan des Feuers urftändet von der 
außgefloffenen Einheit / welche Jich hat mit in die natürliche Be⸗ 
gierde eingegeben / ımd des Feuers Quaal und Brennen / alsdie 
Hitze / urſtaͤndet von der fharffen Verzehrligkeit der drey erften 
Eigenfharften. Diefes gefchicht alſo: 

49. Die ewige Einheit / weiche th ſonſten in etlichen meinen 
Schriften die Frepheit nenne) iſt die fanffte Stille/ und lieblich / 
gleich einem fanfften Wohlthun / und das man nicht außfprechen 
mag/ was füreine Saͤnffte auffer der Natur in der Einheit 
GoOttes ſey / und die drey Eigenfchafften zur Natur feynd Icharff/ 
peinlich / ſchrecklich; in diefen drey peinlichen Eigenfchafften fte> 
het der außgefloſſene Wille / welcher durchs Wort oder Göttliche 
Hauchen entſtanden iſt / und ſtehet auch die Einheit darinnen: 
So ſaͤhnet ſich der Wille nach der Einheit / und die Einheit ſaͤhnet 
ſich nach der Empfindligkeit / als nach dem feuriſchen Grunde / 
alſo ſaͤhnet eines in das ander / und wann das gefchicht verſtehe 
das Saͤhnen / ſo iſts wie ein Schrack oder Blitz / gleich als riebe 
man Stahl und Stein aneinander / oder goͤſſe Waſſer insFeuet / 
im Gleichnuͤß geredet. 

so. Zur dieſem Blick empfindet die Einheit die Empfindlig · 
keit und der Wille empfähet die fanffte Einheit /alfo wird die 
Einheit ein Glaſt des Feuers / und das Feuer wird ein Liebe⸗ 
Pt denn es empfaͤhet Ellentz oder Kröfft von der ſanfften 

inheit. 

se. In ſolchet Anzuͤndung wird die Finſternuͤß der man tie 

en 


© 


etlicher vornehmer Punden &c. 237 


{hen Impreflion oder Einfagligkeit mit dem Liecht durchtrungen/ 
daß fie nicht mehr erkannt wird / ob jiewohlin der Impreflion in 
fich felber ewig bleibet. | 

52, Undentftchen alhier zwey ewige Anfänge) als die finftere 
herbe Schärfe und Pein in fich felber wohnende/ und die em⸗ 
pfindliche Krafft der Einheit im Liecht / davon die Schrift faget : 
GOtt als die ewige Einheit/ wohnet in einem Liecht / darzu 
Niemand kommen Fan / denn alfo offenbahret ſich die ewige 
Einheit GOttes durchs geiftlihe Fewer im Liecht / und daffelbe 
Liecht wird Mafeftät genannt / und GHtt als die übernatürliche 
Einheit ift die Kraft darinnen. Denn von der Einheitempfähet 
diefes Geift-feuer Ens, daß es ſcheinet / fonft waͤre der Feuer⸗ 
grund nur ein peinlicher / ſchroͤcklicher Hunger / und ſtachlichte 
Begierde: Wie es denn auch alſo iſt / wo ſich der Wille von der 
Einheit abbricht / und eigener Begierde leben wil / wie die Teu⸗ 
fel gethan haben / und auch die falſche Seele thut. 

53. Alſo verſtehet alhie zwey Principia, als das Erſte im 
Grunde zum Feuerbrennen / als in der ſcharffen / beweglichen / 
empfindlichen / peinlichen Finſternuͤß in ihm ſelber: Und das 
Ander im Liecht des Feuers / darinnen die Einheit in Beweg⸗ 
ligkeit und Frewde komt. 

54. Denn dus Feuer iſt ein Gegenwurff der groſſen Liebe der 
Einheit GOttes: Denn alfo wird die ewige Luſt empfindlich / 
und dieſe Empfindligkeit der Einheit Heiffer Liebe / als ein Bren⸗ 
nen oder Leben in der Einheit GOttes / und nach ſolchem Liebe⸗ 
brennen heiſſet ſich GOtt einen barmhertzigen lieben GOtt / denn 
die Einheit GOttes liebet oder durchdringet den peinlichen Wil⸗ 
len des Feuers / welcher anfaͤnglich iſt im Hauchen des Worts 
oder Außgang goͤttlicher Luſt entſtanden / und wandelt ihn in die 
groſſe Frewde / und in dieſem feuriſchen Willen der ewigen Nas 
tur ſtehet die Seele des Menſchen und auch die Engel / dieſes iſt 
der Grund und Centrum. 

55. Darumb fo ſich eine Seele von GOttes Liecht und Liebe 
abbricht / und in eigene natürliche Begierde eingehet / fo wirdin 
ihr der Grund ſolcher Finſternuͤs und peinlichen Quaaloffenbahr / 
und dieſes iſt das hoͤlliſche Fewer und GOttes Zorn / fo der offen⸗ 
bahr wird / wie im Lucifer zuſehen iſt: Und was num in der 
Ereatur überal zudencken ift dag es ſey / das iſt auch außer der 
Creatur überall / denn die Ereatur ift anders nichts / als ein 
Bilde oder Figur der fchiedlichen Kraffs des gantzen Weſens. 

56. Alfo verſtehet nun recht wasder Fewer⸗grund Mm 
Kulm nehme 


238 Clavisoder Schluͤſſel 


nchmlic Kältevonder Impreflion ‚und Hige vonder Angft/ und 
Die Bewegnuͤß ift der Vulcanus. In dieſen dreyen ſtehet das Feu⸗ 
er/ aber des Liechtes Glan urftändet von der Zufammenfüs 
gung der Einheit im Fewer-grunde / und iff der gange Grund 
doch nur der außgefloffene Wille, 

57. Darumb ſtehet im Feuer und Liecht das Schen aller Din 
ge/ als im felben Willen es fey gleich in den Stummen als 
Wachfenden/oder Bernünfftigen/alles nach dem das Feuer einen. 
Grund hat/ entweder von dem Ewigen/ als die Seele / oder 
von dem Zeitlichen / als die aftralifche / elememtifche: Denn ein 
ander Feuer iſt das ewige / und ein anders das zeitliche / wie 
hernach follangezgeiget werden. 

58. Die fünffte Eigenfchafft ift num das Liebe-ſeuer oder des 
Liechtes Krafftſund Welt / welche inder Finfternüßin fich ſelber 
wohnet / und die Finfternüg begreiffet fie nicht/wie Joh.x. ſtehet: 
Das Liecht feheinet inder Finſternuͤß / und die Finfternüt ha⸗ 
bene nicht begriffen. Item: Das Wert ift im Sicht / und im 
Wort ift das wahre verftändige Sehen des Menſchen / als der 
wahre Geift. 

59. Aber dieſes Feuer ift die wahre Seele des Menfchen / als 
der wahre Geift/ welche GOtt dem Menfchen zu einem creatuͤr⸗ 
Tichen Leben einbließ: Alſo verfteher im Geiftlihen Willen- Feuer 
die wahre begierliche Secle auß dem ewigen Grunde; und im des 
Sicchtes Krafftden wahren verftändigen Geift/ in welchem die 
Einheit GOttes wohnet und offenbahr ift / wieder Herr Chris 
ftus faget: Das Reich GOttes ift inwendig ineuch / Luc. 17. 
Item baulus: Ihr feyd Tempel des H. Geiftes / der in euch 
wohnet. 

60. Diefe iſt die Stätte göttliher Einwohnung und Offen⸗ 
kahrung/ und alfo mag auch die Gecle verdammet werden / fo fich 
der feurifche Wille von GOttes Siebe und Einheit abbricht / und 
in fein natürlich Eigenthumb / als in feine böfe Eigenfchafften 
eingchet. O Zion / mercke diefen Grund / ſo biſtu loß von Babel! 

‚6x. Mit dieſer fuͤnfften Eigenſchafft wird das andere Princi- 
—— als die Engliſche Welt oder die Thronen verſtanden / 

enn es iſt die Bewegnuͤß der Einheit / da alie Eigenfchafften ver 
feurigen Natur in Hebe brennen. 

62. Ein Gleichnuͤß dieſes Grundes fichet man an einer ange⸗ 
zuͤndeten Kertzen: In der Kertzen liget aͤlles ineinander und iſt 
doch keine Eigenſchafft vor der andern offenbahr / biß ſte ange⸗ 
Fuͤndet wird / fo ſiehet man ein Feuer / Oehl / Liecht / Lufft * 

Waſ⸗ 


etlicher vornehmer Pundten&c. 239 


Waſſer aus der $ufft/ es werden alle vier Elementa darinnen 
affenbahr/welche zuvor in einem einigen runde verborgen ligen. 

63. Alfo auch imgleichen ift indem ewigen Grunde nachzujins- 
nen / denn das zeitliche Weſen ift aus dem Ewigen gefloffen / 
darumb hat eines cine Eigenfchafft wie dasander/ nur dag eines 
ewig / das ander vergäanglich aſt / eines geiſtlich Das ander 
leiblich. 

—— das Geiſtliche Feuer und Liecht angezündet wird / 
als es denn von Ewigkeit je gebrannt hat / ſo wird auch immer 
und ewig die groſſe Verborgenheit Goͤttlicher Krafft und Wiſ⸗ 
ſenſchafft darinnen offenbahr / denn im Feuer werden alle Eigen⸗ 
ſchafften der ewigen Natur geiſtlich / und bleibet auch doch die 
Natur inwendig in ſich als ſie iſt aber der Außgang des Willens 
wird Geiſtlich / denn im Feuer⸗ſchrack oder Blick wird die finſte⸗ 
re Annehmligkeit verzehret / ſo gehet aus der Verzehrung aus der 
pur⸗klare Feuer-⸗Geiſt / mit dem Liecht⸗glantz durchtrungen / und 
verſtehen in ſolchem Außgang dreyerley Eigenſchafften: als uͤber⸗ 
ſich gehet der feuriſche Wille / und für ſich / als in der mitten gleich 
einem Centro des feuriſchem Willen⸗Geiſtes / gehet der oͤhliſche 
Geiſt / als der Ens der Einheit GOttes auf / welcher in der Bes 
gierde der Natur iſt in ein Weſen gangen / und unten als im Sinc⸗ 
ken gehet der Waſſer⸗geiſt auß / als die Sanfftmuth / und da es 
doch nur alles Geiſt und Krafft iſt / aber alſo ſtehets in der Figur 
der Offenbahrung / nicht dag eine Abtrennung geſchehe / fordern 
iſt nuralfo in der Offenbahrung. 

65. Dieſe dreyerley Offenbahrung gefchicht nach der Drenheit/ 
Denndas Centrum, darinnen es fichet / iſt der einige GOtt nach 
feiner Offenbah rung: Überzfich gehet der Feuer⸗flammende Liebe⸗ 
Geift / und unter fich gchet die Sanfſftmuth aus der $iche / und 
in mitten ftchet das Centrum , das ift die Circumfereng / als der 
Vatter oder gange GOtt nad feiner Otfenbahrung; und wie es 
in Göttlicher Offenbahrung zuerfennen ift / alfo auch in der ewi⸗ 
gen Natur / nad) der Natur Eigenheit / denn die Natur iſt nur 
ein Gegenwurff der Gottheit. 

66. Alfo ift uns ferner zu erkennen die Natur. Der Blick des 
Feuers Urftand iſt ein Schrack / ein Salnirrifcher Grund / da die 
Natur in unendliche Tpeiligkeit außgehet / alsin die Viele der 
Kräfften / davon auch dievielerley Engelund Geifter / fo wehl 
Sarbenund Würdkungen find entftanden / fo wohl auch die vier 
Elementa im Anfang der Seit / denn Das Temperament des Feu⸗ 
ers und Liechts ift das heilige Element / als die — en 

ie 


240 Clavis oder Schlüffel 


Liecht der Einheit; Aber durch dieſen Salnitriſchen Grund (ver⸗ 
ſtehets Geiſtlich und nicht irrdiſch) entſtehen viet Elementa, als 
in der Impreſſion des feuriſchen Mercurii die Erde und Steine; 
und in der Fünfften Efleng des feuerifhen Mercurii das Feuer 
und der Himmel / und in der Bewegnuͤß oder Außgang die Lufft / 
und in der Zerſprengung der Begierligkeit durchs Feuer das 
Waſſer. 

67. Der ſeuriſche Mercurius iſt ein trucken Waſſer / der hat 
Metallen und Steine gebohren; Aber der Zerſprengte durch die 
Ertödtung im Feuer hat das Waſſer gebohren / und die Impref- 
ſion hat die grobe Rawigkeit in Erde bracht / welche cin grober 
SalnitrifcherSaturninifcher Mercurius it. Mit dem Wort Mercu- 
rius follet ihr allyier im Geift allegeit das außgefloſſene natürliche 
wuͤrckende Wort Gottes verftchen/welches der Separator, Schei⸗ 
der und Former aller Weſen ift gewefen / und mit dem Wort Sa- 
£turnus die Impreflion. 

68. In der fuͤnfften Eigenfchafftals im Liecht / ift die ewige 
Einheit weſentlich / als ein heilig / geiſtlich Feuer / ein heilig Liecht / 
eine heilige Lufft / welche nur Geiſt iſt. Item, ein heilig Waſſer / 
welches die außflieſſende Liebe der Einheit GOttes iſt: Item eine 
heilige Erde / welche nur eitel Krafft und Wuͤrckung iſt. Dieſe 
kuͤnffte Eigenſchafft iſt die wahre Geiſtliche engliſche Welt der 
Goͤttlichen Freuden / welche in dieſer ſichtbahren Welt verborgen 


sit. 

N Die fechfte Eigenfchafft der ewigen Natur ift der Schall) 
Hall oder die Verſtaͤndtnuͤß / deñ imgeuer-blig werden die Eigen⸗ 
ſchafften alle lautbahr: Das Feuer iſt der Mund der Eſſentz / und 
das Liecht iſt der Geiſt / und der Schall iſt der Verſtand / darin⸗ 
nen die Eigenſchafften einander alle verſtehen. 

70. Nach der Offenbahrung der H. Dreyfaltigkeit / mit dem 
Außfluß der Einheit iſt dieſer Schall oder Hall das Goͤttliche 
wuͤrckende Wort / als der Verſtand in der ewigen Natur / dadurch 
ſich die uͤbernatuͤrliche Wiſſenſchafft offenbahret / und nach der 
Natur und Creatur iſt er die Erkaͤntnuͤß GOttes / darinnen der 
natuͤrliche Berſtand GOtt erkennet. Dan der natuͤrliche Berſtand 
iſt ein Gegenwurfſ und Außfluß auf Goͤttlicher Verſtaͤndtnuͤß. 

71. In dem natürlichen Verſtande liegen die fuͤnff Sinnen 
geiftlicher Art: Und inder andern Eigenfchafft / als in der Be⸗ 
wegnuͤß / alsim Feuriſchen Mercurio ligen fie natürlicher Art. 
Die ſechſte Eigenſchafft gibt die Berftändtnäg im Hal) als 
in der Rede des Worte / und die andere Eigenfchafft ‚'e 

—* er 


Micha vornehmen Pundten &c. 247 


Ber Führer / als das Gchäufe oder Werdzeuge der Rede oder 
Des Halles. * 

72. In der andern Eigenſchafft iſt die Krafft peinlich / in der 
ſechſten Eigenſchafft iſt ſie frewdenreich / und iſt Doch kein anderer 
Unterſcheid zwiſchen der andern und ſechſten Eigenfchafft / als 
nur das Siccht und Finfternüß / und flehen in einander wie Feuer 
und Liecht / und find auch fo weit nur unterfcheiden., 

73. Die fiebende Eigenfchafft iſt das Wefen / als ein Subje- 
&um oder Gchäufe der andern fechs / darinnen fie allewefentlich 
find / wie die Seele mit dem Leibe / und ift fürnemlich nach der 
Sicht: Welt das Paradeif oder Grünen der würdenden Krafft 
Damit zuverfichen / denn eine jede Eigenfhafft machet ihr ein 
Subje&um oder Gegenwurff mit ihrem felbft- Ausflug / undin 
der fiebenden ftehen alle Eigenſchafften im Temperamento ‚als in 
einem einigen Weſen: Gleich wie fie aus der Einheit alle ent= 
ſpringen / alfo gehen te wieder alle in einen Grunde ein/ und ob 
fie gleich in unterfchiedlicher Arth und Eigenfchafften würcken/ fo 
iſt es doch allhier nurein cinig Weſen / deffen Krafft Heiffet Tin- 
&ur, als ein heilig penerrirend Weſen. 

74. Nicht dag die Siebende Eigenfchafft die Tinctur ſey / ſon⸗ 
dern ſie iſt das Corpus darzu: Des Feuers und Liechts Krafft iſt 
die Tinctur mit dem weſentlichen Leibe / aber die ſiebende Eigen⸗ 
ſchafft iſt das Weſen / welches die Tinctur penetriret und heili⸗ 
get / deßwegen ſtehet das Paradeis / als ein geiſtlich Gruͤnen in 
der ſiebenden Eigenſchafft; Verſtehet nach der Krafft goͤttlicher 
Offenbahrung iſts alſo / aber nach der Natur Eigenſchafft iſt es 
ein Weſen der angezogenen Begierde aller Eigenſchafften. 

75. Es iſt fuͤrnemlich zumercken / daß allemahl die erſte und 
fiebende Eigenſchafft für eins gerechnet werden / und auch die alt= 
der und fechfte fiir eine / fo wohldie dritte und fünfftefür eine/ die 
vierdte iſt allein das Scheide⸗Ziel / denn es feind nur drey Eigen= 
ſchafften der Natur/nach der Offenbahrung der Dreyheit Gottes. 

76. Als die Erfte die Begierde / diewird GOtt dem Vatter 
zugeeignet / und ift nur ein Geiſt / und in der fiebenden ift die 
Begierde wefentlich. 

77. Die Ander wird GOtt dem Sohn als die göttliche Krafft 
zugeeignet / die iſt in der andern Zahl nur ein Geiſt / aberinder 
ſechſten iſt ſie die verſtaͤndliche Krafft. 

78. Die Dritte wird GOtt dem H. Geiſt nach feiner Offen⸗ 
bahrung zugeeignet/ und iſt im Anfang der dritten Eigenſchafft 
nur ein Feuer⸗geiſt / aber in der fünfften Eigenſchafft if die groffe 
Liebe darinnen offenbahr. 79. Alſo 


242 Clavisoder Schlüffet ME 


79. Alfo ift der Außfluß göttlicher Offenbahrung mach den 
drs,en Eigenfchafften im erſten Principio vor dem Liecht natürs 
lich / und im andern Principio im Liecht geiſtlich. 

80. Dieſes ſeind alſo die Sieben Eigenſchafften in einem Eis 
nigen Grunde / welche alle Sieben gleich ewig ohne Anfang ſeind / 
und feine kan fuͤr die erſte / andere / dritte / vierdte / fünffte/ fechſte 
und letzte gezehlet werden / denn fie ſind gleich ewig / ohne Anfang / 
aus der Einheit GOttes: Man mug nur ſolches auff bildliche 
Art zum Verſtandt ſetzen / wie eine aus der andern gebohren 
werde / zu mehrerm Verſtande/ was der Scyöpffer ſey und 
tal das Leben und Weſen der fichtbahrn Welt Fönne be> 
rachten. 


Dom Dritten Principio, als von der ſichtbahrn Welt] 

wovon diefe fey entſtanden und was die Schoͤp⸗ 
fung fey. 

sꝛ. Jeſe ſichtbare Welt iſt aus der oberzehlten geiſtlichen 
a Welt / als aus der außgefloſſenen Goͤttlichen Krafft ent» 

ſproſſen / und iſt ein Objedum oder Gegenwurff der geiſtlichen 

Welt: Die geiſtliche iſt der inwendige Grund in der ſichtbaren 

Welt / die ſichtbare Welt ſtehet in der geiſtlichen. 

82. Dieſe ſichtbahre Welt iſt anders nichts als ein Außfluß der 
fieben Eigenfchafften/venn aus den ſechs wuͤrckenden Eigenſchaff⸗ 
ten iſt fie entſtanden /umdinderfichenden als im Paradeiſe ſtehet 
fie in der Ruhe / die iſt der ewige Sabbath / darinnen das Wuͤrc⸗ 
ken goͤttlicher Krafft ruhet. 

83. Moyfes ſpricht: GOtt habe in ſechs Tagen Himmel und 
Erden ſambt allen Creaturen geſchaffen / und habe am ſiebenden 
Tage geruhet und ihn zu ruhen gebotten. In dieſen Worten lieget 
der Verſtand heimlich verborgen: Hätte er doch wohl moͤgen in 
einem Tag alle ſeine Wercke machen: Auch kan man doch von 
keinem Tag ſagen / ehe die Sonne war / denn in der Tieffe iſt nur 
ein einiger Tag aber der Verftand liget in den Worten ver» 
borgen. } 

84. Er verftchet mit den Tage-wercken die Schöpffung oder 
Offenbahrung der ficben Eigenfchafften 7 denn er faget: Am 
Anfang ſchuff GOtt Himmelund Erden. Inder erfien Be> 
wegnuͤß hat die Magnetifche Vegierde den feuriſchen und waͤſſe⸗ 
rigen Mercurium mit den andern Eigenfchafften impreflit und 
compalirct: So hat ſich die Grobheit von der geiftlichen Arth 
geſchieden / und ift der fenrifche zu Metallen und Steinen er: 

en} 


etlicher vornehmen Puncten &c. 243 


den / und ein theil zu Salniter, als Erden / und der wäfferige zu 
Waſſer: So ijt ver-feurifihe -Mercurios der Wuͤrckung lauter 
worden/ den hieß Moyfes Himmel) denn die Schrift ſaget: 
Gott wehnet im Himmel; denn diefer feurifche Mercurius ift 
die Krafft des Firmaments, als ein Gegen-wurff der geiftlichen 
Welt / darinnın GOttoffenbahrift. 

85. Als diß geſchehen / ſprach GOtt: Es werde Liecht / und 
es ward Liecht. Allda iſt das inwendige Liecht durch den feuri⸗ 
ſchen Himmel außgedrungen / dadurch eine Krafft des Scheins 
in dem feuriſchen Mercurio entſtund / und das war das Liecht der 
aͤuſſern Natur in den Eigenſchafften / darinnen das wachſende 
Leben ſtehet. 

86. Am andernTag⸗werck hat GOtt den waͤſſerigen und feuri⸗ 
ſchen Mercurium von einander geſchieden / und den feuriſchen die 
Feſte des Himmels geheiſſen / welche war aus dem Mittel des 
Waſſers als des Mercurii. Allda iſt die männliche und fraͤwliche 
Arth im Geiſt der aͤuſſern Welt entſtanden / als im feuriſchen 
Mercurio die maͤnnliche / und im waͤſſeriſchen die fraͤwliche. 

87. Solches Scheiden iſt uͤberal durch alles geſchehen / und 
das zu dem Ende / daß ſich ſollte der feuriſche Mercurius wieder 
nach dem waͤſſeriſchen / und der waͤſſeriſche nach dem feuriſchen 
ſaͤhnen / daß eine Liebe⸗begierde im Liechte der Natur zwiſchen 
ihnen waͤre / davon die Zuſammenfuͤgung iſt entſtanden: So 
hat ſich der feuriſche Mercurius, als das außgefloſſene Wort nach 
der feuriſchen und waͤſſeriſchen Liechts-arth geſchieden / und da⸗ 
her komt nun die maͤnnliche und fraͤwliche Arth aller Dingen / 
beydes in den Lebendigen und Wachſenden. 

58. Am dritten Tage⸗werck iſt der feuriſche und waͤſſeriſche 
Mercurius wicder in Die Conjundion oder Bermifihung gegan⸗ 
gen / und haben einander empfangen, da hat der Salniter, als 
die Scheidung der Erden / Graß / Kraut und Baͤume gebohren / 
und iſt die erſte Gebaͤhrung zwiſchen maͤnnlicher und weiblicher 
Arthgeſchehen. 

89. Am vierdten Tag⸗werck hat der feurifche Mercurius ſeine 
Früchte gebohren als die fünffte Eſſentiam / einchöhere Lebens⸗ 
Erafft als dievier Elementa feind / welche doch in den Elementen 
iſt: Don derfelben feind gefcehaffen die Sternen: Denn gleich 
wie die Imprefion der Begierde die Erde hat in cine Maflam 
‚bracht / welche Impreflion in fich gehet / alfo ift auch der feurifche 
Mercurius von der Impreflion augfteigende gewefen / darumb er 
Den Orth diefer Welt beſchloſſen hat mit dem Geſtirne. 

g 2 90. Am 


244 Clavis oder Schlüffel 


90. Am fünfften Tag⸗werck hat fich der Spiritus Mundi , als 
die Scele der groffen Welt in der fünfften Eflenk eröffnet / ver» 
fichet das Leben des feurifchen und wagerichen Mercurii , da hat 
GHtt alle Thiere / Fiſche / Vögel und Würme gefchaffen/ cin 
jedes aus feiner Eigenfchafft des zertheilten Mercurii. 

gr. Da fichet man / wir fihh haben die ewige Principia , nach 
Boͤſem und Gutem beweget) nach allen ficben eigenfchafften/ nach 
ihrem Augfluffe und Vermiſchung / denn da feind gute und böfe 
Creaturen gefchaffen worden / als nach dem fich der Mercurius 5 
als der Separator hat in einen Ens gebildet/ wie anden köfen und 
guten Ereaturen zufehenift: Und ift doch alles Leben im Liecht 
der Natur als in der Siebe der Natur entſtanden / dannenhero 
fih —— ihrer Eigenſchafft nach dieſer außgefloſſenen 
Liebe lieben. 

g2. Am ſechſten Tag⸗werck hat GOtt den Menſchen geſchaffen / 
denn am ſechſten Tag⸗werck hat ſich der Verſtand des Lebens aus 
dem feuriſchen Mercurio eroͤffnet / als aus dem inwendigen Grun⸗ 
de / den ſchuff GOtt in ſeiner Gleichnuͤß / aus allen dreyen Prin- 
eipiis in ein Bild / und bließ ihm den verſtaͤndigen feuriſchen Mer- 
eurium, nach dem innern und aͤuſſern Grunde / als nach der E⸗ 
wigkeit und Zeit ein / zu einer lebendigen verſtaͤndigen Seele; und 
in dieſem ſeeliſchen Grund ſchwebete die Offenbahrung goͤttlicher 
Heiligkeit / als das lebendige außflieffende Abort GOttes mit der 
ewig⸗erkannten Idea, welche war in Goͤttlicher Weißheit von 
Ewigkeit erkannt worden/ als cin Subje&um oder Form Götts 
licher Imagination. 

93. Diefer ward angethan der himmlifchen Welt Wefen / 
fo ward fie ein verftändiger Geift und Tempel GOttes / ein Bild 
göttliher Beſchawligkeit welcher Geift der Seelen zur Ge⸗ 
mahlin gegeben ward / gleich wie Feuer and giecht Gemahle find / 
alfo auch hie zuverftehen ift. Derfelbe göttliche Grund grünete 
amd durchtrang Seel und Leib / das war das rechte Paradeisim 
Menfhen/ welches er durch die Sünde verlohr / alsder finftern 
Welt Grund-mit der falfchen Begierde das Regiment in ihm 
befame. 

94. Am fiebenden Tag hat GOtt von allen feinen Wercken / 
Die er gemacht hat / geruhet/ ſpricht Moyſes. Nun darffdoch 
Gott keiner Ruhe /denn er hat von Ewigkeit gewuͤrcket / und 
iſt eine eitele wuͤrckende Krafft / deßwegen liget der Berſtand 
allhier im Wort verborgen; denn Moyſes fpricht: GOtt habe 
den ſiebende Tage zu ruhen gebotten. Der ſiebende Tag Bene 

wahre 


etlicher vornehmen Puncten &c. 245 


wahre Paradeis geweſen (verſtehets Geiſtlich) als die Tinctur 
goͤttlicher Krafft / welche iſt ein Temperament, die hat durch alle 
Eigenſchafften gedrungen / und in der ſiebenden / als im Weſen 
der andern aller gewuͤrcket. 

95. Die Tinkur hat durch die Erde und alle Elementa gedrun⸗ 
gen/ wndallestingiret/ allda war das Paradeis auff Erden und 
in dem Menfchen / denndie Boßheit war verborgen / gleich wie 
die Nacht im Tag verborgen ift: Alfo war auch der Grimm der 
Natur im erſten Principio verborgen / big auffden Fall des Men⸗ 
ſchen / fo flohe Das göttliche Würden in der Tinctur in fein eigen 
Principium, alsin den innern Grund der Liecht-welt / denn der 
Brimm wandte fich empor / und Eriegefe das Ober-regiment / und 
Das ift der Fluch dag GOtt die Erde verflucht hat / dan ſein 
Fluchen iftfein würdendes Fliehen als wenn GOttes Krafft in 
einem Ding mit des Dinges geben und Geift würdet] und hers 
sach fich demſelben Dinge mit feiner Wuͤrckung entzeucht / fo ifts 
verflucht / denn es wuͤrcket nur im eigenen Willen, und nicht in 
GOttes Willen. 

Vom Spiritu Mundi ‚ und den Elementen. 

96. Fr koͤnnen die verbergene geiftlihe Welt ander ſicht⸗ 

bahrn Welt gar wohl betrachten / danwirfehen/ dag 
ſich in der Tieffe der Welt immerdar Feuer / Lufft und Waſſer ge⸗ 
biehret / und dag keine Ruhe noch Auffhoͤren ſolches Gebaͤhrens 
ſey / und von Anfang die ſer Welt alſo geweſen ſey / und koͤnnen aber 
in der aͤuſſeren Welt keine Urſach finden / was das fuͤr ein Grund 
ſey / ſondern die Vernunfft ſpricht: GOtt hat es alſo geſchaffen; 
dabey bleibet ſie / welches an ihm ſelber wohl wahr iſt / aber den 
Schoͤpffer kennet fie nicht / welcher ohne linterlaß alſo ſchoͤpffet / 
als der rechte Archzus oder Separator, welcher ein Auß fuß aus der 
unſichtbahren Welt iſt / als das außgefloſſene Wort GOttes / wel⸗ 
ches ich mit dem Wort des feuriſchen Mercurii andeute. 

97. Deñ was die unſichtbahre Welt in einem geiſtlichen Wuͤrc⸗ 
ken iſt / da Liecht und Finſternuͤß untereinander ſeynd / das iſt 
die ſichtbahre in einem weſentlichen wuͤrcken: Was in der inwen⸗ 
digen geiſtlichen Welt für Kraͤffte in dem außgefloſſenen Wort 
zuverſtehen ſeynd / die verſtehet man in der ſichtbahren Welt an 
beim Geſtirne und Elementen auch / aber in einem andern Princi- 
pio heiliger Art. 

98. Die vier Elementa flieſſen aus dem Archzo des inneren 
Grundes/ als aus den vier Eigenfihafften der ewigen Natur / 
und find im Anfang diefer Zeit vom innern Grund alfo außge⸗ 
t 3 hauchet 


246 _ Clavisoder Schlüffel 


hauchet worden / und in ein eigen wuͤrcklich Wefen und Leben 
geſetzt worden / darumb heiſſet die aͤuſſere Welt ein Principium, 
als cin Subjedtum der innern Welt } algein Werckzeug des in⸗ 
nern geiftlihen Meifters/ welcher Meifter iſt GOttes Wort 
und Kraft. | | 

99. Und wie die innere Göttliche Welt ein verftandig Sehen 
vom Ausflug göttliher Wiſſenſchafft in ſich hat / darinnen die 
Engel und Seelen verftanden werden: alfo yat auch die auffere 
Welt ein vernuͤnfftig Seben in ſich / welches Leben ſtehet in den auß⸗ 
gefloſſenen Kraͤfften der innern Welt / welches aͤuſſere Leben kei⸗ 
nen hoͤhern Verſtand hat / als nur in das / darinnen es ſtehet / als 
in das Geſtirn und in die Elementa. 

100. Der Spiritus Mundi iſt in den vier Elementen verborgen/ 
wie die Seele im Leibe / undift anders nichts als ein Außfluß und 
würdliche Krafft von der Sonnen und dem Geftirn/ fein Ges 
häufe darinn er wuͤrcket / iſt geiftlich mit den vier Elementen umb⸗ 
geben: Das geiftlich Gehaͤuſe iſt erftlich eine ſcharfſe magnerifche 
Kraft vom Außfluß der innern Welt / von der erſten Eigens 
ſchafft der ewigen Natur / diefes ift ver Grundaller Saͤltze und 
Kraͤffte / ſo wohl aller Bildung und Weſenheit. 

101. Zum andern iſt es der Außfluß der innern Bewegnuͤß / 
welche iſt von der andern Geſtalt der ewigen Natur außgefloſſen / 
"und ſtehet in feuriſcher Art / als eine trockene Waſſer-quelle / 
darinnender rund aller Metallen und Steine verftanden wird/ 
denn Darauf find fie gefchaffen worden: Diefen hieß ich den feu⸗ 
riſchen Mercurium im Geiftdiefer Welt / denn er iſt die Beweg⸗ 
nuͤß aller Dinge / und ein Scheider der Kraͤffte / cin Formirer 
der Geftaltnüg/ ein Grund des aͤuſſern Lebens / nach der Bes 
wegnuͤß und Sinnligkeit. 

102. Der dritte Grund iſt die Empfindligkeit in der Veweg—⸗ 
nuͤß und Schaͤrffe / als ein geiſtlicher Schwefel-quaal vom Grun⸗ 
De des aͤngſtlichen Willens im innern Grunde / davon entſtehet 
der Geiſt mit den fuͤnff Sinnen / als Sehen / Hoͤren / Fuͤhlen / 
Schmecken und Riechen / als das wahre Eſſentialiſche Leben / davon 
das Feuer als die vierdte Geſtalt offenbahr wird. 

103. Dieſe drey Eigenſchafften haben die alten Weiſen ge— 
heiſſen Sulphur , Mercuſium und Sal, nach ihren Materien, wel» 
che darauß in den vier Elementen gebohren werden / in dehme ſich 
ſolcher Geiſt coaguliret oder weſentlich machet. In dieſem Grun⸗ 
de liegen auch die vier Elementa, und find nicht Davon entſchieden / 
oder etwas. ſonderliches / fie find nur die Offenbahrung Pr. 

geiſt⸗ 


etlicher vornehinen Pundten &c. 247 


geiftlihen Grundes / als cin Gehäufe des Geiſtes / darinnen 
ſolcher Geiſt wuͤrcket. 

104. Die Erde iſt der groͤbſte Außfluß von dieſem ſubtilen 
Geiſt: Nach der Erden iſt das Waſſer der ander / und nach dem 
Waſſer die Lufft der dritte / und nach der Lufft iſt das Feu er der 
vierdte: Dieſe ſind gus einem eigenen Grund entſtanden / als vom 
Spiritu Mundi, welcher feine Wurtzel in der innern Mctt hat. 

105. Nun ſpricht die Bernumfft 2 Zu was Ende bat? 
Schoͤpffer folge Offenbahrung gemacht? 2Antwort: Anderſt 
keine Urſach / als daß ſich die geiſtlicht Welt damit in eine ſicht⸗ 
bahrliche bildliche Form einfuͤhrete / daß die inneren Kraͤffte bilde 
lich und foͤrmlich würden. Sollte dieſes geſchehen / fo muſte ſich 
das geiſtliche Weſen in einen materialiſchen Grund einführen / 
darinnen ſich das moͤchte bilden und formiren / und muſte eine 
ſolche Scheidung geſchehen / dag ſich die Abſcheidenheit immer 
nach ihrem erſten Grund ſaͤhnete / als das Innere nach dem Aup 
ſeren / unde das Kuffere nach dem Inneren. 

106, Alfo auch vie vier Elementa, welihe inwendig nur ein 
einiger Grund ſeynd / da muß fich je eines nach dem andern ſaͤh⸗ 
nen / und des andern begehren / und den innern Grund in dem an⸗ 
dern fuchen/ und das innere Element ift in ihnen entfäyieden/und 
find Die vier Elementa nur Eigenfhafften des zertheileten Ele⸗ 
ments / deßwegen iſt ein groffes Üngften und Begehren zwifchen 
ihnen /und wollen immerdar wieder in den erften Grund / als 
ins ewige Element / darinnen fie ruhen koͤnnen / davon die Schrifft 
ſaget: Es ſaͤhnet und aͤngſtet ſich alle Creatur neben uns von 
der Eitelkeit loß zu werden / deren ſie unterworffen iſt wider ih⸗ 
ren Willen. 

207. In ſolcher ungſtigung und Begierde wird die außge— 
floſſene Göttliche Krafft durch der Natur Wuͤrcken mit⸗gebildet / 
und in Figuren gebracht / zurewigen Herzligkeit und Beſchau⸗ 
figkeit der Engel und Menfchen und aller ewigen Ereaturen/ 
wie wir folches Elar an allen Lebendigen / ſo wohl an den Wach⸗ 
ſenden ſehen moͤgen / wie ſich die Goͤttliche Krafft mit eingebildet 
und formet. 

108. Denn es iſt keinDingi in die ſer Welt Weſen / da nicht eine 
gebildete Form nach der inneren geiftlichen Welt darinnen ſtuͤn⸗ 
de / entweder nach dem Grimm des innern Grundes / oder nach 
der guten Krafft / und da doch in der allergifftigſten Krafft im in⸗ 
wendigen Grund offte die groͤſte zugend aus der Innern Welt 
samen lieget. 


gu 109. Aber 


248 Clavis vder Schlüffel 

109. Aber wo ein finſter Leben in einem Ding iſt / als ein 
finſter oͤhl / daraus iſt wenig zu hoffen / dann es iſt ein Funda- 
ment des Grimmes / als eine falfche böfe verwerffliche Gifft ; 
Wo aber das Leben im Gifft ſtehet / und einen lichten Blank im 
S hl als in der Quinta Efentia hat / allda ftchet der Himmel in 
der Höllen offenbahr / allda lieget groffe Tugend verborgen / den 
unſern verftanden. 

110. Die ganze fichtbahre Welt ift ein citel ſpermatiſcher 
würckender Grund / cin jedes Weſen fähnet fich nach dem att= 
dern / das Obere nach dem Untern/un das Untere nach dem Obern / 
denn es iſt von einander geſchieden / und in ſolchem Hunger em⸗ 
pfahen ſie einander in der Begierde / wie an der Erden zu erkennen 
iſt / die iſt alſo hungerig nach dem Geſtirne und dem Spiritu Mun- 
di, als nach dem Geiſte / daraus ſie im Anfang iſt entſproſſen / daß 
fie eine Ruhe vor Hunger hat / und derſelbe Hunger der Erden 
iſt eine Verzehrung der Corporum ‚ auff daß der Spiritus wicder 
vonder groben elementiſchen Arth gefihieden werde / und wieder 
in feinen Archzum eingebe. 

ıız. Mehrersfchen wir in folhem Hunger /die Schwaͤnge⸗ 
zung des Archzi,als des Separatoris,wie der untere Archzus der 
Erden den stern fubtilen aber der Erden vom Geftirn in fich zies 
he / da fich alsdann diefer eingefafte Grund vom obern Acchzo 
wieder nach feinem Grunde fühnet / und aupdringende wird 
wieder nach dem Obern / in welchem Ausdringen das Wachs⸗ 
thumb der Metallen / Kräuter und Baume entjtchet. 

112. Denn der Erden Archzus wird dardurch alfo freuden⸗ 
reich / daß er feinen erften Grund wieder in fich ſchmaͤcket und 
einpfindet / und in folcher Freude wachfen alle Dinge aus der Er» 
den : So wohl auch in den Lebendigen ftchef das Wachsthumb 
darinnen / als in einer fläts-währenden Con jundtion des Himm⸗ 
liſchen und Irrdiſchen / darinnen die Göttliche Kraft mit-würcet/ 
wie an der Tinctur der Wachſenden zu erkennen iſt / als in ihrem 
inneren Grunde. 

113. Darumb ſoll ſich der Menſch / als ein edel Bild / welcher 
ſeinen Grund in Zeit und Ewigkeit hat / wohl betrachten / und 
nicht alſo blind fahren / und ſein ewiges Vatterland ferne von 
ihm ſuchen: Es iſt in ihme / aber wit ver Grobheit der Elemen⸗ 
ten mit ihrem Streit verdecket; wann der Streit der Elemen⸗ 
gen im Abſterben des groben Leibes auffyöret / fo wird dergeift= 
liche Menfch offenbar / er ſey gleich im Liecht oder Finſternuͤß 
gebohren worden : Welche Krafft das Regiment in er hat! 

arin⸗ 


etlicher vornehmen Pundten &c. 249 


darinnen bleibet der geiftliche Menfch ewig ſtehen / entweder im 

Fandamß@nt des Zorns GOttes / oder in feiner Liebe. 

2124. Denn der Auffere fichtbahre Menſch iſt jeßo nicht Das 
wahre Ebenbild EOttes / er ift nur ein Ebenbild des Archzi, als 
ein Gehaͤuſe des geiftlichen Menſchens /darinnen der geiftliche 
Menſch wächfet/ wie das Gold im groben Steine / und das Kraut 
aus der wilden Erden /wie die Schrift auch davon alſo faget > 
Haben wir einen natürkichen Leib / fo haben wir auch einen geiſt⸗ 
lichen Leib /welcherley der natürliche iſt / folcherley iſt auch der 
geiftliche/ aber der Auffere grobe vierzelementifhe Leib ſoll GOt⸗ 
tes Reich nicht erben / fondern diefer / welcher aus dem einigen 
Element gebohren wird / als aus Göttliher Offenbahrung und 
Wuͤrckung: Denn nicht diefer vom Fleiſch noch vom Willen des 
Mannes ift es /fondern diefer / welcher in diefem groben vom 
him̃liſchen Arch zo gewuͤrcket wird/darzuderGrobe ein Gchäufe 
und Werckzeug iſt. Aber wan die Schale vergehet/alsdan wirds 
offenbahr / warumb wir unshaben alle Menfchen genannt / und 
doch ein Theil kaum Thiere/ ja noch böfer ind gewefen als Thiere, 

115. Alfo follen wir den Spiritum der Aufferen Weltrecht bes 
trachten / alsdag er ſey cin Gchäufe und Werckzeugder innern 
geistlichen Welt / welche darinnen verborgen ift / und durd) die 
aͤuſſere Welt würdet] und fich alfo mit Inbildungen einführet. 

126. Und alfo ift auch des Menfchen Bernunfft nur ein Ge= 
haufe des wahren Verſtandes Göttliher Erkaͤntnuͤß / und fol 
Kiemand auf feine Vernunfft und Scharffefinnigkeit frauen) 
fie ift nur Das Äuffere Geftirne nach feiner Confellation, und 
ver fuͤhret ihn fo balde / als daß fie ihn zu GOttes Einheit führet. 

xı7. Die Vernunfft ſoll ſich GOtt gang ergeben / auff dag 
der inwendige Archæus offenbahr werde / dieſer wird einen wahe 
ven geiſtlichen Gott-foͤrmigen Grund würden und gebaͤhren / 
darinnen GOttes Geift offenbahr wird / und den Berftand zu 

GOtt fuͤhret / alsdann forfchet der Geift in folhem Grund alle - 

Dinge ja auch die Tieffe der Gottheit / wieS. Paulus faget. 

Diefes habe ich den Liebhabern cin wenig entwerffen wollen / 
demfelben weiter nachzufinnen /2c. 

Solgeteine furge Erklärung oder Formula von Goͤtt⸗ 

Ulicher Offenbahrung. 

118. Ott tft die ewige unmaͤßliche / unfaßliche Einheit / der 
offenbahret ſich in ſich ſelber von Ewigkeit in Ewigkeit / 
mit der Dreyheit / und iſt ein Batter / Sohn und Geiſt 

in dreyerley Wuͤrckung wis forne gemeldet. 

| 85 119. Die⸗ 


250 Clavis over Schläffel 


119. Diefer Dreyheit erfter Außfluß und Offenbahrung iſt 
das ewige Wort / oder Außſprechen Goͤttlicher Krafft; Das erſte 
außgeſprochene Weſen aus der Krafft iſt die Goͤttliche Weißheit 
als ein Weſen / darinnen die Krafft wuͤrcket. 

120. Aus der Weißheit fleuſt die Krafft des Außhauchens 
aus / und gehet in Schiedligkeit und Formung / darinnen wird 
die Goͤttliche Krafft in ihrer Tugend offenbahr. 

121. Dieſelben ſchiedlichen Kraͤffte führen ſich in Annehmlig⸗ 
keit ein / zu ihrer ſelbſt-Empfindligkeit / und aus der Empfind⸗ 
ligkeit entſtehet eigener Wille und Begierde. 

122. Dieſer eigene Wille iſt der Grund der ewigen Natur / 
der fuͤhret ſich mit ver Begierde in Eigenfchafften cin big zum 

euer. 

3 123. In der Begierde entſtehet die Finſternuͤß / und im Feuer 
wird die ewige Einheit mit dem Liecht in der feuerenden Natur 
offenbahr. 

124. Ausdiefer feurenden⸗und Sicchts-Natur/ Arth und Ei: 
genfe hafft feynd die Engel und Seelen entfprungen / als cine 

Göttliche Offenbahrung. 

125. Die Krafft des Feuers und Liechts heiffet Tin&tur, und 
Di Bewegnuͤß dieſer Krafft heiſſet das heilige oder reine Element. 

126. Die Finſternuͤß wird im ſich ſelber weſentlich / und das 
Liecht wird in der feurifchen Begierde auch weſentlich / dieſe beyde 
machen zwey Principia : Als in der Finſternuͤß iſt GOttes Zorn / 
and im Liecht iſt GOttes Liebe / ein jedes wuͤrcket in fich felber/ 
und iſt nur ein Unterſcheid / wie zwiſchen Tag und Nacht / und 
ſind alle beyde doch nur ein einiger Grund / und iſt je eines cine 
Urſache des andern / daß das andere in ihm offenbahr und erkannt 
werde / gleich wie das Liecht aus dem Feuer. 

127. Die ſichtbahre Welt iſt das dritte Principium ‚als der 
Dritte Grund und Anfang) diefe ift aus dem innern Grund/ als 
aus beyden erften außgehauchet worden / und in creatürliche 
Form und Arth gebracht. 

128. Die inwendige ewige Wuͤrckung iſt in der ſichtbahren 
Welt verborgen / und iſt in allen und durch alles / doch dem Allem 
in eigener Macht unfaßlich: Die aͤuſſeren Kraͤffte ſind nur das 
Leydende / oder das Gehaͤus: Die allgemeine Creaturen ſind 
nur aus dem Weſen der aͤuſſeren Welt / aber der Menſch iſt von 
Zeit und Ewigkeit / von dem Weſen aller Weſen in ein Ebenbild 
Goͤttlicher Offenbahrung geſchaffen worden. 

129. Die ewige ————— Goͤttliches Liechts heiffet das 


Hi Ile 


9 


etlicher vornehmen Puncten &c. 251 


Himmelreich / eine Wehnung der heiligen Engel und Seelen. 
Die feuriſche Finſternuͤß heiſſet Hoͤlle und GOttes Zorn / darin⸗ 
nen die Teufel wohnen / ſambt den verdamten Seelen. Im Ort 
dieſer Welt iſt uͤberall Himmel und Hoͤlle gegenwaͤrtig / aber 
nach dem innern Grunde. 

130. In GOttes Kindern iſt inwendig das Goͤttliche Wuͤrc⸗ 
ken effenbahr / und in den Gottloſen das Würden der peinlichen 
Finſternuͤß. 

231. Der Ort des ewigen Paradiſes iſt in dieſer Welt im in⸗ 
wendigen Grund verborgen / und im innern Menſchen / wo GOt⸗ 
tes Krafft in ihm wuͤrcket / offenbahr. 

132. Von dieſer Welt werden nur die vier Elementa mit dem 
Geſtirne und den irrdiſchen Craturen vergehen / als dieſes aͤuſſere 
grobe Leben aller Dingen: Die inwendige Krafft aller Weſen 

"bleibet ewig. 


Folget eine Erklaͤrung etlicher Wörter in an- 
dern meinen Buͤchern. 


TURBA MAGNA. 


13 —— iſt der erraͤgte und erweckte Grimm des innern 
Grundes / da das hoͤlliſche Fundament im Geiſt der 
Welt offenbahr wird/davon groffe Plagen un Kranck⸗ 
heiten entftehen ; und ift auch der erweckte Grimm der äufferen 
Natur /wieim Schauer der groffen Ungewitter zu fehen ift/ da 
das Feuer im Waſſer offenbahr wird; Esift eine Außgieſſung 
GHttes Zorns /davondie Natur turbiret wird. 


TERNARIUS SANCTUS. 


134. Diefes ift dieinnere himliſche würdende Krafft im We⸗ 
fen / darinnen die Dreyheit GOttes wuͤrcket / fo verftche ich eine 
wefentliche Krafft damit. - , 

SUL ımd PHUR, 

235. Sul iſt die außgefloffene Einheit/ als das Wefen / darin⸗ 
ten das ewige Liecht wuͤrcket / nad der Ewigkeit geiftlicher Arth: 
Und im Aufferen metallifchen Schwefel iſt fie das Ohl Darinnen 
fich das Liecht entzünder. 

136. Phurift des Feuers Eflent/als die Natur nach der Peine 
Figfeit des Grimmes. 

Das ander ift formen erklärst /und auch in Erflärung der 


aſel. 
86 Die 


Die ficben Geſtalten oder Geiſter / von welchen Apscı x. ſtehet. 











— ————— 
DD a 
> za xl — 
— 2 = — Er = — 
* — = * * 7 * 
Be... a 7 57 
a. Te 
— — — 
— — — ———— — ud 
& 
> 
= 
— — I —— nn \ 
2323353383 5.98 33 Br 
= 2 = > 0. * > = ’ —— 
5 — = 4 je Pe 
ZWTRSEssanin 5: 378 
— Bas >. 
3 ARrearsElisse oo & 
= as sbraslie 5 € 3 
SAN > ı 0 = re 
Gr Gr 5” 
5 232 = 
na 837 »37 
ai: Fr any 
De:2 * — 
582 & >28 3:8 
. 2 = > - = 2, * * — 
— u” wa 
Das erite Princi- ſ [ a5 [ Das ander Prim 
pium, ae cipium, 
Finſtere Welt: Hier-| | 238 5 | | Sicht: Belt : Bott 
von wirdBottterBdat- LI "5723 —* der Sohn: Wort; 
ger ein gorniger eyferi⸗ ru. Hertze Gottes: wird 
ger sumdGottderRu:| | hievon genenner ein 
che / und ein verzehrend | 5° g licher und barmher⸗ 
Feuer genennet. & J Lsiger Gott. 


Das dritte Principium ; Welches ift 
Diefe vierzelementifche Welt: eine Außgebuhrt aus den zwey⸗ 
en inwendigen Welten : ein Spiegel deroſelben / daLiecht und Fin⸗ 
Kernüg / Boͤſes und Gutes ineinander vermenget iſt: Dieſe iſt 
nicht ewig / faͤhet fich — oder hat Anfang und 


Folgen hier noch einige fpeciale 
EL AVEM 
Oder 


Erklaͤrungen/ 


Theils eigener / Theils Paracelſi- 
ſcher geheimen Namen und 
Woͤrter. 


Welche der ſeelige Jac. Boͤhme auff 
anhalten feiner guten und vertrauten Freunden) 
einem jeden nach feinen Begehren und Fragen; 
zu befferer und leichterer Faffung feinertich 
fen Erkaͤntnuß eröffnet und mit: 
getheilet bat. 


FHRIE: — * — ee: —J— 


“3, 
Er 
r Er 


— une 
Eu.” 








Aus 
Herrn Johann Sigmund von Schweinich / 
eigener Hand. 
EXPLICATIO TERMINO- 
RUM PRINCIPIORUM. 


TS WARE SE: iſt Nichts gegen der Ercas - 
—tur zu rechnen / und ift der Ungrund _ 
Pund Alles. 
1. Wille (Vatter) davon ge> 
het aus Scieng / die Wurtzel der 






< 


Kraͤffte. 
2. Luſt / Gemuͤthe oder Hertze 
des Willens ( Sohn ) iſt der Auß⸗ 
— © gang aus der Scientz. 
3. Die tuft ifteine Infaßligkeit ; in dem Ingefaſſeten vers 
fiche die Dreyfaltigfeit/ daraus wird außgehaucht: 
4. Dasfprechende Wortin GO (in potentia) oder die 
Göttliche Rrafft. 
5. Die Weißheit ift der Außgang vom Wort / ſonſt Myfe- 
zium Magnum oder die Göttliche Beſchauligkeit. 
Und fo weit ift GOtt zu verfichen/ waser fey ohne Natur und 
Creatur / als ein in fich felbft gebährendes Wefen. 


Folget das Außfprechen des Wortes] alsdie Ems _ 
pfindligfeit oder Findligkeit. 


Il. PRINCIPIUM 
T l — UR ift das Sprechen des Wortes. ( Verbum id 
) 


ac u. 

Die erfte Geftalt der Natur ift Begierde oder anzichende 
Krafft / welche ſich im ſich ſelber beſchattet / und Daraus Sinftere 
Aus entſtehet. 

Die 





Wiſſenſchafft des Geiftesoderaller | 


256 Clavis oder Schlüffel 


2. Die Schärffe ift eine Eigenfihafft der Begierde / wel⸗ 
che fich impreffet und hart machet. 
2. Die Härte ift die andere Eigenfchafft daraus. _ 
3. Kaͤlte die dritte Eigenfchafft. 
Dieſe Begierde iſt mit ihren drey Eigenſchafften eine Mut⸗ 
ter aller Saͤltze. 
SAL. 
Die ander Geftalt ift Scieng oder der bittere Stachel der 
Sindligkeit oder Empfindligkeit Daraus das mercurialifche 
Leben entftchet/ ( die fünf Sinnen.) 


MERCVRIUS 


Die dritte Geſtalt iſt die Angſt oderSPeinligfeit die Wur- 
Beldes Feuers oder Effeng / wird genennet das ſulphuriſche Le⸗ 
ben/ daraus das Gemuͤthe oder Die fünff Sinnen lebend im Sul- 
phur werden. 

SU LP HUR 


Die vierdte Geſtalt ift das Feuer oder Schrack [oder der fäl- 
nitriſche Grund da Liebe und Zorn von einander feheiden/ und en» 
det jich hier das I. Principium, als die finftere Welt oder der 
Hoͤllen Grund. 

11. PRINCIPIUM. 


Die Göttliche tiecht: Welt oder Engliſche Welt. 


Dz fünffte Geſtalt iſt das Liecht oder Liebe-feuer aus der 
Goͤttlichen Freyheit / oder heilige Tinctur. 

Die ſechſte Geftaltift das Hallen] der Schall / das Lauten! 
das offenbahre Leben / das Göttliche eben das geiftliche 
mercurialifche schen. 

Die fichende Geftaltift das leibliche Weſen aller Geftälte 
in allen dreyen Welten / das find die fieben Geftalten / daraus 
roinmet das Wallen als cin Bewegen aller fieben Geftalten / 
welches eine Wurtzel der vier Elementen ift /und wird genannt 
Das reine £lement /in welchen das Außgruͤnen oder Wachfen in 
der Böttlichen Liecht-⸗welt entftchet / als das Paradeiß. 

Diese fieben Geftalten mit inren Eigenfchafften und allem 
Weſen haben außgehauchet in der Zeit das 


UI,PRIN« 


etlicher vornehmen Pundten &c. 257 


LII. PRINCIPIUM. 
Die auffere ſichtbare Welke. 


a, FYEr Himmel] oder die Infaßligkeit der vier Elemen⸗ 
ten / der hat außggehaucht: 
2. Quintam Eſſentiam, als das Geſtirne und wachſende 
Leben / daraus kommen: 
3. Die vier Elementa, daraus die irrdiſche Creaturen ge⸗ 
ſchaffen worden. 





Dieſes aus 
Herrn Balthaſar Walters, M. D. 


eigener Hand. 


PRINCIDIA find der geoffenbahrte GOtt/ 
oder das außgeſprochene Wort. 


Von den ſieben Eigenſchafften der ewigen Natur: 
Welche drey Principia oder Welte machen. 


DIT ift ver @wigfeit als des Ungrundes Luſt: 

Diefelbe Luſt faffer in fich einen Willen zur Offen⸗ 

bahrung der Luſt / und der Wille faſſet ſich in fich f 

zu feinem ſelbſt eigenem Grimde / das iſt das Cen- 
trum der Gottheit: Und iſt ein Chaos als ein Auge der Ewige 
£eit / des Ungrundes und Grundes, 

Derfelbe Wille ift begehrende fich in der hoͤchſten Freuden⸗ 
reich / als in Kraft der Majeſtaͤt zu offenbaren in dehme / das 
der Wille in lich gefaſſet. 

Run mag aber keine Offenbahrung ohn eine Impreflion oder 
Bewegung ſeyn. 

Se iſt die Imprefüon herbe / die iſt das Fiat aller Weſen. 
Es ift das Zuſammengezogene / der begehrende Wille. 

Wille ift ver Darter alles Weſens. 
eur ift ein Saͤhnen fich zu offenbahren / und iſt die Englifche 

elt. 


Degierde gibt die finftere Weltumd Natur. 

Chaos ift der Ungrund / daraus die Seele ift nn Fetier⸗auge. 
Sf der Geift aus der Seel erbohren; iſt die Gleichnuͤß und Bild⸗ 
nuͤß GOttes / die die Engliſche Welt beſitzet. 1.Die 


253 Clavis der Schlüffel 


1. Die Imprefliongckiehret Herbe. Dieſe Herke machet aus 
ihrer felbft-Eigenfchafft R.d. und D.dasift PHURimSUL, 
SULiffvon GOtt / oder der offenbahrte GOtt ſelber. PAUR 
machet Das Rad der Sinnen > Und die Eſſentz der Weſenheit 
machet das bittere Stechen / als die andere Beftalt. 
Oder noch klaͤrer: 

Die erſte Geſtalt iſt SAL Saturnus, die Begierde des ewigen 
Wortes / welches GOtt iſt / ift der Anfang der ewigen Natur / 
und iſt die Faſſung des ewigen Nichtsin Etwas. Sie iſt die 
Urſache aller Weſen / auch der Kaͤlte und Hitze / ſo wohl des 
Waſſers und Luffts / die Formirung der Kräfften/eine Urſache 
des Geſchmacks: Aller Saͤltze Mutter. 

Bitter Stechen | das zeucht die Herbigkeit in dic Im- 
preflion 
> — Ziehen / iſt der bittere Stachel / der A der Beweger zum 

eben. 
Die ander Geſtalt iſt I die Bewegligkeit der Begierde / als 
das Anziehen / iſt die Urſache alles Lebens und Raͤgens / ſo wohl 
der Sinnen und Unterſchiedligkeit. 

3. So machts Angſt / und der Stachel wuͤtet in der Angſt: 
So ſcheidet ſich der freyen Luſt Begierde wieder in ſich / als ins 
Nichts Jumd hat fich in der Iwprelſion geſchaͤrffet / und iſt ein 
Seuer / ja ein Liebe⸗feuer worden. 

Die dritte Geſtalt iſt 2 oder d | iftAnaft/ alsdie Empfind» 
ligfeit/eine Urfache des Zemuͤths darin die Sinnenräge werden. 

4. Feuer. Das erſte Principium, 1,Herbe. 2. Bit: 
ter. 3. Angſt / geben die Feuers-Ellentz / und die freye Luſt 
gibt das Liecht. Der Ungrund zuͤndet fich in der Impreflion an / 
und machet das erfte Principium mit dem Bewegen. Das 
Liecht machet das zweyte Principium mit der Krafft und Freue 
Denreich. 

Die vierdte Geftalt machet den recht lebendigen Geift / halb 
in der Freuden-welt nachder Eſſentz / und halb in der Siecht-welt/ 
nach dem Verftande. Die Krafft im Liechte ift der Verſtand / 
und der verftändige Geift. - 

NB. SULPHUR: Alfo nachzudenden ; 

PHUR ift der Beweger des Lebens / und ftchet in den vier 

obigen Geſtalten (als. Herb. 2. Bitterzftachel. 3. Angſt. 
* 4. Heuer. 


etlicher vornehmen Pundten &c. 259 
4. Feuer. x. Herbeheift Saturnus h. 2. Bitter⸗ſtachel heiſt 
Mercurias Q. 3. Angft heift Quaal des Feuers A. 4. Um in der 
Quaal wird das Liecht ſcheinend / als derungrund wird ein &Schein/ 
und in dem Scheine verwandeln ſich die erſten drey Geſtalten / 
Herb / Bitter / Angſt. 
NB. A.und O. 

Das A iſt eine Urſache des wahren Geiſt⸗lebens / da die heili⸗ 
gen Kruffte der freyen Luſt vonder herben Rauigkeit erlöfet wers 
den / denn das A verfchlinget in feiner Eſſentz das finftere Wefen 
der Imprefion, und führets in geiftliche Kräffte in ſich aus. 


Das J. PRINCIPIUM. 


KNIE IE das allersurfündfichfte in den ficben Quaal-geiftern 
GOttes / als man dencket / da das Liecht nicht innen war / daß 
darinn die Schaͤrffe / das iſt der Zorn und hoͤlliſche Quaal und 
NPein iſt geweſen / und worden. Das iſt / da Lucifer daraus ein 
Teufel iſt worden. Dahin alle verdamte Seelen gehören. 


NB. Zwiſchen dem J. und II. Principio iſt der Natur⸗ 
Himmel der Unterſcheid. 


Das IL PRINCIPIUM. 


5. QJebe⸗feuer VENUS. DieſeGeſtalt iſt die heilige geifta 

= [iche Sicbe-begierde/da fich der heilige Wille GOttes hat 
in der ſtrengen Impreſſion gefhärffet/un durchs A mit derKrafft 
der Ailmacht offenbapret. Der führet fich nun durchs Feuer im 
Liechte aus / und hat fich alſo in den Kräfften / in Sehen und Be⸗ 
wegnuͤßz / in Begierde eingeführet/ darinn die heilige Gebährung 
u Sreudenreich der gröffeften Liebe GOttes ſtehet / und offen 

ahr ift. — 

Die fuͤnffte Geſtalt das Liecht. (zu gedencken) Als wann 
ein Liecht auffgienge / das das zweyte Principium, als das Freu⸗ 
denreich machte: Das iſt GOtt ſelbſt / das Hertze GOttes / der 
Sohn / und das Reich der Himmeln / und ewiger himmliſcher 
Wonne. Das Liecht macht das zweyte Principium mit der 
Krafft und Freudenreich. . 

Hie gehet aus der Heil. Geift von Batter und Sohne / und 
ift die Wonne / Freude und GOtt felbft. Diefer hat alles ges 
fhieden und gegieret in der Engliſchen und Syderifchen Welt. 


Die 


260 Clavis oder Schlüffel 


Diefünffte Geſtalt Liebe- begierde. Im Scheine verwan⸗ 
deln ſich die erſten drey Geſtaͤlte / als Herbe / Bitter / Angſt. Aus 
Herbe wird eine Liebe⸗ begterde die fuͤnffte Geſtalt. Dieſe 
Liebe⸗begierde iſt auch eine Impreflion als ein erweckt Leben / das 
iſt der lebendige verſtaͤndige I der die fuͤnff Sinnen und die Rede 
gibt. NB. Die fünffte Geſtalt iſt das Centrum der Begierde 
der Liebe / das Göttliche ewige Fiat: Das faffet fich wieder in 
den Kräfften der Heiligkeit und Sanfftmuth. 

_ Die fechfle Geſtalt: Des Lebens Urſtand. U. Schall / 
Hall / Wort. Nachmahls iſt ſolches Centrum und ewige 
Göttliche Fiat (wie in naͤchſter fuͤnfften Geſtalt gemeldet) das 
außſprechende und wicedergefaſſete außgeſprochene und wieder⸗ 
ſprechende Wort auff himmliſche Eigenſchafft. Nemlich der 
Hall / Schall / Stimme / Thon. Auch in wachſenden. Alsim 
Paradeißz iſts der heilige I noch jetzt außgruͤnende in dieſer Welt. 

Die ſechſte Geſtalt iſt der lebendige Göttliche creatuͤrliche 
menſchliche A. Und iſt der Schall des Goͤttlichen Wortes aus 
den Goͤttlichen Kraͤfften / welcher ſich in der Liebe⸗begierde formet / 
und in cin lautbar Wort aller Kraͤffte einführet: Darinn die 
Offenbahrung Göttlicher Sreudenreich in der freyen Luſt der 
Weißheit GOttes fichet. Die ſechſte Geftalt hat diefe Welt 
außgeſprochen in der ficbenden Geftalt. 

Die ſiebende Geſtalt. Dieſe Begierde des 9 (hin der fünffs 
ten Geſtalt gemeldet) ift ein Hunger/ und zeucht in fich die Kraft 
des Liechtes / und machts in der Begierde in der Impreflion leib⸗ 
lich /das iſt nun die ſiebende Geftakt/ ein Haus des Geiſtes / und 
ein Weſen. 

Dieſe ſtebende Geſtalt ift der Natur Weſen / Luna, Satur- 
nmus, und iſt das geformte Weſen der Krafft; was die erſten 
ſechs Seftälte im Geiſte ſind / das iſt die ſiebende im begreiff⸗ 
lichen Weſen / als ein Gehaͤuſe der andern aller: Oder aͤls ein 
Leib des Geiſtes / darinn der Geiſt wuͤrcket / und mit ihm ſelber 
ſpielet. Auch iſt er eine Speiſe des Feuers / davon das A Effeng 
gu feiner Zehrung holet / darinn es brennet / und iſt der ſiebende 
das Reich der Herrligkeit GOttes. 

Dieſe ſiebende Geſtalt oder geoffenbahrte Krafft GOttes be⸗ 
gehret ſich zu ſchauen: Faſſet die him̃liſche Göttliche Kraͤffte / und 
ſich ſelbſt wieder / und iſt die himmliſche Natur / die Weißheit / 
die Engliſche Welt / das groſſe Myſterium. Haben alſo Liecht 
und Finſternuͤh miteinander geſpielet. RT 


BT 


etlicherpornehmen Pundten &c. 26x 


In der fiebenden Geftaltift GOttes Weisheit von Ewigkeit 
offenbahr gesvefen / daraus er alle Dinge gefchaffen. 

Aller Dinge Schöpffung ift die offenbahrte geforunte Weiß⸗ 
heit / welche in menſchlicher Eigenfchafft der neuen Gebuhrt 
Chriſtus heiffer. 

Die fiebende Geftaltiftver Sabbath darinn die andere ſechs 
ruhen von alle ihrem Gewuͤrcke / gebähren fich wieder / und ruhen 
wieder. Das ift das ewige Weſen. 


Das IIL PRINCIPIUM, 


2 je “a ar ſind die erſten drey Geſtaͤl te die finſte⸗ 
re Welt. 
Zu der andern Impreſſion find eben dieſe drey Geſtaͤlte des 
Lichts⸗ſcheins / und find die Englifche Welt. 

Nas in dererften finftern Impreflion hoͤlliſch ift/ das ift inder 


andern Impreflion himmliſch. 


Aus dieſen beyden / aus des Liechtes und finſtern Begierde iſt 
das dritte Principium erbohren / gantz nach der inneren beyden 
Welte Eigenſchafft: Denn aus der Eigenſchafft des Liechtes 
und Finſternuͤß / welche eines und nicht zwey ſind / iſt dieſe Welt 
außgeſprochen / und im Verbo Fiat (als der Begierde) gefaſſet und 
geforinet. 

Das dritte Principium ift auffer dein Natur⸗ himmel / doch in- 
qualircts in demſelben / und ift der Syderifege Geiſt GOttes. 
Hierinne iſt die Syderiſche Lufft der Geift / und iſt das thierifche 
eich [denn das irrdiſche gehöret darzu / diß gieng auffim Zorne 
GOttes da diefe Welt gefhaffen / und ift diefe Welt. 

Aus dieſem muͤſſen wirin dasandere mittlere Principium, 
daß wir Kinder GOttes werten : So wir aber des zwenten 
Principii nicht ltheilhafftig feynd / fo regieret ung ver Syderifche 
Geiſt /im Liechte der Natur / welches eine fubtile Verführung 
iſt / alſo find wir Heyden. 


Dieſes 


262 Clavis oder Schlüffel 


Diefes aus 
SKerin Friderich Kraufen, M. D. 
eigener Hand. 


Authoris Sceleton prædictorum 
Ein Schluͤſſel ſeiner Schrifften. 


Ungrund / Nichts, 


Ngruͤndlicher Wille des Vatters / gehet vom 
SS: Ungrumde aus. 3 


Das Außgehen iſt Beift des Willens. 
Das —— iſt das Gefundene / als der 
Spiege 

Der Wille iwaginiret im Spiegel des gefundenen/zeucht 
in fich/ und fü hwängert ſich S ift Hertz. 

Alſo wohnetver Wille als Vatter: und das Hertz alsSohn: 
* der Außgang als Geiſt im Spiegel. 

Der Spiegel iſt des Mylterii Auge. 

Der Geift der aus dem Willen und Herkenaußgehet/ it 
das Sehen oder die Effengim Spiegel. 

Der Spiegelift fein Glaft /mitden Wundern. 

Das Wunder ift ein Blitz mit allın Far ben) doch unerfant 
deren einer. 

Das Wunder iſt eine Begierde nach der Natur / dariñ ſichs 
mag offenbahren / und empfühet Natur in das Begehren. 

Das Begehren imaginiret nach dem Liechte der Freyheit / 
und wird aus ſich / im Seuer offenbahr : und in ſich in ver fin- 
ftern Welke. 

Das Feuer wirdim Liechteoffenbahr in der Sreybeit /und 
das Myfterium mit dem Spiegel der Wunder | welches im 
Urſtande / in der Freyheit / ſtehet und auch bleibet / wird mit dem 
ra offenbahr: und heiffet GOtt / mit der Weſenheit umb⸗ 

angen 
Das Feuer Gottes luͤſtert nach Weſen: und empfaͤhet 
Wiſt 

Im Weſen iſt Tinctur. 

Tinctur 


etlicher vornehmen Pundten &c. 263 
Tinctur begehret Leib / das ift das Element. 
Das Element begehret Ens. 
Ens ift Paradif oder das Weſen der Effeng im erſten We⸗ 


fen. 


Ens dis Feuers und des Liechtes heiffet Quinta Effentia, 
Diß alles begehret Weſen aus fiih / das ift die Äuffere 

Belt ein gantz Gleichnuͤß der innern WBelt. . 
Paradiß / iſt am naͤchſten diefer Welt. 


Ein anderer Schlüffel des Authoris, 
aus felbigen 
HerinFriderich Kraufen, M. D, 
eigener Hand, 


Ungrund. 
Wiger Wille des ungruͤndlichen Weſens 
Myſterium der Dreyzahl mit der Weißheit auſſer 
der Natur / iſt Wille / Hert / Geiſt / Spiegel / wird nicht 
GOtt genannt. Aber in der Anzuͤndung des Prin- 
cipui. 

Principium iſt nach des Vatters Natur feine Eigenſchafft; 
In der Majeſtaͤt wird Er GOtt genañt. Dann in der Ma⸗ 
jeſtaͤt iſt die Gottheit / und iſt Geiſt / Leben / Krafft. 

Weißheit iſt das Gehaͤuſe des Myſterii auſſer der Natur / 
iſt wie ein Glaſt oder Spiegel vom Myiterio. 

Allhie ifts nur der Spiegel der Weißheit / der Wunder. 

Weißheit iſt die Hffenbahrung der Gottheit / und Urfache 
der Imagination des Vatters zum Sohne. 

Finſtere Welt iſt der Grund / das Sincken. 

Feuer-Welt / Datter. J. RINCIPIVM. 

Kecht-Welt | Sohn. II. PRINCIPIUM. 

Der Heil. Geift gehet vom Vatter und Sohne aus. 

Weißheit iſt das Gehäufe diefer Dreyen. 

Allhie wohnet die Dreyheit in ver Weißheit. 

Weſen iſt Tinctura die hoͤchſte / und Tinctur iſt Weſen. 

Weſenheit iſt in ihr ſelbſt todt. Tinctura iſt ihr Leben. 

Weſenheit iſt goͤttliche / himmliſche Leibligkeit. Aut 

ua⸗ 


264 Clavis oder Schluͤſſel 

Aquafter ift himliſche Weſenheit / aus himliſchem Waſſer / 
dariũ der J. — 

Feuer ilt das rechte Principium ; das ſtarcke groſſe allmaͤchti⸗ 
ge Leben / [der Vatter / ſaget Chriſtus / iſt groͤſſer dann ich. 
Dann das Feuer iſt groͤſſer dann das Liecht ] zwiſchen allen 
dreyen Welten / gibt allen dreyen Quaal und Eſſentien. 

Aus der Quaal entſtehet das rechte verſtaͤndliche Leben. 

Was das Feuer gibt / daraus kommet Verſtand. 

Feuer heiſſet Weſen / und gibt Geiſt. 

Feuer gibt Wind: Liecht zibt Lufft. 

Eſſentz iſt das gantze Weſen / ineinander: iſt das Leben der 
Weſenheit. 

Eſſentz hat kein Leben noech Weſen: Iſt wie ein Spiegel / 
das Finden: Iſt ſubtiler als Weſen: Zeucht in ſich / daß We⸗ 
ſenheit wird. 

Weſenheit komt aus der Eſſentz. 

Aus der Sonnen Efleng wird Waſſer. 

Ef das iſt Feuer in de Natur Sprache : feng iſt Faſſung / 
Leibwerdung / haͤlt das Feuer in ſich. 

Efleng iſt wie ein Gruͤnen / Quellen / (wie die Lebens⸗Geiſter 
im Fleiſche) oder Raͤgen / oder kleine geben / in der Weiß⸗ 
beit] ohne den rechten Geiſt. Doc ein Geiſt daraus der rech⸗ 
ge Beift und Leben entftehet/ als aus feiner Urfach. 

Ensift das Grünen. 

lliafter. Anfang der Natur. 

Cagaftrum ift das äuffere Seuer inder Außgebuhrt. 

Necrolice, finftere Welt in den erften drey Beftalten. 

Necromantice ift Seuer-geift / das Principium mit feiner 
—— Necromantice im Sohn] in der $iecht: welt. 

Himlifibe Jungfrau iſt ein Glaſt und Spiegel des Heil. 
Gates. Dieferift das Sehen in Ihr. Sie) liche felber 
nicht: ift das Wunder/die Farben. Der Heil. Geift/ ift die 
Krafft darinn. Wäre ſie die Krafft /fo wäre fie die Gebaͤh⸗ 
rerin. 

Yliafter , ift Myfterium des Göttlichen Wefens auffer der 
Natur : welcher in jich faffet den Willen zur Natur, Daſ⸗ 


‚Leibe Gefaſſete im Willen | ift das Weſen der Natur mit ſei⸗ 
* nen 





etlicher pornehmen Pundten &c. 265 


nen Beftälten und Eigenfehafften. Das ift der Anfang und 


das finftere Fiat, und ſtehet in der Herbigkeit. Iſt in fich 
die finftere Welt) in de Außgebuhrt im dritten Principie 
iſts die Erde: Die zwey Geſtaͤlte But und BSR (mas die fine 
ftere firenge Geftalt antrifft ) daraus gebohren : Was aber die 
Geiſtes Geftalt aniyr ſelbſt ift : heiffets Cagaftrum das Cen- 
trum der Natur. Necrolice find die Beftälee ffirin Seuer und 
Principioin der Angft-Eammer. Necromantice ift das Prin- 
cipium : Die rechte Feuer⸗welt oder Seel: Welche im Liechte / 
das ander Gentrumerbichret. 

Das heiſſet Necromantice : Das iſt die Offenbahrung des 
Yıiaftri : Da das Yliaftrum im Feuer und Liechte offenkahr 
wird. Das ift die edle Bildnüh nah Gott ein Fleiner 
GoOtt darinndie Dreyzahl) nder GOtt ſelber: Iſt auch die 


Heil. Dreyfaltigkeit auſſer Forma, fo fern das Principiuna 


angezündet if. Bon der Dreyzahl wird die Bildnüf aus 
— majeſtaͤtiſchen Liechte entzuͤndet zu Goͤttlicher Verſtaͤnd⸗ 
nüß. 

Tinctura, ift Jungfrau / alsdas Leben der Weißheit: hat 
fliegend geiftlichteben/ift der fcharffe Geiſt in ver Weißheit. 
Iſt nach dem Weſen / der Tungfräuliche Geift : Iſt in der 
Wefenheit/die andere Eröffnerin der Weisheit nach dem Geiſt 
GoOttes: Iſt der Weißheit Glang : Iſt des Heil. Geiftes 
oder der Gottheit Leib. In ihr eröffnet der Heil. Geiſt die 
Wunder Allhie / iſt ſie auffgeloͤſet: Gehoͤret zu den Wundern. 

Quinta Eſſentia iſt Paradiß⸗Ouaal in der him̃liſchen 
Welt: In deraͤuſſern Welt iſt ſie eingeſchloſſen. Wenn fie 
auffgeloͤſet wird / iſts als Tinctura: Doch weils im Feuer iſt / iſts 
nur halb offen: Waͤre ſie gantz offen / was ſollte fie nicht thun ? 

Auſſerm Feuer ift Tin&ura und Tinctum wieder einge⸗ 
ſchloſſen. 

Im neuen Menſchen iſt fie Quinta Eſſemia offen: Doch 
mit dem alten uͤberzogen / kan Thaten und Wunder thun / und 
Berge verſetzen. 

Euſſer Myſterium (darzu das Geſtirne gehoͤret) hat alle 
Krafft und Weſen des innern Myſterii. Allein daß es ein Auß⸗ 


gebuhrt / und als ———————— : Darein gehoͤret — 
— trit 


3. Clavisoder Schluſſel 9 


tritt alles | was da iſt und genennet kan werden in dieſer Welt? 
Darinn iſt Feuer / Waſſer / Erde] Lufft. 
Lufft iſt der Geiſt des Myſterii. 

Gottes Freudenreich iſt: Wann man aus der Angſt⸗ 
kammer durch den Tod in die Freyheit ins Liecht geſetzet wird. 
Zion iſt an fich ſelbſt paradiſiſch Weſen / und Geſtalt des 
MParadiſes: Iſt das Außgruͤnen des paradiſiſchen Weſens: 
Welches im alten Adamiſchen Menſchen verborgen / und 
wird im neuen Menſchen verſtanden. x 

Das Megiment in Zion ift das ewige Element : De 
alles inneliegt. Zion grünet ausdem Wefen des £lements/ 
‚wie die Efeng ausder Erden : Iſt das Grünen des neuen Lei⸗ 
bes in Chriſto⸗ 

Weißheit aber iſt das Auge des Elements und auch Zions. 

Da alle Wunder erblicket werden / und aus den Wundern iſt 
das Außgruͤnen nach der Geſtalt des Aublickes deſſelben 
Spiegels. Weißheit iſt kein Weſen: Nimt auch fein We⸗ 
fen in ſich: Sondern iſt des Weſens Auge und Verſtand; 
wohnet im Weſen; Iſt das Wunder darinn. Weißheit gibt 
Farben / oder Geſtaͤltnuͤß der Farben: Weißheit iſt die Wun⸗ 
der die der Geiſt erblicket 2 Umbſchleuſt die alles. 

MParadiß iſt Weſenheit: Das iſt rechte Eſſentz oder Weſen⸗ 

h ri 


elf. - 
Das heilige Element] it ms Leben deffelben Weſens: 
Hat daffelbe Leben und Weſen an fich / iſt diefer Welt am 
naͤheſten. Element] ift Wefenheit und derer Leben. 

Siecht | ift Majeſtaͤt. Sohn] ift das Hertz des Liechts und 
die Kraft der Majeſtaͤt. 

Batter ist Krafft der feurifchen Efentien : ER iff die ver⸗ 
ee Feuer⸗welt. Diefe wird im Himmelreich nicht offene 

ahr. 

Seel] hat die Geſtalt der Natur: Iſt das Principium des 
Vatters: hat Finſter⸗ und Feuer⸗welt: Iſts auch ſelber. Kan 
das Feuer nicht brennen / fo hat fie fein Liecht / und iſt ein 
Zeufel; deffen Feuer auch nicht bremen Fan. 

Die heilige Seel / yar Ehrifti Geift : Derift der Heil. 
Geiſt: Dergehetausder Seelen ans. Eu 

urba 


& — 
etlicher vornehmen Pundten &c. 267 


Turba iſt: Wann fich der Grimm ineinem Dingeröffner / 
So wirddas Gute zerſtoͤret: Wird in ein Angfi-quasl ges 
führet in der finſtern Welt Eigenfhafft. 

Turba iſt Grimm und Zorn mwille/3errütter: Gfeich wann 
das Suͤſſe fauer Wird wieder Effig inder Milch / daß die Milch 
nicht mehr wird/ als ſie vorhin war. 

Tinctura ift in allen dreyen Principien : Iſt die We⸗ 
ſenhelt der Heil. Dreyheit. Iſt keine Macherin] fondern das 
Leben vom Seuer und Liecht: Eine Eröffnerin aller Farben / 
in den Wundern Alles in höchften Grad zu führen. Wie die 
aͤuſſere Tin&ur®old machet: Machet doch Eeines/eröffnets nur. 

Tinctura machet die Farben in der Weißheit. 

Tinctura ift das Leben der Weißheit ; Der Heil. Geift 
iſt Aller Leben. f 

Krafft gehet aus dein Centro der Natur. Iſt erſt peinliche 
Dann im Liechte lieblich / freundlich verändert. 

Myfterium Magnum auffer der Natur ift mit der Werß⸗ 
heit gar Eines : hat Alle Beftälte/ als Element / Paradiß: 
Die Tindtur ifts höchfte. 

Alles gehet aus dem MyfterioMagno. Digift in allen 
dreyen Principien : In jedem Dinge/nach feiner Eigenfchafft- 

Jedes ift was Heimliches : Iſt aus dem Mylterio Magno 
kommen / und muß wieder hinein. 

Alfo ver Menſch / macet feine Wunder inden Element: 
ten | und in feinem Myfterio in ihme / und führe fie in die 
Wurgel der £iementen / undalfo ins Myfterium. Wenn die 
Elementa zergehen/fo bleibets Myfterium. 

Die Seele ift mit diefem Myfterio ein Feier / darumb muß 
der Menſch im Myfterio Rechnung dafür geben. 

Sucht ift der Urſtand der Natur. 

Wille iſt GOtt der Vatter der Ewigkeit. 


ENDE, 


M 2 


















































ahrung/ we GOTT auffer der Natur in ich jelber/ und dann inder Natur/ nach den dreyen PRINCIPLEN betrachtet wird Auch was 































































































































































































































































































































































































































































































































































































Goꝛtli enb en 
nPRINCIPIEN Göttlicher Offe eo * ve fen: 
Tabell von dendreye Himmel und Hölle) Weit / Zeit und Ewigkeit ſamt allen Ereaturenfey ; Woraus alles entfprungen ; Was Das Sichtbahre und Unſichibah ſey 
ER \ Na p 
: in ELE PÄRADEIS, ||73= 7:2] T I C 7 U 
a ne Billionen) E Grund der NATUR, Sein ELEMENT. P PERF N : R 
o SohnLuſt HO ; & -, EEE 1 2 3 — 5 Er 
— 1. 3 EG 
ee srteng un... A Ar — E L EI sT. EIR. 
— * — — Hinimcl. Sternen. Waſſer. Z333 
Krafft 2 MWort geben ER der Lufft. Efleny. Natut. 38222) — — 
— ........e re. Sohnee. 22353 —* 
A...... ag Tugend 3 v 25083 | DB 8 © 2 2 > 
Farben Boleiapnie'she Weißheit .2 Aercutius Mars, sol enus. Japitet. — 53388 
RER) ... Satuznus. | pjanera, 2 Weich. 335—Sonn-A⸗Mitywoch. Dilenſt-Tag Sonn⸗Tag. Stch-Tag. | Donners⸗ Monde Tag. 
=. EN — —— bend. Aug. 
an RE Eee — i Sulph 5 crafft Leib 3 
minder Einheit betrachtet / mas ER auffer Sal, Mercurius | Sulphur. | 5 alniien hle. Krafft. eib. we | — — —— Br 
2 ——— doch kelner Be Forifwon| | Aranıim | 2] Begierlige x) Beweglig« | br a aan — Sfr 
——— eiß von Paradelß kcit. £cit. igkeit. eich. 
Stätte bevarff. Gruͤn / auffen in⸗ - 
: — Sqwartz. Ver mengte Roth. | Seite. Inwendig Blau. Wehdig roch S el Schärfe. 2) Born. ja] Peim 13] Bitterwe- ,! Flinden. Zagen. 21 Sepden, 
£ Sotted Zorn siechte Welt / Gottes Liebe. Grau. Sarben. wab und grün. Ay I 2 I. 08 | 
inftere N — 5 Das Ander PRINCIPIUM. @ — Chriſtus. 3)Wort Got 3] Leben. 3 Annehmen. z) Suͤſſe. 3] Glory. Kraft. E SEA 
as Erfte J z = An Cho- loriſch. sSan-uiniſch. phlezg- matiſch. tes. | | Mid 1b 
— . 7. = \ A | —— — | J— | 
I. 2. F 5 I | Grobyeit im | |") Ebenbild. x Außgehen - x Wollen. |x) Hoch. Ir) Riedriger | | sobsn. Einheit. 
T I | F U R S N alle Nof. | Wacfen: | Perlen. |Edel-tteine.|Menftruum. — ver Seife Wilk. i 
— Steinen. — J 
— S 2] Eigen Ain- 2] Eigen |2,Eigenswilr 2| Hcrrfchen. z Hofarty.| Schänden. 2 Narhrit, 
= 41 athan. ig g | 
———— Is t oder 2 s Eifen, ; inn. ilber. nehmen. Willen. Ik. * it 31 Weiß 
— —— — geuer. — Schall. | Wefen. = Bley. jAuedfilder.) Say, | Sl Kuffer. | Zinn | Gitter Ehriftus. | 3) Einheit |3] Gelaſſen. |3] Leyden. —— 3| Begierde. . —— 3) Weiph 
Einfaffen.] Stachel. bet | Gottes. & en. er Kira | J 
— — Eſſentialiſch * of. N Behr En . Vitt J Ile | | 
; ände. Egenſchaſt =, Bein. ae 32 an Aa | 9 Aramim | | Schmäden|z| Sinnen. ſx Gemüthe. |x Verſtand. 1] Stift. Reiden. 2) Eveflsum 
int — Peinlich Hebe⸗ Leben. an Würden, = 1% — | Yaraveig m der Natur, 
inſter. | o n sehen. ich Leben. oder wefent: — Su ee » 
wiegen. lich $eben. = Sauer. Gifft. NBehethun.| Eröffnen. | Heylen. ige Fleiſch. a sur 2| gügen. |2| Angſt. Zweiffel. la] Fallen. \ Stand. |2]Ausfoffen- 
—— — —— — Ss — —— Schiedlig · 
4 4 a Edel der Ü keit. Tauffe. 3 erfprens offen. 3) Demuth. | | Glauben. |3|Genius oder 
poebr. Feindfhaft.) Gemnüthe.) Gira. | Freude. sn Sorme. zZ topffen „üshen, Säle. Sin. Schmaͤcken. AWuen. Natur. tus ek ——— — a # —— 
Härte. | < — — 
üchtig, äfftig. x Thron. 
— 2 [EEE * Sterben. | Sügen. Zom.Krieg. Keihthum Edel, | Bernunfft. a Ber me ı) Stärde. |z — 2) Macht. |x) Heylig. ſa Züchtig Kraͤfftig Thron 
Kadt des z s | 3 BIRneip: . 
Schärfe. Mufffteigen.| "sches, | Zödten. | Kraft. Uebe. Berrma, it. j geichtfer- | | Unfinnig. |2] Eigen Ehr. 
@ Her. - gift, | Gewalt. | Recht, Getreu. Wahrheit.Einſalt. Sathan. ja] Herr. Gewalt. ja Boßheit. |2]) Durſtig. — 8 ö 
Nehmen / * Iwiſd⸗ Pe re Chriftus. | |3] Niedrige 3 Gchorfam.lz Semi: DVergeben. 3| Geben. | | Gebühren. 3 Ehre geben 
nen d — ichtſin⸗ keit. igteit. | 
Grimm. | Hoffart. | Berzagen.| Hölle. | Glory. | Geben. oder . Stehlen. |Betriegen. | Verlicren.| Finden. der Bichi Han Bi. | &8 
i m 3 e TEN 2 I F 4 Mr 
— m Be — |] Adam im Engel. |e Dienfte ſx Milde. |x/Sreundtc. 2) Schoͤnheit. „| Zugend. 2] Sleifh. 
— Hartſinnig. Verwirrter Nichts ah] Stand⸗ Inverftän: | | Parapctp. hafft. 
za ae a Sem. Sa. Soben Se es Bin | u baftis. ses dig. Suthan Zeuffel 2) Wider⸗ ſa Diebs@e, |2| Mörder. [2] Belials Gift. |* a 
Zodt. Wilk. odt. a i 5 - — — athan. | |2 El IE . || Hure. Fleiſch. 
Zeuffel. | Engel. | wertig. muͤthe. 
* — e ben. Heylig. ieder⸗ Sophia. 
5 Irrdiſch. zsiei. | Bf. Himliſch. Zühtig. | Sinnlih | Niedrig. Ehriftus. | |3| Ehriftus. |3 in 3 Zu. |3jRew eben. 3] Heylig j 35 P 
Vom Ur⸗ I b el m | [ee ee a ee 
Selbſt heit. Zrb ſtand ſchei⸗ Thorheit. Weißhei it. D Eee — 1] Singe Ki | Par adel 
Stillfichen, ſerbrechen. ben horheit. Weißtheit. Hochheit. Demuth. — Adam imeeſ Himmel. ſx Kindheit. ſs Berborgen, a] Offenbahr. ingen. || Klingen. 
2 Wolf. | Zuchs. | Hundt, gone. Vogel. Affe. Zu SEE heit, 
. hier. Paradeiß 
mmer ſal⸗ al Phantafie | | Verwan · Klufft der 
3 Böfe Gettreue Satpan. | Boͤlle. je Streiten. Quaol. — 3 u ia ren. |*] Delung. Zieffe. 
Im Rauben. Phantaſey. Se Stärke. | Thron. hier | Slüchtige | Zunme | Fiſche F 
nög. 5 . e hier. Rewelzpier, Siche) HD Öfen. 3) New Ge · 3Sich freu-| 3| Behten. 3) Grünen, 
— | Seburt. | euer.‘ | Sophia | Ehriftus. | 13 le 3 Schren. |3 Anflöfen. 5 mÄlh, aA 


























TETRAGRAMMATON. 


Sn biefer Tabelltwird der Ausflus des Ewigen Böttlicyen Wortes betrachtet / wie 
) ſich das Wort durch die Welßheit / aus der Sinheit n Vielfaͤltigung und —— I 
ſo wohl in Natur und Ereaturder Ewigen einführet/ wie ſich die Einheit in Annehm⸗ 
ft einenzornigen Eyſerigen Ott undein berzehrend Feuer nennet / ſowohl einen 
— — 


MACROCOSMUS. 


In diefer Tabell wird angedeutet / wie die geiftliche ewige Welt / al das Myfterium 
Magnum, ſey durch Bewegung des Wortes GOttes auggefloffen und ſichtbar wor⸗ 
den / auch fauibar und materialifch / und wie aus den Eigenfchafften Ercaturen geſchaf⸗ 
fen find / Damandie Innere geiftliche Welt foll darinnen verborgen verftchen / und 
wie ſich die Inneren Kräfftedurh Göttliche Wärdung haben eingefaffer und gebils 
det: Daymaninallen Dingen Gutes und Böfes verſtehen ban / und da doch im Myſterio 
Magno fein Boͤſes geweſen iſt / ſondern iſt durch die Empfindligteit und Annthmung 

Eigener Begierde entſtanden. 

Aus dieſem Grunde feind Alle Ereaturen / der Gichtbahren herkommen : So iſts 
allyiekentworffen / mas aus jeder Eigenſchafft im Würden ausfliefft : Und welche Ei» 
genſchafft unter pen ſieben das Ober Regiment hat / datnach wird ein Ding gebildet und 
Fegieret, . . 


MI CBEIOCOS:MUS, 


abell wird der Men! rgeftellet/ was Er ſey im Paradeife geweſen / als alle 
en h She in der elite en Annehmung Eigener Begierde ſtunden / da Er im 
Bilde GGttes ftunde: und was Er fiydurd) des Sathans Trug und Inflcirung worden: was 
das Monſtrum der&chlangen in Ihme ſiy / davon Er iſt Irrdiſch und fterblich wordenrund dann wie 
Ihme ſey GOttes Wort und Liebe wirder zu huͤlffe kommen / und Ihn in Chriſto newgebähre / 
und das Sclangen Bild täglich todte und in was Gefahr und Elende Er in ſolcher Bildung ſtehe / 
wie Er auff dem Grunde der Hoͤllen und des Himmels ſtehe. So iſts entworffen / wie Er alſo ſey ein 
Bilde der fieben Eigenſchafften / aus allen Dreyen Principiis / nach Ewigteit undgeit in ein Bild 
geſetzet / als cin Ebenbild Goͤttlicher Oſenbahrung und Wiſſenſchafft: zu mehrerm Verſtande / wie 
Er ſoll fein Leben regieren / und welchen Trieb Er ſich ergeben fol. 


lagkeit und Empfindligkeit / ſo wohl in Liecht und Finſternuß einführet: nach welhen 
lieben Barınhergigen GGet · Dakinnen man den Grundder Engel und Seelen verſte · 
het / Daꝛ innen fie die Seeligteit oder Perdamnüßennehmen mögen. In den 7. Spatiis 
querüber werden die fieben Eigenfchafftender Erizen Natur / alg das Mylerium Mag- 
num verftanden. Biß zur wierdten Sinieang Feier / wirddas Erfte Principium, alt 
die Sinfternüg und Urfahender Bewegnuͤt unddes Peinlichen Scheng verftandensund 
vom Feuer big zur ficbenden Eigenfhafft wird das Ander Ptincipium, als die Engliſche 


Belt verkanden und in den Spatüis herunteriwertamerden di 
serftanden. — n die Eigenſchafflen des Sehens 





ti Venen > 
er ie Gyr! 
or Fanır hi * FERN wie IM 
ER lead Free —* ak J 9 
Re ET #. ah . 
a ne: 1 a 
Be a LT? SETZE: 
Er RS ehe kg gt 
Pal n30 7.77. A ED za — 
7 um size Bu he — — — — — 
are —— N ao mnnt rer Gera nah 
zug —— Val Hrz. Er (u 
MALER) — J — pr Ivıny emruntrt 


Wir — —VV— DR —S 
= ee — % x 


EM. 
TR 


x 
na 


ww; 


* 
— nn nennen — — 





⸗ 


J 


PRINCIPIORUM, 


Von SGohtt/ 
Von der groffen und klei⸗ 
nen Belt. 


Geſtellet durch 


Jacos Bönume, 
Sonſten Teutonicus Philofophus genannt, 


NN GG 


N 
N 





Zu Amſterdam / 
Gedruckt im Jahr Chriſti / 1632, 


— * 
— —— 
Br = 
=, 


IE 


J 

. 
4 — 

2 


J 
F 
2 


JH 


er 
* 


— 





278 
Inhalt der dreyen Tafeln. 


Erklaͤrung der erſten Tafel / über die zwey Princi- 
pia der ewigen Natur. 


I. 
IA dieſen dreyen Tabellen wird 
erklaͤret und angedentet/wic ſich 
der verborgene GOtt aus ſich 
ſelber / durch ſein Außhauchen 
der Krafft Habe offenbahret: 
Was Himmel uñ Hoͤlle / Welt / 
Engel / Teuſel und alle Creatu⸗ 
ren / ſambt allen Weſen und 
Weben find: Wovon Boͤſes un 
Gutes / Liecht und Finſternuͤß / 
Leben und Tod / Freund und 
A) NZ, Feind / Härte und Teiche ur⸗ 
IN Kande : Und wie die Berwan⸗ 
delung aller Wefen geſchehen 8 ABic fich das Gute in ein Böfes/ 
und dass Böfe in ein Gutes verwandelt: Auch wird darinnen fürs 
geftellet/wie alleDinge in dem Grunde / daraus fie anfanglich ent⸗ 
ſproſſen find/gut und nüglich find : Und wie alle Bewegnuͤſſen is 
Unvermeidlichkeit fiehen. 

2. Und werden fonderlich die drey Principia Böttlicher Offen» 
bahrung / wie diefelben aus einem einigen@ runde urſtaͤnden / nach 
Ewigkeit und Zeit hiemit angedeutet. 

3. Als das erſte Principium mit der ewigen Finfternüß/als in 
Annehmligkeit der Eigenfchafften/ davon Eipfindligkeit / Wol⸗ 
len und geben urſtaͤndet / welches mit feinem Grunde reicher bi 
ins Feuer. 

4. Das ander Principium im$iecht mit der Eugliſchen Krafft⸗ 
welt /darinnen fich der Augflug Göftlicher Krafft und Willens 
Durchs magifche Feuer mit der feuer⸗flammenden Liebe offenbah⸗ 
tet /Darinnen man das Reid GOttes verfichet. 

5. Das dritte Principium ift die fichtbahre elementifche Welt 
mit ihren Heeren/ welche ein Ausflug aus den erften undanders 
Principio , durch Bewegnuͤß und Außhauchen Göttliher Kraffe 
und Willens ift /darinnen die geiftliche Welt nach Licht, und 
Finſtar nuͤß abgebildet / und in creatürliche Arth kommen iſt. 

6. In dem Schemate wird angedeutet / was GOtt auffer der 

Mm 4 * Natur 





272 Tabula Principiorum. 


Natur und Ereaturin fich ſelber ſey. In der erften Tafelwird 
angezeiget das Außhauchen des göttlichen ABortsdurd die Weiß» 
heit / wieihme das Hauchen göttlicher Krafft einen Gegenwurff 
mache / und wie fich der aufgefloffene Wille in Annehmligkeit / 
und fonderlich in fieben Eigenſchafften zur ewigen Natur der 
Empfindligfeit und Würdligkeit einführe : In welcher Wuͤrck⸗ 
Jigfeit der ewige Wille GOttes natürlich / und ein Schöpffer des 
Weſens erkant wird / darinnen fuͤrnehmlich der englifche und 
ſeeliſche Grund mit ewigem geiſtlichen Feuer und Liechte vers 
ſtanden wird. 

7. In der andern Tafel wird die ſichtbahre Welt / als ein Auß⸗ 
fluß derfelben inneren geiftlichen Krafft- welt verſtanden / wie ſich 
die Eigenſchafften des inneren Grundes haben geſchieden / und 
wieder in einen Gegen-wurffeingeführet/darausdie Sternen/ 
Elementa, und Creaturen ihren Urfprumghabengenomnen. 

8. In der dritten Zafel wird der Menſch nach allen dreyen 
Principien verftanden / als ein rechtes Gegenbilde GOttes aus, 
Ewigkeit und Zeit: Was er in Seel / Geiſt und Leib ſey; Ilemy 
was er ſey im Paradeiſe in der erſten Schoͤpffung geweſen / und 
was er ſeh im Abfall worden / durch den Geiſt des Irrthums; was 
die Gifft der Schlangen in ihme ſey / und wie ihme Chriſtus wie⸗ 
der gu helffen und neu⸗ zuge baͤhren ſey kommen / was er in. Chriſto 
in der neuen Gebuhrt ſey. 


Erklaͤrung des Schematis, 


9. DI Wort ADONAL deutet andas Auffthun oder felbfte 

Beweguuͤß der ungründlichen ewigen Einheit / was die 
ewige Gebaͤhrung / Auffthun und Außgang der Dreyheit GOt⸗ 
tes in ſich ſelber ſey. 

A Das(A)iftein dreyfaches I, welches ſich creutzweiſe in 
fich faffet/als in einen Anfang/Ein-undYuggang. Das (D) 
ift die Bewegnüß des dreyfachen I,als das Auffthuende. 

oO Das (O)ift die Circumferen des dreyfachen I,als Die Ge⸗ 
buhrt der Stätte GOttes in fich felber. Das( N) iftder 
dreyfache Geift/ welcher aus der Circumfereng/ aus fid) ſel⸗ 
beralsein dreyfaches Laußgehet. Dasuntere (A )iftder 
Gegenswurff oder das Würden des dreyſachen Loder Gei⸗ 
ftes/ davon Bewegnuͤß / Krafft/ Farben und Tugenden ent⸗ 

I ftehen oder urftänden. Das (1) iſt der weſentliche Auß⸗ 

fluß des dreyfachen I, dadie Dreyheit in der Einheit außfleuſt / 

und verſtehet man in dieſem gantzen Worte das ewige Leben der 

Einheit GOttes. 10. Das 


Tabula Principiorum. 273 


20. Das Wort ( Datter) ift der Einige Anfang des Würc» 
kens und Wollens in dem drepfachen I der Einheit. 

ır. Das Wort ( Sohn )ift das Gewuͤrckete der Krafft / als 
die Einfagligkeit des Willens / darinnen fich derdrepfache Geiſt 
fhleuft als eine Stätte der Göttlihen Ichheit. 

ı2. Das Wort (Geiſt Jift dic lebendige außgehende Beweg⸗ 
nüß in ver gefaffeten Kraft im Gleichnuß / wiemansan einer 
Blumen verſtehen önte. Das Auffthunoder würdende Wach: 
fen ijt der Anfang : Die Krafft des Wuͤrckens ift der Umbſchluß 
und cörperlihe Einfaffung des Wachfens : Und der Geruch / 
welcher ausderKrafft auͤßgehet / iſt die Bewegnuͤß oder das wach⸗ 
ſende außgehende Feuer⸗leben der Krafft / daraus die Blume 
entſpringet / davon man ein Gleichnuͤß ſiehet / wie ſich die Ge⸗ 
baͤhrung Goͤttlicher Krafft abbildet. 

13. Das Wort (Krafft) deutet an das hauchende / außgehen⸗ 
de / verſtaͤndliche Leben / als den Grund und Quelle der außflieſ⸗ 
ſenden Wiſſenſchafft der Unterſchiedlichkeit. 

14. Das Wort ( Surben ) deutet an das Subjectum oder Ge⸗ 
genmurff der Krafft / da die Unterfchiedkigkeit und Urfprung des 
finnlichen Sebens der Erkaͤntnuͤß verftanden wird / da eine ewige 
Beſchauligkeit urftändet. 

25. Das Wort (Willen ) deutet an das Wollen eder Be⸗ 
wegen in der auffthuenden Einheit / damit ſich die Einheit felber 
in Dreyheii wil / als das Nichts in fein eigen Etwas /darinnen 
es cin Verbringen und Wollen hat. 

16. Das Wort (Luſt) deutet andie wuͤrckliche Empfindlig⸗ 
keit des Willens oder Wollens / afsden hoͤch ſten Grund / die ur⸗ 
ſpruͤngliche Liebe / da ſich der Wille des Ungrundes in ſeinem Et⸗ 
was empfindet / da er ſich dem Etwas / als ſeiner Empfindung 
einergibet / und in der Empfindligkeit in feinem eigenen Ge⸗ 
ſchmack wuͤrcket und wil. 

17. Das Wort (Seientz) deutet an die wuͤrckliche empfind⸗ 
liche Wiflenfihafft und Berſtaͤndnuͤß in dem Liebe-geſchmack / 
eine Wurtzel der fünf Sinnen / und ein Grumd des ewigen Le⸗ 
bens / Daraus die Berftandnüg außquillet / und fich Die ewige 
Einheit darein gründet. 

18. Das Wort (Wort ) deutet an/mwie fih die ewige Liebe der 
empfindlichen Einheit mit ver Wiffenfchafft ewig auffpricht in 
sinen Gegenwurff / fo iſt das Wort / das Außſprechen oder Hau» 
chen des Willens aus der Krafft durch die Verſtaͤndnuͤß. Esift 
das Treiben und Bilden der ewigen Krafft in Unendlichkeit der 

mM 5 Birk 


274 Tabula Principiorum. 


Vielheit / als der Schöpffer der Krafft aus der Einheit in Tits 
enden. 

7 19. Das Wort (Weißheit) iſt das außgefloſſene Wort /als 
einGegenwurff Goͤttlicher Biffenfchafft Goͤttliches Willens / als 
die ee Frl der groſſenLiebe SOttes / daraus alle Dinge 
ihre Bewegnuͤß und Muͤgligkeit empfangen haben: Ein Grund 
aller dreyen Principien: Eine Ofſenbahrung der Einheit GOt⸗ 
tes: Ein leydentlich Weſen Goͤttlicher Wuͤrckung und Grund 
aller Demüthigkeit : Eine Gebaͤhrerin aller Wiſſenſchafft der 
Greaturen / und ein ewig Gehäufe der mwürcdenden Siche GOt⸗ 
tes / ein Straal und Ddem des allmächtigen Geiftes, 

20. Das Wort (JEHOVAH) iftderallerheiligfte Name 
GoOttes / als das Göttliche fenfualifche Leben / das Einige Gute / 
darinnen die Heil. Drepfaltigfeit mit der Glori und Allmacht 
werftanden wird ; Ein schen des Ungrundes als der Einheit / 
welches vornehmlich in der einigen Liebe ſtehet; Und wird darin» 
nen der allerheiligfie Name JESUS verftanden / als das aus⸗ 
flieffende 1: Ein Grumd und Quelle des Hauchens der Einheit 
GHttes : Eine Formung des Verftändnüffes/ denn der Auge 
flug der Einheit führet ſich mit dem (I )ins(E als ein Befichte 
oder Schen eines Chaos , darinnen Das Myfterium Magnum 
nach Göttlicher Arth verftanden wird / und ift ein dreyfaches 
Hauchen der Krafft. 


a1. (JE) ift ein Hauch r Einheit / und das (HO)ift 
tin Hauchendes( JE) —D in Hauchen des (HO) 











und iſt Doc Ein Hauchen / und machet aber einen dreyfachen 
Außgang dreyer gentren oder Faſſungen: Und verſtehen dar⸗ 
innen / wie ſich das dreyfache Jendlich ins A fchleuft/ als in einen 


ai r. 


22. Darunter ſtehet Leben) das deutet an / daß dieſes drey⸗ 
fache Hauchen ginn cl Leben und Krafft ſey. Darunter ſtehet 
Tugend / das deutet an die unmaͤßliche Tugend ſolches hauchen⸗ 
den Lebens. 


23. In dieſer Tabell wird nun recht verſtanden / was GOtt 
auſſer der Natur und Ereatur ſey in Drevfaltigkeit /als in ci= 
nem dreyfachen Außhauchen der Einheit in fich felber / da man 
nicht Fan von Orth oder Stätte feiner Wohnung ſagen / auch von 
keiner Maͤßligkeit oder Abtheiligke it /denn er ift weder da noch 
dorte / fondern überall zugleich / wie man den Ungrund betrach⸗ 
cet / als die ewige Einheit aus Natur md Cregtur / ſo iſt er eine 
wuͤrckliche Kraft und Weſen der Einheit | 

24. Daß 


Tabula Principiorum. 278 


24. Daßaber wahrhaftig folche Kraft und Tugendder Eina - 
heit darinnen verftanden werde/das verſtehet man an feiner auß⸗ 
gefloffenen Krafft der Welt und Creaturen / was aus feinem 
Aushauchen erbohren ift ; Und it Eein Ding in diefer AReltf 
welches dehme nicht Zeugnüß gibet / fo man das wahrnimmet. 


Erklärung der eriten Tafel. 
TETRAGRAMMATON. 


25 N diefer Tafel wird fürgeftellet/ wie fich der heilige 
Name der ewigen Kraft mit der Erfüntnüg und 
Wiſſenſchafft von Ewigkeit in Emigteit/ in Na⸗ 
tur zu ewigem Liecht und Finſternuͤß in Eigen⸗ 
ſchafften einfuͤhret / wie fich das Wort des Auß⸗ 
hauchens in cin Subjectum oder Gegen⸗wurff einfuͤhret / und wie 
in dem Gegen-⸗wurff eigener Wille und Annehmligkeit der Ei⸗ 
- genfchafften entſtehet / darinnen man allemahl zwey Weſen vers 
ſtehet / als GOttes eigener Außflußz / und denn der Eigenſchaff⸗ 
ten ihre eigene Annehmligkeiten im freyen Willen / in welcher 
Annehmligkeit cin Wieder⸗gegenwurff aufferficher Arth ver> 
ftanden wird / damit die Einyeit in ihrem Außfluſſe immer auf? 
ferlicher wird/ und dadurch fich.die ewige Siche in Einpfindligkeit 
und feuer⸗flammende Arth einfuͤhret als cin Würden Goͤtt⸗ 
licher Kräffte. 

26. Über der Tafel ficher / finftere Welt Jund darunfer das 
erfte Principium ‚und gegen über von der vierdten Zahl big zur 
fiebenvden / ſtehet Liecht-welt / GOttes Siche / und Darunter dag 
ander Principium. Das deutet an/ wie ſich ver außgefloſſene 
Wille mit der Annehmligkeit eigener Begierde einfchlieffe und 
uͤberſchatte / mit der Begierde der Ichheit in Eigenſchafften eins 
führe / und zur Finfternüg mache / da das aufgefloffene Ein in 
der Finſternuͤß durchs Feuer im Liechte offenbahr wird und em⸗ 
pfindlich / und eine Urfach des Liechtes fey / in welchem Sicht 
GoOttes Siehe eine feurifhe Würdung vom Feuer der ewigen 
Ratur annimt / und fcheinet im Feuer Durch die firftere peinliche 
Annehmligkeit aus/wie ein sicht aus der Kertze und wie der 
Tag in Ver Nacht davon auch Tag und Nacht ihren Urſtand / 
Grund und Namen haben in der Zeit empfangen. 

27. Aber in Ewigkeit iſt alfo ein ewig Siecht und Finfternüg 
ineinander, Die Finfternügift der Grund der Natur / und das 
Liecht ift der Grund der Freudenreich Böttlicher Hffenhahrung z. 

mM 6 So 


276 Tabula Principiorum. 


So heiffet die finſtere Welt / als der Grumd der Eigenſchafften 
eigener Begierde und Willens das erfte Principium , weil es eine 
Urfach Böttliher Hffenbahrung ift nach der Empfindlichkeit / und 
auch ei eigens Reich in fich machet / als peinliche Quaal / darnach 
fih GOtt einen zornigen und eyferigen GOtt / und cin verzeh⸗ 
rend Feuer nennet: Und das Liecht / welches im Feuer offenbahr 
wird /darinnen die Einheit Böttlihes Außfluſſes der Liebe ver⸗ 
fanden wird / heiffet das ander Principium , als die Göttliche 
Krafft:welt/ da GOttes Liebe ein Liebe-feuer und wuͤrckliches 
schen darinnen ift/ wie gefchrieben ſtehet: GOtt wohnetin eis 
nem Liechte / darzu Niemand kommen kan / denn die Krafft ver 
Einheit GOttes wuͤrcket im Liechte / und iſt GOtt / aber die ſeu⸗ 
rende Arth im Liechte iſt die ewige Natur / darinnen ſich die ewige 
Liebe der Einheit liebet und empfindet. 

28. Unter dem erſten und andern Principio ſtehen in den ſteben 
Spatiis fieben Zahlen / diefe deuten an die ficben Eigenfihafften 
der ewigen Natur / und darunter ſtehet Tinctur, in den Jicben 
Spatiis auggetheilet/das deutet an das Göttliche Wort/ein Tem- 
perament oder gleiche Eigenfchafft / Darinnen die Göttliche 
Kraffte in gleichem Willen / Würden und Weſen inne liegen / 
als der aufgefloffene ame GOttes / darinnen die groffe Geheim⸗ 
nuͤß Göttlicher Krafft und Wuͤrckung mit den Charakteren der 
Buchftaben in der Außtheilung inden ficben Eigenfihafften vers 
fanden wird. 

2% Das Wort TINCTUR ft das fchiedliche Wort / dar⸗ 
ans die ſteben Eigenschaften flieffen. Der Buchftab( T )ift das 
Tau oder Auffthun der Einheit / als das des Dreyfachen (1) 
ein Grund zum Hauchen. (1 ) iſt der Außfluß aus dein T oder 
Außgang der Einheit / als der Creutz⸗ angel des Lebens. (N) iſt der 
Außfluß des lautenden dreyfachen Geiſtes. (O) iſt das Zerſchnei⸗ 
den des Lautens / da ſich das Lalsder Außfluß der ey wieder 
sonder Finſternuͤß ſcheidet / umd die Annchmiigfeit des ewigen 
Willens zerbricht. Das ander Tunter Numero fünff ift das 
heilige Tau. oder Auffthun der Glori in der feurifchen Empfinds 
tigkeit mitder feurenden Liebe / als damit ſich GOttes Reich auff⸗ 
thut / und deutet an die groffe Macht der Sicchts=Frafft. (CV )ift 
nun des Heil. Geiftes Charadter mit dreyen Spisen; Zwey in 
die Höhe bedeuten das Feuer und Liecht / und der dritte unter fich 
bedeutet die Einheit in der Liebe / als die Demuth. Mitden(R) 
wird das heilige Feuer und Liecht in ein würdlich natürlidy 
Weſen gefallets denn es deutet an Das Reich /als den 

wu 


Tabula Prineipiorum. 277 


und wird hiemit angedeutet / wie fichder heilige Name mit dem 
außflieſſenden Willen ins Myflerium Magnum ,alsin die ewige 
Geheimnuͤß einführet/daraus die ſichtbahre Weltentfproffen ik, 


Die groffe Geheimnuͤß der Tinkur, oder Grund 
der Dreyheit GOttes. 


T 30. Iſt das dreyfache I, iſt den Vatter andeutende 

1 Iſt das Gebohrne: Lift JEſus. 

N Iſt das dreyfache I im Geiſte. 

C St Chriſtum andeutende. 

T Im fuͤnfften Spatio iſt der Vatter in Chriſto. 

U Iſt der Geiſt Chriſti im Wort / das da lebendig machet. 

R Ifkder Königliche Thron / umb welchen Liecht und Finfters 

nuͤß ſtreitet da Satan und Chriftus gegen einanver ftehen : Als 

nac der Annehmligkeit eigenes Willens / der Satan als der 
Irrgeiſt; Und nach der Einheit Chriftus ; da man Liebe und 3orır 

in einem Grunde/aber in zweyerley Offenbahrung verftehet / dere 

Unfern verftanden / welche GOtt angehören /aber den andern an 

diefem Orth ein Schloß dafuͤr. 


Die groſſe Geheimnuͤß der Tinctur, oder groͤſte und 
hoͤchſte Grund der Dreyheit GOttes. 


ZEN Iefe Tafel in ſieben Spatien iſt der Grund der Engel und 
Seelen / als das Myfterium Magnrim der Verwande⸗ 
lung / da alle Muͤgligkeiten inne liegen. 

32. Queruͤber nach den fieben Zahlen wird der Außfluß von eis 
nem in ſieben verftanden. Biß ans Feuer / daraus das Sicht 
offenbahr wird / iſt das erſte Principium zu verſtehen / und vony 
Feuer hiß zum Weſen iſt das andere Principiam , und herunter= 
werts rd unter jeder Eigenſchafft verſtanden / was für ein Auß⸗ 
fluß aus jeder Eigenſchafft ĩm Mit⸗ wuͤrcken der anderen Eigen» 
ſchafften komme: Nicht zu verſtehen / daß eine einige Eigenſchafft 
einen ſolchen Außfluß alleine gebe / ſondern alle ſieben geben ihn / 
aber die erfte Geſtalt herrſchet darinnen / und behaͤlt das Ober⸗ 
regiment. 

33. Als da No. x. ſtehet Begierde oder Einfaſſen / ſo verſtehet 
man / daß die Begierde magneiiſch ſey / und ſich ſelber einſchleuſt 
und verfinſtert / welches als ein Grund der ewigen und zeitlichen 
Finſternuͤß ift; und aus ſolchem Einziehen kommet Schärfe, 

M7 Herbe 


278 Tabula Principiorum. 


Herbe und Haͤrte / die iſt ein Urſtand des Grimmes / davon der 
groſſe ewige Tod urſtaͤndet / denn dieſer Magnet zeucht die Krafft 
in ſich / und verſchleuſt fie in ſich / daß das Wuͤrcken ſtille ſtehet / 
und in Unmacht tritt / wie unter No.ı. herunterwerts zu ſehen iſt. 

34. Unter No. 2. ſtehet Scientz oder Ziehen / dieſes iſt die an⸗ 
dere Geſtalt zur Natur / als die Bewegnuͤß des magnetiſchen 
Einziehens/ davon die Empfindligkeit der Natur urſtaͤndet / und 
iſt der Grund aller Contrarietaͤt dann Härte und Bewegnuͤß 
ſeynd Feinde / denn das Bewegen zerbricht die Haͤrte wieder / und 
gebiehret doch auch die Härte mit dem Anziehen. 

35. Alfo urftänden zwey Wefen im begierlichen außgefloffe> 
nen Willen GOttes: Als das Ziehen der magnetiſchen Krafft 
gibt Bewegnuͤß und Empfindligkeit / und das angezegene gibet 
Weſen /darinnen man die Urſach zu Beift und Leib werfichet; 
Als im Ziehen der Empfindligkeit den Geift / und im Angezoge: 
nen den geib/ oder die Urſach zur Seibligkeit. 

36. So nun fold Einzichen und Weſen nicht mag das Licht 
der Einheit GOttes erreichen / dadurch es gefänfftiget wird / ſo 
bleibets in ſich eine eitele Feindſchafft / und ift eine Quelle des 
Wuͤtens / Auffſteigens / darans eigen Annehmligkeit und Hofs 
farth urftändet/ dennder Wille eigener Annehmligreitiftfalfch/ 
und ein ſtaͤter Zerbrecher feiner felbft /als feines Weſens / und 
ver ſtehet man indiefen zweyen Geftalten/als Begierde und Ein 
ziehen / in ihren außflieſſenden Eigenfihafften GOttes Zorn: 
Undob fie wohl der Grund des empfindlichen Lebens feynd / fo 
aber das Liecht darein ſcheinet / fo feynd fie der Grund der Freue 
denreich / ale eine innere Bewegnuͤß in der Einheit GOttes / und 
ein Grund der fünff Sinnen / Daraus auch das creatürkiche Leben 
feinen Anfang genommen hat / darinnen aud) feine Verderbnuͤß 

ſtehet / fo ferne es das Liecht verleuret / denn es iſt der Quaal ver 
hötlifchen Angſt / als die Urſach der Peinligkeit / und ift doch die 
Wurtzel des natürlichen Lebens. 

37. No. 3. ſtehet die dritte Geſtalt der Natur / und heiſſet 
Angſt / als eine geiſtliche Schwefel-quaal der Eigenſchafft nach / 
die nimt ihren Grund aus der erſten und andern Eigenſchafft 
oder Geftalt/ als x. aus der magnetifchen Begierde / undz. aus 
der Bewegnuͤß des Einzichens / darinnen der aufigefloffene 
Wille in Unruhe und Angſt ftchet. Die Angſt iſt die Urſach des 
natürlichen Wollens/ Gemüthes und der Sinnen /1md iſt des 
gebens Rad / als eine Urſach des feuriſchen Lebens. 

38. Denn fo der außgefloſſene Wille der Einheit GOttes in 

der 


Tabula Principiorum. 279 


der Angft ſtehet / fofähnet er fich wieder nach der Einheit / als 
nach der Ruhe / und die Einheit oder Ruhe fühnet fich nach der 
Bervegnüß und Offenbahrung: Und möchte doch auch Inder Ein 
heit Feine Offenbahrung ohne Bewegnüß feyn/ darumb fleuft 
der Göttliche Wille aus fich felber aus / und führet fich die Goͤtt⸗ 
liche guft in dem auggefloffenen Willen in Begierde und Bes 
wegnüg cin zu einer Empfindligkeit /auff dag fie fich felber em⸗ 
pfinde / und bleiben zwey in einem Weſen / als die empfindliche 
Göttliche Luſt / und die Urfach der Empfindligkeit / darinnen 
ic) GOtt einen liefen GOtt nennet / nemlich nach der empfinde 
lichen Böttlichen Liebe⸗-luſt /und einen zernigen GOtt nach der 
Urfach ver Empfindligkeit / als nach der ewigen Natur. 

39. Undverjtchen in der Angft / fe ferne das Göttliche Liecht 
darinn nicht offenbahr iſt / das hoͤlliſche Feuer und einewig Vers 
zagen und Schrecken / da der eigene Wille der Natur immerdar 
in jterbender Quaal ſtehet / und ſich immerdar kegehref von fols 
chem Grumde zu fcheiden / welches ich darımb den Eleinen Tod 
heiſſe / daß es der ewige ſterbende Ted ift; undaber in der Härs 
tigkeit der groffe ſtill⸗ſtehende Tod if. 

40. Dieſe Geftalt / fo ſte nicht das Liecht hat / iſt der Brunn⸗ 
auelldes falſchen Gemuͤths / fo fie aber Das Liecht in ſich empfin⸗ 
det / fo ift fie der Brunnsguell und Grund des finnlichern Ge⸗ 
müths/ und die rechte Wurtzel des Feuers / wie unter No. 3. her⸗ 
unterwerts zu ſehen ift. 

41. Die vierdte Geſtalt No. 4. iſt das Feuer der ewigen Na⸗ 
tur / verſtehet ein geiſtlich Lebens-feuer / das urſtaͤndet aus der 
ſtaͤts-⸗ waͤhrenden Conjunction oder Zuſammenfuͤgung der Haͤr⸗ 
te und des Bewegens / verſtehet / die Peinligkeit urſtaͤndet daraus / 
aber der Feuer-glantz urſtaͤndet aus der freyen Luſt des Willens / 
da die Einheit der Luſt in den Eigenſchafften geſchaͤrffet wird / fo 
erſcheinet ſie als ein Blitz Durch die ſtaͤts⸗waͤhrende Conjunction 
der groſſen Saͤnffte der Einheit und der Grimmigkeit des Be⸗ 
wegens der drepenerften Eigenſchafften / denn es ift inder Effeng 
der Conyunktion, alsriebe man Staal und Steine aneinander/ 
Davon Der Blig entlichet. 

42. Solcher Blig ift das wahre natürliche und creatürliche 
Leben der ewigen Ereaturen denn es iſt die Dffenbahrung Goͤtt⸗ 
licher Bewegnuͤß / und hat die Eigenſchafften der Natur / und 
auch die Offenbahrung der Einheit Goͤttliches Außfluſſes in ſich / 
welches unter die ſen beyden das Ober⸗regiment hat oder kekom̃t / 
darinnen ſtehet das Leben. 


43 . Der 


2380 Tabula Principiorum. 


43. Der Glantz des Feuers ift das Siecht vom Außflußſe der 
Einheit GDttes : Und die Eflen des Feuers ift der aufgerloffes 
ne Wille / welcher fish mit der Begierde hat in folche Eigenſchaff⸗ 
ten geführet. 

44. Alſo verftchet man im außgefloffenen feurifhen Willen die 
Engel undSeelen/umd in der empfindlichen geſchaͤrfften Liechtes⸗ 
trafft aus der Einheitverftchet man den Geift / darinnen GOtt 
offenbahr iſt / und im geiftlihen Weſen verftanden wird/ und 
fcheiden fich im Feuer zwey Reiche / als das Reich der Glori vom 
Augfluffe der Einheit GOttes / und das Reich der Eigenfchaff> 
ten der ewigen Natur / ein jedes in fich felber / und wohnen doch 
ineinander als eines. 

45. Das Reich der Natur ift im fich felber die groffe ewige 
Finfternüg /und das Neih GOttes oder Glori iff das Sicht. 
Zohan.am 1. Cap. ſpricht: Das Licht ſcheinet in der Finfters 
nuͤß / und die Finſternuͤß hats nicht begriffen. Gleich wie Tag und 
Rachtineinander wohnen /undfdoch keines das ander ift: alfo 
komt aus des Feuers ſelbſt⸗Eigenſchafft das peinliche Leben; ſo 
fich daffelbige vom ewigen Liecht abbricht / und in den Gegen» 
wurff / als indie Selbheitder Eigenfihafften eingehet / fo ift dag 
Leben des Feuers nur eine Phantaſey und Thorheit / wie denn 
die Teufel Solche worden ſeynd / und auch die verdamten Seelen 
ſeynd / wie ander vierdten Zahl perunterwerts syfehenift. 

46. Inder fünfften Eigenfchafft der Natur wird nun das 
ander Principium mit feinem Grunde verftanden /alsdas We⸗ 
fen der Einieit in der Liechtes-krafft / darinn die aufgejloffene 
Einheit eine feuerstlammende Siebe iſt / daraus der wahre vers 
frändige Beift urſtaͤndet mit den fünff Sinnen. Die erſte drey 
Geftalten feynd nur Eigenfchafften zum geben /die vierdfe Ges 
ſtaͤlt ift das Leben felber / aber vie fünffte ift ver wahre Geiſt; 
wenn die fünffte Eigenfchafft aus dem Feuer offenbahr iſt / fo 
wohnet fie in den andern allen/ und verwandelt fie alle in ihre 
fürfe Siebe / dag keine Peinfigfeit noch Feindligkeit in keiner 
mehr erkañt wird / gleich wieder Tag die Nachtverwandelt. 

47. In dieſen vier erften Eigenſchafften ift das Leben gleich 
den Teufeln / aber wenn des Liechtes Krafft / als das ander Prin- 
eipium in den Eigenfchafften offenbahr wird / fo iftsein Engel} 
amd lebet in Böttlicher Krafft und Heiligkeit / wie an der fünften 
Zahl herunterwerts zu fehen ift. 

48. Die ſechſte Eigenfchafft ift das Verſtaͤndnuͤß / als der 
Hal over Schall / da die Eigenfchafften im Liechte Ya * 

2 


Tabula Principiorum. 282 


Gleichheit ftehen / fo freuen fie fich / fo wird die Krafft der fünff 
Sinnen lautbahr/und freuen ſich alle Eigenfehafften ineinander _ 
jeeine der andern / undaljo führet fich die Siebe der Einheitin 
Würden und Wollen /in Empfindnuͤß / Findnuͤß und Hochheit; 
Und alfo ift ein Contrarium in der ewigen Natur / auff dag Eis 
genfchafften urftänden / darinnen die Siebe erkannt werde / und 
dag etwas ſey / das zulichen fey / darinnen die ewige Liebe der 
Einheit GOttes zu würden habe / darinnen das Lob GOt⸗ 
tes gefchehe: Denn fo des Lebens Eigenfchafften mit Göttlicher 
Liebes⸗flamme durchdrungen werden / fo loben fie die groffe Liebe 
GoOttes / und ergeben ſich auch alle wieder indie Einheit GOttes. 
Solch Freuen und Erkaͤntnuͤß machte inder Einheit nicht offen⸗ 
bahr werden / fo ſich nicht. der ewige Wille in peinliche bewegliche ° 
Eigenfchafften einführete. 

49. Die ſiebende Eigenfhafft ift das Weſen / darinnen die an» 
dern alle weſentlich find / darinnen fie alle wuͤrcken wie die Gees 
le im $eibe / darinnen man die Natärliche/ und auch die Weſent⸗ 
liche Weißheit GOttes / als das Myfterium Magnum, verftes 
het / auß melden Grunde die ſichtbahre Welt mitihrem Wefen 
ift entfproffen. 

50. Alfo fol man mit diefer Zafeldie verborgene geiftliche Welt 
verjichen/ als GOttes ewige DOffenbahrung / daraus die Engeln 
und die Seelendes Menfchen ihren Urftand empfangen haben ; 
de ßwegen koͤnnen fie fich in Böfe oder in But verwandeln / danız 
es liget beydes in ihrem Centro; Die Geiftlihe Welt iſt anders 
nichts / als GOttes geoffenbuhretes Wort / und ift von Ewigkeit 
geweſen / bleibet auch in Ewigkeit] und wird Barinnen Himmel 
und Hölle verftanden. 


Erklärung der andern Tafel. 
BAus, R 0.C.0.5 mM. 


SI. Ndieſer Tabellverftchet man / wie ſich die verbor⸗ 

‚ gene geiftliche Welt hat fihtbahr gemacht / und 

hat ihr einen Gegenwurff mit dem Außhauchen 

— gemacht / da die ewigen Principia ſeind außgefloſ⸗ 

ſen / und die Kraͤffte darinn ſeind mit materialifch 

worden dann die aͤuſſere Natur iſt anders nichts / als ein Außfluß 

oder Gegen⸗wurff der ewigen Natur. 
52. Die vier Elementa urſtaͤnden von den erſten vier Eigen⸗ 


ſchaff⸗ 


232 Tabula Principiorum: 


ſchafften der ewigen Natur: Als die Erde und Grobheit aller 
Weſen von der finftern Begierde / Da allegeit die andern ſechs 
Eigenfohafften feind mit marerialifch worden / wie mananden 
Metallen und Kräfften Böfe und Gutverftchenmag. Aber die 
finftere Begierde hat fie alle coaguliret / wie noch heute gefchicht. 

53. Die Lufft urftändet von der Bewegnuͤß der magnetifchen 
Impreflion durchs Feuer im zerſprengeten Mercurio, als die zer⸗ 
fprengete Bewegnuͤß darauß das Waſſer kommet. 

54. Das Waſſer iſt der zerſprengete Mercurius,da die feuriſche 
Art getödtet ift: Das Waſſer iſt das Weiblein des feuriſchen 
Mercurii,darinn er wirdetstavon Hige und Kälte/fo wohl Dicke 
und Duͤnne im Streit find. 

55. Das Feuer urſtaͤndet womgeiftlichen Feuer des innern 
Grundes. Die Kälte verftchet man in der magnetiſchenSchaͤrffe / 
als inder rechten Wurtzel zum Feier. | 

56. Über den fichen Eigenfchafften über ver Tafel ftehet / Grund 
der Natur ; in die drey erſten Geſtaͤlte eingetheilet;und in Die vierd⸗ 
te und fuͤnffte Geſtalt oder Eigenſchafft wird das Wort Rein Ele- 
ment eingetheilet; und in die ſechſte und fiebende Geſtalt iſt das 
Wort Paradeis eingetheilet. 

57. Mit dem Wort: Grund der Natur / verſtehet man die 
Wurtzel der vier Elementen, als die vier Urſachen der Bewegnuͤß 
und Empfindtligkeit. 

58. Mit dem Wort Rein Element, verſtehet man das Tempe- 
ramentum oder Gleichheit der Natur und vier Elementen, da 
das Liecht die Eigenfehafften alle in&inen Willen wandelt/darins 
nen das Liecht auch mit in der empfindtlichen beweglichen Ele- 
mentifchen Eigenſchafft würdet / fo verfteheriman / wie ſich das 
ewige Element , als die Bewegnüß Goͤttlicher Krafft / durch 
den Grund der Natur gefihärffet / und im Liechte offenbah⸗ 
ret hat/ welches Rein Element die Bewegnüß der innern Geiſt⸗ 
lichen Welt ift / und in der Schöpffung der Welt mit in das 
Weſen ausgefloffen ift/ und wird in der Quinta Eflentia vers 
ftanden. 

59. Das Wort Paradeiß / in der ſechſten und fiebenden Ei⸗ 
genfchafft/veutet andas geiſtliche Gewuͤrcke im Liechts-⸗Weſen / als 
ein Gruͤnen oder geiſtlich Wachßthumb / welches im Anfang der 
Welt durch alle vier Elementa gegruͤnet / und aus der Erden ſich 
in alle Früchte eingebildet / und alle Eigenſchafften des Grim⸗ 
mes ins Temperamentum gewandelt. Als aber die grimmen Ei⸗ 
genſchafften mit den vier Elementen durch die abgewandte Des 

gierdt 


Tabula Principtorum. 285 
gierde und falfchen Willen Adams auffwachten/ und das Regi⸗ 
ment bekamen / fo flohe diefes Grünen zu ruͤcke; das iſt: es bliebe. 
in der Tinctur des innern Grundes ſtehen / und iſt noch wohl in den 
vier Elementen, aber nur im innern reinen Element, und mag 
nicht erreichet werden / als nur in der Newen Wiedergebuhrt des 
innern Menſchens / und in der materialiſchen Tinctur, darin⸗ 
nen iſt das paradifiſche Wuͤrcken auch gantz offenbahr. Den Un⸗ 
ſern verſtanden. 

60. DiefeZabellzeiget an / wovon alle Weſen diefer Welt ſeynd 
entſprungen / und was der Schoͤpffer ſey; Als daß der Schoͤp⸗ 
fer ſey die geiſtliche Krafft-Welt geweſen / welche GOtt hat be⸗ 
weget / als der Goͤttliche Wille; Aber der Separator oder Schei⸗ 
der iſt der ausgefloſſene Wille aus der geiſtlichen Welt gewe⸗ 
ſen / der iſt im ſolcher Bewegnuͤß aus ſich ſelber ausgefloſſen / 
und hat ihme einen Gegenwurff ſeines Wuͤrckens gemacht / da in 
ſolcher Bewegnuͤß iſt immerdar ein Gegen⸗wurff aus dem andern 
gefloſſen / bis auff die alleraͤnſſerſte Materiam der Erden. 

61. Dieſe iſt durch Goͤttliche Bewegnuͤß in eine Maſſam gezo⸗ 
gen worden / und ſtehet daſſelbe Ziehen oder Bewegnuͤß noch alſe; 
Darumb fallen alle Materien in der Tieffe gegen der Erden / und 
iſt dieſes die Urſache / daß die Krafft der Bewegnuͤß noch heute und 
biß zu Ende dieſer Zeit alſo ſtehet. 

62. Die ſieben Tage und ſieben Planeren deuten an die ſteben 
Eigenſchaften der Geiſtlichen Welt. Die drey Principiaim Spĩ⸗ 
zitu Mundi, und in den Materien und Lebendigen / als Salt. 
Schwefel und oͤhl / Sulphur, Mercurius und Sal, deuten an die 
Dreyheit Göttliher Offenbahrung / als einen immerwähren» 
den Quell⸗brunn / darausalle äuffere Ereaturen gefloffen findy 
und noch flieffen werden biß zu Ende diefer Zeit/ / und wird 
der Separaror darinnen mit den fieben Eigenſchafften verſtan⸗ 
den/ und ſehen wir in diefer Tafel / was aus den Neben Ei⸗ 
genfchafften gefloffen iſt und wie ſich die Geiftlihen Kräffte 
haben in@ine marerialifche gebracht/wie in den fieben fpatiis runs 
terwerts in jedem zufehen iſt / darinnen man Ean verſtehen - 
worauf Böfes und Gutes ift in diefer Welt entfproffen. 3 


Er⸗ 


284 ° Tabula Principiorum: 
Ereklaͤrung der dritten Tafel. | 
MI GH: R#.0..C@.0:.$"M--U::$, 


63. 7 N diefer Tafel wird der Menfch als ein Eben⸗bild 

aller dreyen Welte fürgeftellet /nach Seel / Geiſt 

undkLeib / was er ſey im Anfang nach ſeiner Schoͤpf⸗ 

ung geweſen / was er ſey im Falle durch den Irr⸗ 

geiſt worden / und was er durch den Geiſt Chriſti 

in der Rewen Wiedergebuhrt werde / welcher ein wahres weſent⸗ 

liches Bilde auß den dreyen Principiis Goͤttlicher Offenbahrung 
iſt / als auß dem ausgefloſſenen Wort Goͤttliches Willens. 

64. Nach derSeele iſt er die ewige Natur der fewrenden A. 
als ein Funde auf dem Centro , darauf das Feuer urſtaͤndet: 
So dieſer Grund nicht mag das Goͤttliche Liecht erreichen / ſo Ift er 
eine Finſternuͤß / von der magnetiſchen anziehenden begehrenden 
Krafft; So er aber das Liecht aus dem Feuer erreichet / daß dieſe 
magnetiſche Begierde von der ausgefloſſenen Einheit der Liebe 
Gottes iſſet / ſo entſpringet auß dem Feuer der wahre gute Geiſt / 
wie das Liecht auß der Kertzen entſpringet. 

65. Dieſes ſeind zwey Principia, als ein Feuer der ewigen Na⸗ 
tur / die Seele / das erfte Principium, und im Liechte goͤttlicher 
Krafft der Geiſt / das ander Principium. DerLeib aber iſt das drit⸗ 
te Principium, als ein Weſen der ſichtbahren Welt / von Sternen 
amd Elementen / aus den ſieben Eigenſchafften der Natur in ein 
Bild gemachet. 

66. Die Seele hat die ſieben Eigenſchafften der innern Geiſt⸗ 
lichen Welt / nach der Natur / aber der Geiſt iſt ohne Eigen⸗ 
ſchafften / denn er ſtehet auſſer der Natur in der Einheit GOttes/ 
und wird aber durch die ſeeliſche Natur in der Seelen offenbahr/ 
denn er ift Das wahre Ebenbilde GOttes / alseineldea, inder 
GoOtt ſelber würdet und wohnet / fo ferne die Seele ihre Begier⸗ 
Dein GOtt führet/ und fich ven Willen GOttes ergibet, Wo 
aber nicht / fo iſt dieſe Ideaalsder Geiſt / ſtumm und wuͤrckloß / 
ad ſtehet nur als ein Bilde in einem Spiegel verbleichet / und blei⸗ 
bet ohne Weſen / wie Adam im Falle geſchach; So ſich aber die 
Seele GOtt ergiebet / und ihren magnetiſchen Hunger in GOt⸗ 
tes Liebe einfuͤhret / ſo zeucht die Seele Goͤttlich Weſen / als die 
Weſentliche Weißheit GOttes in ſich / ſo wird ihre Idea oder Geiſt 
in der Liechts = krafft weſentlich / und bekomt Goͤttlich Leben ſo 

iſt es 


Tabula Principiorum. -. 28% 


iſt e8 der wahre Tempel GOttes / darinnen GOttes Einheit 
wuͤrckend und offenbahr ift. 

67. So ſich aberdie Seele mit der Begierde in fich felber / als 
in eigene Siebe einführet / und mitder Begierde in die fieben Ei⸗ 
genfchafften wendet / diefelben zu probiren/ und von der Luſt der 
Eigenfhafften iffet / fo erhebet fie ſich und machet ihr ein Eve- 
ftrum, als einen AftralifchenGegenswurff/mwelches Eveftrum als» 
bald nach der Eitelkeit falſcher Luft hungert wie dem Lucifer 
und Adam gefchehen ift / da fich Das Eveftrum Lucifers in die 
Phantafey gebildet hatz und das EReſtrum Adams Seele in die thie⸗ 
riſche Eigenſchafften der aͤuſſern Welt / davon die Seele vergifftet 
ward / und zuhand den Leib aus dem Limo der Erden anſteckte / 
daß die thierifchen Eigenſchafften in ihme auffwachten / und nach 
irrdiſcher / viehiſcher Speiſe / als nach Hitze und Kaͤlte / nach 
Herbe / Bitter / Suͤſſe / Sawer / luͤſterten / und ſich mit ſol⸗ 
chen Eigenſchafften in einen Quell⸗brunn ſolcher Luſt einfuͤhre⸗ 
ten / und mit der Begierde von Boͤß und Gut aſſen / davon das 


Bilde Gottes / als die Idea verfinſtert und wuͤrckloß ward / ſo 


war der rechte Geiſt / als die wuͤrckliche Idea, ſtumm und todt / 
wie ein Bilde im Spiegel todt iſt / alſo war die Seele von GOtt 
getrennet / und ſtunde in eigenem natuͤrlichen Wollen / denn Got⸗ 
tes Wille im Geiſte wuͤrckte nicht mehr/ tnd fienge andas Wol⸗ 
len Eveftri, als die Gegenbildungver finftern und der äußern 
Belt) denn der heilige Genius ward verwandelt. 

68. In dieſer Tafel ſtehet oben/ TINCTUR in den fiehen Eis 
genſchafften eingetheilet / das deutet andie Gleichheit der ſteben 
Eigenfchafften / nach Seel und Leib / als dag imerften Mens 
ſchen vor dem Falldie Eigenfchafften zur Schiedlichkeit und eige> 

ner Annehmligkeit feind im gleichen Willen geftanden/ und ihre 

"Begierde alleindie Einheit GOttes geführet / fo waren ſie ein 
recht Paradeiß / denn der wefentliche Geift mitder Einheit GOt⸗ 
tes war inihnen offenbahr 7 und foltenfiein GOttes Siebe durch 
alle Dinge würden. 

69. Aberder Teuffel goͤnnete ihnen das nicht / umd betrog die 

Treben Eigenfhafften des Lebens mit falſcher Luſt / umd beredete 
fie / eswärsihnen gut / und würden Elug werden) fo fie die Ei⸗ 
genfchafften fich feine jede in eigene Annehmligreit nach ihrer Art7 

„ einführeten / fo würde der Geift fhmäden und erfennen/ wag 
Boͤß und Gutfen ; Aber dag foldesinder Einheit GOttes nicht 

beſtehen Eönte / faget er ihnen nicht. 


72. Als ſte ſich aber in ihre eigene Luſt einführeten / fo ter» 
ol⸗ 


N “— 


a 


286 Tabula Principiorum. 


folder Streit und Widerwertigkeit inihnen auff / und wurden 
Die Eigenfchafften alle in ihrer Selbheit bildlich /fo war die Ein⸗ 
heit/ als das Element zertrennet / und Eriegeten die vier Elementa 
im Streit das Regiment / und fielalfobald von auffen die Uns 


. gleichheit/ als Hitze und Kälte/und das Geftirne mitder Schied⸗ 


lichkeit mit der Wuͤrckung in Leib und der Grimm GHftes 


nach der finſtern Belt Eigenfchafft in die Seele/davon kame ihm 


nach der Scelen Schreden/ Angſt / Noth/ und ewige Verzweiff⸗ 
fung: Und im Leibe machte auff/ Hise und Kälte/ / Wehethun / 
Kranckheit und tödlich Seben. 

71. Alfo fiel das Bilde GOttes / der gantze Menfch / von 
feiner Ordnung / und wardein Monftrum und Larva , und huben 
alsbald die fieben Eigenfhafften in ihrer entzündeten Art ihr 
Regiment an / mit Reiden / Morden/ Stehen und Brechen: 
Aus Liebe ward Hoffart und eigen annehmliche Liebe: Aus der 
Begierde ward Geitz: Aus der Empfindligkeit ward Neid / und 
aus dent Feuer⸗leben ward ein eitel gifftiger Zorn. Alſo ward 
der Höllen Fundament in ganzen Menſchen offenbahr / und re» 
gierete in Seel und Leib. 

72. Dieſes hoͤlliſche Fundament iſt nun der Geiſt des Irr⸗ 
thumbs / darumb der Menſch hätte muͤſſen verdamt worden / ſeyn 
und bleiben / wenn ihme nicht haͤtte alsbald die Goͤttliche Gnade 
nach ſolchem Abfall den Schlangen⸗tretter / als den Ausfluß 


Goͤttlicher Liebe / indem heiligſten Namen IZSVeingeſprochen / 


zu einer neuen Wiedergebuhrt / welcher heilige Name ſich in eitel 
Erbarmen / mit der hoͤchſten Demuth / in der menſchlichen Seele 
und S@b heraus geben / und die Menſchheit angenommen / und 
dieſem teufliſchen Irr⸗geiſt feine Gewalt zerbrochen / und die Ich» 
heit des Lebens⸗willen getoͤdtet / und die Eigenſchafften wieder in 
die Gleichheit gebracht / und mit ſeiner Liebe geeiniget / und wieder 
in Goͤttliche Einheit eingefuͤhret hat. 

73. Allda iſt der wahre Geiſt / als die — — Idea und 
Ebenbilde GOttes wieder erneuert / und mit Gottlichen Siebe» 
weſen erfuͤllet worden / und hat die menſchliche Seele dur Thri> 
fti Seele und Geift/ in folcher Siebe und Göttlichen Weſen wie 
der eine offene Pforte zu GOtt bekommen. a "%- 

74. Diefes ift in dieſer Tafelabgebildet / was Adam vor dem 
Fall geweſen / und waserim Falle worden / und wicer fey wie» 
derumb erlöfet wordeizmas feine neue Gebuhrt auschriftißeifte 
ſey: Und ift unterdem Worte Tindur indie ſteben Eigenſchaff⸗ 
ten entworffen / in welchen Eigenfihafften die Seele das Cen- 

tum 


—* 


Tabula Principiorum. 287 


trum habe / und in welchen der Geift / undin melchen der Leib/ 
dem Leſer weiter nachzufinnen. Darunter ftehen fieben wochent⸗ 
liche Tage mit den Charadtern/ anzudeuten / dag der Menfch eben 
Daffelbe ſey. 

75. Diefe Tafel deutet nun an / was der Menfch von innen 
und auſſen / beydes nach dem erfien guten Adam / und auch nach 
dem werderbten fen / und was er in Ehrifto wieder worden) daran 
man verfichen Fan / wie Böfes und Gutes im Menfchen ſey / und 
yon was Böfes ımd Gutes in Sirmen und Gemüthe urftände. 

76. Mitdem Worte Satan / damit der Irı-geift angedeutet 
wird/ wird nicht ein crentürlicher Teufel verſtanden / fondern der 
Quell folches Arırgeiftes. Und mit dem Wort Chriſtus / wird 
der neue Menfch im Geifte Chrifti nach der Inwendigkeit ver> 
fanden. Die andern Spatia werden verftanden wie in den an⸗ 
deren Tafeln / darinnen ınan die Urfach der Verwandlung ver» 
ſtehet / dem Leſer weiter nachzufinnen. En 


ENDE. 





23 2 — 
Pe) — — BAU, i TEE, 
EB“ —— 4 


“ F 
N m. 


an‘ 
— 5 * une FIR 


Pen Ze ig 
“Aug ee 


* — Er: Ne 


BR —— TER SE. 


J ER 23 rl An BE 3 re 
—— 


ie Sr ir —— F 


ea 
1214.50 4 4 
we h 


er sine 
” De at Be a 
* 


DR 





f 


2 








u u En 
— —— ee 
\ e N — TEE 
—— m RL “ — > 

— — * ern; £ 


2* 








1380-614 





Per y —R 
% ll J Pa 


ber RT 9% 


+? wrXi 
RERE 07 ih —